
Laserfusion: Was fehlt noch bis zum ersten Kraftwerk? (E#127)
Mittwoch, 19. August 2026 · 1 h 09
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Shownotes
Sophia von Marvel Fusion über Hochleistungslaser, Nanostrukturen und den Weg in den Energiemarkt
Laserfusion: Was fehlt noch bis zum ersten Kraftwerk?
Fusionsenergie soll eines Tages sichere, CO₂-arme und grundlastfähige Energie liefern. Bis dahin müssen jedoch noch zahlreiche technologische, industrielle und regulatorische Fragen gelöst werden.
Sophia Spritzer arbeitet bei Marvel Fusion im Business Development und in der Market Strategy. Im Gespräch erklärt sie, warum Marvel Fusion auf Laserfusion setzt und welche Schritte auf dem Weg von einzelnen Experimenten zu einem kommerziellen Fusionskraftwerk notwendig sind.
In dieser Folge
Wir sprechen unter anderem über:
• die Grundlagen der Fusionsenergie
• den Unterschied zwischen Magnetfusion und Laserfusion
• den Nettoenergiegewinn auf Ebene der Fusionsreaktion
• Lasereffizienz und Wiederholungsraten
• Fast Ignition und Nanostrukturen
• die Herstellung von Brennstoff-Targets
• Modularität und Standardisierung
• mögliche erste Kunden und Stromabnehmer
• energieintensive Industrie, Rechenzentren und AI
• PPAs und meilensteinbasierte Finanzierung
• die Integration von Fusion in zukünftige Energiesysteme
• politische und regulatorische Rahmenbedingungen
• die Rolle Deutschlands und Europas
• den geplanten Entwicklungspfad von Marvel Fusion
Technical Add-on aus Colorado
Im zweiten Teil berichtet Ilan von seinem Besuch an der Colorado State University in Fort Collins. Er beschreibt die entstehende ATLAS-Anlage, die dort eingesetzte Lasertechnik und die technischen Herausforderungen bei Hochleistungslasern, Targets und kontinuierlicher Wiederholung.
Gesprächspartnerin
Sophia Spritzer
Marvel Fusion
Business Development und Market Strategy
Links
• Marvel Fusion (marvelfusion.com)
• Colorado State University und Marvel Fusion: Laserfusionsanlage in Fort Collins (source.colostate.edu/csu-marvel-fusion-groundb…)
• [Ilan Momber auf LinkedIn – Link ergänzen]
Kapitel
Intro
Sophia Spritzer und Marvel Fusion
Was ist Fusionsenergie?
Magnetfusion versus Laserfusion
Modularität und Lehren aus der Kernspaltung
Die Demonstratoranlage in Colorado
Finanzierung und Investoren
Fast Ignition und Nanostrukturen
Potenzielle erste Kunden
PPAs, Investitionen und Stromabnahme
Fusion im zukünftigen Energiesystem
Fusion und die Energiewende
Politische Unterstützung und Finanzierungsbedarf
Standortfragen und regulatorische Rahmenbedingungen
Der Weg zum ersten Fusionskraftwerk
Fusion und erneuerbare Energien
Welche politischen Maßnahmen braucht es?
Das größte Missverständnis über Fusion
Technical Add-on aus Colorado
Die ATLAS-Anlage und Petawatt-Laser
Wirkungsgrad, Wiederholungsrate und Kommerzialisierung
Outro
Einordnung
Die Folge gibt den Gesprächs- und Entwicklungsstand zum Zeitpunkt der Aufnahme wieder. Aussagen zu Technologie, Finanzierung, Zeitplänen und Regulierung sind als Einschätzungen und Unternehmenspositionen einzuordnen und stellen keine unabhängige technische oder finanzielle Due Diligence dar.
Webseite: energiezone.org
Community: forum.energiezone.org
Feedback: team@energiezone.org
Alexander Graf: linkedin.com/in/alexandergraf
Ilan Momber: linkedin.com/in/imomber
Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin
Ilan Hallo zusammen und herzlich willkommen in der Energiezone, eurem Podcast für Energiestrategien und Energiegeschäftsmodelle. Ich bin Ilan, Dr. Ilan Momber, einer der drei Gründer von onu, onu.energy, B2B SaaS aus Berlin. Wir machen so Energiebeschaffung. Also wenn euch das interessiert, schreibt mir gerne auf LinkedIn.
Ilan Aber das soll heute überhaupt nicht das Thema sein, komplett was anderes. Und heute geht es um eine Technologie, die den globalen Energiemarkt fundamental verändern könnte. Und am Anfang, als ich dann mit dem Film habe geschacht, da habe ich noch so gedacht, ja, also war es noch sehr abstrakt und nicht so klar und mittlerweile fasziniert es mich total,
ilan Nämlich um Fusionsenergie und genauer gesagt Laserfusion.
Ilan Es ist ja so, dass lange, wenn man so liest und auch in Deutschland eher ein bisschen skeptisch und kritisch über Fusion gesprochen wird, dann spricht man da so drüber als ewiges Forschungsprojekt. Bei dem man scherzhafterweise dann irgendwie sagt, es sei immer 30 Jahre in der Zukunft, egal wann. Und jetzt haben wir aber so ein Münchner Deep Tech Unternehmen Marvel Fusion, das antritt, um genau das zu ändern und zwar mit einem radikalen Fokus auf Kommerzialisierung.
Ilan Und deswegen habe ich heute zu Gast Sophia, oder ich habe mir versprochen zu sagen, Frau Doktor Sophia Spritzer. Grüße gehen raus, zuständig für Business Development bei Marvel Fusion. Und wir haben in dieser Folge vor einigen Wochen bei uns im ONU Energy Office in Berlin aufgenommen und da hat sie berichtet im Interview schon sehr konkret, was Marvel Fusion plant und was im Umfeld von so Lasersystemen auch zum Beispiel in Colorado, Colorado, USA gerade entsteht.
Ilan Ich greife das im Intro deshalb auf, weil ich das Video jetzt auch gerade hier aus Colorado aufnehme, kurz nachdem ich... Das Team vor Ort hier in Fort Collins an der Colorado State University besucht habe. Und die Eindrücke und technischen Hintergrundgespräche, die ich heute da geführt habe, passen perfekt zu der strategischen Logik, die Sophia dann euch auch gleich im Podcast erklärt.
Ilan Und am Ende der Folge, habe ich mir jetzt gesagt, teile ich im Outro nochmal einen sehr ausführlichen persönlichen und technischen Reisebericht für alle, die da nochmal tiefer auch in die technischen Hardware-Themen und so weiter einsteigen wollen. Aber für alle anderen, jetzt geht es erstmal um die Grundlagen, warum Laser-Fusion statt Magnet-Fusion, wie funktioniert überhaupt so der technologische Pfad über Nanostrukturen und so weiter und vor allem auch, welche industriellen Logiken von Effizienz der Systeme über Skalierung bis hin zu den ersten Stromabnehmern dann auch dahinter stehen.
Ilan Ganz kleines bisschen sprechen wir auch über die Finanzierungsrunden, die großen Finanzierungsrunden und vielleicht Subventionen, Unterstützung vom Staat für diese Art von Technologie. Naja, ihr werdet jetzt gleich selber alle hören, will gar nicht weiter ablenken. Ich wünsche euch ganz viel Spaß dabei mit dieser tiefgehenden Analyse mit Frau Dr.
Ilan Sophia Spritzer. Ganz viel Spaß dabei. Auf geht's, ab geht's. Let's roll. Ja, mega.
ilan Sophia, herzlich willkommen in der Energiezone bzw. Im Omegro-Office. Du bist ja hier nach Berlin extra für den Podcast. Einige Leute, da ist mir das schön. Nee, mega cool, dass du da bist. Herzlich willkommen und fangen wir mal an mit so einer Einstiegsfrage, wo du dich einfach selber vorstellen kannst.
ilan Also, ich habe jetzt schon in der Intro gesagt, dass es um Marvel Fusion geht und Fusionsenergie. Wer bist du und was machst du bei Marvel?
Sophia Ja, cool. Vielen Dank für die Einladung. Das freut mich sehr. Ich bin Business Development Lead. Markets Strategy mache ich bei Marvel Fusion. Was heißt das? Im Endeffekt sind es mehrere Säulen. Ich schaue mir an, in Gesprächen mit potenziellen Endabnehmern von Fusionsenergie, Wer sind die ersten Kunden? Was haben die für Anforderungen an der Fusionskraftwerke?
Sophia Einmal als Input in den Kraftwerksentwicklungsprozess, den wir mit Siemens Energy zusammen machen. Zum anderen natürlich aber auch zum Aufbau von Partnerschaften, die sich irgendwann mal in den Stromabnahmevertrag entwickeln können. Und unterstützbar Fundraising, immer ein großes Thema, weil uns natürlich Kacklochheimwillag ist relativ hoch.
ilan Ja, dann machst du hier Schlagzeilen, was immer total toll ist, aus der Ferne so mitzubekommen, dass sowas in Deutschland auch entsteht. Aber vielleicht zu dir zum Hintergrund. Wie bist du dazu gekommen? Warst du schon immer irgendwie Fusionsenergie-Nerd oder wie ist das jetzt dann? Hast du vorher auch schon was mit Fusionsenergie gemacht?
Sophia Nee, also ich habe vom Hintergrund, bin Maschinenbauingenieurin, habe mich schon im Master so ein bisschen Richtung Energietechnologien, Energiesysteme spezialisiert. Es kam tatsächlich ein bisschen daher, Anfangs Studium begonnen, dachte ganz klassisch, ich mache mal Automobilindustrie, BMW, Porsche, Audi, wie auch immer.
Sophia Und war dann zwischen Bachelor und Master ein Jahr in Bolivien, habe in einem sozialen Projekt geholfen und habe da so für mich entdeckt, dass es mich total begeistert, an einem Thema zu arbeiten, weil ich das Gefühl habe, das geht ein bisschen über meinen eigenen Scope hinaus und hat vielleicht einen positiven Impact für die Gesellschaft.
Sophia Dann bin ich zurückgekommen, musste mich für ein Masterprogramm entscheiden und habe mich gefragt, okay, gut, wie kann ich jetzt diese beiden Erkenntnisse zusammenbringen? Ich habe schon immer noch Bock auf technische Inhalte, aber vielleicht ist es doch nicht mehr die Automobilindustrie für mich. Und dann hat sich da so ein bisschen die Ladenschaft für Energiesysteme entwickelt und die Frage, wie können wir unser Energiesystem so aufsetzen, dass wir einerseits.
Sophia Kostengünstig Energie erzeugen können in ausreichenden Mengen und gleichzeitig aber CO2-Emissionen einsparen und da, Einfach auch in Europa ein resilienteres System entwickeln. Genau, das hat sich dann über die Zeit ein bisschen entwickelt. Ich habe erst mal bei McKinsey angefangen, dort auch extrem viele Energieprojekte gemacht, Dekarbonisierung im Öl- und Gasbereich, Digitalisierung in den Netzen, Offshore-Wind-Strategien und so weiter.
Sophia Und genau, bei McKinsey gibt es ja dieses Modell, man macht zwei Jahre Consulting und dann kann man in den Educational Leave gehen, kann sich für so eine Promotion oder so freistellen. Ja, und da hatte mir, also ich kannte Heike Freund, unsere Chief Operating Officer bei Marvel Fusion, schon aus meiner McKinsey-Zeit, hatte damals auch verfolgt, dass die, in ihrem Exit dann zu Marvel Fusion gegangen ist und habe mir gedacht, wow, coolster Exit aller Zeiten.
Sophia Wir waren so ein bisschen in Kontakt geblieben. Da dachte ich so, ja, ich mache einfach mal ein Outreach. Da haben die ja Bock, gemeinsam so ein Promotionsprojekt aufzusetzen. Genau, die fanden das dann auch cool, wenn man uns zusammengesetzt überlegt, welche Themen kann man sich einerseits wissenschaftlich anschauen und andererseits irgendwie mit einem strategischen Mehrwert für Marvel.
Sophia Genau, und der Rest ist History-Sitzung.
ilan Ja, schöne Grüße gehen raus an Heike, wir haben ja zusammen studiert. Die alte Karlsruher Wirtschafts-Judor-Connection.
Sophia Ja, wir sind auch sehr stark präsent bei uns.
ilan Ja, ich weiß nicht, ich weiß noch, dass irgendwie alle immer zu den Beratungen wollten. Also genau, schöne Grüße gehen raus und mega cool zu sehen, was da bei euch entsteht. Aber dann ja eigentlich ein bisschen ähnlicher Werdegang, so wie bei Eike, McKinsey und dann direkt in die Fusion-Branche.
Sophia In Spider-Man.
ilan Das. Und erzähl mal ein bisschen was zu Magnetfusion. Also wie lange bist du dann jetzt schon dabei? Zwei, drei Jahre wahrscheinlich, oder? Magen Sie mal einmal so ein Doktorarbeiten eigentlich, oder? Ja, hat dann 3,5
Sophia Genau, genau so lange bin ich jetzt im Endeffekt auch bei Marvel. Am Anfang als Forschungsprojekt und jetzt seit zwei Jahren, etwas über zwei Jahren festangestellt. Genau. Marvel Fusion 2019 in München gegründet. Es sind jetzt etwas über 110 Leute, glaube ich, aktuell. Fast so viel schon. Ja, genau. Also gemessen an unserer Aufgabe, es ist ja noch viel egal, aber sind ganz ordentlich gewachsen in den letzten Jahren.
Sophia Genau, wir haben unseren Hauptsitz in München, haben noch ein klares Team in Colorado, wo wir aktuell eine Technologiedemonstratoranlage bauen. Und ja, widmen wir uns der Kommerzialisierung der Laserfusionsenergie.
ilan Ist das auch der Satz, den du auf einer Dinnerparty sagen würdest? Wenn du in einem Satz erklären musst, wird irgendwann der nicht ausgehend Energie und mich ausgehend mit...
Sophia Ja, ungefähr so. Dann würde noch folgen. Also, Fusion ist, man nimmt zwei kleine Artikel.
ilan Also genau, fang doch mal von ganz vorne an. Was ist Fusion und warum ist das so spannend? Also die meisten werden es schon mal gehört haben. Wir wissen ja auch viel, wir nehmen Nachrichten und man rezipiert es hier und da. Aber was ist da die große Chance? Worauf freust du dich?
Sophia Ja, also was ist Fusion? Wir sehen es jeden Tag, heute besonders, weil die Sonne scheint. Man könnte auch sagen, Nature's Choice to Produce Energy. Die Sonne basiert auf Fusionsreaktionen, alle Sterne. Man nimmt im Endeffekt die kleinsten Atome, die es gibt, Wasserstoffisotope, bringt die zusammen und die formen dann ein neues Atom und dabei wird Masse in Form von Energie frei.
Sophia Albert Einstein, ich habe es gleich EFZG verraten.
ilan Ja, ja, ja.
Sophia Was ist daran so spannend, wenn wir das schaffen, auf der Erde Fusionskraftwerke zu bauen, quasi so eine kleine Sonne hier auf der Erde einzusperren, dann haben wir einfach saubere, sichere Energie, die grundlastfähig ist und sehr wettbewerbsfähig sein kann und das Ganze geografisch flexibel. Also es ist mir egal, wo ich das Fusionskraftwerk hinbaue, ich habe einfach überall dieselben Stromkosten da, was natürlich insbesondere für Europa und die Frage der Energie- und Technologie-Souveränität extrem spannend sein kann.
Sophia Aktuell haben wir ja schon Herausforderungen, insbesondere auch in Deutschland, dass wir einfach höhere Energiekosten haben, weil wir keine eidinnernden Fusilressourcen haben, weil wir, naja, unsere erneuerbaren Ressourcen einfach etwas schwächer sind als in anderen Regionen. Und das würde sich über Fusion lösen lassen, weil die Megawattstunde aus dem Fusionskraftwerk würde in Deutschland genauso viel kosten wie in den USA.
ilan Also gibt es nicht die regionalen Unterschiede, was erneuerbare Ressourcen, darin und mehr Verfügbarkeit angeht?
Sophia Und da kommen dann natürlich ganz viele Faktoren dazu durch diese, also ich kann das hier bauen, dann spare ich mir die ganze Überintegration von den Erneuerbaren, bringe hier die Systemkosten runter und kann damit eigentlich dann ein wettbewerbsfähiges, Energiesystem in Europa bauen.
ilan Und gibt es das nur in Europa oder wird das weltweit, also ich kann mir vorstellen, so Tegu München, krasser Forschungsstandort, da gibt es auch viel Talent, was sowas machen kann, das gibt es jetzt vielleicht nicht in, keine Ahnung, Südafrika oder Australien, irgendeine andere Geografie, haben wir da so Standortvorteile auch?
Sophia Tatsächlich, ja, sind wir in Europa und in Deutschland sehr, sehr gut aufgestellt, insbesondere in der Laserfusion. Die Laserindustrie, die optische Industrie in Europa ist extrem stark. In den letzten, ich glaube, sieben oder acht Jahren sind zwei Physik-Nobelpreise an europäische Laserforscher, einer jetzt auch in München, gegangen.
Sophia Und wir haben einfach diese industrielle Basis, die uns da auch in der Innovation helfen kann. Insgesamt, wenn wir so auf den globalen Fusionsmarkt schauen, dann haben wir natürlich, wie so oft im Deep-Tech-Bereich, schon eine leichte Verzögerung in die USA. Es gibt circa 50 Fusions-Stardust aktuell, davon ist es im Großteil mehr als die Hälfte in den USA und aktuell auch sehr stark im Auftrieb sind natürlich die Chinesen.
Sophia Die sind aber aktuell noch eher so in der öffentlichen Finanzierung und öffentlichen Forschungseinrichtungen der Phase unterwegs. Es gibt bisher gleich nur ein öffentliches, Fusions-Startup in China.
ilan Und wenn man das normalisiert auf die Populationsgröße, also auf die Anzahl der Einwohner, dann haben wir wahrscheinlich... Das ist ja wohl groß groß. China haben nämlich auch viele Einwohner angehört.
Ilan Cool, spannend.
ilan Und zur Gründungsgeschichte. Ich meine, du bist ja jetzt schon so relativ früh dann dabei gewesen. und bist wahrscheinlich nah an den Gründerinnen auch dran, ähm, Die haben das 2019 gegründet, hast du gesagt, zu einer Zeit, wo wahrscheinlich alle anderen gesagt haben, Fusionsenergie ist noch 1,5 Jahre, bis wir da hinkommen und so.
ilan Weißt du, wie die Geschichte war oder was die überzeugt hat?
Sophia Ja, auf jeden Fall. Ich finde es immer eine sehr coole Story. Also Moritz und der CEO wurde von einem Investor gefragt, ob er nicht eine Due Diligence im Fusionsbereich durchführen kann. Da hat sich ein kleines Team zusammengestellt und die sind da mal reingegangen, haben versucht zu verstehen, was die verschiedenen Fusionstechnologien sind und war dann eigentlich relativ enttäuscht, dass es eigentlich keine Technologie gibt oder gab zu dem Zeitpunkt, wo sie das Gefühl hatten, ja, die hat irgendwie das Potenzial, skalierbar zu sein, die hat das Potenzial, wirklich auch einen Unterschied zu machen und es vor allem zur Kommerzialisierung zu schaffen.
Sophia Viele Fusionsprojekte, auch viele Fusions-Startups sind so klassische Ausgründungen aus der Uni. Die sich dann halt, die sehr wissenschaftlich an das Projekt rangehen und quasi in deren Hauptmeilenstein ist es, einen Demonstrator zu bauen. Aber ein Demonstrator muss dann nicht notwendigerweise Strom erzeugen.
Sophia Für uns muss das Ziel sein, ein stromerzeugendes Demonstratorprojekt umzusetzen, weil nur dann, also es kann nicht einfach nur ein schönes Forschungsprojekt sein, sondern es muss wirklich ein kommerziell tragfähiges Projekt sein. Und sie haben dann auf ihrer Reise der Due Diligence eben überlegt, was die Alternativen sind.
Sophia Und Moritz ist so jemand, der setzt sich was in den Kopf und dann macht er einfach mal sozusagen. Und da gab es zu der Zeit, 2018 meine ich, gegen einer der angesprochenen Physik-Nobelpreise, Gérard Mourou, der hat eine. Technologie entwickelt, die ganz wegweisend ist für die Entwicklung von Ketawattlasern.
Sophia Also Hochintensität und Hochleistungslaser. Und dann hat er da quasi einfach angerufen und gefragt, wer ist nexus, was nur für Fusionskraftwerke nutzen könnte. Und er wiederum hat gesagt, ja, prinzipiell schon. Ich hatte mal einen Mitarbeiter, den Georg Korn, der hat sich das im Detail angeschaut, frag den doch mal.
Sophia Und ja, da hat Moritz dann angerufen und hat das waren dann unter anderem die Gründungsmitglieder. Mega cool.
Ilan Und hast du dir auch unterschiedliche Fusions-
ilan Konzepte angeschaut und gesagt, Marvel Fusion ist der Ruder. Glaubst du daran, wie stark bist du selber investieren?
Sophia Ja, ich werde manchmal gefragt, ob ich selber in meine Firma investieren würde und muss sagen, ja, bin ich ja in der Defekt. Also ich bin investiert mit meiner Zeit. Ich könnte quasi auch was anderes machen. Wenn ich nicht dran glauben würde, dann würde ich das auch nicht tun. Von dem her, ich habe jetzt nicht davor eine umfangreiche Due Diligence gemacht.
Sophia Zu meiner Zeit gab es auch noch nicht so viele, auch in in Deutschland noch nicht so viele Alternativen. Aber ich bin trotzdem super happy mit meiner Wahl und bin auch fest davon überzeugt, dass wir da einen Fair Shot haben, weil der kommerzielle Sogum zu werden.
ilan Cool. Ihr setzt ja in eurer Technologie auf Laser.
Sophia Ja.
ilan Was ist der Unterschied zu anderen Technologien und wie grenzt ihr das ab? Warum siehst du da ein besonders Lichtpotenzial?
Sophia Also grundsätzlich kann man die Fusionsansätze gliedern in zwei große Ansätze. Es gibt tausend Mischvarianten und so weiter, aber im Großen und Ganzen sind es zwei verschiedene Ansätze. Das eine ist der Magnetfusionsansatz. Hat man vielleicht schon mal gewählt. ITER in Frankreich gibt es ein großes Forschungsprojekt.
Sophia Die Idee ist, dass ich quasi bei sehr starke Magnetspulen ein Plasma in der Mitte zum Schweben bringe und da dann quasi über Hitze und Druck Fusionsproduktion.
ilan Die magnetische Vlasch.
Sophia Ja, also man sagt auch Donut. Der Druck am Markt heißt das. In der Laserfusion, das ist quasi die zweite große Schule, nutze ich sehr, sehr intensive Laser, Laserpulse und schiebe es auf kleine Treibstofftargets, in denen ich dann die Fusionsreaktionen auslöse. Die Laserfusion ist die einzige und die schnellste, die bisher tatsächlich auch den Nettoenergiegewinn gezeigt hat.
Sophia Das war 2022 in einem Forschungsprojekt in den USA, an einer National Ignition Facility.
ilan National Ignition Facility?
Sophia Ja, das ist eine eigene Waffenforschungsanlage, die aber da genau auch jetzt, also die für ihre Waffenforschung da Fusionsforschung machen. Und es war drei Monate, nachdem ich bei Marvel angefangen habe. War auf jeden Fall ein sehr aufregender, belebender Moment. Und wenn man sich die Historie anschaut, Laserfusion ist eigentlich die neue Technologie, wird so ungefähr seit den 90ern intensiv erforscht.
Sophia Und trotzdem sieht man eigentlich deutlich, dass sie die schnellere Trajektorie hingelegt hat und eben, wie gesagt, die einzige ist, die bisher auch gezeigt hat, dass netto mehr Energie gewonnen werden kann, als benötigt wird, um die Fusionsreaktionen auszulösen. Warum ist das so? Aus meiner Sicht liegt das fundamental daran, dass ich in der Laserfusion die Dinge entkoppeln kann.
Sophia Ich kann meine Laser weiterentwickeln, ich kann meine Targets weiterentwickeln und dann muss ich natürlich die Dinge zusammenbringen. In der Magnetfusion muss ich quasi immer ein ganzes System bauen, weil nur wenn der Tokamak am Ende geschlossen ist, der was? Der Tokamak, der Donut. Dann kann ich auch ein Plasma in der Mitte zu schön bringen und kann überhaupt erst Experimente machen.
Sophia Wir bei Marifusion nutzen das auch und machen aktuell schon Experimente oder auch seit Gründung Experimente an bestehenden Laseranlagen, die gar nicht für Fusion entwickelt wurden, Vor allem oft für Medizinforschung, medizinische Isotope und solche Themen. Und trotzdem helfen uns die individuellen Aspekte unseres Ansatzes zu validieren.
Sophia Und das macht uns natürlich viel schneller. Wir mussten nicht erst eine Infrastruktur aufbauen, sondern wir konnten direkt mit Experimenten loslegen. Und ich denke, das ist einer der fundamentalen Treiber, die dazu beigetragen haben, dass die Laserfusion da eine schnellere Trajektorie bewegt hat.
ilan Also die Fragmentiertheit, die Dezentralität quasi von den einzelnen Technologien, in der Kette im Test. Und ist das auch das, was du dann in deiner Promotionsarbeit gemacht hast oder worum du bist da?
Sophia Unter anderem auch, ja, also ich habe mir quasi zwei große Themen eingeschaut. Einmal so ein bisschen die Frage, was kann die Rolle für Fusionsenergie im Energiesystem der Zukunft sein? Was kann der Beitrag sein in einem kostenoptimalen Energiesystem? Und dann zum anderen die Frage, da kam schon ein bisschen raus, der Beitrag kann groß sein, wenn wir es schaffen, die Technologie auch schnell zu skalieren, die Supply Chain zu skalieren und die Rahmenbedingungen zu schaffen, dass wir schnell den Zubau machen können.
Sophia Und das war ja quasi ein bisschen das zweite Projekt, was brauchen wir da für alle Bedingungen, wie muss es technologisch aussehen? Und da war auch ein Aspekt, diese Modularität der Laserfusion, die Möglichkeit zu standardisieren, auch die Möglichkeit, zentralen Fabriken, zum Beispiel die Laser und die Targets Massen zu produzieren und erst dann an einen Kraftwertstandort zu bringen und dort aufzubauen.
ilan Also das gleiche Konzept, was man ja noch von SMRs kennt, oder? Small Modular Reactors, das große Heimittel für die Kernspaltung.
Sophia Ja, da bin ich auch wirklich sehr in die Tiefe reingegangen. Was sind so ein bisschen die Dinge, die man aus der Kernspaltung lernen kann? so Pits-Falls-Türm. Genau, um das jetzt dieses Mal richtig zu machen. Und da kamen genau solche, Dinge raus. Also ja, die Kernspaltung hat natürlich vor allem auch sicherheitsrelevante Rahmenbedingungen, die fundamental komplexer sind als bei der Fusionsenergie.
ilan Warum ist das so? Weil man sozusagen, wenn es nicht gut funktioniert, dann hört es einfach auf. Wohingegen, wenn es gar nicht gut funktioniert, dann macht es immer von alleine weiter. Genau.
Sophia Genau, der Unterschied, die Schwierigkeit bei der Kernspaltung ist die Reaktion zu stoppen und die Schwierigkeit bei der Zenfusion ist, die Reaktion hinzubekommen und am Laufen zu halten. Dementsprechend würde da jetzt ein Flugzeug aufs Kraftwerk fallen, dann fällt es einfach auf, dann habe ich da keine weiteren Risiken.
Sophia Aber genau, die Kernspaltung hat natürlich auch regulatorische Hürden gehabt, die wir jetzt für die Fusionsenergie aktuell auch nicht erwarten und wo sich auch abzeichnet, dass andere regulatorische Rahmenwerke sein werden, unter denen wir uns da bewegen. Nichtsdestotrotz gab es schon auch technische Aspekte, die man einfach vielleicht hätte besser machen können.
Sophia Zum Beispiel, dass man jedes Kraftwerk neu entwickelt hat. Also man hat eigentlich nie in vielen Regionen, in manchen Regionen haben es auch ein bisschen besser gemacht, aber ein Design einfach mehrmals gebaut und so ermöglicht, dass man auch lernen kann. Man hat immer die Komponenten und so weiter so groß gemacht, wenn man gedacht hat, je größer man baut, desto günstiger wird es.
Sophia Dann musste man immer alles vor Ort bauen. Dann waren das im Endeffekt riesige Bauprojekte. Man hat sich nicht erlaubt, zentral die Dinge zu standardisieren und zu wiederholen und so Lerneffekte zu ermöglichen. Und das ist was, was man insbesondere in der Laserfusion jetzt schon mitdenken kann und somit auch die Grundlage schaffen kann, um da später Lerneffekte zu ermöglichen.
ilan Gar nicht. Und... Rekrutiert ihr dann eigentlich auch sozusagen Kernphysiker, die jetzt nicht mehr in Kernkraftwerken arbeiten können und die jetzt nach Jobs suchen, aber mega klasse Talente sind?
Sophia Ja, auf jeden Fall.
ilan Auch die sind ja auch aus Finnetsburg und die ganzen Standorten.
Sophia Ja, das sind jetzt dann eher die, die das betreiben. Aber genau von den entsprechenden Unternehmen, die die Kraftwerke entwickeln, haben wir auch Leute bei uns im Team, die jetzt eher dann aber im Power Plant Engineering arbeiten und die ersten Konzepte entwickeln, wie ein, Fusionskraftwerk aussehen kann.
Sophia Und die Motivation dahinter ist genau die, dass es natürlich demotivierend ist, in einer Industrie unterwegs zu sein, die immer kleiner wird und wo jedes Projekt noch mehr schief geht als das davor. Und da so ein bisschen die Hoffnung war, dass man jetzt in der Fusion auch mal wieder wirklich an der Zukunft mehr arbeiten kann.
ilan Ja, cool. Das stimmt. Also an was arbeiten, wo was entsteht, was ein Potenzial hat, größer zu werden, macht sich ja mehr Spaß, als gegen alle Widerstände zu kämpfen, was zu erhalten. Verstanden. Und das baut ihr hauptsächlich in zwei Standorte,
Sophia Ne? Genau, ja.
ilan München und...
Sophia Ja, unser Hauptstandort ist in München. Wir haben ein kleineres Team auch in Colorado, wo wir diese Technologie-Demonstrator-Anlage bauen. Genau, aber Technologieentwicklung, alle IP und so weiter machen wir alles dann.
ilan Ich bin ein großer Colorado-Fan. Ich habe da eine Zeit lang gelebt. Ich habe da meinen Aus- und Schüler-Austausch gemacht.
Sophia Ah, cool. Ja, da muss man vorbeikommen.
ilan Ja, stimmt doch vielleicht diesen Sommer nicht. Aber kann man sich da irgendwas angucken? Wie sieht es da aus? Einfach ein paar Lamoure oder wie wäre man da so ein großer Kühltwurm?
Sophia Ja, da kann man sich mittlerweile was angucken. Also, was machen wir da? Ein großes Projekt mit der Colorado State University, mit dem Ziel, dort unsere Lasersysteme quasi in Proof of Technology nachzuweisen. Wir haben uns da verschiedene technische KTIs gesetzt, die wir als Grundannahme brauchen für ein kommerziell tragfähiges Kraftwerkssystem.
Sophia Das ist einmal die Effizienz der Laser. Klar, wenn ich mehr Strom brauche, um den Laser überhaupt zu betreiben, dann kommt am Ende auch mit weniger Strom aus dem Kraftwerk raus. Das ist die Schussfrequenz. Das steuert am Ende auch, wie viel Strom rauskommt. Wenn ich natürlich häufig 200, sobald ich schießen kann, dann habe ich am Ende auch wieder mehr Stromoutput.
ilan Und das fängt an, was ist die Begrenzung daran? Also warum kann man nicht so hoch schießen?
Sophia Es ist so eine hohe Intensität von jedem einzelnen Laserpuls, dass die Komponenten, meine optischen Komponenten, meine Spiegel und so weiter, einfach einer extremen Belastung ausgesetzt sind. Und daraus habt ihr einfach Materialbelastungsgrenzen, die ich berücksichtigen muss, weil die Leute durchschießen. Zum Beispiel diese, Diese Forschungsanlage in den USA, wo der Durchbruch in der Laserfusion erreicht wurde, die können einmal am Tag schießen.
Sophia Denen sind die Belastungsgrenzen nicht so wichtig, weil die halt danach einfach die Komponenten, die Spiegel und Linsen und so weiter austauschen können. In einem Fastplex-Betrieb geht das nicht. Also da muss mein Laser schon über eine Weile im Betrieb sein. Ich kann zwar sagen, das sehen wir auch vor, dass ich etwas mehr Laser baue, als ich tatsächlich brauche, damit ich immer wieder einen rausnehmen kann.
Sophia Und Maintenance machen kann, aber ich fand nicht alle meine hunderte Lasersysteme nach jedem Schuss korrigieren.
ilan Sorry, ich habe letzte Woche gerade ein bisschen erzählt, was in Colorado ist und was in München ist.
Sophia Genau, in Colorado, wir bauen gerade zwei dieser Lasersysteme, die sind auch schon relativ weit fortgeschritten, die werden dann in diese Facility in den USA eingebaut und genau, da ist dann einfach das Ziel, diese KPIs, diese technischen KPIs dann auch nachzuweisen. Und genau, wir bauen das gerade dieses Jahr, Ende des Jahres soll es fertig werden.
Sophia Wir haben immer so einen Timelapse im Office, den man auch anschauen kann, wie weit es gerade ist. Es war total cool zu sehen, die letzten Jahre war immer, wenn man den Timelapse angeschaut hat, sieht man halt so die ganzen Laster und so weiter, Wagger auf der Anlage. Und mittlerweile, so seit drei, vier Monaten, ist dann immer am Ende des Timelats auf einmal ein Gebäude.
Sophia Genau, und das ist jetzt das Ende des Jahres fertig und der kommt ja dann mal bei uns.
ilan Cool, und wie verteilt sich das sozusagen grob von den Funktion und der Anzahl der Mitarbeiter aus den beiden Standorten München und Colorado.
Sophia Genau, wir haben gerade ein recht kleines Team noch in Colorado. Es sind so drei Leute aktuell und das werden wir bis Ende des Jahres dann auch weiter aufbauen. Weil dann geht es natürlich auch in das Commissioning der Anlage, in das Commissioning der Lasersysteme und so weiter. Da brauchen wir dann auch ein Team vor Ort.
Sophia Und aktuell, der Bau der Anlage wird übernommen von der Colorado State University und gemeinsamen Partnern, was natürlich für uns super cool ist, weil, wir quasi unser Equity investieren können in die Entwicklung der Technologie und nicht in den Aufbau eines Hauses. Aber genau, deshalb war jetzt da für uns aktuell noch nicht so viel zu tun und das ist deshalb noch relativ schlank.
ilan Die Colorado State University, CSU. Genau, ja.
Sophia Kostet auch irgendwann mal auf, hä, wieso baut die CSU mit einer Technologie-Ernustrator in Amerika?
ilan Du hast ja auch gesagt, Teil deiner Rollenbeschreibung ist Finanzierung, Fundraising. Über 400 Millionen Dollar oder sowas, das ist eine enorme Menge für ein europäisches Deep Tech, da gucken alle hin. Wie war das? Series B vor einem Jahr oder sowas? Dann haben wir eine Extension gemacht. Wie habt ihr die Investoren überzeugt, in so eine risikoreiche Wagnis-Technologie zu investieren?
Sophia Naja, risikoreiche Wagnis-Technologie ist jetzt natürlich ein sehr deutsches Framing. Am Ende des Tages ist die Frage, in einem Investment ja immer eine Balance zwischen Risiko und Potenzial. Und das glaube ich, ist in unseren Investoren schon klar. Ja, es gibt ein technologisches Risiko, das ist auch früher als in anderen Unternehmen, aber das Potenzial des Marktes, das Return-Potenzial ist halt auch dementsprechend ein bisschen größer.
Sophia Und das muss halt immer zueinander passen. Ich kann wahrscheinlich kein, also das Investment, wo ich zwar niedriges Risiko habe, enormen Return habe, muss mir jemand zeigen. Da will da natürlich jeder investieren. Genau. Aber das ist, glaube ich, so grundsätzlich die Gewertung, wie da vorgenommen wird.
Sophia Wie konnten wir unseren Bitcoin überzeugen? Natürlich ist es einfach fundamental wichtig, dass man die Meinstände, die man sich vornimmt, auch umsetzt, dass man einen innovativen Ansatz hat, dass man ein exzellentes Team hat. Ich glaube, da sind wir einfach bisher sehr gut aufgestellt. Es ist natürlich auch ein Thema, wir haben auch noch hohe Kapitalbedarfe, man muss einfach auch in Kontakt bleiben, Beziehungen über einen langen Zeitraum aufbauen und so weiter.
Sophia Fusion ist jetzt nichts, wo ich einen Cold-Outreach mache und einen Twitch-Deck vorlege und dann wird man einfach mal so. Da muss man schon auch Vertrauen aufbauen zwischen den anderen Leuten.
ilan Nicht einfach so eine Pitch-Competition und dann die Teil-Kirche. Ja, das ist vielleicht auch ein bisschen zu bilderbuchhaft. Aber genau, dann habt ihr nochmal so eine 50 Millionen Extension gemacht, wenn ich das richtig gesehen habe. Und da hatten wir Siemens Energy Ventures, Equity und den EIC Fund.
ilan Wie war das? Was sind das für Arten von unterschiedlichen Hintergründen von Investor?
Sophia Also das ist ganz fundamental eines unserer Kernprinzipien im Fundraising, dass man wirklich ein breit gefächertes Portfolio an Kapitalgebern da zusammenbringt. Wir haben sehr, sehr starke Family Offices dabei, die einfach ein bisschen die Langflüssigkeit mitbringen. Wir haben sehr starke VCs dabei. Dabei wir haben jetzt eben auch strategische Investoren, beziehungsweise Energy natürlich jetzt auch jemanden, der auf der Technologieseite unterstützt, aber auch davor schon die Deutsche Telekom, die Investor Demand-Signal-Trift gegründet hat.
Sophia Und dann öffentliche Investoren wie jetzt EIC und auch andere, Sprint in Deutschland zum Beispiel. Und das ist einfach ganz wichtig, dass man da ein gutes Setup findet, weil wir lange Horizonte haben und da einfach auch eine Investorenbasis brauchen, mit der wir diesen Weg gemeinsam über einen langen Zeitraum auch gehen können.
ilan Und hat sich das irgendwie nach der letzten Extension dann nochmal verändert, wie man mit denen zusammenarbeitet? Bei so einem Stratege wie Siemens denkt der irgendwie auch anders drüber nach, als die anderen Investoren, die ihr vorher drin hattet. Wie ist da so die Arbeitsteilung?
Sophia Ja, also ich meine, wir sind natürlich ständig dabei, uns zu professionalisieren, unser Board-Setup zu professionalisieren und so weiter. Da gibt es jetzt gar nichts so sehr aus den neuen Investoren. Zudem konnte ich ja einfach generell, dass wir älter werden und da einfach uns weiterentwickeln. Aber genau, da sind wir auf jeden Fall auch dabei, neue Wege zu gehen, wie wir, ja, so wie das sind, die Garandent aufsetzen, um uns da bestmöglich auch für die Zukunft aufzustellen.
ilan Cool. Und lassen wir mal zu diesem Pass-Igniter-Konzept kommen. Also ihr habt ja sozusagen noch keinen funktionierenden Prototyp oder für den kleinen Teil dann doch. Also das ist ja noch nicht so ganz klar. Wenn ihr nochmal ausschlüsselt könntest, warum ihr glaubt, dass dieses Konzept so wichtig ist für die Kommerzialisierung.
Sophia Ja, ich fange vielleicht einmal nochmal vorne an bei diesem Experiment in den USA. Also super cool, die haben gezeigt, man kann mit einem Laserpuls am Ende Fusionsreaktionen auslösen, die genug Energie liefern, dass es mehr ist als in einem Laserpuls. Genau. Jetzt ist es aber so, es ist immer eine Frage der Systemgrenzen.
Sophia Wenn ich auszoome und berücksichtige, wie viel Strom gebraucht wurde, um den Laser zu betreiben und einen Lichtpuls aus diesem Laser zu erzeugen, dann ist ganz schnell wieder, na Gott, das war nicht so. Dann ist das Verhältnis wieder. Kein Energiegewinn an der Stelle. Und da gibt es einfach verschiedene Hebel, an die ich jetzt rangehen kann, wie ich das effizienter mache.
Sophia Der Laser in den USA oder die Laser in den USA haben einfach 0,5 Prozent Steckdosen-Effizienz, sag ich mal. Also von dem Energiebedarf, den ich aus der Steckdose nehme, kommen nur 0,5 Prozent in meinem Lichtpuls an. Da habe ich ein irre großes Potenzial, Effizienz rauszuholen. Das Zweite ist, wir nutzen einen Ansatz, die Laser werden quasi in so eine Target-Kapsel, eingebracht, die Laserstrahlen und in der Kapsel dann in verschiedene andere Energieformen immer umgewandelt, werden reflektiert, dann X-Rails und andere, sodass ich dann quasi diese Komprimierung des Fusionskerls oder des Brennstoffs erreichen kann.
Sophia In jedem Umwandlungsschritt verdiene ich wieder ein bisschen Energie. Und da habe ich auch nochmal die Möglichkeit, indem ich einfach die Einkopplung des Laserpulses in das Target effizienter mache, dass ich meine ganze Gleichung wieder positiv bekomme. Das ist im Endeffekt genau das, wo Marve Fusion ansetzt.
Sophia Wir haben unser eigenes Laser-Design, das jetzt schon mal 20 Prozent effizienter ist als die Lasern dieser Lasern in den USA. Wir haben auch weitere Konzepte, die uns da auch durchaus noch mehr Potenzial geben können. Und zum anderen arbeiten wir an der Energieeinkopplung. Und da setzen wir Aufnahmungsstrukturen. Das ist eigentlich ganz simpel, wenn man sich vorstellt, man schießt mit einem Laser mit Licht auf eine glatte Oberfläche, damit viel vom Licht einfach reflektiert.
ilan Spiegel ist glatt.
Sophia Genau. Wenn ich auf Nanostrukturen, wenn ich diese Oberfläche nanostrukturiere, dann habe ich einfach mehr Möglichkeit, mit dem Laserpuls in das Material einzudringen und die Energie auch absorbieren zu lassen. Was dann sehr vereinfacht. Passiert ist, dass ich mit meinem Lichtpuls auf meine Nanostrukturen schieße.
Sophia Der Lichtpuls hat so eine enorme Kraft, kann man sich vorstellen, wie wenn man den Eiffelturm umdreht und sich auf die Fingerspitze stellt. Quasi der Photonendruck, den dieser Lichtpuls auf die Nanostrukturen ausübt. Er schiebt die Elektronen raus und was übrig bleibt, sind Ionen, positiv geladete Teilchen, die sich gegenwärtig abstoßen und Strahlung.
Sophia Und die wiederum prallen in einen umliegenden Brennstoffringen und lösen in diesem Brennstoffring dann Fusionsreaktionen aus. Und diese einzelnen Schritte, Lichtpolis, Nadelstrukturen, Nadelstrukturen, Fusionsreaktionen, haben wir in einzelnen Experimenten auch so schon nachgewiesen, validiert. Was jetzt halt fehlt, ist das Ganze zu skalieren. Also bisher sind wir da auf subskaligen Größen noch unterwegs.
Sophia Ganze zu skalieren und dann quasi auch in einem integrierten Target zu lassen.
ilan Und aber der Name suggeriert ja Fast-Signal, dass es irgendwie besonders schnell ist im Gegensatz zu anderen.
Sophia Genau. Also durch diese extrem effiziente Absorption in die Nanostrukturen und die Beschleunigung der Ionen, habe ich da quasi genau geht über Geschwindigkeit. Das hilft mir auch enorm dabei, meine Instabilität. Also ein großes Problem bei der Fusion im Allgemeinen und auch bei der Laserfusion im Speziellen sind Instabilitäten.
Sophia Man kann sich das vorerstellen, bei der Laserfusion versuche ich ja auch teilweise über Kompressionen zu arbeiten. Wenn ich jetzt eine Wasserbombe habe und die quasi in meinen Händen zusammendrücke, dann will die immer zwischen meinen Fingern irgendwo wieder raus. Und das sind Instabilitäten, die ich vermeiden kann, wenn ich so schnell bin, dass es quasi gar nicht zu diesen Instabilitäten kommt.
ilan Also als du eben über die Wasserbombe gesprochen hast und über den Fusionskern, hast du einmal so eine, für alle, die uns in den Lugbohren haben und mich richtig auf mich wählen, hast du so eine Behandbewegung mit deinen beiden Händen gemacht. Ist das so ungefähr die Größe, die Skala, die mit so und so oder
Sophia Wie kann man die sagen? Ne, ist deutlich kleiner. Deutlich kleiner. Ja, genau. Also es sind eher so mini kleine Topplatten.
ilan Okay. Und dann, der Ring, der außen rum ist, der ist keine Sphäre, sondern der ist wirklich nur ein Ring. Das heißt, es gibt irgendwie so eine Art Dimensionalität, dass es nur in die Einrichtung dann.
Sophia Ja, das Spannende ist auch diese Nanostrukturen, also die Industrie, die führend ist in der Herstellung von extrem kleinen Strukturen, ist ja die Haltblatterindustrie. Das ist für uns extrem cool, weil wir da einfach auf der Innovationsfähigkeit dieser Industrie auch aufbauen können, und haben da auch in verschiedenen Partnerschaften gezeigt, total cool.
Sophia Was wir brauchen, sind extrem reguläre, kontinuierliche Strukturen, damit ich einfach kontrollieren kann, in welche Richtung gehen die Ionen und die Strahlung und so weiter. Wir haben da mit Partnern auch gezeigt, erste Tests zur Produktion dieser Nanostrukturen, richtige Kunstwerke mit ganz vielen Verästelungen und so weiter.
Sophia Und dann hat es sechs Monate, fünf Generationen gedauert, bis wir wirklich hochreguläre, wie so ein kleiner Wald, uns stehen hier alle hintereinander, die Nanostrukturen. Und dann nicht nur einzelne Beispiele, einzelne Prototypen, sondern wirklich auch Wafer-Scale, also tausende pro Produktionsgang, genauso wie das in der Leiterindustrie auch passiert.
ilan Das ist ja nur ein Wafer-Scale, das sollte mir gar nicht so sparen. Und lassen wir ein bisschen zum Markt und Kunden kommen. Wir haben ja eine Technologie abgedeckt und wie das alles entstanden ist, aber ihr wollt ja irgendwie die Energie auch ein Unternehmen bringen zum Beispiel, wie Funktioniert das?
ilan Also wer könnten die ersten Kunden sein von eurem Kraftwerk?
Sophia Ja, also wir sehen, wir sind relativ früh rausgegangen, da auch mit Endkunden zu sprechen und sehen im Endeffekt so drei Cluster, sage ich mal. Ganz besonderen Bedarf, insbesondere in Deutschland und in Europa, haben die energieintensiven Industrien, also Stahlproduktion, Metallproduktion, Chemie, Vielleicht in Zukunft auch Wasserstoffproduktion, die einfach enorm hohe Energieabnahme, oftmals Strom und Wärme an einem zentralen Ort haben.
Sophia Die Anlagen stehen da seit hunderten Jahren. Rechnet sich für die nicht, die umzubauen und irgendwie dahin zu bauen, wo jetzt heute günstig Strom produziert werden kann. Und die stehen auch oftmals da, wo früher günstig Strom produzieren werden konnte, irgendwie im Ruhrgebiet oder so zum Beispiel.
ilan Wo das auch kaum war.
Sophia Genau, genau. Und die haben einfach enorm hohe Bedarfe, haben da einen großen Need, weil sie im Endeffekt eine Commodity produzieren, im internationalen Wettbewerb stehen. Wenn jetzt irgendwo anders der Strom oder die Energie halb so teuer nur ist, dann haben natürlich die deutschen Spieler einfach einen Wettbewerbsnachteil global.
Sophia Gleichzeitig ist es aber natürlich so, dadurch, dass sie auch selbst in einem Commodity-Business sind, tun sie sich jetzt am Anfang ein bisschen schwer, das Risiko, das wir aktuell noch mitbringen, auch zu absorbieren. Also wir haben einen großen Bedarf und das werden auch auf jeden Fall die Industrien sein, die früh die Kraftwerke mitgestalten und abnehmen werden.
Sophia Vielleicht sind es nicht die Ersten, das müssen wir noch schauen. Da zeichnet sich eine neue Gruppe ab, auch in den USA. Insbesondere haben wir da wirklich schon auch unterschiedliche Stromabnahmeverträge beobachtet.
ilan Beobachtet aber nicht ihr?
Sophia Genau. Das ist Datacenter und AI. Also in den USA Microsoft mit einem Wettbewerber und Google mit einem Wettbewerber. Natürlich enorme Energiebedarf ja auch oder Sprungbedarf jetzt in dem Fall konkret. Und ja, enormes Wachstum auf der Seite, vergleichsweise aber halt auch diese tiefen Taschen, die sich erlauben können, auch mal ein gewisses Risiko mitzugehen.
Sophia Auch in Deutschland, da eben die Deutsche Telekom als zweitgrößter Stromverbraucher hat eben auch sich an unserer Series B beteiligt. Und wir sehen auch von, sowohl von denen natürlich, aber auch von den entsprechenden anderen Spielern in Deutschland dann mittlerweile Groß- und Wachstumsinteresse.
ilan Ja, das wäre jetzt auch meine Frage gewesen. Braucht man überhaupt irgendwelche Abnahmeverträge oder ist am Ende, es ist ja irgendwie ein Hochrisikoabnahmevertrag, macht es da nicht mehr Sinn, quasi direkt eine Investition zu machen, also sozusagen als Wagniskapitalgeber, so wie es sich die Telekom strukturiert hat?
ilan Oder braucht es wirklich ein Google, die sagen, ja, wenn es dann da ist, nehme ich es ab. Also am Ende, wir haben ja einen sehr gut funktionierenden, hochliquiden, deutschen Strommarkt, eine der größten Gebotszonen in Europa, die größte Gebotszone in Europa und weltweit. So, braucht man da überhaupt PPAs für oder funktioniert es eigentlich, also wenn es dann einmal da ist, dann wollen es doch alle haben, oder?
Sophia Ja, also ich denke, es wird ein Mix sein. Klar braucht es die Investitionen und vor allem jetzt braucht es die auch, aber es wird in Zukunft auch die Stromabnahmevertränke brauchen. Das war ja auch bei den Erneuerbaren im Endeffekt am Anfang so und ist immer noch so. Ein Stromabnahmevertrag ermöglicht es mir als Unternehmen halt auch teilweise durch Fremdkapitalfinanzierung meine Anlagen zu finanzieren und wir sind schon davon überzeugt, dass es auch notwendig und hilfreich sein wird für die ersten Anlagen, da einen Stromabnahmevertrag einzugehen.
Sophia Man kann ja immer diskutieren, sowohl bei den Investments durch einen möglichen Abnehmer als auch bei Stromabnahmeverträgen das ganze meilensteinbasiert, zu gestalten, sodass jetzt für beide Seiten das Risiko dann, irgendwie auch fair verteilt wird, dass man jetzt nicht hier up front das ganze Volumen eines Stromabnahmeverträges bezahlen muss, sondern man sagt, wenn gewisse Meilensteine erreicht sind, dann werden auch Payments ausgelöst.
ilan Und du hast im Vorgespräch gesagt, dass du deine Doktorarbeit jetzt gerade jüngst verteilt hast. Glückwunsch dafür. Ich stelle darauf an, in der Intro sage ich dann Frau Doktor. Aber du hast dich ja in der Arbeit auch um die Integration von Fusionen in den Energiemarkt damit befasst. Gibt es da besondere Hürden, die du siehst, die jetzt nicht physikalischer Natur sind, sondern wie wichst du da aus? entleiten hast.
Sophia Also ich habe mir ganz bewusst nicht angeschaut, was die technischen Herausforderungen sind oder kann Fusion funktionieren, sondern wirklich an den Punkt eingesetzt, was passiert, wenn die Fusion funktioniert. Wie verändert sie unser System? Ich bin ja Energiewirtschaftlerin, deshalb habe ich mich quasi auf meine Fokusthemen da auch konzentriert und habe da Energiesystemanalysen durchgeführt.
Sophia Also Vergleiche zwischen einem System mit Fusion zu verschiedenen Kostenpunkten, zu verschiedenen Zeitpunkten mit einem System ohne Fusion.
ilan Hast du dann so die Energiesystemmodelle PyPSA?
Sophia Genau, Pipestar.
ilan Ja, cool. Grüße gehen raus. Ja, genau. Die Open-Source-Modeling-Community, die mir auch sehr anherrscht.
Sophia Genau, ich habe Pipestar dafür genutzt, weil Pipestar natürlich den Vorteil hat, es gibt ein vorparameterisiertes Modell. Da sind einfach schon alle Annahmen zum Energiesystem, Es ist ein Set von Annahmen zum Energiesystem drin, das integriert auch die aktuelle Brownfield-Infrastruktur schon total schön und es ist sehr, sehr umfassend und ich konnte mich dann quasi darauf konzentrieren, diesen System dann noch als weitere Technologieoption, Fusionsenergie mit verschiedenen Parametersets zur Verfügung zu stellen.
Sophia Und habe mich dann darauf konzentriert, eben da verschiedene Szenarien miteinander zu vergleichen, was kann der Impact sein. Was super spannend ist, aus meiner Sicht ist, also der technische Beitrag, der Marktanteil, sowohl jetzt installierter Kapazität als auch Energieerzeugung, kann wirklich enorm groß sein.
Sophia Egal, wann die Fusion kommt, kommen wir, wenn wir bis 2100 modellieren, kommen wir bei ähnlichen Marktanteilen raus. Aber man muss schon auch sagen, je früher die Fusion kommt, desto größer ist der wirtschaftliche Impact. Also ein Gigawatt-Fusionskapazität, das nach 2050 installiert wird, hat einfach weniger Systemkosteneinsparungspotenzial als ein Gigawatt, das vor 2050 installiert wird.
Sophia Unter der Annahme, dass wir es schaffen, bis 2050 unser System auch zu dekabonizieren.
ilan Weil wir dann nicht sozusagen viele der Investitionen tätigen, die wir nicht brauchen in eine Fusion. Also zum Beispiel eine Überbauung des Netzes und eine Überbauung von einer anneuerbaren Produktionsindustrie.
Sophia Ja, also man sieht auch, der Systemeffekt, den Fusion hat, der kommt nicht primär aus dem günstigen Strom. Fusion ist in meinen Annahmen, und die ich ja auch aus der Literatur und so weiter hergeleitet habe, nicht die günstigste Stromerzeugungsvariante. Solarenergie zum Beispiel wird immer günstiger sein.
Sophia Aber ich habe halt mit Fusion die Möglichkeit, Grundlaststrom zu erzeugen. Und damit spare ich mir halt ganz viel Systemkomplexität ein. Ich muss weniger Speicher bauen, ich muss weniger Stromnetze ausbauen. Ich kann die Erzeugung wieder mehr an den Bedarf anbringen. Man sieht zum Beispiel, so ist ja ein europäisches Modell, man sieht zum Beispiel in dem Szenario, ohne Fusion, dass halt enorm viel der Erzeugung dann in die Randregionen Europas abwandern, also in den Süden wegen Solar, in den Norden wegen Wind.
Sophia Und in einem Szenario mit Fusion kommt das alles wieder dahin, wo auch die Demandcluster sind, zum Beispiel halt dann auch mehr Erzeugung in Deutschland. Und das wiederum führt dann dazu, dass Fusion halt einen enormen Kosteneinsparungsfaktor darstellen kann.
ilan Das ist ja das große Versprechen, dass wenn das kommt, dass wir eben weniger System umbauen müssen oder Systemumbaukosten vermeiden müssen. Es gibt ja jetzt nicht nur Fans von Fusionsreaktoren oder den Ideen, dass sie irgendwann mal kommen. Kriegst du manchmal Gegenwind aus der, was weiß ich, Anneuerbaren-Community oder aus der Gaslobby-Art-Gaskarte, die schon bei dir angerufen und gesagt hat, was macht dir denn daran immer auf? Oder hey, die sind eigentlich supportive gerade, oder?
Sophia Supportive, genau. Also generell haben wir politisch gerade sehr viel Rückenwind, was uns ja freut. Die deutsche Bundesregierung hat ja in ihrem Koalitionsvertrag sich auch vorgenommen, wenn man das erste Fusionskraftwerk der Welt in Deutschland stehen soll, was wir sehr begrüßen und da auch jeden Tag hart an Arbeiten.
Sophia Aber klar gibt es auch Gegenwind. Ich glaube, viel davon kommt so ein bisschen aus der Angst heraus, dass wir jetzt nur noch Fusion machen und mit dem Rest der Energiewende jetzt aufhören. Das wäre aber nicht unsere Position beim Mavic-Gilfen. Also wir sagen schon, man muss die Energiewende weiter vorantreiben.
Sophia Aber Fusion eben genauso.
ilan Kann ein Bestandteil sein. Sollten wir aus Risiko-Diversifikationsgründen sowieso nicht alle Eier in einen Korb. Absolut.
Sophia Und wenn ich jetzt sage, also die Forderungen, die wir so stellen, was wir brauchen, ist so ein kleiner, einstelliger Milliardenbereich. Wenn ich mir überlege, wie viele Milliarden gebraucht werden, um das Netz umzubauen, um erneuerbare Überkapazitäten zu bauen und so weiter, dann ist es eigentlich verhindernmäßig wenig.
Sophia Und ich kaufe mir damit ja quasi eine Option, dass ich eben viele von den anderen Investitionen gar nicht dringenderweise machen muss, wenn ich das mit den kommerziellen Gesundheitskraftwerken hinfahre.
ilan Was ist die Forderung gerade? So drei Milliarden oder so aus den Interessenverbänden sozusagen von euch? Das ist ja im Vergleich zu den Förderungen, die wir in andere Subventionen gesteckt haben, schon deutlich kleiner eigentlich,
Sophia Oder? Genau, also wir sind auch deshalb überzeugt davon, dass diese Unterstützung auch möglich sein sollte. Wie gesagt, weil ich mir damit Einsparungen an anderen Ecken ermöglichen kann, wenn ich das hinbekomme. Und am Ende des Tages ist es auch einfach fundamental wichtig, dass wir hier als Deutschland auch entschlossen voran gehen und auch mal ein bisschen Ambition zeigen, sage ich jetzt mal.
Sophia Wenn man sich wieder den globalen Fusionsmarkt anschaut, dann sind einfach die Finanzierungsbedingungen in den USA, deutlich besser und da brauchen wir einfach auch die Unterstützung sowohl aus der Politik als auch aus der Industrie und da müssen wirklich jetzt mal alle, am selben Strang ziehen. Es sagt immer, wir haben die Softwarewelle verpasst, wir haben die AI-Welle verpasst.
Sophia Jetzt versuchen wir gerade noch irgendwie einen Fuß in die Defensewelle zu bekommen. Und Fusion könnte wirklich diese Welle sein, wo wir zum ersten Mal wieder ganz vorne mit dabei sind. Wenn wir uns jetzt nicht im Übrigen, wir wollen es allen recht machen, verhindern.
ilan Es gibt ja drei deutsche Fusion-Startups, also Marvel mit euch, dann Proxima und Focus Energy noch. Und ihr fordert drei Milliarden. Würdest du sagen, dass es realistisch ist, dass das kommt? Und wenn es nicht kommt, braucht ihr es wirklich? Was ist der Unterschied, ob es anderthalb sind oder zwei sind?
Sophia Am Ende des Tages hat das Geld einen signifikanten Impact auf Geschwindigkeit. Wenn der Anspruch ist, dass wir das erste Fusionskraftwerk in Deutschland bauen, der politische Anspruch, dann brauchen wir eben auch die entsprechenden Rahmenbedingungen. Das inkludiert auch die entsprechenden Finanzierungsmöglichkeiten.
Sophia Das am besten finanzierte Fusionsstartup weltweit ist aus den USA. Die haben drei Milliarden eingesammelt. Alleine. Also die beurdern das nicht. In einem Verbreitung sind wir alleine schon aus privaten Mitteln auch zum großen Teil das eingesammelt. Solche Runden in Europa zu strukturieren, ist extrem schwierig.
Sophia Und da haben wir einfach einen Wettbewerbsnachteil. Wir sind trotzdem ja relativ weit gekommen. Also man könnte sagen, Notmacht erfinderisch. Wir haben da schon auch smarte Wege gefunden, wie wir uns finanzieren können. Wir haben viel über bestehende Infrastruktur auch schon an Fortschritten erzielen können durch unsere Experimentalkampagnen an bestehenden Laseranlagen zum Beispiel.
Sophia Also das heißt, es hört jetzt nicht auf, wenn wir diese Finanzierung nicht bekommen, aber unser Anspruch, das erste Kraftwerk in Deutschland zu bauen, würde darunter fehlfrei sein.
ilan Und wenn alles gut geht, plant ihr mit Reaktoren, die live sind und ganz viel Strom ins deutsche Netz schicken, In fünf Jahren, in zehn Jahren, in fünf Jahren, was ist euer aktueller Plan? Ihr seid sicher sehr ambitioniert, wie ich mal verpasst.
Sophia Mitte der 30er ist unser Plan. Zwei Dinge, die dafür ganz entscheidend sind, ist einmal Parallelisierung. Also historisch gesehen wurde der Fusionsforschung ja vor allem an wissenschaftlichen Instituten vorangetrieben, die da großartige Arbeit gemacht haben, die aber natürlich auch in ihren Mitteln begrenzt sind und deshalb Dinge immer nur sequentiell angehen könnten.
Sophia Die Freiheit, die wir jetzt als privatwirtschaftliches Unternehmen haben, ist, dass wir das Risiko eingehen können, Dinge parallel zu betrachten, obwohl es vielleicht in einem Workstream noch nicht die volle Klarheit über alle Annahmen besteht. Das heißt jetzt bei uns ganz konkret, dass wir während der experimentellen Validierung auch schon angefangen haben, ein Stabilizer zu entwickeln, die jetzt im Bau sind und auch angefangen haben, ein Werkkraftwerk zu entwickeln, wo wir letztes Jahr eine Pre-Conceptual Design Study mit Siemens Energy durchgeschwitzt haben.
Sophia Natürlich, dieses Pre-Conceptual Design zum Beispiel ist jetzt eine Basis, das so ein System, das alle Komponente eines Kraftwerks zusammenbringt und so als Basis dienen kann für ein Kraftwerk in Zukunft. Allerdings, da wird sich noch einiges tun, das muss sich weiterentwickeln, das muss sich optimieren und muss quasi immer diesen Loop aus Physik und experimenteller Validierung, Target-Entwicklung, aus Laser-Entwicklung immer zurück zum Kraftwerk und da quasi so einen.
Sophia Zyklus sicherstellen, damit die einzelnen Webstreams dann auch voneinander profitieren können. Das ist ja die eine Maßnahme. Die andere Maßnahme ist, einfach mit den führenden Unternehmen und Instituten in ihrem jeweiligen Bereich zusammenzuarbeiten und da das Wissen und die bestehende Infrastruktur und so weiter auch sinnvoll für sich zu nutzen.
Sophia Da haben wir jetzt zum Beispiel auch diese Partnerschaft mit Siemens Energy in der Kraftwerksentwicklung. Ein tolles Beispiel. Müssten wir das Inhouse-Masken, müssten wir tausende Kraftwerksingenieure anstellen und würden ewig brauchen, diesen Wissensbräufer, den Siemens Energy hat, aufzuholen. Und das macht ja für uns auch gar keinen Sinn, das ist nicht der primäre Kern unserer IP-Krise.
Sophia Klar kommt auch Wissen und IP aus der Integration der Systeme, aber unser Fokus muss natürlich auf der Target-Entwicklung und auf den Lasern, liegen und daraus die Kraft der Entwicklung sinnvoll ergänzen.
ilan Okay, okay. Mitte der 30er Jahre fängt 2032 an und hört in 1830 auf. Also es ist ja ein breiter, aber ich drücke die Daumen, dass es schnell passiert.
Sophia Ja, nicht mit uns, sondern alt. Wir brauchen dieses Gebühren.
ilan Als Marktbegleiter und keine Wettbewerber. Aber wie glaubst du oder mit was für einem Strommix hast du da in deiner Doktorarbeit auch gerechnet? Also das sind ja jetzt dann ungefähr zehn Jahre, sage ich jetzt mal, Mitte der 30er. Hat sich da schon, wie weit sind wir da mit den Erneuerbaren in deinen Annahmen, also in den Pipeser Bottle Runs, Siluatis, und du sagst, du hast bis 2100 ist ja so eine ultralange Uhr geturnt, aber vielleicht kannst du dazu nochmal was sagen, welche Erneuerbaren Projekte müssen jetzt schon anfangen, gehen Cashflow rechts nun drauf, weil die gucken natürlich auf 10, 15, 20 Jahre, was sie schreiben können, mit beachten, dass wir dann irgendwann anfangen zu produzieren.
Sophia Genau, also Also das ist natürlich die fundamentale Frage dessen, wie schnell können Fusionskraftwerke dazu gebaut werden. Ich habe verschiedene Szenarien angeschaut. Das reine Fusionspotenzial ist natürlich enorm, weil es halt dazu beitragen würde, dass das System sehr günstig wird. Wie schnell man da zubauen kann, habe ich jetzt mal konservativ modelliert, wie schnell wurde die Kernspaltung damals zugebaut.
Sophia Hatten wir ja vorher eher ein Negativbeispiel, weil einfach nicht auf Standardisierung, Modularisierung und so weiter geachtet wurde. Aber da war man so bei 10 Gigawatt im Jahr, das heißt wenn ich das jetzt annehmen würde, dann könnte ich halt über meine, das rampt dann auch erstmal hoch, typischerweise haben so Energietechnologien ja so eine S-Kurve, wie sie sich verbreiten dann bin ich irgendwo zwischen 50 und 100 Gigawatt bis 2050 Okay.
ilan Pass In Deutschland?
Sophia In Europa Okay, klar.
ilan Weil du aus Pipeser Europe Genau Sehr gut um Verstanden. Und also würdest du irgendjemandem empfehlen, quasi jetzt weniger erneuerbare Investitionen zu tätigen, weil das zu einer starken Konkurrenz kommt dann schon innerhalb dieser Cashflow-Zeitraumbetrachtung für einen Windpark-Investor oder Solarpark-Investor?
Sophia Na, ich würde immer empfehlen, sowohl als auch zu machen und sich vor allem daran zu orientieren. Wenn ich heute jemanden fragen würde, ob er jetzt vor zehn Jahren sich lieber schon mal Gedanken über AI gemacht hätte, dann würde jeder sagen, ja, auf jeden Fall. Und ich glaube, mit Fusion sind wir genau an diesem Punkt jetzt.
Sophia In zehn Jahren schauen wir zurück und denken, sonst hätten wir uns mal 2026 schon Gedanken über Fusion gemacht. Wenn ich als Stromeinkäufer ein Grundlastprofil habe und, jetzt in den Austausch mit einem Fusion-Startup, also gerne mit uns trete, dann habe ich natürlich auch die Möglichkeit, über die nächsten Jahre, da ein bisschen auch die Entwicklung mit zu verfolgen, auch die Gestaltung, die Anforderungen einer Fusion-Kraftwerke mit einzubringen, und mir dann möglicherweise, wenn ich mich entsprechend engagiere, auch eine Option zu sichern in den ersten Kraftwerten.
ilan Und wo finden die, wo dürfen sie dir schreiben? Also auf LinkedIn direkt? Nicht, dass es euch jetzt an PR mangelt, aber ihr seid ja dann Energiezone berühmt und dann werdet ihr ganz viele Anschriften machen, hoffentlich. Wir kommen langsam zum Abschluss. Ich weiß, du bist busy und du hast jetzt auch gleich den nächsten Termin. Das will ich respektieren.
ilan Lass uns noch mal ein bisschen den Blick wieder weiten und vielleicht aufs Politische gehen, wenn du jetzt Energieministerin wirst, wenn du oder Bundeskanzlerin, let's think big oder was weiß ich, die Europäische Kommission anführen würdest. Was wäre dir wichtig an politischen Maßnahmen, eine regulative Änderung vielleicht auch, die wir brauchen, damit es euch schneller geht?
Sophia Also wenn ich Politiker wäre, ich habe großen Respekt. Ich will eigentlich in der Regel nicht tauchen. Wenn ich Politiker wäre und das gilt auch nicht nur für den Energiesektor, dann würde ich nur eine Legislaturperiode aktiv sein wollen und in der Legislaturperiode dann ohne Rücksicht auf Verluste einfach mal einen Plan durchsetzen, der nicht alle unbedingt mitnimmt, weil ich glaube, wir arbeiten uns gerade, daran auf, immer alle versuchen mitzunehmen und uns wieder wählbar zu machen, anstatt wirklich uns an die großen Dinge heranzutrauen.
Sophia Für die Fusion heißt es konkret, wirklich entschlossen, Rahmenbedingungen zu schaffen, die den Kraftwerksbau ermöglichen. Also nicht nur Einzelmaßnahmen und nicht nur hier ein bisschen, da ein bisschen alle zusammenbringen. Das ist auch wichtig, aber vor allem brauchen wir die große Linie zum Kraftwerk.
Sophia Wir haben das Ziel, das erste Kraftwerk in Deutschland zu bauen und gerade sehen wir aber noch nicht. Es kommt vielleicht, es sind einige spannende Themen angekündigt, aber wir sehen gerade noch nicht, was da tatsächlich jetzt die Maßnahmen sind, die aufeinander aufbauen in Meilensteinen und dann den Kraftwerksbau auch anbieten.
ilan Cool. Und vielleicht können wir noch als allerletztes irgendwie so das größte Missverständnis der Klärfusion aufräumen. Was sind so Widerstände, die irgendwann nerven, wenn man sie zehnmal erklärt hat, die man auf den Dinnerpartys, auf den Barbangs gerne einmal komplett ausgeräumt haben will, weil es irgendwie so offensichtlich ist.
Sophia Also was ich immer ein bisschen schade finde, ist, dass wir in Deutschland uns sehr viel damit aufhalten, wann die Fusion endlich kommt. Okay, habe ich jetzt auch schon darauf rumgedrückt. Genau, und ob wir uns damit überhaupt beschäftigen müssen, so ungefähr. In den USA dreht man den Schieß einfach um. Man sagt, man möchte in zehn Jahren Kraftwerk haben, was muss ich jetzt tun, um da hinzukommen?
Sophia Und das ist ein Moment, was mir hier noch ein bisschen fehlt und was ich extrem schön fände, wenn wir da hinkommen könnten. Ich glaube, Bill Gates hat mal gesagt, man überschätzt, was man in einem Jahr erreicht und man unterschätzt, was man in zehn Jahren erreicht. Ich glaube, das ist ganz fundamental, die Light-Venier-Defusion.
ilan Aber das ist trotzdem einmal die 12- oder 18-Monats-Perspektive. Was sind so Einschränkungen, auf die ihr euch freut? Was passiert bei dir? Ihr werdet ja dann hoffentlich eine Update-Folge machen, wenn ihr einen riesengroßen Meisterstein erreicht habt. Worauf blickst du dann zurück? Was wir wirklich stolz gemacht haben?
Sophia Unser Proof of Technology in den USA, also der Nachweis unserer Laser-Technologie, und dann in Deutschland hoffentlich ein meisteinbasiertes Finanzierungsprogramm, bei dem wir dann anfangen können, wirklich auch an die großen Infrastrukturen, die Pilotanlage heranzugehen, in den Permitting-Prozess einzusteigen, den ersten Abnahmevertrag unterschreiben und dann die Fusion wirklich umsetzen.
ilan Okay, cool. Sophia, vielen lieben Dank, dass du dir die Zeit genommen hast und ganz viel Erfolg euch.
Sophia Dankeschön.
Ilan So, das war das Gespräch mit Sophia von Marvel Fusion. Und bevor wir jetzt, wie versprochen, in die technische Tiefe nochmal abtauchen, habe ich eine ganz kurze Bitte an euch, wie immer, wenn euch diese Folge gefallen hat und ihr die Einblicke, die tiefen Einblicke in die Technologien und Strategien aus der Energiewelt hier bei uns in der Energiezone schätzt, dann lasst dem Podcast bitte eine Bewertung da.
Ilan Egal auf welcher Plattform ihr seid, abonniert ihn irgendwie und teilt die Folge mit ein, zwei, drei anderen Leuten aus eurem Netzwerk, die den Content vielleicht auch spannend finden oder die davon wirklich profitieren würden. Warum fragen wir das? Naja, Reichweite und Wachstum helfen uns enorm dabei, auch in Zukunft gute Inhalte in genau dieser Tiefe zu produzieren und freuen uns sehr über eure Unterstützung.
Ilan Wenn ihr jetzt aber eher zu den weniger technisch Interessierten gehört, könnt ihr an der Stelle schon aussteigen. Geschäftsmodelle haben wir jetzt besprochen und Strategien und so weiter aus der Startup-Brille und Innovationsbrille. Aber für alle, die jetzt wieder an die Arbeit müssen, bis nächste Woche in der Energiezone, ganz viel Spaß.
Ilan Und für alle anderen habe ich mir überlegt, mache ich jetzt noch so einen Technical Add-on. Also ich möchte das, was ich hier verstanden habe und was hier technisch auch auf dem Spiel zu stehen scheint, nochmal zu. Ja, auf eine gewisse Art und Weise persönlich und plastisch machen, aufgrund von dem Eindruck, den ich hier gewinnen konnte.
Ilan Also ich war jetzt im Nachgang an die Aufnahmen mit Sophia in Berlin noch in Colorado. Von hier nehme ich auch gerade auf. Also ich war heute konkret in Fort Collins an der Colorado State University. CSU, CSU, natürlich nicht die bayerische, sondern hier die Coloradierne. Und ich durfte dort wirklich nah dran sein. Ich habe, wie man sich es vorstellt, ein bisschen klischeehaft so einen weißen Kittel angezogen.
Ilan So eine Laserbrille aufgesetzt und dann war ich halt da in diesem Lab und habe dann vor Ort gesehen, wie sie den Laser langsam hochfahren, wie so ein paar Wissenschaftler dann da ihre Experimente vorbereitet haben und konnte ganz viele Fragen stellen. Insbesondere an Alex und Eric. Beste Grüße gehen raus.
Ilan Ich weiß gar nicht, ob die jetzt auf Deutsch den Podcast hören können, aber ja, mega cool. Es gibt auch da so ein Office. Die Tische, an denen die arbeiten, sind so mega massiv und wirken im ersten Moment fast so wie so Oldschool-Industrie-Hardware. Extrem stabil aufgebaut. Und ich hatte genau da den Gedanken eigentlich, der für mich das Ganze auch in so einer Art Gleichnis übersetzt.
Ilan Die sehen ehrlicherweise genauso aus, als hätten sie auch im Manhattan Project stehen können. Und naja, wenn es gelingt, Fusionsenergie tatsächlich zu kommerzialisieren, was ja hier die Mission ist, über die wir heute sprechen, mal gesprochen haben, wäre das ein ähnlich riesiger Durchbruch, würde ich sagen.
Ilan Nicht nur wissenschaftlich, sondern als realer Baustein in der Energieversorgung, die ganz, ganz viele Probleme lösen könnte. Und ich finde das jetzt so cool, ich will jetzt noch mehr erfolgen, ähm, noch mehr Erfolgen der Fusion auch widmen. Ich glaube, da ist echt ein Riesenpotenzial. Aber jetzt, was habe ich heute gesehen? Also diese neue Atlas Facility, steht für Advanced Technology Lasers for Applications and Science, ist noch überhaupt nicht fertig. Also was man von außen sieht, ist einfach eine Baustelle, direkt da schön an der Mountain Range, super schön gelegen.
Ilan Vom Balken wirkt es wie ein modernes Office-Gebäude oder so, was da gebaut wird, aber handelt sich halt um ein 150-Millionen-Dollar-Projekt. Und im Kern geht es dort genau um die Hardware, die in ihrer Intensität unglaublich schwer zu begreifen ist. Was mich vor Ort am meisten beeindruckt hat, ist sozusagen das absolute Extrem der Skalierung. Also die Anlage wird aus drei so ultra hochintensiven Lasern bestehen.
Ilan Die gibt es ja noch nicht, aber wir haben mir sozusagen die Vorgängerversionen davon gezeigt. Und die neue soll dann eine Spitzenleistung von sieben Petawatt erreichen. Also ein Petawatt ist eine Billiarde Watt, muss man sich mal überlegen. Also mehr als das 5000-fache der gesamten Stromerzeugungskapazität aus den USA und nochmal Faktor 5 oder so, keine Ahnung, dann Deutschland und gebündelt in sozusagen einen winzigen Sekundenbruchteil, sogenannte Femtosekundenpulse Und dieser unglaubliche Energiewert wird dann synchron auf einen Fokuspunkt von etwa 100 Mikrometern geschossen.
Ilan Das entspricht ungefähr der Breite von einem menschlichen Haar. Ich glaube, das hat Sophia auch erklärt. Und auch die Targets, die Sophia ja auch erklärt hat, auf die geschossen wird, sind extrem faszinierend. Also Marge Flusen nutzt ja da keine massiven Goldzylinder, in denen irgendwie ein Gas erhitzt wird oder so, sondern jetzt wie zum Beispiel bei der NIF, National Ignition Facility, sondern sogenannte Nanostruktur-Targets.
Ilan Und die bestehen unter anderem aus Silizium-Nanostrukturen und können mit so etablierten Lithographie-Verfahren aus der Halbleiterindustrie auf Wafern gefertigen. Und das ist das, was da so viel Potenzial auch macht für die Kommerzialisierung da. Also der Brennstoff ist dabei quasi bei Raumtemperatur einfach fester.
Ilan Das ist wirklich einfach wie so eine Glasscheibe, ein Kristall halt und der physikalische Mechanismus, den ich heute erst so richtig verstanden habe, was ich da war, der dahinter ist, ist einfach, anstatt einfach nur ein Plasma ultraheiß zu machen, also sogenannte thermische Fusion, geht es hier nicht nur um thermische Fusion, sondern die Laser Energie, die da Geschossen wird, versetzt die Kristallstrukturen der Targets in einen extrem angeregten Zustand.
Ilan Also die Energie wird gezielt genutzt, um die Atomkerne des Brennstoffs dann auf eine hohe Geschwindigkeit zu beschleunigen, um so die Fusionsreaktion dann auszulösen. Und der Laser selbst starten wie so sehr kleine Blitzimpulse. Also da werden in Zukunft so Halbleiter-Dioden benutzt, das sind jetzt aktuell noch andere, und werden dann wie so in so Verstärkerröhren über eine Distanz von, wenn man es alles in einer Linie hätte, mehr als 100 Metern immer weiter hoch energetisiert.
Ilan Aber das war nicht 100 Meter lang, sondern war ein kleineres Labor, ich schätze das mal 100 Quadratmeter oder 200 Quadratmeter oder sowas, und dann quasi wie so Schlaufen gelegt. Aber wenn man es halt hintereinander machen würde, dann wäre es 100 Meter lang. Und das alles passiert ja nicht nur einmal, sondern aktuell, in der aktuellen Version Der Anlage dauert drei Hertz, also dreimal pro Sekunde. Und für das kommerzielle System ist das dann anvisiert mit einer Wiederholungsrate von zehn Hertz, zehn Blitze pro Sekunde.
Ilan Und aktuell schaffen sie die 3 Hertz auch nur über so 30, 40 Sekunden. Und warum finde ich das so spannend? Warum emotionalisiert mich das so? Naja, in der Energiezone geht es ja immer auch darum, was am Ende im Markt landet. Und wenn diese Anlage... Dann irgendwann ab Ende des Jahres oder irgendwann am Anfang nächstes Jahr oder auch immer, beweist, dass diese Systemkette aus, was sie Wallplug-Efficiency nennen, also Wand zu Steckdosen-Effizienz und dann auch die Target-Fertigung und diese 10 Hertz-Dauerfeuer, wenn das alles stabil funktioniert, dann verändert das halt die Energieplanung der Industrie fundamental.
Ilan Und ich muss ehrlich sagen, so vor diesem Besuch war Laserfusion für mich einfach vor allem etwas sehr Abstraktes und irgendwie spannend auch und so, aber irgendwie ein Konzept auf Papier und vielleicht PowerPoint-Folien oder irgendwelchen Startup-Pitches oder so. Aber wenn man dann da hier in den Facilities steht und die Hardware sieht und mit den smarten PhD, Nuclear Physicists und Electric Engineering Dudes spricht, dann spürt man eigentlich irgendwie so, was da drin ist und auch so diese unfassbare Ingenieursleistung, wo schlaue Leute dran arbeiten.
Ilan Und ja, das emotionalisiert mich. Ich fände es einfach mega cool, wenn wir es in Deutschland schaffen würden, mit einem deutschen Deep Tech Unternehmen diese absolute Zukunftstechnologie mit als erstes auf die Straße zu bringen und nicht erst dann, wenn der Zug schon abgefahren ist. Und genau, ich habe auch ein paar Bilder gemacht, die packe ich wahrscheinlich auf LinkedIn, könnt ihr auf meinem LinkedIn-Profil euch anschauen, wie es da so aussah, auf jeden Fall, genau, das war jetzt ein bisschen mein persönlicher Take nochmal und das bisschen Technical Deep Dive hier, was ich da so gelernt habe, auf jeden Fall ganz, ganz Viel Spaß beim Weitergucken, es gibt auch richtig coole andere Podcasts zum
Ilan Thema Fusionsenergie, wie gesagt, will da noch ein bisschen mehr aufholen, aber soweit erstmal von mir, wünsche euch alles, alles Gute, Bis zum nächsten Mal in der Energiezone. Macht's gut.