SWR Kultur lesenswert - Literatur

SWR Bestenliste November | Diskussion über vier Bücher

Sonntag, 1. November 2026 · 1 h 14

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Shownotes

Cornelia Geißler, Martin Ebel und Klaus Nüchtern diskutieren über vier Bücher, die auf die SWR Bestenliste des Monats November gewählt wurden.
Eine Wiederentdeckung, ein Roman, dessen Figuren mitsamt ihren Gefühlen eingefroren sind, ein blitzgescheiter Jugendlicher mit einer schrecklichen Krankheit – und ein Lebensroman, über den kontrovers diskutiert wurde. Cornelia Geißler, Martin Ebel und Klaus Nüchtern sprachen über zwei deutschsprachige Romane und zwei Übersetzungen.
Den Anfang im 1537 erbauten Ulmer Schuhhaussaal macht das Gespräch über Jiří Weils 1937 publizierten und von Reinhard Fischer aus dem Tschechischen ins Deutsche übersetzten Roman „Moskau – Die Grenze“ (swr.de/kultur/literatur/bestenliste-2026-11-07…), der nun in einer neuen Ausgabe im Wagenbach Verlag vorliegt. Der Roman steht auf Platz 7 der SWR Bestenliste. Gelobt wurde die intensive Beschreibung des Moskau der frühen 1930er Jahre, das der Autor aus eigener Erfahrung kannte. Die wechselhafte und tragische Biografie des Schriftstellers Jiří Weil, der Maxim Biller unlängst eine Novelle widmete, war ebenfalls Thema: Als kommunistischer Jude geriet Weil zwischen alle ideologischen Fronten des 20. Jahrhundert und wurde dort zerrieben.
Großes Lob von allen drei Jurorinnen und Juroren erntete auch Andrew Millers Roman „Das Land im Winter“ (swr.de/kultur/literatur/bestenliste-2026-11-04…), der auf der Shortlist des Booker Prize stand und im November Platz 4 der SWR Bestenliste belegt. Das Buch spielt im Winter 1962/1963, einem der kältesten in England überhaupt seit dem Beginn der Aufzeichnungen. Im Mittelpunkt stehen zwei Ehepaare, deren Gefühlsleben ähnlich der südenglischen Landschaft, in der sie leben, eingefroren zu sein scheinen. Begeistert zeigte sich die Kritiker-Runde auch von der Subtilität, mit der Miller die Nachbeben des Zweiten Weltkriegs in seinen Text eingearbeitet hat.
Kontrovers wurde es hingegen bei der Diskussion um Petra Morsbachs neuen Roman „Orion“ (swr.de/kultur/literatur/bestenliste-2026-06-09…), der auf Platz 3 der SWR Bestenliste im November steht. Während Martin Ebel die elegante Figurenzeichnung und die Eleganz lobte, mit der Morsbach das scheinbar unspektakuläre Leben einer Lehrerin und Leserin darstellt, waren Cornelia Geißler und Klaus Nüchtern wenig begeistert vom pädagogischen Impetus der Autorin.
Begeisterung hingegen rief der Spitzenreiter der November-Bestenliste hervor: Der österreichische Kinderpsychologe und Schriftsteller Paulus Hochgatterer erzählt in „Mio und die Unsterblichkeit“ (swr.de/kultur/literatur/bestenliste-2026-11-01…) von einem blitzgescheiten 16-jährigen Jungen, der an spinaler Muskelatrophie leidet und im Rollstuhl sitzt. Ingemar, so heißt der Junge, unterhält sich mit einem 94-Jährigen über Philosophie, denkt über die großen Dinge des Lebens nach und ist in seiner aufgesetzten Altklugheit eine grundsympathische Figur. Und eines Tages taucht Mio, eine Katze, auf. Im Gegensatz zu Ingemar haben Katzen bekanntlich viele Leben. Ein trauriges, lustiges und vor allem sehr humanes Buch, befinden die Kritiker.
Aus den vier Büchern lasen Mareike Köhler und Dominik Eisele.
Durch den Abend führte Christoph Schröder.

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