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Die Diagnose· Folge 154

Schrecklich schlapp

Freitag, 17. Juli 2026 · 27 min

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Ein eigentlich sportlicher Mann fühlt sich seit Monaten kraftlos. Ein Spezialist findet den Grund an einer überraschenden Stelle.
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Und letztendlich konnten weder die Internisten noch die Kardiologen noch die Hals-Nasen-Ohren-Ärzte eine Ursache für seine Beschwerden, Schlappheit, vielleicht auch Desinteresse an Hobbys, die sonst bestanden haben, herausfinden. Und keiner konnte sich erklären, weshalb die Entzündungswerte im Blut erhöht waren.

Und einfach drüber hinweg zu sehen, macht keinen Sinn, denn irgendwann wird dann vielleicht doch der Abszess kommen und dann ist es ein Notfall, der für alle Beteiligten unangenehmer ist. Wir haben wirklich Glück gehabt, neuer Knochen hat sich gebildet, was eben auch seinem persönlichen Empfinden entsprach und auch die Entzündungswerte im Blut waren nicht mehr vorn.

Ärztinnen und Ärzte sollen Leben retten, sie sollen Krankheiten erkennen und Leiden heilen. Aber was ist, wenn sich eine Krankheit nicht so leicht erkennen lässt? Was, wenn rätselhafte Beschwerden es den Medizinerinnen und Medizinern schwer machen, die Ursache einer Erkrankung zu finden? Dann kann man nur hoffen, dass man Experten.

Ich bin Annika Geißler, Ärztin und Redakteurin und beim Stern für die Rubrik Die Diagnose verantwortlich. Hier erzählen Medizinerinnen und Mediziner von ihren ungewöhnlichsten Fällen. Heute spreche ich mit Prof. Dr. Thomas Weischer. Der Oralchirurg leitet das Zentrum für Implantologie und Oralchirurgie der Evangelischen Kliniken Essen-Mitte.

In der Grundschule war sein Berufswunsch noch Lehrer. Und in gewissem Sinne ist er das geworden, sagt er, eben an der Hochschule. Er hat in Münster Zahnmedizin studiert, dann war er bei der Bundeswehr Stabsarzt und hat seine oralchirurgische Ausbildung Anfang der 90er Jahre abgeschlossen. Konzentriert hat er sich in Essen auf die implantologische Versorgung von Tumorpatienten.

Unter anderem hat er für seine Forschungsergebnisse den Preis des westdeutschen Tumorzentrums gewonnen. Mit ihm spreche ich heute über einen Mann, Mitte 40, der eigentlich sehr sportlich war, sich aber seit Monaten müde und erschöpft fühlte. Das Joggen, das er sonst immer gerne gemacht hatte, strengte ihn an, Kraft und Ausdauer fehlten.

Irgendwas machte ihn so sehr schlapp, aber bisher hatten mehrere Ärzte nichts Auffälliges finden können. Es war eigentlich für die Tätigkeit hier im Krankenhaus kein atypischer Patient. Ein Patient, der sich nicht fit fühlte, der eigentlich immer fit war, sportgetrieben hat, gejobbt hat, aktiv war und sich plötzlich schlapp fühlte und dementsprechend auch bei vielen anderen Kollegen vorstellig geworden ist, wie man das so macht, um eine Ursache zu finden.

Und letztendlich konnten weder die Internisten noch die Kardiologen noch die Hals-Nasen-Ohren-Ärzte eine Ursache für seine Beschwerden, Schlappheit, vielleicht auch Desinteresse an Hobbys, die sonst bestanden haben, herausfinden. Und klar, dann geht man strukturiert die Mundhülle durch, sieht sich die Schleimhäute an, tastet die Muskulatur ab, sieht sich die Zähne an und es war erstmal vom klinischen Bild, klinisch heißt eben, und es ist ein Röntgenbild vorliegt, nur vom draufgucken war es unauffällig.

Darf ich da kurz mal einhaken, weil Sie gesagt haben, Patient fühlt sich schlapp, ist eigentlich sportlich, hat gar nicht mehr so viel Interesse an Sachen, hat gar nicht mehr so viel Interesse an Sachen, hat gar nicht mehr so viel Interesse an Sachen, hat gar nicht mehr so viel Interesse an Sachen, hat sich ein bisschen mehr so ein bisschen mehr an, Also kann wahrscheinlich jeder Hörer und jede Hörerin nachvollziehen, dass man diese Phasen mal hat oder mal so ein bisschen kränkelt.

Bevor man dann bei Ihnen landet, vergeht ja wahrscheinlich ein weiter Weg. Können Sie das nochmal ein bisschen für uns auseinandernehmen und nochmal nacherzählen, wo war denn dieser Patient alles gewesen? Weil wenn ich mich schlapp fühle, bin ich ja nicht sofort bei Ihnen in der Klinik. Das dauert ja eine Weile.

Gut, ich kann das jetzt natürlich im Detail, habe ich es auch nicht mehr in Erinnerung, aber ich weiß, dass beim Hausarzt die Vorstellung war, beim Internisten die Vorstellung war, dass beim Hals-Nasen-Ohren-Arzt eine Vorstellung war. Also die gängigen Disziplinen, die man eigentlich anläuft, wenn man sich nicht so fit fühlt, aber letztendlich keine sichere Ursache für einen selbst zu erkennen ist.

Und da ist nichts herausgekommen. Und dann war letztendlich eher ein Tipp wohl aus dem Bekanntenkreis, guck doch mal nach, ob der was findet. Und hatte man denn bei den Untersuchungen davor, Sie haben gesagt, da wurde nichts gefunden, da wurde nichts Auffälliges gefunden, nichts Auffälliges. In der Blutabnahme war da vielleicht was zu sehen? Gut, dass Sie nachfragen, deshalb habe ich vergessen, es wurde ein erhöhter Entzündungswert, CRP-Wert festgestellt.

Wie hoch kann ich jetzt nicht mehr sagen? Und es fand sich eben kein Korrelat, wodurch diese Entzündung bedingt ist. Häufig ist es so, dass irgendwelche Hals-Nasen-Orden-Erkrankungen vorliefern, Kiefer und Entzündung, aber da musste alles wohl Blande sein und keiner konnte sich erklären, weshalb die Entzündungswerte im Blut erhöht waren.

Nun landete er bei Ihnen und Sie guckten in seinen Mund. Was gucken Sie denn da strukturiert an? Jeder kennt Untersuchungen beim Zahnarzt, da macht man den Mund auf, aber wo der Experte oder die Expertin genau hinguckt, vielleicht tastet. Beschreiben Sie das ein bisschen für uns, was Sie sich da alles genau angeguckt haben, bitte.

Das erste ist sicherlich der Punkt, dass man versucht, eine, die vielleicht auch in die Richtung Bösartigkeit geben kann, auszuschließen. Und das kann man häufig durch die Visioinspektion, man sieht sich die Schleimhäute an, man sieht sich die Zunge an, den Mundboden, das Zahnfleisch an. Und was dann auch dazu gehört, ist das Ganze einmal abzutasten.

Wenn keine Verhärtungen da sind, dann ist erstmal vom klinischen Bild her der dringende Verdacht, dass dort etwas vielleicht nicht Gutartiges zu finden wäre, ausgeschlossen. Man tastet die Kaumuskulatur, ob Verspannungen vorliegen. Häufig kann es auch sein, dass Verspannungen ein Unwohlsein hervorrufen, würde aber dann nicht die Entzündungswerte im Blut erklären.

Man sieht sich dann strukturierter die Zähne an. Was man natürlich macht, wenn man weiß, dass ein zahnlicher Ordnung ist, ein Kältetest, den führt man in der Regel nicht standardmäßig durch, sondern man guckt nach, ob die Zähne locker sind, ob eine Paolontose vorliegt oder ob keine vorliegt. Und das war alles im Landbereich. Da war keine Auffälligkeit, so zu finden.

Und dann ist der nächste Schritt, weil das eigentlich zu einer vollständigen Untersuchung dazugehört, ein Röntgenbild zu erstellen. Die Strahlenbelastung bei diesem Orthopantomogramm einer Übersichtsaufnahme ist gering, gerade wenn man sie digital erstellt, vergleichbar vielleicht, wenn man von Frankfurt nach New York fliegen würde.

Also das ist eigentlich vernachlässigbar. Und dann gibt es häufig Situationen, wie auch in diesem konkreten Fall, dass man auf diesem Röntgenbild Knochenauflösung sieht. Das heißt, in den Fällen ist die Wurzelspitze nicht mehr beweislich als knöchene Struktur umgeben dargestellt, sondern von einer dunklen Zone, was eben eine Knochenauflösung darstellt, was relativ häufig und typisch an Zähnen ist.

Und wenn eben diese Knochenauflösung eine Entzündung ist, kann diese zu einer gewissen Schlappheit führen und kann eben auch einen erhöhten Entzündungswert im Blut hierfür ursächlich sein. Sagen Sie das besondere Wort nochmal, bevor wir weiter zu diesen Osteolysen im Knochen kommen und wie die Geschichte weiterging.

Das lange, lange Fremdwort und was das für eine Röntgenaufnahme ist. Ich kenne so ganz punktuelle Röntgenaufnahmen beim Zahnarzt, wo man, glaube ich, noch so ein Plättchen kriegt, wo man gegenbeißt, wo, glaube ich, ein Zahn angeguckt wird. Aber ich glaube, dieses Fremdwort beschreibt was anderes, oder?

Also Orthopantomogramm, abgekürzt OPG, ist eine Standardübersichtsaufnahme, bei dem die beiden Kiefergelenke, der gesamte Unterkiefer, der gesamte Oberkiefer und auch häufig die Kieferhüllen dargestellt werden. Da aber das Gerät um den Kopf herumfährt in einer Kuvertur, ist es eine Übersichtsaufnahme, die nicht die Detailschärfe hat, wie zum Beispiel ein kleiner Zahnfilm oder aber, wenn man einen Schritt weiter gehen würde, eine 3D-Darstellung, zum Beispiel eine digitale Volumentomographie.

Aber dieses Orthopatomogramm ist eigentlich immer der erste Schritt, um eine radiologische Übersicht zu bekommen. Das heißt, es ist dieses ganz, jetzt mal leihenhaft gesagt, eher längliche Übersichtsbild, wo man den ganzen Zahnapparat sieht, aber eben nicht so en Detail, was ist am einzelnen Zahn, aber man hat einen Überblick.

Was kam denn dabei raus? Sie haben schon gesagt, da waren Osteolysen zu sehen. Was sind Osteolysen? Wie sehen die aus? Sie haben gesagt, das sieht ein bisschen anders aus von der Farbe, bloß, dass Sie es nochmal uns bildlich ein bisschen vor Augen führen, bitte. Osteolysen sind Auflösungen des Knochens.

Wodurch bedingt, kann man von dem Röntgenbild natürlich definitiv nicht sagen. Es kann eben sein, dass eine Osteolyse bedingt ist durch eine Entzündung, zum Beispiel von einem defekten Zahn ausgehend. Eine Osteolyse würde sich auch darstellen, wenn eine Zyste vorliegt. Nicht immer kann man von diesem Orthopantomogramm aus unterscheiden, ob nun eine Entzündung vorliegt oder eine Zyste vorliegt.

Im Prinzip kann eine Osteolyse auch eine andere Ursache haben bis zu Tumoren, oder eben Metastasen zum Beispiel. Kommt nicht so häufig vor. Der häufigste Grund für Osteolysen sind Zysten oder aber eben Entzündungen an der Wurzelspitze von Zähnen. Wobei da der eine eine radikuläre Zyste bekommt, die typisch wäre, wenn die Wurzelspitze entzündet ist und der andere bekommt keine radikuläre Zyste, sondern in Anführungsstrichen nur die Entzündung.

Nochmal zum Auseinanderhalten, Osteolyse heißt, der Knochen löst sich auf. Sie haben gerade gesagt, das kann unterschiedliche Ursachen haben, im schlimmsten Fall sogar eine Metastase, das kommt selten vor zum Glück. Es kann sozusagen von der zahnseitigen Seite sich entwickelt haben, diese Entzündungen.

Jetzt haben Sie gesagt, es gibt auch einfach Zysten so, die entstehen im Knochen. Was sind das? Hohlräume, abgekapselte? Oder ich habe plötzlich eine Zyste, die kommt von irgendwoher. Das sind flüssigkeitsgefüllte Hohlräume und durch bestimmte physikalische Phänomene, osmotische Drucke, saugen die, nehmen die Zysten Flüssigkeiten auf, werden dadurch größer und verdrängen Gewebe oder können auch zum Knochenabbau oder Umbau führen.

Wahrscheinlich die häufigste Ursache ist eher, da ist was am Zahn, was irgendwie nach oben oder unten wandert. War das bei diesem Herrn im Oberkiefer oder im Unterkiefer? Oberkiefer. Die häufigste Zyste ist die radikuläre Zyste. Und die radikuläre Zyste, wie schon der Name sagt, an der Wurzelspitze gelegene Zyste, hat ihre Ursache in entzündlichen Reizen, die vom Zahn kommen.

Und wenn eben an der Wurzelspiste noch Reste der Zahnkeimentwicklung vorliegen. Können diese Entzündung dazu führen, dass sich aus diesen Resten der immunalen Zahnentwicklung eine Zyste bildet in die radikuläre Zyste, die sich dann auch entzünden könnte. Danke, dass Sie es erklärt haben. Radikuläre Zyste kommt also von der Wurzelspitze ganz am Ende des Zahns, dass sich da was entwickelt hat.

Nun ist es ja so, ich meine jeder, der schon mal eine Wurzelspitzenbehandlung hatte, weiß, das war bei mir so ein ganz ordentlicher Eingriff und man hofft ja, dass alles irgendwie ganz sauber gemacht wird und dann wieder schön verschlossen wird. Wie ist das? Da kann ja der Zahnarzt oder die Zahnärztin, glaube ich, ganz, ganz, ganz korrekt gearbeitet haben und trotzdem entsteht sowas, oder? Man denkt ja so, Mensch, der muss doch eigentlich alles da weggemacht haben und der hat da, so war der Eingriff auch irgendwie länger und vielleicht auch mal schmerzhaft oder so.

Und trotzdem kann sowas passieren, dass sich da doch was weiterentwickelt. Ja, die Entzündung an der Wurzelspitze kann auch unterschiedliche Ursachen haben. Zum Beispiel, wenn ein Zahn für eine Krone beschliffen wird, viele Jahre später stirbt der Zahnnerv ab oder bei einer Füllung oder wenn Karies entfernt wird und die Karies geht sehr nervnah oder der Nervkanal wird eröffnet, kann der Nerv absterben, kann sich entzünden.

Manchmal kennt man die Ursache nicht. Auch Traumata, ein Faustschlag, ein Stoß gegen einen Zahn kann später mal zu einer Entzündung der Wurzelspitze führen. Und der erste Schritt ist in der Regel eine Wurzelkanalbehandlung, die heute sicherlich optimierter durchgeführt werden kann als noch vor vier Jahren, die auch häufig erfolgreich ist.

Trotzdem kann es sein, dass der Zahnnerv, der auf dem Röntgenbild in der Regel gerade verläuft, viele Verzweigungen hat, die man mit der herkömmlichen Wurzelkanalbehandlung nicht erwischt. Und dann wäre eben der nächste Schritt, chirurgisch zu agieren. Wie viele solche Herde haben Sie denn auf dem Röntgenbild gesehen?

War das einer? Waren das mehrere? Das waren mehrere. Lassen Sie mich nicht lügen. Ich meine drei oder zwei pro Seite. Und hat dieses Phänomen immer mit Bakterien zu tun? Also dass sich da wirklich Keime angesiedelt haben, die diese Entzündung verursachen? Oder kann das auch mal ohne Bakterien passieren, dass da irgendwas, ich sage jetzt mal, gärt?

Also in der Regel ist es so, dass die Bakterien Voraussetzungen sind, dass sich solche Zysten ausbilden. Es gibt natürlich immer nochmal irgendwelche Ausnahmefälle, bei denen Osteolysen, oder Zysten an Zähnen vorliegen, ohne dass man die Ursache erkennen kann, genetisch bedingt, wie auch immer. Aber in der Regel ist eben die Wurzelspitze Auslöser der Veränderung.

Jetzt haben Sie diese Herde gesehen. Ich stelle mir das da im Kieferknochen so vor, dass man denkt, Mensch, das ist doch im Knochen drin, das ist doch eigentlich irgendwie der Knochen, den stelle ich mir hart vor. Jetzt ging es diesem Mann so schlecht und der war so schlapp und irgendwie abgeschlagen und müde. Wie kann das dann von diesen punktuellen Stellen den ganzen Körper so lahmlegen, sage ich mal?

Gut, der Kiefer ist mit dem Gesamtorganismus verbunden und Entzündungen in Kieferknochen können sich auch auf den Gesamtorganismus auswählen. Bei dem einen mehr, bei dem einen weniger ist es eine osteolyse Knochenauflösung, die chronisch ist. Man hat jemand ein gutes Immunsystem, merkt das vielleicht erstmal gar nicht.

Verändert sich das Immunsystem oder wird aus welchem Grund auch immer die chronische Entzündung akut, kann das Ganze sehr schnell kippen. Und es kann eben auch sein, dass der Patient, die es wirklich verspürt, dass sich zum Beispiel Absesse bilden. Das ist auch denkbar. Was sind jetzt Absesse im Unterschied nochmal zu den Zysten? Ist etwas anderes.

Wenn eine Entzündung vorliegt, dann versucht der Körper die Entzündung zu bekämpfen. Also es kämpfen körpereigene Zellen gegen Bakterien. Die abgetöteten Bakterien und körpereigenen Zellen stellen letztendlich dann den Eiter dar. Und der Körper versucht, den Eiter abzugrenzen über die Geburt. Und dann hat man eben Schwellungen, die man sieht und die dann häufig eben auch schmerzhaft sind und die auch gegebenenfalls bedrohliche Ausmaße annehmen könnten, wenn sie nicht schnell adäquat angegangen wären.

Okay, jetzt haben wir die Unterscheidung gut nachvollziehen können. Vielen Dank. Das Ganze war ja im Kiefer für diesen Mann ohne Schmerzen gewesen. Das heißt, da kann doch so viel sich entwickeln, Und man krümmt sich jetzt nicht vor Schmerzen oder sagt, ah, da zieht es doch immer so um. Das ist ja vollkommen, ich sage mal in dem Falle unauffällig verlaufen, bis sie es gefunden haben. Ja, das ist das Tückische dabei.

Natürlich, der eine Patient hört mehr in sich hinein, der andere weniger. Aber es ist nicht selten der Fall, dass der Patient an sich gar nichts merkt. Und wenn dann diese Entzündung chronisch über Jahre fortschreitet, dann können schon große Knochenauflösungen daraus sich ergeben. Und wenn dann der chronische Zustand nicht jetzt in eine extrem ausgeprägte akute Entzündung wechselt, sondern vielleicht ein bisschen akuter wird, dann wird ja auch der Allgemeinzustand beeinträchtigt.

Der Patient fühlt sich unwohl, ohne dass er genau sagen kann, wo denn die Beschwerden herkommen. Und das war bei diesem besagten Patienten der Fall. Was kann man nun therapeutisch machen? Ich glaube, da gibt es ja mehrere Möglichkeiten. Sie hatten vorhin schon ein bisschen was angerissen. Können Sie uns das erklären, bitte, was man alles für Optionen hat?

Einmal lehnt es natürlich von der Präferenz des Patienten ab, ob er sagt, ich möchte erstmal, dass man mich behandelt, ohne operativ das Ganze anzugehen oder eben ob man sagt, ich möchte, dass das Ganze schnell vom Tisch ist, da ist die Chirurgie häufig schneller abzuschließen als eine herkömmliche Wurzelkanalbehandlung.

Man sagt so Pi mal Daumen, wenn die Größe der Knochenauflösung vier bis fünf Millimeter ist, dann haben die herkömmliche Wurzelkanalbehandlung oder eben die chirurgische Alternative die Wurzelspitzenresektion. Das heißt, ein Teil der Wurzelspitze wird abgetragen, ungefähr die gleiche Prognose. Sind es größere Osteolysen, ist in der Regel die Wurzelspitzenresektion die Methode der Wahl oder aber ein Zahn muss auch gezogen werden, auch das ist denkbar.

Wie sieht das im Vorgehen jeweils aus? Weil es ja doch ähnliche Begriffe sind. Sie haben gesagt, das ist einmal die Wurzelkanal- oder Wurzelspitzenbehandlung. Und das andere ist die Wurzelspitzenresektion. Das klingt sehr ähnlich, aber man geht unterschiedlich vor. Ich glaube einmal sozusagen von der Zahnseite und einmal eher, ich sag mal, von der Seite durchs Zahnfleisch.

Wie funktioniert das? Die Wurzelkanalbehandlung ist ein konservatives Vorgehen. Das heißt, von der Kauffläche des Zahnes aus wird ein Loch gebohrt. Der Zahnnerv hat ungefähr eine verkleinerte Form des Zahnes, im Inneren des Zahnes, sodass, wenn man das Loch durch Zahnschmelz, Zahndetin bohrt, man in den Zahnnerv hineinkommt.

Der ist in der Regel abgestorben und diese Röhre, in der sich der Zahnnerv befindet, wird aufbereitet, desinfiziert. Und wenn man Glück hat, kann man eben mit dieser Behandlung eine Entzündung einer Wurzelspitze therapieren, wobei eben 4 bis 5 Millimeter eigentlich immer der Wert ist, der orientierend ist.

Die Wurzelspitzenresektion ist demgegenüber ein chirurgisches Vorgehen. In dem Fall müsste in der Regel zur Wange hin ein Schnitt gemacht werden. Man muss in der Regel erst Knochen wegnehmen, um an die Knochenauflösung und an die Wurzelspitze zu kommen und würde dann eben drei, vier Millimeter von der Wurzelspitze abtragen.

Zwingend ist aber auch hier, dass der Zahn eine Wurzelkanalbehandlung bekommt. Der Kanal darf nicht hohl bleiben, der muss aufgefüllt sein. Und in den jüngeren Jahren ist es eben auch Standard geworden, wenn es geht auch noch von unten, von der Wurzelspitze her, eine zusätzliche sogenannte retrograde Wurzelfüllung durchzuführen.

Manchmal ist es auch so, dass die Knochenentzündung bereits durch den Knochen zur Backe hindurchgedrungen ist. Das heißt, wenn der Operateur das Zahnfleisch abschiebt, dann sieht er bereits Entzündungsgewebe und dann ist es auch einfacher von der chirurgischen Sicht aus, die Wurzelspitze zu finden. Bei der Wurzelspitzenresektion, weil Sie gerade sagten von der Wange, das ist aber sozusagen im Mund von der Wangenseite Richtung Zahnfleisch.

Man geht ja nicht von außen rein, bloß für jemanden, der das noch nie gehört hat und denkt so, oh jetzt machen die da irgendwas an der Wange. Nee, nee, es ist schon im Mund drin, nur zum besseren Vorstellen. Wie ist denn das sozusagen, wenn da eine Entzündung drin ist? Und ich glaube, viele Hörerinnen und Hörer haben ja auch Respekt vorm Zahnarzt aus unterschiedlichen Gründen.

Wie ist das, wenn deine Entzündung bereits vorliegt mit der Betäubung? Ich glaube, bei manchen Patientinnen und Patienten funktioniert das ganz toll und sie können super in Ruhe arbeiten. Ich habe mal gehört oder gelesen, wenn Entzündungen drin sind, manchmal funktioniert das mit der Lokalanästhesie nicht so gut.

Da muss man nachspritzen. Wie sind da Ihre Erfahrungen von BISS? Das ist richtig. Wenn es eine akute Entzündung ist, dass dann durchaus das Risiko besteht, dass die Lokalbetäubung an sich nicht richtig funktioniert. Wenn das der Fall ist, dann geben Sie auch noch die Möglichkeit, das Ganze z.B. In Sedierung durchzuführen. Eine Vollnarkosebehandlung ist selten der Fall.

Es sei denn, es sind viele Dinge kombiniert durchzuführen. Und der Patient würde das präferieren. Aber es kann durchaus sein, dass die Spritze vielleicht nicht so wirkt, wie man es gerne hätte. Denkbar wäre in Ausnahmefällen auch, auf den Patienten im Vorfeld noch antibiotisch abzudicken, um die akute Entzündung etwas mehr in Richtung chronische Entzündung zu überführen.

Trotzdem bleibt immer ein gewisses Restrisiko, dass es doch unangenehm sein kann, wenn das Entzündungsgewebe entfernt wird. Gut, aber es gibt ja auch, also wenn ich das so höre, die Alternative zu sagen, oh, dann mache ich lieber nichts, ist ja keine Alternative. Wenn diese Entzündungen dem Körper sozusagen weiter wabert und diese Auswirkungen hat, muss man sich dem stellen und wenn sie sagen, da gibt es verschiedene Möglichkeiten mit Antibiotika vorher oder, sozusagen vielleicht nochmal eine Sedierung, dann ist ja ein Weg möglich.

Und ich denke, bei vielen Patientinnen und Patienten ist es ja dann auch so, dass es gut anschlägt. Bloß, das gehört ja irgendwie auch zu diesem Krankheitsbild dazu, dass man darüber spricht. Also in der Regel ist die Antibiose nicht angemacht, aber es ist sicherlich Ausnahmefällen. Risikopatienten, die Knochenhärtungsmittel genommen haben, gestrahlte Patienten, ist natürlich nochmal eine ganz andere Hausnummer.

Oder eben sehr ängstliche Patienten, da würde man von vornherein vielleicht empfehlen, das eher in einer Sedierung durchzuführen. Und einfach drüber hinweg zu sehen, macht keinen Sinn, denn irgendwann wird dann vielleicht doch der Abszess kommen und dann ist es ein Notfall, der für alle Beteiligten unangenehmer ist.

Wie lief das denn mit der Behandlung bei diesem Patienten? Es waren mehrere Herde, wie sind sie vorgegangen? Hintereinander teilweise in einem Rutsch? Nein, das war in Lokalbetäubung ein OP-Termin eine Seite, zweite OP-Termin andere Seite. Und Sie haben eine Wurzelspitzenresektion durchgeführt? durchgeführt.

Wenn man diese durchführt, dann brennt man, wie vorhin schon gesagt, Klima Daumen, drei bis vier Millimeter von der Wurzelspitze ab. Eine Wurzelfüllung ist durchgeführt worden, sowohl Orthograd, das heißt von der Kaufläche kommt, als auch Retograd von der Wurzelspitze ausgehen. Das Gewebe, das man gefunden hat, ist dann auch zur partizologischen Aufarbeitung eingeschickt worden. Das heißt, es wird unter dem Mikroskop untersucht, ob es wirklich auch Entzündungsgewebe ist und nichts anderes.

In der Regel ist es so wie in diesem Fall auch. Und dann ist das ganze Lande verlaufen. Restrisiko war natürlich, dass an dem verbliebenen Zahnanteil noch Seitenkanäle vorhanden sind, die mit den Wurzelfüllmaßnahmen nicht erwischt worden sind. Dann wäre es nicht erfolgreich gewesen. Aber das Risiko besteht immer bei den Wurzelspitzenresektionen.

Wie ging es denn dem Patienten danach? Wann haben Sie ihn gesehen? Was hat er erzählt? Wie war sein Allgemeinbefinden? Also in der Regel wird der Patient nach der OP primal daum zwei Tage danach kontrolliert, wie es ihm geht. Am zweiten Tag ist in der Regel auch die größte Schwellung nach der OP. Und die meisten Patienten fühlen sich eben nicht so wohl nach so einem Eingriff, weil es einfach unangenehm ist.

Aber beide Seiten sind ohne Entzündungszeichen gut verlaufen. Es gab keine Wundheilungsstörung, sodass in der Regel nach zehn Tagen die Fäden entfernt werden konnten. Im Oberkiefer kann manchmal noch als Komplikation auftreten, dass mit dem Abtragen der Wurzelspitze und dem Anfrischen des Knochens eine Verbindung zur Nasennähmöhle entsteht.

Eine sogenannte Mund-Antraum-Verbindung. Also die Separation zwischen Mundhöhle und Kiefer ist nicht mehr vorhanden. Das war hier nicht der Fall. Das war alles gut geschlossen. Und dann macht man in der Regel ein halbes Jahr nach dem Eingriff nochmal ein Röntgenbild, um zu überprüfen, ob nun diese Osteolyse weiter auf dem Röntgenbild sichtbar ist oder ob dort, wo vormals die Osteolyse und Wurzelspitze war, jetzt sich das Ganze auch weißlich darstellt, das heißt neue Knochen gebildet hat.

Und er hat wirklich Glück gehabt, neue Knochen hat sich gebildet, was eben auch seinem persönlichen Empfinden entsprach. Und auch die Entzündungswerte im Blut waren nicht mehr vorhanden. Und wie fühlte er sich vom Allgemeinbefinden? Was war mit Müdigkeit, Schlappheit, Trägheit? Wie lange hat das gedauert? Haben Sie da was gehört?

Also ich habe sicher in Erinnerung, dass er nach dem halben Jahr wieder richtig fit war. Ich meine in Erinnerung zu haben, dass er mir gesagt hat, ungefähr nach zwei, drei Monaten war alles wieder wie vor der Entzündung. Aber das habe ich nicht mehr in Erinnerung. Was ist für Sie das Besondere an diesem Fall? Was für ein Fazit ziehen Sie daraus?

Was macht den Fall für Sie so außergewöhnlich? Außergewöhnlich kann ich jetzt nicht sagen, weil diese Patienten gerade im Krankenhaus sicherlich vielleicht häufiger vorkommen als in der Praxis. Das zeigt wiederum, dass an einem Zahn ein gesamter Mensch hängt. Das kann man hier wortwörtlich hinterlegen. Und es zeigt eben auch, dass eine Routineuntersuchung der Mundhöhle jeder regelmäßig durchführen lassen sollte.

Wobei eben auch ab und zu ein Röntgenbild dazugehört, zumal beim digitalen Röntgen die Strahlenbelastung wirklich sehr gering ist. Sehr schöner Satz, an einem Zahn hängt ein ganzer Mensch und vielleicht für die Hörerinnen und Hörer, die da jetzt dabei waren, wenn sozusagen Schlappheit, Müdigkeit, Trägheit, Zerschossenheit nicht abgeklärt werden können und alle Fachärzte schon besucht worden sind, Vielleicht denken Sie doch noch mal an Ihre Zähne und suchen Spezialisten auf.

Vielen herzlichen Dank für diesen Fall, dass Sie den zu uns mitgebracht haben und vorgestellt haben. Das war sehr spannend. Gerne. Das war die Diagnose. Ich bin Annika Geißler. Wir hören uns in ein paar Wochen wieder. Bis zum nächsten Mal. Die Diagnose. Der Stern-Podcast.

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