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Shownotes
Morgenimpuls mit Vanessa Grbavac
Ich mache eigentlich schon mein halbes Leben Musik. Meine erste Gitarre habe ich mit zwölf bekommen. Genau genommen war sie Bestechung. Ich sollte zum Zahnarzt. Riesendrama damals. Die Gitarre war das Druckmittel. Am Ende hat beides funktioniert. Ich war beim Zahnarzt – und hatte danach diese völlig einfache Akustikgitarre in der Hand. Keine besondere Marke. Eigentlich sogar ein ziemlich schlechtes Instrument. Die Saiten viel zu hoch, die Bünde furchtbar weit auseinander. Im Nachhinein fast ungeeignet, um dranzubleiben. Aber irgendwie hat genau das geklappt. Später kam die erste E-Gitarre dazu, kleine Bands, Auftritte in Kneipen. Manchmal gab’s als Bezahlung einen Hut, der rumging. Oder ein Schnitzel. Und bis heute liebe ich genau das: gemeinsam Musik machen. Dass ein Song plötzlich entsteht, weil jeder etwas Eigenes hineinlegt. Und irgendwann passiert dabei etwas Merkwürdiges: Man denkt nicht mehr über jeden einzelnen Griff nach. Man spürt, was kommt. Man hört die anderen und weiß irgendwie, wann man selbst einsetzen muss. Wann es laut werden darf. Wann leise. Wann man einfach mitgeht. Nur manchmal stehen da bei Auftritten diese Menschen mit verschränkten Armen. Ganz regungslos. Die schauen ganz genau hin. Auf jeden Griff. Jeden Fehler. Die Musikpolizei. Und jedes Mal passiert dasselbe: Ich denke nach. Wo müssen meine Finger hin? War der Akkord gerade richtig? Was kommt als Nächstes? Und in dem Moment verschwindet etwas. Die Leichtigkeit. Die Intuition. Das Vertrauen in das, was eigentlich längst da ist. Manchmal kenne ich das auch vom Leben und vom Glauben. Ich will die richtige Entscheidung treffen. Das Richtige sagen. Richtig reagieren. Und je mehr ich darüber nachdenke, desto weniger weiß ich manchmal, was eigentlich richtig ist. Dabei glaube ich, dass Gott uns nicht nur die Fähigkeit gegeben hat, nachzudenken. Sondern auch die Fähigkeit zu spüren. Dieses manchmal ganz leise Gefühl: Das hier stimmt gerade. Oder: Irgendetwas stimmt hier nicht. Bleib noch einen Moment. Sag jetzt etwas. Oder sag lieber nichts.Natürlich ist dieses Gespür nicht unfehlbar. Manchmal kann ich mich irren. Aber vielleicht muss ich ihm deshalb nicht grundsätzlich misstrauen. Vielleicht darf ich darauf vertrauen, dass Gott mir nicht nur einen Kopf zum Denken gegeben hat, sondern auch dieses feine Gespür für mich selbst, für Situationen und für andere Menschen. Und vielleicht ist Glauben manchmal genau das: Nicht jeden Griff noch einmal kontrollieren. Sondern hinhören. Hinspüren. Und darauf vertrauen, dass Gott auch dort sein kann. So wie damals mit dieser ziemlich schlechten Gitarre in der Hand. Ich konnte eigentlich noch nichts. Aber ich habe einfach angefangen zu spielen.