
Einfach natürlich Gärtnern· Folge 164
Dein eigener Teegarten: Kräuter anbauen, ernten und mischen
Donnerstag, 29. Oktober 2026 · 28 min
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Shownotes
Bau einfach deine eigene Teemischung selbst an. Frischer und aromatischer geht es nicht!
Teegarten
Der Podcast für Garten-Nerds und Pflanzenfreunde und alle, die es noch werden wollen.
Mehr Infos zum naturgemäßen Gärtnern gibt es unter neudorff.com
Und eine direkte Nachricht könnt Ihr gern senden an sabine.klingelhoefer@neudorff.com
Draußen wird es langsam ungemütlich und drinnen beginnt die Teesaison. Wie viel von dem, was wir trinken, könnten wir selbst anbauen?
• Erstaunlich viel. Dafür braucht man nicht einmal einen großen Garten.
• Teekräuter wachsen im Beet, Hochbeet und viele auch prima im Kübel auf Balkon oder Terrasse.
• Schon mit wenigen Pflanzen kann man sich eine kleine eigene Teebar zusammenstellen.
• Und das Schöne: Man entscheidet selbst, ob es in der Tasse minzig, zitronig, blumig, fruchtig oder ein bisschen ausgefallen wird.
Dann eröffnen wir unsere Teebar: Welche Pflanzen würdest du unbedingt anbauen?
1. Minze
• Intensiv, frisch und sowohl solo als auch für Mischungen geeignet.
• Wer Vielfalt mag, kann verschiedene Minzen ausprobieren.
• Pfefferminze: Klassiker; Spearmint: milder; Apfelminze: leicht fruchtig; Schoko-/Erdbeerminze: kann subtil danach schmecken, wie stark hängt auch von Standort und Erntezeitpunkt an, nicht zu viel erwarten!
• Vor dem Kauf Schnuppertest machen.
• Wachsen alle kräftig – manchmal etwas zu begeistert.
• Im Beet ggf. Wurzelsperre; ein Topf oder Hochbeet hält sie gut im Zaum.
• Winterhart.
2. Zitronenmelisse
• Unkompliziert, mehrjährig und winterhart – eine prima Anfängerpflanze.
• Schmeckt mild und frisch-zitronig; weniger intensiv als Zitronenverbene.
• Für besonders aromatische Blätter am besten vor der Blüte ernten.
• Wächst kräftig und liefert reichlich Material – perfekt als Basis für den eigenen Haustee.
Wenn Zitronenmelisse schon nach Zitrone schmeckt – warum braucht man dann noch Zitronenverbene?
• Weil Zitrone nicht gleich Zitrone ist.
• Zitronenmelisse schmeckt eher mild, frisch und irgendwie „weich“.
3. Zitronenverbene
• Zitronenverbene hat ein intensiveres, fast schon zitronenbonbonartiges Aroma.
• Reichen oft schon wenige Blätter für eine aromatische Tasse oder Teemischung.
• Beide lassen sich frisch verwenden und für den Winter trocknen.
• Der große Unterschied im Garten: Zitronenmelisse ist bei uns winterhart, Zitronenverbene nicht zuverlässig.
• Zitronenverbene deshalb am besten im Kübel kultivieren und frostfrei überwintern.
• Im Winterquartier wirft sie häufig ihre Blätter ab – kein Grund, sie vorschnell für tot zu erklären; im Frühjahr treibt sie wieder aus.
• Kurz gesagt: Melisse ist die unkomplizierte Alltagszitrone, Verbene der kleine Aromakick für die Teetasse.
Minze, Melisse, Verbene – bisher ist die Teebar ziemlich grün. Gibt es auch etwas fürs Auge?
4. Monarda (Indianernessel)
• Mehrjährige Staude mit auffälligen Blüten.
• Für Tee Blätter und Blüten verwenden.
• Je nach Art und Sorte würzig-aromatisch, teils mit zitrischen beziehungsweise bergamotteartigen Noten. Erinnert an Earl Grey.
• Schön im Staudenbeet und spannend in der Tasse.
• Sonniger Standort, Boden nicht völlig austrocknen lassen.
• Beim Pflanzen auf ausreichend Abstand und einen luftigen Standort achten.
• Monarda kann anfällig für Echten Mehltau sein; gute Standortbedingungen und ausreichend Wasser helfen, Stress zu vermeiden.
Und wenn ich einen echten Tee-Klassiker selbst anbauen möchte?
5. Kamille
• Hier ernten wir zur Abwechslung keine Blätter, sondern die Blütenköpfchen.
• Für klassischen Kamillentee: Echte Kamille (Matricaria chamomilla). Hat hohlen Blütenboden
• Einjährig, lässt sich aussäen und kann sich an passenden Standorten auch selbst wieder aussäen.
• Blüten ernten, wenn sie schön geöffnet sind.
• Mehrmals durchpflücken, weil nicht alle gleichzeitig blühen.
• Schonend trocknen und dabei möglichst nicht zerdrücken.
• Duft frisch geernteter Kamillenblüten ganz anders als Teebeutel aus dem Supermarkt.
Kann man im Herbst noch etwas für die Teetasse ernten?
6. Hagebutte
• Hagebutten sind die Früchte von Rosen, z.B. Hundrose (Rosa rugosa).
• Reife, feste Früchte im Herbst (Ende September) ernten.
• Waschen, Stiel und Blütenansatz entfernen und halbieren.
• Für reines Fruchtfleisch Kerne und die feinen Härchen im Inneren herauskratzen (Handschuhe tragen, die feinen Härchen können reizen).
• Fruchtfleisch klein schneiden und für den Winter gut durchtrocknen.
• Alternativ können auch grob zerkleinerte getrocknete Hagebutten frisch verwendet werden – dann sorgfältig abseihen.
• Schön solo oder in Mischungen, zum Beispiel mit Minze oder Zitronenverbene.
• Geschmack: mild-fruchtig und leicht säuerlich.
Fun Fact: Warum wird selbst gemachter Hagebuttentee eigentlich oft gar nicht so tiefrot wie der aus dem Teebeutel?
• Weil die Hagebutte selbst oft gar nicht für dieses intensive Rot verantwortlich ist.
• In vielen Hagebuttentee-Mischungen steckt zusätzlich Hibiskus.
• Sorgt für die kräftige rote Farbe und bringt zusätzlich Säure mit.
• Selbst gemachter Hagebuttentee kann deshalb deutlich heller sein.
Süßholz ist in vielen Erkältungs- und Kräutertees enthalten. Kann man das selbst anbauen?
7. Süßholz
• Ja. Verwendet werden nicht die Blätter, sondern die Wurzel.
• Schmetterlingsblütler, bis 150 cm hoch, Ernte im Herbst, mehrjährig
• Bringt den typisch süßlich-würzigen Geschmack mit; ist deutlich süßer als Haushaltszucker.
• Kann auch dem eigenen Haustee eine natürliche süße Note geben.
• Ist mehrjährig und mag einen warmen, sonnigen Standort.
• Kann sich über unterirdische Ausläufer ausbreiten; also besser mit etwas Platz bzw. Begrenzung pflanzen.
• Bis kräftige Wurzeln geerntet werden können, dauert es mehrere Jahre.
• Also eher Tee-Garten für Fortgeschrittene mit Langzeitplan als schneller Balkontee.
• Süßholz enthält Glycyrrhizin und sollte deshalb nicht dauerhaft in größeren Mengen getrunken werden.
• Besonders bei Bluthochdruck und in der Schwangerschaft vorher informieren beziehungsweise darauf verzichten.
Welche klassischen Teekräuter kann ich außerdem problemlos selbst anbauen?
• Klassiker sind Fenchel, Salbei, Thymian, Lavendel oder Brennnessel – je nach Geschmack und Standort.
Müssen Teekräuter gedüngt werden?
• Minze, Melisse und kräftig wachsende Monarda haben einen höheren Bedarf als genügsamere Kräuter.
• Im Garten kann Kompost zur Bodenpflege und Nährstoffversorgung beitragen.
• Bei Topfpflanzen sind die Vorräte in der Erde schneller aufgebraucht.
• Für die regelmäßige Versorgung: Azet KräuterDünger flüssig (neudorff.de/produkte/azet-kraeuterduenger-flue…).
• Für Kräuter im Topf: Azet DüngeSticks für Kräuter (neudorff.de/produkte/azet-duengesticks-fuer-kr…).
• Nach Herstellerangaben dosieren – viel Dünger macht nicht automatisch viel Aroma.
• Wir wollen schließlich Teekräuter und keine Bodybuilder-Minze.
Was soll man bei der Ernte beachten?
• Bei Blattkräutern wie Minze, Zitronenmelisse, Zitronenverbene oder Monarda gesunde, aromatische Blätter und Triebspitzen. Regelmäßiges Ernten fördert bei vielen Kräutern neuen Austrieb.
• Am besten an einem trockenen Tag, wenn der Tau abgetrocknet ist.
• Viele Blattkräuter sind vor beziehungsweise zu Beginn der Blüte besonders aromatisch.
• Kamille: geöffnete Blütenköpfchen ernten; mehrmals durchpflücken, weil nicht alle gleichzeitig blühen.
• Hagebutte: reife Früchte im Herbst.
• Süßholz: Sonderfall – hier ernten wir die Wurzel und brauchen mehrere Jahre Geduld.
• Grundsätzlich: nur gesunde Pflanzenteile und natürlich nur Pflanzen verwenden, die sicher bestimmt sind.
Muss ich meine Ernte trocknen oder schmeckt Tee aus frischen Kräutern besser?
• Viele Teekräuter können frisch in die Tasse.
• Gerade Minze, Zitronenmelisse oder Zitronenverbene sind frisch sehr aromatisch.
• Trocknen hat entscheidenden Vorteil: Ernte wird für den Winter konserviert.
Wie trockne ich meine Kräuter so, dass das Aroma erhalten bleibt?
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