
AstroGeo - Geschichten aus Astronomie und Geologie· Staffel 2· Folge 73
Dunkle Materie - wo sind die WIMPs?
Donnerstag, 6. Juli 2023 · 48 min
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Shownotes
Für AstroGeo recherchieren wir regelmäßig eine ganze Geschichte. Nur wenn du uns finanziell unterstützt, bleibt der Podcast weiter kostenfrei. Danke! (astrogeo.de/unterstuetze-uns)
Dunkle Materie muss es geben – jene unsichtbare Materie, die auch unsere Galaxie vor dem Auseinanderfliegen bewahrt. Bis zu 85 Prozent aller Materie in unserem Universum sollte daraus bestehen. Aber wo ist sie? Und was ist sie? Als guter Kandidat galten und gelten hypothetische Teilchen namens WIMP (weakly interacting massive particles). Stimmt das, wäre unsere ganze Galaxie in einen Nebel aus jenen zwar massereichen, aber extrem flüchtigen Teilchen regelrecht eingebettet. Auch durch die Erde würden in jedem Moment von Billionen von WIMPs fliegen.
Zwar gelten die WIMPs als guter Kandidat für die so dringend gesuchten Materieteilchen – aber ihr Nachweis auf der Erde gestaltet sich als schwierig. Oder doch nicht? Es gibt da zumindest ein Experiment in einem italienischen Labor, rund 1400 Meter unter der Erde, das behauptet: Wir haben die WIMPs gefunden! Und das schon seit über 25 Jahren!
Franzi erzählt die Geschichte des Dramas um das DAMA-Experiment: eine Geschichte vom Suchen und, nun ja, Nicht-Finden der Dunklen Materie – eine Erfolgsgeschichte der wissenschaftlichen Methode oder doch eher ein Trauerspiel?
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• Interview: Das Universum im Visier des James Webb Space Telescope (riffreporter.de/de/wissen/james-webb-space-tel…)
• James Peebles und die Rolle der Dunklen Materie bei der Entwicklung des Universums (riffreporter.de/de/wissen/physiknobelpreis-201…)
• Andromeda, Vera Rubin und die Dunkle Materie (riffreporter.de/de/wissen/sternenhimmel-novemb…)
Weiterführende Links
• WP: Dunkle Materie (de.wikipedia.org/wiki/Dunkle_Materie)
• WP: WIMP (de.wikipedia.org/wiki/WIMP)
• WP (engl.): DAMA/LIBRA (en.wikipedia.org/wiki/DAMA/LIBRA)
• WP: Laboratori Nazionali del Gran Sasso (de.wikipedia.org/wiki/Laboratori_Nazionali_del…)
• Spektrum.de: DAMA gegen den Rest der Welt (2019) (spektrum.de/news/dama-gegen-den-rest-der-welt/…)
• Spektrum.de: Dunkle Materie gesehen, wo wahrscheinlich keine ist (2022) (spektrum.de/news/dunkle-materie-gemessen-wo-wa…)
• Europäische Südsternwarte: Simulation eines Dunkle-Materie-Halos um die Milchstraße (eso.org/public/images/eso1217a)
• WP: Modifizierte Newtonsche Dynamik (MOND) (de.wikipedia.org/wiki/Modifizierte_Newtonsche_…)
Quellen
• Buch: Thomas Bührke – Was ist Dunkle Materie? (kosmos.de/de/was-ist-dunkle-materie_1174210_97…)
• Fachartikel: How dark matter came to matter (2017) (nature.com/articles/s41550-017-0059)
• Fachartikel: Searching for WIMPs by the annual modulation signature ( (sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S037…)1998) (sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S037…)
• Fachartikel: An induced annual modulation signature in COSINE-100 data by DAMA/LIBRA’s analysis method (2023) (nature.com/articles/s41598-023-31688-4)
Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin
Karl Urban Hallo, bevor es hier losgeht, haben wir eine große Ankündigung für euch. Der Astrogeo Podcast kommt live auf die Bühne. Franzi und ich, ich bin übrigens Karl, willkommen am 10. Oktober 2023 nach Bremen. Um 18.30 Uhr könnt ihr uns im Universum erleben. Wenn ihr also in der Nähe seid, kommt vorbei. Den Link zur Veranstaltung und dem Kartenvorverkauf findet ihr in den Shownotes zu dieser Folge.
Karl Urban Und jetzt geht's wirklich los! Touchdown confirmed. We're safe. Hallo bei AstroGeo, dem Podcast der Weltraumreporter. Ich bin Karl Urban und ich bin Franzi Konitzer und wir sind zwei Wissenschaftsjournalisten. Franzi ist Astrophysikerin, die sich trotzdem fragt, was vor dem Urknall war und ich bin Geologe, der gerne mal mit einem hitzebeständigen Raumanzug über die Erde direkt nach ihrer Entstehung spazieren würde.
Franziska Konitzer Oder schwimmen.
Karl Urban Ja, genau. Alles, was der Raumanzug zulässt. Genau. Genau, und in diesem Podcast erzählen wir uns gegenseitig Geschichten, die uns entweder die Steine unseres kosmischen Vorgartens eingeflüstert haben oder die wir in den Tiefen und Untiefen des Universums aufgestöbert haben.
Franziska Konitzer Ja, und ich habe das letzte Mal gestöbert und welche Geschichte habe ich dir denn da erzählt, lieber Carl?
Karl Urban Genau, es wurde dunkel. Du bist in eine ganz dunkle Zeit zurückgeblickt, nämlich geht die Geschichte irgendwo um 1932, eine interessante Wendung, aber nicht wegen dem Jahr, sondern weil es um dunkle Materie ging und woher diese Idee, dieses Modell eigentlich kommt, dass es so etwas gibt.
Franziska Konitzer Genau, dass es so etwas gibt oder geben muss, wie dunkle Materie, die uns dafür bewahrt, dass alles auseinanderfliegt. Und zu der Folge hat uns unser Hörender Tru Grüni, Trü Grüni, True Grüni, irgendwann musst du uns mal schreiben, Trü Grüni, sage ich jetzt einfach, wie wir deinen Nutzernamen… Ich bin für True Grüni. Ja, True Grüni.
Franziska Konitzer Auf jeden Fall, du hast uns auf der Astrogeo-Webseite eine Frage gestellt zu dieser Folge und zwar, ob es irgendeine Massenverteilung in einer Galaxis gibt, die das un-newtonsche Rotieren der Sterne ums galaktische Zentrum erklärt. Es ging ja in der Folge darum, dass sich diese Sterne vor allen Dingen am Rand der Galaxien viel zu schnell um das galaktische Zentrum herum rotieren und die Frage ist, wie ist da die Massenverteilung?
Franziska Konitzer Und du schreibst weiter, wenn ich es auf Satelliten anwende, ist die Masse des Satelliten doch wurscht, je höher die Umlaufbahn, desto langsamer die Bahngeschwindigkeit. Und da hast du vollkommen recht und das ist auch genau das Problem, weil wenn wir uns das eben so vorstellen, dass wir sagen, okay, wir nehmen, weiß ich nicht, einen Planeten und einen Satelliten oder wir nehmen zum Beispiel die Sonne und ihre Planeten, dann ist es natürlich so, dass ich Jupiter zum Beispiel, der ja sehr viel massereicher ist als die Erde, das ist aber tatsächlich egal.
Franziska Konitzer Jupiter ist sehr viel langsamer um die Sonne unterwegs als die Erde. Also zum Beispiel die Erde hat ungefähr 100.000 km h drauf und Jupiter nur 47.000. Km h, weil Jupiter eben weiter von dieser Masse der Sonne entfernt ist. Und das wäre also so eine Art Newton'sche oder Kepler'sche eigentlich Rotation.
Franziska Konitzer Das hätte man dann eben damals auch bei diesen Galaxien erwartet, aber es ist eben nicht so, sondern diese Galaxien oder wenn wir bei diesem sehr vereinfachten Modell bleiben, bewegen sich die Sterne um die Galaxien ein bisschen so, als wenn nicht nur die Erde 100.000 km h drauf hätte, sondern auch Jupiter 100.000 km h. Also viel zu schnell.
Franziska Konitzer Und dann ist die Frage, mit welcher Massenverteilung kann ich das erklären? Und direkt darauf kommt man eben auf dieses Etwas, was man dunkle Materie nennt, denn das kann man nur erklären, wenn man eine Massenverteilung annimmt in der Galaxie, wo diese gesamte sichtbare Materie, also die Sterne innen und auch außen, in einen großen Halo eingebettet sind, in so ein großes, waberiges Etwas aus eben zusätzlicher Masse.
Franziska Konitzer Und diese Masse, von der man annimmt, dass sie da sein muss und dass sie aus Materie besteht, das ist eben die dunkle Materie. So kann man tatsächlich auch übrigens die dunkle Materie-Verteilung in zum Beispiel Galaxien simulieren, indem ich mir die Geschwindigkeiten der einzelnen leuchtenden Bestandteile angucke und dann eben darauf schließe, was da für Masse noch innerhalb oder auch außerhalb der Galaxie sein muss.
Franziska Konitzer Und darauf kommt man dann da eben. Zufälligerweise, wenn dich, Trügrüni oder auch Karl oder euch alle es interessiert, wie das ungefähr ausschaut, zeigt das Thumbnail für diese Folge, für die 73. Folge von AstroGeo, genau so eine Simulation vom dunklen Materie-Halo, in den unsere Milchstraße eingebettet sein sollte. Warum nur?
Karl Urban Du hast das nächste Thema sozusagen auf diese Frage zugeschnitten. Das finde ich enorm.
Franziska Konitzer Bisschen indirekt. Genau, also ich hoffe, ich konnte damit deine Frage beantworten. Die kurze Antwort ist, die Masseverteilung ergibt Sinn oder die Masseverteilung schaut so aus, dass unsere leuchtende Materie in den Galaxien eben in diese dunkle Materienhalos eingebettet sein sollte. Genau.
Karl Urban Das ist schon abgefahrenes Zeug irgendwie. Das Thema ist gut. Ich hatte auch den Eindruck, es gab unter den Hörern einige, die irgendwie so viel grübeln. Es gibt ja auch, also so unter uns Wissenschaftsjournalisten gibt's ja immer mal so Hörer oder Leser unserer Texte, die dann sich regelmäßig melden, weil sie auch irgendwie da Ideen haben.
Karl Urban Manchmal sind sie fundiert, manchmal auch nicht so fundiert. Aber genau, es regt die Fantasie auf jeden Fall an. Und ja, da ist auch noch was zu holen, denke ich, bei dem Thema.
Franziska Konitzer Da ist noch eine ganze Menge zu holen, wahrscheinlich oder leider, je nachdem, wie man es sieht.
Karl Urban Aber ich würde sagen, dann kommen wir doch zum Thumbnail der heutigen Folge bzw. zu dem, was dahinter steht. Ich habe es ja noch nicht gesehen, also das schickst du mir ja immer erst hinterher. Deswegen bin ich sehr gespannt, was du mir heute zur 73. Ausgabe von Astrogeo erzählen willst.
Franziska Konitzer Ich erzähle dir eine Geschichte, die wie immer mit einem thematisch passenden Science-Haiku anfängt.
Karl Urban Uh, endlich wieder.
Franziska Konitzer Und die geht so. Pass auf, das Haiku geht so. Hoffentlich hat es genug Sinn. Ein Teilchen fragt sich, gibt's mich oder gibt's mich nicht? Sag du es mir doch! Mh. So.
Karl Urban Also, warum ich dich mit diesem Science-Haiku maltretiere, ist die Tatsache… Das klingt wie so ein Abzählreim, wo man so die Blütenblätter von so einer… sie liebt mich, sie liebt mich nicht, sie liebt mich.
Franziska Konitzer Es gibt mich nicht, es gibt mich nicht, tatsächlich, also tatsächlich dieses, es gibt mich nicht, es gibt mich nicht, um dieses Geben und Nichtgeben geht es in dieser Folge. Und es geht um ein Teilchen, ein potenzielles Teilchen der dunklen Materie. Gibt es dieses Teilchen oder gibt es dieses Teilchen nicht?
Franziska Konitzer Nochmal in der Kurzzusammenfassung, was ist überhaupt dunkle Materie? Ich hatte dir in der letzten Folge die Geschichte erzählt, warum Forschende auf den Trichter gekommen sind, dass es so etwas wie dunkle Materie geben muss, die rund 85 Prozent aller Materie im Universum ausmacht. Also der weitaus größere Anteil der Materie, der Teilchen im Universum, sollten dunkle Materie sein.
Franziska Konitzer Und darauf gekommen ist man, weil man festgestellt hat, die Galaxien rotieren viel zu schnell. Das hatte ich eben mit der Frage von Trügrüni, dass die eigentlich zu schnell rotieren, wenn da nichts weiter ist. Die sollten eigentlich auseinanderfliegen. Die Galaxienhaufen bewegen sich zu schnell, sollten sich also ohne dunkle Materie innerhalb kürzester Zeit auflösen.
Franziska Konitzer Und dann gibt es auch noch sehr viele andere weitere Indizien, zum Beispiel der kosmische Mikrowellenhintergrund, das ist das, was man als das Babyfoto von unserem Universum bezeichnet. Das ergibt sonst auch keinen Sinn. Die Verteilung der Elementhäufigkeiten würde ohne dunkle Materie nicht funktionieren.
Franziska Konitzer Also irgendwas muss da noch sein. Aber die Frage ist, was? Und wenn man davon ausgeht, dass die dunkle Materie tatsächlich eine Materie ist, dann kommt man natürlich recht schnell auf den Trichter. Okay, wenn es Materie ist. Dann müsste es ja aus Teilchen bestehen, weil alle sichtbare Materie besteht auch aus Teilchen.
Karl Urban Klingt schlüssig.
Franziska Konitzer Ja, klingt schlüssig und dann fängt man also an. Ja, okay, aber was für ein Teilchen? Und hier steigen wir am 2. April 1998 ein, um uns auf diese Woche einzustimmen. Es tut mir furchtbar leid, da war Céline Dion mit My Heart Will Go On auf Platz 1 der deutschen Single-Charts.
Karl Urban Das ist gleich so ein Gefühl, was man abrufen kann. Ich habe neulich mal wieder Titanic geguckt, als meine Frau nicht da war, weil die mag den jungen Leonardo DiCaprio nicht sehen, der war glaube ich damals 22 oder so. Genau, also es ist so ein Gefühl. Habe ich sofort da, super.
Franziska Konitzer Genau, deshalb wünsche ich dir jetzt auch viel Spaß mit dem Ohrwurm für den Rest des Tages.
Karl Urban Dankeschön, danke dafür.
Franziska Konitzer Ich werde es dir nicht vorsingen. Auf jeden Fall, am 2. April 1998 erscheint eben auch im Fachjournal Physics Letters B ein Artikel mit dem Titel Searching for Wimps by the Annual Modulation Signature. Also es geht um die Suche nach etwas, was man Wimps nennt. Und als kleines Aside, ich habe wirklich versucht, diesen Fachartikel von 1998 irgendwo in seiner Gänze aufzutreiben.
Franziska Konitzer Es ist mir nicht gelungen. Ich habe nur Ausschnitte gefunden, die auch verlinkt sind. Aber letztendlich ist es auch erstmal egal, ob man den Fachartikel ganz lesen kann oder nicht, weil was er im Grunde genommen sagt, ist, hey, die Forschenden, die den geschrieben haben, schreiben in dem Artikel, dass sie mit ihrem neuen Experiment Hinweise darauf gefunden haben, dass es WIMPs gibt.
Franziska Konitzer Sie schreiben, wir müssen noch ein bisschen weiter messen und noch mehr Daten sammeln, bevor wir uns ganz sicher sein können. Aber das gesuchte Signal dieser WIMPs ist da. Und was ist ein WIMP? Ein WIMP ist ein Kandidat für ein Teilchen, dass die dunkle Materie sein könnte. Ein Kandidat. Ein Kandidat. Es gibt sehr viele Kandidaten, es gibt super viele Kandidaten, aber ich erzähle dir heute eben die Geschichte dieser WIMPs.
Franziska Konitzer Und ein WIMP ist eine Abkürzung für Englisch Weekly Interacting Massive Particles, also schwach wechselwirkende massereiche Teilchen. Das WIMP heißt ja auf Englisch sowas wie Schwächling, das Wortspiel ist nicht aus versehen, weil ein weiterer Kandidat für die dunkle Materie zu der Zeit waren Teilchen oder Objekte namens Machos.
Franziska Konitzer Und deshalb hat man sich damals gesagt, okay, Machos versus Wimps, tihihihi. Lustig. Ja, Machos sind inzwischen ein nicht mehr ganz so heißer Kandidat für die dunkle Materie, aber Wimps weiterhin.
Karl Urban Ich bin auch dafür, dass Machos aussterben, ja.
Franziska Konitzer Ja, also man hat sie auch nie gefunden, unüberraschenderweise, aber WIMPs sind eben hypothetische Teilchen, die sollten eine Masse haben, die zwischen einigen 10 und etwa 1000 Gigaelektronenvolt beträgt und ein Gigaelektronenvolt ist etwa die Masse eines Neutrons oder Protons, also sehr viel massereicher als die einzelnen Teilchen in unserem Atomkern.
Franziska Konitzer So. Und WIMPs wurden eben, diese massereichen Teilchen wurden eben postuliert, weil man sagen könnte, okay, es könnte die dunkle Materie sein. Und der unschlagbare Vorteil bei diesen WIMPs, wenn du so willst, ist, dass die eben nicht nur über die Schwerkraft wirken würden. Das macht ja auch sinnlich, weil die dunkle Materie wirkt, also wenn es sie so gibt, wie man sich das vorstellt, wirkt sie über die Schwerkraft, Gravitation.
Franziska Konitzer Aber wenn sie wirklich nur über die Gravitation wirkt, wechselwirkt mit allem anderen, dann habe ich ja überhaupt gar keine Chance, das irgendwie nachzuweisen. Weil wir auf der Erde können wir das nicht nachstellen, weil die Gravitation im Vergleich zu allen anderen Naturkräften so viel schwächer ist.
Franziska Konitzer Und deshalb würde das nicht funktionieren. Aber wie der Zufall so will oder die theoretischen Physikerinnen und Physiker, die sich das überlegt haben, würden WIMPs auch über zum Beispiel die schwache Wechselwirkung wechselwirken. Und die schwache Wechselwirkung ist eine weitere der vier Fundamentalkräfte der Bekannten.
Franziska Konitzer Und wie der Name schon sagt, wirkt sehr… also es ist eine schwache Wechselwirkung, aber es würde überhaupt irgendeine Art von Wechselwirkung geben. Was ganz prima wäre. Zum Beispiel sind auch Neutrinos so. Neutrinos sind Elementarteilchen, kennen wir, sind elektrisch neutral, wechselwirken also nicht über die elektromagnetische Wechselwirkung, Also senden kein Licht aus oder irgendwie so ein Kram, aber über die schwache Wechselwirkung.
Franziska Konitzer Und bei den WIMPs hat man sich eben gedacht, na prima, die sind vielleicht ähnlich wie Neutrinos, nur eben sehr viel schwerer und wechselwirken eben auch ein bisschen. Und dann könnte man die doch irgendwie nachweisen auf der Erde, weil wenn es diese WIMPs gibt und man das aus diesen Simulationen kennt, dass die eben, dass unsere Galaxie oder sehr viel im Universum eben in diese dunklen Materie haarlos eingebettet ist, wäre dieser dunkle Materie-Halo ja nichts, außer so ein riesiger Halo, eine riesige Wolke, diffus aus diesen Wimps.
Karl Urban Die sind einfach da.
Franziska Konitzer Die sind einfach da, die tun auch nicht viel, die wechselwirken auch nicht viel miteinander, die verklumpen sich auch nicht, weil ansonsten wäre ja alles in der Mitte von der Galaxis, sondern das ist dieser diffuse Halo und das würde auch bedeuten, dass diese Wimps in jeden Moment durch die Erde durchreisen und durch uns selber und aber halt ohne zu wechselwirken, deshalb passiert da eigentlich auch nichts.
Karl Urban Bzw. die Erde fliegt durch die Wimps durch, sozusagen, weil wir bewegen uns ja.
Franziska Konitzer Genau, die Erde fliegt durch die Wimps durch. Und das ist dann tatsächlich, aber gibt uns die Möglichkeit, indem die Erde durch die Wimps durchfliegt, diese irgendwie nachzuweisen. Da gibt es mehrere Methoden, aber was dieses Team von 1998 mit diesem Fachartikel wollte. Deren Experiment beruht darauf, dass man wartet, dass irgendwann mal so ein Wimp mit einem Atomkern hier auf der Erde zusammenstößt.
Franziska Konitzer Und um diesen Zusammenstoß, diese extrem seltenen Zusammenstöße zu messen, hat dieses Team der Forscherinnen und Forscher im italienischen Gran Sasso National Labor – das ist ungefähr 1400 Meter tief unter der Erde, einen Detektor gebaut, ein Experiment aufgebaut. Das besteht aus rund 250 Kilogramm Natrium-Judith-Kristallen mit ein bisschen Thallium.
Franziska Konitzer Also es sind diese Natrium-Judith-Kristalle und dieses Experiment nennt sich in seiner jetzigen Durchführung Dama-Libra. Also DAMA kommt von Dark Matter und was dann nach dem DAMA kommt, sind immer die verschiedenen Spielarten von dem Experiment. Dieses DAMA-Experiment wollte eben diese Vierteltonne Natrium-Iodid-Kristalle damit verwenden, dass da, wenn da ein Wimp – sollte es denn existieren – auf einen Atomkern in diesen Kristallen trifft, dann erzeugt das ein Signal und das kann man messen.
Franziska Konitzer So, aber, also es löst dann so ganz kleine Lichtblitze aus, wie auch immer, also man Man kann das messen. Der Witz ist aber daran, dass ja egal, ob ich dieses Labor so weit unterirdisch baue, wie ich möchte und so gut abgeschirmt, wie ich möchte, irgendwas ist ja immer nicht nur WIMPs, sondern zum Beispiel auch Neutrinos, wobei ich gar nicht weiß, ob die damit reagieren würden, oder Radioaktivität, oder die Kristalle sind nicht ganz rein, also es sind eine Menge Störquellen vorhanden.
Franziska Konitzer Und deshalb war der Aufbau oder der Gedanke bei diesem Experiment, gut, wir schaffen das eh nicht alle diese Störquellen auf null zu reduzieren und dann darauf warten, dass irgendwann mal ein Signal von so einem WIMP ankommt, das schaffen wir nicht, sondern wir benutzen eben die Tatsache, wie du vorhin so schön gesagt hast, weil die Erde dreht sich ja um das galaktische Zentrum, beziehungsweise das Sonnensystem dreht sich um das galaktische Zentrum.
Franziska Konitzer Oder nicht so wichtig. Was wichtig ist, dass sich die Erde ja im Laufe eines Jahres einmal um die Sonne dreht. Was aber heißt, dass sie sich einmal im Jahr quasi in die … oder die eine Hälfte des Jahres bewegt sie sich eher auch in … bewegt sie sich mit, also in die Rotationsrichtung der gesamten Galaxie und einmal im Jahr dagegen.
Karl Urban Also die Relativgeschwindigkeit ist sozusagen unterschiedlich. Genau.
Franziska Konitzer Und da sich die Erde quasi laufend durch diesen Nebel, wie auch immer, von dunklen Materien, hypothetischen dunklen Materienteilen durchbewegt, würde es eben bedeuten, dass durch den Dharma-Detektor oder durch diesen Detektor, durch diese Vierteltonne aus Natrium-Iodid-Kristallen, der würde sich mal durch mehr und mal durch weniger dunkle Materie Teilchen bewegen.
Franziska Konitzer Je nachdem, in welche Richtung die Erde. Also bewegt sie sich mit der Richtung der Galaxie oder dagegen. Also das kannst du damit vergleichen, im Grunde genommen, wenn du Auto fährst und es schneit, dann treffen auf deine Windschutzscheibe von vorne wahrscheinlich mehr Schneeflocken als auf die Heckscheibe.
Franziska Konitzer So ganz vereinfacht. Manche benutzen für den Vergleich übrigens auch tote Insekten, aber das finde ich zu grausig.
Karl Urban Ja, das stimmt auch nicht mehr. Es gibt ja keine mehr.
Franziska Konitzer Eben, es gibt auch keine mehr, von daher. So, also, und diese jährliche Modulation, das müsste dann immer so ein Auf- und Abgeben vor diesem Hintergrundrauschen von all dem anderen Kram. Aber der Hintergrund, das war der Gedanke von diesem DAMA-Experiment. Wenn Wenn es diese dunkle Materie gibt, dann müsste es im Juni mehr Signal geben und im Dezember weniger Signal. Also würde man so eine Sinus- oder Kosinus-artige Kurve erwarten vor diesem Hintergrundrauschen.
Franziska Konitzer Und dann müsste ich auch das Hintergrundrauschen nicht rausfiltern, weil wenn das Signal stark genug ist, dann sehe ich das auch so. Und das Hintergrundrauschen wird ja als konstant angenommen. Und genau das ist das, was die Forschenden dieses DAMA-Experiments schon 1998 herausgefunden haben. Nämlich, dass sie ihren Detektor angeschalten haben, ungefähr 1995 schon, und haben sofort nach einem Jahr gesehen, okay, wir sehen diese jährliche Modulation, dieses Auf und Ab, was auf die Existenz dieser Wimps hindeutet, die dann ja wohl dunkle Materie wären.
Karl Urban Darf ich eine Frage stellen? Ja. Wie viele haben Sie denn gesehen?
Franziska Konitzer Ja, das ist die interessante Frage. Wie viele in Zahlen kann ich dir tatsächlich gar nicht sagen. Jetzt wird es ein bisschen spannend. Weil 1998 war ja das Ding so, sie haben gesagt, sie sehen dieses Signal, aber es ist noch nicht stark genug, aber sie messen ja weiter. Und mit jedem Jahr müsste das Signal ja klarer oder stärker werden.
Franziska Konitzer Und genau, das ist passiert. weil das Signal war am Anfang noch nicht stark genug. Also lassen Sie das Experiment weiterlaufen. Es wird 1999, 2000, 2001, 2002 und Ihr Signal wird immer stärker. Dieses wellenförmliche Signal wird immer klarer, klar, weil wir messen ja jedes Jahr weiter und die Forschenden der DAMA-Kollaboration gehen auf Konferenzen, sie schreiben Fachartikel.
Franziska Konitzer Ihr gesuchtes Signal dieser WIMPs, dieser dunklen Materie-Kandidaten, taucht mit jedem Jahr auf. Inzwischen haben wir das Jahr 2023 und das Signal ist immer noch da.
Karl Urban Das Experiment läuft auf immer noch.
Franziska Konitzer Ja, das Experiment läuft auf immer noch. Und was denkst denn du, Carl? Was passiert ist im Zuge dieser Verkündungen der Alljährlichen, dass sie die dunkle Materie gefunden hätten?
Karl Urban Ähm, hm, naja, also, die große Welle gab's nicht, ne? Also, da scheint schon irgendein Pferdepust zu sein.
Franziska Konitzer Ja, tata.
Karl Urban Du hast ja nun das letzte Mal schon erzählt, dass wir das Problem noch nicht gelöst haben. Insofern... Ja, tatsächlich.
Franziska Konitzer Das ist ein Aufbau falscher Spannung, beziehungsweise stelle nie eine Frage in der Überschrift, deren Antwort Nein lautet.
Karl Urban Aber mir darfst du sie stellen, ich muss dann einfach Nein sagen. Aber ich muss das noch lernen, offenbar. Also, genau.
Franziska Konitzer Obwohl die Forscher dieser Dama-Kollaboration traten ja, wie gesagt, Ende der 90er in die Öffentlichkeit und haben gesagt, hier. Und seitdem wird das Signal immer stärker, aber es gab weder weltweit Pressekonferenzen, noch Jubelschreie, noch Nobelpreis oder irgendwas, noch die Verkündung, dass die dunkle Materie jetzt gefunden worden sei. Von daher ist klar.
Franziska Konitzer Also, warum nicht? Das liegt natürlich am goldenen Leitspruch der Wissenschaft. Einmal ist keinmal. Und der Witz an der Geschichte ist, auch natürlich, dass das Dharma-Experiment nicht das einzige Experiment auf der Welt, Auch damals schon gewesen, was nach Wimps, was nach diesen Teilchen, diesen hypothetischen Teilchen gesucht hat.
Franziska Konitzer Und da ist natürlich das Problem, kein anderes Experiment der Welt hat bislang beobachtet, was Dharma beobachtet hat, noch nicht mal ansatzweise. Jedes einzelne Experiment, was mit auch unterschiedlichen Methoden nach diesen Wimps gesucht hat, hat nichts gefunden. Gar nichts. Okay. Und darunter waren zum Beispiel auch zwei weitere Experimente, die sich auch in diesem Gran Sasso-Untergrundlabor befinden, in Italien auch, zum Beispiel Xenon oder Xenon 1T, das ist auch zum Beispiel ein Experiment, was WIMS nachweisen wollte, aber die zum Beispiel gesagt haben, wir suchen nicht nach diesem jährlichen Modulationssignal und kümmern uns nicht um das Hintergrundrauschen, sondern die haben wirklich jede einzelne Quelle an Hintergrund rauschen,
Franziska Konitzer rausgemerzt, um dann wirklich am Ende sagen zu können, okay, also wenn wir ein Signal erhalten, dann ist es der von einem Wimp. Und nicht irgendwie von Radioaktivität oder kosmischer Strahlung oder hast du nicht gesehen. Die haben nichts gefunden. Es gab ein deutsch-britisches Experiment namens CREST, es gab – wie heißen die denn alle – es gab Edelweiß, war auch mal ein Experiment, es gab CEDMS2, also es gab eine Menge Experimente, um diese Wimps aufzuspüren.
Franziska Konitzer Weil die halt echt als gute Kandidaten für die dunkle Materie galten und auch noch gelten. Keins von denen hat was gefunden. Also alleine Dharma sieht dieses Signal. Das ist schon mal Hinweis Nummer eins, dass es, ja, was auch immer die da beobachten, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht Wimps sind.
Franziska Konitzer Aber die Frage ist, wie lässt sich dann dieses Fehlersignal erklären? Und von was ich dir bisher nicht erzählt habe in meiner Geschichte ist die Abkürzung der Geschichte, wo das Ganze jetzt nicht noch 2023, im Grunde genommen seinen letzten Zügen wäre, sondern im Grunde genommen wahrscheinlich sehr fix Ende der 90er beseitigt worden wäre.
Franziska Konitzer Die Abkürzung ist, dass die Mitglieder der DAMA-Kollaboration ihre Daten nicht geteilt haben. Also weder ihre Rohdaten noch ihre Analysemethoden, sondern alles, was auch die Fachwelt, die nicht Mitglied dieser Kollaboration ist, seit Jahrzehnten zu sehen bekommt, sind die fertigen Datengrafiken. Also die fertigen Grafiken mit diesem Plot, mit diesem Auf und Ab und dann sagen die, ja passt doch, hier ist das dunkle Materie-Signal.
Karl Urban Ja, aber ist das denn seriös?
Franziska Konitzer Ja, das ist dann nämlich die Frage, das muss man dann irgendwann halt als nicht seriös einstufen, wenn man halt sagt, ja, aber das bringt ja nichts, wenn wir unsere Analyse-Daten teilen, weil hier ist doch unser Ergebnis. So, und das ist, ja, das wäre eine Abkürzung gewesen, ganz offensichtlich, the road not taken.
Franziska Konitzer Und deshalb stand die Fachwelt tatsächlich seit Jahrzehnten davor und hat gesagt, ja, aber es stimmt wahrscheinlich nicht, aber warum nicht? Und das ist halt tatsächlich auch Wissenschaft, dass du dann rausfinden musst, warum nicht? Also was ist da eigentlich los? Du könntest es sehr schnell rausfinden, wenn du wahrscheinlich die Rohdaten und die Analysemethoden kennen würdest.
Franziska Konitzer Aber wenn du beides nicht hast, dann bleibt dir leider Gottes einerseits erstmal nichts anderes übrig, als dieses DAMA-Experiment so genau wie möglich nachzubauen. Also ich habe ja eben schon erzählt, es gab auch auch andere Experimente, um WIMPs zu finden, wie zum Beispiel dieses Xenon, was wirklich jedes einzelne Signal messen will, die verwenden zum Beispiel flüssiges Xenon und nicht diese Natrium-Iudit-Kristalle.
Franziska Konitzer Und da kann man ja sagen, ja gut, ein WIMP könnte ja alle möglichen Eigenschaften haben, vielleicht reagiert es mit Xenon und nicht aber dafür mit diesen Natrium-Iudit-Kristallen. Klingt zwar ein bisschen weit hergeholt und ein bisschen wie ein Wunschkonzert, aber könnte ja sein. Und deshalb gab es und gibt es zwei Experimente, die ziemlich baugleich zu DAMA sind.
Franziska Konitzer Eines ist ANAIS in Frankreich und das andere ist COSINE 100 in Südkorea. Und die beiden Experimente haben auch Natrium-Iodit-Krustalle verwendet, genau wie DAMA. Und sie haben auch nachgemessen. Und die abschließenden Datenanalysen, zum Beispiel von EnNays, laufen noch, damit man es auch mit der ausreichenden statistischen Aussagekraft sagen kann.
Franziska Konitzer Aber alle, ich sag mal, vorläufigen Experimente, beziehungsweise zu rund 90 Prozent oder 95 Prozent inzwischen, kann das ausgeschlossen werden, dass das, was Dama misst, richtig ist. Weil auch Anaze und Cosign haben nichts gesehen. Also kein WIMP, keine jährliche Modulation, nicht dieses Auf und Ab und Auf und Ab.
Franziska Konitzer Also das hat Jahrzehnte gedauert, jetzt haben wir 2023, damals Laufzeit 95. Dann ist das schon mal das, also die direkte mögliche Reproduzierung oder Das Ergebnis ist, ich reproduziere mal und damit kann es als nicht gültig erachtet werden. Das ist also in den letzten Zügen, das wird kommen. Und dann bleibt natürlich aber immer noch die letzte Frage, was ist denn da da mal seit Jahren? Also was ist da wirklich los?
Franziska Konitzer Auch die Abkürzung, man kennt die Analyse nicht, man kennt die Rohdaten nicht, man hat keine Ahnung, wie viele Lichtblitze zum Beispiel sie wirklich pro Tag beobachten. Und dann, es gab über die Jahrzehnte mehrere Erklärungsansätze, was zum Beispiel bei DAMA los ist. Fragen konnte man ja nicht, weil man keine Antwort gekriegt hat.
Franziska Konitzer Was aber vor ein paar Jahren ein Wissenschaftler eine Idee dazu hatte und was zum Beispiel mit dem Cosine-Experiment in Südkorea auch schon teilweise nachgestellt wurde, war das. Ich habe dir ja vorhin erzählt, dass DAMA den Hintergrund nicht rausrechnet, sondern konstant annimmt und dann den Rest ist dann die Fluktuation.
Franziska Konitzer Und das müsste dann dunkle Materie sein. Jetzt ist es aber so, wenn du ein Hintergrundsignal hast, was nicht das ganze Jahr über konstant ist, dann geht es ja entweder nach oben oder nach unten. Es ist halt nicht konstant. Es hat eine Entwicklung. Und wenn du dann, was die Dharma-Forschenden gemacht haben, so viel haben sie verraten, wenn sie dann den Hintergrund über das Jahr mitteln, also sie nehmen quasi das, was nach oben oder nach unten geht und mitteln es einfach nur und dann quasi wie eine Art Signal herausfinden, dann ist ja ihr Signal einmal über und einmal unter dem Durchschnitt.
Franziska Konitzer Und damit ergibt sich so eine Art Sägezahn-Signal. Und wenn du das über ein Jahr wenn es einmal hoch geht und einmal runter. Dann schaut das tatsächlich sehr, sehr ähnlich aus, sehr ähnlich wie genau so ein wellenförmiges Auf und Ab einer Sinus- oder Kosinus-Kurve. Und das ist das. Wie gesagt, die Idee davor gab es vor ein paar Jahren und die Forschenden vom COSINE-Experiment haben genau das zum Beispiel auch mit ihren Daten gemacht.
Franziska Konitzer Die haben angenommen, dass ihr Hintergrundrauschen auf natürliche Weise abnimmt und haben dann diese Datenanalyse durchgeführt und haben genauso ein DAMA-ähnliches Signal erzeugen können. Nur umgekehrt tatsächlich. Also was darauf hindeutet, dass es irgendwas im Dharma-Experiment gibt, was das Hintergrundrauschen ansteigen lässt.
Franziska Konitzer Dass es also quasi über die Zeit tatsächlich ansteigt im Laufe des Jahres.
Karl Urban Das kann ja alles mögliche sein. Das kann was kosmisches sein, das kann was irdisches sein, das kann was menschliches sein. Das ist so, okay.
Franziska Konitzer Ja, und auch das sagt nicht, dass es die richtige Lösung ist, tatsächlich, weil man weiß es einfach nicht. Wie gesagt, O-Daten werden nicht veröffentlicht und ich glaube auch nicht, dass sie jetzt nach 30 Jahren damit anfangen. Aber damit sind wir auch schon beim Ende meiner Geschichte angelangt. Eine Geschichte vom Suchen und Nicht-Finden eines dunklen Materieteilchens, eines Kandidaten für die dunkle Materie.
Franziska Konitzer Auf seine Art und Weise, finde ich, ist es auch eine Erfolgsgeschichte, nämlich in dem Sinne, dass hier die wissenschaftliche Methode funktioniert, finde ich, weil ich meine, du kannst es dann rausfinden, aber andererseits für dich ist es auch wieder so ein bisschen so eine Art Trauerspiel, weil wenn ein bisschen mehr wissenschaftliche Transparenz geübt worden wäre, hätten sich sehr viele Forschende, sehr viel Zeit, Mühe und auch Geld, was ja dann auch vom Steuerzahler kommt, sparen können, um dieses Experiment quasi zu widerlegen.
Franziska Konitzer Aber ja, meine Vermutung ist, dieses Drama um Dharma wird irgendwann als Randnotiz enden. Was die WIMPs angeht, die gelten immer noch als Kandidaten für ein Dunkle-Materie-Teilchen, obwohl die Luft der Möglichkeiten, Raum, der Parameter Raum, in dem es sie geben könnte, der wird langsam dünn, weil man ja auch schon sehr lange mit verschiedenen Experimenten danach sucht und dann sagen kann, okay, hier ist es nicht, hier ist es nicht, hier ist es nicht, wo könnte es denn sonst noch sein?
Franziska Konitzer Tja, also man hat eigentlich immer noch nicht – es gibt, wie gesagt, das WIMP ist nur eines von sehr vielen Kandidaten der dunklen Materie. Es ist sehr schwer, danach zu suchen, nach WIMPs oder anderen Kandidaten für die dunkle Materie, weil das Einzige, was man weiß, ist die Auswirkungen der Schwerkraft.
Franziska Konitzer Und ich meine, es gibt sehr viele Forscher, die sind felsenfest davon überzeugt, dass die dunkle Materie tatsächlich Materie ist, eine neue Art von Teilchen. Aber auch, äh, ja, das ist halt letztendlich eine Vermutung. Eine vielleicht wissenschaftlich gut fundierte Hypothese, aber nicht mehr als das.
Karl Urban Ja, es kann alles Mögliche sein. Es gibt ja auch die, die dann sagen, vielleicht gibt's viel, viel mehr Schwarze Löcher, als wir glauben.
Franziska Konitzer Genau, das wäre dann auch wieder Materie.
Karl Urban Aber in ganz anderem Zustand letztlich und halt nicht als Elementarteilchen, ne?
Franziska Konitzer Ja, es gibt dann die, die sagen, vielleicht trotzdem irgendeine unbekannte Art von Neutrino. Ich hab ja gesagt, Neutrinos haben ja eine Masse, aber wechselwirken auch fast gar nicht. Muss ich mir auch was überlegen, um die überhaupt nachzuweisen. Es gibt Leute, die sagen, aber Aktionen, eine neue Art von hypothetischen Teilchen, wären doch auch ein Kandidat. Diese Machos waren früher Kandidaten.
Franziska Konitzer Dann sagen Leute, wie du gesagt hast, ja, nicht nur schwarze Löcher, sondern primordiale schwarze Löcher. Wobei da auch, aber man geht diese ganzen Sachen durch und man findet nichts. Dann gibt es noch die ganz andere Fraktion, die sagt, ja, aber vielleicht sind tatsächlich die Gesetze, also vielleicht ist die allgemeine Relativitätstheorie trotzdem nicht ganz so richtig, wie man denkt.
Franziska Konitzer Das ist dann Mond, nennt sich das, ist die Modified Newtonian Dynamics, dass man sagt, auf großen, in großen Abständen verhält sich dann die Gravitationskraft anders. Das funktioniert für manche Fragestellungen der dunklen Materie super. Für andere überhaupt nicht. Also Mond könnte dir zum Beispiel erklären, warum die Galaxien so rotieren, wie sie rotieren, aber zum Beispiel nicht, was mit den kosmischen Mikrowellenhintergrund los ist.
Franziska Konitzer Ja, also es ist schwierig, man weiß es immer noch nicht und dieses Dharma ist nur ein kleiner Ausschnitt des Ganzen.
Karl Urban Also was ich mich ja frage ist, vielleicht bin ich zu sehr ein Kind des Internets und so der unseres Jahrzehnts, Jahrtausends, keine Ahnung, warum man als Forscher, der ernst genommen werden will, oder hier Kollaboration, da stecken ja dann auch Fördergelder und alles Mögliche drin, warum man trotzdem nicht transparent ist, was Methoden und Datenauswertung angeht.
Karl Urban Also warum solche Forscher auch trotzdem ernst genommen werden. Also man müsste doch eigentlich sagen, ja, wenn ihr das nicht macht, dann reden wir da gar nicht mit euch drüber, weil man kann ja alles behaupten.
Franziska Konitzer Es hat ernst angefangen. Zuletzt war diese Kollaboration italienische, russische und chinesische Wissenschaftler. Nichts gegen italienische, russische und chinesische Wissenschaftler, aber auch diese Artikel mit den Resultaten sind zuletzt in sehr kleinen, sehr speziellen, russisch oder ukrainisch stämmigen Fachjournalen veröffentlicht wurden.
Franziska Konitzer Also das wird jetzt nicht mehr in Nature rausgezimmert. Und das hat sich dann im Laufe der Jahrzehnte schon so ergeben. Aber es war zu Anfang einfach nur ein Experiment unter vielen. Und auch der Ansatz ist total valide. Es ist halt die Leitende dieser Kollaboration. Ich würde mal sagen, ich weiß es nicht, man kann da natürlich nur ganz wild spekulieren, aber ich würde sagen, da wurde sich ein Loch gegraben und jetzt kommt man nicht mehr raus.
Karl Urban Okay, ja im wahrsten Wortsinn.
Franziska Konitzer Wenn du quasi 30 Jahre deines Lebens da jetzt da rein investiert hast, dann wirst du jetzt nicht mehr sagen und sagen, hier sind die Rohdaten. Das ist, ja, das ist meine Vermutung, meine wilde Spekulation. Ich will keinem einen Vorwurf machen und tue das auch nicht. Aber meine Vermutung wäre, es ist so eine Geschichte. Ich würde sagen, die Beteiligten glauben das auch inzwischen selber. Die wollen das auch nicht wissen, weil das würde bedeuten, dass du dein Lebenswerk im Grunde genommen das eingestehen musst.
Karl Urban Ja, genau. Ja, es ist aber auch wieder dieses.
Franziska Konitzer Ähm, na? Claims require extraordinary evidence.
Karl Urban Genau, Carl Sagan, genau. Also, wenn ich so was sage, ich find hier so ein Teilchen, was irgendwie die dunkle Materie erklären kann, da muss ich halt auch liefern irgendwie, ne? Oder gut, es ist, wie du gesagt hast, es ist ja jetzt auch keine große Welle, man diskutiert da vielleicht mal noch auf Konferenzen drüber, aber man wird dann halt auch nicht ernst genommen. Man muss die Konsequenzen letztlich dann auch tragen.
Karl Urban An dieser Meldung, die es vor ein paar Jahren gab mit diesem überlichtschnellen Neutrino, war das nicht sogar auch das Gransasso?
Franziska Konitzer Das war auch das Signal gegen das Gransasso. Aber der Unterschied da war halt tatsächlich, dass die, das war auch immer nur eine wissenschaftliche Methode, was halt aber funktioniert hat. Also nur wer davon noch nicht gehört hat, es war vor ein paar Jahren, 2012 glaube ich, war die Meldung, dass vom CERN zum Gransasso, denke ich, ein Signal geschickt wurde, was auf einmal Überlichtgeschwindigkeit hatte.
Franziska Konitzer Und die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler konnten aber den Fehler nicht finden. Also sie haben sich gleich gedacht, dass sie nicht Überlichtgeschwindigkeit gemessen haben. Sie konnten den Fehler nicht finden und haben dann einen Artikel darüber geschrieben. Und das ist tatsächlich, das war ein sauberes Vorgehen der Forschenden, weil sie gesagt haben, hier, wir haben keine Ideen mehr, was ist da los?
Franziska Konitzer Und letztendlich, was los war, war ein Kabel war locker. Aber Das war ein Vorgehen, das war ja auch vollkommen okay, da in dem Fall hätte ich tatsächlich eher gesagt, dass da die Berichterstattung darüber zu reißerisch gelaufen ist. Es war ein wissenschaftlich fundierter Fachartikel und dann sind da sehr viele Medien einfach drauf gehüpft und tausend Memes und das ist ja alles recht lustig, aber, ne, es ist, ja.
Karl Urban Und am Ende war es ein Kabel. Es war ein lockeres Kabel. September 2011, das war die Opera-Kollaboration, genau, also. Naja. Ja, ich mein, das ist ja auch prinzipiell nicht Schlimmes oder sogar, es ist eigentlich eher ein Feature als ein Bug, dass man in der Wissenschaft Fehler macht, weil man eigentlich über Fehler am meisten lernt.
Franziska Konitzer Genau. Aber man muss halt auch willens sein, zu lernen. Ja, richtig. Und das ist eigentlich die Geschichte, die ja ein bisschen verkehrt gelaufen ist.
Karl Urban Genau. Aber du hast sie erzählt. Du hast sie erzählt und unsere Hörerinnen und Hörer haben sicher was dabei gelernt.
Franziska Konitzer Nee, wie gesagt, ich wollte auch diese Geschichte nach dem, wie gesagt, es ist halt schon so die dunkle Materie, es wird immer so geschildert, das gibt's auf jeden Fall. Manchmal frage ich mich auch, ob das so clever ist, weil du auch als Mensch, der sich dann damit beschäftigt, du hast gleich dieses Bild im Kopf, oder wie das zu sein hat, du lernst ja schon, es muss es eigentlich geben und das ist sicherlich richtig, Es gibt erdrückende Hinweise dafür, dass da noch was sein muss, aber was auch immer.
Franziska Konitzer Aber du wirst halt auch in diese Boxen dann recht eingesperrt. Das ist so, wie wenn man jetzt jemandem sagt, überleg dir doch mal eine Alternative. Also du kannst, du arbeitest ja nicht im forschlichen, im luftleeren Raum. Das ist das eine. Das andere ist, warum ich dir das erzählen wollte, ist, seit 50 Jahren eiert man jetzt um diese dunkle Materie rum.
Franziska Konitzer Richtig weitergekommen ist man noch nicht. Und das ist eine Geschichte, warum es so schwer ist. Weil es eigentlich auch darum geht, wie weise ich etwas nach, von dessen Eigenschaften ich nicht die geringste Ahnung habe. Oder wie weise ich etwas nach, was es vielleicht auch gar nicht gibt? Du kannst das nicht nachweisen. Nicht. Genau, aber deshalb.
Karl Urban Ja, auf jeden Fall sehr schön. Hast du denn auch Fragen für mich, sag mal?
Franziska Konitzer Ich hab Fragen für dich, aber hallo.
Karl Urban Okay, dann machen wir das mal, oder? Ich bin bereit.
Franziska Konitzer So, Frage Nummer eins. Ich glaub, das hab ich im letzten Folge auch schon gefragt, aber immer wieder schön. Warum brauchen wir die dunkle Materie? Oder so etwas wie die dunkle Materie?
Karl Urban Ähm, weil es Anzeichen dafür gibt, dass irgendwelche ... Dass die normale Materie bei Weitem nicht ausreicht, das Universum zu erklären. Willst du auch Beispiele oder reicht dir das?
Franziska Konitzer Das reicht mir vollkommen.
Karl Urban Gut.
Franziska Konitzer Frage Nummer zwei. Wo sollte sich die dunkle Materie in unserer Galaxie, der Milchstraße, befinden? Also wie ist sie verteilt?
Karl Urban Sie ist in so einer diffusen Wolke um das Zentrum der Milchstraße angeordnet.
Franziska Konitzer Ja, beziehungsweise die gesamte Milchstraße ist in dieser diffusen Wolke eingebettet.
Karl Urban Die ganze Wolke, okay. War das jetzt richtig oder falsch?
Franziska Konitzer Das war so halbrichtig.
Karl Urban Dann ist es falsch.
Franziska Konitzer Also, der Halo geht um die Galaxie rum, die Galaxie ist drinnen eingebettet, ansonsten funktioniert das nicht. Frage Nummer drei, was ist ein Wimp?
Karl Urban Ein postuliertes Elementarteilchen, das sehr schwer ist, aber eigentlich nicht wechselwirkt mit anderen Elementarteilchen. Richtig.
Franziska Konitzer Also, ob's ein Elementarteilchen ist, weiß man natürlich auch nicht, aber ich lass es gelten, solange du gesagt hast, vollkommen hypothetisch, was auch richtig ist. Frage Nummer vier. Was hat das DAMA-Experiment beobachtet oder behauptet seit einigen Jahrzehnten zu beobachten?
Karl Urban Das hat beobachtet, so über die Jahre, dass es ein, eine, blblblbl, dass es übers Jahr ein Effekt gibt, dass immer wenn die Erde mit der Sonne ums Zentrum der Galaxie, die kreist ja da quasi und, oh Mann, ich krieg das grad echt nicht gut rüber.
Franziska Konitzer Ich weiß, was du meinst und werte die Frage als richtig.
Karl Urban Ja, also ich muss es jetzt noch zu Ende bringen. Also, dass quasi es Zeit gibt übers Jahr, wo mehr von diesen postulierten Teilchen irgendwie die durch die Erde fliegen oder durch das Experiment fliegen und Zeiten gibt es wo es ein bisschen weniger ist. Genau. Juhu.
Franziska Konitzer Frage Nummer 5 und dann ist die letzte. ist die dunkle Materie inzwischen gefunden.
Karl Urban Nein.
Franziska Konitzer Ja, richtig.
Karl Urban Ta-da!
Franziska Konitzer Du hast es überstanden.
Karl Urban Dankeschön. Ah, das ist, äh, irgendwie ... Ich hab dir, glaub ich, schon gut zugehört, aber irgendwie das dann noch mal mit eigenen Worten zu machen, ist manchmal so eine Sache.
Franziska Konitzer Ist fies, gell? Ja, ist fies. Ich bin mir auch ziemlich sicher, es war die letzte Folge erst mal für eine Zeit, wo ich über irgendwelche Teilchen spreche. Es ist leider Gottes, bei der dunklen Materie mogelt man sich nicht drumrum. Das nächste Mal ist irgendwie, so weiß ich nicht.
Karl Urban Wolltest du nicht mal noch eine Folge über Sigsfeld machen? Auf gar keinen Fall.
Franziska Konitzer Das wird die April-Folge.
Karl Urban Zum 1. April.
Franziska Konitzer Die wird dann aus Vorspann meinem Kommentar ich weiß es immer noch nicht und Abspann bestehen. Das nennen wir dann Short und dann...
Karl Urban Genau. Sehr gut.
Franziska Konitzer Das wird den Podcast umbenennen. Das tut nicht Not.
Karl Urban Nein. Man muss auch nicht alles machen. Man muss aber nicht über jede Stöckchen springen.
Franziska Konitzer Wenn man tatsächlich von Mond aus geht, von dieser modifizierten Gravitation, dann wär dat ja quasi ein Feld. Also es wär ja ein Feld. Aber das Ding ist ja, dass die Teilchenphysik uns lehrt, dass Teilchen Felder sind und Felder sind Teilchen. Also wär's dann trotzdem wieder beides. Kann man sich auch fragen. Vielleicht ist dann einfach nur so ein fieser Phasenübergang.
Franziska Konitzer Also es wird auf einmal wild. Man kommt von Feldern und Teilchen leider Gottes auch heutzutage in der Astrophysik und in der Kosmologie nicht so wirklich los. Leider, leider. Aber ja. Aber ja.
Karl Urban Na gut, ich bin gespannt, was da noch kommt. Dann würde ich sagen, war's das?
Franziska Konitzer Das war's.
Karl Urban Dann war sie das, nämlich die 73. Ausgabe von Astrogeo. Wir danken allen, die unsere Arbeit unterstützen. Das sind die regelmäßigen AbonnentInnen der Riff Reporter. Die Riff Reporter sind eine Genossenschaft von über 100 freien und unabhängigen Journalistinnen und Journalisten, die zu vielen relevanten Themen arbeiten.
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