
ENDO.team - Evidenzbasierte Endodontie & Praxiswissen· Folge 4
Zugangskavität: Der Schlüssel zum endodontischen Erfolg
Dienstag, 29. September 2026 · 20 min
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Shownotes
In dieser Folge des ENDO.team Podcasts diskutieren Prof. Dr. David Sonntag und Dr. Christoph Zirkel die entscheidende Rolle der Zugangskavität als „Türöffner“ jeder Wurzelkanalbehandlung. Sie zeigen, warum ultrakleine, minimalinvasive Zugänge häufig zu diagnostischen und therapeutischen Defiziten führen: fehlende Sicht auf den Kammerboden, nicht gefundene Kanaleingänge und zurückgelassenes infiziertes Dentin im koronalen Drittel. Statt Frakturangst zu überhöhen, priorisieren die beiden Experten Sicht, Licht und Vergrößerung (Lupenbrille/Mikroskop) sowie den geradlinigen Kanalzugang inklusive sekundärer Zugangskavität. Anhand typischer Situationen (z. B. Oberkieferfront palatinal erweitern, steilstehende Unterkieferfront ggf. vestibulär trepanieren) wird die anatomisch geführte Kavitätsgestaltung erklärt – von Umrissform über Landmarken bis zur Nutzung von Orifice Openern und Gates-Glidden.
Das Fazit: Hartsubstanz schonen – aber nicht um den Preis verfehlter Kanalsysteme oder unzureichender Desinfektion. Wer die Zugangskavität konzeptionell plant, verbessert Reinigung, Aufbereitung und letztlich die Prognose.
Weitere Links:
• - - Minimalinvasive Zugänge: Ursprung und Konzept
Das Konzept der minimalinvasiven Endodontie wurde 2010 von Clark und Khademi eingeführt mit dem Ziel, perizervikuläres Dentin zu schonen, wobei die Pulpakammerdacherhaltung und der Bereich 4 mm ober- und unterhalb der Alveolarknochengrenze als entscheidend für die Frakturresistenz postuliert wurden PubMed Central (pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC3168915)PubMed (pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28343928).
Literatur: Clark D, Khademi J. "Modern molar endodontic access and directed dentin conservation." Dental Clinics of North America 2010;54(2):249-273.
• - - Frakturresistenz: Kontroverse Studienlage
Eine Meta-Analyse von 2024 ergab zwar statistisch signifikante Unterschiede zugunsten konservativer Zugänge (SMD 2.61, p<0.001), jedoch zeigten mehrere kontrollierte Studien keine signifikanten Unterschiede in der Frakturresistenz zwischen traditionellen und konservativen Zugangskavitäten bei restaurierten Zähnen PubMed Central (pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC3532737)Thieme (thieme-connect.com/products/ejournals/pdf/10.1…).
Literatur: Mrinalini M, Gupta A, et al. "Endodontic Access Cavity Design and Fracture Resistance: A Systematic Review and Meta-Analysis." Cureus 2024;16(9):e68796.
• - - Kanallokalisation bei verschiedenen Zugängen
In einer Studie an 60 Oberkiefer-Molaren lag die MB2-Detektionsrate bei ultrakonservativen Zugängen bei nur 1,6%, während konservative (53%) und traditionelle Zugänge (88%) signifikant höhere Detektionsraten zeigten (p<0.05), selbst unter Verwendung eines Operationsmikroskops PubMed Central (pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC2850139)NCBI (ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5952365).
Literatur: Saygili G, Uysal B, et al. "Evaluation of relationship between endodontic access cavity types and secondary mesiobuccal canal detection." BMC Oral Health 2018;18(1):121.
• und - - Desinfektion bei verschiedenen Zugangskavitäten
In mikrobiologischen Studien zeigten konservative Zugänge eine signifikant schlechtere Desinfektion mit 86% bakterienpositiven Proben nach Aufbereitung gegenüber 50% bei konventionellen Zugängen (p<0.01), wobei auch größere Volumina an nicht aufbereitetem Kanalanteil und Restfüllmaterial in der Pulpakammer verblieben PubMed (pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34123763)PubMed Central (pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7752420).
Literatur: Vieira GCS, Pérez AR, et al. "Impact of Contracted Endodontic Cavities on Root Canal Disinfection and Shaping." Journal of Endodontics 2020;46(5):655-661.
• - - Versani Mikro-CT Datenbank zur Anatomie
Die Verwendung von Mikro-CT-Anatomiedatenbanken, wie sie von Professor Versani erstellt wurden, ermöglicht Klinikern das Studium verschiedener anatomischer Konfigurationen und C-förmiger Kanalsysteme vor der Behandlung, was die Planung minimalinvasiver Zugänge erleichtert PubMed Central (pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC3770245).
Literatur: Versiani MA, Basrani B, Sousa-Neto MD. "The Root Canal Anatomy in Permanent Dentition." Springer International Publishing 2019.
• - - Bedeutung des Operationsmikroskops
Die kombinierte Verwendung von Operationsmikroskop und Ultraschalltips erhöhte die MB2-Kanaldetektion in Oberkiefer-Molaren signifikant auf 74% gegenüber 62% ohne Mikroskop (p<0.05), wobei 82% der Zähne tatsächlich einen MB2-Kanal aufwiesen Rde (rde.ac/journal/view.php?number=1091)Wiley Online Library (onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/iej.13115).
Literatur: Alaçam T, Tinaz AC, et al. "Second mesiobuccal canal detection in maxillary first molars using microscopy and ultrasonics." Australian Endodontic Journal 2008;34(3):106-109.
• - - Oberkiefer-Frontzähne: Palatinale Ausdehnung
Bei Oberkiefer-Frontzähnen muss die Trepanationsöffnung aufgrund der Wurzelachse weit nach palatinal ausgedehnt werden, während die vestibuläre Erweiterung bis in die Pulphörner erfolgen sollte, um Verfärbungen durch Restgewebe zu vermeiden Nature (nature.com/articles/s41598-020-71029-3).
Literatur: Silva EJNL, Pinto KP, et al. "Current status on minimal access cavity preparations: a critical analysis and a proposal for a universal nomenclature." International Endodontic Journal 2020;53(12):1618-1635.
• - - Sekundäre Zugangskavität und infiziertes Dentin
Die Bedeutung einer geraden Kanalzugangs und Aufweitung im koronalen Drittel liegt in der Entfernung infizierten Dentins, da der Großteil der bakteriellen Infektion in den koronalen zwei Dritteln lokalisiert ist, wobei traditionelle Zugänge eine 96%ige bakterielle Reduktion gegenüber 92% bei Truss-Zugängen zeigten PubMed (pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34123763)ResearchGate (researchgate.net/publication/292656050_SUCCESS…).
Literatur: Özen U, Özyürek T, et al. "Effect of Cavity Design on Bacterial Reduction in Root Canals and Postoperative Pain Level: A Randomised Controlled Trial." Australian Endodontic Journal 2025 (in press).
• - - Gates-Glidden-Bohrer und koronale Erweiterung
Gates-Glidden-Bohrer sind für die koronale Aufweitung indiziert, wobei insbesondere die Größe #2 (0,70 mm Durchmesser) als sicher für die zervikale Präparation mesialer Kanäle von Unterkiefer-Molaren gilt, während größere Durchmesser das Perforationsrisiko im Furkationsbereich erhöhen PubMed Central (pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC9035856)ResearchGate (researchgate.net/publication/351934789_Access_…).
Literatur: Duarte MA, Bernardes RA, et al. "Effects of Gates-Glidden, LA Axxess and orifice shaper burs on the cervical dentin thickness and root canal area of mandibular molars." Brazilian Dental Journal 2011;22(1):28-31.
• - - Klinische Empfehlungen und Evidenzlage
Eine systematische Literaturübersicht identifizierte 49 Studien zu elf verschiedenen Behandlungsparametern, wobei die Mehrheit keine klaren Vorteile minimalinvasiver Zugänge nachweisen konnte, während einige Bedenken hinsichtlich der adäquaten Desinfektion, Füllung und Restauration äußerten PubMed Central (pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC10756824)PubMed Central (pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC3770245).
Literatur: Azim AA, Aksel H, et al. "Access Cavity Preparations: Classification and Literature Review of Traditional and Minimally Invasive Endodontic Access Cavity Designs." Journal of Endodontics 2021;47(7):1046-1062.