AstroGeo - Geschichten aus Astronomie und Geologie· Staffel 2· Folge 62

Ein Herz und vier Sorten Eis

Donnerstag, 29. Dezember 2022 · 53 min

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Shownotes

Für AstroGeo recherchieren wir regelmäßig eine ganze Geschichte. Nur wenn du uns finanziell unterstützt, bleibt der Podcast weiter kostenfrei. Danke! (astrogeo.de/unterstuetze-uns)

Pluto ist eine beliebte Welt. Spätestens seit am 14. Juli 2015 die NASA-Raumsonde New Horizons an dem Zwergplaneten vorbeigerauscht war, flogen ihm die Herzen vieler Menschen zu. Es zeigte sich auch, dass auf seiner Oberfläche selbst ein Herz sitzt, wenn auch ein sehr kaltes. Denn die mittlere Temperatur auf Plutos Oberfläche mit seinem gewaltigen herzförmigen Gletscher aus Stickstoffeis liegt bei gerade einmal minus 229 °C.

Karl taucht in dieser Folge des Podcasts in die Geologie des Plutos ein. Schon lange vor dem Vorbeiflug von New Horizons gab es einige Kenntnisse über die ferne Welt. Doch erst die Daten der Sonde zeigten, wie dynamisch sich der Zwergplanet im Laufe eines 248 Erdjahre langen Sonnenumlaufs verändert. Gleich vier Eissorten spielen dabei eine wesentliche Rolle: Sie gleiten als Gletscher über die Oberfläche, sublimieren in eine dünne Atmsphäre, bilden steile Berghänge oder brechen aus Kryovulkanen als eisige Lava empor.

Links

Weiterlesen bei RiffReporter

• Pluto und viele andere: Hubbles beste Bilder aus 30 Jahren (riffreporter.de/de/wissen/hubble-wird-30)

• Asteroiden: längst keine langweiligen Kartoffeln mehr (riffreporter.de/de/wissen/asteroiden-neue-welten)

Weiterführende Links

• WP: Clyde Tomaugh (de.wikipedia.org/wiki/Clyde_Tombaugh)

• WP: Pluto (de.wikipedia.org/wiki/Pluto)

• WP: Charon (de.wikipedia.org/wiki/Charon_(Mond))

• WP: New Horizons (de.wikipedia.org/wiki/New_Horizons)

• WP: (en.wikipedia.org/wiki/Tombaugh_Regio)Tombaugh Regio (en.wikipedia.org/wiki/Tombaugh_Regio)(englisch) (en.wikipedia.org/wiki/Tombaugh_Regio)

• WP: (en.wikipedia.org/wiki/Sputnik_Planitia)Sputnik Planitia (en.wikipedia.org/wiki/Sputnik_Planitia)(englisch) (en.wikipedia.org/wiki/Sputnik_Planitia)

• WP: Tholine (de.wikipedia.org/wiki/Tholine)

• WP: Lavatunnel (de.wikipedia.org/wiki/Lavar%C3%B6hre)

• Spektrum.de: Pluto spuckt Eis (von Franzi Konitzer) (spektrum.de/magazin/blick-in-die-forschung-kur…)

Quellen

• Youtube: Veronica Bray, University of Arizona: Geology of Pluto (youtube.com/watch?v=dS8mO2rYd3w)

• Singer et al.: (doi.org/10.1038%2Fs41467-022-29056-3)Large-scale cryovolcanic resurfacing on Pluto (doi.org/10.1038%2Fs41467-022-29056-3)(2022) (doi.org/10.1038%2Fs41467-022-29056-3)

• Bertrand et al.: The nitrogen cycles on Pluto over seasonal and astronomical timescales (2018) (arxiv.org/abs/1804.02434)

• Moore et al.: The Geology of Pluto and Charon Through the Eyes of New Horizons (2016) (doi.org/10.1126/science.aad7055)

• Howard et al.: Present and past glaciation on Pluto (2016) (doi.org/10.1016/j.icarus.2016.07.006)

• Distribution and Evolution of CH4, N2 , and CO Ices on Pluto’s Surface: 1995 to 1998 (2001) (dx.doi.org/10.1006/icar.2001.6684)

• Dressler & Russel: From the ridiculous to the sublime: The pending disappearance of Pluto (1980) (doi.org/10.1029/EO061i044p00690)

Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin

Franziska Konitzer Hallo bei Astrogeo, dem Podcast der Weltraumreporter. Ich bin Franzi Konitzer.

Karl Urban Und ich bin Karl Urban.

Franziska Konitzer Und wir sind zwei Wissenschaftsjournalisten. Karl ist Geologe, der die Idee faszinierend findet, dass sich Leben vielleicht auf der Basis von Silizium anstelle von Kohlenstoff hätte bilden können. Da hätte es aber echt lang gedauert. Ja. Und ich bin Astrophysikerin, die vielleicht auch mal wieder gerne wissenschaftlich dichten wird in diesem Podcast, aber nicht heute.

Franziska Konitzer Ja. Denn heute bekomme ich endlich meine geologische Geschichte, auf die ich mich schon seit der letzten Folge freue. Denn auch in dieser Folge erzählen wir uns gegenseitig eine Geschichte, die uns entweder die Steine unseres kosmischen Vorgartens eingeflüstert haben oder die wir in den Tiefen und Untiefen des Universums aufgestübert haben.

Karl Urban Franzi, auch bei mir war es ja jetzt lange her, dass ich dir eine Geschichte erzählt habe. Weißt du noch, was da war?

Franziska Konitzer Äh, die Steine. Die ... oder? Die, die, die, äh ... Nee, irgendwas anderes.

Karl Urban Ah! Nicht vorbereitet. Nein, das war die ...

Franziska Konitzer Nein, das ist so lange her. ...

Karl Urban Die eingefrorene Erde, glaub ich. Snowball Earth?

Franziska Konitzer Das war auch schön. Tatsächlich hast du mich ertappt. Es ist, äh, so lange her.

Karl Urban Genau. Das war Ausgabe 54.

Franziska Konitzer Es ist Mea Culpa. Ich würde dir, ich würde dir, äh, äh, ja ... Ha, ich muss das irgendwie wieder gut machen. Es lag nicht daran, dass ich die Folge nicht gut fand, es lag daran, dass ich das halt furchtbar vergessen hab.

Karl Urban Ja, und dass es auch wirklich lange her ist, genau. Ja, genau, wir müssen auch erst mal wieder in unseren alten Rhythmus hier zurückfinden. Ich hab ein bisschen Feedback, allerdings nicht zu der Schneeball-Erde-Folge. Da hatte ich neulich schon mal einen Punkt aufgegriffen an einer Folge, wo du nicht dabei warst.

Karl Urban Ich will hier noch mal ein Stückchen weiter zurückspringen, zu Ausgabe 52, da gab es Feedback, das war die Folge zum Rennen der Steine im Death Valley. Und da gab es Hinweise auf zwei sachliche Fehler, die mir da unterlaufen sind. Der eine Fehler, der auch gleich mehreren HörerInnen aufgefallen ist, nämlich, dass das Death Valley nicht zwischen Arizona und Kalifornien liegt, wie ich behauptet habe, sondern zwischen Nevada und Kalifornien.

Karl Urban Ja, genau, sowas passiert. Mir ist es auch nicht aufgefallen, offensichtlich. Das sind die Dinge, die man zu wissen glaubt. Das sind meist die größten Probleme. Die, die man nachrecherchiert, die stimmen ja dann auch. Genau, also danke für eure Aufmerksamkeit da. Ein zweiter Hinweis zu dieser Folge zum Rennen der Steine. Da reden wir im Nachspann über die verschiedenen Flusssysteme, die es gibt mit den verschiedenen Wassereinzugsgebieten.

Karl Urban Und ich nenne da ja verschiedene Kategorien, nämlich die, wo die Flüsse ins Meer münden irgendwo am Ende oder wo sie dann, wie in dem Fall im Death Valley, quasi auf einem Kontinent enden und einfach verdunsten und weg sind. Und, oder halt versickern. Und als Beispiel für das erste, den ersten Fall, irgendwann ins Meer, nenne ich die Donau.

Karl Urban Ja, die ja irgendwann ins Schwarze Meer fließt, wie man weiß. Und der Albrecht weist berechtigterweise darauf hin, ich zitiere ihn mal, der größte Teil des Wassers aus der Donauquelle erreicht unterirdisch die Achquelle, die dadurch zur Quelle mit der größten Quellschüttung in Deutschland wird. Vor allem in trockenen Sommern Dann verschwindet die Donau bei Friedingen nur 25 Kilometer von der Donauquelle flussabwärts komplett, das heißt gar nichts aus der Donauquelle, also genauer aus den Quellflüssen Brigach und Breg kommt im Schwarzen Meer an.

Karl Urban Stattdessen fließt es in der Karstlandschaft, also im unterirdischen Kalksteingebirge, des Jura unterirdisch bis zur Achquelle und fließt von dort in die Nordsee. Die europäische Wasserscheide wird quasi untertunnelt. Insgesamt ist das eher kryptorisch und das war der dritte Fall, den es da noch gibt.

Franziska Konitzer Was? Das ist wirklich kryptoriusch? Das ist kein Wortwitz, sondern das gibt es wirklich als Begriff?

Karl Urban Das war, wer nicht unser eins, genau.

Franziska Konitzer Das ist mal ein Wort, mit dem kannst du bei Scrabble richtig abholen.

Karl Urban Krass.

Franziska Konitzer Genau.

Karl Urban Und genau, der letzte Satz, soweit das Donauwasser nicht schnell genug versickern kann, fließt es dann trotzdem oberflächlich weiter ins Schwarze Meer. Genau. Also Dankeschön, lieber Albrecht. Ich hätte diesen Fall eigentlich kennen müssen, weil ich als Student in Südwestdeutschland auch mal eine Exkursion zu dieser berühmten Donauversiegerung gemacht habe.

Karl Urban Das ist wirklich auch beeindruckend. Die ist dann einfach weg und dann gibt es diesen Quelltopf und dann taucht sie wieder auf. Und natürlich, was das Wasser da so im Untergrund tut, das ist nicht so leicht nachzuvollziehen. Man kann da so chemische Versuche auch machen und kann dann tatsächlich nachweisen auch, dass das da verschiedene Wege geht, das Wasser im Gestein.

Karl Urban Genau, auch so ein Beispiel dafür, dass die Realität und speziell in den Geowissenschaften meist komplizierter ist, als es auf den ersten Blick scheint. Als die Kategorien, die wir als Menschen dann dem so aufpressen, oft auch gar nicht so hundertprozentig zutreffen. Es ist in der Astrophysik vermutlich auch nicht anders, oder?

Franziska Konitzer Nee, wobei da noch als erschwerende Tatsache in Zukunft, dass du meistens nicht vorbeifahren und nachgucken kannst.

Karl Urban Ja, das stimmt.

Franziska Konitzer Das hier ist ja einfach, also nicht einfach, aber man könnte ja hinfahren und eben nachschauen und sieht, dass die Realität komplexer ist als gedacht, aber in der Astrophysik hast du ja dann meistens nur die elektromagnetischen Signale in irgendwelchen Wellenlängen und kannst dir daraus die ganze komplizierte Geschichte irgendwie zusammen reimen.

Franziska Konitzer Und deshalb kann man sich da auch wahrscheinlich noch... Herrlicher darüber streiten oder eben nicht, weil prinzipiell könnte man ja vieles behaupten, was irgendwie zu den Beobachtungen passt.

Karl Urban Und wir Geologen sind schon dadurch verwirrt, dass da ein bisschen Wasser mal unterdurch fließt. Also, das soll man nicht so haben.

Franziska Konitzer So, aber damit sind wir heute bei der Ausgabe 62 angelangt. Und du erzählst mir eine Geschichte, hoffentlich, lieber Karl. Richtig?

Karl Urban Das werde ich tun. Also, Franzi, meine Geschichte beginnt ganz unspektakulär mit einem jungen Menschen. Dieser Mensch hat keine Ausbildung oder gar ein Studium und was dieser Mensch tut, ist jetzt auch wenig spektakulär und vielleicht auch ein bisschen verzweifelt, was er in jungen Jahren häufiger mal vorkommt.

Karl Urban Im zarten Alter von 23 Jahren kratzt dieser Mensch seine Ersparnisse für ein One-Way-Ticket zusammen, um mit einem Bus 2400 Kilometer in eine weit entfernte Stadt zu fahren, um dort ein Bewerbungsgespräch zu führen. Und der Job, auf den sich dieser junge Mensch bewirbt, ist auch nicht wirklich spektakulär. Es ist so eine Art Hilfsarbeiterjob.

Karl Urban Es ist eine Tätigkeit, die nicht wirklich Spaß macht. Die Tätigkeit ist sehr eintönig, so ähnlich wie Fließbandarbeit. Die macht ja auch keiner gerne. Und man muss schon schlecht ausgebildet oder ziemlich verzweifelt sein oder dringend etwas Geld brauchen, um sowas zu machen. Das Bewerbungsgespräch läuft jedenfalls gut und der Mensch fängt auf dieser Stelle an.

Karl Urban Er wird ganze 16 Jahre bei diesem Arbeitgeber arbeiten, aber das Entscheidende passiert schon im zweiten Jahr seiner Tätigkeit. Nee, eigentlich im ersten Jahr seiner Tätigkeit schon, aber ungefähr nach zehn Monaten. Es ist ein Ereignis, das sofort ein ganzes Land und weite Teile der Welt in den Bann schlägt und das uns in gewisser Weise bis heute beschäftigt.

Karl Urban Franzi, hast du eine Idee, um welchen Menschen und um welches Ereignis es geht? Also, ich hab's mit Absicht sehr vage gehalten. Ähm ... Ich geb dir mal einen Tipp. Das Ereignis ereignet sich im Jahr 1930.

Franziska Konitzer Äh ... Ich würde sagen, irgendein Vulkanausbruch, aber wahrscheinlich nicht.

Karl Urban Ich geb dir noch einen zweiten Tipp. Es handelt sich um eine astronomische Entdeckung.

Franziska Konitzer Dieses Tunguska-Dingsy-Bumsy? Nee. Okay, also ... Irgendein Meteorit, irgendwie ... Meteoriten bestimmt oder irgendwie sowas.

Karl Urban Also der Mensch, um den es geht, dessen Name ist Clyde Tombow.

Franziska Konitzer Oh ne, der Pluto-Fritze.

Karl Urban Also wir müssen heute auf jeden Fall endlich mal über Pluto sprechen, habe ich mir gedacht.

Franziska Konitzer Nein, auf gar keinen Fall.

Karl Urban Also, ich schieb gleich ein paar Disclaimer vor.

Franziska Konitzer Danke für den Namen. Clyde Tombaugh ist der US-amerikanische Astronom, der Pluto entdeckt hat.

Karl Urban Genau, wobei Astronom halt nicht ganz stimmt. Meine Geschichte beginnt nur mit ihm. Ich will die Geschichte von ihm nicht erzählen, weil die kennen, glaube ich, auch viele. In diesem Detail gerade kannte ich sie auch noch nicht. Als er 1929 in seiner Heimat, in Illinois, das ist relativ weit im Osten der USA, in diesen Bus steigt und zum Lowell Observatory in Flagstaff, in Arizona fährt. Das sind wirklich diese 2400 Kilometer.

Karl Urban Ganz untalentiert ist er nicht. Also er hatte zu Hause auf der Farm seiner Eltern sich schon mal ein Teleskop selber gebaut. Ja, das ist schon nicht schlecht für jemanden, der noch nicht mal einen College-Abschluss hat. Er hat damit Jupiter und Mars beobachtet und auch so Zeichnungen gemacht und die vorab an den Direktor von dem Observatorium geschickt und die waren auch recht beeindruckt, weshalb sie ihn auch eingeladen haben.

Karl Urban Der Rest ist Geschichte. Clyde Tombaugh wird am Lowell Observatory an ein neues Instrument gesetzt, ein neues Teleskop, wo er halt dann Nacht für Nacht den Sternenhimmel in kleinen Abschnitten fotografiert und immer auch immer nochmal zu anderen Zeitpunkten den gleichen Ausschnitt und dann verbringt wirklich viele Stunden damit, mit einem Vergrößerungsglas diese Aufnahmen zu vergleichen, um darin nach Veränderungen zu suchen.

Karl Urban Also so Punkte, die sich bewegen zwischen diesen verschiedenen Aufnahmen. Und die große Meldung, die schlägt dann am 18. Februar 1930 für eine Bombe ein, als Tom Bowe gerade zehn Monate am Lowell arbeitet. Das ist der Fund eines astronomischen Objekts, das damals als der neunte Planet gilt, den wir seit 2006 zu den Zwergplaneten zählen und der deshalb streng genommen mit einer kryptischen Nummer bezeichnet werden müsste.

Karl Urban Es geht nämlich um 134 340 Pluto.

Franziska Konitzer Ich möchte, dass du das die ganze Folge auch genau so sagst.

Karl Urban Du meinst, das wäre auch nur fair gegenüber den ganzen Quasaren, die du in der letzten Folge angesprochen hattest und die auch alle so unsexy Namen haben?

Franziska Konitzer Wie hieß er? Wie hieß er? Wie hieß er? 3C273.

Karl Urban Ja, du hast es schon inhaliert. Sehr gut. Genau. Ich möchte dich, ich hatte ja Disclaimer angesprochen, ich möchte dich beruhigen. Heute möchte ich nicht über die Femalidade-Frage sprechen, ob denn Pluto wirklich vielleicht doch ein Planet ist. Das ist definitiv eine astronomische Frage. Das heißt, das darfst du dann mal irgendwann machen, wenn du Lust hast.

Franziska Konitzer Das wird ...

Karl Urban Äh ...

Franziska Konitzer Oh, weh. Ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha! Gut, riddance! Ähm, dann wird die Folge auch schon vorbei. Aber ja, hm.

Karl Urban Genau, lassen wir das. Ich finde, wir sollten über eine viel spannendere Frage sprechen, Nämlich was ist auf Pluto eigentlich geologisch los?

Franziska Konitzer Ja, da hatte man ja eigentlich immer gedacht, nix, bis dann irgendwann mal eine Sonde vorbeigeflogen ist.

Karl Urban Genau. Ich würde aber viel früher anfangen. Und zwar wusste man 1930 tatsächlich so ziemlich gar nichts über Pluto, bis auf seine Umlaufbahn. Das betraf vor allem die Masse. Also es gab erste Schätzungen, die gingen von einem Planeten aus, der ungefähr zehnmal so schwer wie die Erde ist. Mit diesem Wert hätte man die Planetendiskussion 2006 wahrscheinlich anders geführt, aber es brauchte nur ein paar Jahre nach der Entdeckung und ein paar bessere Teleskope und dann purzelte die Masse.

Karl Urban Erst auf ein Zehntel der Erde, dann auf ein Hundertstel und zuletzt dahin, wo sie auch heute ist und auch stimmt, nämlich auf Zweitausendstel der Erdmasse, auf ein Zweitausendstel.

Franziska Konitzer Moment, davon mache ich mir eine Notiz, falls du mich das später im Quiz fragst. Ja, ist immer besser.

Karl Urban Die purzelnde Masse führte übrigens zwei Witzbolder, also zwei Astronomen im Jahr 1980 dazu, die angenommene Masse von Pluto über die Zeit zu plotten und daraus zu extrapolieren, dass Pluto in wenigen Jahren verschwinden müsste. Was er natürlich nicht getan hat. Es gab noch ein Ereignis, was das Wissen über Pluto sehr gesteigert hat. Es ist ein sehr seltenes Ereignis und es ist nicht der Vorbeiflug der Raumsonde. Hast du eine Idee, was es sein könnte?

Karl Urban Bis zum nächsten Mal, tschüss.

Franziska Konitzer Ne Okkultation oder ne Annäherung oder irgendwie sowas?

Karl Urban Genau. Okkultation. Von wem?

Franziska Konitzer Boah, du fragst mich Sachen. Äh ...

Karl Urban Ich kann's dir auch erzählen. Musst dich nicht auf die Folter spannen.

Franziska Konitzer Also nicht einer von den inneren Planeten wahrscheinlich.

Karl Urban Nee, es geht um Charon, um den größten Mond. Der hat ja einen großen Prozentsatz der Masse von Pluto. Das ist eigentlich wie so ein Doppelzwergsystem schon fast. Die anderen Monde, die Pluto noch hat, sind ja deutlich kleiner und im Jahr 1985 standen Pluto und Charon gerade so zueinander, dass sie sich aus der Sicht der Erde gegenseitig bedeckt haben.

Karl Urban Über ein paar Monate, das ist ein paar Mal vorgekommen und diese Bedeckungen sind sehr selten. Also die Umlaufzeit von Pluto um die Sonne, das sind ja 248 Jahre und nur zwei Mal während eines Sonnenumlaufs gibt es ein paar Monate mit solchen Bedeckungen, also grob alle 124 Jahre. Also es wird auch jetzt noch relativ lange dauern, bis das wieder passiert.

Franziska Konitzer Also wir erleben es nicht mehr.

Karl Urban Ja, wir wahrscheinlich nicht. Was dabei passiert ist, wenn Charon hinter Pluto wandert, verschwindet auch sein Licht, also das Licht, was Charon reflektiert. Und das Plutosystem, was ja zumindest in damaligen Teleskopen nur als Punkt auflösbar war, das wird dadurch etwas dunkler. Und man erhält dadurch spektroskopische Daten, die nur von Pluto stammen können.

Karl Urban Und wenn Charon sich dagegen vor Pluto schiebt, also er entdeckt ihn ja nicht komplett, aber er schiebt sich so langsam vor und ist dann irgendwann wieder weg, dann verschwinden so nacheinander verschiedene Landschaften auf Pluto und die helleren Landschaften bewirken ein schnelleres Abdunkeln und dunkle Landschaften auf Pluto einen flacheren Lichtabfall.

Karl Urban Und dadurch kann man dann schon mal so ein Modell sich überlegen, wie grob so die Oberfläche von Pluto aufgebaut ist, also ob es große Unterschiede in der Helligkeit seiner Landschaften gibt oder ob das recht gleichmäßig hell reflektiert letztlich. Und bei den Bedeckungen von 1985 hat man einiges über Pluto gelernt, also er ist nicht nur sehr hell, sondern seine Oberfläche ist auch recht vielseitig.

Karl Urban Es gibt in einer Hemisphäre einen helleren Fleck und auch sehr, sehr dunkle Zonen und dazu waren diese Okultationen auch geeignet, recht genau den Durchmesser, die Dicht und die Masse von Pluto und auch von Charon bestimmen. Und dabei hat man gelernt, Pluto und Charon haben eine größere Dichte als die Nachbarriesen Uranus und Neptun, aber sie sind auch weniger dicht als die terrestrischen Planeten Merkur, Venus, Erde und Mars.

Karl Urban Und zuletzt konnte man auch so eine Art Karte von Pluto machen, also das ist noch nicht ganz so lange her, nämlich zum ersten Mal 1994 und dann nochmal 2010 hat das Hubble-Teleskop Bilder von Pluto gemacht, an die du dich wahrscheinlich auch erinnerst, die hat man oft vor dem Vorbeiflug dann der Raumsonne New Horizons schon öfter mal gezeigt bekommen, sahen eigentlich unspektakulär aus, halt total verwaschen, aber letztlich hat man schon auch diese unterschiedlich gefärbten Bereiche so ein bisschen ahnen können.

Karl Urban Also es sind so grob vier verschiedene Farben, so zwischen dunkelorange, weiß, weißlich, rötlich bis hin zu schwarz wie Kohle. Und tatsächlich ist Pluto eines der kontrastreichsten Objekte im Sonnensystem. Also es gibt sehr große Unterschiede in der Rückstrahlfähigkeit oder der Albedo auf der Oberfläche von Pluton.

Franziska Konitzer Also das würde ich dann aber auch, also angenommen ich würde damit, ich würde davor stehen, das würde ich auch sehen, oder mit bloßem Auge.

Karl Urban Du würdest vor Pluto stehen?

Franziska Konitzer Naja, schwemmen. Also ich könnte ihn mit eigenen Augen sehen, dann würde ich das sehen.

Karl Urban Genau. Naja, also das haben wir dann auch auf den Fotos gesehen, die New Horizons zurückgeschickt hat, da komme ich gleich zu. Aber ich würde jetzt auf der Ebene nur kurz zusammenfassen, was das, was man da geologisch schon ableiten kann. Das waren natürlich nicht nur die Farben, sondern auch spektroskopische Daten, die man da gewonnen hat.

Karl Urban Und ja, das geht letztlich darum, wie die Oberfläche von Pluto chemisch aufgebaut ist. Also Pluto ist eine Eiswelt. Das hat man auch schon lange gewusst. Seine Oberfläche besteht aus verschiedenen Eissorten, deren Farbe ja schon bekannt war. Deswegen ist klar, das ist Vanille, Erdbeer, dunkle Schokolade und was Orangenes.

Karl Urban Also vielleicht Sanddorn oder ja, Orange oder so. Ich finde der Sanddorn ziemlich lecker. Die ist kontrovers.

Franziska Konitzer Okay, nicht in der Schokolade.

Karl Urban Also mir reicht auch immer eine Kugel. Das ist schon geschmacklich. Auf jeden Fall die Wahrheit. Die vier Eissorten sind andere. Aber tatsächlich hängen sie mit den vier Farben zusammen. Nämlich der allergrößte Teil der Oberfläche ist Stickstoff. Stickstoffeis. 98 Prozent. Dann gibt's Wassereis noch und ein bisschen Methaneis und Kohlenmonoxideis.

Karl Urban Und das wird alles noch wichtig.

Franziska Konitzer Oh Gott, Moment. Stickstoff.

Karl Urban Ich werd's auch noch ein paar Mal erwähnen.

Franziska Konitzer Stickstoff, Eis, irgendwas mit Kohlenmonoxid.

Karl Urban Methan und Wasser.

Franziska Konitzer Methan, ich weiß schon, warum ich mir hier so … mein Notizbuch.

Karl Urban So, tadaa. Jetzt lenke ich dich aber erst mal. Ich bin gerüstet. Und verwirre dich mit anderen Fakten. Jetzt kommt nämlich das Ereignis, was du ja auch schon erwähnt hast. Das, was bei der Erforschung Pluto erst mal alles verändert hat. Das Ereignis, bei dem aus diesem winzigen Punkt oder diesen verwaschenen Karten, die es schon gab, eine Welt wurde.

Karl Urban Ich sage nicht ein Planet, eine Welt wurde. Jetzt können wir wirklich Geologie betreiben. Also es geht natürlich um New Horizons, hatte ich erwähnt, die ist im Januar 2006 gestartet und nach 9,5 Jahren, also fast nach einem Jahrzehnt, am 14. Juli 2015 durch das Pluto-System geflogen. Die meisten Daten wurden in ungefähr 30 Stunden gesammelt.

Karl Urban Und das muss man sich klar machen, also stell dir vor, du bist Biologin, du hättest vor, einen Ameisenhaufen zu untersuchen. Du schulterst also deine ganzen wissenschaftlichen Werkzeuge, läufst in einem Affenzahn stundenlang einen Marathon, um dann am Ende in vollem Sprint 2 Sekunden auf den Ameisenhaufen zu schauen.

Karl Urban Und in diesen 2 Sekunden erfasst du dann nicht nur die Form des Hügels, sondern wo sich gerade Ameisen befinden und wie der Verlauf unterirdischer Gänge ist und wo die Ameisenbrut liegt. Und am Ende kannst du sogar, wenn du deine Daten später dir anschaust, und rekonstruieren, wie die Ameisen diesen Haufen gebaut haben. So ungefähr war das.

Franziska Konitzer Ich weiß schon, warum ich nicht Biologin geworden bin.

Karl Urban In diesem Podcast gehen wir da auch ein bisschen dilettantisch ran. Ich vermute, Sie machen das anders, aber was weiß ich denn schon. So ungefähr lief der Vorbeiflug von New Horizons am Pluto ab. Und ja, er hat ja bekanntlich sehr gut funktioniert. Die Vorbereitung war gut, Datenaufnahme trotz dieses Affenzahns geklappt hat.

Karl Urban Leider ging ja aus energetischen Gründen nur dieser schnelle Vorbeiflug. Es gab sehr scharfe Bilder, diese ikonischen Bilder, die halbe Welt hat sich über das Herz gefreut. Diese Region, dieses Herz, Herzens auf Pluto, hat den Namen Tomboregio bekommen, also benannt nach dem Pluto-Entdecker. Und man sieht auch direkt, warum Pluto so kontrastreich ist.

Karl Urban Also es gibt diese nördliche und südliche Hemisphäre, die ist relativ hell und nicht so richtig spektakulär. Vor allem das Herz ist sehr hell, das ist noch mal deutlich heller und dazwischen, ungefähr auf Höhe des Äquators von Pluto, ist er sehr dunkel. Und genau das ist das, was so ins rötliche bis richtig kohlschwarze geht.

Karl Urban Und seit diesem Vorbeiflug sind jetzt wieder sieben Jahre vergangen und ich dachte mir, das ist jetzt Zeit genug, dass die Geologinnen und Geologen sich Gedanken dazu gemacht haben sollten, die uns ein paar Details verraten. Genau, da habe ich mich ein bisschen eingelesen, da komme ich ganz am Schluss zu, zum Kryovulkanismus. Was?

Franziska Konitzer Ein Eisvulkan, das ist das Coolste.

Karl Urban Also schalten wir mal auf Zeitlupe von diesem Vorbeiflug und schauen uns genauer an, was der Sprinter New Horizons eigentlich gesehen hat. Also erstmal müssen wir uns dieses Herz ansehen natürlich. Wenn man sich das genauer anschaut, besteht es aus zwei Teilen, sozusagen ein Doppelherz. Es gibt den westlichen Teil, der den Namen Sputnik Planitia bekommen hat.

Karl Urban Der wirkt nicht nur sehr hell, sondern der ist auch sehr glatt. Und dann gibt es noch eine östliche Hälfte, also der rechte Herzlappen sozusagen, der ist viel ungleichförmiger, der ist auch so ein bisschen von Hügeln zerschnitten und auch eine Spur dunkler. Und was dabei besonders auffällt im linken Teil, also im glatten Teil, da gibt es keinen einzigen Krater. Null.

Karl Urban Und der ist groß, das sind 800 mal 1000 Kilometer, aber kein Krater. Während die Landschaften rund um die Schwarzen Berge im Westen, die Hügel auf der Ostseite des Herzens, die haben mehr Krater. Haben wir schon oft drüber geredet, was das bedeuten soll. A.

Franziska Konitzer Das ist jünger geologisch gesehen.

Karl Urban B. Genau. Das ist total jung, sehr junges Terrain und zwar jünger heißt, die Oberfläche ist maximal zehn Millionen Jahre alt. A.

Franziska Konitzer Das ist wirklich nichts.

Karl Urban B. Nichts. A. Nichts. Anitia noch mal ein bisschen genauer anschaut. Das haben die Geologen gemacht. Dann gab es auch sehr detaillierte, sehr hoch aufgelöste Aufnahmen. Die bestehen aus polygonalen Bereichen. Es ist zwar glatt, aber da gibt es so Linien, die sozusagen einzelne Polygone voneinander abtrennen.

Karl Urban Und es sind exakt 199 Stück. Der Vortrag von der Geologin von der University of Arizona, den ich mir dafür angeguckt habt. Er hat gesagt, die haben echt lange gesucht, noch das 200. Stück zu finden, aber sie haben es nicht gefunden. Es sind 199 und deren Oberfläche ist jeweils ein bisschen gewölbt, ein bisschen rundlich, also wie so ein leichter Hügel, der sich in der Mitte aufwölbt.

Karl Urban Und die einzelnen Polygonen sind von Gräben unterbrochen und diese Gräben haben in der Mitte noch so einen kleinen, noch so einen kleinen Höhenzug. Also da ist so eine Linie, die da nochmal durchgeht. Bevor ich dir erzähle, was das alles zu bedeuten hat, müssen wir kurz in die Geschichte von Pluto zurückspringen und zwar relativ weit.

Karl Urban Nämlich vor ungefähr 4 Milliarden Jahren, also in der Zeit, wo die Planeten und Zwergplaneten noch alle recht jung waren, da ist auf Pluto ein Meteorit eingeschlagen. Und der hat einen ziemlich großen Krater geschlagen. Und da passierten ein paar Dinge. Einmal wurde natürlich sehr viel Material wieder rausgeschleudert und aus diesem Material ist vermutlich Charon, also der größte Mond, entstanden. Deswegen ist er auch ziemlich dicht dran bei Pluto.

Karl Urban Übrigens auch eine Parallele zu Erde und unserem Mond. Es ist sozusagen ein Bruder im Geiste. Auf Pluto ist natürlich ein ziemlich großer Krater entstanden dabei, nämlich genau dort, wo heute die westliche Hälfte des Herzens, Sputnik Planitia, liegt. Und tatsächlich handelt es sich auch heute um eine Senke, Also Planitia ist das lateinische Wort für eine Ebene.

Karl Urban Tatsächlich liegt die dreieinhalb Kilometer unter den umgebenden Bergen. Also die ist schon ein ganzes Stück weiter unten. Dreieinhalb Kilometer ist ja auch für ein irdisches Gebirge schon ein recht großer Anstieg oder Abstieg, je nachdem wie man guckt. Und genau, die Größe von Sputnik Planitia, diese 1000 mal 800 Kilometer, das ist auch ungefähr der Durchmesser von dem Krater, der da entstanden ist.

Karl Urban Woran man auch erkennt, dass das ein Einschlagskrater ist, ist, wenn man sich die Berge, die rund umliegen, anschaut, die sind so zu schollen zerbrochen. Die sind zwar irgendwie zerklüftet, also es ist nicht dieses glatte Material, aber die sind zerbrochen. Und das ist das, was man im Umfeld von so großen runden Kratern eigentlich überall beobachtet. Auf dem Mond, auf Meteoritenkratern, auf der Erde, die man kennt, die groß genug sind.

Karl Urban Also das spricht auch für den Einschlagskrater. Und wenn ich sage Gestein, also das, was den Sputnik Planitia, was diese Ebene umgibt, dann meine ich mal ausnahmsweise kein silikatisches Gestein wie auf der Erde oder auf dem Mars, sondern auf Plutos Oberfläche gibt es tatsächlich ja nur diese vier Eissorten und eine davon, nur eine davon kann die Rolle, die Funktion eines Gesteins erfüllen und das ist Wassereis.

Karl Urban Und wir wissen nämlich von diesen spektroskopischen Aufnahmen oder beziehungsweise von dem Licht, Pluto zurückwirft, dass die mittlere Temperatur auf der Oberfläche, die liegt bei 31 Kelvin, also minus 242 Grad Celsius ungefähr. Und bei dieser Temperatur sind die anderen drei Eissorten, Methan, Stickstoff und Kohlenmonoxid, die sind zu weich, um hohe Berge zu bilden und immer noch zu weich.

Karl Urban Wassereis dagegen ist sehr fest und es verhält sich so ähnlich wie ein Granit oder wie ein Schiefergestein auf der Erde und kann deswegen hohe Berge bilden.

Franziska Konitzer Also nur mal kurz für mein geologisches Dummerchen, ich hab auf Pluto, wenn ich auf Pluto wandern gehen würde und so ein Berg hochlaufen würde, würde ich auf purem Wasser laufen.

Karl Urban Gisnau. Es sei denn, du machst so eine Gletscherwanderung auf den Stickstoffgletschern oder was es da sonst noch gibt. Genau, damit wären wir nämlich auch in Sputnik Planitia, diese 199 polygonalen weißen Aufwölbungen, die sind folgendermaßen entstanden, nämlich, also nach dem was man glaubt, nach diesem großen Einschlag vor 4 Milliarden Jahren bildete sich in dieser sehr tief gelegenen Region eine Kältefalle.

Karl Urban Also der Pluto, der ja aus sehr viel Eis besteht, wenn der der Sonne näher kommt, der kondensiert, der verdampft bzw. Sublimiert eigentlich das Eis, also wird von fest zu gasförmig und es bildet sich so eine sehr dünne Atmosphäre, die auch New Horizons ja beobachtet hat am Pluto. Also es ist bis heute so, es war auch damals schon so wahrscheinlich.

Karl Urban Und wenn der Pluto dann wieder von der Sonne wegwandert, dann wird es kälter und dass dass diese Gase die resublimieren und werden wieder zu Eis und in so einer sehr tiefen Senke können die noch viel besser zu Eis werden und deswegen bildete sich dort halt diese Eisschicht. Plutujahr für Plutujahr wurde die immer höher, das wurde irgendwann eine mehrere Kilometer dicke Schicht Eis und zwar vor allen Dingen Stickstoffeis, weil das ist das, was als erstes auch entsteht.

Karl Urban Das, was wir von Gletschern auf der Erde wissen, nämlich das oder auch von irgendwelchen Versuchen im Physikunterricht, ist durch Druck, wenn man Eis unter Druck setzt, dann wird es warm. Also jedes Material wird warm, aber das Eis wird dann irgendwann so warm, dass es auch schmelzen kann. Und die Vermutung ist, dass das auch für diesen großen Gletscher gilt, der wirklich hauptsächlich aus Stickstoffeis besteht, der in dieser Ebene liegt und deswegen taut er auf der Unterseite.

Karl Urban Aber nicht nur das. Er ist auch einfach warm unten und warmes Material, selbst wenn es fest ist, hat die Tendenz aufzusteigen. Also das ist so ein bisschen wie in einer Lavalampe. Die ist jetzt zwar flüssig, aber letztlich gibt es da auch so eine Bewegung nach oben. Man kennt das auch von den vulkanischen Hotspots im Erdmantel.

Karl Urban Der Erdmantel ist ja auch fest, aber recht warm. Und an manchen Regionen, wo es diese Hotspot-Vulkane gibt, zum Beispiel unter Hawaii, da steigt ja dann auch so ein Konvektionsstrom im eigentlich festen Gestein auf, der dann erst ganz nah an der Oberfläche auch zu Lava oder Magma werden kann.

Franziska Konitzer Die dummerchen Frage ist trotzdem, wie schaut Stickstoffeis eigentlich aus? Also würde, würde, würde ich, also wie schaut's aus?

Karl Urban Es ist sehr hell, aber es ist nicht ganz so weiß wie jetzt frisch gefallener Schnee. Also es hat glaube ich eine rötliche Komponente. Ich weiß aber nicht, ob du die mit bloßem Auge sehen würdest. Also die Bilder, die wir von Pluto haben, die sind ja dann auch immer sehr angepasst. Erstmal auf die sehr, sehr schwache Sonne, die ist ja schon sehr schwach an Pluto.

Karl Urban Und natürlich auch abhängig dann, was für Spektralkanäle die Kamera verwendet hat. Insofern bin ich gerade ein bisschen überfragt, wie das für dein bloßes Auge wahrscheinlich, ganz anders als auf den Fotos, vermute ich. Auf jeden Fall gibt es Konvektionsströme im festen Material. Und das erklärt jetzt diese Polygone.

Karl Urban Und zwar gibt es so einige, nämlich wahrscheinlich ungefähr 199 solcher Konvektionsströme, die von der Unterseite von diesem Gletscher nach oben aufsteigen. Und je näher dieser Konvektionsströme, das ist wie so ein Strahl, der von unten nur aufsteigt, relativ begrenzt, aber je näher der der Oberfläche kommt, ist, zweigt er sich auf.

Karl Urban Das hängt damit zusammen, dass sich das Material auch abkühlt. Also wie so ein Regenschirm, der nach oben ein bisschen größer wird. Und irgendwo hat er dann seine Grenze. Und das ist gerade so die Größe von diesen Polygonen an der Oberfläche. Und deswegen gibt es auch diese Aufwölbung, weil von unten immer Material nachkommt.

Karl Urban Und an den Grenzen zwischen den Polygonen sinkt es dann wieder ab. Und da entstehen dann auch Risse natürlich, weil es da irgendwo so einen Übergang gibt. Oder vielleicht auch tektonische Verschiebungen. Genau, so entstehen die. Diese Polygone kennt man auch vom Jupiter-Mond Europa zum Beispiel. Die sind auch relativ groß, also 15, 20, 30 Kilometer im Durchmesser, sind ein bisschen unförmig.

Karl Urban Und im Zeitraum von ein paar zehntausend Erdjahren, also deutlich weniger als diese zehn Millionen, die man jetzt auf Basis von den Kratern geschätzt wandert also dieses Stickstoffeis in Sputnik Planitia von unten nach oben und erneuert ständig diese Oberfläche. Deshalb wir definitiv da keine Krater sehen können.

Karl Urban Also schon mal sehr faszinierend, was da in dieser Ebene und in diesem Herz passiert.

Franziska Konitzer Ich finde auf einmal, es klingt auf einmal so spannend als Wanderziel. Also ein bisschen kalt, ein bisschen weit weg, aber irgendwie klingt es, ja.

Karl Urban Genau, und das ist nur die eine Landschaft. Ich wollte jetzt mal ins andere Extrem wandern, und zwar zum Äquator. Der Äquator, der ist ja relativ dunkel, also das ist so ganz grob, es verfolgt eigentlich so grob dieses dunkle Band, das ist wie so ein Band, was einmal um Pluto rumläuft. Der große Einschlagskrater liegt so halb im Äquator drin, also so randlich zumindest, deswegen wird das schwarze Band da unterbrochen.

Karl Urban Aber genau, die Ursache dafür liegt ja weit in der Vergangenheit. Aber im Großen und Ganzen ist es so, dass der Äquator wirklich dieses dunkle Material hat. Und das ist im Großen und Ganzen Wassereis, also das Gestein auf Pluto und es ist gleichzeitig die älteste Oberfläche. Also die Geologin, die ich vorhin schon mal zitiert habe, die heißt Veronica Bray von der University of Arizona, die sagt dazu in ihrem Vortrag, diese Landschaft ist eigentlich übersättigt mit Kratern.

Karl Urban Also es gibt so viele Krater, dass eine genaue Altersbestimmung auch gar nicht mehr so richtig ist.

Franziska Konitzer Dass keine Landschaft mehr übrig ist.

Karl Urban Genau, gar nicht mehr möglich ist, das Alter auf Basis der Krater zu bestimmen, weil wenn ein neuer Krater schlägt, kann er nur andere wieder überdecken. Also es ist eigentlich nur eine Kraterwüste so richtig. Und es gibt interessanterweise, abgesehen von dem ganz großen Sputnik Planitia, kein Stickstoffeis.

Karl Urban Oder andere, wenig von den anderen Geschmacksrichtungen. Jetzt muss ich einen kleinen Exkurs machen, nämlich kommen wir zu einem elementaren Punkt, der hilft Pluto zu verstehen. Und das ist sein Orbit, beziehungsweise seine Rotationsachse, beides zusammen. Pluto rotiert in sechs Erdtagen einmal um seine Achse. Also ein Tag auf Pluto ist sechs Erdtage lang.

Karl Urban Und diese Achse ist allerdings um 122 Grad gegen seine Bahnebene geneigt. Also das bedeutet, der Nordpol, der zeigt nicht, wie sich das für einen normalen Planeten gehört, nach oben, so ganz grob gesprochen, sondern er zeigt so schräg nach unten. Das heißt auch, dass er der, also ich meine, wir haben diesen Nordpol definiert, dass es der Nordpol ist, aber letztlich sieht man das daran, wie er rum dreht.

Karl Urban Also er dreht sozusagen auch andersrum als die anderen Planeten, fast alle, und robbt sich sozusagen so halb schräg seine Umlaufbahn entlang, so grob. Das führt dazu, dass es auf Pluto nur einen sehr schmalen Streifen gibt rund um den Äquator, in dem unabhängig von der Jahreszeit die Sonne scheinen kann.

Karl Urban Und in dieser Region mit diesen eher milden Temperaturen, es ist ein paar Dutzend Kelvin, es ist nicht so richtig warm, aber es ist halt gleichförmig, können sich diese ganzen Eissorten Stickstoffkohlenmonoxid und Methan nicht gut ablagern und wieder sublimieren. Es ist einfach zu heiß. Also nur das Wasser ist dem egal, weil das ist dann noch weit, weit weg von dem Punkt, wo es sublimieren würde.

Karl Urban Und genau, stattdessen sammelt sich dort was anderes an und das sind Tolline. Hast du schon mal von Tollinen gehört? Das ist ein Begriff für eine Materialgruppe. Das ist also jetzt keine chemische Verbindung, sondern es ist eine Gruppe von chemischen Verbindungen. Und das ist so ein verbackener Mix aus organischen Stoffen, die entstehen, wenn das Material, was so Kometen und Mikrometeoriten ablagern und irgendwie noch mit Protonen aus dem Sonnenwind und was der Sonnenwind sonst noch so anbringt, wenn das miteinander reagiert, bildet sich diese Mischung.

Karl Urban Und das verursacht so eine rötliche Färbung, die viele Objekte ohne Atmosphäre im Sonnensystem haben. Und gerade im äußeren Sonnensystem, wo es kühl ist, sieht man auch auf Monden, die eher silikatisch sind oder die wenig sich verändern von den Gasriesen. Da sieht man das teilweise auch und gerade auf Asteroiden sieht man das auch relativ häufig.

Karl Urban Und das macht auch wirklich diesen Teil der Färbung oder eigentlich einen Großteil der Färbung aus in dieser Äquatorregion. Genau, die haben wir damit auch erklärt. Ich muss noch was sagen zu den anderen Eissorten. Also wie ist das mit Stickstoff, Kohlenmonoxid und Methan. Da muss ich jetzt noch das andere, was ich schon angesprochen hatte, die Bahn von Pluto um die Sonne. Die hat auch noch eine Besonderheit, außer dass sie relativ weit rausgeht, also dass sie, dass ein Umlauf… Und ihr fragt euch, warum Pluto nie ein Planet hätte sein sollen.

Karl Urban Genau, das unterscheidet ihn auch von den echten Planeten, nämlich ist die Bahn ja ziemlich exzentrisch, also verglichen mit dem Planeten, also das heißt, der Sonne, nächster Punkt, da wandert Pluto ja sogar innerhalb der Neptunbahn und da tauen in diesem geringeren Abstand zur Sonne, tauen dann Stück für Stück diese Eiser auf.

Karl Urban Also zuerst sublimiert das Methan, dann das Kohlenmonoxid und zuletzt, wenn es noch wärmer ist, auch der Stickstoff. Und Pluto entwickelt in dieser Zeit, wo er näher an der Sonne ist, eine Atmosphäre, die liegt bei – da gibt es unterschiedliche Schätzungen, die sich teilweise auch widersprechen. Auch New Horizons hat da einen Messwert gegeben, der der Teleskopmessung von der Erde ein bisschen widerspricht, aber sagen wir mal grob, ein Paskal.

Karl Urban Das ist ein Hunderttausendstel der Dichte der Erdatmosphäre am Boden oder ein Tausendstel der Marsatmosphäre. Also Marsatmosphäre ist ein Hundertstel der Erdatmosphäre. Und davon dann nochmal ein tausendste. Also es ist nicht viel, es ist wirklich eine sehr sehr dünne Atmosphäre. Und es gibt die Vermutung, dass die irgendwann wegfriert, wenn Pluto sich weiter von der Sonne entfernt und auf seiner langen, exzentrischen Bahn ja auch wirklich sehr weit rauswandert.

Franziska Konitzer Wieso wegfrieren? Also, es ist dann so eine Sache, das passiert dann ganz normal innerhalb von dem Pluto, ja? Oder ist die Atmosphäre irgendwann ganz weg? Weil das macht ja keinen Sinn, weil es müsste ja eigentlich immer so sublimieren und dann wieder gefrieren und dann sublimieren, oder?

Karl Urban Das hat man noch nicht abschließend geklärt, was auch damit zusammenhängt, dass Pluto, als er entdeckt wurde, 1930 war er 34 AU von der Sonne weg. Dann hat er irgendwann, ich glaube, in den späten 90ern, seinen sonnennächsten Punkt durchlaufen. Und jetzt ist er aber immer noch dichter an der Sonne als bei seiner Entdeckung.

Karl Urban Wir haben diesen sonnenfernsten Punkt noch nicht beobachten können. Deswegen ist die Frage, ob diese dünne Atmosphäre komplett verschwinden kann, auf jeden Fall nimmt die Dichte ab. Was auch damit zusammenhängt, also es wird kälter, es friert aus. Gerade in Richtung Pole gibt es dann diese Eisschichten, also es sind diese anderen weißen Bereiche, wo sich dann vor allen Dingen Methan und Kohlenmonoxide ablagert.

Karl Urban Und zusätzlich hat auch der Sonnenwind noch einen gewissen Faktor, dass ein Teil der Pluto-Atmosphäre weggeblasen wird.

Franziska Konitzer Naja, aber das wäre ja, wäre ja, ich finde das trotzdem unrealistisch, dass wir beobachten Pluto zum, also für uns zum ersten Mal und dann ist es genau die Umlaufbahn, wo dann die restliche Atmosphäre flöten geht. Das finde ich wenig.

Karl Urban Naja, als er entdeckt wurde, er auch schon relativ nah dran. Also es kann, es kann sein, dass sie verschwindet, aber das.

Franziska Konitzer Ja, aber dann kommt sie ja wieder bei der nächsten Umlaufbahn.

Karl Urban Sie kommt wieder, genau, das wollte ich sagen. Es ist ein Zyklus, genau, das war deine Frage. Es ist auf jeden Fall ein Zyklus. Es gibt Zeiten, wo mehr Eis zu Gas wird und die Atmosphäre anreichert. und es gibt Teile, wo der Gasanteil dann wieder abnimmt. Genau. Und ja, zusammenfassend, bzw. ergänzend, es gibt noch sehr viel zu erzählen zu Pluto.

Karl Urban Ich kann jetzt nicht so ins Detail gehen. Ich mache vielleicht noch mal eine Wandertour mit dir über Pluto. Eine Wandertour über Pluto fände ich cool. Wo wir wirklich noch mehr ins Detail gucken. Ich würde noch zwei, drei Sachen erwähnen. Zum einen...

Franziska Konitzer Die Kryovulkane zum Beispiel.

Karl Urban Genau, da muss ich ein bisschen ausholen. Man vermutet unterhalb von diesem großen Stickstoffgletscher von Sputnik Planitia einen flüssigen Ozean aus Wasser. Wir hatten ja neulich auch mal über Europa gesprochen, also den Jupitermond, wo es ja auch diesen Ozean gibt. Da hatte ich ja diese ganzen Schritte aufgezählt, wie man drauf gekommen ist.

Karl Urban Bei Pluto ist es ein bisschen kruder, das Datenmaterial, was man da hat. Man hat eine Dichteanomalie gemessen, unterhalb von Sputnik Planitia, also da ist einfach irgendwas dichter, dichteres Material und es gibt eigentlich nur eine Erklärung, die man dafür hat, dass es so punktförmig, die Dichte höher ist und das ist Wasser.

Karl Urban Also Silikatgestein, es gibt wahrscheinlich einen Silikatkern in Pluto, aber es gibt jetzt keinen Grund, warum da an einer Seite stärker sein sollte oder dichter sein sollte oder mehr vorhanden sein sollte. Und Wasser hat ja diese Dichte Anomalie, bei 4 Grad die höchste Dichte und deswegen, es Es gibt viel Wasser auf Pluto und aus irgendeinem Grund muss es da flüssig sein.

Karl Urban Das verbindet sich so ein bisschen mit dem Thema Kryovulkane. Man ist sich relativ sicher, dass es Kryovulkane auf Pluto gibt, weil die Dichte der Atmosphäre nicht hundertprozentig durch sublimierendes Eis erklärt werden kann. Also dass es da wahrscheinlich auch noch aktivere Prozesse geben müsste. Es gibt ein paar, zwei, drei Orte, wo man denkt, das könnten so Schlote sein.

Karl Urban Da ist es aber umstritten, ob die es wirklich sind oder was an diesen Orten der Vulkan dann selber ist. Aber was man tatsächlich weiß, ist, dass es in der Nähe von Sputnik Planitia ist, also irgendwie unterirdisch vielleicht verbunden mit diesem unterirdischen Wasserozean. Und man findet da Strukturen, die man von Vulkangebieten auf der Erde kennt.

Karl Urban Und jetzt haben wir wieder diese Parallele zum Vulkanismus auf der Erde. Es gibt nämlich einen Effekt auf der Erde, wenn ein Vulkanausbruch bricht, zum Beispiel jetzt gerade auf Hawaii, da bilden sich so Lavatunnel. Die Lava fließt und da, wo sie Kontakt zu Luft hat, wird sie schon wieder fest. Und diese Kruste schirmt dann aber die noch flüssige Lava innen ab von der Luft und deswegen kann die in diesen Tunnel weiter fließen.

Karl Urban Und genau das passiert auf Pluto, bloß dass es um Wasser Eis gibt. Da ist das flüssige Wasser die Lava, da bilden sich so Tunnel, Lava-Tunnel, die aus Wasser-Eis besteht und da drin kann das flüssige Wasser noch ein Stückchen weiter fließen, bis es dann irgendwann komplett wieder fest wird.

Franziska Konitzer Ich weiß nicht, ich würde mir das schon mal gerne, ich meine, das würde nie passieren, aber ich würde mir sowas gerne wahnsinnig anschauen. Das fände ich irre.

Karl Urban Ja, wenn der Weg nicht so weit wäre.

Franziska Konitzer Ja, es ist komplett unrealistisch, dass das noch was wird in diesem Leben, aber das wär schick. Das wär cool. Komm schon, Kryovulkanausbruch, jawoll.

Karl Urban Ja, also man müsste mal wieder mit einer Sonde hinfliegen und dann wirklich da bleiben, ne? Also irgendwie so ein Orbiter.

Franziska Konitzer Ja, einschwenken und, ja.

Karl Urban Na ja, schauen wir mal, vielleicht erleben wir das ja noch.

Franziska Konitzer Und das sag ich als jemand, der Pluto wirklich doof findet.

Karl Urban Genau, Franzi, das war jetzt meine kleine Geschichte von Pluto, der da draußen im Kuipergürtel seine Runden dreht, aber keine in der Zeit eingefrorene Welt ist, sondern in manchen Aspekten sogar entfernt an die Erde erinnert.

Franziska Konitzer Ja, ich danke dir vielmals, lieber Karl. Ich fand's sehr schön. Ja, nein, ich hab tatsächlich nichts gegen Pluto. Ich hab was dagegen, dass es immer noch Menschen gibt, sag ich jetzt mal so, die, äh, ja, immer noch der Meinung sind, dass es sollte doch ein Planet sein. Und dann Paper veröffentlichen, warum es doch ein Planet sein sollte.

Franziska Konitzer Und, genau, aber ansonsten, die Welt an sich, dieser Zwergplanet, ist tatsächlich ziemlich cool.

Karl Urban Ja, ich mein, Planet ist halt auch nur so eine menschliche Kategorie, ne? Und das Entscheidende ist ja eigentlich nicht das Label, was wir dem aufdrücken, sondern was im Detail passiert. Eben.

Franziska Konitzer Und ich meine, wenn tatsächlich damals der Planetenstatus von Pluto dazu geführt hat, dass eine Mission finanziert worden ist, wie New Horizons, die hinfliegt, dann denke ich mir, ist cool. Weil wenn da, sind wir realistisch, wenn man damals gesagt hätte, oh, es ist ein Zwergplanet, dann wäre man da nicht hingeflogen.

Karl Urban Und die Frage, die ich mir stelle, ist ja auch, ob die NASA eine Mission zu Pluto finanziert hatte, wenn der Entdecker ein Russe gewesen wäre zum Beispiel, ne?

Franziska Konitzer Da bin ich mir eben auch ziemlich sicher. Ich glaub, das hat auch einigermaßen was mit diesem Verstupftheit zu tun. Weil Pluto ja damals der einzige Planet war, der von US-Amerikanern entdeckt worden ist.

Karl Urban Genau.

Franziska Konitzer Das war so der Witz, deshalb war das auch so ein jahrzehntelanges Gezerre. Wobei, wie du selber gesagt hast, man hat ja eigentlich recht schnell erkannt, dass das nicht so richtig zu allen anderen Planeten passt. Also, das war ja eigentlich schon damals klar, ne? Aber gut.

Karl Urban Gut. Machen wir ein Quizchen, oder?

Franziska Konitzer So läuft's eben manchmal. Ja, genau. Hast du Fragen?

Karl Urban Ich hab Fragen, genau.

Franziska Konitzer Ich hab mir Notizen gemacht. Ich hab mir ganz viele Notizen gemacht.

Karl Urban Schauen wir mal, ob du dir die richtigen gemacht hast.

Franziska Konitzer Oh nein.

Karl Urban Frage Nummer eins. Die Frage Nummer eins ist eine Schätzfrage. Was glaubst du, wie viele Kuipergürtelobjekte kennen wir bis heute?

Franziska Konitzer Oh, komm schon, Carl. Ähm ... 100.

Karl Urban Okay, jetzt muss ich entscheiden, ob das richtig ist. Ich würde sagen ... Knapp daneben. Es sind 2.000. Also eine Größenordnung, ne? Also, sie war fast noch richtig.

Franziska Konitzer Ja, kommt, eine Größenordnung oft, das ...

Karl Urban Das ... Die Vermutung besteht, dass es ein paar Hunderttausend sind. Aber klar, ich finde 2000 auch schon ganz schön viel eigentlich. Gemessen daran, dass Pluto 1930 der erste war. Frage Nummer zwei. Wie heißen die vier Eissorten auf Pluto?

Franziska Konitzer Ach, Moment. Stickstoffeis, Kohlenmonoxid, Methan und Wassereis.

Karl Urban Nein, das war ...

Franziska Konitzer Hey!

Karl Urban Ah! Das konnte nur schiefgehen.

Franziska Konitzer Achtung!

Karl Urban Richtig! Sehr schön. Eins A. Frage Nummer drei. Was für Eis liegt in der linken Kammer Sputnik Planetsia, also linken Herzkammer, und warum ist es so weiß?

Franziska Konitzer Äh, Stickstoffeis. Hat eine höhere Albedo als Wassereis, keine Ahnung. Ähm, ja. Hat eine höhere Albedo als Wassereis?

Karl Urban Keine Ahnung. Ähm ... ja. Also, man könnte sagen, dass es dieser Meteoritenkrater ist, in dem diese Prozesse ablaufen, dass sich das Eis ständig erneuert. Und deswegen ist es auch nicht dunkel gemacht werden kann. Ach so, nee, ich war ...

Franziska Konitzer Ich hab mir überlegt, warum du so gemein bist, mich zu fragen, warum Stickstoffeis an sich heller als Wassereis ist.

Karl Urban Du hast versucht, die Frage als Physikerin zu beantworten, es sei dir gegönnt, ist okay.

Franziska Konitzer Aber ich kann dir sagen, dass es höchstens 10 Millionen Jahre alt ist.

Karl Urban Die Frage hat mich ja auch verwirrt vorhin, das muss ich vielleicht glatt nochmal nachtragen, das interessiert mich jetzt auch, wie sich diese Eise optisch unterscheiden. Machen wir mal weiter, Frage Nummer 4. Warum ist es rund um Plutos Äquator eher dunkel?

Franziska Konitzer Äh, weil das, Moment, das ist relativ dunkel, weil das ein schwarzes Band ist, besteht aus Wassereis und ist die älteste Oberfläche und müsste deshalb eigentlich mit Kratern voll sein.

Karl Urban Ja, genau, und dann gibt's halt noch diese Tolline, die sich da ablagern. Genau. Aber passt. Ähm ...

Franziska Konitzer Ich hab Tolline aufgeschrieben und ein dickes Fragezeichen dahinterher gemacht, weil ich das sofort googeln werde, wenn die Folge zu Ende ist. Genau, und dann die letzte Frage.

Karl Urban Genau und dann die letzte Frage, welcher ist dein Lieblingszwergplanet? Na ...

Franziska Konitzer Das würde implizieren, dass ich mir die Namen von diesen ganzen kleinen Dingern merke. Äh, äh, äh ... Oh Gott, wie hieß denn der, den der Michael Brown entdeckt hat, der die hawaiianische Übersetzung für Zwist ist? Nee. Ja, ja, den Michael Brown entdeckt hat auf jeden Fall, der dann letztendlich dazu geführt hat, dass Pluto abgeräumt worden ist.

Karl Urban Okay. Sehr schön.

Franziska Konitzer Moment mal, ich schau das jetzt nach.

Karl Urban Ich wollte auch nicht den richtigen Namen. Ich wollte nur, dass du einen benennst, der dein Lieblingszwergplanet ist.

Franziska Konitzer Ach so, Äris heißt der.

Karl Urban Wenn ich gemein gewesen wäre, hätte ich gesagt, es gibt nur eine richtige Antwort.

Franziska Konitzer Was, wieso?

Karl Urban Nein, ich bin ja auch kein Pluto-Fanatiker.

Franziska Konitzer Ich hab wirklich nichts gegen Pluto. Ich find den sehr spannend. Ich find, wie gesagt, diese leidige Diskussion, diese leidige Diskussion, die eigentlich erfolgreich geführt worden ist. Und deshalb, ja.

Karl Urban Also was ich wirklich schön an Pluto finde, ist diese, also jetzt auch nach dem Vorbeiflug, dass man wirklich sieht, dass da so ein Objekt so wahnsinnig weit draußen sehr, sehr aktiv ist und man da auch wirklich ganz viel beobachten kann. Und gerade dieses Mantra, wir fliegen ganz weit raus oder wir gucken uns einen Kometen an, da hat man es ja auch schon gesehen, weil man irgendwie das urtümliche Material, aus dem mal die Planeten entstanden sind, beobachtet, nee, da passiert immer noch voll viel so geologisch.

Karl Urban Also ... Ja.

Franziska Konitzer Es macht mich immer ein bisschen wehmütig oder traurig, dass man da ... Also, eigentlich find ich schade, dass es nicht viel mehr Weltraummissionen ins äußere Sonnensystem gibt. Also, warum keine Orbiter-Mission für Pluto oder so was? Ich weiß, warum, weil's daher ist. Das ist ja immer das Argument, es kostet alles Geld.

Franziska Konitzer Ich persönlich finde es sehr schade, weil, joa, ich find das schön.

Karl Urban Ja, schauen wir mal, vielleicht kommt ja noch was.

Franziska Konitzer Hoffentlich. Ich würde mich freuen, dann kannst du mir auch davon erzählen, so in 50 Jahren über den Pluto-Orbiter.

Karl Urban Oh ja, das machen wir.

Franziska Konitzer Wenn dann bei Folge 650 angelangt sind oder irgendwie sowas, dann tipptopp. Jawoll. Ja, dann haben wir es für heute.

Karl Urban Würde ich sagen.

Franziska Konitzer Dann haben wir es für heute. Dann war sie das nämlich, die 62. Ausgabe von Astrogeo. Und wir danken allen, die unsere Arbeit unterstützen. Das sind die regelmäßigen Abonnentinnen der Weltraum Reporter, dem Online-Magazin und das Abonnement kostet 3,49 Euro im Monat.

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Franziska Konitzer Zuletzt danken wir euch fürs Zuhören. Wir sagen tschüss.

Karl Urban Glück auf.

Franziska Konitzer Und Ad Astra. Bis zum nächsten Mal.

Karl Urban Und die große Meldung schlägt dann am 80. Februar 1930 ein. Irgendwo piepst. Ist das bei dir oder bei mir?

Franziska Konitzer Das ist bei dir.

Karl Urban Okay, warte mal kurz. Was ist das denn? Heute ist Deutscher Warntag. Und man kann in seinem IOS Testwarnungen aktivieren. Und das ist die Testwarnung. Probealarm, bundesweiter Warntag.

Franziska Konitzer Ja, ich glaub, ich hab meine alle in Flugmodus gestellt beziehungsweise in einen Maulkorb verpasst und ins andere Zimmer verbannt.

Karl Urban Oh, draußen auch. Bei dir auch?

Franziska Konitzer Nee, in München können wir dann alle verbrennen.

Karl Urban Das ist ja witzig, wenn wir so kurz warten.

Franziska Konitzer Lass uns das drin lassen, das find ich eigentlich ziemlich gut. Ja, ich find's ein bisschen besorgniserregend, dass ich gar nichts höre.

Karl Urban Ach, in München, da kann euch nix passieren. Da ist die Welt noch in Ordnung. Aha. Das geht jetzt eine halbe Stunde so, oder?

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