Die Boss - Macht ist weiblich· Folge 134

Podcast-Tipp von Simone Menne: Braune Kinderzimmer

Montag, 23. Februar 2026 · 36 min

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Shownotes

Braune Kinderzimmer – undercover bei jungen Nazis

Alle Folgen zum bingen ab dem 20.02. auf RTL+ und stern+: stern.de/podcasts und jede Woche Freitag eine neue Folge überall da, wo es Podcasts gibt.

Kugelbomben, Brandstiftung, Anschlagspläne: Acht Monate war Reporterin Angelique Geray undercover in einer rechtsradikalen Gruppe namens "Letzte Verteidigungswelle". Die Mitglieder der LVW sind zwischen 14 und 21 Jahre alt – Jugendliche und junge Erwachsene. In diesem Podcast tauchen wir ein in eine verstörende Welt von Neo-Nazis, die sich radikalisieren und sogar Anschläge planen. Was Angelique Geray und das Recherche Team von RTL und stern aufdecken, erschüttert Deutschland und bringt mehrere junge Männer in Untersuchungshaft und vor Gericht. Hier erzählt Angelique von ihrer Recherche, davon wie sie Kontakt aufnehmen konnte, sich tatsächlich persönlich mit Mitgliedern getroffen hat und sich schneller in Gefahr begibt als ihr lieb ist. "Braune Kinderzimmer" ist eine Produktion von RTL+.

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Hallo, liebe Hörerinnen und Hörer. Hier ist Simone Menne, die Gastgeberin vom Stern-Podcast Die Boss. Aber heute kommt mal außer der Reihe ein Podcast-Tipp für einen anderen Podcast für Sie und Euch. Es ist ein neuer Podcast von Stern und RTL, und zwar von den Kollegen aus dem Investigativ-Ressort. Der Podcast heißt Braune Kinderzimmer – Undercover bei jungen Nazis.

Die Geschichte zeigt, wie sich Kinder und Teenager in Deutschland radikalisieren und in die Welt von Neonazis abtauchen. Die Recherche ist deshalb so eindringlich, weil die RTL-Reporterin Angelique acht Monate lang verdeckt in einer dieser rechtsradikalen Gruppen unterwegs war. Sie hat sich in diese sogenannte letzte Verteidigungswelle eingeschleust.

Das jüngste Mitglied dieser Gruppe ist 14 Jahre alt. Der Podcast zeigt, wie Kinder und Jugendlichen innerhalb kurzer Zeit Anhänger rechtsradikaler Ideologien werden und gemeinsam sogar Anschläge planen. Für mich war das vorher wirklich unvorstellbar und ja, es ist erschütternd. Teenager, die auf der Suche nach Halt und Gemeinschaft in die Nazi-Szene abdriften und bereit sind, schwere Straftaten zu begehen.

Die Recherche des Teams von Stern und RTL bringt am Ende sieben junge Männer in Untersuchungshaft. Bald beginnt der Prozess gegen sie. Im Podcast Braune Kinderzimmer erzählt die Reporterin Angelique von dieser Recherche, wie sie in Kontakt zu rechtsradikalen Gruppierungen aufgenommen hat und wie sie die Mitglieder treffen konnte.

Die erste Folge des Podcasts hören Sie jetzt hier. Wenn Sie direkt alle Folgen der Serie hören möchten, dann finden Sie sie auf stern.de slash podcasts. Bei Stern Plus und auch bei RTL Plus sind nämlich schon jetzt alle Folgen verfügbar. Den Link dazu gibt es in der Folgenbeschreibung. Da haben Sie dann auch den Link zum Podcast-Kanal Braune Kinderzimmer, wo die Folgen auch veröffentlicht werden und zwar jeden Freitag eine neue.

Und die nächste Gästin von Die Boss, die hören Sie wie gewohnt am Mittwoch. Vielen Dank, Ihre Simone Männer. Bevor es losgeht, ein wichtiger Hinweis. In diesem Podcast hört ihr echte Auszüge aus Chats und Sprachnachrichten. Sie enthalten rassistische, antisemitische und menschenverachtende Inhalte. Die Namen wurden geändert, die Stimmen mit KI verfremdet.

Der Inhalt ist aber echt. Wenn ihr diesem Kanal folgt, bekommt ihr mit, wenn eine neue Episode online ist. Ich freue mich über eure Bewertungen und Kommentare. Und wenn ihr mit der nächsten Episode nicht bis nächste Woche warten wollt, alle Folgen Braune Kinderzimmer gibt es jetzt schon auf RTL Plus und Stern Plus.

Es ist früh am Morgen in Sachsen. Ein kalter Tag im Januar 2025. Auf dem Boden liegt Schnee. Ein junger Mann stapft an einer Landstraße entlang, direkt auf die tschechische Grenze zu. Er läuft zu Fuß, denn er denkt, mit dem Auto ist das Risiko höher, in eine Polizeikontrolle zu geraten. Ziel ist eine Art Markt mit bunten Verkaufsständen.

Da gibt's gefälschte Klamotten, Spielzeug und stangenweise Zigaretten. Bumm, bumm, sagt die Verkäuferin. Sie meint damit Böller. Aber der 21-Jährige in Bomberjacke und Springerstiefeln sucht etwas Spezielles. Justin will mehr als Feuerwerk- und Polenböller. Justin will Kugelbomben kaufen. Justin und ich wollen Kugelbomben kaufen. Und wie ich hier gelandet bin, das erzähle ich euch jetzt.

Ich bin Angelique. Ich bin Investigativreporterin bei RTL. In diesem Podcast tauchen wir ein in eine verstörende Welt von jugendlichen Neonazis, die sich radikalisieren und sogar Anschläge planen. Und ich war undercover mittendrin. Ihr hört Braune Kinderzimmer, eine Produktion von RTL Plus. Das ist Episode 1, Maschinengewehr im Kinderzimmer.

Sehr geehrte Damen und Herren, heute ist uns ein Schlag gegen eine rechtsextremistische Vereinigung gelungen. Fünf Teenager sind bei Razzien in mehreren Bundesländern als Terrorverdächtige festgenommen worden. Nach Ermittlungen der Bundesanwaltschaft gehören sie zu einer rechtsextremen Gruppe, die sich letzte Verteidigungswelle nennt.

Da geht es um schwerste Straftaten, versuchten Mord und ähnliche Dinge. Der Fall zeigt, Terror hat offensichtlich kein Alter und die Gefahren, die durch soziale Netzwerke entstehen, sind groß. Sie sind 14 bis 21 Jahre alt und waren bereit für ihre rechten Ansichten Menschen. Die letzte Verteidigungswelle. Die sind alle zwischen 14 und 21.

So, ihr Juden, ja, ich bin Janik, 18 Jahre alt, ja, und, ja, und, ja, und, ja, ich bin ein Partner, der wird, bin ein Echtig-Simmer, ist genett, und, ja, hi, Edler. Yannick, der, der da spricht, ist einer davon. Mit ihm fängt mein Weg in die letzte Verteidigungswelle an, kurz LVW. Das ist eine Gruppe, die erst nur online unterwegs ist, aber dann ziemlich schnell radikaler wird und rausgeht ins echte Leben.

Angefangen hat meine Recherche eigentlich ganz harmlos. Ich sitze auf meiner Couch und scrolle durch TikTok. Ich poste da nichts. Meistens gucke ich einfach nur. Ein bisschen den Kopf ausschalten, berieseln lassen und den Algorithmus einfach machen lassen. Und dann fällt mir was auf. In total vielen Videos zeigen sich Jugendliche in Klamotten, die man eigentlich eher aus den 90ern kennt.

Mit Springerstiefeln und Bomberjacke. Also auch Mädchen, ziemlich jung, auch die feiern diesen Look total ab. Ich sehe mehr davon. Und noch mehr. Und der Algorithmus? Klar, der denkt, das gefällt dir wohl. Und nach ein paar Stunden ist mein ganzer Feed voll mit so richtig krassem Kram. Ich bin recht und stolz drauf.

Und ich verstehe auch das Problem dabei nicht. Ich meine, heutzutage bist du ja schon rechts, wenn du gerne Auto fährst, Dinge hinterfragst und diskutierst. Wenn du deine Meinung sagst, bist du rechts. Vertrittst du alte Werte, bist du rechts. Ach, nicht gut, dass niemand weiß, dass ich bunte Bild schmeiß.

Ach, nicht gut, dass... Ich rufe keine Bullen, du Wichser. Ich schlag dir in die Fresse, du blöde Fotze. Meine Anti und stolz darauf, ob die Berliner Verräterer scheiß ich drauf. Dann sehe ich ein Video, das bleibt mir richtig hängen. Ein Mädchen, vielleicht zwölf, dreizehn Jahre alt. Sie backt Plätzchen und filmt sich dabei.

Aber die Formen, das sind keine Sterne und keine Tannenbäume. Also jetzt mal, ob wir erst im Oktober haben, ein Plätzchen backen. Und ich habe mir nicht mehr schlafen. Ich habe es selbst hier aus, aber... Also... Sie sagt Weihnachten in Deutschland und backt Hakenkreuze. Und ich sitze da vor meinem Handy und ich denke, was? Wie kann das sein?

Ich könnte die Kids jetzt einfach anschreiben und fragen, hey, warum machst du das? Aber ich habe schon öfter in der rechtsextremen Szene recherchiert. Und ich kenne dieses Szenario. Ich stehe zum Beispiel bei einer Demo. Mikrofon in der Hand und die Kamera läuft. Ich versuche, mit irgendjemandem zu reden.

Ich stelle mich vor und sage, hey, ich bin Angelique, ich bin Journalistin und ich möchte gerne ein paar Fragen stellen. Und dann kommt jemand, schlägt mit der Hand gegen die Kamera und sagt, verpiss dich. Und das war es dann mit dem Gespräch. Die meisten wollen nicht reden. Und dann dachte ich mir, wenn ich das wirklich verstehen will, warum Jugendliche so ticken und wie sie da reinrutschen, Dann muss ich selbst rein.

Nicht als Reporterin. Sie müssen denken, ich bin eine von ihnen. Und dann sehe ich eine Möglichkeit, wie das klappen kann. Werde Teil von Jung und Stark. Die deutsche Jugend geht voran. Schließ dich an. Komm in meine Gruppe. Die Deutschen brauchen dich. Das sind Einladungen zu privaten Gruppen. Die sehe ich bei TikTok, aber auch in Profilen bei Instagram und Co.

Immer wieder die gleichen Aufforderungen. Und wie gesagt, auch an die Neuen, wenn ihr Bock habt, könnt ihr ein Screenshot von der WhatsApp-Gruppe machen und ein bisschen Werbung, dass wir größer werden. Es wirkt alles unfassbar leicht. Wer rein will, kann rein. Je mehr Leute, desto besser. Also mache ich mit. Unter meinem neuen Namen Isabel.

Isabel oder Isa ist 30 Jahre alt und kommt aus Süddeutschland. Sie ist seit ein paar Jahren in Berlin und arbeitet dort als Pflegekraft in einer Demenz-WG. Über meine Rolle und meine Tarnung erzähle ich euch später noch mehr. Erstmal so viel. Mit diesem alter Ego bin ich in über 30 WhatsApp-Gruppen gelandet.

Für mich waren das Türen, die kurz aufgehen und dann direkt wieder zu. Die Gruppen verschwinden genauso schnell, wie sie auftauchen. Kaum bist du drin, ist die nächste schon da. Und in diesen Gruppen wird heftig abgehitlert. Das bedeutet, es werden Hitlerwitze gemacht, Memes geteilt oder sogar Bilder mit Hitlergruß hin und her geschickt.

Als wäre das ein Freifahrtschein, endlich alles rauszulassen, was sonst verboten ist. Nun ist es natürlich nicht so, dass jede Person, die diese Inhalte sieht, am Ende auch selber gewalttätig wird. Da müssen verschiedene Faktoren zusammenkommen. Da hat man zum einen die individuelle Ebene, also eigene rechtsextreme Einstellungen, Gewaltaffinität, vielleicht auch eine Selbstwertproblematik, Einsamkeit.

Das Ganze trifft dann auf gruppenpsychologische Faktoren, also dass man versucht, sich in der Gruppe aufzuwerten durch besonders spektakuläre Taten. Dass man bestärkt wird, wenn man eben besonders radikal wird. Das ist Pia Lamberti. Sie ist Psychologin und Autorin und forscht unter anderem zu Rechtsextremismus.

Und es sind aber auch noch Faktoren, und das finde ich nochmal wichtig zu unterstreichen, die jenseits des Internets liegen. Zum einen natürlich das Elternhaus. Es zeigt sich immer wieder, dass Kinder, die selber aus rechtsextremen Familien kommen, aus Familien, in die vielleicht auch Teil der Baseballschlägerjahre waren, dass hier die Einstellung der Eltern weitergetragen wird, dass man dann versucht, quasi nochmal radikaler zu sein als die Eltern.

Und das Ganze wird aber natürlich auch befeuert durch eine gesellschaftliche Normalisierung rechtsextremer Positionen. Das bedeutet, wenn Menschenverachtung, Rassismus, Antisemitismus in der Gesellschaft normalisiert werden, wirkt sich das auch auf Jugendliche aus, die dann glauben, sie wären die Personen, die quasi stellvertretend für die Gesellschaft, die in ihrem Weltbild nichts tut, aktiv werden und eben dann Gewalt verüben können.

Alleine TikTok oder Instagram zu verdammen, führt zu kurz. Okay, es gibt also nie den einen Grund, warum sich Jugendliche radikalisieren. Social Media ist eben nur einer davon. Aber jetzt erstmal zurück zu den privaten Gruppen, wo eben ganz offen abgehitlert wird. Da fällt mir ein junger Mann besonders auf.

Ja gut, abgesehen davon, dass die Juden geiziger waren, die jungen Glauben in dem deutschen Volk kopieren wollten und mit dem deutschen Volk voll die Planen die ganze deutsche Rasse ausgekorten wollten. Hab ich jetzt auch nichts gegen Christen, aber jeder seine Glauben. Aber, you know, hey it long. Das ist Yannik.

Er macht in dieser WhatsApp-Gruppe Werbung für seine eigene Kameradschaft. Die letzte Verteidigungswelle. Um mehr darüber herauszufinden, schreibe ich Yannick direkt an. Hey, hier ist Isa. Wer? Die aus Berlin. Ah, Heil-Hitler-Kameradin. Schön zu hören, dass es Frauen gibt mit Nationalstolz. Ich antworte mit einem Smiley. Ich weiß auch nicht so richtig, was man darauf sonst antworten kann.

Wir kommen ins Gespräch. Yannick sagt, Schreiben ist nicht so sein Ding. Er macht zu viele Fehler. Ist okay, wenn ich dir ein Audio schicke? Ich schreibe ja. Ja, wir haben jetzt erst mal nur, also wir sind jetzt seit drei, vier Jahren aktiv. Ich bin selbst mit drin seit zwei Jahren, knapp. Und haben auf sich jetzt erst mal nur Werbung über soziale Medien gemacht.

Instagram halt hauptsächlich, Snapchat bisschen was. TikTok haben wir so viel wie es geht gemacht. Auf Telekom haben wir auch. Und halt viel mit Aktionen durch Sprühen oder, ich sage jetzt mal, Straftaten. Weil wir sind alle rechtsradikal. Straftaten am Gesprühten mit der FOW. Und halt den Namen irgendwie Stück für Stück groß zu machen.

Haben auch schon versucht, mit anderen Gruppen zu gruppieren. Haben auch Kontakte zur JM und zur M-Land-Rebeute. Aber die sind ja immer alle unterschiedlich und die sind alle ein bisschen rechts und wir sind rechtsradikal und das passt ihnen eigentlich so viel und dann gibt es keine Loans. Ich will mehr über seine Gruppe rausfinden, also halte ich Kontakt zu Yannick.

Nach und nach erzählt er mir mehr über sich. 18 Jahre alt, aus Schmölln in Thüringen. Ein kleiner Ort, knapp 14.000 Leute. Er wohnt mit seiner Mutter und zwei Katzen in einer Wohnung. Arbeiten geht er auf den Bau als Dachdecker. Seine Mutter, meint er, tickt bei vielen Themen genauso wie er. Also meine Mama, die fährt sich nochmal schmerzend, wo wir auf ein Schwitsch-Pengerstiefel in der Wohnung umlaufen. Aber ansonsten ist die halt auch so ein bisschen die Meinung.

Ich frage ihn, was er genau mit Meinung meint. Für uns Rechtsextreme, wir glauben ja, keine Lügen, wir glauben ja an die Wahrheit. Die beste ist Beispiel die 6 Millionen. Es waren keine 6 Millionen. Es gab keine zwei Gaskammern. Der schlimmste Mörder war der Ami. Deutschland hat alleine nie zwei Weltkriege entfacht. So was halt Holocaust.

Und für uns gibt es was, das ist eine rechtsextreme Band, Verschießenskommando. Und für uns Neonazis gibt es Tag X, wo wir alle rausgehen, sei es mit Waffen, Schusswaffen, Messern, irgendwas, um dort jeden einzelnen K*** einfach zu schlachten. Das ist echt krass. Und vor allem stimmt das ja auch nicht. Das sind Verschwörungsmythen und Nazisprech, der einfach nicht wahr ist.

Und außerdem ist es strafbar, den Holocaust zu leugnen. Das spricht ein Jugendlicher, der mein kleiner Bruder sein könnte. Der erzählt ganz selbstverständlich davon, unschuldige Menschen abzuschlachten. Als wäre das das Normalste der Welt. Was Yannick da erzählt, habe ich so ähnlich schon mal gelesen.

Aber noch nie hat mir das jemand so offen ins Ohr gesagt. Tag X ist in der Szene der große Umbruch, der totale Zusammenbruch der Gesellschaft. Quasi das große Chaos, auf das viele Rechtsextreme regelrecht hoffen. Diese Idee gibt es schon seit den 80ern. Da wird von Rassenkrieg und Bürgerkrieg geträumt.

Von Gewalt als Mittel zum Ziel. Die Vorstellung ist immer gleich. Erst alles kaputt machen, dann ihr neues Reich aufbauen. Für Yannick und seine Leute heißt das ganz klar. Gewalt ist okay. Hauptsache, man ist bereit, wenn es losgeht. Ich frage ihn, wie Sie sich auf diesen Tag X vorbereiten. Er schickt mir ein Video.

Ich sehe einen Raum mit kaltem, blauem Neonlicht. Und zwei Jungs, die nebeneinander stehen. Beide tragen schwarze Sturmhauben und Bomberjacken. Hinter ihnen eine Wand voller Waffen. Alles fein säuberlich aufgereiht, als wäre es ein Altar. Sturmgewehre, Messer, Munition und Wurfsterne. Und drüber hängt eine Flagge mit einem fetten Hakenkreuz.

Mein Kamerad, du bist es leid, in einem Land zu leben, wo sich keiner für seine Meinung interessiert. Du bist es leid, in einem Land zu leben, wo Lügen über unsere deutsche Vergangenheit erzählt werden. Wo wir fertig gemacht werden für das, was wir angeblich getan haben sollen. Du bist es leid, in den Knast gesteckt zu werden oder Strafen zu bekommen für das, was richtig ist, was gut für das deutsche Volk ist.

Dann tritt der MVW bei der letzten Verteilungsfälle. Mit dir zusammen sind wir die... wenn die Deutschland wieder reinigt von dem Dreck, der sich hier angesiedelt hat über die Jahre. Das und noch vieles mehr erwarten sich in Zukunft bei der LVB. Beide drehen sich gleichzeitig um, richten die Arme zur Waffensammlung aus.

Dann schlagen sie die Hacken zusammen. Sicherheit der LVB. Ich muss echt dreimal hingucken. Sieht eigentlich aus wie ein ganz normales Jugendzimmer. Aber überall Waffen. Janik bestätigt, ja, das ist sein Zimmer. Da in Schmölln, wo er zusammen mit seiner Mutter und den Katzen wohnt. Er wirkt richtig stolz, als würde er mir einen Werbeclip zeigen.

Ich frage ihn, ob die Waffe da in dem Video nur eine Schreckschusspistole ist. War am Anfang ein Schreckschuss. Da ist vorne ein kleines Träger drin. Hinten im Lauf, wo die Kugel durchkommt, ist zugeschlossen. Die habe ich aufbauen lassen. um diesen Drill reinzubekommen. Ich habe die Händen aufgerüstet und habe uns dann Internet Traummunition gekauft und habe aus einer Schreckschuss eine echte Waffe gemacht.

Ob das wirklich so leicht ist, Schreckschusswaffen zu echten Waffen umzubauen, da sind sich nicht mal Experten einig. Ändert aber nichts an der Tatsache, dass das illegal und mega gefährlich ist. Ob Yannick da einfach angibt oder das wirklich gemacht hat, das ist schwer zu sagen. Fest steht, die Idee mit Gewalt das System zu kippen ist nicht neu.

Die sächsischen Separatisten sind da ein Beispiel. Die Polizei nahm die Gruppe 2024 hoch. Acht Festnahmen. Alles war vorbereitet für den Tag X, inklusive Tarnklamotten und Waffenlager. Und das war nicht das erste Mal. Schon 2015 flog die Gruppe Oldschool Society auf. Auch sie wollten mit Anschlägen gezielt Chaos in Deutschland stiften.

Und die Liste ist noch viel länger. Heißt, was als Spinnerei im Kinderzimmer beginnt, kann richtig gefährlich werden. Und Yannick, der schickt mir noch mehr von seiner Propaganda. Wir präsentieren Ihnen heute die 17 Gen 5 Lok 9mm. Das ist ein Video von einem Mitglied aus der letzten Verteidigungswelle.

Er trägt ein T-Shirt und eine Totenkopfmaske. Es gibt noch viel mehr solcher Videos. Da üben sie in leerstehenden Gebäuden das Schießen und zünden im Wald Böller, um zu testen, was am meisten knallt. Ich erinnere mich noch genau an den Moment, als ich zum ersten Mal solche Propaganda-Videos von Yannick auf dem Handy hatte.

Ich war gerade bei einer Geburtstagsfeier. Eine Freundin hatte beim Italiener eingeladen und ich habe ein Glas Weißwein in der Hand. Es war echt laut und fröhlich. Als ich dann die Nachrichten gesehen habe, dachte ich erstmal, oh fuck. Ich bin dann auf die Toilette gegangen, um mir die Videos anzugucken.

Ich stand da im grellen Licht und ich wusste, das ist zu krass, um das jemandem zu zeigen. Zurück am Tisch habe ich nichts von den Videos erzählt, obwohl meine Freunde wissen, dass ich oftmals auch undercover recherchiere. Aber das war einfach zu heftig. Meint Yannick das wirklich ernst oder ist das alles nur große Klappe?

Ist das hier vielleicht die nächste Terrorgruppe? Eine Gruppe wie die sächsischen Separatisten? Also Leute, die nicht auf den Tag X warten, sondern ihn selbst mit Gewalt herbeiführen wollen? An dem Abend beim Italiener wird mir das erste Mal richtig mulmig. Allein der Gedanke, dass Yannick rauskriegen könnte, dass ich hier eigentlich als Journalistin undercover bin, das macht mir mittlerweile schon echt Angst.

Wenn man sich das anhört, dann wirkt das logisch. Also, weil die, wir erzählen, ihren Anhängern ja nichts Unlogisches. In ihrer Logik ist es total sinnhaft, rassistisch zu denken. Es ist total sinnhaft, einen Führerstaat zu fordern. Das ist André Aden. Mit seinem Team von Recherche Nord dokumentiert er seit über 20 Jahren alles, was die rechte Szene lieber unter dem Radar halten würde.

Zum Beispiel geheime Treffen oder Neonazi-Konzerte. Ihr könnt euch das so vorstellen. Er versteckt sich mit seinem Team und beobachtet, was die da machen. Ganz ehrlich, egal wem ich in dieser Szene über den Weg laufe, André hat eigentlich immer irgendeine Story zu diesem Gesicht parat. Wir treffen uns in André's Wohnung in Bremen.

Altbau, hohe Decken, dunkle Vorhänge. In der Küche läuft Kaffee durch. André trägt einen 3-Tage-Bart, einen schwarzen Pulli und vor ihm steht eine Tasse mit der Aufschrift »Ein Scheiß muss ich«. Vor kurzem haben Leute aus der rechten Szene seine Adresse rausgefunden und mitten in der Nacht haben sie dann die Fensterscheiben von seinem Auto eingeschlagen – direkt vor seiner Tür.

In Zukunft wird er hier also nicht mehr wohnen können. Wie gefährlich so eine Recherche werden kann, das weiß er genau. Und. Es gibt Situationen, wirklich sind Kollegen manchmal schwer verletzt worden, also wirklich mit dem Messer angegriffen worden. Ein Kollege ist vor ein paar Jahren mit einem Schraubenschlüssel der Schädel eingeschlagen worden.

Also der hat überlebt. Die brauchen dann eine betroffene Beratung. Dann holt man sich professionelle Hilfe in solchen Fällen. Das ist mir auch schon mal passiert, dass ich mir professionelle Hilfe suchen musste. Schon ganz am Anfang habe ich André um Unterstützung gebeten, weil bei Neonazis sollte man sich nicht alleine einschleusen.

Das wäre einfach zu gefährlich. Und ich muss versuchen, immer einen Schritt voraus zu sein, um nicht aufzufliegen. Und dafür brauche ich jemanden, der mir den Rücken frei hält. Er hat sofort zugesagt. Klar, er meinte schon, dass es riskant ist und vielleicht auch ein bisschen irre. Aber trotzdem war er direkt im Boot. Und seitdem André mich unterstützt, fühlt es sich nicht mehr ganz so verrückt an und ein bisschen sicherer.

Ich bin nicht mehr komplett allein mit diesem ganzen Wahnsinn. Ich frage ihn, wie er die Situation einschätzt und woher das kommt, dass Jugendliche wieder wie Skinheads rumlaufen. Es wird auch in der Wissenschaft und in der Beratungsarbeit sprechen auch Einzelne wieder von den Rückkehr der 90er. Dass auf einmal wieder die grüne Bomberjacken und die Schneetarnhose und wie du schon sagst, Springerstiefel bis zum Knie, weiße Schnürsenkel.

Das sind so die Kleider eurer Großeltern, die quasi die in den 90ern getragen haben in den Baseballschlägerjahren. Und diese neuen Jugendlichen, die sind nicht an Organisationen gebunden. Das heißt, die bauen gerade ihre eigenen Organisationen auf, haben komplett neue Gruppennamen, niemand kannte die, die haben auch eine Turboradikalisierung innerhalb von 14 Tagen.

Wir sehen das ja manchmal bei den sozialen Medien, dann schauen wir uns ihren privaten Account an, da sind sie noch irgendwie auf dem Reiterhof und machen irgendwie ihr Studium, bereiten sie vor als, weiß ich nicht, Wirtschaftsprüfer und innerhalb von zwei Wochen sind die halt Turboradikalisiert und haben Hakenkreuz auf dem Oberarm tätowiert, wo man so denkt und tragen dann die Waffel in der Hand.

Der Grund ist, weil die sich jetzt eigentlich ihre Szenen neu bauen. Die werden jetzt langsam abgefischt von den Organisierten. Aber wir haben jetzt eigentlich eine Szene von unorganisierten, organisierten jungen Neonazis, die ihre eigenen Strukturen aufbauen. Die versuchen sozusagen, sich an Bildern zu orientieren, die sie aus den Medien kennen. So liefen Nazis halt früher rum.

Also wenn man dann googelt, was sind so die Kleinstruz, dann findest du halt immer noch diese Bilder. Ich zeige André die Clips von Jannik und seiner Gruppe. Das ist krass. Aber leider... Nichts Neues und quasi Standard in der Szene. Also tatsächlich, wenn wir uns mit der organisierten Neonatis-Szene beschäftigen oder mit den Strukturen, die in dieser Szene aktiv sind, also Personen.

Die ganze Szene lebt ja von so einem Vernichtungsgedanken. Es geht immer darum, Menschen, die nicht dazugehören. Es gibt die In-Group, das ist der völkische Volkskern, wie noch immer sie das dann definieren. Und es gibt Leute, die müssen ausgeschlossen werden. Und in ihrer Ideologie, in ihrer Weltanschauung geht es nur um Vernichtung.

Es gibt keinen Ausschluss im Sinne von, du kriegst jetzt nicht mehr den Schlüssel für die Haustür hier, sondern du wirst vernichtet, du wirst ausgemerzt. Und deswegen sind solche Dynamiken, wie sie sich da so darstellen, schon leider Normalität. Was André sagt, sehe ich auch in den offiziellen Zahlen vom Bundeskriminalamt.

Im Jahr 2024 wurden in Deutschland fast 38.000 rechtsextremistisch motivierte Straftaten registriert. Das sind fast 50 Prozent mehr als im Jahr davor. Im Schnitt werden also jeden Tag neun Menschen Opfer, Rechter, rassistischer oder antisemitischer Gewalt. Das ist keine Randerscheinung mehr. Das ist Realität.

Ich frage André, was der Worst Case für mich ist. Der Worst Case ist dein Tod. Und das ist auch gar nicht so fiktiv, weil wir es hier mit Strukturen zu tun haben, die die Tötung politischer Gegnerinnen, insbesondere Verräterinnen, und als das wirst du gelabelt bei denen, bedingt in Kauf nehmen und es auch eigentlich intern propagieren.

Sie sagen ja, wenn der Tag X kommt oder wenn ein bestimmtes Ereignis kommt, dann werden wir, Dann werden wir Tabula Rasa machen, dann machen wir kurz einen Prozess. Wenn ich das höre, dann wird mir echt anders. Und ich weiß, dass ich für diese Recherche echt gut vorbereitet sein muss. Es gibt aber keine Kurse, in denen man lernt, wie man undercover recherchiert.

Ich habe mich auch nie hingesetzt und eine perfekte Tarnung entworfen. Das entwickelt sich einfach, von Einsatz zu Einsatz. Ich recherchiere jetzt schon etwa sechs Jahre undercover und jedes Mal habe ich bei Isabel neue Details ergänzt, so, dass die Tarnung in die Szene passt. Dieses Mal ist es aber besonders schwierig.

Ich will in eine Szene eintauchen, die viel jünger ist als ich. Ich bin 32. Nicht alt, aber selbst mit Perücke und Brille sehe ich eben nicht aus wie 16. Also muss ich meine Geschichte anpassen, damit es glaubhaft wirkt. Der Lebenslauf von Isa ähnelt meinem. Während dem Studium habe ich selbst einmal in der Pflege gearbeitet.

Das heißt, ich kann im Gespräch ein paar Fachbegriffe einstreuen, die plausibel wirken. Gerade so viel, dass ich Smalltalk überstehen kann, wenn jemand gegenübersteht, der vom Fach ist. Ich bin also dieses Mal die Pflegerin, die relativ spät auf den rechten Weg gekommen ist. So erzähle ich es als Isa.

Und der Schichtdienst als Pflegerin hilft mir. Ich kann Treffen absagen. Sorry, muss einspringen. Oder spontane Telefonate zu allen Zeiten ablehnen, weil ich dann einfach sage, ich bin im Dienst. Klingt jetzt vielleicht banal, aber solche Details entscheiden ganz oft, ob man durchkommt oder auffliegt.

Dass ich schon 30 bin, hat übrigens niemanden gewundert. Die haben sich eher bestätigt gefühlt, dass jetzt auch die Erwachsenen mitmachen. Zurück zu Yannick von der LVW, von dem ich will, dass er mich, also Isabel, in die Gruppe bringt. Bevor ich eintreten kann, schickt er mir eine Art Fragenkatalog.

Wie heißt du genau? Wie alt bist du? Was sind deine Wünsche oder Ziele für Deutschland? Warum bist du rechts geworden? Ich starre echt lange auf die Fragen. Ich tippe ein paar Worte, löss sie dann wieder. Nochmal und nochmal. Wieder diese Entscheidung. Wer Isabel sein will oder sein muss. Ich tippe. Ich bin Isabel, 30 Jahre alt, aus Berlin.

Ich arbeite im Pflegebereich und habe in den letzten Jahren viel gesehen, was in diesem Land falsch läuft. Ich will mich keiner Partei anschließen, sondern aktiv werden. Ich will, dass sich was ändert. Darauf schickt Yannick mir wieder eine Sprachnachricht. Okay, gut, dann schreiben wir die Tage oder morgen. Ich wünsche noch eine wunderschöne, gute Nacht, Kameradin.

Gott mit uns und mögen wir kämpfen, bis unser Sieg ist. Ist die geil. Ich finde es so weird, dass er sich in der Sprachnachricht so von mir verabschiedet. Ich beobachte ihn also die nächsten Tage auf Social Media. Yannick postet fast täglich neue Stories. Bei Instagram, Snapchat. Die Clips sind nach 24 Stunden weg. Aber bei mir sind sie noch Tage später im Kopf. Musik.

Da ist dieses Selfie in seinem Jugendzimmer. An der Wand eine SS-Rune. Daneben ein geklautes Stoppschild, ein Fußballtrikot. Und mittendrin die LVW-Flagge. Ihr Logo ist der Totenkopf wie bei der SS. Im Hintergrund läuft Schwarz ist die Nacht. Ein Lied von Frontalkraft, einer Neonazi-Band. Die Zeilen bleiben mir einfach hängen.

Für mich klingt das wie eine Drohung. Yannick präsentiert auch seine Tattoos in der Story. Auf dem einen Oberschenkel ein Hakenkreuz. Auf dem anderen der Schriftzug Blut und Ehre. Ganz frisch gestochen. Das sieht so geil aus. Optisch ist das mega schön gemacht. Und ich persönlich finde, das macht auch übel attraktiv.

Ich finde das irgendwie geil. Kaum habe ich das Video angeklickt, kommt eine neue Nachricht von ihm rein. Es ist der Link zu seiner Gruppe. In dem Moment ist es total seltsam. Einerseits spüre ich die Erleichterung. Boah, ich habe es geschafft reinzukommen. Und gleichzeitig ist da dieses mulmige Gefühl. Ich weiß, ab jetzt wird es ernst.

Ich klicke auf den Link und trete bei. So, Kameraden, wir haben jemand Neues. Willkommen, Kameradin. Sieg Heil. Grüß dich. Willkommen in der LVW. So beginnt mein Einstieg in die Gruppe Letzte Verteidigungswelle. An dem Punkt weiß ich nicht, was aus dieser Recherche einmal werden soll. Aber ich spüre, es ist wichtig, alles von Anfang an festzuhalten.

Also stelle ich mir in meinem Arbeitszimmer eine kleine Kamera auf und dokumentiere ab jetzt jeden einzelnen Schritt. Ich sammle jede Sprachnachricht, jeden Chatverlauf. Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahne? In ein paar Monaten werde ich mich mit einem Mitglied der LVW treffen. Mit Justin, dem 21-Jährigen vom Anfang der Folge.

Mit dem Berufskraftfahrer werde ich nach Tschechien fahren und Kugelbomben kaufen. Denn er hat einen Plan. Ilias und ich hatten ja auch was geplant. Das wird nur schlimmer werden. Senfenberg, das K***enheim, komplett in die Luft sprengen. Deshalb wollte Ilias ja heute mitkommen, dass wir ein paar Kugelbomben holen und die einfach ins K***enheim reinschmeißen.

Für alle, die jetzt schon wissen wollen, wie es weitergeht, wechselt rüber zu RTL Plus oder Stern Plus. Dort könnt ihr schon alle sechs Folgen Braune Kinderzimmer am Stück hören. Braune Kinderzimmer ist eine Produktion von RTL Plus. Danke an das Podcast-Team von RTL Plus. Besonders an Redaktion und Sounddesign, die diesen Podcast möglich gemacht haben.

Geschrieben und gesprochen von mir, Angelique Geray Die Musik kommt von The Vibe Braune Kinderzimmer ist eine Recherche von Stern und RTL.

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