Der Aware Parenting Podcast· Staffel 1· Folge 39
Manipulierende Wutanfälle
Freitag, 30. Oktober 2026 · 21 min
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Shownotes
Fragst du dich auch manchmal, ob dein Kind nur seinen Kopf durchsetzen mag mit seinem Wutanfall? Oder hörst du solche Aussagen von deinem Umfeld, die dein wütendes Kind und dich erleben? Antworten auf diese Frage findest du in dieser Folge und noch mehr! Es geht auch darum, warum Kinder zu viel von dem bekommen, worauf sie Lust haben und zu wenig von dem, was sie wirklich brauchen.
Shownotes:
- Podcastfolge 7
awareparenting-institut.alitu.com/episode/894a…,
- Podcastfolge 10
awareparenting-institut.alitu.com/episode/0d18…
- Podcastfolge 16
awareparenting-institut.alitu.com/episode/b8f5…
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Hey, grüß dich. Du bist hier bei meinem Aware Parenting Podcast und du tauchst ein mit mir ins bewusste Sein mit Kindern und mit dir. Ich bin Anke Eirich und ich heiße dich von ganzem Herzen willkommen hier. Hey, hey, grüß dich. Ich habe ein spannendes Podcast Thema heute mitgebracht. Und zwar möchte ich mit dir der Frage Manipulieren uns unsere Kinder mit Wut und Tränen? Also wenn sie wegen irgendwas Nein von uns hören oder was nicht bekommen oder irgendwas nicht so geschieht wie erwartet und sie sind mega wütend, werfen sich auf den Boden, schreien wie wild, beschimpfen dich vielleicht sogar, toben und wüten. Und hier gehe ich mit dir der Frage nach, ob sie uns da manipulieren oder ihren Willen wollen. Oder können
Kinder nur die Eltern manipulieren, die Angst vor Weinen und Wut haben und die entlastende Wirkung von Wutanfällen oder Tränen bei Kindern gar nicht kennen? Ja, du kennst diese Situation bestimmt. Ihr sitzt beim Abendbrot, du musst schon einmal tief durchatmen, weil der Tag war lang. Dein Kind oder deine Kinder sind vielleicht schon etwas quenglig oder ziemlich wild drauf oder aggressiv und du bist auch ganz schön erschöpft vom Tag. Und dann kommt dieser berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt bei deinem Kind. Du füllst das Glas deines Kindes mit Tee anstatt mit Saft, weil der Saft nämlich alle ist. Und es gibt einen mega Wutanfall bei deinem Kind.
Es wirft sich auf den Boden, es schreit. Im schlimmsten Fall wirft es auch noch das Glas um oder den Becher Und es tobt 5 Minuten, 10 Minuten schreit dich an. Du sollst weder Saft in den Becher oder in das Glas füllen, aber der Saft ist leer. Oder ein anderes. Dein Kind dürfte ein Filmchen gucken, vielleicht eine schöne Blue Serie oder wenn es schon ein größeres Kind ist, vielleicht hat es Medienzeit und ihr habt eine halbe Stunde vereinbart und die ist um und du gibst deinem Kind Bescheid. Oder das Filmchen ist aus und es gibt ein Riesentheater. Dein Kind schreit dich doch doch, ich will noch mal eine Serie gucken. Ich will noch zehn Minuten Verlängerung nur zehn Minuten. Mama, bitte, bitte, bitte. Papa,
du bist so blöd, du bist so doof und es tobt und schreit, obwohl es vorher klar abgesprochen war, wie lange die Medienzeit geht oder dass es nur eine Folge gibt oder noch ein anderes Du hast deinen Kind einen Ausflug versprochen am Nachmittag, wenn es von der Schule oder Kita kommt und du musst ihn verschieben, weil deine Freundin, die mit ihren Kindern dabei sein wollte, doch nicht kann heute Nachmittag und dir abgesagt hat und du möchtest nicht alleine gehen und dein Kind schreit und tobt und hat einen mega Wutanfall.
Ja, was ist hier? Die manipulieren uns, unsere Kinder, mit ihren Wutanfällen? Also will dein Kind mit seinem Wutanfall doch noch dich rumkriegen, seinen Willen bekommen? Oder scheint es nur so, dass Kinder uns manipulieren mit ihren Wutanfällen, weil wir dann auch oft nachgeben, weil wir die Not nicht aushalten, weil du vielleicht unsicher wirst oder deine Ruhe haben willst oder weil es vielleicht peinlich ist in der Öffentlichkeit. Zum Beispiel dieses berühmte Szenario an der Kasse im Supermarkt, da liegen ja zum Beispiel die Überraschungseier rum und dein Kind will ein Überraschungsei, obwohl ihr abgemacht habt. Es gibt keins Und es wirft sich vor der Kasse im Supermarkt auf den Boden und du nimmst schnell das Überraschungsei aus
dem Regal, weil dir schon ganz viele Leute zugucken und legst es auf das Einkaufsband. Hat jetzt dein Kind wegen seiner Wut dich rumgekriegt? Wo findest du dich wieder? Fragst du dich auch manchmal, ob dein Kind mit Absicht wütet beim Tee statt Saft, bei der Medienzeit, beim Ausflug, den du verschieben musstest und auf den nächsten Tag legen magst und dein Kind, ja, ist total enttäuscht und wütend oder vielleicht auch wegen einer klitzekleinen Kleinigkeit aus deiner Sicht gar nicht so einfach rauszufinden, was da gerade los ist?
Also aus der Whirlponting Sicht sind wer bin ich überzeugt oder weiß ganz sicher, dass Kinder uns nicht manipulieren wollen mit Wut und Weinen, obwohl das unser Umfeld uns manchmal suggeriert. Du hörst bestimmt so Sprüche, ja, dein Kind will jetzt nur seinen Willen durchdrücken, da musst du jetzt standhaft bleiben und das musst du ihm verbieten.
Du musst ihm den Wutanfall schnellstmöglich abgewöhnen. Das ist das, was ich immer hören musste, als meine Tochter mit anderthalb Jahren anfing Wutanfälle zu haben. Und ich dachte damals schon, obwohl ich Aware Panting noch nicht kannte, ja, aber irgendwie stimmt es nicht. Ich kann sie nicht davon abhalten, da muss was raus.
Bevor wir zum Rauslassen über Wut kommen, mag ich dir noch, mag ich mit dir noch einen Spruch teilen vom Jesper Juul. Das ist ein dänischer Familientherapeut gewesen, den ich sehr schätze. Also diesmal kommt der Spruch nicht von Alisa Solter, der Begründerin von Aware Parenting, sondern von Jesper Juul. Und er sagt, Kinder bekommen zu viel von dem, worauf sie Lust haben und zu wenig von dem, was sie brauchen.
Kinder bekommen zu viel von dem, worauf sie Lust haben und zu wenig von dem, was sie eigentlich tatsächlich brauchen. Also was heißt denn das genau? Er unterscheidet hier zwischen Bedürfnis und Wunsch, zwischen dem, was das Kind eigentlich wirklich will und dem, worauf es gerade Lust hat. Und ich habe den Eindruck, bei der bedürfnisorientierten Erziehung, also bei dieser Haltung von Eltern, die Bedürfnisse ihrer Kinder rauszufinden, rauszuhören, dieses Bedürfnis möglichst zu erfüllen. Ich habe den Eindruck, dass da oft eine Verwechslung stattfindet zwischen Bedürfnis und Wunsch. Also wenn wir jetzt zu meinen Beispielen von Anfang gehen, dann ist bei diesem Tee und Saft Abendbrot Szenario das Bedürfnis vom Kind zu trinken und seinen Durst zu stillen.
Aber das geht auch mit Tee, muss nicht unbedingt mit Saft gestillt werden. Oder beim Ausflug. Was ist denn da das Bedürfnis von deinem Kind? Es möchte gerne Spaß haben, Zeit mit ihr verbringen oder was Neues erleben. Das wäre sein Bedürfnis und sein Wunsch ist es, mit dem Ausflug zu erfüllen. Aber das Bedürfnis lässt sich sehr wahrscheinlich oder ziemlich sicher auch noch anderweitig erfüllen.
Und dann kommt ja noch was dazu, wenn du den Ausflug absagst, auf den das Kind sich schon gefreut hat, dann kommt ja auch noch Frust dazu. Und dein Kind hat jetzt, jetzt in diesem Moment das Bedürfnis, seinen Frust auszudrücken und kundzutun. Und das würdest du genauso machen. Also wenn dein Partner, deine Partnerin, wenn ihr morgens vereinbart habt, ihr geht abends mal wieder ins Kino, du hast ein Babysitter organisiert und dein Partner deine Partnerin ruft dir vom Büro aus an, Schatz, ich muss leider absagen für heute Abend, ich muss länger arbeiten, lass uns morgen gehen. Und du bist dann enttäuscht oder traurig. Dann hast du auch das Bedürfnis, diese Enttäuschung kundzutun und traurig sein zu dürfen und es nicht runterschlucken zu müssen.
Oder ich mag dieses Beispiel, weil wir das oft vergessen, dass Kinder, wenn irgendwas nicht so läuft, wie sie das gedacht haben oder wie wir es geplant haben, dass sie dann traurig enttäuscht sind und den Kummer oder den Frust ausdrücken. Ja, wenn du ganz neu bist hier in meinem Podcast an dieser Stelle, dann ein ganz herzliches Willkommen an dich. Ich freue mich, dass du hierher gefunden hast. Also wenn du ganz neu hier bist, dann kennst du vielleicht auch nicht den Broken Cookie. So nennen wir im Aware Parenting die Situation, wo Kinder wirklich aufgrund von Kleinigkeiten einen mega Wutanfall haben können, der auch manchmal eine Viertelstunde oder noch länger geht, 20 Minuten.
Der Broken Cookie bezeichnet den Moment, wo dein Kind von der Kita zum Beispiel kommt oder von der Schule mega viel erlebt hat, sehr gestresst ist und sein Stresspegel sehr hoch ist. Und dann kommt der Moment, wo es nach dem Essen einen Lieblingskeks von ihm essen möchte und der ist zerbrochen, liegt zerbrochen in seiner Keksdose und es hat einen mega Wutausbruch.
Da ist der Broken Cookie, der zerbrochene Keks, der Tropfen, der dieses Stressfass zum Überlaufen bringt. Ich habe übrigens einige Podcast Folgen hier, unter anderem die siebte Podcast Folge, wo du das ganz genau noch mal dir anhören kannst, wenn du es noch nicht kennst. Es ist also hier heute meine Botschaft, dass es Momente gibt, wo dein Kind gar nicht dich manipulieren will oder dich rumkriegen will, dass es jetzt doch Saft statt Tee bekommt oder dass es doch noch mal eine Folge Blue gucken darf oder noch mehr Medienzeit bekommt oder wo es gar nicht will oder wo es gar nicht darum geht, dass es jetzt sofort heute mit dir den Ausflug machen möchte, sondern wo es um was ganz anderes geht. Also beim Ausflug Beispiel
sicherlich darum, jetzt seine Enttäuschung kundzutun, aber bei der Medienzeit ganz sicher geht es darum, Stress loszuwerden, Anspannung zu entladen. Und das machen Kinder üblicherweise, weil sie das noch können. Vier Große haben das schon abgewöhnt bekommen, aber sie machen das ganz natürlich über Tränen und über Wutanfälle.
Und es ist so eine entlastende Nachricht für dich, hoffe ich doch an dieser Stelle als Elternteil, dass du ab heute weißt, dein Kind macht da was Gutes für sich und ist gar nicht gegen dich gerichtet, sondern für sich. Es sorgt da gut für sich. Es kann noch, weil es so klein ist, ganz natürlich auf seinen natürlichen Stressentlastungsmechanismus in sich zu greifen und seinen Frust und auch den angesammelten Stress vom Tag über weinen, heftiges Weinen oder sehr lautes, starkes Wüten mit viel Bewegung zum Teil auch zu entlasten. Also wichtig für dich heute an dieser Stelle, Wut tut gut und ist was Gutes und Gesundes. Es ist eine ganz starke Kraft in uns Menschen und ich bin mir ziemlich sicher,
oder ich mag dich mal einladen reinzuspüren, wie du Wut erlebt hast in deiner Kindheit. Wie wurde mit dir umgegangen, als du wütend warst als Kind? Es ist nämlich an dieser Stelle enorm, enorm wichtig, auch wie mit deinen Tränen umgegangen wurde. Es gibt nämlich unzählige Ablenkungs und andere Strategien, um Kinder vom Weinen ihren Tränen freien Lauf zu lassen und vom Wüten abzulenken und es zu verhindern. Und die allermeisten Erwachsenen, die ich kenne, mich eingeschlossen, sind davon als Kind abgehalten worden. Also aus meiner Erinnerung, als ich so vier, fünf Jahre alt war, ich erinnere mich vor allem auch noch, wie meine Eltern mit meinen Geschwistern, mit meinen beiden Schwestern umgegangen
sind. Da erinnere ich, dass ich verspottet wurde, wenn ich wütend wurde. Mir wurde dann immer gesagt, es würden Hörner wachsen an meiner Stirn. Guck mal ein kleiner Teufel oder ein kleiner Stier oder Ziegenbock. Guck mal jetzt, jetzt wachsen da die Hörner. Oder ich kann mich auch erinnern, dass meine Schwester verspottet. Boah, guck mal, was die für ein Gesicht sieht und ja, wie die jetzt böse aussieht oder hässlich. Also es kam auch eine Abwertung für Tränen oder Wut.
Und es war ja nicht nur einmal, das haben wir ja ganz, ganz häufig erlebt. Und vielleicht gehörst du auch zu den Erwachsenen, die richtig Strafen angedroht bekommen haben oder tatsächlich bestraft wurden, vielleicht sogar körperlich mit Schlägen. Also ich habe auch öfters hören müssen, wenn du jetzt weinst, wenn du nicht aufhörst zu weinen, dann knalle ich dir ein paar, dann bekommst du eine Ohrfeige, dann weißt du, warum du weinst.
Es ist wirklich krass, wenn ich in meinem Seminar sammle, was Erwachsene als Kinder erlebt haben, was Eltern erlebt haben, als sie klein waren und geweint oder gewütet haben. Das steckt tief in uns drin. Und deswegen aktiviert sich das wieder, wie so vieles andere auch, wenn wir Eltern werden und selbst Kinder ins Leben begleiten oder wenn wir als Fachperson mit Kindern unterwegs sind, dann aktiviert sich das, was wir rund um unsere eigene Tränen und Wut erlebt haben. Und dann macht es so den Eindruck, dass Kinder uns mit ihren Tränen oder ihrer Wut manipulieren wollen. Es ist aber ganz, ganz häufig entweder Enttäuschung und Frust, den sie ausdrücken wollen, oder es ist tatsächlich eine Stressentladung, eine Entlastung von ganz viel Anspannung,
die sie den Tag über erlebt oder angesammelt haben. Und ja, es gibt außerdem noch einen Unterschied zwischen Wunsch und Bedürfnis. Und es gibt auch dieses Bedürfnis, sich zu entspannen und über Wut rauszulassen, was da raus muss. Und wenn du heute beim Anhören dieser Podcast Folge das Gefühl hast, da könnte was dran sein oder du hattest vielleicht schon mal ein Erlebnis, wo du bei deinem Nein oder bei deiner klaren Grenze geblieben bist, bei deiner liebenden Haltung von doch, das machen wir jetzt so, Nein, ich gebe jetzt nicht nach, es gibt jetzt nicht noch mal eine Folge, weil es ist zu spät und es geht jetzt ab ins Bett. Oder abends beim Bücher anschauen beim Zubettgehen, da seid ihr schon beim zweiten,
dritten, vierten Buch, obwohl du nur eins versprochen hast und du denkst, okay, das kann jetzt noch endlos so weitergehen, ich muss jetzt hier Stopp sagen. Und du machst ganz das Allerwichtigste, nämlich du hey, jetzt ist hier Ende. Dein Kind fängt dann an zu weinen oder zu füttern oder zu toben und du bleibst 10 Minuten bei deinem Kind und bei deinem Nein, Nein, es gibt jetzt kein neues Büchchen mehr, es gibt nicht noch mal eine Gute Nacht Geschichte. Und dein Kind hört dann auf, nach zehn Minuten zu weinen oder zu wüten und schläft dann postwendend ein. Oder wenn du es tagsüber beim Wutanfall begleitest, hör dann auf zu wüten und geht dann ganz friedlich spielen. Wenn du das erlebst, dann bist du
auf der richtigen Spur von Wutentlastung oder Entlastung über Weinen von deinem Kind. Und dann feiere ich dich, wenn du da dran bleibst Und wenn du immer mehr dieser Spur folgst, hey, ist es jetzt ein Bedürfnis von meinem Kind oder ein Wunsch oder liegt hinter diesem Wutanfall nicht die Absicht, seinen Willen zu bekommen oder dich rumzukriegen oder zu manipulieren, sondern das Bedürfnis zu entlasten, stresslos zu werden, was Kinder unwillkürlich und ganz natürlich über Weinen und wütend tun, weil sie das noch nicht über Sprache oder andere Möglichkeiten tun können, wie wir Erwachsenen. Wenn du das erkennst, dann ja, dann bleib auf dieser Spur und schau, was geschieht. Schau, wie oft du ein viel entspannteres Kind
hast und magische Veränderungen wahrnimmst, vor allen Dingen mehr Entspannung von dir rund um um Wutanfälle oder Weinen. Hey, wenn du jetzt neugierig bist und dich noch nicht so gut auskennst mit dieser Haltung, mit dieser einen Säule im Aware Parenting, nämlich das Kinderstress und Traumaheilen über ihre Gefühle, über Weinen und Wüten, aber auch über Lachen und Spielen. Wenn du noch mehr wissen magst zu diesen entlastenden Wutanfällen, dann hör dir die Folge 7 an, hier in meiner Post Podcast Reihe oder die Folge 10, da geht es ums Neinhorn oder die Folge 16, warum weinen und Wüten in unserer Kultur verboten ist und lass dich hier noch mehr mitnehmen und inspirieren. Wie schön, dass du heute dabei warst. Ich wünsche dir alles Liebe,
deine Anke.