Digitale Anomalien· Folge 154

#136: Flugzeuge aus- und wieder einschalten

Sonntag, 4. Oktober 2026 · 26 min

MP3

Shownotes

Im Frühjahr 2015 entdeckte Boeing im Labor einen Fehler in der Boeing 787: Nach 248 Tagen Dauerbetrieb lief in den Steuergeräten der Generatoren ein Zähler über und die gesamte Wechselstromversorgung fiel aus. Die US-Luftfahrtbehörde FAA reagierte darauf mit einer verbindlichen Vorschrift. Demnach muss der Dreamliner spätestens alle 120 Tage komplett stromlos geschaltet werden. Zwei Jahre später traf es den Airbus A350, diesmal lag die Grenze bei 149 Stunden. Das mag kurios klingen, ist aber sicher.

Diese Folge erklärt, warum Software überhaupt Neustarts benötigt: Es werden Zählerüberläufe wie der berühmte 49,7-Tage-Bug von Windows 95, Speicherlecks und aus dem Ruder laufende Caches thematisiert. Vom Bluescreen bei Bill Gates‘ Windows-98-Präsentation auf der COMDEX 1998 über Rolling Restarts im Serverbetrieb bis hin zur Frage, wie die Luftfahrt mit bekannten Fehlern umgeht, wird alles thematisiert. Dabei spielen Lufttüchtigkeitsanweisungen, feste Fristen und eine Checkliste eine Rolle, die 1935 nach dem Absturz des Boeing Model 299 zum Standard wurde. Und es wird erläutert, warum ein Update am Flugzeug nicht mit einem Klick auf “Jetzt installieren” vergleichbar ist.

Für diese Folge der Digitalen Anomalien gibt es ein vollständiges Transkript. Dieses Transkript wurde automatisiert erzeugt und nicht nachbearbeitet oder korrekturgelesen. Es wird daher sicher Fehler enthalten. Das Transkript ist als Ergänzung zu verstehen, um beispielsweise die Inhalte durchsuchbar zu machen. Im Zweifel gilt immer das gesprochene Wort aus der Folge.

Shownotes

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Die Umfrage zu den deutschsprachigen Tech-Podcasts vom Engineering Kiosk (engineeringkiosk.dev/survey)

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Airbus A350 software bug forces airlines to turn planes off and on every 149 hours (theregister.com/software/2019/07/25/airbus-a35…)

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Richtlinien zur Zertifizierung von Avionik-Software: DO-178C – Wikipedia (de.wikipedia.org/wiki/DO-178C)

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Vorschriften bezüglich der Wahrscheinlichkeit von katastrophalen Fehlern: AC 25.1309-1 - Wikipedia (en.wikipedia.org/wiki/AC_25.1309-1)

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Heisenbugs | Reverse Engineering - Digitale Anomalien (steady.page/de/digitaleanomalien/posts/6a9094b…)

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Single Event Upsets | It’s (not) a bug! - Digitale Anomalien (steady.page/de/digitaleanomalien/posts/5ac0ce7…)

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Integrated Modular Avionics – Wikipedia (de.wikipedia.org/wiki/Integrated_Modular_Avion…)

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Preflight checklist - Wikipedia (en.wikipedia.org/wiki/Preflight_checklist)

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Lufttüchtigkeitsanweisung – Wikipedia (de.wikipedia.org/wiki/Lufttüchtigkeitsanweisung)

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Boeing 787 Neustart nach 120 Tagen | EASA US-2015-09-07 (ad.easa.europa.eu/ad/US-2015-09-07)

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Boeing 787 Neustart nach 120 Tagen | EASA US-2018-20-15 (ad.easa.europa.eu/ad/US-2018-20-15)

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Airbus A350 Neustart nach 149 Stunden | EASA 2017-0129R1 (ad.easa.europa.eu/ad/2017-0129R1)

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Airbus A350 GPS friert nach 149 Stunden ein | 2015-0125 (ad.easa.europa.eu/ad/2015-0125)

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Airbus Rückruf 2025 | EASA 2026-0134 (ad.easa.europa.eu/ad/2026-0134)

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Windows 98 blue screen crash live at COMDEX 1998 - (HD Quality) Bill Gates and Chris Capossela (youtube.com/watch?v=w_aQLBVuZns)

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Windows may crash after 49.7 days - CNET (cnet.com/culture/windows-may-crash-after-49-7-…)

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Q216641 - Computer Hangs After 49.7 Days (web.archive.org/web/20000229131037/https://sup…)

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Neustart (Computer) – Wikipedia (de.wikipedia.org/wiki/Neustart_(Computer))

Erwähnte Folgen

• Digitale Anomalien #13: Fast genau richtig (digitaleanomalien.de/13-fast-genau-richtig)
• Digitale Anomalien #33: Aktiencrash ohne Nebenwirkungen (digitaleanomalien.de/33-aktiencrash-ohne-neben…)
• Digitale Anomalien #124: Computer auf vier Rädern (digitaleanomalien.de/124-computer-auf-vier-rae…)

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Credits

Sprecher & Produktion: Wolfgang Schoch
Musik: BACKPLATE von josephmcdade.com

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Hallo und herzlich willkommen bei Digitale Anomalien. Mein Name ist Wolfgang Schoch und in diesem Podcast erzähle ich Geschichten von Computern und Katastrophen und von allem, was irgendwo dazwischen stattfindet. Hier geht es um die wunderbare Welt der Technik und um all die Geschichten von Fehlern und vom Scheitern.

In der heutigen Folge Nummer 136, da geht es um Neustarts. Man kennt sowas ja vom Smartphone und vom Computer und damit lassen sich oft Probleme lösen. Aber wie sieht es eigentlich in anderen Bereichen aus? Beispielsweise bei Flugzeugen. Bevor die heutige Geschichte losgeht, habe ich noch ein paar Hinweise für euch.

Am 24. Oktober 2026 findet das Community-Treffen in Karlsruhe statt. Und wenn ihr Lust habt, dann meldet euch doch gerne an. Ich würde mich auf jeden Fall freuen, euch zu treffen. Dann möchte ich mich noch bei den neuen Steady-Mitgliedern auf der Ebene Root bedanken, und zwar bei Peter und Holger. Vielen Dank für eure Unterstützung.

Und last but not least gibt es aktuell noch eine Umfrage von den Podcast-Kollegen vom Engineering Kiosk. Die möchten mal anschauen, wie sieht eigentlich die ganze Tech-Podcast-Szene in Deutschland aus. Und wenn ihr Lust habt, da vielleicht auch mal neue Podcasts zu entdecken, dann schaut euch doch die Umfrage an und macht mit.

Den Link dazu, den findet ihr auch in den Shownotes. Und damit kommen wir zur heutigen Geschichte. Was ist der klassische Rat vom IT-Support, wenn der Computer nicht funktioniert? Na klar, ausschalten und wieder einschalten. Und falls ihr damals auch die Serie der IT Crowd gesehen habt, dann kennt ihr den Spruch aus der Serie natürlich auch.

Und da ist natürlich auch was dran. Ich bin in den 1990ern mit Windows groß geworden und da gehörten regelmäßige Neustarts einfach dazu. Entweder, weil Windows das mit so einem Blue Screen erzwungen hat, oder weil das System wahlweise träge und oder instabil wurde und man deswegen selbst Hand anlegen musste.

Und dafür musste man die Hand wahlweise sehr stark verbiegen oder eben zwei Hände nutzen, um die magische Tastenkombination STRG, Alt und Entfernen zu drücken und damit je nach Windows-Version erst den Taskmanager bzw. Diesen Anwendung beenden Dialog zu öffnen und beim zweiten Mal schließlich einen Neustart einzuleiten.

Die Geschichte hinter dieser Tastenkombination, die im deutschen Sprachraum auch als Affengriff oder Klammergriff und im Englischen auch als Three Finger Salute bekannt ist, die ist übrigens auch ganz spannend. Die geht nämlich auf den amerikanischen Ingenieur David J. Bradley zurück, der die Kombination für den ersten IBM PC erfunden hat.

Und die Geschichte dazu, die gibt es als Bonusmaterial im nächsten Newsletter. Also gleich mal unter anomalie.digitaleanomalien.de kostenlos abonnieren, falls du noch nicht dabei bist. Aber es gab damals in den 90ern natürlich auch noch häufige Reboots. Beispielsweise nach der Installation von Treibern oder Updates oder manchmal auch nur nach der Installation von einem Programm war es mal wieder soweit und man musste den Rechner neu starten.

Und solche Situationen, die machten auch vor der großen Bühne nicht halt. Am 20. April 1998 präsentierte Bill Gates auf der Messe Comdex in Chicago das neue Windows 98. Alles live auf der Bühne. Sein Mitarbeiter Chris Caposella steckte damals live einen Scanner ein, um zu zeigen, wie toll Plug & Play jetzt funktioniert.

Plug & Play versprach, dass man neue Hardware einfach nur einstecken musste und sie dann geradezu magisch funktionierte. Heute ist das ein Standard. In den 1990ern musste man unter Windows 3.x aber für jede Hardware noch externe Treiber installieren und hoffen, dass dann alles wie gewünscht funktionierte und dass es keinen Blue Screen gab.

Plug & Play war schon bei Windows 95 dabei, aber damals funktionierte das noch nicht so wirklich zuverlässig. Und als nun auf der Bühne der Scanner eingesteckt wird, gibt es dann direkt auch einen Blue Screen verlaufender Kamera. Bill Gates lacht und sagt, that must be why we are not shipping Windows 98 yet.

Also auf gut Deutsch, deswegen liefern wir Windows 98 wohl doch noch nicht aus. Caposella hat diesen Live-Auftritt damals übrigens gut überstanden. Er wurde später Marketingchef von Microsoft. Und ich verlinke euch das entsprechende Video von dieser Präsentation mal in den Shownotes. Das ist wirklich witzig.

Es gab in Windows 95 und 98 übrigens einen Fehler, bei dem der Neustart unausweichlich war. Und im Jahr 1999 bestätigte Microsoft das auch offiziell. Nach exakt 49,7 Tagen Dauerbetrieb konnte Windows 95 einfach stehen bleiben, also quasi einfrieren. Und interessanterweise waren das tatsächlich 49,7 Tage, nicht 49 und auch nicht 50.

Und die gute Nachricht war aber, kaum ein Windows 95 Rechner lief so lange am Stück durch. Und falls ihr damals auch schon mit Windows 95 gearbeitet habt, dann wisst ihr vielleicht auch warum. Neustarts müssen aber nicht immer außergewöhnliche Ereignisse oder das Zeichen von vermeidbaren Bugs sein. In manchen Fällen ist das Neustarten auch ein ganz normales Werkzeug, das fest mit eingeplant wird.

Ich habe sowas beispielsweise mal vor vielen Jahren in einem großen Projekt erlebt. Damals haben wir für den Kunden ein großes Online-Portal gebaut und betrieben und mit einer hohen Regelmäßigkeit sind da einzelne Server immer wieder abgestürzt bzw. Die Software darauf hat sich in so einem Zustand manövriert, in dem sie eingefroren ist.

Daraufhin ging dann das Alerting an und die Kollegen von der Rufbereitschaft wurden dann teilweise nachts aus dem Bett geklingelt, um nach dem Rechten zu sehen. Wirklich kritisch war das selten, weil es immer nur einzelne Server betraf und wir damals eine ziemlich große Serverlandschaft hatten, die sich die ganze Last teilte.

Die Lösung, die bestand dann in der Regel darin, die Server neu zu starten und im Nachgang die Log-Dateien zu analysieren. Und manchmal fand man dann in diesen Logs auch Hinweise auf Bugs, die dann untersucht und behoben wurden, aber oft war das auch nicht der Fall. Und nach dem Neustart liefen die Server einfach wieder weiter, als wäre nichts gewesen.

Und da bot es sich natürlich an, diese Server regelmäßig neu zu starten, um die auftretenden Fehler, die man jetzt nicht rekonstruieren konnte, einfach zu vermeiden. Und wenn man viele Server zur Verfügung hat, die sich die ganze Last teilen, dann kann man solche automatisierten Neustarts auch entsprechend steuern, sodass die Nutzer dadurch keinen Nachteil in Bezug auf die Verfügbarkeit haben.

Sowas nennt man auch einen Rolling Restart und ein geplanter Neustart um 3 Uhr nachts, der ist ja auch viel besser als ein ungeplanter Absturz um 3 Uhr nachmittags oder ein Anruf bei der Rufbereitschaft mitten in der Nacht. So ein Neustart, der ist manchmal einfacher als so einem Geisterbug hinterher zu jagen.

Und über solche Geisterbugs, in Anführungszeichen, da habe ich auch schon zwei Bonusfolgen auf Steady produziert. In einer davon erzähle ich von Heisenbugs, also Fehlern, die man nicht mehr findet, wenn man genauer hinschaut. Und in der anderen Folge, da geht es um Single Event Upsets. Das ist der Effekt, wenn der Wert von einzelnen Speicherzellen im Rechner kippt, weil diese Speicherzellen von kosmischen Teilchen getroffen werden.

Und das kann natürlich zu einem unvorhergesehenen Verhalten führen und ich verlinke euch die beiden Folgen mal in den Shownotes. In modernen Cloud-Umgebungen ist es übrigens schon lange so, dass Anwendungen, die nicht mehr reagieren, automatisch neu gestartet werden. Neustarts sind also oft nichts Außergewöhnliches und im IT-Betrieb kann man hier sogar von so einer gewissen Routine sprechen.

Und Routine, das ist ein gutes Stichwort, denn es gibt einen Ort, an dem Neustarts genauso Routine sind, wo sie aber für die meisten von uns, mir eingeschlossen, ziemlich kurios klingen. Und zwar im Flugzeug. Aber bevor wir in die Luft gehen, warum braucht Software überhaupt Neustarts? Wenn Systeme lange laufen, dann werden die müde, genau wie wir Menschen.

Und bei Software spricht man hier vom sogenannten Software Aging, also vom Altern von Software. Und so ein Neustart, der setzt halt alles auf einen bekannten, sauberen Anfangszustand zurück. Und es gibt verschiedene Gründe, weswegen das notwendig sein kann. In der IT gibt es hier verschiedene Klassiker, die immer wieder für solche Neustart sorgen.

Einer der großen Klassiker ist hier der Integer Overflow, also ein Zähler, der überläuft. Stellt euch einen alten analogen Kilometerzähler im Auto vor, der so 6 Stellen hat. Und wenn ihr 999.999 Kilometer drauf habt und noch einen Kilometer weiter fährt, dann springt er wieder zurück auf 0 0 0 0 0 0.

Und Zähler in Computern, die funktionieren so ähnlich. Und je nach Größe von so einem Zähler dauert es unterschiedlich lange, bis er überläuft. Mit 16 Bit kommt man bis 65.535. Mit 32 Bit kommt man bis gut 4,29 Milliarden. Aber egal wie groß so ein Zähler ist und egal wie lange es dauert, wenn die Zahl am Ende angekommen ist, dann springt sie zurück auf 0.

Und das bringt ein Programm in der Regel in einen unerwarteten Zustand. Viele Programme, die zählen beispielsweise die Zeit seit dem Einschalten in Millisekunden. Und erinnert ihr euch noch an diese 49,7 Tage von Windows? 2 hoch 32 Millisekunden sind zufällig genau 49,7 Tage. Microsoft sprach damals nur von einem Timing-Algorithmus, der Probleme gemacht hat, aber die Rechnung, die geht rein zufällig bis auf die Nachkommastelle auf.

Und falls ihr diesen Podcast regelmäßig hört, dann kennt ihr diesen Effekt wahrscheinlich schon aus anderen Folgen, beispielsweise aus Folge 13 oder aus Folge 33. Der zweite Klassiker, das sind Programme, die Hauptspeicher reservieren und diesen Hauptspeicher anschließend nicht mehr freigeben. Normalerweise reserviert sich ein Programm eine gewisse Menge Hauptspeicher beim Betriebssystem, arbeitet damit und dann wird der Speicher wieder freigegeben.

Aber durch einen Programmierfehler kann es jetzt passieren, dass diese Freigabe nicht korrekt erfolgt. Und mit Programmierfehler meine ich, man hat es einfach vergessen beim Programmieren. Wenn man jetzt ein Programm hat, das regelmäßig Speicher reserviert und wieder freigeben sollte, aber die Freigabe erfolgt nicht, dann passiert es, dass das Programm mehr und mehr Speicher für sich reserviert.

Und dadurch steht dann weniger Speicher für das Betriebssystem und für die anderen Programme zur Verfügung. Und man nennt das Ganze dann ein Speicher-Lag oder auf Englisch Memory-Leak. Und euer System wird dadurch immer langsamer und langsamer und langsamer, bis irgendwann gar nichts mehr geht. Ein Neustart repariert hier natürlich nicht das fehlerhafte Programm.

Das wäre schön, wenn es funktionieren würde, aber er setzt euer System so zurück, dass ihr danach wieder damit arbeiten könnt. Der nächste Klassiker, das ist ein Cache. Ein Cache ist ein schneller Zwischenspeicher für Dinge, die man oft braucht. Also stellt euch das wie einen Spickzettel vor und auf diesem Spickzettel, da stehen die wichtigsten Telefonnummer, die ihr ständig anrufen müsst.

Und ohne diesen Spickzettel müsstet ihr jedes Mal ins dicke Telefonbuch reinschauen und das dauert halt einfach viel länger, bis man da die richtige Nummer gefunden hat. Und solche Caches, die findet man überall. Die findet man in der Hardware, die findet man in der Software und das ist ein wirklich wichtiges Konzept, um Programme und Systeme schneller zu machen.

Aber dabei können auch verschiedene Dinge schief gehen. Dieser Zettel oder der Cache, der kann zum Beispiel immer größer werden und irgendwann ist der so groß, dass er mehr Platz frisst und dadurch auch langsamer wird, als er unterm Strich spart. Also ein Cache, der zu groß ist, der bringt unter Umständen keinen Vorteil, sondern einen Nachteil mit sich.

Und was auch noch passieren kann, ist, dass diese Daten, die im Cache liegen oder bei unserem Beispiel hier die Telefonnummern, die ihr auf diesen Spickzettel geschrieben habt, dass sie veralten. Und ihr ruft jetzt falsche Leute an und übertragen auf die IT, ihr nutzt veraltete Daten und habt dadurch dann später im System den Nachteil.

Und das kann auch ein Problem sein, wenn hier die Strategie, um diese Daten zu erneuern, nicht richtig umgesetzt wurde. Und wenn man jetzt hier einen Neustart durchführt, dann bedeutet das, dieser Cache wird weggeworfen bzw. die ganzen Daten im Cache werden weggeworfen, das Ganze wird neu angefangen, mit frischen Daten befüllt und alles funktioniert wieder gut.

Diese Klassiker haben eine Sache gemeinsam. Der Zustand wird schlimmer, je länger das System läuft. Und aus diesem Grund ist so ein geplanter Neustart wirkungsvoll. Er repariert die Fehler nicht, aber er sorgt dafür, dass der Fehler hoffentlich nicht eintritt. Und genau das bringt uns jetzt zu einer Behörde, die einem Flugzeughersteller vorschreibt, seine Flugzeuge regelmäßig neu zu starten.

Es dürfte niemanden überraschen, dass in modernen Flugzeugen eine Menge an Elektronik verbaut ist und die einzelnen Komponenten in einem Netzwerk miteinander verbunden sind. Die aktuelle Entwicklung nennt sich hier übrigens Integrated Modular Avionics und das bezeichnet zentrale Rechnereinheiten, die mehrere Aufgaben übernehmen.

Und das steht im Gegensatz zu einzelnen dezentralen Steuergeräten, die jeweils nur eine dedizierte Aufgabe wahrnehmen. Und dieses moderne Konzept spart Kabel und Gewicht und Gewicht ist im Flugzeug natürlich bares Geld. Gut, und generische Einheiten sparen dann am Ende vielleicht auch noch ein bisschen zusätzliches Geld, weil man die auch in höheren Stückzahlen fertigen kann.

Und eine kleine Anmerkung an der Stelle, sowas ähnliches begegnet den meisten von uns im Alltag vermutlich häufiger. Und zwar, wenn ihr mit modernen Autos unterwegs seid. Die sind nämlich auch voll mit Computertechnologie und in Folge 124, da ging es ja auch um die Probleme, die dort auftreten können.

Im Jahr 2015 findet Boeing bei Labortests einen Fehler in den Steuergeräten für die Stromgeneratoren. Ein interner Softwarezähler, der läuft nach 248 Tagen Dauerbetrieb über. Und wenn das passiert, dann gehen alle vier Generatoren gleichzeitig in einen Notmodus und die Wechselstromversorgung an Bord fällt aus.

Die US-Luftfahrtbehörde FAA reagiert im Frühjahr 2015 mit einer sogenannten Lufttüchtigkeitsanweisung. Das ist eine verbindliche Vorschrift. Wer die nicht erfüllt, darf das Flugzeug nicht mehr betreiben. Und diese Anweisung sagt, dass die betroffene Boeing 787 spätestens alle 120 Tage komplett stromlos geschalten werden muss.

Mit anderen Worten, es muss ein Neustart durchgeführt werden. Der Fehler, der tritt ja nach 248 Tagen auf. Mit diesen 120 Tagen aus der Anweisung hat man also noch einen großen Sicherheitspuffer. Und Boeing sagte damals auch, dass kein Flugzeug der Flotte diesen Zustand jemals erreicht hat. Im Jahr 2017 gibt es einen Fall mit einem Airbus A350.

Diesmal kommt der Hinweis nicht aus dem Labor, sondern aus dem Linienbetrieb. Und das ist so, dass Airlines melden, dass Avionik-Systeme die Verbindung zum Bordnetzwerk verlieren. Unter der Avionik versteht man die Bordelektronik für Navigation, Kommunikation und für die Steuerung. Und das Verhalten, das da festgestellt wird, das ist ein bisschen unterschiedlich.

Also manchmal fällt die Reserve weg, manchmal fällt eine einzelne Funktion komplett aus. Es gibt eine Untersuchung und die anschließende Analyse von Airbus zeigt, das passiert immer nach 149 Stunden ununterbrochener Stromversorgung. Die Europäische Luftfahrtbehörde EASA ordnet dann zum 1. August 2017 an, dass jeder betroffene Airbus A350 nach spätestens 149 Stunden am Boden komplett neu gestattet werden muss.

Der Titel der Anweisung nennt als Ursache einen internen Timer. Nähere Details dazu gibt es leider nicht. Airbus liefert dann im August 2018, das ist das Jahr drauf, ein Software-Update nach. Und wer dieses Update einspielt, der wird später von der Neustartpflicht befreit. Und wer das Update nicht einspielt, der muss weiterhin neu starten.

Wie gesagt, was da technisch ganz genau passiert ist, hat Airbus leider nie offengelegt. Aber es gibt noch eine zweite verbundene Geschichte, die richtig kurios ist, denn drei Jahre vorher, also im Jahr 2014, da gab es schon mal eine Anweisung mit genau dieser Zahl, also mit den 149 Stunden. Damals betraf das eine GPS-Komponente im Airbus 330 und diese Komponente, die wurde von einem anderen Hersteller gefertigt und zwar von ACSS.

Und es war damals so, dass nach mehr als 149 Stunden Dauerbetrieb diese GPS-Position von dieser Komponente quasi einfror und die Ursache war laut Behörde eine Begrenzung eines Zählers in der Software. Der Neustart, der muss in diesem Fall wieder nach 120 Tagen, also mit einem entsprechenden Puffer, erfolgen.

Wenn man jetzt zum ersten Mal davon hört, dass es Vorschriften gibt, die besagen, dass man ein Flugzeug regelmäßig neu starten muss, wie in den Windows 95 Rechner, dann klingt das erstmal beunruhigend. Und man fragt sich vielleicht Dinge wie, warum soll ein Flugzeug Neustart nach Vorschrift eigentlich sicher sein, beziehungsweise die Sicherheit erhöhen?

Oder warum testet man vorher nicht einfach genug, um solche Probleme zu finden und auch zu beheben? Fangen wir mal mit der Frage an, die vielleicht auf der Hand liegt. Warum findet man solche Fehler nicht vorher? Einfach ein bisschen mehr testen sollte doch eigentlich ausreichen, oder? Nun, es wird schon sehr viel getestet. Flugzeugsoftware, deren Ausfall katastrophal wäre, die muss einen extrem strengen Maßstab erfüllen.

Und die Wahrscheinlichkeit von so einem Ausfall, die muss unter 1 zu 1 Milliarde pro Flugstunde liegen. Diese Komponenten werden in der höchsten Sicherheitsstufe eingeordnet und im Fachjargon nennt man das Design Assurance Level A. Gut, aber wie beweist man jetzt durch Ausprobieren, dass etwas nur einmal in einer Milliarde Stunden ausfällt?

Und ich bin ganz ehrlich, durch reines Testen geht das überhaupt nicht, denn man müsste das System ja eine Milliarde Stunden laufen lassen. Und ein Jahr, das hat 8760 Stunden und bei einer Milliarde Stunden kommt mein Netz auf rund 114.000 Jahre. Das ist ziemlich viel Arbeit. Getestet wird natürlich trotzdem und auch sehr gründlich.

Die angesprochene Boeing 787 ist ein sehr gutes Beispiel dafür, denn der dortige Fehler, der wurde ja beim Testen im Labor gefunden. Aber man kann es nicht jede mögliche Kombination durchprobieren. Und darum fordern die Vorschriften auch Prozessnachweise, die sicherstellen sollen, dass das Risiko minimiert ist.

Die Sicherheit in der Luftfahrt, die basiert auf mehreren Säulen. Da gibt es die strengen Entwicklungsprozesse und Nachweise für jede geschriebene Codezeile. Dann gibt es Redundanz, also mehrfach vorhandene Systeme, damit ein Ausfall abgefangen werden kann. Und dann gibt es noch Prozeduren und Checklisten. Und gerade diese letzte Säule, die finde ich sehr interessant und die spielt auch eine wichtige Rolle in der heutigen Geschichte.

Am 30. Oktober 1935, da stürzte in Ohio das Boeing Model 299 ab. Das ist der Prototyp vom späteren B-17 Bomber. Am Steuer sitzt Major Plyer Peter Hill, das ist ein erfahrener Testpilot. Aber das war sein erster Flug mit diesem Flugzeugtyp und er hat vergessen, vor dem Start eine Sperre an den Steuerflächen zu lösen.

Diese Sperren sind eigentlich nur vorgesehen, wenn das Flugzeug geparkt ist und die sollen Bewegungen durch den Wind verhindern. Während des Flugs verhindern die aber die saubere Steuerung des Flugzeugs. Hill und der ebenfalls an Bord befindliche Boeing-Chefpilot Leslie Tower, die sterben an ihren Verletzungen nach dem Absturz.

Nach dem Absturz wird der Fall untersucht und man findet eine Lösung, um sowas zukünftig zu verhindern. Und diese Lösung, das war eine Liste. Das Flugzeug, das war jetzt nicht zu schwierig zu fliegen, aber es war schlicht und ergreifend zu komplex für das Gedächtnis von einem einzelnen Menschen. Und diese Erfahrung von damals hat die Checkliste in der Fliegerei zum Standard gemacht.

Ganz neu war die Idee damals nicht, aber nach diesem Absturz wurde sie zur festen Regel. Und heute startet und landet kein Verkehrsflugzeug ohne Checkliste. Und genau in diese Welt gehört auch der Neustart. Die Anweisungen der Behörden sind ja keine Empfehlungen, sondern Pflichten. Und aus diesem Grund findet man dann diese Neustarts auch in den entsprechenden Checklisten oder im Wartungsprogramm, sodass auch wirklich garantiert ist, dass diese Neustarts umgesetzt werden.

Und der Aufwand dafür, der ist ja auch überschaubar. Die FAA hat für den A350 Neustart eine Arbeitsstunde angesetzt und die kostet 85 Dollar. Und man muss hier natürlich auch bedenken, dass Flugzeuge ja auch im normalen Betrieb immer wieder mal neu gestartet werden. Und in diesem Fall ist dann kein zusätzlicher Neustart erforderlich.

Und wenn man jetzt einen bekannten Fehler hat und den mit so einer festen Prozedur in den Griff bekommt, dann wird aus diesem bekannten Fehler ein beherrschbares Risiko. Neustarts müssen aber keine Dauerlösung bleiben. In manchen Berichten klingt es so, als würden Airlines sich weigern, vorhandene Updates einzuspielen.

So konnte man das beispielsweise im Kontext von dem Boeing 787-Fall bei The Register im Jahr 2019 lesen. Es gibt aber keine öffentlichen Belege dafür, wie viele Flugzeuge tatsächlich ohne das entsprechende Update unterwegs waren. Was man beim Update bedenken muss, ist aber der Aufwand, den das Update kostet.

Da kommen nämlich pro Flugzeug schnell einige Stunden zusammen und bei einer großen Flotte kann da schon viel Zeit sein. Und ein regelmäßiger Neustart, der ist nun mal viel schneller und der lässt sich vielleicht auch besser in den Flugplan einbauen. Und, das ist wichtig, der Neustart ist in diesem Fall ja nicht unsicherer.

Wenn es wirklich brennt und die Sicherheit sonst nicht garantiert werden kann, wird aber auch mal entsprechend durchgegriffen. Im November 2025 musste Airbus rund 6000 Flugzeuge der A320-Familie zurückrufen. Ursache war eine Empfindlichkeit gegenüber kosmischer Strahlung, wie ich die auch schon in der erwähnten Folge zu den Single-Event-Upsets erklärt habe.

Die Behörde schrieb damals vor, dass die neue Version L-104 von der Software durch eine ältere Version L-103 Plus ersetzt werden musste und bei über 1000 Flugzeugen reichte das damals nicht und da mussten dann auch Anpassungen an der Hardware vorgenommen werden. Was ist das Fazit von der Geschichte? Wenn das Smartphone oder der Laptop nicht richtig funktioniert, dann ist der Neustart oftmals das Erste, was man ausprobiert.

Beim Serverbetrieb ist so ein Neustart Routine und beim Flugzeug, nun, da ist es eine Vorschrift. Dass Flugzeuge neu gestartet werden müssen und es dafür sogar Anweisungen gibt, das klingt schon irgendwie kurios. Aber es ist ein Zeichen, dass jemand einen Fehler gefunden hat und dass man daraus eine Regel gebaut hat, um diesen Fehler zu vermeiden.

Flugzeuge sind am Ende halt auch nur fliegende Computer und da gibt es die gleichen Fehler wie im Laptop. Der Unterschied liegt aber im Umgang damit. Beim Flugzeug gibt es Prozeduren und Checklisten und verbindliche Fristen und Sicherheitsabstände, und die Sicherheit, die hat da oberste Priorität und manchmal, da sieht die Sicherheit eben so aus wie ein ganz banaler Neustart.

Gefährlich sind am Ende halt vor allem die Fehler, mit denen man nicht vernünftig umgehen kann. Das war die Folge 136. Vielen Dank fürs Zuhören. Noch mehr Geschichten gibt es im Premium Feed auf Steady und ab 5 Euro im Monat bist du dabei. Und damit hilfst du auch, das Projekt hier weiter wachsen zu lassen.

Alle Infos dazu gibt es in der Folgenbeschreibung und auf support.digitaleanomalien.de, Und wenn du von Technik-Themen nicht genug bekommst, dann abonniere doch mein kostenloses E-Mail-Magazin Die Anomalie. Da gibt es so ungefähr einmal im Monat interessante Artikel und Updates direkt in dein Postfach.

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