
Alle Zeit der Welt· Staffel 1· Folge 126
Die Nacht der schmatzenden Toten: Deutschlands vergessene Vampire
Freitag, 15. August 2025 · 1 h 04
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Shownotes
Vergesst Dracula – Deutschlands eigene Vampirgestalten sind älter, gruseliger und… erstaunlich schmatzend. In dieser Episode erkunden wir heimische Untotenüberlieferungen: von „Nachzehrern“, die im Grab mit offenem Mund ihre eigenen Leichentücher kauen und anderen Vampiren des Mittelalters. Wieso legte man hierzulande Steine in Münder von Toten? Und was für ähnliche Vorstellungen über vampirische Wiedergänger gibt es in China, Indien und Zentralasien?
Ein Blick in deutsche Friedhöfe, die weltweite Angst vor den Untoten und eine Vampirgeschichte, die näher ist, als man denkt.
#vampire #nachzehrer #geschichte #vampirgeschichten #untote
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Quellen & Literatur:
Barrowclough, D. (2014): Time to Slay Vampire Burials? The Archaeological and Historical Evidence for Vampires in Europe, Cambridge.
academia.edu/8854480/Time_to_Slay_Vampire_Buri…
Biermann, F. (2009): Sonderbestattungen, besondere Beigaben, Anti-Vampirismusmaßnahmen – ein Problemaufriss aus archäologischer Perspektive, Ethnographisch-Archäologische Zeitschrift 50, 3–12.
Biermann, F. (2024): Der Wiedergängerglaube im Mittelalter und in der frühen Neuzeit ‒ Beobachtungen an nordostdeutschen Gräbern. In: A. Reichenberger/H. Meller (Hg.), Aspekte magischen Denkens.
Internationale Tagung vom 12.‒13. November 2021 in Halle (Saale) (Tagungen des Landesmuseums für Vorgeschichte Halle 29), Halle (Saale), 401‒421.
Bohn, T. M. (2016): Der Vampir. Ein europäischer Mythos, Köln ‒ Weimar ‒ Wien.
Franz, A. / D. Nösler (2016): Geköpft und gepfählt. Archäologen auf der Jagd nach den Untoten, Darmstadt.
Gardeła, L. (2015): Vampire Burials in Medieval Poland: An Overview of Past Controversies and Recent Reevaluations, Lund Archaeological Review 21, 107‒126.
Genesis, M. (2018): Archäologie der Angst - Apotropäische Praktiken auf den Richtstätten des Mittelalters und
der Neuzeit als Zeichen von Aberglauben, Mitteilungen der DGAMN 31: Archäologie des Glaubens – Umbrüche und Konflikte, 123‒134 doi.org/10.11588/dgamn.2018.0.49533
Ganze Bibliografie: drive.google.com/file/d/1JDVxrNjJh16CphT5018ID…
Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin
Zeit! Es wäre für einen vernünftigen Menschen nicht leicht, als wahr anzunehmen, dass Leichname von Toten, von ich weiß nicht welchem Geist getrieben, das Grab verlassen und umgehen, um die Lebende mit Grauen zu erfüllen oder ihnen zu schaden, und dass sie in ihre Gräber zurückgehen, die sich ihnen von selbst öffnen, wenn es nicht viele zeitgenössische Beispiele gäbe und wenn sich nicht viele Augenzeugen fänden. Es ist wahrlich verblüffend, dass, wenn sich solche Dinge in der Vergangenheit zugetragen haben, nichts darüber in den Büchern der Alten steht, die so sorgfältig sind. alles Denkwürdige aufzeichneten. Da sie nämlich nie versäumten, minderwichtige Sachen niederzuschreiben, wie konnten sie denn etwas
verschweigen, das so viel Aufsehen und Grauen erregt? William of Newberg, 12. Jahrhundert. Ein sehr schönes Eingangszitat. Willkommen zurück zu einer neuen Folge von Allzeit der Welt. Im zweiten Teil zum Vampirmythos. Heute wieder mit live. Herzlich willkommen. Ich freue mich erneut, hier zu sein. Und wir haben letztes Mal ja schon unsere Reise begonnen. auf der Suche nach dem uns bekannten Vampir mit Cape, Eckzähnen, aristokratischem Akzent, Sonnenlicht und Knoblauch als Todfeinden und dieser extrem verführerischen, erotischen Aura. Der moderne Vampir, den wir von Dracula kennen, im Licht, glitzernd bei Twilight. Wir haben uns gerade im Vorgespräch darüber unterhalten.
wie glitzernde Vampire tatsächlich etwas sind, was erst unserer Generation vertraut wurde. Es gibt leider keine Strophenquellen zu helfen. Leider nicht, wir müssen euch enttäuschen. Heute im zweiten Teil nähern wir uns dem Thema des Vampirs, des Vampirmythos aus einer ganz besonderen Perspektive, die ich sehr spannend finde. nämlich wir untersuchen den eigentlich vergessenen und verloren geglaubten, verlorenen, vergessenen Teil der Mitteleuropäischen Mythologiewelt, nämlich die Nachzehrer. Das sind keine Männer aus Transsilvanien oder Osteuropa, sondern Leute aus der Mitte der Gesellschaft. Man denkt, man kennt die Leute.
Leute, die man gekannt haben könnte im Dorf. und dieser volkstümliche Glaube irgendwie, der mittlerweile ersetzt wurde durch das Dracula Bild auf eine Art. Und wir schauen uns da Mitteleuropa an, im weitesten Sinne, korrigiere mich, wenn ich falsch bin, ein bisschen auch Osteuropa, aber vor allem Mitteleuropa. Und dann wagen wir noch einen Ausblick in die weitere Welt hinaus.
Was ist denn noch für vergleichbare Vorstellungen in China, Indien? und Zentralasien gab oder gibt. Ganz genau. Herzlich willkommen auch von mir. Wir haben uns im letzten Teil die frühesten Gräber von potenziellen Vampiren, die wir kennen, angeschaut. Wir waren in Mesopotamien unterwegs, im antiken Griechenland und dann schließlich bei den Traugar im Mittelalter. in Skandinavien in der Wichinger Zeit und das ist eigentlich die perfekte Brücke dort wo wir heute auch anknüpfen nämlich mit dem Blick genau auf diese Zeit auf das christliche Mittelalter und dann die frühe Neuzeit und da gehen wir eben der Frage nach wie der vollstümliche Glauben an Wiedergänger und Nachzehrer konkret aussah wie man sie zu erkennen glaubte Was für
Rituale man dann entwickelte, um ihnen das Handwerk zu legen und inwiefern sich das dann auch von unserem heute sehr präsenten Vampirbild quasi unterscheidet. Genau. Also grundsätzlich muss man sich das so vorstellen, es gibt diesen Glauben an gefährliche Tote, an Wiedergänger, offenbar spätestens seit dem Mittelalter in weiten Teilen Europas. Die Frage ist eher nur, ab wann man sie wo in Schriftquellen eben nachweisen kann.
Und ja, da gibt es jeweils regional natürlich unterschiedliche Traditionen und unterschiedliche Namen. Wir hatten in der letzten Folge die Drauger in Skandinavien. Vielleicht werden wir uns etwas näher mit den Wiedergängern oder englisch dann Revenants und den Nachzehrern im deutschsprachigen Raum beschäftigen. Ja, so hat eben jede Region ihre Untoten, weil wir uns das auch nicht als so Gattungen im Sinne des modernen Fantasy -Rollenspiels vorstellen dürfen, die alle ihre jeweiligen Eigenarten haben, sondern eher als einfach lokale Vorstellungen eines durchaus ähnlichen Phänomens. Und wenn wir da jetzt auch von den Draugern nochmal etwas zurückgehen, etwa zur Jahrtausendewende, dann beginnen gleich in mehreren europäischen Regionen,
unabhängig voneinander, solche Quellen, solche Berichte über eben Wiedergängervorstellungen. Einer der frühesten stammt tatsächlich aus der Kierfer Ruß, also aus dem nächsten Osteuropa, wo eben gerade das Reich rund um Kiew entstanden ist, aus dem später irgendwann einmal Russland hervorgehen wird. Anfang des 12. Jahrhunderts entsteht die sogenannte Nestor -Chronik eben mit einer Chronik der Ereignisse dieses Kierfer Reichs. Und da geht es unter anderem auch um Vladimir den Heiligen, einen der maßgeblichen Herrscher, eine Fürst von Kiew, der sich 988 hat taufen lassen und dann eben das byzantinsche Christentum im Kiewer -Reiche durchgesetzt habe.
Der stirbt im Jahr 1015 und dann heißt es, dass nach seinem Tote seine Gefolgsleute die Zimmerdecke durchbrochen haben, um seine Leiche in einen Teppich eingewickelt mit einer Winde herauszuheben. War er vielleicht einfach nur sehr übergewichtig. Das könnte auch durchaus sein, dass er nicht durch die Tür passte. Wie so amerikanischen Dokus über Leute, die dann mit so einem Kran... Ich weiß nicht, ob du so viel Trash -TV geguckt hast in deinem Leben, aber sowas gibt es auf jeden Fall in der Moderne. Und ich glaube nicht, dass die wegen Wiedergängergründen aus dem Fenster gehilft werden. Man weiß es nicht. Jedenfalls, wer konzentriert unsere erste Folge gehört hat, der wird sich vielleicht schon an die Eyjafjallasaga
aus Islande erinnern, wo es auch schon hieß, dass der Tote Torolf, der bereits verdächtigt wurde, vielleicht nach seinem Tod Unfrieden zu stiften, eben aus dem Haus befördert wurde, indem er eine Wand durchbrochen hat. Also das ist anscheinend durchaus eine weit verbreitete Praxis gewesen. Die Logik eben, der Tote kann nur durch die Öffnung des Hauses wieder zurückkommen, durch die er eben rausgetragen wurde. Deshalb trägt man nicht durch die Tür raus, sondern eben durch ein Loch in der Wand oder hier in dem Fall eben sogar im Dach. Es ist also wirklich bemerkenswert, wie weit sich das schon in dieser Zeit auch räumlich verbreitet. Wobei natürlich die Skandinavier, die wir auch als Wikinger bezeichnen, derzeit
eben auch schon gerade im osteuropäischen Raum im Kiewerreich und so sehr aktiv waren. Also da gab es ja durchaus Verbindungen. Das heißt, es könnte auch so eine Art Export der Drauga Ideen sein, den wir da sehen. Kann man zumindest nicht ausschließen. Wobei natürlich unsere Fruchtzeugnisse über die Drauga noch mal später sind. Aber man kann ja durchaus sehr dafür ausgehen, dass das bisschen vorkristliche Zeit, also bis ins 10.
Jahrhundert oder sogar noch früher zurückgeht. Noch mehr erfahren wir darüber in dem Fall nicht. Also anscheinend war die Sorge unbegründet oder wir haben es wieder mit dem Präventionsparadoxum zu tun. Jedenfalls ist der Vladimir dann offensichtlich nicht wiedergekommen. Jedenfalls wird es nicht berichtet. Aber wir finden in der Nestor -Chronik dann sogar noch eine zweitinteressante Anekdote.
Nämlich im Jahr 1092 soll es in Poloska im heutigen Belarus zu einem Vorfall gekommen sein, wo Irgendwelche unsichtbaren Dämonen oder Toten in den Straßen umhergingen und da eben lernten und randalierten. Und jeder, der sich auf die Straße gewagt habe, sei mit einer tödlichen Krankheit infiziert worden.
Da gibt es dann auch eine Abbildung zu und da schrieben Tote im Original Navi flagen die Poloska. Na, wir hat in dem Fall nichts mit blauen Aliens zu tun, sondern das ist eben der Altrussophilbegriff für die Seelen der Toten, die hier anscheinend in allzu körperlicher Form umgehen. Wobei man sich da abermals die Frage stellen kann, wie weit wir es hier mit Wiedergängern oder nicht eher mit Geistern oder Dämonen in irgendeiner Form zu tun haben. Und auch der Begriff Upir, was später halt im russisch -ukrainischen Raum der Begriff für den Vampir wird, ist durchaus schon im 11. und 12. Jahrhundert bezeugt, dort aber noch in eher uneindeutigen Kontexten. Also es gibt zum Beispiel auch da einen Mann, der
als Beinahmer Upir genannt wird. Also oft verbindet man ja ohnehin diesen ganzen Glauben mit dem slawischen Kulturraum. In dem Fall haben wir tatsächlich früher Belege auch aus dem ostslawischen Raum. Bei den Westslawen sieht das schon anders aus, weil die haben ja sehr lange Zeit keine Schriftkultur. Die Schriftlichkeit setzt ja irgendwie nicht konvertieren wollten, weil das ja erst einsetzt, sobald man dann die Leute hat, die versuchen, die Bibel zu übersetzen in lokale Kontexte und dann neue Alphabete erfinden dafür für die Sprachen. Ganz genau. Und das waren bekanntlich die letzten Erzheigen, die sich noch der Christianisierung widersetzt haben, jahrhundertelang. Die Litauer bis zum Ende. Das sind aber keine Westslawen.
Ja, ich weiß. Genau. Ja, dafür haben wir aus dem westslawischen Raum, also halt dem heutigen Brandenburg, Mecklenburg -Vorpommern und so einige archäologische Funde, also wie da diese Wiedergängerbestattungen sind. Gibt es mal mehrere Fälle, wo man Münzen im Mund der Toten auffindet. Da gibt es auch immer wieder die Diskussion dazu, wie man das interpretieren hatte. Das könnte durchaus eine Maßnahme eben gegen das Wiederkehren, auch das Nachzehren, zu dem wir noch kommen werden, sein.
in der Prätation halt, dass eher sowas mit dem Char uns fännig zu tun nehmen, was wir aus der Antike kennen oder in christlichen Zeiten auch, dass gewissermaßen der Besitz des Toten ausgelöst wird. In Bredow, in der Nähe von Berlin, haben wir zum Beispiel ein slawisches Gräberfeld und da gibt es das Sklett eines 50 -jährigen Mannes mit abgetrenntem Kopf. Und eine, auch um die 50 -jährige Frau, wurde mit einer Silbermünze zwischen den Zähnen bestattet. Und in Berlin Spandau gibt es ein Gräberfeld, da haben wir sogar gleich mehrere so bemerkenswerte Bestattungen.
Zum Beispiel einen älteren Mann und eine erwachsene Frau, bei denen die Schädel fehlten. In zwei Gräbern fanden sich sogar Spuren eines Holzschloks in der Brust. Also Brandenburger Vampire waren eine Zeit lang ein größeres Problem, was aber hier offensichtlich lokal gelöst wurde damals. Ja, wenn ihr nicht wollt, dass eure Verwandten zurückkommen. Hier ist der Weg, wie auf was sicher geht. Silbermünze, Holzflock. Genau. So macht man das. Kopf ab. Nachdem sie verstorben sind.
Genau. Ich weiß nicht, wie man den Bestatter bezahlen muss, dass man so was machen darf. Ja, wird schwierig. Wird teuer. Vielleicht. Frag es einfach mal nach. Genau. Ansonsten muss man tatsächlich hier sagen... ist das christliche Mittelalter, gerade in Mitteleuropa hier bei uns, relativ rar an Berichten über Untote. Das beginnt dann erst verstärkt am Ende des Mittelalters, wobei man auf allgemein sagen muss, dass dieser ganze volkstümliche Aberglaube in der Schriftquenz ziemlich unterrepräsentiert sind. Also, was wir an Schriftüberlieferungen haben, ist natürlich zu einem Großteil das, was irgendwie in den Klöstern von Klerus aufgeschrieben wird. Und das ist natürlich das, was dort als wichtig erachtet wird. Und
nicht unbedingt jetzt jeder obskure Volksglaube, der irgendwie dort besteht. Also, wenn das überhaupt mal in die Quellen kommt, dann nur weil gewisse Leute es übertrieben haben. Wenn, dann hat Bonnet in den Quellen mitunter eher mal Bericht über Geistererfeindungen, gern mal mit so einem Visionscharakter, also halt Tote, die aus dem Jenseits zurückkehren, umhalte, dann Auskunft zu geben über die Beschaffenheit des Himmels und der Hölle, die eben vor dem Fegefeuer und den Qualen der Hölle warnen, um die Lebenden zur Umkehr zu bewegen. Das ist dann natürlich auch sehr christlich geprägt. Aber es gibt dann tatsächlich auch zunehmend Hinweise auf so einen richtigen Untotenglauben. Die erste Erwähnung
im deutschsprachigen Raum stammt von dem Bischof Burkhard von Worms. So um die Jahrtausendwende, also gestorben, 1025. Da kommen wir zu einer sehr interessanten Quellengattung, den sogenannten Bußkatalogen. Wie keine Bußgeldkataloge, wie ich das am Ende der letzten Folge angekündigt habe, sondern Bußkataloge. Was auf eine Art und Weise ja auch, ob du es buße tust oder Bußgeld zahlst. Ist im Katholizismus gern mal dasselbe.
Nee, dann... Ja, im katholischen Christentum spielt ja seit jeher auch die Beichte oder eben auch die Buße, weder mit dem Ablasshandel und so weiter, eine wichtige Rolle. Und da gibt es ganze Kataloge von möglichen Sünden, mit denen die Leute dann abgefragt werden, hast du dies getan, hast du jenes getan, wo man dann entsprechend abprüfen kann, ob dann entsprechende Sünden vorgefallen sind. Diese Quellengattung läuft irgendwann aus, könnte vielleicht damit zu tun haben, weil es Leute auf dumme Gedanken bringt, wenn man ihnen jede obskure Sexualpraktik erabfragt und ihr dann vielleicht denkt, ja, bin ich noch nicht drauf gekommen, aber können wir ja mal ausprobieren.
Das kann man auch machen. Nee, nee, hab ich noch nie gemacht, aber gute Idee. Danke für den Tipp. Neh mich mit nach Hause, Wink Wink. Also ja, aber spannend. Genau, also wenn ihr mittelalterliche Erotik wollt, lest Bußkatalog. Ja, und da hat dieser Herr Bischoff Burkhardt von Worms in seinen Bußvorschriften eben auch eine Passage. Die liest sich folgendermaßen Wenn eine Frau gebären muss und es nicht kann, wenn sie während sie nicht gebären kann mitten im Todeskampf stirbt, stoßen sie die Mutter mit dem Kind im Grab mit einem Pfahl in die Erde. Und das ist ja erstaunlich nah an was wir quasi finden an Gräbern dann tatsächlich.
Ganz genau. Und was wir eben auch aus späteren Histofenberichten wieder kennen. Also gerade das Zählen eben. Und vor allem ungetaufte Kinder und so sind dann prädestinierte. Oder eben Frauen, die beide Geburt sterben. Also hier sind wir wieder eben beim schlimmen Tote. Wenn halt ein vorzeitiger Tod abseits der normalen sozialen Ordnung geschieht, ja, dann fürchten manche Menschen anscheinend. dass diese Personen als Widergänger oder als Untote in irgendeiner Form wieder auferstehen.
Allerdings, der Bischof hält das offensichtlich für Bullshit und erklärt das eben zu Aberglauben. Und das zu Glauben hält er für sündig. Also das ist franklich eine Sünde und ein Verbrechen, wenn man so vorgeht. Jetzt kann man daraus natürlich immer sicher überlegen, wenn es ja abgefragt wird, wie häufig ist es dann vorgekommen? Häufig genug, um abgefragt zu werden, quasi. Genau, oder zumindest lag es nahe genug, dass man es dann in Zweifel in die Abfragen aufnimmt. Ja, ansonsten haben wir das im deutschsprachigen Raum, im Hochmittelalter, erst mal nicht so wirklich schriftliche Belege über solche Vorstellungen.
Dafür stammen dann einige interessante Erzählungen aus England. Da haben wir im zwölften Jahrhundert ein Alternans William of Newburgh. Der war Chorherr, also ebenfalls ein Kleriker, lebte etwa von 1136 bis 1198 und schreibt die Historia Rerum Anglicarum, also eine Geschichte Englands. Und von dem stammt eben auch das Zitat, was wir eingangs vorgelesen haben. Darin berichtet er nun vier bemerkenswerte Geschehnisse, die sich offensichtlich in seiner jüngsten Vergangenheit in Britannien zugetragen haben sollen. Da heißt es zum Beispiel, dass in der Grafschaft Buckingham einen Verstorbenen seine Frau in der Nacht aufgesucht habe. Er warf sich dann auf sie und drückte sie im Schlaf.
Und das wiederholt sich dann sogar noch ein zweites Mal und danach will man entsprechend einschreiten und stellt auf Waffen Wachen auf, die diese Frau beschützen sollen. Und als der Tote dann wieder erfeint, vertreiben sie diesen. Danach sucht er allerdings auch seine lebenden Brüder und die Tiere heim. Das ganze Spuk wird dann aber relativ banal beendet. Man öffnet das Grab und heftet einen Absolutionsbrief des Bischofs auf die Brust des Toten. Und dann gibt er Ruhe. Praktisch.
Also in diesem Fall erstaunlich unblutig gelöst. Allerdings ist das dann letztlich doch eher der Ausnahmefall. Bei einem zweiten Vorfall... Da gab es einen sehr reichen, aber auch bösartigen Mann, der nach seinem Tote das Grab verlässt und überall Frecken verbreitet, bis sich bei Nacht keiner mehr vor die Haustür traut. Man gräbt also auch hier sein Leichname aus. Tatsächlich hatte der Nämliche schon, als er da wiedergegangen ist, mal gesagt, er werde keine Ruhe finden, wenn er nicht verbrannt werde. Und genau das tut man jetzt auch. Man schneidet ihn also in Stücke und verbrennt ihn. Allerdings brach danach trotzdem eine Seuche aus und raffte die meisten Bewohner der Stadt dahin. Das wird hier gerne
mal mit Pest übersetzt in der anschließenden Literatur. Allerdings meint das in dem Fall ziemlich sicher nicht die Peste. Pestilenz. Genau, wenn Jesimia Pestis war ja in der Spätantike schon mal da, aber ist dann in Europa ausgestorben und kommt dann erst im 14. Jahrhundert zurück. Aber dafür dann umso übler. Aber hier zur Zeit von William of Newburgh gibt's keine klassische Pest in Europa. Ja, aber wenn man seine Erzählung weiter lauft, stellt sich heraus, dass selbst Cleriker nicht unbedingt vor solchen Ereignissen gefeit sind. Im Kloster Melrose habe es einen Kaplan mit einem liderlichen Lebenswandel gegeben, der aufgrund seiner Leidenschaft für die Jagd von den Leuten auch als Hundepriester bezeichnet
wurde. Der starb dann also auch und ging danach wieder. Er machte Lärm am Schlafgemach seiner ehemaligen Herrin. Also Lärmbelästigung in der Nacht ist ja vorhin irgendwie ziemlich übel. Diese vertraute sich dann allerdings einem Mönch an, der dann vor ihrem Schlafgemach Wache hält. Der untote Kaplan erschien wieder. Da allerdings attackierte ihn der Mönch mit einer Axte, verletzte ihn und verfolgte ihn bis zu seinem Grab. Also das möchte ich auch endlich mal verfilmt sehen, mit einem Mönch, der mit einer Axt auf Wiedergängerjagd geht. Es wird dann also am nächsten Morgen auf das Grab geöffnet und man findet den Leichnam eben genau mit dieser Wunde von der Axt und voller Blut. Daraufhin wird der Leichnam verbrannt.
Und schließlich gibt es dann noch die Gefichte eines erneute, relativ bösartigen Mannes mit krimineller Vergangenheit, der sich in einem Schloss niedergelassen hat und eine Einheimische Frau heiratet. Allerdings wurde die ihm dann ziemlich bald untreu und er hat sie entsprechend auch verdächtigte und beschlossen sie in flagranti zu erwischen. Als sie sich mit ihrem Liebhaber traf, er hatte zuvor angekündigt, den Ort zu verlassen und auf Reisen zu gehen, da versteckte er sich über dem Bett auf dem Betthimmel. Dummerweise stürzte er dann, als er sie in flagranter Höfen erwischte vom Balken runter und verletzte sich tödlich dabei, der Vollidiot. Wenig später starb er. Vorher bot man ihn noch an, die Sterbesakramente
zu empfangen. Er meinte aber, das habe er ja bis zum nächsten Morgenzeit. Die hatte er aber nicht mehr erlebt und ist noch in der Nacht verschieden. ganz verheerend, dann allerdings ging es los. Auf Satans Geheiß verließ er nämlich sein Grab von schrecklich heulenden Hunden verfolgt und ging um die Häuser um, die jeder verriegelte.
Keiner wagte nun seinen Beschäftigungen nachzugehen, sobald die Sonne untergegangen war und bis zu morgen der Morgen. Dies nützte jedoch nichts, da der Tote die Luft verpestete, viele Erkrankten, viele starben. Das Dorf verödete mehr und mehr, weil viele wegzogen. Ja, auch hier also wieder der Tote als Seuchenbringer. Also eine wirkliche Landplage. Zum Glück gab es in dem Fall dann zwei Brüder, deren Vater gerade gestorben war, die das Gesetz in die eigene Hand nahmen. Sie gruben ihn also wieder aus und finden den Leichnam dann angeschwollen im Hellen Grab. Ja, und dann wird er gepfählt, wobei er eine riesige Blutfontäne hervorschießt, das können wir uns ja zinerstisch vorstellen. Und interessant ist tatsächlich,
dass Erl William ihn hier auch als Blutsauger, Sanguisuga identifiziert. Er sei eben so aufgequallen und voller Blut, weil er anscheinend das Blut der Lebenden gesaugt habe. Auch wenn das so explizit dann ja gar nicht beschrieben wurde. Ja, nach dem Fehlen wird auch noch das Herz herausgerissen, in Stücke geschnitten und der Körper verbrannt.
Damit endete auch die Seuche. Hätten wir bei Corona mal nur die richtige Leiche verkannt. Ja, nach nice mal immer, Flauer. Ja, interessant ist nun, dass William ja diese Berichte so wiedergibt und auch definitiv ernst meint. Er sagt dabei immer, dass jeweils der Teufel die Toten belebt habe. Wenn wir das jetzt mal mit Burkhard von Worms vergleichen, der die Vorstellung von Wiedergängern für absoluten Aberglauben ansieht. Dann erkennen wir davon ein interessantes Mustern, was sich so auch tatsächlich die nächsten Jahrhunderte bis zur Aufklärung durchzieht. Nämlich gibt es in der christlichen Kirche keine einheitliche Position zu Wiedergängern und Untoten. Also die einen halten es für absoluten Aberglauben, die
anderen nehmen es ernst und versuchen es dann irgendwie im Rahmen ihres christlichen Weltbildes zu rationalisieren. Eben der Teufel, der die Toten belebt oder in anderen Fällen auch. Nur, dass der Teufel praktisch ein Trugbild erfunden habe. Also wir sehen, das ist eigentlich eine Vorstellung, die so zum christlichen Weltbegangen nicht so wirklich passt. Auch mit der ganzen christlichen Seelenlehre und Jenseitsvorstellung und sowas passt das eigentlich nicht zusammen.
Aber es gibt eben trotzdem offensichtliche, diese Augenzeugenberichte, diese Ereignisse. denen die Leute irgendwie klarkommen müssen. Und ja, dann versucht man sich diese eben auf verschiedene Weise zu rationalisieren. Man kann sich fragen, wie weit diese Vorstellungen in Kleros selbst verbreitet waren. Und von da sehen wir eben auch ganz unterschiedliche Positionen. Also ob nun eine Mehrheit der Geistlichen dieser Zeit an Untote glaubte oder nicht, das können wir eigentlich am Ende gar nicht sagen. Bemerkenswert natürlich, dass auch William of Newburgh das schon als ein neues Phänomen beschrieb, was ihn zufolge halt in früheren Zeiten so nicht aufgetreten sei.
Allerdings scheint das durchaus im Mainstream relativ etabliert gewesen zu sein, denn wir haben noch einen zweiten britischen Herr Autor, nämlich Walter Mapp. Da lebte er ebenfalls in der zweiten Hälfte des zwölften Jahrhunderts, ist natürlich ebenfalls Kleriker und Archdiakon und diente wieder als Gelehrter am Hufe Heinrichs II., also der ist wirklich in der High Society unterwegs, direkt am Königsheerhof. Und der schreibt ebenfalls ein Geschichtsbuch mit so, ja, bemerkenswerten Ereignissen. Und da hat er eben auch so eine Anekdote. Nämlich im mittels 12. Jahrhundert sei eben ein fräfelhafter Walisa gestorben und sei danach bei Nacht wieder aufgetaucht und rief dann jeweils seine Nachbarn beim Namen. Und jeder,
der von ihm gerufen wurde, starb drei Tage später. Der Bischof habe daraufhin seine Exhumierung veranlasst, der Kopf wurde mit einem Spaten abgetrennt und der Körper mit Weihwasser besprengt. Das hat ihn aber trotzdem nicht aufgehalten, sondern er sei trotzdem wieder aufgetaucht und habe dann sogar den Ritter William Lowden selbst gerufen.
Ja, allerdings, man sollte sich überlegen, mit wem man sich anlegte. Der Ritter hatte also sein Schwert gepackt und die Toten bis zu seinem Grab verfolgt und nimmt damit dem Schwert den Schädel gespalten. Dann war Ruhe. Also, so geht's auch. Schädel mit Spaten abtrennen funktioniert nicht, Schädel mit Schwertspalten funktioniert. Genau, muss man sich merken. Jan. Danach verschwinden aber solche Wiedergängergeschichten erstmal weitgehend aus der englischen Literatur. Von den Jahrhunderten hat man eher noch vereinzelt mal so Geistererfeinungen, aber eben nicht mehr diese klassischen Wiedergängerereignisse.
Es könnte durchaus sein, dass diese Vorstellung zumindest so in der breiten Wahrnehmung ein bisschen von der Ritualmordlegende verdrängt wurde, die ja genau in dieser Zeit eben auf dem zwölften Jahrhundert so an Fahrt aufnimmt. Dann wäre auch den angeblichen Ritualmord an William von Norwich. Wer sich dafür noch mehr interessiert, höre unsere Folge zur Ritualmordlegende. Also solange wir bei den Schriftquellen bleiben, haben wir es immer mit einzelnen Anekdoten zu tun. Jedenfalls im Mittelalter, in der Neuzeit werden das dann deutlich mehr. Allerdings archäologisch sind solche Funde durchaus weit verbreitet. Aus Bayern zum Beispiel gibt es das Gräberfeld von Mockersdorf, etwa 8. bis 10. Jahrhunderte. Und da finden wir
zum Beispiel einen Mann mit abgetrenntem Fädel, der verdreht wieder ins Grab gelegt wurde. Auch bei einer Frau war der Fädel abgetrennt, in dem Fall allerdings offenbar schon einige Zeit nach dem Tod, denn der Unterkiefer befand sich hier noch in ursprünglicher Lage, also sie wird wahrscheinlich schon weitgehend verwäßt gewesen sein. Der Fädel war außerdem mit einem Stein zertrümmert. Und das spricht ja dann dafür, dass im Endeffekt Sie wurde begraben, dann hatte jemand Probleme und hatte den Eindruck, sie käme wieder und dann wurden Maßnahmen ergriffen. Nur um das zu kontextualisieren jetzt. Genau. Man muss also immer ja unterfallen, so für präventive und reaktive Maßnahmen gegen Untote. Also zum einen die, die man bereits beim
Begräbnis ergreift, damit jemand gar nicht erst aufersteht. Und dann die, wenn man halt das Grab wieder öffnet, weil jemand angeblich schon als Untote auferstanden sei, um diesen dann entgültig zu bannen. Wichtiger Unterschied, merkt euch das, kommt in der Klausur dran. Genau. In demselben Gräberfeld gibt es mal auch noch einen Mann, der in Bauchlage bestattet wurde. Also immer die Logik, wenn er dann als Unto wieder erwacht, dann gräbt er sich in die falsche Richtung und kommt in Australien raus. Deshalb ist da alles voll mit europäischen Wiedergängern und Schampieren.
Erklärt vielleicht ein bisschen die seltsame Fauna. Kängurus und alles, eigentlich deutsche Wiedergänger. Genau. Wahrscheinlich. Fand dort auch das Sklett einer Frau mit einem ungeborenen Herrkind, also möglicherweise bei der Geburt gestorben, mit großen Steinen auf dem Oberkörper. Und bei der Frau in Grab 6 wurde sogar der Fädel auf den Unterarmknochen aufgespießt und der Unterkiefer auf das Schlüsselbein. Also hier hat man sogar die Knochen irgendwie so verlegt, dass das Ganze am Ende irgendwie gar nicht mehr funktionieren sollte. In den letzten Jahren eine gewisse Bekanntheit erlangt hat auch das Benediktiner Kloster in Hasefeld aus dem 14. und 15. Jahrhundert. Also da sind wir schon im Spätmittelalter. Und da
hat man eben unter dem Bogen der Klosterkirche und im Kreuzgang die Verstattung der Mönche und eben auch gerade der Äbde. Und da gibt es immer das Grab eines Herr Abdes, dessen Beine mit einem Vorhängeschloss gefesselt waren. Ja, im Kreuzgang gab es das Grab eines jungen Mannes, bei dem ein großer Stein auf dem Kopf und Oberkörper lagen. Und bei anderen fehlen teilweise Schädel und Füße oder der Oberkörper war zertrümmert, vielleicht hat man das Herz rausgerissen. Also da sieht man, dass offensichtlich auch Mönche diesem Glauben anhängen und es ihnen so ernst war, dass sie am Ende nicht mal mehr davor feuten, das Grab eins ab, das wieder zu öffnen. Ich habe eine Verschwörungstheorie. Ich glaube tatsächlich,
dass deutsche Gräber, wenn die nach 25 Jahren oder so immer gelehrt, ich glaube, dass das tatsächlich nicht aus praktischen Gründen so ist, weil die hätten noch Platz für Gräber. Der ganze Schwarzwald ist noch frei. Aber tatsächlich ist das wahrscheinlich einfach Wiedergängerprävention. dass man alle 25 Jahre immer so resettet und wahrscheinlich haben wir deswegen auch heutzutage viel weniger Nachzehrer und Wiedergängerprobleme in Deutschland als früher, wegen diesem Rotationssystem der Knochen. Wird aber am Tag des jüngsten Gerichts nach der Auferstehung ein heilloses Durcheinander, wenn die vier Milliarden Deutschen, die bis dahin gelebt haben, alle versuchen ihr Schlüsselbein zu suchen. Also das ist noch schlimmer, als wenn
man die irgendwie gleich im Grab verlegt hat. Nee, ganz verheerend. Ja, solche Funde sind echt über den ganzen deutschsprachigen Raum verteilt und auch weit darüber hinaus. Aus Neubrandenburg gibt es zum Beispiel ein Sklett mit mehreren schweren Steinen auf dem Bauch und ein Vorhängeschloss zwischen den Unterfenkeln. Bei Alkersleben wurde der Galgenberg ausgegraben. Auch das ist sehr spannend, die sogenannten Richtstättenarchäologie.
Also eben Galgenberge, wo eben auch die Leichen von hingerichtet wurden. oder Selbstmördern verscharrt wurden, denen man ja ein christliches Begräbnis verweigert hatte. Die waren natürlich ganz besonders prädestimiert, irgendwie nach dem Tod wieder Unsinn zu machen. Und in dem Fall hatte man tatsächlich zwei Skletten mit so einer Steinbeschwerung.
Und in Bulgarien gibt es sogar Funde, wo den Toten eine eiserne Flugfahrt durch den Brustkorb getrieben wurde. Oh. Ja, also das meinen sie wohl mit Flugfahren zu Schwertern oder was andersrum. Flugfahren zu Leichenbeschwerungen. zur Wiedergängerprävention. Ja, also grundsätzlich sind diese Bestattungen in der Archäologie schon seit Langem bekannt.
Also es gibt ja schon vor 100 Jahren auch Publikationen zu, werden letztlich immer wieder gefunden. Allerdings fehlt meines Wissens bislang immer noch mal eine größere quantitative Auswertung, also wo man die mal wirklich alle zusammenträgte und kartieren würde, um es mal zu rekonstruieren, wann in welchen Zeiten haben wir welche Maßen haben oder so sind jetzt irgendwie die Vorhängeschlösser oder so auf bestimmte Regionen befränkt oder bestimmte Zeiten. Das fand ich schon eine großartige Mode.
Der, der damals rumgezogen ist und den Leuten die Vorhängeschlösser verkauft hat und gemerkt hat, ich kann noch viel mehr Vorhängeschlösser verkaufen, wenn ich ihnen einreg, sie müssen ihre Toten anketten. Das war wahrscheinlich einfach ein geniales Marketing -Genie, das damals gemerkt hat. Da ist noch Potenzial. Und jetzt stellt ihr erst die Wiedergänger vor, die mit den zusammengeketteten Beinen hinter dir her hüpfen. Also das ist natürlich ein gutes... Wollt ihr von einem Zombie verfolgt werden, wenn ihr das nicht vermeiden könnt? Wollt ihr nicht, dass der Zombie irgendwie gesichert und angekettet ist, wenigstens? Ja. Ganz genau.
Bitte leihen sie ihre Wiedergänger an. Auf jeden Fall wäre es mal eine... wichtiges wissenschaftliches Desiderat, diese ganzen Bestattungen zusammenfassend auszuwerten und eben auch mit den Schriftquellen zusammenzubringen, also wann wo welche Maßnahmen vorkamen. Ansonsten, die Schriftquellen setzen so in Mitteleuropa, eigentlich dann erst im Spätmittelalter wieder ein, nämlich im 14. Jahrhundert. Da haben wir den Vorfall aus dem böhmischen Dorf Blof oder Vlof. Da stirbt nämlich ein Hirte namens Müsslatter im Jahr 1336 und kehrt wieder, erwürgt seine Nachbarn und verspottet sie. Darauf wird der Leichnam exhumiert und wir kennen das mittlerweile von. Er ist wie ein Ochse angeschwollen und wird
gepfählt, wobei ein gewaltiger Blutstrahl hervorfießt und er wie ein Lebender die Füße anzieht und anschließend verbrannt. Trotzdem sei jeder, der von ihm gerufen wurde, innerhalb von acht Tagen gestorben. Und wenn wir jetzt davon ausgehen, dass die meisten von solchen Fällen ja verbrannt wurden, wenn wir uns die Geschichten anhören, dann ist es ja verwunderlich, dass wir so viele Gräber haben, immer noch. Weil wenn quasi der Standard dann war, wenn ich mir wirklich Sorgen mache darum, dass da was passiert, um sicher zu gehen, verbrenne ich den Leichnam. Das führt ja schon dazu, dass wir auch archäologisch dann viel weniger Funde haben, wenn das die Methode ist. Mit Sicherheit, also gerade einige der schlimmsten
Fällen werden da einfach, ja, quellentechnisch ausfeiden. Die fehlen uns in der Überlieferung. Vielleicht haben wir dann tatsächlich noch eher die präventiven Maßnahmen archäologisch überliefert als die reaktiven, weil die dann noch drastischer wären. Ja, also der mittelalterliche Wiedergänger, der beißt die Leute noch nicht und der ist auch nicht so brutal wie der Draugere, der den Leuten jeden Knochen im Leib bricht, sondern er ist noch viel perfiver. Er ruft sie einfach beim Namen und jeder, der gerufen wird, der stirbt dann oder er verbreitet ihm gleich eine Seuche.
Aber dass sie so aufgeschwollen sind mit Blut, dass so viel Blut rauskommt, dass er jetzt aufgeschwollen war wie ein Ochse, deutet das nicht auch darauf hin, wie bei der anderen Quelle, dass der eigentlich auch irgendwie Blut gesaugt hat? Genau, zumindest wird dieser Zusammenhang in manchen Fällen dann gezogen. Das Erstaunliche ist eben, und dazu können wir in der dritten Folge noch einmal kommen, dieses Nicht -Zusammenpassen, dessen, was über die Aktionen des Untoten berichtet wird, und den Befund im Grab. Also man findet die Spuren des Blutsaugens dann an der Leiche im Grab, aber es wird nicht darüber berichtet, dass der Untote Blut saugt, sondern wenn, dann wirkt er die Leute, legt sich auf sie oder eben ruft sie nur beim
Namen. Dann hätten wir außerdem noch einen, auf ein später recht berühmten Fall, nämlich den der sogenannten Hexe von Levin, 1344. Das berichtete als allererster der Abt Nepplach von Opaptovitz um 1370. Er schreibt, Anno Domini, 1344. Eine gewisse Frau starb in Levin und wurde begraben. Nach ihrem Begräbnis erhob sie sich und tötete viele, und lief jedem, lief hinter jedem Herr, der ihr gefiel. Und als sie durchbohrt wurde, floss Blut wie von einem lebenden Tier. Sie hatte mehr als die Hälfte ihres Leichentuches verschlungen, und als man es herauszog, war es ganz mit Blut bedeckt. Als sie eingeessert werden sollte, konnte das Holz nicht angezündet werden, es sei denn, so die Anweisung einiger alter Frauen, es wurde
aus dem Dach einer Kirche gemacht. Nachdem sie gepfählt worden war, erhob sie sich immer wieder, aber als sie verbrannt wurde, ließ alles übel nach. Ja, also auch hier wieder, wenn man auf Nummer sicher gehen will, die Bargans verbrennen. Diese Geschichte ist deshalb auch besonders interessant, weil sie auch in den folgenden Jahrhunderten immer wieder aufgegriffen wurde. In den 1530er Jahren wird sie nämlich in der sogenannten Böhmischen Chronik des Hayek von Dibachan nacherzählt. Interessanterweise heißt es dort eben, diese Frau sei zur Lebzeit mit Zauberei umgegangen. Also spielte da genau diese in der Zeit dann eine sehr präsente Hexenglaube mit rein, der vor ihrem 14. Jahrhundert noch nicht die große Rolle spielte. Auf Beta wird
die Gefächtin in diversen Sagensammlungen aufgegriffen und dabei teilweise auch noch weiter ausgeschmückt. Da heißt es dann zum Beispiel, dass die sich auch in Tiere verwandelte. oder dass sie sogar den Pfahl sich aus dem Herz wieder rausgerissen habe und man den in ihrer Hand vorgefunden habe oder dass sie Leute dann mit dem Flock angegriffen hat. Ja, also hier eine ganz bemerkenswerte Untote.
Auch deshalb, weil sich da mehrere unterschiedliche Vorstellungen von Untoten überfleiden. Einerseits ist sie eine Wiedergängerin, die das Grab verlässt und Menschen wirklich körperlich angreift. Gleichzeitig heißt es aber, sie habe ihr Leichentuch verschlungen. Das deute bereits auf einen neuen Typus von Untoten hin, den sogenannten Nachzehrer. als Sound -Effekt, weil wir uns mehr Mühe mit der Audioproduktion dieses Podcasts geben wollen. Tatsächlich, die Nachzehrer als mittel -europäische Wiedergänger, als so deutsche Vampire, waren mir überhaupt nicht vertraut. Er schmatzt immer noch. Oh mein Gott. Ist eine, also, ne, heute fast, hör auf zu schmatzen, Seif. Oh mein Gott, es bleibt alles drin. Ja, also, ne, heutzutage fast verloren,
ne, aber lange Zeit eben in Zentral -Europa verbreitete Typus von Untoten gewesen, nämlich die Nachtschmatzenden Nachzehrer. Nicht Nachtzehrer, sondern Nachzehrer, wie ich jetzt gelernt habe. Und das ist mal so ein bisschen absurd klingt, dass Tote, die im Grab schmatzen, kauen oder sich selbst verspeisen, irgendwie besonders gefährlich sein oder bedrohlich, war das eine echte Angst vor Menschen zwischen dem 15. bis ins 18. Jahrhundert. die sehr ernst genommen wurde. Und man glaubte eben, dass bestimmte Verstorbene im Grab ihr Leiche in Turen nachfressen, wie wir das gerade schon gehört haben, und damit wortwörtlich weiter lebenden Angehörigen die Lebenskraft rauben würden durch diesen symbolischen
Akt. Und die Folge ist dann eben Krankheit, Pestilenz und Tod. Ganz genau. Das heißt, der Nachzehrer ist kein Wiedergänger im eigentlichen Sinne, denn er geht nicht. Er bleibt im Grab liegen, wo er halt an seinem Leichentuch frisst oder an seinem eigenen Körper. Er ist also gewissermaßen Vampir im Homeoffice. Ja, Grüße gehen raus an den YouTube -Kanal Archäologie Kurz erklärt.
Da kam der Vergleich das erste Mal. Sehr viele Allegorien. Und mit solchen Nachzehren ist wirklich nicht zu spaßen. Also, ja, hier hielt Dracula für gefährlich. Nun, um 1517 ist in Großbochbären in der Nähe von Breslau ein Hirte verstorben und dann habe er wie eine Sau im Grabe geschmatzt. 2000 Leute starben. Danach wurde er exhumiert und man fand blutige Kleidungsteile in seinem Mund. Man hat ihn dann mit dem Spaten enthauptet und den Kopf vor den Kirchhof gelegt. Mein Wissen könnte lückenhaft sein, aber möglicherweise haben wir mit diesem schmatzenden Herden hier tatsächlich den historisch belegten Untoden mit dem höchsten Body Count. 2000 ist schon quasi das 9 -11 der Vampirangriffe. Ganz genau. Breslau, never forget.
1517. Ja, genau. Muss da rausfinden, an welchem Tag. Also gut, 2000 war das ganze Jahr 1517 wahrscheinlich. Da hat er schon ein Jahr für gebraucht, schätze ich. Aber ja, Qualitätsarbeit. von unserem Hirten aus Boch -Bärm. Grüße gehen raus an alle unsere Hörer in Boch -Bärm. Wir haben in dieser Zeit eben vor allem viele solche Strophenberichte aus Schlesien. Wobei man sich natürlich fragen kann, ob es gerade dort eben so eine ganze Nachtsere Epidemie gab oder da einfach mehr Leute drüber geschrieben haben als in anderen Regionen. Da sind 2000 Leute gestorben. Natürlich haben die da drüber geschrieben. Ich meine, offensichtlich gab es dann eine Epidemie live. Ich bin gegen Leute, die es verleugnen. Das ist eine Verschwörungstheorie.
Genau. Auch im Ostpreußischen Mühlhausen gab es 1564 so ein Vorfall. Darüber berichtet der Pfarrer Caspar Hennenberger. Der freibt, dass da auf einmal drei Bauern mit einem Pästoten vor seiner Haustür standen und den vor der Hintertür des Fuhlmeisters bestatten wollten. Da nämlich glaubten sie, der erst dann einer solche Verstorbene im Grabe sitze und sein Laken fresse. Und das sei tatsächlich in einem anderen ungenannten Dorf genauso vorgekommen. Da habe man eben das Grab des ersten Verstorbenen geöffnet und ihn dann sitzend, sein Leichentuch fressend, im Sarg vorgefunden. Auch dieser sei dann mit dem Spaten enthauptet worden. Ja, Hennenberger erwähnt sogar noch zwei weitere solche Vorfälle. Er selbst
hielt aber nichts davon und riet stattdessen zu mir Gottes Furcht. Der Spaten ist nicht für alles die Lösung. Tja, der Spaten oder das Spaten. Ja, und da werden die dann als schmatzende Tote bezeichnet hier. Also dieser Begriff des Nachzehrers oder des Nachfressers, das entwickelt sich erst später, richtig? Genau. Also hier redet man erst mal nur noch von schmatzenden Toten im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit. Ab dem 18. Jahrhundert ist dann vom Nachfressen oder den Nachfressern die Rede. Und der Begriff Nachzehrer kommt dann erst im frühen 19. Jahrhundert überhaupt auf.
Das heißt, das ist ja eine Rückprojektion. Ursprünglich haben die eben gar nicht so einen klaren Gattungsbegriff. Oder hießen halt regional auch unterschiedlich. Und dass das damals durchaus sehr weit verbreitet war und viele Leute es für relevante hielten, sieht man auch daran, dass niemand geringerer als Martin Dutter dazu Stellung bezog. In seiner Tischrede Nummer 6823 heißt es Georgien Rörer, Gen Wittenberg, wie ein Weib auf einem Dorf gestorben wäre. Und nun, weil sie begraben, fresse sie sich selbst im Grabe. Darum wären schier alle Menschen im selben Dorf gestorben. Und Bad er wolle Dr. Martin fragen, was er dazu riete. Der sprach, das ist das Teufelsbetrügerei und Bosheit.
Wenn sie es nicht gläubeten, so schadete es ihnen nicht. und hielten's gewiss für nichts anderes, denn für des Teufels Gespenst. Aber weil sie so abergläubisch wären, so stürben sie nur immer da, je mehr dahin. Ja, also nach Martin Luther war die Sache ganz sehr einfach. Glaubst du nicht an sie, faden sie dir auch nicht. Das war einer Notzebo. Ganz genau, er erinnert mich so ein bisschen an die Sehschatten bei Captain Glaube.
Ja, wenn man nicht an sie glaubt, verschwinden sie. Also hier auch wieder diese Rationalisierung, die relativ typisch für Kleriker ist. Ja, noch eine dieser Seiten der Kirche, wo wir hier so ein bisschen die Position sehen, das zu sagen, das gibt es nicht, das ist nur Aberglauben und, ja, und die andere Seite eigentlich, das ist des Teufels. Genau. Und dann gab es die, die ihren Abt mitnehmen im Vorhängeschloss, zwischen den beiden begraben haben. Ja, sicher ist sicher.
Ich mein... Wir haben den ja auch nicht zu Lebzeiten erlebt. Mir fallen schon so ein paar Leute ein, die mir in den letzten Jahren begegnet sind, wo ich denke, da wären Vorhängeschloss sicher. Einfach nur um sicher zu gehen, dass sie nicht wiederkommen. Ich kann den Impuls schon gut nachvollziehen. Ja, allerdings sahen das nicht alle so entspannt wie Martin Luther. 1601 zum Beispiel äußerte sich auch der geistliche Martin Böhm dazu. Man hat in Pessilenzzeiten erfahren, dass tote Leute, sonderlich Weibespersonen, die an der Pest gestorben, im Grabe ein Schmetzen getrieben, als ein Sau, wenn sie isst. Und dass bei solchem Schmetzen die Pest heftig zugenommen und Gemeinniklichen im selben Geschlecht die Leute häufig nacheinander
gestorben. Anno 1553, als die Pest all hier zum Laubahn regierte, ist dergleichen auch geschehen, dass eine Weibesperson im Grabe also geschmetzet hat. Ja, er bezieht sich hier offensichtlich auf einen Vorfall in Duban, in der Oberlausitze. Dort heißt es, dass ein Mann und eine Frau wegen Hexerei angeklagt und auch gefoltert wurden, aber letztlich dann doch als unschuldig ausging und freigelassen wurden. Allerdings soll die Frau nach ihrem Tod später dann doch in Grabe geschmatzte haben. Dann konnte man das in dem Fall allerdings etwas weniger drastisch lösen.
Man hat ja ein Stein und ein Pfennig in den Mund gelegt und daran hatte sie dann genug zu nuckeln. Aber da sehen wir jetzt quasi genau das, was wir archäologisch gefunden haben, nämlich den Stein und den Pfennig und quasi die Münze irgendwie auch als Teil davon. Nicht nur als Fähr, sondern als... Genau, also das kann man durchaus mit den Schriftklängen gut zusammenbringen. Und noch ein interessantes Muster sehendlich, ja, auch gerade wenn wir uns mal die Aussage von Martin Böhm und anderen... vor Augen führen. Hier heißt es, dass eben vor allem Frauen solche Untod, also solche Nachzehrer werden und insbesondere, dass angebliche Hexen nach ihrem Tote zu schmatzenden Toten werden. Das hatten wir auch schon bei der
angeblichen Hexe von Levin, die zumindest in der Version des 16. Jahrhunderts dann eben auch als Hexe beschrieben wurde. Und genau hier sind wir ja eben auch in der Hochzeit des Hexenbarns, der Hexenverfolgung. Also halt eine weit verbreitete Verschwörungstheorie, man glaubte sich eben in einem permanenten Kampf gegen eine satanische Sekte, die eben versucht, die Christenheit zu zerstören, Fahrtmagie, Denunziationen, selbsternannte Hexenjäger, die durch die Lande zogen, Leute gefoltert haben und so weiter. Da haben wir auch schon ein paar Folgen zu gemacht. Kleiner Einschub, falls euch das interessiert. Wir haben mit Floof und Geschichte dazu Folgen aufgenommen zu diesem Hexenverschwörungsglauben und den Hexenprozessen.
Und unsere allererste Folge geht es um den Hexenhammer. Ja, und genau damit können wir auch mal weitermachen, denn auch Heinrich Kramer oder Heinrich Institores, wie er sich nannte, der Autor des Maleus Maleficarum, des Hexenhammers, äußerte sich zu schmatzenden Toten. Ein Beispiel. Einer von uns Inquisitoren fand einen Ort, der in Folge der Sterblichkeit unter den Menschen fast verödet war. Dort ging das Gerücht, dass ein begrabenes Beib das Leichentuch, in welchem sie begraben war, nach und nach verschlänge und die Pest nicht aufhören könnte, wenn jene nicht das Leichentuch ganz verschlänge und in den Bauch. Nachdem ein Rat darüber abgehalten war, gruben der Schulze und der Vorsteher der Gemeinde das Grab auf und fanden fast die Hälfte
des Leichentuches durch Mund und Hals hindurch bis in den Bauch gezogen und verziert. Als der Schulze das sah, zog er in der Erregung das Schwert, schlug der Leiche das Haupt ab und warf es aus der Grube, worauf die Pest plötzlich aufhörte. So also war mit göttlicher Zulassung die Sünden jenes Weibes an den Unschuldigen wegen der Verheimlichung seitens der Oberen gestraft worden. Denn bei der Angestellten Inquisition fand man, dass jenes Weib lange Zeit ihres Lebens eine Wahrsagerin und Zauberin gewesen sei. Ja, wir sehen, der Hexenwahn und der Glaube an schmatzende Tote oder Nachzehrer gehörten in dieser Zeit durchaus sehr eng zusammen. War die naheliegende Lösung nicht einfach, Leute ohne Leichentücher zu begraben?
Ja, nee, das wäre unchristlich gewesen. Okay. Ja, das gute bei den Nachzehrern war natürlich, dass man da nicht diese Kettenreaktion wie bei der Klassenhexenverfolgung hat, wo man eine Person foltert und sie zwingt andere zu denunzieren und mit denen geht das dann so weiter und so weiter. Denn wenn man so einen Toten ausgräbt, ja, dann kann man mit dem Spaten den Kopf abstechen, aber dann ist auch erstmal Exitursim. Deshalb beschränkt sich das in Ihnen fällt natürlich meistens auf solche einzelnen Leichenexekutionen.
In dieser Zeit und vor allem auch später ist dann immer wieder in diesem Kontext von der Magier posthumar, also der Magie nach dem Tod, die Rede, womit eben gerade dieses Nachfressen oder Nachzehren bezeichnet wird. Und da erfahren dann auch über die folgenden Jahrhunderte zunehmend gelehrte Schriften, die sich dessen annehmen. 1670 veröffentlicht zum Beispiel Heinrich Kornemann über die Wunderdinge der Toten, dem Miraculous Morteorum. Und bezieht sich da dann auch auf schmetzende Tote. 1679 Philipp Roors Klassiker über das Schmatzen von Toten, Demastikation im Morteorum. Oder 1698 im kuriösen Geschichtskalender des Herzogtum Fläsiens. Dort heißt es dann auch In Schlesien, zu Freudenthal, vexierten die Gespenster des
Nachts die Leute abscheulich. Die Oberigkeit ließ einen verdächtigen Körper aus dem Grabe deswegen nehmen und demselben den Kopf abschneiden, welcher frisch Blut von sich gab. Die Leute wurden hierdurch noch furchtsamer und zogen etliche davon anderswohin. Ja, also solche Vorfälle eignen sich immer wieder und das auch nicht ganz zufällig, denn es fällt schon auf, dass sie immer wieder eben mit Pestausbrüchen zusammenfallen. In diesem Fall reden wir jetzt tatsächlich von der richtigen Peste, die inzwischen in Europa endemisch ist und immer wieder lokal ausbricht. Bestandlicherweise aus der großen Pestpandemie Mitte des 14. Jahrhunderts haben wir unmittelbar zumindest keine Schriftquellen, die direkt damit zusammenhängen. Aber später
eben kann man sagen, bei den lokalen Pestausbrüchen werden dann oft solche schmatzenden Tote dafür verantwortlich gemacht. Und das lässt sie teilweise sogar archäologisch zusammenbringen. Es gibt zum Beispiel aus einem Pestmassengrabe an einem Lazarett in Venedig aus dem 17. Jahrhundert auch den Fund vom Sklett einer älteren Frau, der einen Ziegelstein in den Mund gesteckt wurde. Also hier offensichtlich eine Maßnahme gegen das Nachzehren.
Und solche Funde von Stein im Mund sind durchaus weit verbreitet. Ein bisschen entfernt von Venedig. In Schleswig -Holstein haben wir zum Beispiel In der Nähe von Wilkrusendorf, das ist zwischen Kiel und Eckernförde an der Ostseeküste, die Katharinenkirche von Jellenbeek. Und der Kirche ist heute nichts mehr zu sehen, die ist schon im 18. Jahrhundert abgerissen worden und da sind heutzutage nur noch die Fundamente unter der Erde übrig, die jetzt Stück für Stück die Steilkiste runterbröckeln. Aber dort hat man eben vor einigen Jahren eine archäologische Untersuchung vorgenommen und auch diverse Bestattungen innerhalb dieser Kirche freigelegt. Und unter anderem gab es da auch das Grab eines etwa einjährigen Kindes,
das so um 1600 gestorben ist und im Bereich des Chorbogens bestattet war, also in einer sehr herausgehobenen Lage innerhalb dieser Kirche. Also war feinlich gehört es zur Lebzeit durchaus zu einer etwas begüterten Schicht in der Gegend. Dieses Kind war aber zu den Zeiten nicht wirklich gesund. Es hatte diverse Krankheiten, Skorbut und auch Tuberkulose, die ja auch bekannt ist als die Auszehrrunke. Also eben wirklich eine Krankheit, die die Menschen so auszehrt, dass sie genauso aussehen, wie man sich das vorstellt, wenn sie Opfer von solchen Nachzehrern oder so werden. Und diesem Kind wurde bei der Bestattung dann ein ovaler Stein in den Mund gedrückt. Außerdem fand man am Unterkiefer eine grüne Verfärbung,
die wahrscheinlich auf die Beigabe eines metallen Gegenständes wie etwa einer Münze zurückgehen könnte. Das heißt, in dieser Zeit war diese Angst vor Nachzehrern wirklich von der Ostseeküste bis zum Mittelmeer verbreitet, in weiten Teilen Mitteleuropas, wobei sich die Archäologie und die Schriftquellen sehr gut ergänzen. Das passt ja wirklich zusammen wie die Faust aufs Auge.
Also absolut. Also die schmatzende Toten gingen in dieser Zeit praktisch als die perfekten Sündenböcke eben für die Pestausbrüche, der man sich ja anderweitig nicht erwehren konnte. Hat man keine Antibiotika, dann gräbt man ein paar Leichen aus. Allerdings immerhin im Gegensatz zu den Drauger und den späteren Vampiren feinen Nachzehrer meistens nicht infektiös zu sein. Also die Opfer eines Nachzehrers werden nicht selber zu welchen. Die sterben ja auch alle an der Pest. Genau. Und das wäre ja sonst noch verheerender, wenn ein Nachzehrer 2000 Leute mitreißt und man dann gleich so viele von denen hätte. Stimmt, verbreitungstechnisch sind die quasi zu effizient. Ja, wobei die ja zumindest nicht laufen und vor Ort unter der
Erde bleiben. Also vielleicht schränkt auch das die Verbreitung ein bisschen ein. Ich finde immer noch meine Lösung, die Leute einfach ohne Totentücher zu begraben, die beste. Ja, wobei dann fressen die sich auch selbst. Also, die vorstellen gibt's auch, dass die dann am eigenen Körper irgendwie naschen. Schwierig. Ja, wir wollten jetzt noch oder ich wollte noch einen kleinen Exkurs in die weite Welt machen mit euch, bevor wir uns im nächsten und dritten Teil dann endgültig mit dem uns vertrauten populären Vampir und Dracula und so weiter beschäftigen werden. Und ich habe in der Vorbesprechung mit Live darüber geredet, dass ich eine ähnliche Geschichte einmal aus fast nächster Nähe miterlebt habe. Ich habe meine
Weile in Kambodscha auf dem Land gelebt. Und im Nachbordorf gab es einen Mann, der unter tragischen Umständen seine Frau verloren und dann viel getrunken hat, weil er schlecht verkraftet hat und dann wahrscheinlich irgendeine psychische Krankheit entwickelt hat, eine Psychose oder so. Und dann hat ein anderer Nachbar im Dorf gedacht, er wäre von bösen Geistern besessen und hat ihn dann umgebracht. und hat den Kopf abgetrennt und den Kopf nach unten separat vergraben und den Körper in den Fluss geworfen. Auch mit der Vorstellung und der Angst, dass der potentiell zurückkommen könnte und ihn verfolgen könnte. Und das waren quasi Maßnahmen, die er dann ergriffen hat. Der Mord war die erste Maßnahme, weil er der Meinung
war, der ist von bösen Geistern besessen, auf eine Art und Weise entwirkt Unglück und Unheil über uns bringt. Und die zweite Maßnahme, der zweite Schritt, war dann eben diese irreguläre Begräbnistechnik. So würden wir Archäologen das nennen. Durch das Verstören, dass es solche Praktiken teilweise immer noch gibt. Genau, du bist ganz schön zeitlos, diese Vorstellung und dieser Gedanke tatsächlich. Das hat mich daran so überrascht.
Du hast mir auch ein Bild von Fällen, wo genau das passiert ist oder was sehr ähnliches passiert ist dann. Und deswegen... bis nach Kambodscha auf jeden Fall verbreitete Vorstellungen und darüber hinaus, was ich drei ganz spannende Beispiele fand für andere blutsaugende Wiedergänger. Das ist zum Beispiel der Machkai. Der so bei den Türkvölkern Zentralasiens verbreitete Glaube, dass da ein wiederkehrender Toter kommt. Wenn jemand stirbt, dem eben auch besondere Zustände, da ging es auch um Leute, die außerhalb der Gesellschaft stehen oder im gewaltvollen Tod sterben, dann besteht eben die Gefahr, dass er zurückkehren könnte und es wird zu drastischen Maßnahmen gegriffen, nämlich der Leichner wird erhauptet, der Kopf
an einem anderen Ort als der Körper begraben, damit er nicht zurückkehrt. Und andere Methoden, die bekannt sind, beinhalten die Leiche mit dem Gesicht nach unten zu bestatten und eine Sichel über dem Hals zu platzieren. Du hast mir ein Bild von einer Begrabung aus Polen geschickt, glaube ich aus dem 16. Jahrhundert, wo das genauso war mit der Sichel. Also auch diese Idee ist sehr weit verbreitet. Und wer im Wald mit frischer Erde unter den Nägeln Blut an den Händen oder fehlenden Fingern angetroffen wird, Gerät quasi in Geschichten. Schnell dann in den Verdacht, der könnte doch ein Markei sein oder mit allen Kontakt gehabt haben, weil du dich gerade erst aus der Erde frei gewühlt hast. Nee. Lustigere
und ein bisschen fremdere Vorstellung ist die Idee der springenden Untoten in China. Die heißen Changshae. was wörtlich der erstarrte Leichnam bedeutet, und ist eben in der chinesischen Folklore eine blutsaugende Leiche, die nachts aus ihrem Grab steigt, also sehr vertraut eigentlich an allem, was wir jetzt gehört haben. Popkulturell wurde das Ganze so ab den 60er, 70er Jahren von Hongkonger Filmen popularisiert und war da immer klassisch in so eine traditionelle Amtstracht der Ching Dynastie gegleitet und ein bisschen ulkig zombieartig durch die Gegend gehüpft. In den älteren Erzählungen sind die Chang -Chi aber tatsächlich sehr gefährlich. Sie jagen ihre Opfer nachts rennen, nicht wie so ein langsamer Zombie
oder wie so ein deutscher Nachzehrer, der nur im Ding rumhängt, sondern der Chang -Chi ist aktiv proaktiv und jagt seine Opfer, schwebt durch die Luft, je nachdem wie viel Qi -Power. Die haben, können die teilweise fliegen auch. Und je mehr sie haben, desto weiter können sie springen. Und frisst Kinder. Was ganz schön erschreckend ist, vor allem als Ziel. Auch ein Motiv, dass wir irgendwie immer wieder treffen. Solche Schreckfiguren.
Hinter dem Mythos steckt in China eine erstaunliche Berufsgattung und eine reale Praxis des sogenannten Leichentreiben. Vor allem in der Provinz Jiang im heutigen Hunan verbreitet war. Wo Tote von speziellen Arbeitern auf Bambusstöcke gebunden wurden und über weite Strecken in die Heimatdörfer für die Begräbnisse getragen wurden. Und die waren eben vor allem nachts unterwegs, um weniger Aufmerksamkeit zu erregen. Hat natürlich aber geführt, dass nachts Leichen tatsächlich an so langen Bambusstöcken durch die Dörfer gehüpft sind. Da hast du als Kind rausgeguckt und hast tatsächlich dem Chang -Shi fliegen sehen. Und die Eltern haben einfach schon gesagt, der frisst dich, wenn du das machst. Ja, das nenne ich gute
chinesische Pädagogik. Das ist quasi der Bell, der Knecht -Huprecht Chinas, ist der Changjie. Und die Vorstellung, dass es da so springende Tote gab, sehr lustig. Ja, und das ist eben auch diesen realen Referenzpunkt. Ja, etwas sportlicher als der Nachzehrer, der einfach nur faul im Grab liegen bleibt. Ja, deswegen ... Deswegen fliegen und springen in diesen chinesischen Filmen, die auch immer so hoch und so weit, weil die genug Energie aufgeladen haben. Ich habe das jetzt erst verstanden. In Indien gibt es die Vorstellung der Chedipe. Das ist eine tatsächlich erotischere und düstere Ausformung des Vampirmythos, als das jetzt in China zum Beispiel der Fall war.
Das ist oft eine weibliche Untote, auch hier verbunden mit der Vorstellung von verstorbenen Prostituierten oder Frauen, die Selbstmord begangen haben. Also hier auch wieder besondere Lebensumstände, besondere Tod am Rande der Gesellschaft. Und die Zedipe reitet nackt auf einem Tiger durch die Nacht. Haben die zu viel Evola gelesen oder was? Ich denke, Evola hat wahrscheinlich von der Zedipe gelesen irgendwann. Und die öffnet dann magisch verschlossene Türen, betritt die Häuser nachts und versetzt die Bewohner in einen tiefen Schlaf. Dann beginnt sie mit ihrem grausamen Werk. Sie saugt den Männern. oder einem Mann im Haus das Blut durch die Zehen aus. Die haben auch dieses typische Blutsaugen, aber weiblich.
Aber mit Fußfetisch. Mit Fußfetisch, genau. Also wenn Tarantino einen Vampirfilm machen würde. Warum hat er das noch nicht aufgearbeitet? Das wäre tatsächlich für ihn so Kill Bill -mäßig, aber in Indien mit Vampiren. Geile Sache. Am Morgen machen die Opfer dann verwirrt und schwach und die benommen auf, ohne Erinnerung. Aber als er an den Anfang, wer einmal davon von ihr Heim gesucht wird, wird immer wieder von ihr Heim gesucht. Sie kehrt zurück. In manchen Erzählungen gibt es dann auch die Variation, dass sie Schlechtsverkehr mit den schlafenden Opfern hat, was dann die Ehen zerstört. Die konnte man quasi für zerstörte Ehen und für Fremdgehen und so, konnte man die immer gut als Sündenbock heranziehen. Und diese
Gestalten zeigen eigentlich alle, dass das Vampir nicht nur diese Grundidee eines blutsaugenden Wiedergängers, nicht nur das Ergebnis irgendwie Osteuropas oder des Balkans ist oder westlicher Romantik, sondern dass natürlich unser modernes Dracula - und Vampirbild das Ergebnis von so was wie moderner Romantik ist, aber dass ein globales, weit verbreitetes Phänomen ist, was eben irgendwie ja menschliche, grundlegende Ängste angreift. Nämlich die Angst vor dem Tod, die Angst vor dem Tabubruch. Irgendwie auch verbreitet die Angst vor Frauen. Steckt da irgendwie ein bisschen mit drin. Mal weniger, aber immer wieder.
Genau, diese Angst vor Frauen, die bei der Geburt sterben. Also diese Angst vor der ... vor der wiederkehrenden Rache der Frau dafür, dass sie kein optimales Leben, also ein scheiß Leben am Rande der Gesellschaften war, was prostituierte. Und möglicherweise kannst du aber noch deine Rache nehmen für das irgendwie als Ausgestoßene.
Ja oder halt das genaue Gegenteil. Leben lang untervögelter Mönch und dann? Und dann auch gefährlich. Auch besser zubinden mit Kettelbeine. Ja. Aber ganz spannend, wo es da eben diese Gemeinsamkeiten und Unterschiede gibt, aber alle haben irgendwie Angst vor ihren Toten. Ja, ich erinnere nur an das Zitat aus Dracula von Van Helsing, das wir am Anfang der ersten Folge gebracht haben. Ja, solche Vorstellungen sind weltweit bekannt und das war ja entsprechend auf Ende des 19. Jahrhunderts sehr durchaus bekannt. Ja, und im dritten Teil, der jetzt kommt, als nächstes zeigen wir euch, wie aus diesen Pestleichen und ähm... Bettuffressern und Schmatzern der frühen Neuzeit und des Mittelalters, so ein Popmythos wurde, den wir heute kennen.
Mit Aufklärung, Vampir -Debatte des anstehenden Jahrhunderts und schließlich einem gewissen Grafen aus Transsilvanien, der die Bühne betritt und nie wieder ganz verschwindet. Dracula wartet schon auf euch. Wir bedanken uns erstmal bei Live. dafür, dass du das heute wieder mit mir gemacht hast. Ich will noch mal auf deine Draugr Romane verweisen. Es weisen sich mehr Themen in der letzten Folge, aber ich mache die Amazon Links in die Beschreibung der Folge. Und wenn ihr Life unterstützen wollt und mehr von ihm lesen wollt vor allem, er schreibt nämlich sehr schöne Romane auch, dann holt euch mal Life's Vampire Historical Fantasy. Wie würdest du das beschreiben? Genau. Historien -Romane mit starken
Fantasy - und Horrore -Elementen. Und wenn ihr die ganze Reihe, also alle drei Teile, lest in Band 3, taucht auch eine Vampirin auf. Wir müssen bis Teil 3 warten, aber dann immerhin. Vorher gibt es immerhin Drauger und andere Wiedergänger. Ja, also ich mach's euch in die Kommentare. Schaut's euch auf jeden Fall an. Und wer uns unterstützen will, vom Podcast -Seite speziell, kann es auf Patreon tun. Auf patreon .com slash allezeitderwelt.
Und wir bedanken uns wie immer bei unseren Produzentinnen und Produzenten, die hier vorgelesen werden wollen. Nämlich den cooleren Herr Fischer vom Ardennes Gymnasium, Fanny Dietrich, Freier Stuart, Onkel Didi, Katharina, Fernando, Brigitte, Petrosilius Zwackelmann, Miao Zetung, Spinosa369, Sylvie und Die Schmaus. Vielen lieben Dank an euch alle.
Und wir hören uns in zwei Wochen. Vielen Dank live. Genau, bis zum nächsten Mal. Perfekt.