
Leica Enthusiast Podcast - Fotopodcast mit Michel Birnbacher· Folge 295
Ingo Merz zu Gast bei Michel Birnbacher
Freitag, 27. März 2026 · 50 min
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Shownotes
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Work The M - Der Leica M Workshop
Sichere Bedienung, Einstellungen, Belichtung, Profile und das ewige Thema Fokussieren
Alle Termine und Anmeldung hier: birnbacher.com
13.9. Düsseldorf, 14.9. Bonn und weitere auf meiner Homepage.
Weitere Termine:
• 26.09.2026 Nürnberg - Conceptual Street Photography (birnbacher.com/angebot/conceptual-street-photo…) - Mit Stefan Czurda
• 05.-08.11.2026 Venedig - Für alle Kameramarken (birnbacher.com/angebot/venedig-urbane-fotograf…) - Veranstalter: fotosafari.de
• 26.-29.11.2026 Venedig - WORK THE M - Masterclass Leica M (birnbacher.com/angebot/venedig-leica-m-masterc…)
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Ausführliche Zusammenfassung / Shownotes / Blogbeitrag
Fünf Kernaussagen der Episode
• Ingo Merz versteht Fotografie nicht primär als Technikfrage, sondern als bewussten Prozess des Sehens, Beobachtens und Reduzierens.
• Die einjährige Familienreise wurde mit erstaunlich wenig Ausrüstung fotografisch dokumentiert: Leica M240, 35 mm, sonst kaum etwas.
• Die Beschränkung auf eine feste Brennweite erwies sich als befreiend, weil sie Entscheidungen vereinfachte und den Blick schärfte.
• Aus dem Reisejahr entstand eine Publikation mit zwei getrennten, aber zusammengehörenden Bildwelten: Schwarzweiß und Farbe.
• Die Episode zeigt eindrucksvoll, wie eng kreative Praxis, Familienalltag, Reisen und dokumentarische Fotografie miteinander verbunden sein können.
Veranstaltung:
Leica Store Heidelberg:
11. Juni um 18 Uhr
Vortrag im Leica Store Heidelberg über meine Reise und mein Magazin.
leica-store-heidelberg.de/products/vortrag-von…
Ein Jahr unterwegs: Familie, Feuerwehrauto, Leica
Was für viele ein diffuser Lebenstraum bleibt, hat Ingo Merz tatsächlich umgesetzt: Gemeinsam mit seiner Frau und zwei kleinen Kindern war er rund ein Jahr lang im selbst ausgebauten Feuerwehrfahrzeug unterwegs. Die Reise begann im Sommer 2024 und führte über Italien, Albanien und Griechenland weiter in die Türkei und schließlich bis nach Georgien. Insgesamt kamen rund 17.000 Kilometer zusammen. Ursprünglich stand sogar die Mongolei als Ziel im Raum, doch die geopolitische Lage und die Verantwortung als reisende Familie führten zu einer bewussten Anpassung der Route.
Im Gespräch mit Michel Birnbacher wird schnell deutlich: Diese Reise war kein spontaner Ausbruch, sondern das Ergebnis einer langen Vorbereitungszeit. Rund drei Jahre dauerte es, bis aus einem alten Feuerwehr-Mannschaftswagen von 1988 ein wohnlicher, familiengerechter Reisewagen wurde. Küche, Schlafplätze, Bad, Stauraum – alles musste geplant und gebaut werden. Parallel dazu wuchs die Familie weiter. Die Reise war also nicht nur ein logistisches Projekt, sondern Ausdruck einer bewussten Lebensentscheidung: nicht irgendwann, sondern jetzt.
Fotografie als Haltung, nicht als Materialschlacht
Besonders spannend ist die fotografische Konsequenz, mit der Ingo unterwegs war. Statt mehrere Kameras, Zooms oder ergänzendes Zubehör mitzunehmen, reduzierte er sich auf das Wesentliche: eine Leica M240 und ein Voigtländer Nokton Classic 35 mm f/1.4. Mehr war nicht dabei – und mehr wurde am Ende auch nicht vermisst.
Gerade in einer Zeit, in der Reisefotografie oft mit maximaler Ausrüstung, Drohnenbildern und permanentem Content-Output verbunden wird, wirkt dieser Ansatz fast radikal. Doch genau darin liegt die Stärke dieser Episode. Ingo beschreibt die Reduktion nicht als Verzicht, sondern als Entlastung. Die Frage „Welches Objektiv nehme ich heute mit?“ stellte sich schlicht nicht. Stattdessen konnte er sich auf Motive, Situationen und den fotografischen Moment konzentrieren.
Das ist mehr als ein pragmatischer Minimalismus. Es ist eine fotografische Haltung. Für Ingo steht längst nicht mehr allein das Ergebnis im Vordergrund, sondern der Prozess selbst: das Sehen, das manuelle Arbeiten, die Konzentration auf Licht, Distanz und Bildaufbau. Leica wird im Gespräch deshalb nicht als Statussymbol beschrieben, sondern als Werkzeug, das genau diese Form des Arbeitens unterstützt.
Warum 35 Millimeter?
Ein zentrales Thema der Episode ist die Wahl der Brennweite. Für Ingo sind 35 Millimeter längst zu einer Art natürlichem Blick geworden. Er beschreibt diese Perspektive als besonders nah an seinem unmittelbaren Erleben. Genau das macht sie für ihn passend – nicht nur für Street Photography, sondern auch für das Dokumentieren einer Reise, in der Landschaft, Alltag, Fahrzeug, Zwischenmomente und Begegnungen nebeneinander existieren.
Bemerkenswert ist, dass gerade die vermeintlichen Grenzen dieser Brennweite kreativ genutzt wurden. Wenn eine Landschaft größer war, als sie das Objektiv auf Anhieb fassen konnte, dann bedeutete das nicht automatisch technisches Defizit, sondern körperliche Bewegung: einen Hügel hochklettern, Abstand gewinnen, Perspektive verändern. Manche Bilder wirken dadurch fast wie Drohnenaufnahmen, obwohl gar keine Drohne dabei war.
Die Episode liefert damit einen wertvollen Gegenakzent zu der verbreiteten Annahme, für besondere Reisen brauche es zwangsläufig möglichst viel Equipment. Ingo erzählt das Gegenteil: Gerade die Beschränkung hat seinen Blick geschärft.
Von Street Photography zur dokumentarischen Reiseerzählung
Ingo kommt nicht aus der professionellen Fotografie, sondern aus der engagierten Hobby-Praxis. Sein Schwerpunkt vor der Reise lag vor allem in der Street Photography. Dabei geht es ihm weniger um Spektakel als um das stille Beobachten. Er beschreibt Fotografie als eine Form, das Leben um sich herum bewusster wahrzunehmen – fast wie das Sitzen in einem Straßencafé, von wo aus man Menschen und Situationen beobachtet.
Diesen Blick hat er mit auf die Reise genommen. Im Gespräch definiert er seinen dokumentarischen Ansatz als Versuch, Situationen möglichst unverändert festzuhalten. Menschen werden nicht vor dem Bild aktiv inszeniert, vielmehr geht es um authentische Momente, die zunächst unberührt bleiben. Kontakt entsteht, wenn überhaupt, oft erst nach dem Bild. Genau darin sieht Ingo die Stärke dokumentarischer Fotografie: nicht eingreifen, sondern aufmerksam sein.
Interessant sind auch seine Beobachtungen dazu, wie unterschiedlich Fotografie in verschiedenen Ländern wahrgenommen wird. Während Street Photography für ihn in Deutschland oder auf dem Balkan eher zurückhaltender funktioniert, erlebte er die Türkei als sehr offen und zugewandt. Dort sei es einfacher gewesen, näher an Menschen heranzugehen, weil Fotografiertwerden oft positiver aufgenommen wurde.
Familienalltag ist kein Nebenschauplatz
Was diese Folge besonders macht, ist der realistische Blick auf das Reisen als Familie. Michel Birnbacher deutet es mehrmals an: Ein Jahr unterwegs mit zwei kleinen Kindern ist eben kein romantischer Endlosurlaub. Und Ingo bestätigt das sehr klar. Reisen in einem kleinen Fahrzeug, oft ohne festen Schlafplatz für die Nacht, mit wechselnden Bedingungen, engem Raum und dem Rhythmus kleiner Kinder, ist herausfordernd.
Gerade deshalb bekommt die Fotografie hier eine andere Rolle. Sie ist kein dominierendes Produktionssystem, das den Alltag bestimmt, sondern muss sich in ihn einfügen. Bilder entstehen nicht gegen das Familienleben, sondern innerhalb davon. Fotografiert wird, wenn es passt. Bearbeitet wird abends, wenn die Kinder schlafen. Social Media lief nur in kleinem Rahmen nebenher, eher als Form der persönlichen Nachbereitung und um Familie und Freunde auf dem Laufenden zu halten.
Diese Ehrlichkeit macht die Episode stark: Gute Fotografie braucht Raum, aber sie muss nicht alles andere verdrängen.
Der Workflow unterwegs
Auch der praktische Teil kommt nicht zu kurz. Ingo schildert einen erstaunlich schlanken Workflow: Die Bilder wurden auf einem Tablet mit Lightroom bearbeitet, zusätzlich in der Cloud gesichert und bereits unterwegs stark vorsortiert. Er gehört zu den Fotografen, die früh löschen – teilweise schon …