Raumzeit· Staffel 2· Folge 114

RZ114 CERN: CMS

Mittwoch, 16. August 2023 · 1 h 44

MP3

Shownotes

Aufbau, Funktion und Aufgabe des CMS-Detektors am CERN

Der CMS (Compact Muon Solenoid) ist einer der beiden Detektoren, die gemeinsam den Nachweis des Higgs-Bosons ermöglicht haben und ist eine dieser gigantischen Strukturen 100m unter der Erde am CERN and dem die vom LHC beschleunigten Teilchen untersucht werden.

Dauer:

1 Stunde

43 Minuten

Aufnahme:

26.04.2023

Wolfgang Adam

Wir sprechen mit Wolfgang Adam, dem stellvertretendem Sprecher CMS-Kollaboration, über die Planung, Bauphase und Design des Detektors, die Funktionsweise und Aufgaben der einzelnen Detektionsschichten und welchen Beitrag CMS zum Nachweis des Higgs-Bosons geleistet hat.

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Shownotes

Glossar

• Compact Muon Solenoid – Wikipedia (de.wikipedia.org/wiki/Compact_Muon_Solenoid)

• RZ104 Cherenkov Telescope Array | Raumzeit (raumzeit-podcast.de/2022/09/12/rz104-cherenkov…)

• RZ038 Alpha-Magnet-Spektrometer (raumzeit-podcast.de/2012/06/01/rz038-alpha-mag…)

• Standardmodell der Teilchenphysik – Wikipedia (de.wikipedia.org/wiki/Standardmodell_der_Teilc…)

• Hadron – Wikipedia (de.wikipedia.org/wiki/Hadron)

• Elektron – Wikipedia (de.wikipedia.org/wiki/Elektron)

• Myon – Wikipedia (de.wikipedia.org/wiki/Myon)

• Zylinderspule – Wikipedia (de.wikipedia.org/wiki/Zylinderspule)

• Tesla (Einheit) – Wikipedia (de.wikipedia.org/wiki/Tesla_(Einheit))

• Feldlinie – Wikipedia (de.wikipedia.org/wiki/Feldlinie)

• CCD-Sensor – Wikipedia (de.wikipedia.org/wiki/CCD-Sensor)

• Silicium – Wikipedia (de.wikipedia.org/wiki/Silicium)

• Bleiwolframat – Wikipedia (de.wikipedia.org/wiki/Bleiwolframat)

• Szintillator – Wikipedia (de.wikipedia.org/wiki/Szintillator)

• Myon – Wikipedia (de.wikipedia.org/wiki/Myon)

• Tauon – Wikipedia (de.wikipedia.org/wiki/Tauon)

• Higgs-Boson – Wikipedia (de.wikipedia.org/wiki/Higgs-Boson)

• Z-Boson – Wikipedia (de.wikipedia.org/wiki/Z-Boson)

• Photon – Wikipedia (de.wikipedia.org/wiki/Photon)

• Quantenfeldtheorie – Wikipedia (de.wikipedia.org/wiki/Quantenfeldtheorie)

• Quark (Physik) – Wikipedia (de.wikipedia.org/wiki/Quark_(Physik))

• W-Boson – Wikipedia (de.wikipedia.org/wiki/W-Boson)

• Symmetriebrechung – Wikipedia (de.wikipedia.org/wiki/Symmetriebrechung)

• Antiteilchen – Wikipedia (de.wikipedia.org/wiki/Antiteilchen)

• Dunkle Materie – Wikipedia (de.wikipedia.org/wiki/Dunkle_Materie)

• Neutrino – Wikipedia (de.wikipedia.org/wiki/Neutrino)

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Tim Pritlove Hallo und herzlich Willkommen zu Raumzeit, dem Podcast über Raumfahrt und andere. Kosmische Angelegenheiten. Mein Name ist Tim Frithloff und ich begrüße alle hier zu Nummer 114 von Raumzeit. Und ja, wie ihr schon gemerkt haben dürftet, gibt es ja hier eine ganze Serie von Podcasts hier am CERN in Genf, wo wir mal aufschlüsseln wollen, was denn hier eigentlich alles so installiert ist, warum und wie es funktioniert.

Tim Pritlove Und nachdem wir jetzt schon ein wenig über die Geschichte des CERNs gelernt haben und auch so die Grundlagen der ganzen Physik, die hier erforscht wird, angerissen haben, uns auch schon den ersten Detektor angeschaut haben mit ALICE, wollen wir heute mal so ein bisschen auf den Kern der Kernforschung hier kommen und uns in einer Reihe von zwei Sendungen die Hauptdetektoren des LHC, des Large Hadron Collider, anschauen, mit denen so der Großteil der Experimente durchgeführt wird.

Tim Pritlove Und fangen wir an mit dem CMS-Detektor, dem Compact Muon Solenoid, Toller Name, Detektor. Ja und um darüber Auskunft zu erhalten, begrüße ich meinen Gesprächspartner, nämlich Wolfgang Adam. Hallo Wolfgang.

Wolfgang Adam Hallo.

Tim Pritlove Herzlich willkommen bei Raumzeit. Du bist Senior Research Associate für CMS Analyse und CMS Tracking und stellvertretender Sprecher.

Wolfgang Adam Genau, ich arbeite für das Institut für Hochenergiephysik der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien und habe eben gleichzeitig auch Funktionen in der Kollaboration, die das CMS-Experiment betreibt.

Tim Pritlove Ja und wie bist du dazu gekommen mit der ganzen Wissenschaft? War das irgendwie schon ein Kindheitstraum?

Wolfgang Adam Naja ich hatte mich früher für Mathematik, Technik, Physik interessiert und habe dann ein Studium der Physik an der Technischen Universität in Wien begonnen und als es Richtung Diplom ging, hatten wir einen Professor für Theoretische Physik, der gleichzeitig zu dieser Zeit Präsident des CERN Councils war, das heißt der Vertretung an der CERN-Mitgliedsstaaten, die die strategische Ausrichtung des CERN sozusagen definieren.

Wolfgang Adam Und er hat uns eben diese Art von Physik näher gebracht und von den Herausforderungen gesprochen, die es hier gibt. Und das hat mich natürlich interessiert habe mich dann für meine Diplomarbeit beworben beim Institut für Hochenergiephysik, das eben das Institut in Wien ist, das sich mit dieser experimentellen Hochenergiephysik beschäftigt und bin dort eingestiegen in die Vorbereitung des Delphi-Experiments.

Wolfgang Adam Das war der Beschleuniger, der hier im Tunnel vor dem LHC gelaufen ist, LEP, Large Electron Positive Collider, und wir haben da eine Detektor-Komponente in Wien gebaut und ich habe mich dann angefangen damit zu beschäftigen und bin dann zum CERN gekommen um die Installation und den Betrieb und die Auslese dieses Detektors zu übernehmen.

Wolfgang Adam Das war ab dem Ende der 80er Jahre, also LEP ist während der 90er Jahre gelaufen, Also die beginnen 1989.

Tim Pritlove Das heißt du bist jetzt hier seit 30 Jahren oder länger noch?

Wolfgang Adam Ja. Ja.

Tim Pritlove Okay.

Wolfgang Adam Und ich habe dann am CERN ein Fellowship gemacht, im selben Experiment, aber in einem anderen Detektor, dem Cherenkov Detektor. Das ist etwas, was wir hier CMS nicht finden, aber das ist ein Detektor, mit dem man Geschwindigkeit geladener Teilchen messen kann und sie damit identifizieren kann und habe dann verschiedene Physikgruppen in Delphi übernommen und dann gegen Ende der Lablaufzeit auch eine gemeinsame Arbeitsgruppe der vier Lab-Experimente für Suchen nach unter Anführungszeichen exotischer Physik, also neuen Teilchen.

Tim Pritlove Exotische Physik. Tcherenkov-Strahlung war ja auch schon mal ein Thema, Raumzeit 104, da war ich auf La Palma und wir haben dort die Pläne für das Tcherenkov-Teleskop-Array angeschaut. Das ist ja related, sagen wir mal, da kosmische Strahlung und so weiter.

Wolfgang Adam Genau, nur entsteht dort die Tcherenkov-Strahlung in der Atmosphäre. Da muss man nicht beschleunigen. Genau, während hier in den Hochenergiephysik-Experimenten das innerhalb eines Detektors passiert.

Tim Pritlove Genau, aber das ist ja immer wieder auch schön zu sehen, so diese Analogie. Auf der einen Seite gibt es halt die Installationen, die einfach versuchen die kosmische Strahlung, die ohnehin schon beschleunigt durchs All schießt, in irgendeiner Form auszuwerten. Da wäre ja nebenbei auch noch das Alpha Magnetspektrometer zu erwähnen.

Tim Pritlove Hatte ich ja auch schon bei Raumzeit 38 schon vor 10 Jahren tatsächlich das Thema schon mal, dessen Kontrollzentrum ja tatsächlich hier auch auf dem Zerngelände ist. Genau, aber wie wir ja auch schon in den letzten drei Sendungen ausgeführt haben, hier wird halt viel beschleunigt und durch diese Kaskade von Ringen kriegt man dann halt einfach die Teilchen mit einer sehr sehr hohen Energie zu den Detektoren und das ist dann eben sozusagen der Ort, wo es dann unter anderem mit dem CMS weitergeht.

Wolfgang Adam Genau, und das hat natürlich auch Auswirkungen auf die Auslegung der Experimente, weil wir eben hier nicht natürlich vorkommende Phänomene betrachten, die über Zeit konstant beobachtet werden können, sondern wir generieren hier die Kollisionen, die wir beobachten wollen, direkt. Und das hat natürlich Auswirkungen auf, wie wir die Detektoren auslegen, betreiben.

Tim Pritlove Jetzt wollen wir nochmal sagen, also ich hab's ja schon angedeutet, also CMS und Atlas, was, Spoiler Alert, das Thema in der nächsten Sendung sein wird, das sind ja im Prinzip so... Geschwister, Nachbarn, die kümmern sich im Wesentlichen um freundliche Konkurrenten. Also zwei Detektoren mit unterschiedlicher Technik, die mehr oder weniger denselben Auftrag haben.

Tim Pritlove Im Prinzip in all dieser ganzen Beschleunigungen die selbe Art von Phänomenen versuchen zu beobachten, aber eben mit unterschiedlicher Technik. Und das finde ich einen ganz interessanten Ansatz, weil man ja dadurch sozusagen von vornherein feststellt, okay, wir haben kein Bias in unserer Technologie bei dem, was wir sehen.

Tim Pritlove Oder zumindest nicht so weniger, weniger Bias.

Wolfgang Adam Es gibt verschiedene Gründe natürlich, das so zu machen. Warum wir überhaupt zwei Experimente haben, das hat mit dem zu tun, was ich vorhin erwähnt habe, dass wir hier eben die Kollisionen selbst erzeugen. Ein Grundsatz der Wissenschaft ist natürlich, dass Messungen immer kontrolliert, unabhängig kontrolliert werden können von unabhängigen Wissenschaftlern.

Wolfgang Adam Bei vielen Experimenten kann das hintereinander geschehen. Also es wird ein Experiment durchgeführt, man findet etwas, danach kommt ein anderes Experiment, das das überprüfen wird und verbessern wird. Aber nachdem wir hier natürlich den Beschleuniger betreiben müssen, ist es nicht optimal, wenn man die Messzeiten, die ja ohnehin Jahre und Jahrzehnte dauern, wenn man die verdoppeln würde.

Wolfgang Adam Und daher ist es viel ökonomischer, die zwei Experimente gleichzeitig zu betreiben. Und für die unterschiedliche Auslegung gibt es verschiedene Gründe, technologische Gründe, aber es gibt Es gibt vor allem unsere, wenn wir Messungen durchführen, sind die Werte, die wir messen, natürlich mit Fehlern behaftet.

Wolfgang Adam Das heißt, es gibt da Unsicherheiten auf die Messwerte. Das ist vollkommen normal. Das geschieht in allen Messungen. Und diese Unsicherheiten können verschiedenen Ursprung haben. Es gibt einen ganz einfachen statistischen Ursprung. Das heißt, wir beobachten eine endliche Zahl von Ereignissen, wenn wir einen bestimmten Prozess messen und dadurch können Fluktuationen auftreten.

Wolfgang Adam Wenn man einen Würfel zehnmal würfelt, dann werden die Eins bis Sechs nicht genau mit der gleichen Wahrscheinlichkeit auftreten. Also man wird nicht die gleiche Zahl beobachten. Ähnlich ist es hier, wenn wir nur eine bestimmte Zahl von gewissen Ereignissen beobachten, dann kann diese Zahl einfach ganz natürlich rauf und runter fluktuieren.

Wolfgang Adam Aber es gibt dann eine zweite Komponente, die wir hier typischerweise systematische Fehler nennen. Das ist... Mögliche Verzerrungen des Messwerts durch Effekte, die zum Beispiel aus dem Detektor kommen können oder aus der theoretischen Modellierung dieser Prozesse. Und um diese Fehler möglichst auszuschließen, ist es günstig, wenn man zwei Experimente mit unterschiedlichem Aufbau hat, weil Detektorfehler dann im anderen Experiment nicht in derselben Form auftreten würden und man sich dadurch gegenseitig kontrollieren kann.

Tim Pritlove Ja, das ist sozusagen jetzt erstmal die Prämisse gewesen. Das heißt die beiden Detektoren sind quasi mit unterschiedlichen Philosophien, mit unterschiedlichen technischen Philosophien, aber eben mit dem selben Ziel entwickelt worden. Was ich schon mal ganz bemerkenswert finde, weil das sind ja alles sehr komplexe Maschinen. Also jede Maschine für sich ist ja schon sehr sehr sehr kompliziert und auch so nie dagewesen.

Tim Pritlove Also so ein bisschen wie auch in der Raumfahrt, es ist eine permanente Prototypenentwicklung und man baut ja nicht was, was man schon mal hatte, weil das kennt man ja schon, ist ja auch langweilig so. Und das verstehe ich auch sehr gut, das ist einer der Reize, der hier sozusagen immer wieder ist. Man hat es halt einfach immer mit Bleeding Edge Technology zu tun, mit anderen Worten, man muss aber diesen Aufwand dann gleich zweimal treiben.

Tim Pritlove Und ist natürlich dann vielleicht auch versucht, in gewisser Hinsicht, Oh mein Gott. Also dann steht man ja immer so in diesem Spannungsfeld, machen wir es jetzt überall komplett anders aus Prinzip oder tendieren wir dann dazu zu wenig auf abgehangener Technologie zu basieren, die dann auch so viel Risiko mit in das Ding reinbringt, dass es eben vielleicht am Ende nicht funktioniert?

Wolfgang Adam Die Auslegung dieser Experimente ist immer eine Balance zwischen einem Kompromiss zwischen wirklich die neueste und beste Technologie zu verwenden und gleichzeitig das Risiko klein zu halten. Das Kleinhalten des Risikos, ein Teil davon ist natürlich wiederum, dass wir zwei Experimente mit unterschiedlichen Technologien haben.

Wolfgang Adam Und es gibt natürlich noch eine endliche Zahl von Detektor-Technologien, aber das heißt gewisse Elemente werden ähnlich sein, aber in den Details unterscheiden sie sich dann und vor allem in der Gesamtkonzeption unterscheiden sich die zwei Experimente.

Tim Pritlove Gut, dann schauen wir doch mal darauf, was jetzt im Falle von CMS tatsächlich gebaut wurde. Wie ist sozusagen das Design des Detektors? Im Namen steckt ja schon so einiges drin. Also im Prinzip das Bauprinzip, wenn ich das richtig sehe, ist hier unter anderem mit enkodiert. Und wie muss man sich das vorstellen? Wie groß ist das Ding? Erzähl doch mal.

Wolfgang Adam Also wie gesagt, wir haben ein Kompakt im Namen. Das könnte vielleicht etwas täuschen, weil der Detektor wiegt über 10.000, Tonnen, ist über 20 Meter lang und circa 15 Meter Durchmesser, also ungefähr die Größe eines Hauses. Und dieses Volumen ist zum großen Teil mit Präzisionstechnologie gefüllt. Das Grundprinzip, das gilt auch für Atlas, ist, dass wir idealerweise, wir haben diese Kollisionen, die im Beschleuniger stattfinden, daraus entstehen Sekundärteilchen, sehr viele, hunderte, tausende, und idealerweise wollen wir alle diese Teilchen messen und ein Maximum der Eigenschaften jedes dieses Teilchens messen.

Wolfgang Adam Leider gibt es kein Detektor-Konzept, das alle Eigenschaften gleichzeitig messen kann. Mit Eigenschaften meine ich da zum Beispiel den Ursprungspunkt, weil es gibt natürlich Teilchen, die direkt aus dem Punkt kommen, an dem Protonen oder Atomkerne kollidiert sind. Aber es gibt dann auch Zwischenstufen. Es gibt kurzlebige Teilchen, die dort erzeugt werden, ein Stück weit fliegen, dann in weitere Teilchen zerfallen.

Wolfgang Adam Das heißt, wir wollen wissen, ob Teilchen vom ursprünglichen Kollisionspunkt kommen oder aus dem Zerfall eines kurzlebigen Teilchens kommen. Wir wollen die Richtung wissen. Wir wollen idealerweise die Art des Teilchens wissen, seine Masse und natürlich seine Energie. Und um das für alle wichtigen Teilchenarten zu erzielen, gibt es nur die Möglichkeit, dass man mehrere Detektorsysteme kombiniert, weil eben ein einzelnes System nicht alle diese Eigenschaften messen kann.

Wolfgang Adam Das heißt, ganz grob gesagt, teilt sich der Detektor in drei Zonen, je nach Teilchentyp. Im innersten Teil des Detektors versuchen wir die Flugbahn von geladenen Teilchen festzustellen. Also damit kann man eben auch den Produktionsort feststellen, die Richtung und wir können auch den Impuls feststellen.

Wolfgang Adam Das heißt im klassischen Fall ist Impuls einfach das Produkt aus Masse und Geschwindigkeit. Im relativistischen Fall, unsere Teilchen, die dort erzeugt werden, sind alle normalerweise relativ nah an der Lichtgeschwindigkeit. Es ist etwas komplizierter, aber es gibt jedenfalls einen Zusammenhang zwischen Energie, diesem Impuls und der Masse eines Teilchens.

Wolfgang Adam Und das erzielen wir dadurch, dass wir eben ein starkes Magnetfeld im Großteil des Detektors haben. Und dieses Magnetfeld wird die geladene Teilchen auf Helixbahnen zwingen. Und aus der Krümmung dieser Helixbahnen kann man dann den Impuls berechnen. Die Idee ist, dass man in diesem Volumen die Teilchen möglichst wenig und unter Anführungszeichen stört.

Wolfgang Adam Das heißt, wir wollen diesen Teil des Detektors möglichst leicht bauen, damit die Teiche nicht mit Material kollidieren und sich in andere Teiche umwandeln. Und das ist sozusagen die erste Zone. Die zweite Zone wird verwendet, um die Energie der meisten Teilchen zu messen, indem man sie de facto absorbiert.

Wolfgang Adam Das heißt, dort kehrt man das Prinzip sozusagen um. Man hat eine Zone mit sehr dichtendem Material. Und in dem dichten Material werden die einlaufenden Teilchen eine Wechselwirkung mit Atomkernen oder Elektronen machen. Das wird neue Teichen erzeugen und diese neuen Teichen können wiederum kollidieren und wiederum neue Teichen erzeugen. Das heißt, das ist ein Lawineneffekt.

Wolfgang Adam Das heißt, man hat eine Multiplikation der Teilchen, die dort in diesem Schauer entstehen und das geht so lange, bis die Energie der Teilchen, die durchschnittliche Energie der Teilchen so weit gesunken ist, dass sie keine neuen Teilchen mehr erzeugen können. Weil das ganze geschieht natürlich über die übliche Äquivalenz zwischen Energie und Masse.

Wolfgang Adam Das heißt, solange die einlaufenden Teilchen Energien haben, die über der Masse anderer Teilchen liegen, können sie neue Teilchen überzeugen. Und das heißt, irgendwann einmal fällt die Energie und der Schauer wird beendet. Und aus der Größe des Schauers, aus der Zahl der Teilchen mit dem Schauer, können wir die Energie des einlaufenden Teilchens rückrechnen.

Tim Pritlove Habe ich das gerade richtig verstanden? Also die eigentliche Kollision, klar die löst du jetzt erstmal aus, dann gibt es halt nachfolgende Prozesse, wo dann eben weitere Zerfallsprodukte entstehen, weil das einfach die Eigenschaft dieser Teilchen ist, dass sie nicht langlebig sind. Aber das System ist schon so aufgebaut, dass man dann ab einem bestimmten Zeitpunkt auch schon bewusst anderes Material bereit hält, einfach um dann noch weitere sekundäre Kollisionen geschehen zu lassen.

Wolfgang Adam Die sekundären Kollisionen in dieser zweiten Zone werden sozusagen absichtlich herbeigeführt, eben um die Energie dieses einlaufenden Teilchens messen zu können. Und diesen Bereich werden die allermeisten Teilchen nicht verlassen. Also vielleicht sollte man dann hier sprechen, ein bisschen über die Teilchenarten, die wir da messen können. Also wir haben im Wesentlichen...

Wolfgang Adam Das Standardmodell mit eigentlich vier Wechselwirkungen, aber die Gravitation, die Schwerkraft spielt hier bei den Experimenten de facto keine Rolle. Das heißt wir haben die elektromagnetische Wechselwirkung, schwache Wechselwirkung, starke Wechselwirkung und wie sich Teilchen innerhalb eines Detektors verhalten, hängt davon ab, welchen dieser Wechselwirkungen sie unterliegen.

Tim Pritlove Um es gleich nochmal klar zu machen für alle, die nicht ganz so in der Materie drinstecken, mit Wechselwirkung meinen wir jetzt im Prinzip die fundamentalen Kräfte der Natur. Schwerkraft kennen wir alle, leiden wir täglich drüber, aber wir würden es noch dürrer finden, wenn sie nicht da wäre. Also die starke Kernkraft und man sagt halt hier eher Wechselwirkung, weil das ist sozusagen das, was man in diesem Teilchensystem sieht oder was dort, was wir meinen oder glauben, wissen, was dort stattfindet, eine Interaktion zwischen diesen Teilchen und manche Teilchen sind halt mehr so dieses Ist und manche sind mehr so das Wird und diese Wirtsteilchen, das ist sozusagen diese Kräfte, von denen wir sprechen.

Tim Pritlove Starke Kernkraft ist halt das, was im Kern, im wahrsten Sinne des Wortes, die Kerne auch zusammenhält, also dafür sorgt, dass nicht alles auseinander fliegt. Die schwache Kernkraft kennt man halt so ein bisschen auch unter dem Aspekt der Radioaktivität, dass man sozusagen auch in der Lage ist, Obwohl schwach in irgendeiner Form das Ganze auch immer mal wieder sich auflösen zu lassen. Finde ich auch einen schönen Regulationsmechanismus.

Tim Pritlove Es bleibt halt nicht alles so wie es ist, sondern mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit fliegt der ganze Kram dann einfach so aus sich heraus, mehr oder weniger, auseinander. Und dann halt noch der gesamte Elektromagnetismus, den wir alle toll finden, jeder hat schon mal in die Steckdose gefasst. Und das hält ja auch irgendwie alles zusammen, das heißt gerade die schwache und die starke Kernkraft, würde ich sagen, das ist hier so der Hauptfokus, während die elektromagnetische Kraft eigentlich eher so ein bisschen der nützliche Idiot ist, um das genauer anzuschauen oder gibt's Tatsachen?

Wolfgang Adam Nicht ganz, weil de facto war ja etwas, was man in den 80er Jahren eigentlich bewiesen hat, ist, dass die elektromagnetische Kraft und die schwache Kraft eigentlich nur zwei Seiten derselben Metalle sind. Und dass wir sie nur so unterschiedlich sehen, weil wir hier normalerweise bei sehr niedrigen Energien arbeiten, Aber wenn man sich Kollisionen bei sehr hoher Energie ansieht, dann sieht man, dass das eigentlich dasselbe Phänomen ist, nur in zwei Arten.

Wolfgang Adam Ja, und um auf den Detektor zurückzukommen. Es gibt eben Detektorteile, die sind spezialisiert auf Teilchen, die hauptsächlich elektromagnetisch wechselwirken, also geladene Teilchen oder Photonen, Lichtteilchen, die de facto diese elektromagnetische Wechselwirkung vermitteln, diese elektromagnetischen Kräfte vermitteln.

Wolfgang Adam Und dann gibt es Hadronen, das heißt Teilchen, die auch der starken Wechselwirkung unterliegen. Und die manifestieren sich eben anders und die zum Beispiel im Detektor erzeugen, diese Schauer werden länger sein und das heißt man hat einen speziellen Teil des Detektors für diese Art Teilchen.

Tim Pritlove Hadronen muss man nochmal dazu sagen, das ist das, was den Atomkern im Wesentlichen ausmacht, also was Protonen und Neutronen formt.

Wolfgang Adam Protonen und Neutronen sind Hadronen, aber es gibt einen ganzen Zuf von Teilchen.

Tim Pritlove Nur so zur Einordnung. Hadronen ist der allgemeine Begriff für das, was unter anderem Protonen und Neutronen formt.

Wolfgang Adam Genau. Und dann nach dieser zweiten Zone bleibt eigentlich nicht mehr sehr viel übrig. Dort sind eben die meisten Teilchen sozusagen stecken geblieben und es bleiben eigentlich nur mehr Teilchen über, die eben in der Lage sind, sehr große Dichten von Stärken von Material zu durchdringen und das sind einerseits die Myonen.

Wolfgang Adam Also die Myonen, das ist ein Schwester oder Bruder des Elektrons. Das heißt im Wesentlichen haben sie alle Eigenschaften, die auch Elektron hat, das sehr bekannte Elektron hat, aber sie sind wesentlich schwerer und das führt dazu, dass sie eben wesentlich leichter durch Material durchdringen können und der beste Beweis dafür Dafür ist die Höhenstrahlung.

Wolfgang Adam Das sind also Myonen, die bei Kollisionen, so wie diese Lawinenartigen Schauer, die ich beschrieben habe, die entstehen natürlich nicht nur im Detektor, sondern können auch in der Atmosphäre entstehen, wenn hochenergetische Teilchen aus dem Weltraum eindringen. Und die Myonen, die dabei entstehen, können bis zur Erdoberfläche laufen und de facto sogar unter die Erdoberfläche, weil unsere Detektoren hier am LHC, die so etwa 100 Meter unter der Erde liegen, sehen noch immer Myonen aus der Höhenstrahlung.

Wolfgang Adam Und diese Myonen können eben die meisten Detektorschichten durchlaufen und die werden dann in der letzten Zone, im äußersten Teil des Detektors gesehen. Das ist sehr praktisch, weil dadurch können wir sie sehr leicht identifizieren. Wie gesagt, wir würden auch gerne wissen, um welches Teilchen es sich in jedem Fall handelt.

Wolfgang Adam Und die Teilchen, die wir in dieser äußersten Zone sehen, sind praktisch ausschließlich Myonen.

Tim Pritlove Und da steckt ja auch ein Name mit drin.

Wolfgang Adam Genau. Die Myonen, die erlauben, wir können Myonen sehr präzise messen. Sie sind also ein sehr wichtiges Instrument, um zu verstehen, was in einer Kollision passiert. Und gleichzeitig werden wir die Kollisionen, die hier im Beschleuniger entstehen, laufen hauptsächlich über die starke Wechselwirkung.

Wolfgang Adam Was in der Kollision passiert, ist im Wesentlichen eine Auswirkung der starken Wechselwirkung. Und dabei werden sehr wenige Elektronen, Myonen oder ähnliche Teilchen erzeugt. Das heißt, es ist auch einfach, diese Myonen zu detektieren, weil neben den hunderten Teilchen, die da entstehen können bei jeder Kollision, gibt es jeweils nur höchstens einige wenige Myonen geben.

Wolfgang Adam Und deswegen ist die Detektion einfacher und deswegen ist das Experiment auch sehr stark darauf ausgelegt worden, dass man Myonen messen kann, die zum Beispiel auch wichtig sind, um das berühmte X-Person zu messen und zu finden.

Tim Pritlove Vielleicht mal so als Nebeneinschub, wenn man das jetzt mal mit so der Kernspaltung im Atomkraftwerk vergleicht, wenn man jetzt hier Atomkerne aufeinander ballert und die in ihre tausend Teilchen zerschießen, dann ist das ja im Prinzip auch eine Kernspaltung.

Wolfgang Adam Nicht ganz. Also was man wirklich verstehen sollte ist, dass bei den Energien mit denen wir hier arbeiten, diese Energien liegen viele Größenordnungen über den Energien, die typischerweise in einem Atomkern auftreten. Und bei diesen Energien, wenn zum Beispiel zwei Protonen aufeinandertreffen, findet die Kollision nicht zwischen den Protonen als Protonobjekt 1 und Protonobjekt 2 statt, sondern die Kollision findet statt zwischen Bestandteilen der Protonen.

Wolfgang Adam Also in den Protonen und Neutronen haben wir Quarks, was wir Up- und Down-Quarks nennen. Das sind also etwas seltsame Teilchen, weil sie nicht frei in der Natur vorkommen. Diese Bestandteile sind immer eingeschlossen in die berühmten Hadronen.

Tim Pritlove Also Hadronen enthalten immer… Also sie kommen in der Natur vor, aber nicht einzeln.

Wolfgang Adam Genau, sie kommen nicht frei in der Natur vor. Und die Hypothese dieser Quarks hat erlaubt eben eine Ordnung in diesem Zoo zu bringen, man dadurch die Teilchen klassifizieren konnte, je nachdem welche Quarks sie enthalten. Und de facto, wenn zwei Protonen hier im LHC zusammenstoßen, ist die Kollision, die uns interessiert, ist die Kollision entweder zwischen einem Quark aus dem einen Proton und einem Quark aus dem anderen Proton oder aber, was hier sehr oft passiert, das Proton ist ein komplexes Objekt.

Wolfgang Adam Also im Prinzip, man lernt in der Schule. Das Proton besteht aus drei Quarks, aber in Wirklichkeit ist mehr Leben in diesem Proton. Und vor allem gibt es da Gluronan. Das Gluronan ist das Äquivalent des Photons, des Lichtteilchens für die elektromagnetische Wechselwirkung, da in diesem Fall für die starke Wechselwirkung.

Wolfgang Adam Das heißt, das sind die Teilchen, die die starke Wechselwirkung übertragen zwischen zwei Quarks zum Beispiel. Und das Proton ist de facto voll von diesen Glurnan, die die Quarks de facto im Proton zusammenhalten. Und das heißt, wir können auch Kollisionen zwischen diesen Q-Unern haben, wenn die zwei Protonen sich treffen.

Tim Pritlove Das heißt der Unterschied ist, weil ich mich gefragt habe, wenn so viel kollidiert und man das vergleichen kann, so Kernkraftwechsel ist halt sehr viel Radioaktivität frei, inwiefern ist dann diese Kollision anders? Geschieht das dort auch oder ist das eben weil die Energie so hoch ist, dass alles so dermaßen zertrümmert wird, dass sich das komplett anders verhält?

Wolfgang Adam Ja, wie gesagt, die Energien sind so hoch, dass de facto ein zerfallenes Atomkern, ein zerfallenes und komplexes Objekt, das aus vielen Protonen und Neutronen besteht, und der wird sich de facto in zwei Teile spalten, weil energetisch der Ausgangszustand günstiger ist. Aber das spielt sich typischerweise bei Energien. Die Energien, die in diese Prozesse involviert sind, sind typischerweise in der Million-Elektron-Volt-Gegend.

Wolfgang Adam Um das zu vergleichen, ist die circa tausendmal höher als typische Röntgenstrahlung, wenn man einen Vergleich haben will. Und wir reden hier über Giga-Elektron-Volt, also Milliarde-Elektron-Volt oder noch einen Faktor tausend drüber. Das heißt, wie gesagt, bei diesen Prozessen, das ist keine Spaltung, weil wir hier wirklich mit Elementarteilchen arbeiten.

Tim Pritlove Das ist eine Zerschmetterung.

Wolfgang Adam Es ist eine Umwandlung. Es ist eine Umwandlung, weil Zerschmetterung würde voraussetzen, dass das Teilchen aus Bestandteilen besteht. Während das wir hier mit, was uns interessiert, sind die Elementarteilchen. Das heißt Teilchen, von denen wir keine innere Struktur kennen, von denen wir glauben, dass sie wirklich elementar sind.

Wolfgang Adam Die niedrigsten Elemente, Bestandteile der Materie darstellen. Das heißt, man kann es zerschmettern, ist das vielleicht ein schlechter Ausdruck, weil sie keine Bestandteile haben. Und was passiert, ist eine Umwandlung.

Tim Pritlove Ja ich meinte nicht die Teilchen werden zerschmettert, da habe ich mich vielleicht falsch ausgerückt, sondern die Struktur wird zerschmettert, also in dem Moment wo diese Bindung von den Quarks, Glonen und so weiter alles komplett aufgelöst wird in seine wirklichen elementaren Teilchen, dann ist sozusagen die komplette Struktur dessen was kollidiert ist sozusagen vollständig aufgelöst.

Wolfgang Adam Ja, es stimmt natürlich, das was zerschmettert wird, ist das Proton, d.h. Zwei Bestandteile, ein Bestandteil aus jedem Proton kollidiert und macht eine Wechselwirkung, erzeugt neue Teilchen, das ist der Prozess, der uns interessiert. Aber das Proton, wenn das passiert, wird das Proton de facto zerstört, weil das Proton aus drei Quarks besteht und wenn man da Bestandteile herausschlägt, gibt es kein Proton mehr, d.h.

Wolfgang Adam Der Rest des Protons wird sich auch in neue Teilchen umwandeln. Das ist aber ein für uns eher ein störender Untergrund als das was uns wirklich interessieren. Ja der Rest des Protons wird sich auch in neue Teilchen.

Tim Pritlove Aber Radioaktivität in dem Sinne wird da nicht frei?

Wolfgang Adam Nein, Radioaktivität ist ja der spontane Zerfall eines Atomkerns de facto. Und während wir hier eine induzierte Kollision zwischen zwei Teilchen, die also größtenteils unter der Größe eines Atomkerns liegen.

Tim Pritlove Ja man muss ja auch über gefühlte Gefahren reden. Wir hatten ja schon in der Ausgangsdiskussion die Diskussion um schwarze Löcher, die hier erzeugt werden, da ist ja ein Weltuntergang drohen.

Wolfgang Adam De facto ist natürlich die Teilchen, die aus der Kollision hinauslaufen, sind natürlich Strahlung. Das heißt das könnte ionisierende Strahlung und deswegen ist auch die Detektorzone während wir operieren abgeschlossen.

Tim Pritlove Bevor wir vielleicht gleich mal so den eigentlichen Messvorgang selber aus der Perspektive eines Teilchens dann oder eines Protons erstmal beobachten, würde ich ganz gerne nochmal von außen nach innen gehen. Also haben wir ja schon gesagt, es ist ein relativ großes System. Was war das? 15 Meter ungefähr?

Tim Pritlove Super schwer, sehr viel Material und vor allem ist es halt ein, ich meine was der Name ja auch sagt, Solenoid, also sozusagen eine riesige Spule, eine Magnetspule, wie man das halt so aufgebückt kennt. Eine ganz kerstliche Spule, ja. Quasi wie so ein riesiges dynamisches Mikrofon. Und dieser Apparat sitzt wo genau? Wie tief?

Wolfgang Adam Der Apparat sitzt auf dem Niveau des Beschleunigers natürlicherweise und das heißt das ist knappe 100 Meter tief. In einer Kaverne in der von beiden Seiten der Beschleuniger Tunnel einmündet.

Tim Pritlove Ist es da eigentlich warm?

Wolfgang Adam Normale Temperatur, Umgebungstemperatur.

Tim Pritlove Wenn man sich so dem Erdkern nähert, wird es ja irgendwann warm. Bleibt doch etwas Abstand. Also Frost gibt es auf jeden Fall keinen.

Wolfgang Adam Nein, Frost gibt es keiner. Die Größe des Apparats hängt de facto mit der Energie der Kollisionen und daraus folgender Energie der Teilchen, die aus der Kollision erzeugt werden, zusammen. Ich habe von diesen Schauern gesprochen. Diese Schauer wachsen mit der Energie des Teilchens, werden diese Schauer immer größer.

Wolfgang Adam Und um eine präzise Messung der Energie zu erhalten, möchten wir, dass der gesamte Schauer im Detektor enthalten ist und nicht, dass gewisse Teilchen sich hinten aus dem Detektor rauslaufen würden. Und nachdem eben diese Schauer mit der Energie wachsen und wir die Dichte des Materials nicht beliebig erhöhen können, weil wir müssen mit Materialien arbeiten, die es gibt, kann man diese Detektoren mit höherer Energie einfach nur dicker machen. Das ist der eine Grund.

Wolfgang Adam Der andere Grund, ich habe von der Impulsmessung und geladenen Teilchen gesprochen. Also der Sinn der großen Spule ist, dass geladene Teilchen eben auf eine Helix oder in einer Projektion, Kreisbahn abgelenkt werden. Dadurch können wir die Ladung messen, weil die positive und negative Teilchen werden sich in unterschiedliche Richtungen wegrümmen und aus der Stärke der Krümmung können wir eben diesen Impuls abmessen.

Wolfgang Adam Und bei den Energien, die wir produzieren, ist diese Krümmung aber sehr gering. Und das heißt, um diese Krümmung messen zu können, gibt es zwei Möglichkeiten. Man erhöht die Präzision des Detektors, weil wir messen eben die Bahn an verschiedenen Orten und wenn man dann verschiedene Punkte misst, kann man irgendwann einmal sehen, dass diese Punkte nicht auf einer geraden Linie liegen, sondern eben eine leichte Probe machen.

Wolfgang Adam Aber wie gut man das messen kann, hängt natürlich von der Präzision ab, mit der man jeden Punkt messen kann. Und diese Präzision hat natürlich auch ein Limit, ihre Grenzen. Und die zweite Möglichkeit ist, dass man die Krümmung vergrößert bei gleicher Energie und das heißt ein größeres Magnetfeld, das heißt eine sehr starke Spule.

Wolfgang Adam Und in CMS de facto haben wir versucht beides zu machen. Ein sehr sehr starkes Magnetfeld, also 3,8 Tesla, das ist größenordnungsmäßig 100.000 mal das Erdmagnetfeld und gleichzeitig sehr Präzisedetektoren im Innenraum der Spur.

Tim Pritlove Wenn man da runter geht, dann muss man sich auch all seine metallischen Dinge empfehlen.

Wolfgang Adam Ja, wenn die Spule eingeschaltet ist. Es ist zwar, was man außen sieht, ist nur ein Rest Feld. Wenn man so eine Spule einfach frei in den Raum stellen würde, dann würde man ein Magnetfeld im großen Umkreis um den Detektor erzeugen. Das möchten wir natürlich nicht. Das heißt, die Spule ist komplementiert, und das macht den Großteil der Struktur des Detektors aus, durch einen Rückflussjoch.

Wolfgang Adam Also, um es einfach zu sagen, die Spule an der Detektor ist eingebettet in ein Stahlkorsett, de facto, und dieses schließt die magnetischen Feldlinien. Das heißt, die magnetischen Feldlinien laufen durch die Spule und dann durch den Stahl wieder zurück Und das bewirkt, dass außen zwar nicht null, weil das System nicht perfekt ist, aber ein sehr viel geringeres Magnetfeld herrscht.

Wolfgang Adam Dieses sehr viel geringere Magnetfeld ist allerdings immer noch stark genug, um einfach sichtbar zu sein und in Führungen.

Tim Pritlove Aber es reißt einem jetzt nicht die Armbanduhr vom Arm?

Wolfgang Adam Es reißt nicht die Armbandufe am Arm, aber wenn man nahe an den Detektor geht, sollte man keine magnetischen Werkzeuge oder ähnliches haben.

Tim Pritlove Man kennt ja diese Problematik aus der Medizin mit so einem Magnetresonanzsystem und so weiter. Da ist es ja ein echtes Problem, wenn man da mal was mit reinbringt.

Wolfgang Adam Genau, wir bewegen uns in denselben Größenordnungen und das heißt natürlich auch, dass alle Komponenten im Detektor nicht magnetisch sein sollten. Aber wie gesagt außen in Führungen verwenden wir oft eine kleine Kette von Büroklammern und man sieht klar auch außerhalb vom Detektor und in einem Abstand vom Detektor, dass diese Kette nicht gerade hinunter hängt.

Tim Pritlove Wäre das, würde man sich jetzt in der Mitte befinden, wenn der Magnet eingeschaltet ist? Nur so als Mensch nackt, würde einem das schaden? Also ist das ein Problem für den menschlichen Körper oder ist es egal?

Wolfgang Adam Im Prinzip sollte das egal sein, weil wir uns in den selben Größenordnungen bewegen wie für medizinische Untersuchungen, Magnetesresonanz.

Tim Pritlove Na gut, also auf jeden Fall eine fette Spule.

Wolfgang Adam Sie würden aber wahrscheinlich Effekte sehen, wenn sie sich bewegen, wenn sich jemand bewegt im Detektor. Im magnetischen Feld, das löst ja Ströme aus.

Tim Pritlove Also man würde es stören, aber man würde nicht sterben. Ja. Okay, also so ein riesen Magnetspuler, die dann aber auch noch gekühlt werden muss, nehme ich an, also ordentlich?

Wolfgang Adam Genau, das ist meines Wissens immer der größte supraleitende Magnet, der existiert. Das heißt, um dieses starke Magnetfeld zu erzeugen, verwenden wir einen Niob-Titan-Leiter, der supraleitend wird, wenn man ihn auf etwa 4 Grad über dem absoluten Nullpunkt kühlt. Und diese Kühlung passiert mit flüssigem Helium. Und das macht natürlich die Komplexität des Systems aus.

Wolfgang Adam Man muss flüssiges Helium erzeugen, man muss die Spule natürlich thermisch isolieren, Das heißt, die ist in einem Vakuumtank eingebettet, sozusagen eine riesige Thermosflasche. Und man muss garantieren können, dass die Spule immer kalt bleibt, weil man muss sich vorstellen, der Leiter, also der elektrische Leiter, der dort ausgewickelt ist in der Spule, der hat eine Breite von einigen Zentimetern und eine Dicke von einigen Millimetern Und durch diesen Leiter laufen 18.000 Ampere.

Wolfgang Adam Das wäre für normal leitende... Das heißt, man muss sicherstellen, dass die Spule im super leitenden Zustand bleibt. Und falls man glaubt, dass die Kühlung nicht mehr aufrechterhalten werden kann oder so, muss man die Spule möglichst schnell und kontrolliert abschalten. Weil man muss verstehen, dass im Magnetfeld kann man de facto Energie speichern.

Wolfgang Adam Das heißt, wenn das Magnetfeld aufgebaut wird, wird de facto Energie dort hineingebombt und im Magnetfeld gespeichert. In unserem Fall sind das ca. 2 Gigajoule. Das ist eine nicht vernachlässigbare Menge, mit der man eine Menge Metall zum Beispiel schmelzen könnte. Und sollte man die Kühlung nicht aufrechterhalten können, muss man dafür sorgen, dass man diese große Energie aus den Magneten möglichst schnell extrahiert, damit es keine Beschädigungen im Magnet ergibt. Das ist eine der technischen...

Tim Pritlove So ein Abschalten-Moment?

Wolfgang Adam Ja, wir versuchen das möglichst selten zu haben, aber es ist schon zweimal vorgekommen, dass wir ihn schnell abschalten wollen.

Tim Pritlove Aber hat dann zumindest auch funktioniert und das glimpfliche auch.

Wolfgang Adam Hat alles funktioniert, ja.

Tim Pritlove Wenn ich das richtig sehe, ist ja CMS nicht vor Ort gebaut worden, sondern erstmal woanders und dann da rein.

Wolfgang Adam Also CMS, diese Detektoren werden von Kollaborationen gebaut, die aus vielen Instituten bestehen. In CMS haben wir inzwischen mehr als 200 Universitäts- oder andere wissenschaftliche Institute, die da mitarbeiten. Und normalerweise, wenn man diesen Konten aus so einem Detektor baut, trägt jedes Institut einen gewissen Teil bei.

Wolfgang Adam Und die Konstruktion basiert von kleinen Elementen zu immer größeren Elementen. Also viele der grundlegenden Bestandteile werden in Industrie gefertigt und sie werden dann sukzessive am Anfang in den Instituten zusammengebaut zu immer größeren Elementen. Und der finale Zusammenbau geschieht dann normalerweise hier am CERN.

Wolfgang Adam Und für CMS war das eine spezielle Komplikation, weil als wir anfangen mussten, den Detektor zusammenzubauen, also die Konstruktion der Elemente hat ungefähr im Jahr 2000 begonnen, war die Kaverne im Untergrund noch nicht fertiggestellt. Und wir konnten aus Zeitgründen nicht warten auf die Fertigstellung, um das normale Prozedere zu machen, das heißt den Detektor in kleinen Stücken unten direkt vor Ort in der Kaverne aufzubauen.

Tim Pritlove Also man hätte das eigentlich gerne getan, aber das macht man auch nicht.

Wolfgang Adam Das wäre eine normale Vorgangsweise gewesen. Aber es ging nicht und deswegen, was wir gemacht haben, wir hatten über der Detektorzone eine große Halle und wir haben angefangen den Detektor dort aufzubauen. Und er ist de facto vollständig in dieser Halle aufgebaut worden und der Aufbau wurde aber so gemacht, dass er in größere Stücke zerlegt werden konnte.

Wolfgang Adam Also insgesamt 15 Stücke, davon 11 wirklich sehr große. Man muss sich vorstellen, dass das größte Stück, das auch den Magneten enthalten hat, ca. 2000 Tonnen wiegt. Und als die Kaverne fertig war, wir haben einen sehr großen Zugangsschacht, der so diese 80, 90 Meter hinunter geht, bis er die Kaverne erreicht.

Wolfgang Adam Und es wurde dann ein riesiger Kran gemietet, der 2000 Tonnen tragen kann. Die kleine Komplexität dabei ist, dass diese Kräne nicht mehr beweglich sind. Das heißt, dieser Kran wurde direkt über dem Schacht aufgebaut. Und der Schacht kann durch einen Deckel verschlossen werden, der mehr als einen Meter Stahlbeton besteht.

Wolfgang Adam Und das System war dann, dass wir jeweils eines von diesen Detektorstücken auf den Deckel verschoben haben. Der Kran hat ihn dann dort aufgehoben, man hat den Deckel geöffnet und ihn dann in einer Operation, die halben Tag typischerweise gebraucht hat, das Teil runtergelassen bis in die Kaverne. Dann in der Kaverne verschoben, damit wieder Platz wird und das nächste Teil runtergelassen.

Wolfgang Adam Das war eine Operation, die von circa 2006 bis 2008 gedauert hat insgesamt. Krass. Dieses Konzept hat aber den Vorteil gehabt, oder hat noch immer den Vorteil, dass wir dieses Verschieben von Teilen auch jetzt für die Wartung des Detektors verwenden können. Der Beschleuniger läuft typischerweise den Großteil des Jahres und wir haben dann eine Pause von zwei Monaten oder in der Größenordnung in der Winterperiode.

Wolfgang Adam Das wird für Wartungen benutzt oder Verbesserungen. Und dieses System mit den verschiedenen großen Teilen kann benutzt werden, um die Teile unten in der Kaverne zu verschieben und dadurch Zugang zu den Zonen zwischen den Teilen zu bekommen.

Tim Pritlove Okay. Aus der Not eine Tugend gemacht sozusagen.

Wolfgang Adam Mhm.

Tim Pritlove Gut, dann würde ich sagen, schauen wir doch mal, wie das jetzt wirklich in Operation aussieht. Also wir haben ja auch schon über den Beschleunigerring gesprochen. Die Teilchen, die man halt haben will, werden so einer Quelle entnommen und werden dann auf die Reise geschickt und landen dann eben über die einzelnen Kaskaden von Ringen im LHC, in dem großen 27 Kilometer Ring und erhalten dort ihre finale Geschwindigkeit und entlang dieses LHC sind die vier großen Detektoren aufgebaut.

Tim Pritlove Über LS haben wir schon gesprochen, jetzt halt CMS. Wo befindet sich CMS, schon in der Schweiz oder in Frankreich?

Wolfgang Adam CMS befindet sich in Frankreich, also der einzige Detektor der in der Schweiz steht ist Atlas. Und wir befinden uns genau auf der entgegengesetzten Seite des Rings im Vergleich zum Hauptgelände des CERN.

Tim Pritlove Also maximal weiter Weg.

Wolfgang Adam Maximal weiter Weg, was natürlich die Operation des Detektors und den Betrieb des Detektors nicht erleichtert. Wir haben natürlich einen Kontrollraum beim Detektor, der ständig besetzt ist und das heißt, die Leute müssen vom CERN typischerweise dorthin fahren.

Tim Pritlove Ihr seid so ein bisschen die da draußen sozusagen. Ja, okay, gut. So jetzt kommen also die Teilchen dort an und werden dann ja auf den letzten Metern auch nochmal aus dieser Kreisbahn quasi herausgenommen und fliegen dann gerade in diesen Detektor rein. So und jetzt bin ich ein Proton, was da sozusagen angeschossen kommt.

Tim Pritlove Mir kommt ein anderes, entsprechend anders herum geladenes Teilchen entgegen. Und durch ein Wunder treffe ich jetzt genau auf dieses Teilchen. Also nicht jedes Teilchen, was da durchfliegt, trifft auch auf eins, nehme ich mal an, viele fliegen aneinander vorbei.

Wolfgang Adam Nachdem die starke Wechselwirkung eben stark ist, passiert praktisch bei jeder Kreuzung etwas. Man muss natürlich dazu sagen, dass die Protonen nicht einzeln im Beschleuniger fliegen, sondern sie kommen in Paketen. Wir haben im Beschleuniger einige tausend Pakete von Protonen, die knapp beisammen sind und dann größenordnungsmäßig acht Meter wieder Pause oder in Zeit ausgedrückt 25 Milliarden Sekunden und dann kommt das nächste Protonpaket und um sich eine Vorstellung zu machen in jedem dieser Pakete sind circa 100 Milliarden Protonen und das heißt diese beiden de facto kreuzen sich diese beiden Pakete und es können sich da bei jeder Kreuzung, können ein oder mehrere Protonkollisionen stattfinden und um die Intensität,

Wolfgang Adam wir wollen natürlich möglichst viele Protonkollisionen sehen, weil um unsere Physikzielsetzungen zu erreichen, möchten wir einerseits möglichst hohe Energien erreichen, um möglicherweise neue schwere Teilchen zu erzeugen und wir möchten möglichst hohe Intensität, möglichst viele Protonkollisionen haben, weil wir Prozesse sehen wollen, die extrem selten sind.

Tim Pritlove Aber zwei Pakete treffen quasi aufeinander. Jedes enthält 100 Milliarden Protonen, also Pi mal Daumen. Und wenn diese zwei Pakete von je 100 Milliarden Protonen aufeinander treffen, dann gibt es ein oder ein Paar Kollisionen?

Wolfgang Adam Also die ursprüngliche Auslegung des LHC war typischerweise 25 gleichzeitige Kollisionen zu haben. Jedes Mal, wenn es...

Tim Pritlove Alle 25 Nanosekunden.

Wolfgang Adam Ja, das ist nur zufällig dieselbe Zahl und inzwischen ist es dem Beschleuniger gelungen die Intensität zu erhöhen.

Tim Pritlove Durch eine höhere Verdichtung dieses Pakets.

Wolfgang Adam Genau und letztes Jahr hatten wir typischerweise über 50 und dieses Jahr werden wir noch mehr haben.

Tim Pritlove Aber die finden ja dann alle gleichzeitig statt, das heißt man beobachtet sie auch alle gleichzeitig. Ist das nicht eher ein Problem, wenn man zu viele gleichzeitig hat, weil dann muss man sie ja auch auseinander halten.

Wolfgang Adam Das ist potenziell ein Problem natürlich und die Detektoren wurden darauf auch ausgelegt. Man muss jetzt natürlich sagen, sie wurden auf die berühmten ca. 25 ausgelegt und wir sind jetzt von mehr als einem Faktor 2 darüber. Aber ja, sie finden gleichzeitig statt, aber die Zone, in der diese Kollisionen stattfinden, erstreckt sich über plus minus 15 Zentimeter typischerweise.

Wolfgang Adam Das heißt, diese Kollisionen finden nicht alle genau am selben Platz statt, sondern sie sind etwas verteilt. Und wir können diesen Abstand verwenden, um sie von einander zu unterscheiden. Der zweite wichtige Aspekt ist, dass wir, wir suchen eben extrem seltene Prozesse, in denen sehr viel Energie freigesetzt wird. Und das passiert bei Weitem nicht bei jeder Kollision.

Wolfgang Adam Das heißt, aus den meisten Kollisionen werden wahrscheinlich nur wenige relativ niederenergetische Teilchen entstehen. Und eine, typisch maximal eine von diesen Kollisionen, wird ein Ereignis auslösen, das uns interessiert und das wir messen wollen. Dazu sollte man vielleicht auch sagen, dass eine der Herausforderungen ist, dass der Detektor braucht, was wir ein Triggersystem nennen.

Wolfgang Adam Das heißt wir brauchen ein System, das genau diese interessanten Kollisionen aussucht. Weil die Gesamtzahl der Kollisionen, man muss sich vorstellen, dass circa 30 Millionen mal pro Sekunde kreuzen sich Pakete und der Detektor ist in der Lage diese 30 Millionen Fotos, also er ist ausgelegt auf bis zu 40 Millionen Fotos pro Sekunde.

Wolfgang Adam Aber das ist eine Datenmenge, die schwer zu handhaben wäre und in vielen dieser Kollisionen passiert eben nichts, was uns interessieren würde. Und deswegen brauchen wir ein System, das aus diesen 30 Millionen eine sieben wenige rausfiltert. Und das ist eine ziemliche Herausforderung und das CMS hat sich früher entschieden und das war technologisch zum Zeitpunkt der Auslegung des Experiments noch ein bisschen auch eine Vorhersage oder eine Wette auf die zukünftige Entwicklung von elektronischen Komponenten und Rechenleistung, dass wir diese Auswahl in einem zweistufigen System machen.

Wolfgang Adam Wir haben eine erste Stufe, das ist Elektronik, die sich unten nahe beim Detektor befindet. Und diese Elektronik wird für jede Kollision ein paar Grunddaten bekommen über Energie, die man im Detektor gesehen hat, die Anzahl zum Beispiel der Myonen oder von Elektronen, die gesehen wurden. Und aus diesen Daten kann sie sagen, ob wir dieses Foto behalten wollen oder nicht.

Wolfgang Adam Und das muss geschehen in einigen Mikrosekunden. Also die Elektronik hat einige Millionstel Sekunden Zeit, um für jedes Foto zu sagen, wollen wir es behalten oder nicht. Und nur wenn wir es behalten wollen, werden überhaupt alle Daten aus dem Detektor heraus transferiert. Und wir können bis zu 100.000 pro Sekunde transferieren.

Wolfgang Adam Das heißt, aus den ursprünglichen 30 Millionen pro Sekunde behalten wir mal in dieser ersten Stufe 100.000 pro Sekunde. Und in einem zweiten Schritt werden dann diese Daten, die aus dem Detektor gelesen werden, werden an ein Computerzentrum transferiert, das wir auch vor Ort am Experiment haben. Und dort können wir schon sozusagen eine beschleunigte Version der Auswerteprogramme oder der ersten Stufe der Auswerteprogramme laufen lassen, die wir später dann verwenden auch.

Wolfgang Adam Damit kann man natürlich sehr viel detaillierter nachsehen in allen Detektoren, was passiert ist und eine viel detailliertere Analyse machen und deswegen auch genauer auswählen. Und damit reduzieren wir dann die Rate von 100.000 auf einige Tausend pro Sekunde. Das heißt von den 30 Millionen oder in der Größenordnung die Kreuzungen von Paketen die im Detektor oder Fotos die im Detektor genommen werden, behalten wir letztlich nur einige Tausend pro Sekunde. Junge Prosekunde.

Wolfgang Adam Diese einigen tausend pro Sekunde, die werden dann permanent gespeichert und das ist das, was für die Analyse nachher zur Verfügung steht.

Tim Pritlove Das muss man ja auch erstmal in so ein Computersystem gespeichert bekommen. Das ist eine enorme Anforderung an die Geschwindigkeit, die da gestellt werden. Diese erste Filterung ist hier gar nicht so sehr eine qualitative Filterung, sondern mehr so ein Ranking und man nimmt dann sozusagen die hunderttausend, die man übertragen kann, Nimmt man dann alle, um dann in der zweiten Stufe erst auszusuchen, was für einen wertvoll ist oder ist es schon eine qualitative Auslesung?

Wolfgang Adam Nein, nein. Das sind quantitative Kriterien und man kann, obwohl es nicht normale CPUs sind, sondern Elektronikkomponenten.

Tim Pritlove Also quantitativ im Sinne von wie viele Spuren?

Wolfgang Adam Wir können zum Beispiel verlangen, dass wir zwei Myonen übersehen, die über einer gewissen Energie liegen.

Tim Pritlove Okay, also auch schon mit einer, ich meine jetzt qualitativ im Sinne von was sehen wir? Also das wird auch schon berücksichtigt in dieser ersten Frage.

Wolfgang Adam Genau, welche Arten von Teilchen haben wir gesehen, in welcher Zahl, bei welcher Energie. Wir könnten auch auswählen, dass diese zwei Teilchen in gegengesetzte Richtungen geflogen sind. Und da können wir einige hundert Kriterien definieren, die all diese Größen kombinieren. Und wenn mindestens eines dieser Kriterien erfüllt ist, dann würden wir dieses Event auswählen.

Tim Pritlove Wenn es so schnell laufen soll, dann ist das schon so optimierte Hardware, wo die Software dann voll in die Hardware eingebrannt ist und das voll beschleunigt?

Wolfgang Adam Das sind FPGAs, das heißt das ist Elektronik, die programmierbar ist, aber nicht programmierbar wie in dem.

Tim Pritlove Also damit das wirklich sehr schnell abläuft, weil das wäre jetzt für eine normale CPU zu schnell. Alright, ja okay gut. Das ist also der Vorgang. Jetzt stellt sich natürlich die Frage, wie funktioniert der Detektor eigentlich genau. Klar kann man ja sagen, das haben wir ja in Muon gesehen, das muss man ja auch erstmal sehen. Und wir hatten das im Prinzip, wir haben das auch schon, als wir über Alice gesprochen haben, im Prinzip folgt das ja dem ähnlichen Modell.

Tim Pritlove Es geht einfach darum, durch diese magnetische Ablenkung, die durch diesen großen Spulenmagneten hergestellt wird, also sozusagen die ganzen Teilchen quasi in ihrer Ausbreitung, in ihrer Abstrahlung irgendwie versucht, wieder in den Griff zu kriegen und eben dieses starke Magnetfeld braucht, weil eben die Energien so hoch sind, die dort stattfinden.

Tim Pritlove Die wollen halt einfach irgendwo hinschießen und der Magnet sagt so, so nicht. Ja, ich krümm dich jetzt mal hier so ein bisschen weg. Und durch diese Krümmung, die man beobachtet, dann ist es ja quasi so das Rennen zwischen Energie des Teilchens und deren Richtung kämpft gegen das Magnetfeld Und daraus ergibt sich halt so eine Spurenkurve, der man dann eben quasi nachsehen kann.

Tim Pritlove Okay, alles klar, wenn du so schnell unterwegs bist, weil die Zeit kann ich ja messen, und dann diese Kurve machst, dann musst du sonst so schwer sein, also bist du wahrscheinlich das und das Teilchen. Und wie misst jetzt CMS diese... Funktioniert das genauso wie bei ALICE oder kommt hier eine ganz andere Technologie zu?

Wolfgang Adam Nein, wir verwenden andere Technologien. Wir verwenden eine Technologie, die ALICE auch in den ganz innersten Tonen verwendet. Das sind Siliziumdetektoren, das sind Pal-Beta-Detektoren. Man muss sich vorstellen, das sind ganz dünne Scheiben von Silizium, das speziell präpariert wird. Im Wesentlichen ist die Idee dieselbe wie die Sensoren in einer Kamera.

Wolfgang Adam Das heißt, das Silizium kann Lichtteilchen im Fall der Kamera oder geladene Teilchen wie Myonen oder andere Teilchen in unserem Fall registrieren, wenn diese Teilchen durch das Silizium durchlaufen.

Tim Pritlove Also quasi so CCDs, Charge Coupled Devices, sind das ja in der Kamera, als Ladung.

Wolfgang Adam Aber in unserem Fall sind es keine CCDs, weil die CCDs viel zu langsam werden. Weil eines der Grundprinzipien des Detektors ist natürlich, wie gesagt, wir haben einen 25 Milliardstel Sekunden Abstand zwischen zwei Kollisionen. Und das heißt, alle Detektoren müssen schnell genug ein Signal liefern, um zwei Kollisionen unterscheiden zu können. Und das ginge bei CCDs nicht.

Wolfgang Adam Und das heißt, de facto, was wir haben, ist Silizium. Und auf dem Silizium sind Strukturen, Elektrodenstrukturen aufgebracht. Und das sind entweder Streifen oder kleine Rechtecke. Und jeder dieser Streifen und jedes dieser Rechtecke hat seine eigene Verstärkung und Datenübertragung. Das heißt, wir haben im Moment knappe 100 Millionen de facto aktive Elemente, so Streifen oder...

Wolfgang Adam Und jedes dieser Elemente wird gleichzeitig ausgelesen. Das ist eben der Unterschied zur Kamera. Und das ermöglicht einerseits eine sehr hohe Präzision. Das heißt, die Präzision der innersten Lagen ist besser als 10 Millionsilometer. Das heißt, das ist kleiner, dünner als ein Haar. Hinaus nimmt es dann etwas zu, aber es ist immer noch in dieser Größenordnung. 10, 20, 30 Mikrometer.

Wolfgang Adam Das heißt, wir haben eine Serie. Diese Detektoren sind in Schichten angeordnet. Das heißt, im Zentraldetektor sind das Zylinder. Das heißt, es ist jeweils eine zylindrische Schicht, und die ist mit Detektoren, mit diesen dünnen Platten, vollgepflastert. Und eine Schicht kommt nach der anderen.

Tim Pritlove Wie viele Schichten sind es dann?

Wolfgang Adam Wir haben insgesamt im Moment, also im Zentralteil würde ein Teilchen 14 Schichten durchlaufen und das heißt jede Schicht würde eine sehr sehr präzise Messung des Ortes.

Tim Pritlove Und der Abstand zwischen den Schichten ist konstant?

Wolfgang Adam Nein, der Abstand vergrößert sich nach außen.

Tim Pritlove Was ist der kleinste und was ist der größte Abstand?

Wolfgang Adam Der kleinste Abstand ist also Zentimeterbereich, 2 Zentimeter und nach außen wird es größer, 10 Zentimeter Größenordnung. Also der ganze Detektor, um sich das vorzustellen, geht bis zu einem Radius von knapp über einem Meter. Also knapp einen Meter von der Wechselwirkungszone, von der Kollisionszone entfernt.

Wolfgang Adam Und mit diesen 14 Punkten, die kann man dann sozusagen verbinden und aus der Verbindung dieser 14 Punkte sieht man dann diese berühmte Spur.

Tim Pritlove Genau, wo man dann Ort und Zeit hat, überall wo das Zeichen steht.

Wolfgang Adam In unserem existierenden Detektor messen wir die Zeit nicht explizit. Der Detektor ist so ausgelegt, dass er optimiert ist, jeweils für eine bestimmte Kollision die Teilchen zu sehen. Aber wir messen die Zeit nicht explizit. Wir werden das in der nächsten Generation von CMS machen, aber im derzeitigen Detektor ist das nicht notwendig.

Wolfgang Adam Was man da vielleicht auch erwähnen könnte, ist, dass man diese Punkte zu einer Linie, also zu einem Kreis, wenn man so will, verbinden muss. Die Komplexität ist natürlich, dass wir eben hunderte oder in Kollisionen von Kernen tausende Teilchen haben, die da fliegen und jedes dieser Teilchen hinterlässt natürlich Punkte in dem Detektor und die ja je nachdem welcher Punkt oder Streifen getroffen wurde Und es ist natürlich, diese Punkte haben kein Etikett, das sagen würde, ich bin von diesem Teich hingekommen.

Tim Pritlove Deswegen dachte ich ja, dass die Zeit ein wichtiger Faktor ist.

Wolfgang Adam Nein, weil die Zeiten, die Teilchen laufen ja fast bei derselben Zeit, weil sie wurden zur selben Zeit produziert und fliegen dann de facto mit Lichtgeschwindigkeit hinaus. Und das heißt man hat ein Problem jeweils Punkte einem Teilchen zuzuordnen und das ist ein ziemlich großer Rechenaufwand. Also wenn man ein Foto sehen würde, an dem einfach die Punkte aufgetragen sind, würde man mit freiem Auge nichts erkennen.

Wolfgang Adam Das heißt es gibt Algorithmen, die dann eben die Punkte verbinden und das klassifizieren in Teilchen und dann für jedes Teilchen aus der Krömung eben den Impuls, die Energie ausrechnen.

Tim Pritlove Kann man dabei Fehler machen?

Wolfgang Adam Natürlich. Es gibt natürlich Fehler, aber die Algorithmen sind eben so entwickelt worden, um diese Fehler sehr gering zu halten, so gering zu halten, dass sie de facto die letztlichen Messungen nicht beeinflussen.

Tim Pritlove Also Teilchen trifft auf, Kollision findet statt, all das was dort aufeinander trifft wird dann eben in seine elementaren Teilchen zerschmettert und die machen sich dann auf die Reise, fliegen los und entweder streifen sie halt selber unmittelbar dann eine dieser Schichten Oder auf dem Weg zerteilt sich eben dieses Teilchen nochmal in andere, also von wegen Elementarteilchen, wenn es sich dann doch noch in andere Teilchen verwandelt, kann es ja so elementar auch wieder nicht sein.

Tim Pritlove Egal, auf jeden Fall das findet statt und man hat es also bei jeder Kollision mit einer Vielzahl von Durchschlagungspunkten zu tun, also zumindest in diesem inneren 14 Schichten Bereich, die man dann eben per Software wieder zueinander zuordnen und sagt okay, wenn das da war, das da war, dann gehört das wahrscheinlich zusammen und dann ist das die daraus resultierende Bahn und aus dieser Bahn kann ich dann wiederum errechnen, okay was war das jetzt mit welcher Energie und damit weiß ich auch die Masse und wenn man die Masse weiß, dann weiß man um was für ein Teilchen es sich gehandelt hat.

Wolfgang Adam Und wie gesagt, worüber diese Siliziumdetektoren, das ist dieser erste Teil des Detektors, von dem ich vorhin gesprochen habe, das heißt dieser Teil des Detektors, der möglichst leicht gebaut werden soll.

Tim Pritlove Aber diese Phase reicht auch schon für die Klassifikation der Teilchen aus? Nein, noch nicht.

Wolfgang Adam Nein, weil wir eben... Die Information aus mehreren Detektoren kombinieren wollen. Das heißt, wir haben so ein Teilchen, ein geladenes Teilchen, das läuft durch den Detektor durch, wir messen die Punkte, wir verfolgen seine Spur und dann wird es in den nächsten Detektor übergehen, eben in dieses Kalorimeter, wo sehr viel Material ist, in dem das Teilchen de facto seine ganze Energie abgeben kann.

Wolfgang Adam Das ist dann eine ganz andere Technologie. Im Fall von CMS verwenden wir dabei Kristalle. Das ist Blei-Wolframat. Das sind sehr, sehr transparente Kristalle, die aber de facto die Dichte von Blei haben. Das heißt, eine sehr große Dichte. Man stellt sehr viel Material entgegen, um eben diese Schauer, diese Lawinen möglichst kurz zu halten.

Wolfgang Adam Und Teilchen, besonders Elektronen oder Photonen, die dort in diese Kristalle hineinlaufen, die werden den Kristall anregen und es wird Licht ausgesendet, Stintillationslicht ausgesendet. Das Licht wird im Kristall, der sehr transparent ist, weiterlaufen und jeder von diesen circa 80.000 Kristallen hat dann hinten am Kristall einen Detektor, der Licht messen kann.

Wolfgang Adam Und aus der Menge des Lichts, das dieser Detektor hinten am Kristall misst, kann man dann rückschließen, wie viel Energie sozusagen dort deponiert wurde. Und das heißt, man kann diese Messung mit der Messung aus dem Siliziumdetektor kombinieren. Dieser Kristalldetektor ist auch notwendig, weil der Siliziumdetektor wird nur elektrisch geladene Teilchen sehen.

Wolfgang Adam Das heißt neutrale Teilchen, wie zum Beispiel Photonen, Lichtteilchen, werden im Siliziumdetektor nicht gesehen. Die werden erst dann in diesem Kristallteil gesehen werden.

Tim Pritlove Also wenn diese Kalorimeter, die dann auch die Endstation darstellen für die auseinanderfliegenden Teilchen. Wenn die jetzt zuverlässig aber eingefangen werden sollen, dann muss ja im Prinzip eine riesige, vollständige, den kompletten zentralen Teil umschließende Schicht sein.

Wolfgang Adam Das ist genau die Grundkonzeption. Wir wollen natürlich möglichst alle Teilchen messen, die aus der Kollision entstehen. Das heißt wir möchten den Kollisionspunkt eigentlich möglichst hermetisch umschließen. Das ist nicht vollständig möglich, weil wir… Man muss ja auch mal ran, ne? Naja, der Beschleuniger, die Beschleunigerröhre muss natürlich durchlaufen.

Wolfgang Adam Das heißt, dort per Definition können keine Detektoren stehen, aber wir versuchen den Rest möglichst abzudecken. Und wie gesagt, nachdem wir mehrere Lagen verschiedene Detektoren brauchen, sind die so angeordnet, dass ein Teilchen eben, egal in welche Richtung es läuft, immer dieselbe Sequenz von Detektortypen durchläuft.

Wolfgang Adam Und man könnte sich jetzt naiv vorstellen, dass man eine Kugel baut, Aber das ist aus mechanischen, Wartungs- und ähnlichen Gründen nicht sehr praktisch. Das heißt, die meisten dieser Experimente an Beschleunigern, an Speicherringen wie dem LAC, haben einen zylindrischen Aufbau. Das heißt, man hat einen zentralen Zylinder, in dem man eine zylindrische Lage nach der anderen hat.

Wolfgang Adam Und das wird dann abgeschlossen durch Endkappen, also großen kreisförmigen Strukturen, wo dieselbe Sequenz, aber linear von der Mitte nach außen, nach links und nach rechts geht. Vorkommt und dadurch kann man den Detektor relativ leicht öffnen, weil man kann diese Endcaps, wie wir es sagen, diese kreisförmigen Strukturen vom Zentralteil entfernen und dann ins Innere des Detektors kommen.

Wolfgang Adam Aber durch diesen Aufbau kann man garantieren, dass dieselbe Sequenz von Detektoren von jedem Teich entgegen ist.

Tim Pritlove Das heißt, diese Kalorimeter, dieser Zylinder ist sozusagen komplett mit diesem Blei, was war das für eine Verbindung? Genau mit diesen Kristallen beschichtet und messen kann man das dann, also das ist dann diese Sintillation, also das ist sozusagen so ein Lichteffekt der dabei dann entsteht.

Wolfgang Adam Genau es wird Licht erzeugt im Kristall und dieses Licht wird gemessen.

Tim Pritlove Okay also im Prinzip ist es dann letzten Endes ein optisches Messgerät, was eigentlich das Licht misst.

Wolfgang Adam Misst die Quantität von Licht die aus dem Kristall kommt.

Tim Pritlove Okay, gut. Und das tut es mit welcher Auflösung dann wiederum? Also man kann ja nicht jeden Punkt beobachten.

Wolfgang Adam Ja, wie gesagt, über die ganze Fläche. Wir haben jetzt hier 80.000 Kristalle. Man muss sich vorstellen, die Kristalle sind so längliche Gebilde mit einem quadratischen Querschnitt von einigen Zentimetern.

Tim Pritlove Okay, also 80.000 Kalometer.

Wolfgang Adam Also die Größe ist dadurch bestimmt, dass die Schauer eine gewisse Ausdehnung in der Tiefe, aber auch in der Breite haben. Und es ist sinnlos, die Detektoren sozusagen sehr viel kleiner zu machen als die Breite des Schauers. Das war die ursprüngliche Idee. Das bestimmte die Zahl der Kristalle. Und das ist der erste Teil des Kalorimeters. Und in diesem Teil, der genügt, um de facto alle Teilchen zu stoppen, die elektromagnetisch wechselwirken, also wir sind Elektronen und Photonen.

Wolfgang Adam Und andere Teilchen, Hadronen, die erzeugen größere Schauer und wir brauchen einen zweiten Kalorimeterteil dahinter.

Tim Pritlove Also die durchschlagen sozusagen auch noch diesen ersten Teil.

Wolfgang Adam Genau, die würden zwar einen Schauer beginnen im ersten Teil, aber der Schauer wäre so tief, dass er aus diesen Kristallen heraustritt und hinten raustritt.

Tim Pritlove Ohne einen Lichteffekt zu erzeugen?

Wolfgang Adam Nein, es wird Licht erzeugt, aber das Problem ist, dass nicht der gesamte Schauer enthalten sein wird in den Kristallen. Das geht danach weiter und dann haben wir einen zweiten Teil. Das beruhigt wieder auf dem Prinzip, dass wir dem Teilchen möglichst viel Material entgegenstellen. Aber in dem Fall ist das Messing.

Wolfgang Adam Es ist sozusagen ein Sandwich von Messing und wieder Zintillatoren. Zintillatoren, das ist ein Plastikmaterial und dort ist wieder dieselbe Idee. In dem Plastikmaterial entsteht Licht und man misst das Licht am Ende des Elements und aus der Quantität des Lichts schließt man.

Tim Pritlove Das ist also auch nochmal so eine zylindrische Struktur.

Wolfgang Adam Das generiert wieder eine zylindrische Struktur, die eben außerhalb des, die nächste Lage darstellt nach diesen Kristallen. Und wie viele Detektoren sind das dann? Das ist in großen Modulen strukturiert. Also wir haben einige hundert von den großen Modulen, aber in jedem Modul gibt es Glasfasern, die Teile des Moduls messen.

Tim Pritlove Ja, also ist das dann so wie bei dem ersten Zylinder, so 80.000 in der Größenordnung?

Wolfgang Adam Es ist in der Größenordnung. In diesem Teil braucht man etwas weniger Genauigkeit. Das heißt, man muss nicht so feine Elemente haben.

Tim Pritlove Gut, nur mal so ein Gefühl für die Datenpunkte zu bekommen, wie viel das so ist.

Wolfgang Adam Und dann gibt es einen...

Tim Pritlove Gibt es noch Teilchen, die diese Schicht dann auch noch überwinden können?

Wolfgang Adam Genau, dann gibt es die berühmten Myonern, die diese Schicht überwinden können.

Tim Pritlove Ah ja, okay, jetzt wird es spannend.

Wolfgang Adam Diese Myonen sind eingelagert, diese Detektoren sind eingelagert in dieses Rückflussjoch. Also ich habe davon gesprochen, dass wir das Magnetfeld sozusagen im Detektor zu halten, haben wir diese Stahlkonstruktion, die rundherum geht. Und in diese Stahlkonstruktion sind eingelagert, in Spalten in der Stahlkonstruktion sind Myonkammern eingelagert. Und in dem Fall sind das Gasdetektoren.

Wolfgang Adam Das sind Detektoren, Schichten mit verschiedenen Technologien, die mit einem Gas gefüllt sind. Wenn Teilchen durch das Gas durchlaufen, dann ionisieren sie Atome in dem Gas und man kann diese Ladungen durch elektrische Felder bewegen und dann messen. Diese Detektoren werden elektronisch ausgelesen, also de facto die Bewegung dieser Ladungen der Elektronen und der positiven Ionen, die dabei entstehen, die erzeugen elektrische Signale auf Elektroden und die werden dann ausgelesen.

Wolfgang Adam Dort ist es eben wichtig, dass wir mit vernünftigen Kosten eine sehr, sehr große Fläche abdecken können, In diesem Prinzip, dass eine Lage nach der anderen kommt, natürlich je weiter man nach außen kommt, desto größer wird die Fläche, die man abdecken muss. Gleichzeitig ist die, ist die Genauigkeit, die man dort erzielen muss, geringer.

Wolfgang Adam Das heißt, dort genügt uns ein Zehntel Millimeter oder etwas weniger. Und der Grund dafür ist, dass die Myonen, bis sie in diese Lage kommen, haben sie schon viel Material durchlaufen. Das Material wird sie zwar nicht stoppen, aber es wird leichte Ablenkung an der Bahn verursachen. Und das heißt, es ist sinnlos genauer zu messen als die typische Größenordnung dieser Ablenkung der Bahn.

Wolfgang Adam Zu den Myonen möchte ich vielleicht noch sagen, dass im Prinzip, so wie die CMS konzipiert wurde, um die Myoner zu messen, um zu wissen, dass es ein Myon ist, brauchen wir dieses Signal in den äußersten Detektorschichten. Aber die genaue Messung der Energie des Muons wird in CMS gemacht, dass wir den inneren Siliziumdetektor mit den Informationen aus diesen Muonsdetektoren verbinden.

Tim Pritlove Das erklärt jetzt auch warum dieser Muon, also warum das auch im Namen drinsteckt. Weil es sozusagen ein Element in diesem großen Magnet mit drin ist und von daher sozusagen so ein Major Design Prinzip darstellt sozusagen und nicht einfach nur so ein bisschen Gerät, was man noch in die Mitte reingeworfen hat.

Tim Pritlove Also dieser Teilchen zu diesem Standardmodell ist ja wirklich... Das kann ja sehr verwirrend sein. Was wir ja die ganze Zeit angerissen haben mit diesen Myonen. Es gibt ja in diesem Standardmodell Klassifizierungen auf unterschiedlichen Dimensionen. Wenn man erstmal generell so diese Quarks und Leptoden unterscheidet, also das was sozusagen Protonen im wesentlichen baut sind die Quarks und der Rest sind eben die Elektronen und Verwandte sozusagen.

Tim Pritlove Gibt es ja das dann alles noch dreimal. Alles ist irgendwie dreimal vorhanden, hat dann andere Namen, ähnliche Namen und warum es das jetzt alles dreimal gibt, weiß man nicht so richtig und es gibt es dreimal, weil es dann unterschiedliche Massen hat.

Wolfgang Adam Das ist ganz klar eine der großen unbeantworteten Fragen in der Teilchenphysik, dass man im Moment keine Erklärung hat, warum es drei Generationen sein sollten. Diese Teilchen haben exakt die gleichen Eigenschaften, nur die Masse ist unterschiedlich. Genau.

Tim Pritlove Das heißt dieses Myon, von dem wir jetzt die ganze Zeit reden, um das mal ein bisschen bekannter zu machen, ist eigentlich in seinem Wesen ein Elektron. Es ist nur sehr viel schwerer als ein Elektron. In welchem Faktor ist das schwerer, sehr viel schwerer?

Wolfgang Adam 200 Faktor, 1000, 2000, ca. 2000. Ca. 2000 sind 500 Kiloelektronvolt und 100 Megelektronvolt.

Tim Pritlove Ja, wie auch immer. Auf jeden Fall ist sehr viel schwerer, aber ist ansonsten wie so. Warum gibt's da, also das wissen wir nicht, aber warum ist man da jetzt so drauf abgefahren?

Wolfgang Adam 200 Stimmen.

Tim Pritlove Genau, aber es gibt ja auch noch ein drittes, was dann nochmal extrem viel schwerer ist, das ist dann das Tauon.

Wolfgang Adam Genau, das Tauon oder Taulepton.

Tim Pritlove Das sieht man aber nicht.

Wolfgang Adam Oh ja, das produzieren wir ebenfalls.

Tim Pritlove Kann das auch detektiert werden?

Wolfgang Adam Natürlich, wir detektieren das. Das einzige Problem, es ist schwerer zu detektieren, das Elektronen und Myonen, weil es nämlich relativ instabil ist. Elektronen sind stabile Teilchen, da gibt es kein Problem. Myonen zerfallen, aber die Lebensdauer eines Myons ist so groß, dass sie auf jeden Fall den Detektor verlassen werden, bevor sie zerfallen.

Wolfgang Adam Dagegen haben Daunen, eben weil sie schwer sind, eine relativ kurze Lebenszeit. Und das heißt, die würden schon in den ersten Zentimetern des Detektors zerfallen. Das heißt wir werden kein Dow-Lapton als solches durch den Detektor fliegen sehen, sondern das Dow-Lapton kann in verschiedene Konfigurationen zerfallen und um die Dow-Laptonen zu identifizieren müssen wir eben die Sekundärteilchen, in die das Dow-Lapton zerfallen ist, identifizieren.

Tim Pritlove Also man weiß schon, dass es da war, aber man sieht es nicht als sollte so.

Wolfgang Adam Es ist schwieriger zu sehen, ja.

Tim Pritlove Ok, verstehe. Und warum ist man dann jetzt so scharf drauf? Also was kann man, was meint man oder was kann man denn sozusagen daraus ableiten, dass jetzt sozusagen dieses Myon da ist?

Wolfgang Adam Ja, wie gesagt, eine direkte Erklärung, warum es eben diese drei Generationen gibt, haben wir nicht. Aber das, wie gesagt, unser derzeitiges Standardmodell, mathematisches Modell, mit dem wir die Teilchen und die Kräfte zwischen den Teilchen beschreiben, setzt eben voraus, dass sich diese drei Generationen gleich verhalten, bis auf die Masse.

Wolfgang Adam Und das ist zum Beispiel ein interessanter Teil des Forschungsgebietes, um zu überprüfen, möglichst gut zu überprüfen, ob das wirklich der Fall ist. Weil wenn es nicht der Fall wäre, das würde das Ansatz geben, um neue Theorien zu entwickeln. Und deswegen, das ist natürlich ein Grund, sie zu messen. Der andere Grund, sie zu messen, ist, dass es einfach zusätzliche Möglichkeiten gibt, um andere Teilchen zu vermessen oder zu entdecken.

Wolfgang Adam Weil sehr oft, eben dadurch, dass die Elektronen Myon und Olepton dieselben Eigenschaften haben, kann ein Teilchen, das in Elektronen zerfallen kann oder in Myonen zerfallen kann, auch in die jeweils anderen Teilchen zerfallen. Das heißt, wir können dieses zerfallende Teilchen genau untersuchen. Wir haben mehr Möglichkeiten, wenn wir alle drei Zerfallsmodi untersuchen.

Tim Pritlove Old Myon spielt auch eine Rolle bei der Detektion des Higgs-Bosons?

Wolfgang Adam Zum Beispiel, ja. Genau, das Higgs-Boson kann in sehr viele unterschiedliche Arten zerfallen. Und eine dieser Arten ist, dass es de facto zuerst in zwei Z-Posonen, das sind die Vermittler der schwachen Wechselwirkung übrigens, zerfällt. Und diese Posonen können dann wieder in Leptonen zerfallen, zum Beispiel.

Wolfgang Adam Auch in Quarks, aber sie können auch in Leptonen zerfallen. Und sie können zum Beispiel in zwei Myonen zerfallen. Es könnte jedes dieser zwei Z-Posonen dann in zwei Myonen zerfallen. Und warum uns das besonders interessiert, ist einfach, weil wir die Myonen, das ist wirklich das Objekt, das wir am besten messen können.

Wolfgang Adam Sie können auch in Detektoren zerfallen, andere Teilchen, aber der Zerfall in insgesamt vier Myonen ist das, was wir normalerweise einen goldenen Kanal nennen. Das heißt, das ist wirklich die Art und Weise, die wir am besten messen können.

Tim Pritlove Ah ja, okay, verstehe.

Wolfgang Adam Voraussetzung ist natürlich, dass wir alle vier Myonen in einer Zone des Detektors sind, die wir sehen können. Und warum ist es wichtig, dass man die so genau messen kann, ist, weil wir dann aus den, wenn wir die Energien und Richtungen der Virmionen bestimmen, können wir zurückrechnen, die Masse des Teilchens, die zerfallen ist.

Wolfgang Adam Das ist, wie wir überhaupt versuchen, typischerweise neue Teilchen zu finden. Es gibt Energiehaltung, d.h. wenn ein schweres Teilchen zerfällt, muss die Masse, also Masse und Energie der Zerfallsprodukte, aus denen kann man wieder die Masse des ursprünglichen Teilchens zurückrechnen. Und man sollte sagen, am LHC, wir haben immer sehr viel...

Wolfgang Adam Untergrund. Das heißt, wir suchen ein bestimmtes Ereignis, einen bestimmten Typ von Ereignis, aber es gibt immer andere Prozesse, die etwas Ähnliches produzieren. Aber dadurch, dass wir diese Masse rekonstruieren können, ist dieser Untergrund, der ist normalerweise einfach zufällig verteilt. Und wenn es wirklich ein neues Teilchen ist, wie das X-Boson im Jahr 2012, dann sehen wir, dann werden die berechneten Massen, werden immer dort an der echten Masse des neuen Teilchens sitzen.

Wolfgang Adam Das heißt, wenn wir das ansehen, dann gibt es eben diesen Untergrund, der verteilt ist und über diesem Untergrund werden wir beginnen ein Signal zu sehen, dass auf einer bestimmten Stelle immer mehr Ereignisse sind, die genau diesen Wert haben. Das ist wie das X-Boson gefunden wurde und das ist auch die Methode, um nach anderen Teilchen zu suchen.

Tim Pritlove Genau, weil am Ende ist es ja alles eine statistische Betrachtung, jede Kollision ist anders, immer wieder passiert irgendwas, aber mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit passieren halt bestimmte Dinge häufiger und wenn man das dann eben einfach über Wochen, Monate und Milliarden an Beobachtungen zusammensummiert und plottet, dann entstehen halt diese Grafiken, wo so eine kleine Spitze ist, die halt so einen ganzen Raum voller Wissenschaftler total zum Schreien bringen, weil das dann einfach total irre ist.

Tim Pritlove Und alle anderen fragen sich nur so, was passiert hier eigentlich gerade? Aber das kennt man ja auch aus anderen Sportarten. Also Leute, die mit Fußball nichts zu tun haben, wundern sich ja dann auch mal wieder, was die anderen alle so begeistert.

Wolfgang Adam Ja, aber etwas zu finden, was man 60 Jahre lang gesucht hat, das kann etwas Begeisterung auslösen. Genau.

Tim Pritlove Jetzt kommen wir vielleicht so langsam zum Ende und die große Frage ist ja halt immer, wie kann das alles dazu beitragen jetzt auch wirklich was neues zu finden und vielleicht neu ist ja dann auch immer so ein dehnbarer Begriff, also das Higgs Boson war ja nicht in dem Sinne neu, als dass es auf einmal so da war und man gesagt, oh Holla was ist das denn?

Tim Pritlove Sondern das war ja quasi eine Suche nach 60 Jahren, weil es eben diese Theorie gab, wenn es das gäbe, dann würde auf einmal alles zusammenpassen. Alles was wir bisher beobachtet haben, haben wir sozusagen in dieses Standardmodell eingefügt, da fehlte dann aber irgendwie noch so ein Slot und man hat immer so gehofft, dass es das auch gibt, weil dann passt alles zusammen, weil wenn es das nicht gibt, dann passt gar nichts mehr zusammen.

Tim Pritlove Dann müsste man sich was Neues ausdenken und bisher ist noch keinem was anderes eingefallen.

Wolfgang Adam Naja es gibt einige andere Ansätze, aber es war klar der einfachste Ansatz um das zu finden und deswegen war es spannend um zu sehen ob dieser Ansatz auch wirklich realistisch ist.

Tim Pritlove Ich denke es ist ja auch alles gebaut worden. Deswegen hat man den LAC gebaut, deswegen hat man diese Energien versucht aufzubauen, weil man halt einfach so ein gewisses Target hat und sagt okay das ist so der Energiebedarf den wir benötigen und wenn wir das dann lange genug beobachten, dann haben wir vielleicht eben diese Auffälligkeit und CMS ist einer von den beiden Detektoren, die das eben mit der hier beschriebenen Technik beobachtet haben, die Statistiken gemacht hat.

Tim Pritlove Atlas das andere, was im Prinzip dasselbe in grün gemacht hat und dann werden wir halt auch nochmal drüber reden, wie das dort funktioniert und der Vergleich dieser beiden Ergebnisse hat dann eben diese Gewissheit gebracht. So jetzt ist das aber sozusagen aus dem Rennen, Higgs ist jetzt alter Käse.

Wolfgang Adam Absolut nicht.

Tim Pritlove Es wird natürlich nach wie vor noch weiter geguckt nach Higgs oder?

Wolfgang Adam Wir stehen eigentlich am Anfang der Reise, weil Entdeckung heißt, dass wir die ersten überzeugenden Zeichen für die Existenz eines Teilchens gefunden haben. Aber was jetzt gemacht wird, ist zu überprüfen, was wir wissen. Wir haben ein Teilchen gefunden. Das Teilchen entspricht in etwa den Erwartungen der Theorie.

Wolfgang Adam Aber was wir jetzt machen ist, um die detaillierten Vorhersagen der Theorie zu überprüfen und zu sehen, ob dieses Higgs-Teilchen wirklich genau das Higgs-Teilchen dieses Modells ist. Und das ist eben ein langfristiges Programm. Das Higgs-Feld gibt eben Masse an die Teilchen und das hängt damit zusammen, wie stark sozusagen diese Teilchen mit dem Higgs-Boson reden. und.

Wolfgang Adam Das bedingt auch, wie oft ein Higgs-Boson aus diesen Teilchen erzeugt werden kann oder wie oft ein Higgs-Boson in diese Teilchen zerfallen wird. Und die Vorhersage des Standard-Modells, dieses Modells ist eben, dass diese Wechselwirkung immer schwächer wird, je leichter Teilchen werden. Und dementsprechend werden die leichteren Teilchen auch seltener im Zerfall eines Higgs-Bosons vorkommen.

Wolfgang Adam Und die Entdeckung des X-Bosons wurde im Wesentlichen getragen durch den Zerfall in zwei Arten, eben in zwei Z-Bosonen oder ein Zerfall in zwei Photonen. Jetzt kann man sich fragen, Sie haben gesagt, dass das X hängt mit Masse zusammen. Das X gibt eigentlich die Masse. Photonen sind bekannterweise masselos.

Wolfgang Adam Also wie kann ein Higgs-Boson in Photonen zerfallen? Und das geschieht in der Beschreibung, die wir von der Natur in der Quantenfeldtheorie haben, dass da einfach ein komplizierter Prozess aufgetreten ist, dass das Higgs ursprünglich in zwei andere Teilchen zerfallen ist und diese Teilchen dann zwei Photonen erzeugt haben.

Wolfgang Adam Und in Wirklichkeit hängt das sehr stark zusammen mit dem zerfallen SIX-Bosons in zwei virtuelle Topquarks, also in schwere Teilchen. Und im Prinzip haben wir jetzt gemessen und wir haben überzeugende Messungen, dass der SIX eben in Z-Bosonen zerfallen kann, in W-Bosonen zerfallen kann, dass der SIX mit Topquarks redet, dass der SIX, also direkt in Topquarks, in zwei Topquarks kann der SIX nicht zerfallen, weil der SIX einfach zu leicht ist.

Wolfgang Adam Die zwei Top Quarks zusammen werden schwerer als das X-Poson und deswegen kann es nicht direkt zerfallen. Aber es kann trotzdem in der Produktion und im Zerfall auf indirekte Arten mit diesen Top Quarks reden. Wir haben den Zerfall in B, Quarks. Und die berühmten Dow-Leptonen. Das sind alles de facto die schwersten Teilchen, die wir kennen.

Wolfgang Adam Aber um jetzt überzeugt zu sein, dass dieser Mechanismus der Stärke der Wechselwirkung mit Masse wirklich funktioniert, sollten wir auch sehen, ob es mit den leichteren Teilchen redet. Und wir haben jetzt in CMS, wir haben mit den Daten aus den letzten Jahren das erste Mal einen Hinweis dafür gesehen, dass das X-Boson direkt in zwei Myonen zerfallen kann.

Wolfgang Adam Das ist schon jetzt ein großer Sprung in der Masse, weil, wie schon gesagt wurde, die Myonen sind sehr viel leichter als die Dauleptonen zum Beispiel, auch sehr viel leichter als Z-Bosonen oder W-Bosonen. Das heißt, da ist ein großer Sprung. Wir haben eben Hinweise dafür, noch nicht auf dem Niveau, das wir typischerweise in der gleichen Physik Entdeckungsniveau nennen, diese berühmten 5 Sigma statistische Wahrscheinlichkeit, also Wahrscheinlichkeit von weniger als 1 zu 1 Million, dass das einfach eine Fluktuation war.

Wolfgang Adam Aber das steht auf unserem Programm und auch zur Fälle in andere leichte Teilchen, um eben das vollkommen zu überprüfen, das Modell. Und dann auf einer etwas längeren Zeitskala ist die Frage, wie das Higgs mit sich selbst redet und...

Tim Pritlove Teilchen reden auch mit sich selbst.

Wolfgang Adam Ja, es kann ein Higgs-Boson zum Beispiel in zwei Higgs-Bosonen zerfallen und zwei Higgs-Bosonen produzieren in seinem Zerfall. Und das Interessante daran ist, dass das Higgs-Boson ursprünglich erfunden wurde, um zu erklären, warum diese W- und Z-Bosonen, für die es in den 80er Jahren den Nobelpreis gegeben hat und die die schwache Wechselwirkung erklären, warum die nicht wie das Photon masselos sind, sondern warum sie eine Masse haben, eine ziemlich hohe Masse sogar.

Wolfgang Adam Und das läuft unter dem Konzept der Symmetriebrechung. Es gibt da in Symmetrienstellen einen sehr wichtigen Bestandteil aller modernen Theorien der Teilchenphysik vor. Symmetrien können so etwas wie die einfache Links-Rechts-Spiegelsymmetrie sein, die wir kennen, aber es kann auch Symmetrien in anderen Formen geben, die zum Beispiel, das wäre sozusagen eine Art Spiegeleffekt, die zum Beispiel ein Teilchen in ein anderes Teilchen verwandeln könnte und dadurch ihre Ähnlichkeit erklärt.

Wolfgang Adam Und jedenfalls, das Higgs-Poson hat eben diese spezielle Eigenschaft, Eigenschaft, dass es eine gewisse Symmetrie bricht, also dazu führt, dass die Symmetrie nicht mehr vollkommen respektiert wird. Und das gibt diesen W- und Z-Posonen die Masse. Und das hängt sehr stark davon zusammen, eben wie stark dieses X-Poson sozusagen mit sich selbst redet.

Wolfgang Adam Und das ist ein Programm, das ist sehr schwierig zu messen. Das ist ein Prozess, der noch viel seltener ist, als was wir im Moment schon messen und die, Und das wird wirklich ein Programm sein für die nächsten Jahre, für die zukünftige Phase des LACs und dann sogar, wahrscheinlich um Präzise zu messen, auch für die nächste Beschleuniger-Generation, die nachher kommen werden.

Tim Pritlove Okay, also man ist quasi auf der Mission, also nachdem man sich sicher war, dass Higgs-Prinzip das existiert, das ist da, das ist messbar, das entspricht so gut den Vorhersagen und wir haben es auch aus den statistischen Daten mit der statistischen Sicherheit herauslesen können. Da ist was, geht es jetzt im Wesentlichen darum zu sagen, wie verhält es sich jetzt genau, was hat das für eine Auswirkung.

Tim Pritlove Das ist jetzt sehr kompliziert zu verstehen, dieser ganze Bereich. Aber eine Sache wollte ich mal kurz rausgreifen, weil das irgendwie eben viel, also wenn wir jetzt den Begriff Wechselwirkung hier mit reinnehmen, hab ich ja vorhin schon auch angesprochen, da haben wir es ja sozusagen mit diesen Naturkräften zu tun.

Tim Pritlove Schwache Kernkraft durch diese WZ-Versionen, die elektromagnetische Kraft durch dieses Photon, die starke Kernkraft durch diese Gluon, die dann halt irgendwie Lepton und Quark irgendwie zusammenbacken oder auch nicht. Und... Dann gibt's halt noch dieses Higgs. Und jetzt hast du aber auch diesen Begriff Wechselwirkung in den Mund genommen, wenn man sagt, wie Higgs jetzt sozusagen mit den anderen interagiert.

Tim Pritlove Heißt das, dass man dann sozusagen, also ist das dann sozusagen noch eine weitere Kraft, die wir so bisher so nicht auf dem Zeiger haben oder reden wir jetzt hier von einer anderen Wirkung, die nicht auf dem Level sich abspielt?

Wolfgang Adam Ich würde das nicht als Kraft bezeichnen. Es ist einfach nur, dass es Prozesse gibt, in denen Higgs-Boson und andere Teilchen vorkommen und die dann… Also nicht jede Wechselwirkung ist eine Kraft, aber jede Kraft ist eine Wechselwirkung? Ja, das könnte man vielleicht so sagen. Aber was man vielleicht zum Programm mit dem Higgs-Boson noch hinzufügen sollte, ist, dass das Higgs-Boson auch sehr interessant ist, um mögliche neue Effekte zu studieren.

Wolfgang Adam Wir haben noch nicht erwähnt, dass das Standardmodell, dass wir sehr zufrieden sind, dass wir dieses letzte Teilchen des Standardmodells gefunden haben. Aber wir wissen, dass es nicht vollständig sein kann. Und da gibt es einen starken Zusammenhang mit Kosmologie und dem, was wir im Universum beobachten, weil zwei der großen Fragen in der Entwicklung des Universums sind, warum es einen Unterschied zwischen Teilchen und Antiteilchen gibt und was es mit dieser berühmten dunklen Materie im Universum an sich hat.

Wolfgang Adam Und beide Themenbereiche hängen mit Teilchenphysik zusammen, weil der Unterschied zwischen Teilchen und Antiteilchen, das ist etwas, was man messen kann in verschiedenen Arten, auch am LHC, Und die dunkle Materie, es ist sehr plausibel, dass die dunkle Materie de facto aus Teilchen besteht, die wir noch nicht kennen.

Wolfgang Adam Und wo kommt das Higgs da hinein? In vielen theoretischen Modellen, die versuchen, dunkle Materie mit neuen Teilchen zu erklären, spielt das Higgs-Boson oder mehrere, möglicherweise mehrere andere Higgs-Bosonen noch eine Rolle, um sozusagen die Welt, die wir da jetzt schon kennen, und diese dunkle Welt miteinander zu verbinden, also Verbindungen herzustellen zwischen den Teilchen, die wir kennen, und der Produktion von Teilchen, die wir noch nicht können und die zum Beispiel dunkle Materie hervorrufen könnten.

Tim Pritlove Also zum Beispiel würde man jetzt, und das ist ja unter anderem auch geplant, noch einen größeren Ring bauen und damit noch mehr Energien aufbauen können und noch fettere Detektoren bauen, die mit diesen Energien auch umgehen, was dann noch größere Magneten wären und überhaupt kann man sich das fast schon gar nicht mehr vorstellen, Wie groß das alles wäre, auf jeden Fall wenn man sozusagen höhere Energien noch beobachten könnte, dann könnte es vielleicht theoretisch sein, dass auch in der Mangelung einer passenden Theorie zu diesem Zeitpunkt mal halt an irgendeiner Stelle mit noch mehr Energien nochmal so einen kleinen Hopser in der Kurve hat.

Wolfgang Adam Das muss nicht unbedingt beim nächsten, das könnte natürlich beim nächsten Beschleuniger sein, aber selbst bei uns könnten Prozesse sein, die einfach so selten sind.

Tim Pritlove Die einfach selten sind, das ist der andere Punkt. Oder aber eben auch, dass man erstmal woanders noch suchen muss, das meinte ich eigentlich mehr. Also es könnte auch sein, dass man nochmal ganz woanders gucken muss, als wir derzeit gucken können und dort sozusagen nochmal so ein Geschwisterhicks haben, die dann vielleicht einfach nur in der Antimaterie irgendwas machen und da diese Massen erzeugen, die wir quasi da ja ausmachen.

Tim Pritlove Weil das ist ja das, was wir sehen. Wir sehen, dass da irgendwas gravitativ wirkt, Galaxien irgendwie zusammenhält und auf andere Geschwindigkeiten bringt, die sich eben mit unserer Vorstellung der normalen Materie nicht verbinden lässt und von daher irgendwie das große Fragezeichen, also eins der großen drei Fragezeichen ist, die wir derzeit so im Weltall haben.

Wolfgang Adam Ja, aber die Verteilung von dunkler Materie und die Geschichte des Universums sagt uns, dass es eine gewisse Verbindung, eine sehr, sehr schwache Verbindung, aber zwischen diesen Teilchen, wenn es Teilchen sind der dunklen Materie, und den normalen Teilchen geben sollte. Und das ist eben Teil des Forschungsprogramms. Mit dieser Verbindung könnten wir diese Teilchen unter Umständen hier auch schon im LHC produzieren und mit dem Detektor sehen.

Wolfgang Adam Das ist übrigens ein interessanter Aspekt, dass die Detektoren de facto auch Deichen Detektieren können, die gar nicht direkt im Detektorsignal hinterlassen.

Tim Pritlove Man kann etwas detektieren, was man gar nicht detektiert?

Wolfgang Adam Genau, das betrifft schon bekannte Teilchen. Im Standardmodell mit den Elektronen, das Elektron hat nicht nur schwere Geschwister, sondern auch ein Pendant, das ist das Neutrino, das zum Beispiel in großen Mengen in der Sonne in den Kernprozessen erzeugt wird. Und das Neutrino ist fast masselos und hat nur eine sehr schwache Wechselwirkung mit Materie.

Wolfgang Adam Das heißt, die Neutrinos würden aus unseren Detektoren hinauslaufen und wir würden sie nicht sehen. Aber auch wenn wir zum Beispiel Teilchen der dunklen Materie erzeugen könnten, würden diese auch den Detektor verlassen, ohne dass wir sie sehen. Aber wir können uns ein Prinzip in der Physik zunutze machen, und das ist, es gibt die Energieerhaltung, aber es gibt auch ein Prinzip, das nennt sich Impulserhaltung, das ist also, sagen wir so, verwandt mit der Energie, aber das spielt sich in allen drei Raumrichtungen ab.

Wolfgang Adam Das heißt, man kennt vielleicht dieses Spiel mit dem Bändeln mit den Kugeln, wo man die Kugel fallen lässt und dann läuft auf der anderen Seite eine Kugel raus. Das ist de facto Impulserhaltung und das könnte man auch in drei Dimensionen machen. Jedenfalls, wir haben das Prinzip, dass die Protonen, die zusammenlaufen, die bewegen sich entlang des Beschleunigers, auf einer geraden Linie eben, aber nicht links, rechts, oben und unten.

Wolfgang Adam Und daraus schließt man, dass die Summe aller Teilchen, die nach der Kollision produziert wird, kann insgesamt, kollektiv sozusagen, auch keine Bewegung links, rechts, oben und unten haben. Und wenn da jetzt aber ein Teilchen dabei wäre mit hoher Energie, das wir nicht sehen, Und wir machen die Summe über alle sichtbaren Teilchen und würden sehen, dass die Summe der sichtbaren Teilchen in irgendeine Richtung zeigen würde.

Wolfgang Adam Während das unsichtbare Teilchen in die andere Richtung gegangen wäre. Und auf diese Art und Weise können wir feststellen, ob ein unsichtbares Teilchen den Detektor verlassen hat.

Tim Pritlove Also man rechnet sozusagen einfach nach wie viel Energie ist denn hier insgesamt fehlt, was fehlt, fehlt und daraus kann man schließen.

Wolfgang Adam Und damit könnte man zum Beispiel sehen, falls dunkle Materie produziert würde und das ist ein wichtiger Teil unseres Forschungsprogramms.

Tim Pritlove Ja, spannend. Das bringt uns jetzt so ein bisschen ans Ende. Können natürlich jetzt noch stundenlang weiter philosophieren, aber um es vielleicht mal abzurunden. Man sieht, dass die Detektoren halt auf der einen Seite dazu beitragen, bestehende Theorien zu überprüfen und das eben teilweise mit Erfolg, aber auch das nicht Nachweisen ist ja in gewisser Hinsicht auch ein Erfolg, aber auch noch sehr viel Potenzial hat jetzt sozusagen auf dem nächsten Weg mit der existierenden Technologie plus der Upgrades, die ja hier regelmäßig stattfinden, die halt Dinge genauer machen, verfeinern, Energien erhöhen usw.

Tim Pritlove Anders ballen, dass man eben auch auf dem Pfad zu weiteren Erkenntnissen kommen kann. Also jetzt nicht mit dem Higgs ist nicht das ganze Pulver verschossen worden. Nein, absolut.

Wolfgang Adam Und wie gesagt, wenn man ein neues Teilchen entdeckt, das ist die erste Stufe, die ist Entdeckung und die zweite Stufe ist dann, um dieses neue Teilchen de facto als Werkzeug zu verwenden, um neue Erkenntnisse zu bekommen.

Tim Pritlove Ja, gut Wolfgang, ich sag vielen Dank für die Ausführung zum CMS, das war alles sehr interessant, sehr spannend. Ja, und ich bedanke mich fürs Zuhören, das war's zum CMS, weiter geht's dann mit dem Atlas, gucken wir mal wie die auf die Welt schauen, ja. Und dann geht's halt hier wieder weiter. Bis dann sagt Tschüss, bis bald!

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