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Shownotes
...und wir treffen uns am 27.10.2023 am Bodensee!
DK097 - Klimakompensation funktioniert nicht!
…und wir treffen uns am 27.10.2023 am Bodensee!
"Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lasen den sechsten Bericht (ipcc.ch) des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung.
In Folge 97 fragen wir uns, wie das mit der Klimakompensation läuft. Kann man sich von seinen Co2-Emissionen freikaufen? Man kanns probieren, aber so richtig funktionieren tut das nicht. Dazu gibt es aktuelle Forschung und genau darüber und den Rest sprechen wir in dieser Folge. Wir schauen uns REDD+ Projekte zum Schutz der Wälder an und klären, warum sie nicht funktionieren.
Außerdem: Am 27.10.2023 gibt es ein kleines Hörertreffen in Überlingen am Bodensee. Details in den Shownotes.
Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: steadyhq.com/de/dasklima und paypal.me/florianfreistetter.
Klimakompensation
Die Frage um die es geht lautet:
Wie kann man "CO2-neutral" werden, wenn man trotzdem noch Treibhausgase emittiert?
Man kompensiert: Man sorgt also dafür, dass die Menge an Treibhausgase, die man selbst nicht einsparen kann, woanders eingespart werden.
Die Idee ist auf den ersten Blick gar nicht mal so dumm. Weil das Klima ist global und es ist egal, wo die Treibhausgase ausgestoßen werden - oder eingespart werden.
Wie macht man das konkret? Gibt unterschiedliche Methoden. Am besten wäre es, wenn man die Menge, die man selbst ausstößt, irgendwie direkt aus der Atmosphäre rausholen könnte. Geht theoretisch, ist in der Praxis aber noch nicht so wirklich durchführbar, zumindest nicht in relevanten Mengen.
Aber es geht indirekt, zum Beispiel durch Aufforstung. Ein Baum holt eine gewisse Menge an CO2 aus der Atmosphäre und speichert die für eine gewisse Zeit. Ich könnte also ausrechnen, wie viele Bäume ich brauche, um das CO2 einzusammeln, dass ich selbst freisetze und dann einfach eine entsprechende Menge pflanzen. Klingt gut, gibt aber ein paar Fallstricke - darüber reden wir dann später noch; das wird das eigentliche Thema dieser Folge sein.
Zuerst schauen wir noch kurz, was es sonst für Kompensationsprojekte gibt. Ich kann zum Beispiel einfach eine Windkraftanlage irgendwo hin bauen. Die spart auch CO2 ein. Oder den Menschen, die jetzt mit sehr ineffizienten Öfen heizen müssen, effiziente Öfen geben. Ich könnte auch einfach einen Schwung Wärmepumpen kaufen und an Leute verschenken, dann wird auch CO2 eingespart. Und so weiter - es gibt noch mehr Projekte, die wir vielleicht am Ende noch anschauen.
Wir müssen aber zuerst noch ein Grundprinzip der Kompensation klären, nämlich die sogenannte "Zusätzlichkeit" der Emissionsminderung. Ich besitze zum Beispiel kein Auto. Das heißt, im Vergleich zu einem Durchschnittsmensch in Österreich spare ich dadurch eine gewisse Menge an CO2 ein. Jetzt kann aber nicht einfach eine Firma herkommen und sagen: Schau, der Florian Freistetter spart da was ein, das heißt wir können eine entsprechende Menge CO2 in die Luft pusten. Das wäre keine Kompensation. Die gäbe es nur, wenn ich sage: Hey, ich kauf mir jetzt ein Auto und fahr damit die ganze Zeit herum. Es sei denn, irgendwer gibt mir Geld, das nicht zu tun! Wenn mir dann jemand Geld gibt und ich tatsächlich nur deswegen nicht mit dem Auto fahre, ist tatsächlich im Sinne dieses Wortes etwas kompensiert worden.
Kompensation kann es auf unterschiedlichen Ebenen geben. Es kann auf staatlicher Ebene passieren, wenn Länder zum Beispiel im Rahmen des Pariser Klimaabkommens ihre CO2-Emissionen verringern müssen. Und es gibt die freiwilligen Märkte, also das, was man kennt, wenn man zum Beispiel mit dem Flugzeug in Urlaub fliegt, ein schlechtes Gewissen hat und die beim Flug entstehenden Emissionen kompensieren will.
Wir werden heute vor allem über den zweiten Fall reden, es geht jetzt also nicht um die per Gesetz festgelegten CO2-Preise und Zertifikate, die Firmen dann kaufen müssen, wenn sie CO2 emittieren oder verkaufen können, wenn sie Emissionen eingespart haben, und so weiter. Wir schauen ganz allgemein auf die Kompensation beziehungsweise speziell auf eine Art der CO2-Einsparung, die unter dem Akronym REDD+ (de.wikipedia.org/wiki/REDD%2B) bekannt ist.
Ich rede jetzt noch kurz über dieses Akronym, weil es eh noch später komplex genug wird. Dieses REDD+-Konzept hat ne lange Geschichte, die ist durchaus spannend und man kann daraus einiges über Klimapolitik lernen. Das muss ich aber auslassen, sonst wirds zu viel heute. Das ganze hat 2005 angefangen, damals als RED, mit einem D, ohne +. Das steht für "„Reducing Emissions from Deforestation in Developing Countries“ und war genau das, ein Vorschlag von Costa Rica und Papua Neuguinea wie man die Abholzung irgendwie begrenzen kann. Auf der Klimakonferenz 2007 in Bali hat man dann ein zweites D dazu gegeben und "Reducing Emissions from Deforestation and Forest Degradation" draus gemacht. Es geht jetzt also nicht mehr nur um Abholzung sondern auch Waldschädigung. Und 2009 hat man dann gesagt, wir inkludieren in das ganze Projekt auch noch den Erhalt der Wälder, die Erhöhung der Kohlenstoffspeicherfähigkeit, die unterschiedlichen Formen der Waldwirtschaft und hat das ganze Ding "Reducing Emissions from Deforestation and Forest Degradation and the role of conservation, sustainable management of forests and enhancement of forest carbon stocks in developing countries" genannt, aber netterweise kein neues Akronym mehr daraus gebastelt, sondern einfach REDD+ genommen.
Was heißt das jetzt? Die Grundidee ist simpel: Leute holzen Wälder ab, weil das Geld einbringt. Ein gefällter Baum hat einen gewissen Wert, ein Baum, der einfach nur so rumsteht, nicht unbedingt. Vor allem, wenn es ein Baum ist, der einfach nur so im Wald rumsteht und nicht auf einer schönen Plantage irgendwelche Früchte produziert. Aber was, wenn man den Leuten einfach Geld zahlt, damit sie eine Baum NICHT fällen? Dann hat der Wald einen Wert - denn er aus Klimasicht ja sowieso hat, aber dann kann man das irgendwie in das kapitalistische System reinbasteln.
Auch diese Idee ist prinzipiell gut. Aber halt auch schwierig umzusetzen. Weil ich kann ja nicht einfach hingehen und sagen: So, da ist unser Wald, wir hätten gern X Millionen Euro dafür. Bzw. kann man schon und wär vermutlich auch gar nicht so blöd, das so zu machen. Aber wir müssen ja mit diesem Konzept der "Zusätzlichkeit" arbeiten. Es geht bei REDD+ also nur um Zahlungen, die auf gewissen Leistungen basieren und die Leistung ist es, den Wald zu schützen, so dass messbare und überprüfbare Reduktionen bei den Emissionen entstehen.
Man muss also vorher irgendwie ausrechnen, wie viel Emissionen bei "normaler" Abholzung entstehen würden und dann berechnen, wie viel man eingespart hat, weil man irgendwelche Schutzmaßnahmen oder Ähnliches gesetzt hat. Daraus ergibt sich eine gewisse Menge an CO2, das eingespart worden ist, und dafür kann man dann Geld kriegen. Wie genau man Geld kriegt, ist wieder eine ganz andere Sache; da gibt es wieder die bekannten "Finanzierungslücken" und so weiter. Aber wenn wir jetzt mal die staatliche Seite beiseite lassen, dann kann man dafür einfach entsprechende Zertifikate ausgeben und verkaufen. Zertifikate, die man dann auch als Privatperson kaufen kann, wenn man irgendwo was kompensieren will oder als Firma, die gerne CO2-neutral werden will.
Es geht also jetzt nicht um staatliche REDD+-Initiativen, da gibt es noch nichts Verbindliches, sondern quasi private REDD+-Projekte, die dann auch nur kleinere Gegenden umfassen und nicht zum Beispiel den gesamten Waldbestand eines Landes.
Womit wir jetzt bei den Problemen sind. Und davon gibt es jede Menge, bei der Kompensation allgemein und bei REDD+ im Speziellen. Das fängt schon mal damit an, dass ein Wald zwar wichtig als CO2-Speicher ist, aber eben nicht nur. In so einem Wald geht noch viel mehr, da geht es um Artenvielfalt, um Schutzwirkung vor …