Collegium Conversations – der Wissenspodcast des St.Gallen Collegium· Staffel 2· Folge 2

S02·E02 – Miriam Meckel: «Diejenigen, die am meisten über Souveränität reden, sind diejenigen, die sie am wenigsten haben»

Freitag, 30. Oktober 2026 · 48 min

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Shownotes

Ist Europa digital souverän? Die Antwort von Miriam Meckel fällt klar aus: «Nein, das sind wir wahrscheinlich nicht.» Doch das sei kein Naturgesetz, sondern das Ergebnis von Entscheidungen, die politisch und wirtschaftlich nicht getroffen wurden.
In dieser Folge spricht Host Thomas Ramge mit der Kommunikationswissenschaftlerin, die derzeit am Thomas Mann House in Los Angeles forscht, über verpasste Weichenstellungen und echte Chancen. Warum hat Europa keinen eigenen «DeepSeek-Moment»? Meckel nennt einen unvollendeten Binnenmarkt, einen Flickenteppich an Regulierung und fehlendes Kapital für die Wachstumsphase, das Deep-Tech-Firmen reihenweise in die USA treibt. Digitale Souveränität ist teuer, sagt sie, und je später man beginnt, desto teurer wird sie. Statt einem eigenen Foundation Model hinterherzulaufen, solle Europa seine Stärken stärken: KI für die Industrie auf Basis offener Modelle, World Models und Robotik, digitale Identität.
Für Meckel greift die Debatte aber zu kurz. Neben der technologischen Souveränität Europas gehe es auch um die der einzelnen Bürgerinnen und Bürger und um die «humane Souveränität» des Menschen. Wenn nur noch drei von dreissig Studierenden lange Texte lesen, verlernen wir das kritische Denken, das wir gerade im Umgang mit KI brauchen. Ausserdem erzählt sie, wie KI in Diskussionsrunden Brücken zwischen polarisierten Positionen bauen könnte, was eine souveräne Speakerin ausmacht und warum sie KI als Sparringspartnerin nutzt, nicht als Ersatz.
Prof. Dr. Miriam Meckel ist Professorin für Corporate Communication an der Universität St.Gallen und forscht an den Schnittstellen von Kommunikation, Technologie und Innovation. Sie ist Unternehmerin und Autorin zahlreicher Bücher zur Digitalisierung, zuletzt zur künstlichen Intelligenz. Derzeit ist sie Fellow am Thomas Mann House in Los Angeles, wo sie untersucht, wie KI die Demokratie stärken statt schwächen kann.

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