
Rätsel des Unbewußten. Psychoanalyse & Psychotherapie.· Folge 161
Soziale Angst und Soziophobie. Die Angst, gesehen zu werden (94)
Freitag, 24. April 2026 · 41 min
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Shownotes
RÄTSELWISSEN
Vertiefungsfolge: Fallgeschichte Sonja. Die verdeckte Angst: patreon.com/posts/156297283
Unser Hörbuch: patreon.com/collection/2029837 (Kollektion kaufen = Einmalkauf Hörbuch)
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Unser neues Buch: "Jetzt bin ich schon wie meine Eltern. Wie Erziehung über Generationen wirkt" hanser-literaturverlage.de/buch/jetzt-bin-ich-…
Gespräch mit Diana Pflichthofer: Was es heißt, erwachsen zu sein: patreon.com/posts/was-es-heisst-zu-154786691
Kontakt: lives@psy-cast.org
In dieser Folge geht es um soziale Ängste und Soziophobie – also um die Angst, im Kontakt mit anderen gesehen, bewertet oder beschämt zu werden. Wir sprechen darüber, wie sich soziale Angst im Alltag zeigt, warum sie oft lange unerkannt bleibt und welche Rolle Scham, Selbstwert und frühe Beziehungserfahrungen dabei spielen. Außerdem geht es um die psychodynamischen Hintergründe sozialer Phobie und darum, was in einer Psychotherapie helfen kann, den Teufelskreis aus Vermeidung, Anspannung und Rückzug zu durchbrechen.
• Weitere Fallgeschichten zu "Fails of Therapy: Wenn Therapien schieflaufen": patreon.com/posts/151025458
• Skript zu dieser Folge: patreon.com/posts/156371530
Literaturempfehlung zur Folge:
• F. Leichsenring, M. Beutel, E. Leibing (2007): Psychodynamic psychothe-rapy for social phobia. A treatment manual. Bulletin Menninger 71, 56—83
• P. Gilbert (1989) Human Nature and Suffering. Erlbaum, Hillsdale/New York
• S. O. Hoffmann (2015) Die Psychodynamik der Sozialen Phobie. PDP, 14,2, 67--75
• U. Streeck (2003): Angst vor Anderen. Zur sozialen Phobie und anderen sozialen Ängsten. Vortrag, Lindauer Psychotherapiewochen, Auditorium Netzwerk: auditorium-netzwerk.de/ar/angst-vor-anderen-zu…
Hilfsmöglichkeiten bei psychischen Krisen: stiftung-gesundheitswissen.de/gesundes-leben/p…
In psychischen Krisen können auch Hausarzt/ärztin, Psychiater/in und Psychotherapeut/innen Ansprechpartner sein. In Notfällen kann man sich zudem an eine psychiatrische Klinik wenden.
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• Vertiefungsfolge "Beendigung von Therapien" auf Patreon: patreon.com/posts/127931630
• Folge zu Glenn Gabbard und den "liebeskranken" Analytiker: patreon.com/posts/121877727?collection=148939
Erziehungskonzepte psychoanalytisch betrachtet (5 Teile): patreon.com/collection/148943
Digitaler Lesekreis zum Thema "Wie die Digitalisierung unsere psychische Struktur verändert" (1. Folge ist frei zugänglich): patreon.com/posts/lesekreis-werner-94838102
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Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin
In dieser Folge beschäftigen wir uns mit einer psychischen Problematik, die nicht selten im Verborgenen liegt. Auch in Therapien können diese leicht übersehen werden. Wir werden hören, warum das Bearbeiten von sozialen Ängsten oftmals der Schlüssel für eine wirkliche Veränderung ist. Zudem gibt es nun das Hörbuch zu unserem Buch, jetzt bin ich schon wie meine Eltern.
Von uns selbst eingesprochen – ebenfalls auf Patreon und überall wo es Hörbücher gibt! Wenn es um sozialen Austausch geht ist es vielleicht nicht ganz unplausibel die Menschheit in zwei Gruppen einzuteilen In Menschen, die im Kontakt mit anderen etwas gewinnen Und solche, die etwas zu verlieren scheinen.
Die einen gehen aus Geselligkeit gestärkter vor. Die anderen büßen mit jeder Stunde des Beisammenseins an Kraft ein, sind am Ende geradezu erschöpft. Die einen brauchen den Rückzug in ihre eigene Höhle um wieder bei sich anzukommen. Die Anderen finden überhaupt erst in der Geselligkeit zu sich. Aus psychoanalytischer Perspektive wäre man fast versucht hier einen Zusammenhang zu vermuten eine Art unbewussten Vampirismus, das die eine Gruppe der anderen psychische Kräfte raubt.
Doch das führte wohl zu weit. Wahrscheinlich ist das Ganze überhaupt komplizierter. Soziale Ängste sind in der Gesellschaft und auch in Therapien eigentlich überall präsent. Zugleich sind sie oftmals unsichtbar – etwas, dass Menschen der Sache entsprechend eher mit sich alleine ausmachen. In der psychoanalytischen Literatur gibt es nur wenige Arbeiten über das Thema.
Wir orientieren uns hierbei vor allem an den Vorträgen des Psychoanalytikers Ulrich Streeck sowie den Arbeiten von Sven Olaf Hoffmann. Soziale Ängste können viele Gesichter haben, dazu hören wir zwei kleine Beispiele. Eine Frau ist eigentlich recht selbstbewusst und würde von sich nicht sagen dass sie nicht mit anderen in Kontakt treten kann.
In bestimmten sozialen Situationen gerät sie aber unter einen diffusen, kaum erklärlichen Druck. Etwa in dieser Situation Sie soll jemandem anrufen den sie nicht kennt – In einer Arztpraxis oder bei einer Behörde. Am schlimmsten wird es wenn sie in diesem Anruf auch noch etwas Ungewöhnliches vorbringen muss Eine Bitte eine Forderung vielleicht sogar eine Beschwerde.
Die Frau nimmt sich fest vor den Anrufe jetzt endlich zu erledigen Doch es türmen sich unbegreifliche Widerstände in ihr auf. Zunächst drängen sich noch alle möglichen anderen Aufgaben nach vorn, die vermeintlich dringender sind. Sie bringt den Müll hinunter – obwohl der Eimer noch nicht einmal voll ist – schreibt erst mal ein paar liegengebliebene Emails.
Sie geht auf und ab, probiert den ersten Satz in verschiedenen Versionen, verwürft ihn wieder, formuliert ihn neu… bis er klingt als wolle sie nicht telefonieren sondern vor Gericht aussagen! Endlich fasst sie sich ein Herz, wählt die Nummer und es ist besetzt. Fasst es sie erleichtert. Das Problem ist zwar kein bisschen gelöst aber immerhin das Schicksal hat nun bestätigt dass man es heute ernsthaft versucht hat.
Morgen ist schließlich auch noch einen Tag. Ein Mann ebenfalls selbstbewusst und durchaus dominant gerät in bestimmten Situationen immer wieder in diffuse Anspannung etwa dann wenn er im Büro in längeren Besprechungen mit dem Team sitzt. Zunächst ist alles noch in Ordnung, erst konzentriert spricht macht seine Punkte doch dann wie aus dem Nichts bemerkte ein Klingeln im Ohr.
ihm wird schwindelig eine Welle von Angst steigt in ihm auf ohne dass er genau sagen könnte wovor eigentlich? Er hat die Vorstellung er könnte jeden Moment vor den anderen ohnmächtig werden was ihn geradezu unerträglich und beschämend erscheint. Er hat den Impuls sofort hinaus zu müssen, weg aus dem Raum.
Zugleich ist ihm diese Regung hoch unangenehm – er will sich nichts anmerken lassen, reißt sich zusammen bleibt sitzen nickt an in richtigen Stellen sagt vielleicht sogar noch etwas aber innerlich ist dafür der Rest der Besprechung nicht mehr wirklich anwesend. Er verfolgt den Ablauf nur noch wie durch eine Scheibe als wäre er von dem Geschehen ein Stück weit dissoziiert.
Das erste Beispiel, die Frau am Telefon, reicht in die Welt der Alltagsneurosen – also gewisse Hemmungen und Störungen, die sehr viele Menschen haben und die nicht zwingend einer Behandlung bedürfen. In der Fachsprache handelt es sich dabei um eine spezifische soziale Angst, also ein Angstsymptom das nicht generell auf alle sozialen Situation bezogen ist sondern nur in ganz bestimmten Konstellationen auftritt.
Typischerweise geht es hier um Prüfungssituationen oder Situationen, in denen man sich in besonderer Weise zeigen und beweisen muss. Im Beispiel der Frau ist das die Situation des Telefonats mit einem Unbekannten gegenüber. Sie kann den anderen nichts sehen nicht einschätzen wie er oder sie reagiert.
zudem sie muss etwas ungewöhnliches hervorbringen Sich also mit einem eigenen Wunsch oder ihrem Unmut zeigen. Es geht um ein Sichtbarwerden vor den Augen eines unbekannten Gegenübers. Darauf reagiert sie mit sozialem Stress und dem, was für soziale Ängste typisch ist. Sie beginnt, ein System von Vermeidung zu bilden.
Sie schiebt das Telefonat auf. Zudem entwickelt sie gewisse Alltagstechniken – sogenannte Sicherheitsverhalten -, um mit ihrer Angst umzugehen. Sie lernt Sätze auswendig, legt sich mögliche Gesprächsverläufe zurecht und versucht auf diese Weise die Unwegbarkeiten des Telefonats im Vorhinein unter Kontrolle zu bringen.
Dadurch wird ein kleines Telefonat aber zur einer großen Anstrengung. Der Mann im zweiten Beispiel würde sein sehr körpernahes Symptom das dem eine Panikattack nahe kommt womöglich gar nicht mit der Situation in Zusammenhang bringen. Vielleicht ist ihm nicht einmal bewusst dass es überhaupt ein psychisches Symptom ist, das ihnen diesen unangenehmen Zustand versetzt.
Und noch weniger – dass dieses Symptoms etwas mit der sozialen Situation zu tun hat! Unter anderen Menschen zu sein in einer Gruppe für längere Zeit dort den blicken und möglichen Urteilen der Anderen ausgesetzt unter dem inneren Druck sich zu behaupten. Die soziale Angst ist ihm unbewusst. gerade deshalb bleibt sie vor allem im körperlichen steigert sich in Anspannung, die dann in einer vegetativen Reaktion mündet mit entsprechenden Symptomen.
Perzrasen, Schwindel, Seestörungen bis hin zu einem Gefühl der Benommenheit. Seine Befürchtung vor aller Augen in Ohnmacht zu fallen gibt ein wenig Auskunft über den Inhalt seiner Angst – vor den anderen in eine hilflose, ohnmächtige Lage zu geraten was er in seiner Vorstellung als eine vernichtende Beschämung erlebt.
Die Präsenz der anderen wird hier also nicht als potenziell hilfreich erlebt, sie könnten mich retten wenn ich zusammenklappe, sondern die Anderen werden zu potentiellen Schamzeugen. Der Mann kann seine Angst nur beruhigen wenn er wieder alleine für sich ist. Es wäre typisch dass der Mann, wenn er einmal in Psychotherapie kommen würde zunächst nicht unter der Diagnose einer sozialen Angst behandelt würde Sondern eine Panikstörung Obwohl die soziale Dimension vielleicht die entscheidende für die Behandlung wäre.
Je weiter und umfassender soziale Ängste werden, desto höher werden die Kosten der Vermeidung. Bei einer sogenannten generalisierten sozialen Angst sind Betroffene nicht nur in einzelnen Konstellationen angespannt sondern im Grunde überall dort wo sie in den Blick anderer geraten könnten bis hinein in die Mikrosituation des Alltags Jemanden im Laden etwas fragen, auf der Straße nach dem Weg fragen.
Überhaupt auf der Strasse nur an anderen Menschen vorbeigehen Im Wartezimmer den eigenen Namen sagen und aufstehen Im Restaurant in Kellner rufen In einer Runde den richtigen Moment zum Sprechen finden. Man geht nicht einfach in einen Raum Sondern tritt gewissermaßen vor ein Publikum Und zwar einem wenig wohlwollenden.
Wie wirke ich? War mein Blick komisch? Hab ich mich peinlich ausgedrückt? Habe ich zu viel geredet oder zu wenig? Seh' ich unsicher aus?". Dahinter stehen meist schon sehr konkrete Erwartungen darüber, was die Anderen denken könnten. Was ist denn mit dem los?! Der is aber seltsam! Schau mal – der kann nicht mehr richtig reden!
Was hat die denn für ein komischen Pickel im Gesicht? und jetzt lächelt ihr auch noch so dämlich? Die reale Situation mag so sein, dass die anderen etwa in einem Wartezimmer Nichts sagen, weil ihnen gar nichts Besonderes auffällt. Für eine Person mit sozialen Ängsten ist dieses Schweigen eine betretende Stille in Reaktion auf die eigene peinliche Erscheinung.
Solche Situationen bringen Menschen mit sozialer Angst unter eine massive innere Anspannung bis hin zu panikartigen Zuständen. Die Symptomatik ist entsprechend nicht nur seelisch sondern oft sehr körperlich Herzklopfen, Erröten Zittern Schwitzen trockene Kehle, Übelkeit, Schwindel, einem Druckgefühl oder dem Eindruck gleich die Fassung zu verlieren.
Besonders quälen ist häufig das nicht nur diese Symptome Selbstangst machen sondern auch die Vorstellung sie könnten von anderen bemerkt werden. Dann entsteht ein Teufelskreis. Jemand könnte sehen dass sich Zittere und eben diese Angst lässt das Zittern noch stärker werden. jemand könnte merken dass ich rot werde Und gerade dadurch schießt die Röte erst recht ins Gesicht.
Ein anderes, häufig auftretendes Symptom ist Krübeln – auch Rumminieren genannt. Zwangsartig werden vermeintlich blamables Szenen im Kopf ins Unendliche wiederholt. Die Person muss innerlich durchgehen was sein wird, was war, was hätte sein können wenn sie anders reagiert hätte. Die Szene lassen die Person nicht los, sie wird geradezu davon verfolgt und gequält Als müsse die Psyche sich die eigene Blamage immer wieder vor Augen führen, um sie nachträglich irgendwie zu korrigieren oder sich vielleicht durch den wiederholten Schmerz der Erinnerung für das eigene Versagen bestrafen.
Wer den Kontakt mit anderen meidet vermeidet damit nicht irgendeinen Randbereich des Lebens sondern nach und nach das Leben selbst. Meist bilden Betroffene ein System des Rückzugs – das je nach Schwere der sozialen Angst mehr oder weniger gut funktioniert, manchmal fast unsichtbar ist. Aber es geht fast immer auf Kosten der Lebendigkeit und der Teilhabe – und nicht selten muss der Preis der Einsamkeit bezahlt werden.
Für Außenstehende wirken die Sorgen von Betroffenen rätselhaft, mithin übertrieben. Meist greifen sie zu Beschwichtigungen! Das denken die anderen bestimmt nicht. mit dirs alles in Ordnung Aber meist sind diese Beruhigungen nur von Kurzerwirkung. Gerade weil solche Situationen für andere so nebensächlich sind und Betroffene verstehen, sich zu verbergen bleibt die Angst oft lange unsichtbar.
Selbst in Therapien können wie wir noch hören werden soziale Ängste oft lange unbemerkt bleiben. Doch warum erleben Menschen mit sozialen Ängsten den Kontakt mit anderen als so bedrohlich? Zunächst gilt das ja für alle Menschen. Soziale Situationen sind nie eindeutig. Wir können nie sicher wissen, was ein anderer Mensch in Wahrheit denkt oder fühlt wie er das, was er sagt wirklich meint.
Am Telefon mit dem Unbekannten gegenüber wäre diese Situation noch einmal verstärkt. wir können da wir den anderen nicht sehen oder kennen noch weniger einschätzen was er von uns hält. letztlich ist aber jede soziale Situation immer auch ein Maskenspiel. Das gerade macht das Genuin menschlicher aus, dass der Mensch sich verstellen – ein Lächeln aufsetzen kann nie vollständig lesbar ist!
Es gilt hier das psychoanalytische Grundprinzip. Überall dort wo wir unsicher sind ergänzten wir die Realität. mit unseren Übertragungen legen wir in den anderen unsere Fantasien und Vorstellungen hinein. Hierbei geht es also um die grundlegende Frage, darf ich vom anderen erwarten dass er mich anerkennt schätzt?
Mich zumindest nicht verurteilt. Dahinter steht psychologisch meist die Frage wie sehr kann ich mich eigentlich selbst anerkennen? schätzen glaube ich an mich oder verurteilere ich mich in Wahrheit selbst dafür wie und was Ich bin? hier deutet sich bereits an was im Kern der sozialen Angst steht Die Frage des Selbstwertes.
Wenn der eigene Selbstwert stabil ist, kann ich soziale Situationen mit eher wohlwollenden Erwartungen füllen. Ich gehe intuitiv davon aus dass der andere mir mit einer Wertschätzung gegenüber tritt mich zumindest als gleichwertig anerkennt. Ein stabiler Selbstwert kann auch bedeuten das sich in Konfliktsituationen durchaus auch negative Reaktionen aushalten kann ohne dass sie gleich den Kern des Selbstgefühls tangieren.
Zum Beispiel zu wenig gezahltes Rückgeld an der Kasse reklamieren, sich beim Nachbarn über den Lärm beschweren – vielleicht findet der andere das ärgerlich, mag der andere mich danach nicht mehr so sehr…. aber das ist keine Katastrophe für den Selbstwert! Ich kann dem anderen zugestehend verärgert sein, ohne gleich darin ein vernichtendes Urteil über meine Person zu hören.".
Kennzeichen eines stabilen Selbstwertes ist es aber vielleicht gerade, dass die Reaktionen anderer in vielen Alltagssituationen gar nicht in besonderer Weise zum Gegenstand innerer Beschäftigung werden. Man registriert sie zwar – aber man ist nicht fortwährend damit befasst was ein Blick, ein Tonfall oder eine kleine Irritation nun genau über die eigene Person bedeuten könnte.
Für einen Menschen mit sozialem Ängsten ist genau das oft viel schwieriger! Der Blick des anderen wird als der eines strengen, peinlich genauen Richters erlebt dem nichts entgeht. Die Person erlebt sich im Zentrum einer negativ getönten Aufmerksamkeit. Jede kleine Unsicherheit jedes Zittern in der Stimme jeder Kleine Versprecher erscheint dann nicht mehr als belanglose Normalität sondern wie ein Riss in der eigenen Erscheinung durch den etwas unangenehmes sichtbar werden könnte.
wie peinlich, unbeholfen, lächerlich, dumm, nervig, unangenehm oder gar abstoßend man in Wahrheit ist. Durch die kleinen Unzulänglichkeiten des Kontakts schießt dann oft ein Strom vernichtender Schaden. Die naheliegendste Deutung wäre zunächst das dem eine reale Erfahrung zugrunde liegt – dass man also tatsächlich einmal erlebt hat im Zentrum negative Aufmerksamkeit zu stehen etwa in Gestalt einer ständig kritischen, prüfenden, nörgelnden oder korrigierenden Elternfigur.
Oder als Zielscheibe einer Gruppe – etwa in Mobbingerfahrungen. Über einen längeren Zeitraum von anderen Menschen als jemand behandelt zu werden der einen minderen Wert hat dessen Bedürfnisse nicht zählen, dessen Grenzen man nicht warn muss bedeutet für Betroffene oft dass sich diese Erwartungen in das eigene selbst eingraben.
Die entwertende Stimme wird allmählich Teil des eigenen Selbstverhältnisses. Was zunächst von außen kommt – Kritik, Herabsetzung und Missachtung – wird mit der Zeit zur eigenen inneren Stimme zum Blick auf sich selbst. Solche Erfahrungen lassen sich bei vielen Betroffenen tatsächlich finden wenn gleich nicht immer!
Der Psychoanalytiker Sven Hoffmann greift hierauf ein Modell des Psychologen Paul Gilbert zurück. Dieses geht davon aus, dass Menschen in der Evolution ein psychisches System entwickelt haben mit deren Hilfe sie sich in sozialen Situationen orientieren. Um einzuschätzen wo Gefahr droht wenn man unterlegen ist oder wo Zugehörigkeit möglich ist und wann Kontakt sicher erscheint.
Gilbert unterscheidet dabei zwei Modi. zum einen das sogenannte Abwehrsystem. Hier werden soziale Situationen vor allem auf ihrem Bedrohungskarakter hin wahrgenommen. Wer ist stärker, wer ist schwächer? Wer bedroht mich? Wem bin ich unterlegen? Wie kann ich Schaden vermeiden?". Wenn dieses System aktiv ist, werden andere Menschen primär unter dem Aspekt von Konkurrenz-, Dominanz- und Unterwerfung wahrgenommen – daneben steht das sogenannte Sicherheitssystem.
Hier werden Beziehungen eher unter dem Aspekt zur Kooperation erlebt. Bin ich hier willkommen? Darf ich hier sein, ohne mich dauernd schützen zu müssen? Ist mit dem anderen ein entspannter Kontakt möglich? Ist hier so etwas wie Zugehörigkeit oder Verbundenheit denkbar? Während im Abwehrsystem der soziale Raum als Hierarchie erscheint ermöglicht das Sicherheitssystem Vertrauen, Zusammenarbeit und Zugehöhrigkeit in Gruppen.
Beide Modi haben ihre Funktion, denn das Gegenüber muss ja keineswegs immer freundlich gesinn sein. Eine ausgeprägte soziale Angst bedeutet nun dass Beziehungen fast durchgehend im Abwehrmodus wahrgenommen werden ausgenommen allenfalls einige wenige private oder familiär tief vertraute Bindungen. andere erscheinen nicht mehr als mögliche Kooperationspartner sondern vor allem als potenzielle Richter Konkurrenten oder beschämende.
Das Interessante an Gilbert's Modell ist, dass soziale Angst hier nicht nur als übermäßige Furcht erscheint sondern als eine Verschiebung der gesamten sozialen Wahrnehmung. zum Beispiel es ist Mittagspause in der Kantine. ein Kollege sagt im Vorübergehen setzt sich doch zu uns. für einen sozial ängstlichen Menschen ist das nicht ohne weiteres ein Zeichen von Freundlichkeit.
Es kann innerlich sofort eine Kette von Befürchtungen in Gang setzen. Jetzt muss ich etwas sagen, warum hat er mich das jetzt gefragt? Wirke ich so als hätte ich keinen Anschluss! Wenn ich mich jetzt dazu setze dann muss sich allen zeigen dass ich locker und entspannt bin. eigentlich ist mir das zu stressig aber wenn ich ablehne halten die mich dann für komisch oder unfreundlich?
Das gesamte soziale Feld erscheint unter einem Filter der Bedrohung durch den gewissermaßen freundliche oder wohlwollende Signale nicht durchdringen, damit aber auch keine verändernden Erfahrungen. Auch hier wäre es zunächst naheliegend diese Tendenz auf ganz reale biografische Erfahrungen zurückzuführen.
Entscheidend wäre dann die Frage wie ein Mensch schon früh in seinem Leben Gruppen erlebt hat? Dabei muss es nicht unbedingt nur um offene Mobbing-Erfahrungen gehen – Es kann schon genügen dass Gruppen als wenig regulierte soziale Räume erfahren wurden, als Orte an denen sich rasch Hackordnungen bilden stärkere den Ton angeben und schwächere leicht untergehen.
Ein Kind das von Natur aus eher schichtern zurückhaltend oder sensibel ist erlebt sich dann womöglich früher als jemand der in Gruppen wenig Schutz gegen überlauteren drängenderen oder dominanteren erhält. gerade dort wo Erwachsene Etwa überforderte oder unaufmerksame Erzieher, die sozialen Prozesse in einer Gruppe nicht ausreichend regulieren kann sich sehr früh ein bestimmtes Bild des sozialen Ausbildes.
Dass Gruppen keine Orte von Zugehörigkeit und wechselseitige Anerkennung sind sondern Schauplätze prekärer Rangordnungen. Der soziale Raum wird dann von Anfang an als ein Ort erlebt indem das eigene Selbst, die eigene Würde immer zu bedroht sind. Soziale Ängste beginnen üblicherweise schon sehr früh im Leben eines Menschen.
Viele Betroffene waren bereits als Kinder eher schüchtern, gehemmt oder in Gruppen leicht verunsichert. Neben einer möglicherweise angeborenen Sensibilität spielen dabei auch frühe Bindungserfahrungen eine Rolle. In den frühen Bindungsbeziehungen eines Menschen entsteht ein Gefühl dafür wie man in den Augen anderer überhaupt wahrgenommen wird Ob man willkommen ist und sich jemand einem widmet, oder man beiläufig dabei isst.
Man stört – immer zu fraglich ist! Ob man mit seinen Regungen und Bedürfnissen einen Platz beim anderen haben darf? Diese Erfahrungen sind zentral für die Entwicklung des Selbstwärts eines Menschen. Viele Verletzungen des Selbstwerts vollziehen sich nicht in offenen Demütügungen sondern in den Erfahrungen des Übersehenwertens, des Nichtankommens des innerlich nicht Gemeinsseins.
Kinder wollen mit dem, was sie tun fühlen und sind beim anderen ankommen. Papa schau mal wie hoch ich springen kann! Mama das habe ich für dich gemalt. Schau mal mein Auer. Es gibt so etwas wie einen natürlichen Wunsch Beim Anderen mit dem was man tut und ist Anerkennung zu finden. Der kindliche Selbstwert muss sich an dieser Erfahrung immer wieder setzigen.
Ich habe Dich gesehen. Es geht nicht darum, dass Eltern global allem Beifall spenden müssen was ihre Kinder tun. In Wahrheit wäre das ja eher unverbunden würde sich allenfalls eine nazistische Blase bilden. aber Kinder brauchen das Gefühl von ihren Eltern wirklich gemeint zu sein Nicht nur als Objekt der älterlichen Pflege und Zuwendung sondern in ihrer Person in ihrer Eigenheit in dem was sie auszeichnet.
Gerade wenn Eltern selbst in hohem Maße nach solcher Anerkennung bedürftig sind, vielleicht weil sie sie ihrerseits kaum erfahren haben kann es ihnen schwerfallen ihren Kindern diesen Raum zu geben statt umgekehrt selbst immerzu nach deren Bestätigung zu verlangen. Manchmal fehlt überhaupt der emotionale Zugang.
ist etwa ein Austausch auf eine offene Weise kaum oder gar nicht möglich? Nicht gesehen zu werden Mit dem eigenen Wollen beim anderen ins Leere zu laufen, mit seiner Bedürftigkeit bloßgestellt zu sein ist deshalb eine frühe Quelle der Scham wie wir in Folge Vierundachtzig gehört haben. Für die Entwicklung eines stabilen Selbstgefühls ist nicht nur entscheidend das Eltern zugewandt sind sondern auch dass sie dem Kind in einer wesentlichen Weise standfest belastbar und schützend erscheinen.
Eltern sind für Kinder ja nicht nur Liebesobjekte sondern auch so etwas wie Garanten dafür, dass man in dieser Welt bestehen kann. Wo Eltern selbst als tief verletzt, gedemütigt oder entwertet erlebt werden – etwa durch Krankheit, Diskriminierung, Armut oder eigene psychische Not – trifft das auch das kindliche Selbstgefühl.
Die Beschädigung der Elternfigur wird dann leicht zur Beschädigung des eigenen selbstwärts. Wenn schon diejenigen auf die man sich stützt der Welt gegenüber so verletzlich erscheinen, dann erscheint auch der eigene Platz in dieser Welt leicht prekär. Im Kern sozialer Angst steht letztlich ein verletztes Selbstgefühl das sich in eine fundamentale soziale Verunsicherung übersetzt.
Sich im Kern nicht für liebenswert gut interessant aber auch nicht für wehrhaft standfest zu halten sondern in wesentlichen Bereichen des selbst für unzulänglich. Kinder entwickeln schon früh Maßnahmen, um einen solchen Verletzten selbstwert zu schützen. Die erste und wichtigste ist sich verbergen. das bedeutet sich nicht mehr mit dem zu zeigen wie man sich eigentlich fühlt wer man eigentlich isst.
die Scham kennt viele Masken Manche sind offensiver Natur also geradezu dominant auftreten aggressiv sein gewissermaßen sich vor dem anderen verbärgen indem man ihn blendet Das wäre in der Sprache der Psychoanalyse die fallisch-nazistische Lösung eines Selbstwertkonflikts. Bei Menschen mit sozialer Angst gibt es hingegen eher die Neigung zum Rückzug, der Suche nach Nischen und Verstecken – wer unsichtbar ist kann nicht bloßgestellt werden!
Es herrscht die sprichwörtliche Suche soweit es möglich ist, überhaupt. Und wo man sie nicht meiden kann, verhält man sich so unauffällig wie möglich. Das kann für andere Menschen durchaus wirken als sei die Person anspruchslos – sozial gut verträglich, angenehm zurückhaltend. Doch meist ist bei Menschen mit sozialer Angst der Wunsch gesehen zu werden nicht verschwunden sondern tief hinter den Masken der Scham verborgen.
Gerade weil er so wenig Nahrung bekommt wird er umso drängender. Er verschwindet nicht, sondern hungert gewissermaßen im Verborgenen weiter. Zum Schutz eines verletzten Selbstwärts bilden sich üblicherweise kompensatorische psychische Strukturen. Für soziale Ängste sind vor allem drei besonders typisch.
Erstens ein perfektionistisches Überich. Es übernimmt gewissermassen eine Schutzfunktion in dem es das selbst fortwährend überwacht korrigiert und zur Fehlerlosigkeit antreibt. Nichts darf verrutschen, nichts peinliches sichtbar werden – nicht einen Markel verraten! Jedes kleine Versehen jeder Versprecher, jeder Fleck auf dem Hemd jedes verrutschte Haar kann dann wirken wie ein Fleck on dem selbst.
Der perfektionistische Selbstanspruch soll vor Beschämung schützen und folgt im Grunde den Prinzip das befleckte Selbst hinter einer Blanken möglichst markllosen Oberfläche unsichtbar zu machen. Genau dieser Anspruch wird dann auch auf andere projiziert, in der Erwartung dass man nur unter solchen Bedingungen für andere überhaupt annehmbar ist.
Zweitens das Bühnen-Ich. Eine Person bildet gewissermaßen eine Außenversion ihrer selbst – eine Maske die in sozialen Situationen Unteranstrengung aufrechterhalten wird eine Art dauernder sozialer Performance an den Tag legt. Die Person kann dann nach außen sogar besonders sozial versiert wirken, gewitzt, charmant, flexibel – aber diese Fähigkeit ist eher ein Produkt von Anstrengung als Ausdruck von innere Freiheit!
Die Person fühlt sich innerlich mit der sozialen Situation nicht verbunden, kann sich deshalb auch nicht wirklich mit den anderen mitfreuen oder in einen entspannten tragenden Kontakt mit anderen kommen…. Es verbleibt schließlich nach einem Beisammensein vor allem jenes Gefühl von Unverbundenheit und Erschöpfung.
Man war da, hat funktioniert oder sogar ein wenig geklänzt – aber mit dem Wahnteil seines selbst hat man zugleich nicht wirklich teilgenommen. Deshalb fühlt man sich letztlich von den Reaktionen der anderen auch nicht wirklich gemeint, auch nicht den Wohlwollenden. Gute Erfahrungen, äußere Bestätigungen haften aus diesem Grund nicht nähern nicht nachhaltig das Selbstgefühl.
Drittens, dass Größen selbst. Weniger sichtbar aber psychodynamisch oft ebenso wichtig ist eine dritte kompensatorische Struktur – ein verborgenes Größenselbst. Gemeint es damit die meist unbewusste Fantasie? Nicht einfach nur zu genügen sondern in besonderer Weise glänzen, beeindrucken oder außergewöhnlich sein zu müssen für das was man tut von allen bewundert zu werden.
Während der fallische Nazismus das Größen selbst nach außen wendet, sich gewissermaßen zutraut es mit den Mitteln von Dominanz oder gegebenenfalls auch Gewalt Realität werden zu lassen bleibt es bei der sozialen Angst eher verborgen und verheimlicht. Fantasien von Größe und Grandiosität werden von Betroffenen als unmöglich aber auch als unzumutbar und peinlich erlebt.
Die Hausarbeit soll die Professoren beeindruckten. Der Text nicht einfach gelingen, sondern der große Durchbruch werden. Der Auftritt nicht nur ordentlich sein, sondern alle in den Bannen schlagen. Manchmal auch gerade wenn viele Frustrationen und Kränkungen vorherrschen unter einem destruktiven Vorzeichen.
Eines Tages werde ich mich rechnen. Gerade diese verborgenen Größenwünsche verlängern aber zugleich den Anspruch ins Maßlose Und weil man sie vor sich selbst kaum gelten lassen kann, erscheinen Sie im Alltag oft nur in Ihrer negativen Kehrseite. Als Selbstabwertung, Kleinheitsgefühlen als quälender Perfektionismus, als Scham darüber überhaupt so viel zu wollen.
Letztlich sind Größenwünsche nicht Zeichen von Überheblichkeit sondern Ausdruck des Hungers nach dem anderen – von ihm endlich gesehen und anerkannt zu werden! Das ist nicht selten der zentrale innere Konflikt einer sozialen Angst, ein unendlich großer Wunsch gesehen zu werden und eine unerträgliche Angst davor sich wirklich zu zeigen.
Auch in einer Therapie kann die Dynamik des Verbergens vorherrschen – sich einem anderen zeigen, Zugang zu den eigenen verletzlichen beschämten oft sorgsam verborgenen Anteilen gewähren. Man könnte zugespitzt sagen in vielen Fällen traut sich die soziale Angst deshalb nur maskiert in eine Therapie – wenn überhaupt!
Sie erscheint gewissermaßen unter dem Schild einer anderen Symptomatik, die den Anlass zur Behandlung gibt. Als Panik als andere Ängste als Depression, manchmal auch in Gestalt von Substanzmittel missbrauch der nicht selten mit sozialen Ängsten im Zusammenhang steht. Gerade die soziale Dimension des Symptomatik – Die verborgenen Größenfantasien, die Ängste und Schammomente bleibt in der Therapie oft lange unausgesprochen, nicht selte auch vor den Therapeuten verborgt.
Hier wäre ein Weg in eine Alzop-Therapie. Es wird zwar vordergründig an Symptomen und Problemen gearbeitet, doch das eigentliche soziale Geschehen bleibt ausgespart. Die Behandlung findet dann gewissermaßen statt ohne dass sich der Patient in ihr wirklich zeigt. Oft entsteht ein unbewusstes Zusammenspiel, indem beide Seiten dazu beitragen das eigentlich bedrohliche auf Abstand zu halten.
Doch dadurch bleibt auch das eigentlich belastende unerlöst. Patientinnen bleiben in dauerhafter Anspannung. Die Stunden führen nicht zu einem Gefühl der Befreiung. Manchmal geschieht dies auch, indem sich in der Therapie eine Art Sonderbeziehung bildet – in der der Therapeut in den Kreis der sicheren anderen aufgenommen wird.
Dann wird die therapeutische Beziehung gerade nicht zum Ort an dem die soziale Angst sichtbar und bearbeitbar wird sondern eher zu einem Schutzraum vor ihr. Die Behandlung bleibt dann freundlich, verständig – vielleicht sogar produktiv? Und berührt doch das eigentliche Zentrum der Störung nicht. Für Therapeutinnen und Therapeuten ist es deshalb wichtig für die soziale Dimension psychischer Schwierigkeiten aufmerksam zu sein.
Und sich zugleich immer wieder einzudenken wie ein sozialängstlicher Patient eine bestimmte Situation überhaupt erlebt! Der Schlüssel ist hier das Vertrauen in der Beziehung. Gerade deshalb schließen sich Haurugtherapien im Schnellverfahren, wie sie aktuell von gesundheitspolitischen Entscheidungsträgern für die Psychotherapie favorisiert werden in vielen Fällen aus.
Sie bergen eher die Gefahr, dass sich Patientinnen und Patienten von vornherein verschließen statt allmählich den Mut zu entwickeln, sich mit ihren beschämten und verletzlichen Anteilen zu zeigen. Das gewachsene Vertrauen in der therapeutischen Beziehung darf allerdings auch nicht dazu führen, dass sich eine therapeutische Parallelwelt bildet.
In der sich der Patient so lange das Stundenkontingent reicht vor der Welt draußen zurückziehen kann. Gerade wenn Vertrauen entstanden ist, kann die Therapie viel mehr zu einer Art Probebühne werden auf der sich die verletzlichen Anteile des selbst überhaupt erst zeigen und vorsichtig erproben können.
Es gilt das psychotherapeutische Grundprinzip dass sich Ängste nur überwinden lassen, wenn man sich mit dem was man fürchtet konfrontiert. Oder wie freut es etwas martialisch ausdrückte ein psychisches Thema kann man nicht in Absencia oder Effigier erschlagen. Man kann etwas psychisch nicht wirklich bearbeiten so lange es abwesend bleibt oder bloß stellvertretend vorkommt.
Dies gilt einerseits für die Situationen im Außen. Es geht darum sich letztlich in die beängstigende Situation zu begeben, möglichst ohne Sicherungsmaßnahmen. Also den Anruf tätigen, die Beschwerde beim Nachbarn vorzubringen das Referat zu halten. Die Therapie dient zugleich als haltgebender Rahmen, in der das Erlebte besprochen und bearbeitet werden kann In der Betroffene aber auch immer etwas herausgefordert werden.
Bei spezifischen sozialen Ängsten ergeben sich die relevanten Situationen meist von selbst. Bei generalisierten sozialen Engsten geht es eher um ein kleinteiliges Arbeiten an den Mikrosituationen des Alltags, um allmählich mehr soziale Sicherheit zu entwickeln. Aber auch innerhalb von Therapien gibt es jenes Moment von Auseinandersetzung.
Die therapeutische Situation selbst ist gewissermaßen eine Konfrontation. Da isst dann gegenüber dass fünfzig Minuten lang Raum und Aufmerksamkeit gibt, sich mit Konzentration dem eigenen Erleben zuwendet. Manchmal mehrmals in der Woche. Entscheidend ist es den Raum nicht irgendwie zu füllen sondern gerade aufkommende Ängste und Übertragungen zu thematisieren und zu besprechen.
Typische Muster der Übertragerung wehren die Angst den Therapeuten zur Langweilen Die Befürchtung so viel Raum einzunehmen Das Gefühl, etwas nicht sagen zu können weil es zu peinlich ist oder zu irrelevant. Dann kann es hilfreich sein zumindest über die Angst zu sprechen wenn man die Sache selbst nicht aussprechen kann.
Die Fantasie der Therapeut denke insgeheim was für ein komplizierter anstrengender Mensch? Die Sorge etwas Falsches zu sagen oder sich unklar auszudrücken? Die Scham überhaupt so bedürftig zu sein? Das Gefühl Phasen des Schweigens füllen zu müssen damit es nicht für das Gegenüber unangenehm wird. Die Enttäuschung, dass man das was der Therapeut sagt, nicht hilfreich erlebt aber die Angst ihm oder ihr das zu sagen All dies sind Elemente des eigenen Erlebens, die nicht selten weil sie so unangenem sind unausgesprochen bleiben.
Oft werden Sie eher mit engen Freunden thematisiert als mit der Therapeutin. Tatsächlich sind es aber kleine Brücken der Übertragung die essentiell zur Therapie dazugehören. Sie anzusprechen bedeutet bereits einen Schritt aus dem Verborgenen zu tun, sich mit seinem verletzlichen Selbst zu zeigen und damit auch die Hoffnung zu haben dass es diesmal ein Gegenüber gibt das anders reagiert als das was man einmal erlebt hat.