Forstcast - Dein Wald-Podcast· Folge 23

#23 Das Leben der Bäume: Long story short

Dienstag, 6. Oktober 2026 · 32 min

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Shownotes

Bäume leben deutlich länger als Menschen. Wie können wir dann heute wissen, welche Bäume im Wald der Zukunft wachsen? Waldwachstums-Experte Dr. Peter Biber hat eine ungewöhnliche Antwort parat: Er lässt den Wald mithilfe von Daten aus 150 Jahre im Zeitraffer wachsen, kennt viele Bäume in Bayern persönlich und hat eine eigene Sprache, in der die Bäume ihm ihre langen Lebensgeschichten erzählen.

Mehr Infos zum Thema "Waldforschung und Waldwachstum" findet Ihr auf der Webseite der LWF:

• Waldbau, Waldwachstum, Inventuren (lwf.bayern.de/waldbau-bergwald/index.php)

Pressemitteilungen der LWF:

• Wachsendens Wissen: 150 Jahre Waldforschung in Bayern dauerhaft gesichert (lwf.bayern.de/service/presse/383040/index.php)

• Douglasie im Waldumbau: Was ein 135 Jahre alter Versuchsbestand zeigt (lwf.bayern.de/service/presse/402774/index.php)

Der LWF auf LinkedIn folgen. (linkedin.com/company/lwf-waldforschung)

Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin

Jeder, der einen Waldberuf hat, hört früher oder später den Spruch: Wie gut hat es doch die Forstpartie! Es wächst der Wald auch ohne sie. Das würde in der konsequenten Umsetzung bedeuten, ich kann meinen Beruf als Försterin an den Nagel hängen. Ob ich wirklich umschule und mir einen neuen Beruf suchen darf, das weiß ich hoffentlich bis zum Ende dieser Folge.

Mein Name ist Hildegard Vogel und ich bin noch Försterin aus Leidenschaft an der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft. Und ihr hört Forstcast, den Waldpodcast. Ob der Wald wirklich ohne uns Forstleute wächst, das kläre ich mit einem Mann, der seit über 150 Jahren den Wald beim Wachsen beobachtet. Naja, nicht die ganze Zeit persönlich. Also er überblickt die Daten von über 150 Jahren Waldwachstum in Bayern. Hallo Peter, Du bist nicht der älteste Mensch in Bayern und auch nicht der älteste Mitarbeiter an der LWF. Peter, wer bist du? Danke, Hildegard.

Genau. Ich bin das alles nicht. Mein Name ist Peter Biber. Und so wie du Försterin aus Leidenschaft bist, bin ich Forstwissenschaftler aus Leidenschaft. Genauer gesagt, ist mein Spezialgebiet, es ist das Waldwachstum. Und das finde ich wiederum besonders interessant. Jeder findet sein Fach besonders interessant. Aber ich meine es deswegen, weil das genau an der Schnittstelle entlangfährt, wo sich die Grundlagenforschung und die Forstpraxis treffen.

Und ich habe in der Tat fast 30 Jahre lang als Waldwachstum Forscher an der Technischen Universität München an der TUM gearbeitet. Und ganz unbescheiden sage ich jetzt mal, dass ich ein international nicht ganz unbekannter Waldwachstum Forscher bin. Das finde ich spannend, weil nämlich hier am Forstcampus sind die Forstbereiche von der TU München und der Hochschule Weihenstephan Triesdorf. Direkte Nachbarn von uns der LWF.

Jetzt frage ich mich Was treibt dich jetzt von der TU einmal über den Hans von Carlowitz Platz gegenüber zu uns an die LWF. Das ist eine irre interessante Sache, die schon immer ein sehr wichtiger Teil meiner Arbeit gewesen ist, nämlich das bayernweite Netzwerk von langfristigen Waldwachstum skundlichen Versuchsflächen.

Und dazu muss ich jetzt sagen, dass diese Flächen tatsächlich zu den aller wertvollsten Forschungsinstrumenten gehört, die wir für den Wald in Bayern haben. Und wie schon oben angedeutet, das ist ein ganz wichtiger Punkt, wo die Waldforschung auf Grundlagen mit der Forstpraxis zusammenkommt. Und über etliche Jahrzehnte hat der Lehrstuhl für Waldwachstumskunde drüben an der TUM die Flächen betreut, zuletzt mit sehr, sehr großem Erfolg unter Leitung von Professor Hans Pretzsch. Aber die Flächen haben immer schon der bayerischen Forstverwaltung gehört.

Und 2023, als Hans Pretzsch in den Ruhestand ging, ist der Lehrstuhl für Waldwachstumskunde aufgelöst worden und die Flächen sind wieder zurück an die Forstverwaltung gegangen, sprich an die LWF, wo wir sie jetzt wieder wissenschaftlich betreuen. Also ich höre Waldwachstum Das ist schon so dein Ding. Aber es gäbe sicher auch andere spannende Forschungsbereiche an der TU, wo du dich mit dem Wachstum der Wälder beschäftigen kannst. Was sind denn oder was macht denn diesen besonderen Charme oder die Faszination dieser Versuchsflächen für dich aus, dass du entschieden hast, gemeinsam mit den Versuchsflächen zu uns an die LWF zu wechseln?

Ein ganz wichtiger Punkt dabei. Das ist diese Langfristigkeit und die Kontinuität, die da drin steckt in diesen Daten, die man als Forstwissenschaftler sonst nur sehr, sehr selten findet. Und wenn ich ein kleines bisschen ausholen darf, also die Geschichte reicht zurück in die 1870 er Jahre und damals gab es den Königlich Bayerischen Ministerialforstrat August von Ganghofer und Ganghofer war tatsächlich ein Visionär und hat gesagt Wir brauchen.

Wenn wir zielführend mit dem Wald umgehen wollen, müssen wir mehr darüber verstehen. Müssen wir die Gesetzmäßigkeiten, nach denen er wächst, besser kennen, besser verstehen, damit wir wirklich für die Praxis was draus ziehen können. Und das ist nach wie vor seit Ganghofer ungebrochen das Konzept des Versuchswesen. Er wollte im Prinzip wissenschaftlich belastbare Grundlagen für den Umgang mit dem Wald schaffen.

Es ist auf jeden Fall so, dass ich seither seit Ganghofer das Versuchsflächen kontinuierlich weiterentwickelt und kontinuierlich wirklich wertvolle Daten liefern. Daten, die wegen ihrer Langfristigkeit, wegen dem Zeitcharakter, wegen dieses Zeitreihencharakters immer wertvoller werden. Heute haben wir ungefähr 160 Versuche, die wir betreuen, mit insgesamt mehr als 1400 Parzellen. Das heißt, jeden Versuch muss man sich so vorstellen. Der umfasst mehrere Parzellen, auf denen verschiedene Dinge passieren, die genau dokumentiert werden.

Wenn man die Fläche komplett zusammenzählt aller Versuche kann man auf etwa 250 Hektar derzeit. Und was mich daran besonders fasziniert, ist, dass man mit diesen Daten tatsächlich ableiten kann, nach welchen Spielregeln der Wald wächst, welche Gesetzmäßigkeiten diese Dynamik beherrschen und damit wiederum, wenn man so was versteht, Wenn man so was aus den Daten rausholt, kann man der Praxis natürlich auch fundierten Rat geben, wie wir, wie man, wenn man bestimmte Ziele mit dem Wald hat, vernünftigerweise damit umgehen sollte oder verschiedene Optionen quasi anbieten, die für bestimmte Zielvorstellungen geeignet sind und insofern und.

Und diese diese Gedanken erstrecken sich quasi einerseits, das beginnt ganz unten beim Baum eskaliert, von den Bäumen hoch zur Ebene von Bestand und sogar noch weiter hoch auf die Ebene, wo wir es mit Forstbetrieben oder Landschaften Waldlandschaften zu tun haben. Also eine sehr interessante Geschichte.

Vielleicht kommt ein bisschen rüber, was mich daran so fasziniert. Auf jeden Fall. Und für alle Hörer, die dich ja nicht sehen Du leuchtest förmlich und man merkt sehr, wie die Waldwachstumskunde dir sehr am Herzen liegt. Also ich weiß, dass die LWF selbst forscht seit rund 130 Jahren und wir besitzen knapp 150 Jahre Daten aus der Waldwachstum oder über das Waldwachstum in Bayern. Das sind jetzt über den Daumen gepeilt mal ganz grob fünf Generationen an Waldforschenden.

Jetzt mal so unter uns, Peter. 150 Jahre Waldforschung, fünf Generationen Waldforschung. Haben wir nicht allmählich genug geforscht über den Wald? Wissen wir nicht jetzt allmählich mal alles darüber? Wie viel Zeit habe ich denn für die Antwort? Ich schau mal kurz auf die uhr. Ja, so zehn Minuten plus -1 bisschen. Ich fürchte, dass es knapp wird, aber ich kann es zumindest versuchen. Ja, bitte.

Zunächst mal, ich habe es schon mal erwähnt, vorhin. Langfristige Zeitreihen in der Waldforschung. Das ist unglaublich wertvolles Material. Denn solche Datenreihen, die über Jahrzehnte kontinuierlicher Beobachtung und wirklich sauberer Versuchskontrolle erhoben wurden, die lassen sich tatsächlich durch nichts ersetzen.

Das macht diese Langfristigkeit so wertvoll. Und es ist natürlich eine Gefahr, die da drin steckt, Nämlich abgebrochen sind solche Zeitreihen sehr schnell. Man kann die sehr schnell beenden, aber dann muss man wieder von vorne beginnen. Und das dauert halt dann wieder Jahrzehnte und länger, bis man ähnliche Werte beieinander hat.

Also die Versuchsflächen werden tatsächlich mit jedem Jahr wertvoller, mit dem die Zeitreihen sich verlängern. Und dann noch ein anderer Gedanke. Ich meine 150 Jahre, von denen wir jetzt sprechen. Das ist für uns Menschen eine verdammt lange Zeit. Für Wälder und Bäume eher nicht wirklich. Das heißt, die die Zeitskalen, auch die Größenskalen nebenbei von Wäldern und Bäumen sind ganz verschieden im Vergleich zu den unseren. Das heißt, wenn man da dranbleiben will, muss man das wirklich kontinuierlich über lange Zeit tun.

Und dann könnte man sagen okay, wir haben ja aus der Vergangenheit Oder könnte man meinen, dass man von früher schon alles gelernt hat, was es zu wissen gibt. Allein das wäre schon nicht der Fall, würde zu weit führen, jetzt tiefer einzusteigen. Aber jetzt? Wir erleben es ja ganz hautnah. Wir stecken im Klimawandel, der die Wälder ganz besonderen Schwierigkeiten Belastungen aussetzt und uns vor ganz neue Fragen stellt. Was wir jetzt haben, zwingt uns dazu, dass wir Gesetzmäßigkeiten, die wir kennen oder zu kennen glaubten oder auch Kennwerte, die wir so im Kopf haben, als Benchmark.

Wenn man im Wald umgehen, dass das Dinge sind, wo wir plötzlich gezwungen sind, die neu zu überdenken und beantworten, wie sich so was ändert oder wie so was neu gesehen werden muss, kann man das tatsächlich nur, wenn man Wald beobachtet und wenn man das auch über lange Zeit hinweg macht. Also ja klar, Waldbeobachtungen über eine lange Zeitraum, das ist wichtig, gar keine Frage.

Aber es gibt ja schon einige regelmäßige Waldinventuren in Bayern, im Bund, Europa und mit denen generieren wir schon einen Riesenberg an Walddaten. Braucht es da wirklich noch in ganz Bayern ein Netz an diesen langen Zeitdauer? Versuchsflächen? Da bin ich mir sicher, dass es so ist. Denn wenn wir von Forstinventuren, Bundeswaldinventur, aber auch Forstbetriebsinventuren sprechen und auf der anderen Seite von langfristigen Versuchsflächen, dann sind es nicht Dinge, wo man sagt, da kann das eine jetzt das andere ersetzen, sondern so was ergänzt sich sehr sehr vernünftig und gut.

Wenn wir uns Forstinventuren anschauen, dann erlauben die uns, dass wir auf großer Fläche und zwar statistisch auch sehr sauber sehen. Was ist dort gerade los? Was ist der Zustand des Waldes dort im Hinblick auf jede Menge Parameter, die die Inventur hergibt. Auf der anderen Seite ist es aber so Die Zeitreihen sind relativ kurz und das, was dann Versuchsflächen auch noch ausmacht, ist, dass man kontrollierte Bedingungen hat, dass man auf verschiedenen Parzellen eines Versuchs verschiedene Optionen durchspielt und daraus Aussagen ableiten kann im Sinne von was wäre wenn?

Was würde passieren, wenn wir so und so machen? Welche Gesetzmäßigkeiten erkennen wir dahinter? Das heißt, das ist die Stärke von solchen Versuchsflächen Langfristigkeit und dann die ganz detaillierte strenge Kontrolle und Beobachtung über lange Zeiträume. Wir kennen auf dem Versuchsflächen wirklich jeden Baum sein Leben lang persönlich.

Und das macht die Dinge unheimlich wertvoll. Und insofern ergänzen sich die Inventuren. Mit denen kann man gut Informationen in die Fläche bringen. Mit dem Versuchswesen, mit langfristigen Versuchsflächen kann man aber Gesetzmäßigkeiten erkennen und dadurch verstehen, wie das Waldwachstum unter bestimmten Bedingungen reagiert.

Das bedeutet der große Unterschied So eine Waldinventur, die sagt mir, so ist es und ich kann einfach nur feststellen, so ist die Situation, so wie Sie da vorfinden. Aber ich kann nichts ändern. Und die Versuchsflächen sagt ja schon der Name. Ich kann dort Dinge ausprobieren, versuchen und gucken, was kommt dabei raus und da lernen. Wenn ich es anders mache, was passiert dann? Ist das eine gute Idee.

Das ist vielleicht auch eine weniger gute Idee. Absolut. Bin ich ganz bei dir? Ja. Ich habe jetzt verstanden, Peter. Wie du und deine Vorgänger den Wald beim Wachsen beobachtet. Und was ja auch mit den Daten anstellt, was ich mir überhaupt noch nicht vorstellen kann. Wie habt ihr es geschafft, diese immensen Datenmengen über 150 Jahre mit dem technischen Fortschritt mit zu transportieren. Das heißt, wie habt ihr es geschafft, dass die Daten über einen so langen Zeitraum verfügbar und auch vergleichbar waren? Ich meine, vor 150 Jahren gab es noch kein einziges digitales Gerät, da war Stift und Papier angesagt.

Dann kamen Lochkarten, dann kam Disketten, dann kamen CDs. Ja, und heute arbeiten wir mit KI. Also wie habt ihr das Schritt gehalten? Was ganz entscheidend dafür ist, dass die Kontinuität immer erhalten blieb. Das ist tatsächlich eine große Disziplin, die alle Beteiligten immer gelebt haben, eine Disziplin über Wissenschaftlergenerationen hinweg. Und man muss sich vorstellen, es hat sich ja, wie du schon gesagt hast, Hildegard, es hat sehr technisch unglaublich was getan. Anfangs hat man die Daten wirklich auf Papier notiert, zunächst mal, und dann hatte man mechanische Rechenmaschinen, mit denen man so was ausgewertet hat.

Und ich meine auch im Versuchswesen. Auch in der Zeit diesen 30 Jahren, die ich in etwa überblicke, hat sich auch schon wieder EDV mäßig was getan. Die Datenbanksysteme, die wir heute haben, die sind wesentlich besser als die, mit denen ich als junger Doktorand mal zu tun hatte, oder? Das ist eine Ära, die ging knapp vor meiner Zeit zu Ende.

Das war die Ära der Lochkarten als Programme, als Daten tatsächlich auf so steifen Kärtchen, in die Löcher gestanzt wurden, gespeichert worden sind. Ich sehe schon. Also die Technik, die technischen Schwierigkeiten habt ihr gewusst zu meistern. In 150 Jahren war ja aber nicht nur der technische Fortschritt eine große Herausforderung für euch.

Ich frage mich tatsächlich auch Wie hat eure kontinuierliche Forschung lückenlos überleben können mit zwei Weltkriegen, einer Weltwirtschaftskrise und einer Menge politischer Umschwünge? Der allererste Satz meiner Antwort ist genau der gleiche wie vorher. Es gab Leute, die unheimlich diszipliniert. Es gab Leute, die unheimlich diszipliniert waren und auch trotz persönlicher existenzieller Sorgen auch in Krisenzeiten weitergemacht haben, weil sie gesehen haben, wie wichtig das ist.

Also wenn mal jemand mit Hintergrund als Historikerin oder Historiker die alten Versuchsakten durchgehen würde. Leider hat man viel zu wenig Zeit dazu und den Schriftverkehr verfolgt. Da kriegt man ansatzweise ein Gefühl dafür, was da trotz sehr sehr unguter Zeiten nach dem Krieg oder oder gegen Ende vom Zweiten Weltkrieg zum Beispiel und was für eine Belastung die Leute standen. Aber die haben es doch gemacht.

Also das nötigt einem wie mir durchaus ein gerüttelt Maß an Respekt ab und auch das Gefühl einer starken Verpflichtung, als Waldwachstumskunde ler dieses Erbe weiterzuführen. Und ich hoffe, es kam rüber, dass das Erbe nicht jetzt ein museales ist, sondern etwas, was höchst lebendig ist und was wir wirklich mit unserer Kraft zum Nutzen für den Wald und die Menschen, denen an ihm liegt, zum Einsatz bringen möchten.

Insofern auch ein ganz interessanter Punkt, glaube ich, dass unsere Daten heute ganz frei von Emotionen, politischen Richtungen, persönlichen Befindlichkeiten oder Meinungen liefern. Unsere Daten zunächst mal eine unabhängige Information und damit eine fundierte Grundlage für Empfehlungen und auch später für Entscheidungen. Die geben jetzt nicht bestimmte Empfehlungen und Entscheidungen vor. Das hängt davon ab, welche Ziele man als Gesellschaft hat und welche Ziele man auch zum Beispiel als Forstbetrieb oder sonst mit dem Wald betraute Institution hat.

Und so was kann sich natürlich ändern. Aber die Information, die Grundlage, das Wie wächst der Wald und warum tut er das? Das bleibt immer gleich. Aber das kennen wir ja auch aus der Vergangenheit die Entscheidungen, die auf gleicher Grundlage getroffen worden sind. Das hängt ganz stark davon ab, was die Gesellschaft zu der jeweiligen Zeit gerade will.

Wow, ich bin jetzt wirklich beeindruckt und auch ein bisschen demütig. Peter, Ich zweifle jetzt keine einzige Minute mehr daran, warum es so wichtig ist, dass die bayerischen Versuchsflächen in Bayern weiterbetrieben werden müssen. Und, liebe Hörerinnen und Hörer, ich bin doch ehrlich gesagt ein bisschen stolz, dass wir an der LWF dieses wertvolle Walderbe bekommen haben und wir damit auch betraut worden sind, damit weiterhin verantwortungsvoll umzugehen. Und ganz ehrlich, Peter, mein Eindruck ist, dass diese Waldflächen bei dir in guten Händen sind.

Vielen Dank für das Vertrauen. Ja, und es beruhigt mich tatsächlich auch. Ja, es beruhigt mich tatsächlich. Das meine ich auch wirklich so, weil das Thema eigentlich das Megathema Klimawandel spielt ja gefühlt in fast jede Podcastfolge ein. Also jedes Mal, wenn ich einen Forstcast aufnehme, komme ich an den Punkt, wo wir den Klimawandel reden.

Und wenn ich dann fertig bin mit der Aufzeichnung, dann gehen mir so manche Gespräche auch wirklich nach. Und ich beobachte mich selber, dass mir in letzter Zeit immer drei Dinge nach jeder Forstcast Folge durch den Kopf gehen. Das erste ist, ich habe den Eindruck, mein komplettes Weltwissen wird auf den Kopf gestellt.

Das zweite ist, dass die Anforderungen an den Wald in unserer Gesellschaft immer größer werden. Und da habe ich mich auch mit unserem Chef Dr. Peter Pröbstle in der Forstcast Folge 22 eingehend darüber unterhalten. Und das dritte ist Ich frage mich, wie wir in der Forstpraxis noch verlässliche Infos und Empfehlungen bekommen, um gute Entscheidungen treffen zu können.

Also wo bekommen wir in einer Welt noch eine Entscheidungshilfe, in der alles in Frage gestellt wird? Ja, ganz ohne Eitelkeit, möchte ich jetzt sagen Die Quelle für die Information, die sind primär tatsächlich wir auf ganz verschiedenen Ebenen. Wir halten Vorträge einerseits wissenschaftlicher Natur, aber für die Praxis sind Vorträge interessant, die sich sehr konkret praktischer Themen annehmen. Genauso ist es mit Publikationen, die wir auf unterschiedlichen Levels von Zeitschriften, die sich an Praktiker richten, bis hin auch zu zu Peer reviewten wissenschaftlichen. Das ist auch eine wichtige Schiene unserer Arbeit. Das heißt, die Information, die wir erzeugen, ist für unterschiedliche Interessengruppen,

für unterschiedliche Leute mit unterschiedlichen Hintergründen, hoffentlich von Interesse. Und entsprechend bedienen wir da verschiedene Schienen. Wir machen auch Exkursionen, natürlich. Und wenn man uns nicht fragt, versuchen wir auch immer eine Antwort zu geben, die die, die möglichst hilfreich ist. Oder in meinem Fall ich habe ja schon gesagt, dass sie darum ja nach wie vor verbunden bin, eben auch in einem gewissen Umfang auch Lehre zum Waldwachstum.

Dort, also auch hier. Über die Ausbildung fließt die Information quasi kontinuierlich und ständig mit rein. Und dann kommen wir wieder zu dem Punkt. Wir hätten es natürlich immer gerne schneller. Die Information und das Problem. Das hatten wir auch schon. Wald hat wesentlich längere Lebenszyklen als wir Menschen, die haben. Das heißt, man muss einen gewissen Aufwand treiben, diszipliniert sein und Geduld haben.

Denn die Zeitreihen sind am Ende der Schiedsrichter darüber, was wirklich Wahrheit ist und was nicht. Und man kann sich, wenn man schneller Informationen braucht, behelfen mit sogenannten Wuchs reihen. Das ist eine bestimmte Sorte von Versuchsflächen und mit Modellrechnungen. Aber am Ende sind es tatsächlich die harten Informationen aus den Zeitreihen, die dann die beste Information hergeben. Harte Zeitreihen.

Das erinnert mich an eine Frage, die ich dir vorhin schon stellen wollte. Wir sprechen hier die ganze Zeit über Zahlen, Zeitreihen, Auswertungen und das ist jede Menge Statistik. Wer hilft dir denn, all diese Zahlen zu sammeln, zu dokumentieren und auszuwerten? Sehr gute Frage. Es funktioniert, oder?

Es würde nicht funktionieren, wenn man nicht ein sehr gut eingespieltes Team. Bei uns wären die Marinefanger und ich. Wir teilen uns die Leitung vom Versuchswesen. Und dazu kommen schon mal unsere beiden Versuchsleiter. Das sind sehr erfahrene, gewiefte Förster, die die Versuche draußen im Gelände managen und auch die, die die Basisdaten Pflege machen. Da sind zu nennen der Kollege Martin Nickel und der Konrad Gebhard und auch weitere Kollegen, die, wenn Not am Mann ist, uns da nicht im Stich lassen.

Und ohne so ein Team, das hier am gleichen Strang zieht und ohne zahlreiche Hilfskräfte, die wir natürlich auch noch brauchen, damit die Dinge im Gelände laufen, wäre das überhaupt nicht möglich. Wichtig ist aber auch unser Counterpart in der Praxis. Es wäre nicht möglich, so ein Versuchsflächen Netz aufrechtzuerhalten, wenn wir nicht von den Leuten in deren Waldbesitz, in deren Revieren unsere Versuche liegen, ein großes Verständnis und großes Entgegenkommen bekommen würden.

Das ist zu größten Teilen die BASF, aber auch andere Waldbesitzer. Und ein dritter Punkt Auch das ist wichtig, das zu sagen, nämlich die bayerische Forstverwaltung. Die trägt dieses Versuchs Flächennetz weiter, und das macht sie mit der gleichen Entschlossenheit und mit der gleichen Klugheit, mit der er, unser alter August von Ganghofer das Ganze begonnen hat. Ein sehr wichtiger Punkt aus meiner Sicht und auch an dieser Stelle herzlichen Dank dafür.

Ja, das ist total wichtig, weil natürlich auch wenn du heute vor dem Mikro stehst und wir uns darüber unterhalten, aber all die stummen Teammitglieder machen das ja nur möglich, dass all das weitergetragen wird. Und auch all die, die das auf politischer Ebene oder auch im Außendienst mittragen, machen das nur möglich, dass wir weitermachen können, weil der engagierteste Wissenschaftler ist halt verloren, ohne Versuchsflächen und ohne auch Mittel, mit denen er arbeiten kann.

Also deswegen. An dieser Stelle sei der dieser umfassende Dank auch gerne Platz eingeräumt. Weißt du, was ich ganz ungewöhnlich heute finde? Ich habe es ja oft mit Wissenschaftlern zu tun, die aber weniger so diese Megazahlen Nerds sind, sondern die meisten. Bei mir sind eher so die Waldfans. Aber du bist ja wirklich so Statistik, da blühst du auf. Und ich finde das total faszinierend, weil die meisten oder beide meisten. Wenn man Zahlen und Statistiken erwähnt, dann löst es bei den meisten Menschen einen spontanen Fluchtreflex aus. Bei dir? Ganz im Gegenteil, Du stehst vor mir und du strahlst. Und du würdest gerne noch eine eigene Podcastreihe zum Thema Waldwachstumskunde aufmachen.

Was fasziniert dich denn so an diesem Thema? Einen großen Teil der Faszination macht für mich aus und ich muss dazu sagen, dass er tatsächlich ein Kleinwaldbesitzer bin. Möglicherweise auch deswegen reizt mich sehr stark diese Verbindung zwischen Grundlagenforschung einerseits und Praxis andererseits aus der. Aus den Gesetzmäßigkeiten, die man auf der Grundlagenseite erkennt, kann man die Praxis, glaube ich, kompetenter informieren, als wenn man nur auf der beschreibenden Schiene steckenbleiben würde, von der ich vorhin gesprochen habe und umgekehrt.

Aber durch die Verbindung mit der Praxis kommen aus der Praxis auch wieder die interessanten relevanten Fragen rein. Also das ist ein Punkt, der mich sehr fasziniert. Und konkret zur Statistik. Ich sehe mich jetzt als empirischen Naturwissenschaftler und als solcher muss ich Fragen an die Natur stellen und hoffe, dass ich Antworten kriege. Und die Statistik, die ist ganz einfach mein Werkzeug. Oder sagen wir mal, es ist ein Instrument, mit dem ich versuchen kann, wenn ich Daten habe, anhand dieser Daten Fragen an die Natur zu stellen.

Also manche Leute sagen aber, die kommen eher aus dem Physikbereich. Die Mathematik ist die Sprache der Natur. Ich glaube schon, dass da was dran ist. Und mein kleines Werkzeugarsenal, das sortiert sich da ein. Peter Ganz zum Schluss brennt mir noch eine letzte Frage auf der Seele Als Waldwachstumskunde ler beobachtest du den Wald beim Wachsen, um ihn besser zu verstehen und uns die Forstpraxis besser zu informieren. Mein Eindruck nach unserem Gespräch Das Wachsen an sich scheint der Wald ganz gut ohne uns hinzubekommen.

Und du kennst ja sicher den Spruch Wie gut hat es doch die Forstpartie. Es wächst der Wald auch ohne sie. Ich stelle mir jetzt echt die Frage als Förster in und damit ja eher so als Waldmanager. Sollte ich jetzt besser umschulen auf Waldbeobachterin? Der Spruch Der Wald wächst ohne uns. Das stimmt natürlich.

Aber was man bedenken muss ist Wir sind eine irre komplexe Gesellschaft hier bei uns. Und das bedingt, dass wir irre viele Ansprüche an den Wald haben. Vielleicht noch viel mehr, als das vor 50 Jahren der Fall war. Und die Ansprüche sind sehr divers verschieden, und es ist allerdings so, dass der Natur der sind unsere Ansprüche völlig egal. Also was wir wollen oder möchten, interessiert die Natur nicht, die sorgt für bestimmte Entwicklungen und das ist halt dann einfach so, das heißt, ich glaube, es wäre fast ein bisschen naiv, wenn wir meinen, dass wir das, was wir uns als Gesellschaft vom Wald versprechen, dann am besten kriegen, wenn wir den Wald auf großer Fläche aus der Nutzung rausnehmen.

Das kann vielleicht ein Ziel sein auf bestimmten Flächen. Aber ich bin persönlich davon überzeugt, dass das nicht das Rezept ist, das uns als Gesellschaft, die an den Wald bestimmte Ansprüche hat, am besten hilft. Aus meiner Sicht geht es tatsächlich um einen klugen, differenzierten und nicht um einen schablonenhaften Umgang mit dem Wald. Und im Übrigen haben auch unsere Versuche in aller Regel immer auch eine unbehandelte Parzelle drin, wo wir nicht eingreifen, also wo tatsächlich der Wald wächst, so wie er wächst, Wenn wir keine Bäume entnehmen, zum Beispiel wenn wir den einfach so lassen. Und gerade diese Flächen haben eine sehr wichtige Information für uns als Referenz.

Das heißt, um das noch mal aufzugreifen, ich würde mich also sehr freuen, wenn du Försterin bleibst und unter anderem auch deswegen, denn ich bin sehr davon überzeugt, dass wir zukünftig eher mehr als weniger Profis im Wald brauchen. Weil wenn ich dich richtig verstehe, dann brauchen wir nämlich genau die Waldprofis dafür, die sich auf der einen Seite darum kümmern, dass die Natur sich gut um sich selber kümmern kann, aber auf der anderen Seite, dass die Natur trotzdem uns Menschen und unsere Gesellschaft das liefert, bietet und leistet, was wir dringend brauchen, um gut leben zu können. So würde ich mir das auch vorstellen.

Okay, Peter, dann vereinbaren wir heute Folgendes. Ich bleibe Försterin aus Leidenschaft und du bleibst Waldwachstumskunde aus Leidenschaft und sorgt bitte dafür, dass wir auch noch weitere Jahrzehnte fundierte Zeitreihen und Baumdaten bekommen, damit ich und alle anderen Forstleute und Waldbesitzer und Politiker auch in Zukunft noch hilfreiche Entscheidungen rund um den Wald und die Gesellschaft treffen können und noch viel wichtiger diese auch umsetzen können.

Die Vorstellung ist mir sehr sympathisch. Gut, ja, wir hatten auch ein sehr sympathisches Gespräch. Peter Ganz zum Schluss möchte ich noch eine letzte Frage stellen. Die hat nichts mit Waldwachstumskunde zu tun. Ja, wahrscheinlich. Ich vermute, vielleicht doch ein bisschen, aber meine Frage hat damit nichts zu tun. Deine Antwort bestimmt schon.

Stell dir mal vor, du bist ein alter Herr. Du sitzt in einem gemütlichen Ohrenbackensessel am knisternden Kaminfeuer. Du hast eine Tasse heißen Tee in der Hand, um dich herum deine Enkelkinder, und sie fragen dich Opa Peter, was ist deine beste Waldgeschichte? Was würdest du ihnen erzählen? Oh je. Es gibt verdammt viele.

Aber der eine passt vielleicht ganz gut hier zum Thema. In meiner Zeit an der TUM habe ich oft mal Telefonanrufe bekommen, die mit Anfragen zum Wald in irgendeiner Form zu tun hatten. Einmal war ein älterer Herr in der Leitung, und der hat überhaupt nicht gesagt, wer er ist oder was er will, sondern der hat gleich mal richtig losgepoltert. Diese verfluchten Wissenschaftler, die verdrehen alles absichtlich. Denen sollte man usw usw.

Und ich habe natürlich zunächst mal den Impuls verspürt, den wir alle verspüren würden. Ich dachte mir okay, jetzt erkläre ich dir mal kurz und deutlich, wie man miteinander spricht und dann lege ich auf. Aber dann dachte ich mir okay, wenn er sich so aufregt, ich bin ein bisschen neugierig darauf, was denn sein Problem ist. Wenn ich sie ihm entlocken kann.

Und so habe ich durchgeatmet und versucht, ihn da ein bisschen runter zu kriegen und jetzt mal zu hören, was ihn denn eigentlich bewegt. Und herausgestellt hat sich, dass es sich einfach um den Wald im Klimawandel Sorgen gemacht hat und dass er keine Ahnung, wo er das entdeckt hat. In welchen Medien? Dass er der Meinung war, die Forstwissenschaftler würden sich grundsätzlich und möglicherweise absichtlich die völlig falschen Sachen zur Brust nehmen und analysieren, wo doch das Problem ganz woanders läge.

Und dann habe ich mir gedacht okay, vielleicht funktioniert es und habe Schritt für Schritt seine Argumente aufgegriffen und habe versucht, was Sinnvolles dazu zu sagen. Und die Wendung in dem Gespräch, die war dann doch sehr interessant. Wir waren plötzlich in einem ruhigen, höflichen Gespräch drin, wo ich, wo ich seine Bedenken doch lösen konnte, um das mal so zu formulieren. Und er hat dann sogar noch ein paar wirklich gute Fragen gestellt. Und am Ende dieses Gesprächs sind wir mit Dank und recht freundlich voneinander geschieden.

Und an dem Tag habe ich doch, glaube ich, für mich etwas ganz Entscheidendes gelernt dass es nämlich nicht nur so sein muss, dass wir die Wissenschaft betreiben, sondern dass wir uns auch doch regelmäßig die Mühe machen sollten, darüber zu sprechen. Und zwar in einer Form, die auch für Laien was nicht heißt, dass das dumme Leute wären oder so, ganz im Gegenteil.

Aber für Leute, die den Hintergrund nicht haben, aber interessiert sind, verständlich sind. Und vor diesem Hintergrund bedanke ich mich natürlich sehr. Das war heute auch eine ganz tolle Gelegenheit, das hier zu tun. Mir hat es sehr viel Spaß gemacht. Ich hoffe, es kam ein bisschen was rüber. Mir hat es auch großen Spaß gemacht, Peter und vielen Dank.

Bisher war es Waldwachstumskunde Wir ehrlich gesagt nicht mein Lieblingsfach im Studium. Du hast mich heute bekehrt. Jetzt wünsche ich dir noch einen schönen restlichen Tag. Danke, dass du da warst, Peter. Herzlichen Dank, Hildegard. Ich kann mich nur wiederholen. Der Spaß war ganz auf meiner Seite. Sehr schön. Wer von euch jetzt tiefer in das Thema eintauchen will, der findet weitere Infos und Links zum Thema in den Shownotes. Hat euch die Folge gefallen?

Dann empfehlt uns weiter und lasst gerne eine Bewertung da. Fünf Sterne heißt Wir haben unser Waldwissen für euch kompakt, klar und konkret auf den Punkt gebracht. Ihr wollt mehr Wald wissen? Kein Problem. Dann lasst uns ein Abo da. Besucht unsere Webseite unter LWF .bayern.de oder folgt uns auf LinkedIn. Wenn ihr Fragen zu einem bestimmten Waldthema habt, dann schreibt mir einfach eine Mail an social media LWF .bayern.de. Hier an der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft finde ich bestimmt die passende Fachfrau oder den passenden Fachmann, der eure Waldfrage beantworten kann.

Das war's für heute. Wir hören uns nächsten Monat wieder zu einer neuen Folge von Forstcast eurem Waldpodcast. Ist Jetzt kommen die Outtakes. So, Forstcast Waldwachstumskunde Klappe die zweite. Auch so ein Ja, fast ein Wort. Ach, lasst es raus. Eure kontinuierliche Forschung, oder wie? Nein, ich mache es noch mal! Das wäre wahrscheinlich ein Gegenstand für 3 bis 5 spannende Podcasts.

Ich sehe schon demnächst der Waldwachstumskunde Podcast mit Dr. Peter Biber. Vielen Dank, Vielen Dank. Ich werde bei. Waldwachstum als weiter. Was für ein Wort als Waldwachstumskunde ler. Blätterpause. Gut. Alex, wir sind durch.

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