
Weiss der Teufel mit Stephan Klapproth· Staffel 1· Folge 1
Doris Leuthard: Macht Politik glücklich?
Samstag, 17. Oktober 2026 · 1 h 00
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Shownotes
Was bleibt nach zwölf Jahren im Bundesrat? Doris Leuthard spricht mit Stephan Klapproth über Verantwortung, Glück und das Leben nach dem Amt.
Sie erzählt von schwierigen Momenten im Bundesrat, einem selbst gebackenen Kuchen und Begegnungen mit Barack Obama und Angela Merkel. Aufgezeichnet vor Publikum im From Heaven in Bad Ragaz.
KAPITEL
Glück, Bundesratswahl und Medienkritik
Kindheit, Heimat und politische Prägung
Der Start im Bundesrat
Atomausstieg und Frauenmehrheit
Humor als politische Kraft
Begegnungen mit den Mächtigen
Migration und Energiepolitik heute
Hoffnung, Verantwortung und Rechtsstaat
Loslassen und Abschied vom Amt
Älterwerden und Leben nach der Macht
Alter, Abhängigkeit und Lebensende
Bilanz: Macht Politik glücklich?
Informationen zur Sendung:
fromheaven.ch/weiss-der-teufel/sendungen/doris…
Live dabei sein und kommende Gespräche entdecken:
fromheaven.ch/weiss-der-teufel
Folge «Weiss der Teufel» für die nächsten Gespräche.
Stephan Klapproths himmlisch philosophische Gespräche aus dem Kulturlokal From Heaven
Gast: Doris Leuthard, Alt-Bundesrätin
Moderation: Stephan Klapproth
Produziert von: From Heaven, Bad Ragaz
Presenting Partner: swisspartners und Vaudoise.
From Heaven: fromheaven.ch
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Weiss der Teufel, denke ich, denke ich zurück, ob das Leben mir gebracht hätte mehr Glück, wäre ich geworden statt ein Mann medialer Tat, ein Mitglied hoch im Schweizer Bundesrat. Den Teufel allerdings kann ich nicht fragen, der hat gerade viel zu tun in diesen Tagen. Doch einmal traf ich, fast ein Einzelstück, einen Menschen im Bundesrat und im Gesicht stand Glück.
Und diesem Menschen nun hundert Fragen stellen, kann ich jetzt, weil hierher des Glückes Wellen ihn brachten, drum klatscht, dass es die Wand einreisst, hier kommt ein Mensch, der Doris Leuthard heisst. Auf einer Skala von 1 bis 10, wie glücklich hat dich Politik gemacht? Das kommt auf die Phase an. Ich würde sagen, 8,5 bis 9.
Das ist ziemlich gut. Ja, ich habe es gerne gemacht. Man hat es auch ein bisschen gemerkt damals, glaube ich, und darum haben es dann auch die Leute gerne gehabt, glaube ich, wie du es machst. Da reden wir aber kritisch noch darüber natürlich. Weisst du zufällig noch, was du am 14. Juni 2006 gemacht hast?
Ja, das war die Wahl. Es war eine Wahl in Bern. Nein, es war der Tag, an dem du etwas erlebt hast, den nur 109 Leute bis heute zum Bundesrat, Bundesrätin, erleben durften. Und man kann sagen, ein Tag, an dem alles verändert im Leben. Ja, das ist wirklich so. Wenn du geschworen hast, dann fängt nachher eigentlich gerade das Leben an.
Dann musst du überall zu den Journalisten. Ich musste am nächsten Tag mein Anwaltsbüro aufgeben, alle Mandate niederlegen. Das verändert dein ganzes Leben. Denkst du noch oft daran? Wenn ich wieder meine alten Mitarbeiter sehe, denke ich viel darüber nach. Sie haben dann auch viele neue Chefinnen bekommen, eine neue Struktur.
Aber sonst vergesse ich natürlich vieles, weil ja, ich war dann zwölfeinhalb Jahre in dieser Funktion und dann weisst du nicht mehr jedes Detail. Ich bin auch ein Anhänger vom Philosophen Henri Bergson. Der hat mal mit Einstein gestritten, über was ist Zeit. Und er hat dem Physiker gesagt: ihr habt Zeit nicht verstanden, eure Berechnungen, Mathematik.
Zeit, gelebte Zeit, ist das Band der Erinnerungen, die ein Mensch hat. Das Band ist wie eine Melodie. Jede Erinnerung verändert die nächste, die vorige und die hintere. Man muss das als Melodie sehen. Darum möchte ich versuchen, und ich habe in der Vorbereitung in dein Leben reingetaucht, habe wieder viel geschaut, die ganze Sendung und so.
Aber um uns alle kurz ein bisschen mitzunehmen, und dass wir das können. Nicht viele Leute haben das erlebt, zu hören, oder? Wo einfach plötzlich verkündet wird, dass man gewählt wird. Ja, hat dort bei dir so getönt. Ich sage es weit. Gewählt ist mit 133 Stimmen Frau Nationalrätin Doris Leuthard. Jetzt schudert es wieder, oder?
Ja, ich weiss. Zwei Monate später war neben mir Franz Wicki. Er war ja noch Ständerat von Luzern. Er hat mich umarmt. Dann hat mir seine Frau einen Monat später gesagt, er hätte dich so umarmt. Das war nicht korrekt. Das ist mir noch sehr in Erinnerung. Aber es geht dann einfach los. Du hast nicht Zeit, nachzudenken.
Weisst du noch, was du am Abend vorher gemacht hast? Ja, ich ging den Fussballmatch schauen. Das läuft heutzutage bei den Jungen unter dem Begriff «coole Socke». Wie konntest du das? Du wirst vielleicht morgen zur Bundesrätin gewählt und sagst, ja, ich gehe den Fussballmatch schauen. Ja, ich wusste, früher gehen sie wahrscheinlich in die Bellevue-Bar und so.
Und ich fand, ja, ich kann ja eh nichts ändern. Also entweder machen sie es oder machen sie es nicht. Und wir haben die Schweizer Städte ja in der Europameisterschaft gesehen. Und meine Kollegen haben auch gesagt, ja, wir haben den Und ich fand, jetzt gehe ich mit. Das war total lustig. Aber die Nacht der langen Messer hast du verpasst.
Ja, habe ich verpasst. Das ist bei einer Messernacht vielleicht besser. Nein, ich habe wahrscheinlich ein paar Stimmen verloren. Weisst du noch, wie der Match ausgegangen ist? Ich glaube, es gab zwei, ich bin mir nicht sicher. Nein, das finde ich schon cool. Am nächsten Mal, ich gehe zuerst nach Matsch und so.
Und dann habe ich gestaunt, als ich wiedergesehen habe in der Vorbereitung, dein erster Auftritt – die Annahme der Wahl muss man ja erklären. Ich habe das als Kind auch immer vor dem Spiegel geübt, aber das bringt gar nichts. Du machst das so präsidial, wie wenn du das schon lange sein würdest. Hören wir mal rein.
Ich bedanke mich ganz herzlich für Ihren Entscheid und Ihr Vertrauen. Es ist eine grosse Ehre, für mich und meinen Heimatkanton Aargau. Merci pour votre décision et la confiance. Grazie per la vostra decisione e la fiducia. Die Stimme zittert nicht. Es ist schon gegangen. Es kommt noch mehr, ich zeige es dir gerade.
Hast du im Bus wenigstens etwas vorbereitet? Ja, ich habe sicher etwas vorbereitet. Rätoromanisch hätte ich also nicht aus dem Bauch rausgehen können. Aber das musst du schon, weil im Moment bist du dann schon emotional. Und wenn du gar nichts vorbereitet hast, dann weinst du oder wirkst nicht staatsfraulich.
Also du hattest einen festen Text, der war da. Ich denke, ja. Ich weiss es gar nicht, aber ich denke schon, so wie ich mich kenne. Ja, bei deiner Intelligenz zweifle ich nicht, dass du den Zettel mitgenommen hast. Später hat eine Nachfolgerin einen Zettel vergessen. Das sollte nicht passieren. Aber die haben alles unter Kontrolle.
Und dann kommt der Moment des Eids. Und jetzt, wenn ihr genau hinhört, wird es für dich emotional und die Stimme bricht. Frau Bundesrätin, ich bitte Sie, drei Finger der rechten Hand zu erheben und mir die Worte nachzusprechen. Ich schwöre es. Ich schwöre es. Da war schon der Kloss da. Ja, weil er weiss eben auch in dem Moment, also für mich war das mindestens so, von diesem Moment an bist du hier für das Land und für die Menschen in diesem Land.
Und von dort wirst du dir auch der Verantwortung bewusst. Dann bist du ziemlich klein nachher, also im Bundeshaus hat Musik gespielt, Fanfare, ein richtiges Fest. Und dann bist du zum ersten Mal auf den Platz raus und ich habe gesehen, etwa fünf Bodyguards. War das komisch? Ja, das merkst du gar nicht so.
So viele Leute, da bist du schon mal froh, wenn irgendjemand dir den Weg rausbahnt. Das merkst du eigentlich nicht so. Aber von dort wird das halt auch ein bisschen normal. Okay. Du hattest es also schnell im Griff, damit umzugehen. Dann kamen natürlich die Medien. Und die Moderatoren sagten irgendetwas an mich.
Ich schaute nach, was ich am Abend gesagt habe. Leider, bei gewissen Wahlen, wenn es mehrere Kandidatinnen und Kandidaten waren, durfte ich das direkte Gespräch aus dem Studio machen. Weil man gewusst hat, dass es wahrscheinlich du bist, eine Kandidatur, durfte Susanne Wille den ganzen Tag mitgehen. Ich konnte nicht mehr mit dir direkt sprechen, aber in meiner Anmoderation.
Doris Leuthard ist jetzt im Amt. Sie... die mit dem nicht blamablen, aber auch nicht allzu brillanten Resultat von 133 Stimmen gewählt worden ist. Ist das schon etwas fies? Gehen dir die Journalisten auf die Nerven? Vielleicht schon, ja. Aber wir kommen ja nicht immer so raus. Darum ist man grosszügig mit euch.
Ich beharre darauf, faktisch bin ich... Das ist eine harte Recherche. 133 Stimmen. Ja, das ist nicht brillant. Kann man das so sagen oder ist das irgendwie... Also hier ist es ja nicht so nicht blamabel, aber... Nein, das ist klar, dass es gewisse Dinge gab, die sagen, eine Einerkandidatur ist heute ja hier verpönt, aber trotzdem war das hier noch sehr oft üblich.
Und dann haben einige gefunden, ich bin zu jung, und dann noch eine Frau, und dann noch aus dem Aargau. Also das ist für viele dann schon ein bisschen eine Zumutung. Nein, mit dem habe ich gut leben können, aber man schreibt manchmal einfach so dahin. Also da finde ich wahrscheinlich gerade noch okay, aber zum Beispiel rückblickend...
Ich hoffe, du hast jetzt ein schlechtes Gewissen. Ein bisschen. Vor allem, weil ich dann gemerkt habe, wie nett du bist. Es hätte jetzt geholfen, wenn du unsympathisch wärst. Ich hätte gesagt, ich hätte noch mehr draufbuttern sollen. Aber so ist das auch. Aber ich kann zum Beispiel rückblicken, was ich wirklich sage.
Die Sachen, die ich als junger «10vor10»-Moderator über Elisabeth Kopp gesagt habe, möchte ich nicht mehr gesagt haben. Man denkt als Journalist nicht daran, dass das einfach Menschen sind. Manchmal hast du es schon. Bei deinem Abgang, das schauen wir auch noch genauer an, hast du ja auch ein wenig die Leviten gelesen, den Medien.
Manchmal haben sie dir schon auf die Nerven gegeben, die Medien. Also ich denke, heute ist es ja noch viel schlimmer. Und einfach, ich denke, man unterschätzt manchmal, weil es geht ja nicht einmal um uns, aber wir haben auch Familien, Freunde, die hören das auch alles, Mitarbeiter. Man gibt in der Regel ja sein Bestes, man macht aber auch Fehler.
Und sehr oft hat ein Journalist vielleicht schon recht im Ansatz, aber es ist dann gleich alles schlecht. Und die Kritik, die heute viele Politiker über sich ergehen lassen müssen, finde ich schon zum Teil nicht korrekt, nicht gerecht und halt ein bisschen, ja, nicht die ganze Leistung überblicken. Und Social Media hilft auch nicht, wo alle feige Heckenschützen sind, anonym.
Ja, vor allem anonym und ja, schön, nicht face-to-face. Face-to-face, darum würden die wenigsten das sagen. Genau, genau. Jetzt habe ich gedacht, Tust du jassen? Ja, sehr gerne sogar. Also schiebern kann ich ziemlich gut, ja. Hätte ich eh keine Chance. Aber ich wollte fragen, muss man glaube ich jassen können?
Als Bundesrat. Nein, zu meiner Zeit, wir hatten immer sogar Mühe. Es gab ganz wenige, dass du eine Runde zusammengebracht hast. Ah, immer noch. Meistens noch die Bundeskanzlei, zwei, drei. Aber unter den Bundesräten ist es nicht mehr so. Ist das keine Pflicht? Nein, leider nicht. Hätte ich eben wegen dem schon nicht können werden.
Aber ich dachte mir, das ist so eine schöne Kulturbeiz und so, ein bisschen Karten mitnehmen und spielen. Und dann habe ich gesehen, dass zum Teil mein Ex-Kollege Yves Bossart von der Sternstunde Philosophie ein ganz tolles Spiel herausgebracht hat, eine philosophische Karte. Ich habe ein paar rausgenommen und mitgenommen.
Ich dachte, das kann uns inspirieren, auch philosophisch zu sein, nicht nur politisch und ein bisschen meine Kapitel. Und ich habe meine Kapitel immer illustriert und habe da auch philosophische Karten genommen. Und zum Beispiel eine, die darauf steht, Kindheit. Die ist bei allen Menschen interessant.
Und von dir werden wir es natürlich jetzt ganz genau wissen. Und jetzt zur Kindheit habe ich mir selber schon immer einen Spruch vom Philosophen Ernst Bloch gemerkt, der mich beeindruckt hat, wo er gesagt hat, das Wichtigste ist das, was uns allen in die Kindheit scheint und worin noch niemand war, Heimat.
Würdest du sagen, wenn du an deine Kindheit zurückdenkst, ist das ein Inbegriff von Heimat? Ja, das könnte ich sagen. Also meine Mutter war auch Beizerin, darum fühle ich mich immer in dem Restaurant wohl. Und sie hat sicher für uns zu Hause ein Heim geschaffen, ist immer da gewesen. Mein Vater war Gemeindeschreiber, auch Grossrat in der Politik.
Der war fast nie zu Hause, ausser zum Mittag. Aber wir durften immer im Sommer zwei Wochen ins Tessin in die Ferien. Wir sind zusammen wandern gegangen. Wir wussten einfach, Wir können die Freunde nach Hause nehmen. Ich habe wirklich ein warmes Gefühl im Zurückdenken. Ja, total. Ich hatte Glück. Ich denke, das hat mir auch viel auf den Weg gegeben.
Wenn du so gut behütet aufwachsen kannst, die Eltern für dich da sind, dich gerne haben, dich begleiten, das ist ja etwas Wunderbares. Das wünsche ich allen Kindern. Das haben leider nicht alle. Langweilig war es aber nicht. Ich habe irgendwo gelesen, debattenmässig flogen die Fetzen. Ich hatte mit meinem Vater natürlich nicht immer die gleiche Meinung.
Er hatte sieben Geschwister. CVP-Grossrat? Ja. Unsere Grossmutter hat mit uns im Haus gewohnt. Einmal im Monat sind von allen Seiten die Geschwister und Enkel gekommen. Mein Cousin ist auch ein Journalist. Sie haben Stumpen und Zigarren geraucht. Wir haben politisiert. Die Stube war verraucht, aber da flogen die Fetzen.
Wir Kinder sind so aufgewachsen. Das liebte ich. Hast du dich in welchem Alter eingemischt? Ja. Wahrscheinlich war ich dann etwa 14. Dann aber schon? Und mit einer marxistischen Weltrevolutions-Gegenposition? Nicht gerade marxistisch, aber sicher etwas anderes als mein Vater. Ja, das ist ja nicht lustig.
Das war schön und hat die Zeit geprägt. Und die Brüder waren jünger als du? Ja, ich bin die Älteste. Wie war die Hackordnung? Warst du die Chefin? Also in diesen Fragen schon. Sonst sportlich sie. Ich weiss, als Mädchen, als kleines Mädchen haben sie mich einfach immer eingesperrt im Schöpfchen. Wir hatten so ein Gartenschöpfchen.
Wir haben Räuber und Poli gespielt und dann bin ich einfach sehr schnell in diesem Schöpfchen gelandet. Und dann habe ich immer Bücher versteckt gehabt, damit ich wenigstens die Zeit im Schöpfchen lesen konnte. Das wäre nicht mehr legal. Sag das nicht öffentlich. Die werden noch verhaftet und so. Nein, das war kein Problem.
Das ist normal gewesen zu diesen Zeiten. Das ist normal gewesen und verjährt. Ja, das eben auch. Und du kannst sonst im Justizministerium anrufen. Eingesperrt im Schöpfchen. Aber du hast etwas daraus gemacht, darum bist du so gescheit. Das hätte wahrscheinlich zu wenig Bücher gegeben. Wie war es auf dem Pausenplatz in der Schule?
Bist du eine Anführerin? Ja, ich bin sicher. Ich hatte immer gute Noten und musste nicht so viel dafür machen. Von dort her war das wahrscheinlich von klein auf so. Bist du ambitiös gewesen? Also wenn ich etwas gemacht habe, dann wollte ich das immer recht machen. Und von da an war für mich auch klar, ich gehe in die Bez, ich gehe in die Kanti, ich gehe studieren.
Oder als ich dann in die Politik kam, habe ich auch gesagt, wenn ich gewählt werde, dann will ich nicht einfach nur eine Bänkli-Hockerin sein, sondern dann will ich etwas sein. Da schon, ja. Du bist auch wild entschlossen gewesen, zu vielem bereit. In der Marketingkampagne hast du... Nicht ich. Jetzt musst du aufpassen.
Dann kannst du das richtigstellen. Aber ich meine, du hast es laufen lassen, die Kampagne «Duschen mit Doris». Das würden ja heute alle sexistisch nennen. Genau, aber darum kann man sich von heute aus... Das ist nicht meine Kampagne, das ist ein Journalist von der «Aargauer Zeitung», der den Titel gewählt hat.
Aber ihr habt diese Duschsäckchen … Was stand auf diesen? «Erfrischender Aargau», weil meine zwei Ständeratskonkurrenten weisse Herren waren. Aber es waren Duschmittel. «Ja, wieso nicht?» «Nein, wieso nicht? Das stimmt. Salz oder Duschmittel, da haben wir immer etwas auf dem Tisch.» «Ich habe das auch nicht bestimmt.» «Du bist gerade etwas überfahren worden.» «Mein Kampagnenleiter Reto Nause hatte das in seiner Zeit.
Irgendwann kam er und sagte, er könne etwas machen. Wir gehen die Lager verteilen.» So lief es. Er brachte aber viel ein. Du wurdest super gut gewählt. Ja, ich denke, ich wurde da ziemlich bekannt. Ich weiss noch, als ich gewählt wurde an der ersten Fraktionssitzung, war Carlo Schmid, Ständerat von Appenzell.
Er sagte, ich sei jetzt die mit dem Duschen. So sind sie halt. Aber der Bevölkerung war das völlig egal. Du warst da drüber. Sie sahen gerade jemand anderes in dir. Dann komme ich schon zu meinem nächsten philosophischen Thema. Ich ziehe weitere Karten unter dem Stichwort Wunder. Wunder. Glaubst du an Wunder?
Ehrlich gesagt nicht. Ja. Ich glaube nicht. Wenn du heilig werden möchtest, müsstest du ja Wunder bewirken. Oder in die CVP eintreten. Ich glaube, bei uns sind Wunder sehr beschränkt. Ja, das stimmt. Es sind dann... das blaue Wunder. Wir sagen es oft, ja. Das nicht. Aber wenn man den Begriff Wunder so versteht wie der Einstein, vielleicht sieht man es anders.
Einstein sagte mal, es gibt zwei Arten, sein Leben zu leben, entweder so, als wäre nichts ein Wunder, oder so, als wäre alles ein Wunder. Wenn ich das höre, denke ich, du wirkst wie jemand, der sagt, ich nehme das Leben nicht einfach so. Man kann alles als ein Wunder anschauen, was passiert. Ich habe sehr viel Respekt vor der Natur.
In der Natur finde ich vieles wundervoll. Ob das auch ein Wunder ist, ist noch eine zweite Frage. Aber wundervoll ist es. Und dass man das schätzt und behütet und auch demütig ist vor allem, was hier eigentlich erschaffen wurde, das finde ich auch ein Wunder. Darum tut es mir auch weh, wenn Natur, Biodiversität leidet.
Und umgekehrt aber auch Freude zu leben. Ich finde einfach, ich habe so viele Ausschnitte gesehen in Interviews bei dir. Man hat ja gesagt, die Strahlenfrau, das ist so fast polemisch. Bei dir nicht. Du hast so von innen raus gestrahlt. Das ist schon ein bisschen deine Art. Ja, ich habe ein super Leben.
Ich bin gesund. Ich habe so viel erleben dürfen. Und von dort her denke ich, muss man dankbar sein für das. Ich habe keinen Grund, so pessimistisch in die Welt rauszuschauen. Auch wenn es mir viele Sorgen macht. Aber ich selber habe viel Kraft bekommen in meinem Leben. Und das gibt mir eine gute Ausstrahlung.
Und dann irgendwann sitzt du da als Neobundesrätin in deinem Büro. Weisst du noch diesen Moment? War es am Anfang so: Was machen wir jetzt? Gut, ich bin ja schon Nationalrätin, ich war Parteipräsidentin, ich habe das System gekannt, aber es ist dann schon ein rechter Schritt, wenn du die Verantwortung für das Departement trägst.
Es sind mehrere Tausend Mitarbeiter. Das hast du ja nicht gelernt, mehrere Tausend Leute zu führen. Nein, überhaupt nicht. Von daher musst du dann schon ziemlich schnell lernen, wie führst du dein Departement, welche Sitzungen sind zwingend, welche Wir hatten eine Departements-Zuteilung nach der Wahl.
In der gleichen Woche musste ich das VBS übernehmen. Sämi Schmid hatte die Gelüste zum Wechseln. Ich habe auch zu Hause gelernt, wie viele Soldaten eine Brigade hat. Was bedeutet was? Dann kam er einen Abend zu mir ins Büro und sagte, ich könne aufhören zu lernen, ich bleibe. Da war ich schon sehr froh.
Von Militär hätte ich gar nichts verstanden. Ich durfte mal ein Gespräch mit Adolf Ogi führen. Wir haben über diesen Anfang gesprochen. Er sagte, seine Methoden seien am Anfang, allen Angst zu machen, dass man Respekt hat. Bist du auch so vorgegangen? Nein, aber ich fand Ich möchte gerne Mitarbeiter befähigen, mir nicht zu erzählen, was in den Akten steht, sondern ihnen zu sagen, lesen kann ich wirklich selber.
Also sagt ihr mir, wo sind die Probleme bei diesen Geschäften? Was denken wir, dass wir diskutieren können? Weil eben das Lesen war nicht das Problem. Und so eigentlich holst du Respekt bei den Mitarbeitern. Das musst du schon haben, weil sie sonst ja völlig überlegen sind, weil sie die Dossiers schon viel besser kennen.
Und da musst du einfach viel arbeiten. Du musst wirklich viel arbeiten. Das haben wir von dir immer gesagt, so dossierfest. Ja, das musst du. Dein Privatleben existiert nicht mehr so sehr. Während diesen ganzen Jahren musst du viel lesen. Das sehen wir dir an. Und dann kamen gleich schon mal ganz harte Zeiten wirtschaftlich, 2008, die Krise und die UBS-Rettung, die ihr machen musstet.
Und dort habe ich Beispiele gefunden, dass selbst in der Schweiz manchmal die politische Auseinandersetzung aggressiv wird. Die SP hat dieses Inserat geschaltet. Ich weiss nicht, ob du das noch gesehen hast. Also schwarz-weiss, wie wenn Aktenzeichen XY oder jemand herumkommt. Vermisst wird. Leuthard Doris, die Vermisste, ist in der tosenden Finanzkrise untergetaucht.
Besonderes Merkmal trägt wahrscheinlich eine grosse Kette. Also wirklich... mitnehmen? Nein, sie wollten, dass wir ein grosses Konjunkturprogramm machen. Wir hatten Jugendarbeitslosigkeit über 5%. Das ist in der Schweiz ja viel. Und auch die Arbeitslosigkeit überhaupt. Ich hatte ja das SECO. Wir haben gesagt, nein, wir machen das nicht.
Da kannst du Millionen reinstopfen und es bewirkt nichts. Es hat uns ja recht gegeben. Wir haben das schmalst. Das hat den Linken nicht gepasst, aber es war richtig. Und die Schweiz ist aus dieser Krise ja besser herausgekommen als alle anderen europäischen Staaten. Hast du das fies gefunden? Oder ist das einfach...
Da hast du sicher keine Freude an dem, aber da musst du vertragen, weil sonst darfst du gar nicht in diese Küche hinein. Dann bist du an die Käseolympiade gegangen, irgendwo in Welschland, die Bauern... Haben wir, ja. Stiefel geworfen. Das stellt dich immerhin auf eine Stufe mit George W. Bush. Was jetzt nicht unbedingt...
Ja, da ging es um den Milchpreis. Die wollten den Franken. Da sagten wir, das ist zu teuer, können wir nicht machen. 60 Grappen ist okay. Dann haben sich die nicht organisiert. Und dann haben sie einfach Stiefel geworfen, nicht einmal fest geworfen. Nein, der Clou war ja dann eben, die wollten mir Angst machen und dann habe ich natürlich ihnen gesagt, hey, ich gehe hier ins Räumchen und jetzt können wir mit mir reden.
Jetzt können wir diskutieren, weil Stiefel rühren kann jeder. Reden, argumentieren, das ist mindestens cool. Das sind aber Ausblüchse. Nein, das sind ganz viele Lämmchen, das sind cool. Sind das cool? Ja, ja, ja. Ah, und ich habe einen Bericht gelesen, wo Armin es abgelegt hat. Nein, nein, nein. Du hast mit ihm geredet?
Nein, ich habe mit ihm geredet. Das ist immer die beste Taktik. Ja, ja. Dann hattest du aber auch andere grosse Themen am Hals. Der Atomausstieg. Fukushima, die Welt ist erschüttert. Und du wurdest ja auch als Atomdoris bekämpft. Vertreterin von ihrem Kanton Aargau und so. Und plötzlich gehst du dann auch vor die Medien und die Öffentlichkeit und sagst, wir steigen aus.
Ist das... Ich weiss nicht, eine innere Erleuchtung gewesen? Ja, gewisse haben gesagt, eine weibliche, emotionale Regung. Nein, ich finde bis heute Kernenergie eine wichtige Energie. Und darum haben wir sie ja nicht abgestellt, im Gegensatz zu Deutschland. Frau Merkel hat ja das Enddatum gesetzt, das haben wir nicht gemacht.
Aber wir hatten in dieser Phase zwei neue in der Planung. Und dann haben wir mit den Experten, mit der ETH schnell zum Schluss gekommen, erstens wird das viel teurer, die Risiken sind grösser und wer baut und betreibt denn das noch? Und darum war es für mich klar, wir haben das Potenzial für die Erneuerbaren.
Das war auch der Beginn der Klimadiskussion. Und darum hat das eigentlich gepasst. Und ja, dann haben wir das so beschlossen und das Volk hat Gott sei Dank zugestimmt. Dort weiss ich noch, dass ich journalistisch-moderatorisch immer clean war und nie so etwas gesagt habe, das sei wie Flip-Flop oder so.
Ich habe immer daran gedacht, dass ich in einer Moderation sogar auch gesagt habe: Der schöne Spruch von dem französischen Maler und Dichter Francis Picabia war: «Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung ändern kann.» Ja, würde ich auch meinen. Und du bist eigentlich der Beweis, dass das funktioniert.
Also ich glaube, wenn man nicht dazulernt und auch sagen kann, das war vielleicht falsch oder aus der damaligen Zeit richtig, dann finde ich, das gehört zu einer Regierungstätigkeit. Niemand ist perfekt. Darum müssen wir bereit sein, neue Argumente und neue wissenschaftliche Erkenntnisse in seine Politik einzubauen.
Weiterzudenken ist per se nicht falsch. Das sollte man ab und zu. Warum nicht? Da gab es eine Phase, in der ihr plötzlich als Frauen eine Mehrheit wart. Micheline Calmy-Rey, Eveline Widmer-Schlumpf, Simonetta und du vier. War das eine andere Welt? Ja, das hat schon viel verändert im Bundesrat. Wir sind ja auch sehr unterschiedliche Frauen, unterschiedliche Parteien.
Aber wir hatten einige Themen, wo wir uns gefunden haben. Und wo wir, denke ich, eine fortschrittlichere Politik gemacht haben als unsere Kollegen. Und das Schöne war natürlich, wir konnten uns am Dienstagabend telefonieren und da wussten wir auch, wie die Sitzung rauskommt. Das ist cool, die Mehrheit hier im Sowjet.
Das ist schon cool. Da hat es mehrere Themen gegeben, die wir auch so gemacht haben. Dürfen wir daraus folgern, wenn die Welt von Frauen regiert würde, wäre es besser? Im Moment würde ich sagen, ja, all die schwierigen Herren sind männlich. Ja, blöder kann man es nicht mehr machen. Also ich glaube, es gibt sicher unterschiedliche Frauen, aber ich habe die, die ich kennengelernt habe in diesen Regierungsämtern, sind in der Regel kollaborativ eingestellt, Teamgeist und nicht ideologisch.
Und von daher denke ich, braucht es heute wieder mehr, dass man aufeinander zugeht. Und irgendwo miteinander zusammen eine Lösung suchen. Nicht einer befehlt und das Gefühl hat, er habe einfach die Weisheit mit Löffeln gegessen. Von daher wäre es ein Wunder, wenn das ändern würde. Ein Gegner unserer Theorie, die ich sonst unterstützen würde, ist Maggie Thatcher.
So hart war sie niemals. Sie zeigt, dass Frauen das auch können. Natürlich. Ja, ich würde sagen, wir haben alle wahrscheinlich auch hart in der Sache diskutieren können. Aber am Schluss, das ist natürlich ein anderes System. Wir in der Schweiz mit einer Kollegialregierung, das ist eigentlich eben das Austarieren von Macht.
Und dann musst du, bist du gezwungen eigentlich zum Konsens oder bist du gezwungen miteinander zu reden. Wenn jeder nur sein Gärtchen pflegt, dann hast du keine gute Regierung. Ziehe ich wieder eine philosophische Karte. Humor. Humor. hat Ludwig Wittgenstein etwas Interessantes gesagt, finde ich. Humor ist keine Stimmung, sondern eine Weltanschauung.
Teilst du das? Ich habe schon immer gesagt, diesen Job als Bundesrat oder in der Politik kannst du eigentlich nur überstehen, wenn du Humor hast. Und wir haben... Viel auch im Team, gerade wenn es schwierige Situationen sind, wenn irgendjemand einen Witz gemacht hat oder eine humorvolle Einlage, dann entspannt das ungemein.
Ich sehe es in der Wirtschaftswelt, wenn du nur angestrengte, intellektuelle Bälle vor dir herschiebst, dann braucht es aber auch Entspannung und dass man über sich selber lachen kann. Einmal hast du gelacht, als du gar nicht wolltest, und nicht über dich, sondern über einen Bericht, den du in einer Fragestunde des Ständerats vorlesen musstest.
Irgendjemand fragte, was man mit diesen Rössern macht, die ihm keinen Attest geben. Und der gibt keinen Attest, um zu schauen, ob das Ross nicht vorzeitig erschrickt. Du hast das alles gelesen, bist vor den Ständerat getreten und hast versucht, zu sagen, was Sache ist. Das hat dann so geklappt. Die Gymkhana-Prüfung testet, ob ein Pferd schreckhaft ist bzw.
Angst vor unbekannten und furchterregenden Gegenständen hat. Der Schweizerische Freiberger Zuchtverband führt ca. 10 % aller Leistungsprüfungen als Gymkhana durch. Das ist wirklich absurd. Und so eine Antwort kostet etwa 6'000 Franken. Das habe ich hier abgeschnitten, aus Zeitgründen. Aber am Schluss sagst du, wer die Eingabe gemacht hat, möchte nicht wissen, was seine Eingabe gekostet hat.
Aber es ist so speziell, wenn plötzlich die Luft wegbleibt, weil du es selber lustig gefunden hast. Das ist ja absurd. Ja, und so in der Fragestunde, das hat jeder Nationalrat, jede Session, können Sie es verfolgen am Fernseher, immer am Montag Nachmittag. Und dort hat es also Fragen, dann werden wir lachhaftes Zeug gefragt.
Also haben wir keine anderen Probleme. Und du musst da durch, wenn einer die Frage stellt... Wir haben verschiedene Male versucht, dass das abgeschafft wird oder dass es schriftlich beantwortet wird. Aber jeder Bundesrat muss seine Fragen selber persönlich beantworten. Ja. Es ist auch lustig im Unterhaus in London, wenn der Regierungschef mal Schwierigkeiten hat.
Dem höre ich gerne zu, muss ich sagen. Aber eben Humor, ich will nicht nur sagen Humor, du bist mit so einer Offenheit einfach immer auf die Leute zu. Das ist deine Mischung aus Offenheit und Fürsorge. Man hat immer gespürt, die will das. Im Bundesrat haben wir zum Teil auch schwierige Phasen. Es ist kein Geheimnis, dass Micheline Calmy-Rey und Couchepin sich gar nicht mögen.
Ich sage jetzt nicht «gehasst», aber gar nicht mögen. Und da war natürlich auch die Atmosphäre schwierig. Dann wusste ich, dass ich etwas sagen oder etwas machen muss. Dann habe ich mal wieder einen Kuchen gebacken, dann die Kaffeepause. Echt jetzt? Einen eigenen Kuchen? Ja!
Dann sagte ich Jetzt wird Kaffee getrunken.
Zeitlang gingen wir nicht mehr zusammen zu Mittag essen. Das ist auch nicht gut. Im Gremium passiert viel chemisch. Für solche Sachen habe ich mich immer eingesetzt. Vielleicht ist das von Mama her, wir sind alle gastfreundlich und haben das Gefühl, es ist besser, miteinander zu reden und auch schwierige Phasen zu überstehen, als uns zu bekämpfen.
Jetzt esst ihr die Rüeblitorte zuerst. Du kochst gut, das ist wahr. Ich würde sagen, ja. Nicht alles, aber sonst schon. Ist bestätigt, genau. Was ja, ich möchte mir vorstellen, was etwas vom Faszinierendsten sein muss. Mein Beruf bringt es auch ein bisschen mit. Ich lerne spannende Leute kennen. Aber du lernst sie noch höher und noch näher kennen.
Mit den Mächtigen dieser Welt bist du dann in Kontakt gekommen. Vielleicht hätten wir auch manchmal den nötigen Humor aufbringen müssen. Aber ein bisschen aus der Schule plaudern, eine Typologie der Mächtigen würde ich gerne mit dir machen. Es gibt ein schönes Foto, da ist Barack Obama. Gut, der ist sowieso grösser als alle anderen, und schaut aber so freundlich, wie ist der Barack so unter Menschen?
Ja, das stimmt, das war eben auch lustig mit ihm. Unser Botschafter, das war so ein Empfang, ich weiss nicht mehr wann, auf jeden Fall habe ich gesagt, wir bringen ihm ein Geschenk. Und er hatte ja einen Hund, den Bo. Ja. Und dann haben wir gesagt, ich bringe ihm ein Appenzeller Halsband. Und dann hat der Botschafter das besorgt und ich habe das mitgenommen.
Und ich musste durch die Sicherheitskontrolle, das FBI hat mir das Halsband abgenommen. Und dann habe ich ihm erzählt, es tut mir leid, er müsse beim FBI gefragt werden und ein Halsband herausfordern. Und dann konnten wir natürlich schon lachen. Das hat das Eis gebrochen, das war eigentlich gut. Das war perfekt, ich konnte so mit ihm schon ein bisschen scherzen.
Und wie würdest du ihn schildern? Er war sehr eindrücklich. Die ganze Welt dachte, das sei der ideale Präsident, der schwarze Kennedy. Hat er das Charisma gehabt? Ich erinnere mich, wir hatten ein Nuclear Summit. Das war ein schwieriges Thema. Ich bin da in der Mitte. Wir hatten es gut miteinander. Er war eifersüchtig, Wir hatten es immer etwas lustig, aber er konnte reden.
Er hat immer zugehört. Er war nicht nur charismatisch, er war interessiert am Geschäft. Sarkozy, mit seinen Atomkraftwerken, hatte sowieso Freude, dass man sich für ihn interessiert. Und Medwedew ist ein schwieriger Typ, aber okay. Also nein, das ist wirklich ein sehr spezieller Mensch. Also ich wünschte mir, er hätte eine dritte Amtsperiode machen können.
Nein, du hast es gerade gesagt, du bist auch neben Dmitri Medwedew. Da sind wir ein bisschen von heute aus gesehen im Reich des Bösen, die, die jetzt Krieg lancieren. Was hattest du da für ein Gefühl? Oft gibt es ja Leute, die sagen, als Privatmenschen, hol dir mal gesungen, jetzt sind alle so nett und so.
Hast du nicht den Eindruck gehabt? Also ich hatte mit dem ein Erlebnis. Wir waren in Sotschi an seinem Sommersitz. Medwedew oder Putin? Medwedew. Putin war da der Premierminister. Genau, die haben geswitcht. Und wir hatten ein Steuerproblem. Mein Kollege Merz hat damals... Renova, der Vekselberg, zahlte zu wenig Steuern in der Schweiz.
Wir hatten Forderungen. Die Russen nahmen das sehr persönlich. Ich musste einen Vorschlag überbringen. Ich wollte mit Medwedew ein Vier-Augen-Gespräch machen. Das haben wir gemacht. Als wir aus dem nächsten Saal kamen, kam Vekselberg mit dem Handelsminister. Und ich dachte: Das ist nicht das, was wir abgemacht haben.
Von da an wusste ich, dass man den Russen einfach nichts glauben kann. Man kann abmachen, was man will, aber nichts glauben. Und Putin habe ich dort auch gesehen. Und ich habe auch noch selten einen Menschen gesehen mit so kühlen, blauen Augen. Du hättest dich eigentlich physisch fast gefroren, wenn man das sieht.
Ja. Wie ist es mit den Chinesen? Du hast ja Hu Jintao, aber auch Xi Jinping getroffen. Wie ist der Herr Xi Jinping, wenn ich das so frage? Das war für uns mehr eine Übung als beim letzten Staatsbesuch der Chinesen. Es gab Zwischenfälle, weil die Tibeter ihn feindlich empfangen haben. Und wir mussten im Bundesrat schauen.
Wie weit gehen wir? Wir haben in der Schweiz ja auch Meinungsäusserung und Demonstrationsfreiheit. Und er wollte hier nicht partout. Er zählte nicht so. Nein, und darum haben wir dann einen Kompromiss gefunden. Wir haben ihn am Flughafen mit der militärischen Ehren empfangen. Dann war die Uni unter Kontrolle.
Und dann mit dem Zugenteil, das wir auch unter Kontrolle hatten. Und mit den Tibetern haben wir gesagt, ihr dürft einfach an einem Platz, wo er nicht gerade belästigt worden ist. Aber ja, das sind so Sachen, wo es dann recht schwierig ist, wie weit man geht, dass der Gast sich wohlfühlt und wie weit man sagt, nein, in unserem Land ist das jetzt einfach zulässig.
Und weil wir gewusst haben, das ist ein wichtiger Gast, haben wir uns dort eben für eine Einschränkung entschieden. Ich habe etwas ganz Interessantes von dir gelesen, wo du noch einmal gesagt hast, deine Philosophie diesbezüglich ist, in meinem Land sind unsere Regeln, aber im Ausland, und haben dir aber so wo du irgendwo in einem islamischen Land sein solltest.
Im Gegensatz zu Frau Calmi-Rey, bei der ich mich auch immer hinter die Sonne habe. Du hast dir vielleicht gesagt, du wolltest dich nicht der Welt zeigen im Schleier. Das war mein Entscheid. Ich habe gefunden, in Saudi-Arabien oder im Iran verschleiert hinzugehen, wollte ich nicht. Ich hatte genug Kollegen, die sind gerne gegangen.
Man muss es nicht. Nein, man muss es nicht. Das finde ich einen guten Weg. Umgang mit den Symbolen. Dann, ich habe keine Audios, weil es ist nichts geredet worden in dieser lustigen Situation, aber ich versuche das ein bisschen zu schildern. Es gab einen Tag, als du auf Staatsbesuch gegangen bist, nach Deutschland.
Du fährst vor mit Limousinen, der Chauffeur macht auf, du steigst aus, die Limousine fährt fort. Und dann nichts. Ja. Nach diesem schönen Deutsch-Schweizer Begriff «wie bestellt und nicht abgeholt» stand die Schweizer Bundesrätin da. Das ist etwas komisch. Ja, in der Regel machen die Protokollmenschen das miteinander ab, damit man auf die Sekunde bereit ist.
Und ich stand da einfach nicht. Die Delegation war da 20 Meter weiter weg. Und ich dachte, jetzt stehe ich mal. Irgendwie wird das schon passieren. Und dann kam Frau Merkel irgendwann raus und sagte, sie seien im Lift stecken geblieben. Die technische Panne war furchtbar peinlich und für mich wieder super gut.
Ich konnte im Gespräch etwas mehr verlangen. Du konntest die Liftdividende einziehen. Weisst du noch, was das war? Auch wieder Steuersachen. Wenn du schon zu spät kommst, gehen wir hier ein paar Prozent runter. Frau Merkel ist auch ein ganz interessanter Fall. Ich habe sie ganz am Anfang als Journalist gesehen, am Vorabend, als sie gewählt wurde, die letzte Kundgebung.
Wir sind raus, Schröder hat Vorurteile, sie ist ganz scheu, fast mitlegend. Und nachher wird es die mächtigste Frau in Europa. Hast du einen guten, nahen Kontakt gehabt? Ja, weil wir natürlich auch in der gleichen Partei sind. Im Europäischen Parlament mit der EVP sind wir wieder zusammen. Ich hatte sie gerne.
Natürlich denke ich, sie hat eine sehr gute Aussenpolitik gemacht, aber innerpolitisch vielleicht zu wenig Reformen. Das ist vielleicht der Vorwurf, den man ihr machen kann. Aber menschlich sehr gut, interessiert, supergescheit. Und von dort her denke ich, sie hat in Europa mit allen reden können und hat eigentlich auch die Balance...
sogar mit den Russen. Und ich glaube, da fehlt im Moment tatsächlich eine Persönlichkeit, die es vermag, von Spanien bis eben auch in die baltischen Staaten, die jetzt in Problemen sind, einfach zu vermitteln. Wart ihr per Du? Ja. Hattest du die Handynummer von ihr und so? Immer noch? Schauen wir nachher.
Ich mag sie da passen. Wer weiss auch wie. Sie hat natürlich auch etwas gewagt. Eine unpopuläre Sache, Flüchtlinge reinzulassen.
Richtig herzhaft voran «Wir schaffen das.»
Und es ist völlig missbraucht. Hättest du das nicht gemacht? Nein. Da habe ich sie nicht so ganz verstanden. Man wusste ja schon, die Flüchtlingsströme über den Westbalkan, die kann man nicht stoppen. Und mir macht es auch jetzt Angst. Es ist wirklich nicht bekannt, dass ich gegen ein Asylverfahren bin.
Aber wenn man jetzt wieder in Afrika schaut, haben sie noch mehr Dürren. Wir haben jetzt mit Ceuta die ersten Vorgeschmäcker bekommen. Das macht mir schon Angst. Wenn hier Hunderttausende kommen, wie gehen wir mit dem um? Wir können nicht alle zurückschicken oder nicht alle im Mittelmeer ertrinken lassen.
Und hier eine Balance zu finden, ist extrem schwierig. Darum denke ich, das kann nicht ein Land alleine schultern. Da muss man irgendwo verteilen können. Oder schauen, dass es in diesen Ländern wirklich eine Zukunft gibt für die jungen Männer vor allem, die sonst einfach Arbeit suchen und dann kommen sie halt zu uns.
Es gibt ja Kräfte wie in Dänemark, Sozialdemokraten, die sagen, wir sind sozial links, aber wir machen eine harte Flüchtlingspolitik. Würdest du auch so etwas machen wahrscheinlich? Also so hart wird es denen vielleicht schon nicht gerade, aber ich finde, man sieht es jetzt auch bei vielen Wahlen, das beschäftigt die Leute und es sind dann gerade noch so andere Kulturen, die auch anders gepolt sind im Umgang auch mit Frauen, im Umgang mit unseren Werten und da finde ich es ganz schwierig, dass man die integrieren kann in unsere Gesellschaft.
Und darum finde ich, alles, was man machen könnte, um Arbeit zu verschaffen, gerade jetzt in Nordafrika, das wäre gescheit. Und nur weil ich jetzt deine Meinung für gegenwärtige Themen gefragt habe, bezüglich Atomausstieg gibt es ja Leute, jetzt im Land, die sagen, wenn die Leute nicht den Fehler gemacht hätten, wir wären noch so froh, hätte ihr Kopf nicht die Meinung geändert.
Haben die recht oder nicht? Sicher, was man heute sagen kann, mit unseren Berechnungen des Strombedarfs ab 2035 sind wir viel zu bescheiden gewesen, weil da gab es noch keine Rechenzentren oder nur wenige. Und da ist der Bedarf heute viel grösser als da, wo wir gerechnet haben. Da muss man sagen, das ist ein Fehler oder einfach eine andere Ausgangslage.
Aber bei den Kernkraftwerken bin ich immer noch der Meinung, im Moment sehe ich nicht eine technische Entwicklung, die weniger kostet und weniger Risiken beinhaltet. Darum sagen die heutigen Betreiber von Kernkraftwerken, dass es keinen Einzigen gibt, die das bauen würden. Wenn die Betriebe dieser Meinung sind, dann würde ich ihnen schon etwas...
Aber man soll es studieren. Ich habe dem Rösti gesagt, es gibt etwas, das in Kanada läuft, wo man den Nuklearabfall wieder aufbereiten kann. Und wenn das klappen würde, wäre das natürlich genial. Wir haben für den Abfall 10 Milliarden eingestellt im Lager, den wir planen. Und wenn wir hier statt verlochen wieder aufarbeiten könnten, wäre das gescheit.
Aber das ist im Moment nicht spruchreif. Die Kanadier probieren das jetzt aus. Ziehen wir doch wieder eine philosophische Karte. Hoffnung. Václav Havel sagte, Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht. Teilst du das? Ich bin ein bisschen bei Crans-Montana engagiert, bei diesen Opfern.
Wenn ich dort die Jungen sehe, mit ganz vielen Verbrennungen, die brauchen die Hoffnung. Die brauchen ganz viel Hoffnung, dass sie wieder ein normales ein normales Leben führen können, dass sie arbeiten können, dass sie wieder mit ihren Freunden zusammen sein können. Und für dich ist es ganz zentral, dass du gesund wirst und du musst eine Perspektive haben.
Und da finde ich Václav Havel sehr, wie soll ich sagen? Über den Köpfen oder so. Es kommt schon auf einen Fall drauf an. Für die, die das nicht wissen, kann man sagen, Du bist Präsidentin dieser Stiftung, die schaut, dass die grössten Härten gemildert werden sollen. Sicher ein sehr harter Job. Du gehst also an die Krankenbetten?
Ja, nicht bei allen, aber wir haben immer noch Opfer, die auf der Intensiv- oder in der Reha liegen. Und um zu wissen, welche Probleme und Bedürfnisse wir machen können, ist es natürlich wichtig, dass ich ab und zu auch persönlich vorbeigehe. Weltweit haben ja viele den Kopf geschüttelt, als sie sahen, wie das in der Schweiz passieren konnte.
Mich hat es auch manchmal wütend gemacht. Es ist wie ein Failed State, nichts kontrolliert. Das macht mich auch wütend. Darum ist es eben auch eine politische Komponente. Ich habe gesagt, ich mache das, weil es um die Reputation der Schweiz geht. Wie du sagst, haben viele gar nicht damit gerechnet, dass bei uns so etwas passieren kann.
Hat es dich überrascht? Hast du nicht gedacht, dass so Kontrollen versagen? Ich glaube natürlich an den Rechtsstaat. Und ich glaube auch, dass der Rechtsstaat umgesetzt werden muss, bis in ein Dorf. Das ist so. Wenn du nicht mehr weisst, dass es funktioniert und alle versuchen, die Vorschriften einigermassen umzusetzen, dann haben wir ein Problem.
Müssen wir etwas scharf ändern? Müssen wir von der Zentrale aus zentralistischer sagen: Das geht einfach nicht, das wollen wir nie mehr erleben. Ich bin Föderalistin. Ich glaube, viele Sachen kann man auf Kantons- oder auf Gemeindesebene besser lösen. Man ist näher bei den Leuten. Aber man muss sich natürlich darauf verlassen, dass man weiss, wie man damit umgeht und dass wirklich Kontrollen stattfinden.
Wir haben ja das Gleiche gesehen bei den Masken. Es hat eigentlich einen Maskenaufbewahrungsbegriff. Ich weiss das auch noch vom Detailhandel her, um keine Werbung zu machen. Aber man hat viel zu wenig an Lager gehabt. Die Spitäler haben eigentlich versagt. Ich lebe doch in der Schweiz. Wir sind das perfekteste Land der Welt.
Die können immer Masken zählen. Katastrophe. Hat schon jemand gewusst, dass eine Pandemie kommt? Komisch. Wir sind nicht perfekt. Wir sind eben auch nicht perfekt. Das ist schade. Aber ziehen wir wieder eine philosophische Art, dann wird es vielleicht perfekter. Und das Thema ist Loslassen. Jetzt kommen wir zu einem spannenden Moment.
Du warst so jung, als du 43 warst. Und in den 12 Jahren warst du 55. Sozusagen ein Reh in seiner frühen Jugend.
Toni Morrison «Wenn du fliegen willst,
musst du die Sachen loslassen, die dich runterziehen.» Ist es so gewesen, dass es dich auch runterzieht und du sagst, weg mit dem Bundesratsamt? Nein, ich habe es gerne gemacht. Ich hatte am Schluss noch den Postautoskandal. Da fand ich, ja Da muss ich auch hinstehen. Ich habe das noch begleitet. Irgendwann fand ich aber auch, mit 56 kannst du noch mal etwas Neues anfangen.
Wenn ich noch mal vier Jahre mache mit 60, dann ist es wahrscheinlich zu spät. Dich hätte es schon noch genommen. Nein, nein. Da musst du dich schon vorbereiten im Kopf. Es ist dann schon eine Zäsur, wenn du von einer 80-Stunden-Woche plötzlich zu Hause bist. Okay, was mache ich jetzt? Kann ich die ganze Zeit putzen?
nach Hause? Und von daher habe ich mir im Kopf das gesehen. Es war richtig. Es fühlt sich immer noch richtig an, bis heute. Es ist viel zu spät, dass ich diesen Disclaimer noch reinbringe. Warum wir uns «Du» sagen. Wir hatten natürlich lange viele Interviews im «10vor10» auf Podien, solange sie Bundesrätin war und ich schon.
Das war alles per Sie. Und eigentlich mit dem ersten Podium, wo du nicht mehr Bundesrätin warst, hast du das «Du» angeboten. Also das hat alles seine Ordnung. Ja, ja. Gut, da hatte sie ja noch einen Cousin beim Fernsehen. Das ist sowieso... Das System der Nähe in der Schweiz funktioniert. So kann man gleichzeitig Cousin sein und scharfer Interviewer sein.
Wir haben uns sogar im Bundeshaus gesiezt. Ja, in der Rolle, in der Sitzung. Einfach aus Respekt und dass wir eine gewisse Distanz haben. Dann kam der Tag, an dem du gesagt hast, jetzt gehe ich. Weisst du noch, war das so ein Moment? Nein, nein, nein. Da habe ich lange mit mir herumgetragen. Ich hatte eigentlich schon, glaube ich, im April, Und dann ist das Postauto-Zeug einfach, nein, das kann ich nicht.
Und dann hast du das einfach noch verlängert. Aber dann musst du, es hat ja nicht so viele Möglichkeiten. Wenn du willst, dass in der Dezember-Session eine Wahl stattfindet, dann musst du das spätestens im September sagen. Ja. Ja, und von daher musst du immer zurückrechnen, wann muss ich was sagen, dass es dann auch korrekt stattfinden kann.
Hat es sozusagen niemand gewusst? Also nur die ganz Nächsten, die Privaten? Ja. Deine Partei hast du nicht informiert? Ja, einen Tag vorher. Und danach hast du das entschieden und bist vor die Schweiz, vor die Medien gegangen. Und das war auch eine ganz schöne Pressekonferenz. Nicht wie man sie so kennt.
Am Anfang wieder die Präsidiali, alles können sie in die Ohren. Und irgendwann bricht dann die Stimme doch. Es ist ein Wechsel. Der ist immer auch mit Emotionen verbunden, wie Sie spüren. Weil so Wechsel sind ja Loslassen, Wechsel sind auch neues Wagen. Ich habe diese Arbeit sehr gerne gemacht und ich hoffe, Sie sind zufrieden mit meiner Arbeit.
Das finde ich unglaublich. Die Ministerin, die geht und im Volk und in den Medien sagt, ich hoffe, Sie sind zufrieden. Das ist von Herzen gekommen. Ich denke, das ist eine berechtigte Frage. Ja, ja. Wegen dem hast du es ja gemacht. Nicht nur einfach... Natürlich auch zu einem guten Lebensplan und sich nicht langweilen im Leben, aber auch fürs Land.
Also primär für das. Ich finde, es ist wirklich dein. Sonst würdest du das nicht aushalten. 80 Stunden in der Woche ist schon einfach... Ich hatte immer ein grosses Departement und viele Projekte. Und dann lebst du für das. Und dann musst du dich bei jedem Projekt auch fragen, was ist jetzt wirklich gut für das Land?
Von wem profitiert die Bevölkerung? Und wo machst du Fehler oder hinterlässt du Scherben? Den Ton habe ich jetzt nicht, aber ich habe auch mit Faszination gehört, was du im offiziellen Abgang sagst, als du dich vom Rat verabschiedest. Das habe ich noch nie gesehen. Ein Regierungsmitglied, das sich beim Chauffeur, beim Weibel, bei den Leuten in der Kantine bedankt.
Die waren für mich wichtig. Meine Weibelin schaute, dass ich esse. Sie schaute, ich solle wieder zum Coiffeur gehen. Oder mein Chauffeur... Bist du per du mit der Weibelin? Ich war per du. Nicht am Anfang, aber sie war so manches Jahr bei mir. Fritz hat in der Wohnung meine Kleider in die Reinigung gebracht und wieder geholt.
Und die können mich bis heute besuchen. Mit denen verbringst du so viele Stunden und du bist angewiesen auf die. Und in der Kantine hast du die Leute auch gekannt? Ja, ich bin sogar mal, als mein Mann einmal auf Besuch kam, da hat er natürlich gerade geholfen in der Kantine. Und ich habe die alle gekannt.
Und ja, die leisten ganz viel. Das sind alles Leute, die man schätzen muss. Und ich habe immer die einfachen Leute geschätzt. Wenn jetzt noch der Kontakt ist und sie dich besuchen können, wenn sie ins Tessin fahren. Im Gegensatz zu Thomas Gottschalk kann ich mich jetzt nicht endlos überziehen mit meinen Produktionen.
Das heisst, wir kommen jetzt schon gleich gegen das Ende. Ich nehme noch «Älterwerden», die philosophische Karte. Colette, französische Schriftstellerin, hat mal gesagt, «Was für ein herrliches Leben hatte ich. Ich wünschte nur, ich hätte es früher bemerkt.» Ist dir nicht passiert? Es war schon eine schöne Zeit.
Es ist eine schöne Zeit, aber es ist auch richtig, dass sie aufhört. Ich kann jetzt wieder zurück in die Wirtschaft. Ich habe es wieder spannend. Ich habe wieder viele spannende Fragen. Darum macht mir auch das Älterwerden nichts aus. Ich merke, dass ich etwas müde bin und mehr Schlaf brauche. Und eben, mit der Familie hast du plötzlich Enkel, wo du merkst, okay, jetzt bin ich nicht mehr so jung.
Aber es sind wieder neue Aufgaben und darum mit Dankbarkeit und Lebensfreude kannst du auch das Alter meistern. Du bist ja sehr aktiv. Fast 40% deiner Zeit nimmt mindestens Pro Bono Arbeit. Aber dann bist du auch in der Wirtschaft, bist Vizepräsidentin von Coop. Als mir jemand das gesagt hat, weil ich es nicht gerade gesehen habe auf den
News «Doris Leuthard geht zu Coop»,
habe ich gesagt, «Ja, echt jetzt mal». Also es ist natürlich hoch, ehrenhaft Vizepräsidentin von Coop zu sein. Aber wenn du Bundespräsidentin bist und mit Obama geschäkert hast, merkst du: «Echt jetzt, wie gut». Ja, Essen und Trinken ist wichtig. Ich habe Nachhaltigkeit, Logistik, Energie. Ich habe alle Fragen.
Aber in der Praxis. Mit den Preisen, die es kostet. Und dass man keinen Chauffeur hat, der vorfährt. Das ist das Gleiche. Ja, ich musste selber wieder Autofahren lernen, aber es ging. Ich habe ja mehr oder weniger in Genf zusammen mit José Manuel Barroso studiert, als er dann nach Europa ging. Und ich hatte ihn mal in einem Gespräch und sagte, wie war der Tag, als die Macht weg war, als das Amt fertig war.
Er sagte, dass die Macht weg war, merkst du, wenn du in ein Auto einsteigst und es fährt nicht ab. Ist dir das auch passiert? Also nicht gerade so, aber es ist wirklich so. Ich gehe mir selber den Kaffee holen. Ich bin technisch nicht so bewandert. Vorher haben sie alles gemacht. Und jetzt muss ich da wieder alles selber.
Und dann bin ich natürlich viel langsamer als die, die mich unterstützt haben. Aber so ist das Leben. Und das ist auch gut, wenn man wieder zurückgeht und merkt, was man für Unterstützung hat. Und ja... Auch noch zum Thema älter werden. Eine ganz schöne Sache habe ich gefunden. Irgendwo hast du dort erzählt, dass du schon zweimal zum Papst Franziskus gehen konntest.
Beim Ratzinger warst du auch da. Aber bei Franziskus, deiner Mutter, die alt geworden ist und das Jahr vor deinem Vater, ihrem Mann, gestorben ist, hast du sie einfach zur Privataudienz Mami mitgenommen? Ja. Wie war das beim Franziskus? Für mich war meine Mami sehr katholisch und für sie ist das natürlich Ah!
Und ich fand, ich habe ja Platz im Flugzeug, ich nehme sie mit. Und beim Franziskus war er wirklich ein ganz spannender Mensch, sehr bescheiden. Ich habe noch eine eigene Rose. Im Aargau hat es den Rosenhuber, der hat das für mich gezüchtet. Und dann habe ich immer eine Rose mitgenommen. Ich sage dann, die ist, es ist eben eine spannende Rose, sie riecht gut, sie kann sich biegen, hat aber Stacheln.
Nicht zu viele, aber sie hat ein paar. Die metaphorische Rose par excellence. Genau, genau. Und so haben wir uns dann gut verstanden. Es war witzig. Merkt man das Charisma? Ja, sehr. Ich bin natürlich sehr stolz. Wir haben mal im italienischen Radio ein Interview gemacht, was er über die Schweiz wusste.
Und dann hat er gesagt «Conosco la Doris.»
Das ist nahe an einer Heiligsprechung. «Santa Doris, zurück aus Rom». Nein, das ist wirklich schön. Wenn du noch so voller Energie bist, voller Sachen und so, das Älterwerden, wenn es richtig kommt, 80, 90, 110 oder so bei dir, macht es auch irgendwie Angst? Oder hilft das C von der CVP, wenn man sagt, alles schon geregelt?
Nein. Meine Mama hatte einen Hirnschlag und war dann gelähmt für den Rest ihres Lebens. Sie musste dann ins Pflegeheim. Wenn ich mir vorstelle, in ein Pflegeheim zu müssen und auf Hilfe angewiesen zu sein Das macht mir eine schwierige Vorstellung. Ich war immer gegen Sterbehilfe und Exit und so. Aber es wird mir ein bisschen wohler oder sympathischer, will ich einfach denken.
Irgendwo dann in anderen zur Last zu fallen und so noch dahin zu leben, das beschäftigt mich. Und da finde ich schon etwas, woran man mit 30 nicht denkt, aber jetzt in meinem Alter denke ich schon daran. Das finde ich aber auch richtig. Aber ich weiss noch nicht, was da passiert. Aber ja, ich denke an den Moment, ja.
Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung ändern kann. Und du bist jetzt am Neusuchen auf dem Gebiet? Ja, ich weiss noch nicht, was ich mache, aber ich weiss, ich muss es in den nächsten 7-8 Jahren machen. Ah, gibt es eine Frist oder so? Ich denke, wenn du nicht mehr selber urteilsfähig bist …
Ja, aber warum sieben, acht Jahre? Ja, ich bin der Gerechtigkeit. Bei deinem Fössakre schauen wir mit Hulda dreimal. Man macht was man will. Es war wunderbar, ich könnte noch viel länger mit dir reden und Ziemlich sicher, die Leute würden auch viel länger zuhören. Aber es war eine grosse Freude und eine grosse Ehre, dass wir unsere Reihe «Weiss der Teufel» mit dir haben eröffnen dürfen.
Das war total spannend. Das Thema war eben für mich «Kann Politik glücklich machen?» und du hast das auf so eine wunderbare Art analysiert. Und ich würde als Bilanzkonklusion sagen: Ja, also ja. Und dann hast du aber selber eine Frage reingebracht, so wie ich es noch von wenigen Regierungsleuten habe.
Habe ich meine Arbeit gut gemacht? Ich habe im ganzen Universum recherchiert und werde diese Sendung am liebsten, wenn ich das früher noch nicht gemacht habe, mit einem Reim beenden, wo die Antwort ist auf deine Frage. Und der Spruch lautet so. Der Teufel schweigt, die Engelschar lacht. Sie hat ihre Arbeit gut gemacht.
Doris Leuthard, meine Damen und Herren. Ich bin abgestochen. In 40 Jahren kommst du wieder. Wir reden weiter.