
Dieser eine Moment – Der Podcast mit Philipp Fleiter· Staffel 1· Folge 18
"Psychische Erkrankung – wenn aus bunt grau wird" mit Alix Puhl
Montag, 24. Februar 2025 · 1 h 21
Kapitelklicken springt direkt hin
Shownotes
Unser Werbepartner für diese Folge ist die DEVK Altersvorsorge. Du willst noch mehr fürs Alter tun? Dann lass dich jetzt persönlich zur Altersvorsorge bei der DEVK beraten! devk.de/altersvorsorge (devk.de/altersvorsorge)
Content-Warnung: In dieser Folge geht es um psychische Erkrankungen und Suizid.
Anlaufstelle bei psychischen Erkrankungen und/ oder Suizidgedanken:
deutsche-depressionshilfe.de/depression-infos-…
In dringenden Fällen: Info-Telefon Depression Tel. 0800/3344533 oder die 112.
Alix und Oliver Puhl sind die treibenden Kräfte hinter „tomoni mental health“, einer gemeinnützigen Organisation, die Lehrkräfte, Eltern und Jugendliche schult, frühe Anzeichen psychischer Erkrankungen zu erkennen und angemessen darauf zu reagieren. Was Alix und Oliver antreibt, ist der Suizid ihres Sohnes Emil.
Wie sie heute wissen, befand sich Emil im Autismus-Spektrum. Mathe und Sprachen sind für ihn ein Leichtes, aber in anderen Teilen des Lebens hat er große Probleme. Seine Eltern erfüllen ihm den Wunsch, ein Internat in Japan zu besuchen. Das war ein großer Schritt für den sonst sehr zurückhaltenden Jungen, er schien sehr glücklich. Doch kurze Zeit später schlägt seine Stimmung um. Er meldet sich bei seinen Eltern mit den Worten: 'Es ist alles so grau hier.' Kurz darauf informiert das Internat die Familie, dass Emil Suizidgedanken geäußert hat. Das klingt surreal für Alix und Oliver – doch als sie Emil vom Flughafen abholen, ist er ein Schatten seiner selbst. Emil äußert Alix gegenüber ganz direkt, dass er sich in 8 Tagen das Leben nehmen wird. Um dies abzuwenden, weisen sie ihn in eine psychiatrische Klinik ein und es scheint, als ob sich seine Situation bessert. Doch das täuscht, denn Emil hat in der Klinik keinen neuen Lebensmut gefunden, sondern erkannt, wie er sich verhalten muss, damit man seinem Vorhaben nichts entgegensetzen kann. Im Sommer 2020 verschwindet Emil, die Suche nach ihm wird von enormer öffentlicher Unterstützung getragen. Nach einer Woche findet man Emil und bestätigt Alix, was ihr schon gewiss war – Emil hat sich das Leben genommen. Die Anteilnahme ist riesig, und auf einmal sind da so viele Menschen, die ebenfalls mit psychischen Erkrankungen und deren Folgen konfrontiert sind.
Alix und Oliver gründen "tomoni", benannt nach dem japanischen Wort für "zusammen“. Die Trauer um Emil wird nie enden, doch sie finden Trost darin, ihre Stimme heute psychischer Gesundheit zu widmen und dafür zu sorgen, dass andere Kinder früher Hilfe bekommen.
Unsere Herzensempfehlung ist, mal bei tomoni vorbeizuschauen: tomonimentalhealth.org
oder auf Instagram @tomonimentalhealth
Ihr findet tomoni auch auf allen bekannten Podcastplattformen. In Gesprächen zwischen Jugendlichen und Expert*innen aus der Wissenschaft werden auf Augenhöhe all die Fragen besprochen, die das Umfeld von Betroffenen haben kann.
Last but not least: Das wichtigste ist, mit den Kindern und Jugendlichen im Gespräch zu bleiben. Als Gesprächsanlass und Unterrichtslektüre kann „Alle Farben grau“ von Martin Schäuble dienen - ein Roman nach Emils Geschichte:
fischer-sauerlaender.de/buch/martin-schaeuble-….
Für den Einsatz im Unterricht stellt der Verlag Unterrichtsmaterialien zur Verfügung:
bilder-fischer-sauerlaender.s3.eu-central-1.am….
Bleib auf dem Laufenden über Philipp und seine Projekte auf Instagram @philippfleiter
Dieser Podcast ist eine Produktion von Philipp Fleiter und WeMynd im Auftrag von Podimo.
Redaktion: Philipp Fleiter und Laila Keuthage | Produktion: WeMynd
Abonniert den Podcast, um keine Folge zu verpassen.
Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin
Und dann war eben dieser Anruf und dann sagte der Schulleiter zu uns, Emil hätte suizidale Gedanken geäußert. Wir haben erst gedacht, das kann doch gar nicht sein, mit uns hat das nichts zu tun, der hat die falsche Familie erreicht. Ich weiß, ich mache die Tür auf und die Schuhe sind nicht da. Ja, weil Emil hat immer seine Schuhe ausgezogen und ich wusste genau, wo die stehen müssen.
Und die waren nicht da und da dachte ich, okay. Manchmal sind es nur ganz kurze Momente, die ein Leben komplett verändern können. Ein Augenblick, eine Entscheidung, ein Ereignis, ein Wimpernschlag und danach ist alles anders. Ich bin Philipp Leiter und ich treffe in diesem Podcast Menschen, um mit Ihnen genau über diesen einen Moment zu sprechen, der Ihr Leben für immer verändert hat.
Bevor es losgeht, ein kleiner Hinweis. In dieser Folge geht es auch um Suizid. Wenn du dich damit unwohl fühlst, dann hör diesen Podcast besser nicht alleine. Hilfsangebote zu diesem Thema findest du natürlich in den Shownotes. Das, was Alex passiert ist, das ist wirklich der absolute Albtraum vieler Eltern.
Vielleicht ist es auch etwas, das sich die meisten von euch gar nicht vorstellen können, dass es ihnen auch passieren könnte. So war es zumindest bei Alex und ihrem Mann. Alex Puhl ist 53 Jahre alt und kommt aus Frankfurt am Main. Sie hat 2020 ihren Sohn Emil verloren. Er hat mit 16 Jahren zu historisch.
Ich finde es stark, dass sich Alex mit diesem Thema, was gesellschaftlich leider immer noch so ein großes Tabu ist, hier hinsetzt und sagt, jemand muss darüber sprechen. Das machen wir jetzt und ich hoffe, dass ihr auch aus dieser Folge einiges mitnehmen könnt. Hallo Alex, schön, dass wir heute miteinander sprechen. Hallo Philipp, schön, dass ich da sein darf.
Ja, der Moment, mit dem wir heute in das Gespräch einsteigen, ist ehrlich gesagt so furchtbar, dass ich ihn mir gar nicht vorstellen kann. Es ist der 8. April 2020, der Tag vor Gründonnerstag. Dein Sohn Emil ist kurz vorher 16 geworden und er sagt dir, dass er sich das Leben nehmen möchte. Weißt du noch, wie er das formuliert hat? Mami, ich wollte dir nur Bescheid sagen. Nächste Woche Donnerstag nehme ich mir das Leben.
So direkt und ohne Umschweife. Ja. Was geht in deinem Kopf vor, als du das hörst? Von nichts bis furchtbar viel. Ich glaube, da ist alles dabei. Also ein absolutes Gefühlschaos. Gefühlschaos, genau. Also vier Kinder und irgendwie haben wir gedacht, wir haben eigentlich schon ziemlich viel erlebt bis dahin.
Aber darauf ist man, ich glaube, egal, ob es das Kind oder der Partner oder Partnerin oder ein Freund, darauf ist man nicht vorbereitet. Wir gehen mal ein bisschen zurück, weil das Thema Suizidwunsch, das begleitet euch ja zu diesem Zeitpunkt schon seit einigen Monaten. In den Jahren davor allerdings hast du Emil Niso als besonders niedergeschlagenen oder traurigen Menschen wahrgenommen.
Er wird 2004 geboren und ist euer zweites Kind, also das zweite Kind von dir und deinem Mann Oliver. Es werden insgesamt vier Kinder, hast du gerade schon gesagt, um die ihr euch kümmert. Wolltest du immer schon, so eine große Familie haben, Ich wollte immer Kinder und ich fand so eine gerade Zahl gut, weil sonst ist immer einer alleine. Und deswegen war mir von Anfang an klar, vier Kinder.
Mein Mann fand das auch gut und ich war bei Au-pair in einer Familie von fünf. Also ich wusste, worauf das hinausläuft an Arbeit. Ich glaube, nicht alle in der Familie wussten das, aber es ist toll, aber es ist pausenlos. Du hast vor der Geburt eurer Kinder als Rechtsanwältin gearbeitet. Dein Mann ist damals der erfolgreiche Investmentbanker.
Das klingt auf mich erstmal recht stressig und ich kann mir vorstellen, dass bei euch zu Hause immer ziemlich viel los ist, oder? Los war, los ist, ja klar. Also mit vier Kindern sowieso und naja, das Leben findet statt und es ist doch doof, da nicht rein teilzunehmen. Absolut. Vielleicht kannst du ein bisschen was über Emil erzählen.
Was war er für ein Kind, was hat ihn ausgemacht, so aus deiner Sicht? Also bei vieren, also jeder, der mehr als ein Kind hat, weiß, es ist jedes Mal wieder erstaunlich zu sehen, gleiche Kinder, gleiche Eltern, gleicher Genpool, gleiche mehr oder weniger Erziehung, total unterschiedliche Kinder. Ja, und Emil war von den Vieren derjenige, der am wenigsten Schlaf gebraucht hat, war der, der am frühesten angefangen hat zu sprechen, war superbegabt, superlustig, also so eine ganz eigene Art von Humor.
Maultaschen hießen bei uns Hals-Maultaschen oder wenn er so gemalt hat. Dann hat er das Künstlern genannt. Das waren so Emil-Begriffe. Künstlerisch begabt, hat von allen am schönsten, Gemalt, gezeichnet und ich finde alle vier Kinder großartig. Also was ich so über ihn gelesen habe, ist er jemand, der sehr aufgeweckt war und sehr großes Interesse auch hatte, nicht nur fürs Zeichnen, auch für Musik und es gibt da wohl irgendwie so eine Geschichte, dass er mal seinem Mathelehrer Fragen gestellt hat, die selbst er nicht beantworten konnte. Das gab es nicht nur einmal.
Also die Mathelehrer haben mir erzählt, sie sind zum Teil, haben sie irgendwie die Flucht ergriffen und nichts schlimmer war in der Mathestunde, wenn Emil am Anfang eine Hand gehoben hat, weil sie wussten, er stellt irgendeine Frage, die mit dem Thema überhaupt nichts zu tun hat, die sie aber im Zweifelsfall nicht beantworten können.
Aber das sind alles Dinge, von denen wir jetzt wissen, die hätten dazu führen können, dass wir anders hätten hingucken müssen. Du hast das gerade schon so ein bisschen angesprochen, Dinge, wo man anders hätte hingucken müssen. Gab es dann noch so mehr Seiten an Emil, die anders in Anführungsstrichen waren, also die euch vielleicht auch mal zu denken gegeben haben? Zu denken haben sie uns ja gerade nicht gegeben, sondern wir haben sie als Teil von seinem Charakter, Teil seiner Entwicklung gesehen, eben diese Spezialinteressen.
Also wenn er was gemacht hat, dann all in. Also der hat innerhalb von drei Jahren Japanisch gelernt, so dass er hätte in Japan studieren können. Er hat Mathe gemacht, das hat er sich selber beigebracht, da hat er sich irgendwelche Vorlesungen angehört, wo eben Mathematiklehrer mir gesagt haben, die verstehen sie selber nicht.
Er hat es auch nicht einordnen können, aber das hat er sich dann angehört und das auch verstanden. Wenn er was gemacht hat, dann 100 Prozent. Also immer all in gegangen mit allen Sachen, die ihn interessiert haben. Im Umgang mit anderen Menschen habe ich gelesen, dass er zum Beispiel Leuten nicht so direkt in die Augen gucken konnte und auch Emotionen nicht so gut lesen konnte.
Wie hast du das wahrgenommen? Das war ein schleichender Prozess im Rückblick. Also wenn ich jetzt zurückblicke, würde ich sagen, ja es gab Auffälligkeiten, aber das wurde mehr so mit elf, zwölf, dreizehn, dass er sich dann auch bewusst zurückgezogen hat, wenn wir Gäste hatten und die anderen Geschwister dann geholfen haben oder dabei waren, ist er nach oben gegangen, dass er Menschenmengen nicht mehr mochte, dass Geräusche ihm zu viel wurden.
Wir haben dann immer versucht, die Kinder für Kunst und Kultur zu begeistern und ich sehe uns noch, wie wir in einem Konzert waren. Einer der Brüder hat Schlagzeug gespielt und dann waren wir in so einem japanischen Schlagzeuger-Konzert. Das hat er nicht ausgehalten, hat er sich dann die Ohren zugehalten.
Alles Puzzleteile, alles Puzzleteile, die irgendwann dann uns klar wurden, aber eben erst an dem 8. April. Das heißt, heute weißt du, dass dein Sohn höchstwahrscheinlich Autist war? Ja, man sagt jetzt heute Autismus-Spektrumstörung. Früher hätte man zu dem, was Emil hatte, weil er wahrscheinlich eher höher begabt war, hätte man gesagt Asperger-Syndrom, aber das sagt man heute nicht mehr.
Genau, das kennt man ja so aus Filmen, da wird das ja immer so dargestellt, dass das so Leute sind, die ganz besondere Talente haben und ganz viele Sachen besonders gut können, aber eben auf der emotionalen Seite irgendwie Schwierigkeiten haben. Aber zu dem Zeitpunkt, wenn ich das richtig verstehe, ihr habt die Kinder einfach so genommen, wie sie sind, wie das wahrscheinlich alle Eltern tun und auch tun sollten und habt euch da gar nichts weiter bei gedacht wahrscheinlich.
Das ist genau so. Wir haben uns über gar nichts gedacht. Also mit vier Kindern kann man nicht besonders viel denken, weil du bist 24-7 beschäftigt. Allein schon, dass sie was anhaben, dass sie am richtigen Ort zur richtigen Zeit sind, dann auch noch was gegessen haben und wenn es gut geht, irgendwie halt all das dabei haben, was sie dabei haben sollen.
Und haben überhaupt nicht drüber nachgedacht, dass das Verhalten eines dieser Kinder irgendeinen Anlass zum Nachdenken oder zur Sorge geben könnte. Du hast gerade schon angesprochen, dass Emil eine ganz große Faszination für Japan und Japanisch als Sprache hat. Ich glaube, mit zwölf wollte er Japanisch lernen.
Was hat ihn so an Japan fasziniert? So ganz genau wissen wir das nicht. Also angefangen hat es damit, dass er eben lustige Taschenbücher gelesen hat. Und wir haben hier einen Laden, wo man die auch gebraucht kaufen kann, weil das geht irgendwann ins Geld. Und irgendwann bin ich dann hingekommen und dann hat er gesagt, nee, also alles, was er hätte, hätten wir auch schon.
Aber er hätte jetzt neue Manga bekommen, ich sollte es doch damit probieren. Und dann bin ich halt mit drei Bänden Manga nach Hause und hab gesagt, ich hab nichts anderes gefunden, guck dir das mal an. Und das war dann der Beginn einer für ihn großen Leidenschaft. Er hat erst diese Manga gelesen, dann hat er das als Anime, also als animierten Comic gesehen und dann hat er gesagt, Mami, die Übersetzung ist so schlecht, ich würde das gerne im Original sehen.
Und dann haben wir gesagt, ja, das heißt, ja, ich möchte Japanisch lernen. Und in der Grundschule hatte er ja schon mal die Chance, so ein bisschen Chinesisch zu lernen. Das hat ihn sehr fasziniert. Und das löste sich dann aber auf. Und dann sagt er doch, also ich finde es spannend, ich möchte es lernen.
Und bei uns gibt es die Regel, wenn die Kinder irgendwas anfangen, dann müssen sie es ein Jahr machen. Also sie dürfen es sich angucken und wenn es dann was ist, dann mindestens ein Jahr. Und dann haben wir nach einem Japanisch-Lehren gesucht für einen Zwölfjährigen. Die liegen nicht auf der Straße und haben dann das unfassbare Glück gehabt, dass hier in der Nachbarschaft eine Sprachschule ist und die sagten, den Kurs für Kinder haben wir nicht, aber wir haben eine Lehrerin, vielleicht können die beiden ja was miteinander anfangen.
Und Emil, der nie alleine irgendwo hingegangen ist, ich habe ihn begleitet und habe gesagt, so, wenn du die doof findest, hier sind die drei Zeichen, du findest doof, wir gehen sofort, du findest es nett, ich soll im Raum bleiben, du findest es okay, ich soll davor bleiben. Und warte dann, bis du nach Hause gehst. Und es kam was ganz anderes.
Er hat die angeguckt und nach zwei Minuten hat er gesagt, Mami, geh nach Hause. Wow. So, und da hatten sich zwei gefunden und seine Lehrerin hat es dann eben geschafft, ihn innerhalb von knapp zweieinhalb Jahren auf Niveau Stufe drei von fünf zu bringen. Also da gibt es dann Tess und die hat er immer als Jüngster im Raum, man weiß nicht, ob die anderen bestanden haben, aber er war immer der Jüngste, alle bestanden.
Du klingst richtig stolz, wenn du das erzählst. Das war auch, ich war total beeindruckend, weil er hat dann immer gesagt, frag mich Vokabeln ab, das hat er ganz am Anfang gemacht und für mich sahen diese Zeichen alle total gleich aus und es gibt einfach für jedes Wort drei verschiedene Begriffe und ich fand es wahnsinnig kompliziert und Eselsbrücken für uns Europäer auch nicht.
Und fand es super faszinierend, wie da zusammen kam dieser Weg zu denken, aber auch das Künstlerische. Also man musste dann auch schreiben und es war so sein Ding. Und da war er dann wirklich dran und hat dann zweimal die Woche Unterricht genommen, dafür ist er alleine irgendwo hingegangen, hat den Kontakt gesucht, hat sich selber drum gekümmert, hat dann eben diese Prüfungen, die nicht in Frankfurt waren, sondern da mussten wir immer irgendwo hinfahren.
Das war so seine Welt. Und finde ich auch schön, wenn man vier Kinder hat, dass jedes Kind so seine eigene Welt hat, wo er eben nicht einer von vieren ist, sondern der eine. Ist es für euch dann damals klar, dass ihr ihm auch ermöglichen werdet, nach Japan zu gehen? Weil du hast ja gerade schon gesagt, er ist oft nicht alleine irgendwo hingegangen und dann irgendwann dieser Traum, nach Japan zu gehen. Ich glaube, da ist er so 15.
Also war für euch direkt klar, das unterstützen wir? Vielleicht haben wir schon was geahnt. Also dem ältesten Bruder hatten wir, da war es gar keine Diskussion. Ich hatte selbst die Chance, ein Jahr ins Ausland zu gehen. Ich fand das so toll und habe dann gesagt, wer möchte, darf. Und für den Ältesten war es klar, er will. Und bei Emil haben wir ehrlich gesagt gar nicht drüber nachgedacht, weil wir dachten, der macht das eh nicht.
Und dann kriegt er eben diese Idee, es gibt diese internationale Schule, wo sowohl Ausländer als auch Japaner sind, ein Internat, das gibt es in Japan nicht, das ist da nicht Tradition. Und da war er angefixt. Und dann hat mein Mann gesagt, komm, wir fahren hin, wir gucken uns das an. Immer mit der Idee, das wird er eh nicht machen. Und dann weiß er es.
Und dann weiß er aber auch, dass er es nicht machen will. Und mein Mann beschreibt dann den Moment, als sie dann da vor Ort sind. Das war im Januar, das war ein grauer Tag. Dass er gesehen hat, wie der da aufblüht. Wie der da Fragen hat, wie er plötzlich total da ist. Also wie zu Hause, wie ein Fisch im Wasser. So hat er es auch mal beschrieben.
Und tatsächlich zu eurer Überraschung fliegt Emil dann nach Japan, geht auf diese Schule, lebt in diesem Internat, was du gerade geschildert hast, was bekommt ihr denn von ihm in dieser Zeit mit, also habt ihr das Gefühl als Eltern, dass es ihm dort gut geht in Japan? Wenig. Also zu seinen Interessen hat er viel gesprochen, aber so zu erzählen, erzähl doch mal von deinem Alltag, da wusste er gar nicht, was wir von ihm wollten.
Und wir haben immer mal wieder Fotos bekommen, immer mal wieder Nachrichten und wir hatten das Gefühl, es geht ihm gut. Und er war auch Weihnachten hier und auch da, also es war nicht alles gut, aber in welcher Schule und wo ist immer alles gut, hatten wir das Gefühl, das passt für ihn. Und er hat es auch dann nach den Weihnachtsferien kaum abgewarten können, wieder da in seinen Flieger zu steigen und nach Japan zu fahren.
Was war denn dann so der erste Moment, wo du merkst, irgendwas ist anders bei ihm? Anfang Januar ist er in den Flieger gestiegen, so im Hopserlauf. Ich sehe ihn noch, er hatte sich dann zu dem Zeitpunkt, Haare schneiden war nicht mehr seins. Keine Ahnung, ob das auch mit dem Autismus dann zusammenhing, von dem wir ja zu dem Zeitpunkt noch nichts wussten. Ich sehe ihn noch, wie die Haare fliegen, in den Flieger einsteigen und knapp zwei Wochen später ruft er mich an und sagt, es ist alles so grau hier.
Und das hat mich schon erschrocken, weil ich das so noch nicht gehört hatte von ihm und habe dann so typisch, anstatt zu fragen, was meinst du eigentlich damit und wie geht es dir denn und was ist es, so einmal überbordend, soll ich kommen, möchtest du an eine andere Schule. So 27.000 Ideen, auf ihn einprasselnd und das wollte aber alles nicht.
Und dann habe ich aber auch gedacht, naja, ich sehe mich noch, ich war gerade an der Tankstelle und wartete auf eins der anderen Kinder, was im Sport war. Ich sehe mich dann auch in diesem Gespräch und es hat mich beunruhigt hinterlassen, aber ich habe nicht zweimal drüber nachgedacht. Das kann ja auch erstmal alles bedeuten. Also dieser Satz hier ist alles grau, das muss nicht unbedingt was heißen.
Bald nach diesem Gespräch, ich glaube Ende Januar 2020, bekommt ihr dann einen Anruf von Emils Internatsleiter. Was ist dein erster Gedanke, als dieser Anruf aus Japan kommt? Das war ein merkwürdiger Moment, weil mein Mann sagte, die haben angerufen und die möchten, dass du dabei bist bei dem Gespräch.
Wir haben uns überhaupt keine Gedanken gemacht. Das war auffällig, auch das ein Puzzlestein, wie ich heute weiß, dass Emils Noten, der mit hervorragenden Noten ins Ausland gegangen ist, da gab es im November so ein erstes Zwischenzeugnis, die Noten waren schrecklich, das kannten wir so gar nicht. Aber wir haben es geschoben auf Umstellung und Englisch und keine Ahnung, was wir vor Ausreden hatten. Aber wir sind es nicht weiter angegangen.
Und dann war eben dieser Anruf und dann sagte der Schulleiter zu uns, Emil hätte suizidale Gedanken geäußert. Und wir haben uns in dem Moment angeguckt und in unserer Nichtsahnung, wir haben erst gedacht, das kann doch gar nicht sein, mit uns hat das nichts zu tun, also der hat die falsche Familie erreicht, aber es war eine völlige Überforderung von uns.
Das heißt, der erste Gedanke war wirklich so, das kann gar nicht sein, die meinen jemand anderen, die meinen nicht uns. Genau. Also jetzt wissen wir, dass 90 Prozent von Suiziden geschehen, weil jemand psychisch erkrankt. Das wusste ich damals nicht. Also ich wusste gar nicht. Nein, ich habe mir über psychische Erkrankung überhaupt nie Gedanken gemacht, weil auch nie in meinem Umfeld irgendjemand über psychische Erkrankung gesprochen hat.
Ich habe jahrelang hier Eltern vertreten gegenüber der Schulverwaltung und der Schulpolitik und wir haben über alles Mögliche gesprochen, aber nicht über psychische Erkrankungen. Deswegen hätte ich immer gedacht, wir sind immun, uns geht es gut, wir sind beide Eltern, wir sind da für die Kinder, wir machen wirklich alles, dass es ihnen gut geht.
Also das Schlimme ist, wir haben uns noch nicht mal Gedanken gemacht, dass es uns gar nicht treffen könnte, weil wir gar nicht auf die Idee gekommen sind. Und deswegen, als dann dieser Anruf kam, wir waren sprachlos und dann hilflos und dann panisch. Und dann haben wir erreicht, dass Emil noch eine Woche im Internat eben unter mehr Beaufsichtigung war, weil wir mussten hier ja irgendwas organisieren.
Keiner von uns konnte jetzt hinfliegen und ihn abholen. Wir wollten ihn aber auch nicht alleine reisen lassen aus der Schule. Die war so anderthalb Stunden im Landesinneren, da allein zum Flughafen. Das waren plötzlich Themen. Mit denen hatten wir uns vorher nicht beschäftigt. Und die haben halt gesagt, er muss jetzt erstmal nach Hause.
Und Emil hat auch gesagt, da gab es Coaching an der Schule und die mochte er aber nicht. Und deswegen war klar, er muss nach Hause. Und es war auch die Forderung der Schule und wir wollten ihn dann auch zu Hause haben, auf jeden Fall. Also das heißt, er muss jetzt irgendwie schnell nach Hause kommen, gleichzeitig müsste er ganz viel organisieren, um das überhaupt zu ermöglichen und dann ist es so eine Woche zwischen diesem Anruf und dem Rückflug von Emil, das stelle ich mir ganz schlimm vor, weil er ja wahrscheinlich ganz machtlos war, der ist so weit weg und ihr wisst, da ist irgendwie was. Wie war diese Zeit für euch?
Ja, es war beides, aber es gab ja so viel zu tun. Es ist wie die Zeit, wenn jemand gestorben ist und dann bis zur Beerdigung. Du hast wahnsinnig viel zu tun. Du musst überlegen, du musst, also Flug buchen, das ist jetzt nicht so aufregend, aber wann fliegt er, wie kommt er nach Hause, wie ist die Vereinbarung mit der Schule, dass er wiederkommen kann, was soll er mitnehmen, wie geht es ihm überhaupt, mit ihm ins Gespräch zu kommen, hier jemanden zu finden, der so kurzfristig, was macht man überhaupt, wenn da jemand sagt, ich habe suizidale Gedanken, Zu wem geht man da?
Das müssen wir uns erst mal schlau machen. Und haben es auch falsch entschieden. Heute würde ich sagen, du musst unbedingt erst mal jemanden finden, der eine Diagnose macht. Der guckt, was hat dieses Kind? Woher kommen diese Gedanken? Um dann das zugrunde liegende Problem zu lösen. Und wir sind kopflos, wir hatten das Wort Psy und haben dann Psychotherapeut und haben, Dann den Vater einer Yoga-Lehrerin genommen, der aber auch der Einzige war, der bereit war, schon während Emil noch in Japan war, mit ihm zu sprechen.
Weil damals, das war hier, also in Asien war Corona schon ein Begriff, hier noch nicht. Aber all das Gute, was Corona gebracht hat, nämlich, dass man remote miteinander sprechen kann, das gab es alles noch nicht. Und kein Therapeut war bereit, mit Emil zu sprechen, als er noch in Japan war. Also mussten wir das nehmen, wer dazu bereit war. Ja, das heißt wahnsinnig viel Gewusel, Gedanken, die durch eure Köpfe jagen.
War da auch im Hinterkopf die Angst, dass Emil sich in der Zwischenzeit, also in dieser einen Woche was antun könnte? Ich habe damals wie so viele Menschen gedacht, wer es ankündigt, wird es nicht tun. Und was ich hiermit jetzt gleich auflösen kann, das ist falsch. Es ist ein absoluter Mythos. Das Gegenteil ist der Fall.
Je nach Studie mindestens die Hälfte, in anderen Studien sogar bis zu 90 Prozent der Menschen, die sich das Leben nehmen, kündigen das vorher in irgendeiner Form an. Ich war aber sehr in, er hat es gesagt, also es ist nicht so schlimm. Ich habe, glaube ich, damals, vielleicht auch aus Selbstschutz, die Dramatik, die dann noch kam, noch nicht sehen wollen.
Das war so weit weg von unserer Realität, dass das, wir haben uns schon Sorgen gemacht, aber die haben gesagt, wir sind bei ihm. Er hat dann auch in der Nähe von Erwachsenen, er musste dann ein Zimmer wechseln, war dann in der Nähe von Erwachsenen. Nein, also dass er es da tun könnte, die. Nee, aber immer mit diesem Mythos, wer es ankündigt, wird es schon nicht tun.
Ihr habt dann die Woche sozusagen rumgebracht, also eine Woche, nachdem euch gesagt wurde, dass Emil Suizidgedanken hat, holte ihn ab in Frankfurt am Flughafen. Wie ist es für dich, ihn da wiederzusehen? Also was für einen Eindruck macht er auf dich? Ich hatte ja vorher, zumindest bewusst, keine Erfahrung mit psychischen Erkrankungen.
Und komme an den Flughafen, er hatte gebeten, dass ich ihn abhole zusammen mit einem seiner Brüder. Und da steht jemand, ach komm, die Tränen, wenn ich nur dran denke. Das ist wie, wenn die Farbe rausgelaufen ist. Wenn so aus Bunt grau wird, wie so im Comic. Er war ja knapp einen Monat weg und er hat was total verändert.
Ich finde, das ist ein sehr passendes Bild. Ich bin auch vor einigen Jahren an Depressionen erkrankt gewesen und dieses die Farbe rausnehmen, so sieht es auch im Inneren aus. Man sieht die Farben auch nicht mehr. Also deswegen ist es vielleicht nicht nur von außen, sondern auch von innen das Bild. Ihr nehmt ihn dann mit vom Flughafen und sprecht ihr dann auch direkt über die Suizidgedanken, die er geäußert hat?
Nächster Mythos. Ich habe immer gedacht, wenn man es anspricht, dann macht es das alles nur noch schlimmer. Und was würde ich darum geben? Ich hätte damals gewusst, dass das falsch ist. Was würde ich darum geben, wenn ich gewusst hätte, das Beste ist es anzusprechen und drüber zu sprechen, weil dann der Gesprächspartner auch entlastet wird und das wusste ich nicht und ich kann mich nicht erinnern, dass wir ihn gefragt haben.
Ihr seid damit auch gar nicht alleine, muss man glaube ich an der Stelle ganz deutlich sagen, weil man, wenn man selbst erkrankt, das auch die Erfahrung macht, dass ganz viele Leute gar nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen, das ist ja gar keine böse Absicht oder so, aber da gibt es halt kein Playbook.
Also wenn Leute sich den Arm gebrochen haben, wissen die meisten, glaube ich, wie sie damit umgehen können. Aber bei psychischen Erkrankungen ist es eben leider nicht so. Und ihr habt euch dann wahrscheinlich erst mal bemüht, ihm einen warmen Empfang zu geben und das Gefühl zu geben, dass er geliebt wird und dass er wieder zu Hause ist, könnte ich mir vorstellen, oder?
Genau, aber auch versucht, irgendwie so einen Alltag hinzubekommen. Weil auch das ist das, was bei psychischen Erkrankungen anders ist als der gebrochene Arm, der gebrochene Bein ist für den, der es hat, blüht. Für den Rest der Familie ziemlich egal. So, und das ist bei psychischen Erkrankungen anders.
Also ich bin ein großer Harry Potter Fan und das ist für mich das passende Bild, diese Dementoren. Ja, total. Also die muss Erfahrung mit psychischen Erkrankungen haben, sonst kann man das glaube ich nicht so beschreiben, weil auch die nimmt ja die Farbe raus aus dem Bild, aber sie macht auch, dass aus dem Umfeld Farbe rausgeht und Und das ist genau das, was bei uns auch passiert ist.
Also, weil wir waren so beschäftigt. Alle irgendwie mit dieser neuen Realität irgendwie umzugehen, plus gleichzeitig noch, was das Ganze nicht erleichtert hat, Corona, was hier plötzlich Einzug machte und irgendwie noch alle anderen irgendwie nervös machte. Das ist auch das, wo ich heute eben allen sagen würde, ihr merkt im Umfeld, dass eine Familie oder da ist ein Freund, ein Nachbar, ein Schüler, der nicht mehr auftaucht, der nicht mehr, der irgendwie anders ist, hingehen und ansprechen.
Hätte ich bis dahin auch nicht gemacht. Auch das wäre was, was ich heute anders machen würde, gerne. Schaffst du es denn mit Emil so ein bisschen über seine Gedanken zu sprechen, also jetzt gar nicht unbedingt über die Suizidgedanken, aber in seine Gefühlswelt, also weißt du, wie er sich in diesem Moment gefühlt hat, wie sich der Zustand für ihn angefühlt hat? Das schon.
Also er hat schon dann irgendwann eben dieses, das Aufstehen ist, also sein Bild war, das ist wie im Sumpf und es ist einfach furchtbar schwer, nur ein Bein zu heben. Es kam dann auch zu der Situation, die alle beschreiben und wo ich nie dachte, dass es die gibt, dass das Aufstehen ist. Zähne putzen, was essen, dass das eigentlich unmöglich ist.
Also zu diesem Zustand kam es und als Außenstehenden das nicht kennen, keine Erfahrung haben. Ich kannte bis dahin niemanden im Umfeld, der damit Erfahrung hatte, den ich hätte anrufen können und sagen so, ey, was mache ich denn jetzt? Dann haben wir alles gemacht von jetzt steh doch mal auf, stell dich nicht so an.
Dann hat er diese Termine mit dem Therapeuten und wo ich auch immer nicht wollte, die kannst du nicht absagen, das ist wichtig. Druck gemacht, all das. Uns nicht gefreut, wenn er dann mal Zähne geputzt hat, sondern das so als selbstverständlich genommen hat. Und nebenbei, aber die Geschwister, da war plötzlich keine Schule.
Die Schulen schlossen, zwei Tage vor Emels Geburtstag. Die Situation war anders. Wir waren sowieso wie alle anderen auf uns gestellt, aber wir einfach noch viel mehr. Also die Zeit ist sehr im, sagen die anderen Kinder auch, sehr im Nebel. Also es gibt nur so bestimmte, aber das erzählen alle, weil das ja so ein Tag war wie der andere.
Für uns war das noch viel mehr Nebel. Ja, jetzt habt ihr einen Therapeuten für ihn gefunden, schon noch während Emil in Japan war. Was war denn die Diagnose des Therapeuten? Tja, und da ist das Nächste, was ich heute anders machen würde und was ich nur allen mitgeben kann, der hat gesagt, wir brauchen keine Diagnose.
Wir kriegen das so hin. Und ich würde auch sagen, wie doof waren wir, aber wir wussten es nicht anders, weil wir über psychische Erkrankungen nichts wussten. Und das haben wir so hingenommen am Anfang und dann haben wir immer wieder gedrängelt. Aber er meinte, nee, das geht schon so. Und die Diagnose kam dann, also das Autismus-Spektrum kam dann erst an dem Tag, an dem wir ihn dann kennengelernt.
Nachdem wir seine Suizidabsichten äußerte, dann in die Klinik gebracht haben. Und die haben nach einer halben Stunde gesagt, ob wir denn schon über Autismus-Spektrum nachgedacht hätten. Und mein Mann und ich, wir haben uns angeguckt und haben gesagt, ja, klar, passt. Für uns war, was hat denn Namen endlich?
Die Verhaltensweisen, die wir uns nicht erklären konnten. Wie wir dann gedacht haben, okay, der hat maskiert. Der hat uns nur was gezeigt. Emil war das höflichste Kind von allen. Guten Tag, auf Wiedersehen. Dankeschön, schönen Tag noch. Das war sein Weg, dass die Umwelt nicht so nah an ihn rankam. Autismus ist keine Krankheit, sondern eine Entwicklungsstörung.
Das Gehirn eines autistischen Menschen kann manche Informationen nicht richtig erkennen oder nimmt sie anders wahr. Sie sehen die Welt quasi mit anderen Augen, aber sie sehen sie bei weitem nicht alle gleich, denn Autismus ist eben ein Spektrum. Das heißt, dass autistische Menschen sich sehr voneinander unterscheiden.
Zum Beispiel sprechen manche überhaupt nicht und andere können sich hervorragend ausdrücken, finden es aber trotzdem schwierig, ein Gespräch zu führen wegen der sozialen Aspekte. Das Interagieren mit anderen Menschen kann für Autisten nämlich extrem schwierig sein. Das liegt daran, dass sie die Gefühle anderer nicht so gut erkennen und sich nicht in ihr Gegenüber hineinversetzen können.
Humor ist da zum Beispiel auch so ein Punkt, wenn jemand etwas ironisch oder sarkastisch oder vielleicht auch einfach nur so aus Spaß sagt, dann kommt das bei vielen Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung einfach nicht so an, sondern sie nehmen das Gesagte wörtlich. Also nur mal ein Beispiel, wenn ich jetzt bei strömendem Regen sagen würde, naja, das Wetter ist ja mal wieder super heute, dann könnte das bei einer autistischen Person so ankommen, als würde ich den Regen wirklich.
Dass das auch dauerunglaublich anstrengend ist, wenn man andere Menschen ständig falsch versteht, liegt auf der Hand. Und dass das soziale Beziehungen sehr schwer macht, natürlich auch. Manche Autisten machen für uns untypische Bewegungen, die sich immer und immer wiederholen. Zum Beispiel ein Flattern mit den Händen und Armen, ein Flackern mit den Augen oder ein Klopfen auf den Bauch. Doch Alex berichtet ja außerdem, dass Emil ganz spezielle Interessen hatte, in die er total versunken ist.
Auch das ist sehr typisch und kann ganz verschiedene Themenbereiche betreffen. All diese Symptome kann man in der Regel schon recht früh in der Kindheit erkennen. Oft werden sie aber immer auffälliger, wenn ein Kind zum Beispiel in die Schule kommt und dort viel stärker mit fremden Menschen konfrontiert ist.
Kinder aus dem Autismus-Spektrum entwickeln schnell Strategien, um besser in dieser Welt klar zu kommen und weniger aufzufallen. Alex hat ja zum Beispiel erzählt, dass Emil manchmal übertrieben höflich war, um bloß nichts falsch zu machen. Dieses ständige Maskieren sehen Forschende als eine der Ursachen dafür, warum so viele autistische Menschen psychisch erkranken.
Kann man sich ja vorstellen, es kostet unheimlich viel Kraft, dem gesellschaftlich erwarteten Bild näher zu kommen. Zusätzlich werden gerade Kinder mit autistischen Zügen oft ausgegrenzt oder gemobbt. Studien zeigen, dass mehr als die Hälfte der Kinder mit Autismus-Spektrum-Störung zusätzlich eine psychische Erkrankung entwickeln, wie eine Angststörung oder eben eine Depression.
Ich würde gerne noch mal kurz auf diese erste Therapie, diesen Therapeuten eingehen, der keine Diagnose stellen wollte oder konnte. Hattest du denn am Anfang das Gefühl, dass diese Therapie Emil hilft, als er gerade nach Hause gekommen war? Wir wussten nicht, wie schnell muss sowas wirken oder wie schnell muss dann irgendeine Form von…, Besserungen kommen. Aber irgendwann hatten wir so das Gefühl, irgendwas stimmt hier nicht und es geht nicht voran.
Aber Emil, der diesen Therapeuten halt von vorne bis hinten halt ausgetrickst hat, fand das da sehr gemütlich. Weil eine Therapie, und das ist auch anders als bei anderen Erkrankungen, bei Fieber gibt es ein Zäpfchen und dann schlafe ich ein bisschen und dann wird es irgendwie wieder gut. Bei psychischen Erkrankungen muss der Betroffene selber mitmachen.
Und ob es zu dem Zeitpunkt schon zu spät war, das werden wir nie erfahren. Ob es anders ausgegangen wäre, wären wir an einen anderen Therapeuten geraten, Therapeutin, eine der vielen Fragen. Aber Therapie funktioniert nur auf Beziehung. Emil hat immer gesagt, er hat eine Beziehung, aber die fanden wir immer ein bisschen komisch.
Bei Emil geht es ja dann alles sehr schnell eigentlich. Also Ende Januar kommt der Anruf aus Japan, dann kommt er zurück nach Deutschland, geht in diese Therapie und Anfang April kommt dann eben der Moment, über den wir zu Beginn schon ganz kurz gesprochen haben. Also Emil sagt dir, dass er sich das Leben nehmen wird und diese Vorstellung, das finde ich daran irgendwie besonders beklemmend.
Er hat einen total konkreten Plan, auch einen Zeitplan, wann und wie das alles passieren wird. Mit deinem heutigen Wissen, was du jetzt hast, ist das typisch für suizidale Menschen? Ja, also die, die verstorben sind, kann man ja nicht mehr fragen. Aber die, die es versucht haben und die gerettet werden konnten.
Es gibt immer so ein Beginn mit ersten suizidalen Gedanken. Lohnt sich das hier noch? Ist alles so anstrengend? Bin ich es wert? Da kann man super gut von außen einbringen und sagen, mit Therapie, mit Hilfe, mit Dasein. Da kann man unterbrechen. Irgendwann kommt dann der Moment, haben wir Emil auch gesagt, brachte aber zu dem Zeitpunkt gar nichts mehr, wenn du das tust.
Was macht das denn mit deinen Geschwistern? Ist aber dann egal, weil das Leiden im Kopf eines Menschen, der diese Gedanken hat, das ist ja nicht so, dass die das machen, weil ihnen Spaß ist, sondern denen geht es nicht gut. Die können so, wie es jetzt ist, wollen die nicht mehr weiterleben. Also Emil hat es immer beschrieben wie ein Tunnel.
Und da ist aber kein Licht am Ende. Und da ist auch rechts und links, da ist nirgendwo Licht. Einfach nur dunkel. Da gibt es noch relativ lange, dass wir von außen unterbrechen können. Möglichkeiten geben, Tunnel zeigen zu können. Und dann gibt es aber irgendwann den Moment, wo die Entscheidung gefallen ist.
Und das bricht ein ganz vieles. Auch in der Forschung ist es erwiesen. Das sind dann oft Momente, da kommen wir wahrscheinlich noch zu, wo es dann ist, ich bin erleichtert, ich habe eine Entscheidung getroffen, Nach außen wirkt es, aber es ist vorbei. Die Krise ist bewältigt. Es geht nach vorne. Es ist aber ein anderes nach vorne.
Es gibt dann halt zwei nach vorne. Das eine, was wir denken und das andere, was die betroffene Person denkt. Und das ist dann so ein Moment, wo selbst Experten sagen, da können sie dann keinen Unterschied mehr machen. Aber es gibt lange und deswegen die Ermutigung an jeden, der von jemandem hört, ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr, ich bin es nicht mehr wert, die Welt ohne mich wäre schöner.
Und hingehen, nachfragen, habe ich das richtig verstanden? Was sind deine Gedanken? Und das ist auch wirklich benennen, denkst du darüber nach, dir das Leben zu nehmen? Und dann gibt es zwei weitere Fragen, die man stellen kann. Zum einen weißt du schon wie und dann weißt du schon wann. Und wenn wie und wann klar ist, dann ist höchste Not und das ist das Einzige, was man tun kann, das haben wir damals dann auch gemacht, ist eben in eine Psychiatrie zu gehen.
Und das ist, Psychiatrien in Deutschland sind, also in Notfällen müssen sie einen nehmen, aber man ist ortsgebunden. Also das heißt an deine Wohnadresse, wir leben in Frankfurt, für Erwachsene gibt es vier Kliniken und die nehmen dann in der Regel dich auch nur da, wo du wohnst. Und für Kinder gibt es aber nur eine einzige, für ganz Frankfurt, zehn Betten für ganz Frankfurt.
Du hast gerade gesagt, wie und wann sind da wichtige Fragen, wenn diese Ankündigung kommt. Bei Emil war es ja auch schon so. Wie lange hättet ihr laut seinem Plan noch gehabt? Acht Tage. Deswegen haben wir dann auch, nachdem er ... Das eröffnet hat, ich dann meinen Mann angerufen habe, weil ich ja wusste, ich sitze dann erstmal eine halbe Stunde auf dem Weg zu dem Therapeuten mit Emil im Auto, da kann ich den Therapeuten nicht fragen, was wir jetzt machen.
Mein Mann gesagt, du musst diesen Therapeuten, die haben immer, also Therapiestunden sind immer 50 Minuten und dann haben die 10 Minuten Zeit, wo sie einmal irgendwie Luft holen, aufs Klo gehen und hoffentlich dann auch telefonieren, der den versucht zu erreichen, weil wir dachten, er muss das jetzt mit ihm besprechen Und Emil hat dem aber was vorgespielt.
Und dann hat der uns beruhigt und wir waren aber nicht beruhigt. Und unser Bauchgefühl war, nee, das ist gar nicht gut. Und haben ihn in der Klinik vorgestellt, im Fachjargon. Und die haben ihn dann untersucht, haben mit ihm gesprochen. Und wir haben dann ganz klar gesagt, Eigen- und Fremdgefährdung.
Und er muss hier bleiben. Und dann war er letztendlich fast sechs Wochen auf der Akutstation. Also akut geschützte, wie auch immer, geschlossene Station. Und da habt ihr dann auch zuallererst die Diagnose bekommen, Autismus Spektrum. Genau. Also wir haben lang gebraucht zu verstehen, was heißt das eigentlich.
Und am Ende des Tages war es, und in der Klinik hat keiner Zeit, einem das zu erklären. Was bedeutet das eigentlich? Was hat das für Folgen? Warum ist jetzt eine Depression bei jemandem, der im Autismus Spektrum ist, so dramatisch? Das hat uns dann hinterher jemand ganz anderes erklärt. Und dafür bin ich heute noch dankbar, weil ich habe das nicht verstanden.
Aber erst mal diese Diagnose zu bekommen, wie fühlte sich das für euch an? Weil das ist ja wahrscheinlich auch eine Erklärung für viele Fragen, die ihr euch schon lange gestellt habt, oder? Wir haben uns die Fragen ja nicht gestellt. Das ist ja das, wofür ich jetzt werben möchte. Eltern, stellt euch Fragen.
Guckt euch das Verhalten eurer Kinder an und überlegt, wie geht es denn? Und Emil hat halt wohl gelitten, aber er kannte es auch nicht anders. Also diese Diagnose für uns war sie ... Eine Erleichterung und Emil muss sie gekannt haben, weil die Ärztin kam zu uns und hat gesagt, egal was ihn fragt, Emil wusste immer genau, worauf sie hinaus wollte.
Also er muss sich damit beschäftigt haben. Interessant. Und wir vermuten, dass Emil es schon länger wusste. Das heißt, er wusste was über sich selbst, was ihr gar nicht wusste. Und er hat es auch nie mit uns geteilt und er hat auch nach der Diagnose, ich habe versucht mit ihm drüber zu sprechen, was das mit ihm macht und was das bedeutet und da wollte er nicht drüber sprechen, aber er muss es gewusst haben.
Es ist ja so, dass er jetzt da nicht irgendwie in der Klinik mal rein und dann wieder raus, sondern die wollen ihn da behalten wegen Selbstgefährdung. Will er das denn auch? Nein. Okay. Ich habe gelesen, dass er dich am ersten Abend angerufen hat aus der Klinik. Magst du mal erzählen, wie dieser Anruf war?
Ich habe es nicht gehört und er hat mir dann zwei Minuten auf den Anrufbeantworter geweint, dass er da nicht bleiben will. Aber es war alternativlos. Also es gibt dann keine Chance und in der Regel, wenn man, es ist eben, es geht ganz oft um. Unterbrechung dieser Zugstrecke. Und in der Regel kann man diese Zugstrecke unterbrechen, weil es geht um, ich mag so nicht weiterleben.
Und wenn man aus dem So dann gemeinsam ein anderes entwickeln kann, das weiß man von Menschen, die man eben gefunden hat, bevor sie oder die man gerettet hat, die dann sagen, ja, jetzt habe ich einen Weg gefunden und dann brauche ich das gar nicht mehr. Autismus ist eben besonders schwierig, Weil wenn man einmal dieses so hat.
Da einen anderen Weg zu finden, das ist uns halt leider nicht gelungen. Ja, das kann man vielleicht, dieses Bild finde ich ganz gut. Das ist ein Zug, der auf den Gleisen steht. Das ist kein Auto, was einfach abbiegen kann. Also wenn man das vielleicht so beschreiben möchte. Das muss ja ein Anruf sein, der für dich als Mutter wahnsinnig schlimm ist.
Weil du hast da deinen Sohn zwei Minuten weint auf dem Anrufbeantworter, der da unbedingt weg will. Objektiv weißt du aber, dass es der einzig richtige Weg ist. Also das musste ich ja zerrissen haben. Das braucht kein Mensch. Also ich habe dann eine Freundin gehabt, die habe ich angerufen und die hat gesagt, du musst den da lassen.
Hilft nichts. Das ist so und das sind die einzigen, die jetzt helfen können. Und da fehlt eben beim Beinbruch hätte man 22 Freunde und wüsste genau, wie es geht. Und bei psychischen Erkrankungen eben nicht, weil es ein so ein Tabu ist, weil wir uns da alle nicht rantrauen, weil sie so unanfassbar sind, weil sie so, wo ist die Grenze zwischen mir geht es gerade nicht gut und einer Depression.
Bei Fieber weiß ich das. 38,4 ist kein 38,5, kann ich messen, ganz einfach. Psychische Erkrankungen sind einfach so wenig Teil unserer Lebensrealität geworden, dass wir überhaupt nicht gewusst hätten, wen wir jetzt anrufen wollen. Jetzt wüsste ich es. Jetzt weiß ich, ganz viele Menschen können mitreden, aber das erzählt halt keiner.
Ja, und ich finde halt auch ganz oft, dass bei psychischen Erkrankungen ein bisschen immer dieses mitschwingt, reiß dich mal zusammen, stell dich nicht so an. Und da sind wir wieder bei dem Bild mit dem gebrochenen Arm. Das würdest du ja niemals sagen zu jemandem, der einen gebrochenen Arm hat, dass du über den Arm streichst und sagst, so ist gut und jetzt geht's wieder.
Das ist eben der Unterschied und das ist das, was mich eben auch so oft wütend macht. Du hast gerade schon gesagt, du hattest eine Freundin, mit der du sprechen konntest. Habt ihr denn sonst in eurem Umfeld erzählt, was da gerade bei euch los ist, dass euer Sohn in der Klinik ist? Nee, auch da Klassiker, Emil wollte schon nicht, dass wir erzählen, dass er wieder da ist und damit hatten wir gar keine Chance mit irgendjemandem drüber zu reden und dann war Covid, jeder war mit sich beschäftigt und der Frage, wo kommt jetzt Klopapier her und Hefe und das erzähle ich nicht am Telefon so nebenbei.
Nee, da hätte schon einer fragen müssen, sag mal, du klingst komisch, was ist denn los? Emil wird insgesamt fünf Wochen, glaube ich, in der Klinik bleiben. Wie ist diese Zeit für euch? Also habt ihr da Kontakt mit ihm halten können einigermaßen? Ja, da war alles dabei von, er wollte nicht mit uns sprechen, bis er hat permanent angerufen.
Irgendwann kriegt man Ausgang sozusagen. Und dann war er mal zu Hause, aber meistens wollte er seine Ruhe haben. Und dann bin ich mit ihm hier durch Hessen mit dem Auto gefahren. Und nach fünf Wochen ist es dann vorbei, er wird Mitte Mai entlassen. Das kommt mir persönlich relativ kurz vor fünf Wochen bei so einer schwerwiegenden Erkrankung.
Warum entscheiden sich die Ärztinnen und Ärzte dafür, ihn nach fünf Wochen wieder rauszulassen? Weil er gesagt hat, mir geht's gut. Der hat relativ schnell gemerkt, wie das funktioniert. Ein kluges Kind, der hatte sich damit befasst. Er hatte da dann auch eine Gruppe von Menschen um sich rum, wo er glaube ich zum ersten Mal gesehen hat, wo er ist gar nicht alleine mit seinen Besonderheiten.
Und die wurden dann nach und nach entlassen oder 18 oder auf eine andere Station. Und dann kamen neue und da hatte er keine Lust und Kraft mehr, sich darauf einzulassen. Und dann hat er irgendwann, er wusste ja, was er machen musste. Man sieht es ja nicht auf der Stirn. Ich sehe ja nicht, hast du jetzt suizidale Gedanken oder nicht?
Und die Wochen in der Klinik habe ich mir immer gedacht, wir müssen uns jetzt ausruhen. Wer weiß, was danach kommt. Ging aber nicht, weil natürlich, ratter, ratter, ratter. Wir haben versucht, für die anderen Kinder da zu sein. und als er dann nach Hause kam, das ging dann sehr schnell, dann hieß es, freitags, Montags kommt er wieder nach Hause und dann standen wir da ohne weitere Therapeuten, weil finde mal jemanden, es ist sowieso jemanden schwierig zu finden, aber je schwerer die Erkrankung, desto schwerer wird es jemanden zu finden und mit einem Kind, was gerade aus der Klinik kommt, Autismus hat und Suizidalität, da hat keiner Zeit für und dann kam eben der Moment, plötzlich sagte er, mir geht es besser, also fing an, Zukunftspläne zu machen, uns zu erzählen,
er will nicht nach Japan zurück, wir sollen ihn hier wieder anmelden für die reguläre Schule, wir sollen uns um die Unterlagen kümmern für sein. Was er braucht, was er wissen muss, damit er dann da einsteigen kann in die Leistungskurse, die er dann nach den Sommerferien gemacht hätte. Und wir haben gedacht, okay, das war's jetzt.
Ja, wie bei Fieber. Fieber ist gesunken, ist vorbei, alles gut. Das heißt, ihr glaubt das, was die Ärzte zu dem Zeitpunkt auch glauben, er ist nicht mehr suizidal, er hat es überwunden, jetzt wird alles gut. Ja, das sollten wir ja auch glauben. Und er hat alles dafür getan, dass wir das glauben, weil das hatte er gelernt in der Klinik.
Ich habe ihn irgendwann mal gefragt, warum hast du mich überhaupt informiert? Typisch Autismus, dem fehlte dieses, er kam gar nicht auf den Gedanken, dass das bei mir was auslösen kann. So, und das hat er ja nun gelernt. Also das war klar, dass er das, also mir war es nicht klar, aber für ihn war klar, er wird das natürlich niemandem vorher sagen.
Also er hat ganz sichergestellt, dass es keiner weiß. Also er hat niemandem von diesem Plan erzählt. Also er erkannt sozusagen, dass er da beim ersten Mal einen Fehler in Anführungsstrichen gemacht hat, weil er es euch gesagt hat und hat die Konsequenzen gesehen und wollte diesen Fehler kein zweites Mal machen. Genau.
Wie war denn deine Gefühlslage zu dem Zeitpunkt jetzt, wenn er dir sagt, ich möchte wieder zurück an die Schule, ich erkundige mich nach Leistungskursen, ich will den Stoff nachholen. Hat dich das optimistisch gestimmt? Hat dir das Mut gemacht? Ja, also ich weiß noch, dass ich dieser einen Freundin eben gesagt habe, Licht am Ende des Tunnels, es wird wieder...
Also mein Mann sagt, er hätte immer das Gefühl gehabt, das kann auch schief gehen. Ich hatte das nie. Lass uns mal über den Tag sprechen, auch wenn dir das wahrscheinlich sehr, sehr schwer fällt und mir auch, weil ich irgendwie mit dir mitleide, so ein bisschen. Ihr plant, wenn das alles mal vorbei ist, euch gemeinsam ein Jazzkonzert anzugucken, also positiver Blick in die Zukunft.
Und kurz nach diesem Gespräch fahren dein Mann und du und die restlichen Kinder über Nacht weg, weil ihr einen Termin habt, um euch einen Welpen auszusuchen. Und Emil kommt nicht mit. Warum? Also er war nicht so scharf auf den Hund. Er hätte lieber eine Katze gehabt. Ich habe ihn auf Katzen hochgradig allergisch. Das ging nicht.
So richtig eine Begründung hat er uns nie gegeben. Aber der wäre nie Zug gefahren. Und das wäre irgendwie, warum einen Tag hin und zurück im Zug? Das war aber so ein Verhalten, jedes Kind darf sein, wie es ist. Er hat gesagt, nee, will ich nicht. Und dann haben wir gesagt, na ja, mit Telefon, Video, dann bist du halt so dabei, das passt schon.
Hattest du ein schlechtes Gefühl dabei mit der Vorgeschichte, die er hat? Nee, weil er war ja, der Tunnel war mir ja in, das Kind war doch nicht doof. Der hat mir doch natürlich das Gefühl gegeben, alles gut. Er hat bei einem Freund übernachtet, das hat er öfter getan. Und wir haben in der Nacht noch telefoniert.
Er hat mir auch gesagt, ich habe ihn bestimmte Dinge gefragt und er hat gesagt, ja, ja, alles brauchen wir so nicht, damit ich ja nicht auf die Idee komme, dass es irgendwie anders sein könnte. Das heißt, ihr übernachtet dann woanders? Nee, wir waren zu Hause, er hat woanders übernachtet und wir sind morgens ganz früh weg.
Aber er hatte für sich, für ihn war klar, es sind 24 Stunden, er ist abends aus dem Haus, wir sind morgens ganz früh weg und er wusste, wir sind nicht vor späten, also frühen Abend, 24 Stunden später Und er wusste, er hat damit genug Zeit. Und du hast ihm dann eine Nachricht geschrieben. Was schreibst du ihm?
Ich habe die natürlich noch. Mir haben sie geschrieben, ist alles okay. Sind auf dem Weg. Und die Nachricht kriegt seine zwei Haken mehr. Ich habe dich nie angekommen. Und wann kommt dann bei dir das erste Mal so der Gedanke, dass da was Schlimmes passiert sein könnte? Unruhig werde ich schon mit den zwei Haken. Ich weiß auch, das ist einer der Brüder, da habe ich gesagt, probier du es bitte.
Und da kam auch nichts. Aber dann war eben diese Freude mit den Welpen und das war einfach ein toller Tag. Acht Ritschbeck-Welpen, die da, für die Kinder ist ein Traum in Erfüllung gegangen, für mich auch. Die Rückfahrt, die ist schon unangenehm, die hätte schneller gehen können. Ich weiß, ich mache die Tür auf und die Schuhe sind nicht da.
Ja, weil Emil hat immer seine Schuhe ausgezogen. Und ich wusste genau, wo die stehen müssen. Und die war nicht da. Und da dachte ich, okay. Dann haben wir das gemacht, was dann im Tatort passiert. Wir haben bei der Polizei angerufen, die sagen, ab wann sucht man, sie haben gefragt, wie alt ist die Person, die wir vermissen, unter 18.
Dann dürfen Eltern entscheiden, ab wann man sucht. Dann haben wir wieder aufgelegt und haben gedacht, naja, vielleicht kommt er doch noch. Man will es ja auch nicht wahrhaben. Und dann wurde es dunkel und dann haben wir wieder bei der Polizei angerufen und haben gesagt, dann kommen die und während die auf dem Weg fahren, haben wir dann den Abschiedsbrief gefunden und.
Das war für mich eigentlich klar. Die Polizei sucht, die haben dann Adressen gefragt von den Freunden, waren dann bei den Freunden und haben dann das Handy geortet. Handyordnung funktioniert nicht so gut wie im Tatort, vor allem wenn man technisch begabt ist, was Emil war. Der hat seine Suchfunktion ausgeschaltet, also wir haben den nicht gefunden.
Und haben dann eine Woche lang gesucht und haben eben in dieser Woche, das war die schönste und schrecklichste Woche in allem, also dieses Gefühl, man sich starrt, also wir haben auf dem Küchentisch auf die Haustür gestarrt und es war klar, entweder kommt Emil oder es kommt die Polizei. Und dann haben wir angefangen, uns zu öffnen. Dann haben wir gesagt, haben wir Freunden gesagt, uns ist die Katastrophe groß, wir brauchen Hilfe und das ist dann das Irre, was passiert ist.
Dann kommen alle. Und mehr. Und haben uns geholfen. Und das war, das hält einen, er hat uns dann in der Woche bei Verstand gehalten. Suchplakate, unsere Freunde haben die überall gedruckt. Das war unglaublich, wen die dann wiederum bewegt haben. Wir hatten überhaupt kein, wir haben dann gar nichts mehr tun müssen, aber das nahm eine Welle, dass mir dann Freunde gesagt haben, sie hätten das in Düsseldorf oder in München aufhängen wollen und da hingen schon welche, weil andere das schon gemacht haben.
Also da die Solidarität und jeden, der den Mut hatte, uns zu schreiben und zu sagen, können wir helfen? Danke, danke, danke. Und allen, die das jetzt hören und die irgendwie sowas mal erleben, macht genau das, geht hin und fragt, was braucht ihr? Und wenn dann keine Antwort kommt, dann ist es wegen Überforderung.
Aber es ist, das kommt an, dass da irgendjemand da ist. Wir haben dann eben eine Woche lang gesucht. Polizei war großartig. Ich kann nur sagen, wir hatten eine sensationelle Unterstützung. Und nach einer Woche dann, Wurde an einer ganz anderen Stelle gefunden. Und dann kommen die, wie im Film zu zweit klingeln, eine großartige Frau, die uns die Nachricht überbracht hat, sehr klar, sehr nicht drumrum.
Und wir haben dann unser Umfeld informiert und haben gesagt, ihr müsst nicht weitersuchen, er ist gefunden und haben gleich geschrieben, er hat sich das Leben genommen. Und dann ist mit der Grund, warum du mich finden konntest und warum ich jetzt hier sitze, wie bei Harry Potter, Gleis 9,75. Man geht da durch irgendwas durch und kommt in einer neuen Welt und die ist so ganz anders.
Und da sind plötzlich lauter Menschen, die sich auskennen mit dem Thema. Die gleichen Menschen, die auf der anderen Seite waren, die wir schon kannten, die plötzlich sagten, ich habe einen Bruder verloren durch Suizid. Ich selber war psychisch erkrankt. Das nimmt gar kein Ende. Es ist wie wenn, also mein Mann sagt immer, er ist ein Wunderland.
Und plötzlich ist, es ist wirklich alles anders von, es waren alle gesund zu gefühlt, alle sind psychisch krank, was ja auch stimmt, 18 Millionen Erwachsene sind im Moment in diesem Moment psychisch erkrankt. Das ist quasi jeder Dritte. Es kann jeden erwischen. 2,6 Millionen Kinder sind es ungefähr. Und diese Kinder, das weiß man auch, 50 Prozent der Erwachsenen waren als Kinder schon erkrankt. Ja, also ich weiß das jetzt alles. Vor fünf Jahren wusste ich das nicht.
Und wem immer ich begegne, ich arbeite immer mit den gleichen Zahlen. In 99 Prozent der Fälle sagen die Leute, wie? Und Volkskrankheit, psychische Erkrankung, das wusste ich ja gar nicht. Wie, 50 Prozent der Erkrankungen schon im Kindesalter. Das wusste ich ja nicht. Warum tun wir denn nichts? Das ist ja eine gute Frage.
Also das ist das, was du meinst mit die schlimmste und die gleichzeitig tollste Phase. Nochmal kurz auf den schlimmen Teil der Phase. Es klang jetzt gerade für mich so, als war für dich völlig klar, er hat sich das Leben genommen. Gar kein Zweifel. Trotzdem diese Suche und dieses in die Aktion gehen.
Naja, du musst ja beerdigen. Ja. Also diese Eltern, die vermisste Fälle haben und nicht wissen, was daraus geworden ist, ich kann mir so einen kleinen Anteil vorstellen, wie schrecklich das ist. Boah, du hast ja kein Ende. Und dieses an einem Grab stehen gemeinsam, so schlimm das ist. Aber Abschied nehmen zu können und zu wissen, okay, das ist es, das ist immens wichtig, also nicht nur für uns, aber wir haben ja auch noch Verantwortung für die Kinder.
Ja klar, das ist ja eine ganze Familie, um die es da geht. Du hast jetzt über die Menschen gesprochen, die sofort bei euch waren, die an eurer Seite waren. Und du hast es mal so beschrieben, dass ihr Leute um euch hattet, die eben nicht gesagt haben, melde dich, wenn du was brauchst, was man ja immer gerne macht, weil man selber nicht weiß, wie man damit umgehen soll.
Sondern wirklich Leute, die gesagt haben, passt es dir morgen um 12 oder um 13 Uhr besser. Oder vielleicht nochmal für alle, die in ihrem Leben irgendwie so eine Situation haben, wo sie anderen Menschen beistehen wollen. Warum macht das so einen großen Unterschied? Also manche Menschen beschreiben Depressionen schon so, das ist wie eine schwere Decke, die man nicht heben kann.
Trauer ist eine schwere Decke plus Nebel. Also es geht mir heute noch manchmal so, dass ich gar nicht weiß, was tut mir jetzt gut. Das bindet alles an Gedanken, an Kraft. Und wenn dann jemand kommt und das hält den Menschen, glaube ich, auch noch leichter mit der Lasagne und dem Kuchen, das war aber Gold wert, weil unsere Kinder wären verhungert und wir wahrscheinlich auch, weil das war so das Letzte.
Wenn dann Leute kommen, wir nehmen eure Kinder und machen einen Spaziergang mit denen, irgendwie versuchen... Da zu sein, das ist, man kann, also wir konnten es nicht selber und das ist super hilfreich. Und aber dann auch zu fragen, also zum einen passt es und Leute sind auch gekommen einfach so und wenn dann halt wir mal nicht aufgemacht haben, waren sie nicht beleidigt, sondern sind irgendwann wiedergekommen.
Was spannend ist und was ich auch immer mitgebe, weil ich es einfach nicht nur bei uns, sondern bei anderen auch höre, das hört nach einer gewissen Phase auf. Für mich sind es die magischen vier Monate. Und dann wird irgendwie erwartet so, jetzt ist es aber mal gut. Und dann sagt man so nach einem Jahr, ich hatte meinen Vater zwei Jahre davor verloren und das stimmte, nach einem Jahr, dann war alles durch.
Sein Geburtstag, meinen Geburtstag, Weihnachten. Das ist immer noch traurig, aber es war wieder gut. Aber es ist natürlich bei einem Kind und da ist egal, ob Suizid oder Unfall oder was auch immer, das ist bei einem Kind natürlich schon nochmal anders. Und Suizid ist dann noch ein drittes. Also das macht schon, glaube ich, in der Trauer, aber auch in dem Umgang damit einen Unterschied für andere.
Wahrscheinlich ist es euch schon aufgefallen, dass Alex und ich in dieser Folge immer von Suizid sprechen und keine vermeintlichen Synonyme wie Selbstmord oder Freitod benutzen. Und das hat einen ganz bestimmten Grund. Wenn wir von Selbstmord sprechen, dann stellen wir damit einen Bezug zu einem kriminellen Akt her, also zu Mord.
Betroffene sind aber keine Verbrecher und werden durch so eine Wortwahl unnötig kriminalisiert. Das Wort Freitod lässt den Schluss zu, dass Personen, die sich das Leben nehmen, das aus freiem Willen tun. Stimmt aber nicht. Die allermeisten Menschen, die Suizid begehen, sind psychisch krank. Sie treffen keine freie, rationale Entscheidung.
Die Forschung zeigt, dass sie meistens eine verengte Sicht auf sich selbst, ihr Leben und ihre Umwelt haben. Ein emotionaler Tunnelblick. Die meisten Menschen, die ihr Leben selbst beenden, wollen eigentlich gar nicht sterben. Sie wollen nicht unbedingt ihr Leben, aber ihr Leiden beenden und sind in einer so starken Krise, dass sie keinen anderen Ausweg mehr erkennen, als sich das Leben zu nehmen.
Ich habe selbst die Erfahrung gemacht, also jemanden aus meiner Familie an Suizid verloren, wo ich aber selber noch relativ jung war, also ich kann mich nicht mehr so an die Einzelheiten erinnern, aber ich weiß, dass es die Familie fast zerrissen hat, weil man sich auch Vorwürfe macht, viele Fragen stellt, was würdest du sagen, was hat das mit euch als Familie gemacht in der Anfangszeit?
Also ich kann nur sagen, dass mein Mann und mich, also wir kennen viele Ehen, die sowas sprengt. Also ich kann das auch total verstehen, warum. Wir haben es geschafft und uns hat das noch mehr zusammengeschweißt, aber auch, weil wir eben gemeinsam das Bedürfnis haben, das zu ändern und gemeinsam jetzt was bewegen wollen, damit es anderen Familien nicht so geht.
Das hat ganz viel damit zu tun, dass jeder anders trauert, dass das Umfeld nicht weiß, wie man richtig zu trauern hat. Und dann darf man fröhlich sein, darf man lachen, musst du die ganze Zeit in Schwarz rumlaufen. Also lauter so Kleinkram. Wir haben in der Woche, in der wir Emil gesucht haben, wurde unsere Torte, unsere Tochter Geburtstag. Wir haben diesen Kindergeburtstag gefeiert.
Die hatte sich ein Jahr auf diesen Geburtstag gefreut. Natürlich haben wir die Kinder kommen lassen. Natürlich haben wir das Programm wie geplant abgespult. War das von außen gesehen, die haben bei uns im Garten übernachtet noch umdrauf. War das richtig, aus unserer Sicht natürlich alternativlos. Aber von außen, ich glaube, die haben alle gedacht, wir spinnen.
Wir haben keine Sprache für den Umgang, weil wir es alle verdrängen, wie wir alle psychische Erkrankungen verdrängen. Für mich ist das sehr ähnlich. Und deswegen, wir müssen da einfach ins Gespräch drüber kommen. Ihr seid dann sozusagen in die Aktion gegangen, habt ganz viel gemacht. Aber bei mir in der Familie war es so, dass trotzdem in diesen leisen Momenten sich dieser fiese Gedanke da reinschleicht, hättest du es verhindern können.
Hattest du den auch mal? Oder hast du das geschafft, dann Umgang mitzufinden? Naja, also Emil hat das ja nicht gemacht, um uns zu ärgern. Emil hat gelitten. Emil ging es nicht gut. Und, Diesen Leidensdruck und dass er einen Weg gefunden hat, damit umzugehen. Das haben uns am Anfang ganz früh Leute gesagt, ihr müsst es respektieren und akzeptieren.
Und das geht mal besser, mal schlechter. Aber ich kann verstehen, dass wenn der Tunnel einfach so lang erscheint und so dunkel, dass du dann, auch wenn du eben diese Gedankengänge eines, jemand aus dem Autismus-Spektrum hast, dass du dann einfach sagst, da gibt es keine Alternative, es ist klar, wie meine Entscheidung sein muss.
Also mir tut es leid für ihn, dass wir das Leid nicht vorher gesehen haben, dass wir nicht vorher gesehen haben und ihm dann eben das, was man machen kann, Skills beibringen, wie man mit so einer Erkrankung leben kann. Das tut mir entsetzlich leid und mir tut es entsetzlich leid für die Geschwister. Aber ich akzeptiere es. Ich finde das einen sehr bewundernswerten Umgang damit.
Du siehst dich wahrscheinlich selber nicht so, aber ich glaube, dass du für viele Menschen ein Vorbild bist mit dem, auch mit der Arbeit, über die wir jetzt sprechen, aber auch mit dem Umgang damit, weil diese Selbstvorwürfe zerreißen dich ja, die zerreißen dich, sie zerfressen dich von innen, und ihr habt ja dann auch eine große Offenheit gesucht, habt da irgendwie bei WhatsApp alle angeschrieben, habt euch bedankt für die Hilfe, habt auch ganz klar benannt, dass es ein Suizid war und habt das nicht so verklausuliert, wie manche das vielleicht machen und dann kommen diese Menschen auf euch zu und sagen, hey.
Mir ist sowas auch schon mal passiert. Ich habe auch psychische Erkrankungen. Für dich als jemand, der damit gar keine Berührungspunkte vorher hatte, das war wahrscheinlich ein absoluter Aha-Moment, oder? Naja, es war eben plötzlich so klar, das Problem ist viel größer als das. Also im Prinzip hat uns das dann ins Tun gebracht und uns wahrscheinlich irgendwie auch, was ja dann schon passiert, du denkst, du bist der Einzige und wie kann man nur so ignorant sein und wie kann das nur passieren?
Und die Frage haben wir uns übrigens nie gestellt, warum wir, sondern was ich von dann höre, auf die Frage sind wir tatsächlich nie gekommen. Und dann haben wir gedacht, okay, und dann haben wir angefangen, Dinge zu lernen, dass eben 50 Prozent dieser Erkrankungen bereits auftreten, das erste Mal, wenn Menschen im Kindesalter sind.
Und dann haben wir gedacht, ist das doch ein Ansatz, wenn eben das Umfeld besser informiert ist als wir und früher gucken kann, dann kann das doch vielleicht einen Unterschied machen. Dann haben wir uns gefragt, wer ist das Umfeld, Eltern, Lehrer, Sportverein und dann haben wir angefangen rumzufragen, ob Emil einfach nur Pech gehabt hat mit uns als Eltern oder ob denn andere Eltern, ob die mehr wissen und dann haben wir rumgefragt in Lehrern, wir haben dann 600 Lehrer digital befragt, wie sieht es denn bei euch aus, wie viel wisst ihr, fühlt ihr euch befähigt, seht ihr Anzeichen und dann haben wir eben nochmal gefragt, kann man Anzeichen wirklich erkennen, das haben wir dann die Wissenschaft gefragt, kann man Anzeichen erkennen?
Auch als Laie und worauf muss man achten. Und dann haben wir gesagt, ja, man kann Anzeichen erkennen, man muss nur geschult sein und dann muss man diese neue Sprache, die kann man beibringen. Naja, und dann kam sozusagen, fuhr der nächste Zug los, wo wir gesagt haben, dass wir wollen, wir wollen da einen Unterschied machen.
Wir wollen, wir haben erst geguckt, gibt es sowas schon, um dass wir das dann eben mit unserem Know-how und zu unterstützen und das gab es nicht. Und dann haben wir nach zwei Jahren gesagt, wir ändern das, wir machen das jetzt. Und danach sind einfach auch bestimmte Dinge nicht mehr so wichtig. Und es ist für uns jetzt wichtig, anderen Familien das, was wir erlebt haben, zu ersparen. Und zwar nicht nur den Suizid.
Der Suizid ist die alleroberste Spitze des Eisberges, sondern diesen riesen, riesen, riesen, riesen Eisberg mit Depressionen, mit Angststörungen, mit Essstörungen, mit Sucht. Und das Frankfurter Bahnhofsviertel, also bis zu 90 Prozent der Menschen, die da sind, die sind nicht da, weil sie in die Sucht geraten sind, sondern weil sie psychisch krank sind.
Diesen Eisberg, dem möchten wir helfen zu zerstören, indem wir das Umfeld schulen, psychische Erkrankungen zu erkennen und eben die Chancen aufzuzeigen, die darin sehen. Weil ein Kind, was psychisch krank ist, das kann nicht lernen, das kann keine sozialen Fähigkeiten entwickeln, das kann nicht besonders viel, weil es ist, der Kopf ist voll, die Farbe ist raus.
Die Farbe ist raus, ist einfach das Bild, da kommen wir irgendwie immer wieder drauf zurück, weil es so passend ist. Wenn man sich die Zufriedenheit von Menschen im Laufe ihres Lebens anguckt, ist man lange davon ausgegangen, dass die in so einer Art U-Kurve verläuft. Also am Anfang des Lebens ist man glücklich, in der Mitte ist es schwieriger, da kommt ein Tiefpunkt bei vielen, die bekannte Midlife-Crisis und im Alter ist man dann wieder glücklich.
Wenn wir uns aber mal den World Happiness Report anschauen, dann sieht das ganz anders aus. Der Bericht erscheint jedes Jahr und vergleicht die Lebenszufriedenheit in den Ländern der Welt. 2024 wurde die Bevölkerung dabei zum ersten Mal in Altersgruppen eingeteilt. Und in Deutschland zeigen die neuesten Daten, dass Menschen unter 30 tatsächlich die unglücklichsten im ganzen Land sind.
Und das sind jetzt nicht die ersten Hinweise darauf, dass es der Jugend nicht gut geht. Krankenkassen schlagen schon lange Alarm. Sie sagen zum Beispiel, dass sich die Anzahl von Kindern und Jugendlichen in Psychotherapie von 2010 bis 2021 verdoppelt hat. Ein Teil der Erklärung ist sicher auch, dass wir heutzutage genauer hingucken und offener für Therapie sind.
Aber das erklärt nicht das ganze Ausmaß des Anstiegs. Letztes Jahr hat ein Team von 50 renommierten Wissenschaftlern aus der ganzen Welt einen Brandbrief veröffentlicht, indem sie sagen, in den letzten 20 Jahren ist so viel passiert, da läuft richtig was schief bei der mentalen Gesundheit von jungen Menschen und wir müssen jetzt dringend handeln.
Ihr habt 2022 ein gemeinnütziges Start-up gegründet, Tomoni. Was bedeutet Tomoni? Wofür steht das? Tomoni bedeutet zusammen auf Japanisch. Da ist Emil sozusagen drin, aber wir müssen es nicht jedes Mal erwähnen. Und unsere Idee ist schon, es funktioniert nur zusammen. Wir stehen da stellvertretend für diese vielen, vielen hunderten von Geschichten, die ich seitdem gehört habe. Aber es braucht irgendjemand, der was erkennt, eine Veränderung, ein Anzeichen und der dann was in Gang bringt.
Und mal sind es die Eltern selber, weil wir irgendwas sehen, uns was auffällt. Mal ist es vielleicht ein Freund, der mutig genug ist zu sagen oder eine Freundin. Mal ist es eine Lehrkraft. Und deswegen, unser Spruch ist, es braucht das ganze Dorf, weil es eben einfach jeden, einen Beitrag von jedem braucht, um einen Unterschied zu machen.
Und das Spannende ist, der Beitrag ist gar nicht so groß. Das klingt immer so, Gott, was müssen wir dann alles tun? Nee, manchmal ist es wirklich nicht mehr als die Frage, wie geht es dir heute? Und dann zuzuhören und dann zu sagen, das klingt aber gerade gar nicht gut, wollen wir mal gucken, ob es jemanden gibt, der dir dabei helfen kann.
Es geht nicht darum, die Menschheit zu Psychotherapeuten oder Psychiatern, also zu Diagnostikern oder helfenden Händen zu machen, sondern einfach nur zu gucken, gibt es irgendwas, wo ich dir helfen kann und wenn nicht ich, dann jemand, der das gelernt hat. Ja, das ist interessant, weil da kommt jetzt wieder die Verknüpfung zu Verbrechen von nebenan, weil ich das im Podcast ja auch oft sage, ganz viele Verbrechen können einfach verhindert werden, wenn wir nur ein Stückchen genauer aufeinander achtgeben würden und gucken würden, wo sind vielleicht diese Warnsignale.
Wenn ich mich jetzt für euer Angebot interessiere, wie komme ich am besten auf euch zu? Weil das ist ja auch verschiedene Leute zugeschnitten als Lehrer zum Beispiel. Was kann ich machen, wenn ich einen Schüler habe, bei dem ich in der Klasse das Gefühl habe, Da sind die Farben raus in seinem Leben. Du wirst statistisch nicht nur einen haben, sondern du wirst vier haben, die in einer Klasse sitzen.
Wenn du als Lehrkraft, oder wir nennen sie an Schule Tätige, weil wer sieht noch was? Die Schulsekretärin, die sieht, dass ein Kind jeden Morgen zu spät kommt oder dass es immer wieder kommt mit Bauchweh. Also für alle, die an Schule Tätige sind, haben wir digitale Fortbildungen. Das heißt, egal wo du sitzt, ob du in der Deutschland-Ausstands-Schule in Thailand oder in Bayern oder in Norddeutschland bist, Dann haben wir Seminare, die sind 90 Minuten lang.
Es gibt acht verschiedene, wo du einfach lernst, was sind psychische Erkrankungen, was ist meine Rolle als jemand von außen, was kann ich tun, wie kann ich so ein Gespräch führen, wie kann ich auch die Eltern mit ins Boot holen. Und dann so Themen wie, wir teilen das auf zwischen Grundschulen und weiterführenden Schulen, weil die Themen unterschiedlich sind.
In Grundschulen gibt es Angststörung, Depression, ADHS und Autismus zeigt sich da. Wir besprechen aber auch Lese- und Rechtschreibschwächen, Dyskalkulie, also wenn man in Mathematik sich schwer tut, Störung des Sozialverhaltens, was eine Erkrankung ist, weiß kein Mensch. Für Menschen an weiterführenden Schulen sind es mehr Themen wie Sucht.
Sprechen wir in 90 Minuten immer wieder Überraschungen dabei. Auch da, Angststörung und Depressionen zeigt sich anders als bei jüngeren Kindern. Selbstverletzendes Verhalten, großes Thema für Außenstehende sichtbar. Aber auch über Suizidalität, genau das, was wir jetzt besprochen haben. Welche Fragen stelle ich da?
Und wir machen das immer so, dass wir den Menschen Daten und Fakten geben. dann aber. Informationen, wie fühlt es sich an, wenn ich eine Essstörung habe, was ist in meinem Kopf da los, was kann ich sehen, aber dann auch, wie kann ich helfen und üben das dann in Rollenspielen, weil diese Frage einmal gestellt zu haben, in so ein Gespräch zu kommen, auch wie gehe ich mit Ablehnung, wenn jemand nicht sofort reagiert.
Wir hören, es funktioniert, die Menschen kommen gerne zu uns, sie nehmen gerne an den Fortbildungen teil. Anmelden kann man sich über unsere Seite tomonimentalhealth.org. Das Ganze wird wissenschaftlich begleitet und gerade evaluiert. Also wir versuchen da was richtig Gutes aufzubauen, um allen, die mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben, eine Sprache zu geben und ein Auge zu geben für das, was sie da sehen.
Das ist sozusagen die erste Gruppe. Also der erste Teil des Dorfes sind die Schulen, der zweite Teil, den wir jetzt gerade, den wir seit Juni in Form von Webinaren irgendwie versuchen, was mitzugeben, ist für Eltern, das nennen wir Tony Parents. Das wäre jetzt meine Frage gewesen, genau, weil die sind ja auch oft betroffen und wissen nicht weiter.
Genau, um denen vor allen Dingen auch zu zeigen, ihr seid nicht alleine, es sind ganz viele betroffen und was Handwerkzeug an die Hand zu geben, ab wann muss ich mir Sorgen machen, das Hilfesystem vorzustellen, psychische Erkrankungen wirklich so im Schnelldurchlauf, damit sie einfach schon mal gehört haben, das gibt's, es kann jeden betreffen, wie viel betrifft es, worauf muss ich achten.
Und gerade erst live gegangen, unser Podcast für Jugendliche, aber ein bisschen anders. Er nennt sich Es braucht das ganze Dorf, wo Jugendliche, immer ein Jugendlicher, ein Jugendlicher mit einem Experten der Wissenschaft im Gespräch sind. Ihr macht das jetzt beide, wenn ich das richtig gelesen habe, hauptberuflich.
Also auch dein Mann hat seinen Job drangegeben und sich da voll reingestürzt. Es gibt ein Davor und Danach. Und viele Dinge, die davor noch wichtig waren, ich kann total respektieren, dass es das für andere noch ist. Aber das ist, und ich glaube, es ist egal, was einem passiert, aber wenn so ein einschneidendes Erlebnis kommt, ist es schwer, normal weiterzumachen.
Und wir haben halt das Gefühl, es braucht hier gerade ... Und wir brauchen alle da gerade Unterstützung. Wir hätten die auch gebraucht vor fünf Jahren und wir möchten die gerne anderen geben. Euer Unternehmen ist ja nicht das Einzige, was nach und durch Emils Tod entstanden ist. Es gibt auch ein Buch, das heißt Alle Farben Grau.
Und es wird inzwischen, also das ist jetzt keine Biografie, aber es orientiert sich an Emils Geschichte. Dieses Buch wird inzwischen in vielen Schulen im Unterricht gelesen und liegt zum Beispiel auch aus in psychiatrischen Kliniken. Was bedeutet das für dich? Also A, verdienen wir an diesem Buch nichts und die Aufgabe dieses Buches ist es Leben zu retten und das hat es schon getan, weil wir wissen von Jugendlichen, die es gelesen haben und die wissen, okay, wir wollen, wir wollen anders, wir wollen, dass es anders endet als bei dem Jungen in dem Buch und die uns das geschrieben haben.
Und wir wollen Gesprächsanlässe schaffen, so wie dieser Podcast, das ist ein Gesprächsanlass, drüber zu sprechen, hey, ich habe das gehört, ich mache mir Gedanken, wie sieht es denn bei dir aus? Oder wollen wir uns mal mit dem Thema beschäftigen? Wir haben das nicht gehabt, es gab keinen Anlass, über solche Themen zu sprechen.
Und ich glaube, wir brauchen diese Anlässe. Es ist besprechbarer, aber es ist immer noch so, dass wir Menschen, wir fragen nach den Webinaren oder Seminaren immer, wie hat es euch gefallen und würdet ihr es weiterempfehlen? Und mir hat jetzt sein Vater gerade wieder geschrieben, total toll, hat mir total geholfen, aber ich kann euch beim weiterempfehlen leider nur eine schlechte Note geben, ich werde es nicht weiterempfehlen, weil ich nicht möchte, dass irgendjemand denkt, dass es einem meiner Kinder schlecht gehen könnte.
So, und ich glaube, solange mir auch nur irgendeiner so denkt. Braucht es Gesprächsanlässe und dafür dient das Buch. Und wir haben eine Anekdote noch, eine Lehrerin hat uns geschrieben, eine Deutschlehrerin, sie hat das mit der Klasse gelesen und normalerweise geht sie davon aus, dass maximal fünf Leute das Buch gelesen haben, über das sie dann spricht.
Und sie sagt, wenn fünf Leute das Buch nicht gelesen haben, würde sie es wundern, es hätten alle gelesen. Und sie sagt, die Diskussionen, die hinterher entstanden sind, sind einfach ganz andere. Und sie sagt, sie erlebt die Klasse hinterher auch anders, weil die anders miteinander umgehen. Und wenn das nur mit einer Klasse geschieht, ist gut, es wäre noch schöner, wenn es an mehr Klassen passiert.
Du bist ja jetzt gerade so schnell drüber hinweggegangen, aber ich hatte direkt so absolute Gänsehaut, als du das gesagt hast, ihr habt ja nicht nur mit diesem Buch, sondern wahrscheinlich auch mit dem Unternehmen gesprochen. Effektiv Leben gerettet von Menschen, die nicht gegangen sind. Genau, also Prävention ist ja, da tun sich immer alle so schwer, weil man sieht ja nicht, was man verhindert.
Aber wir haben eben, wie wir und der Autor sagt, also Martin Schäuble ist ein bekannter Jugendbuchautor und es ist im Fischer Verlag erschienen. Jugendliche lesen das Buch und sie lesen, also die können damit was anfangen und die wollen drüber reden. Und ich glaube, wir anderen müssen jetzt einfach eine Sprache dafür finden.
Du hast es gerade schon so ein bisschen gestreift, das Thema, eure Arbeit ist wahnsinnig wichtig, Aber ihr gebt auch sehr viel dafür. Das heißt, du wirst bei deiner Arbeit jeden Tag damit konfrontiert, was euch passiert ist, dass dein Sohn nicht mehr da ist und warum er nicht mehr da ist. Wie geht es dir damit? Weil man könnte ja auch sagen, ich schiebe das Thema komplett weg und beschäftige mich mit was weiß ich, Blumenzucht oder sowas.
Das hast du auch in einem anderen Podcast schon gehört, das geht ja nicht weg ja, ich bleibe da es ist immer da ich finde das Thema so wichtig und am Ende des Tages tut es uns auch, gut und du weißt nie, wann einem die Trauer überreicht ob es jetzt die Schokolade, im Supermarkt ist, die ich immer mal gekauft habe oder irgendein Lied also sie ist sowieso da und was wir uns geschworen haben und ich glaube, das kriegen wir gut hin.
Emil ist halt einer von vieren und er bleibt auch einer von vieren und die anderen, also, unser Leben dreht sich nicht um Emil, unser Leben dreht sich um Zukunft und um eine bessere Zukunft für andere Kinder Wie würdest du sagen sieht eure oder nein, wie sieht deine Trauer heute fünf Jahre nach Emils Tod aus?
Die ist anders geworden habe ich schon rausgehört Ich finde es schwer, weil das Frag mich nach guten Nächten und irgendwie Sonnenschein und irgendwie im positiven Erlebnis ist sie anders als jetzt, wenn wir gerade drüber gesprochen haben. Das erste Jahr ist sie so, wie wenn man ein rohes Fleisch schneidet. Also die ist brutal.
Und dann lernt man, also die gleichen Bilder, die andere auch benutzen. Da wächst dann Fleisch drüber und dann geht es halt mal eine Narbe wieder auf. Aber sie ist genauso da, aber man lernt, also man wächst darüber hinaus. Also nein, wir haben das Glück, dass es uns gelungen ist, um diese Trauer rumzuwachsen.
Das ist ein gutes Bild, ja. Sie bleibt gleich groß, aber ihr drumherum seid gewachsen. Was denkst du, was würde Emil dazu sagen, dass seine Geschichte dazu geführt hat, dass heute Jugendlichen, einigen Jugendlichen besser geholfen werden kann? Tja, spannende Frage. Das ist so eine, die Frage, gibt es ein Leben nach dem Tod, trifft man sich wieder?
Das ist eine der Fragen, die ich ihm, die ich ihm gerne stellen möchte. Ich weiß es nicht. Also ich glaube, ihm würde vor allen Dingen gefallen, dass wir, dass wir das, dass eben dieses Leiden, also dass es eine Chance gibt, dass das weniger ist, dass andere eben genau das nicht mehr haben mussten. Also es wäre meine Vermutung, dass das, er hat schon gelitten drunter.
Ja, und das war nicht lustig. Und ich glaube, er hat das uns immer wieder versucht zu sagen und wir haben es nicht verstanden. Und wenn andere Familien durch das, was wir erzählen, Sachen ernster nehmen, verstehen, versuchen zu verstehen, was versteckt sich hinter den Aussagen, dass das den Unterschied macht. Ich glaube, das fände er gut.
Du hast jetzt praktisch selber schon zu meiner Frage übergeleitet. Wir haben schon so viele Sachen kurz angeschnitten, Fragen, die man stellen kann in so einer Situation, aber wenn es so einen Rat gibt, also kurz gefasst, einen Rat, den du Eltern geben kannst, die in einer ähnlichen Situation seid wie ihr damals, also mit einem Kind, was suizidale Gedanken äußert oder wo man den Verdacht hat, gibt es dann einen Rat, den man geben kann?
Fragen. Ich glaube, also ich kann jetzt die Politiker antworten und mache aus einem Rat irgendwie zehn Minuten. Der Klara fragt, hast du Gedanken, dir das Leben zu nehmen? Und dann zuhören, aushalten und gemeinsam überlegen, was tun wir jetzt? Also das eine ist Fragen und das andere ist Zuhören. Weil was wir machen, ist, wir hören nur halb zu oder geben gleich kluge Ratschläge.
Das ist auch ein wichtiger Punkt. Absolut. Also, dass man immer denkt, man will einen Ratschlag geben und sagt, hier, mach doch das und das und dann geht's weg. Aber es ist nicht so. Es ist manchmal einfach schön zuzuhören und es ist, glaube ich, für die Angehörigen auch schwierig, sich das anzuhören. Das zieht einen ja selber auch mit runter.
Man will sich ja nicht immer mit sowas beschäftigen. Man macht sich Sorgen, man will alles richtig machen und deswegen ist es, glaube ich, ja, das ist sehr gut auf den Punkt gebracht. Fragen und Zuhören und Aushalten. Wir sind schon, weil es sich sehr kurz angefühlt hat, am Schluss des Podcasts angekommen.
Wenn du heute auf diesen einen Moment zurückblickst, welches Gefühl löst es bei dir aus? Also zum einen, wir haben es richtig gemacht, also wir hatten keine Alternative, als in die Klinik zu bringen und zum anderen dieses dringende Bedürfnis, also wenn ich mich selber jetzt da vor dieser, man sitzt dann auf so einer Bank vor dieser Station und wenn ich mich da sehe und denke ich, lern, lies, mach dich schlau, versuch zu verstehen, mehr als ich es damals gemacht habe und sprich mit anderen, öffne dich, vergiss Schuld und Scham, öffne dich, erzähl es, weil du wirst feststellen, es sind ganz viele andere auch betroffen.
Und wenn man das alleine versucht zu lösen, das ist wahnsinnig schwierig. Und manchmal hilft es auch den Angehörigen einfach, dass nur einer da sagt, das klingt wahnsinnig anstrengend, ich halte das jetzt mit dir aus. Und also ich kann erstmal mit mir anfangen, es war halt ein sehr emotionales Gespräch, auch für mich, weil das eben viele Themen betrifft, die auch was mit mir zu tun haben.
Aber viel wichtiger die Frage, wie war es für dich heute mit mir über diesen einen Moment zu sprechen? Dieses in die Klinik einliefern, das war jetzt nochmal emotional, aber ich bin froh und ich hoffe einfach, dass Leute zuhören und dass die hinterher einmal bitte ihre Kinder einmal ganz fest umarmen und sagen, ich habe dich lieb und wie geht es dir eigentlich wirklich.
Das wäre schon ein großes Geschenk. Also das ist so ein schöner Schlusssatz, da kann ich jetzt eigentlich gar nichts mehr hinzufügen. Alex, vielen Dank, ich kann mir vorstellen, dass es nicht einfach ist, über sowas zu sprechen, aber es ist so, so, so unglaublich wichtig. Also danke für deine und eure Arbeit und auch für deinen Mut. Danke für eure Zeit.
Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich musste diese Folge und dieses Interview auch erstmal sacken lassen. Ich bin aber auf der anderen Seite, Alex, so, so dankbar, dass sie die Arbeit macht, die sie macht und dass sie so unverblümt, so ehrlich auch darüber redet, was sie als Mutter damals falsch gemacht hat, weil sie es aber auch nicht besser wusste.
Das muss alles andere als leicht sein, aber vielleicht besteht eben die Chance, dass durch das Erzählen von E-Mails Geschichte andere Eltern, Freunde, Lehrerinnen und Lehrer aufmerksamer mit jungen Menschen umgehen. Was mir total im Kopf geblieben ist, ist einfach die Tatsache, dass 50% aller psychischen Erkrankungen, die Erwachsene haben, schon vor dem 15.
Lebensjahr beginnen. Es ist also eigentlich ja ein No-Brainer, dass Menschen, die mit jungen Leuten zu tun haben, Bescheid wissen müssen, um Anzeichen zu erkennen und helfen zu können. Ganz egal, ob Kinder, Jugendliche oder Erwachsene, bei denen ihr das Gefühl habt, ihr oder ihm geht es gerade überhaupt nicht.
Einen Wunsch äußern kann, dann nehmt doch mal bitte diese Podcast-Folge zum Anlass nachzufragen. Nachzufragen, wie es der Person geht, euch zu informieren, weil das kann eben diesen kleinen, feinen Unterschied machen. Und wenn ihr euch dafür interessiert, findet ihr in den Shownotes außerdem mehr zu Tomoni Mental Health.
In zwei Wochen spreche ich mit Melli. Melli ist Ende 20, hat in ihrem Leben aber schon so viel erlebt, dass es eigentlich für vier oder fünf Leben reichen würde. Ich werde mit Melli darüber sprechen, wie die Alkoholkrankheit ihrer Mutter sich langsam in ihr Leben geschlichen hat und welche weitreichenden Konsequenzen das bis heute für sie hat.
Und das ist wirklich, ich habe schon einiges gehört, eine echt krasse Lebensgeschichte. Also, wir hören uns in zwei Wochen wieder bei dieser eine Moment. Danke bis hierhin für euer Feedback, für eure Nachrichten und für eure Bewertungen auf allen Podcastkanälen. Wenn ihr keine Folge verpassen wollt, dann abonniert diesen Podcast. Wir hören uns. Tschüss.
Dieser eine Moment. Der Podcast mit Philipp Fleiter ist eine Produktion von Philipp Fleiter und WeMind im Auftrag von Podimo. Redaktion Philipp Fleiter.