
5-Minuten-Talk – wir haben ja nicht ewig Zeit· Folge 307
Warum die CDU in Sachsen-Anhalt ein Pulverfass ist
Montag, 15. Juni 2026 · 5 min
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Shownotes
Sie sitzen locker beieinander. Sie sprechen in ein Mikrofon. Sie scheinen miteinander zu schäkern, jedenfalls für einen Moment. Ein Foto, das den CDU-Fraktionschef in Sachsen-Anhalt, Guido Heuer, mit dem AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund zeigt, sorgt für Wirbel. Und rückt die Frage neu in den Fokus, wie es die Christdemokratie mit den Rechten hält.
Der CDU-Landesverband, der Anfang September eine Landtagswahl zu bestehen hat, steht schon länger unter Stress. Mittlerweile ist er ein Pulverfass. Ob der Schwur hält, die Ultrarechten von der Macht fernzuhalten, scheint offen. Das hat drei Gründe. Die stern-Politikchefs Veit Medick und Jan Rosenkranz diskutieren über eine Partei, die vor einer historischen Zerreißprobe stehen könnte.
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+++Redaktion und Produktion: Veit Medick, Jan Rosenkranz und Isa von Heyl+++
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Fünf-Minuten-Talk, wir haben ja nicht ewig Zeit. Mein Name ist Veit Medeck. Und ich bin Jan Rosenkranz. Jan, die CDU in Sachsen-Anhalt hat sich am Wochenende zum Parteitag getroffen und eigentlich sollte es um den Auftakt in den Wahlkampf gehen, um ein Signal der Geschlossenheit, um Aufbruch und um die Erzählung, hey, jetzt geht's richtig los.
Wir haben noch lange nicht gegen die AfD verloren. Aber das Treffen ist überlagert worden von einem Foto. Absolut, ein Foto, das aufgenommen worden ist auf einem Wahlforum in Halberstadt, ebenfalls Sachsen-Anhalt, liegt ein paar Tage zurück und es zeigt, wie der Magdeburger Landtagsfraktionschef der CDU, Guido Heuer.
Dort auf einem Podium sehr vertraut mit dem AfD-Spitzenmann Ulrich Siegmund sitzt. Die rechte Hand hat der CDU-Mann da beim Rechtsextremen Siegmund auf der Schulter und man lächelt gemeinsam vom Podium und naja, das sieht natürlich nach Kumpanei aus, so der Vorwurf. Ja und jetzt könnte man sagen, es ist eine Petitesse, aber es geht da natürlich um die CDU in Sachsen-Anhalt und dieser Landesverband, da geht es immer um die Frage, wie halten es die Christdemokraten eigentlich mit der AfD und hält der Schwur im September bei der Landtagswahl am 6.
September, dass man mit der AfD nichts macht oder kommt da was ins Banken und da fällt natürlich so ein Foto und so eine Diskussion auf einen fruchtbaren Boden. Du sagst es, die CDU in Sachsen-Anhalt ist, was das betrifft, nämlich den Umgang mit der AfD. Wie hält man es mit der AfD? Eigentlich muss man fast sagen Pulverfass und zwar aus Tradition.
Auch der Guido Heuer ist ein Mann, der sagt, naja mit der Brandmauer so, das nehme ich nicht mehr in den Mund das Wort. Bei uns geht es um Abgrenzen, aber nicht um Ausgrenzen. Tja, und da kann einiges auf die Partei zukommen wohl im September, wenn man da wählt. Und das hat komischerweise auch mit der Linkspartei zu tun.
Denn wenn man die Umfragen sich anschaut, dann ist es absehbar so, dass die CDU nur mit der Linkspartei es schaffen könnte, die AfD von der Macht fernzuhalten. Und das könnte der Partei natürlich Strapazen bringen und sie in eine Zerreißprobe bringen, weil ob das Ganze, diese Operation wirklich nochmal so funktioniert wie in Thüringen und in Sachsen oder ob dann nicht Teile der Partei sagen, wir müssen das machen.
Wir können nicht mit der Linken was machen, sondern wir müssen jetzt mal mit der Rechten was machen. Das ist die offene Frage. Du sagst es, das ist genau das Problem. Diese ungeklärten Verhältnisse, dass beide Parteien in der CDU jedenfalls offiziell gleich schlecht, nämlich am besten gar nicht behandelt werden.
Das könnte der Partei im September dann auf die Füße fallen. Es gibt noch einen zweiten Grund, warum die CDU in Sachsen-Anhalt so ein Wackelkandidat ist, sage ich mal. Der derzeitige Spitzenkandidat Sven Schulze, jetzt auch offiziell der Spitzenkandidat, Ist ja aktuell schon Ministerpräsident. Der ist eben kein Rainer Haseloff mehr. Wir erinnern uns, bei der letzten Wahl im Land Sachsen-Anhalt hat Haseloff es geschafft, alle Wählerinnen und Wähler hinter sich zu vereinen.
Jedenfalls eine große Mehrheit, in der man gesagt hat, alle stimmen für mich. Nur das verhindert eine AfD-Regierung. Das hat damals noch sehr gut geklappt. Auf Kosten natürlich von Stimmen, die sonst die SPD oder auch andere Parteien bekommen hätten. Die haben nämlich maximal schlecht abgeschnitten. Klappt das nochmal?
Fraglich. Ja, zumal Sven Schulze einfach noch nicht sehr lang Ministerpräsident ist. Also er ist auch noch nicht sehr bekannt im Land. Er hat einen europapolitischen Hintergrund, was vielleicht auch nicht so richtig hilfreich ist in diesem Landtagswahlkampf, weil Brüssel natürlich für viele mittlerweile ein Feindbild ist.
Und erinnere dich, dieser Landesverband hat ohnehin eine gewisse Geschichte. Holger Stahlknecht, damals Innenminister, hat schon versucht, sozusagen das Thema Minderheitsregierung in den Fokus zu stellen, wollte den Kurs wechseln und ist dann rausgeworfen worden von Rainer Haseloff. Also dieser Landesverband steht unter Stress, unter Spannung und das könnte sich natürlich entladen Anfang September.
Und du sagst, der Stahlknecht war immerhin Landesvorsitzender der CDU, also nicht irgendwer. Und wo wir schon bei Vorsitzenden und Chefs sind, ich glaube übrigens die Bundesspitze. Die CDU-Bundesspitze, also der Vorsitzende, eben auch Friedrich Merz, der hätte überhaupt keine Autorität, einem Landesverband da eine Ansage zu machen, wie er sich verhalten soll.
Das heißt zwar immer, aber in Wahrheit stimmt es natürlich nur so halb. Aber in diesem Fall stimmt es gar nicht, weil die CDU natürlich in Berlin durch diese Bundesregierung nicht gerade Rückenwind hat und da lässt man sich natürlich in Magdeburg von Friedrich Merz wohl wenig sagen. Ja, man hat das jetzt auch schon erleben können, denn es sollte eigentlich eine Präsidiumsplausur stattfinden, eine gemeinsame mit Berliner Spitzenvertretern und eben Christdemokraten von vor Ort und die ist abgesagt worden.
Also man könnte fast sagen, die CDU in Sachsen-Anhalt hat größere Schwierigkeiten, sich mit Friedrich Merz zu zeigen, als mit dem AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund. Es wird natürlich sofort widersprochen in diesem Punkt und gesagt, naja, Moment, das wurde ja alles falsch verstanden. Es soll ja trotzdem gemeinsame Auftritte geben. Friedrich Merz ist natürlich eingeladen im Wahlkampf und es soll gemeinsame Auftritte mit Sven Schulze geben.
Die Frage ist nur, ob der CDU vor Ort das wirklich hilft. Das war der 5-Minuten-Talk. Wenn er euch gefallen hat, schaltet morgen wieder ein. Wir sind immer da von montags bis freitags um 5 Uhr morgens, überall da, wo es Podcasts gibt. Und wenn ihr uns eine Nachricht schicken wollt mit Lob, Kritik oder Anregungen, dann macht das gerne und am einfachsten an 5mt.stern.de.