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FUTURE GAP

Sind zwei Hirnhälften eine zu viel?

Mittwoch, 4. November 2026 · 16 min

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Shownotes

Links die Logik, rechts die Kreativität? Mehr als 70 Prozent der Lehrpersonen international glauben, dass die Dominanz einer Hirnhälfte erklärt, warum Menschen unterschiedlich lernen. In Österreich glaubt das fast die Hälfte der Menschen, die Lehrer:innen ausbilden. Stimmt aber nicht.

In der ersten Folge von FUTURE GAP gehen Sophie Weinhandl und Wolfgang Kühnelt dem Mythos von Linkshirner:innen und Rechtshirner:innen nach. Der Psychologe und Neurowissenschaftler Roland Grabner, Sprecher des wissenschaftlichen Boards von Future Education, erklärt, wofür die beiden Hälften wirklich zuständig sind und warum sie beim Denken und Lernen fast immer zusammenarbeiten. Die Neuropsychologin Daniela Pinter von der Med Uni Graz zeigt am Beispiel Schlaganfall, was passiert, wenn eine Hälfte geschädigt ist, und was neuronale Plastizität in der Reha leisten kann.

Und dann noch Brain Gym: Bringen Überkreuz-Übungen wirklich mehr Lernerfolg? Und welche Rolle spielt Bewegung beim Lernen überhaupt?

Ihr habt eine Frage oder einen Lernmythos für uns? Meldet euch gern bei unserem Future Education Phone.

FUTURE GAP ist der Podcast von Future Education, dem Forschungsnetzwerk der Universität Graz. Neue Folgen gibt’s alle zwei Wochen.

Moderation: Wolfgang Kühnelt & Sophie Weinhandl

Produziert von DAS POD (daspod.at) (daspod.at)).

Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin

In jeder Folge schließen wir Bildungslücken. Ich bin Sophie, eine Studierende der Uni Graz und ich bin Wolfgang, einst Absolvent an der Uni und heute Lehrender im Hochschulbereich. Das machen wir aber nicht allein sondern mit der Hilfe von Expertinnen und Experten aus dem Umfeld von Future Education.

Sind zwei Hirnhälften eine zu viel? Sophie, weißt du wie viele Gehirnhälfte ich habe? Es sind Hälften also zwei ganz klar. Okay aber welches für wofür zuständig war? die korrekte wissenschaftliche Antwort wird sicher sein. es kommt darauf an. oder na ist ganz einfach Die linke Gehirnhälfte ist für die logik zuständig die rechte Gehirnefters für die kreativität zuständig.

Oder war das umgekehrt? geht das ist ja gefährliches halbwissen. da weißt Du was. ich glaube dass glauben nicht so viel mit Wissenschaft zu tun hat Das auch, aber vor allem glaube ich dass unser Future Education Phone gerade leutet. Hallo! Hallo mein Name ist Dominik. Ich bin Lehrer und interessiere mich daher natürlich dafür wie man lernt.

Ich habe eigentlich immer gedacht, dass Unterschiede in der Dominanz der linken und rechten Gehirnhälfte individuelle Unterschiede beim Lernen erklären könnten. Stimmt das denn? Ja danke für deinen Anruf Dominik! Die gute Nachricht du bist nicht allein. Deiner Meinung sind mehr als siebzig Prozent der Lehrpersonen international Und immerhin fast die Hälfte der Menschen, die für die Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern in Österreich verantwortlich sind.

Die schlechte Nachricht Es ist trotzdem falsch. Wer sagt das? Ja, das sagt ein Experte Roland Grabner nämlich. er ist Sprecher des wissenschaftlichen Boards von Future Education und arbeitet als Psychologe- und Neurowissenschafter. Er hat sich auf die Erforschung von Intelligenz und Lernen spezialisiert Und er sammelt Lernmythen und Bildungslücken.

Das ist unser Mann Herr Grabner. brauche ich überhaupt zwei Hirnhälften? Wir haben zwei Gehirnhälfte auch aus evolutionären Gründen, sonst hätten wir nur eine wenn eine ausreichen würde. Die beiden Gernhälften weisen unterschiedliche Spezialisierungen auf vor allem im motorischen und sensorischen Bereich.

bei allen höheren Denkleistungen und Lernleistungen sind die beiden Gerenhälfte allerdings sehr stark vernetzt bzw arbeiten sehr stark zusammen. Und wie unterscheiden die sich jetzt in Bezug auf ihre Aufgaben? Die linke G-Hälfte ist in motorik und sensorik für die Steuerung der rechten Körperhälfte zuständig, die rechte G-Körperhälfe.

Was weiß die Wissenschaft da übers Zusammenspiel der beiden Hälften? Bei den verschiedenen Denk- und Lernleistungen arbeiten sie sehr stark zusammen also ist die Funktion nicht nur auf eine Gehirnhälfte beschränkt. In Bezug auf die Sprache gibt es eben diese Spezialisierung, dass die linke Gehirnhälfte eben für Phonologie und Grammatik vor allem verantwortlich ist – die Rechte für Sprachmelodie zum Beispiel oder auch das Verstehen von Metaphern.

Und wie sind die beiden Gehirnihälften miteinander verbunden? Vor allem sind sie über den Balken des Corpus callosum verbunden... Balken oder Nervenstrangen, der die beiden Hemmysphären verbindet. Dieser Balken hat über zweihundert Millionen Nervenphasen. Das heißt es findet hier ein sehr intensiver Austausch zwischen den beiden Gernhälften statt und darüber hinaus gibt's noch zwei kleinere Nervenbündel – die Antaeräure- und Prosteriorekommissur, die die beiden Gerenhälfte auch miteinander verbinden.

Was passiert jetzt bei Menschen deren Gehirnhälften nicht mehr verbunden sind? Hier findet dieser Informationsaustausch natürlich nicht mehr statt. Das heißt, die jeweilige Gehirnhälfte muss sich auf die jeweillige Funktion spezialisieren. Dementsprechend hat man auch gefunden das in der linken Gehirnhälfte dann vor allem die Sprache lokalisiert war und in der rechten Gehirinhälfte vor allem räumliches Vorstellungsvermögen.

Diese künstliche Trennung sorgt dafür dass die beiden Gehirhnhälften dann noch zunehmend verschiedene Funktionen stärker übernehmen und auch diese Funktion dann stärker auf die eine oder andere Gehirnhälfte übergehen. Ja, macht da, kann ich sagen. Schon geschehen! Ich habe nämlich auch gleich Daniela Pinter besucht.

Sie arbeitet an der MED-Uni in Graz und ist Neuropsychologin und Neurowissenschaftlerin. Ihre Forschung konzentriert sich auf die Untersuchung von Erkrankungen wie Multipler Sklerose, Schlaganfällen oder anderen Störungen, die irgendwie die Struktur und Funktion des Gehirns beeinflussen. Und da habe ich einiges dazu gelernt... Gibt es neurologische Erkrankungen oder Verletzungen, die die Zusammenarbeit zwischen den Gehirnhälften irgendwie beeinträchtigen?

und wie äußert sich das dann? Also ein gutes Beispiel damit man versteht welche Auswirkungen eine Schädigung in einer Gehirnhälfte hat ist der Beschlaganfall. Unsere motorischen Fähigkeiten werden immer von der jeweils gegenüberliegenden Gehirnhälfte gesteuert, sprich wenn jetzt meine rechte Hand bewegt dann steuert das die linke Gehirnhälfte also die motorischen Areale in der linken Gehirinhälfte.

Wenn ich jetzt eine Schädigung in der Linkengehirnhelfe habe und führt das auch zu einer Schädigung meiner Handfunktion der rechten Hand. Wenn ich Erschädigung in der linken Gehirnhälfte habe, ist es auch so dass es häufiger zu Sprachstörungen kommt. Weil bei den meisten Personen es so ist das wird hier eher die Sprachproduktion und Sprachverarbeitung gespeichert haben.

In diesem Zusammenhang taucht ja immer wieder der Begriff Neuronale Plastizität auf. Warum geht's da? Die neuronale Plasticität beschreibt die lebenslange Fähigkeit unseres Gehirns sich strukturell oder auch funktionell in Abhängigkeit von Erfahrungen wie dem Lernen oder aufgrund von Schädigungen zu ändern.

Bleiben wir am besten gleich beim Beispiel vom Schlaganfall, wenn ich jetzt eine beeinträchtigte Handfunktion habe durch einen Schlagan-Fall in einer Gehirnhälfte. Der Schlagenfall verursacht eine Schädigung in den motorischen Arealen der linken Gehirnhälfte und somit kann ich die rechte Hand nicht mehr gut bewegen.

Um es klarzustellen, beide Gehirnhälften arbeiten ständig zusammen aber die Balance stimmt am Anfang direkt nach dem Schlaganfall nicht mehr. Langfristig ist es so dass die erfolgreiche Reha meist zu einer balancierteren Aktivierung beiträgt und eben diese Überaktiverungen in der rechten Hirnhälfe dann wieder sinken sollten.

Immer wenn wir etwas Neues lernen, also auch wenn wir wieder etwas Neue lernen müssen zum Beispiel die Hand zu bewegen, warmen sich in unserem Gehirn neue Verbindungen und eine erfolgreiche Reha unterstützt sozusagen den Wiederaufbau dieser Signalautobahn. Kann es sein dass dann eine Hirnhälfte komplett ausfällt?

Also, dass wirklich die ganze Gehirnhälfte komplett ausfällt. Das ist kein realistisches Szenario. in dem Fall aber das es so ganz starken schweren Schädigungen kommt wie eben bei einer Hirnblutung oder beim schweren ischemischen Schlaganfall da sehen wir öfter. was passiert eigentlich bei einem neuropsychologischen Test?

Bei einer neuropychologischen Untersuchung werden normalerweise die kognitiven Fähigkeiten wie Aufmerksamkeit Verarbeitungsgeschwindigkeit Konzentration, Gedächtnis oder auch die exekutiven Funktionen. Das ist jetzt so Handlungsplanung oder Zielorientierung untersucht. also unser ganzes Leben lang arbeiten beide Gehirnhälften immer miteinander zusammen egal ob in der Schule, in der Freizeit im Wachzustand oder beim Schlafen.

es sind immer beide Gehinhälfte aktiv und die kommunizieren immer miteinander. Es gibt einzelne Ausnahmen wo man ein lateralisierte Gehirnfunktion untersuchen kann, wie das Beispiel mit dem rechten Ohr. Das zum Beispiel die linke Hirnhälfte hier da sie einfach schneller stärker mehr geübt ist in einem ganzen schneller reagiert.

allerdings im Alltag ist es so wenn Sie jetzt spazieren gehen und Sie hören eine Fahrradklingel haben Sie im Alltag eher den Vorteil durch die schnelle Zusammenarbeit beider Hemisphären also beide Gehirnhälften weil sie dadurch, dass die Information, die akustische unterschiedlich schnell zum rechten und linken Ohr kommt auch gleich orientieren können wo hinter mir klingelt wäre.

Muss ich jetzt nach rechts ausweichen oder nach links? Diese Zusammenarbeit bei der Gehirnhälfte bei fast allen unseren Funktionen ist also überlebensnotwendig Und es gibt eigentlich nichts, wo man jetzt eine Hirnhälfte oder auf eine verzichten könnte. Die Gehirnhälften sind auch sehr stark miteinander verbunden und das ist einfach ein Mythos, dass man sagt die eine Gehirnhälfte ist eher für die einen Funktionen wie zum Beispiel für die Kreativität wichtig oder die andere Gehirinhälfte.

Ist ja für dieses und jenes Lernen wichtiger? Das hat man in der Forschung nicht zeigen können. falsche bzw. überholte Annahme, dass beide Gehirnhälften unterschiedlich für hauptsächlich rationale bzw. hauptzeitig emotionale Prozesse spezialisiert sind? Die Neuro-Wissenschaft an und für sich und die Neuropsychologie ist für mich immer noch eines der spannendsten Themen, die ich mir tagtäglich anschauen kann – ich glaube nichts in unserem Verhalten!

Ist so spannend oder unser ganzes Verhalten, wie unser Verhalten mit dem Gehirn zusammenhängt ist einfach etwas das so komplex und spannend ist in unserem täglichen Miteinander. Das hat mich schon immer fasziniert und wird mich glaube ich auch weiterhin faszineieren. Sophie schau her mal! Ja was hast du denn da?

Insta! Da steht Bewegungs- und Koordinationsübungen zum Beispiel Brain Gym können die Vernetzung zwischen Linker Rechter Gehirnhälfte und damit deinen Lernerfolg verbessern, folge mir für weitere Tipps zu deinem Superbrain. Cool oder? Bissle so cool um wahr zu sein wenn du mich fragst und auch wenn du Roland Grabner fragst bei dem habe ich noch einmal nachgehakt ob das stimmt.

Welche Lernmüten über die beiden Gehirnhälften sind eigentlich im Umlauf? wie verbreitet sind die besonders in den Schulen? Es sind vor allem zwei Lernmythen im Umlauf. Der eine Mythos besagt, dass Unterschiede in der Dominanz der G-Hälften individuelle Unterschiede zwischen Lernenden erklären kann. Und der zweite Mythos sagt das durch motorische Koordinationsübungen die Vernetzung der beiden G-Heilften verbessert werden kann und damit auch das Lernen.

Beide Mythen sind unter Lehrpersonen tatsächlich relativ weit verbreitet. In den bisherigen Studien haben wir festgestellt, dass über siebzig Prozent der befragten Lehrpersonen diesen Aussagen zustimmen obwohl sie wissenschaftlich nicht haltbar sind. Und wie wichtig ist jetzt die Zusammenarbeit der beiden Gehirnhälften beim Lernen wirklich?

Die ist tatsächlich essentiell und eigentlich nicht vermeidbar sofern es sich um ein gesundes Gehirn handelt. Bei der Gehirngelft arbeiten bei allen höheren Denk- und Lernfunktionen zusammen egal ob das Die Sprache ist, ob das jetzt räumliches Vorstellungsvermögen ist. Logisches Denken, Mathematik und so weiter.

Hier zeigen eigentlich viele aktuelle Studien, dass diese Prozesse nicht auf eine Gehirnhälfte reduziert werden können. Gibt es Belege dafür, dass motorische Übungen die Lernleistung irgendwie verbessern können? Hier gibt es die Annahme, dass Motorische Koordinationsübungen über Kreuz durchgeführt werden also zum Beispiel die linke Hand auf das rechte Knie und umgekehrt dass diese Übungen die Vernetzung der beiden Gehenhälften verbessern können und damit auch das Lernen verbessern.

Diese Übung sind noch Teil des sogenannten Brain Gym-Programms, mit dem man versucht hat ursprünglich Lernschwierigkeiten zu therapieren und mittlerweile ist es ein Programm, das generell die kognitive Leistungsfähigkeit um das Lernen verbessern soll. Es gibt bis heute keine belastbaren Befunde, die zeigen, dass durch diese Übung tatsächlich besser zusammenarbeiten und damit auch das Lernen gefördert werden kann.

Kann Sport, kann irgendwie körperliche Aktivität generell einen positiven Einfluss auf das Lernen haben? Nein! Das ist kein Mythos, körperlicher Aktivitet führt nachweislich eben nicht nur zu einem gesunden Körper sondern auch zu einem gesundem Geist, kann das Lernen auch unterstützen. die Höhe des Einfluses der körperlichen Aktivitäten ist aktuell noch stark diskutiert.

wie groß der Einfluss ist und auch welche Art von körperlicher Aktivität hier notwendig ist, ob das jetzt vor allem Ausdauersport ist oder ob das kurze Bewegungspausen sind. Da ist natürlich eine sehr große Bandbreite an Aktivitäten die man sich vorstellen kann. Können Unterschiede zwischen Lernerinnen über eine unterschiedliche Dominanz der Gehirnhälften erklärt werden?

Nein tatsächlich nicht da durch dass die beiden Gehirnhälften generell sehr stark zusammenarbeiten bei praktisch allen Kognitiven Funktionen. Die Unterschiede zwischen den Lernenden können besser erklärt werden durch Unterschiede in ihren Fähigkeiten, in ihren Persönlichkeitsprofilen, in ihre Motivationen und in Interessen usw.

Das heißt diese zwei Schubladen Linkshirner vs. Rechtshirne reichen nicht aus um die Unterschiede zu erklären. Was haben wir jetzt gelernt? Ganz einfach oder eigentlich zweifach in dem Fall. Die Gehirnhälften arbeiten bei allen kognitiven Leistungen, die über die reine Bewegung und Reize für unsere Sinnesorgane hinausgehen vernetzt miteinander.

Keine Gehirnhälfte ist deshalb irgendwie dominant! Diese Vernetzung lässt sich auch durch irgendeine Training nicht verbessern. Das sind zwei weitverbreitete Mythen, die sich trotz wissenschaftlicher Studien hartnäckig halten. Körperliche Aktivität kann die Lernleistung fördern aber das hat jetzt nichts mit irgendeiner angeblich besseren Vernetzung zu tun!

Also liebe Eltern, liebe Lehrerinnen und Lehrer, liebe Lehramtsstudierende und vor allem auch lieber Wolfgang, verbreitet diese Falschinformationen. Bitte nicht mehr weiter! Wir wissen es jetzt besser.". Ah und apropos falsche Informationen... Nein, nein, halt das kommt in Folge zwei. Okay Das war nämlich schon Folge eins von FutureGap schließt Bittlungslücken.

Wenn auch ihr eine Frage oder einen Lernmythus für uns habt ruft uns doch am Future Education Phone hier an der Universität Graz an Die Telefonnummer die Quellen zu dieser Folge und weitere Infos zu unserem Podcast findet ihr im Netz und in unseren Show Notes. Bis zum nächsten Mal.

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