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Shownotes
Morgenimpuls mit Pfarrer Stefan Wißkirchen
Es gibt einen Unterschied zwischen bloßer Anwesenheit und echter Vertrautheit. Man kann an einem Ort sein, ohne dass er einem wirklich vertraut ist. Das gilt für Häuser, Straßen, Landschaften – aber es gilt auch für unser Leben, für Beziehungen, sogar unseren Glauben. Manchmal sieht man Ruinen alter Herrenhäuser, die einst prächtig waren. Manche stehen noch, andere wurden zerstört. Man erkennt sofort: Wer sich mit einem Ort verbunden fühlte, wer ihm vertraute, der hinterlässt Spuren. Die Anwesenheit allein genügt anscheinend nicht. Auch wir Menschen sind in gewisser Weise Treuhänder, Lehnsleute. Es gibt ein gegenseitiges Versprechen: Schutz gegen Treue, Verantwortung gegen Vertrauen. Jesus von Nazareth wurde von Gott zum Messias, zum Christus gesalbt – um Gottes Königsherrschaft sichtbar unter den Menschen zu begründen. Mein Königtum ist nicht von dieser Welt, sagte er. Und doch zeigt sein Leben, dass seine Herrschaft hier und jetzt wirksam wird durch Liebe, durch Gnade, durch die Einladung an jeden einzelnen von uns, daran teilzuhaben. Früher nannten sich die Könige "von Gottes Gnaden". Das konnte gefährlich werden, wenn menschliches Verhalten einfach auf Gott abgeschoben wurde. Heute gilt: von Gottes Gnade, das betrifft uns alle. Wir alle leben durch Gottes Gnade, durch seine Liebe und sein Vertrauen. Das bedeutet Verantwortung für das eigene Handeln übernehmen, Gnade vor Recht üben, wirklich verzeihen können wie Jesus am Kreuz und unsere Talente, unsere Fähigkeiten, alles was uns anvertraut ist, zur Blüte bringen. Nicht vor Gott alles verrosten lassen. Das Reich Gottes ist schon angebrochen. Er ist mitten unter uns und er braucht uns, damit seine Königsherrschaft in dieser Welt sichtbar wird. Gott traut uns die Aufgabe zu und er traut uns auch zu, sie zu erfüllen. Die zentrale Frage ist deshalb: Bin ich vertraut mit Jesus und seinem Willen, lebe ich aus dieser Vertrautheit heraus oder bleibe ich nur anwesend? Denn wer vertraut, kann Verantwortung übernehmen, kann Gnade leben, kann sein Talent entfalten. Vertrautheit macht den Unterschied, eben nicht bloß anwesend sein.