#86 – Remote Work von Thailand - Traumjob oder Bauernfängerei?
Samstag, 29. August 2026 · 45 min
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Shownotes
Kaum ein Versprechen wirkt so verlockend wie das vom Laptop am Strand und einem Einkommen von 10.000 Euro im Monat. In Folge 86 des Auswandern Thailand Podcast (fsconsultings.com/podcast) gehen Stefan Fabbro (fsconsultings.com) und Wolfgang Payer (easy-abc-th.com) der Frage nach, ob Remote Work im Ausland Bauernfängerei ist oder ein echtes Standbein sein kann. Beide beleuchten dabei bewusst alle Seiten und sprechen sowohl über seriöse Modelle als auch über die Angebote, bei denen alle Alarmglocken schrillen sollten. Grundlage sind Erfahrungen aus dem eigenen Unternehmen, aus der Sprachschule und aus zahllosen Anfragen von Auswanderungswilligen.
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Was Remote Work überhaupt bedeutet
Der Begriff beschreibt nichts anderes, als etwas aus der Ferne zu bedienen. Die Arbeit wird also an einem anderen Ort verrichtet als dort, wo der Auftrag entsteht. Im Deutschen gibt es dafür einen kurzen und treffenden Begriff, nämlich ortsunabhängig arbeiten. Ob jemand dabei in Deutschland, in Österreich oder in Thailand sitzt, spielt für die Definition zunächst keine Rolle.
Homeoffice und Freelancer sind nicht dasselbe
Viele setzen Homeoffice mit Remote Work gleich, doch das greift zu kurz. Homeoffice haben wir in den vergangenen Jahren mehr oder weniger unfreiwillig kennengelernt, es war aber nicht automatisch Arbeiten im Ausland. Ähnlich verhält es sich mit dem Begriff Freelancer, im Deutschen der Freiberufler, der lediglich beschreibt, dass jemand nicht an einen bestimmten Arbeitgeber gebunden ist. Das kann Remote Work sein, muss es aber nicht, denn auch Selbstständigkeit ist häufig an einen festen Ort gebunden.
Der digitale Nomade ist ein Lebensstil
Digitale Nomade ist keine Berufsbezeichnung, sondern eine Lebensform. Gemeint sind Menschen, die überall auf der Welt arbeiten können, solange ein Internetanschluss vorhanden ist. Viele treiben das so weit, dass sie sich nur begrenzte Zeit in einem Land aufhalten, um einer steuerlichen Ansässigkeit zu entgehen oder diese gezielt in ein günstiges Land zu verlagern. Damit unterscheiden sie sich deutlich vom klassischen Auswanderer, der eben nicht ständig weiterzieht, sondern ankommen möchte.
Nicht jeder Beruf lässt sich aus der Ferne ausüben
Wer bisher als Automechaniker, Maurer oder Koch gearbeitet hat, wird es schwer haben, in die Remote-Arbeit zu wechseln. Ein Auto lässt sich nun einmal nicht aus der Ferne reparieren und remote kochen funktioniert ebenfalls nicht. Gut geeignet sind dagegen Tätigkeiten am Computer und im Unterricht, wie sie etwa in der Easy ABC Sprachschule online angeboten werden (easy-abc-th.com). Für handwerkliche Berufe gibt es in Thailand zudem ohnehin keine Arbeitserlaubnis, weshalb diese Personengruppe von vornherein schlechtere Chancen hat.
Die Konkurrenz sitzt auf der ganzen Welt
Sobald nicht mehr die eigene handwerkliche Arbeitskraft gefragt ist, sondern nur noch Wissen, können viele andere dasselbe leisten. Ein Bewerber aus Indien spricht gutes Englisch, ist sicher am Computer und liefert die Arbeit unter Umständen für ein Drittel des Preises. Ein Arbeitgeber, der einen Job ohnehin nach außen vergibt, wird sich fragen, warum er das Dreifache zahlen soll. Wer bestehen will, muss also entweder deutlich günstiger oder deutlich besser sein als der weltweite Wettbewerb.
Warum viele Firmen nur innerhalb der EU arbeiten lassen
Zahlreiche Unternehmen bieten Remote-Arbeit ausschließlich innerhalb Deutschlands oder der EU an. Zwei Gründe sind dafür ausschlaggebend, nämlich der Versicherungsschutz und vor allem die Datenschutz-Grundverordnung. Sensible Kundendaten dürfen häufig nicht auf einem Rechner im Ausland verarbeitet werden, und ein VPN ändert an dieser Rechtslage nichts. Seriöse Remote-Jobs, die aus Thailand heraus für europäische Firmen erledigt werden dürfen, sind deshalb deutlich seltener, als viele annehmen.
Projektarbeit statt sicherer Anstellung
Remote-Jobs sind meistens projektbezogen oder zeitlich befristet. Ist das Projekt beendet, steht der Auftragnehmer erst einmal ohne Einkommen da und hat keine Garantie auf eine Fortsetzung.
Rücklagen, Versicherung und fehlender Urlaubsanspruch
Wer keine Reserven für etwa zwölf Monate schnell verfügbar hat, bewegt sich in einem gefährlichen Lebensstil. Bei freiberuflicher Arbeit muss man sich zudem selbst um Versicherungen und Steuern kümmern, damit später keine bösen Überraschungen entstehen. Einen Urlaubsanspruch gibt es in der Regel nicht, Urlaub macht also, wer gerade Zeit hat. Sitzt der Auftraggeber am anderen Ende der Welt, kann es außerdem passieren, dass die Arbeit nachts erledigt werden muss.
Selbstdisziplin entscheidet über den Erfolg
Keine festen Arbeitszeiten klingen zunächst nach Freiheit, verlangen in der Praxis aber ein hohes Maß an Selbstdisziplin. Die Auftragslage schwankt, in einer Woche fallen wenige Stunden an, in der nächsten deutlich mehr. Wer sein ganzes Leben angestellt war, unterschätzt diese Umstellung regelmäßig.
Woran Sie Bauernfängerei erkennen
Ein sicheres Warnsignal ist das Werbebild mit Hängematte, Sonnenhut, Kokosnuss und Laptop am Strand. Niemand, der ernsthaft remote arbeitet, setzt sich mit einem teuren Rechner in den Sand, sondern sitzt zu Hause am Schreibtisch. Ebenso verdächtig sind Formulierungen wie nach oben ist Ihr Einkommen nicht gedeckelt, denn jeder Tag hat nur 24 Stunden. Wer seine Arbeitskraft nicht durch ein Team multipliziert, hat immer eine Obergrenze, und häufig steckt hinter solchen Versprechen ein Schneeballsystem.
Das eigentliche Problem an den Anzeigen
Die Aussage, dass sich online Geld verdienen lässt, ist grundsätzlich richtig. Das Problem beginnt dort, wo behauptet wird, jeder könne das ganz ohne Fähigkeiten und ohne Investition. Kein Arbeitgeber bezahlt jemanden für etwas, das dieser nicht beherrscht, denn vor jeder Einstellung wird geprüft, was der Bewerber tatsächlich kann. Auffällig ist auch das wiederkehrende Muster von Angeboten, bei denen man lernt, anderen zu zeigen, wie sie 10.000 Euro verdienen, ohne selbst je so viel verdient zu haben.
Bezahlmodelle, die sich nicht rechnen
Manche Anbieter arbeiten mit sauberen Abrechnungen und listen jede Vergütung ordentlich auf. Rechnet man den Verdienst allerdings auf die tatsächlich aufgewendete Arbeitszeit herunter, liegt die Bezahlung häufig unter dem Niveau einer Hilfstätigkeit. Bekannt ist das etwa aus dem Bereich der Unterhaltungschats, in denen sich Interessenten schnell in einem ganz anderen Umfeld wiederfinden als erwartet. Davon einen Unterhalt zu bestreiten, ist in der Praxis kaum möglich, als kleiner Zuverdienst mag es hingegen funktionieren.
Was tatsächlich funktionieren kann
Wer bereits ein Produkt oder eine Dienstleistung hat, kann diese über einen Online-Shop verkaufen, und dann spielt der eigene Standort keine Rolle mehr. Einer der Kanalsponsoren vertreibt auf diesem Weg Boat-Noodle-Suppen weltweit, weil Fabrikation und Vertrieb vorhanden sind. Ebenso solide ist ein langfristiger Festvertrag mit einer seriösen Firma, bei dem Leistung und Vergütung klar definiert sind. In der Praxis sind das meist Mitarbeiter, die schon zehn oder zwanzig Jahre im Unternehmen sind und deren Fähigkeiten die Firma genau kennt.
YouTube als Einkommensquelle
Auch Content-Erstellung wird gern als ortsunabhängiges Geschäftsmodell genannt. Die beiden Gastgeber betreiben ihren Kanal seit fast zwei Jahren und leben ausdrücklich nicht davon, weil die Einnahmen nicht einmal für ein vernünftiges Abendessen reichen würden. Manche verdienen damit sehr gut, benötigen dafür aber hunderttausende Follower, während bei fünfhundert oder tausend Abonnenten schlicht nichts zusammenkommt. Sichtbar wird immer nur derjenige, der es geschafft hat, während die vielen Gescheiterten niemand wahrnimmt.
Was Sie mitbringen müssen
An erster Stelle stehen Fachwissen und die ehrliche …