
5-Minuten-Talk – wir haben ja nicht ewig Zeit· Folge 280
Immerhin, ein guter Außenkanzler. Aber stimmt das überhaupt?
Dienstag, 5. Mai 2026 · 5 min
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Shownotes
Innenpolitisch steht der Kanzler unter enormem Druck. Die Reformmaschine klemmt, die Koalition ist zerstritten, der Regierungschef selbst höchst unbeliebt. Aber auf internationalem Parkett macht Friedrich Merz bella figura. Seine Besuche im Oval Office hat er unfallfrei überstanden, er hat Deutschland zurück auf die Weltbühne gebracht. Heißt es.
Doch angesichts der jüngsten Zollandrohungen aus Washington und der Ankündigung, 5000 US-Soldaten aus Deutschland abzuziehen, stellt sich die Frage: Wie erfolgreich ist Friedrich Merz überhaupt in der Außenpolitik? Die stern-Politikchefs Veit Medick und Jan Rosenkranz diskutieren.
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+++Redaktion und Produktion: Veit Medick, Jan Rosenkranz und Isa von Heyl+++
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Fünf Minuten Talk, wir haben ja nicht ewig Zeit. Mein Name ist Jan Rosenkranz. Und ich bin Veit Medig. Also Kanzler muss ich ganz ehrlich sagen, möchte ich dieser Tage nicht sein. Es wird ja kein gutes Haar mehr an Friedrich Merz gelassen. Innenpolitisch sowieso nicht. Das Einzige, was man ihn gerade noch so lässt, ist die Außenpolitik.
Nicht ganz zu Recht, wie ich finde. Jetzt fängst du da auch noch an rumzunörgeln, oder? Naja gut, wenn man es mal durchgeht, also kann man sagen, das sieht vielleicht alles ganz gut aus, weil er hat Deutschland irgendwie wieder auf die Weltbühne gebracht. Ja klar, er macht viele Reisen und ist mal in Indien und mal in den USA und im Oval Office macht er auch keine ganz schlechte Figur.
Aber so gut es aussieht, so wirkungslos und erfolglos ist doch seine Außenpolitik bisher oder nicht? Ja, also ich würde da jetzt nicht sofort den Stab drüber so brechen. Zum einen muss man ja mal sagen, Außenpolitik ist nun wirklich das, was Max Weber meinte mit dem Bohren dicker Bretter. Das ist nun wirklich nichts, wo man schnelle Erfolge feiern kann.
Da kann man auch, muss man sagen, kaum riesige Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesregierungen ausmachen. Und da hat diese jetzt doch schon einen erheblichen Wechsel zur vorherigen hingelegt. Naja gut, aber nehmen wir mal zum Beispiel die USA und das Verhältnis zu Donald Trump. Das ist ja, ich weiß gar nicht mehr, wie viele Wendungen es da jetzt schon gab in der Außenpolitik von Friedrich Merz. Also es fing an mit...
Sein Besuch im Oval Office im Juni vergangenen Jahres, wo er das ganz gut gemacht hat, sehr freundlich aufgetreten ist, ihm ein Präsent mitgebracht hat, ihn nach Deutschland eingeladen hat und er sich selbst so als der Trump-Versteher auch in Europa inszeniert hat. Ich habe die Handynummer und er kann mich jederzeit anrufen und endlich hat mal der Donald eine Nummer, bei der er sich melden kann, wenn er eine Frage hat in Europa.
Und jetzt willst du ihn zum Vorwurf machen, dass Donald Trump noch immer nicht zu Besuch gekommen ist oder was? Nee, aber mittlerweile hatte man ja den Eindruck, er ist sozusagen so sehr auf Abstand zu Donald Trump gegangen. Kürzlich war er in einer Schule, hat vor Schülern gesagt, die USA würden vom Iran gedemütigt und Donald Trump sei planlos, habe keine Strategie im Iran.
So richtig das auch alles ist. Ich sehe nicht, wie man das vereinen kann mit dem ursprünglichen Ansatz, die Nähe von diesem Mann zu suchen, um ihn möglichst irgendwie noch zu beeinflussen hier und da. Ja, aber jetzt muss man sagen, der eigentliche Vorwurf, der jetzt ja immer kommt, ist, dass die Ankündigung von Donald Trump vom vergangenen Wochenende sowohl die 25% extra Steuern auf LKWs aus Europa und Deutschland neu zu erheben und natürlich die zweite Ankündigung, die 5000 US-Soldaten aus Deutschland abziehen zu wollen.
Das ist jetzt ja der große Vorwurf und das finde ich, also da einen Zusammenhang zu konstruieren, mag eine Strafaktion sein, war aber wahrscheinlich ohnehin geplant. Also nehmen wir mal Frankreich. Anderes Thema. Emmanuel Macron, erinnere dich doch mal an diese Fotos. Noch bevor Friedrich Merz überhaupt Kanzler wurde, er ist da nach Paris geflogen und hat Emmanuel Macron zum Abendessen getroffen.
Und die Rückkehr der deutsch-französischen Freundschaft, das war so ein bisschen die Überschrift ja über diesem ganzen Kapitel. Ehrlich gesagt, so wahnsinnig viel ist davon nicht übrig geblieben. Jüngstes Beispiel ist doch das FKAS-Kampfflugzeug, das jetzt... Natürlich nicht gebaut wird, weil Deutschland und Frankreich sich da nicht eignen können.
Und auch die beiden Präsidenten und Kanzler haben es nicht geschafft, da irgendwie einen gemeinsamen Plan zu erarbeiten. Jetzt kann man das alles Emmanuel Macron vorwerfen. Würde ich gerade machen wollen, weil ehrlich gesagt, das ist ja nicht die Schuld von Friedrich Merz. Emmanuel Macron steht mit dem Rücken zur Wand und zwar deutlich länger als Friedrich Merz, schon innenpolitisch. Der hat überhaupt keinen Spielraum mehr, sich zu bewegen.
Daher auch diese ganzen Diskussionen um EFKAS und dass die Franzosen selbst den größten Anteil an diesem gemeinsamen Verteidigungsprojekt gerne haben würden. Ja, okay, aber ich sehe da ein Muster, was sich ja auch in der Innenpolitik niederschlägt. Friedrich Merz hat vor Amtsantritt geglaubt, nur weil er gewählt wird, wird alles anders in der Politik und alles wieder viel besser und alles wie früher.
So leicht ist es halt nicht, noch nicht mal im Verhältnis zu Frankreich und auch in Europa. Aber ja, großer Führungsanspruch und er will irgendwie Europa vereinen und so. Aber ehrlich gesagt, der Kontinent ist ziemlich zerstritten in Sachen Ukraine. Da gab es mal ein großes diplomatisches Manöver. Hier in Berlin haben sich alle getroffen, geguckt, ob man da irgendwie richtig einen Impact haben kann auf die Friedensverhandlungen.
Ist irgendwie nicht so richtig passiert. Und Friedrich Merz ist mit seinem Vorhang, die eingefrorenen russischen Vermögen zu mobilisieren und der Ukraine zur Verfügung zu stellen, gescheitert. Kurzer Widerspruch auch hier. Friedrich Merz hat aber immerhin es geschafft, dass Europa nicht auseinandergeflogen ist in dieser Ukraine-Frage.
Denn du musst ja eins nicht vergessen, die Amerikaner sind komplett ausgestiegen aus der Hilfe für die Ukraine. Es hätte durchaus, und das war vorher eigentlich der Stand der Diskussion, passieren können, dass daraufhin Europa die Segel streichen muss, weil es niemals wird es schaffen, diese Hilfen zu ersetzen.
Doch, man hat es hinbekommen, diese Hilfen zu ersetzen, man finanziert sie jedenfalls, Militärhilfe kommt nach wie vor aus Amerika, aber bezahlt wird sie aus Europa. Und da bei den widerstreitenden Interessen das zusammenzuhalten, muss man sagen, ist schon auch ein Verdienst von Friedrich Merz. Auf eins können wir uns aber wahrscheinlich einigen, egal wer von uns beiden Recht hat, als Außenkanzler wird er die nächste Wahl nicht gewinnen.
Ich glaube, das wird nur über die Innenpolitik. Das war der 5-Minuten-Talk für heute. Wir sind morgen wieder für euch da mit einer neuen Folge wie immer ab 5 Uhr morgens. Und schreibt uns gerne einen Kommentar oder eine E-Mail an 5mt-at-stern.de.