About Bauhaus

S01E01 Raumwelten und Zeitreisen - Das Bauhaus und die 1920er

Donnerstag, 16. September 2021 · 34 min

MP3

Shownotes

mit Uli Hanisch, Szenenbildner (Babylon Berlin, Das Damengambit, Das Parfum)
In der ersten Folge von About Bauhaus unternehmen wir mit dem Szenenbildner Uli Hanisch eine Zeitreise in die Zeit des Bauhauses: die Goldenen Zwanziger. Maschinenzeitalter, Innovationen und Umbrüche haben diese Zeit genauso geprägt, wie die Sehnsucht nach Kunst und modernem Leben. Das Bauhaus hat dabei seinen ganz eigenen Beitrag zum Zeitgeist geliefert, dem wir auf den Grund gehen wollen. Wir werfen einen Blick in die Wohnungen und Raumwelten dieses Jahrzehnts und fragen uns: Was heißt das eigentlich – modernes Wohnen und modernes Leben?

Credits:
Host: Adriana Kapsreiter
Schnitt: Sebastian Grimberg und Niklas Münch
Story/Konzept: Adriana Kapsreiter, Astrid Bähr, Niklas Münch, Lena Günther, Lukas Klaschinski
Produktion: Auf die Ohren GmbH
Projektleitung Auf die Ohren: Niklas Münch
Projektleitung Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung: Esned Nezic

bauhaus.de

Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin

Das Bauhaus. Weltberühmte Kunstschule der 20er Jahre. Mythos der Moderne. Doch was steckt hinter der Legende? About Bauhaus, der Podcast des Bauhausarchiv. Museum für Gestaltung Berlin geht dieser Frage auf den Grund. Hallo, mein Name ist Adriana Kappsreiter. Ich bin Kunsthistorikerin am Bauhausarchiv Berlin und darf euch heute recht herzlich zur ersten Folge von "About Bauhaus" begrüßen. Das Bauhaus. Seit 100 Jahren reden alle über die berühmte Schule für künstlerische Gestaltung gegründet 1919 in Weimar. Bauhausstuhl, Bauhauslampe, Bauhausstil, Marke Bauhaus, die ganze Welt ein Bauhaus? Wir fragen uns, was ist dran an dieser Schule und warum beschäftigt sie uns noch heute? Das möchte ich gerne gemeinsam mit

meinen Gästen aus Kunst, Kultur und Wissenschaft herausfinden. Zusammen werden wir das Bauhaus nicht nur genauer beleuchten, sondern wir wollen auch einen Blick hinter die Kulissen werfen und die Bauhäuslerinnen und Bauhäusler hinter der Story kennenlernen. Es wird also eine Entdeckungsreise und eine Reise in die 1920er Jahre. Damit sind wir auch schon mittendrin in unsere ersten Folge mit dem Titel "Zeitreisen und Raumwelten". Mein Gast heute ist der Szenebildner Olihanis.

Herzlich willkommen bei "About Bauhaus". Dankeschön. Sie haben sehr viele Projekte gemacht, die in der Vergangenheit spielen. Also das Parfum zum Beispiel oder das Daumenger-Beat spielt ja auch in der Vergangenheit. Für das sind sie gerade für einen Emmy nominiert worden. Nur mal so nebenbei. Aber einer ihrer größten Hitze ist Babylon Berlin und das spielt ja nun in den 20ern. Also da gibt es eine ziemliche Nähe und die 20er... Warum fasziniert sie das eigentlich? Sie haben ja noch ein paar andere Projekte gemacht, die auch in den 20ern spielen.

Ja, so um die Zeitrunde. Wir sind ja im deutschen Film beschäftigt. Ich bin sicher doch immer noch viel lieber mit dem dritten Reich. Wir hohen Runde in allen Facetten. Wobei wir natürlich auch festgestellt haben, ob man jetzt nicht besonders doller Historiker sein muss um zu wissen, dass man das dritte Reich nicht verstehen kann, ohne die Wahre publik. Also die Zeit davor irgendwie verstanden zu haben und den ersten Weltkrieg verstanden zu haben. Und deshalb ist natürlich die Zeit oder diese ganze Epoche davor... Also nicht nur ist man natürlich deutlich freudvoller und aufregender als das dritte Reich, sondern sie gehört aber zum Verständnis eben dazu. Wenn wir jetzt darüber reden, also wo ist die Verbindung zwischen dem, was ich halt tue und dem Bauhausthema und so

weiter, das wir eben schon so angedeutet, geht das ja die ganze Zeit natürlich um diesen wahnsinnigen Umbruch. Also das, was wenn Sie fragen, was interessiert mich an der Zeit, finde ich sehr viele Epochen interessant, aber ich glaube, dass so aus unserer Sicht als Menschen des ausgehenden 20. oder beginnen 21. Jahrhunderts, wenn man so zurück schaut, wüsste ich eigentlich keine Epoche der Menschheit, sauber in unserer westlichen zivilisierten Welt, die auch immer man das so benennen will, wo so ein größerer Umbruch stattgefunden hat als eben da. Zwischen 1900 und 1930 ist aber auch ganz grob. Ja, das sehe ich ganz genau so. Also was da alles passiert, ist unfassbar. Es ist die Zeit der Industrialisierung natürlich, es ist

die Zeit eines unglaublichen politischen Umbruchs, der Erste Weltkrieg sowieso, und ich persönlich bin eben auch zu diesem ganzen Bauhausthema gekommen über die Vorgeschichte, auch tatsächlich über Industrialisierung und ich konnte es nicht fassen, wie spannend das ist, weil man denkt sich so, also ich erinnere mich noch in der Schule, Industrialisierung hier so bisschen Dampfmaschinen und so Fabrik und gut ist es, was da alles, jedenfalls was ich immer unterschätzt habe ist, wie die Welt sich eben wandelt zu der Welt, die wir heute haben. Also es fängt natürlich damit an, dass Reisen völlig anders wird.

Das Telefon entsteht, es passiert was mit Distanz und Nähe, das was plötzlich unerreichbar ist auf der anderen Seite, der Weltkugel ist plötzlich erreichbar. Was eine Riesensache, auch jetzt ist Fotografie, ich glaube das kann man gar nicht hoch genug einschätzen, was das auch mit der Psyche der Leute macht, dass man plötzlich so eine neutrale Gegenwart darstellen kann und das hat ja dann auch einen Rieseneinfluß auf die Kunst. Also es ist ein Grund, warum sich die Kunst dann ins Abstrakte wendet, weil wir brauchen jetzt noch ein Porträt mal, die wurden alle arbeitslos. Ja also das sind ein paar einschneidende Veränderungen, aber es gibt ja noch so viel mehr in der Chemie und es hängt ja sozusagen alles miteinander zusammen und der Mensch hat ja offensichtlich eine

Neigung dazu, dass er sich technisch schneller entwickeln kann als emotional oder philosophisch oder geistig, egal wie man vielleicht das nennen soll. Das heißt irgendwie in dem Moment, alles was sie sagen, ist ja zusammengefasst, ist ja das Irre, wenn man es sozusagen versucht zu subsumieren, dann ging plötzlich im Grunde genommen alles, was vorher nicht ging oder so wahnsinnig viel. Also die Idee eben dank sehr schneller oder sehr starker Maschinen irgendwie Dinge zu bewegen, zu heben, zu formen, herzustellen, sonst wie was sie über Kommunikation sagen, über Fotografie. Man muss sofort daran denken, was es für eine wahnsinnige Sensation gewesen sein muss für die Menschen, dass es plötzlich abends die Städte einigermaßen hell waren. Also im Wahrsinn des Wortes

"vor der Dunkelzeit befreit" wurde es, weil als elektrisches Licht, da war so was banales wie elektrisches Licht in der Wohnung, in Berlin, ich bin mit so Fakten immer so ein bisschen ungenau, also man mag mich da bitte jetzt das nachsehen, aber in den 10er/20er Jahren eben genau da war das, ich glaube ich, da irgendwann Anfang der 20er war so etwas wie ein Drittel der Haushalte in Berlin, glaube ich, erst elektrifiziert. So und es ging alles halt unheimlich schnell, Radio kam unheimlich schnell in die Haushalte und so weiter oder eben die Verfügbarkeit von kleinen Kinos und so weiter und all das. Also im Grunde genommen jagte eine substanzielle oder essentielle Sensation die nächste und natürlich folgerichtig und das ist glaube ich viel wichtiger noch, Brachen hat

alle alten Strukturen und Systeme auseinander. Also in erster Linie im Grunde genommen für Europa gesehen eben die Oligarchien, also die ganzen alten Monarchien und die Strukturen dieser Art, wie auch immer, jetzt im Einzelnen fingen an zu bröckeln und zerbrachen schließlich und haben das natürlich auch nicht aus sich sitzen lassen, wo auf Hindern der erste Welt kriegt, das war ja nichts anderes als ein letztes Aufbäumen von diesen knochenklappenden Gespenstern, die nochmal mit ihren Säbel rasseln mussten und zu sagen, was für tolle Typen sind und die waren es halt nicht, weil sie waren halt vergangenheit.

Ja genau, es ist ein riesiges Mosaik aus all diesen Bausteinchen, Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur. Es gibt von Peter Behrens übrigens, weil sie das erwähnt haben in die Richtung, den schönen Satz, wir haben bisher eine Zivilisation geschaffen, aber noch keine Kultur, weil die Technik war eben schon so weit und die Fabrikproduktion war schon so weit und das ist ja auch das, durch die Fabrikproduktion gibt es Bürger, die reich werden, die sind nicht atlich und die sind trotzdem super reich und die werden eben auch zu Merzähnen für die Kunst dann. Plötzlich gibt es nicht nur den König, der irgendwie das irrsinnig toll eingerichtete Renaissance-Estzimmer haben will, sondern es gibt auch den

Fabrikherrn, der das haben will und gleichzeitig entsteht ja auch da erstes Massenprodukt, also dass die Maschine fertigt dann eine Lampe mit ganz vielen Schnörkeln drauf, die sieht aus wie das, was früher der Herr Aristokrat auf dem Tisch stehen hatte, aber jetzt kann man sich es plötzlich für kleines Geld kaufen und das wird eine Gemengelage, die wahnsinnig interessant wird fürs Kunstgewerbe. Ich glaube, das ist ein Begriff, der heute ein bisschen aus der Zeit gefallen ist oder Kunstgewerbe, kennt man nur noch vom Kunstgewerbemuseum?

Ich glaube, das ist der Begriff, der ist irgendwie aus der Zeit gefallen ist, also die Beine haben aber was ganz anderes, also eher was Positives sogar. Ja, also es ist eben eine riesige Entwicklung eigentlich genau in dieser Zeit auch in der Industrialisierung, weil mit diesem Auftauchen der Maschine, mit den neuen Innovationen in gesellschaftlichen Veränderungen will man plötzlich Kunst überall. Und Kunstgewerbe heißt eigentlich nur nach künstlerischem Entwurf gefertigte Gebrauchsgegenstände und schönes altmodisches Wort "Zirat".

Also alles, wo wird man dekoriert? Also die haben dann die Häuser sehr, sehr aufwendig dekoriert. Das war eine eigene Branche dann, alles mit Kunst, also jedes Tellerchen, jeder Zigarettenanzünder und die sind dann auch ein bisschen durchgedreht, was das angeht. Dieser Wunsch, dieses Sehnsucht nach Kunst, vielleicht weil die Zeit so chaotisch wurde, vielleicht weil die Fabrik so hässlich war, das spielen sicher auch wieder viele Faktoren mit rein. Wie Sie sagen, das Interessante ist ja daran, dass diese Gegenstände, also in dieser luxuriösen Schönheit sozusagen, war ja etwas, was vorher sehr, sehr wenigen vorbehalten war. Das heißt, natürlich hat man damit groß bestaunen und so jetzt natürlich mit einem tollen

Neid drauf geguckt und auf einmal war es wie ein weiteres Wunder verfügbar. Natürlich standen da erstmal alle senkrecht drauf. Ja klar, also das kennen wir ja auch, wenn es dann plötzlich eine Feldschirm gibt vom Markenprodukt und alle stürzen sich drauf. Also das war damals eben tatsächlich nicht anders, nur dass eben die Klassenunterschiede schon noch mal anders waren.

Naja, also Deutschland war bekannt für seinen schlechten Geschmack in der Zeit. Das hat sich ja gar nicht so drehen. Das haben wir jetzt aber Sie gesagt. Ja, ich glaube, das ist noch meine Stimme. Die Geschichte mit Made in Germany, kennen Sie die? Also ich kannte sie nicht und für all unsere Hörer und Hörerinnen, Made in Germany wurde ursprünglich vom britischen König entwickelt, um seine Leute zu schützen vor der deutschen Schundware. Die waren nämlich wahnsinnig billig produziert mit billigen nachgemachten Materialien und auch so Industrie-Spionage. Die haben Designs einfach geklaut von anderen Ländern und ebenso wie Made in China in den 90ern war damals Made in Germany.

Weil die Franzosen konnten sich natürlich auf ihre ganzen Louis, Carres, Cartons, wie sie alle heißen, geschmacklich beziehen und die Italiener haben ja sowieso tausend Kapitel der Kunstgeschichte. Und die haben sie dann doch leider immer aufwunden als Erste. Und die sind halt dann noch lange an dem Hängen geblieben. Dann gab es halt Neo-Renaissance bei den Italienern und Neo-Barock bei den Franzosen, aber worauf konnten die Deutschen zurückgreifen? Ja, die Deutschen, ich glaube eh, dass die Deutschen irgendwie keinen wirklichen Hang zum Zierrat haben.

Ja, das stimmt. Also eine steile These. Also Sie haben es damals wirklich versucht. Es gab unfassbar viel Schmuck und Zierrat, Trapierungen und was weiß ich, also auch immer so Fantasiegebilde. Also man hat sich dann orientalischen Salon einrichten lassen, der so aufwendig dekoriert war mit so viel Stoff und Traparin und hier noch eine künstliche Pfauenfeder. Das haben alle gemacht. Das haben alle gemacht.

Also dieser kolonialer, exotische Moment, der im Prinzip ja eben wirklich von den Kolonialmächten kam, ich glaube da waren die Engländer eher die Weltmeister, weil die auch am meisten mit dem Thema befasst waren. Das stimmt, orientalische Zimmer, chinesische Zimmer. Aber jetzt kommen wir ja im Prinzip in der Überleitung von dem ersten entstehen dieses Kunstgewerbes, also einer Massenproduktion im Grunde auf das Bauhausthema, weil die sind ja sozusagen derselben Idee entsprungen, also der Möglichkeit und haben eben aber was anderes gemacht.

Das Bauhaus wurde 1919 von Walter Gropius in Weimar gegründet und zwar als Schule die Kunst- und Kunstgewerbe vereinen wollte. Der Geist einer neuen Kunst in allen Dingen, in allen Häusern, in der Einrichtung und im Küchengerät, vom Kinderspielzeug bis hin zum Theaterstück. Danach folgten 14 Jahre voller Ups and Downs, drei verschiedene Direktoren, drei Schulgebäude in Weimar, Dessert und Berlin, bis die Nazis 1933 die Schließung der Schule erzwangen. Die Geschichte beinhaltet also viele Kapitel und Unterkapitel, aber auch einen roten Faden. Das Bauhaus wollte der Zeit und all ihren Umbrüchen einen neuen Ausdruck geben und war damit nicht alleine. Es gab viele Schulen, Künstlergruppen und Zusammenschlüsse in der Weimarer Republik,

die alle dasselbe Ziel hatten, die Suche nach dem Modernen. Also im Prinzip das Neu-Affinden von neuen Formen für eine neue Zeit mit einem neuen Leben und natürlich, was ich gerade gesagt habe, ist halt total wichtig. Weil das Bauhaus war ein wichtiger Bestandteil einer Entwicklung, die sich offensichtlich gar nicht mehr aufhalten ließ und die überall, so wie so ein Staudamm, der an tausend kleinen Punkten gleichzeitig gebrochen ist und überall kam ja das gleiche frische Wasser durchgeschossen. Das haben Sie sehr schön gesagt, tolle Metapher. Ja, wenn ich jetzt dann doch mal über Babylon Berlin nachdenke oder was uns daran so interessiert hat, Berlin war halt jetzt, das ist ja auch nur stellvertretend, weil es sich hier so

gebündelt hat. Auch das war ja zu dem Zeitpunkt noch nicht mal in Berlin, ist ja auch klar. Aber das ist eben, was ich so irrsinnig faszinierend finde und da ist eben das Bauhaus tatsächlich auch nur ein Teil davon, ist wie parallel, unabhängig, aber natürlich letztendlich auch so verbunden durch so eine enge durch so einen gemeinsamen Ort hier in der Stadt Berlin zu sein, sich im Prinzip eben hier alle Kunst- und Kulturformen über eine gleichzeitig aufgebrochen haben und neu entwickelt haben und zu irgendwie ähnlichen oder auch ein bisschen widersprüchlichen oder anders aussehen, aber doch sehr ähnlichen Ergebnisse gekommen sind und das eben auf allen Ebenen gleichzeitig mehr. Also letztendlich, ob man über Theater-Tanz redet, über die Bild-

sind Kunst, über Grafik, über sich Zeitungen, Bücher, Literatur, Mode, Musik, ja Gott, ja, irgendwie so die ganze Stadt, die unabhängig getanzt hat von morgens bis Abend. Dann darüber hinaus eben und das finde ich immer so ganz wichtig, dass sich also vorzustellen eben, dass die eben so eine Stadt in der Größenordnung, in der Form, in dieser Schnelligkeit Berlin gehabt, ja so, als die, also der typische Berliner war halt laut, neugierig und schnell, das waren die drei wichtigsten Begriffe, irgendwie so euch immer umvogeliehen fand ich ganz toll. Also doch ist das neugierig. Aber eben schnell, schnell, schnell, aber man durfte niemanden langweilen, irgendwie so durch lahmarschig. Mein Gott, ja, das ist ein

riesen Thema. Ich habe auch so viel über das gelesen, so ja, die ertagt, alles geht zu schnell, man hat keine Zeit mehr. Ja, ja, bis hin zu Aitiktur, man hat keine Zeit mehr, die kleinen Details ganz oben unter dem Dach, wenn man da schnell vorbei braust, im Auto, da muss das auch schnell erkennbar sein. Genau, oder wenn man, ich finde es immer so stark vereinfacht, aber wenn man sich eben jetzt zum Beispiel auch den Expressionismus anguckt, irgendwie in seiner Darstellungsform, wo es ja offensichtlich unter anderem darum geht, um eine Überforderung des Menschen in dieser schnellen, großen und oft auch sicherlich auch anstrengenden oder sogar feindselig empfundenen Umgebung, sich da zu behaupten oder zu scheitern oder wie auch immer, das ist natürlich eine

Formsprache, wie im Expressionismus auch nur zu diesem Zeitpunkt an diesem Ort so entstehen kann oder konnte und eben nicht wegen mir Impressionismus anbieten 30 Jahre vorher oder wie viel oder vielleicht 50 sogar irgendwie auf dem Lande in Frankreich. Es ist ja nicht trennbar. Ich glaube, das ist das, worüber wir ja eigentlich auch die ganze Zeit immer so ein bisschen miteinander reden wollen, ist ja, dass man diesen musialen Außenblick verliert, wenn man einen Verständnis entwickeln will, sondern sich ja wirklich in den Moment reinversetzen will und sich die Leute ja nicht als Gipsbüsten vorstellt, die sie heute sind, sondern irgendwelche Heinis, die halt um die Ecke gekommen sind, irgendwie

schlecht geschlafen haben und irgendwie, was sie nicht streit mit ihrer Freundin hatten, um dann ins Atelier zu rennen, um irgendwie so einen Stuhl zu entwerfen. Ja, ja, total. Ich finde das auch so wichtig. Ich finde, das ist eben bei Geschichte ist es, wie wenn man Menschen kennenlernt. Dann will man auch erst mal wissen, wo kommt der her, was hat der da vorgemacht und was ist eben seine oder ihre Geschichte. Und gerade beim Bauhaus vergisst man das eben, wenn wir heute diese krastige, ich nenn's jetzt mal ganz salopp, Schuhschachtel-Architektur sehen oder so ganz minimalistisches Design. Das schockt uns ja heute nicht mehr.

Wir haben so viel davon gesehen. Es ist schwer vorstellbar, wie krass es für die Leute damals gewesen sein muss, weil es eben, und jetzt kommen wir zu dem spannenden Punkt, es war ein Bruch mit der Tradition. Wir nennen ja diese Epoche, die Moderne. Wir haben Bauhausarchiv, wir schlagen uns viel drum mit diesem Begriff "Modern", weil was in Gottes Namen heißt es eigentlich "Modern".

Es ist so einfach und so schwer zu fassen. "Modern" heißt erst mal nicht alt, aber wie sich das dann fassen lässt in einem Geschmack, in einem Stil. Man muss ja nämlich auch sagen, dass die Leute unterschiedlich drauf reagiert haben, also auf all diese Veränderungen. Es gibt die Leute, die sehen sich dann mehr nach der Vergangenheit? Ja, wenn ich das einwerfen darf, wenn sie sagen, die Leute haben unterschiedlich drauf reagiert, ich glaube, dass ein stark überwiegender Teil der Leute das erst mal ganz entsetzlich kann und das irgendwie abgelehnt haben. Das darf man natürlich gar nicht vergessen, wenn man heute sich eben die Bauhausklassiker oder wie auch immer, wenn man damit umgeht, dann wirkt das ja

hoch saturiert. Das steht halt dann irgendwie in der Rechtsanwaltswille, irgendwie im Grünewald rum, der Kram, dass das aber mal kurz vor subversiv war ist ja spannend. Ja ja, auf alle Fälle. Nicht nur kurz davor, also ich glaube die Leute waren richtig gehend, fertig mit den Nerven, weil dieser Bruch mit, also eben in so Zeiten, in unsichere Zeiten ist immer so ein komisches Wort, sagen wir in Zeiten volle Umbrüche.

Gibt es dann die, die sich so an dem alten festhalten und die, die sagen, hey nein, wenn sich jetzt so viel ändert, können wir alles ändern. Und es ist ja auch spannend, dass in der Zeit der Heimatschutz zum Beispiel entsteht. Und die ganzen rechten Ideologien über die müssen wir ja gar nicht reden. Aber es war ja nicht nur das, es gab auch ganz großartige Künstler, zum Beispiel Arts and Crafts in Großbritannien, William Morris und so weiter, die eben sehr progressiv waren, aber die trotzdem die Fabrik abgelehnt haben, die weg wollten von der Industrialisierung und wieder Entschleunigung und so. Wie es es ja heute auch noch gibt, gibt es auch Leute, die sich wünschen würden, Internet wäre jetzt wieder weg. Und gerade das, weil sie das auch vorher gesagt haben,

das treibt mich auch immer so um. Wie ging es den Leuten mit diesem elektrischen Strom? Ich stelle mir immer vor, es gab massig Leute, die sich damals dachten, was, Elektrizie, Elektrizie, wie heißt das, dieser neumodische Kram, das will ich nicht haben, so wie damals im Internet. Das setzt sich gar nicht durch, was soll das alles? Na ja, da gibt es natürlich tausend so Lustigkeit, wie diese Testfahrt mit der ersten Dampf-Lock oder was von Nürnberg nach Fürtblib, irgendeine berühmte Fahrt, wo die Mediziner davor gewarnt haben, dass halt der menschliche Körper oder Organismus einen Tempo schneller als 25 Stundenkilometer gar nicht aushalten kann und sozusagen daran Schaden nimmt und so weiter. Das ist spannend. Das zog auch immer wieder mal so auf,

als lächerliche Groteske von den ewigen Mannern. Aber andererseits gab es damals auch Leute, die in der Industrialisierung haben, die dann versucht, die Erschöpfung zu erforschen als Krankheit, weil die dachten, ey, wenn die Maschinen einfach so arbeiten können ohne Erschöpfung, können wir das vielleicht auch. Und wenn wir alles möglich erforschen ändern können, können wir das vielleicht auch. Und es gab dann alle möglichen, ich glaube, die haben sogar mit Elektroschocks experimentiert und natürlich mit allen möglichen und dachten, das kann man jetzt aus der Welt schaffen. Erschöpfung und Ermütung gibt es bald. Naja, ich meine, also diese Sachen sind ja auch immer in so militärischem Kontext von Interessen. Wie kann der Mensch, wie kann die

Menschmaschine, das ja auch so ein wahnsinniges Thema, da könnten wir jetzt alleine den nächsten Dreistellen übergeben, der zu idealisierende Mensch oder optionierende Mensch, wie kann ein Soldat irgendwie besser funktionieren und all das, was Sie sagen. Ich habe aus dem Duden mal eine Definition rausgesucht, was modern eigentlich heißt und das heißt eben der herrschenden Mode oder der neuesten Mode entsprechend oder dem neuesten Stand der Entwicklung. Das ist eine ganz schöne Definition, ne? Finde ich auch. Also das kann die geschichtliche Entwicklung, eine technische Entwicklung, eine kulturelle Entwicklung und dann kann es einfach auch nur heißen, der neuen oder neuesten Zeit zuzurechnen, also das, was jetzt gerade aktuell ist. Und dann gibt es noch, sagt der

Duden, an der Gegenwart ihrem Problemen und Auffassungen orientiert, dafür aufgeschlossen, in die jetzige Zeit passen. Das müsste ich jetzt noch mal hören, wenn es um so geht. Ja, hört sich auch sehr gut an. Also aufgeschlossen für das, was die Gegenwart mit all ihrem Problemen und Auffassungen bietet. Das ist so ein bisschen das, was wir beim Bauhaus uns vorstellen, dass die sagen, okay, was ist die neueste Zeit? Wir haben jetzt Maschinenzeitalter, die Gesellschaft hat sich verändert, wir wollen jetzt nur noch diese Probleme lösen. Uns interessieren nicht mehr die alten Schlässe und uns interessieren nicht mehr die Kirche. Ja, aber ich glaube, was sicherlich auch nicht nur im Bauhaus oder von den Bauhäuslern bedacht oder überlegt wurde, aber dieser letztendlich

diese wichtige soziale Gedanke, also dass man eigentlich darüber redet, wie sich die Welt gerade im Begriff ist, zu verändern. Und natürlich, was im Kunstgewerbe anfing zu sagen, also die gute Form für jeder Mann an jedem Tag. Das ist glaube ich auch so ein Statement, ich weiß nicht, ob das genau für aus dem Bauhaus kommt, passt aber natürlich genau. Und zu sagen, es geht ja darum, dass eben 98 Prozent der Menschen an irgendwelchen selbstgemachten Wackeltischen in ihrer dunklen Küche gehockt haben, etwas übertrieben, und die schönen Möbel oder die schönen Formen nur den sehr wenigen vorbehalten. Das ist ja im Prinzip ein Demokratisierungsprozess. Im Grunde sozialistischer Gedanke zu sagen, das galt ja letztendlich fürs Wohnen auch. Also wenn man sich

eben angeguckt hat, wie viele Menschen gelebt haben und eben die wenigen, die schön im Licht mit Hygiene und mit Sanitär usw. gelebt haben, zu sagen, die Städte müssen sich ändern, das ganze Miteinanderleben muss sich ändern. Und da kann oder da soll oder da muss die Form, diese neue Form, die wir hier erfinden sozusagen ihren Beitrag leisten, eigentlich das Leben aller zu verbessern. Das war ja heute über den Mann von einem holistischen Ansatz sprechen.

Die Gestaltung von Raumwelten war das Thema der Moderne und des Bauhauses. Mit neuen Möbeln und neuer Wohnungseinrichtungen sollte ein modernes Leben möglich und im wahrsten Sinne des Wortes greifbar werden. Leicht und flexibel, praktisch und gut, mit Formen und Materialien, die das Maschinenzeitalter zum Ausdruck bringen. Das Markenzeichen des modernen Möbeldesigns sind eindeutig die Stahlraumöbel, vor allem der berühmte Freischwinger, den wir ganz oft mit dem Bauhaus assoziieren. Wie sehr Stahlraumöbel heute noch symbolisch für die Moderne sind, sehen wir auch in einer Episode aus Babylon Berlin. Ich habe mit unserer Kuratorin gefachsimpelt, weil bei Babylon Berlin das Polizeikommissariat, da gibt es ja auch Stahlraumöbel und gab es die

wirklich, wissen Sie das? Im Polizeipräsidium auf gar keinen Fall. Also unter gar keinen Umständen hätte es es dort gegeben, also kann ich mir nicht vorstellen. Das ist eigentlich die Stahlrohrstühle, spielten jetzt für uns in, das ist die Mordkommission, auch eine Rolle, aber die waren nur Teil dieser Idee tatsächlich. Das ist eben so etwas, was wir dann machen oder gemacht haben bei Babylon Berlin in einer Überhöhung, um etwas zum Ausdruck zu bringen. Also diese ganze Mordkommission, also dieses Großraumbüro mit diesen Arbeitsgruppen sozusagen, wo da sitzt ein Kommissar und die Assistenten oder wie auch immer zusammen und lösen die Fälle oder arbeiten an den Fällen und es gibt diese große Lage, diesen großen Konferenz-Tisch und diese Modernität.

Im Prinzip haben wir mit voller Absicht sozusagen einen Raum oder einen Ort erfunden oder interpretiert, um sozusagen eigentlich darauf hinzuweisen, dass eben die Mordkommission damals unter dem Oberkommissar Gennert, der ja im Prinzip so der Miterfinder der modernen Krimineologie war und tatsächlich eben in Berlin hier tätig, eine echte Figur, so eine relevante historische Figur, der halt ein wahnsinnig moderner Geist war. Also auch da, wir reden ja die ganze Zeit über Neuerungen und so weiter. Natürlich gab es auch in solchen Arbeitsfeldern, wurde etwas ganz neu erfunden, die Polizeiarbeit, die es vorher gab, die muss irrsinnig, also zum Teil auch stupide gewesen sein, wo Tatorte gereinigt wurden, bevor die Polizei gekommen, die Leichen ordentlich

hingelegt wurden und so weiter und so weiter. Also die Idee, dass man Spuren sucht oder dass man irgendwie systematisch vorgeht, nach Motiven fragt und so weiter und so fort, das gab es tatsächlich bis dato in dem Sinne auch nicht. Also auch hier große Neuerungen und dann haben wir gesagt, wir geben dieser Mordkommission eine ultramoderne Abteilung, die ist weder architektonisch noch über eine Idee hier in der Rotenburger Alexanderplatz damals hätte geben können und haben dann die Schreibtische selber entworfen, die hatten so einen kleinen Artigo-Schlach, also hatten aber auch was Bauhausiges und natürlich dann wie das Ganze mit Freischwingerstühlen irgendwie zu bestuhlen, um letztendlich diesen modernen Raum zu charakterisieren, das war die Idee.

Ein Stuhl als Ausdruck eines progressiven Lebensgefühls, das mit der Tradition bricht und den Schritt in eine neue Zeit wagt. Bis heute erzählen die Möbel der 20er Jahre diese Geschichte des radikalen Umbruchs. Beide scheinen ja immer noch modern zu sein. Finden wir die 20er Jahre so faszinierend, weil wir uns heute immer noch mit den Umbrüchen identifizieren können?

Unser Hauptziel oder die Hauptmotivation, warum wir uns mit diesem Thema so auseinandersetzen wollten, war ja jetzt nicht irgendwie die feuchtfröhliche Geschichtsstunde über die Weimarer Republik zu inszenieren, sondern zu sagen, schau mal wie interessant das damals vor knapp 100 Jahren war und wie nah sozusagen nicht die uns sind, sondern wir denen. Und das war immer so eine Idee davon zu sagen, auch im Erscheinungsbild der Serie. Natürlich machen wir die Zeitreise, natürlich müssen wir und der Zuschauer das Gefühl haben, man sieht jetzt sozusagen diese Zeit, die es nicht mehr gibt oder die eben schon so lange vorbei ist und eine Stadt, die es in der Form nicht mehr gibt. Aber eigentlich war der geheime Plan dahinter immer auch ein bisschen zu sagen,

wir wollen einfach, dass man sehr schnell vergisst und das ganze viele Momente und Orte und im Prinzip das Miteinander, was man dort erlebt, uns so vertraut und bekannt vorkommt und man immer so, das könnte jetzt auch gerade heute sein, damit man die Vergleichbarkeit spürt. Und das ist nicht immer ein bisschen harsh träubend, weil das ist nicht eins zu eins zu vergleichen. Wir befinden uns jetzt nicht in einer Situation, die mit der Weimarer Republik 1924 oder 1929 wegen mir irgendwie vergleichen lässt. Aber es gibt eben doch Zusammenhänge, die interessant sind. Ja, auf alle Fälle. Strukturen, Mechanismen, also ich muss das ja sagen als Historikerin, weil natürlich hat das immer eine Bewandtnis für die Gegenwart. Und in den 20ern eben, da gibt es wirklich viele,

viele Vergleichs, muss man einfach sagen. Ich glaube, das ist Ihnen ja auch gelungen, wir haben einen Wettbecher. Ja, ich glaube, das muss man noch kurz vorbeisagen, weil das wichtig ist aus unserer Sicht. Das ging sogar. Irgendwann habe ich dann so das Gefühl gehabt, die mehr ich recherchier, musste zwar vorher schon relativ viel, aber dann lernt man das wieder nochmal immer mehr und mehr. Habe ich so gemerkt, also es ist auch im Grunde genommen eine Umarsch und ein Hut ziehen eigentlich vor der Größe unserer Großeltern oder Urgroßeltern, wie immer man das jetzt rechnen will, wo man denkt, wir sind ja in einem Gefühl von extremer Progressivität oder Aufgeschlossenheit oder wie sich die Welt mit uns oder um uns herum

entwickelt hat. Und dann guckt man eben gerade auf die kulturellen Rungen schaffen, sozusagen, also dieser Zeit und merkt, wir sind quasi Babys, wir sitzen wie die Zwerge auf den Schultern unserer Großeltern und fühlen uns da oben sehr, sehr groß. Und die waren nicht nur krasser und radikaler und umfassender, zum Teil eben auch wahnsinnig viel begabter, sondern das finde ich dann immer noch irrsinnig, also ich vorzustelle, die waren absolut die ersten, die das jemals gemacht haben. Es gab es vorher nicht. Wir können ja auf tausend Referenzen gucken und dann hier um die Rumexperimente rumhaben, da passiert immer noch Dinge, die sozusagen neu sind. Aber ich glaube, die Art der Neuheit, die damals geschaffen wurde,

die ist für uns nicht nachvollziehbar. Ja, das stimmt, das ist wirklich so. Was Sie auch vorhin gesagt haben, wie ganz doof, wenn man sich jetzt vorstellt, man malte jetzt irgendwie sozusagen so ein Quadrat auf ein Stück Papier und behauptete, das ist ein Haus. Wenn man dann über den Buch mit Tradition und so weiter redet, was das vor allem Skandal war, ja, wie irrsinnig das war, ja, mein Lieblingsbeispiel ist ja immer noch aus der Grafik. Gibt es Schriftarten, die sozusagen Familiennamen haben, so wie die Antique war und so weiter. Und die Serifenlosen, also die schlichten Schriften, die es im Prinzip eben seit den zwanziger Jahren erst gibt, die heißen bis heute, die Schriftfamilien, die heißen Groteskschriften. Und die heißen deshalb Groteskschriften,

weil man die früher Grotesk kennt, weil die eben so unverziert und so schlicht waren. Also Helvetikas und Futuras sind all diese Schriften, die sozusagen keine Schnörgel haben, die heißen in der Grafik sind das, die sagt man, also ich weiß ja, den Bügel voll den noch im Tagesgeschäft benutzt, aber das sind die Familien der Grotesken. Das ist eine Beleidigung. Das kommt eben aus der Zeit und das ist, glaube ich, das Niveau an Reflektionen darüber, was man eben sich vorstellen muss. Ja, ja. Die waren Grotesk. Die waren Grotesk. Ich habe mich schon oft gefragt, warum, wieso sind die denn Grotesk? Die sind doch normal. Genau, die sind heute normal. Das ist der heutige Blick.

Ja, genau, genau. Verrückt übrigens, dass Sie das jetzt sagen, dass wir wie die Zwerge auf den Schultern unserer Großeltern sitzen, weil genau das wollte ich Ihnen jetzt noch vorlesen. Wir sind Zwerge auf den Schultern von Riesen sitzend, um mehr und weiter als Sie sehen zu können. Von wie ist das eigentlich? Das ist von Bernhard von Schadtre, aus dem 12. Jahrhundert, mittelalterlicher Skolastiker. Also der wusste es schon. Der wusste es schon, ja. Ich hatte jetzt gehofft, es wäre neigstens, hier jemand, die man kennt. Im Gegenteil, also das ist nämlich genau der Punkt, weil ich glaube, also auch wenn das Bau ist natürlich auch vielen vorher aufgebaut hat, aber das Spannende am Bau ist und der Moderne ist, dass die so einen Willen hatten, auf diese Riesen

zu verzichten. Die wollten lieber Zwerge sein, als auf den Schultern von alten Traditionen und toten Konventionen sitzen. Und da habe ich noch ein schönes Zitat. Jetzt am Schluss kommen die Zitate. Diesmal von Kandinsky, also jetzt sind wir beim Bauhaus. Und der meinte eben, dass ne Kunst, die nur Kind ihrer Zeit ist und nicht Mutter der Zukunft, die ist nichts wert. Also es reicht nicht, wenn ne Kunst den Zeitgeist völlig erfüllt, sondern es muss immer auch in die Zukunft weisen. Aber wer weiß das schon? Ja, genau. Das ist der Punkt. Und da kann man jetzt lange diskutieren, haben die Mittelalter auch schon gedacht, dass was wir hier machen, das wird in der Zukunft noch für Jahrhunderte genauso bleiben, die denken auch in die Zukunft. Oder fängt es erst mit der Moderne an, wo die

sagen, die Zukunft, das Wilde, Neue und es werden das Gegenteilige Dinge. Ja, ja, ja, das verstehe natürlich. Und das hat ja auch was damit zu tun, was Sie vorhin angesprochen haben, ist, dass das ja auch eine Zeit der kurzlebigen Trends tatsächlich war. Also dass dieses Tempo und dieses jetzt und das ist noch mal ein Neuer und ein Neuer als Neuer und so weiter. Und das war sicherlich was, was die als Phänomen umgeben und auch genervt hat und dass der Satz uns dann ganz stark daherkommt.

Aber natürlich kann man ja in Wahrheit dieses Urteil dann auch erst wieder den Kind dann oder Enkel dieser Mutter, von der man jetzt spricht, überlassen. Und dann ist man ja zum Glück nicht mehr dabei. Ja, es ist schon irgendwie auch ein bisschen vermessen, das muss man auch sagen. Und vor allen Dingen, ich frag mich dann, was heißt es? Also heißt es, die Kunst der Zukunft schaut dann genauso aus. Bleibt dann so, so wie bei den Ägypten. Jahrtausende Jahre. Ich verstehe es fast ein bisschen, wie offen er zu sagen, also das, was man sich jetzt sozusagen Neue ausdenkt, sollte die Kraft haben, sozusagen noch in die Zukunft so stark reinzustrahlen, dass sie da was bewirkt oder so auslösen weiter. Ja, wahrscheinlich ist es tatsächlich so, dass so eine abstrakte,

künstlerische Kraft, die man gar nicht so benennen kann, irgendeine Magie, die so stark ist, dass sie auch noch in die Zukunft reichen kann. Ja, ich meine, wir reden jetzt hier die ganze Zeit ja auch sehr positiv verklärend über all das. Also zu Recht, weil ich mein, abgesehen davon ist es natürlich auch eine Bande von männlichen Monsteregos gewesen, die da irgendwie aufeinander gehockt haben und wie halt die Weltmeister ihres Fachs waren und eben sich auch ein bisschen bewusst waren, dass sie gerade etwas auf hinten, was es noch nicht gibt oder gab und da jeder Strich dann irgendwann auch heilig war oder so. Da konnte man dann natürlich auch groteske Momente erleben. Das war wieder bei der Groteske. Ja, ja, wundervoll. Sehr schön den Bogen gespannt. Und damit endet unsere

heutige Zeitreise. Ob das Bauhaus als Mutter der Zukunft haugt oder ob es das Werk alter weiße Männer mit großen Künstleregos war, werden wir in den nächsten Folgen herausfinden. Gemeinsam mit meinen Gästen werden wir die größten Mythen des Bauhauses entlarven. Weiter geht es nächstes Mal mit dem größten Star des Bauhauses, dem Stahldrahrstuhl. Zusammen mit Christine Bartels, Kuratorin am Bauhausechief Berlin, sprechen wir über den prominenten Freischwinger und die Stahldrahrmöbel am Bauhaus. Ich bin schon sehr gespannt und würde mich freuen, wenn ihr zur nächsten Folge wieder einschaltet. Dann könnt ihr jetzt in den Feierabend gehen. Das machen wir. Das ist so ein sehr schönes Gespräch. Vielen Dank, Hannes. Es hat sehr viel Spaß gemacht.

Das war "About Bauhaus", der Podcast des Bauhausarchiv, Museum für Gestaltung Berlin. Abonniert unseren Podcast auf Amazon Music, Spotify, Apple Podcast, Deezer und überall wo es Podcast gibt. "About Bauhaus", eine Produktion des Bauhausarchiv, Museum für Gestaltung Berlin und der auf die Ohren GmbH.

0:00 / 0:00