SWR Kultur lesenswert - Literatur

„Erst verdoppelt, dann verdreifacht“

Freitag, 18. September 2026 · 8 min

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Shownotes

Zwei große Regale mit englischen Büchern

Immer mehr Buchläden bieten englische Bücher an. Auch Bücher Bender in Mannheim, eine der ältesten Buchhandlungen in Deutschland. Eine rote Teppichtreppe führt ins Untergeschoss. Dort findet man zwei große Regale mit englischen Büchern.
„2022, also nach Corona, hatten wir eine Verdopplung an englischen Taschenbüchern“, sagt Buchhändlerin Christine Schneider, die das Fremdsprachensortiment betreut. „Und seit 2023 hat sich der Umsatz sogar verdreifacht.“
Keine Schwellenangst bei Bücher Bender

Es sind vor allem junge Leute, die die englischen Bücher kaufen. Die aktuelle PISA-Studie attestiert deutschen 15-Jährigen zwar ein dramatisch abnehmendes Leseverständnis, Christine Schneiders Eindruck im Laden aber ist ein anderer:
„Ich habe das Gefühl, dass die jungen Leute wieder mehr lesen und auch keine Schwellenangst mehr haben.“ Früher trauten sich junge Leute oft nicht in die Buchhandlung, erinnert sie sich. „Das sah vielleicht zu elitär aus, schien nur für „Gebildete“.
Heute aber laufen die ganz unbefangen in die Läden rein. Sie gucken sich alles an und wollen auch wieder wirklich ein Buch in der Hand haben.“
Englische Klassiker im Insel-Verlag

Die Lust am Papierbuch ist sicherlich auch Booktok und Bookstagram zu verdanken, den vielen kleinen Videos, in denen junge Leserinnen und Leser Bücher besprechen und empfehlen.
Wichtig ist eine angesagte Gestaltung, oft mit mehrfarbigem Buchschnitt oder beigelegten Charakterkarten zu den Protagonisten. So werden inzwischen auch Klassiker angeboten – und gerne gekauft.
Seit 2025 bietet auch der deutsche Insel-Verlag englischsprachige Klassiker an. „Die sind sehr schön gemacht“, sagt Christine Schneider auf SWR Kultur.
„Sie kosten nur so viel wie Taschenbücher, haben aber einen festen Einband. Das kommt unheimlich gut an.“
Buchhandelsketten unterbieten kleinere Buchläden

Neben Insel verlegen auch die Verlage Hanser und Piper einzelne Titel im englischen Original, etwa von T.C. Boyle (swr.de/kultur/literatur/t-c-boyle-das-ende-ist…) und von Allen Levi. Das ist neu, aber bislang doch eher eine Nische.
Was wichtig ist: Bücher aus deutschen Verlagen unterliegen der Buchpreisbindung, kosten also überall dasselbe. Bei importierten Büchern hingegen variiert der Preis. Große Ketten wie Thalia können die Bücher etwas billiger anbieten und kleineren Buchläden damit die jungen Käufer wegschnappen.
„Die 12 bis 16-Jährigen gucken auf den Preis und holen ihre Bücher eher bei den Ketten“, beobachtet Christine Schneider. Die Generation 20+ aber geht auch gern in die unabhängigen Buchläden. „Die achten dann eher auf die schöne Auswahl. Denen ist der Preis nicht mehr ganz so wichtig.“

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