Blindflug – Wein-Podcast· Folge 111

Blindflug 111: die Treppenfunktion

Donnerstag, 23. Februar 2023 · 1 h 12

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Shownotes

Die sind doch irre: Felix hält ein flammendes Plädoyer gegen das Preis-Leistungsverhältnis und Flo outet sich als Etiketten-Trinker. Fehlt nur noch Primitivo!

Matthias hat nach dem Sweet Spot gefragt, und damit Felix in eine tiefe Krise gestürzt. Alle wollen immer nur über Geld reden. Wo bleibt der Genuss, wo die Philosophie? Immer nur schnöder Mammon – vermutlich, weil der alte Mann den Nachwuchs vor teuren Fehlentscheidungen bewahren soll. Doch diesmal setzt Felix sich zur Wehr. Er redet erst mal eine halbe Stunde über Zeit und dann ein bisschen über Geld. Flo hingegen pfeift auf beides. Er ist sich sicher: wirklich wichtig sind hübsche Etiketten, am besten mit Tieren drauf.

Dr. Corvers Kauter – Rüdesheimer Ortsriesling

schnutentunker.de/schwab-corvers-kauter

Es gibt viel zu erzählen. Und Felix möchte den Worten Weine zur Seite stellen, also gibt es heute gleich zwei davon. Der erste ist ein herausragender Ortswein aus dem Rheingau, der zweite selbiges aus Franken, der erste kostet 60 Prozent mehr als der zweite und doch bieten beide ein herausragendes Preis-Genussverhältnis, was nur geht, weil dieses Preis-Genussverhältnis ziemlicher Quark ist. Aber das zu verstehen, muss man wohl dem Vortrag lauschen. Schreiben wir derweil hier von den Weinen: Dr. Corvers Kauter, Rüdesheimer Riesling 2021 ist Rheingau pur (corvers-kauter.de/weine/klassiker). Noch verspielt, aber auch schon mit noblem Nachdruck, ist der Wein deutlich zu jung, spielt noch die Grapefruit-Karte und gefällt Flo doch ausnehmend gut. Das hat jetzt jugendlichen Trinkfluss und deutet doch Potential an.

Beim zweiten Wein, dem Thüngersheimer Weißburgunder 2021 vom Weingut Schwab aus Franken, greift Felix der Entwicklung etwas vor, denn der Wein kommt sieben Stunden belüftet ins Glas. Da zeigt er sich schon leicht cremig, mit der Textur eines längeren Hefelagers und einer dezent bitteren Phenolik im Abgang. Flo ist angetan, zieht den Riesling indes vor. Felix findet den Wein ob seines Facettenreichtums und des deutlichen Potentials zum lachhaften Preis (shop.weingut-schwab-franken.de/collections/wei…) regelrecht grandios. Das ist definiv ein Sweet-Spot-Wein.

Timorasso – Strukturwunder von Vietti

schnutentunker.de/vietti-timorasso

Flo schenkt Felix einen unglaublich strukturierten Wein ein. Der Colli Tortonesi DOC Timorasso ‚Derthona‘ 2019 macht Felix unendlich glücklich. Er hat aber die Struktur eines wunderbaren, leichten Rotweines. Wer ein fruchtiges Leckerli erwartet, der wird hier enttäuscht. Felix findet eine Frucht im schwarzen Glas, die einerseits gelb, aber irgendwie auch rot anmutet, dann kommt ein tolles Spiel aus Schmelz und Gerbstoff, das ein bisschen nach Holzausbau schmeckt. Tatsächlich stand der Wein eine Nacht auf der Maische und lag zehn Monate auf der Feinhefe, neues Holz ist eher nicht im Spiel. Was für ein wunderbar komplexer Weißwein.

Zum Abschluss gibt es den Primitivo Doppio Passo 2020 aus der Halbflasche und der ist eine Enttäuschung. Wer die Bewertungen des Weines bei Vivino anschaut, der liest immer von samtigen Gerbstoffen. Doch das, was da im Abgang kommt, können weder Flo noch Felix irgendwie anders beschreiben als mit dem Wort ‚kratzen‘. Da ist gar nichts samtig und auch die dienende Restsüße kann das nicht überschminken.

Viel Spaß bei einer neuen Episode unseres Podcasts.

Hier geht es zur Episodenübersicht. (schnutentunker.de/blindflug)

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Hier ein paar ausgewählte Inhaltsmarken dieser Episode für die Suche nach Inhalten:

Matthias Frage nach dem preislichen Sweetspot von Weinen

Geizoasen

Was wir in Folge 57 und 86 schon gesagt haben und warum sich Matthias nicht immer angesprochen fühlen soll, obwohl er immer angesprochen wird

Warum müssen wir immer über Geld reden? Ich würde viel lieber über Zeit philosophieren, ich würde viel lieber über Genuss philosophieren und immer wenn ich denke jetzt müssen wir mal wieder sowas machen weil wir so viel über Geld gesprochen haben, dann kommt direkt wieder einer wie Matthias und will über Geld reden.

Matthias‘ Generation hat die sharing economy erfunden aber beim Wein suche ich immer noch die disruptiven Geschäftsmodelle.Beim Wein wollt Ihr eigentlich alles so machen wie eure Eltern. Das Konzept ist: ich kaufe einen unfertigen Wein dann lege ich den zehn Jahre auf eigene Kosten in irgendeinen Keller oder so dann hole ich ihn raus, mache ihn auf trinke ein Glas mit dem ich die Erkenntnis und die Erfahrungen mache, die ich mir gewünscht habe und dann muss ich noch vier Gläser trinken, weil in einer Flasche 0,75 Liter drin sind. Das Konzept feiert ungefähr dieser Tage seinen hundertsten Geburtstag. Erfunden wurde das von Baron ich weiß nicht welcher Rothschild für Mouton, die waren nämlich die ersten, die den Schlossabzug eingeführt haben. In diesen 100 Jahren haben sich die Lagerpreise verzehnfacht, der Konsum hat sich gedrittelt. Technologisch wäre es überhaupt kein Problem durch Mikro-Oxidation, längeren Fass-Ausbau, bisschen Technologie hier und da – zu sagen, wir machen eine Partie so wie immer und für die anderen die keinen Keller haben machen wir zwei Jahre später Late-Release in der 0,25 l Flasche mit Schraubverschluss zum sofortigen Genuss Ich wäre sofort dabei, aber Matthias’ Generation fordert das nicht ein

… der alte Sack Johann Wolfgang von Goethe der diesen wirklich blöden Spruch geprägt hat: das Leben ist zu kurz um schlechten Wein zu trinken – und dieser Spruch gehört auf den Müllhaufen der Geschichte er sollte ersetzt werden durch den Spruch eines Junggebliebenen erfolgreichen dynamischen freundlichen deutschen Podcasters, der immer sagt Erkenntnis schmeckt lecker

als Goethe gesagt hat Leben ist zu kurz um schlechten Wein zu trinken bedeutete schlechter Wein ja im besten Fall ein Tag Verlust der Geschmacksnerven, der schlechte schlechte Wein wäre eine Woche lang Brechdurchfall

Goethe hatte auf seinem Schreibtisch ein Tintenfass und ein Blatt Papier aber nicht den Lobenbergschen Katalog der dicker war als das Berliner Telefonbuch und Goethe hatte auch nicht 25 gut sortierte Händler in seinem Browserverlauf.

Wenn Goethe heute leben würde dann wäre es bei Faust 1 geblieben…

… wäre natürlich ein Feingeist der wahrscheinlich Podcast hören würde und sagen würde: das Leben ist zu kurz um zweimal den gleichen Wein zu trinken

Restaurant-Tipp Grüner Gaul Bochum und was wir da trinken würden

…bedeutet auch immer ein bisschen mit dem Strom zu schwimmen und jetzt muss ich mal über jemanden erzählen … in meinen Anfangszeiten war ich in einem Weinforum unterwegs

… totaler Fokus auf PLV führt in die Opposition und zu Vereinsamung…

natürlich sind die meisten der großen Namen keine Sweetspot Winzer aber große Namen provozieren mehr Austausch

Flo schildert seinen Eindruck des Rüdesheimer Ortsweins vonCorvers Kauter, Auflösung etc.

Wechsel zu Wein zwei, Weißburgunder Ortswein von Schwab

Kleiner Tipp für einen Abstecher in den Rheingau. Wohnen bei F.B. Schönleber, Abendessen bei Corvers Kauter

sehr modernes Weingut, haben auch begriffen, dass für viele viele Weingüter die Zukunft nicht mehr nur darin liegt, Weine zu produzieren, sondern du musst deine Weise erlebbar machen für diejenigen z.b. die keine Keller haben.

Sweet Spot oder Treppenfunktion, Global, national, regional? … um das noch mal kurz zu konkretisieren wenn ich mich hinstelle und sage ich möchte die zehn preisgünstigsten Weine mit 90 Parker Punkten …

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