
Credo Talk· Staffel 1· Folge 29
Geld 💶 – Was würde Jesus damit tun? | Prof. Peter Schallenberg
Sonntag, 18. Oktober 2026 · 27 min
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Shownotes
Was bedeutet Armut im christlichen Sinn? Wie würde Jesus heute mit Geld umgehen? Professor Schallenberg, Lehrstuhlinhaber für Moraltheologie in Paderborn und Priester, erklärt, warum Geld ein Mittel und kein Lebensziel ist, weshalb weder Kapitalismus noch Sozialismus automatisch menschenfreundlich sind und warum der barmherzige Samariter gerade deshalb helfen konnte, weil er Geld hatte.
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Der Sozialstaat nimmt uns eine ganze Menge Sorge ab, weil wir besteuert werden und das Geld wird dadurch umverteilt. Wenn ich in Texas im Beichststuhl säße, wo eine ganz andere Steuerquote ist und da käme jemand zu mir und würde sagen, ich bin Multimilliardär und habe Sorge in den Himmel zu kommen. Da würde ich sagen, die Sorge kann ich gut verstehen, lieber Freund, denn die Steuerquote in Texas beträgt, was weiß ich 18, 19% Sorge dafür, dass unter den Brücken kein Mensch [musik] liegen muss und dass die Kinder im Umkreis deines Wohnsitzes gute Ausbildung haben. Gründe eine Stiftung und und und. [musik] Herzlich willkommen zum Credo Talk. Ich habe heute einen besonderen Gast: Professor Schallenberg ist mit zugeschaltet. Ich freue mich, dass wir uns unterhalten. Ja, vielen Dank, Herr Schadt. Vielen Dank für die Mühe. Freue mich auch. Danke, Herr Professor Schallenberg, sie sind Lehrstuhlinhaber für Moraltheologie an der Theologischen Fakultät in Paderborn. Sie sind Priester und was mir aufgefallen ist, sie sind Beirat und Mitglied an verschiedensten Gremien, wo auch es um Geld geht und wo weitreichende Entscheidungen gefällt werden. Und das erschien mir passend anzuknüpfen: Das Thema heute ist Arm und Reich bzw. wie wollte Jesus, dass wir mit Geld umgehen? Also um mal niedrig einzusteigen, wäre ihr Rat beim Spenden Almosen geben eher jesuitisch: für einen präzisen Zweck, wo klar ist, wofür es ausgegeben wird und wo auch gut nachvollzogen wird, dass es effizient eingesetzt wird. Oder würden Sie eher franziskanisch sagen? Hauptsache man gibt und lernt loszulassen. Ja. das ist witzig, dass das jesuitisch und franziskanisch genannt wird, der Schadt. [gelächter] ich würde sagen, das sind zwei verschiedene Ziele. Beim letzten, was sie franziskanisch nennen, von mir aus gerne, wenn die Franziskaner da nichts gegen haben. da da steht ja nicht so sehr dann ein bestimmter Effekt als Ziel vor Augen, sondern es geht um die Übung des Loslassens, wie Sie schon angedeutet haben. Das kann man machen. Man kann also sozusagen sich vornehmen, ich will mal ganz alles überflüssig von mir lassen und einfach vier Wochen in einer ein Siedelei leben oder ein Jahr bei den Schwestern von Mutter Theresa in Indien mithelfen. und dann wäre der Blick in der Tat jetzt nicht auf ein bestimmtes quantifizierbares Endergebnis, sondern der Weg ist das Ziel. also es geht sozusagen um das um das Tun und was dabei rauskommt, das sei dahingestellt und in die Hände des lieben Gottes gelegt. und das ist nicht so wichtig. Das kann man machen. Man kann auch das andere, was sie jetzt juitisch genannt haben, also effizientes und effektives beides Handel in den Blick in und dann geht es auch um Kostenaufwand und Kostenertragsrechnungen, dass man sagt, wie schaffe ich einen guten Effekt, also meinethalben wie kann ich in einem besteh in einer bestimmten Region in Kenia oder in Tanzania eine Grundwasserversorgung, sauberes Trinkwasser sicherstellen und dann würde ich ja nicht irgendwie eine Summe geben und sagen, wird's schon gut gehen, sondern dann wäre ich schon. Wer sich hinsetzt, wer wer einen Turm bauen will, sagt der Herr, setze sich hin und berechne Kosten. also der Herr spricht wirklich ab und zu vom Geld. Kommen wir noch drauf zu sprechen auch in unterschiedlicher Weise. Also, wenn man einen Brunnen bauen will für ein Gebiet von 20.000 Einwohnern im Süden von Kenia, dann würde der Herr wohl empfehlen, das Geld nicht einfach beliebig irgendeiner Organisation zu geben, sondern drauf zu schauen: Ist die Organisation seriös, ergibt es viel oder wenig Bürokratie, kommt das Geld da an, wo es hin soll oder bei Leuten, die sich in die Tasche stecken und so. Und jetzt abschließend auf diese Frage geantwortet. Im Normalfall wird wohl mit Geld effektiv und effizient gewirtschaftet. Das steht wohl fest, denn Geld ist ja ein Instrument, wie der Name sagt, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Also, ich kann natürlich mich ins Auto setzen und dreimal um den Kölner Ring fahren und sagen, ich bin Auto gefahren. Aber es könnte sein, dass mir der lieber Heiland nachts begegnet und sagt, hatte das ein Ziel oder war das einfach wie der Rheinländer sagt aus Jux und Dollerei? Und dann könnte ich sagen, das war nicht aus Jux und Dollerei, sondern weil das Autofahren mich entspannt. Und dann könnte es aber sein, dass der lieber Heiland sagt: steht das im Verhältnis zu dem Aufwand von CO2 Ausstoß, von Gummiabrieb, von Lärmbelästigung? Kannst du nicht auch beim Joggen vielleicht dich entspannen? Und dann könnte ich sagen, der Arzt hat mir joggen verboten und Autofahren empfohlen und dann könnte der Heiland sagen, darf ich mal den Namen des Arztes wissen und so weiter und so fort. Also ich glaube schon, dass die Übungen mit Geld, die nicht eine bestimmte Kapitalisierung zum Ziel haben, eher begrenzt sind, um das mal milde auszudrücken und halbironisch. Und dass man besser Übungen dann macht mit Bällen oder mit Fahrrad oder sonst wie was, sondern das Geld ist per Definition einzusetzen, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Und jetzt kommen wir der Sache dann schon näher, auch in dem, was der Heiland in den Evangelien sagt, der Heiland betrachtet durchgehend und der Apostel Paulus folgt ihm darin und später dann noch Augustinus – kommen wir noch darauf zu sprechen – Der Heiland betrachtet Geld grundsätzlich als ein, wir würden heute vielleicht modern sagen, als ein unangenehmes, aber notwendiges Mittel, um am Leben zu bleiben, damit man mehr als am Leben bleibt. Und das hört sich kompliziert an als es ist, sondern ist ganz elementar die Unterscheidung, die wir schon bei den bei in der griechischen Philosophie haben, also füntes Jahrhundert vor Christus, aber auch in fast allen anderen Kulturen der Menschheit, im Buddhismus, im Hinduismus, der Mensch findet sein Genügen nicht dadurch, dass er da ist, sondern dass er da ist mit einem bestimmten Ziel und das nennt sich dann im Unterschied zum „Dasein” „Sosein”. Also das Faultier ist einfach da – kürzilich hört ich im Radio ein schönes Feature über das Faultier, was so alle paar Tage vom Baum sich runter räkelt, um dann zur Toilette zu gehen und dann räkelt sich wieder rauf und dann geht's wieder drei Tage … und so vergeht das Leben eines Faultieres und das Leben einer Butterblume und einer Sonnenblume und einer Ameise und eines Kaninchens ähnlich. Und der Mensch unterscheidet sich dadurch von allen anderen Lebewesen. Jedenfalls ist das unser Anspruch, ohne dass andere damit diffamiert werden sollen. Delfine, Elefanten, Sonnenblumen und Regenwürmer. Aber wir treten mit dem Anspruch auf, wir leben damit, also ein bestimmtes Ziel. wir fragen nicht nur nach dem Woherher, sondern auch nach dem Wohin. Und wir können dann die Frage abkürzen und sagen, es gibt kein Wohin Mhm. Das nennen wir langäufig Materialismus oder Atheismus auch in religiöser Sprache oder wir können sagen doch ich kann mir vorstellen, es gibt ein bestimmtes Ziel und das Leben wird lebenswerter dadurch, dass ich mir vorstelle, es gibt ein Ziel. Vorstellen heißt religiös gesprochen glauben. Und wenn ich glaube, es gibt ein bestimmtes Ziel, dann gibt es Instrumente, um dieses Ziel zu erreichen. Und das Geld ist eines von vielen Instrumenten, die mir und anderen Menschen helfen, am Leben zu bleiben, damit ich Paulus hätte gesagt, zur Ehre Gottes lebe, damit ich der All hätte gesagt durch die schmale Pforte in den Himmel gelange. Ich habe im Hinterkopf die das Wort Christi in der Bergpredigt. Sorgt euch nicht. Was sollen wir trinken? Was sollen wir essen? Mt 6. Der Herr kümmert sich, seht die Blumen auf dem Felde, die die Vögel im Himmel. Also sozusagen, es ist eine Ermutigung in der Nachfolge, ja, eine gewisse finanzielle und materielle Sicherheit loszulassen. Ja, also letzten Endes Jesus steht auf dem Berg wie Mose auf dem Berg Sinai und sagt: "Lasst euch nicht davon abhalten, keine finanzielle Sicherheit zu haben." Ist es muss man das als Verantwortungslosigkeit bezeichnen oder was ist die Funktion loszulassen in der Hinsicht? Genau. Das Evangelium spricht in sehr unterschiedlichen die Exegeten sagen Narrativen, also mit sehr unterschiedlichen Zielsetzungen. Jesus spricht hier von der inneren Grundhaltung. Glaubt nicht, ihr könnt die Grundsorge eures Lebens dadurch erledigen, dass ihr viel Geld habt. Glaubt nicht, ihr könnt die Grundsorge eures Lebens dadurch betäuben, dass ihr viel Geld habt. die Grundsorge eures Lebens könnt ihr nur dadurch loswerden, dass ihr sie einem anderen anvertraut, nämlich dem, der euch ins Leben geschickt hat. Was ist die Grundsorge unseres Lebens? Ist es sinnvoll und gut, dass ich da bin? Das ist die Grundsorge eines jeden Menschen und ein kleiner kleiner Kerl oder ein kleines Mädchen, was aus der Kita kommt und traurig ist und weint und zur Mama sagt ä die fragt: "Was ist denn?" Ja, ich durfte bei dieser oder jener Gruppe nicht mitspielen. Die hat sozusagen etwas gespürt von der Grundsorge des Lebens. und da wäre es jetzt im Bild gesprochen in den Augen Jesu sinnlos, diese kleinen Menschen, der gerade erfahren hat, dass andere Menschen ganz gut ohne ihn auskommen. Da wäre sinnlos, dem jetzt zu sagen, und wir haben großes Sparkonto angelegt und da ist genügend Geld drauf. Also abstrus jetzt einfach nur um in dem Bild zu bleiben. Ja. Oder ein Ehemann, eine Ehefrau, die erfahren hat, dass ihr Mann, seine Frau ihn betrügt. Der geht nicht zum Bankberater und sagt, könnte ich ein größeren Kredit haben? Ich brauche mal vier Wochen auf den Malediven. Kann man auch – alle Beispiele hinken. Aber es wäre, glaube ich, in den Augen des Heilands eher eine weiße Salbe als eine dauerhafte Lösung. Das heißt, die Grundsorge unseres Lebens ist eine existentielle und keine materielle. Und deswegen kann sie nicht mit materiellen Mitteln bekämpft werden, sondern kann nur existenziell geheilt werden. Dafür ist der Heiland ja gekommen. Nicht die gesunden brauchen den Arzt sonder die Kranken. Aber der Heiland ist ja nicht gekommen als Ersatz für ein mangelhaftes Sozialversicherungssystem in Palästina um das Jahr null, sondern der Heiland ist ja gekommen, um die Seelen zu heilen. Das, was kein Krankenversicherungssystem dieser Welt bewerkstelligen kann. So, und wenn man das jetzt hat, dann kann man natürlich unterscheiden zwischen geistiger Krankheit und geistiger Gesundheit, also seelisch würden wir vielleicht auch sagen und materieller Gesundheit und materieller Krankheit. Und vom Geld sagt der Volksmund, Geld macht nicht glücklich, aber ist beruhigt. das ist schon schon korrekt. Wenn man Geld hat, kann man sich jetzt mal sehr verkürzt ausgedrückt die bestmögliche medizinische Behandlung in der in einer renommierten Klinik in den USA erlauben. Aber wenn es niemanden interessiert, dass man von dieser renommierten Klinik in den Zustand vollkommene Gesundheit versetzt worden ist. So, wenn man nach Hause käme und wir sagen, ich bin fit wie 1000 Mann und die nächsten angehörenden Freunde würden sagen: "Ach, wie schade, dann hätte man nichts gewonnen." Das ist ungefähr, wie der Heiland im Evangelium sagt, ein reicher Mann setzt sich abends hin und sagt jetzt beruhige dich, lass dir gut sein. und spricht zu deiner Seele. Du kannst beruhigt sein, denn meine Scheunen sind gefüllt. Und dann sagt er du narr noch heute Nacht wirst du abufen. Wem wird dann all das gehören, was du angehäuft hast? Wir nehmen nichts mit aus unserer Seele. Wir gehen nackt und das kann man ganz buchstäblich nehmen. Auch noch das Nachthemd wird man auf Erden lassen, wenn die Seele erscheint vor dem lieben Heiland. Und der Heiland guckt sie an und sagt so, das bist du und alles andere ist überflüssig. Also die Frage was was ist nützlich? Dazu gehört auch das Geld, wenn ich es richtig ansetze. Und was tut gut? Und das ist das Geld wahrscheinlich wenn überhaupt dann nur in einer sehr in einer sehr ja überschaubaren Weise, provisorischen Weise. Ja, in der, ich würde sagen, in der aktuellen Diskussion gibt es ja immer mehr Stimmen, die die sozialistisches Gedankengut wieder aufkommen lassen. Zumindest in meiner Umgebung. Und jetzt gibt es ja zumindest in der Urgemeinde sowas, was damit vergleichbar wäre. Also, es gibt die Geschichte z.B. , dass es eine eine Verteilung von Essen gab und Streit entstanden ist, weil die Witwen der Hellenisten weniger gut behandelt wurden als die der Juden. Dafür wurde dann Stefanus angestellt zum Diakon gemacht. Wir haben die Geschichte von Hananias und Safira, die gesagt haben, sie wollen, ich sag mal jetzt mal provokant, in das System sich einsteigen, aber nicht alles mitbringen, sondern so ein bisschen was noch irgendwie so ein Sicherheitshaken sich aufgehoben haben und dabei also nicht nur rausgeschmissen werden, sondern direkt tot umfallen vor Petrus, dafür. Ich frag mal provokant, wollte wollte Jesus diese Art von Gütergemeinschaft oder wollte er so eine Art Sozialismus? Jedenfalls dem Pharisäer, der in die Zinsgroschen hinhält und fragt, ist es erlaubt im Kaiser Steuen zu zahlen, dem schlägt er nicht ins Gesicht, dem schlägt er auch die Münze nicht aus der Hand, den blickt er sehr nachdenklich an. Und er sagt zu dem Pharisäer: "Wessen Bildnis ist auf dem auf der Geldmünze?" Das des Kaisers, also gibt dem Kaiser, was des Kaisers ist, bezahlt Steuern. Es gibt ein ein Recht des Staates, Steuern einzuziehen, da er auch für Straßen sorgt, da er für Infrastruktur sorgt, da er für Getreideversorgung sorgt. Mehr sorgte der Staat damals nicht, aber der die Besteuerung war auch relativ mäßig und milde im Vergleich zu heute jedenfalls. Also da wehrt er sich nicht gegen. Ich würde ihn in der Tat, also Jesus von Nazareth, ich würde ihn in der Tat so interpretieren, dass er sagt, überlegt genau für was ihr Geld einsetzt, für was er Instrumente einsetzt. für was er das Auto, das Fahrrad, den Wanderstock, den Computer, die die KI, das Geld, wofür es einsetzt und überlegt zusätzlich, wo es nicht einsetzt und wo es nicht sinnvoll ist. Und das ist die eigentliche Aufgabe des Menschen. Geld hat einen Symbolwert, es spiegelt etwas ab. Und heutzutage wissen wir noch mehr, es spiegelt auch Bewertung an der Börse ab. aber es ist überhaupt nicht einsetzbar im Blick auf den Ehepartner, im Blick auf die Freunde, im Blick auf die Kinder. Paulus selber sagt, wer nicht arbeitet [arbeiten will – anm. d. Red.], soll auch nicht essen und ein Arbeiter hat ein Recht auf seinen Lohn. Das alles setzt er voraus. Aber ich würde sagen, sowohl Paulus wie auch Jesus von Nazareth würden sagen, Leute, deswegen ist Gott nicht Mensch geworden und auf Erden erschienen, um materielle Dinge zu regeln. Ihr könnt, um das jetzt noch mal zuzuschwitzen, ihr könnt gerne ein sozialistisches System einführen, wenn es sie Menschen gut tut, wenn das sozialistische System verbunden ist mit Atheismus und Gottesleugnung und der Behandlung von Menschen wie Maschinen wie im Stalinismus und im Maoismus und in Nordkorea und leider Gottes in den meisten kommunistisch regierten gewesen regierten Ländern dieser Welt, Dann ist es ein – jetzt hätte ich bald ein Kraftausdruck gebraucht – , dann ist es ein vollkommen menschenverachtendes System, aber der Kapitalismus an und für sich ohne ethisches Kette kann genauso Menschenverachtend sein. Also jetzt Milton Friedman und die Chicago Boys in Reinform sind nur scheinbar in ihrer Betonung der Freiheit menschenfreundlicher und sind auch menschenverachtend. Und wenn man sieht, wie viele Leute in Chicago beispielsweise unter den Brücken auf Pappkartons schlafen, da kann man sich fragen, was ist unmenschlicher? Ein Plattenbau in blablabla oder eine Brücke in Chicago? Also die Frage ist, was für ein Rechtssystem Republik, Demokratie, Wirtschaftssystem, Marktwirtschaft, soziale Marktwirtschaft kommt der der individuellen Entfaltung einer jeden menschlichen Seele am meisten entgegen. Ich muss oft an den an den Satz von Churchill denken in der Zürcher Rede, wo er sagt, Demokratie ist die schlechteste aller Staatsformen mit Ausnahme derer, die schon ausprobiert worden sind. Ein schöner Satz, sehr typisch für Churchill, solche ein Satz und man kann den natürlich auch anwenden auf die Marktwirtschaft. Soziale Marktwirtschaft ist die schlechteste aller Wirtschaftsformen. Gerne. Und wer eine bessere kennt, komm sofort, wir nehmen sie. Aber er muss beweisen, dass sie besser ist. Wir haben bisher nichts Besseres herausgefunden. Und so würde ich das Geld interpretieren. Wer Reichtum hat, der soll nicht so tun, als hätte er keinen und der soll den auch nicht verschleudern, sondern er soll den einsetzen. Das ist Talent und Kapital, um anderen Menschen Möglichkeit zu geben, auch zu einem Lebenswerten zu einem Menschenwürdigen würden wir heute sagen, Leben zu gelangen. Also partizipieren lassen, Inklusionen ermöglichen, das ist die Aufgabe. Und das nicht einfach jetzt nur durch freiwillige Almosen von reichen Milliardären, sondern der Staat sagt, liebe Leute, ihr wollt was geben, wir kommen euch entgegen und die Steuerquote beträgt maximal 44%. Und das Ideal will sozusagen, dass der Reiche sagt: Danke. Da brauche ich mir also schon mal keine Gedanken machen über Almosen geben. Nein, nein, sagt der Staat. Macht dir keine Gedanken. Wir nehmen uns 44% und führen das einem guten Zweck zu und du kannst in Ruhe beichten gehen und bist entlastet. Und der Reiche sagt, danke, wunderbar. Da bin ich dieser Sorge schon mal ledig. Das ist sozusagen jetzt karakiert und ein bisschen wie bei Loriot auf den Punkt gebracht. Aber der Steuerstaat ist nichts anderes, der Sozialstaat. 1901 lag die Steuerquote der Einkommenssteuer fliegtchen bei 15% in der Donaumonarchie. Der Rest wurde gar nicht besteuert. Es gab keine Umsatzsteuer, keine Mehrwertsteuer, keine Erbschaftsteuer und so weiter und so fort. Es gab für 15% der Bevölkerung Einkommenssteuer. Davon finanzierte der Staat viel Militär, ein bisschen ganz ganz bisschen Infrastruktur oder bisschen Infrastruktur, Eisenbahnen, noch mal viel Militär, elektrische Beleuchtung, noch mal viel Militär. Genau. Ja. und von sozialem Wohnungsbau und so weiter gar nicht der Rede. Der Sozialstaat ist sozusagen der verkörperte barmherzige Samariter, der dem anderen, der schwächer ist nachhaltig hilft, so lange bis der andere wieder in der Lage ist auch was zu tun. Das darf man nicht vergessen. Man muss das hinzufügen. Ja, jetzt noch mal zurück mehr ins kirchliche Leben aus der gesellschaftlichen Perspektive zurück ins kirchliche Leben. Wenn Jesus zur Armut rät, was ist dann die Funktion für mich persönlich? Und das ist eigentlich wahrscheinlich ja Johannes Evangelium und die Johannesbriefe vielleicht jedenfalls meines Erachtens und deutlichsten erkannt und auf dem Punkt gebracht: So sehr hat uns Gott geliebt, dass wir, wenn wir das erkennen, diese Liebe weitergeben müssen. Und ganz eindeutig vor Augen Maximilian Kolbe. Wenn Christus für mich gestorben ist, dann sterbe ich für diesen Familienvater. Punkt. Und ist das schrecklich im Hungerbunker zu sterben? Ja, sehr schrecklich. Ist das schrecklicher als am Kreuz zu sterben? Mindestens genauso schrecklich. Und du tust es? Ja, weil ich weil ich ergriffen worden bin davon, dass Christus mich bis zum Tod am Kreuz geliebt hat. Und ich kann nicht ohne eine Antwort bleiben. Und es kommt nicht drauf an, dass ich am Leben bleibe und 102 Jahre alt werde und lange überlebt habe, sondern dass ich mein Leben gegeben habe. Das ist der Sinn von Armut. Also sozusagen scheinbar arm werden. So würde man dann wohl ausdrücken. Scheinbar arm werden, um unendlich reich zu werden. Aber Reichtum ist das, was ich gegeben habe für andere aus Liebe zu Gott, als Antwort auf Gottes Liebe. Das ist der eigentliche Reichtum. Und darauf deutet ja auch das Wort Jesu hin mit dem „du Narr, noch heute Nacht wirst du abberufen. Wem wird dann das gehören, was du angehäuft hast?“ Also Armut Armen, selig die Armen im Geiste, geistige Armut ist eine Haltung die dazu führt, dass ich materielle Reichtümer einsetze, um anderen Seelen eine Entfaltung zu ermöglichen. So würde ich es erstmal für mich ausdrücken. Okay, aber das heißt ja denn eben nicht, dass Armut … Der Rat der Armut heißt nicht Mittellosigkeit anzustreben, sondern eher anzustreben, möglichst viel geben zu können. Das ist jetzt schon wieder das so würde ich denken, aber das ist schon wieder in eine gewisse jesuitische Richtung gedacht. Die Jesuiten waren nicht umsonst Beichtväter an den Höfen des Adels und an den Königshöfen und haben Reichenseelsorge betrieben – sehr zugespitzt ausgedrückt – und sich um die oberen Schichten gekümmert und bis heute gibt's ja auch Ortsgemeinschaften, die darin einen Charisma sehen und zurecht, weil ob jemand reich ist oder arm ist, das ist spielt materiell, das spielt von Gott keine Rolle. Es kann auch ein armer herzlos sein und ein reicher ein großes Herz haben. Dem reichen Prasse im Evangelium wird ja nicht vorgeworfen, dass er Reich ist, sondern dass er seinen Reichtum für sich und ein luxuriöses Leben verprasst hat und dabei übersehen hat, dass ein Arme auf der Schwelle seines Hauses lag. Und deswegen gibt es schon im frühen Christentum das vorhin von Ihnen erwähnte Modell der Gütergemeinschaft. Ja, also so einen christlichen Frühsozialismus haben so manche in der Kirchengeschichte gesagt. Auch in der französischen Revolution gibt es solche Redensweisen. Aber es gibt auch das Modell, dass man sagt von allem, was du verdienst, sollst du eine bestimmte Summe für ein wohltätigen Zweck geben, für andere geben. Noch einmal bei uns im Sozialstaat – den Zehnten – ganz genau, bei uns im Sozialstaat ist das relativ natürlich schon mal von Seiten des Staates erledigt. Also im Grunde wenn jemand, rein fiktiv gesprochen, es käme zu mir jemand in der Beichtschuh und würde sagen, ich bin Multimilliardär mit erstem Wohnsitz in Deutschland und mache mir Sorgen, ob ich in den Himmel komme. Dann wäre meine erste Frage ja nicht: Wie viel gibst du an Spenden? Sondern ich meine erste Frage wäre: Zahlst du korrekt und ordentlich, mit ersten Wohnsitz in Deutschland deine Steuern? Dann wäre die zweite Frage, hast du Kapitalerträger? Zahlst du dafür auch Steuern nach Maßgabe der Gesetze. Dann würde ich sagen, die Gesetze für Kapitalertragsteuern sind bei uns relativ großzügig. Da könnste noch ein bisschen was drauf legen. Willst du nicht vielleicht, wenn du Multimilliardär bist, zehn Stipendien ausloben für Kinder, begabte Kinder oder Kinder überhaupt aus Dortmund Norden? So z.B. Ja. also beim Multimillionär können noch 50 Stipendien sein. Wie auch immer. Aber ich wollte nur zum Aus bringen, der Sozialstaat nimmt uns jetzt ganz unironisch gesprochen eine ganze Menge Sorge ab, weil wir besteuert werden. und das ist ja auch gerecht so und und legitim, dass wir besteuert werden und das Geld wird dadurch umverteilt. Wenn ich in Texas im Beichtstuhl säße, wo eine ganz andere Steuerquote ist und da käme jemand zu mir und würde sagen, ich bin Multimilliardär und habe Sorge in den Himmel zu kommen, da würde ich sagen, die Sorge kann ich gut verstehen, lieber Freund, denn die Steuerquote in Texas beträgt, was weiß ich 18 19% Sorge dafür, dass unter den Brücken kein Mensch liegen muss und dass die Kinder im Umkreis deines Wohnsitzes eine gute Ausbildung haben, gründe eine Stiftung. Und, und, und, und. Ja, das ist sehr schön zu hören, weil auch gerade ich denke ich denke so gesellschaftlich wird ja immer recht viel oder wird immer wieder Kritik an der reichen Kirche geübt. Ich habe mir mal, ich habe gedacht, für jemand, der das Bild vom Nadelör aufgreifen wollte, könnte sagen, ja, die Kirche ist große Kamelkarawane. Wie will die ins Himmelreich kommen? Was würden Sie da antworten? Wir haben bei uns ja das Sondermodell der Kirchensteuer, der sogenannten Kirchensteuer. woanders ist das System anders? Die Kirche verwaltet treuhändig anvertraute Gelder. Das ist das Grundmodell. Und da hat sie die Aufgabe drauf zu schauen, dass nicht einfach Arbeitsplätze bereitgestellt werden, sondern dass das ihr anvertraute Geld für Menschen genutzt wird, für Menschen, die es nötig haben, die in ihrer Entwicklung noch mal in der Entfaltung ihrer Seele gefördert werden soll. Und dann gibt's natürlich sehr viele Möglichkeiten und da wird wird auch unterschiedliche Prioritäten sein und unterschiedlich Diözesen werden unterschied Prioritäten haben und das geht von Evangelisierung bis zur Schulspeisung in Grundschulen, in sozialen Brennpunkten, wie auch immer. Aber das Grundmodell ist immer, es sind anvertraute Gelder. Die Kirche selber soll möglichst wenig haben, so wie die Orden auch. Der Armutstreit bei den Franziskanern, der hat teilweise heftig getobt nach dem Tod des heiligen Franziskus. Sollen wir radikal arm sein, aber dann ist niemandem genutzt. Dann sind wir im Bild gesprochen wieder beim Barmherzigen Samariter, wenn der arm gewesen wäre, dann hätte er sich neben den Menschen im Straßenkram gelegt und hätte gesagt, jetzt sind zwei arm, vorher warst du alleine hier, jetzt sind wir zu zweit. Ja, das kann man machen. Ist auch eine nette, wir würden vielleicht sagen, eine nette buddhistische asketische Geisteshaltung, aber geholfen effektiv ist damit niemandem. Der Barmherzige Samariter mag uns in Änderung geblieben, weil er viel Mitleid hatte. Er hatte vor allen Dingen aber auch eins, nämlich viel Geld. Er konnte einen Esel sich leisten. Er konnte den Zusammengeschlagenen auf den Esel packen. Er konnte ins Wirtshaus hin bringen. Er konnte dem Wirt Geld geben. Sorge für ihn. Wenn du mehr brauchst, gebe ich es dir, wenn ich zurückkomme. Das Geld fiel nicht vom Baum. Er war also ein vermögender Mann. Er hat mit seinem Geld aber mehr getan als es nur weiter vermehrt und verprasst in der fünften Kaviar Portion, sondern er hat damit Gutes getan. Und das ist die Aufgabe der Kirche mit den ihr anvertrauten Geldern. Sehr schön. Ich glaube, das ist ein sehr schönes Schlusswort. Herr Professor Schallenberg, ich danke Ihnen für das Interview. Danke Ihnen, dass Sie sich Zeit genommen haben. Ich danke Ihnen. Und wenn ihr zu dem Thema Fragen habt, Anregungen, schreibt sie gerne in die Kommentare. Wir beantworten sie natürlich gern. Und dann sage ich tschüss und bis zum nächsten Mal. Ihnen. Ja, auch bis zum nächsten Mal. Danke. Vielen Dank, Herr Schadt, für die Mühe. Alles Gute, Gottes Segen.