ELTERNgespräch· Staffel 2· Folge 416

"Mama ist traurig": Wenn Eltern Depressionen haben – mit Elke Schicke

Donnerstag, 2. Juli 2026 · 41 min

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Shownotes

Depressionen sind immer eine Herausforderung. Doch wenn ein Elternteil betroffen ist, wird die Krankheit zum Familienthema. Eine Hörerin schildert Elke und Christine ihre Sorgen und stellt den beiden konkrete Fragen. Wie erkläre ich kleinen Kindern, was ich habe? Wie verhindere ich, dass sie sich verantwortlich fühlen? Und was kann ich an schlechten Tagen tun, um den Kleinen nicht zu schaden? Elke und Christine sprechen in dieser Folge über Schwierigkeiten, Chancen, Verantwortung und die lähmende Kraft von Schuldgefühlen, die niemandem helfen, wenn es einem Elternteil nicht gut geht.

Buchtipps zum Thema Depression:

Als Mama nur noch traurig war: Wenn ein Elternteil an Depression erkrankt (amazon.de/Als-Mama-nur-noch-traurig/dp/3649620…)

Mit dem schwarzen Hund leben (amazon.de/Mit-dem-schwarzen-Hund-leben/dp/3888…)

Ein Ort für meine Traurigkeit (amazon.de/Ein-Ort-f%C3%BCr-meine-Traurigkeit/d…)

Mehr von Elke Schicke:

Website (elke-schicke.de)

Mehr von Christine Rickhoff:

Instagram (instagram.com/christinerickhoff)

Bücher von Christine Rickhoff:

Für Geschwister ab 4 Jahren: Das Beste an uns: Eine Geschichte über zwei ziemlich ungleiche Geschwister (amazon.de/Das-Beste-uns-Selbstakzeptanz-geschw…)*

Für Mädchen ab 10 Jahren: Du bist 100% richtig (amazon.de/Du-bist-100-richtig-M%C3%A4dchen/dp/…)*#

Buch mit Tipps gegen Angst ab 7 Jahre: Keine Angst vor der Angst (amazon.de/Keine-Angst-Angst-Freundinnen-Freund…)*

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Ich habe das ganz oft, dass Eltern kommen und sich jetzt auf eine Art und Weise verhalten, weil sie etwas verhindern wollen, was mit 22, 23 bei den Kindern auf keinen Fall eintreten soll. Und das ist viel zu weit weg. Es geht ja eher um das Tägliche und das Wöchentliche. Und der Frage von, habe ich die Kinder heute einmal richtig fest ans Herz gedrückt und geküsst?

Hi und schön, dass du da bist, hier beim Elterngespräch, dem Podcast von Eltern für Eltern. Ich bin Christine, Journalistin, Autorin und Mama von vier Kindern. Alle zwei Wochen geht es hier um eure Fragen. Natürlich nicht ohne Elke Schicke, der Diplom-Psychologin und systemischen Therapeutin unseres und eures Vertrauens.

Hallo Elke. Guten Morgen. Na? Na? Geht's dir gut? Ja, es regnet, es ist Montag, aber erstaunlich gute Laune. Ja? Ja. Finde ich gut. Ich bin heute direkt auch falsch aus der S-Bahn ausgestiegen und habe mich mit in Hamburg nicht wiedergefunden. Oha. Wo bin ich denn hier gelandet? Vielleicht bräuchten wir mal eine Therapie mit der Deutschen Bahn oder so.

Ich bräuchte eine Paartherapie mit der Deutschen Bahn nach heute Morgen. Ja, wir haben dich stehen lassen. Wir haben dich so stehen lassen. Aber ist egal, ich habe auch gute Laune. Darf man sich ja nicht verhageln lassen durch so einen Quatsch, ne? So, Laune, wichtiges Thema. Wie geht es einem? Auch wichtiges Thema und darüber wollen wir heute sprechen. Wir haben nämlich eine Mail bekommen von einer Mama, der es nicht gut geht und die sich fragt, was das mit ihren Kindern macht. Soll ich mal vorlesen? Magst du vorlesen?

Oh, darf ich? Ja, du darfst immer. Okay, also, hallo liebe Christine, hallo liebe Elke. Ich habe eine Frage an euch, die mich momentan sehr bewegt. Ich habe eine Depression und mache mir viele Gedanken darum, was das mit meinen Kindern, drei und sechs, macht. Ich merke, dass ich mich durch die Krankheit sehr verändert habe.

Der Geduldsfaden ist verständlich zum Zerreißen gespannt, die Stimmung viel zu oft schlecht und gereizt, der Ton leider viel zu oft scharf oder ich bin traurig und kann nicht wirklich aktiv zuhören. Das Schlimmste von allem, die positiven Gefühle sind so stark gedämpft, dass ich nicht oder sehr selten Gefühle zu meinen Kindern habe.

Ich glaube, meine große, sehr sensible Tochter spürt das ziemlich gut, dass zum Beispiel beim Trösten wenig in mir passiert. Sie reagiert mit Grenzen ausloten, heftigem Widerspruch oder gegenteilig, dass sie viel Verantwortung übernimmt und versucht, Dinge von mir fernzuhalten. Die Kleine spürt auch immer mehr und entwickelt Trennungsangst und hat viele heftige Wutausbrüche. Ich finde diesen Zustand furchtbar.

Ich habe das Glück, sofort einen Therapieplatz bekommen zu haben, Aber bis Besserung eintritt, plage ich mich jeden Tag mit großen Schuldgefühlen meinen Kindern gegenüber. Was tue ich ihnen an durch mein verändertes, unberechenbares Verhalten? Was macht es mit ihnen, dass meine Gefühle stumpf sind und ohne Tiefe?

Wie kann ich die beiden unterstützen, durch diese Zeit zu kommen, wenn mir selbst die Kraft für das Nötigste fehlt? Mein Mann arbeitet Vollzeit. Familie ist nicht in der Nähe. Ich bin also bis abends für die Kinder allein zuständig und merke vor allem am späten Nachmittag, dass alle Ressourcen aufgebraucht sind und es öfter zu Situationen kommt, die belastend für alle sind.

Ich hatte schon immer sehr perfektionistische Ansprüche an mich als Mutter und dass ich denen momentan nicht mal nahe kommen kann, nicht dass ich das vorher annähernd perfekt gewesen wäre, macht mir sehr zu schaffen, da ich immer die Sorge habe, etwas kaputt zu machen, wenn ich nicht gut reagieren kann.

Ich mache mir Sorgen, was es mit meinen Kindern macht und wie viel Schaden ich durch meinen Zustand anrichte. Ich fände es toll, wenn ihr über dieses Thema mal sprechen könntet. Vielen Dank für eure sehr wertvolle Arbeit. Liebgrüße einer Mama. Hm, ich finde, dass sie das richtig eindrücklich geschildert hat.

Ich kann dieses Gefühl, den eigenen Ansprüchen nicht gerecht werden zu können, so nachempfinden und das ist so grausam, dass das durch eine Krankheit passiert. Also, dass du da auch gar nicht so die Handhabe hast, dass du nicht einfach sagen kannst, okay, ich ändere jetzt durch diese und jene kleine Kniffe irgendwie mein Verhalten.

Ich habe das so in der Hand, sondern in dem Moment bist du halt einfach irgendwo auch der Krankheit ausgeliefert und deinem Genesungsprozess, der halt dauert, auch ausgeliefert. Auch wenn du eine Therapie anfängst, dauert es ja einfach, bis du dann wieder in deine Kraft kommst. Ich finde, das ist ja das, was an Depressionen so von außen manchmal so schwer zu verstehen ist, dass es eben nicht einfach nur schlecht drauf sein ist und mit so ein bisschen reißig mal an Riemen hopp hopp geht schon zu bewältigen ist.

Also das kennen wir ja alle, dass wir immer nicht gut drauf sind. Na klar. Dann reißt du dich halt an Riemen und fertig. Oder halt auch nicht an Riemen und fertig. Aber dann ist es ja nicht jeden Tag so, dass du wirklich dir anfängst, solche Sorgen zu machen. Und das ist ja immer so schwierig, dass von außen das Verständnis gar nicht immer so da ist. Also auch die soziale Unterstützung in Richtung der Mutter, nachzuvollziehen, was das bedeutet.

24 Stunden mit so einer Decke auf dem Dötz nicht gegen sich selbst anzukommen. Das ist furchtbar. Mhm. Also super, dass sie einen Therapieplatz hat. Ja. Genau. Und auch gute Nachricht, ist ein total veränderbarer Zustand und wird auch wieder besser werden. Jetzt befindet sie sich ja aber in einer total prägsamen Zeit dieser Kinder.

Ja, aber das stimmt. Ich glaube, wenn ich das mal allen Eltern sagen darf, so schnell gehen Kinder nicht kaputt. Und ich höre das so oft, dass Eltern sagen, oh Gott, habe ich jetzt schon alles kaputt gemacht? Ist es jetzt schon zu spät? Alter, meistens nein. Also alleine schon eine Mutter zu haben, die weiß, hier ist was schräg und hier ist was nicht in Ordnung.

Das ist ja schon ein Schutzfaktor. Also andersrum, würde es jetzt eine Mutter sein, die den Kindern verklickert, nein, ist alles in bester Ordnung, ihr habt den Schuss nicht mehr gehört, ich bin total super. Ihr denkt nur, es würde etwas nicht stimmen. Und dann würde ich den Kindern mitzuteilen, was sie fühlen oder sehen sei, sei nicht so oder sei unnormal.

Das ist ja eigentlich das, was Kinder aus der Bahn schmeißt. Insofern wäre eher die Frage, welchen Umgang kann sie den Kindern gegenüber mit dieser Depression finden? Und wie kann sie ihren Zustand, also sind ja eigentlich zwei oder drei wichtige Faktoren dabei. Und der eine wichtige Faktor ist erstmal zu sagen, das stimmt, was ihr fühlt.

Ich bin auch nicht gut drauf, also in Anführungsstrichen nicht gut drauf oder es stimmt. Ich habe es zur Zeit gar nicht so leicht mit dem Fröhlichsein erstens. Und zweitens meine Aufgabe, man hat gar nichts mit euch zu tun. Ihr seid super. Und drittens ist es auch nicht euer Job, nicht wieder heile zu machen.

Also ja, was ihr fühlt, stimmt. Und es ist etwas, was vorbeigehen wird. Aber die Kinder, die merken ja mit ihren unglaublichen Radargeräten sofort, dass irgendwas nicht stimmig ist. Und dann sind ja Kinder so entzückende kleine Egozentriker und denken, alles hat was mit ihnen zu tun. Und den Zahn zu ziehen und zu sagen, das hat nicht du, du bist ein hervorragendes Kind und es ist möglich, dass du zuckersüß bist und deinen Spaß und deine Freude hast und dich nebenan trotzdem zu kämpfen habe.

Weißt du, was ich gerade denke? Es hat auch einen Vorteil, dass es Kinder sind, die nicht den Erfahrungsschatz haben wie Erwachsene. Also ich sage mal, Und dieses Denken von, ja eine Depression, da könnte man sich ja auch mal zusammenreißen und so weiter, das ist ja ein total erwachsenes Ding. Diese Krankheit nicht ernst zu nehmen, passiert Menschen, die sehr viel Selbstwirksamkeit gespürt haben in ihrem Leben, die sehr gesund sind und die das zusammenbringen und sagen so, naja, ich kenne es auch und kann man sich ja zusammenreißen.

Das haben Kinder ja nicht. Das ist ja eigentlich auch ein bisschen in dem Fall ein Vorteil, weil sie es wirklich verstehen können, wenn man es ihnen erklärt und nicht in Frage stellen als etwas, was man wieder hinkriegen kann. Und trotzdem ist es ja irritierend immer für Kinder, weil wir ja, also Kinder sind ja vor allem Gefühl.

Und wenn ich lache und kiche und im Gegenüber schwingt es nicht zurück. Also man gackern die Kinder und man denkt, Alter, jetzt reicht es mal. Aber trotzdem, was die Mutter beschreibt, die kommt nicht so in Schwingung mit den Kindern. Und das kann schon irritierend für Kinder sein. Ich sage mal immer, wenn das über lange, lange, lange, lange Zeit andauert.

Und wenn das die gewöhnliche Beziehungsstruktur ist. Das ist da ja nicht so. Die kennen ihre Mutter auch anders. Die werden ihre Mutter auch wieder anders kennen. Die wird wieder auf die Füße kommen. Erstens. Zweitens gibt es auch noch einen Papa. Und da machen die auch eine andere Erfahrung. Und es gibt auch noch eine Betreuungseinrichtung, wo die Kinder sind, wo die auch andere Erfahrungen machen.

Also die sind dem ja nicht ausschließlich so ausgeliefert. Und da darf die Mutter sich auch ein bisschen drauf verlassen. Also es wäre was anderes, wenn sie die einzige Person wäre, die die Kinder kennen würden. Aber so ist es ja nicht. Das stimmt. Und hilft das auch, dass die in diesem magischen Alter sind?

Ich musste gerade daran denken, dass mir eine Frau, die mit einem Mann verheiratet ist, der auch Depressionen hat, der hat so ein Buch ganz gut geholfen. Ich glaube, es ist für Erwachsene und ich meine, es heißt Der schwarze Hund. Aber da wird das so ein bisschen erklärt, was macht das eigentlich wirklich mit der Person?

Und ich meine, die Depression ist da irgendwie so ein bisschen im Zusammenhang eines schwarzen Hundes gekleidet. Und das hat selbst dieser erwachsenen Person sehr gut geholfen. Könnte man sowas nutzen? Also, dass man die Depression so ein bisschen personifiziert, magifiziert, wie auch immer. Du weißt, was ich meine?

Jetzt kenne ich die Kinder gar nicht, aber das ist schon clever, so eine Beschreibung dafür zu haben, die greifbar ist. Das ist bei einer Sechsjährigen bestimmt leichter als bei einer Dreijährigen. Also ob man sagt, keine Ahnung, bei mir ist die Flasche zurzeit einfach richtig leer. Eure Flasche ist richtig voll und meine ist immer leer, da ist irgendwie ein Loch drin.

Und um das Loch in der Flasche muss mich kümmern. Zum Beispiel. Oder bei euch scheint die Sonne und lustigerweise, das kann man auch zusammen malen, über mir hängt immer eine Regenwolke. Es hat sich irgendwie an mein Gürtel gebunden. Und muss ich jetzt üben, das loszuwerden. Aber immer klar zu machen, das ist nicht euer. Und das ist aber so schwer, oder? Das ist total schwer.

Wenn ich mich jetzt in diese Kinder reinversetze und meine Mama würde mir sagen, da ist eine Regenwolke, die immer über mir ist. Ich glaube, selbst wenn sie mir 50 Mal sagen würde, das ist nicht deine Aufgabe. Kinder wollen ihre Eltern ja immer so glücklich machen. Und die würden ja, das ist ja fast wie so ein, okay, das Problem ist da, ich muss es irgendwie lösen. Ja, das ist mit der Dreijährigen, glaube ich, nicht so richtig auszutüllen.

Aber mit der Sechsjährigen, ich glaube, wenn man die dabei, ja, wischt man ja manchmal dabei, wie sie versuchen, einen glücklich zu machen. Technisch nennt man das einen Metadialog. Technisch würde man sagen, wie kann ich mit dem Kind darüber sprechen, was gerade zwischen uns beiden passiert. Zu sagen, ich bin mir nicht sicher, aber wenn du hier gerade, und die Kinder machen ja beides, entweder versuchen sie einen zu retten oder die werden so richtig fuchsig darüber, dass sie ihre Eltern nicht in Schwingung bringen können, die können auch richtig kiebig werden.

Wie kann ich darüber sprechen und sagen, ich glaube, was hier gerade passiert, ist, dass dich das richtig nervt, dass ich nicht vom Fleck komme. Die Schwierigkeit ist, das können wir beide so gut miteinander besprechen. Auch dafür braucht man Kraft. Ja. Genau. Jetzt ist eine Depression nicht so, dass es dauerhaft auf 10 kmh ist.

Die Mutter hat ja auch mal Zeiten, wo sie auf 50, 80 oder 100 kmh fährt. Und dann mal zu gucken, wo sind die Zeiten, wo ich Kraft habe und wir es gut besprechen können. Und die Zeiten, wo ich ihr bei 10 kmh bin, wie kann ich mir die auch a gönnen und b verzeihen. Und es ist natürlich besonders blöd, wenn sie so hohe Ansprüche an sich hat.

Denen werde ich ja sowieso schon nie gerecht. Und diese hohen Ansprüche sind auch manchmal eine Eintrittskarte in Depressionen. Wenn ich immer versuche, perfekt zu sein, dann scheitere ich eben auch in einem fort. Und das macht einen auf die Dauer richtig mürde. Also, was mache ich mit diesen hohen Ansprüchen an mich? Und wie werde ich ein bisschen gnädiger mit mir?

Ist eigentlich schon der halbe Therapieerfolg, würde ich behaupten. Und dann zu gucken, wie ist unser Tag eigentlich strukturiert, was muss. Weil wir Kinder im Haus haben, einfach da sein und passieren. Und was können wir sagen für die nächsten Monate? Legen wir das auf Eis oder machen es in sehr geringem Ausmaß?

Ja, ich glaube, dass man auch manchmal so absurde Dinge denkt, was man alles leisten müsste. Mir war das mal total eindrücklich. Wir haben ja ein Pflegekind und dadurch hat man ja auch Hausbesuche und dann kommt das Jugendamt und dann bespricht man und so weiter. Und es gab so einen Tag, da habe ich es nicht geschafft, die Küche super aufzuräumen und so. Ich hatte halt noch ein Baby, ein Kleinkind, das war alles viel.

Und die Frau kam vom Jugendamt und ich habe mich angefangen, für die Küche zu entschuldigen. Und die hat mich so ausgelacht und das war so eindrücklich im besten Sinne. Die hat mich so ausgelacht und hat gesagt, was wollen Sie noch machen, Frau Rickhoff? Frisches Brot backen. Jetzt waren Sie gar nicht auf der Wiese und haben frische Blumen gepflückt.

Das ist natürlich alles echt ziemliches Fauxpas jetzt hier, wo das Jugendamt kommt. Das war so lustig und gut, weil ich immer wieder an dieses herzliche Auslachen denken musste, was so ein nettes Auslachen war, weil sie mir so deutlich gemacht hat, wie absurd es teilweise ist, was wir denken, was zu jeder Zeit immer so passen müsste.

Und dann hat sie gesagt, wissen Sie was, dass hier eine Küche unordentlich ist, zeigt mir, dass sie selbst kochen, dass sie für ihre Kinder was tun. Das zeigt mir, dass sie die richtigen Prioritäten setzen, denn offensichtlich haben sie lieber das Baby gewickelt, als die Küche zu machen. Das ist, ja, und ich glaube, dieses Umdenken mal zu gucken, was bedeutet all das, was ich nicht hinkriege, was bedeutet das im Positiven?

Weil wir denken dann immer, es bedeutet, ich habe ein schlechtes Zeitmanagement. Nein, es bedeutete in dem Moment, ich habe die richtige Priorität morgens gesetzt, weil ich gedacht habe, lieber erkläre ich der Frau vom Jugendamt, wie es ist, anstatt meinen Einjährigen jetzt in seiner vollen Windel sitzen zu lassen.

Und ich finde, das ist schon dieses Reframing, einmal einen neuen Rahmen setzen und überlegen, was bedeutet es im Positiven, kann einem vielleicht so ein bisschen bei diesen überhöhten Ansprüchen helfen. Mir hat es auf jeden Fall sehr geholfen. Ich kann mir auch vorstellen, wie auch in so einem Teufelskreis gerät, aus ich habe hohe Ansprüche, denen werde ich nicht gerecht.

Das macht noch mehr Stress, also tue ich noch mehr, denen werde ich auch nicht gerecht, also tue ich noch mehr, denen werde ich noch weniger gerecht und dann läuft man so total leer. Ich so denke, kann ja gut sein, dass sie keine Familie da hat, aber sie hat einen Mann und geschenkt ist, der Vollzeit arbeitet.

Der dürfte ja auch, wenn er kommt, die Kinder übernehmen und sie dürfte gehen und sagen, ich habe bis hierhin gut geleistet. Und so wie es mir gegenwärtig geht, brauche ich jetzt Pause oder rausgehen oder in mein Zimmer gehen und Decke über den Kopf. Und ich frage mich, erlaubt die sich das? Erlaubt die sich auch ihren Mann in Belastung zu nehmen? Und Stichwort Jugendamt erlaubt sie sich Unterstützung zu holen.

Es muss ja nicht gleich das Jugendamt sein, kann aber das Jugendamt sein. Ja, man dürfte da auch hingehen und sagen, gibt es eine Familienhilfe für eine Zeit. Es gibt auch Patenschaften für Eltern, die psychische Erkrankungen haben, damit die entlastet werden. Und dass dann noch Erwachsene mit im Boot sind, die vielleicht diese Schwingung zum Beispiel nachmittags auch mal leisten können.

Wenn es einem besonders blöd geht gerade. Naja, oder haben die Kinder ja wahrscheinlich und bestimmt Freunde. Und das ist eben auch das Blöde. Manchmal denke ich, also alle Eltern verabreden ihre Kinder. Und das Erstaunliche ist, dass Leute, die hilfsbedürftig sind, das nicht machen oder weniger machen, weil sie Sorge haben, anderen Leuten auf den Keks zu gehen.

Und wenn wir, also ich bemühe ja so gern dieses Sprichwort, es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen. Und wenn nicht jetzt wandern, haue ich andere Eltern an und wenn sie gerade sagt, da habe ich echt keinen Bock drauf, dann darf das auch gerne der Vater machen und sagen, können wir mittwochs die Große bei euch parken zum Beispiel.

Je nachdem, wie offen sie mit ihrem Zustand umgehen möchte, kann man auch sagen, bei uns dampft es gerade in allen Ecken, wir können ganz gut Hilfe gebrauchen, und auch offen damit umgehen, dass das kein Austauschprinzip ist. Weil das denken wir auch oft, wenn ich meine Tochter da mittwochs parke, dann muss ich donnerstags deren Kind nehmen. Und man darf auch sagen, geht das jetzt einfach eine Zeit?

Und wenn wir wieder Kopf über Wasser haben, dann geht es auch wieder zurück in den normalen Austausch. Wobei ich da auch denke, also ich kenne das, nun habe ich nicht mit einer Depression zu tun, das ist glaube ich nochmal eine andere Nummer. Aber wenn ich so richtig müde, kaputt und schlecht drauf bin, dann würde ich oft meinen Jüngsten nicht verabreden.

Zumindest nicht bei uns, weil ich denke, das ist mir jetzt zu viel in meinem Kopf. Aber die Wahrheit ist, wenn ich es doch tue, weil dann doch ein Vater, eine Mutter genauso was schreibt wie, bei uns brennt es gerade, kannst du? Und man denkt, na gut, dann merke ich, aha, es wird viel weniger abgefragt von einem, wenn da noch ein anderes Kind ist.

Weil am Ende ist man eigentlich nur die Uschi, die ein paar Apfelschnitzchen macht und mal ein Wasser hinstellt und ansonsten und vielleicht ein, zwei Streits mal kurz schlichtet. Aber die Wahrheit ist, dann haben die jemanden, mit dem die in Schwingung gehen können. Gerade so Freunde, bei denen es läuft. Es gibt, glaube ich, auch andere. Aber trotzdem ist es bei mir oft auch eine Hürde und wenn ich die mal geschafft habe, entlastet es mich auch, wenn ich ehrlich bin.

Absolut, gebe ich dir total recht und ich finde genau das nochmal, sich umzugucken, was gibt es ansonsten noch an Möglichkeiten, die Kinder woanders unterzubringen, damit ich Luft schnaufe. Und aus dieses schlechte Gewissen, ich bin keine gute Mutter, ich kann gerade nicht liefern, ist es vielleicht auch ganz okay, die Kinder im Spätdienst anzumelden.

Und ich darf mir dann die Zeit nehmen. Ich sage, ich packe es zurzeit nicht. Ich frage mich immer, wie kann man Eltern austreiben? Sie wären schlechte Eltern. Und das könnte man sich vielleicht mal aufschreiben. Was macht es eigentlich aus, dass ich eine schlechte Mutter bin? Und bin ich denn eine so viel bessere Mutter, wenn es andersrum läuft?

Und eigentlich könnte man ja sagen, es gibt ja diesen sehr berühmten Kinderpsychologen, Winnicott, der sehr schnöde sagt, man muss keine gute Mutter sein, man muss nur ausreichen. Und das finde ich hat manchmal was total Entlastendes. Sagen, es muss nur ausreichend sein. Also in Schulnoten eine Vier.

Stimmt, ja. Genau. Und kann ich das mit mir vereinbaren? Und wenn man so, ich habe das ganz oft, dass Eltern kommen und sich jetzt auf eine Art und Weise verhalten, weil sie etwas verhindern wollen, was mit 22, 23 bei den Kindern auf keinen Fall eintreten soll. Und das ist viel zu weit weg. Es geht ja eher um das Tägliche und das Wöchentliche.

Und der Frage von, habe ich die Kinder heute einmal richtig fest ans Herz gedrückt und geküsst? Und ist zwischen uns geklärt, wir meinen es echt gut miteinander. Da, auch wenn es zurzeit eher nur befriedigend läuft oder nur ausreichend läuft. Und ich glaube, das können Kinder einem wirklich gut nachsehen und auch verstehen.

Kinder sind Streitprofis, die kennen sich mit Streit und Ungemach sehr gut aus. Wir Erwachsene kennen uns nicht so gut damit aus. Stimmt, ja. Hast du denn das Gefühl, dass Kinder gut mit dieser Krankheit umgehen können, wenn man sie erklärt? Also würdest du sagen, es gibt gar nicht so viel vorzuwerfen, wenn man das gut begleitet?

Also ich sage mal so, sie kann eh nichts anderes tun. Sie kann es nur annehmen, so wie es ist. Das hängt so sehr von Kindern ab. Einigen Kindern haben ganz andere Sachen zu tun zu dem Zeitpunkt, wo es Eltern so geht. Und für andere Kinder beschäftigt sie das schon, weil die wahnsinnig sensibel sind und sich Sorgen machen oder wie vorhin gesagt denken, es liegt an ihnen und sie müssten jetzt was besser machen.

Und dann so anfangen, um die erkrankten Eltern zu kreisen. Und ich glaube, da drauf einen Blick zu haben und da auch immer wieder, das ist echt schwer, also besonders in ihrer Situation, diese Sortierungsleistung hinzubekommen. Zwischen, wo ist es nun mal, dass die Kinder mir Blümchen mitbringen und mit mir Krankenhaus spielen und nicht um mich kümmern.

Und wo geht es so über das hinaus, was den Kindern noch wohltut oder ihnen den Entwicklungsraum lässt. Und das ist, finde ich, auch in Ordnung, dass Kinder sich Sorgen machen, wenn es den Eltern nicht gut geht. Auch das ist Teil von Empathie. Und trotzdem zu gucken, und wo hindert dich die Sorge daran, deiner eigenen Fröhlichkeit nachzugehen?

Und ist das nicht auch ein bisschen in Ordnung, gerade nicht fröhlich zu sein, wenn die Mama eben auch nicht fröhlich ist? Das lässt sich nicht so pauschal beantworten, weil es immer eine Frage von Dosierung ist. Ich will noch mal darauf hinaus, dass gerade deswegen, finde ich, das Umfeld so wichtig ist.

Die mit einen Blick drauf haben, die auch mit etwas ausgleichen können. Und auch, glaube ich, den Vater noch mal stärker mit ins Boot zu holen. Sagen, das, was ich gerade nicht leisten kann, Baby, da bist du jetzt gefragt. Viele Dinge lassen sich schnöde mit Geld regeln, schön für die Leute, die es haben.

Aber auch da wäre eine Frage, können wir uns ein Nachbarschaftskind organisieren, ein Großes, das zum Spielen mal vorbeikommt. Können wir uns jemanden organisieren, die beim Einkaufen hilft. Lauter solche Fragen kann ich einfach in der App bestellen. und es kommen lassen. Also wie kann die Mutter ihren Alltag so entlasten, dass das eben weniger an Energie, was sie hat, dahin geht, wo es wirklich wichtig ist und nicht dahin, wo es scheinbar dringend ist.

Ja, auch so ein Punkt ist ja, dass du, wenn du krankgeschrieben bist, eigentlich auch einen Anspruch auf eine Familienhilfe hast. Zumindest in der Zeit. Genau, aber ich finde das eigentlich eine ganz gute Frage. Je nachdem, wo die Mutter wohnt, gibt es von der Caritas, von der Diakonie, von der Arbeiterwohlfahrt und Sozialberatungsstellen.

Wo man einfach mal hingehen kann und die Situation schildern kann. Da ist man nicht direkt beim Jugendamt. Viele Eltern haben ja Angst vor dem Jugendamt. Ich mache immer Werbung und sage, es gibt überall Pfeifen. Aber die sind allermeistens wirklich engagiert und super bei der Sache. Ja, und die haben ja auch überhaupt nichts davon, wenn sie viele Kinder aus Familien nehmen oder so, weil sie wissen ja gar nicht, wohin damit.

Ja, aber das ist auch gar nicht der Begegnung. Das Begegnung ist für die Kinder. Ja, genau, total. Aber insofern, wenn man nicht zum Jugendamt möchte, kann man auch zu so einer Sozialberatungsstelle und man darf Hilfe in Anspruch nehmen. Und man darf zum Beispiel eine Haushaltshilfe in Anspruch nehmen.

Ich weiß nicht, wo die wohnen, das ist in einigen Gegenden rar gesät, in anderen ist das einfacher. Und das Blöde ist auch, auch nochmal schönen Gruß an den Gatten. Manchmal braucht man da ein bisschen Kraft und Durchsetzungsvermögen. Und das hat man natürlich just, wenn man an einer Depression leidet, nicht. Das ist ein bisschen Gagaballa, wie es organisiert ist.

Aber bitte hol dir Hilfe von außen und zwar ohne Scham und Schuld. Wir sind kreativ. Soziale Wesen, wir sind alle auf Gemeinschaft angewiesen und die darf aus der Gemeinschaft rauslöffeln. Das ist total erlaubt. Glaubst du, Scham und Schuld das größte Problem ist in der Situation gerade? Total. Da kann man ja über Mütter reden, was man will, aber ich behaupte ja, die meisten Mütter fühlen sich ständig schuldig. Das Thema haben wir super oft hier am Wickel.

Und insbesondere zu denken, ich kann euch nicht geben, was ihr verdient habt, was ich euch gerne geben möchte, was ich von mir selbst erwarte, das ist ein richtig ätzendes Gefühl. Ist ja auch so lustig, was wir immer denken und was tatsächlich ist. Es gibt ja sogar ein Wort dafür, Mom gilt, also so nennt man das ja.

Und tatsächlich ist es in Umfragen wirklich rausgekommen, dass Menschen oder Eltern so viel Zeit mit ihren Kindern verbringen wie nie. Obwohl wir die Situation haben, dass wir ja jetzt berufstätige Mütter haben, was wir vor, zumindest in Westdeutschland vor 40 Jahren nicht hatten. Also da waren die Mütter ja viel, viel länger zu Hause oft, weil es keine Kinderbetreuung gab. Und trotzdem Stimmt, unterm Strich verbringen wir mehr Zeit mit unseren Kindern. Wie krass eigentlich.

Also der Anspruch ist auch schon strukturell so überhöht und nicht nur im Individuellen. Ich glaube auch viele Eltern überschätzen krass ihren Einfluss auf das Gesamtleben der Kinder. Das glaube ich auch. Also ich meine, ich glaube der Einfluss der Eltern im Sinne von, ich biete dir eine stabile und liebevolle Basis.

Unbenommen ist total wichtig für Kinder. und wahrscheinlich auch der wichtigste Baustein im Leben. Aber dann danach, wenn das gegeben ist, sinkt der Einfluss der Eltern rapide. Naja, und Erziehung oder Beziehung ist ja nicht zielgerichtet. Es ist ja nicht, wenn ich das bei dir reingebe, dann kommt das raus.

Das denken wir ja immer. Die Kinder brauchen von mir das und das und das und das. Und dann werden sie so und so und so und so. Und das ist ja totaler Quatsch, weil ganz vieles von dem, wo ich auch sage, okay, das ist vielleicht nicht optimal gelaufen in meiner Kindheit, würde ich jetzt sagen, zehre ich gute Dinge von.

Also weil ich gelernt habe, bestimmte Verantwortung zu übernehmen oder wie auch immer, hätte ich nur Bullerbü gehabt, wäre aus mir wahrscheinlich ein relativ... Hohles Paket geworden. Weißt du, was ich meine? Oder auch nicht. Aber man kann sagen, wir wissen es nicht. Jetzt wüsste ich gerne, welcher Philosoph das gesagt hat oder welcher Schriftsteller, irgendwer Schlaues hat mal gesagt, das Leben wird vorwärts gelebt und rückwärts verstanden. Vielleicht warst du es. Nein, ich war das ganz sicher nicht. Ich wäre es aber gerne.

Und das ist ja so ein bisschen das, was am Elternsein einen manchmal so zur Verzweiflung bringt. Ich habe keine Ahnung, ob das sich am Ende gelohnt haben wird. Aber was vollhilft, ist ja wirklich Verantwortung zu sortieren. Ich würde sagen, wenn ich dir jetzt auch so zugehört habe, zusammenfassend ist es so, das Wichtigste, Verantwortung zu sortieren. Zu sagen, okay, ich bin nicht verantwortlich dafür, wie es mir gerade geht.

Das ist die Krankheit. Da fängt es ja schon an. Du bist nicht verantwortlich dafür, was dagegen zu tun. Das bin ich. Und wir als Konstrukt sind nicht falsch, nur weil hier gerade eine Krankheit mit uns unter einem Dach wohnt. Und auch da haben wir nicht die Verantwortung für. Nur ich muss dafür sorgen, dass das ein Ende hat.

Und ich glaube, das ist so wichtig, das zu sortieren, dass die Kinder es wirklich verstehen können. Ich glaube, dass es da auch richtig gute Kinderbücher gibt. Ich schaue gleich nochmal und werde die auf jeden Fall in die Show-Notes auch nochmal kuratiert einsortieren. Also was auf einer ganz konkreten Ebene hilft, ist sich zu überlegen als Familie, was sind die kleinen schaffbaren Sicherungsanker.

Und das muss nicht den ganzen Tag sein. Aber zu sagen, auf jeden Fall kriegt ihr morgens, keine Ahnung, einen Kuss oder wir haben ein Frühstücksritualchen oder ein Abschiedsritualchen im Kindergarten. Das auf jeden Fall. Auf jeden Fall, wenn ihr nach Hause kommt, haben wir diese 10 Minuten oder dieses Abendbrotritual, das für die Mutter auch geklärt ist.

Wenn ich das schaffe, dann kann ich schon einen großen Haken machen. Ich muss nicht noch wunderbar weiß, was für ein Bastel- und Spiel- und Trubeprogramm anbieten. Und für die Kinder klar zu haben, ich kriege meine Dosis. Und wir können auch, wenn wir uns gestritten haben oder Mama genervt oder weiß der Geier was, das sind die Boxen, die wir auf jeden Fall haben.

Und sich auf das zu beziehen, also wenn man abends zum Einschlafen kuschelt, zu sagen, heute Morgen, das war schön, das war schön, das war schön. Und dass zwischendrin dies oder jenes schiefgegangen ist, ja mein Gott. Das heißt, du würdest nicht sagen, okay, ich muss jetzt unbedingt das Schlechte besser machen, sondern ich sollte ein Gegengewicht setzen.

Genau, sie kann es ja gerade nicht. Also wenn du Depressionen eindammst, dann würde man sagen, es ist eine schwere Hilflosigkeit. Ein schweres Gefühl von, ich kriege den kleinen Finger nicht hochgehoben. Und wenn ich noch so doll wollte. Es geht gerade einfach nicht. Und das ist ja furchtbar. Total. Genau, und sich so schlapp und schwer und nutzlos und ungeliebt. Und das ist furchtbar.

Aber wenn du dann Mutter bist, dann bist du ja in einem ständigen Kampf dagegen. Und was ich meinte, was ich so raushöre, ist dieses nicht dagegen kämpfen, was nicht läuft, sondern Resilienz fördern auf der anderen Seite. Das heißt, es gibt ja Dinge, ja, die hat schon recht, das ist ein Risikofaktor für Kinder, wenn Eltern psychisch erkrankt sind.

Da hat sie recht mit, braucht man ja nicht schön reden. Aber es gibt ja auch das Gegenteil von Risikofaktoren, nämlich Sicherheitsfaktoren. Und das sind ja Resilienz fördernde Dinge, die du mitbekommst. Das wären sowas wie Rituale, was du gerade gesagt hast. Wichtige Glaubenssätze, Verantwortung sortieren. Was sind noch so Sachen, die Resilienz, also die Stärke der Kinder, die Widerstandskraft der Kinder stärken?

Was sind da noch so Dinge? Im Prinzip ist es genau das, ich sagte, ich liebe dich. Die Dinge sind vorhersehbar. Du kannst sie in dem Maße, wie du klein oder groß bist, beeinflussen und lenken. Und es gibt auch Dinge, die du nicht beeinflussen und lenken kannst, mit denen du einfach deinen Frieden machen musst.

Das klingt jetzt ein bisschen absurd im Zusammenhang von Depressionen, aber man kann Optimismus tatsächlich ein bisschen auch trainieren. Und das ist das, was du vorhin gesagt hattest. Das kann sein, dass meine Mutter gerade depressiv ist und das nicht so ein Dolle ist, aber man kann etwas daraus lernen.

Und das wäre eine gute Frage, vielleicht auch für den Vater mit den Kindern zu klären. Was lernen wir daraus? Was machen wir damit? Wie drehen wir diese Situation auch in etwas, was wir später noch gebrauchen können? Und eben zur Resilienz gehört auch, sich im Netzwerk zu orientieren. Also sich zu gönnen, Freunde und Bekannte zu haben oder ein soziales Netz zu haben oder auch ein staatliches Netz, von dem ich Gebrauch machen darf. Dafür ist es gespannt.

Was ist mit Sport, Musik, Kunst? Ja, also sage ich mal, das sind ja alles diese Dinge. Da muss die Mama mal gucken. Das hat mal so einen gegenteiligen Effekt. Wenn mir immer Malen Spaß gemacht hat und mir jetzt das Malen verleitet, weil ich denke, ich muss jetzt, das muss doch irgendwie klappen. Ich meine nicht die Mutter, ich meine die Kinder. Ach so, die Kinder.

Also hilft es den Kindern für ihre eigenen Kräfte, um sich anders zu erleben und so weiter, im Sportverein zusammen zu sein. Auf jeden Fall. Ja. Und zu Sport, das hilft auf jeden Fall auch der Mutter. Also bei Bewegung, dem Gehirn dabei hilft, sich neu zu sortieren. Besser noch und effektiver, aber das wird sie alles in ihrer Therapie auch lernen, ist, wie atme ich, wie halte ich mich, wie bringe ich mich in Situationen, die mich von ganz alleine dazu bringen, dass mein Gehirn sich neu sortiert und sich anderen Gedanken widmen kann.

Also wie lerne ich meine Gedanken zu lenken, meine Gedanken nicht so ernst zu nehmen, sondern ein bisschen Distanz davon zu nehmen, was da oben im Kopf vor sich hin rappelt. Also Sport auf jeden Fall und Bewegung auch auf jeden Fall. Und da, wo die Mutter Ablenkung findet, auch auf jeden Fall. Und manchmal ist auch die Ablenkung etwas von so schnöden Dingen wie zusammen zu kochen oder tatsächlich zusammen zu malen oder zu puzzeln, wo man nebeneinander her ein bisschen effektiv sein kann.

Ja, stimmt. Und das vielleicht ritualisiert jeden Freitag. Und Kinoabend oder so ist ja leicht gemacht, sage ich mal. Da braucht man nicht aktiv zuhören und so weiter. aber man kann den Arm um jemanden legen und einfach blöd nach vorne gucken. Ich denke jetzt die ganze Zeit, wir produzieren so fleißig Ideen.

Das finde ich gut. Also ich. Und ich frage mich gerade, ob die Mutter denkt, oh mein Gott, jetzt machen Christine und Elke noch eine Riesentorte mit Dingen, auf die ich auch noch können sollte. Also bevor du das denkst, liebe Mama, wenn du dir zwei oder drei Sachen rauspickelst, reicht das komplett. Ach so, ja, wir sind gerade der Blumenladen.

Den kann man nicht leer kaufen. Genau. Also du musst nicht alles davon machen und das auch noch hinkriegen, sondern du darfst dich inspirieren lassen und gucken, was davon passt in euren Alltag rein. Ja, also wenn du irgendwo auf dem Land wohnst und immer Elterntaxi für einen Fußballverein spielen musst, streich sofort.

Also so, dann ist es vielleicht easier zu sagen, okay, wir gehen immer eine halbe Stunde in den Garten nach der Kita oder so. Genau, das ist so individuell total. Weißt du, was mich gerade noch so ein bisschen umtreibt, ist, ich versetze mich da gerade rein und das, was mir vielleicht aus der Folge noch fehlen würde, wäre so ein Gedanke, und da bist du immer sehr gut drin, Elke, sowas zu installieren, ein Gedanke, der mir helfen kann in diesen Situationen, in denen ich in diese gedankliche Abwärtsspirale gehe, in denen ich denke, verdammt, jetzt habe ich das Kind wieder angeblufft, war den ganzen Tag irgendwie wieder sehr abwesend, abweisend, konnte nicht geben, was ich geben konnte.

Wenn ich jetzt abends da sitze am Abendbrottisch und mich das so überkommt, wie so eine Regenwolke wieder, dieses ich habe so versagt jetzt auch noch, Was hilft in so einem Moment? Welcher Gedanke? Welche Tätigkeit? Was kann helfen? Also eine Sache, die finde ich immer sehr hilfreich ist, ist sich klarzumachen, dass ich das nur denke.

Also wir gehen ja manchmal so in unseren Gedanken auf. Also ich bin eine schlechte Mutter. Ich habe die Zukunft meiner Kinder versaut. Das wird nie wieder was. Das haben wir alle schon getan. Ja, genau. Und das geht so richtig in jede Pore. Wenn ihr den Unterschied mal hört von ich bin eine schlechte Mutter, das wird nie wieder was.

Ich habe meine Kinder versaut, zu ich denke gerade, dass ich eine schlechte Mutter bin, ich rede mir gerade ein, dass ich das Leben meiner Kinder versaut habe und wenn ich es noch richtig schlimm mache, dann sind wir die ätzendste Familie der Welt, das könnte ich auch noch dazu denken. Und der Abstand, sich klar zu machen, es ist nicht so, sondern ich denke das so, ich rede mir da gerade etwas ein und ich pfeffer und salze das Ganze noch mit etwas mehr Werf.

Das hilft total gut darin, sich klar zu machen, dass ich nicht die Welt fühle, sondern mein Kopf etwas produziert und ich habe die Wahl dem nachzugehen, aber erstmal kann ich feststellen das ist ein Gedanke, das bin nicht ich es ist nicht die Wahrheit, das ist ein Gedanke oder zu sagen. Die Welt bricht zusammen, ist das alles fürchterlich und sagen, mein Bauchhumor ist ganz schön, mein Herz schlägt ziemlich hoch, mein Mund ist trocken, Da könnte man auf den Gedanken kommen, die Welt breche zusammen. Oder es ist Stress.

Oder es ist Kummer. Aha, mein Körper sagt mir gerade, ich könnte Kummer fühlen. Ich könnte es als Kummer interpretieren. Und das ist echt eine total gute Möglichkeit, sich rauszubewegen. Was auch mein persönlicher Oberliebling ist, sich gute Atemtechniken anzugewöhnen. Klingt immer so easy, als würde man denken, dass es nicht funktioniert. Es ist mega easy.

Genau, und ich bin immer erstaunt, wie wenig Leute das einfach tun. Die meisten bleiben in dieser Brustatmung. Also jetzt alle, die mal zuhören, können mal kurz gucken, wo reicht euer Atem. Die meisten legen die Hand auf die oberen Brustwirbel. Ja, das ist die Notfallatmung. Damit fallt ihr nicht tot um.

Das ist schon mal erfreulich. Die wenigsten von uns atmen bis in den Oberbauch. Genau, und das reicht eigentlich immer noch nicht. Bis in den unteren Bauch zu atmen und zwar so tief, dass sich der ganze Bauchraum wölbt. Da sagen ja die meisten Mütter, oh Gott, dann sehe ich dick aus. Wir sind ja unter uns. Gerade guckt keiner zu.

Dafür muss ich auch aus dieser vorgebeugten Sprinthaltung raus. Was habe ich als nächstes zu tun? Was muss ich als nächstes schaffen, wenn ich so tief atme? Dann muss man sich schon ein bisschen zurücklehnen. Damit man so tief atmet. Und wenn man den Atem dann ein bisschen hält, sodass der Bauch sich rausstreckt, die inneren Organe organisieren sich nochmal neu, die sind nicht so eingeklemmt.

Ich stelle fest, die Hose sollte ich dringend wechseln, die ist einfach zu eng. Und zu merken, ich kann das halten. Also was biologisch passiert ist, wenn ich so tief atme, exponiere ich ja meine Weichteile, also eigentlich das, wo ich am verletzlichsten bin. Die Nachricht an meinen Körper ist, ich bin in totaler Sicherheit.

Ich kann das gerade öffnen und zeigen und mir passiert gar nichts. Und das zu halten und zu merken, wenn ich mich so fühle, dann ruckelt sich von alleine hinten der Rücken so ein bisschen zurecht und dann gemütlich wieder auszuatmen und fühlen. Und zwar nicht bis ich den nächsten Atemzug nehme, sondern bis ich wirklich leer bin.

Und auch da zu genießen, auch mit nichts, komme ich sehr gut zurecht. Und ich kann mich darauf verlassen, dass der Einatemimpuls kommt. Das ist nicht schwer. Es wird bloß selten angewendet. Aber das ist manchmal etwas, gerade wenn die Mama sich da in Schuldscham, unterdrückte Aggression und Hilflosigkeit verknotet.

Das kann ich nicht in der Heftigkeit fühlen, wenn ich in tiefe Atmung komme. Die tiefe Atmung bringt uns ins Hier und Jetzt. Und diese Knotengefühle und dieser geschlossene Hals und das Gefühl, ich platze gleich auseinander. Das kann ich eigentlich nur hinbekommen, wenn ich oben meinen Brustraum zumache, eng mache, die Nackenmuskulatur anspanne und denke, ich will flüchten, aber ich kann nicht flüchten. Ich flippe aus.

Aber kennst du das auch gerade als Mama, dass man alles so tut, als wenn man im Überlebensmodus, Man putzt die Zähne, als würde der Säbelzahntiger hinter einem stehen und einem gleich anfallen. Die Zucchini rubbelt man ab. Also es ist wirklich absurd, wie man durch seinen Tag hetzt und alles so tut, als würde das Leben davon abhängen, dass man in zwei Sekunden damit fertig ist.

Das stülpt man dann noch den Kindern oft über, sodass die auch noch ganz rappelig werden, was dann dazu führt, dass man sich auch noch ankeift, weil die dafür gar nicht gebaut sind. Wir auch nicht, aber die spüren es noch und rebellieren dagegen. Und dann hast du vollkommen einen an der Schacke. Und das finde ich echt auch nochmal, voll oft ertappe ich mich dabei.

Und ich finde Zähneputzen ist ein guter Moment, wo man daran merkt, in welchem Modus bin ich eigentlich unterwegs. Wie malträtiere ich eigentlich meinen Mund oder bin ich irgendwie in meiner Mitte und in meiner Ruhe und gönne mir das auch. Also, genau. Und das sind ja diese kurzen Momente, wo man ab und zu mal wach wird aus dem alltäglichen Wahn.

Das sind alles Sachen, die lernt die Mama ganz bestimmt bei ihrer Therapeutin. Aber all die anderen, die vielleicht nicht eine Depression haben, aber die trotzdem diesen, zumindest im Ansatz, dieses, ich komme hier nicht klar, mein Nervensystem ist immer am Anschlag und so. Aber weißt du was, vielleicht sollten wir dazu mal eine Folge machen.

Oder du lädst dir dazu mal eine Fachperson ein. Ich dachte, du wärst eine. Wir können das total gerne mal machen, wir haben ja bloß keine passende Frage dazu. Aber zu diesen ganz einfachen Dingen, die man so, also ehrlich gesagt, die meisten Entspannungsübungen dauern keine Stunde. Die meisten Entspannungsübungen funktionieren zwischen 30 Sekunden und 2 Minuten.

Boah, Elke, machst du mal für uns so eine Einschlafmeditation für Mütter-gegen-Mama-Schuldgefühle? Also für Eltern. Ich finde, Papas haben das ja durchaus auch manchmal vielleicht. Aber wir können total gerne mal so eine Entstressungsfolge machen. Ja, und die Einschlaffolge. Ich finde ein Elterngespräch spezial zum Einschlafen. Wer will sie, bitte drunter kommentieren, damit wir das bitte einmal hier in der Redaktion vorzeigen können. Wir machen das Märchen von der guten Mutter.

Es war einmal vor langer Zeit. Die Mutter, die vom Jugendamt ausgelacht wurde. Genau. Nee, aber finde ich gut. Ich glaube auch, da ist viel dran und werden bestimmt einige mehr von zehren, als wenn man schon in der tiefen Depression ist. Also ich glaube, wir haben schon viel gesagt. Wenn wir jetzt noch mehr sagen, dann wird es überfordern. Aber liebe Mama, Auch wenn sich das gerade nicht so anfühlt, ich schöpfe ruhig Hoffnung, das wird besser und die Kinder werden da keinen dauerhaften, furchtbaren Schaden von nehmen.

Sobald es dir besser geht, räumst du den Krempel ganz normal hinter dir auf und sagen, okay, war eine scheiß Zeit. Und nun ist wieder gut. Und das ist aber auch was, was irgendwie auch schön ist. Ich glaube, es gibt viele Familien, in denen mentale Gesundheit keine Rolle spielt und in denen Kinder, denen es dann irgendwann mal nicht gut geht, und das kann passieren, keinen Raum finden, in dem sie sich sicher fühlen.

Das hat diese Mama schon sicher. Sie hat einen Raum geschaffen, in dem Platz für mentale Gesundheit ist. Herzlichen Glückwunsch. So, jetzt zum Ende müssen wir kommen, habe ich gesagt. Ja, also auf jeden Fall vertecke ich nochmal die Kinderbücher zum Thema. Und wir werden sicherlich auch nochmal ein paar Hilfsangebote verteilen in den Show Notes, dass alle, die jetzt sagen, oh, irgendwie fühle ich das schon sehr und vielleicht geht das bei mir auch in so eine Richtung, da könnt ihr euch hinwenden, da findet ihr Hilfe.

Genau. Und ansonsten hören wir uns am nächsten Donnerstag wieder. Schreibt uns gerne an podcast.eltern.de Bis dahin. Alles Liebe aus Hamburg. Alles Liebe aus Hamburg. Tschüss.

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