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ERF Plus - Bibel heute

Bitte um Verschonung & Hilfe

Sonntag, 1. November 2026 · 10 min

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Shownotes

Die Bibelstelle Psalm 143,1-11 - ausgelegt von Gabriele Berger-Faragó

Einleitung
Wie geht es Ihnen heute? Fühlen Sie sich auch gerade in Not, innerlich vertrocknet oder von Feinden umzingelt, so dass Sie sich in dem Text wiederfinden? Oder sind Sie eher in einer leichten Lebensphase, in der Ihnen diese notvollen Zeilen befremdlich vorkommen?
Egal, wie es Ihnen gerade geht, dieser Psalm 143 (bibleserver.com/LUT/Psalm143) enthält für alle in jeder Lebenslage heilsame Worte.

Historischer Hintergrund: König David
Er stammt von König David, der Israel rund 1000 v.Chr. etwa 40 Jahre lang regierte.
Dabei gab es viel Auf und Ab. Einerseits war David „ein Mann nach Gottes Herzen“1, der voller Freude viele Gebete und Lobpreislieder schrieb und sie selbst musikalisch begleitete; er erlebte großartige Regierungsjahre und machte mit Gottes Hilfe Israel stark.
Andererseits durchlitt er auch harte Zeiten von Verrat und Verfolgung, von eigenen Fehltritten und deren Konsequenzen, von Angst und gefühlter Gottesferne.
Psalm mit breiter Gefühlspalette
Genau diese breite Palette von Erlebnissen und Gefühlen spiegelt sich in diesem Psalm wider. Es begeistert mich, wie König David ohne Scheu vor seinen großen Gott tritt und ihm alles offen erzählt, was ihn bewegt. Er schämt sich weder seiner Gefühle noch der Tatsache, dass diese zwischen Hoch und Tief, Vertrauen und Angst hin und her schwanken. Er weiß, dass Gott ihn mit all seinem inneren Chaos hört, sieht und annimmt.
Vers 1
a. bibleserver.com/video/ADP/Demut/40 vor Gott
David beginnt daher mit der Bitte um Gottes Zuhören:
„Herr, erhöre mein Gebet, vernimm mein Flehen!“ (V. 1)
Das ist nicht nur eine fromme Floskel, sondern es macht deutlich, dass der große König sich bewusst ist, dass er vor dem noch viel größeren Schöpfer des Universums steht. Der mächtige David, der gewohnt ist zu befehlen, wird hier zum Bittenden, der vor Gott genauso klein ist wie alle Menschen. „Klein“ nicht im Sinne von „unbedeutend“, sondern im Sinne einer gesunden Demut, die um Gottes Allmacht und der eigenen menschlichen Begrenzungen weiß – König hin oder her.
Diese Allmacht Gottes empfindet David jedoch nicht als einschüchternd, sondern als befreiend und trostspendend, weil er Gott als treu und gerecht kennt:
„Herr, vernimm mein Flehen um deiner Treue willen, erhöre mich um deiner Gerechtigkeit willen.“ (V. 1b)
b. Gottes Gerechtigkeit
Gottes Gerechtigkeit spielt in der ganzen Bibel eine große Rolle; David beginnt und schließt dieses Gebet mit ihr.
Das hier verwendete hebräische Wort צְדָקָה („Zedakah“) ist jedoch nicht mit unserem Begriff von Gerechtigkeit zu verwechseln. Unser europäisches Denken ist vom römischen Recht geprägt, das „Gerechtigkeit“ im Zusammenhang von Schuld und Strafe versteht: „Ausgleichende Gerechtigkeit“ nennen wir das, d.h. die Strafe soll die Schuld ausgleichen oder wieder gut machen. Sie kennen bestimmt die Statue der Justitia mit der Waage. Ihre verbundenen Augen weisen auf unser Verständnis von Gerechtigkeit als „gleiches Maß für alle ohne Ansehen der Person“ hin. Darüber hinaus heißt „gerecht“ für europäische Ohren oft „ohne Schuld“ oder „am Gesetz orientiert“.
Zwar passt einiges von diesen Aspekten der römisch gedachten Gerechtigkeit auch auf Gott, denn die Bibel beschreibt ihn als schuldlos, gesetzgebend und gesetzliebend, der nicht auf das Ansehen eines Menschen, sondern auf sein Herz schaut.
צְדָקָה („Zedakah“), Gottes Gerechtigkeit, meint im AT jedoch etwas ganz anderes: Es beschreibt Gottes Treue seinen geliebten Menschen gegenüber, sein Heilshandeln und seine Rettung für das Volk Israel und den einzelnen Menschen – ohne dass wir diese Liebe verdient hätten. Gott misst uns also gerade nicht mit dem Maß der römischen, juristischen Gerechtigkeit – sonst wäre aufgrund unserer Fehltritte Strafe statt Liebe angemessen. Sondern Gott sieht uns stattdessen mit den Augen der liebenden Gerechtigkeit, die sich an SEINEM Charakter von Treue, Hingabe und Hilfe orientiert, nicht an unserem Handeln von gut und böse.
Vers 2: Bitte um Gnade
Genau das wird im folgenden Satz deutlich, in dem David in seinem Gebet um Gottes Gnade bittet, obwohl kein Mensch vor ihm gerecht und ohne Schuld dasteht:
„Herr, geh nicht ins Gericht mit mir; denn vor dir ist kein Mensch unschuldig.“ (V.2)
Auf diese gnädige Gerechtigkeit Gottes können wir hoffen.
Verse 3–9: Feinde machen Angst, Gott hilft
Sie gilt auch in Situationen, in denen mir Ungerechtigkeit widerfährt. Wenn ich beispielsweise bei der Beförderung übergangen werde; oder wenn meine Tochter in der Schule eine ungerechte Note bekommt. In solchen Momenten werden mir die Umstände oder Menschen manchmal zu Feinden, und ich fühle mich wie König David, der sagt:
„Der Feind verfolgt meine Seele. […]
Mein Herz in mir ist vor Angst erstarrt.“ (V. 3+4)
Ja, ich fühle mich wie erstarrt, wenn mir bei der Ungerechtigkeit die Hände gebunden sind und ich nichts gegen den Feind, die Situation, den Chef machen kann.
Wie gut, dass mir dennoch stets die Zuflucht zu Gottes Gerechtigkeit bleibt und ich in Davids Worte einstimmen kann:

„Herr, erhöre mich bald. […]
Denn ich hoffe auf dich.“ (V. 7+8)
Wie mein gerechter Gott dann genau mit der Ungerechtigkeit umgeht, die mir angetan wurde, ist unterschiedlich: Mal schenkt er mir Ideen und Mut, doch etwas dagegen zu unternehmen; mal gibt er mir die Kraft zum Aushalten; oder Gott verleiht mir die innere Größe zum Verzeihen. In jedem Fall aber weiß ich, dass er gerecht und gut ist und menschliche Ungerechtigkeit ihm nicht egal ist. Er sieht mich, meine Situation und Gefühle.
Vers 10: Bitte um Gottes Führung
Allerdings geht es David nicht darum, Gott wie einen Rettungsring in der Not zu benutzen, nur um ihn danach links liegen zu lassen. Vielmehr möchte er stets in Gottes Nähe sein und Gottes gute Wege gehen. o wie König David, der Gott um seine Führung bittet:
„Lehre mich so zu leben, wie du es willst,F

Führe mich auf sicherem Wege

denn du bist mein Gott. (V. 10, umgestellt)
Ende: Vers 11
Ich ermutige Sie, dieses Gebet Davids zu nutzen.
Lassen Sie sich von seinen Worten ermutigen und zum eigenen Gebet inspirieren.
Ich schließe mit Davids Worten, der seinen Psalm mit Gottes Gerechtigkeit enden lässt, wie er ihn begonnen hat::
„Herr, führe mich aus der Not um deiner Gerechtigkeit willen.“ (V. 11)

Bibellesen unter bibleserver.com
Autor: Gabriele Berger-Faragó
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