Behind Science

Joseph Pilates: Muckis aus Mönchengladbach

Samstag, 6. Dezember 2025 · 26 min

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Shownotes

Wie erfindet man eine Sportart? Hier erfahrt ihr die wenig glamourösen Hintergründe hinter Reformer-Kursen und warum der Pilates-Erfinder trotzdem ein Influencer seiner Zeit war.

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Schönen Science-Samstag. Hallo. Sitzt du gut? Sitzt du gut? Ja, das ist jetzt auch nicht so die Eingangsfrage, die ich erwartet hätte. Ich sitze, das schon mal als Tatsache. Ob ich gut sitze, weiß ich nicht. Boah, als du es gesagt hast, habe ich das Gefühl gehabt, ich muss so meine Schulter ein bisschen strecken. Tut schon weh.

Vielleicht lockern wir uns da mal hier zum Hören. Pass auf, ich verrat dir was. Ich sitze hier zum ersten Mal im Schneidersitz. Das habe ich auch noch nie gemacht bei einer Aufnahme. Aber es ist ganz gemütlich. Das mag ich nicht so gerne. Das quetscht mir irgendwie die Beine ab. Och, ja, werden wir sehen am Ende der Folge.

Liegt vielleicht aber auch daran, dass ich sehr viel auf dem Boden sitze mittlerweile. Weil wenn man Kinder hat, sitzt man einfach sehr viel auf dem Boden. Ja, und sowieso. Sitzen ist ja auch in unserem Job so ein bisschen so ein Thema. Ich muss sagen, ich habe neulich mal so einen Kurs gemacht. Da wurde mir ein Video angezeigt.

Da konnte man einen Test machen, ob man Vielsitzerin ist. Der Test ist bei mir natürlich sehr positiv ausgeschlagen. Und dann konnte man so ein ... Positiv im Sinne von negativ, ne? Ja, genau. Ja, sie ist Vielsitzerin. Und dann wurde mir so ein Kurs angeboten, den ich dann auch gemacht habe. So ein digitaler Fitnesskurs für Vielsitzerin, den man über die Krankengasse abrechnen konnte. Ach, cool. Das war ganz cool.

Aber so weit ist es schon gekommen, dass mir online im Sitzen ... Sportkurse vorgeschlagen werden. Oh je, oh nein. Woran merkt man, dass man alt wird? Und zu viel am Handy hängt. Und zu viel am Handy und überhaupt sitzt. Das stimmt, das ist ein Thema. Ich finde es schön, dass ja viele von euch hier diesen Podcast auch mitnehmen, um sich zu bewegen.

Also ich glaube, einige hören ihn so beim Spazierengehen, beim Joggen. Wir sind irgendwie im Wald und bei irgendwelchen Gassirunden dabei. Finde ich schön. Und ich gehe mittlerweile ja auch ins Fitnessstudio ab und zu. Also das folgte auf den Viersitzer-Kurs. Und da nehme ich mir auch Podcasts mit. Lieber als Musik, muss ich sagen.

Weil manchmal nervt mich das, im Fitnessstudio läuft ja dann auch schon Musik und dann so eine Stimme, die geht dann noch ganz gut nebenbei. Das finde ich schön. Dann lache ich auch zwischendurch mal, wenn es witzig ist. Oder man lernt was. Vergeht die Zeit auf jeden Fall. Vergeht die Zeit auf jeden Fall noch mal schneller als mit Musik.

Ja, vielleicht können wir euch inspirieren, hier ein bisschen Bewegungen auszuprobieren, neue Bewegungen auszuprobieren mit diesem Podcast, mit der Podcast-Folge. Für eure Gedanken und für euren Körper. Ja, genau, erstmal dehnen wir jetzt eure Gedanken. Denn wir sprechen heute über Josef Pilates, den Namensgeber und Erfinder der Sportart Pilates.

Behind Science – Geschichten aus der Wissenschaft Mit Marie Eickhoff und Luisa Pfeifenschneider, Ja, jetzt denkt ihr euch vielleicht, Pilate. Hä, bin ich noch bei Behind Science? Was hat das mit Science zu tun? Ja, es ist jetzt nicht so eine naturwissenschaftliche Erfindung, über die wir heute sprechen.

Ganz klassisch. Nicht so, aber es geht ja auch um Bewegung und Bewegung hat ja auch mit Gesundheit zu tun. Und mit Anatomie und Medizin, also es hängt alles zusammen. Genau, und außerdem ist das hier eine Geschichte, die Geschichte des Erfinders, die ist einfach nur spannend und ich finde sie auch super motivierend und deswegen möchten wir sie euch unbedingt erzählen und vielleicht können wir aber auch uns mal einmal ganz kurz hier austauschen, habt ihr eigentlich Erfahrung mit Pilates oder Louis, hast du schon mal Pilates gemacht?

Ja, habe ich. Heute. Nein. Heute Pilates gemacht, ja. Ach nee. Ich habe das immer so ein bisschen, ich muss es zugeben, belächelt. Ja. Ich dachte so, ach ja, und die mit ihren Bällen da und diesen Stangen und diesen Ringen. Und das ist so anstrengend, wirklich. Es ist... Richtig hart. Also ich glaube, wenn man das häufig macht, dann kommt man da rein.

Aber du bist jetzt nicht so geschwitzt, aber man hat so richtig Muskelzittern, wenn man sich da reinhängt. Also es ist eine richtig gute Sportart, die man machen kann, wo man auch ganz wenig Platz nur für braucht. Also eigentlich nur eine Matte und so ein paar Utensilien oder meist, also man kann es auch ohne Utensilien machen.

Also ja, sehr empfehlenswert, wenn man was für einen Ganzkörper machen will. Ich bin mittlerweile überzeugt. Ich habe ein bisschen gebraucht, um mich zu finden. Ja, aber das ist ja jetzt krass, also dass du es sogar heute noch gemacht hast. Das ist eine Top-Verbereitung hier auf die Folge. Und also bei dir ist ja sowieso auch, du bist ja ein sehr sportlicher Mensch.

Also guck jetzt Pilates, aber auch sonst schon immer Fußball. Dann trägst du den ganzen Tag ein Kind noch rum. Das macht ja auch fast für die Muckis. Es ist ein sehr einseitiger Sport. Aber ich, genau, ich träume immer noch davon, dass ich quasi irgendwann so, wenn das Kind dann noch schwerer wird, irgendwann mal einfach mich an so eine Stange hänge und so zehn Klimmzüge mache, weil ich auf einmal so Riesenmuskeln bekommen habe.

Es ist schon krass, wie viel Gewicht man da trägt. Umso wichtiger, dass man dann da noch mal so was macht wie Pilates. Ja, auch vielleicht für die anderen Muskelgruppen, genau. Ja, und ich muss aber sagen, also bei mir ist das Thema Sport so ein bisschen anders besetzt irgendwie. Also ich denke ganz oft, dass ich Sport nicht kann.

Das ist irgendwie so ganz... Das absolut nicht stimmt. Ja, genau, es stimmt gar nicht. Aber das ist irgendwie, ist das ganz tief in mir verankert. Und deswegen hat mich die Geschichte von Josef aber auch ganz besonders berührt, weil... Es hätte total gut sein können, dass Josef auch so einen Glaubenssatz entwickelt, dass er auch sagt, ich kann das nicht, aber bei ihm ist es ganz anders gekommen und das wollen wir euch heute erzählen.

Ganz genau. Übrigens habe ich heute dann meiner Pilates-Lehrerin gesagt oder Trainerin gesagt, ja, heute machen wir eine Folge über die Erfindung des Pilates und dann hat sie gesagt, ach, der Josef. Guck, ja. Das fand ich irgendwie lustig. Josef Hubertus, umgenauensweise. Josef Hubertus Pilates, später Spitzname Joe, kommt aus Mönchengladbach, also quasi aus der Nachbarschaft.

Richtig cool, da wird er 1883 geboren, am 9. Dezember. Er würde also nächste Woche 142 Jahre alt, da können wir alle mal an den guten Josef denken. Er hat acht Geschwister und die Familie hat nicht besonders viel Geld, was natürlich bei so einer hohen Anzahl an Kindern auch nicht so selten ist. Josef gilt als, naja, schwächliches Kind, zum einen, weil er mehrere Krankheiten hat, Asthma, rheumatisches Fieber und Rachitis.

Rachitis ist heute sehr selten, aber war damals nicht so untypisch. Das ist eine Knochenkrankheit bei Kindern, die durch Vitamin-D-Mangel entsteht. Heutzutage gibt man deswegen Babys schon seit der Geburt immer einen Tropfen. Vitamin D oder Tabletten, um dem vorzubeugen. Die Knochen werden dadurch insgesamt weicher, sodass zum Beispiel so schnellere Verformungen entstehen.

Also sowas wie O-Beine zum Beispiel. Oder die Kinder einfach nicht richtig wachsen. Also klein bleiben zum Beispiel. Klingt gar nicht athletisch. Nee, das sind eigentlich keine guten Voraussetzungen, um eine Sportart zu erfinden. Und dazu kommt bei Josef noch, dass er auf dem rechten Auge, seitdem er fünf ist, nicht mehr richtig sehen kann, wodurch ein Faust- oder Steinschlag.

Ja, Kindheiten damals waren, glaube ich, ein bisschen anders. Und dann eben noch seine ganzen Krankheiten. Also es war eine Konstellation, bei der viele Eltern vielleicht gesagt hätten, mach mal lieber langsam, Josef, schon dich. Aber bei ihm kommt es anders. Ja, und es kommt auch ein bisschen anders, weil er inspiriert wird von seinen Eltern.

Sein Vater ist nämlich Schlosser. Also das hat jetzt noch nicht so die großen Auswirkungen, aber er ist auch sehr begeisterter Turner und Boxer. Und damit wird er zu einem richtig großen Vorbild für Josef, denn sein Papa, der wirkt so stark, so stark möchte Josef auch werden. Und er fängt deshalb an, sich damit zu beschäftigen, wie er seinen Körper trainieren kann.

Sein Papa hat wohl zwischendurch auch wie so ein kleines Sportstudio, wo Josef dann trainieren kann und er tournt, er macht Krafttraining, er macht Gymnastik, er beobachtet aber auch Tiere draußen, guckt sich da Bewegungen ab. Er übt so Ringen, schwimmt, taucht, ist am Skifahren, probiert Boxen aus und beschäftigt sich mit so meditativen Sportarten wie Yoga oder auch Meditationsmethoden.

Und so kommt es, dass er mit 14 Jahren so krass trainiert ist, dass er Modell stehen kann für Anatomie-Kurse. Also jetzt haben wir hier die Medizin aber richtig mit drin. Denn Josef selber wird eigentlich, wie nennt man das dann, wie so ein Anschauungsobjekt. Ein Bodybuilder, ja. Ja, vielleicht stimmt. Also heute würde man so Bodybuilding-Wettbewerbe damit wahrscheinlich machen.

Bei ihm ist es quasi eher für die Wissenschaft, wird das dann genutzt, nicht nur für irgendwelche Klicks oder so, sondern man kann wirklich an ihm erkennen, Ach ja, da ist der Muskel so und so, weil einfach jeder Muskel erkennbar ist. So gut ist er trainiert. Das ist wirklich unglaublich. Also wer diese Bodybuilding-Wettbewerber kennt, das sieht so krass aus.

Da sind Muskeln zu sehen, wo man denkt, was? Da hat man nochmal einen Muskelstrang. Das ist wirklich beeindruckend. Ich kannte mal jemanden oder kenne jemanden, der das macht. Die werden dann natürlich auch mit so einer Farbe angepinselt und so, damit man das besser erkennen kann. oder dass das so braun wirkt alles.

Also ja, total diszipliniert. Disziplin, da braucht man sehr viel Disziplin, um da hinzukommen und die hat er und anscheinend verfolgt er das so richtig wie so eine Wissenschaft, also wie im Labor, dass er da überall auch so das Wissen mit aufsaugt und mit diesem Modeljob, nenne ich es jetzt mal, also dass er da ein Modell steht, verdient er sich dann tatsächlich auch etwas Geld dazu.

Ansonsten arbeitet er auch noch in einer Brauerei und macht da eine Ausbildung, stelle ich mir auch wie so ein kleines Fitnessprogramm vor, wenn man da die Fässer schleppt. Ja, stimmt. Außerdem heiratet er dann noch, wird zweifacher Vater und wagt dann einen größeren Schritt. 1912 geht er nach Großbritannien. Jetzt arbeitet er nicht mehr als Brauer, sondern als Boxer und Zirkusartist. Ich liebe diese verschlungenen Biografien, die wir hier manchmal haben.

Und jetzt bekommt er seinen ersten Auftrag als Sportlehrer, denn er wird Selbstverteidigungslehrer bei Scotland Yard, also der Londoner Polizei. Und jetzt bin ich völlig drin in einem Film. Also so cool Selbstverteidigungslehrer stelle ich mir wirklich vor, dass der dann da so... Also den Ball bringt, wie man so kickt und jemandem ein Messer aus der Hand nimmt und so. Ich finde das total cool, das beeindruckt mich sehr.

Also er kann da auf jeden Fall jetzt was von seinem sportlichen Wissen, was er sich ja einfach nur alles selber drauf geschafft hat, antrainiert hat, weitergeben. Das geht jetzt los, aber seine Coaching-Aufträge werden unterbrochen. Denn parallel beginnt historisch auch was, es beginnt der Erste Weltkrieg und er muss in ein Internierungslager.

Aber nichts kann ihn davon abhalten, weiter an seinem Trainingsprogramm zu arbeiten. Denn obwohl er in diesem Lager fast gar nichts zur Verfügung hat, bastelt er an Trainingsgeräten. Und zwar macht er die aus Bettfedern und Bettrahmen. Daraus baut er jetzt richtige Sportgeräte. Da kommt so alle seine Kreativität zusammen.

Und er macht die nicht nur für sich selber, sondern er macht die für alle, die mit ihm in diesem Lager stecken und auch für die, die auf der Krankenstation liegen. Denn er ist fest davon überzeugt, gerade die, denen es nicht gut geht, die verletzt sind, die krank sind, die brauchen eigentlich Bewegung.

Und seine Geräte sind deshalb so konzipiert, dass sie auch im Liegen funktionieren und vielleicht... Habt ihr jetzt schon langsam so ein bisschen die Verbindung zum heutigen Pilates auch? Denn kennt ihr diese Reforma-Kurse? Das ist nochmal ein besonderer Zweig von Pilates. Ja, erklär mal, ich habe das noch nie gemacht, Reforma-Pilates.

Guck mal, dann können wir uns ja gut ergänzen heute. Reforma, das ist wie so ein, man liegt da drauf hauptsächlich. Man kann auch so drauf hocken oder so, aber es sieht wirklich aus wie so ein Bett. Und dann kannst du da so verschiedene Federn einspannen und fühlst dich auch so ein bisschen, als würdest du selber so dazwischen gespannt und bewegst dich dann so darauf, dass es sehr anstrengend ist.

Es ist wie so, also ich weiß ja, wie es aussieht, es ist wie so ein Schraubstock, finde ich, den man aber bewegen kann mit Muskelkraft. Genau, man macht sich selber quasi mit so Gummibändern dann daran fest und muss sich halt so abstoßen zum Beispiel oder so und muss dann gegen diese Federn arbeiten.

Und ich habe gerade keinen besseren Vergleich, aber ja, guckt euch da mal ein Foto von an oder ein Video. Ich fand es auf jeden Fall sehr verrückt, weil das erste Mal, dann lag ich irgendwie auch so auf dem Rücken und dann sollte man da seinen Fuß so abdrücken und dann, also in dem Moment habe ich es nicht so gemerkt, aber den Tag danach, ich hatte Muskelkater an Stellen, wo ich auch nicht wusste, dass es da Muskeln gibt.

Viel im Bauch auch und so. Und mir ist aber ein bisschen schwindelig geworden auf diesem Ding. Weil es sich halt so bewegt. Und der Raum um einen herum ja nicht. Also diese Bewegung, die war auf jeden Fall sehr ungewöhnlich, fand ich. Ja, auf jeden Fall, das geht zurück auf diese ersten... Geräte, die er da zusammenzimmert, könnte man sagen, mit sehr wenigen Mitteln.

Echt, finde ich beeindruckend. Heute sind die in so, weiß nicht, so cleanen, hochgejazten Sportstudios und das ist quasi der Beginn. Das finde ich schon irgendwie spannend, wo es herkommt. Ja, total. Und als der Krieg dann vorbei ist, geht Josef zurück nach Deutschland, heiratet ein zweites Mal und er öffnet eine Boxschule.

Also der Sport lässt ihn nicht mehr los. Boxen ist da vor dem Krieg verboten und jetzt macht Josef selbst auch ein paar größere Kämpfe und macht sich da auch einen Namen in der Szene. Er bekommt dann ein Angebot und zwar, dass er die deutsche Armee trainieren darf. Also ein bisschen so schließt sich an seinen Job bei Scotland Yard an.

Aber das lehnt er ab, denn er hat ganz andere Pläne. In den 1920ern wandert er in die USA aus und zwar mit einer Vision. Also er ist jemand, der wirklich die großen Sprünge wagt, kann man sagen. Und er hat jetzt dieses Mal wirklich den großen Auswanderungsplan und er möchte da vor Ort jetzt wirklich was verändern.

Und auf der Überfahrt lernt er Clara kennen. Clara wird seine Freundin. Sie ist Krankenschwester. Und es ist auch witzig, auf so Überfahrten haben sich damals, glaube ich, viele interessante Menschen kennengelernt. Haben wir schon mal hier gehabt mit Hedy Lamarr. Die, ja sozusagen, den Vorläufer des heutigen Bluetooth und WLAN sich ausgedacht hat.

Genau, die hat da so ihren Manager getroffen, glaube ich. Genau, jemanden, der einen guten Draht nach Hollywood hatte und deswegen hat sie so ein bisschen den Weg geebnet, in Hollywood bekannt zu werden. Also ja, wenn man an Bord eines Schiffes ist, das liegt halt auch an diesem begrenzten Raum. Man kann sich nicht so gut aus dem Weg gehen. Ja, und natürlich waren da, glaube ich, einfach viele auch mit Visionen vielleicht, die Vorhaben so auszubrechen und jetzt was ganz Neues, Großes zu beginnen.

Und er findet da mit Clara auf jeden Fall eine Wegbegleiterin, die dann auch bis zum Ende bei ihm bleiben wird. Und die beiden statten jetzt eine gesamte Wohnung mit Sportgeräten aus. Also es wird ihr Studio. Und da arbeiten sie zusammen weiter am Trainingsprogramm. Die Methode von Josef, die nennt er Contrology. Also es geht darum, den Geist zu formen und dadurch den Körper.

Das soll dann am Ende zu so Ganzkörpergesundheit führen. Davon träumt er. Und deshalb geht es bei ihm auch nicht nur um Kraftübungen, sondern auch ums Drumherum. Also die Ernährung muss stimmen, Hygiene, Schlaf. Man soll auch Bewegung draußen machen. Du sollst auf eine gesunde Work-Life-Balance achten.

Alles ja auch so Sachen, die jetzt gerade wiederkommen. Ich finde es auch so verrückt, dass er das da schon erdacht hat. Er hatte das total auf dem Schirm. Und deswegen ist ihm auch wichtig, dass wenn man seine Übungen macht, kannst du ja mal erzählen, ob ihr das auch im Kurs macht, dass man sehr auf seine Atmung achtet.

Ja, total. Ja, guck, und ich finde das Wort so schön, was er dafür benutzt. Er sagt nämlich, das soll wirken wie eine innere Dusche. Ja, und jeder, der mal so nach einem anstrengenden Tag sich bewusst hingesetzt hat und gesagt hat, okay, jetzt mache ich mal drei bewusste Atemzüge, der wird das bestätigen, das ist eine innere Dusche.

Weil lustigerweise in dem Moment, als du das jetzt hier gerade erzählt hast, habe ich gemerkt, dass ich die Luft angehalten habe. Also atmen, das ist was, was man so... Selten ja bewusst macht und häufig irgendwie auch so ein bisschen wie so unterdrückt. Und da geht es halt beim Pilates auch darum, in den richtigen Bewegungsmomenten ein- und auszuatmen und das Ganze eben so als Ganzkörpergesundheit irgendwie anzusehen.

Super interessant, was er da schon sich ausgedacht hat. Ja, und eben auch dieser Ansatz, dass Menschen, die krank sind, nicht geschont werden sollen, sondern ganz im Gegenteil, dass es denen besser geht, wenn sie sich bewegen, finde ich halt auch so spannend, weil so ganz sind wir davon ja immer noch nicht weg, also wenn man krank ist, heißt es ja immer noch, mach mal ruhig irgendwie, was in einigen Fällen auch richtig ist, aber manchmal ist es halt auch besser, sich fit zu halten.

Ja, es war so richtig Rehabilitation, die er da eigentlich gemacht hat, ein Reha-Programm auch. Voll, ja stimmt. Seine Körper-Training-Studios, die heißen auch Universal Gym und laufen tatsächlich richtig, richtig gut. Er ist da auch zu einer guten Zeit in den USA, weil da ja auch so eine Fitnesswelle losgetreten wird.

Seine ersten Kunden sind unter anderem Tänzer des New York City Balletts und so kommen immer mehr Profi-Tänzer zu ihm und auch Profiboxer und Sportler mit Verletzungen. Das ist so cool, weil man ja auch immer noch so diese Vorstellung hat, so Boxer und Tänzer, das ist ja völliges Gegenteil. Aber das sind einfach alles Menschen, die so völlig ihren Körper kontrollieren.

Vor allem würde ich auch so heute denken, die treffen da aufeinander. Ein Boxer, der macht doch kein Pilates. Pilates, ja deswegen, das hat so einen schlechten Ruf. Also ich mache mich da gar nicht von frei. Und Josef macht sie quasi alle wieder fit mit seinen Techniken. Der fällt tatsächlich auch in der Nachbarschaft ziemlich auf, weil er immer barfuß unterwegs ist.

Gerne auch in kurzen Hosen, auch im Winter. Also er war dieser Typ, den man manchmal so trifft, weil er eben ja das so als Ganzes gesehen hat, so den Körper als... Ja, als Zuhause der Seele so ein bisschen. Es gibt sehr viele Bilder auch von ihm, oben ohne. Oben ohne auch, okay, das habe ich jetzt gerade nicht gesagt.

Ach so, stimmt, nicht nur an den Füßen, ich dachte gerade, wieso unten ohne? Ja, quasi, Füße nackt. Stimmt. Ja, er ist aber auch jemand, der gerne genießt, das steht so ein bisschen konträr dazu, Whisky und Zigarre auch mal gern, auch während des Trainings im Studio. Gut, er konnte jetzt auch nicht von allen Dingen wissen, wie die auf dem Körper wirken.

Auch sympathisch. Oder er hat es bewusst gemacht. Also ich glaube schon, dass er wusste, wie das wirkt, aber sich entschieden hat, dass es auch dazu gehört. Ja, stimmt. Um sich vielleicht auch wohlzufühlen im Körper. Ja, zu seiner Seelengesundheit vielleicht. Ich finde auch witzig, auf seinen Visitenkarten, da macht er sich einfach drei Jahre älter, als er eigentlich ist. Ich finde, das macht so gar keinen Sinn.

Aber es gibt Überlegungen, ob das vielleicht war so als Werbung, um zu zeigen, dass man, obwohl man schon was älter ist, trotzdem sehr fit sein kann. Ja, bin ich so doof. Also auf diesen Karten stand wohl auch so ein Spruch, a man is as old as his spine is flexible. Also so, der Mann ist so alt wie seine Wirbelsäule beweglich ist.

Und der Spruch ging dann noch weiter. Und zwar so, dass eine Frau so alt ist, wie sie am Morgen aussieht. Das ist ein bisschen oberflächlich, ehrlich gesagt. Naja, Josef, den Spruch überdenken wir nochmal. Aber ja, in der Zeit natürlich absolut verständlich. Aber diese Wirbelsäulengesundheit, das war für ihn auf jeden Fall auch so ein...

Eine ganz zentrale Säule des Körpers. Ja, ist ja auch so ein bisschen das, was viele so mit der Seele vergleichen. Also das hält ja auch so den Körper aufrecht und so weiter. Er behält auf jeden Fall seine athletische Figur ein Leben lang. Also würde mich auch wundern, wenn es nicht so wäre bei dem Programm.

Auch als er eine alte Arthrose in seinen Fingern und Knien hat, kann er noch alle Übungen selbst vortouren. Und er stirbt am Ende mit 83 Jahren an einem Lungenemphysem. Also hat nichts damit zu tun, wie er sein Leben primär gelebt hat. Seine Lebensgefährtin Clara führt das Studio noch zehn Jahre weiter, bis auch sie stirbt.

Und der Name Pilates ist gewerblich tatsächlich nicht geschützt. Heute gehören zu Pilates rund 700 Übungen, die aber alle auf Josef Pilates aus Mönchengladbach, der dann in die USA ausgewandert ist, zurückgehen. Er hat mehr als 20 Geräte patentieren lassen und seine Übungen in Schriften dokumentiert.

Also er hat da eine ganze Fibel an Wissen hinterlassen, die heute noch genutzt werden für diesen Sport Pilates, der ja fit hält. Also googelt auch wirklich gerne mal ein Bild von ihm. Also diesen, den athletischen Körper, den sieht man ihm an. Ja, genau. Können wir noch mehr dazu beschreiben? Also es gibt so ein Bild, das haben wir uns von ihm angeguckt, da ist er 57, sieht fresh aus.

Sieht aus wie 25, ehrlich gesagt. Also wenn es nicht daneben gestanden hätte, hätte ich gedacht, okay, ja, so 30 oder was, 25. Ja, es scheint was dran zu sein an seinen Theorien zum Körper. Er war selber gute Werbung für sich und er hat wirklich auch sehr gute Werbeversprechen gehabt, Denn sein Versprechen war unter anderem, nach 10 Stunden fühlen Sie den Unterschied, nach 20 Stunden sehen Sie den Unterschied, nach 30 Stunden haben Sie einen neuen Körper.

Ja, er kannte sich nicht nur quasi mit der Anatomie, der Biologie des Körpers aus, sondern war einfach auch ein guter Marketingtyp. Ich meine, er war seine eigene Ikone, das muss man schon sagen. Also er hat mit sich selbst motiviert, zum Pilates zu gehen und tut es vielleicht auch irgendwie immer noch. Also ich muss sagen, mich motiviert das jetzt auch ein bisschen.

Also es gibt in diesem Fitnessstudio, gibt es ja auch einen Pilates-Kurs einmal die Woche. Ich habe es jetzt schon nachgeguckt. Kannst du mal berichten und kannst dann direkt deine Nachbarn. Übrigens, Josef Pilates, in Mönchengladbach geboren. Direkt so klugscheißen, wenn ich nichts schaffe. Kann ich hier die Übung einfach machen? Ja.

Ja, ganz anderer Ausflug hier, den wir gemacht haben. Aber auf jeden Fall auch was, was ja im Bereich der Medizin auch nicht zu kurz kommen darf. Diese Prävention natürlich auch. Und auch, du hast es eben ja auch so Reha genannt. Also natürlich auch, wenn man nach einer Krankheit wieder fit werden will oder nach einer Verletzung, dann ist sowas nicht verkehrt.

Und das waren alles Dinge, die Josef Pilates mitgedacht hat. Ja. An dieser Stelle ... Eine Sache, die ihr gerne mitdenken könnt. Es ist ein bisschen eine Überleitung hier aus der Hölle. Aber ich habe sie nun gemacht. Wir haben ja aktuell einen Adventskalender laufen. Jeden Tag öffnen wir ein Türchen mit euch, wo ein Zitat sich verbirgt mit einem Spruch, einem Gedanken, einem Zitat von Menschen, die wir hier vorgestellt haben.

Oder generell Menschen aus der Wissenschaft. und ihr könnt uns da auch Zitate einschicken und damit ein Türchen quasi für uns hier gestalten. Wir lesen dann euer Zitat vor und erzählen da was zu und so können wir dann ganz schön 24 Türchen machen mit eurer Mithilfe. Also schickt uns ganz gerne da noch Sachen zu.

Ja, wir wollen euch ja nicht hier nur zu neuen Bewegungen motivieren, sondern auch irgendwie inspirieren, vielleicht mal neue Gedanken zu denken. Zu neuen Dates. Denkbewegungen, genau. Ja, genau. Und deswegen alles, was euch begegnet und da inspiriert, teilt das gerne mit uns. Ja, da freuen wir uns. Wie ihr uns erreicht, findet ihr wie immer in den Shownotes.

Da sind auch alle unsere aktuellen Werbepartner zum Beispiel zu finden und alles, was ihr sonst noch so braucht, um uns noch weiter zu folgen. Wir hören uns auf jeden Fall dann zum nächsten Türchen natürlich wieder und zur nächsten Behind-Science-Folge am kommenden Samstag. Bis dahin, macht's euch schön und tschüss. Tschüss.

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