Alle Zeit der Welt· Staffel 1· Folge 116

Blut und Verleumdung: Die Geschichte der Ritualmordlegende

Freitag, 28. März 2025 · 1 h 48

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Shownotes

Die Ritualmordlegende ist eine der zerstörerischsten Verschwörungstheorien der Geschichte – doch ihre Wurzeln reichen viel weiter zurück, als viele vermuten. In diesem Podcast begeben wir uns auf eine Reise durch die Jahrhunderte: Wir beginnen in der Antike, bei den Verfolgungen der Bacchanalien-Kulte im alten Rom, und verfolgen, wie sich ähnliche Motive über die Jahrhunderte wandelten – von den Dämonisierungen frühchristlicher Sekten über mittelalterliche Mythen über Juden und Hexen bis hin zur Verbreitung der Ritualmordlegende in der Neuzeit.
Wie entsteht eine solche Verleumdung? Warum überlebt sie über Generationen hinweg? Und welche verheerenden Folgen hatte sie für unschuldige Menschen? In Blut und Verleumdung beleuchten wir historische Quellen, verfolgen den Wandel dieser Lüge und zeigen auf, wie sie bis in die Moderne nachhallt.
Gast: Leif Inselmann
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Quellen & Literatur:
• de.wikisource.org/wiki/Ritualmordvorwurf
• de.wikisource.org/wiki/Das_von_den_Juden_get%C…)
• deutschlandfunkkultur.de/antisemitische-fake-n…

Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin

Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Alle Zeit der Welt. Heute mit live. Willkommen zurück live. Ich bin gerne wieder hier. Es geht heute um ein Thema, das wir schon öfter angeschnitten haben in unserem Podcast, weil wir viele verwandte Themen behandelt haben. Und ich freue mich sehr, dass wir heute mal zum Kern des Problems, zum Kern der Sache kommen, nämlich der Ritualmordlegende, dem Blood Libre auf Englisch. Genau, ja, heute beschäftigen wir uns mit einem eher unfühlen Thema, nämlich mit Horrorgeschichten, die erfunden wurden, um ganz reale Gräuldaten zu rechtfertigen.

Und wenn wir online uns mit der Ritualmordlegende beschäftigen wollen, Dann finden wir verschiedene Artikel und Einträge in relativ glaubwürdigen Quellen, die so Sachen sagen, wie hier im Deutschlandfunk Kultur von 2018 von Alcarius Luba veröffentlicht wurde, Zitat, die Ritualmordlegende stammt aus dem Mittelalter. Ihr Inhalt ist eine fürchterliche Lüge. Sie besagt, dass Juden in der Osterzeit kleine Kinder töten und deren Blut trinken. Ja, oder auch ganz ähnlich im Glossar Antisemitismus der Bundeszentrale für politische Bildung. Der erste dokumentierte Fall einer Ritualmordbeschuldigung ereignete sich 1144 in Norwich, England. Von da an verbreitete sie sich über ganz Europa und löste wiederholt Judenverfolgung aus. Oder auch

auf Englisch in der Enzyklopädiabritannica, Blood Libbe, In this superstitious accusation, the Jews ritually sacrificed Christian children at Passover to obtain blood for unleavened bread. It first emerged in medieval Europe in the 12th century and was revived sporadically in eastern and central Europe through the medieval and modern periods. Ja, und ich hatte die schöne Gelegenheit, den Beepin von einem Artikel von dir zu lesen, der jetzt bald im Skeptiker erscheinen wird.

Nachdem ich den Artikel gelesen habe, wurde mir noch mal deutlich, wie falsch diese Aussagen ja doch sind aus all diesen sehr glaubwürdigen Quellen. Nicht unbedingt was ihre Aussagen über die Ritualmordlegende an sich angehen, sondern eben über diese Ursprünge. Sie verfolgen das eben nicht weit genug zurück und tatsächlich lässt sich die Ritualmordlegende deutlich weiter zurückverfolgen. Ganz genau, denn sie startet tatsächlich mitnichten mit den Anschuldigungen gegen Juden im Hochmittelalter, sondern geht tatsächlich bis in die vorchristliche Antike zurück. Damals war es geradezu ein Klischee von antiken Verschwörungstheorien. Man muss wirklich sagen, in der Antike waren Verschwörungstheorien,

Verschwörungsmythen weit verbreitet. Sowohl im politischen Bereich als auch dazu kommen wir später durchaus gegenüber religiösen Gemeinschaften. Zum Beispiel berichtet der griechische Autor Plutarch, Eine Anekdote aus der Rümpfengefichte. Ähnlich wurde ja der letzte König von Rom, Tacuinius Superbus, gestürzt und aus der Stadt vertrieben, wonach eben die Rümpfrepublik gegründet wurde.

Und danach sollen einige verbliebene Monarchisten in Rom noch einen Umsturz geplant haben. Und Plutarch schreibt, man beschloss, dass alle einen gewaltigen und furchtbaren Eid schwörten, dabei das Blut eines geschlachteten Menschen vergießen und seine Eingeweide berühren sollten. Das klingt schon mal durchaus ähnlich wie das, was wir aus dem späteren Ritualmord der Beschuldigung kennen und diese Quelle ist keinesfalls einzigartig.

Lesen wir zum Beispiel beim großen Historiker Diodor. Der lebte Anfang des ersten Jahrhunderts vor Christus über den damals schon berühmten und berüchtigten Tyrannen Apollodorus von Cassandrea. Der lebte 200 Jahre früher, gestorben 276 vor Christus. Wie der nämlich an die Macht gekommen sei. Um sich der Treue der Verschworenen durch die er zur Alleinherrschaft gelangen wollte, zu versichern, lud Apollodorus, einen ihm befreundeten Jungling, angeblich zu einem Opferfest ein, flachterte ihn den Göttern zu ehren und gab dessen Eingeweide den Verschworenen zu essen und hieß sie das Blut mit Wein vermischt trinken. Eine der berühmtesten Verschwörungen der Antike ist natürlich die Verschwörung des Cattelina, also eines römische Staatsmanns,

der im ersten Jahrhundert vor Christus versuchte, die Macht in Rom an sich zu reißen. Manch einer kennt es vielleicht aus dem Lateinunterricht von Cicero. Also für alle Nicht -Eingeweihten, die nicht im Lateinunterricht waren, Cicero ist quasi der Vorredner der Fraktion gegen Catalina im Senat. Und die Reden von ihm sind eben so große Meisterwerke, dass sie bis heute im Lateinunterricht als der Standard für die Sprache verwendet werden.

So ein bisschen die Shakespeare -Effekt im Englischen. Genau, da wurden schon Generationen von Schülern damit gequält. Genau, Katilina hatte laut Cicero auf jeden Fall eine Verschwörung geplant und wollte die Macht an sich reißen und die Republik abschaffen. Über Sulla und die diktatorischen Szenarien vor Caesar würde ich gerne meine eigene Folge machen, weil ich das sehr, sehr spannend finde, was da so abging und wie, also mit den Krachen dann auch. Da kann man so eine schöne Metageschichte von politischer Gewalt in der römischen Republik vielleicht erzählen. Das ist aber eine andere Folge. Gerade wird vor allem Julius Evola von den Hörern überall auf allen Kanälen verfolgt. Von daher wird das irgendwann

mal kommen. Der hat auch ganz groß an Ritualmorde geglaubt, um das hier ans Thema zurückzubringen. Ja, aber zurück zur Römischen Republik. Wir haben also diese Situation, dass Catalina in dieser Verschwörungssituation später, nicht von Cicero, aber von anderen Leuten vorgeworfen wird, dass er sich an Ritualmorden beteiligt. Ganz genau lesen wir zum Beispiel beim Autor Salust, der schreibt, manche Leute behaupteten damals, Katharina habe nach Schluss der Rede die Genossen seines Verbrechens eidlich verpflichtet und dabei Menschenblut mit Wein vermischt in Schalen herumgereicht.

Als alle nach schwührender Verwünschung davon gekostet, wie es bei feierlichen Opfern üblich ist, erst dann habe er seinen Plan enthüllt. Als Grund seines Handelns gab man an, sie sollten umso treuer zueinander stehen, wenn einer vom anderen eine solche Pfandtat wüsste. Allerdings fügt er da auch hinzu, dass es ihm bei der Fähre des Falzes selber noch zu wenig verbirgt, er feine. Salust hatte also durchaus Zweifel. Und auch Plutarch berichtet die Anekdote ein bisschen anders. Er schreibt, diesen Mann hatten die Bösewichter sich also zum Führer genommen und außer anderen Täuflern, die sie sich gaben, einen Menschen getötet und von seinem Fleisch gegessen. Hier wird nun also nicht mehr nur noch er Blut getrunken,

sondern sogar das Fleisch gegessen. Und das hat natürlich dieser konkrete Vorwurf des Kannibalismus dient natürlich seit jeher und vor allem auch in der Antike immer zum Anzeigen, der sein Baba ist, nicht zivilisiert oder er entspricht nicht unseren moralischen Vorstellungen und das war eine kulturell anerkannte moralische Übertretung, einen Menschen zu töten und sein Blut zu trinken beziehungsweise, ja. Ja, es ist halt eine Form von Otherwing, also halt einen Menschen zu einem Unmenschen zu stilisieren. Wir kennen das ja aus Antikoff und aus der Mythologie. Da gibt's Anekdoten, zum Beispiel der böse Könige Lycaon, der den Göttern seinen getöteten Sohn zum Phras vorgesetzt hat und ähnliches. Oder auch im Dionysos

Kult und so, wo in den Mythen angeblich Menschen im Waren andere zerfleischt haben sollen und ähnliches. Oder bei der Beschreitung von fremden Völkern. den Germanic Helden und so weiter. Kannibalismus gilt da halt immer so als natürlich die ultimative Übertretung der normalen zivilisierten Ordnung. Und wird lustigerweise oder spannenderweise ja auch im christlichen Götterkosmos als Rechtfertigung dafür immer wieder gebraucht, dass die neue Göttergeneration die Macht übernimmt. Also der Vater frisst die Kinder, die Mutter versteckt die Kinder, die Kinder revoltieren gegen den Vater, der die Kinder immer weiter frisst und töten ihn und dann beginnt die neue Götterordnung. Und das Ganze wiederholt

sich mehr oder weniger. Genau. Also diese Begründung für, warum ist Zeus jetzt der Göttervater und nicht mehr Saturn und Gaia. Das ist ja auch immer der Mord am Kind, die die ultimative Begründung ist. Oder Tiestes ist eben von seinem bösen Bruder dann die eigenen Kinder zum Mahl vorgesetzt worden. Daher kommt eben auch der Begriff des Tiestesmahls als Synonym für eben Cannibalismus, wo wir auch später noch zu kommen. Und sowas wird eben auch damals wirklich standardmäßig diesen politischen Verführern vorgeworfen. Wir waren bei Cattilina.

Erstaunlicherweise 200 Jahre später schreibt Cassius Dio, auch ein berühmter römischer Geschichtsschreiber, darüber und der kennt erstaunlicherweise noch mehr Details. Da heißt es dann, er opferte einen Sklaven, die es dann auf seine Eingeweide schwören und verzehrte schließlich diese zusammen mit der anderen. Erstaunlich ist nun aber, wer in dieser Aufzählung fehlt. Ebenlich Cicero, ausgerechnet der Mann, der als Zeitzeuge und erklärter Gegner Catilinas die große Rede gegen diesen schreibt, erwähnt, ein solches Menschen opferten diesen ganzen Kannibalismus und so an keiner Stelle.

Und es wäre schon ein gutes Argument gewesen, was Cicero sich nicht hätte entgehen lassen, um ihn zu demaskieren. Und es sind natürlich auch immer so Geschichten, die mit jedem Jahrhundert ausgeschmückter und detailleicher werden. Den sollte man misstrauen. So als... Generell gute Grundregel? Definitiv! Und allein schon danach, wie ähnlich sich diese verschiedenen Gefichten sind, dann erkennt man natürlich, dass es sich hier offensichtlich um einen Topos handelte, also so ein wiederkehrendes Motiv der antiken Geschichtsschreiben. Außerdem erkennt der Cassius Dio zum Beispiel noch eine zweite Anekdote. Es gab damals, diesmal tatsächlich zu seiner Zeit, in Ägypten den Aufstand der Bukholen, so eines

Hirtenvolkes in Nordägypten. Und da erzählte er, in Frauenkleidern machten sie zunächst den römischen Centurio Glauben, sie seien Frauen der Bokolen und wollten ihm Gold als Lösegeld für ihre Männer geben und schlugen ihn nieder, als er sich ihnen näherte. Sie opferten auch sein Begleiter und verschworen sich über seine Eingeweiden, die sie dann verzehrten. Immer die Eingeweide, immer der ekligste Part. Warum isst keiner die guten Sachen wie die Wangen? Verschwört euch doch über was leckerem, Mensch, wenn schon kein Iboalismus dann noch richtig. Da habe ich eine persönliche Anekdote zu rituellem Cannibalismus erzählt. Ja, unbedingt. Ich bin gespannt auf deine Erlebnisse. Ich war mal in Goa vor ein

paar Jahren in Indien und da saß ich in einem Gästehaus und habe ein Bierchen getrunken und habe mich dann mit einem Inder aus Nordostindien, glaube ich, unterhalten und der hat mir erzählt, dass er mal aus Versehen den Menschen gegessen hätte. Und dann habe ich gemeint, wie ist denn das passiert? Und dann hat er, ich habe jetzt leider die Details vergessen, dass er eben zu einer sehr speziellen Kaste gehört hat und dort bei ihm irgendwie noch Brauch wäre, dass dort ritueller Karnevalismus oben Verstorbene zu ihr noch praktiziert wird. Und sie hatten diesen Fahrer in der Familie, der eben für 30 Jahre lang für sie gearbeitet hat. Und er kam dann nach Hause und es kam dieses große Mahl und alle

waren gut angezogen. Er kam so spät und wusste halt warum und hat dann mitgegessen. Und danach wurde eben eröffnet, dass der Fahrer der Familie war, der hier zu Ehren seiner großen Leistung für die Familie geehrt wurde. Er war nicht wirklich euphorisch diese Geschichte. Er war ein bisschen beschämt. hat die Geschichte so ein bisschen erzählt, man habe ich eine verrückte Familie.

Aber die ist mir auf jeden Fall im Kopf hängen geblieben. Und gerade wenn es jetzt um Menschenopfer geht hier, dann ist es natürlich in diesen Fällen immer was anderes, wie dass jemand vielleicht sogar mit seinem Einverständnis nach dem Tod zu ehren aus einem rituellen Zweck gegessen wird. Sondern es geht natürlich hier darum, dass Leute gegen ihren Willen vor allem und immer mit so einem Schwur verbunden. Also man macht das eigentlich aus dem Grund des Moralbruchs. Man tut das zusammen, um sich zu einer verschworenen Gemeinschaft, die nicht gebrochen werden kann, zu machen. Denn wenn man gemeinsam dieses Verbrechen begangen hat, dann kann jeder den anderen denunzieren und öffentlich verleumden und damit hat man so

eine Partsituation und man muss gemeinsam an der Verschwörung weiterarbeiten. im Aleajag der Esst. Die Würfel sind gefallen. Es gibt dann kein Zurück mehr. Man muss hier eben auch gerade differenzieren. Man hat ja auch das weitere Thema von Menschenopfern. Wir haben natürlich unzählige Berichte aus zahlreichen Kulturen. Also sei es aus der Geschichte, aus der antiken und späteren Quellen, oder aus der Ethnologie und so. In der Archäologie wird das natürlich auch für viele Kulturen diskutiert. Und mit diskutiert meine ich, es ist in sehr vielen Fällen natürlich umstritten, inwieweit Menschenopfer tatsächlich irgendwo stattgefunden haben. Das ist natürlich oftmals auch eben so ein Act as Otherwing, so ein Vorwurf

an andere Kulturen, um diese eben als Barbare darzustellen, als sie sind. Gerade auch wenn wir natürlich den Kolonialismus gehen und auch schon früher bei den Griechner Römern und so. Der zentrale Unterschied zwischen Menschenopfern und der Ritualmordlegende ist natürlich, dass Menschenopfer findet tatsächlich oder theoretisch natürlich in einem allgemein sozial akzeptierten Kontext statt. Es ist Teil der in dem Fall herrschenden Religion oder zumindest wird es so berichtet, dass das in bestimmten Kulturen so sei. Die Ritualmordlegende geht dagegen in all ihren Formen immer davon aus, dass innerhalb der eigenen Gesellschaft, die sowas ja grundsätzlich absolut verbietete, bestimmte Verführer in Geheimen so etwas praktizieren

und sich damit eben natürlich maximal von der Mehrheitsgesellschaft absetzen. dass es hier sehr vielseitig und immer wieder gern aufgegriffen wurde als Topos von der antiken Literaturhammer gehört. Wie ist das mit den Bacchanalien? Du schreibst in dem Artikel auch über den Bacchuskult und wie der in eigentlich einen relativ großen Skandal verwickelt wurde, der sich sehr, also der später dann sehr vertraut ist eigentlich.

Ganz genau, wir sprechen über den Bacchanalien Skandal. Also die Bacchanalien waren ein Kult zu Ehren des Weingottes Bacchus, also dem griechischen Dionysos. Dieser Kult warbte so Anfang des 2. Jahrhunderts v. Chr. vor allem aus Griechenland nach Italien rüber, auf dann über Etorien nach Rom, bis er dann im Jahr 186 v. Chr. von der Rümpfenpolitik verboten wurde und systematisch unterbunden. Aber die haben noch nur Wein getrunken.

Ja, das ist nun die Frage, was sie dort tatsächlich gemacht haben. Leider besitzt der natürlich keine Quellen direkt aus diesem Kult. Aber wir können nachlesen bei Titus Livius, also dem großen Ruhm vom Geschichtsschreiber. Der schrieb ja sein Monumentalwerk Ab Urbe Condita, also seit der Gründung der Stadt an. Die ganze Ruhm für Geschichte von den Anfängen eben bis zur Zeit des Augustus.

Das schrieb er eben tatsächlich um die Zeitenwende, also erst auch schon über 100 Jahre nach dem der Ereignissen, greift aber durchaus auf verhistrofe Quellen zurück, die ihm damals vorlagen. Ja und der erzählte eine wirkliche, ver - ganz mitreißende Geschichte einfach. Es habe eben diese Kultgemeinschaften dort gegeben, die irgendwie seltsame Sachen dort trieben. Man hörte auch oft irgendwie das Trommeln und die Posaunenstöße und so etwas. Die trafen sich nämlich immer nachts und eben in Geheimen.

Gerade das war für die Römer schon grundsätzlich verdächtig. Ich muss natürlich sagen, in der Antike war Religion zuallererst etwas öffentliches. Es ging nicht um persönlichen Glauben, persönliche Erlösung, sondern es ging um ganz öffentliche Rituale, gerade Opferfeste und all sowas. Das wurde eben bei Tage öffentlich für die gesamte Gesellschaft praktiziert. Und dann gab es eben solche Mysterienkulte oder so, die sich eben zu privaten Treffen trafen und angeblich war es beim Paranalienkult ursprünglich so, dass nur Frauen zugelassen gewesen seien, bis dann die Regeln geändert wurden und sich dann Männer und Frauen zusammen dort getroffen hätten. Und ja, wenn die sich schon im Geheimen beinahe treffen,

dann kann das natürlich nur den Grund haben, dabei irgendwelche verbrecherischen Dinge zu praktizieren oder es bringt das dann zwangsläufig hervor. Und dann, ja, es gibt in der späteren römischen Republik ja auch ganz große Paranoia. Und dann auch in der Kaiserzeit vor allem über quasi Privatversammlungen und wer darf sich wie versammeln und was ist schon... Ich habe jetzt die genauen Daten, aber irgendwann wurden die Feuerwehren verboten, weil es zu viel männliche Versammlung war hinter verschlossener Tür und da gab es quasi große Angst davor, dass man irgendwas organisieren könnte auch politisch. Und dieses Geheime war eine Gefahr für den Staat. Ganz genau.

Und genauso eine Gefahr soll eben auch der Bacchanalienkult dargestellt haben. Da berichtet Livius dann eine ganz bunte Geschichte, wie es eben zur Aufsteckung dieser ganzen Verbrechen gekommen sei. Nämlich gab es einen jungen Mann namens Publius Ebutius, der lebte bei seiner Mutter und seinem Stiefvater.

Der Vater war inzwischen verstorben. Er hatte eine Geliebte namens Hispala. Das war eine ehemalige Sklaven, die auch als Prostituierte bei Ahren beschäftigt war. Die beiden verstanden sich hier schon ganz gut, aber irgendwann eröffnete er ihr, dass er denn nun in diesen Bacchanalienkult eingeweiht werden sollte, wo seine Eltern bzw.

sein Stiefvater eben Mitglied waren. Ja und da kriegt die Hispala auf einmal gewaltige Angst und fleht ihn an. Er möge doch bitte auf keinen Fall dazu dieser Einweihung gehen und bloß die Finger von diesem Kult lassen. Und ja, das macht er dann auch. Er weigert sich die beiden Flienebene zu seiner Tante und Hispala erzählt, was da so an schrecklichen Dingen alles vor sich ginge.

Denn mit ihrer früheren Familie, wo sie als Sklaven damals war, sei sie auch eben bei diesen Kultfeiern gewesen. Und ja, da kämen ganz grauenvolle Dinge vor. Da heißt es eben, seitdem die Mysterien gemeinschaftlich seien und das Miteinander von Männern und Frauen und die Ungebundenheit der Nacht dazugekommen sei, sei keine Rundtat und keine Schandtat dort unterblieben. Es gäbe mehr Unzucht von Männern untereinander als mit Frauen.

Wenn welche die Schande nicht über sich ergeben lassen wollten und weniger Bereitschaft seine Unterzeiten, würden sie über Opfertiere geschlachtet. Also, hier haben wir wieder diesen Ritualmord, Topos, ähm... Nichts für unerlaubt zu halten, das sei das höchste Gebot unter ihnen. Männer weissigten, als wenn sie von Sinnen wehren und der ekstatischen Hin - und Herwerfen ihres Körpers.

Verheiratete Frauen liefen im Aufzug von Bakantinnen mit aufgelöstem Haar und brennenden Fackeln zum Tiber hinab. hielten die Fackeln ins Wasser und zögen sie mit unversehrter Flamme wieder heraus, da reiner Schwefel mit Kalt darin sei. Man sage, von den Göttern seien die Menschen geraubt worden, die sie an eine Maschine bänden und in verborgenen Höhlen verschwinden ließen. Das seien die, die sich entweder geweigert hätten, den Eid zu leisten oder sie Schandtaten mitzumachen oder uns hochnützig treiben zu lassen. Es sei eine gewaltige Menge, fast schon ein zweites Volk, ein Deep State, könnte man in modern sagen, darunter auch einige Männer und Frauen aus bekannten Familien. Und, ja, dem Ebutius Seida war feinlich auch so ein

ganz schreckliches Fixal bestimmt. Sobald einer hineingeführt worden sei, werde ihn den Priestern wie ein Opfertier übergeben. Diese fühlten ihn an einen Ort, der ringsum wider Halle von Geheul und mehrstimmigem Gesang und dem Schlagen der Tamburine und Becken, damit man die Stimme des umhilfefreien nicht hören könne, wenn er gewaltsam geschändet wäre. Also ganz schreckliche Dinge gehen da vor sich. Ginkt wieder normale Nacht in Berlin für mich? Ja, wir kennen das hier durchaus.

Ja, genau. Du hast eine Verbindung von Moral Panic hier. Man hat noch nicht die christlichen Motive da drin, weil das vor christliche Ängste sind. Aber die moralische Angst davor, dass all das passiert, was man sich nur Schreckliches vorstellen kann. Menschen werden mit Maschinen in Höhlen in Bergen geschossen. Da denkt man irgendwie an Indiana Jones und der Tempel des Todes oder ähnliches und die ganze Geschichte könnte eins zu eins so aus diesen QAnon Verschwörungsmythen stammen und ähnliches. Ja, da hat sich ein paranoides Selbst vorgestellt. Aber es wäre spannend zu wissen, was wirklich wieder passiert ist, weil so weitreichende Morde, wie ihnen jetzt hier vorgeworfen wird, gab es sicherlich nicht. Ja,

das ist die Frage, denn es geht ja weiter und es skaliert jetzt erst richtig. Nämlich treten die beiden jetzt tatsächlich an die staatlichen Behörden, nämlich an den Konsul Postumius, der da eben gar die Regierungsgefäfte leitet. Ja und erst hat die Hispala natürlich noch Angst wirklich auszupacken, was sie darüber weiß. Aber als der Postumius dann ein bisschen Druck ausübt und auch noch seine eine sehr charismatische Fiegermutter hinzuziehen, die der Hispala da auch noch etwas Mut einredet. Dann gibt sie all diese Informationen an die Öffentlichkeit. Und ja, daraufhin tritt Postumius vor den Senat und macht alles öffentlich. Und Livius druck natürlich auch exakt dessen Rede im Wortlaut ab. Das kennen

wir natürlich auch aus der antiken Gefechtsschreibung, dass man eben immer diese, ja, letztlich nachformulierten Reden der Feldherrn der Politiker und so weiter hat. Und dort warnt eben Postumius vor diesem Übel, wie es noch keins gegeben habe. Niemals hat es im Staat ein so großes Übel gegeben, das mehr Menschen verwickelt waren und das mehr zur Folge hatte. Ihr müsst wissen, dass jede Ausschweifung, jede Freveltag, jedes Verbrechen, das in diesen Jahren begangen worden ist, von dieser einen Kultstätte seine Ausgang genommen hat. Und noch sind nicht alle Untaten herausgekommen, zu denen sie sich verschworen haben. Bisher beschränkt sich dieses gottlose Komplott noch auf Vergehen gegen Privatleute, weil sie doch nicht genug

Kraft dazu haben, den Staat zu vernichten. Doch das Übel wächst und breitet sich täglich weiter aus. Schon ist es zu groß, als dass es sich mit dem privaten Bereich begnügen könnte. Es richte seinen Blick auf den gesamten Staat. Also hier sind wir nun wirklich bei einem absoluten Verschwörungsmythos.

Jede Form von Verbrechen, Kriminalität und Übeln dieser Zeit soll auf diesen einen Kult zurückgehen. Ja, und daraufhin wird tatsächlich Tabula rasa gemacht und der Rümsche Senat schreitet ein. Der Baranalienkult wird verboten. In einer Nacht und -Nebel -Aktion werden im ganzen Land die Priester und die Eingeweihten verhaftet. Und so werden verhört. Sicher kommt auch Folter zum Tragen. Es kommen Geständnisse ans Licht. Es werden Belohnungen für Denunziationen ausgelobt.

Das Ergebnis ist, Livius, zufolge, dass über 7 .000 Männer und Frauen verhaftet werden und die Mehrzahl davon letztlich hingerichtet. Einige entziehen sich auch ihrer Bestrafung durch Suizide, der Rest wird ins Gefängnis geworfen. Der Kult wird eben verboten, die Heiligtümer im ganzen Land zerstört, außer wenn da ein ganz besonders altierwürdiges Götterbild in den Tempel vorhanden ist. Und so. Also wir haben hier wirklich so eine drastische Säuberung. Jetzt fragt man sich natürlich, was war denn da tatsächlich dran?

Ja, wie gesagt, Livius schreibt über 100 Jahre später über diese Ereignisse. Allerdings hat er durchaus offensichtlich dystopische Quellen vorliegen und wir besitzen sogar eine zeitgenössische Quelle dazu. Es gibt nämlich eine Bronze -Tafel, die wurde 1640 in Tiriolo in Kalapien gefunden und die enthält exakt den Senatsbeschluss zum Verbot des Paranalienkultes, eben aus genau diesem Jahr. Also es gab definitiv den Verbot dieses Kultes. Von diesen ganzen Gräueltaten steht da allerdings nichts direkt drin. Allerdings werden auch durchaus die Namen der Akteure erwähnt.

Also auch den Nepubles Ebutius und die Hispala scheint es wirklich gegeben zu haben. Gerade diese ganze Konstellation mit der Familie wird doch arg konstruiert. Da hat die moderne Forschung auch mittlerweile herausgearbeitet, dass es also nicht nur diverse kleine Redenkonsistenzen in der Erzählung gibt. Also zum Beispiel der böse Stiefvater, der dann einfach aus der Erzählung verschwindet und später gar nicht mehr erwähnt wird. Wenn das überhaupt auch diverse Motiven die ganze Konstellation doch stark an Figuren des römischen Theaters erinnern. Und ja, das muss Veit auch gar nicht verwundern, denn es gibt durchaus die Theorie, dass sich die frühen römischen Gefechtsschreiber wie Livius bei ihrer

Rekonstruktion der Stufenereignisse wohl teilweise auch auf Theaterstücke gestützt haben. Denn natürlich, die hatten Chroniken und so etwas vorliegen, auch die Aufzeichnung aus den einzelnen senatorischen Familien. Aber gerade eben die detaillierten Ausführungen und so von wichtigen historischen Ereignissen, ja, da gab es mitunter verfeindlich Theaterstücke zu, die dann eben wieder so in die Geschichtsschreibung eingeflossen sind. Und ja, letztlich wissen wir heute natürlich nicht, was da tatsächlich an Verbrechen vor sich gegangen ist im Baranalienkult, ja, ob... es sich ja auch um Verleumdung handelte, ob manche dieser Vorwürfe auch einfach durch Folter bei Verhörern erpresst wurden, ob das später eben in Theater und Geschichtsschreiben

wie bei Livius ausgeschmückt wurde. Also am Ende muss man sich fragen, wessen Verschwörung war es eigentlich? Die Verschwörung der Bacchanalien oder die Verschwörung gegen die Bacchanalien? ein Muster, das wir leider noch wiederholt erkennen werden in den folgenden Jahrtausenden. Ja, das auf jeden Fall Teil des Topos ist oder wird und ich denke der nächste große Schritt über den wir reden müssen ist der Schritt raus aus der vorchristlichen Antike und der Schritt rein in die christliche Antike. Ja, bzw. zunächst einmal müssen wir natürlich noch zu der Gruppe kommen, die die folgenden Jahrhunderte immer das häufigste Ziel von Ritualmordentschuldigung werden sollte, nämlich die Juden. Denn entgegen dem, was sehr

populär oft behauptet wird, beginnen die anti jüdischen Ritualmordbeschuldigungen eben nicht erst im Hochmittelalter, sondern auch bereits in Antike, tatsächlich noch in der vorkristlichen Antike. Ok, spannend. Ja, der früheste Bericht über diese solche anti -jüdische Ritualmodel Legende findet sich beim jüdischen Geschichtsschreiber Flavius Josephus. Der lebt im ersten Jahrhundert nach Christus und ist so eigentlich der wichtige antike jüdische Geschichtsschreiber. Der wurde von den Römern beauftragt, um zu sagen, wir verstehen nicht, was mit den Juden los ist. Was ist eigentlich da? Also der schreibt dann, Flavius Josephus sitzt dann in Alexandria und schreibt für Römer eine Geschichte der Juden, um das denen verständlich

zu machen. Also er schreibt gezielt für nicht jüdisches Publikum, um dem zu erklären, was ist da los. Genau, so ticken wir. Genau. Und er schreibt eben unter mal eine Geschichte des jüdischen Volkes, wirklich von den biblischen Anfängen bis in seine Gegenwarte. Im weiten Teil beruft er sich natürlich auf die Texte, die wir eben auch als altes Testament, mit zwei Tora, kennen.

und so auch auf Abokrufen, legendarische Überlieferungen und so weiter. Und später eben auch natürlich auf die jüngere Geschichte und seine Gegenwart. Natürlich schreibe da noch über den jüdischen Krieg und alles, wo er dann letztlich die wichtigste Geschichtsquelle ist. Ja, und er hat auch eine umfangreiche Schrift verfasst. Man könnte modern sagen, ein Debunkingtext, wo er sich mit den anti -jüdischen Befolgungen eines gewissen Herrn Arpion auseinandersetzte. Es gab so um 40 nach Christus einige Querelen mit der jüdischen Bevölkerungsgruppe in Rom. Und daraufhin wurden dort verschiedene sogenannte Experten vorgeladen, um da eben Zeugnis abzulegen vor dem damaligen Kaiser Gaius, besser bekannt als Caligula. Und zu dem gehörte eben

auch dieser Apion. Und ja, der stammt auch aus der Alexandria, ist selbst natürlich kein Jude und der mag Juden überhaupt nicht. Und verbreitet dann eben eine solche Ritualmord -Gefichte. Nämlich beruft auch er sich ja auf ein historisches Ereignis, was seinerzeit schon lange zurück lag. Nämlich gab es den König des Siloikidenreiches Antiochus IV., der unter anderem bekannt dafür ist, dass er militärisch nicht so ganz erfolgreich gegen die Römerkrieg geführt hatte und sich auch nicht kadar beliebt damit gemacht hat, indem er sich gerne mal an den Tempelschätzen verfiebener Tempel bedient hat. Unter anderem plünderte er eben den Tempel von Jerusalem und er raubte die dortigen Tempelfätze. Und nun erzählt Apion, dabei sei

es zur Ankunft ein Vorfall gekommen. Nämlich habe Antiochus dort im Tempel von Jerusalem einen gefangenen Mann vorgefunden, der dort eben gefangen gehalten wurde. Und der erklärte daraufhin, was es damit auf sich habe. Er sei in Grieche und während er, um sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen, die Provinz durchzogen habe, sei er plötzlich von wildfremden Menschen ergriffen, in ein Tempel geschleppt und hier eingesperrt worden. Wie bekomme er jemand zu sehen, denn...

Doch werde er mit allen möglichen Leckerbissen gemästet. Anfangs hätten diese unerwarteten Wohltaten ihm Freude bereitet, später aber habe er Verdacht geschöpft und sei dann in Stumpfsinn verfallen. Zuletzt habe einen näher herankommenden Diener gefragt, von ihm erfahren, dass es ein Geheimnisgesetz der Juden gebe, dem zu lieb er genährt werde und sie täten das jedes Jahr zu einer bestimmten Zeit. Sie fingen nämlich einen fremden Griechen auf, mästeten ihn ein Jahr lang, führten ihn dann in einen gewissen Wald, schlachteten ihn, opferten seinen Leib unter herkömmlichen feierlichen Zeremonien, genossen etwas von seinen Eingeweiden und schwören bei der Opferung des Griechen eine Eid, dessen Wandswollte zu hassen. Schließlich

wirfen sie die Überreste des Unglücklichen in eine Grube. Und nur durch diesen Zufall bei der Tempelplünderung sei das Pölsch ans Licht gekommen. Gott sei Dank kann man sagen, dass Antiochus Da kann man ihm ja wirklich dankbar sein. Das ist eine sehr, sehr gute Begründung. Also wenn man Tempel schon plündert, dann muss man schon auch irgendwie sowas finden, um es zu rechtfertigen.

Eben. Böse Zungen behaupten auch, die Anekdote sei vielleicht genau dazu entstanden, um ihn nachträglich zu entlasten. Aber hier sehen wir eben auch wieder genau dieses Klischee, das wir schon aus den anderen antiken Verführungstheorien erkennen. Also wir haben den Schwur eben über den Eingeweiden, eben die rituelle Opferrunke verbunden mit Cannibalismus. Aber hier eben in Bezug auf die Juden, die sich nicht nur zu einer spezifischen Verschwörung verschwören, sondern gegen die Griechen ganz profal, weil sie natürlich bekanntermaßen, denkt man als antiker Griecher, als Politäiste, ja, alle Griechen und alle anderen Völker hassen. So betrachtete man damals eben diese komischen Monotheisten. Ja, es gab ja auch

diese Aufstände, die dann jetzt vor der Bar Kochballe wollte. Wie hießen die anderen Aufstände? Die Makabea. In dem Rahmen gab es auch in Nordafrika und in Kleinasien irgendwann mal Aufstände der jüdischen Gemeinden gegen politische Tempel, wo auch Tempel teilweise kaputt gemacht wurden. Das wurde dann nachträglich sehr lange übel genommen und nachgetragen. Es gab natürlich viele Aufstände gegen die verschiedenen Reiche, die natürlich versucht haben, dieses Land zu kontrollieren in der Zeit. Also die Seleukiden derzeitweilig, später die Römer, eben dann natürlich im Jüdischen Krieg vor allem, wo dann Flavius Josefus Zeitgenosse ist. Wir sehen, dass auch die Zuschreibung der Ritualmordel -Legende In der Antike war generell

ein Topos, also wir sehen, dass es verschiedenen Kulten oder Gruppen zugeschrieben wurde, unter anderem eben auch schon den Juden. Und das wird durch die Entstehung des Christentums natürlich viel zentraler, weil Am Anfang ist Christen mit mir auch doch eine Minderheit in der Religion. Ist ja auch so eine Art, auch ein Kult. Ähnlich wie die Bacchaealien. Sie treffen sich auch oft im Geheimen. Sie machen Rituale, die sich so ein bisschen, auch noch keine Beilichtung anhören.

Die trinken da das Blut ihres Erlösers. Und essen sein Fleisch. Komische Dinge. Komische, machen letzte Abend mal mit Menschen Blut. Und das hört sich ja extrem, also tatsächlich hört sich Abend mal extrem nach Ritualmord -Legende an, wenn man drüber nachdenkt. Also als Antiker -Römer, der natürlich diese Gefechtsschreibung so kennt, muss man da nur zwei und zwei zusammenzählen.

Da gibt es so eine jüdische Sekte, die sich im Geheimen trifft und irgendwie ihren Gott verzehrt. Ja, und dann... Bacchanalien 2 .0. Jüdische wäre die Version von den Bacchanalien. Ganz genau und dementsprechend finden wir dann auch eine ganze Reihe an Belegen, dass die Christen eben, solange sie noch eine Minderheit in Rom sind, eben auch mit ähnlichen Behauptungen bedacht werden. Wir kennen diese Zufragung tatsächlich nur aus den Schriften christlicher Autoren, die sich wiederum dagegen stemmen und sagen, das war ja alles überhaupt nicht so und versuchen das zu widerlegen. Aber das ist generell ein Problem, dass viele der antichristlichen Polemiken nur aus der christlichen Verteidigungsseite kennen,

weil die anderen Sachen dann irgendwann nur nicht mehr abgeschrieben wurden oder es gab kein Interesse mehr die zu erhalten. Zum Beispiel ist so ein berühmtes Ding, der hat eigentlich so ein bisschen fast schon die moderne Atheisten und so zwölf Punkte gegen das Christentum aufgelistet, wo er versucht hat, das irgendwie in sich ad absurdum zu führen und so ein bisschen Dawkins -mäßig eigentlich schon argumentiert hat, sehr, sehr früh einen... Genau, der Gotteswahn antike Edition.

Genau, ja und das... Das kennen wir zum Glück. Wir wissen über dieses Buch die Kernargumente, weil sie einzeln widerlegt werden mussten. Wir kennen nur das Debunking -Video der Kirchenväter und müssen uns dann das daraus zusammenbasten. Genau, da kommen wir jetzt zu den heutigen Skeptikern, wo es ja immer heißt, bitte nicht die Thesen wiederholen, sonst verbreitet ihr sie damit weiter und ... Gefährlich. Und so kennen wir jetzt beispielsweise den Bericht des christlichen Autors Menukius Felix. Und ja, der legt zu einem haltenden Autor diese These in den Mund über die Christen. Von wegen ein Kind mit Teigmasse bedeckt, um die Arglosen zu täuschen, wird ihm einzuweinen vorgesetzt.

Dieses Kind wird von dem Neuling durch Wunden getötet, die sich dem Auge völlig entziehen. Er selbst hält durch die Teighülle getäuscht die Stiche für unschädlich. Das Blut des Kindes, welch ein Gräuel schlürfen sie gierig. Seine Gliedmassen verteilen sie mit wahren Werteifern. Durch dieses Opfer verbrüdern sie sich. Und da noch begehen sie incestöse Orgien mit Familienmitgliedern und was halt so dazugehört. Was bloß aus der Kirche kennt. So, genau. Und ja, solche Beschuldigungsfeinde durchaus weit verbreitet gewesen zu sein, denn eine ganz ähnliche Version kennen wir auch zitiert von dem christliche Autor Tertullian. Da heißt es, wir werden große Verbrecher genannt wegen dessen Kindermord bestehenden Geheimkultes und

des davon bereiteten Mahdes und der auf das Mahl folgende Blutschande, zu der die Hunde, die das Licht umstürzen, als Kuppler der Finsternis zur Beschwichtigung der Scheu über die ruchlose Lust uns die Gelegenheit bereiten. Da tritt dann auch immer wieder dieser Begriff des Tiestes mal alles auf. Eben, die Christen sind bekanntlich Kannibalen.

Ja. Und auch zum Beispiel der Christliche Autor Tarzian erwähnt mal ganz sehr, neben Bayern einer seiner Schriften an die Griechen, unter uns gibt es keine Menschenfresser. Muss man noch mal sagen, weil das ja offensichtlich Allgemeinwissen zu sein scheint. Genau, damit da noch alle wissen, dass die Christen keine Menschenfresser sind.

Ja, und wenn man das erwähnen muss, ja, das sagt was aus über deinen Kult. Und die Public Opinion davon. Und ja, das ist tatsächlich spannend zu sehen, wie sich das frühe Christentum dagegen dieses Othering wehrt, gegen diese antike Methode des Otherings von Kulten. Und sobald sie dann aber selber zur Hauptströmung werden, übernehmen sie diese Antike Tradition und führen sie fort.

und haben natürlich dann durch ihre spezielle Beziehung zum Judentum und als wir uns das neue Testament anschauen, dann sehen wir ja ein schwieriges Verhältnis der verschiedenen Evangelien zu der jüdischen Religion zum Beispiel, weil sie eben zum Beispiel selbst konvertierte Juden waren, die sich mit ihrer Nachbarschaft noch nach ihrer Konversion unangenehm auseinandersetzen mussten und dementsprechend Wird dann ja der Mord Christi in Evangelien bei Markus noch weniger, bei Johannes dann schon sehr eindeutig den Juden in die Schuhe geschoben und gesagt, ihr hättet es verhindern können, aber ihr habt Christus umgebracht. Das waren nicht die Römer, die sagten, also ihr wart es. Genau, sein Blut komme über uns und unsere

Kinder heißt es da ja bereits im Evangelium, was natürlich auch von Antisemiten bis heute so zitiert wird. Und eben gerade diesen Motiv des Gottesmordes, sie haben uns in Christus umgebracht, das wird natürlich fortan immer weiter fortgetragen und diese Vorstellung mutiert dann auch. Nämlich gibt es dann schon in der Spätantike das Motiv, dass die Juden ja gerne diesen Gottesmord immer wieder nachvollziehen wollen. Da gibt es auch schon zum Beispiel so die Wundergeschichte, die Juden hätten eine Christusfigur gematert und so und die habe dann zu Bluten begonnen und Wunder gewirkt und daraufhin hätten sie natürlich die Wahrheit dieses Gottes erkannt und sich doch taufen lassen. Das wird natürlich letztlich als

Beweis der Überlegenheit des christlichen Gottes dann genommen. Daraus entwickelt sich dann später eben auch der Vorwurf der Hostienfändung, also die Vorstellung, dass sie eine christliche Hostie entwenden und foltern, die dann auch zu bluten beginnt und so, weil es ja der verwandelte Leib Christi ist. Ja, aber das kommt ja erst groß nachdem, dass irgendwann im Mittelalter zur Kirchendoktrin wird, dass die Hostie auch tatsächlich zum Leib Christi wird. Und als es dann nicht so wirklich sich durchsetzt, bzw. nicht so schnell durchsetzt, als gedacht, Dann beginnen auch einmal Hostien zu bluten und beginnen die Geschichten darüber, dass die Juden Hostien schänden, weil dann kann man dadurch rückwirkend wieder beweisen, dadurch,

dass die durchs Zimmer geflogen ist und geblutet hat und was alles für Ausführungen davon gibt von dieser Erzählung. Das zeigt ja die Göttlichkeit davon. Ein Stück Brot würde das ja, eine Oblade würde das ja nicht so tun. Dementsprechend muss diese neu eingeführte Doktrin auch rechtmäßig sein. Ganz genau. Das ist dann eben die Formen konkret mit der Hostinschwendung, wie wir das erste Mittelalter sehen. Aber die Vorläufe hatten entsprechend von der Spätantike und demnach benügen sie sich auch nicht mit, ja, und mir lebten Christusbildern, sondern, ja, nehmen sich mitunter auf mein christliches Kind vor. So eine Anecdote finden wir zum Beispiel bei Socrates Scholasticus, der schreibt im frühen

fünften Jahrhundert. dass in Syrien einige dortige Juden über die Stränge geschlagen hätten. An einem Ort namensee in Mestade zwischen Chalkis und Antiochia in Syrien liegt, zergnüten sich die Juden auf ihre übliche Weise mit verschiedenen Sportraten. Auf diese Weise gaben sie sich vielen Absurditäten hin und schließlich, getrieben von Trunkenheit, machten sie sich des Spottes über die Christen und sogar über Christus selbst schuldig.

Und um das Kreuz und diejenigen zu verhöhnen, die auf den Gekreuzigten vertrauen, ergriffen sie einen christlichen Jungen, banden ihn an ein Kreuz und begannen ihn auszulachen und zu verspotten. Aber nach kurzer Zeit wurden sie so wütend, dass sie das Kind geißelten, bis es unter ihren Händen starb. Und genau eben diese Imitatio Christi, also das Nachvollziehen der Hinrichtung Christi an christlichen Kindern, ist dann natürlich so ein Topos, den wir auch ab dem Mittelalter und so immer wieder in den anti -jüdischen Ritualmordvorwürfen sehen. Aber tatsächlich gibt es daneben noch eine zweite Rezessionslinie dieser Ritualmordlegende, auch bereits seit der Antike. Denn die Juden sind dann nicht das einzige Opfer von solchen Verschwörungstheorien,

sondern die Christen, sobald sie denn im Rumpfbereich die Oberhand haben, brichten das auch gegen andere christliche Bewegungen, gegen heretische Strömungen. Zum Beispiel schreibt Augustinus, der berühmte Kirchenlehrer, über die Montanisten. Das war ebenso eine heretische christliche Strömung, vor allem auch in Kleinasien. von wegen sie sollten sich geheimnisvollen und abschreulichen Zeremonien hingeben. Mit einer Lanzette stechen sie den Körper eines einjährigen Kindes mit einer Vielzahl von Stichen ein. Das Blut, das dabei herauskommt, vermischen sie mit Mehl, backen daraus Brot und bereiten sich so eine Art Eucharistie zu. Wenn das Kind an seinen Wunden stirbt, wird es als Märtyrer betrachtet, wenn es überlebt, als hohe

Priest darf. Und das ist ganz bemerkenswert, denn hier sehen wir bereits dieses Motiv, dass sie eben mit dem Blut dann ein Brot backen. Also letztlich genau das, was wir später auch in der mittelalterlichen Anti -Jüdischen Ritualmordbeschuldigung haben, wo es heißt, dass sie eben zum Pessachfest oder so aus dem Blut der Kinder ihre Matzen backen.

Das geht dann weiter. Im 8. Jahrhundert schreibt z .B. in Armenien Johannes IV. von Otsun gegen die Paulikianer, also auch wieder seine christliche Sekte, dass sie eben rituell Kinder ermorden. Oder im 11. Jahrhundert der byzantinische Philosoph Michael Psellus gegen die Bogomilen in Trakien. Und so läuft das eben gegen diese abweichenden Sekten immer weiter. Und dann sind wir im Mittelalter natürlich auch bei den Vorwürfen gegen die Katara und die Valdensar. Dann haben wir natürlich zum Beispiel die Verhaftung des Templarordens, wo dann ähnliche Fantasien wieder auftreten, die würden sich in kreime Orgien hingeben und so ein Kultbild verehren in diese ganzen Baphomet Gefechte. und so weiter, was dann natürlich

auch mit Verhören unter Folter unterfüttert wird und so. Aber vor allem eben haben wir einerseits diese Linie gegen die verfiebenen heretische Strömungen, aber ganz besonders eben gegen die jüdischen Mitbürger. Also es ist ja auch so ein bisschen so, dass das Judentum teilweise ein bisschen wie so eine heretische Strömung behandelt wurde teilweise. Also es wurde ja den Juden schon auch vorgeworfen zu sagen, wir sind aus euch hervorgegangen, wir sind eure Nachfolger, wir waren die jüdische Sekte, wie du vorhin gemeint hast, im römischen Reich, jetzt haben wir die Wahrheit erkannt und ihr zieht nicht mit. Also das ist ja ein bisschen wie der Vorwurf, ihr seid Ja, nur noch Christen nicht auf Warten konvertiert

zu werden, weil ihr habt ja schon das richtige Heilige Buch. Genau, bzw. die sich eben verweigern der Konversion, die doch aus Sicht des Christen völlig selbstverständlich und offensichtlich ist. Und die im Heiligen Buch des Christentums dann wieder im Neuen Testament eben extrem problematisch behandelt werden und die ganze Zeit schon auch als Mörder Christi und so weiter positioniert werden. die, obwohl alles in diesem Kontext spielt, keinem von uns nicht besonders positiv wegkommen in der Erzählung. Genau. Zumal man natürlich ab der Spätantike innerhalb der eigenen Gesellschaft ansonsten auch nicht mehr wirklich anders Gläubige hatte. Letztlich die Politäiste für Religion der Antike wird ja vom Christentum verdrängt

und dann hat man eben nur noch eben weitere Heiden außerhalb des Römischen Reiches oder später des Frankenreiches und so weiter. Eben aber das sind praktisch die wilden Barbaren außerhalb, mit denen man dann mal mehr, mal weniger kriegerisch umgeht. Aber eben innerhalb der Gesellschaft hat man immer noch jüdische Gemeinden und eben natürlich die heretischen Strömungen, die natürlich mitunter auch neu entstehen und mit denen man sich ja dann insbesondere auch auseinandersetzen muss, weil die eben auch so eine ideologische Herausforderung bilden. Das Ende dieser alten Religion finde ich extrem spannend. Also diese Vorstellung, das letzte Orakel von Delphi, bevor die den Laden zugemacht haben und irgendwann

keiner mehr kam. Und wie da ja auch so auf der einen Seite diese alten Kultzentren kollabieren, die seit Jahrhunderten wichtig waren, und dann eben neue Kultzentren entstehen, wie wir jetzt im Mittelalter sehen. Und da spielt die Ritualmordlegende leider auch eine sehr unrühmliche Rolle dabei, denn wenn man einen lokalen Kult startet, dann kann man dabei Geld verdienen. Kleiner Tipp für alle von euch, die irgendwo wohnen mit schlechter Busanbindung, startet einen lokalen heiligen Kult in eurem Kaff, dann fahren öfter Busse hin für die Pilger. Absolut, die hatte das Thema ja schon zum Reliquienkult, wie wichtig eben Reliquien und also lokale Heilige eben im Mittelalter und auf Betavan in der christlichen Welt. Ja,

und was bietet sich ebenso als Heiliger besser an als ein unschuldiges Kind, das von bösen Mächten ermordet wurde? Denn das Problem ist natürlich, Heilige sind ja zuallererst Märtyrer, die halt für ihren Glauben gewaltsam gestorben sind. Also vor allem die ganzen Frühchristen, die eben von den Heiden verfolgt wurden. Das blöde ist natürlich, irgendwann im Mittelalter, das Christentum ist überall Staatsreligion, da gibt es erstaunlich wenig Märtyrer. Also wo kriegt man neue Märtyrer her? Und die eine Region, wo man natürlich Märtyrer herkriegen konnte, war noch Spanien. Das haben wir auch in der Religion -Folge erwähnt, dass Spanien so ein bisschen der Wilde Westen für die Vorstellung des Mittelalters war und so ein

bisschen der Glaube war, Spanien ist ja auch noch Wunder geschehen. wo noch Märtyrer gemacht werden und wo alles noch möglich ist und alles magische und besondere hatte irgendwas mit der iberischen Halbinsel zu tun zu der Zeit. Und gleichzeitig haben wir die Entwicklung, dass lokale Märtyrer fehlen und wenn man sich jetzt kein Märtyrer aus Spanien importieren kann oder zufällig nach Rom geht und dort ein bisschen in den Katakomben grabt und jemand findet dann ist es natürlich sehr praktisch, wenn das wie im Fall von William von Norwich in England lokal passiert. Und da sind wir jetzt an dem Punkt endlich angekommen, der ganz am Anfang zur Einführung unserer Folge aufgemacht wurde. Nämlich jetzt

sind wir hier an dem Punkt, der immer wieder rezipiert wird als Ursprung der Ritualmordlegende. Jetzt haben wir 50 Minuten geredet. und sind an dem Punkt, wo normalerweise angefangen wird über Ritualmorde zu reden. Und Williams Heiligenlegende ist sehr, sehr spannend, weil sie für das Hochmittelalter den Standard so ein bisschen setzt und natürlich schon hier die Antike Tradition nochmal ganz neu wiederbelebt. Und der das Genie dahinter, das alles möglich gemacht hatte, ist ein Benediktierermönch namens Thomas von Monmouth, der sieben Bände zwischen 1150 und 1157 zu Williams heiligen Legende verfasst hat. Der hat es richtig gemolken. Also der hat es zu seinem Lebenswerk gemacht, diese Geschichte zu erzählen. Spannenderweise lebte

Thomas von Monmouth zu diesem Zeitpunkt als William anscheinend, also zum Zeitpunkt des Todes von William im Jahr 1144 noch gar nicht in Norwich, ist später dorthin zugezogen, hat die Geschichte wahrscheinlich bei einem Bier gehört und dachte sich, das muss ich zu meinem Lebenswerk machen und hat dann als einzige Person darüber geschrieben und abgeschrieben. gesehen von dieser siebenbändigen Handschrift von diesem Benediktiler Mönch gibt es keine zeitgenössischen Quellen oder Belege zu der ganzen Geschichte. Was typisch ist für solche Ritualmordlegenden tatsächlich, dass das später dann neu aufgelegt wird und mit sehr vielen Fakten und Details vorgesehen wird, wie wir das ja auch schon in der Antike gesehen haben. In

der im ersten von diesen sieben Bände über das Leben und die Passion des Matthäus William von Nowitzsch von 1150 soll der Kirchnerlehrling William am 22. März 1144, dem zweiten Tag des jüdischen Pessachfestes und am christlichen Karmitwoch von Juden der Stadt Nowitzsch heimlich und in ritualisierter Weise ermordet worden sein. Anscheinend sei ja auch gefoltert worden und es sei eben zu dieser uns schon bekannten Nachahmung der Kreuzigung Jesu gekommen, als eine verabredete Rache der Juden gegen Christen, die sie immer wieder wiederholen müssen. Und jetzt ein Zitat aus The Life and Passions of St. William, the Mayorty of Norwich. Seinerzeit kauften die Juden vor Ostern ein Christenkind und taten ihm all

die Martin an, die unser Gott erlitten hat. Und sogar Freitag hängten sie es an ein Kreuz wegen unseres Gottes und dann beerdigten sie es. Sie dachten, es würde nicht entdeckt werden, aber unser Gott offenbarte, dass der Gnabe ein heiliger Märtyrer sei, und die Mönche nahmen ihn und bestatteten ihn zeremoniell im Kloster. Und dank unseres Gottes tut er großartige und vielfältige Wunder, und er wird St. William genannt. Ach, wie schön.

Was für eine herzerwärmende, schöne Geschichte. Und das führt eben dazu, dass sich ein Märtyrokult etabliert mit Pilgern nach Norwich. Weil warum sollte man sonst nach Norwich gehen? Und jetzt gibt es aber einmal einen Grund, weil man eben geheilt wird. Diese besondere Verbindung mit den Wundern und den Heilungen, die damit eben auch einhergehen, wäre mir ganz wichtig. Weil das ist, was richtig Geld bringt in der Zeit ohne Krankenversicherung. Kann man damit gut Geld verdienen. Damit nicht genug. Mit diesem Geld wurde dann die Finanzierung der Kathedrale von Norwich und auch andere Dinge vor Ort gesichert.

Monmouth selber geht aber noch viel weiter. Das war ihm nicht genug und er erweitert die Legende mit der Behauptung einer jüdischen Weltverschwörung. Nämlich treffen sich alljährlich die jüdischen Eliten von Europa in Nabon und würden dann beschließen in welcher Stadt ein Christenkind in Europa geopfert wird dieses Jahr. Und die Theorie hat dann sehr eloquent den Ritualmord mit dem jüdischen Pessach.

Fest und der jüdischen Pessach Tradition verbunden und hat den Grundstein dafür gelegt, dass es eben diese Vorstellung von einem global oder europaweit agierenden Netzwerk gab, was sich immer so um Ostern an ein Christenkind vergehen würde. Damit wird schon auch ein neuer Topos geschaffen, der sich jetzt nicht nur auf diese bestehende religiöse und nur auf bestehende Vorurteile beschränkt hat, sondern auch mit dem man richtig Geld verdienen kann. Er hat im Endeffekt die Möglichkeit erfunden, wie man auch aus den antisemitischen und antijudaistischen Vorurteilen seiner Zeitgenossen viel Geld machen kann, weil das leuchtet Leuten ein und es gab dieses Christenkind, was getötet wurde und jetzt heilt es mich, wenn ich dorthin

gehe und was spende. Das ist schon insgesamt eine sehr gute Erzählung, wie er da in acht Bänden strickt. Genau. Für die Christen sehr praktisch. Es gibt Geld ansehen, vielleicht sogar Heilung. Weniger schön ist es natürlich für diejenigen, die von diesen Beschuldigungen betroffen sind, nämlich die Juden selbst. Denn das geht für die lokalen jüdischen Gemeinden in der Regel nicht sonderlich gut aus. Also zum Beispiel ... wurden dann 1171 Juden in Blois in Frankreich beschuldigt.

Sie hätten ein todeschristliches Kind in einen Fluss geworfen. Dort wurde zu der Zeit kein Kind vermisst und es wurde auch keine Leiche gefunden. Das heißt, es war rein die Beschuldigung, ohne irgendwas Fundiertes in diesem Fall. Die bedrohten Juden zeigten dann den Fall beim König Ludwig VII. an, der ihnen am Anfang auch Hilfe versprach.

Doch der Bischof und der Graf von Blois erklärten, Dutzende Juden bei Schauprozessen zu mördern und die Angeklagten schlugen dann die Angebote aus, sich entweder frei zu kaufen oder christlich taufen zu lassen, auch um die eigene Gemeinde natürlich für zukünftige Erpressung zu schützen. Wenn man so was einmal irgendwie des Zugriffes zu einer alljährlichen Tradition, dass man sich frei kaufen muss dafür. Und am 26. Mai wurden dann in Blois mehr als 30 Juden öffentlich verbrannt.

Ja, und das ist eben so eine Dynamik, die man tatsächlich bei den mittelalterlichen und auf späteren Anti -Judes -Ritualmord -Beschuldigungen immer wieder sieht. Es wird diese Beschuldigung erhoben, mitunter gibt es zumindest ein todes Kind, mitunter auch nicht. Und ja, es geht unterschiedlich aus. Es gibt tatsächlich schon damals oft auch eben diesen öffentlichen Disput, auch wo sich Kirchenoberer und die Herrschenden und zwar einschalten, teils auch tatsächlich theologisch argumentieren und so. Mitunter wird das schon damals auch widerlegt.

In seltenen Fällen die Juden auch freigesprochen. Oft kommt es dann trotzdem zu Vertreibungen, Pogromen und ähnlichem. Ja, oft werden sie auch trotzdem verurteilt. Natürlich auch hier haben wir wieder unterfolgte erpresste Geständnisse, dann eben Massenhinrichtungen oder eben auch einfach Pogrome und Massenermordungen, ganz abseits jeder rechtlichen Grundlage. Ein weiterer prominenter Fall dieser Art zum Beispiel ist der von Simon von Trient. Da sind wir mittlerweile schon am Ende des Mittelalters 1475. Ja. Und Simon von Trient ist so ein bisschen die Wiederholung von William von Norwitsch, aber eben in Norditalien dieses Mal, auch auf dem Kontinent selber. Und die Geschichte kommt euch jetzt bestimmt schon

bekannt vor. Also am 24. März 1475 meldete der Gerbermeister Andreas Unverdorben, großartiger Name auch, seinen verschwundenen Sohn Simon beim Bishop von Trient, Johannes dem Vierten von Hinderbach an. Zunächst wurde das Ganze als Unfall deklariert und man hat quasi vermutet, dass der irgendwie für Unfall sei. Doch in der Stadt kursierten dann relativ schnell Ritualmordgerüchte, was zu einer Durchsuchung in der jüdischen Gemeinde führte. Dort wurde nichts gefunden, ohne Ergebnis.

Zwei Tage später wurde dann aber Simons Leiche unter dem Haus des jüdischen Gemeindevorstehers Samuel gefunden. Die Autopsie deutete angeblich auf eine gewaltsame Tötung hin, woraufhin dann mehrere Männer der jüdischen Gemeinde verhaftet wurden. Unter Folter wurden dann mehrere erzwungene Geständnisse abgelegt, die ein grausames Ritual mit Kinderopfer und Blutverwendung beschrieben haben. Also alles bekannte Sachen. Und die Aussagen führten dann zur Hinrichtung von 14 jüdischen Männern. teilweise durch Verbrennen. Frauen der Gemeinde wurden später ebenfalls gefoltert und zum Christentum gezwungen, also zur Konvertierung oder hingerichtet. Die verbleibenden Juden wurden aus der Stadt vertrieben. Obwohl dieses Verfahren

mit der Folter und so weiter extrem umstritten war, vor allem weil die erste Durchsuchung ja auch keine Ergebnisse gebracht hatte, bestätigte der Vatikaner 1478 die formale Rechtmäßigkeit und der ganze Ablauf hatte dann Ähnlich wie bei William von Norwich die Folge, dass sich in Trien sehr schnell ein Heiligenkult um Simon entwickelt hat. Wohlgemerkte lange bevor er überhaupt heilig gesprochen wurde, bzw. ohne dass er formell heilig gesprochen worden war, sondern es handelte sich eben um so ein Akt der Volksreligion, wurde er trotzdem als Heiliger verehrt. Und am 31. März wurde dann schon das erste Wunder, das Simons anscheinend also nach seinem Tod bewilkt habe, notariell registriert. Ein Bürger von Trient

hatte den Leichnamen berührt und sei durch von der langjährigen Erblindung geheilt worden. Und dann gab es eben Geschichten von weiteren Geheilten, was schnell zu Pilgern aus ganz Italien geführt hat und zu sehr vielen Wundern und Wunderberichten aus den Jahren danach. Durch die extrem hohen Einnahmen wurde dann der Neubau der Kirche Sankt Pietro, inklusive einer eigenen Kapelle für Simon finanziert. Aber es gab eben auch Renovierungen der Büsche für den Burg zum Beispiel, die damit finanziert wurden, oder der Bau der Silberbergwerke im Pegi. Also da wurde richtig investiert und expandiert mit diesem Geld. Und alles nur, weil man so einen schönen lokalen Märtyrokult auf einem antisemitischen Schauprozess aufbauen konnte.

Großartig. Und was ich mir bei solchen Geschichten halt irgendwann denke, der die Person, die dieses Kind wahrscheinlich wirklich umgebracht hat, lacht sich natürlich ins Fäustchen. Also das ist natürlich dann eine sehr einfache Methode. Man hat immer den Sündenbock, den man so ein Verbrechen in die Schuhe schieben kann. Und ja, also extrem dunkel und düster, wenn man darüber nachdenkt, zu lange. Man fragt sich, wie viele reale Kindermörder da womöglich davongekommen sind im Laufe der Jahrhunderte. Denn wohlgemerkt, wir haben ja von den zwei prominentesten solchen Fällen geredet. Dazwischen gibt es natürlich unzählige weitere solcher angeblichen Ritualmorde mit Prozessen, Inrichtungen und dem ganzen Programm.

Ja, und zum Beispiel, wenn wir dabei sind, also es gab Darstellungen in der, ähm, ah... Vierdelschön Weltkronik beispielsweise. Das ist natürlich der Universal -Almanach, wo 1493 der Hartmann Schädel das ganze Wissen seiner Zeit zusammenfasst. Und da hat man eben auch diesen Fall des Siemens von Trient, was ja nur wenige Jahre zuvor geschehen war, auch prominent dargestellt in einem Holzschnitt von Michael Wohlgemuth. Ein Jahrhundert später, 1586, wohlgemerkte erst 100 Jahre später, wird dieser Kult, der Fackel von Lengs existierte, von Papst Sexus V., dann auch offiziell erlaubt und Simon zumindest als seliger Märtschürer geführt.

Bleddings auch weiterhin nicht offiziell Heilige gesprochen. Und ja, tatsächlich erst 1965. gibt die katholische Kirche dann offiziell zu, dass es sich um ein Fehlurteil handelte, dass die ganzen Vorwürfe falsch waren und die Seligsprechung wird widerrufen und der Kult um Simon von Trient verboten. Wird allerdings auch in den letzten Jahren immer mal wieder zum Beispiel von Rechtsextremen versucht, eben Kult um diese angebliche Naturalmorde Opfer wieder zu beleben, natürlich mit klar antisemitischer Intention. Ja, und in der grünen Neuzeit geht es dann eben tatsächlich so weiter, wie wir es gerade gehört haben. 15 .10 wurden dann die Juden in Berlin mit dem angeblichen Hossien -Frewe und Ritualmords beschuldigt. 10 starben an der

Folter, 38 wurden verbrannt und im Übrigen mussten die Mark Brandenburg verlassen. Also das ist auch ein Teil Berliner Stadtgeschichte, die ich vorher noch nicht kannte. Und dieser Verlauf wiederholte sich dann in vielen deutschen Gebieten. Ich habe mir die Städteliste mal durchgelesen und es sind erstaunlich viele bekannte Orte dabei, über die ich das gar nicht wusste. Gera Bronn aus der Ecke, wo ich komme, ist ein kleines Kaff, hat seine eigene Ritualmordel -Legenden -Geschichte zum Beispiel durchgemacht. Und auch 1612 war in der Dorfkirche von Rhin, wo überhaupt keine Juden wohnten, eine kaum beachtete Reliquie, nämlich eine Kinderleiche, ausgestellt worden.

Jetzt mal eine komische Reliquie, einfach eine Kinderleiche ohne klare Vorgeschichte auszustellen. Acht Jahre später liest dann der Pseudomediziner Hippolyt -Gyari -Gyari... Jetzt wieder ein Name, den ich nicht aussprechen kann. Garinoni. Garinoni. Die Gebeine ausgraben von dieser Reliquie, präparierte sie zur Muni und obduzierte sie, im großen Anführungszeichen, wenn man sich 16 oder 12 obduziert und noch, also wenn du 16 oder 12 Mediziner bist, habe ich Angst vor dir. Wenn du 16 oder 12 Pseudomessigkeiter bist, dann bist du wirklich komplett raus. Reaktionen waren damals natürlich auch schon weit verbreitet.

Auch in der seriösen Medizin. Also wir denken ja an ein Gemälde von Rembrandt, der sowas auch dargestellt hat. Beispielsweise. Was man aber bei so einer ominösen Kindermovie herausfinden kann, ist damit unterfuhren durchaus erstaunlich. Ja, acht Jahre später. Ach, also die war ja nicht konserviert. Mithilfe des Stadtrats in der Jesuiten Innsbruck schuf er, also Garinoni, die langlebige, Garinoni, eine langlebige Ritualmordlegende zu Ander von Rin, wie dieses Kind heißt Ander, und bis 1670, 50 Jahre später, wurde dann über dem vermeintlichen Tatort ein Judenstein angebracht, ursprünglich, und dann eine Wallfahrtskirche gebaut. 1671 wurde die Reliquie feierlich dann dort überführt und ausgestellt und es gab danach

sehr einträgliche Wallfahrten, Prozessionen und vor allem auch Theaterstücke über diesen Anderle Kult. der so als Volkstum sich dann in ganz Tirol etabliert hat und dann auch 1784 vom Papst mit einer Bulle anerkannt wurde. Das andere Spiel, das war so ein Jesuitenspiel über diesen Ritualmord und die gesamte damit verbundene Hintergeschichte wie dieses Kind, wie gesagt, es gibt alles von diesem Pseudomirisina Hippolyt Gerianoni erfunden worden. Und es hat dann aber dazu beigetragen, dass das Tiroler Volksschauspiel generell ein Ding wurde. Also das ist der Ursprung dieser Volksschauspieltradition in Tirol. Und wahrscheinlich auch in anderen alpinen Regionen ist eben dieses Nachspielen, klar die Passion Christi auch als

großes Ding, was sonst da immer die Osterspiele und so. Es geht ja eigentlich die ganze Zeit, dass man so Dinge spielt mit sehr fragwürdigen... Ja, also auf jeden Fall eine sehr erfolgreiche Multimedia -Vermarktung wie bei Disney. Komplett mit Merchandising an allem. Ja, ja. Und das wurde dann auch von den Brüdern Grimm aufgenommen.

Also die haben die Geschichte des Ahlander dann jetzt, nochmal deutlich später, im Jahr 1816 auch in ihrem ersten Band Deutscher Sagen mit publiziert, weil sie dachten... Das ist wichtig. Das muss mit rein. Das ist nicht die einzige Ritualmordlegende, die die Brüder Grimm mit reingenommen haben. Sie haben auch 1816 das von den Juden getötete Magdelein abgedruckt in ihren deutschen Sagen. Sie haben auch ihre Quellen genannt. Ganz professionell. Die Brüder Grimm wissen wir hochwissenschaftlich unterwegs. Und ja, ich lese einfach mal vor.

Im Jahr 1267 war zu Pforzheim eine alte Frau, die verkaufte den Juden aus Geiz ein unschuldiges siebenjähriges Mädchen. Die Juden stopften ihm den Mund, dass es nicht schreien konnte, schnitten ihm die Adern auf und umwandten es, um sein Blut aufzufangen mit Tüchern. Das arme Kind starb bald unter der Mater und sie warfen es in die Ends. Eine Last von Steinen obendrauf. Nach wenigen Tagen reckte Margerätchen ihre Hände über den fließenden Wasser in die Höhe. Da sahen die Fischer und entsetzten sich. Bald lief das Volk zusammen und auch der Mark graf selbst. Es gelang den Schiffern das Kind herauszuziehen, das noch lebte, aber nachdem es Rache über seine Mörder gerufen in den Tod verschieht. Sie ist nur am Leben geblieben,

um noch Rache zu schwören, als sie mir ging. Der Ark wohnen traf die Juden, alle wurden zusammen gefordert und wie sie dem Leichnam naten, floss aus dem offenen Wunden stromweise das Blut als auch so eine Art Gottesurteil, so ein Zeichen davon, da blutet der Tote, wenn der Mörder im Raum ist, als Idee. Die Juden und auch das alte Weib bekannten die Untate und wurden hingerichtet.

Beim Eingang der Schlosskirche zu Pforzheim Da, wo man die Glockenseite zum Geläut zieht, steht der Sarg des Kindes mit einer Inschrift unter dem Schifferzunft. Unter der Schifferzunft hat sich von Kind zu Kind einstimmig die Sarge fortgepflanzt, dass damals der Mark Graf Ihren Vorfahren zur Belohnung, die Wachtfreiheit, solange Sonne und Mond leuchten in der Stadt Pforzheim und zugleich das Vorrecht verliehen habe, dass alle Jahre und fast nachts Markt 24 Schiffer mit Waffen und Klingen im Spiel aufziehen und an diesem Tag Stadt und Markt allein bewachen sollen. Dies gilt auf den heutigen Tag. Ja, von erstaunlich, was man bei den guten Gebühlen Grimm da lesen kann. Das ist nun eine der eher unbekannten Anekdoten.

Was den meisten von uns wahrscheinlich eher ein Begriff sein wird, sind natürlich die Märchen. Man denke zum Beispiel an ein berühmtes Mädchen wie Hänsel und Gretel, mit der Hexe, die die Kinder mästet, um sie letztlich zu essen. Auch das kennen wir für etwas Ähnliches. Und ja, damit kommen wir zu einem ganz anderen, weiteren Rezeptionsstrang der Ritualmordlegende zurück, den wir bisher in den letzten Jahrhunderten noch überfrumt haben.

nämlich dem Hexenwahn. Denn im Spätmittelalter, so im 15. Jahrhundert, da bildet sich ja eine der verheerendsten Verschwörungsmythen der Menschheitsgeschichte heraus, nämlich die Vorstellung so einer wirklich überregionalen, agierenden Hexensekte. Also das geht durchaus hervor aus diesen früheren Anschuldigung gegen Juden und Herete für Sekten. Also zu Anfang sind die auch noch permanent dabei und so. Auch zum Beispiel die Idee vom Hexenwirf -Luk, also das auf dem Besen reiten hat man vorher von.

Zum Beispiel gegen die Valdenserinnen, also eine weitere andere christliche Strömung. Aber dann eben gibt es diese Vorstellung allgemein, es gibt Hexen, die eben ein Pack mit dem Teufel geschlossen haben. und wirklich vernetzt über ganz Europa agieren und versuchen eben die christliche Zivilisation zu schädigen und umzustürzen. Das wird natürlich dann auch in zahlreichen Hexenprozessen überall durchgezogen. Es werden Vorwürfe erhoben, Verdächtigte Tatsächlich nicht nur Frauen, sondern vielfach auch eher Männer, je nach Figur, weil mehr mal weniger gefoltert hat, bis sie dann die entsprechenden Vorwürfe gestehen. Es kommt bekanntermaßen viel zu Hinrichtungen, oft Verbrennungen.

Und ja, bei diesen Vorwürfen, die dann auch unter Folter bestätigt werden, finden sich immer wieder verschiedene Motive. Natürlich der Teufelspakt, Fabenszauber, der Hexenflug, sei es sehr auf den berühmten Wesen, aber auch auf Tieren oder Ähnlichem, mitunter unter Verwendung seiner Hexensalbe, die man irgendwie auf die Objekte oder auf den Körper aufträgt. Natürlich auch die Teufelsbulschaft und andere sexuelle Ausschweifungen eben beim Hexensabbat. Und da kommen natürlich auch immer wieder diese Ritualmordbeschuldigungen hinzu.

Also auch da die Vorstellung, dass Hexen eben kleine Kinder entführen und töten, sie mitunter essen oder eben auch ihr Fleisch oder Blut eben zur Herstellung von Hexensalbe verwenden, um damit dann eben diese magische Ingredienz herzustellen. Da haben wir also auch wieder diese Übertragung dieses Modelletivs, Ritualmord und dann Verwendung des Blutes eben zur Herstellung eines weiteren Materials. Und das geht natürlich dann über mehrere Jahrhunderte, den Höhepunkt erreicht. Die Hexe verfolgen wir in der frühen Neuzeit, vor allem dann im 16., 17. Jahrhundert, bis das irgendwann später zunehmend ausläuft. Aber letztlich haben wir das Erbe des Ganzen bis heute, denn das prägt natürlich ganz massiv dieses Bild allgemein von

Satanismus, die Vorstellung, es gibt da geheime Sekten. die den Teufel verehren und die eben im Geheimen solche Rituale abfeiern. Aus dem Hexensabbat wird die schwarze Messe, also die Vorstellung, die praktizieren so eine Parodie der christlichen Messe eben auch mit Orgien, Menschenopfern, Kannibalismus und so weiter.

Da geht eben diese Ritualmordlegende ganz prominent mit ein. Ja, nochmal schön die Vorstellung, dass all das, was die Römer über die frühen Christen dachten, jetzt von den Christen über die Satanisten gedacht wird. Also... Das ist eine ganz ähnliche Vorstellung, wie wir sie von dem Paranalien -Skandal haben. Ja, es gibt nichts Neues unter der Sonne, wie das Salomon so schön gesagt hat. Ja, und im 18. Jahrhundert wurde dann aus dieser christlichen Ritualmordlegende vor allem in ländlichen Regionen eben zunehmend die heiligen Verehrungen. Es wurde darüber weiter transkribiert oder darüber weitergegeben.

Nicht nur in Tirol mit den Volksspielen, sondern zum Beispiel auch im katholischen Rheinland. War das ein sehr gängiger Volksglaube. Und Werner von Oberwesel war so ein Wanderarbeiter. Also er wachs war kein Kind, glaube ich, sondern ein junger Erwachsener, der getötet wurde scheinbar von Juden und der dann auch zu einem lokalen Wallfahrtsort geführt hat. Das Bistum Trier nahm in 1761 in den Heiligenkalender auf und beging seinen angeblichen Todestag dann bis 1963 jedes Jahr mit einer Prozession, auch wieder bis in die 60er Jahre, was halt extrem lange ist. und sein angeblicher Geburtsort Womrad widmet ihn noch 1911. Neue Kapelle mit Kult -Gemälde und ein jährliches Wernerfest muss sich wahrscheinlich

heute nur noch Fans des Cartoons versammeln, hoffe ich. Ach, nicht mehr. Tich, tich, tich, anders. Ein anderes Wernerfest ist, ja. Ja. Kannste sagen. Also in genau der Zeit, wo der Hexenwahn eigentlich mittlerweile endlich ausgestanden ist und so, also ja auch im Zeitalter der Aufklärung, im 18., vor allem auch 19. Jahrhundert, da erlebt eben gerade die anti -jüdische oder jetzt wirklich antisemitische Ritualmordlegende so eine Renaissance ganz stark auch in Osteuropa, aber eben auch im Deutschen Kaiserreich. Da gibt es natürlich wiederholt solche lokalen Ritualmordbeschuldigungen, aber eben auch dann zunehmend einen intellektuellen Diskurs darüber, vielleicht weniger intellektuell oder zumindest im weitesten Sinne gelehrt. Es

werden dann eben auch antisemitische Schriften veröffentlicht, die nun vor allem auch die alten historischen Berichte aus dem Mittelalter und so wieder ausgraben, wieder aufbereiten, um eben überzeitlich zu beweisen, was dort für Praktiken im Judentum seit Alters her und bis heute praktiziert worden seien. Bekannt ja zum Beispiel die Herzschrift der Talmud -Jude des katholischen Theologen August Rohling, erschienen 1871. der eben die angebliche Menschenfeindlichkeit der Juden, wir erinnern uns vorne an die antiken Vorwürfe, zahlreichen Zitaten aus jüdischen Schriften belegt und unter anderem sich auch auf die Ritualmordlegende bezieht.

Der Antisemitismus dringt natürlich auch in die Politik und wird dort zunehmend auf zum Identitätsstiftenden Merkmal bestimmter Strömungen. Ja. Und das wird dann zunehmend eben genutzt, um Propaganda zu machen. Und wir kennen das dann aus, es gab in Kaiserreich ein paar berühmte Fälle, wo das immer wieder mehrmals öffentlich aufgelegt wurde und auch mit großem medialen Interesse verfolgt wurde, was sicherlich auch zu der Verbreitung dieser Vorurteile geführt hat. 1893 erschien die Schrift Vier Tiroler Kinderopfer des Hasidischen Fanatismus von dem Wiener Geistlichen, der mit der Andau von Rinne -Legende wieder die neu aufgelegt hat und die dem modernen Formen des Antisemitismus dienstbar gemacht hat, die da neu drauf ausgelegt

hat, neu aufgelegt hat für die neue Zeit, damit man solche Die Ursprünge sind komplett dubios und wahnsinnig und dass sich dann sowas einfach so lange hält, ist auch ein Zeichen dafür, wie schwach die Argumente für das sind. All diese Fälle, wenn man sich die detailliert anschaut, sind sehr zweifelhaft. Wenn man sich die Frage stellt, wem nützt denn diese ganze Geschichte, wer ist denn eigentlich Profiteur davon, dann sehen wir bis jetzt viele Wallfahrtsorte und viele Geistlichen tatsächlich aus. Genau, und in der Neuzeit eben zunehmend politische Strömungen, die sich dieser Antisemitismus dienstbar machen.

Und da dürfen wir natürlich vor allem über die Prominentesten nicht hinweggehen, nämlich die Nationalsozialisten. Darauf spielt die Ritualmordlegende natürlich auch wieder eine Rolle. Vor allem eben auch im Stürmer, also dem Hetzblatt der Nazis. Vor der Machtergreifung werden ganze Ausgaben der Ritualmordlegende gewidmet. Bonusheft, Bonusheft, ja. Ganz genau. Es werden eben auch diese ganzen historischen Fälle wieder durchgekaut. Aber eben auch immer wieder rezente Fälle produziert. 1929 zum Beispiel wird in Mahnau der junge Karl Kessler tot aufgefunden. und sofort behauptet Otto Hellmuth hochqualifiziert als Zahnarzt in einem Artikel für den Stürmer. Es handelte sich um einen Jüdis Ritualmord. Der Leichnam sei ja völlig blutleer

gewesen. Wenig später widersprachen schon der Untersuchungsrichter, dass sämtliche Details völlig erfunden seien und das damit absolut gar nichts zu tun habe. Aber natürlich bleibt auf das in der Szene erhalten. Helmut macht eine gänzende Karriere unter den Nazis. Sehr schön. Und es wird eben neben den ganzen anderen antisemitischen Stereotypen weitergetragen. 1943 fasst zum Beispiel Helmut Schramm zahlreiche solcher bereits vorliegenden Herzschriften in seinem Buch Der jüdische Ritualmord zusammen. Und das wird dann unter anderem auch von Heinrich Himmler direkt an die Einsatzkommandos für die Judenermordung während des Zweiten Weltkriegs im Osten weitergegeben, als Anleitung, um dann auch noch die letzten Skupel und Empathie abzulegen.

Die sind die Rechtfertigungen dafür. Die Ritualmordlegende dient also nebst natürlich vielen anderen Aspekten als direkte Rechtfertigung für den Holocaust. Ja, nach dem zweiten Weltkrieg könnte man meinen, gäbe es da einen ziemlichen Bruch. Und das stimmt auch zu einem gewissen Grad, allerdings nicht überall und nicht sofort. Vielmehr setzen sich eben diese Ritualmordelegenden in vielen Gebieten trotzdem fort. Noch 1946 zum Beispiel kommt es in Polen zu einem Pogrom und der Ermordung von über 40 Juden in Kielze, auch dort in Folge eines angeblichen Ritualmordes. Also man freut sich dort gerade, dass der zweite Weltkrieg und der Holocaust ausgestanden sind und dann werden über 40 Holocaust -Überlebende dort von den Polen

ermordet, weil ihm solche Ritualmorde vorgeworfen werden, was dann auch zu weiteren Pogromen in anderen Städten dort führt und zu einem weiteren Exodus, also eines Großteils der noch verbliebenen Juden in Polen, in andere Staaten. Ja, wir holen ja auch ein ganz spannendes Beispiel, weil wir da diesen Pull -Factor sehen, der ganz kleine Mittelalter, den Push -Faktor, dass die ganze Progrome auch in Folge von diesen Virtual -Model Legenden in ... Westdeutschland oder im heutigen Westdeutschland, im Rheinland und so haben, wo zu der Zeit eben viele Juden gelebt haben und dann sie zunehmend eben nach Osten auch ziehen, weil in Polen ihnen Sicherheit zugestanden wird und es da ursprünglich nicht diese Vorurteile

gibt und dann ziehen die aber so ein bisschen nach und nachträglich beginnt es dann auch in Polen, so mit so 100 Jahren Verzögerung, dass wir dort ähnliche Fälle haben eigentlich. Ja. Ja. Immerhin kann man sagen, in der Nachkriegszeit verfand die Ritualmordlegende doch weitgehend und ziemlich konsequent aus den christlichen Großkirchen. Gerade eben aus der katholischen Kirche, wo man zuvor noch allzu viele solche Märtyrer hatte. 1954 bietet der Vatikan die Wallfahrten zum Judensteinden Rhin. Doch der Regionalweihbischof Paulus Ruff und viele Opthoner widersetzen sich.

Ja, das ist ganz lustig. Dieser andere Likuitgeschichte, da versucht dann die Kirche nach dem Zweiten Weltkrieg einen Deckel drauf zu machen und zu sagen, das ist nicht mehr konform mit unserer Meinung als katholische Kirche. Aber die lokalen Katholiken sehen das anders und widersetzen sich dann da durchaus. Da wird dann ein kleiner Kulturkampf ausgeführt in Rin. Weil die Anhänger des Kultes sagen, dass durch das Unfehlbarkeitsdogma des Papstes von 1755 das nicht mehr zurückgenommen werden kann. Dass damit auch eine Rücknahme eines Kultes unmöglich ist, weil der Papst unfehlbar ist. Dann wurde das übermalt, das Fresko von der Schlachtung des Kindes, das in der Kirche ganz dramatisch war. Und der Hauptinitiator der

Wallfahrten, Gottfried Melzer, wurde entlassen als Kaplan. Trotzdem wurde dann noch 1972 die schönsten Tiroler Sagen mit aufgenommen. Und 1990, also Jahre später, hat dieser entlassene Hof -Kaplan Melzer dann in einer Zeitung namens Loretto bot. 36 Ritualmordlegenden als Fakten präsentiert, in einem öffentlichen Artikel, 1990, und hat da das noch mit den Motiven des Taxilschwindels, den wir aus der Freimauer Folge kennen, verbunden und zu einer globalen Verschwörungstheorie schon gemacht. So 1990er Jahre Proto -QAnon, was wir da sehen, und Juden hätten den Massenmord an den ungebogenen Kindern geplant und würden sie durchführen, 60 Millionen jährlich. Da sind wir natürlich auch bei der christlich -evangelikalen

Poleme gegen Abtreibung, vor allem dann natürlich ja auch in den USA ganz stark. Genau. Und eben diese Idee, dass die Abtreibungen ein immerwährendes und unaufhörliches Menschenopfer für Satan wären. Um Satans Weltherrschaft anzubahnen, dafür wurde Melzer dann in Österreich 1990 rechtmäßig wegen Volkverhetzung. verurteilt oder die Verhetzung.

Ja, und obwohl der Vatikan die Papst, die durch Doktrin offiziell geändert hat, dass der andere Kult nicht mehr nicht mehr Doktrin ist oder nicht mehr so die Hauptlinie der katholischen Kirche, gibt es Leute wie den Historiker David Kerzer, der eben die Vatikan Archive ausgewertet hat und ein Zeichen eigentlich eher so generell gesehen hat, dass die katholische Kirche gerne ihre eigenes Mitwirkung an der Entstehung von Antisemitismus da gerne eher unterbuttern als behandeln wollen, wenn man die langjährige Unterstützung, weil sie waren die großen Profiteure von dieser Ritualmordlegende für eine lange Zeit und es jetzt aufzuarbeiten ist natürlich unangenehm. Ja, man sieht gerade die Anti -Jüdische Ritualmordlegende besteht

bis in die Gegenwart Forte. Es gibt immer wieder solche Befuldigungen in verschiedensten Ländern. Wenn sie in der westlichen Welt mittlerweile glücklicherweise in der Regel nicht mehr zu Pogrom und Hinrichtungen wirklich durch die Staatsmacht und so führen wie in früheren Jahrhunderten. Nicht vergessen darf man auch dass in der islamischen Welt, gerade jetzt in der Neuzeit, die Ritualmordlegende eine ganz unselgere Renaissance erlebt hat und bis heute dort auch letztlich zum Kernbestand antisemitischem Gedankengut gehört und auch gerade im Nahostkonflikt bis heute immer wieder aufgegriffen wird, auch teilweise von Mainstream -Medien in verschiedenen islamischen Ländern. Das ganze, also die Rezeption in ... den der islamischen

länder wäre noch ein ganz eigenes kapitel für sich. Die folge zum politischen islam ist in arbeit. Wir haben einen sehr qualifizierten, eine sehr qualifizierte expertin dafür, die jetzt aber erst mal in den urlaub muss und ich war im urlaub und jetzt haben wir so ein bisschen, wir haben beide gerade viel zu tun, aber das kommt dann wahrscheinlich im mai wollte ich nur sagen politischer islam vielleicht zweiteiler hoffentlich ich bin gespannt Sehr schön. Ich will nicht sagen, ich freue mich schon, aber ich bin gespannt. Ja, wie eben schon angedeutet wurde, sind wir jetzt auch bereits im Bereich der ganz modernen Verführungstheorien erfinden.

Wie wir gesehen haben, gibt es Verschwörungstheorien letztlich seit der Antike und in manchen Belangen haben sie sich erstaunlich wenig verändert. Aber vor allem diese räutigen Rezeptionslinge entstehen vielfach im Zeitalter der Aufklärung. Im späten 18. und 19. Jahrhundert geht es auf los mit Verschwörungstheorien gegen die Freimaurer, die Illuminaten und ähnlichem.

Dazu die zwei Illuminatenfolgen des Allerzeit der Welt Podcasts. Und auch dort treten natürlich solche Ritualmordbeschuldigungen immer wieder auf, auf manchen an den Taxilspindeln. Auch dort Freimaurer treffen sich eben nicht nur zu gereimen Treffen, wie sie das nun mal tun als Freimaurer, sondern sie begehen eben auch Orgien, Satanismus und ähnliche Gräueltaten. Ja, und die neueste Welle solcher Verführungstheorien geht dann vor allem in den 1980er Jahren los. Da kommt es nämlich zur sogenannten Satanic Panic FM. Vor allem in den 70ern sehen wir auch so ein neu aufflammendes Diskurs über Satanismus. Da kommen auch sehr viele so okkulte Horrorfilme ins Kino. Man denkt an Der Exorzister, Rosemary's Baby und so weiter.

Man muss sich vergegenwärtigen, Satanismus ist da bereits aber ein Phänomen der Pop -Kultur. Es gibt natürlich bestimmte Gruppierungen, die sich selbst als Satanisten bezeichnen und verscheiden, soweit bekannt keine Ritualmorde begehen, auch wenn sie durchaus schwarze Messen inszenieren und ähnliches, aber vor allem Was wir als Satanismus kennen, ist zuallererst so ein Phänomen der Popkultur, was eben auch teils auf diese langen Kontinuitäten bis zum Hexenwahn und ähnliches zurückgeht. Aber nun entsteht daraus eben noch mal eine ganz verstärkte Verschwörungstheorie. In den 18ern kommt es nämlich in den USA immer wieder zur Befuldigung von satanistisch rituellem Missbrauch. Kinder oder Erwachsene

beschuldigen, Eltern oder Bezugspersonen, oftmals Erzählernzieher oder ähnliches, dass sie von näher diesen eben in Kontexten von satanistischen Kultgemeinschaften rituell, sexuell missbraucht worden seien. Und auch allerlei ganz grauenvolle Gefichten werden dabei formuliert, eben auch immer wieder Ritualmorde, Kult für Rituale und ähnliches. Diese Geschichten treten allerdings in der Regel zutage bei Therapien -Sitzungen mit einigen Therapeuten, oftmals zum Beispiel bei Hypnosesitzungen, die natürlich auch bekannt dafür sind, dass man in diesem Hypnosezustand sehr leicht durch suggestive Fragen und ähnliche falsche Erinnerungen einsetzen kann. Es kommt auch dort zu mehreren Prozessen und so, wo eben

diese Beschuldigungen tatsächlich vor Gericht landen. die in der Regel aber dann absolut in sich zusammenstürzen und dort, wo sich etwas überprüfen lässt, kommt nie etwas dabei rum. Allerdings zieht sich diese Satanic Panic oder Verschwörungstheorie vom satanistisch rituellen Missbrauch letztlich bis heute. In den USA ist das dann nach einigen Jahren nicht gerade ausgestanden, aber es verliert zumindest an Zugkraft, als die ersten Prozesse im Feitern und im Sande verlaufen.

Allerdings ist das nun gerade in Deutschland und Österreich der Fays in den letzten Jahren auch in der Therapeutenszene sehr beliebt geworden, wo erschreckend viele Psychotherapeuten eben wirklich davon ausgehen, es gäbe solche international vernetzten Netzwerke von, ja mittlerweile sagen sie nicht mehr unbedingt explizite Satanisten, weil das dann vielleicht doch zu unglaubwürdig wirkt, aber letztlich irgendwelche ominösen Kultgemeinschaften oder ähnliches, die eben systematisch Kinder, teils auch Erwachsene sexuell missbrauchen, misshandeln, foltern und ähnliches. Und eben ein zentraler Punkt, der Diese ganze Geschichte ist eben der Mind -Control -Ansatz. Also die Vorstellung, es werden dort bewusste die Persönlichkeiten

der Menschen aufgespalten, also solche multiplen Persönlichkeitsstörungen gezielt erzeugt und dann einzelne Persönlichkeiten programmiert, sodass sich die Personen nicht an ihre Erlebnisse erinnern können, aber später zum Beispiel mit bestimmten Triggerwörtern oder ähnlichem die Täter die Menschen praktisch fernsteuern, doch wieder zu sich rufen können oder ähnliches. Es handelt sich ja letztlich auch um ein ganzes massives Gaslighting gegenüber den Betroffenen, der sagen, ist in den letzten Jahren auf zunehmend in den Fokus der Skeptiker -Szene geraten. Wenn ich das mehr interessiert, kann ich zum Beispiel empfehlen, es ist letztes Jahr eine Broschüre der Gesellschaft zur Wissenschaft, die Untersuchung

von Parawissenschaften, der GWUP, ausgekommen, virtuelle Gewalt und Mind Control, Elitenverschwörung oder Verschwörungstheorie. wo eben diese ganze Geschichte zusammengefasst wird. Wir zu empfehlen sind zum Beispiel auch mehrere Vorträge von Lydia Bendecke, die viel kritisch dazu gemacht wird, bei YouTube zu finden, unter anderem von der Scepcon 2018. Und ja, man sieht also durchaus diese Kontinuität aus den alten Ritualmordbeschuldigungen, Ritualmorde. treten dort immer noch immer wieder auf in diesen Berichten. Nun aber natürlich mit diesem neuen Schwerpunkt eben des sexuellen Missbrauchs und eben ganz zentral dieses Mind Control Aspekts.

Brückenmerk, wenn ich all dies als Verschwörungstheorie oder Verschwörungsmythos bezeichne, verleugne ich damit nicht, dass es natürliche sexuellen Missbrauch teils auch in organisierten Gruppen gibt. Der zentrale Unterschied ist eben einerseits dieser kultifekten Überbau, der immer postuliert wird, aber vor allem die Mind -Control -Theorie, also die These, dass bewusst Persönlichkeiten aufgespalten und programmiert werden. und dann diese verschwundenen, angeblich verdrängten Erinnerungen erst bei solchen Therapiesilzungen wieder zutage kommen. Ich glaube, das ist ein ganz wichtiger Punkt zu sagen, weil es klingt immer, wenn man sich kritisch gegen diese Theorie äußert, als würde man generell sagen, Menschen kann nichts

Schlimmes auch in Kulten passieren. Generell ist es ja, je verschworener eine religiöse Gemeinschaft ist und je mehr dieses Wir gegen die Außenwelt existiert. desto einfacher ist es wahrscheinlich auch Druck auf die Mitglieder innerhalb der Gruppe auszuüben. Das typische Sekten -Ding. Und dass in Sekten ganz viele Dinge passieren, die nicht im Sinne der Menschen sind und dass da ganz viele Freiheitsrechte beschnitten werden, das wollen wir alles gar nicht in Frage stellen damit. da kein sexueller Missbrauch gäbe oder so. Aber dieser Überbau, den du gesagt hast, der da eben, der es zur Verschwörungstheorie macht, der das eben auch dieses globale Netzwerk, das ihn da sieht, das ist ganz wichtig, diese Unterschreitung

zu machen, weil man dann eben vom Bereich des Realen auch ein bisschen in das Bereich der paranoiden Therapeutenverschwörung da also geht. Das ist ja tatsächlich auch eine Verschwörungstheorie, an die die Therapeuten glauben. Und die reden das dann Leuten ein, die in Therapie sind und die extrem, gerade wahrscheinlich fragil im Moment haben, extrem formbar sind, extrem sich da öffnen und glauben, sie können der Person vertrauen.

Und was die Person tut, ist, stattdessen ihnen einzureden, dass sie... noch viele schlimmere Dinge passiert sind, als die an die sie sich erinnern können, weil sie wurden programmiert und ihre Persönlichkeit wurde abgespalten und nur der Therapeut oder die Therapeutin sind in der Lage, das wieder zusammenzufügen und das Bild ganz zu machen. Und da ist man in einem sehr gefährlichen Bereich. Ja, gerade diese Dynamik macht es eben ganz besonders perfide. Wir werfen eben weder den Therapeuten noch den angeblichen Opfern hier vor, zu lügen, ganz und gar nicht.

Wir sind davon wirklich überzeugt und es kommen dabei tatsächliche, sehr real wirkende Erinnerungen zutage und das ist ja letztlich nur umso mehr. eine weitere Viktimisierung der Opfer, die natürlich oftmals bereits mit vorliegenden Problemen überhaupt an diese Therapeuten herantrieben, die wirklich psychische Probleme haben, die oft sicher auch reale Traumata in ihrer Geschichte haben, womöglich auch tatsächlich von sexuellem oder sonstigem Missbrauch und ähnlichem. Aber eben in der Realität eher nicht durch international vernetzte Satanisten für Sekten, die tatsächlich Persönlichkeiten aufbreiten und programmieren können. Ja, also wenn euch euer Therapeut irgendwann mal so was erzählt, dann ist das eine große Red Flag. Ganz

genau. Und ja, unglücklicherweise bleibt es noch nicht einmal dabei, denn ja, es geht durchaus noch etwas abgedrehter mit derartigen Gefichten, denn dieser ganze Komplexe der rituellen Gewalt, der Mind Control Theorie und so, findet dann eben auch Eingang in moderne Verschwörungstheorien der großen Verführungstheoretiker, die dann auch vor allem seit den 90er Jahren alles, was es an Verschwörungstheorien und so auf dem Markt gibt, irgendwie zusammenfassen. Also man denke zum Beispiel an David Icke, den habe ich bereits in der Anunnaki Folge erwähnt, das ist der mit den Reptiloiden. Der kommt ursprünglich auch aus dem Antisemitismus, also in seinen frühen Büchern beruft er sich auch auf die Protokolle

der Weisen von Sion. Ich höre hierzu die entsprechende Folge. Unentsprechlich kommt er aus dem Fußball. Der Gegner sei gescheitert, der Fußballer nicht an sich überlegt hat, Moment, ich kann ja auch mit Verschwörungstheorien Geld verdienen. Genau, erst Fußball, dann Antisemitismus, dann Reptilien, übliche Biografien. Und eben in seinem eine Werk, das größte Geheimnis, beschreibt er eben genau die Natur solcher Verführungen. Und da hat er eben auch ganze Kapitel gewidmet eben letztlich dessen, was wir jetzt Ritualmordlegende beschrieben haben, wo er letztlich all das zusammenführte, also sowohl die Satanic Panic der 80er, ähnliche narrative und auch reale historische Eignisse, wie zum Beispiel das MK -Ultra -Programm der

amerikanischen Regierung, aber eben auch diese ganzen historischen Quellen, die Ritualmordlegende bis in die Antike zurückkämpfen. Und all das verfolgt ihm zufolge einen ganz spezifischen Zweck. Ich zitiere, die Reptiloiden und ihre Mischlinge trinken Blut, weil sie damit die Lebensenergie der Menschen zu sich nehmen und weil sie es brauchen, um in unserer Dimension existieren zu können.

Sie verwandeln sich oft an Reptiloide, wenn sie menschliches Blut trinken oder menschliches Fleisch essen, wie mehr Personen versichert haben, die dabei waren. Also gut, dass er sich hier auch auf Primärquellen und Augen zeugen. Sehr antik von ihm, das hört sich wie Herodot. Es hat mir jemand in einer Kneipe erzählt, der dabei war, dass es wirklich in Indien Menschen gibt, die auf ihren Händen laufen. Ganz genau. Ich zitiere weiter, Satanische Rituale und Menschenopfer, besonders Kinderopfer, werden auf einer Skala mit unglaublichen Ausmaßen durchgeführt und es in Politiker, Geschäftsleute, Medienbesitzer und prominent Unterhaltungskünstler in der ganzen Welt daran beteiligt. Diese Rituale und Menschenopfer

waren seinen Urzeiten schon immer das Fundament der Religion der Bruderschaft. Also hier bezieht er sich auf die Bruderschaft der Schlange, die angeblich bereits seit Hunderttausenden von Jahren im Auftrag der Anunnaki, die bei ihm rettiloide sind, die Menschheit beherfen. Ja, das klingt jetzt noch sehr exzentrisch. Unglücklicherweise bringen eben in den letzten Jahren diese Vorstellungen auch immer weiter in den Mainstream. Zum Beispiel erscheint dann in einem antisemitischen Fortune Thread auch ein Video, wo das explizit verknüpft wird, Jew Ritual Blood Level Sacrifice is Adrenochrome Harvesting. Und hier taucht tatsächlich zum ersten Mal in der Verschwörungsszene das Motiv vom Adrenochromer

auf. Adrenochrom ist ja ein real existierendes Stoffwechselprodukt, nämlich ein reinen Abbauprodukt von Adrenalin im menschlichen Körper. wurde unter anderem auch durch den Hollywood -Film Vierenlosingen Las Vegas etwas prominent gemacht. Aber hier entsteht nun die Vorstellung, dass jüdische Eliten Kinder quälen oder töten, um ihnen dieses Adrenochrom abzuzapfen. Und dieses zum Beispiel als Verjüngungsdroge für Hollywood -Prominente und Ähnliches zu nutzen.

Wir denken alle an das Meme von Xavier Naidoo. wie er weinend da saß. Und genau das ist so ein Video, da hat er sich eingeguckt davor. Genau. Und dann hat er seine weinende Videobotschaft an die Welt aufgenommen, die mittlerweile zu einem beliebten deutschen Meme wurde. Ganz genau. Und genau aus dieser Fortran -Community geht dann eben auch zum Beispiel die Pizzagate -Verschwörungstheorie hervor. Also die im Wahlkampf von 2016 -17 verleumdung, dass Hillary Clinton und andere Demokraten in Woffingen DC in einer Pizzeria einen geheimen pädophilen und Kinderpornorien betreiben würden, was ja unrühmlicherweise dazu führte, dass Dann ein angavierter, republikanischer Mann mit einem Sturmgewehr diese Pizzeria stürmte, um die Kinder

zu befreien, um dort dann festzustellen, dass es dort nicht einmal einen Keller gibt, wo diese festgehalten wurden. Was glücklicherweise noch halbwegs glümpflich ausgegangen ist, aber eben auch die Radikalisierung in dieser Szene natürlich verdeutlicht. Und dann eben ab 2017 wird diese ganze Vorstellung von den bösen Eliten, die im Geheimen Kinder gefangen halten, missbrauchen, quälen und in Adrenochrom abzapfen, auch zu einem der Grundpfeiler dieses Online -Verschwörungskurses QAnon. Also einer anonymen Gestalt, die eben auch im Internet behauptete, ein Insider aus dem Umfeld der amerikanischen Regierung zu sein, der zufolge dort Mächte im Militär und so Donald Trump never puffen und zur Präsidentschaft verhelfen

würden, damit er eben mit diesem ganzen Deep State aufräumt und die bösen pädophilen Demokraten, die Kinder opfern und ähnliches alle zum Teufel jagen würde. Das hat er nun in seiner ersten Präsidentschaft offensichtlich nicht getan und nun in seiner zweiten scheint er auch durchaus anderes zu tun zu haben. Aber man sieht eben, das ist heute gerade in der rechtsradikalen, rechtsextremen Szene sowohl in den USA als auch in Europa ein ganz zentrales Motiv eben dieser moderne Ableger der Ritualmordlegende. Man denke zum Beispiel an den antisemitischen Anschlag auf die Synagoge in Poway in Kalifornien 2019, wo eben auch ein recht extremer Attentäter die Tat unter anderem mit der Anti -Jüdischen Ritualmord

Legende rechtfertigte, mit einem Toten und drei Verletzten, ähnlich auch beim Anschlag in Hanau mit neun Toten 2020. Auch dort hatte der Täter eine QAnon -verwandte Ideologie. Also ja, man sieht noch nach über 2000 Jahren ist die Ritualmordlegende in ihren Abwandlungen lebendiger denn je zuvor und führt noch immer zu durchaus verheerenden Auswirkungen. Ja, es ist so einer der Dauerbrenner, einer dieser Evergreens der mindestens europäischen Verschwörungstheorien. Wir haben jetzt nicht so die Welt rausgeguckt, also Nordamerika und Europa, es gibt die auch noch so ein bisschen an anderen Orten, aber in dieser Form ist sie schon auch so ein mediterraneuropäisches Phänomen, also aus der Antike bis in die heutige Zeit.

Ja, ein europäischer Gedanke, dass irgendjemand nachts doch etwas Schreckliches planen könnte. Und all das Schlimmste tut, was man sich nur vorstellen kann. Das ist ja vom Grundaufbau her so eine moralisch -paranoide Fantasie, dass jemandem, dem ich nicht vertraue, all das tut, was man nicht tun darf. Ganz genau. So lässt es sich zusammenfassen. Der erfolgreichste Verschwörungsmythos der Menschheitsgefichte seit etwas über 2000 Jahren, begründet im antiken Griechenland und Rom des ersten Jahrhunderts vor Christus. Und so ein bisschen, ich meine, du hast vorhin gemeint, na ja, man sollte solche Sachen vielleicht nicht wiederholen, aber ich glaube, man muss sie ja irgendwie verstehen und tatsächlich auch entzahnen,

weil wenn man sich nicht anschaut, wo kommt denn das tatsächlich her und wie oft wurde denn das in verschiedenen Worten wiederholt, dann ist dann nicht so ganz klar, warum man vielleicht sagt, das ist eine Verschwörungstheorie oder das ist Quatsch, man muss ja da ein bisschen in die Details schauen. Und wenn man sich dann so 2000 Jahre von so einer Geschichte anguckt, wo abwechselnd alle paar Jahre jemand anderem das vorgeworfen wurde und es keinen einzigen richtig guten Hinweis darauf gibt, dass es jemand wirklich gemacht hat, dann ist es einfach die beliebteste Verleumdungsstrategie, die wir so, einfach der Klassiker der Verleumdungsstrategien.

Ganz genau, die Wurzel aller Verschwörungsmythen. Wenn ihr uns auf unterstützen wollt, dann könnt ihr das erstmal tun, indem ihr Lives Artikel im Skeptiker bald lest, wenn er rauskommt zu diesem Thema. Ich werde ihn auch dann sobald er raus ist hier nochmal spezifisch verlinken unter der Folge und den Kommentaren und so in der Beschreibung, damit ihr euch das noch ein bisschen detaillierter selber anschauen könnt und durchlesen. Und wenn live halt auch, nennt man auch die anderen Online -Quellen, wo man dich finden kann. Genau, ich habe einen Blog namens Wunderkammer der Kultur -Gefichte, wo ich zusammen mit zwei anderen Autoren, André Kramer und Ulrich Magin, in unregelmäßigen Abständen immer wieder Artikel, vor allem Archäologie -Gefichte

und ähnliches und eben so pseudoarchäologische Thesen veröffentliche, wo ich diese in der Regel vor allem auseinander nehme. Genau, sehr gut geschriebene Sachen. wirklich und eine Fundgrube für... Als ich mir das eingeschaut habe, dachte ich, Mensch, da könnte man ja über die Gastämie behandelt selber 200 Podcast -Folgen machen, wahrscheinlich. Ich stehe bereit. Genau, also schaut da gerne rein. Es lohnt sich. Und wenn ihr den Podcast unterstützen wollt, dann könnt ihr das auf YouTube machen oder auf Patreon.

Patreon .com slash allezeitderwelt. Wir haben noch eine Liste von Leuten, die gern vorgelesen werden, als Unterstützer von uns. Unsere Producer und Producerinnen -Liste. Und die würde ich jetzt zum Abschluss noch kurz vorlesen. Vielen Dank und ganz, ganz liebe Grüße gehen raus an den cooleren Herr Fischer vom Aden Gymnasium, Fanny Dietrich, Freya Stuart, Onkel Didi, Alexi, Katharina, Fernando, Brigitte, Super Sylvie, Vifatus, Petrusilius Zwakelmann und Miao Zetung. Vielen lieben Dank und Ja, vielen lieben Dank dir vor allem live für die schöne Folge, es war sehr nett heute Abend hier. Und wir machen das bald mal wieder und wir im Podcast hören uns, voraussichtlich in zwei Wochen. Bis dann!

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