AstroGeo - Geschichten aus Astronomie und Geologie· Staffel 2· Folge 70

Mars-Musik: Eine klangliche Expedition

Donnerstag, 4. Mai 2023 · 52 min

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Shownotes

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„Im Weltall hört niemand dich schreien.“ Das stimmt natürlich nur, wenn entweder das Mikrofon im Helm kaputt ist oder man den Helm gleich ganz vergessen hat. Allerdings gibt es außer der Erde auch keinen anderen Himmelskörper im Sonnensystem, den Menschen ohne Helm betreten sollten. Schall gibt es trotzdem längst nicht nur bei uns. Definitiv nicht.

In dieser Folge von AstroGeo erklingen extraterrestrische Klänge. Karl erzählt von all den Versuchen, überhaupt Mikrofone auf fernen Welten zum Einsatz zu bringen. Die Venus und der Saturnmond Titan waren die ersten, auf denen dies gelang. Der häufig von Sonden besuchte Mars blieb überraschend lange unbelauscht. Das klappte erst mit dem neusten NASA-Rover Perseverance, dessen Mikrofone sogleich fantastische Geräusche aufnahmen. Die Marsforschung ist um einen Sinn reicher geworden.

Weiterlesen bei RiffReporter

• Sterne beobachten ohne Augenlicht: Zu Besuch bei einem blinden Hobby-Astronomen (riffreporter.de/de/wissen/blinderastronom)

• Perseverance: Landung auf dem Mars (riffreporter.de/de/wissen/mars-sonde-landung)

• Die größten Rätsel der Marsforschung (riffreporter.de/de/wissen/mars-perseverance-la…)

Weiterführende Links

• WP: Venera 13 (englisch) (en.wikipedia.org/wiki/Venera_13)

• WP: Venera 14 (englisch) (en.wikipedia.org/wiki/Venera_14)

• Youtube: Sounds from Venus from Venera Probes (youtube.com/watch?v=P3Ife6iBdsU)

• ESA: Sounds from Titan (esa.int/Science_Exploration/Space_Science/Cass…)

• Planetary Society: Mars Microphones (planetary.org/sci-tech/mars-microphones)

• WP: Mars Polar Lander (de.wikipedia.org/wiki/Mars_Polar_Lander)

• WP: Net Lander (englisch) (en.wikipedia.org/wiki/NetLander)

• WP: Phoenix (de.wikipedia.org/wiki/Phoenix_(Raumsonde))

• WP: Lander Schiaparelli (de.wikipedia.org/wiki/Schiaparelli_(Marslander))

• WP: Perseverance / Mars2020 (de.wikipedia.org/wiki/Mars_2020)

• WP: Curiosity (de.wikipedia.org/wiki/Curiosity_(Rover))

• NASA: SuperCam Instrument (englisch) (mars.nasa.gov/mars2020/spacecraft/instruments/…)

• WP: Dust Devils (englisch) (en.wikipedia.org/wiki/Martian_dust_devils)

• WP: Dragonfly (de.wikipedia.org/wiki/Dragonfly_(Sonde))

Quellen

• NASA: The Sounds from Mars (mars.nasa.gov/mars2020/participate/sounds)

• Fachartikel: Mimoun, D. et al.: The Mars Microphone Onboard SuperCam (2023) (doi.org/10.1007/s11214-022-00945-9)

• Fachartikel: Maurice, S. et al.: In situ recording of Mars soundscape (2022) (doi.org/10.1038/s41586-022-04679-0)

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Karl Urban Hallo, bevor es hier gleich losgeht mit der nächsten Folge von AstroGeo, zwei Hinweise. Zum einen abonniert doch unser Newsletter, den findet ihr unter www.weltraum.report. Da kriegt ihr ungefähr ein bis zweimal im Monat alles, was wir in diesem Podcast machen und noch ein paar andere Sachen, die bei den Weltraum-Reportern laufen.

Karl Urban Und eine zweite Sache noch, ich habe leider in dieser Folge einen kleinen Fehler hinterlassen, ist die NASA Mission Perseverance natürlich 2021 gelandet, also vor zwei Jahren und nicht 2020, wie hier behauptet. Also, abonniert die Newsletter, und jetzt geht's los.

Franziska Konitzer Touchdown. Hallo bei Astrogeo, dem Podcast der Weltraumreporter. Ich bin Franzi Konitzer.

Karl Urban Und ich bin Karl Urban.

Franziska Konitzer Und wir sind zwei Wissenschaftsjournalisten. Karl ist Geologe, der zu Studienzwecken ziemlich gerne den Kopf in den Sand steckt. Und ich bin Astrophysikerin, die den Überblick darüber verloren hat, wie viele verschiedenen Arten von Multiversen es theoretisch geben könnte.

Karl Urban Viele.

Franziska Konitzer Ja, aber wie viele? Auch in dieser Folge erzählen wir uns gegenseitig eine Geschichte, die uns entweder die Steine unseres kosmischen Vorgartens eingeflüstert haben oder die wir in den Tiefen und Untiefen des Universums aufgestöbert haben.

Karl Urban Genau. Und Franzi, weißt du noch, welche Geschichte aus unserem kosmischen Vorgarten ich dir beim letzten Mal erzählt habe?

Franziska Konitzer Ja, das war ein sehr nasser, irdischer Vorgarten. Nämlich, du hast mir die Geschichte erzählt von der Geologin Mary Tharp und wie sie die, erste Karte eigentlich mehr oder weniger des Ozeanbodens erstellt hat zwischen den USA und Europa und wie sie den Mid-Atlantic Ridge, das fällt mir als deutsches Wort nicht ein, entdeckt hat. die Erde quasi.

Franziska Konitzer Dass die beiden Platten da auseinander geschoben werden. Genau. Heiße Masse aus dem Erdmantel hervorquellt.

Karl Urban In Fachsprache könnte man sagen, sie hat die konstruktive Plattengrenze entdeckt. Wow. Genau. Es gab viel positives Feedback. Ich glaube, keine großen, groben Schnitzer, die jemandem aufgefallen wären. Mir ist aufgefallen, dass die Aussprache ihres Vornamens, sie wird ja mit IE geschrieben, und ich glaube, es müsste Marie heißen, nicht Mary.

Karl Urban Das ist mir hinterher noch aufgefallen. Aber ansonsten haben alle gerne zugehört, so wie ich das gesehen habe. Es gab noch eine Verständnisfrage zu der Folge, die ich davor gemacht habe, nämlich die Folge, wo es um den Beton ging und wie wir die Welt damit verändern und auch das Klima anheizten. Und da gab es zweimal die gleiche Verständnisfrage, also einmal von GZ 2015 und dann nochmal von Matthias.

Karl Urban Und ich paraphrasier das mal ganz grob, nämlich, das ist die Frage, ob gegossener und dann hart gewordener Beton nicht das CO2 aus der Atmosphäre wieder bindet, was bei der Entstehung im Zementwerk frei wird. Weil ich habe ja auch gesagt, im Beton entsteht ja dann auch wieder Calciumcarbonat, also Also eigentlich müsste das ja zurückkommen und somit eigentlich auch klimaneutral sein.

Karl Urban Und man müsste sogar ja eigentlich eine negative CO2-Bilanz hinbekommen, wenn man das CO2 aus Zementwerk irgendwie abtrennt und in die Erde pumpt, was ich ja auch erwähnt hatte. Und ihr zwei habt recht, es gibt auch tatsächlich immer wieder Firmen, die genau das behaupten, dass sie das machen. Es gibt dabei allerdings ein Problem, denn diese Karbonatisierung, so heißt dieser Prozess, der über lange Zeiträume Kalzium, Karbonat wieder erzeugt im Beton, das passiert nicht direkt beim Erstarren des Betons, sondern das braucht einfach, da gibt es so verschiedene chemische Zwischenschritte.

Karl Urban Manchmal gibt es auch eine Beschichtung des Betons, weil man auch gar nicht unbedingt immer will, für seine mechanischen Eigenschaften, dass diese Karbonatisierung zu schnell abläuft. Und real braucht es einfach mehrere Jahrzehnte tatsächlich, bis Beton vollkarbonatisiert ist, also wieder in Calciumkarbonat umgewandelt ist.

Karl Urban Und da die Betonproduktion der Menschheit immer noch jedes Jahr zunimmt, nach wie vor, steigen netto die CO2-Emissionen. Also das ist sozusagen nichts, was uns jetzt zur Erreichung des 1,5 Grad Celsius oder des zwei Graz jetzt irgendwas helfen würde.

Franziska Konitzer Aber rein theoretisch wäre es so, wenn ich jetzt morgen aufhören würde, Beton zu produzieren, dann könnte Beton als eine Art CO2-Senke sich entpuppen, auch wenn eine winzige und wahrscheinlich nicht sehr... Genau.

Karl Urban Ich meine, das CO2 wird in den Zementwerken frei. In dem Moment, wo wir die abschalten, klar, ist der Beton, der schon da ist, eine Senke. Aber es geht ja immer um die Gesamtbilanz letztlich. Das ist das Problem.

Franziska Konitzer Ja, nee, das ist sowieso das Problem. Aber Aber dass es überhaupt so funktioniert, finde ich tatsächlich faszinierend. Nicht, nicht, nicht, nicht, nicht, nicht irgendwie um dem Klima was Gutes zu tun, verstehen wir uns nicht falsch, aber dass es so der physikalische Prozess ist, finde ich sehr cool.

Karl Urban Ja. Krass. Ja genau, also das war noch ein gutes Feedback. Das Thema ist, wie sehr viele der Themen, die wir hier behandeln, natürlich immer komplex. Man kann immer nicht alles erwähnen. Aber genau, das war auf jeden Fall ein wichtiger Punkt. Und wie gesagt, es gibt Startups, die genau das versprechen.

Karl Urban Und da muss man halt schon sehr genau hingucken, was mit dem Beton dann hinterher passiert und in welchen Zeiträumen der das CO2 wieder aufnimmt.

Franziska Konitzer Ja, nicht, dass es hinterher so als Geschichte in Pupp wie, lass uns Bäume pflanzen gegen den Klimawandel, was ja null funktioniert. Aber gut, damit sind wir heute bei Ausgabe 70 angelangt und dann bist du dran, mir eine Geschichte zu erzählen, Karl. Richtig?

Karl Urban Genau.

Franziska Konitzer Also.

Karl Urban So, Franzi, und heute möchte ich mit einer Frage beginnen. Warum glaubst du, klinge ich gerade so komisch?

Franziska Konitzer Weil du eine Aufnahme abgespielt hast.

Karl Urban Ja, eine Aufnahme, in der ich komisch klinge? Nein, du musst die Frage noch nicht beantworten. Wir müssen heute über ein Thema reden, was mir richtig am Herzen liegt und ich weiß aus sicherer Quelle, es ist bei dir genauso. Wir müssen über Geräusche auf anderen Himmelskörpern reden.

Franziska Konitzer Ah!

Karl Urban Und speziell will ich mich endlich mal dem Thema des Schalls, also der Schall auf dem Mars, darüber möchte ich sprechen.

Franziska Konitzer Also war das jetzt eben Karl Azmars Männchen?

Karl Urban Ja, ich war ein Marsmännchen. Ich erkläre gleich, wie es zu dieser Aufnahme gekommen ist. Bevor wir einsteigen, spiele ich dir noch ein paar andere Aufnahmen vor, damit du mir glaubst, dass ich dich nicht reingelegt habe und einfach nur das eingebauten Mikro in einem Notebook von der Z95 verwendet habe oder so.

Karl Urban So klang es ja so ein bisschen. Ich spiele dir jetzt mal noch eine andere Aufnahme vor. Das ist jetzt eine, die ist auf der Erde erstmal aufgenommen. Also eine ganz stinknormale Fahrradklingel, ein bisschen Verkehrsrauschen im Hintergrund und das ist eines der Beispiele, dass die NASA auf ihrer Webseite Sounds from Mars hochgeladen hat.

Karl Urban Nicht etwa, um zu zeigen, dass es intelligentes Leben mit Fahrradklingeln auf dem Mars gibt, nein, sondern um den Klang des Schalts auf dem Mars zu illustrieren. Wenn wir auf dem Mars wären und mal kurz unseren Astronautenhelm abnehmen würden, dann wären wir tot, aber ja, nicht sofort, also du kannst ja die Luft anhalten, das braucht schon ein, zwei Minuten bis du tot bist und so lange kannst du ganz entspannt lauschen, wie diese Fahrradklingel dort klingen würde.

Franziska Konitzer Was ist denn dieses Rauschen im Hintergrund, dieses Brummen?

Karl Urban Genau, kommen wir gleich zu.

Franziska Konitzer Oh, Verzeihung.

Karl Urban Kein Problem.

Franziska Konitzer Ich klinge auf jeden Fall leiser und dumpfer.

Karl Urban Leiser und dumpfer, genau. Ich mache jetzt noch ein weiteres Beispiel. Nochmal eins von der Erde.

Franziska Konitzer Das sind aber keine heimischen Vögel hier vor Deutschland.

Karl Urban Nee, aber auch keine marzianischen. Und jetzt die marzianischen Vögel, also die gleiche Aufnahme, wie sie auf dem Mars klingen würde. Man hört es ja eigentlich gar nicht mehr, ne?

Franziska Konitzer Filtert der Mars die hochfrequenten Sachen einfach raus? Bzw. Kann ich das nicht so weit fortpflanzen wegen der dünnen Atmosphäre oder so?

Karl Urban Es gibt ein paar Unterschiede. Du hast eigentlich alles gesagt schon. Die Fahrradklingel ist quasi fast weg. Das dumpfe Brummen ist fast lauter, was wahrscheinlich von den Autos oder diesem allgemeinen Stadtlärm kommt. Die hohen Vögelstimmen sind weg. Es rauscht und es klingt auch alles irgendwie dumpf. Also das, was man noch hört, diese Fahrradklingel, die man noch hört, ist auch irgendwie deutlich dumpfer. Genau. Was du da gerade gehört hast, das waren Modellierungen.

Karl Urban Also jemand hat sich ein Modell der Marsatmosphäre gebastelt, hat sich überlegt, wie der Schall sich dort ausbreitet und einfach berechnet, was von diesen irdischen Geräuschen ankommen würde bei einem Empfänger oder beim Mikrofon auf dem Mars. Und bis vor ganz wenigen Jahren ist es für uns auf der Erde nicht möglich gewesen herauszufinden, ob das stimmt.

Karl Urban Also ob die Geräusche auf dem wirklich so klingen würden oder was man auf dem Mars hört, weil schlicht kein Mikrofon auf dem Mars gelandet war.

Franziska Konitzer Bis Perseverance dann gelandet ist, oder?

Karl Urban Genau, also bis 2020. Ich würde aber trotzdem ein bisschen zurückgehen und durch die Raumfahrtgeschichte kurz gehen und auch einfach erzählen, woran das liegt, weil es ist ja schon ein bisschen verblüffend. Wir machen jetzt Marsforschung seit vier Jahrzehnten und es müsste ja eigentlich Ist eigentlich voll naheliegend, dass da irgendjemand auf ein Mikro reinliegt.

Franziska Konitzer Ich meine die Radio, also ich meine Aufnahmetechnik ist ja auch so viel älter als, wir machen eine Videokamera mit oder irgendwie sowas.

Karl Urban Genau, und das ist auch witzig, weil es gibt ja noch einen anderen Nachbarplaneten der Erde und tatsächlich war die Venus der erste Planet, auf dem ein Mikrofon betrieben wurde und zwar die Venera 13 und 14 Mission der Sowjetunion im Jahr 1982, da war ich minus zwei Jahre alt, haben das erste Mikrofon mitgeführt und auch angeschaltet und es gibt Aufnahmen davon, die haben funktioniert.

Karl Urban Die Sounds spiel ich dir jetzt nicht vor, findet man aber. Kann ich auch in die Show Notes packen. Ich fand sie jetzt nicht so sonderlich spezifisch. Man hört vor allem das Rauschen des Eintritts in die dichte Venus-Atmosphäre. Und dann noch so ein nerviges Dröhnen, was tatsächlich, es klingt ein bisschen nach Zahnarzt.

Karl Urban Und es ist tatsächlich so ein Bohrer, den diese Landesonde dabei hatte. Und genau, das Fahrtwind klingt dann auch irgendwie überall gleich. Also fand ich jetzt nicht so richtig spannend. ich es mal rausgelassen. Es gibt noch eine andere Fahrtwind- oder Flugwindaufnahme, nämlich von 2005. Hast du eine Idee, welche das sein könnte? Von einem anderen Himmelskörper?

Franziska Konitzer 2005 habe ich gerade Abi gemacht. Ich glaube, da war mir alles andere egal. Von daher nein, habe ich nicht. War ein anderer Himmelskörper. Der Mond? Aber der hat ja auch keine Atmosphäre. Aber der Mond ist so nahe liegen.

Karl Urban Ein Himmelskörper im Sonnensystem mit Atmosphäre, Der kommt nur noch neben dem Mars.

Franziska Konitzer Jupiter, Saturn.

Karl Urban Genau, ein Gasriese ist es nicht. Es ist Titan.

Franziska Konitzer Ah!

Karl Urban Genau, 2005 ist Huygens, das europäische Beiboot der Cassini-Mission, auf dem Titan gelandet. Und auch da rauscht's ganz schrecklich. Da hört man auch überhaupt gar keine Unterschiede. Da ist noch nicht mal irgendein Bohrer mit im Spiel. Und tatsächlich hat man sich damals erhofft, so ein Donnergrollen eines Gewitters auf dem Titan aufzunehmen, hat aber leider nicht geklappt.

Franziska Konitzer Gibt es auf dem Titan überhaupt Gewitter?

Karl Urban Ja, das ist eine, ich weiß gar nicht, ob die Frage hundertprozentig beantwortet ist, aber man weiß, es gibt sowas wie Niederschläge. Also da regnet, glaube ich, Methan, flüssiges Methan nieder und es ist zumindest nicht ausgeschlossen. Ja und das ist ja auch so, man packt ein Instrument auf eine Raumsonde, um halt auch Dinge zu messen, die man einfach noch nicht weiß.

Karl Urban Da gibt es die known unknowns und die unknown unknowns und Schall ist da einfach ein Medium, was man natürlich nutzen kann. Und deswegen kommen wir jetzt mal zum Mars, wo das ja eigentlich offensichtlich ist. Ich hatte ja anfänglich gesagt, dass wir ganz lange schlicht kein Mikrofon auf dem Mars hatten. Das stimmt so nicht ganz.

Karl Urban Es ist so, dass wir kein funktionierendes Mikrofon auf dem Mars hatten, denn mit den Mikrofonen, die zum Mars fliegen, ist es wie mit den Raumsonden, die zum Mars geschickt wurden, es ging leider relativ viel schief. Und dazu kommt noch was, für Wissenschaftler waren Mikrofone nie so interessant wie Kameras, Greifarme, Bohrer, Massenspektrometer, was auch immer und deswegen waren die ganzen frühen Mars-Länder tatsächlich mikrolos.

Karl Urban In den 90er Jahren dachten ein paar Enthusiasten der Planetary Society, also von diesem großen Raumfahrtverein in den USA, wir ändern das jetzt. Und die haben tatsächlich Spenden gesammelt für ein Mars-Mikrofon und haben auch die NASA dann überzeugt, das auf ihrer nächsten Mission mitzunehmen. Und die Mission ist auch gestartet, sie ist zum Mars geflogen.

Karl Urban Und dann ist sie, ich zitiere mal sinngemäß die Untersuchungskommission, die sich dann hinterher mit dem Vorfall befasst hat. Diese Raumsonde ist dann abgestürzt, weil eine Vibration am Landebein während des Flugs durch die Atmosphäre zu einem verfrühten Abschalten der Bremstriebwerke geführt hat. Diese Mission hieß nämlich Mars Polar Lander und sie ist 1999 vermutlich ungespitzt in den Boden gerammt worden, immerhin mit einem Mikrofon an Bord, das dann aber genauso kaputt wurde wie der Rest der Sonde.

Franziska Konitzer Wiener hat es immer auf Englisch mit Raketen nicht, Unscheduled Disassembly.

Karl Urban Genau, war nicht vorher bestimmt so. Die Planetary Society war aber dann trotzdem irgendwie erfolgreich, denn sie hatten so viel Wirbel um dieses Mars-Mikrofon gemacht, dass sich das Centre National d'Etudes Spatial, also die französische Raumfahrtbehörde CNES, bereit erklärte ein Mikrofon auf ihrer damals geplanten Raumsonde zum Mars mitzunehmen.

Karl Urban Und dieses Mikrofon sollte auf der Mission namens Netländer fliegen, die die Franzosen in den 2000er Jahren gemeinsam mit der ESA entwickelt haben. Und falls du bis heute nichts von Netländer gehört hast, liegt das daran, dass Netländer aus Kostengründen noch vor dem Start eingestampft worden ist. Wäre tatsächlich eine sehr schöne Mission gewesen, weil die wollten an vier verschiedenen Orten mit sehr kleinen Raumsonden landen und dann auch so geophysikalische Messungen Erdbeben vermessen und so weiter, also richtig so ein seismisches Messnetzwerk.

Karl Urban Das ist ja auch eine Art von Schallwelle, auf die gehe ich heute nicht ein, aber das wäre eine sehr schöne Mission geworden. Aber zurück zu den Mikrofonen, wenn das jetzt alles noch nicht traurig genug war, es gab ja auch schon eine Mission mit einem Mikrofon an Bord, die erfolgreich gelandet ist und funktioniert hat.

Karl Urban Nämlich war das die Phoenix-Raumsonde, die 2008 auf dem Mars gelandet ist, von der NASA. Die war auch so eine Art verbesserte Nachfolge des abgestürzten Polar-Länders, deswegen hat man viele Instrumente übernommen, inklusive des Mikrofons. Allerdings war dieses Mikrofon von Phoenix nur dafür ausgelegt, während der Landung Tonaufnahmen zu machen. Flugwind. Und du ahnst es vielleicht, was jetzt kommt.

Karl Urban Die Ingenieure wollten es am Ende nicht einschalten, um die Datenleitung für die Flughardware während der Landung freizuhalten. Und auf der Oberfläche hatte Phoenix dann ganz andere Sachen zu messen, war ja auch sehr erfolgreich, hat dieses salzhaltige, flüssige Wasser nachgewiesen. Ganz am Ende der Mission haben die ForscherInnen dann gedacht, hey, wir könnten doch aus Spaß dieses tolle Mikrofon, was wir dabei haben, einfach noch mal anschalten und jetzt zitiere ich kurz auf einem Paper, was dann passiert ist.

Karl Urban One attempt was made to operate it on the surface near the end of the mission, but this was not successful due to a commanding error.

Franziska Konitzer Ach komm schon.

Karl Urban Also irgendwie haben sie da die Software nicht im Griff gehabt oder es war schlecht programmiert, man weiß es nicht. Das Mikrofon ließ sich auf jeden Fall nicht anschalten. Am Ende der Mission, das war halt schon recht am Ende, war es dann leider auch zu kalt und dunkel und Phoenix starb den marsianischen Kältetod und wieder gab es keine Tonaufnahmen.

Karl Urban Es ist also wirklich schwierig, ein Mikrofon auf dem Mars zu betreiben?

Franziska Konitzer Naja, eigentlich nicht. Man muss nur wollen und den Länder offensichtlich richtig lenden.

Karl Urban Ja, genau. Und ich bin auch noch nicht fertig in meiner kleinen Geschichte der Mars-Mikrofone.

Franziska Konitzer Geil, Pleiten, Pech und Pfand, finde ich großartig.

Karl Urban 2016 haben die ESA und die russische Raumfahrtagentur aus Kosmos versucht ihren Länderskaparelli auf dem Mars zu landen. Ja gut. Rammte ja bekanntlich eher ungespitzt in den Boden. Dabei kam allerdings ausnahmsweise kein Mikrofon zu Schaden, obwohl das hätte sein können.

Franziska Konitzer Ach, weil gar keins dabei war?

Karl Urban Tatsächlich war es lange geplant ein Mikrofon auf Skaparali zu installieren, um nach atmosphärischen Strömungen zu lauschen oder dem Transport von Sandkörnern im Wind. Und im Laufe der Planung gab es aber auf der ESA Seite Bedenken, ob diese wissenschaftlichen Ergebnisse wirklich so relevant und spannend wären.

Karl Urban Und man hat dann noch vor dem Start das Instrument gestrichen, was uns natürlich nicht wahnsinnig traurig machen muss, weil ich sowieso bei der Landung kaputt gegangen wäre. Eben. Ja und bevor ich jetzt zum bis jetzt einzigen erfolgreichen Mars-Mikrofon komme, wollte ich noch mal kurz erzählen, was die Akustik der Mars-Atmosphäre bis dahin auch zu einem kontroversen Thema gemacht hat und was auch so ein bisschen diese wissenschaftlichen Bedenken, was die Relevanz angeht, begründet.

Karl Urban Eine kritische Frage ist, wie kann sich der Schall überhaupt ausbreiten bei einem Druck, der ja nur bei einem Hundertstel von dem der Erdatmosphäre liegt? Und das ist ziemlich schwer zu simulieren tatsächlich, also praktisch zu simulieren. Man bräuchte relativ große Vakuumkammern. Also man kann natürlich schon, es gibt große Vakuumkammern, wo man diesen Druck herstellen kann natürlich.

Karl Urban Aber Schallausbreitung braucht ja auch Raum. Und das ist halt die Frage. Und dann gibt es auch in der in der Kammer natürlich Reflexionen. Also es ist es ist nicht so so einfach, da die die Reflexionen dann von der Ausbreitung zu trennen und dann zu sagen Okay, ja, wie weit bewegt sich der Schall dann wirklich auf dem Maß? Vielleicht auch über über Meter, über hunderte Meter, über Kilometer?

Karl Urban Das ist in der Kammer eigentlich nicht so richtig möglich. Und deswegen gab es noch vor wenigen Jahren Forscher, die auch einfach argumentiert haben, ein Mikrofon würde auf dem Mars einfach gar nichts aufnehmen. Es wäre einfach still. Dazu kommen dann noch auf dem Mars so merkwürdige verzerrende Effekte, die man vorher gesagt hat, aber die auch nicht ganz klar zu verifizieren waren.

Karl Urban Denn die Atmosphäre des Mars besteht ja vor allen Dingen aus Kohlendioxid. Und weil Schallwellen ja letztlich auch die Luftmoleküle zum Schwingen bringen, nicht nur die Moleküle bewegen sich hier und her, sondern auch in sich werden sie zum Schwingen angeregt. Und deswegen sind auch diese mechanischen, mikromechanischen Eigenschaften des CO2-Moleküls entscheidend für die Schallausbreitung.

Karl Urban Und deswegen war auch schon vorhergesagt worden, dass ich Frequenzen über 10 Kiloherz, das ist so ein Ton, also wenn ich jetzt möglichst hoch versuche zu singen, so die Grenze meiner Stimme, dass da irgendwo liegen 10 Kiloherz, ich mach's jetzt nicht vor, aber es ist jetzt bei weitem noch nicht das obere.

Franziska Konitzer So ein Whitney Houston Song.

Karl Urban Ja, also die ist glaube ich definitiv drüber, Whitney Houston, würde ich sagen.

Franziska Konitzer I will always. Ja, hopp.

Karl Urban Ja, genau. Irgendwo da. Aber wir können deutlich höher hören. Aber in diesem Bereich, also es gibt einen relativ großen Bereich da über 10 Kilohertz, wo sich der Schall wahrscheinlich wirklich tatsächlich nicht ausbreiten kann auf dem Mars. So jedenfalls die Vorhersage. Dazu kommt die Schallgeschwindigkeit ist wegen der dünneren Luft auch einfach ungefähr ein Drittel langsamer als auf der Erde.

Karl Urban Es ist sogar noch verrückter. Es gab auch die Vorhersage, die Schallgeschwindigkeit ist stark frequenzabhängig. Also es gibt einen Bereich relativ hoher Töne, die aber von uns noch hörbar wären, die sich langsamer ausbreiten als tiefe Töne. Das bedeutet, wenn du auf ein Konzert auf dem Mars gehen würdest, kommen die hohen Töne schneller als die tiefen Töne.

Karl Urban Das würde bedeuten, wenn du auf ein Konzert gehst, dass ihre Töne um ein paar Millisekunden aus dem Takt kommen. Gemessen zum Bassbeat zum Beispiel, der darunter liegt.

Franziska Konitzer Das stellt mich super anstrengend vor, dazu zu hören.

Karl Urban Ja, es wäre wahrscheinlich kein so großer Genuss, mal abgesehen davon, dass du deinen Raumanzughelm abnehmen müsstest. Wobei, es betrifft dich ja dann trotzdem, weil auch das Mikrofon in deinem Raumanzug irgendwie auf das Medium Maßluft angewiesen ist. Genau. Ja, also auch mit Helm hast du das Problem.

Karl Urban Es sei denn, man überträgt den Schall einfach über Funk, dann hat man das Problem gelöst.

Franziska Konitzer Das ist ja Schummeln. Das zählt nicht. Das ist Schummeln. Nee, jetzt Luft anhalten und dann noch ordentlich verstrahlt werden und schön mal mit den eigenen Lauschern. Genau.

Karl Urban Aber das wie gesagt, waren alles Vermutungen und Prognosen und Modelle letztlich und bis zum 18. Februar 2020 nicht experimentell bestätigt. Und da an diesem Tag ist ja, wie du schon erwähnt hast, oder du hast die Mission erwähnt, Perseverance im Jezero-Krater gelandet. Dieser Rover ist ja nicht nur der erste Rover mit einem laserinduzierten Plasmaspektrometer und einem flugfähigen Helikopter an Bord, sondern eben auch die erste Mission mit Mikrofonen an Bord.

Karl Urban Genau. Und du hast richtig, es ist nicht nur eins, es sind sogar zwei Mikrofone.

Franziska Konitzer Sag nochmal, laserinduziertes Plasmaspektrometer.

Karl Urban Ja, das wird gleich noch eine Rolle spielen. Das hat nämlich was mit den Mikrofonen zu tun, tatsächlich. Aber vielleicht fragst du dich auch als erstes, wie konnte das passieren, dass da jetzt ein Mikrofon auf dem Mars gelandet wurde und das nicht schief gelaufen ist?

Franziska Konitzer Ja gut, Perseverance war auf dem Bauprinzip von Curiosity basiert und ich dachte, gut, also wenn die das hingekriegt haben, dann Perseverance. Wird schon klappen. Wobei ich auch trotzdem ordentlich nervös war, als ich die Landung angeschaut habe und auch journalistisch begleitet habe. Da war ich so so, oh mein Gott, wenn das Ding jetzt zum Bruch geht, dann… Ja, genau.

Karl Urban Also das ist die erste Frage. Die NASA kann roh war landen, das haben sie jetzt gezeigt, die letzten 20 Jahre. Auf dem Mars, ja. Ja, auf dem Mars. Die Frage ist, warum zum Henker ist da überhaupt dieses Mikrofon und warum wurde es auch noch angeschaltet?

Franziska Konitzer Also meine Antwort auf alles, warum, lautet ja immer, warum nicht? Warum nicht? Also wenn sie schon genug Platz hatten, einen Helikopter mitzunehmen, dann kann man auch ein Mikro reinbauen.

Karl Urban Das ist auch ein guter Grund. Tatsächlich haben die Forscher aber einen Trick anwenden müssen, um so weit zu kommen.

Experte Das ist etwas, das wir schon lange anstreben haben in unserem Team hier. Das ist das Team der Planetary Applications Systems hier in der ISA. Und das ist etwas, was wir tun wollten, aber es ist sehr schwierig, um Spaßagenten zu um ein Mikrofon zu nehmen, nur um die Geräusche von Mars zu hören. Und die Grund, warum es an Bord Perseverance gewählt wurde, war, um die SuperCam-Investigationen zu unterstützen.

Experte Aber natürlich gibt es auch so viele Atmosphärische Wissenschaftsausgaben.

Karl Urban Genau, das ist Naomi Murdoch vom Institut Supérieur de L'Aéronautique et de l'ESPACE in Toulouse. Sie selber kommt nicht aus Frankreich, wie man hört. Sie ist aber tatsächlich an diesem Mikrofonexperiment beteiligt, was auch in Frankreich entwickelt und gebaut wurde. Und sie erzählt, dass es tatsächlich immer noch schwierig ist, Raumfahrtagenturen von Mikrofonen als wissenschaftliche Instrumente zu überzeugen.

Karl Urban Und deshalb haben sie sich einfach an ein anderes Instrument rangehängt. Und dieses Instrument ist eben das laserinduzierte Plasmaspektrometer, das ich schon erwähnt habe. Mit dem schönen Namen SuperCam. Und diese SuperCam ist eigentlich ein ziemlich komplexes Instrument, das aus einem Laser besteht, der in einer Entfernung von bis zu 12 Metern vom Rover ein winziges Stückchen Marsgestein verdampft und die Emissionen, also die elektromagnetischen Emissionen, dann mit drei verschiedenen Spektrometern untersucht, unter anderem um die Zusammensetzung des Marsgesteins an dieser Stelle herauszufinden.

Karl Urban Und der Trick der Forscher bestand jetzt darin zu sagen, wenn ihr mit diesem recht starken Wenn ein Laser ein Gestein verdampft, gibt es eine Druckwelle, die vom Gestein rausgeht. Diese Druckwelle ist unterschiedlich stark, bzw. der Ton ist unterschiedlich laut, also die Amplitude des Signals ist unterschiedlich, je nachdem, wie hart dieses Gestein ist.

Karl Urban Das sind ungefähr die Geräusche, die entstehen, wenn ich jetzt auf den Tisch klopfe oder wenn ich in die Hände klatsche. Das sind unterschiedliche Tonhöhen, die da erzeugt werden. und weil meine Hände einfach weicher sind, verändert das schon den Ton. Und auf dem Maß klingt das Ganze dann folgendermaßen.

Franziska Konitzer Das ist verdampfender Stein?

Karl Urban Das ist der Laser, das sind so Pulse und das ist dieses Klacken, wenn ich das richtig verstehe, ist das verdampfende Gestein. Möglicherweise gibt es auch noch Mechanik in dem Instrument, die man auch noch hört, das weiß ich jetzt nicht hundertprozentig. Es kann beides zusammenhängen. In dem Rohweisschall breitet sich ja der Schall auch aus. Und das ist ja auch so ein Körperschall in einem festen Körper, der dann vielleicht auch noch lauter ist.

Franziska Konitzer Ja, das ist wie beim Zahnarzt, wenn sie das Gerät auspacken und dann immer sagen, sie können auch Musik dabei hören. Und ich so, das bringt mir aber nichts, weil ich höre es ja von innen. Also ja, wollte ich nur. Also wie Körperschall, wie beim Zahnarzt, nur auf dem Maß mit Gestein.

Karl Urban Und dadurch, dass man quasi die Härte bestimmen kann, ist es so ein bisschen wie wenn ich meinen Geologenhammer dabei habe und an einem Gestein kratze, Um zu sehen, ob das jetzt zum Beispiel härter oder weicher als Stahl ist. Und es ist aber sogar eine absolutere Aussage, wenn man das richtig kalibriert, am Ende ein ganzes Spektrum an Härte quasi bestimmen kann, wo sich das Gestein befindet.

Franziska Konitzer Trotzdem finde ich, ist es ja irgendwie so ein Beispiel dafür, wenn man Menschen fragt, warum sollten wir überhaupt Menschen zum Mars schicken, dann ist die Antwort, die immer, es würde schneller gehen. Also eine Woche Forschung für den Menschen ist halt zwei Jahre für einen Rover und das klingt nach einem Dings. Also es ist ja super aufwendig.

Franziska Konitzer Laserinduziertes Plasmaspektrometer plus Mikro oder ein Mensch mit Geologenhammer. Zack. Ja, also.

Karl Urban Ja, genau. Ist ja auch eine tolle Mission. Das ist eine große Frage. Müssen wir glaube ich heute nicht reingehen. Auf jeden Fall.

Franziska Konitzer Das wäre eine eigene Folge, denke ich, aber das wäre jetzt mal ein konkretes Beispiel. Was würde wahrscheinlich mit einem Menschen schneller gehen?

Karl Urban Möglicherweise, genau. Auf jeden Fall waren Menschen beteiligt, dieses Mikrofon auf den Mars zu bringen und mit einem sozialen Trick quasi, dass man hier sagt, ihr braucht uns, ihr von dem anderen, viel mehr Hightech-Instrument und dieser Trick hat auf jeden Fall geklappt. Und wenn man schon ein Mikrofon da hat, kann man ja dann auch noch andere Sachen messen.

Karl Urban Und Franzi, ich wollte dich mal fragen, was würdest du denn mit einem Mikrofon auf dem Mars gerne hören wollen?

Franziska Konitzer Also meine Antwort als Journalistin lautet erstmal ein bisschen Atmo aufnehmen.

Karl Urban Sehr gut.

Franziska Konitzer Ich würde einfach anschalten, laufen lassen und dann würde ich nach ein paar Stunden mal gucken, was man da alles hört. Und dann würde ich mir überlegen, ob es sicher wäre, es während eines Marssturms anzuschalten. Aber während des Marssturms hätte wahrscheinlich auch Perseverance recht wenig Strom, weil da dann keine Sonne und ja, also ein Marssturm, wie das klingen würde, wobei ich mir es dann schwierig vorstellen, eben wegen der Energieversorgung.

Franziska Konitzer Aber vielleicht gibt es auch so eine Batterie.

Karl Urban Achso, du meinst, weil während des Marssturms die Sonne nicht scheint?

Franziska Konitzer Ja, oder? Ich meine, wenn das Ding in so einem Sturm drin steht, dann würde es ja die Solarpaneele… Perseverance hat ja eine Radionukleid-Batterie, insofern… Genau, aber da war ich eben nicht, ob das Mikro so eine hohe Prio hätte, dass man sagt, wow, geil, lasst uns diese Batterie anzapfen, um mal hinzuhören.

Franziska Konitzer Wobei das fände ich tatsächlich am spannendsten. Wie klingt ein Marssturm? Wahrscheinlich voll enttäuschend. Das war Das war ja auch damals der eine Kritikpunkt beim Film der Marsianer, dass sie sagen, der Marssturm ist überhaupt nicht realistisch dargestellt.

Karl Urban Ja, das ist die Einstiegsszene. Ich hab das hier auch noch als Beispiel. Das ist, glaube ich, kein Spoiler, wenn man den Einstieg eines Films erzählt. Das ist nicht so schlimm. Aber letztlich geht es darum, es ist eine astronautische Mission auf dem Mars mit mehreren Mitgliedern. Und sie müssen ganz schnell starten, weil ein schwerer Sturm passiert. Und das wirkt halt echt wie ein Hurricane.

Karl Urban Irgendwie wo man denkt, jetzt fliegen gleich LKWs und Kühe durch die Luft oder was auch immer auf dem Mars dann hochgehoben wird. Genau, also Atmosphäre, Luftströmungen. Es gibt ja diese Dust Devils, also diese kleinen Wirbelstürme, Stürme, die man ja auch schon oft mit Rovern wahrgenommen hat. Windtransport, solche Sachen wollte man sich auf jeden Fall angucken.

Karl Urban Da können wir mal anfangen. Fangen wir mit dem Wind an. Tatsächlich wird das Wetter auf dem Mars ja schon von vielen Mars-Sorten vermessen oder wurde auch schon von vielen vermessen. Perseverance hat genauso wie Curiosity so eine kleine Wetterstation an Bord und da ist auch ein Windsensor schon drin. Also eigentlich müsste man sagen, da braucht man das Mikrofon nicht.

Karl Urban Aber dieser Windsensor ist ein...

Franziska Konitzer Das ist so immer die Antwort, ja wir wissen ja eigentlich schon wie es ist, deshalb muss man nicht mehr hinkommen.

Karl Urban Ja, aber hier haben die Mikrofonleute tatsächlich ein gutes Argument, warum das Mikrofon ein ergänzender Sensor ist, weil diese Wetterstation hat einen kapazitiven Sensor, also der reagiert letztlich auf Druckveränderungen mit so einem kleinen Kondensator und der ist relativ träge, also der sieht vielleicht eine Windböe oder so, wenn sich über mehrere Tage auch der Luftdruck verändert oder der Wind abnimmt und zunimmt, aber so ganz kleinräumige und kurzzeitige Schwankungen sieht er nicht.

Karl Urban Und diese kleinräumigen und kurzzeitigen Schwankungen sind aber auf dem Mars vermutlich sehr wichtig. Und weil es auch Vermutungen gibt, dass die akustischen Eigenschaften der Marsatmosphäre sich in sehr kurzer Zeit verändern können im Zusammenhang mit diesen Schwankungen. Weil die Atmosphäre so dünn ist und auch relativ kalt, aber man ja trotzdem auch Sonneneinstrahlung hat.

Karl Urban Und es gibt ja auch so Prozesse wie diese globalen Staubstürme, die sich alle paar Jahre entwickeln, die man auch nach wie vor nicht ganz versteht, wie das passiert, dass ganze Planet am Ende umwölkt ist von Staub. Und die Vermutung ist, dass da halt auch so energetische Austauschprozesse, aber auch über Wind quasi übermittelte Austauschprozesse im Bereich von Sekundenbruchteilen eine Rolle spielen.

Karl Urban Also letztlich Turbulenzprozesse im Austausch von Atmosphäre und Boden. Und sowas kann man tatsächlich mit einem Mikrofon.

Experte Ja, also die Weatherstation-Instrumente sind da und sie werden klar identifizieren können, dass ein Vortex überwiesen ist. Wir brauchen den Metapressure-Sensor, um das zu machen. Aber wieder einmal kommt das Mikrofon mit einer wirklich, wirklich hohen Samplingrate, das bedeutet, dass diese Vortexe manchmal ziemlich schnell überwiesen werden.

Experte Wir haben die Zeitresolution, um die Details des Verhalts zu lösen, die sich während eines Dusk Devil-Encounters ergeben.

Karl Urban Das war letztlich die große Hoffnung, so ein Dust Devil kommt vorbei und man kann ihn messen und man wird, wie sie gesagt hat, Naomi Murdoch, man wird diesen Dust Devil wahrscheinlich auch nachweisen müssen über diese Wetterstation, aber dann mit sehr hoher Abtastrate kann man quasi dann mit dem Mikrofon diese Messung noch erweitern.

Karl Urban Und das war die Hoffnung. Tatsächlich ist es fast direkt passiert. Ein Dust Devil ist direkt über Perseverance gestreift. Und zwar schon am 15. Maastag nach der Landung.

Franziska Konitzer Wie lief denn da das Mikro gerade?

Karl Urban Sie haben es auch geschafft, das Mikro da gerade anzuhaben. Oder es war Zufall, das weiß ich gar nicht genau. Ich würde dir das auch gerne vorspielen. Aber ich sag schon mal direkt, also mit der Einstiegsszene von Der Marsianer hat das leider nichts zu tun. Das war's schon.

Franziska Konitzer Das klingt halt eher nach lauerem Lüftchen.

Karl Urban Ja, ja, angehaucht. Ich finde es auch krass, dass diese Dinger halt Dust Devils heißen. Das klingt halt schon so nach so. Wir werden alle sterben. Ja, man hat Dust Devils gesehen. Perseverance ist ja mittlerweile. Bald drei Jahre auf dem Mars unterwegs.

Franziska Konitzer Das ist schon wieder so lange her.

Karl Urban Ja, es ist unglaublich. Das Mikrofon wird tatsächlich relativ häufig angeschaltet. Also definitiv eine positive Entwicklung. Man verwendet es natürlich zusammen mit dem Laser von der SuperCam, aber auch, wenn andere Instrumente mit mechanischen Teilen betrieben werden. Zum Beispiel gibt es dieses Experiment, was aus der Marsluft Sauerstoff gewinnt, was man ja testen will, um in Zukunft menschliche Besiedlungen quasi oder Missionen zu unterstützen, Sauerstoff zu gewinnen. Und da gibt es auch irgendwelche mechanischen Teile drin.

Karl Urban Das kann man innerhalb des Rovers quasi aufnehmen und gucken, oder hören, ob das Instrument richtig funktioniert. Was man auch macht, das ist quasi der zweithäufigste Einsatz des Mikrofons, Das was du als Atmoaufnehmen bezeichnest. Die Forscher sagen Passive Atmospheric Recording dazu.

Franziska Konitzer Achso, das sage ich das nächste Mal. Moment, das schreibe ich mir sofort auf.

Karl Urban Kommt nicht im Quiz, aber genau. Also man horcht einfach, was zu verschiedenen Tag- und Nachtzeiten passiert. Es gibt richtig so eine Tabelle in so einem Paper, da sieht man, es ist sehr breit verteilt über die Zeit. Man horcht auch zu verschiedenen Jahreszeiten und wenn ja, was ist da los? Tatsächlich ist es eine ganz interessante Frage, was auf dem Mars Geräusche überhaupt verursachen kann. Also was kann man aufnehmen? Gibt es irgendeinen Lärm auf dem Mars, abgesehen von den Dust Devils, was man hören kann?

Karl Urban Vögelgezwitscher wahrscheinlich nicht, weil die hohen Frequenzen sowieso nur wenige Meter transportiert. Ein Geräusch, was sich wahrscheinlich über viele Kilometer oder vielleicht über hunderte Kilometer verbreiten könnte, sind Meteoriteneinschläge, also etwas größere. Gibt es ja auch, ich glaube gerade neulich gab es wieder so eine Meldung, dass man mit Orbitern neue Krater, frische Krater, die in den letzten ein, zwei Jahren entstanden sind, gesehen hat. Also es ist jetzt nicht beliebig unwahrscheinlich, sowas mal aufzuzeichnen.

Karl Urban Und das wäre halt schon auch ein tiefes Wummern, was halt einfach weiter in der Marsluft sich verbreiten kann. Erdbeben hört man ja, also Erdbeben auf der Erde hört man auch nicht so richtig, ne? Also was man hier hört, sind ja auch eher die Reaktionen der Oberfläche, ne? Dass dann irgendwie irgendwas umkracht oder so. Also vielleicht würden die Steine wackeln, aber das ist ja nicht so laut.

Karl Urban Und ich glaube, die Beben, die man bisher gemessen hat auf dem Mars mit der InSight-Mission von der NASA, sind auch nicht so sonderlich stark gewesen. Also, ja, das weiß ich nicht so genau, aber ich vermute mal, das ist auch eher was Unwahrscheinliches. Der Helikopter Ingenuity wiederum, der ja auch immer noch fliegt jetzt, überraschenderweise, war ja auch nicht für so lange ausgelegt, der startet ja auch schon mal ein paar hundert Meter entfernt von Perseverance.

Franziska Konitzer Ja, Curiosity gibt's auch noch. Der Rover ist total out, seit er bei uns gelandet ist. Aber den gibt's auch noch und der ist auch noch aktiv.

Karl Urban Ist aber langweilig, weil der hat kein Mikrofon an Bord.

Franziska Konitzer Okay.

Karl Urban Genau. Aber wer diese kleinen Quadrocopter kennt, die Geräusche sind ja weder besonders laut noch besonders tief, die die machen. Das sind halt wirklich kleine und Ingenuity ist auch nicht arg groß. Deswegen war auch vor der Landung nicht klar, ob man die mit dem Mikrofon aufnehmen kann, aber tatsächlich hat man das geschafft und es klingt so.

Karl Urban Genau, also diese Aufnahme ändert sich auch nicht viel. Der fliegt irgendwie und dieses Wummern kommt tatsächlich von Ingenuity. Wahrscheinlich auch nur überhöht jetzt die tiefen Frequenzen von diesem Fluggeräusch quasi. Ah, jetzt wird es noch ein bisschen höher. Diese Aufnahme ist auch gefiltert, also man hat ganz viel Grundrauschen noch rausgerechnet, um das überhaupt hier so hören zu können.

Karl Urban Das mach ich mal wieder aus. Also es funktioniert. Helikopterrauschen kann man hören.

Franziska Konitzer Er klingt aber auf einmal gar nicht mehr so klein und popelig, sondern eher so...

Karl Urban Er klingt nach so einem riesengroßen russischen Transporthubschrauber, oder? Ja, oder... Ja, es gibt noch so ein paar offene Fragen, was die Mars-Akustik angeht, immer noch. Zum Beispiel gibt es die Vermutung, dass die akustischen Eigenschaften der Atmosphäre, vor allem auch die Schallgeschwindigkeit, sowohl über die Tageszeiten als auch über das Jahr schwankt. Das hat auch mit diesen Turbulenzeffekten in der Atmosphäre zu tun.

Karl Urban Das ist eigentlich auch was recht kontraintuitives, dass die Schallgeschwindigkeit sich verändert.

Franziska Konitzer Und dass die hohen Töne aber eher ankommen als die tiefen, konnte man das belegen?

Karl Urban Ich glaube, das ist einigermaßen belegt. Das hört man ja auch jetzt in den Aufnahmen, die man so gemacht hat, gerade jetzt bei dem Helikopter. Ja, und das war eigentlich auch meine Geschichte. Ich muss vielleicht auch dazu sagen, ich habe mit der Naomi Murdoch 2021 das Interview gemacht. Ich wollte jetzt auch noch mal ein Update machen. Ich habe auch ein paar aktuelle Paper von dem Akustik-Team runtergeladen.

Karl Urban Allerdings haben die ganzen Interview-Anfragen irgendwie nicht gefruchtet. Deswegen hätte ich jetzt gerne auch noch mal ein paar Sachen mir genauer erklären lassen wollen. Aber vielleicht muss ich dann einfach noch mal eine andere extraterrestrische Akustik-Folge machen, weil das Thema ist schön. Ich glaube, da kommen sich ja noch was. Vielleicht hat man ja auch irgendwann noch mal eine Überraschung.

Karl Urban Irgendwelche Geräusche, mit denen man überhaupt nicht gerechnet hat.

Franziska Konitzer Donnergrollen auf dem Mars.

Karl Urban Ja, sowas, genau. Das war jetzt fast meine Geschichte. Zum Abschluss, also ich glaube, da ist, wie ich gesagt habe, ein bisschen Musik drin. Also nicht im Sinne von Metal-Konzerten auf dem Mars, sondern eher im Sinne von Erkenntnisse. Bisher haben wir ja nur Roboter auf dem Mars, aber deren Sensoren helfen uns ja irgendwie die Umwelt zu verstehen.

Karl Urban Und wir sind aber nun mal ja auch akustische Wesen und es ist gut möglich, dass in der Umwelt des Mars einfach Dinge passieren, denen uns erst unsere Ohren überhaupt Zugang verschaffen. Also das ist einfach nochmal ein anderer Sinn, wo unsere Roboter sozusagen auch irgendwie uns als Menschen oder als Erdenwesen irgendwie repräsentieren.

Franziska Konitzer Die alte Frau in mir, Entschuldigung, die alte Frau in mir fragt sich gerade, ich meine, das ist ja auch ein Körpergeräusch, wenn man so will. Aber was wäre mit meinem Tinnitus auf dem Mars, weil der ist ja hochfrequent, wenn er dann weg, aber andererseits ist es ja wahrscheinlich nur von meinem Gehirn.

Karl Urban It's in your head.

Franziska Konitzer Also da höre ich tatsächlich gar nichts, aber sind meine Ohren dann trotzdem davon so beeindruckt, dass ich denke, ach, rechnen wir auch gleich raus? Ja, es wird nie dazu kommen, dass ich das experimentell überprüfe oder irgendjemand anders, aber.

Karl Urban Die Frage ist, was passiert, wenn du deinen Astronautenhelm auf dem Mars abnimmst und was dieser Unterdruck mit deinem Tinnitus und mit deinen Gehörgängen macht. Also ich glaube, da ist der Tinnitus wahrscheinlich dein kleines Problem.

Franziska Konitzer Was nehme ich aus dieser Folge mit, außer ich finde Marsgeräusche cool, Helm abnehmen auf dem Mars, super schlecht die Idee, kann man sich eigentlich immer merken. Genau.

Karl Urban Don't try this on Mars. Ganz zum Schluss habe ich noch, ah ne, genau, zwei Sachen habe ich noch, zwei kleine Sachen. Die eine Sache ist, die Erkenntnis ist jetzt angekommen bei der NASA zumindest, dass Mikrofone toll sind, denn die NASA plant ja, arbeitet ja an einer fliegenden Raumsonde für den Saturn, Mond, Titan.

Karl Urban Die Mission heißt Dragonfly. Es dauert glaube ich noch 15 Jahre oder so, bis die Dame ankommt, wenn alles klappt. Aber die soll auch ein Mikrofon an Bord haben und Zumindest bisher wurde das auch noch nicht gestrichen.

Franziska Konitzer Sehr gut. Wir drücken die Daumen. Es sind noch 15 Jahre bis dahin.

Karl Urban Genau. Es bestehen noch Chancen, dass wir dann doch mal so einen Gewitter- oder Methanregen-Guss auf dem Titan hören. Das fände ich total toll. Zumal die atmosphärische Dichte auf dem Titan ja höher ist als auf der Erde.

Franziska Konitzer Ja, da geht ein bisschen.

Karl Urban Da geht was, glaube ich. Genau. Und ganz zum Schluss habe ich noch eine Aufnahme für dich. Und das ist meine absolute Lieblingsaufnahme vom Mars. Und das ist kein Geräusch, was der Mars selbst erzeugt und auch kein Wetterphänomen. Es ist das Zusammenspiel von einem sechsrädrigen, tonnenschweren Rovergefährt mit dem staubigen Marsboden.

Franziska Konitzer Achtung.

Karl Urban Offensichtlich. Und es ist auch ganz am Anfang in unserem Jingle drin, dieser Ton. Ich finde den einfach so toll.

Franziska Konitzer Ich hoffe die ganze Zeit, dass er nicht irgendwo komisch aufsetzt oder irgendwie sowas. Ich drücke ihm voll die Daumen.

Karl Urban Genau, es gibt auch, das wollte ich die Forscher eigentlich auch noch fragen, ich mache das mal wieder aus, es gibt ja auch die Aussage, dass man ja mit Übergeräusche auch die Funktionstüchtigkeit von Geräten oder jetzt in dem Fall vom Fahrwerk quasi überprüfen kann. Das ist wie, wenn dein Auto komisch klingt und du denkst, du müsstest vielleicht doch mal wieder in die Werkstatt.

Karl Urban Und das hätte mich noch interessiert, ob das real auch passiert bei der NASA, dass die irgendwie sagen, okay, jetzt haben wir uns irgendwie einen Stein eingefahren, wir müssen uns das mal angucken oder so. Ja, habe ich jetzt leider niemanden fragen können.

Franziska Konitzer Ich drücke die Daumen, dass künftige Anfragen Frucht hätten.

Karl Urban Ja, schön, genau, Franzi, das war meine Geschichte.

Franziska Konitzer Ich danke dir, ich finde das sehr schön. Ja, immer noch. Erdbeben kann man auch nicht hören. Eigentlich schade.

Karl Urban Erdbeben sowieso nicht, aber Marsbeben halt vielleicht. Spaß geben.

Franziska Konitzer Mit Typhoid-Einschlag wäre auch schon cool. Solange man dann nicht dieses Fahrgeräusch von Perseverance hört, dann nur noch ein Rums und dann nach Stille.

Karl Urban Ich habe tatsächlich letztes Jahr das erste Mal so richtig bewusst ein gar nicht ganz schwaches Erdbeben wahrgenommen. Das war hier um die Ecke und wir waren zum Glück auch nicht im Haus, sonst hätte ich das glaube ich auch nicht so mit Genuss wahrgenommen, weil wir standen im Wald. Es war 3,9, also schon was man deutlich spürt.

Karl Urban Standen mitten im Wald und ich hatte das Gefühl, weil ich Großstadtkind, dass gerade aus einer ganz dezidierten Richtung eine U-Bahn unter mir durchfährt und in die andere Richtung weiterfährt. Also das, was man in Berlin ständig hat, wenn man auf irgendwelchen Stückschächten der U-Bahn steht. Aber ich stand halt wirklich im Wald und das war echt beeindruckend.

Karl Urban Und man hat es auch wirklich über, keine Ahnung, fünf, sechs Sekunden hat man es gehört. Also es war echt beeindruckend. Aber ich kann irgendwie nicht so richtig sagen, es ist ja dann auch eine Mischung. Man spürt es an den Füßen, es gibt irgendwie, ja, Wald, kracht da eigentlich nicht so viel. Das ist wahrscheinlich schon das Erdbeben selbst, was man hört.

Karl Urban Aber das dann hinterher noch mal auseinander zu halten, ist schwierig. Man ist ja so perplex in der Situation.

Franziska Konitzer Ja, es ist ja weder angekündigt noch kann man sich irgendwie drauf vorbereiten oder sagen, oh, heute gehe ich einen Erdbeben aufnehmen.

Karl Urban Genau.

Franziska Konitzer Das ist so. Deshalb einfach Aufnahmegerät immer laufen lassen für die Atmung.

Karl Urban Genau, immer laufen lassen. Genau wie auf dem Mars.

Franziska Konitzer Passive Atmospheric Recording. Recording. Großartig. Ich hab mich auch mal gefragt, ich meine das geht vom Maß weg, aber ich hab mich immer gefragt ob man das machen kann, dass man ein ganz kleines Aufnahmegerät, ein bisschen Plastik einwickelt oder was, was sich nicht auflöst und das dann schluckt und das dann die ganze Zeit aufwimmt während es sich den Weg durch den Körper bahnt.

Karl Urban Hilfe.

Franziska Konitzer Also aus Gründen der wissenschaftlichen Neugier, ich weiß nicht, ob das überhaupt realistisch ist, also ich würde mir das auch nicht live anhören wollen, weil das ist dann schon creepy, so klingt mein Magen.

Karl Urban Bitte nicht an Tagen, wo ich Blähungen habe.

Franziska Konitzer Vielleicht gerade dann.

Karl Urban Oder dann, ja, genau. Da muss man halt gut aufpassen, dass es nicht übersteuert.

Franziska Konitzer Oh Gott, besser wird's nicht mehr.

Karl Urban Lass uns mit Fragen kommen. Äh, ja. Also, Franzi, Frage Nummer eins. Wo und wann wurde die erste Tonaufnahme außerhalb der Erde gemacht?

Franziska Konitzer Auf der Venus von Venera 13 oder 1982? Jawoll! Nein, nicht im Ernst, ich hab das Jahr ver... ah, geil.

Karl Urban Alles richtig, sehr gut. Frage zwei. Warum war die Frage, ob ein Mikrofon auf dem Mars überhaupt Geräusche aufnehmen könnte, so kontrovers?

Franziska Konitzer Weil, naja, man hat jahrelang keins hingeschickt, um mal nachzugucken, ne?

Karl Urban Äh, ja.

Franziska Konitzer Aber nein, es war schon, nein, aber eigentlich, also die wissenschaftlich korrekte Antwort würde wahrscheinlich laufen, es gibt ja so wenig Marsatmosphäre und das besteht aus Kohlendioxid und der Druck ist ein, nur ein Hundertstel des Erdendrucks, also müsste er ungefähr 0,01 Bar betragen und da ist nicht klar, ob sich da Schall überhaupt gut drin vorpflanzen kann.

Karl Urban Das war die Antwort, die ich vorbereitet hab, ja, sehr gut. Sorry.

Franziska Konitzer Frage Nummer drei.

Karl Urban Warum sind aufgezeichnete Klänge auf dem Mars für unsere Ohren so verzerrt?

Franziska Konitzer Weil die hohen Töne A ein bisschen rausgefiltert werden und B kommen sie ein bisschen früher an als die tiefen.

Karl Urban Genau. Und letzte Frage. Welche Art von Musik würdest du am liebsten mal auf einem Open-Air-Konzert auf dem Mars hören? Elefanten.

Franziska Konitzer Elefanten.

Karl Urban Elefanten? Achso, die tröten oder wie?

Franziska Konitzer Ich hab mir gedacht, die machen doch auch ein bisschen mit, dass man immer denkt, die könnten Infraschall und so wahrnehmen oder irgendwie so und dann denke ich mir, gut, wenn die Tiefentöne auf dem Mars sowieso, es denen besser geht, dann ist wahrscheinlich Elefanten total angenehmer.

Karl Urban Ah, ja, das ist auch eine Idee und vielleicht auch noch ein bisschen abgedämpft, ne? Ja. Okay, sehr schön.

Franziska Konitzer Mars-Elefanten.

Karl Urban Mars-Elefanten. Äh, da. Das war jetzt eine etwas unerwartete Antwort, aber ich finde es eigentlich schön Tiergeräusche als Musik wahrzunehmen, weil, warum nicht?

Franziska Konitzer Ja, alles andere klingt ja eh furchtbar.

Karl Urban Also ich hätte jetzt eher mit sowas gerechnet, wie irgendwas, irgendeine Art von Musik, die ein sehr schmales Frequenzspektrum benutzt. Also keine Ahnung, so irgendwie.

Franziska Konitzer Also der Fiesling in mir würde jetzt sagen, lass uns was aus dem Radio nehmen, da kommt das eh so komprimiert durch. Ah, das ist auch eine Idee. Naja, vielleicht, also wenn dann echt, also tendenziell würde ich eher zu was, was echt so Hardcore, Techno, was hauptsächlich Bass benutzt.

Karl Urban Genau, oder vielleicht dann auch wenn mit Gesang, dann nur mit tiefen Stimmen, die im ähnlichen Frequenzbereich liegen oder so, auf keinen Fall.

Franziska Konitzer Oder ein modischer Kehlgesang und dann so ein bisschen Techno drunter, aber, ja.

Karl Urban Vielleicht muss man auch die richtige Musik für die Mars-Akustik erfinden. Das wäre eigentlich auch eine lustige Idee.

Franziska Konitzer Die nimmt jetzt jemand und macht entweder eine Masterarbeit damit oder eine künstlerische Arbeit.

Karl Urban Weil auch mit dieser Verzerrung, dass hohe Töne irgendwie zeitlich verzögert ist, könnte man ja spielen, ne? Also könnte man ja irgendwie auch. Das macht ja auch einen Rhythmus, also, ja.

Franziska Konitzer Ja, aber ich stelle mir gerade Musikunterricht auf dem Mars vor mit Kanon singen und dann wird es echt schwer. Lauda, Tussi, so.

Karl Urban Ja, gut. Lassen wir das, oder?

Franziska Konitzer Ja, das singen auf jeden Fall, weil ich jetzt sag, dass sie das war, die 70. Ausgabe von Astrogeo. Carl und ich danken allen, die unsere Arbeit unterstützen. Das sind die regelmäßigen Abonnentinnen der Weltraumreporter, dem Online-Magazin. Das Abonnement kostet 3,49 Euro pro Monat. Und wir haben einen Newsletter, der ist kostenlos. Tada.

Karl Urban Genau. Und wir danken genauso allen, die die Flatrate der Riff-Reporter bestellt haben. Die RIV-Reporter sind eine Genossenschaft von über 100 freien und unabhängigen Journalistinnen und Journalisten, die zu vielen relevanten Themen arbeiten. Alles frei von Werbung und Trackern und recherchiert unter strengen journalistischen Standards, so wie auch bei uns im Podcast.

Karl Urban Und jedes Abo bei den RIV-Reportern hilft uns, aber auch euch, denn ihr erhaltet Zugang zu allen vielfältigen und tiefgründigen Recherchen weit über unser Themenspektrum hinaus sogar.

Franziska Konitzer Und wir danken allen, die diesen Podcast direkt unterstützen. Das hilft uns, die Fixkosten dieses Podcasts zu decken, aber leider noch nicht mehr. Und deshalb freuen wir uns über eine Unterstützung auf Steady oder über direkte Überweisungen. Alle Möglichkeiten, uns finanziell zu unterstützen, findet ihr auf unserer Website astrogeo.de.

Karl Urban Und wenn euch diese Folge gefallen hat, hinterlasst uns gerne einen freundlichen Kommentar oder eine Bewertung bei iTunes, Spotify, direkt auf unserer Webseite oder wo auch immer ihr diesen Podcast hört, vielleicht sogar auf dem Mars. Feedback oder Ideen für neue Themen könnt ihr uns auch auf Mastodon zukommen lassen, da heißen wir astro-geo at chaos.social.

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Franziska Konitzer Und zuletzt danken wir euch fürs Zuhören, wir sagen tschüss, Glück auf und ad astra. Bis zum nächsten Mal. Das war eine sehr schöne Geschichte, Karl.

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