Anmelden

5-Minuten-Talk – wir haben ja nicht ewig Zeit· Folge 338

Warum die CDU die Finger von der Linken lassen muss

Freitag, 4. September 2026 · 6 min

MP3

Shownotes

Am Sonntag wählt Sachsen-Anhalt einen neuen Landtag. Nach Umfragen wird die AfD diese Wahl klar gewinnen. Offen scheint nur noch, wie hoch. CDU-Ministerpräsident Sven Schulze steuert auf eine Falle zu: Womöglich kann er sich nur an der Macht halten, wenn seine Koalition sich von der Linkspartei tolerieren ließe. Das wollen manche in der CDU unbedingt verhindern. Sie verweisen auf den gültigen Unvereinbarkeitsbeschluss zur AfD und zur Linkspartei.

Ist diese Haltung aus der Zeit gefallen oder macht sie weiterhin Sinn? Welche Risiken ginge die CDU ein, würde sie den Unvereinbarkeitsbeschluss einseitig aufkündigen? Darüber diskutieren die stern-Politikchefs Veit Medick und Jan Rosenkranz.

+++Anregungen, Wünsche, Kritik? Dann schreibt Veit Medick und Jan Rosenkranz eine Mail an 5mt@stern.de+++

+++Redaktion und Produktion: Veit Medick, Jan Rosenkranz, Isa von Heyl und Lara Asmann+++
Dieser Podcast wird vermarktet von Julep Media: sales@julep.de

Wir verarbeiten im Zusammenhang mit dem Angebot unserer Podcasts Daten. Wenn Sie der automatischen Übermittlung der Daten widersprechen wollen, melden Sie sich hier: datenschutz@julep.de

Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin

Fünf Minuten Talk, wenn wir nicht ewig Zeit. Mein Name ist Jan Rosenkranz. Und ich bin Veit Medik. So, das sind nur noch wenige Stunden, dann öffnen die Wahllokale in Sachsen-Anhalt. Ich muss sagen, ich bin echt froh. Ja, worüber? Ja, dass dann endlich mal losgeht und das Gequatsche aufhört darüber und dieser Angst schweißt überall.

Stimmt, irgendwie hat man das Gefühl, seit Monaten steht diese Wahl schon unmittelbar bevor. Und jetzt ist es endlich soweit, ist gut. Genau, das finde ich sehr vernünftig, dass dann endlich mal gewählt wird und wir dann auch endlich mal wissen, wie stark wird denn die AfD? Wie stark wird dann auch Sven Schulze? Das will nicht nur Sven Schulze wissen, das ist ja der Ministerpräsident von der CDU und man kann sagen, der kämpft wirklich um seinen Job gerade. Ja, auf jeden Fall gibt es ziemlich Unruhe da im Landesverband.

Es geht nämlich um die Frage, wie es eigentlich um 18.01 Uhr dann weitergeht, wenn man die Wahl absehbar nicht so wahnsinnig berauschend wird abgeschlossen haben, aus CDU-Sicht jedenfalls. Und jetzt gibt es da schon Kreisverbände, auch Strömungen, die sagen, pass auf lieber Sven, eins muss mal klar sein, mit der Linken machen wir erstmal gar nichts.

Genau, das ist eine ziemlich interessante Haltung, weil es gibt eben diese bekannten Unvereinbarkeitsbeschlüsse, muss man ja sagen. Und zwar, dass man mit der AfD, aber eben auch mit der Linkspartei auf gar keinen Fall zusammenarbeitet, weder in Koalitionen noch irgendwie verhandelt. Das gilt beides, also nach der Hufeisentheorie sozusagen sind ja beide rechts wie ganz weit links eben genauso schlimm.

Und ich muss sagen, ich finde das natürlich großen Quatsch. Und ja, ich sehe es tatsächlich anders, weil ich glaube, also natürlich ist es einfach zu sagen, Moment mal, die Gleichsetzung, die ist doch irgendwie total schräg und so. Aber jetzt nur mal angenommen, die CDU würde schon vor der Wahl sagen, ja, naja, mal gucken, vielleicht machen wir auch irgendwie was mit der Linken zusammen.

Und wenn es auch nur ganz niedrig dosiert ist, dann würdest du ja dem Flügel in der CDU, der eigentlich mit der AfD was machen will, und den gibt es ja, das mögen einzelne Kräfte sein, aber da ist auf jeden Fall was da, den würdest du ja ein Argument an die Hand geben zu sagen, na, dann lösen wir doch den Unvereinbarkeitsbeschluss zur AfD auch auf.

Ja, das klingt einigermaßen logisch, aber man könnte es aber auch sagen, wenn man die Diskussion frühzeitig geführt hätte und zwar offen und auch gesagt hätte und zwar sehr offensiv dann eben auch, es gibt eben aber doch einen erheblichen Unterschied zwischen einer rechtsextremistischen AfD und einer, naja, vielleicht in Teilen ein bisschen extremer linken Linkspartei, aber die wird nicht vom Verfassungsschutz beobachtet, die steht nicht im Verdacht, dass man sie vielleicht verbieten müsste.

Also das sind da schon zwei unterschiedliche Extremismusformen. Ja, aber natürlich passiert das Ganze nicht im luftleeren Raum. Wir haben jetzt zum Beispiel einen Berliner Landesverband der Linken, der sich einigermaßen radikal aufstellt, jedenfalls in Teilen. Also da gab es ja ein Konzert mit einem Rapper, der da antisemitisches Zeug von sich gegeben hat und so.

Und das ist ja offenkundig ein Landesverband, der ziemlich durchsetzt ist auch von diesem Antisemitismus. Und wenn man das so tagtäglich in der Zeitung liest, als Christdemokrat, denkt man dann natürlich, Moment mal, also mit denen können wir doch auch nicht nur ansatzweise irgendwas zusammen machen.

Und dennoch finde ich es total interessant, dass diese Diskussion ja nicht von außen an die CDU herangetragen wird, sondern aus der Partei selbst geführt wird. Und da muss man ja mal sagen, das ist ja die letzte Chance, die einzige eigentlich für Sven Schulze, sich im Amt zu halten, dass nach den derzeitigen Umfragen jedenfalls es für irgendeine Koalition unter CDU-Führung noch reicht.

Und dann die Linke aber gebraucht wird, um das Ganze zu tolerieren. Und dann eine Art Konsultationsmechanismus geführt werden soll. Schulze hat ja gesagt, ich will das nicht mit der Koalition, aber es könnte sein, dass wir irgendeine Form von Gespräch brauchen. Ja, klar, aber da merkst du ja selbst, Konsultationsmechanismus und irgendeine Form des Regierens.

Macht man ja in Thüringen, macht man ja auch in Sachsen. Ja. Aber da war die Ausgangslage noch ein bisschen anders. In Sachsen hat man die Wahl ja praktisch gewonnen, da lag man gleich auf mit der AfD. In Thüringen war der Abstand zur AfD auch nicht ganz so groß, wie er absehbar jetzt in Sachsen-Anhalt wird.

Also die Demütigung war nicht so groß. Und die Ausgangslage in Sachsen-Anhalt ist einfach so, dass man aus CDU-Sicht ganz schwer wird sagen können, wir haben hier jetzt den Regierungsauftrag. Und aus diesem Verunsicherungsgefühl dann noch zu sagen, ach komm, dann nehmen wir uns so ein paar Stimmen der Linken und bauen da irgendwie noch so eine kunterbunte, aber instabile.

Form von Koalition zusammen, das ist halt aus Sicht von vielen Christdemokraten irgendwie eine Zumutung. Kann ich auch verstehen. Und das finde ich aber, da sind wir an einem interessanten Punkt, weil diese Debatte, wird ja in der Union bisher gar nicht offen geführt, wurde jedenfalls bisher gar nicht, statt zu überlegen, mit wem man da eventuell koalieren könnte, die Frage mal zu beantworten, sollte man überhaupt, hat man überhaupt den Anspruch, da weiter regieren zu können mit 22, vielleicht sogar 20 Prozent, die es dann am Ende vielleicht sogar nur werden, kann man da nicht eventuell auch anders reagieren und sagen, so Herr Siegmund, Sie scheinen ja jetzt die Wahl haushoch gewonnen zu haben,

dann wünsche ich Ihnen mal viel Vergnügen bei der Regierungsbildung. Genau diese Frage wird Sven Schulze um 18.01 Uhr beantworten müssen am Sonntag. Das war der 5-Minuten-Talk für diese Woche. Wir hören uns am Montag wieder mit einer neuen Folge ab 5 Uhr morgens. Wir haben aber noch einen Tipp für euch. Und zwar startet heute ein neuer Podcast des Sternen.

Er heißt Hilal und handelt von einem Mädchen, das verschwindet. Vor alle Augen, am helllichten Tag, mitten in Hamburg. Vor 27 Jahren ist das Geschehen, ist einer der rätselhaftesten ungeklärten Vermisstenpferde Deutschlands. Hilal ist eine Podcast-Serie in neun Folgen. Heute erscheint die erste und jede Woche Konflikt.

Anmelden oder registrieren

Jetzt

0:00 / 0:00