
Rückhalt – Talks by Owl & Fire· Staffel 1
Rückhalt auf der Bühne und im Unternehmen
Freitag, 30. Oktober 2026 · 54 min
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Shownotes
Thorsten Brand ist Gründer der Steifen Brise, einem Improvisationstheater in Hamburg. Vor wenigen Wochen hat sein Ensemble 86 Stunden am Stück gespielt, inklusive Feueralarm und Weiterspielen vor der Tür. In dieser Folge sprechen wir darüber, was ein Team in solchen Momenten trägt, warum Vertrauen und die Toleranz für Ungewissheit trainierbar sind und was Unternehmen vom Theater lernen können. Thorsten erzählt, wie aus einem Hobby 1992 ein Unternehmen wurde, wie er Corona erlebt hat und was Rückhalt bedeutet, wenn Menschen fundamental unterschiedlich denken. Zum Schluss geht es darum, ob man mit der Erfahrung weniger Rückhalt braucht oder besser darin wird, ihn anzunehmen.
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Website: steife-brise.de
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speaker-0: In diesem Podcast spreche ich mit Menschen darüber, was ihnen Rückhalt gibt, wie sie selbst anderen Rückhalt geben und was uns hilft, unseren Weg zu gehen, wenn wir gerade nicht wissen, wie es weitergeht. Mein heutiger Gast ist Thorsten Brandt. Er hat vor über 30 Jahren das Improvisationstheater Steife Priese gegründet und ist heute Schauspieler, Unternehmer und Trainer. Wir sprechen darüber, wie Vertrauen entsteht, warum es manchmal so schwer ist, andere Meinungen auszuhalten und was passiert, wenn die eigenen Überzeugungen in einer Krise auf die Probe gestellt werden. und darüber, warum Loslassen manchmal selbst einem erfahrenen Improvisationskünstler schwerfällt. Hier ist mein Gespräch mit Thorsten Brandt. Hallo Thorsten, herzlich willkommen zu Rückhalt. Ihr habt vor wenigen Wochen 86 Stunden am Stück Improvisationstheater gespielt. Irgendwann gab es sogar einen Feueralarm und ihr habt draußen weiter gespielt. Gab es in den vier Tagen einen Moment, in dem du dachtest, jetzt kippt alles?
speaker-1: Ja, hallo Carsten. Erstmal vielen Dank, dass du mich eingeladen hast. Ja, spannende Fragen. Spannende Fragen, die du mir geschickt hast und die Einstiegsfrage finde ich herrlich. Es ist so, wir improvisieren ja schon, oder ich zumindest, seit über 34 Jahren und da ist schon einiges passiert. Das heißt, man hat sich mit dem Thema schon sehr, sehr lange auseinandergesetzt. Und jetzt waren diese 86 Stunden tatsächlich doch arg extrem und anders als alles andere, was davor stattgefunden hat. Und das war zum einen ein riesentolles Team-Event, also dass wir uns als Gruppe ganz anders sehen und kennengelernt haben und auch verstanden haben. Und zum anderen ging das natürlich auch, wie es so schön heißt, an die Körner. Also es war schon, dass jeder Einzelne von uns dann irgendwann trotz Adrenalin merkte, es geht ein bisschen anders. Und jetzt muss man davor sagen, Vorbereitung ist ja alles. Wir hatten jetzt nicht alle 86 Stunden, die wir durchgehen mussten, sondern wir hatten einen Schichtplan, sodass ich glaube die längste Zeit, dass jemand da sein musste, waren acht oder zehn Stunden. Nur in Anführungsstrichen. So dass du auch wusstest, du kannst irgendwann wieder schlafen und dich erholen ein bisschen. Das hat alles super geklappt und hat natürlich viel damit zu tun gehabt, dass wir uns auf diesen Moment, auf die Momente immer eingelassen haben, dass wir Vertrauen untereinander hatten. Was ja eins der Grund Dinge ist, die du als Improvisationsschauspielerin brauchst. Und dieser Feueralarm, den du angesprochen hast. war dann ja noch mal die Kirsche auf der Torte sozusagen, weil da haben ganz viele in dem Moment auch reagiert. Das heißt, die Menschen, die in dem Moment auf der Bühne standen, haben realisiert, okay, das ist jetzt hier keine Übung. Hier passiert jetzt wirklich was ganz anderes, was nicht geplant ist. Also es ist überhaupt nicht geplant. Das Impro ist ja nie geplant, aber das ist vom Rahmen her gar nicht jetzt mehr in der Planung. Und ist es ernst? Was machen wir? Und zeitgleich hat Die Kollegin, die uns von außen geholfen hat, was Kasse angeht, was die Organisation drumherum anging, die hat sofort ihr Handy gezückt und hat draufgehalten, wie wir auf der Bühne waren. Wir haben das Ganze ja gestreamt, das Theater war schon immer zu sehen. Jetzt aber in dem Moment war klar, da können wir die Kamera nicht mit hinnehmen. Und hat sofort das Handy gezückt. Wir sind raus, haben während des Rausgehens nicht abgebrochen, uns in unseren Rollen weiter mit dem Publikum zu unterhalten, die uns gefolgt sind. Und dann haben wir das vor der Tür in der HafenCity, vor der Hafenbühne weiter stattfinden lassen. das ungefähr so eine halbe Stunde, bis die Feuerwehr gesagt hat, alles gut, nichts passiert, es brennt hier nicht wirklich, war wohl nur ein Alarmauslöser, aber nichts Wirkliches, was da jetzt brannte. Und dann sind wir zurück und haben dann weiter gespielt. Und diese Ausschnitt ist tatsächlich eben dann dadurch auf dem Handy festgehalten worden und das Institut, worüber wir den Weltrekord gemacht haben, das war dann ja wirklich offiziell zertifiziert, hat dann auch gesagt, ja Leute, wenn ihr das nicht gemacht hättet, wäre der Weltrekord offiziell gescheitert. Das war, man nennt es dann Glück im Unglück oder aber eben Wachsein in der Sekunde, dass alle sagen, okay es geht hier weiter, wir werden hier nicht einfach abbrechen. Und ich sag mal so... So hat es nicht geendet, aber wie auf der Titanic die Kapelle haben wir weiter gespielt und gesagt, Leute, es gibt hier nichts zu sehen, gehen Sie weiter, gehen Sie einfach weiter. Oder es gibt hier was zu sehen vielmehr, kommen Sie mit uns, kommen Sie mit uns. Das war wirklich ein tolles Erlebnis, diese 86 Stunden, und das war eben die Kirsche noch.
speaker-0: Was muss zwischen Menschen vorhanden sein, damit so eine Aktion funktioniert?
speaker-1: Ich kann dir sagen, was bei uns, also wo wir dran gehen und ich dadurch meine, dass das so ist, weil ich fände es jetzt vermessen zu sagen, was muss der Mensch tun? kann ich, das würde ich lieber nicht, aber was wir machen ist, dass wir das trainieren, dass wir tatsächlich ja ganz, oft, wie soll ich sagen, so eine Art, ja, Spa für das Gehirn, für den Körper, für die Seele machen. Sprich, dass wir uns darin üben, unter Stress zu setzen. Viel spielerisch, viel mit Spaß in unserer Spontalität, die wir haben. Und dass wir dadurch untereinander so ein Grundvertrauen entwickeln und sagen, wenn ich mit dir auf der Bühne stehe, ich halte das aus, ich halte dieses Nichtwissen. weil ich jetzt nicht weiß, was passiert, diese offene Zukunft, die halte ich mit dir aus. Das üben wir, sodass du wirklich so eine Toleranzgrenze immer größer schaffst, also Ambiguitätstoleranz und was es da so für Stichworte zu gibt, sodass du auch in gewisser Art und Weise auch dadurch resilienter auf solche Dinge reagieren kannst. Training führt dazu, dass du dann untereinander im Team, wenn so etwas entsteht, weißt, auf wen kann ich mich verlassen, wer hat welche Expertisen, wo ich vielleicht auch schnell darauf zurückgreifen kann und bei wem ist es ganz gut, dass ich einfach meine Expertise jetzt vielleicht zur Geltung hole. Sprich, dass wir auch lernen in so einer Situation. nicht alles Häuptlinge zu werden und zu sagen, ich hab auch noch eine Idee, sondern dass es klar ist, es gibt jetzt ein Ziel und das verfolgen wir gemeinsam und wir gucken mal, wie wir tatsächlich jetzt aus uns heraus in dieser Situation dem Ziel näher kommen und es schaffen und nicht aus der Situation, ich möchte dabei am meisten brillieren. Das lernst du alles, dieses Verzichten, dieses Ja genau und sagen. Es gibt ja in der Improvisation diese drei Regeln. das ist ja genau. Und dass du erstmal die Situation annimmst, so wie sie ist, dass du sagst, okay, das ist jetzt so. Das heißt nicht, dass ich zu einem Ja und Aber sage. Das ist nochmal ganz wichtig. Wichtige Message. Sondern das ist erstmal, ich nehme die Situation an. Ich nehme vielleicht auch mein Gegenüber erstmal an. Dann bleibe ich im Moment und sage, okay, ich höre dir wirklich auch zu. Ich bin zwar vorbereitet, aber ich rase mit meinen Gedanken jetzt nicht im Voraus, sondern bin im Gespräch dabei. Und das Dritte ist, dass du Mut hast, was zu riskieren, dich zu zeigen, dich in irgendeiner Art und Weise vielleicht auch peinlich zu verhalten oder was auch immer dahinter steht für die Leute, wenn sie hören, Fehler machen. Es hat jetzt nichts damit zu tun, dass du einen Bankcrash verursachst und sagst, ja, nö, ich sollte ja Fehler machen. Das meine ich damit nicht. Das ist dann ja schon Es geht in eine andere Richtung. Es geht darum, dass ich mich selber aufraffe zu etwas mobilisiere, wo ich nicht weiß, wie enden wird. Also dass ich mich weiter bilde, weiter in Dinge eindringe. Und das alles zusammen, glaube ich, wenn du das immer wieder trainierst, was wir eben tun, auch schon so lange. führt dazu, dass du so was aushalten kannst, dass du dann dafür präpariert bist. Und ich sag mal so, das was wir in Unternehmen oft auch sagen, wir machen ja auch viel Unternehmenstheater, geben Trainings und so weiter, hat für uns da wirklich geklappt. Das heißt, wir haben das selber so eine Art Qualitätscheck mal gemacht, so ein Qualitätsmanagement und haben gesagt, guck mal, funktioniert bei uns auch. Also wir reden nicht nur drüber, wir machen es auch.
speaker-0: Ja und trotzdem, sprichst da einen Punkt an, der natürlich in der Wirtschaft vermutlich untervertreten ist, der im Sport und im Theater und überall völlig normal ist. Man trainiert, man trainiert, man trainiert, man trainiert und dann liefert man. In der Wirtschaft ist es eher umgekehrt. Man liefert, man liefert, man liefert und irgendwann geht man auch mal an ein Training und dann liefert und liefert und liefert man wieder. Ich finde den Gedanken ganz spannend. dass das eins Eurer Erfolgsgeheimnisse ist und ich frage mich, ob man davon nicht mehr transferieren müsste.
speaker-1: Ja, ich finde ja, dass bisher noch, also natürlich als Unternehmen musst du Zahlen schreiben, das ist Business und du hast jetzt nicht so ein Business wie wir. Also das wäre ja auch für unser Business sehr herausfordernd, wenn jetzt alle sagen, wir machen das auch immer, wir brauchen euch gar nicht, wir haben das jetzt auch geübt. Also ist ja schon gut, weil die sollen uns ja auch buchen und dass wir denen erzählen können, was wir schon herausgefunden haben. Es ist aber so, finde ich, wie du sagst auch, dass in den Unternehmen das leider, es wird immer mehr, finde ich. Also das ist auch anscheinend der momentanen Situation generell geschuldet, das wird eben immer mehr. Es ist aber immer noch zu wenig, finde ich, dass sich solche Skills, nenne ich sie mal, solche Eigenschaften, die es braucht im Team, gekümmert wird. Also es ist immer noch ein Tagesgeschäft, es ist schnelllebig. Also es wird eher umgesetzt, ja ich muss spontan und aufmerksam sein mit dem, was draußen herum passiert. Und das stimmt auch. Das ist ja auch eine Art und Weise, die wir mit den Menschen trainieren. Ich denke, es wäre noch besser und effektiver und effizienter für ein Unternehmen, das Team, wenn das Unternehmen selbst noch mehr darauf achten würde, seine Leute da mit auszubilden und mit zu schulen. Wobei ich weiß, eben du kannst nicht den ganzen Tag die Leute jetzt in die Schulung schicken und sagen, ja, wir haben jetzt jeden Abend, aber jetzt wo ich es gerade sage, aber vielleicht wäre so was wie, wir haben so eine Art Gym im Unternehmen und da kannst du abends immer zwischen 18 und 21 Uhr hin für eine Stunde und kannst dich mal wieder dran erinnern, ist ein Angebot, musst du nicht machen, aber dadurch haben wir das Gefühl, dass wir euch was Gutes tun, liebes Team, liebe liebe Mitarbeiterinnen und das genau. Das wäre schon glaube ich, also, kann ich mir gut vorstellen, so ein Impro zertifiziertes Unternehmen.
speaker-0: Neue Ideen im Podcast.
speaker-1: Ja.
speaker-0: Was hast du in den 86 Stunden über dein Team gelernt, was du vorher nicht wusstest?
speaker-1: Also, dass du dich auf alle 100 % verlassen kannst im Sinne von, ist jemand pünktlich da? Sind die vorbereitet? Ohne, dass du noch mal groß davor sagen kannst, wir haben noch mal ein Briefing eine halbe Stunde vorher, weil das muss ja immer alles ineinander gehen. gab zwar irgendwo in der Cloud, das sind alle Formate, die wir spielen werden. Leset euch die durch. Und das haben tatsächlich alle getan. Es war also nicht, dass du irgendetwas kontrollieren oder noch mal checken musstest. Es waren also alle gut vorbereitet. Es waren alle auch aufmerksam auf der Bühne und haben eben gemeinsam für das Ziel gearbeitet. Wir wollen diese 86 Stunden. Da ist also keine Person von uns aufgetaucht, die in irgendeiner Art Weise auch jetzt schlechte Laune verbreitet hat und gesagt hat, jetzt kann ich nicht mehr, es ja schon 43 Stunden und noch mal, das kriege ich nicht hin. Und das alle wirklich mitgezogen haben und das war irgendwie toll. war jetzt, also von der Überraschung her eher so, ich, ich war so total, auch wenn das ein blödes, sage ich mal Grundschullehrer. und Eltern ein Wort ist. Aber ich war so stolz auf die Truppe, auf die gesamte Mannschaft, die das getragen hat. Also nicht nur auf der Bühne, sondern auch neben der Bühne, die da nochmal an Sachen gedacht hat, die immer für die jeweilige Situation war. Also da waren ja so viele, wenn so willst, auch Fehler, die du nicht bedenkst, die aber irgendwie jemand von außen oder von innen gesagt hat, okay, ich mach das jetzt. Ich will dafür auch keinen Lob oder einen Orden oder ich will jetzt auch dafür nochmal extra erwähnt werden, sondern ne, das mache ich jetzt einfach, weil das braucht die Sache und ich muss das auch nicht nochmal extra ein tausendmal erwähnen, dass ich das und das getan habe. Und das hat mich so fasziniert, dass das eigentlich bei jedem so war und das hat mich sehr gefreut, wo du dann denkst, ja, das sind einfach tolle Leute, mit denen ich arbeite. Und das ist das, also dass du dann nochmal die Menschen anders kennenlernst und wie soll ich sagen, das ist dann so ein großes Wort, aber du verliebst dich plötzlich in alle und denkst so, ey, es ist echt eine tolle Truppe hier. Wir machen das schon irgendwie ganz richtig. Und dann hast du eben auch die Dinge, sonst im Alltag passieren, wo du das, er hat das Fenster offen gelassen, sie schon wieder. Kommt natürlich wieder fünf Minuten zu spät, dass du das mal wieder relativierst und sagst, komm, entspann dich. Also wenn es drauf ankommt, sind sie da. Also was will ich denn hier jetzt so klein kariert mir alles anschauen?
speaker-0: Du hast eben einen Satz verwendet und den hast du in unserer Vorbereitung auch verwendet, aber in unterschiedlichen Kontexten. Du hast ihn jetzt auf die 86 Stunden bezogen und du hast ihn in unserer Vorbereitung auf die Gründung deines Unternehmens, der Steifen Brise, in 1992 bezogen. Du hast gesagt, das Ganze hat angefangen, ohne zu wissen, wo es endet. Was wolltest du damals eigentlich erreichen, als du die Steife Brise gegründet hast?
speaker-1: Das ist eine gute Frage. ist sehr gute Frage. Ich wollte, glaube ich, erreichen wollte ich Spaß. Ich hatte Spaß an dem, was ich da mache. Und ich hatte Spaß mit den Leuten, die zu dem Zeitpunkt da waren, das zu machen und zu erleben. Und habe die auch total lieben und schätzen gelernt. Davon ist jetzt nur noch eine Person vorhanden und zwar meine Frau, der ich dann irgendwie nachdem wir fünf Jahre das, ich sag mal, semi-professionell gemacht haben und nebenbei immer noch was anderes gejobbt haben, gesagt haben, nee, jetzt lass uns daraus eine Partnerschaftsgesellschaft gründen, im wahrsten Sinne des Wortes, wir sind Partner, machen wir eine Partnerschaftsgesellschaft, dann bist du zumindest da eine juristische Person und dann... ist das losgegangen, 97 so richtig. Also 92 wurde die steife Brise mehr oder minder gedanklich und im Machen und im Tun gegründet, aber 97 wurde es dann eine Partnerschaft und es war dann richtig eine Firmierung, wenn du so willst. Und das hat sich tatsächlich aber über die Jahre so ergeben, dass es denn immer wieder Spaß war, dass es immer wieder Freude war, dass es immer wieder einfach die Lust, also man hat sich auf die Auf die Wochenenden, hat sich auf die Abende, wo man dann trainiert hat, weil da war noch nicht tagsüber, das war dann wirklich erstmal Hobby, habe ich mich gefreut. Das war dann auch erlösend. Man war irgendwie gelockert und gut gelaunt danach, konnte auch die Woche weiter gut überstehen, hat sich gefreut, die Menschen wiederzusehen. Und das war irgendwann auch Teil dessen, was, glaube ich, unsere Art und Weise von Theater und der Umgang damit ausmacht, dass du dich nach so vielen Jahren immer noch auf die Menschen freustest. dass du dich auf den Auftritt freust, dass du dich auf deine Arbeit freust. Und als dann unsere erste Tochter unterwegs war, das war 97, abzusehen, dass sie geboren wird im Sommer, haben wir gesagt, jetzt, oder jetzt mal gut mit den Faxen, jetzt musst du mal gucken, gibt es eine Familie, Thorsten, da muss was draus werden. Das war auch ein Antrieb, sagen, ist jetzt auch Spaß, wird ernst. Also nicht nur eine Tochter, sondern das wird auch wirklich ernst ein Unternehmen. Und das war ja auch so ein Antrieb. Und das ist tatsächlich dann toi toi toi bis heute natürlich mit, sag mal, sehr viel auch da. Dinge, die man hätte von Anfang an besser machen können und so weiter. Dann gestartet. zu denen, dass wir jetzt 34 Jahre unterwegs sind. es immer noch Spaß macht und mittlerweile unsere Tochter mit im Führungsteam ist. Und auch das, ohne dass wir es geplant haben, aus freien Stücken hat sie irgendwann, als wir sie gefragt haben, gesagt, ja, das kann ich mir vorstellen. Dann gab es so ein Vorbereitungsjahr, zwei Jahre, wo sie das ausprobieren konnte. Und jetzt ist sie seit Anfang diesen Jahres dabei. Ja, und das freut uns natürlich sehr, dass plötzlich aus so einem Gedanken und aus so einer super Idee so ein kleines Familienunternehmen jetzt wird, dass sie jetzt die Hauptmütze auf hat. Wir sind ja sechs Partnerinnen, also das ist schon gut verteilt. Trotzdem, das sozusagen unsere DNA, wenn man das so sagen will, tatsächlich auch in einer steifen Brise erst mal weiter vorhanden bleibt.
speaker-0: Wann hast du zum ersten Mal gemerkt, dass daraus mehr werden könnte als im Theaterprojekt?
speaker-1: Das habe ich Anfang der 2000er gemerkt, als ich mich mit meiner Frau und einem damaligen Kollegen, der jetzt nicht mehr bei uns ist, hingesetzt habe und das erste Mal so eine Art Businessplan angefangen hat. Das war Thorsten Voller, kam aus der damaligen, waren ja ganz viele diese Internetseiten, großen Firmen, da so eine riesengroße Blase, und da war er auch bei einer. da eingestiegen, war davor auch schon bei uns, dann hat er mal ab und zu mitgeprobt, ist dann aber gegangen, weil er gesagt hat, da habe ich jetzt einen Job, ich auch gut Geld verdiene und so weiter. Das war dann aber nur für zwei Jahre, drei Jahre und dann ist diese Blase geplatzt, dann kam er wieder, war gerade in so einer Umschulung vom Arbeitsamt, hat dabei jemanden kennengelernt, der gesagt hat, pass auf, wenn du selbstständig werden willst, kann ich dir jetzt ein bisschen helfen. Dann kam er auf uns und sagte, du, was wäre, dann werden wir hier mal so richtig so einen Businessplan einführen. Und plötzlich haben wir mit Zahlen jongliert und gesagt, stell dir mal vor, was wollen wir denn erreichen im Jahr? haben uns mal die einzelnen Bereiche angeguckt bei uns. Und da ging es los. Das war so Anfang der 2000er. Und da fingen wir dann an, ganzen Formate so zu strukturieren, zu wissen, das gehört auf die Bühne, ist also ein öffentlicher Bereich. Wenn wir also Theater spielen, ist das das Format. Das ist für die. Theater Schule, wenn jemand das wie auch immer, egal wer es ausprobieren möchte, kommt er oder sie zu uns. Und das sind Sachen, die kann man im Business Theater machen. Also da wurde ganz klar die Business Theater Sparte gegründet, erfunden und bekam immer mehr Ideen und dann jetzt letztendlich auch. Und da hat meine Frau super von vornherein investiert, das Ganze, sag mal, schaffen in der Steifenbrise und zwar die Business Seminare. Also das ist da wirklich eine richtig große und immer noch sehr erfolgreiche Sparte entstanden ist, wo wir eben, was wir eingangs schon besprachen, in Unternehmen gehen und mit unserem Wissen, mit Menschen arbeiten und schauen, dass wir da, wie soll ich sagen, ja auch so eine Art Persönlichkeitsentwicklung für jeden hinbekommen, zu sagen, also tatsächlich bis in die Richtung, dass wir sagen, ist das Unternehmen, in dem du arbeitest, überhaupt das Richtige?
speaker-0: Ja. Ihr werdet in den 34 Jahren, du hast jetzt relativ klar von drei Formaten gesprochen, ich gehe davon aus, in den 34 Jahren sind immer mal wieder neue dazugekommen und weggegangen. Wie entscheidet man, welche Gelegenheit man verfolgt und welche man vorbeiziehen lässt?
speaker-1: Du, wenn ich das wüsste, das ist tatsächlich nicht so einfach. Also es ist ein Gefühl, dann ist es Recherche, wo du das... okay. Dann guckst du gerade, was ist Thema. ich sag mal, seitdem es solche Portale wie LinkedIn gibt, kriegst du ja so ganz schnell drüber, was wird gerade besprochen, was ist so drin. Bis hin, du, du so Fachzeitschriften liest, dass du auch sagst, okay, jetzt ist gerade Transformation ein großes Thema, Digitalisierung ist eigentlich schon... Also und das sind... Alles Sachen, die nicht unbedingt immer neu sind oder unerwartet, aber die dann da sind. Und dann fängst du an und sagst dir, okay, was kannst du mit dem, was wir machen, da andocken? Und den Menschen auch eine andere Perspektive geben zu ihrem Thema, da noch besser zu werden. Also ich sag mal, es gibt ja jetzt richtige Innovationsunternehmen und Studios, die genau das auch machen. und sagen, wir wollen das Unternehmen auf eine neue Ebene bringen und euch mal auf neue Gedanken. Da habe ich aber ein, zwei so kennengelernt und ich dachte zuerst, das ist ja genau das, was ich auch so denke, was wir machen könnten. Innovativ mit den Unternehmen arbeiten und wirklich mal die auf ganz andere Ideen bringen. Und dann habe ich kennengelernt, dass es ja eine sehr trockene Arbeit ist, wenn es so Innovationsmanager und so weiter, was es alles gibt mit Unternehmen. Das waren so ganz, ohne da irgendjemandem zu nahe zu drehen, aber auch so Menschen, ich dachte, ach du bist für die Innovation zuständig. das ist ja sehr technisch gerade, also sehr Nullen, Einsen und noch eine Liste und noch eine Tabelle erstellen. So. Und das wäre zum Beispiel auch so Punkt, ich denke, da bin ich auch gerade dran mit einem anderen Kollegen aus dem Innovationsinstitut, dass wir sagen, wie kann man Improvisation und Innovation so zusammenbringen, dass es was Neues, was Interaktives bringt, also dass ich das erlebe. sind dafür da fürs Erleben. Also wenn ich Fehlerkultur höre, klar gibt es Seminare, Vorträge, wir lassen das die Leute erleben in einem gesicherten Rahmen mit Spaß, mit guter Laune. Aber zu sagen, ach guck mal, das kann ich. Also so fühlt sich das an, Stift an. so, und dann passiert das. Ach, dann schmeißen wir das wieder weg und fangen eine neue Idee an. Das ist jetzt gar nicht so schlimm. Es muss nicht perfekt sein, das mal selber kennenzulernen. das, ja. Also das sind so Sachen. Die Eingangsfrage war ja, wie kommt man immer wieder auf neue Ideen? Oder weiß, welche Formate jetzt gut sind? Durch sowas, dass du dein Netzwerk hast, guckst, wie sieht es geradeaus und auch manches Glück, dass es dann was passt, was auch gerade gesucht wird.
speaker-0: zu einer Phase, die schwieriger war. Improvisation klingt zunächst nach Freiheit, Möglichkeit. Während Corona wurde Ungewissheit dann jedoch existenziell für die steife Prise. Was war für dich persönlich das härteste an der Zeit?
speaker-1: Also das härteste war tatsächlich auch, dass du Menschen nicht mehr treffen konntest und Improvisation braucht die Interaktion mit den Menschen wirklich eins zu eins. Und es war so persönlich dieses Thema plötzlich, dass ich auch ehrlich gesagt an dem, was wir an Haltung hatten oder haben, in der Improvisation eine Zeit lang sehr unsicher war, ob ich das überhaupt jetzt auch selber benutzen kann, ertragen kann die Situation, weil das brauchte ja schon eine ganz, ganz Riesenportion. von dem aushalten können, ertragen können, die Situation usw. annehmen können, was ich so sagte. Und da habe ich so selber gemerkt, wo meine Grenzen sind. Punkt. Das hat aber, glaube ich, jeder gemerkt. Das war wirklich so neu, das war ja wirklich kaum ... Hätte keiner, glaube ich, gedacht, dass das so passiert.
speaker-0: Du hast im Kennenlernen gesagt, du habest dich zeitweise als Person insolvent gefühlt. Was hast du damit genau gemeint?
speaker-1: Als Selbstständiger bist du ja eigentlich auch immer selbst ein Unternehmen und hast Ideen. Und da dachte ich, ich habe gerade keine Idee. Ich weiß nicht, was ich hier machen soll. Ich bin am Ende. Was auch dazu führte, ich hatte davor so drei Jahre Depression, so eine Therapie. Es war jetzt keine große, aber es war so, dass ich merkte, bin plötzlich, ich funktioniere anders als sonst. Die war gerade fertig und dann kam dieser Knaller mit Corona und ich dachte, na super, das ist ja jetzt ... Und ich glaube, das war ganz gut, dass die Therapie davor fertig war, sonst weiß ich nicht, was da passiert wäre. Dann wäre ich noch insolventer geworden, so eine persönliche Aufgabe und gesagt, nee, ich mach was ganz anderes. Ich werde jetzt Lokführer oder so. Und das hat aber, und da kam auch wieder die Impro, da kam die Gruppe, da kam die steife Brise, weil wir waren natürlich dann irgendwie doch gezwungen, weiter auszutauschen, zu treffen. Das, was wir jetzt machen, der Podcast mit Video und so weiter. Also ob es jetzt Teams war, Zoom oder wie auch immer, war plötzlich ja mega, da Sachen auszuprobieren. Und da kam auf meiner Seite dieses spielerische und da müssen wir was ausprobieren. Ach, das ist ja witzig. Das ist die Technik, mit der ich sonst nie gearbeitet hätte. Weil das für mich ... Einfach nur leider, ich würde gerne jetzt neben dir sitzen und mit dir reden. Das ist schon super, was wir hier machen. Ich denke so richtig mit Carsten jetzt, sagen, alles klar dabei. Was ist ich, danach noch ein Wein trinken gehen oder was auch immer. Aber jetzt ... Das ging einfach nicht anders. Und trotzdem hatte ich plötzlich Lust mit anderen Menschen, die auch dazu Lust hatten, was wie so eine ... so eine eingeschworene Gemeinschaft zu bilden und zu sagen, okay OBS, was können wir damit machen? Wenn wir dann in Teams oder in Zoom gehen, wie können wir so ein kleines Studio aufbauen, das vielleicht Menschen ansprechen, die gar nicht bei uns sein können? Die Unternehmen fingen auch an, sich danach umzugucken, dass sie hybride Dinge oder überhaupt nur digitale Dinge jetzt auf den Markt bringen, weil sie sich auch nicht treffen dürfen. Und das war tatsächlich so ein Eldorado an Ausprobieren. Und das hat mich so ein bisschen, sag mal wieder hervorgeholt aus dieser Insolvenz, also ja fast Insolvenz. Und auch da war die Gruppe einfach toll, dass du mit den Menschen, mit denen du zu dem Zeitpunkt daran gearbeitet hast, auch gesagt haben, ja klar, können ja nichts groß verdienen, aber solange wir uns abends noch eine Pizza bestellen können, ist doch alles super. Und das war wieder wie so ein Refresh, so ein Refresh-Startup unternehmen, was genau diese Spirit ja oft hat. Das wird das auch nochmal wieder so. in uns reinbekommen haben. Und das hat uns tatsächlich durch diese zwei Jahre so harten Lockdown doch gut durchgezogen und im Leben erhalten, sodass du danach wieder rauskamst. Hat es ein paar Federn gelassen, weil da sind einige Menschen so von der steifen Prise dann auch gegangen, einige sind wieder darin dazugekommen, hat sich geändert. Da haben wir uns aber geschüttelt, wieder aufs Team geguckt, das Kernteam ist da zusammengeblieben und ja, hat sich dann, wie soll ich sagen, nicht neu gefunden, aber so berappelt und zu sagen, guck mal, das haben wir auch geschafft. Das war tatsächlich oder ist immer noch so in den Hinterköpfen. Also selbst das haben wir überlebt. Dass das jetzt nicht so war, wir nicht über finanzielle und private Dinge und Miseren sprechen, das betrifft dann noch ganz anderes Feld. Das war schon wirklich nicht einfach, die Zeit. Nur hat die steife Brise, dadurch überlebt das auch das. Das konnte besprochen werden, konnte diskutiert werden, unterschiedliche Meinungen aushalten. Zu sagen, bin ich geimpft, bin ich nicht geimpft, sowas und nicht. Natürlich gab es Diskussionen und manche waren mehr angetriggert als andere. Aber wir konnten das sagen und wir konnten unsere Meinung hier austauschen und aushalten. Und ich glaube, auch das hat es gezeigt.
speaker-0: Das finde ich gerade sehr spannend. Du sagst auf der einen Seite, das Team war dein Rückhalt und genau in dem Team gab es aber fundamentale Meinungsverschiedenheiten über das Thema, wie auch in der Bevölkerung, wie überall. Wie kann etwas gleichzeitig Rückhalt und Zumutung sein?
speaker-1: ... dass du den Menschen siehst. Also Rückhalt in dem Sinne, dass ich bis heute ja weiß, dass egal wie ich mit dem Menschen verblieben bin oder was da ist, ich ja weiß, wir haben eine gute Zeit miteinander verbracht und ein Mensch kann sich ja jetzt, ja nie, oder ich sag mal, vom Grund aus ein Mensch ist nicht böse. Punkt. Warum und welche Taten er dazu tut, denn vielleicht irgendwas später zu machen, aber vom Grundprinzip tut mir ja niemand irgendetwas, irgendwas anderes zu boykottieren, wenn ich in einer Gruppe bin. So, und die Steife Brise, was da in der Gruppe war, war, alle, die ihr Meinung jetzt kundtaten, haben es nicht getan, die Steife Brise zu boykottieren, sondern weil sie persönlich eine Sorge hat. Und das irgendwann mal zu trennen und zu sagen, das ist nicht gegen mich persönlich, das ist die Sorge von der Person. Und konnten wir halt immer über das Unternehmen sprechen und sagen, was machen wir denn damit? Was machen wir denn im Theater? Also was machen wir denn mit der steifen Brise? Weil wir jetzt alle nur das tun, was wir wollen, kommen wir nicht weiter. Ja, dann haben wir unsere Meinung und dann werden hier ganz neue Teams plötzlich entstehen. Und... Da war auch wieder die steife Brise der Bereich, wo wir sagen konnten, du bist nicht geimpft. D.h. du kannst nicht auf Auftritte, du kannst das aber organisieren, kannst das dafür sorgen, du kannst das dafür sorgen. Und dann gehen halt andere dahin. Und nicht die, die hingehen, fangen an und sagen, du bist ja nicht geimpft. Du hast es ja fein, wir müssen hier arbeiten. Dass da nicht solche Gräben entstanden, Gott sei Dank. Trotzdem war natürlich diese Diskussion da, aber ich glaube, ist das, was es ausgehalten hat. Dieser Rückhalt dieser Gruppe, eben das eine, was du meinst, konnte uns aushalten lassen, dass wir auch Differenzen hatten. Also das ist da sehr unterschiedlich.
speaker-0: Wir haben im Vorgespräch über das Thema lange gesprochen und wir sind jetzt organisch da rein gewachsen in das Thema. hast gesagt, dass dich heute besonders beschäftigt, wie schwer es geworden ist, andere Meinungen auszuhalten und dass du die Fähigkeit auch bei dir selbst immer wieder trainieren müsstest. Warum beschäftigt dich dieses Thema so sehr?
speaker-1: Ja, Also erstmal glaube ich, was ich eben schon sagte, es ist von Grund aus ja so, dass niemand eine Meinung einnimmt, weil er damit per se andere verletzen will. Davon gehe ich aus, dass es dem Großteil nicht so geht. Sondern dass das, was ist, oft daher rührt, dass ich aus meinem Umfeld, was ich habe, eine gewisse Ja, ich habe einfach diese Stränge, habe diese Werte, habe diese Sachen und jetzt passiert etwas, was da so dran ruttelt, dass ich aus dem Konzept gebracht werde und jetzt taucht vielleicht eine Partei auf oder Menschen, die was erzählen und sagen, das ist ja eine einfache Lösung. Also klar, und endlich tut mal jemand was, weil ich ja auch erlebe, dass die anderen gar nichts tun über die Jahre, dass das ja auch nur eine Lobby ist und so weiter. Also solche Sachen tauchen dann auf. Und ich finde, ja, das kann ich mir erst mal anhören. Und das gilt es aber auch wirklich zu trainieren, weil das kennen wir ja alle. Das ist ja nicht einfach, wenn jemand im Freundeskreis plötzlich sagt, du ich will übrigens die AfD. Ja, dann kriegt man Schnappartnung und sagt, was ist denn hier los? So kenne ich dich gar nicht. Aber das wären ja schon mal so zwei Sätze, die zumindest Bereitschaft zeigen und nicht sagen, ja, raus aus meinem Haus. Und das hat, ich, viel damit zu tun, dass wir, wenn wir unterwegs sind, immer mehr in Blasen unterwegs sind, also in unserer Gemeinschaft, so wie wir es finden, so wie wir sagen, ich gehe abends immer raus und ich treffe ja immer coole Leute. sage ich, ja, das ja auch bestimmte Läden und das ist überhaupt kein Vorwurf. Also dadurch trägt sich ja weiter auch mein Miteinander. Und dadurch, dass durch die Medien Ich auch gar nicht dann weiter was anderes mitkriegen muss, sondern ich kriege da ja die freie Meinung zugespielt, sprich Algorithmus und so weiter. Ich will da jetzt gar nicht tiefer eingelaufen. Ich kann mir ja auch die raussuchen, die jetzt genau für meine Meinung passen. so mache ich mir das einfach, mache ich meine Blase, baue ich die weiter aus. Und so wie da jetzt jemand reinkommt, fange ich an sofort zu sagen, nee, das geht gar nicht. Ob es mit der eigenen Meinung ist, ob es jetzt mit politischer Meinung ist, es einfach der Umgang ist mit Menschen, ob es darum geht, was für eine Farbe ich trage, ob ich einen Tesla fahre oder nicht und so. Und plötzlich werden die Dinge immer fundamentaler. Es gibt da überhaupt gar nicht mehr der Bereitschaft. Und die wünsche ich mir einfach mehr. Und da ist auch dieses Training sozusagen, komm doch dazu. Wie schaffen wir das? Ich hab jetzt auch nicht die Lösung. Was du eingangs sagtest, ich bin jetzt nicht der, wenn du auf mich triffst, wir würden irgendwann auf eine sehr unterschiedliche Meinung kommen, dass ich jetzt, glaub ich, per se ein Vorzeigebeispiel wäre zu sagen, so wie Thorsten muss man's machen. Ich würde wahrscheinlich auch Schnappatmung kriegen. Nur, wie du schon sagst, mir ist es dann auch bewusst. Dann würde ich sagen, lass uns da noch mal reden. Tut mir leid, ist mir was ausgeklinkt. Also dass wir da üben und dass wir uns da auch mehr auf das verlassen, dass die Menschen, mit denen wir zusammen sind und die mit uns jetzt unsere Meinung haben, dass die mir erstmal nichts Böses wollen. Wenn ich eine Frage stelle, ist das erstmal noch eine Frage und nicht sofort was Persönliches. Und alles, was in diese Richtung geht, ob es jetzt links, rechts, Mitte ist, finde ich, hat so eine gewisse Polemik. Ich will mal gleich etwas erreichen, ich will Sachen ergänzen, ich will... Deshalb mache ich das, dagegen zu sein, dafür zu sein. Und vielleicht ist ein Beispiel, wenn man Kinder kriegt irgendwann und ich habe vier mit meiner Frau, dann ist es ja nicht so, dass du bei einem Kind weißt, wie es funktioniert, sondern dann kommen noch mal drei hinterher und du denkst, ach guck, was ist das denn? Und dann hast du auch drei Menschen oder vier Menschen, die plötzlich auf solche Sachen ganz anders reagieren, als du reagieren würdest. Das beste Beispiel ist immer, denkst du, ich bin ja so tolerant, ich bin ja Impro-Spieler. Ich hab schon Musik gehört, hör auf. Dann kommt dein Sohn die Ecke und sagt, das ist die Mocke, musst du hören. Du denkst, ich muss mir erst mal die Ohren waschen, das geht gar nicht. Und das zu kapieren und zu sagen, ich lieb ja meinen Sohn, er ist ja mein Sohn. Ich könnte rausgehen und sagen, Musik hört man nicht. Verlassen Sie mein Haus, ist doof. Also wie kriege ich da hin, genau so ein Arrangement zu schaffen, zu sagen, einatmen, ausatmen, wie komme ich mit Ihnen ins Gespräch, wie nehme ich ihn auch, wie respektiere ich ihn, dass ich ihn wertschätze und nicht von oben herab sage, ja, mein Sohn, komm erst mal an Alter. Und das ist, glaube ich, ganz gutes Beispiel, weil was mit Meinung ist, die Menschen fangen an, ihre Meinung von oben herab zu sagen. Also, Rennwagen, Formel 1, guckt man schon lange nicht mehr. Das ist ja viel zu blablabla, weißt du sowas. Und das wünsche ich mir, dass man sich begegnet. Und das ist schon die einfache Form, ohne gleich so vorauszusetzen, der andere lässt mir ja keine Chance. Ich nehme dich erst mal wahr. Ich nehme dich wahr und nehme dich ernst mit dem, was du da sagst. Und komm nicht gleich mit irgendwelchen komischen ironischen... weil ich ja auf der Seite der Rechthabenen bin. Das wäre aber mein Wunsch und da trainiere ich auch die ganze Zeit dran, dass ich tatsächlich meine Kinder als Sparringpartner nehme oder hier bei der steifen Prise weiß, es sind Menschen, haben die und die Meinung zu dem und dem und dass man mit denen wirklich in so Debattierklubs einfach mal eine Meinung reinwirft und auch guckt, wie reagiere ich, wie reagieren die anderen, damit ich das mal weiter verfolgen würde. Wo hört meine Akkumentationskette auf? denke, okay, jetzt könnte ich hier nur noch polemisch irgendwas raushauen. Und das wünschte ich mir, dass das mehr in die Gesellschaft wieder eindringt. Also, dass wirklich miteinander reden, aushalten und auf einer Augenhöhe sich Sachen sagen, die man unterschiedlich sieht.
speaker-0: Wo liegt denn für dich die Grenze zwischen ich akzeptiere, dass du anders denkst und hier muss ich widersprechen?
speaker-1: In den Taten. wenn jemand anfängt, tatsächlich zu verprügeln oder Dinge so zu machen, dass ich sage, nee, das ist jetzt, finde ich, vom Grundgesetz her, von dem, wie ich sagen würde, was die erste Hilfe angeht, wenn jemand übergriffig wird gegenüber Frauen oder so zum Beispiel, überhaupt gegen anderen Menschen und da so, dann würde ich sagen, nein, stopp, das greift jetzt definitiv. Das ist jetzt kein Gespräch mehr und kein Austausch. Das ist jetzt eine Handlung, wo es nicht geht. Wenn jemand mir so viel Senf erzählt und auch beim dritten Mal mir irgendwas erzählt und mir nicht zuhört, dann kann ich sagen, das ist es ja nicht. Also es geht immer den Austausch. Habe ich das Gefühl, ich bin im Moment mit dem anderen, haben wir ein Ja, Genau und Moment und geben wir vielleicht auch mal Fehler zu. Da sage ich, stimmt, ist ja eine spannende Perspektive. Oder höre ich von dem anderen nur, wie es ist. oder lenkt er oder sie auch ein. Das ist, glaube ich, meine Grenze. Wenn das nicht wäre, wenn da nichts passiert, ich sagen, dann hat das jetzt auch erst mal überhaupt keinen Sinn. Ihr könnt es ja noch mal in drei Jahren versuchen, keine Ahnung.
speaker-0: Was passiert mit Rückhalt, wenn zwei Menschen fundamental unterschiedlich auf die Welt schauen?
speaker-1: Dann würde ich ja mal gucken... Wie weit haben die beiden Menschen eine Verbindung? Also sind sie Partnerinnen, Partner? Sind sie Arbeitskolleginnen? Sind sie in ihrer Freizeit unterwegs? Haben das gleiche Hobby oder so weiter? Und können sie daraus den Rückhalt nehmen für das, was sie jetzt an unterschiedlichen Sichten haben, das zu besprechen? Also hält es das aus? Hält es das zusammen? Hält es Ja, also kann ich eben mit diesen unterschiedlichen Meinungen nebenher leben, weil ich den anderen für seine Expertise in einem bestimmten Fach achte, weil ich total in diese Person verliebt bin und denke, ja, okay, ist jetzt aber auch, ist so wie es ist. Ich kann einfach nicht anders, Ahnung, ob es denn gesund ist, weiß ich nicht. Aber ist es... Ja, im Sport, ich ja mal sage, das ist aber auch unsere Torkanone. Also da finde ich schon, das ist schon wichtig für die Mannschaft. Also kann ich gucken für den Rückhalt, haben wir ein gemeinsames Ziel und ist dann eventuell das nicht so. Fokus nicht so schlimm, ich jetzt sagen, aber es hat ja nichts mit schlimm oder mit schlecht zu tun. Es ist einfach so, dass wir es deshalb trotzdem aushalten können. Ich sage, wir wissen ja, was unser gemeinsames Ziel ist. Und das würde ich aber immer vergleichen. Ich würde immer wieder gucken, ist der Rückhalt immer noch der gleiche? Ist es Vertrauen, meinetwegen? es das Vertrauen in eine Beziehung, wo du sagst, ist das, auch wenn ich unterwegs bin als Schauspieler, als Schauspielerin. Jetzt in meinem Fall und ich treffe ganz viele andere Leute, bin ich auch wirklich treu, meine Wegen, so was. Bin ich da so unterwegs? Es ist der Rückhalt. Es gibt mir das Rückhalt des Vertrauen und das sage ich ja. Und wenn ich das im Unternehmen genauso habe, dass da so ein Vertrauen ist, und jetzt komme ich wieder zu den 86 Stunden und du merkst, dass in so einer schwierigen Herausforderung die Leute funktionieren im Sinne von, dass das so toll ist, die zu sehen. Finde ich, gibt es wieder Rückhalt. Ich würde oft, glaube ich, wenn so was auftritt, so eine Frage, da fange ich jetzt gerade an, merke ich, während ich rede, nur nachzudenken und weiter, so was Extremes tatsächlich wie die 86 Stunden, jetzt kann man gucken, welche Beispiele man noch hat, dass man sich noch mal in anderen Möglichkeiten begegnet, dann wiederum den Respekt und den Rückhalt füreinander zu erkennen und wiederherzustellen. Egal, ob es der Alltag ist, der einen auseinandergetrieben hat oder die unterschiedlichen Sichtweisen auf den Businessplan. Und dann zu sagen, ja, aber das funktioniert und das können wir echt, da können wir uns drauf verlassen.
speaker-0: Danke. Ich komme nochmal zurück auf ein Thema von Anfang. Ihr habt nie geplant, ein Familienunternehmen zu werden, gehe ich von euch. Jetzt werdet ihr es ja trotzdem teilweise. Was möchtest du deiner Tochter unbedingt weitergeben?
speaker-1: Also, sie bei Spaß bei der Sache ist, dass es keine Pflicht ist, das zu tun, sondern je mehr Pflicht es ist, desto mehr Druck kommt dahinter und dann bin ich auch nicht mehr offen für vielleicht neue Sachen. Und dass sie Fehler machen soll. Also genau das, was ich davor sagte, wenn das doch mal passiert, sich nicht zu selbst zu geißeln, weil ich finde, beim Mut zum Fehler ist auch wirklich, selber nicht so ernst zu nehmen. Und da kommen wir wieder auch zu den ganzen anderen Themen, die wir besprochen haben. Das tun leider Menschen in letzter Zeit so sehr, dass sie sich so ernst nehmen. Zu ernst nehmen. Und dann denke ich, das Leben ist zu kurz, das irgendwie so durchzukämpfen. Und ich habe wirklich ein gutes Gefühl. Meine Tochter sagte irgendwann mal bei irgendeiner Diskussion, also wo es darum geht, ist das Auto weiß oder war es blau? Dann sagte sie, also wenn du auf diesem Hügel jetzt, bei dieser Argumentation sterben willst dafür, dann stirb. Das Gefecht, das treffst du immer noch nicht aus. Es geht also weiter. Dann musste ich auch so lachen, wo ich dachte, stimmt, ist jetzt gar nicht, es geht ja nur eine Farbefall. Das Auto ist trotzdem gefahren. Genau, und da denke ich, da bin ich echt cooler Dinge. Meine Frau und ich sind beide sehr glücklich, dass sie sich für uns entschieden hat.
speaker-0: Ist loslassen schwieriger auf der Bühne oder im Unternehmen?
speaker-1: Unternehmen.
speaker-0: wird überraschen.
speaker-1: Warum? Also, ich die steife Brise oder während die steife Brise schon gab, es aber noch ein Hobby war, habe ich drei Jahre lang war ich Eiskonditor. Das habe ich nie gelernt. Ich habe es mir beibringen lassen und dann Gesundheitszertifikat und so weiter. Und dann habe ich mit Kolleginnen zusammen eine Eisdiele geführt und ich war zuständig fürs Eis. Ich konnte da schon nicht, es ging das Produkt Eis, ich konnte es nicht verkaufen. Weil wenn die Leute vorne standen und anfingen zu mekeln, bin ich ausgerastet. Ich war kein guter Verkäufer, weil ich habe es total persönlich genommen. Und genau das ist bei der Steifenbrise auch. Ich habe das ja nun gegründet, ich habe ja nun alle viele Phasen durchlaufen und wenn jetzt meine Wünsche Kritik aufpoppt, außerhalb meiner Wegen auf die steife Brise bei einem Auftritt, bei einem Training, wo ich gar nicht dabei war, nehme ich das immer noch persönlich. Oder es wird besser, sagen wir mal so. Also es war noch schlimmer früher. Das heißt, dass ich dann wirklich reingehe und denke, warum ist das so? Wir können doch nicht und so. deshalb merke ich dieses Loslassen auf die Verantwortung zu sagen, Torsten, das ist nicht dein Verantwortung. bist dafür gar nicht verantwortlich, ist gar nicht dein Bereich. Also lass doch die Leute darüber reden, wie es angeht. Mach dir nicht den Wutkasper. Das wird immer besser. Ich hoffe, das wird irgendwann ganz weggehen. Aber da lasse ich das lieber los. Und auf der Bühne ist es so, wenn ich eine Idee habe und die anderen Leute haben eine andere Idee, dann muss ich nicht unbedingt mehr meinen Lacher noch durchbringen. Sondern ich nee, es ist jetzt für die Geschichte. Dann nehme ich mich einfach zurück. Was wir vorhin ja eben auch so für die miteinander im Teams hatten, ist das ja auf der Bühne, wenn wir Geschichten erzählen, so, dass wir sagen, nee, wir gehen für die Geschichte und nicht dafür, dass ich ja jetzt gut aussehe. Das ist mittlerweile ganz leicht.
speaker-0: Wenn du heute auf mehr als drei Jahrzehnte steifepriese schaust, was hat sich in deinem Verständnis von Rückhalt verändert?
speaker-1: Also zum einen ist der Rückhalt dadurch anders heute, als dass wir als wir anfingen ein Start-up Unternehmen und eine Start-up Truppe waren, die ja ich sag mal die alles gemacht hat erstmal und ausprobiert und wo das noch mal eine ganz andere eingeschworene Gemeinschaft war. Und das hat sich natürlich jetzt mit den Jahren geändert, auch mit den Generationen und so weiter. Jetzt bist du eben ein etabliertes Unternehmen, wo du nicht mehr sagen kannst, ja und morgen Abend, dann machen wir diese Straßentheateraktion. Dann werden alle sagen, ja ok, was kriege ich denn dafür? Und zu Anfang konntest du sagen, also das ist ein anderer Rückhalt und das musst du natürlich irgendwann checken und zu sagen, es ist ja gar nichts gegen dich, jetzt kommen wir wieder zu ihm loslassen. Es ist nicht gegen mich, es ist jetzt von der der Menschen, dass die sagen, nee, also warum sollte ich das jetzt tun, Thorsten? Das jetzt, das steht gar nicht in meiner Abmachung. Und das hat aber nichts damit zu tun, dass der Rückhalt weg ist. Also Rückhalt ist immer noch da. Es ist nur das andere umgehen damit oder anders umgehen damit und meine Erwartung, ist dann, die ich den rekalibrieren muss oder so. ja, der Rückhalt ist immer noch da. Also ich habe da immer vollstes Vertrauen zu den Menschen, die jetzt in einer steifen Brise sind, zu sagen, wir tun das alles dafür. Und wenn nicht, ich dich ja fragen, ob das so ist oder ob es nur ein blödes Gefühl ist. Und wenn ich so eine Frage stelle, erwarte ich, dass es nicht gleich ein Angriff ist, sondern dass ich die Frage stellen durfte, weil mir das und das aufgefallen war oder ich das und das gesehen habe oder dadurch in diese Vermutung komme. Blabla, genau. Das hat sich so bisschen geändert, also dass der Rückhalt eigentlich noch da ist. äh, wieso ist das so? Aber professionell. Ja, ein professioneller Rückhalt.
speaker-0: Meine nächste Frage, die auch die letzte ist, geht ein bisschen in das, was du jetzt gesagt hast. Brauchen wir mit zunehmender Erfahrung weniger Rückhalt oder wird man lediglich besser darin, ihn anzunehmen?
speaker-1: Das zweite. Er ist wie ein alter Mann, der irgendwann merkt, er ist ein alter Mann. Wenn jemand aufsteht im Zug und einen Platz anbietet, muss man nicht diskutieren, sondern nimmt man ihn dankend an und sagt, er ist nett, sehr freundlich und aufmerksam. Und das passiert auch so im Alter. Du merkst, das war jetzt gut gemeint. Das hat jemand nicht gesagt, weil er oder sie einen Manko sieht bei dir, sondern weil er oder sie es anbietet, dich zu unterstützen. Das ist das. Wird auch spannend, weil meine Frau nächstes Jahr zum Beispiel rausgeht, sehr aus unserem Unternehmen, die macht so einen Zerbetikel und ob sie dann nochmal zurückkommt weiß man nicht. Und dadurch, dass du ein Brise, steifes Briseleben lang zusammengearbeitet hast und miteinander da warst, wird es auch nochmal eine Erfahrung, wie viel mir da dieser Rückhalt fehlt. Also wir können uns nochmal in einem Jahr immer noch teilen. Ja, wie ich da will umgehe, weil das kann ich dir noch nicht sagen. das ist natürlich... Ich weiß, dass sie ab April loswandern will durch Deutschland und alles zu Fuß laufen will, bis sie keine Lust mehr hat. Und wer meine Frau kennt, weiß, das kann sehr lange sein, dass sie geht. Und ich kann mir das noch nicht vorstellen. Ich sag so, ja, das ist natürlich... Und ich mach das auch alles und ich bin gespannt. Und ja, natürlich auch zu Hause, das wird überhaupt kein Problem sein, das krieg ich geregelt. Aber ich weiß gar nicht, wie gerade, hab ich mir noch... Wetter passieren.
speaker-0: Die letzten Worte gehören dir. Ich beende jeden Podcast mit dem mit derselben Frage und bitte dich, den Satz ganz spontan zu vervollständigen. Rückhalt bedeutet für mich.
speaker-1: Vertrauensbasis.