The cold war files - der Kalte Krieg Podcast· Staffel 1· Folge 2

Mit einer MIG in die Freiheit : No Kum-soks Flucht

Donnerstag, 2. Juli 2026 · 24 min

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Shownotes

Am 21. September 1953, nur wenige Wochen nach dem Waffenstillstand im Koreakrieg, ereignete sich eine der spektakulärsten Desertionen des Kalten Krieges. Der junge nordkoreanische Leutnant No Kum-sok nutzte einen Routineflug, um seine MiG-15bis nach Südkorea zu steuern und auf dem US-Luftwaffenstützpunkt Kimpo zu landen. In dieser Folge betrachten wir die historischen, technischen und persönlichen Hintergründe dieses riskanten Unternehmens.
• Die Motive hinter der Flucht: No Kum-sok lebte über Jahre hinweg eine „gigantische Lüge“. Erfahren Sie, wie er sich als überzeugter Antikommunist innerhalb des nordkoreanischen Militärs behauptete und warum er bereit war, für die Aussicht auf ein Leben in Freiheit alles zu riskieren.
• Der Flug und die dramatische Landung: Die Landung in Kimpo war von Zufällen geprägt. Da die US-Radaranlagen wegen Wartungsarbeiten abgeschaltet waren, blieb der Anflug unbemerkt. No Kum-sok landete mit dem Wind – entgegen der üblichen Landerichtung – und entging nur knapp einer Kollision mit einer amerikanischen F-86 Sabre.
• Strategische Bedeutung der MiG-15: Das Erscheinen der MiG-15 über Korea war für die UN-Streitkräfte eine Überraschung. Das Flugzeug mit seinen Pfeilflügeln war den damaligen amerikanischen Mustern wie der F-80 technisch teils deutlich überlegen. Wir analysieren, warum die USA so dringend ein intaktes Exemplar untersuchen wollten.
• Duell der Giganten: Ein direkter Vergleich zwischen der MiG-15 und der North American F-86 Sabre. Während die MiG durch ihre Steigrate und Feuerkraft bestach, punktete die Sabre mit besseren Flugeigenschaften im Hochgeschwindigkeitsbereich und modernerer Avionik.
• Der Preis der Freiheit: Die Entscheidung zur Flucht bedeutete den endgültigen Bruch mit der Vergangenheit. No Kum-sok ließ seine Heimat und Kameraden zurück, was fatale Folgen hatte: Fünf seiner Fliegerkollegen, darunter sein bester Freund, wurden zur Vergeltung hingerichtet.
• Ein neues Leben als Kenneth Rowe: Nach seiner Einwanderung in die USA studierte er Ingenieurwesen und arbeitete für führende Luftfahrtunternehmen wie Boeing und General Electric, bevor er seine Karriere als Professor beendete.

Um die Geschichte von No Kum-sok weiter zu vertiefen, empfehlen wir die folgenden Werke:
⁠No Kum Sok und J. Roger Osterholm: A MiG-15 to Freedom - Memoir of the Wartime North Korean Defector Who First Delivered the Secret Fighter Jet to the Americans 1953. (bino-buchhandlung.buchhandlung.de/shop/article…)Blaine Harden: The Great Leader and the Fighter Pilot: The True Story of the Tyrant Who Created North Korea and the Young Lieutenant Who Stole His Way to Freedom. (bino-buchhandlung.buchhandlung.de/shop/article…)
⁠ (bino-buchhandlung.buchhandlung.de/shop/article…)Diese Bücher können über den Onlineshop der Buchhandlung BINO (Bücher in Nieder-Olm) bestellt werden. Die Fachbuchhandlung BINO wurde 2019 mit dem Deutschen Buchhandlungspreis ausgezeichnet. Für vergriffene Ausgaben empfiehlt sich zudem eine Recherche in spezialisierten Antiquariaten.

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Stell dir vor, du fliegst mit fast 1000 Stundenkilometern in einem der tödlichsten Kampfjets der Welt. Unter dir liegt ein Land, das dich sofort hinrichten lässt, wenn du auch nur ja den geringsten Anschein von Zweifel zeigst. Richtig, und um dich herum patrouillieren überall amerikanische Jäger.

Genau die dich ohne zu zögern vom Himmel wollen würden. Du bist völlig auf dich allein gestellt. Und die Entscheidung, die du in den nächsten Minuten triffst, verändert nicht nur dein eigenes Leben unwiderruflich, sondern, und das ist das tragische, auch das Leben all jener, die du zurücklässt. Eine unvorstellbare Drucksituation. Definitiv genau in dieser Situation befand sich nämlich der nordkoreanische Pilot No Kumsok am 21. September 1953 er saß am Steuer einer MIG 15, also dem gefürchtetsten Flugzeug des Ostblocks damals. Und steuerte auf Südkorea zu.

Ja. Wir stützten uns bei der Betrachtung dieses Falles heute auf freigegebene militärische Auswertungen, historische Aufzeichnungen und auch die persönlichen Berichte des Piloten selbst. Sehr spannende Quellen. Finde ich auch. Und unsere Mission heute ist es nicht nur die Mechanik dieses riskanten Fluges zu rekonstruieren.

Wir wollen uns auch ansehen, wie ein Mensch jahrelang eine Rolle spielt, nur um zu überleben. Und ja, welchen Preis die Freiheit in so einem totalitären System eigentlich hat. Um diese Tragweite dieses 21. Septembers wirklich zu begreifen, müssen wir uns erst mal ansehen, wie Nocumsoc überhaupt in dieses Cockpit gelangte.

Wir sprechen hier von einem jungen Mann, geboren, 1932, Mhm. Also noch sehr jung. Sehr jung. Er hat den Großteil seiner prägenden Jahre unter extremen systemischen Zwängen verbracht. Zuerst unter der japanischen Besatzung, wo er gezwungen war, japanisch zu lernen und nach 1945 dann unter dem aufkommenden kommunistischen Regime, das ja von der sowjetischen Roten Armee im Norden etabliert wurde.

Das ist ein entscheidender Punkt, glaube ich. Er war ja kein ideologischer Überzeugungstäter. Nein, überhaupt nicht. Aus den Berichten geht ziemlich klar hervor, dass er dieses kommunistische System eigentlich von Beginn an verachtete. Aber. Er handelte einfach äußerst pragmatisch, um in einer Diktatur zu überleben und eine gute Ausbildung zu bekommen, musste er sich halt anpassen. Er musste das Spiel mitspielen.

Genau, er trat dann 1949 in die Marineakademie ein, und zwar schlicht aus dem Grund, weil die Ausbildung dort kostenlos war. Ja, und als der Koreakrieg dann ausbrach, wurden natürlich dringend Piloten gesucht. Richtig, er gehörte zu den 50 Kadetten, die ausgewählt wurden. Und er wurde dann in der Mandschurei von sowjetischen Ausbildern auf dieser neuen MIK 15 geschult. Ich frage mich an dieser Stelle wirklich, wie schafft es ein junger Pilot, über 100 Kampfeinsätze für eine Seite zu fliegen, die er innerlich komplett ablehnt, ohne dass diese Fassade jemals riss bekommt? Er wandte da eine, ich sag mal, extreme Form der psychologischen Überlebensstrategie an.

No wusste ganz genau, dass in einem System wie dem nordkoreanischen der geringste Verdacht auf mangelnde Loyalität tödlich endet. Ein falsches Wort, und das war es. Exakt. Also kompensierte er seine inneren Überzeugungen durch einen massiven äußeren Übereifer. Er hielt flammende, extrem hasserfüllte Reden gegen den US Imperialismus vor seinen Kameraden.

Er hat den Fanatiker quasi nur gespielt. Und das so überzeugend, dass er sogar befördert wurde. Er hat den Vorzeigesoldaten perfekt gemimt, jeder einzelne Schritt von ihm war Durchkalkuliert. Weißt du, das erinnert mich an einen Stipendianten, der, sagen wir mal, von einer Organisation gefördert wird, die er eigentlich abgrundtiefe abscheut man muss jeden Tag diesen Musterschüler mimen, die richtigen Parolen rufen, während man innerlich ununterbrochen nur auf den Notausgang starrt.

Ein sehr passendes Bild, ja. Er träumte ja schon lange von den USA. Das war beeinflusst durch Berichte von Koreanern, die vor dem Krieg dort gelebt hatten. Aber wenn sein Wunsch zu fliehen wirklich so groß war. Warum hat er dann über 100 Einsätze lang gewartet? Das ist eine gute Frage. Ich meine, warum ist er nicht einfach mal während eines Luftkampfes abgedreht und über die Linien geflogen? Weil das ein reines Selbstmordkommando gewesen wäre, gerade während der heißen Phase des Krieges. Man muss wissen, die Luftherrschaft über der Frontlinie lag fast komplett in den Händen der UN Truppen. Ah OK.

Hätte No also versucht, die Linien in Richtung Südkorea zu überfliegen, wäre er mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit von amerikanischen F 86 Abfang. Dann abgeschossen worden. Die hätten ja gar nicht gewusst, dass er überlaufen will. Völlig richtig. Ein amerikanischer Pilot hätte in so einer anfliegenden MIG 15 immer nur einen Angreifer gesehen und Kommunikation in der Luft, das war unmöglich. Unterschiedliche Funkfrequenzen nehme ich an. Genau, andere Frequenzen und No sprach zu diesem Zeitpunkt auch praktisch kein Englisch.

Er saß also sprichwörtlich in der Falle. Ein Fehler nach Norden das eigene Regime tötet ihn, ein Flug nach Süden, die Amerikaner schießen ihn ab. Wahnsinn. Damit rückt dann ja eigentlich das Instrument seiner Flucht in den Mittelpunkt, also die MIG 15. Man liest ja, dass im Westen damals eine regelrechte Paranoia herrschte, was diese Maschine anging. Oh ja, die gab es.

Als die MIG Ende 1950 plötzlich über Korea auftauchte, war das wohl ein enormer strategischer Schock. Den bisherigen amerikanischen Jägern, also der F 40 Shooting Star oder auch der P 51 Mustang mit Propeller, war sehr weit. Überlegen, technologisch eine ganz andere Liga damals. Und die Verlustraten bei den großen amerikanischen B 29 Bombern stiegen dadurch so dramatisch an, dass die US Luftwaffe gezwungen war, ihre Angriffe fast vollständig in die Nachtstunden zu verlegen. Warum war dieses Flugzeug technisch so ein massiver Sprung?

Diese technische Überlegenheit der MIK 15 basierte im wesentlichen auf 2 Faktoren. Die interessanterweise aus ganz unterschiedlichen Richtungen kamen. OK, zum einen die Aerodynamik, die Tragflächen wiesen eine Pfeilung von 35 Grad auf. Das sind diese schräg nach hinten gestellten Flügel, oder? Exakt.

Und diese Konstruktion basierte ironischerweise auf erbeuteten deutschen Forschungen aus dem Zweiten Weltkrieg, insbesondere auf den Arbeiten des Aerodynamikers Adolf Busemann. Solche Pfeilflügel verzögern nämlich den Anstieg des Luftwiderstandes, wenn sich ein Flugzeug der Schallgeschwindigkeit nähert. Und der zweite Faktor?

Das. Triebwerk das sogenannte climov RD 45. Das war im Grunde ein unlizenzierter Nachbau des britischen Rolls Royce Nene Triebwerks. Wie kamen die Sowjets denn an britische Triebwerke? Die britische Nachkriegsregierung hatte der Sowjetunion tatsächlich in einem Akt gutgläubiger Kooperation einige Exemplare überlassen.

Das. Ist ja unglaublich. Ja. Das stellte sich sehr schnell als gravierender strategischer Fehler heraus. Das Militär der USA war dementsprechend verzweifelt. Kann ich mir vorstellen, sie mussten unbedingt wissen, wie diese Maschine funktionierte und noch wichtiger, wo ihre Schwachstellen lagen. Richtig, und das führte dann zu einer ganz speziellen Maßnahme. Ja zur sogenannten Operation Moula. Die Amerikaner warfen Flugblätter über Nordkorea ab und boten 100000 US Dollar für den ersten Piloten, der eine intakte MIG 15 in den Süden bringt. Ein ziemliches Vermögen damals.

Ich finde das aus heutiger Sicht trotzdem bemerkenswert naiv. Man bietet einem Piloten in einem komplett abgeschotteten kommunistischen System einfach einen Haufen Geld an, hat dann No Kum sok davon überhaupt gewusst? Nein, er hatte diese Flugblätter nie gesehen. Dachte ich mir. Und selbst wenn, hätte die Operation Mula bei ihm oder auch bei anderen Piloten wahrscheinlich überhaupt nicht den gewünschten Effekt erzielt.

Wie du schon andeutest, da fehlte jeglicher Bezugsrahmen. Was soll man in Nordkorea auch mit Dollar anfangen? Ganz genau $100000 in einer Gesellschaft ohne nennenswerte private Kaufkraft und ohne offene Märkte. Das ist eine völlig abstrakte, wertlose Zahl. Zudem lagen die Luftwaffenstützpunkte der Mix weit im Norden, in der Mandschurei jenseits des Yalu Flusses. Also da, wo die Flugblätter gar nicht hin kamen. Richtig, amerikanische Bomber, die diese Blätter hätten abwerfen können, operierten dort bei Tag kaum noch. Und ganz ehrlich, ein nordkoreanischer Pilot hätte so ein Angebot sehr wahrscheinlich für eine perfide Falle der eigenen Geheimpolizei gehalten.

Um illoyale Offiziere zu enttarnen, meinst. Du genau so ist. Es die Amerikaner wollten, die Mick Funklean dabei auch deshalb so dringend untersuchen, weil sie im direkten Luftkampf gegen die amerikanische F 86 Saber ein so ungleiches Bild abgab. Einerseits hörte man immer von dieser extrem schweren Bewaffnung.

Die Mick hatte eine 37 Millimeter und 223 Millimeter Kanonen an Bord. Das klingt für mich nach einer enormen Zerstörungskraft. Warum war das im direkten Nahkampf, also im Dockfight, nicht zwingend ein Vorteil? Weil diese Bewaffnung konzeptionell für einen ganz bestimmten Zweck gedacht war, nämlich das schnelle Zerstören von großen, relativ langsamen strategischen Bomber wie eben der B 29. Ah verstehe gegen große Ziele.

Ein einziger Treffer mit dieser 37 Millimeter Kanone reichte da oft aus, um einen Bomber zum Absturz zu bringen. Gegen agile, schnelle Jäger wie die F 86 Saba ergab sich da jedoch ein ganz anderes Bild. Weil die zu wendig waren. Ja, und weil die großen Kaliber der MIG ne sehr langsame Feuerrate hatten. Zudem wiesen die schweren Geschosse eine stark gekrümmte ballistische Flugbahn auf.

In so einem kurvenreichen Luftkampf bei hohen Geschwindigkeiten war es extrem schwer, einen kleinen wendigen Gegner damit überhaupt zu treffen. Also wie wenn man mit einer Kanone auf Spatzen schießt. Im wahrsten Sinne. Ein passender Vergleich, ja. Dazu kamen ja auch noch aerodynamische Tücken, von denen man im Westen erst später erfuhr.

Ich verstehe die Physik dahinter nicht völlig, aber da gibt es dieses Phänomen, das bei Geschwindigkeiten nahe der Schallmauer Auftütt den sogenannten Machtuk. Ein sehr gefährliches Phänomen. Was genau passiert, damit der MIK 15, wenn der Pilot im Sturzflug richtig beschleunigt, also. Wenn sich ein Flugzeug der Schallgeschwindigkeit nähert, genauer gesagt bei der MIK 15, so ab etwa mach 0,92, dann verändern sich die Strömungsverhältnisse an den Tragflächen extrem.

OK. Der aerodynamische Druckpunkt, also der Punkt, an dem der Auftrieb wirkt, wandert plötzlich nach hinten. Das führt dazu, dass die Nase des Flugzeugs unweigerlich nach unten gedrückt wird. Das ist dieser Machtuk. Das Flugzeug geht also in einen immer steileren Sturzflug über, ohne dass der Pilot das will.

Richtig, und der Pilot muss nun massiv am Höhenruder ziehen, um die Nase wieder hoch zu bekommen. Und da liegt ja genau das Problem der MIK 15 im Vergleich zur f 86 wenn ich das richtig gelesen habe. Genau. Die russische Maschine verfügte anfangs über keinerlei hydraulische Unterstützung für die Steuerung. Der Pilot war rein auf seine eigene Muskelkraft angewiesen, die da über Seilzüge und so Gestänge auf die Ruder übertragen wurde.

Eine enorme körperliche Belastung. Ich versuche, mir das vorzustellen. Du lenkst einen 40 Tonnen schweren LKW ohne Servolenkung, fährst dabei aber 1000 Stundenkilometer und die Physik zwingt dein Fahrzeug permanent in Richtung Boden. Die sowjetischen Ausbilder rieten den Piloten wohl allen Ernstes, sich im Sturzflug mit ihrem gesamten Körpergewiss auf den Steuerknüppel zu stemmen. Ja, völlig richtig.

Und dieses Ringen mit der Maschine führt direkt zu einem weiteren lebensgefährlichen Problem. Welchem? Wenn der Pilot mit aller Kraft zieht, verringert sich die Geschwindigkeit irgendwann durch den Luftwiderstand. Der Druckpunkt wandert wieder nach vorne und plötzlich, weil er ja immer noch mit vollem Gewicht am Knüppel reißt, schnellt die Nase unkontrolliert nach oben. Ach.

Du meine Güte. Das Flugzeug gerät in gefährliche Längschwingungen. Testpiloten der US Air Force, darunter der berühmte Chuck Jäger, haben die Mick 15 nach nors Flucht ausgiebig getestet. Und was war deren Fazit? Sie stellten fest, dass die F Sabry aerodynamisch deutlich ausgereifter und vor allem im Hochgeschwindigkeitsbereich viel berechenbarer war. Die Sabri besaß hydraulische Kontrollen und eine wesentlich höhere Rollrate, was sie im Nahkampf klar überlegen machte. Wir hören ja oft von dieser gefürchteten sowjetischen Waffe. Aber wenn der Pilot bei hohen Geschwindigkeiten kämpfen muss, um die Nase unten zu halten, dann war die MIG 15 vielleicht eher so ein brutaler Kraftprotz, oder? Ja, ein Kraftprotz mit

exzellenter Steigleistung, aber eben kein präzises Werkzeug wie die F Sabri. Um dieses fehlerhafte, aber begehrte Flugzeug in den Westen zu bringen, brauchte no. Kumsock die perfekte Gelegenheit und diese bot sich am 21. September 1953. Kurz nach dem Waffenstillstand. Genau der war kurz zuvor unterzeichnet worden.

No wurde auf den Stützpunkt Sunan in der Nähe von Pjöngjang verlegt, und da gibt es ein interessantes Detail. Diese Landebahn war durch amerikanische Flächenbombardements. Während des Krieges eigentlich komplett zerstört worden. Ja, ein reines Trümmerfeld. Die Nordkoreaner reparierten sie dann nur notdürftig und schmuggelten demontierte MIK 15 in Holzkisten dorthin, um sie erst vor Ort wieder zusammenzusetzen.

Wie hat No Cumsock diesen entscheidenden Flug an jenem morgen dann eigentlich eingefädelt? Er ging da äußerst berechnend vor, um gar keinen Verdacht zu erregen, ließ er einen Kameraden vor sich starten. Er bat ihn, über Funk etwas länger in der Luft zu bleiben, damit sein eigenes fehlen nicht sofort registriert würde.

Clever. Und als er schließlich abhob, steuerte er seine mig zunächst nach Norden in Richtung der chinesischen Grenze. Also genau in die falsche Richtung. Ein rein taktisches Manöver, um die Radarüberwachung und die Bodenkontrolle in Sicherheit zu wiegen. Wer desertieren will, fliegt schließlich nicht tiefer ins eigene Hinterland.

Erst über dem Gelben Meer drehte er dann scharf nach Süden ab. Auf dem Weg in Richtung Pjöngjang erlebte er laut seinen späteren Aufzeichnungen diesen einen massiven Moment des Zweifels, der Puls raste, er dachte kurz, ich darf nicht gehen. Das ist menschlich extrem nachvollziehbar. Wir müssen bedenken als Pilot Genosse er im nordkoreanischen System ja höchste Privilegien.

Er hatte ausreichend Nahrung, Anerkennung, einen gewissen Status. Aber ihm war auch bewusst, dass sich eine solche Chance nie wieder bieten würde. Wenn er da umkehrt, bleibt er für immer in diesem Staat gefangen. Richtig also blieb er auf Kurs nach sieden. Währenddessen bemerkte die Flugkontrolle natürlich sein Verschwinden.

Der Tower rief wiederholt seine Codenummer, die 87 man fragte ständig seine Position ab. Und er hat einfach nicht geantwortet. Er ignorierte sämtliche Funksprüche. Doch das Eindringen in den südkoreanischen Luftraum war eigentlich der gefährlichste Teil seiner Reise. Wegen der Luftabwehr. Genau, Südkorea wurde von einem dichten, hochmodernen amerikanischen Radar Reds überwacht.

Jeder Unidentifizierte Jet hätte eigentlich eine sofortige Alarmrotte von F. 86 Jägern auf den Plan gerufen. Und hier kommen wir zu einem Umstand, der fast zu absurd ist, um wahr zu sein. Die größte technologische Geheimdienstoperation des Krieges entschied sich nicht durch brillante Spionage, sondern durch einen völlig profanen Zufall. Man mag es kaum glauben, ja.

Genau an diesem Vormittag war das zuständige US Radar für routinemäßige Wartungsarbeiten einfach abgeschaltet worden. Das Überwachungsnetz war blind. Niemand sei entkommen. Niemand. Er steuerte die Kimpo Airbase NAS Seoul an, er wählte die Landebahn und er landete Downwind, also mit dem Wind. Warum ist ein solches Manöver bei einem Kampfjet so extrem riskant?

Also Landungen in der Luftfahrt erfolgen aus physikalischen Gründen eigentlich grundsätzlich gegen den Wind. Der Gegenwind verringert die Geschwindigkeit des Flugzeugs relativ zum Boden, während die nötige Strömung über den Tragflächen erhalten bleibt. Klar, man ist langsamer unterwegs. Landet man hingegen downwind, also mit Rückenwind, addiert sich die Windgeschwindigkeit zur ohnehin schon hohen Anfluggeschwindigkeit des Jets.

Der. War also viel zu schnell. Geschwindigkeit über Grund auf man muss bedenken, diese frühen Jets hatten sehr rudimentäre Bremsen, da gab es kein Antiblockiersystem. Einmal zu stark gebremst und. Und die Reifen platzen. Genau. Zudem war die Piste in Kimpo nicht aus Beton, sondern aus perforierten Stahlplatten verlegt, wie es an der Front üblich war. Er raste also mit viel zu hoher Geschwindigkeit auf diese Metallplatten zu.

Und als wäre das nicht schon lebensgefährlich genug, landete er ja auch noch entgegen der aktuellen Verkehrsrichtung. Ein Alptraum für jeden Fluglotsen. Auf dem Stützpunkt übten amerikanische F 86 Piloten gerade Start und Landeanflüge. Er landete quasi auf der falschen Spur der Autobahn. Er verhinderte nur um Haaresbreite eine Frontalkollision mit einer startenden Zabre, indem er sein Flugzeug hart an den Rand der Landebahn zwang. Ein solches unberechenbares Manöver hätte unter normalen Umständen sofort die Flugabwehr des Stützpunktes ausgelöst. Die Flackernoniere hätten ihn auf der Landebahn eigentlich in Stücke schießen können.

Aber sie haben nicht geschossen. Nein, die Überraschung war auf allen Seiten einfach zu groß. Er rollte die MIG dann ans Ende der Bahn, fand eine Lücke zwischen geparkten amerikanischen F 48 und stellte sein Flugzeug dort in aller Ruhe ab. Das Abschalten der Turbine musste ja auch nach einem sehr präzisen Verfahren erfolgen, um eine Explosion des Triebwerks zu verhindern.

Ja, das hat er routiniert gemacht. Er saß das professionell ab, dann öffnete er die Cockpithaube. Über den Instrumenten hing das obligatorische Porträt von Kim Il Sung, dass jeder nordkoreanische Pilot bei sich führen musste. Und dann tat er etwas sehr symbolisches. Er riss es aus der Verankerung und zerschmetterte es auf dem Rollfeld. Die amerikanischen Piloten, die nun herbeiliefen, waren völlig desorientiert, da steht plötzlich ein feindlicher Jet in ihren Reihen.

No hatte sein Englisch über die Jahre aber weitgehend vergessen. Er konnte sich wohl nur noch an 2 Wörter erinnern. Genau, Motor Car. Die rief er den Amerikanern zu, einer der US Piloten verstand diese absurde Situation und organisierte rasch einen Jeep, um ihn vom Rollfeld zu bringen. Der geopolitische Gewinn für die USA durch diese Aktion war wirklich unermesslich. Weil sie endlich die Technik hatten. Genau durch noos Flucht konnten amerikanische Ingenieure die Maschine bis auf die letzte Niete zerlegen. Die MIK 15 wurde auf die Insel Okinawa geflogen und dort von Testpiloten auf Herz und Nieren geprüft. Der Mythos der unbesiegbaren sowjetischen Waffe war damit wohl demontiert.

Komplett. Die Schwächen im Hochgeschwindigkeitsbereich, diese fehlende Hydraulik, all das wurde nun exakt dokumentiert. Man wusste ab da genau, wie man diese Flugzeuge in zukünftigen Konflikten bekämpfen musste. Doch wir dürfen eines bei all dem strategischen Erfolg nicht vergessen. Diese Flucht forderte einen unfassbar hohen persönlichen Preis. Das stimmt leider.

Es ist eine harte Realität, dass eine Flucht aus einem totalitären System niemals nur eine persönliche Angelegenheit ist. No Kum Sok ließ alles zurück. Er gab seine Karriere auf sein gewohntes Umfeld. Wobei er ja zu dem Zeitpunkt nicht wusste, dass seine Mutter bereits 1951 in den Süden evakuiert worden war.

Stimmt das, erfuhr er erst später. In dem Moment nahm er in Kauf, seine Familie vielleicht nie wiederzusehen und noch schlimmer, er wusste, dass das Regime Vergeltung üben. Würde eine fürchterliche Gewissheit. Das ist ein moralisches Dilemma, das mich an so eine Seilschaft am Berg erinnert. Wenn man droht, in den Abgrund gerissen zu werden, muss man das Seil durchschneiden, um sich selbst zu retten, aber man tut dies in dem klaren Wissen, dass die Menschen am anderen Ende des Seils in die Tiefe stürzen. Wie erging es denn seinem Umfeld in Nordkorea? Die Reaktion des Regimes war brutal und, ja unbarmherzig. Wie in vielen Diktaturen üblich, wurde das Prinzip der Sippenhaftung und der

Kollektivstrafe angewandt. Das war zu befürchten. Als direkte Konsequenz für Nos Flucht ließ das nordkoreanische Militär 5 Piloten aus seiner Einheit hinrichten. Wahnsinn. 5 unschuldige Männer. Darunter befand sich Nurs bester Freund. Diese Tötung von Unschuldigen diente der reinen Abschreckung. Niemand sollte jemals wieder auf den Gedanken kommen, eine Maschine in den Süden zu fliegen. Das ist wirklich abartig.

Das ist. Die Perfidie eines solchen Systems, es zwingt den Fliehenden, die Schuld für den Tod seiner Freunde zu tragen. Das wirft für mich echt die Frage auf, wie ein Mensch den Rest seines Lebens mit so einer Last umgeht. Nockum Sok wanderte 1954 in die USA aus. Er änderte seinen Namen in Kenethrow, baute sich eine neue Existenz auf, studierte Maschinenbau und Elektrotechnik. Er hat ja in seinen späteren Berichten dieses moralische Dilemma auch offen angesprochen, wie hat er das für sich eingeordnet?

Er hatte immer wieder betont, dass er seine Entscheidung zur Flucht als solche nicht bereute. Weil es sonst selbst gestorben wäre. Genau, er war sich sicher, dass er in Nordkorea früher oder später an diesem System zugrunde gegangen wäre. Sei es durch eine unbedachte Äußerung, eine politische Säuberung oder eben im Luftkampf. Das eigene Überleben stand für ihn an erster Stelle. Aber die Schuldgefühle waren trotzdem da. Natürlich.

Gleichwohl begleitete ihn der Tod seines besten Freundes wie ein tiefer, unauslöschlicher Schmerz. Er lebte sein Leben in den USA weiter, wurde amerikanischer Staatsbürger und arbeitete als sehr angesehener Luftfahrtingenieur für große Unternehmen der Branche. Er war ja auch Professor, oder? Ja, bis zu seinem Ruhestand lehrte er als Professor für Luftfahrttechnik.

Aber die Gewissheit, dass sein Ticket in die Freiheit mit dem Leben seiner Kameraden bezahlt wurde, die blieb ein ständiger Begleiter in seinem Leben. Schon erstaunlich, die Mick 15, mit der er floh, steht übrigens heute noch im Nationalmuseum der US Air Force in Dayton, Ohio. Ein echtes Museumsstück.

Ja, der kein Land nach dem Krieg offiziell den Besitz dieser speziellen Maschine beeinspruchte, verblieb sie dort einfach als historisches Artefakt, ein stählernes Zeugnis des Kalten Krieges sozusagen. Weißt du, wenn wir heute Geschichten von derart waghalsigen Fluchten studieren, dann neigen wir oft dazu, nur dieses triumphale Ende zu betrachten, wir sehen den Moment der Ankunft, das entkommen vor der Diktatur, den Beginn eines neuen freien Lebens, aber.

Vielleicht sollten wir öfter innehalten und uns fragen, wie wir selbst handeln würden. Eine sehr schwierige Frage. Wie trifft man die Entscheidung für ein freies, selbstbestimmtes Leben, wenn man ganz genau weiß, dass die Rechnung dafür unweigerlich von jenen beglichen wird, die man in der Dunkelheit zurücklässt? Das ist die Frage nach den echten Kosten der Freiheit. Ein sehr bedrückender, aber wichtiger Gedanke. Wenn dich die technischen Spezifikationen der Luftfahrt im Kalten Krieg oder die historischen Hintergründe dieses Konflikts genauer interessieren, findest du in den Shownotes entsprechende Literaturempfehlungen. Diese Links leiten Dich zum Onlineshop von Bino weiter bino steht für Bücher in Niederolm.

Eine tolle Buchhandlung. Auf jeden Fall. Es lohnt sich, diese Fachbuchhandlung zu unterstützen, die im Jahr 2019 völlig zurecht mit dem deutschen Buchhandlungspreis ausgezeichnet wurde und für historische Fachwerke, die auf dem regulären Markt vielleicht schon vergriffen sind, empfehlen wir dir außerdem, dich gezielt in Antiquariaten umzusehen. Dort finden sich oft die besten historischen Quellen. Das stimmt.

Antiquariate sind oft Goldgruben für solche Recherchen. Das war unsere Betrachtung eines Fluges, der die militärische Balance des Kalten Krieges verschoben hat. Und uns drastisch vor Augen führt, was Menschen bereit sind zu opfern. Bis zum nächsten Mal. Bis dann.

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