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Das dunkle Berlin· Staffel 1· Folge 2

Der KO-Tropfen-Killer

Dienstag, 3. November 2026 · 39 min

MP3

Shownotes

Als die Ermittler am 5. Mai 2012 die Leiche von Nicky M. im Darkroom der bekannten Schwulenbar „Große Freiheit“ in Friedrichshain finden, stehen sie vor einem Rätsel. Wie genau ist der junge Mann zu Tode gekommen? Handelt es sich um eine unbeabsichtigte Überdosis? Um einen Suzid? Oder gar um Mord? Dass die Polizei kurz davor ist, einer Tötungsserie auf die Schliche zu kommen, die Berlin noch 15 Jahre später bewegen wird, kann sie zu diesem Zeitpunkt nicht ahnen.

In der ersten Folge von „Das dunkle Berlin“ sprechen die Hosts Julia Lehmann und Dennis Meischen über die Taten des sogenannten „K.O.“-Tropfen-Killers Dirk P., deren Beweggründe bis heute im Dunklen liegen. Der Wirt der „Großen Freiheit“ Danjel Zarte erinnert sich zudem an die Wirkung, die die Morde und vor allem die Berichterstattung darüber auf die schwule Community in Berlin hatten. Er erklärt, wie der Party-Metropole durch Dirk P. die Leichtigkeit, das Besondere verloren ging – und hofft, dass aus dem Fall Lehren für die Zukunft gezogen werden können.

„Das dunkle Berlin“ ist der neue True-Crime-Podcast der Berliner Morgenpost. Ab sofort erscheint alle zwei Wochen eine neue Folge.

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Es ist das Jahr 2012. Mehrere Morde erschüttern die schwule Community in Berlin. Begangen werden sie zum Teil in sogenannten Dark Rooms. Das sind Räume, beispielsweise in Clubs, in denen Menschen Sex miteinander haben können. Räume, in denen sich Homosexuelle sicher fühlen sollten. Doch in einem dieser Berliner Dark Rooms nutzt jemand diesen intimen Ort, diesen Safe Space der Community dafür aus, um unschuldige Menschen zu töten.

Männer, die sich sicher fühlten und es doch nicht waren. Die Tatwaffe, K.O. tropften. Die Polizei kann den Täter festnehmen, doch was ihn zu seinen Taten treibt, bleibt bis heute ein Rätsel. In unserer True Crime Serie, Das dunkle Berlin, erzählen wir ihnen von wahren Verbrechen. Begangen oftmals von Berlinerinnen und Berlinern in und um Berlin.

Das dunkle Berlin, Crime Stories aus der Hauptstadt. Mein Name ist Julia Lehmann. Ich bin Redakteurin bei der Berliner Morgenpost. Mit mir im Podcast-Studio ist Polizeireporter Dennis Meyschen. Hallo Dennis. Hallo Julia. Dennis, seit mehreren Jahren ist dein Steckenpferd das Verbrechen. Seit einigen Monaten fütterst du die neue Morgenpost-Reihe Das dunkle Berlin, mit Geschichten über menschliche Abgründe, Betrug bis hin zu Morden.

Zunächst gab es diese Serie ausschließlich zum Lesen auf morgenpost.de und nun gibt es sie auch als Podcast. Wir haben uns beide in diesem Fall eingelesen, den du, Dennis, intensiv recherchiert hast. Es geht um Dirk P., ein Mann, der es schaffte, die Schwulenzähne über längere Zeit in Angst und Schrecken zu versetzen.

Was genau hat Dirk P. getan? Nun, Dirk P. tötet im Jahr 2012 drei schwule Männer. Sie sind 34, 37 und 41 Jahre alt zum Zeitpunkt der Morde. Er geht mit einer Überdosis der beliebten Partydroge Liquid Ecstasy vor. Die ist auch bekannt als GHB oder ja, gemeinhin als K.O.-Tropfen. Das ist eine Droge, die auch unter Homosexuellen als Sexdroge beliebt ist.

Das heißt, in einer gewissen Dosierung wirkt sie euphorisierend, sie macht locker. Das Problem ist nur, dass eben K.O.-Tropfen sehr schwer nur im Körper nachzuweisen sind. Sie entfalten ihre Wirkung schon in sehr geringen Mengen und sie kommen in einer Vielzahl von Formen vor, also flüssig, in Tablettenform, etc.

Da der Stoff teilweise auch sehr natürlich im Körper vorkommt, ist es für Forensiker nur schwer, rauszufinden, was jetzt eine natürliche Menge von GHB ist oder was vielleicht von außen eingeflößt wurde. Im Blut bauen sie sich nach ca. 6 Stunden ab, im Urin nach 12. Sie führen bei Opfern auch zu starken Erinnerungslücken, weswegen GHB auch oft bei Sexualdelikten wie Vergewaltigungen benutzt werden.

Peer hat ein Vielfaches der tödlichen Menge für seine Taten verwendet. Das bedeutet, er wollte töten. Im Anschluss hat er seine Opfer auch bestohlen und ihre Körper in sehr expliziten Posen zurückgelassen. Allerdings hat er sich nicht an ihnen sexuell vergangen. Zwei der Männer trifft es nach Blind Dates in ihren eigenen Wohnungen.

Einen weiteren, und das ist vielleicht der berühmteste Fall, im Darkroom der Schwulenbar Große Freiheit 114. Die gibt es übrigens heute noch. Und die Belegschaft hat mir erzählt, dass sie sehr lange darunter gelitten hat, dass ihre Bar vor allem als Tatort für diesen Mord bekannt wurde. Dirk P., also der Täter, war selbst schwul, haderte aber aufgrund seiner strengen katholischen Erziehung lange mit seiner Sexualität. Es ist eines von möglichen Motiven, wie wir noch sehen werden.

Erstmals in den Blick der Sicherheitsbehörden gerät P. als ein Kellner am Morgen des 5. Mai 2012 die Leiche von Niki M. Im Darkroom der Großen Freiheit 114 entdeckt. Doch die Spur führt nicht sofort zu Dirk P. Warum nicht? Naja, für die Polizei sieht es zunächst nach einem Unfall aus. Vielleicht eine Überdosis durch Mischkonsum.

Liquid Ecstasy ist damals auch noch nicht Teil des toxologischen Screenings. Das heißt, danach wird bei einem Toten nicht explizit gesucht. Die Polizei, die Ermittler sind sich also dieser Droge noch nicht so bewusst. Einzig die Würgemaler am Hals machen die Ermittler stutzig. Diese könnten nämlich ein Indiz dafür sein, dass doch Gewalt eingesetzt wurde.

Die Ermittler interpretieren später, dass das möglicherweise darauf hindeutet, dass Nicky M. Widerstand geleistet hat. Dass er vielleicht gemerkt hat, dass etwas nicht in Ordnung ist, dass ihm vielleicht sogar schon die Kräfte verlassen haben. Aber offensichtlich war das Liquid Ecstasy, diese starke Dosis, schon in seinem Körper. Er war zu schwach und starb noch vor Ort.

Im Anschluss hat Dirk P. ihm das Portemonnaie weggenommen. Und eben das ist interessant, weil Dirk P. versucht dann mit der entwendeten Kreditkarte ein Ticket zu kaufen nach Saarbrücken. Dort kommt er her, dort lebt auch seine Familie. Ohne Erfolg für ihn, denn die Kreditkarte ist nicht gedeckt. Okay, und von diesem Moment an hätte Dirk P. in sein bisheriges Leben zurückkehren können, aufhören können und hoffen, dass nichts auf ihn als Täter hindeutet.

Das hätte wahrscheinlich sogar geklappt. Nun ist es aber so, ein Mensch war gestorben und er hört trotzdem nicht auf. Dennis, was tut Dirk P. stattdessen? Ja, er sucht sich ein neues Opfer und zwar noch in derselben Nacht. Denn nach wie vor braucht er eine funktionierende EC-Karte. Kurz darauf spricht er den angetrunkenen Miroslav W.

An der Warschauer Straße an. Wer den Bahnhof nicht kennt, das ist gerade am Wochenende, ist sehr viel los da am Warschauer Platz. Partygäste sind auf dem Weg zum RAW-Gelände, das ist ein großes Clubgelände. Straßenmusiker spielen hier am Bahnhof für ein bisschen Kleingeld. Auch am Tag übrigens sehr viel los. Es ist die Endstation einer wichtigen Tramlinie.

Ein sehr belebter Ort also, auch zu dieser Tageszeit, besser gesagt zu dieser Nachtzeit. Miroslav W. ist dabei das einzige Opfer, das nicht homosexuell ist. Man kann sagen, er ist ein klassisches Zufallsopfer, den sich P. Aus einer Menge von Leuten sozusagen rauspickt. P. bietet Miroslav W. eine Schnapsflasche an, also ein kleines Fläschchen, aus dem Miroslav W. auch trinkt.

Miroslav W. ist zu diesem Zeitpunkt selbst schon ein bisschen angetrunken, ein bisschen leichtsinnig, aber er weiß nicht, dass sich in dieser Flasche eben auch GHB befindet. Okay, also da spricht mich ein fremder Mann nachts am Bahnhof an und bietet mir eine bereits geöffnete Flasche mit Alkohol an. Bei vielen schrillen an dieser Stelle doch die Alarmglocken.

Bei mir würden sie das in dem Fall. Warum bei Niki M. und dann später auch bei Miroslav W. eigentlich nicht? Ich nehme an, dass der Alkohol und auch die ungezwungene Atmosphäre hier ihren Teil dazu beigetragen haben. Tatsächlich gilt P. aber auch als sehr eloquent und freundlich. Er besitzt die Fähigkeit, das sagen viele Menschen, die ihn kennen.

Menschen für sich zu gewinnen. Man vertraut ihm schnell. Das sagen auch Leute, die ihn von klein auf kennen. Ich kann mir also gut vorstellen, dass wenn man diese charaktische Eigenschaft besitzt, dass Miroslav W. da erstmal überhaupt keinen Verdacht geschöpft hat. Das bedeutet also, Dirk P. kann sehr überzeugend sein.

Er und Miroslav W. bleiben aber nicht an der Warschauer Straße, sondern sie fahren sogar noch gemeinsam mit der S-Bahn. Genau. Sie fahren in Richtung Ostbahnhof. Zu diesem Zeitpunkt ist die Überdosis bereits im Körper von Miroslav W., die Überdosis GHB. Die Wirkung setzt jedoch erst ein paar Minuten später ein.

Am Ostbahnhof verlassen Miroslav W. schließlich seine Kräfte. Das sieht man an den Videoaufnahmen der Deutschen Bahn, die dann auch veröffentlicht wurden. P muss W. also eine Zeit lang auch stützen und führt ihn nach draußen zu einer Bushaltestelle, wo er ihn auch zurücklässt, nachdem er ihm natürlich zuvor auch sein Portemonnaie geklaut hat.

Okay, das ist krass. Also nachdem W. niedergestreckt an der Bushaltestelle liegt, raubt Dirk P. ihn aus, denn er will sich ja noch immer, das hast du ja vorhin schon erzählt, eine Fahrkarte nach Saarbrücken kaufen. Sein Opfer, Miroslav W., wird dann erst am nächsten Morgen von Anwohnern gefunden, die geistesgegenwärtig den Notruf wählen.

Später wacht Miroslav W. dann im Vivantes Krankenhaus in Friedrichshain auf. Diagnose, Überdosis. Und es stellt sich heraus, nur die gute körperliche Konstitution von Miroslav W. rettet ihm letztlich das Leben. Warum ist Miroslav W. für die Überführung von Dirk P. so entscheidend? Dadurch, durch diese gute körperliche Konstitution, passiert etwas, womit Dirk P. nicht gerechnet hat. Sein Opfer überlebt.

Den Ermittlern liefert Miroslav V. damit die entscheidende Verbindung zum Toten in der Großen Freiheit 114, von dem er ja nicht recht wusste, warum er gestorben ist. Zum einen kann sich Miroslav V. an die Begegnung mit Dirk P. Erinnern, zumindest schemenhaft. Zum anderen wird auch seine Bankkarte, wie später herausgefunden wird, benutzt, um ein Ticket nach Saarbrücken zu kaufen.

Das ist die erste Verbindung. Die zweite Verbindung ist, dass in seinem Blut, da hat natürlich geholfen, dass er in ein Krankenhaus eingeliefert wurde, dass sein Blut getestet wird und dass da noch Liquid Ecstasy nachgewiesen wird. Durch diese Saarbrücken-Verbindung kommen die Ermittler nun darauf, auch bei Niki M., der Leiche aus der großen Freiheit, einen Test durchzuführen.

Und tatsächlich haben sie Glück. Auch bei Niki M. wird Liquid Ecstasy festgestellt. Dadurch haben sie eine Verbindung und kurz darauf veröffentlichen sie die Videoaufnahmen vom Ostbahnhof, weil auf denen ist ja Dirk P. Auch zu erkennen, wie er Miroslav W. aus dem Bahnhof hinaus zur Bushaltestelle bringt. Da würde ich gerne nochmal drauf zurückkommen. Hast du die Videoaufnahmen von der Deutschen Bahn gesehen, auf denen Miroslav W. dann torkelnd an der Bushaltestelle landet?

Kannst du das ein bisschen beschreiben? Was hast du da gesehen? Interessant ist in dem Fall, dass diese Videoaufnahmen sind insofern interessant, weil sie auch nochmal den Charakter, glaube ich, von Dirk Persi gut unterstreichen. Am Anfang sieht man die beiden aus der S-Bahn aussteigen im Ostbahnhof.

Man weiß nicht ganz, was sie da vorhatten. Vielleicht wollten sie weitertrinken. Und sie wirken nicht wie zwei Menschen, die sich gerade erst kennengelernt haben, sondern die im Gespräch miteinander sind, die eng beieinander sind, wie Freunde. Dann gibt es einen Schwenkwurst in Richtung, man geht ja dann oben von den Gleisen runter, in so eine Art Unterführung und da fängt Miroslav V.

Dann an, sich für ein Außenstehende komisch zu benehmen. Also immer abgehackter läuft er. Taumelt vielleicht so ein bisschen. Wenn man es nicht genau weiß, würde man von außen sehen, oh, der hat aber einen jetzt über den Durst getrunken. Und irgendwann ist das eben so weit, dass er gar nicht mehr laufen kann alleine und dass Dirk Pei ihn stützen muss und quasi in Richtung Bushaltestelle fast schon schleift.

Dann setzt er ihn ab. Raubt ihn aus und lässt ihn zurück. Für Außenstehende, auch das übrigens sehr interessant, dass die Anwohner da so schnell reagiert haben am Morgen, für Außenstehende würde das wahrscheinlich wie jemand aussehen, der einfach nach einer durchzechten Nacht eingeschlafen ist an der Bushaltestelle.

Sie haben gemerkt, dass da mehr hinterstecken muss, Gott sei Dank für Miroslav W. und für den Fall und haben die Einsatzkräfte verständigt. Das habe ich vorhin auch kurz gedacht, dass Menschen auf offener Straße übernachten. Das ist ja in Berlin kein seltenes Bild, dass die Anwohner reagiert haben, kann man echt nur als Glück bezeichnen.

Als Glück in der Tat und ich glaube auch, dass ansonsten diese Fälle nicht aufgeklärt worden wären. Davon ist Türke ja auch fest ausgegangen, dass Miroslav V. Stirbt, dass er vielleicht als, wie du schon sagst, als Schnapstrossel erstmal nicht erkannt wird und dadurch, dass dann auch das GHB nicht mehr nachweisbar ist.

Durch die gute körperliche Konstitution hat sich das aber nicht bewahrheitet. Dadurch konnten überhaupt erst die ganzen Verbindungen zu den anderen Toten, gezogen werden. Auch Alexander S. Höchstwahrscheinlich wäre das als ungeklärter Todesfall in die Statistik eingegangen, ohne näher untersucht zu werden.

Und hier nimmt der gesamte Fall eine echte Wendung. Warum? Ja, weil eine Frau namens Regina L. die veröffentlichten Fotos sieht, der Fahndung. Und sie meldet sich bei der Polizei, denn sie glaubt, der Verdächtigte könnte ein Bekannter ihres verstorbenen Enkels Alexander S. sein. Dazu muss man wissen, dass Alexander S. am 26. April, das ist also eine knappe Woche vor dem Mord im Darkroom, auch unter mysteriösen Umständen tot in seiner Wohnung aufgefunden wurde.

Auch ihm ist das Portemonnaie geklaut worden, zudem sein Handy und einige weitere persönliche Gegenstände. Es deutet aber nichts auf einen Einbruch hin. Die Ermittler schlussfolgern, dass Alexander S. den Dieb, man geht nicht von einem Mord aus, weil man nicht weiß, dass Liquid Ecstasy im Körper ist, dass er den Dieb gekannt hat und ihn seine Wohnung gelassen hat.

Okay, die Ermittlungen nehmen ab diesem Moment so richtig Fahrt auf. Denn auch bei der Laich von Alexander S. wird nun Liquid Ecstasy nachgewiesen. Und etwas total Gruseliges kommt heraus, Dirk P. und Alexander S. Kannten sich, hatten sogar ab und zu Sex miteinander. Die Mutter des Toten, eine ehemalige Lehrerin, half Dirk P. sogar dabei, eine Referendariatsstelle in Brandenburg zu bekommen.

Und auf den Videoaufnahmen trägt Dirk P. Alexanders Kleidung. Der Inbegriff von Dreistigkeit und Kälte könnte man sagen. Entweder war P. Zu diesem Zeitpunkt schon alles egal oder er rechnete wirklich fest damit, nicht gefasst zu werden. Denn noch immer wird Dirk P. nicht überführt. Er macht weiter, während die Suche nach ihm läuft. Genau.

Die öffentliche Fahndung mit seinem Bild hält Peter tatsächlich nicht davon ab, seine Masche noch zweimal durchzuziehen. In schwulen Chatrooms sucht er Sexpartner, die er zu seinen nächsten Opfern machen kann. Das erste Mal scheitert er. Der ausgewählte Mann mag nämlich keinen Jägermeister, in den Dirk P. das GHB gegeben hat. Der hatte also nochmal richtig Glück gehabt.

Am 15. Mai aber tötet er Peter T. Bei einem Date in dessen Wohnung mit einer weiteren Überdosis. Auch von ihm steht er die EC-Karte. Dirk P. ist jetzt ein Dreifachmörder. Letztlich bringt der erste Mord, nämlich der lange ungelöste Fall von Alexander S., den Ermittlern die Möglichkeit, Dirk P. zu überführen.

Und zwar war P. die letzte Person, mit dem der Tote telefoniert hatte. Das stimmt, genau. Durch die Verbindungsdaten des verschwundenen Handys von Alexander S. kommen die Ermittler ihm auf die Spur. Sie nehmen ihn fest und bei seiner Festnahme verstrickt er sich erstmals in Widersprüche, also was die Tat angeht, wo er zu Zeitpunkt war.

Und während dieser Vernehmungen der Polizei gibt er nach und nach die Taten zu. Das sind die drei vollendeten Tötungen und auch der versuchte Mord an den Mann, der keinen Jägermeister mochte. Allerdings bleibt es ein Rätsel, warum er das getan hat. Der Polizei selbst gibt ja verschiedene Versionen seiner Beweggründe zu Protokoll, die allerdings etwas schwammig sind. Ich zitiere aus dem Protokoll eine der Aussagen.

Einmal gibt er an, es ging um dieses Gefühl, etwas Verbotenes zu tun. Ein andermal sagt er aber, irgendwann ist etwas in mir passiert, was ich nicht mehr verstanden habe. Ich bin verzweifelt, weil ich Angst vor meinem eigenen Handeln habe. Die Ermittler gehen davon aus, dass er den Eindruck erwecken will, einem Trieb oder einem inneren Drang zu folgen.

Daran sind allerdings Zweifel angebracht. Für viele wirkte sein Handel sehr rational und sehr abgeklärt. Das sieht übrigens auch das Landgericht Berlin so. Im Juni 2013 wird Dirk P. zu lebenslanger Haft verurteilt. Nun, heute können wir Duc P. nicht mehr zu seinen Motiven befragen. Er hat sich Anfang 2014 im Alter von 39 Jahren im Haftkrankenhaus erhängt.

Schon seit seiner Festnahme galt er als selbstmordgefährdet und wurde deswegen in der Untersuchungshaft auch von Anfang an im Haftkrankenhaus untergebracht und war durchgängig auch von Pflegern beobachtet worden. Er hatte auch schon mehrere Suizidversuche in der Haft überlebt und im Krankenhaus will man im Anschluss allerdings eine Besserung bei ihm erkannt haben.

Er hat auch Psychoparmaka bekommen, aber möglicherweise hat er die Ärzte auch getäuscht. Wie wir jetzt schon gelernt haben, ist das ein Wesenszug, den ihn seit seiner Jugend begleitet. Das heißt, die Frage nach dem Warum stellt sich bis zuletzt. Ob er nun aus purer Mordlust handelte, aus dem Streben nach Macht heraus, nach sexueller Erregung, Habgier oder aber der Verleugnung seiner eigenen sexuellen Orientierung oder einer Mischung aus all dem, das muss bis heute offen bleiben.

Möglich ist auch, dass er seine eigenen Beweggründe nicht ganz verstand. Möglicherweise trieb aber auch ein Spiel mit den Behörden, das hast du bereits angedeutet. Denn P. wurde als narzisstisch eingestuft und seine Biografie, das ist auch nochmal interessant, zeigt, dass er Menschen bereits seit seinen 20ern immer wieder betrogen und hintergangen hat.

Dirk P. stammt aus einer streng katholischen Familie, auch das hast du schon beschrieben, aus dem Saarland, mit der er Zeit seines Lebens eng verbunden bleibt. Nach Berlin kommt er aber trotzdem aus einem gewissen Grund, nämlich wegen der Suche nach Freiheit. Er zieht 2006 wegen seines Partners in die Hauptstadt.

Allerdings mit einem gefälschten Abiturzeugnis in der Tasche, mit dem er dann aber erfolgreich ein Lehramtsstudium beginnt. Er hasst die Großstadt, was ihn zu regelmäßigen, kostspieligen Reisen in die Heimat bewegt. Und er hadert mit seiner Sexualität, die letztlich auch zum Bruch mit seiner Großmutter geführt hat, die er aber abgöttisch geliebt hat. Das wissen wir über ihn.

Es gibt jedoch Hinweise darauf, und das ist auch nochmal spannend, um ein bisschen in seine Psyche zu schauen. Es gibt Hinweise darauf, dass seine Großmutter ihn mehrfach missbraucht haben könnte. Sie galt als gefühlskalt und aggressiv. Das heißt aber auch, als P. nach Berlin kommt, lebt er in einer festen Beziehung.

Sein Lebensgefährte hatte aber offenbar keine Ahnung von dem Doppelleben, das Dirk P. führte. Niemand aus dem Umfeld des 38-Jährigen hätte damit gerechnet. Zeit seines Lebens pflegte P. seine erfolgreiche Fassade und den schönen Schein. Ja, und was sich wirklich dahinter verbirgt, das konnte nie richtig enträtselt werden.

Ich habe mit Angela Luther gesprochen. Sie war damals die Staatsanwältin, die Anklage gegen P. erhoben hat. Und sie hat eine ziemlich starke Meinung zu Dirk P. gehabt. Sie nimmt ihm nämlich seine Verteidigungsstrategie, die er vor Gericht gefahren hat, von Anfang an nicht ab. Das hat sie im Gespräch mit mir immer wieder betont.

Dirk Peer hat nämlich bis zum Schluss beteuert, dass er seine Opfer gar nicht töten wollte, dass es ihm also quasi nur um das Ausraum gegangen sei, dass es Unfälle gewesen seien, aber so richtig, wollte Frau Luther ihm das nicht abnehmen, weil er ja auch ein ausgebildeter Krankenpfleger war und im Umgang mit gewissen Narkosemitteln natürlich auch geschult wurde.

Außerdem hat er sich vor Gericht sehr devot, sehr knirscht gegeben und hat sich selbst immer wieder in die Opferrolle gedrängt, auch aufgrund der erlittenen Untersuchungshaft. Und so hat zumindest Frau Luther das wahrgenommen, ohne Mitleid und ehrliche Reue gegenüber den Verstorbenen zu zeigen. Frau Luther hat zu mir gesagt, dass sie keinen Zweifel daran hatte, dass P.

Den Atemstillstand seiner Opfer bewusst herbeigeführt hat. Er wusste genau, was er tat, hat sie zu mir gesagt, denn er kannte die Dosierung, die er anwenden musste, um eine tödliche Wirkung zu erzielen. Du musst dir mal vorstellen, er hat diese tödliche Dosierung, die auf jeden Fall zum Tod seiner Opfer geführt hätte, nochmal um ein Vielfaches, überschritten, was im Umkehrschluss bedeutet, dass er unbedingt sicherstellen wollte, dass diese Menschen auch sterben.

Deswegen war er so verblüfft, dass es wahrscheinlich ans Licht gekommen ist, dass Miroslav Veda überlebt hat. Und warum das alles passiert ist, na auch da hatte die Staatsanwältin eigentlich eine klare Meinung. Sie sagt eben, dass dieser materielle Aspekt, dass P an die EC-Karten und Kreditkarten kommen wollen, dass das eben nicht außer Acht gelassen werden darf.

Wegen der doch sehr mickrigen Beutel neigt man natürlich dazu, das vielleicht ein bisschen klein zu tun. Aber das Gegenteil ist anzunehmen, sagt sie eben, weil er wollte möglicherweise bewusst verschleiern, dass es ihm nur um den Diebstahl ging und hat sich so ein bisschen mit diesen Aussagen in dem Vernehmungsprotokoll ein bisschen zu einem Serienkiller mit Tötungsdrang stilisiert.

Er hat auch vor Gericht gesagt, es hätte ihm einen Kick gegeben, so zu handeln und das einzusetzen. Und die Staatsanwältin sagt eben, dass diese Tötungen, also die drei Morde, zu einem Zeitpunkt passieren, in dem ihm langsam die finanziellen Mittel ausgehen. Das heißt, wir sehen das ja auch jedes Mal, wenn er getötet hat, stiehlt er eine EC-Karte um eine Reise. Es geht also um etwas, was fest in seinem Kopf ist, was er erreichen will, deswegen tötet er.

Also dieser materielle Aspekt darf auf jeden Fall nicht außer Acht gelassen werden. Okay. Und noch etwas anderes, Martin, unglaubwürdig, da geht es auch nochmal, um Geld, wie du herausgefunden hast, denn die Ermittlungen haben noch einen weiteren Verdacht ergeben. Es ist möglich, dass Dirk P. auch für den Tod seiner eigenen, eigentlich abgöttisch geliebten Großmutter verantwortlich ist.

Wie kommen die Ermittler darauf? Sie haben sich das eben nochmal genauer angesehen, als Dirk P. verhaftet wurde. Es deutet eben vieles darauf hin, dass die Großmutter, die eine zwar betagte, aber doch noch sehr rüstige Dame war, das erste Opfer tatsächlich von P. wurde. Möglicherweise. Aufgrund des Umstands, dass sie mit seiner Sexualität nicht ganz zufrieden war.

Im September 2006 jedenfalls ist sie nicht mehr aus ihrem Mittagsschlaf erwacht und Dirk P. war zu diesem Zeitpunkt als einzige Person im Haus. Das erstmal ist nicht weiter auffällig. Auffällig ist aber, dass er als einziger von 14 infrage kommenden Erben das gesamte Ersparte seiner Großmütter erbt. Das ist eine nicht unerhebliche Summe, das sind 100.000 Euro.

Und interessanterweise ist das genau in dem Moment, als er sich Gedanken darüber macht, wie er sein Studium und seinen Umzug in die Hauptstadt finanzieren kann. Das ist natürlich auffällig und die Ermittler im Saarland exhumieren die Leiche dann auch der Großmutter, also während Dirk P. der Prozess in Berlin gemacht wird.

Und sie weisen in der Leiche der Großmutter ein Narkosemedikament auf, mit dem P. als Krankenpfleger natürlich bestens vertraut war. Seine finanzielle Lage ist es dann, die ihn möglicherweise dazu veranlasst, wiederzumorden. Genau, nämlich im Sommer 2011, das heißt kurz vor den K.O.-Tropfenmorden. Da sieht sich Dirk P. mit zwei Umständen konfrontiert.

Zum einen ist das doch erhebliche Erbe seiner Großmutter nahezu aufgebraucht, zum anderen findet er, und auch das ist natürlich Teil der ganzen Geschichte, immer mehr Gefallen an sadistischen Fantasien, am Ausüben von Macht im sexualisierten Kontext. Er beginnt auf der einen Seite zu stehlen, um seinen Lebensstil weiter zu finanzieren.

Und auf der anderen Seite nehmen diese Geldprobleme aber trotzdem Überhand. Er schafft es nicht, dadurch, dass er immer mal wieder, das hat mir die Staatsanwältin erzählt, immer mal wieder was mitgehen lässt in Läden, schafft er es aber nicht, seine Geldprobleme in den Griff zu bekommen. Die Auswertung seines Computers wiederum beweist, dass er schon seit dem Februar 2012, also sagen wir zwei Monate vor dem Tod von Alexander S.

Über die Wirkung von GHB recherchiert und sich im April dann auch die Substanz als Reinigungsmittel aus den Niederlanden bestellt. Sein Bekanter Alexander S. wird ja dann, nur wenig später, sein erstes Opfer. Das heißt, es liegt also schon nahe, dass er seinen Bekannten damals schon als sein erstes Opfer ausgemacht hat, um unerkannt an Geld zu kommen.

Und vor allem sieht es sehr nach Absicht und nach einem weit im Voraus gefassten Plan aus. Ja. Staatsanwältin Angela Luther geht das Verfahren noch bis heute nah, hat sie dir erzählt. Durch die Vernehmungen gerade auch der Partner der Getöteten habe sie mehr über Dirk P.s Opfer erfahren. Es waren junge Männer, die mitten im Leben standen und die P.

Mit seinen Taten einfach so aus ihrem Leben herausgerissen hat. Das, so erzählte es die Staatsanwältin, habe sie tief berührt. Was bleibt sonst noch von dem Fall? Die Schwulenzene geriet damals unter Generalverdacht. Auf der anderen Seite war auch jeder potenziell ein Täter. Der einzige Safe Space, also diese wenigen Rücksichtsorte für Homosexuelle, die Dark Rooms, die Bars, das bekam alles Risse, die teilweise bis heute nicht verheilt sind.

Es gab einen gewissen oder so erzählten mir Leute aus der Szene einen Schmerz über die Vorverurteilung, auch in den Medien, dieser medial geprägte Begriff, den auch wir ab und zu benutzt haben, Dark Room Murder, dass das natürlich sich vermischte auch mit der realen Angst, dass man wirklich, dass wirklich ein hemmungsloser Serientäter sich da im Schulen Milieu herumtreibt und ich habe dazu mit Daniel gesprochen.

Daniel war damals ein Stammkast in der großen Freiheit und ist heute der Besitzer der Bar. Er erinnert sich noch ziemlich gut an die Nacht, in der Niki M. Starb, denn er war selbst vor Ort. Also ich erinnere mich an den Abend, es waren noch gar nicht so viele Menschen da, seit ich dann auf dem Absacker war, bevor ich nach Hause gegangen bin.

Aber ich habe nichts festgestellt, dass es eine andere Atmosphäre wäre als sonst. Ich muss jetzt aber auch sagen, ich war leicht betrunken. An dem Abend, und war auch nur kurz auf Abstecher da, weil ich damals am Boxhangner Platz gewohnt habe. Und als das dann rauskam, weil ich war an dem Abend mit einem Freund noch da, der schickte mir das dann, weil ich glaube, die Siegesäule damals so mit als erstes, also intern der Szene, das halt irgendwie beschrieben hatte.

Und das war halt ein absoluter Schockmoment. Also zum einen, ist im Darkroom einfach so was unfassbar Sensibles auch heute noch und wenn da Übergriffe passieren, diese Räume haben halt einfach einen Schutz-Space, also es ist ein Safe-Space. So und Und das war halt dann der Skandal, als die Bild auch noch darüber schrieb, der Darko-Mörder, wo es dann auch so ein bisschen beschrieben wurde wie, die Schwulen sind ja auch ein bisschen selbst schuld.

Die sind ja eh alle Drogen, dunkle Räume, Sex, was anderes haben die ja eh nichts zu tun. Also es gab so eine Gruppenangst, konnte man so sagen. Aber die Fälle führten bei den Ermittlern dazu, sich näher mit dem Thema K.O.-Tropfen zu beschäftigen. Die Morde von Dirk P. schärften tatsächlich den Blick der Sicherheitsbehörden auf Liquid Ecstasy und auch auf K.O.-Tropfen im Allgemeinen.

Die toxologischen Untersuchungen und die statistischen Erfassungen der Berliner Polizei wurden darauf angepasst, umgestellt, verfeinert. Es gibt seitdem einen Kooperationsvertrag mit der Charité beispielsweise, die auch die gerichtsfeste Spurensicherung beispielsweise nach Sexualtaten sicherstellen soll.

Und wir sehen es auch an den Zahlen. Also 2013, also kurz nach den Morden, wurden lediglich 13 Straftaten in Zusammenhang mit K.O.-Tropfen erfasst. 2023 waren es schon 61. 2024 59 und im vergangenen Jahr ganze 79. Das ist ein Rekordwert. Das hat, wie gesagt, mit der professionelleren Erfassung dieser Mittel zu tun, aber auch, und das darf man natürlich nicht unterschätzen, auch mit der höheren Awareness der Opfer.

Die Polizei führt Informationskampagnen an Schulen und in Clubs durch. Und das soll eben dabei helfen, dass man sich der Gefahr durch diese K.O.-Tropfen bewusst wird. Bei den meisten der festgestellten Taten handelt es sich um Rohheitsdelikte, das heißt um Raub oder Körperverletzungen. Da wird auch Liquid Ecstasy eingesetzt.

Bei Sexualdelikten schätzen die Experten eben noch, dass es eine sehr hohe Dunkelziffer ist, weil diese hohen Erinnerungslücken das oft schwierig nachvollziehbar machen. Und eben bei Sexualdelikten, dass Tatmittel nicht zwingend in der Polizeistatistik erfasst werden muss. Ich würde auch sagen, dass die Awareness, also das Aufpassen, dass man nicht selber zum Opfer wird, heute deutlich höher ist.

Es gibt ein viel stärkeres Bewusstsein dafür. Ich glaube, jeder, der im Nachtleben unterwegs ist, kennt den Hinweis, lass dein Getränk nicht offen rumstehen. Und das führt mich zu meiner nächsten Frage, wo schlagen die Täter denn in der Regel zu? Ja, das sind schon Örtlichkeiten, wie du sie benannt hast. Von den 193 erfassten Fällen in den vergangenen drei Jahren fanden 40 in Bars und 35 in Diskotheken statt.

Also man kann schon sagen, dass diese Orte, Bars, Clubs, dass das Hotspots sind, was den Einsatz von K.O.-Trafen eingeht oder auch von Spiking eingemein. Das heißt, dass einer Person ein Mittel eingeflößt wird, was sie nicht trinken will. Das kann auch eine erhöhte Menge Alkohol sein oder andere Art von Drogen.

Die Berliner Clubs haben deswegen in den vergangenen Jahren ja auch ihre Awareness und Schutzstrukturen deutlich ausgebaut. Es gibt geschultes Personal und Teams, die durch die Clubs, durch die Örtlichkeiten gehen, Schulungen zu sexualisierter Gewalt und Diskriminierung und die auch Notfallpläne ausgearbeitet haben, wenn es zu Überdosen kommt oder zu Spiking-Vorfällen.

Also es gibt einfach auch unter dem Personal eine erhöhte Awareness, dass so etwas passieren kann. Also es geht darum, die Betroffenen ernst zu nehmen, ihnen medizinische Hilfe zu organisieren und auch, wenn das gewünscht ist, Beweise zu sichern. Aber auch die Berliner Club-Kommission, also die Vertretung der Berliner Clubs, weist darauf hin, dass Liquid Excusy auch immer noch, also es ist nicht ausschließlich ein Instrument, um Straftaten zu begehen, sondern es wird immer noch auch als Sexdroge freiwillig eingenommen oder auch als Freizeitdroge.

Und auch darauf weist Daniel nochmal hin, der natürlich nach wie vor auch sehr vernetzt in der Szene ist. Also ich gehe mal davon aus, dass man sich ja als allererstes benebelter fühlt, betrunkener fühlt vielleicht, als man das noch vor fünf Minuten war. Und sollte sich dieser Zustand verschlechtern, sollte man sich definitiv Unterstützung und Hilfe suchen. Genau.

Mein Name ist Charlotte Hirtz, ich bin Psychologin und arbeite im LARA e.V., Verein gegen sexualisierte Gewalt an Frauen, trans-, inter- und nichtbinären Personen in Berlin. Und wir spezialisieren uns darauf, von gewaltbetroffenen Personen wieder eine Struktur oder eine Stabilisierung zu ermöglichen und das erlebte oder die erlebte Gewalterfahrung bestmöglichst zu verarbeiten.

Frauen oder eben Personen, denen diese Gewalt angetan wird, werden versucht, irgendwie gefügig zu machen. Also dass eben Täter versuchen, ihre Macht auszuüben mithilfe von verschiedenen Substanzen. Ich glaube, das Problem ist so alt wie die Menschheit wahrscheinlich. Also bei K.O.-Tropfen handelt es sich tatsächlich eher um so ein Umbrella-Term, also um einen Begriff, der ganz viele verschiedene Dinge zusammenfasst.

Und was jetzt so die genaue chemische Zusammensetzung angeht, Da wird vor allem GBL und GHB gemeint. Das ist auch unter dem Namen Liquid Ecstasy zum Beispiel in Umlauf und wird in verschiedensten Settings verschieden genutzt. Dabei muss man wirklich auch sagen, genau. Man nutzt ja etwas nur, wenn man das quasi mit Konsent macht oder wenn man das selber entscheidet. Und die Art, wie das im Zusammenhang mit sexualisierter Gewalt genutzt wird, ist natürlich ein ganz klarer Missbrauch.

Deswegen muss man da mit dem Wording immer so ein bisschen aufpassen. Aber letztendlich gehören da auch wirklich über 200 mittlerweile, glaube ich, verschiedene chemische Derivate dazu. Alkohol kann man auch als K.O.-Mittel sozusagen betiteln. Und die Idee dahinter ist, hinter diesem Begriff, dass Substanzen benutzt werden, um eben eine Person entweder gefügiger zu machen oder wirklich komplett außer Gefecht zu setzen.

Das ist eine ganz verschiedene Situation. Das größte Beispiel, was immer genannt wird, was aber tatsächlich gar nicht so stimmt, dass es nur da passiert, ist ja oft der Club oder die Bar. Das heißt, wenn man irgendwie ausgeht und sowieso Getränke zu sich nimmt, dass dann natürlich die Idee ist, man ist an einem Ort, um irgendwas zu trinken.

Das heißt, es ist natürlich dann leicht, da irgendwas reinzumischen. Aber das passiert tatsächlich auch viel im Dating-Kontext, in wirklich allen möglichen Kontexten. Also es ist quasi in jedem Kontext, wo man sich vorstellen kann, ich trinke was. Da kann das auch passieren, dass einem das unbeaufsichtigt quasi als Getränke mischt.

Also eine Pauschalisierung oder eine Verteufelung von Darkrooms, von Schwulenclubs ist eigentlich unfair. Ja, also eine Verteufelung auch bestimmter Szenen oder von Darkrooms oder Clubs generell ist totale Quatsch in dem Kontext, weil es einfach wirklich genauso oft, wenn nicht sogar mehr, in Settings dort findet, wo sich die Menschen vielleicht schon kennen, wo es irgendwie ein gewisses Vertrauensverhältnis gibt, im Dating-Kontext, also in ganz vielen verschiedenen Kontexten.

Also häufig berichten Betroffene, dass sie das Gefühl haben, so hey, ich habe jetzt irgendwie gerade nur ein halbes Bier getrunken und irgendwie fühle ich mich schon total betrunken. Oder vielleicht haben sie auch gar keinen Alkohol konsumiert und haben aber trotzdem so diese Wahrnehmung von, oh, alles wird so ein bisschen schwummerig, vielleicht kann ich nicht mehr ganz deutlich sprechen.

Mein Sichtfeld ist eingeschränkt, irgendwie fühle ich mich komisch. Genau, dass einfach wirklich auf so einer Wahrnehmungs- und auf so einer Körperebene man so Signale bekommt, die eigentlich gar nicht damit zusammenpassen, was man eigentlich gerade konsumiert hat. Oder eben einige merken, ich hatte was im Getränk und ist dann aber gar nichts passiert.

Aber wenn dann eben quasi die Wirkung so ansteigt oder eben man so viel dann konsumiert hat, dass es wirklich zu Filmrissen oder Blackouts kommt. Da ist dann natürlich, ja, das ist natürlich einfach dramatisch, weil die Person das Bewusstsein wirklich komplett verlieren kann und dann eben diese typischen Erinnerungslücken da sind.

Also häufig berichten auch Betroffene, dass sie eben erst im Nachhinein da quasi drauf gekommen sind, dass ihnen was passiert sein könnte oder dass jemand was ins Getränk gemischt haben könnte, einfach weil das Retrospektiv nicht wirklich zusammenpasst. Wenn es quasi einen Verdacht gibt, dass einem K.O.-Tropfen verabreicht wurden oder dass man auch unter K.O.-Tropfen sexualisierte Gewalt erlebt hat, dann ist es wichtig, sich an spezialisierte Stellen zu wenden.

Die meisten Betroffenen denken, super, ich gehe irgendwie zu meiner Hausärztin oder irgendwie einfach in eine Rettungsstelle. Tatsächlich ist das aber so, dass wenn man eine Anzeige machen sollte, dann danach sozusagen, dass man dann nur diese Untersuchung quasi vor Gericht verwenden kann, wenn das bei einer Gerichtsmedizin passiert.

Das heißt, man muss sich im Idealfall bei einer gerichtsmedizinischen oder in der gerichtsmedizinisch ausgebildeten Rettungsstelle melden, beziehungsweise in Berlin ist das die Gewaltschutzambulanz, ist eine gute Adresse, wo man sich melden kann. Die kommen dann auch in die jeweilige Rettungsstelle, wo man ist.

Allerdings muss man dazu auch sagen, dass diese ganzen Untersuchungen, die eben innerhalb von so einer rechtsmedizinischen, Untersuchung stattfinden und eine gerichtssichere Verwahrung der Spuren, die dann da gesichert werden, dass das häufig nur übernommen wird, wenn vorher schon eine Anzeige bei der Polizei geschaltet wurde.

Das heißt, die quasi formal richtige Abfolge wäre, als allererstes zur Polizei zu gehen und eine Anzeige, aufzugeben und dann teilweise auch, genau, kann die Polizei einen dann weiter vermitteln oder auch dann dahin bringen zu einer gerichtsmedizinischen Untersuchung, die dann eben auch die Spuren gerichtssicher verwahren kann.

Bei dem, was man so hört aus solchen Fällen, nicht, dass ich da Erfahrung mit hätte. Das ist alles nur von der Erzählung. Jeder menschliche Körper ist anders, um es so zu sagen. Und wenn man die Droge regelmäßiger nimmt oder eine gewisse Toleranz hat, wirkt sie natürlich anders als bei jemandem, der sie untergeschoben bekommt.

Das heißt, am Anfang ist man sehr locker, man ist sehr euphorisiert. Und irgendwann merkt man aber, dass man die Kontrolle verliert, dass man auch seine Körperhaltung sich ändert. Das sehen wir auch bei Miroslav W. auf diesen Videoaufnahmen, die sehr interessant sind. Von jetzt auf gleich wird quasi ein gesunder Mann, kann nicht mehr stehen und kann nur noch gestützt quasi weiter bis zur Bushaltestelle gehen.

Also das ist eine sehr gefährliche Droge, wo man auch dann einfach nichts mehr, spürt und weiß. Man ist dann quasi seinem Gegenüber schutzlos ausgeliefert. Ich denke, dass der Fall Dirk P. auch für uns als Journalisten eine Lehre sein sollte. Ähm. Wie über etwas berichtet wird, das bleibt auch bei den Menschen hängen.

Und ich habe ja mit Leuten aus der Szene gesprochen, die damals auch dabei waren. Und die es eben die Berichterstattung damals schon als sehr sensationsheischend und als belastend wahrgenommen haben, als stigmatisierend. Und nicht nur von den Boulevard-Medien, sondern auch von seriöseren Medien, die dann auf den Zug sozusagen aufgesprungen sind.

Weil die schwule Community damals natürlich unter einen Generalverdacht gestellt wurde und pauschal mit Drogen und Gewalt in Verbindung gebracht wurde. Und viele Menschen sich auch nicht mehr sicher gefühlt haben, nicht mehr in die Bars gegangen sind. Und ich denke, wenn man sich mit True Crime beschäftigt, dann haben wir natürlich auch eine gewisse Verantwortung, tiefer in die Geschichten reinzugehen, zu recherchieren, zu hintergründen.

Genau, und man sollte natürlich auch die Opfer hinter den Taten nicht vergessen, weil hinter jedem Toten oder jeder Toten stecken natürlich auch Verwandte und Angehörige, die diese Menschen niemals wiedersehen werden. Absolut, so ist es. Und was man glaube ich auch nicht vergessen darf, wir sprechen von absoluten Ausnahmefällen. Es ist nicht die Masse, die Opfer von K.O. tropfen wird.

Wir konzentrieren uns natürlich mit dieser Serie und mit diesem Podcast auf genau diese Ausnahmefälle. Aber hinter jedem jetzt ein Täter oder eine Täterin zu vermuten, davon wollen wir auf jeden Fall abraten. Das ist nicht das, was wir vermitteln wollen. Es ist, wie gesagt, absolute Ausnahmefälle. Wo solche Einzelfälle, wie du schon richtig sagst, aber natürlich hilfreich sind, ist, um den Blick zu schärfen auf diese Ausnahmephänomene und wir sehen ja auch im Fall von Dirk P., dass für die Allgemeinheit so schlimm diese Taten waren, es ja auch insofern, ein positives Outcome gab, weil eben die Ermittler viel, viel stärker jetzt drauf gucken.

Die gucken auf Liquid Ecstasy, auf Screenings, Toxikologie, die wissen, dass es dieses Phänomen gibt. Und andererseits ist auch die Awareness in der schwulen Community viel größer, als es früher war. Und auch, das muss ich sagen, die Berliner Polizei hat sich auch geöffnet, was die Zusammenarbeit mit queeren Initiativen angeht, mit Gewaltprojekten.

Das ist viel, viel besser, nicht erst seit Dirk P., das ist natürlich eine längere Entwicklung gewesen, aber hat natürlich dazu beigetragen, dass auch das Vertrauen in der queeren Community größer ist, als vielleicht noch in den 80er Jahren war. Dennis, danke, dass du uns mitgenommen hast und wir eintauchen durften in diesen Fall rund um Dirk P.

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