
Die Leichtigkeit der Kunst - Kunstpodcast· Folge 18
Munich HIGHLIGHTS Podcast: Rachel Ruysch – Natur, Malerei und Sichtbarkeit | Dr. Bernd Ebert & Dr. Alexander Kunkel
Dienstag, 8. Oktober 2024 · 1 h 18
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Shownotes
Der Munich HIGHLIGHTS Podcast nutzt den Rahmen der Boutiquemesse, um Verbindungen sichtbar zu machen: zwischen Antiquitäten, bildender Kunst, Fotografie, Kunstmarkt, Kunsthandwerk, Sammlungen und Schmuck. Dieser Kunst-Podcast führt mitten hinein in Gespräche, die sich Zeit nehmen: für historische Linien, für Beobachtungen aus der Praxis und für Erfahrungen aus Museum, Forschung und Markt.
Im Mittelpunkt dieser Folge steht Rachel Ruysch – ihre Malerei, ihre Arbeitsweise und ihre Stellung innerhalb der europäischen Kunstgeschichte. Das Gespräch richtet den Blick auf Naturdarstellung als künstlerische Praxis, auf Wissen als Grundlage von Malerei und auf institutionelle Verantwortung im Umgang mit historischer Sichtbarkeit.
Gäste
Dr. Bernd EbertSammlungsleiter für niederländische und deutsche Barockmalerei an der Alte Pinakothek. Befasst sich mit Sammlungsgeschichte, Zuschreibungen und der Kontextualisierung historischer Positionen.
Dr. Alexander KunkelKunsthistoriker und Kunsthändler. Beschäftigt sich mit europäischer Malerei des 17. und 18. Jahrhunderts sowie mit Fragen von Markt, Provenienz und Sichtbarkeit.
Bernd Ebert und Alexander Kunkel sprechen gemeinsam mit Claudia Linzel über die Malerei von Rachel Ruysch, über institutionelle Perspektiven auf ihr Werk und darüber, wie Kunstgeschichte heute erzählt und vermittelt wird.
Blicke, Wege, Prägungen
Das Gespräch setzt nicht mit Thesen ein, sondern mit Annäherungen. Dr. Bernd Ebert beschreibt den Blick aus der Museumspraxis: den Umgang mit Werken, mit Zuschreibungen und mit historischen Kontexten innerhalb einer großen Sammlung. Dr. Alexander Kunkel ergänzt diese Perspektive aus kunsthistorischer Forschung und Marktbeobachtung.
Rachel Ruysch erscheint dabei als Künstlerin, deren Ausbildung und Arbeitsweise eng mit naturwissenschaftlichem Wissen verbunden sind. Ihr Umfeld, ihre familiären Prägungen und ihr Zugang zur Botanik bilden einen Hintergrund, vor dem ihre Malerei lesbar wird. Biografie dient hier nicht der Erklärung, sondern der Verortung.
Naturdarstellung als Zeitdokument
Im weiteren Verlauf rückt das Werk selbst in den Mittelpunkt. Ruyschs Blumenstillleben werden als präzise komponierte Bilder beschrieben, in denen botanische Kenntnis und malerische Technik ineinandergreifen. Pflanzen erscheinen nicht als dekoratives Beiwerk, sondern als bewusst gesetzte Elemente, deren Zustand, Reife und Vergänglichkeit eine Rolle spielen.
Die Malerei wird in einen größeren zeitgeschichtlichen Zusammenhang eingeordnet. Naturdarstellung, Forschung und Sammlung waren im 17. und 18. Jahrhundert eng miteinander verbunden. Malerei fungierte dabei als Mittel der Beobachtung und Ordnung – ruhig, konzentriert und genau.
Brüche, Reibungen, neue Perspektiven
Besonders greifbar wird das Gespräch dort, wo es um kunsthistorische Einordnung geht. Um die Frage, warum Rachel Ruysch lange weniger präsent war als männliche Zeitgenossen. Und wie sich Perspektiven verändern, wenn Forschung, Ausstellungspraxis und Sammlungspolitik neu aufeinander reagieren.
Sichtbarkeit wird nicht als nachträgliche Korrektur verhandelt, sondern als Ergebnis institutioneller Entscheidungen. Welche Werke werden gezeigt? Welche Kontexte hergestellt? Und welche Erzählungen setzen sich fort?
Sammlung, Institution, Verantwortung
Aus der Museumspraxis heraus beschreibt Bernd Ebert, wie Werke von Rachel Ruysch innerhalb der Alten Pinakothek eingebunden sind. Es geht um Hängungen, um Nachbarschaften und um kunsthistorische Linien. Malerei erscheint hier nicht isoliert, sondern als Teil eines größeren Gefüges.
Alexander Kunkel ergänzt diese Perspektive um Fragen von Provenienz, Markt und Zuschreibung. Sammlung, Markt und Forschung greifen ineinander – nicht widersprüchlich, sondern strukturell verbunden.
Alte Meisterinnen heute
Zum Ende hin öffnet das Gespräch den Blick auf die Gegenwart. Rachel Ruysch wird als Künstlerin gelesen, deren Werk heutige Fragen berührt: nach Wissen, nach Sichtbarkeit und nach institutioneller Verantwortung. Ihre Malerei verlangt Aufmerksamkeit, Zeit und genaue Betrachtung.
Die Alte Pinakothek erscheint dabei als Denkraum – als Ort, an dem historische Werke neu sichtbar werden können, ohne sie zu aktualisieren oder zu vereinfachen.
Themen dieser Folge
Rachel Ruysch · Barockmalerei · Naturdarstellung · Sammlung · Institutionelle Verantwortung · Sichtbarkeit · Kunstgeschichte
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Links & Credits
Munich HIGHLIGHTS (munichhighlights.com) · Kunkel Fine Art (kunkelfineart.de) · Alte Pinakothek (pinakothek.de/de/alte-pinakothek)
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Hinweis
Diese Episode des Munich HIGHLIGHTS Podcast entstand in Kooperation mit Munich HIGHLIGHTS im Sommer 2024.
Diese Episode ist als persönliches Gespräch vor Ort entstanden.Letzte redaktionelle Überarbeitung: Januar 2026.
Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin
Music. Zusammen und herzlich willkommen zu meinem Podcast die Leichtigkeit der Kunst. In Zusammenarbeit mit der Munich Highlight, die in diesem Jahr ihr 15. Bestehen feiert. Mein Name ist Claudia Linzel und ich freue mich, in diesem Podcast spannende Persönlichkeiten der deutschsprachigen Kunst- und Kulturszene zu treffen.
Es ist nicht das, was du ansiehst, was zählt, sondern das, was du siehst, dieses Zitat von Henry David inspiriert uns unsere Perspektive in der Kunst zu hinterfragen. Rachelreus, eine der bedeutendsten Blue Malerinnen ihrer Zeit, vereinte künstlerische Virtuosität, tiefen botanischen Wissen und setzte sich in einer von Männern dominierten Kunstwelt durch.
Ihre Werke laden uns ein, die Natur mit einem neuen Blick für Detail, Vergänglichkeit und Schönheit zu sehen. Gleichzeitig stellen sich spannende Fragen. Wie gelang es Frauen damals, eine künstlerische Ausbildung zu erhalten und kommerziell erfolgreich zu sein, Welche Symbolik steckt in den dargestellten Blüten? Und was offenbaren diese Werke über die Stellung der Frau in der Kunst, Um mehr über das Leben von Rachel Reus und ihre faszinierenden Werke zu erfahren, begrüße ich heute zwei herausragende Gäste, Alexander Kunkel, Kunstexperte und Kunsthändler sowie Doktor Bernd Ebert Sammlungsleiter für niederländische und deutsche Barockmalerei an der alten Pinakothek in München.
Bevor wir in die Kunst eintauchen, lieber Bernd, erzähl uns doch, wie dein Weg, von Berlin nach München uns zu halten Pinakothek geführt hat. Ja und kurz zu Beginn, wie ist mein Weg eigentlich zur Kunst? Also ich habe. Sagen wie Rache Reus in ganz frühen Alter angefangen zu zeichnen zu malen, Und das, was mein Sohn später mit seinen Playmobil-Figuren so über den Tag verarbeitet hat, habe ich in Skizzen und in Bildern verarbeitet, aber wenn ich ganz ehrlich bin, mir dann doch nicht zugetraut, so wie Rache Reus die Karriere einer Malerin einzugehen, sondern vielmehr dann mich entschieden, Kunstgeschichte zu studieren und die Künstler, näher zu bringen, einem möglichst großen Publikum und das mit Begeisterung.
Und begonnen habe ich meine Arbeit bei den staatlichen Museen zu Berlin, wo ich acht Jahre lang in der Generaldirektion gearbeitet habe und auch an der Gemäldegalerie und bin seit 2013 jetzt Sammlungsleiter hier an der alten Pinakothek in München war es für dich klar, dass du dann Kunstgeschichte studierst Ja, um ganz ehrlich zu sein, war's am Anfang vielleicht sogar auch das Liebäugeln mit dem Kunsthandel. Deswegen kann ich die Arbeit, die Alexander macht's auch gut nachvollziehen hat Erfahrung gesammelt, aber ich wurde dann doch durch meine Eltern nicht nur zur Kunst geführt, sondern auch zum Museum, Sie haben selber eine Sammlung aufgebaut und führen ein Museum. Was ist das für ein Museum? Das ist die Kunsthalle in Emden, Sammlung Stiftung Henry und Esken an. Und dann habe ich den Betriebsmuseum kennengelernt, habe viele Praktika gemacht,
sowohl in Deutschland als auch im Ausland, in New York, in Südafrika und habe dann eigentlich diesen Museumsbetrieb schätzen gelernt. Und vor allem auch nicht, um an der Universität zu arbeiten, nicht um diese Arbeit gering zu schätzen, überhaupt nicht, sondern, Ich wollte mit den Originalen arbeiten, mit den Bildern selber. Man kann fast sagen, die Ölfarbe riechen. Also es ist doch für mich das Objekt, was mich immer begeistert und das ist etwas, was ich dem Publikum auch nahebringen möchte Alexander, wie ist dein Weg zur Kunst? Jetzt darf ich mich ja ganz glücklich schätzen und ich schaue zum zweiten Mal begrüßen, aber alle, die deinen Werdegang noch nicht mitverfolgt haben, hier jetzt noch mal die Chance. Ja, es gibt eine Reihe von Parallelen zu Bernds Werdegang.
Ja, mein Weg zur Kunst lässt sich auch bei mir bis in die Kindheit zurückverfolgen, ähnlich wie Bernd, hatte ich viel Spaß selber am künstlerischen Wirken dann aber auch ab einem gewissen Alter spätestens dann in der Pubertät oder in der Mittelstufe des Gymnasiums gemerkt, dass mein Talent bei Weitem nicht an das heranreicht, von den Künstlerinnen und Künstlern, die ich bewundere und für die ich entflamme, und habe dann nach dem Abitur zunächst damit geliebäugelt, die Juristerei, einzuschlagen, aber immer schon im Hinblick darauf, dass ich etwas mit Kunst machen wollte. Das wäre in dem Falle das Urheberrecht in der Kunst gewesen, war dann aber sehr schnell wieder von dieser Idee abgekommen und habe
Kunstgeschichte, Geschichte und Literatur an der LMU in München studiert. Und parallel dazu immer schon im Kunsthandel gearbeitet. Also von daher gibt es da viele Berührungspunkte. Ich habe allerdings für mich relativ bald erkennen, können oder erkannt, dass obwohl ich wunderbare Praktika hatte an den staatlichen Kunstsammlungen in Dresden oder auch an den Gemäldesammlungen in München.
Dass äh kaufmännische Zugang zur Kunst ein ganz, ganz spannendes Element ist, das mich besonders reizt, vielleicht noch ein wenig mehr reizt als eben die wissenschaftliche Reinwissenschaftliche Arbeit wie sie an der Universität oder eben im Museumsbetrieb im Vordergrund steht und der. Beruf des Kunsthändlers ermöglicht eine Falllangst an unterschiedlichen Zugängen zum Thema ähnlich wie Bernd ist auch bei mir der Umgang mit den Originalen ist einer der sicherlich reizvollsten Aspekte der Tätigkeit, und ich sage immer, man kann sich jeden Tag völlig ungefährlich neu verlieben, ohne dass man jemanden das Herz bricht oder aber sozusagen mit ernsthaften bösen Konsequenzen rechnen muss und das ist einfach, wenn man im Kunsthandel zum Beispiel,
in privaten Sammlungen, in Galerien oder natürlich auch auf Auktionen und an anderen Orten mit vormals einem unbekannten Kunstwerke in Berührung kommt. In welches Werk bist du aktuell verliebt? Ach, das sind eigentlich immer die jüngsten Erwerbungen. Kürzlich war das eine Arbeit von Gustav Klemt. Ach ja, das kann man wohl nachvollziehen. Deine Galerie hier in München? Magst du ein bisschen was zu deiner Galerietätigkeit erzählen? Ja, gerne. Also ich habe wie gesagt schon, Seit dem Studium immer im Kunsthandel gearbeitet, komme ursprünglich eher aus der Richtung der alten Meister, deswegen freut es mich besonders, dass ich heute einmal wieder Gelegenheit habe, auch mich mit diesem Thema im Podcast intensiv auseinandersetzen zu dürfen.
Und mich hat der Weg dann aber bald ins 19. und später dann ins 2. Jahrhundert geführt, was eine Reihe von Gründen hat auf der Highlights, die wir ja schon genannt haben, die im Oktober in der Residenz stattfindet. Präsentiere ich also einen Querschnitt von Zeichnungen, Gemälden und Skulpturen vornehmlich deutschsprachiger Künstler vom späten 19. bis ins, ja, mittlere 20. Jahrhundert. Das ist also auch der Schwerpunkt, also gesagt, vom Symbolismus bis zu Kunst nach fünfundvierzig. Dann springen wir doch mal zurück in den Barock, woher kommt deine Liebe zum Barock? Ja und da möchte ich gerne noch mal auf das eingehen, was Alexander gesagt hat, denn er sagt, er kommt eigentlich von den alten Meistern und bei mir ist es wirklich umgekehrt.
Ich komme ursprünglich aus dem Bereich der klassischen Moderne und auch der zeitgenössischen Kunst und habe mich damit auseinandergesetzt und erst später während des Studiums kam ich dann sozusagen zu den alten Meistern und Meisterinnen und habe mich dann über die und Arbeiten an einem Katalog, begeistern können für das siebzehnte Jahrhundert und gerade eben die Niederlande und Rache Reus gehört noch dazu.
Sie beginnt im siebzehnten Jahrhundert, sie beginnt im goldenen Zeitalter, wie wir es immer noch sagen oder politisch korrekt eigentlich nicht mehr sagen. Dürfen, denn so golden war das Zeitalter nicht für alle. Dennoch es beschreibt eine Zeit, die Bis in das ausgehende siebzehnte Jahrhundert reicht und das ist genau die Zeit in der Rache Reus beginnt ihre Karriere. Rache ist ja damals schon begegnet oder?
Waren das eher männliche Namen? Das waren männliche Namen generell, also wir müssen uns vorstellen, dass schätzungsweise etwa 3200 Künstler in dieser Zeit aktiv waren in den Niederlanden. Dem gegenüber 200 Künstlerinnen. 200 Künstlerinnen, ist immer noch sehr viel für das, was wir oder was das Publikum auch an Namen kennt. Wir denken vielleicht an Maria Sibylle.
Wir denken an Maria van Osterweig, das sind die großen Namen der Blumenstillebenmalerei in dieser Zeit, aber viele Künstlerinnen sind vergessen, Das betonen wir natürlich ganz besonders jetzt, dass auch bedrohen wir zu Recht allerdings, sind auch viele, Der männlichen Künstler vergessen und wir haben gemeinsam mit davon das Junkustudia in Paris und dem Maurice in Den Naag eine Ausstellung geplant zu einem gänzlich unbekannten Künstler Jakobus Frel und das war auch eine Entscheidung machen wir das und meine Einstellung dazu ist, das ist ganz wichtig, um wirklich dem Publikum ein Bilden zu vermitteln, der Zeit ein Bild zu vermitteln, was, vielschichtig ist, was einen breiten Fächer aufmacht, derzeit im siebzehnten und 18. Jahrhundert und sich nicht immer wieder auf Künstlernamen zu konzentrieren, die bekannt sind, ob es Rennbrand ist, ob es vermehr ist oder Franz Heiz.
3200 männliche Künstler, 200 Künstlerinnen, 34hundert Kunstschaffende insgesamt für das kleine Holland zu der Zeit. Schon eine große Anzahl an Kunstschaffenden Menschen. Wie kam das denn, dass im siebzehnten Jahrhundert. Die Malerei in den Niederlanden so eine große Rolle gespielt hat Ja, man muss sagen, die Niederlande, die nördlichen Provinzen der Niederlande haben sich im 16. Jahrhundert losgesagt von den südlichen Provinzen.
In Habsburgisch regierten Provinzen und haben in den sieben Provinzen in den Niederlanden, in den nördlichen Niederlanden kam es zu wirtschaftlichen Aufschwung. Die Niederländer haben es bis 16hundertfünfzig, etwa also bis zur Mitte des siebzehnten Jahrhunderts geschafft, die Weltmeere zu erobern, den Handel zu erobern, Kolonien zu erschließen, und eine Struktur in der Gesellschaft zu verorten, sodass das Bürgertum zu Wohlstand gelangte.
Und mit diesem Wohlstand war verbunden, dass man auch das eigene Heim, entsprechend einrichtet, dekoriert, kann man sagen und sich auch für Felder interessiert, wie die Kunst, weil man es sich jetzt auch leisten konnte. Kunst, Literatur, Musik. Das sind alles Disziplinen, die in der Zeit gefördert wurden und der schiere Bedarf an Bildern, führte, zu einer großen Anzahl von Künstlern, die sich dann auch noch spezialisiert haben. Denken wir jetzt an das Stillleben?
Es gab nicht stilllebenmale als Ganzes, so hat es begonnen, um 1600 als dieses Genre ein eigenes wurde, ein eigenes Sujet sondern es gab dann wirklich Stilllebenmaler, die sich konzentrierten auf die Darstellung der Vergänglichkeit, also sogenannte Varnita Stilleben, es gab Blumenstilleben, es gab Fischstileben und durch diese hochspezialisierung der Künstler kam es zu einer unglaublichen Qualitätsentwicklung auch. Es gab Werkstätten, die sich auf ganz bestimmte Motive konzentriert haben und zu diesen Malerinnen zu diesen Spezialisten zählt eben auch. Rachel Reus ist dafür.
Bekannt in Anführungszeichen, dass sie ja durchaus auch kommerziell erfolgreich war. Bei dieser Masse an Kunstschaffenden. War es möglich, dass alle von dem Verkauf ihrer Bilder leben konnten oder war es eher so, dass viele auch noch parallel arbeiten mussten. Also ich war zum Beispiel Franz Hals, der War glaube ich auch noch wird. Ja, das ist eine sehr gute Frage, denn wenn man die Lebensläufe, Auch der bekannten Künstlernamen durchgeht und die gesamte Vita sich anschaut, dann waren sie selten, Künstler allein Und auch unser Bild des Künstlers. La Polar, also für die Kunst zu arbeiten, für sich selbst zu arbeiten, ist eigentlich sehr stark geprägt vom 19. Jahrhundert.
Damals waren es wirklich Handwerker, die sich zwar frei gemacht hatten von der reinen Handwerkszunft, Es war jetzt auch eine geistige Leistung gefragt, allerdings. Waren sie und mussten sie auf dem Markt bestehen und das Angebot war groß, Zählt auf jeden Fall zu jenen Künstlerinnen, eben gerade im zweiten Teil des siebzehnten Jahrhunderts, die sich, Einen Namen machen konnte schon sehr früh und sich auf dem Markt durchgesetzt hat. Allerdings muss man dazu auch in der Entwicklung des Kunstmarktes im siebzehnten Jahrhundert sagen.
Dass von den steigenden Absatzzahlen diesen großen, den Dimensionen an Bildern, die wir heute noch kennen. Die zweite Hälfte des siebzehnten Jahrhunderts, ein deutlicher Abstieg zu erkennen war, bedingt durch auch eine Überproduktion. Nur wenige Themen. Weiterhin populär. Das Stillleben als Ganzes nicht unbedingt, Aber gerade das Blumenstillleben war ein was Ende des siebzehnten Jahrhunderts zunehmend auch noch hohe Preise erzielt hat, bis ins 18. Jahrhundert hinein und das kam Rachereus mit Sicherheit sehr zu pass, denn, Das Blumenstill-Leben an sich ist ein Sujet, was gerade von Frauen, eben gemalt wird. Alexander, was denkst du? Ich denke, eine der vielen Gründe, die dazu geführt haben, dass Reus sich durchgesetzt hat und zwar nicht nur in einer von Männern dominierten Kunstindustrie war sicherlich einfach ihr herausragendes Talent,
an allererster Stelle, wenn man ihre Werke mit dem Abstand von über drei Jahrhunderten betrachtet, ist man. Auf den ersten Blick fasziniert, welche unglaubliche Technik, aber auch welche Ästhetik, ja, welche persönliche Handschrift sich mitteilt und da Gibt es den schönen Spruch, also Genie hat kein Geschlecht. Ich weiß nicht, ob wir.
Im Bereich des siebzehnten Jahrhunderts mit Genie Begriff arbeiten sollten, weil der auch ein späterer Begriff ist und auch das schon von dir, erwähnte Künstlerbild, das wir haben, bezeichnet. Aber sie war sicherlich einer der ganz großen Neudeutsche, würde man sagen, Player auf ihrem Gebiet und so nimmt es auch nicht Wunder, dass ihre Werke die unterschiedlichen ja Epochen dahingehend überlebt haben, dass sie immer hoch im Kurs war, Also Rachel Reuss ist nie eine Künstlerin gewesen, die, Vergessen worden wäre, es ist daher umso erstaunlicher, dass es jetzt erst jetzt durch die gemeinsame Anstrengung von drei großen Museen gelungen ist, die erste repräsentative, Gesamtschau ihres Werkes zu präsentieren und das ist sicherlich auch einer der Gründe, warum viele, viele nicht nur Blumenliebhaber und Kunstliebhaber
sondern eben auch Affissinados der Malerei des siebzehnten Jahrhunderts ihr Augenmerk ganz besonders nach München an die alte Pinakothek Ende zwanzig vierundzwanzig, Anfang zwanzig, 25 lenken werden. Genie sein hängt nicht vom Geschlecht ab. Doch. Rachel Reus ist 16 vierundsechzig geboren Sicherlich eine Zeit, wo man als weibliches Genie nicht so viele Chancen hatte, künstlerisch erfolgreich zu sein. Wie ist ihr dies denn gelangen? Also bei ihr war es sicherlich eine.
Ja eine Vielzahl von Gründen, einmal sicherlich in ihrer Herkunft äh begründet, ihr Vater war nicht nur ein ja sehr prominenter Mensch auf dem Gebiet der Anatomie und Botanik. Er war auch noch vermögend. Er war gesellschaftlich bestens vernetzt. Er hat. Herausragende künstlerische Talent von zumindest zweien seiner Kinder, nämlich Rache und auch ihrer Schwester Anna erkannt und gefördert, was ja durchaus nicht selbstverständlich ist und zwar nicht Nur wegen der Frage des Geschlechts, wie man sagt, also der Beruf des Künstlers wäre nicht adäquat, sondern auch weil natürlich eine künstlerische Ausbildung im siebzehnten Jahrhundert.
Sehr viel Geld gekostet hat. Also dieser Vater ist schon von daher bewundernswert, dass er dieses, ja man könnte fast schon sagen, unternehmerische Risiko eingegangen ist in einer Ausbildung von zwei Töchtern zu investieren, ein völlig offenes Ergebnis hatten, also sicherlich sehr viel offener, wie wir das für Söhne gewesen wären, die er künstlerisch gefördert hätte und dann muss man dazu sagen, es sind vielleicht ein paar ganz, banale Disziplinen, wie ein unglaublicher Fleiß, wenn man sich diese Bilder heute noch anschaut, das ist mit einer Präzision, mit einem Blick fürs Detail, mit ja einem unglaublich perfektionistischen Anspruch umgesetzt, der also völlig unabhängig natürlich vom Geschlecht ist, ja, den nur sie in dem Falle eben.
Realisiert hat in ihren Werken und dann sicherlich auch eine durchaus strategische Art der Vorgehensweise, etwa, mit ihrer Hochzeit und auch sozusagen einem, heute würde man sagen, perfekten Teamwork, mit ihrem Partner, wie sie ihre Künstlerkarrieren initiiert haben, durchgesetzt haben, bis hin zur Stellung als Hofmalerin von Johann Wilhelm in Düsseldorf, also ein kometenhafter Aufstieg, hinter dem aber, sehr viel Fleiß, sehr viel Ehrgeiz, sehr viel Können und auch sicherlich Visionen stecken, Aber das sind Ingredienzen, aus denen auch heute noch die großen Künstlerkarrieren bestehen. Also mir stellt sich die Frage auch, wie viel Künstler braucht es eigentlich, um, große Namen hervorzubringen wie ein Vermehr, wie ein Rembrandt, wie ein Franz Hals,
Bei 200 Künstlerinnen der Zeit ist es schon relativ unwahrscheinlich. Es braucht also genau die Zutaten. Alexander, die du gerade genannt hast, Und die waren in einer guten Sternenkonstellation bei Rache Reus vorhanden. Sie hatte Talent, das hat man früh erkannt. Und sie war mit Sicherheit auch wie andere Frauen in der Zeit als Dilettant, zunächst tätig. Das heißt, sie hat als Teil ihrer Ausbildung, hat sie auch das Zeichnen gelernt und das Malen als eine Bürgerstochter. Allerdings war sie darin so gut, dass ihr Vater im Alter von etwa 14 Jahren den damals besten Mal in Amsterdam gesucht hat, Wilhelm van Ahlst, der eben auch schon in höfischen Diensten stand in Italien und auch in Frankreich,
Und ein adäquate Ausbildungsstätte für seine Tochter dargestellt hat und sie hat dort etwa drei Jahre gearbeitet und, Wie man später sagte, wie er Biograf sagte, sie hat aber dann ihren Lehrer auch überflügelt und das, wurde und das ist sehr erstaunlich haben wir zu einem Gedicht gefunden von 1685 also ganz am Anfang ihrer Karriere, denn, bei Wilhelm van Arz, der sechzehn neunundsiebzig angefangen bis etwa 1683 seinem Tod 1685 schon, wurde Rache Reus in einem Gedicht eines Kunsthändlers Autors bis über den grünen Klee gelobt und auch schon gesagt, dass sie besser sei als Maria von Osterweig.
Und dazu muss man sagen, Maria von Osterweig war damals, allseits bekannt als die beste Stillemalerin. Und so kam es auch, dass bereits sechzehnhundertzweiundneunzig. Noch vor ihrer Hochzeit Michel van Messer ein Bildnis von ihr angefertigt hat, genauen Anlass dieses Bildnisses möglicherweise auch den Auftraggeber, den kennen wir nicht, Aber wir können uns aus den Indizien zusammenreimen, warum es dieses Bildnis gibt. Denn Michel van Müser, einer der damals bekannten Bildnismaler in Amsterdam hat, Künstlerbildnisse, unter anderem angefertigt, auch von sich selbst zum Beispiel von 1673 und stellt sich ganz ähnlich dar, nämlich als Künstler mit Palette mit Staffelei, aber auch mit Folianten, mit Büchern, mit Zeichnungen und genau so stellt er auch Achille Reus da.
Wir gehen heute sogar davon aus, dass es nicht der Porträtist alleine war, der dieses Bildnis gemalt hat, sondern das sehr wohl Rachereus in ihrer ganzen Art, so wie wir uns den Charakter heute vorstellen, doch mitgearbeitet hat und das Blumenbouquet, zu dem sie eine letzte Blume, ein Schlafmohn hinzufügt, vor ihr steht, um gemalt zu werden, das hat sie unseres Erachtens selbst ausgeführt. Was für ein Charakter war sie denn? Ja, also.
Wenn ich mir vorstelle, dass sie schon in jungen Jahren, Ihre Bilder signiert hat mit einer Signatur, die sowohl von ihrem äußeren Erscheinungsbild her in ihr kalligrafischen Ausführung und auch der Größe, auf dem Bild, wie sie angebracht wurde. Da war sie siebzehn, achtzehn. Ein Größe eigentlich kaum noch zu übertreffen ist. Dann war sie meines Erachtens sehr selbstbewusst.
Und dieses Selbstbewusstsein hat sie nach außen getragen und war sehr früh erfolgreich und, ohne ihren Erfolg schmälern zu wollen, war dies nur möglich mit. Unterstützung ihres Vaters, Frederik Reus, dem bekannten Professor für Anatomie und Bokanik, und auch ihrem Ehemann Jurian Pohl, dem Bildnismaler. Denn ihr Vater war derjenige, der die Kontakte geschaffen hat zu den Auftraggebern. Das war für eine Künstlerin damals nicht so leicht. Künstlerinnen durften nicht tätig sein und Mitglied sein in der Gilde.
In Amsterdam Es gab Ausnahmen wie die Gilden Halem, wo Judith Leister als Künstlerin Mitglied sein durfte, aber in der Regel war das nicht der Fall. Damit war ihr auch der Schutz der Gilde war nicht vorhanden und sie konnte die Werke auch nicht über die Gilde öffentlich ausstellen. Das heißt, sie hat Andere Mittel und Wege finden müssen, um an Kunden, um an Auftraggeber zu kommen. Und für Künstlerinnen gab es einen, man kann fast sagen, edlen Weg, das zu erreichen, nämlich die höfische Kultur.
Und ihr Vater Frederik Reus stand im brieflichen Kontakt schon mit Kurfürst Johann Willem in Düsseldorf. Seinerzeit einem der wichtigsten Prinzen im Deutschen Reich, der in Düsseldorf eine Sammlung aufgebaut hat, die seinesgleichen sucht und. Er hat dort ein Galeriegebäude eröffnet, eins der ersten selbstständigen Galeriegebäude neben einem Schloss, das überhaupt gern eröffnet, siebzehnhundert14 und hat dafür eine Sammlung, zusammengetragen, basierend auf den Sammlungen seiner Vorfahren seiner Eltern, aber hat diese erweitert Insbesondere, und das müssen wir heute noch mal betonen, einer der Wittelsbacher, der zeitgenössische Kunst sammelt und ich denke dabei jetzt an Herzog Franz, den Nachfahren von Kurfürst Johann Willem.
Der auch zeitgenössische Kunst sammelt, die Moderne natürlich im Familienbesitz auch die alten Meister sind, aber Kurfürst Johann Wilhelm hat damals die zeitgenössischen noch lebenden Künstler unterstützt und in diesem Fall war es Rache Reus, die ab siebzehnhundertacht dann Hofmalerin wurde in Düsseldorf bis zu seinem Tod siebzehnhundert16 und das war außergewöhnlich, denn sie erhielt ein Saler, ein Jahresgehalt von tausend Gulden. Das war eine immense Summe und hatte dafür ein Gemälde pro Jahr abzuliefern, was darüber hinausging weitere Gemälde bekamen sie obendrauf noch bezahlt und bekamen auch wunderbare Geschenke vom Kurfürsten, sowohl bei ihren Reisen. Zwei sind dokumentiert nach Düsseldorf und sie bekam sogar Naturalier als Geschenk. Also es ist dokumentiert in den Briefen, die sich hier im Bayerischen Hauptstaatsarchiv erhalten haben.
Von Frederik Reus an Johann Willem und zurück und ein Brief von Rachel Reus, in dem sie sich bedankt für die Schweine, die Kurfürst Johann Willem hat übersenden lassen und beim nächsten Mal würden sie dem Kurfürst gedenken, wenn sie das verspeisen Sind noch viele Dokumente aus der Zeit erhalten? Ja, wenn ich ganz ehrlich bin bei einer Monographie und die entsteht gerade noch durch Marianne in den USA.
Sie hat ihren ersten Aufschlag gemacht mit ihrer Dissertation 1998 zum Frühwerf von Rachel Reus und wird hoffentlich, bald, das hoffe ich sehr, die Monographie zu Rache Reus mit Werkverzeichnis auch abschließen und darin wird es natürlich noch viel mehr Dokumente geben und verarbeitet werden, als wir jetzt in unserem Ausstellungskatalog verarbeitet haben, aber es ist wahnsinnig spannend in die Zeit einzutauchen und du hast vorhin gefragt, was mich zur Kunst gebracht hat oder man kann auch sagen, ganz aktuell, was mich begeistert für die Kunst dort hält. Ja und es ist wirklich, Gemälde auch als Zeugnis ihrer Zeit zu verstehen, als Fenster quasi in eine andere Welt. Das es kommt mir fast selber manchmal vor, als lebe ich in so einem Science-Fiction-Film, wo es dann dieses OP
ist, was der Junge anfasst, die Schachtel, die er öffnet und auf einmal befindet er sich in einer komplett anderen Umgebung und das ist das, was mich auch begeistert an der Zeit. Wir verfolgen die Bilder, so weit es geht zurück. Wir graben Dokumente aus in Archiven in Amsterdam und in anderen Städten und verknüpfen dies miteinander und so gelingt es teilweise, die Bilder zurückzuverfolgen, zu ihren Auftraggebern. Wir können, sehen, was sind das für Charaktere diese Auftraggeber? Was hatten die gemacht? Was befand sich sonst noch in der Sammlung? Und dann verstricken wir das mit der Vita von Rachereus, die außergewöhnlich war und dann ergibt sich ein ein Bild, von einem Leben verknüpft mit den Kunstwerken und das ist einfach großartig, das zu erleben, weil man nicht einfach nur durch eine Gemälde Galerie schreitet, er fürchte ich von einem Kunstwerk zum nächsten, sondern man hat diese Malerin im Kopf.
Man weiß ungefähr, was in dem Lebensjahr passiert ist. Wir müssen uns vorstellen, in den erfolgreichen Jahren hat sie auch noch zehn Kinder zur Welt gebracht und wir wissen, Wann diese zur Welt kamen? Wir wissen auch, was aus ihnen geworden ist und so verstrickt sich die Lebensgeschichte einer Malerin mit den Kunstwerken. Du klingst fast wie ein Profiler der Vergangenheit. Ja manchmal kommt man sich auch so vor bei dem vergangenen Projekt zu Jakobus Freel kamen wir uns wirklich so vor und wir haben drei Jahre recherchiert und wir haben genau nichts gefunden. Oh. Wir haben gar nichts gefunden. Kein einziges Dokument zu ihm, nur ein einziges Sammlungsinventar.
Ich würde ja jetzt gerne mit euch ein Ausstellungsrundgang machen. Im Geiste, denn die Ausstellung, die beginnt ja erst im November. Am 25. November ist die Eröffnung und ab dem 26. November geöffnet für das Publikum. Da sieht man natürlich sehr gut vorbereitet ist, wissen wir jetzt schon, wie wir durch die Räume laufen werden.
Ihr startet mit dem Porträt von ihr, das du eben schon angesprochen hast. Alexander magst du das Bild vielleicht näher beschreiben? Ja. Also wir sehen einen Innenraum. Wir schauen von außen in eine, Torbogenartige Architektur im Hintergrund, das ist ein also sehr dunkel gehaltener Raum, sehen wir eine Staffelei. Auf dieser Staffelei steht eine noch unbemalte Leinwand und davor hebt sich dann relativ buntfarbig ab ein großes Blumenbouquier mit prächtigem Mohn, Tulpenblüten und vielerlei anderen exotisch anmutenden Pflanzen und rechts davon versetzt sehen wir die Malerin, sie ist uns zugewandt, sie hält in der einen Hand eine Palette, Auf der schon allerhand Farben aufgetragen sind. Sie hat eine Vielzahl von,
Pinseln, die sie hält und vor ihr können wir, also im Grunde ein Stillleben in diesen Porträt nochmal erkennen. Wir sehen verschiedene. Große Folien, in denen Zeichnungen, Aquarelle nach einzelnen Blumen, zu erkennen sind. Wir sehen eine große, ja auf einem bläulichen Papier anmutende Detailzeichnung einer Pflanze und wir sehen ganz prominent im Vordergrund eine fast schon überdimensional groß geratene vollerblühte Rose, an deren Blütenblättern sich ein Schmetterling zu schaffen macht, das Ganze Empfangen von einer sehr opulenten Stoff repariert, die auf der einen Seite, eine gewisse Festlichkeit mit hineinbringt in das Bild, auf der anderen Seite aber auch ein auflockerndes Element ist. Und wenn wir noch näher herantreten und das ist ein Bild und das gilt aber auch für,
Bilder, die wir von Roys selber in der Ausstellung sehen werden. Man ist also fast wie ein, tief mit den Augen unterwegs, findet immer neue kleine Details. Ich sehe hier zum Beispiel in der Abwildung des Gemäldes eine wahrscheinlich aus Elfenbein gedrechselte Runde. Schachtel, in der wir nur ganz, ganz angedeutet Blaupigmente erkennen können, wahrscheinlich, aber Bernd Alistol und sicherlich mehr sagen können, Lapislazuli Blau, also vielleicht eines der kostbarsten, Malmittel überhaupt, die die alten Meister und in dem Fall natürlich die alte Meisterin zur Verfügung hatten, also ein immens teures und kostbares Utensil Und das zeigt auch schon den Anspruch, denn ein Anfänger oder ein Dilettant oder.
Ein Begriff, der heute irgendwie falsch verstanden wird, ein Amateur, also jemand, der sich nur aus einer Liebelei heraus mit einer Thematik wieder Malerei beschäftigt, der hätte sicherlich so ein kostbares Material nicht verwendet Und hier haben wir im Grunde gleich am Anfang der Ausstellung einen direkten Einstieg, wie ihr sehen, wie hat die Künstlerin ausgesehen, Wir sehen, was war ihr Arbeitsumfeld, wenn auch natürlich ein hier ideal konstruiertes, und wir sehen, wohin soll das Ganze führen, nämlich im Hintergrund zu einem großen, ja sehr repräsentativen Gemälde, das, aber das ist natürlich auch ein bisschen der Reiz dieses Gemäldes, eben noch eine völlig unbemalte Leinwand zeigt. Das heißt, letztlich ist das wie eine Projektionsfläche, auf der sich jeder überlegen kann, welches Bild wohl Raschel Reus hier
schon konzipiert. Ja, was sehr spannend ist an dem Bild ist, dass wir den Arbeitsprozess von ihr nachvollziehen können. Denn wenn wir durch die Ausstellung laufen und uns die Stillleben anschauen, werden wir vielleicht die Vorstellungen gehabt haben, dass eine Malerin an ihrer Staffelei steht Vorsicht des Blumenbouquet und das zeichnet und malt sie ab. Das ist eine Illusion.
Denn Rache Reus bringt in ihren Bildern sowohl Pflanzen als auch Tiere unter, die weder zeitgleich, also saisonal nicht zur gleichen Saison geblüht haben und auch nicht mal auf demselben Kontinent gelebt haben. Das Aneinanderstecken eines solchen Blumenstraußes ist schier unmöglich zur gleichen Zeit. Also, Werke im siebzehnten Jahrhundert mit Ölfarbe gemalt.
Sind nie nach der Natur rein gemalt. Selbst Landschaftsbilder nicht. Wir haben jetzt den Maler vor Augen, auch im 19. Jahrhundert im 2. Jahrhundert wie eine Landschaft steht mit den Ölfarben und der großen Reisestaffelei. Das gab es im siebzehnten Jahrhundert noch nicht. Die Künstler sind durch die Lande gezogen, waren auch in der Landschaft aktiv, also mit einem kleinen Höckerchen vielleicht, und einem Zeichenblock und sie haben gezeichnet ganz viel gezeichnet und diese Zeichnungen wurden gesammelt sind teilweise sogar, wie wir hier in einem großen Folanten sehen, auch koloriert in einem Buch zusammengefasst wurden und die dienten dann eigentlich immer wieder als Vorlage.
Und man hat sie immer wieder in neuen Collagen, würden wir heute sagen, zusammengefügt. Und das Spannende an ihrer Malweise ist eigentlich, dass sie nach der Natur arbeitet, Sie arbeitet naturalistisch. Sie arbeitet in einer Technik, die wir heute Feinmalerei nennen, also bisschen zu einem Pinsel fast mit einem Haar bis ins Detail. Es wirkt wie eine Fotografie.
Und es ist doch eine konstruierte Wirklichkeit, denn es spiegelt nicht die Wirklichkeit wieder. Heute kennen wir das auch seit Neuestem, sehen wir im Internet ganz viele Fotos die echt aussehen. Aber auch eine durch KI oder durch Menschenhand konstruierte Wirklichkeit darstellen. Und so wird es dem Betrachter im siebzehnten Jahrhundert auch gegangen sein, denn er war von der Technik schier, fasziniert, Dass man so die Wirklichkeit oder die scheinbare Wirklichkeit darstellen konnte, fotorealistisch wäre unsere Vokabel heute. Das war kaum vorstellbar und das war das große Können auch dieser Meisterin.
Und sie hat diese Bilder zusammengefügt aus diesen Collagen, ausgedruckten Büchern auch aus Vorlagen, aber eben auch aus echten Blumen Und diese echten Blumen, die hat sie einerseits gesehen im botanischen Garten, dem ihr Vatervorstand ab 1685 eine Professur für Botanik hatte und dort auch die Pflanzen gezüchtet wurden, die durch die Handelsschiffe der Niederlande die Vereinigte Ostindische Kompanie in Asien die Vereinigte westindische Kompanie in Afrika und Amerika sowohl Zwiebeln mitgebracht haben, Blumenzwiebeln, Tulpenzwiebeln als auch dann Tiere im getrockneten Zustand, Und auch eingelegte und letztlich hat Rache Reus also gemalt nach Zeichnung.
Nach Drucken, nach echten Blumen in der Natur gezeichnet und einiges wird sie auch im Atelier so aufgestellt haben. Denn wir wissen von ihrem Biografen und von anderen Besuchern in ihrem Atelier, einem Frankfurter Buchhändler und Reisenden Zacharias Konrad von Offenbach, der sie siebzehnhundert11 in ihrem Atelier auch besucht hat dass sie dort auch Vogelnester liegen hatte und andere getrocknete Tiere, um die Nacht der Natur zu malen. Und das beste Anschauungsmaterial wird sie zu Hause gefunden haben, erstaunlicherweise, denn ihr Vater war Sammler von.
Anatomischen Präparaten, die er selbst hergestellt hat, von Insekten, von Vögeln und er hat in Amsterdam eine Sammlung zusammengetragen von mehreren tausend Exponaten und hat diese schon in frühen Jahren, Da war Rache Reuss noch Jugendliche dem Publikum in Amsterdam öffentlich zugänglich gemacht gegen einen kleinen Obolus.
Und dieses Museum Reus Janum, wie es hieß, ist bis siebzehnhundert eine der Touristenattraktionen in Amsterdam geworden und so hat Rache Reus, kann sagen, ihre künftigen Kunden auch schon in diesem Atelier kennengelernt ist. Es waren hochgestellte Persönlichkeitengelehrte die dieses Atelier besucht haben. Also ist die Ausstellung nicht nur der Kunst gewidmet, sondern auch der Naturwissenschaft Richtig, genau. Die erste Sektion der Ausstellung in den Kabinetten der alten Pinakothek beginnt mit dem Frühwerk von Rachereus. Wir beginnen in dem ersten Raum mit dem es soeben besprochenen Von ihr und dann folgen die Werke, dem sie siebzehn ist 18 ist, also das früheste Werk 16hundert8ein, dann das Münchner Bild um 1682 und dann folgen wir der Künstlerin und ihren Augen, eigentlich kann man sagen,
den Bildern, die sie inspiriert haben, wer waren eigentlich die Figuren? Was waren das für Werke, die sie inspiriert hat? Was hat sie damit gemacht? Und in der Zeit damals war es nicht negativ bewertet, wenn man Bilder kopiert hat. Sie hat Bilder kopiert, sie hat Motive kopiert und die hat sie verändert, hat sie weiterentwickelt in ihrem eigenen Stil und die großen Vorbilder war einerseits ihr Lehrer Wilhelm van Arzt, Dann der andere große Stillleben-Mahlername Jan Davids Dehm und sein Sohn Cornelis Dehm, Abra Mignon, Und Otto Maseus Franz Riek, Ottomatus von war eine Kernfigur auch für ihren Vater Frederik Reus denn Ottomuseus van Zreek hat sich auf einen, konzentriert, was bis dahin noch unbekannt war. Das sogenannte Waldboden-Stilleben.
Und als Ottomaseus van Sign nach Italien gegangen ist, erst nach Florenz an den Hof und dann weiter nach Rom und Teil wurde Mitglied wurde der sogenannten Shridders Band der niederländischen Künstlervereinigung, Vereinigung für Nordalpine Maler bekam jedes Mitglied einen Spitznamen, Und er wurde der Schnüffeler, genannt, also der Schnüffler, weil er ständig damit beschäftigt war, durch die Felder zu irren, um nach jeder Eidechse und auf Fröschen Ausschau zu halten und genau diese, er alle in sein Bild, in ein dunkles Waldboden-Stilleben und dieses wurde dann ergänzt von Jan Davids Dehm und an auch von Rache Reus, um wunderschöne Blüten und das ist eigentlich für uns heute ein Widerspruch, so ein Blumenbouquet mitten unten auf dem Waldboden mit all diesen Getier. Wimmelbild. Das Wimmelbild, genau
Wimmelbilder sind fast alle ihre Bilder, muss man sagen, vor allen Dingen, wenn man später dann in die bei den großen Blumenbouquets und dazu laden wir wirklich dieses Publikum auch ein, unsere Kampagne für die Ausstellung geht nicht nach außen mit einem. Gesamtbild von ihrem Bild, also eine Gesamtaufnahme eines ihrer Werke, sondern mit Details. Wir laden also das Publikum ein, sich nicht überwältigen zu lassen von einem gesamten Bouquet, sondern genau hinzuschauen auf die Blüten, auf die Insekt, Und deswegen werden wir Betreuung. Also könnte man eigentlich sagen, dass sie ein wahres Naturtalent war, oder? Ja, sie war ein Naturtalent und sie hat sich eben nach der Natur gerichtet und damit ist es ein wunderschönes Wortspiel. Mhm. Ich bin ja ehrlich, ich habe das von eurer Kampagne geklaut.
Ja, auf der Kampagne sind ja noch zwei weitere Schlüsselbegriffe zu finden. Einmal die Kunstheldin und dann die Feinmalerin. Das sind also jeweils die niederländischen entlehnte Begriffe, aber sie sind natürlich auch noch 300 Jahren sehr, sehr gut verständlich. Manche haben geradezu eine, moderne das klingt irgendwie so aktuell wie nie. Feinmalerin beschreibt's vielleicht noch ein bisschen mehr im Detail, denn es geht wirklich um die ja unglaubliche Präzision, die technische Präzision.
Der äh Reus, also ein fast fotorealistischen Anspruch umzusetzen versucht und was ich so spannend finde, Bernd, du hast schon gesagt, ihr, habt die Kampagne bewusst auf kleine Details, kleine Ausschnitte aus ihren Gemälden festgelegt, dass wir hier auch in einer Zeit, in der, andauernd Reiz überflutet werden, also praktisch immer überwältigt werden von einer Vielzahl an medialen Einflüssen angehalten werden, einmal kurz innezuhalten, uns wirklich nur auf eine Blüte, auf ein Insekt oder vielleicht auch zwei Insekten, zu achten und dass wir hier ausgehend von einem kleinen Ausschnitt eine Ahnung bekommen, auch sicherlich ein bewundernde Ahnung von dem, was diese Künstlerin, Vermocht hat auf die Leinwand zu bannen und es gibt auch immer wieder kleine, man könnte schon fast sagen.
Manchmal auch ein bisschen ironisch gebrochen und manchmal ein bisschen humoristisch aufgeladene Details das ist also beispielsweise wenn Reptilien sich über Eier hermachen, also kleine, Gourmets oder fast schon Gourmats und jeder Botaniker oder jeder Reptilienforscher, kann sofort erkennen, das kann so gar nicht sein, das haben natürlich auch die Wissenden, also du hast ja schon das Klientel umrissen, dass ihre Bilder gesammelt hat, das waren ja Nicht nur sehr kunstinnige, sondern in der Regel auch naturwissenschaftlich gebildete Menschen, die haben natürlich ja etwas, was schon, drollig ist darin erkennen können und gemerkt, dass die Künstlerin ihr Talent auch für ja ein durchaus humoristisch gebrochenes Narrativ einzusetzen versteht und ich glaube das überträgt sich auch noch eben über 300 Jahren auf den heutigen Betrachter was man sicherlich mitbringen muss, wenn man die Ausstellung sieht ist,
Nicht nur eben eine Liebe zu den Motiven, sondern auch Zeit. Ich glaube, grade auch in der kalten Jahreszeit, wenn die Tage kürzer sind, ist das ein ganz wunderbares Programm. Um ja die Kunst auf sich wirken zu lassen und auch unabgelenkt auf sich wirken zu lassen und ich bin mir sicher, also ich werde da mehr als einmal, Ausstellung besuchen, äh nicht zuletzt, weil es eine, sicherlich einmalige Gelegenheit ist, in den nächsten Jahrzehnten, abgesehen von beiden anderen Stationen in den USA, sich mit Reus und ihre Kunst zu beschäftigen. Alexander, du hast gerade die, Postkarten erwähnt und auch die Titel, die wir jetzt für die Kampagne ausgewählt haben. Das eine ist die Kunstheldin.
Scheint ja ein deutscher Begriff zu sein, Kunstheldin und wie du zurecht bemerkt hast, auch ganz aktuell. Aber der Begriff, Kunstheldin kommt eigentlich aus dem niederländischen Kunstherd dünn und wurde siebzehn50 publiziert. Was ein Begriff den Johann van Rohl, der Biograf von Rache Reus, geprägt hat und zwar spricht der von hier als unsere vernünftige, Kunstheldin und vernünftig ist eigentlich genial. Und so hat man sie gesehen. Sie war also national stolz auch der Niederlande dann, dass Holland. Man hat gesprochen von Hollands Kunstwunder, also das Kunstwunder von Holland und auch die unsterfelige also die Minerva.
Aus der Eiregion in Amsterdam, die unsterblich ist, also in diesen Kategorien hat man Rachereis in seiner Zeit beschrieben und warum wir diesem Titel Kunstheldin gewählt haben, ist einfach, Man kann sehr schön daran festmachen, was sind eigentlich die Waffen auch der Frau gewesen in dieser Zeit sozusagen, die Waffen der Heldin, die Waffen der Künstlerin. Was hat sie geschaffen mit ihrer Technik, auch mit ihrem Hintergrund und ihrem Netzwerk? Na ja und du sagtest eben, dass sie auch zehn Kinder bekommen hat? Richtig, genau.
Das hat sie, also sie hat aufgrund ihres Lebensweges, den sie einschlagen konnte, aufgrund ihrer Familie die Qualität, das Talent, was sie geschaffen hat, war sie eine Heldin und was eben auch noch heute zur Heldin macht in unserer Sicht ist, dass es niemand gegeben hat vor ihr und auch nicht nach ihr, der schon zu Lebzeiten beziehungsweise im Todesjahr ihr ein eigenes Gedichtbuch gewidmet wurde, von den seinerzeit namhaften Dichtern, die sie gelobt haben und ja einfach ihre Größe beschrieben haben. Und was auch sehr spannend ist, im selben Jahr siebzehnhundert50 ihrem Sterbedatum erscheint, ihre Biografie als Teil eben eines großen Künstlerbandes von Johann van Rohl und, Während wir heute wissen, dass wir zeitgenössische Künstler interviewen können, weil es in der Zeit natürlich ungewöhnlich, aber,
Der Autor Johann von Hohl hat. Rachereus besucht in ihrem Atelier siebzehnhundert48 und nicht alle haben jetzt das Geburtsdatum im Kopf. Sie war zu der Zeit 84 Jahre alt und begeistert schreibt er, dass sie noch tätig war, Und qualitätvolle Werke geschaffen hat und das hat sie auch bis kurz vor ihrem Tod. Sie hat eine Schaffensphase von, sich etwa 70 Jahre, genau. Es gab eine Zeit, da war sie doch ein bisschen weniger aktiv.
Genau, also ihre Hauptschaffensphase, die Phase, in der sie für den Kurfürsten Johann Willem gearbeitet hat, von etwa siebzehnhundertacht bis siebzehnhundertsechzehn. Und in der Phase, in der sie überhaupt in höfischen Diensten stand, zwei Werke zum Beispiel geschaffen hat für den leidener Textilkaufmann, Peter de Lacours van der Ford in Leiden, in der Zeit sind ihre großen Werke entstanden und wir wissen aus zeitgenössischen Quellen, wie viel die gekostet haben und sie waren jenseits von dem Durchschnittspreis. Also, Wenn wir in seiner Zeit von etwa 25 Gulden 50 für ein gutes Gemälde sprechen, Und Ihre beiden Stillleben für Peter Dellercours van der Ford bewertet wurden mit 1500 Gulden kann man sich ungefähr vorstellen wie hoch,
Die Dotierung war, das Durchschnittseinkommen im Jahr, in diesem Zeitraum, also bei 80 Prozent der Bevölkerung lag bei 600 Golden im Jahr. Also so hoch wurden ihre Werke bewertet und dann hat sie gemalt bis etwa siebzehnhundertdreiundzwanzig. Dann enden zunächst ihre datierten Werke. Wir wissen nicht genau, warum. Ein Indiz dafür könnte sein, zum zweiten Mal im Lotto gewonnen hat.
Zum zweiten Mal. Genau. Sie hat mit ihrem Mann gemeinsam siebzehnhundert3zehn schon einmal 200 Gulden gewonnen, was in Anbetracht eines Jahres der Durchschnittseinkommens von 600 Gulden schon beträchtlich war. Aber im Jahre siebzehnhundertdreiundzwanzig, Gewinnt sie den Hauptgewinn der Lotterie der Staaten von Holland und Westfriesland mit 75.000 Golden und, Ja, man muss dazu sagen, Rachereus kam aus einer wohlhabenden Familie. Sie hat ein Haus schon gekauft gehabt, mit ihrem Mann gemeinsam in Amsterdam in auch sehr guter Lage. Dieses Haus wurde später mit 8.000 Gulden bewertet, aber 75.000 ist einfach enorm. Nach Abzug der Steuern Sind das 60.000 Gulden gewesen, die hier ausbezahlt wurden, die notariellen Akten haben wir auch noch und jetzt werden wir uns fragen, was hat sie denn eingesetzt? Und wir haben auch die Losnummer und wir wissen, dass sie zehn Gulden eingesetzt hat.
Es gab dann juristische Auseinandersetzungen, denn die anderen fünf Gulden, also zehn insgesamt, fünf hat sie bezahlt mit ihrem Mann und fünf Gulden hat ihr Sohn George bezahlt. Der allerdings bei Zuteilung des Gewinns mit 21 Jahren noch minderjährig war und ihm standen eigentlich 30.000 Gulden zu. Er hat sie dann am Ende auch bekommen, allerdings nicht mehr Gelegenheit gehabt diese im vollen Umfang auszugeben, denn er starb schon drei Jahre später, und Arche Reus hat in dieser Zeit sicherlich weniger gemalt, also datierte Werke gibt's nicht, und wir wissen nur aus Archivquellen, dass sie auch in der Zeit gemalt hat, denn es sind Werke in diese Zeit dotiert, aber sie wird sich zurückgenommen haben und erst ab
siebzehnhundert5unddreißig haben wir wieder ein wichtiges Werk, ein siebzehnhundert83 und dann eigentlich ab den siebzehnhundertvierziger Jahren. Beginnt sie ihr Spätwerk und das ist insofern sehr interessant, weil sie dann ihre Werke nicht nur datiert, sondern auch ihr Alter dazu schreibt. Das heißt, sie ist vermutlich sehr stolz darauf, dass sie noch tätig ist in einer Qualität.
Die unglaublich ist. Der Maler Tischbein, den wir aus anderem Zusammenhang kennen, der besuchte später die Familie von Rache Reus, als sie schon tot war und hat bei ihr zu Hause bei den Kindern Werke gesehen, da war sie sieben Jahre alt, und Werke gesehen, da war sie an die 80 und er hat gesagt, da ist eigentlich kein Unterschied. Also qualitativ war sie immer auf auf hohem Niveau. Ich bewundere grade die guten Augen mit achtzig. Ja, optische Instrumente wird sie gehabt haben, mit Sicherheit eine Brille und auch ihr Vater wird optische Instrumente benutzt haben.
Und dank des deutschen Museums in München haben wir in der Ausstellung auch ein Highlight. Es ist das kleinste Exponat der Ausstellung so groß wie ein kleiner Keks, kann man sagen. Das soll nicht despektierlich klingen, denn das Werk ist wirklich ein Highlight im Deutsch Museum ist es das Mikroskop von Anthony von Leonuk und eines der ersten und wirklich qualitativvollsten Mikroskope und die Zeit war eine der Entdeckung.
Man wusste so wenig, um das um einen herum und um das Kleinste, Das Erste, was Anthony von Leonuk untersucht hat, war sein Zahnbelag. Und erst dann, kann man langsam auf die Spur auch natürlich von Spermien, von Eizellen, das war alles neu. Man wusste nicht, wie all das passiert und geschieht. Auch ein Naturtalent. Genau. Alexander dir mal was gestehen. Ich finde es immer so schön.
Dir über eine Messe zum Beispiel die Munich Highlights zu gehen, vor allem Werk stehen zu bleiben und dir zuzuhören, wie du dann, das Werk ziehst, was du siehst, du beschreibst so wunderschön und jetzt bei dieser wieder ein Wort, das ich von eurer Kampagne gemopst habe bei dieser Feinmalerin. Würde ich gerne mit dir auf Spurensuche gehen, auf Detailsuche. Welches Werk würdest du mir gerne in dieser Ausstellung verschreiben und näherbringen?
Also eigentlich sind natürlich alle Werke sehenswert, aber vielleicht wenden wir uns einem sehr, sehr üppigen Blumenarrangement zu, dass sie auf der Höhe ihrer Schaffenskraft geschaffen hat und das jetzt als Leihgabe einer Privatsammlung in den nächsten Jahren in der National Gallery in London zu sehen sein wird, sicherlich auch eines der großen, ja, Highlights und auch der großen Anziehungspunkte in der Münchner Ausstellung, Wir stehen vor einem, ja, Pyramidal in der Komposition aufgebauten Blumenbouquet.
Blumen sind in einer bauchigen Glasvase arrangiert. Diese wiederum steht auf einem Marmor konsolartigen Tisch, und es ist gerade ein Feuerwerk nicht nur an Formen, sondern auch an Farben, dass sich hier von einer ja Mitte aus in die unterschiedlichen Richtungen des Bildes ihn entfaltet. Es gibt aufstrebende Elemente, es gibt fallende Elemente, es gibt Elemente, die ruhepolisch schaffen, es gibt Elemente, die, ja im Grunde wie eine Explosion im Bild wirken. Das Ganze wird etwas wieder beruhigt durch den dunkel gehaltenen, nischenartigen Hintergrund.
Die Farben umso mehr ihre Leuchtkraft entfalten können. Diejenigen unter den Besuchern, die schon vor der Ausstellung eine der Kunstpostkarten, Mit denen die Ausstellung beworben wird, in Händen halten werden. Die werden ein ganz markantes Detail, nämlich eine nach unten neigende, auch. Sonnenblume erkennen können, an deren Blütenblättern sich ein besonders ja humoristisches, posierliches Insekt befindet, nämlich eine Hummel.
Und diese Hummel wird ja auch fast schon wieder humoristisch. Ein sehr eleganter, filigraner Schmetterling gegenübergestellt. Jetzt wissen wir natürlich nicht, ob durch das Gewicht der Hummel, dieser Stengel der Sonnenblume geklickt worden ist, wahrscheinlich nicht. Es zeigt sich aber auch, dass bei allem Sinn für dekorative Wirkung und aller Freude an der schon fast Hypertrophen Finesse der Malerei und der Motive, etwas mitschwingt bei Russel Reus, das ja für die Stillemalerei des siebzehnten und frühen 18. Jahrhunderts ganz typisch ist, ist natürlich auch der Gedanke. Das heißt, dass nicht im Leben von Dauer ist und auch wenn es sich noch grade auf seinem Höhepunkt und in seiner absoluten Blüte befindet, im nächsten Moment schon wieder dem Verwelken anheimfallen wird und was in diesem Bild
fasziniert ist, die auch schon vor von dir Bernd angesprochene Vielfalt der Blüten, Blüten, die nicht. Zur gleichen Zeit blühen können. Selbst wenn man wahrscheinlich schon damals viel mit Gewächshäusern hat arbeiten können aber äh Papageien, Tulpen, und Sonnenblumen, die blühen halt einfach nicht zur selben Zeit. Das macht aber überhaupt nichts, denn es ist alles so unglaublich, minutiös und technisch perfekt wiedergegeben, dass auch das Unmögliche möglich erscheint. Und ich glaube, das ist eine der ja bis heute anhaltenden großen Schlüsselmomente bei der Betrachtung, warum?
Fühlen wir uns überhaupt hingezogen zu diesen Werken von einer Künstlerin, deren Namen wahrscheinlich die meisten Museumsbesucher vorher noch nicht gehört haben? Es ist eben nicht Rembrandt mit dem hier geworben wird. Es ist auch nicht van Gogh, es ist auch nicht Picasso, sondern es ist eine qualitativ herausragende Künstlerin, aber eben eine Künstlerin.
Zu Lebzeiten ein Superstar war, auch immer in gewissen Kreisen Wertschätzung erfahren hat, aber eben eine, ja, wie soll ich sagen. Wiederentdeckung, Neuentdeckung auch als Potenzial bereithält und das, wir hatten schon am Anfang des Gespräches darüber gesprochen Was ist denn das Schöne und das Faszinieren an unserer Profession, sei es nun im Museumsbetrieb oder sei es in der Forschung oder sei es im Kunsthandel. Ich finde, dass es immer ja Der Reiz des jungfräulichen Blick ist, wenn ich es so nennen darf. Das heißt, ich habe vielleicht von einer Künstlerin oder einem Künstler noch nie zuvor gehört. Ich habe noch nie ein Werk von ihm oder von ihr gesehen, aber die Qualität ist so zwingend und so herausragend, dass ich mich automatisch angezogen fühle und unbedingt mehr
über den Urheber oder die Urheberin des jeweiligen Werkes erfahren möchte und das ist auch glaube ich ja Ansatz jeder Forschung, das ist die Neugier, das ist die Faszination und sie führt uns hier in eine Welt, die weit über das dargestellte hinaus reicht. Bis sie uns auch etwas mit den gewählten Blumen vermitteln für die Rose für die Liebe oder die Lilie für den Tod Gut, eine Lilly, sehe ich jetzt hier nicht. Alexander, du hast es gerade schon angesprochen, also der Warnitas Gedanke spielt in vielen Gemälden gerade den Stillleben des siebzehnten Jahrhunderts, eine ganz wichtige Rolle. Allerdings tritt Rache Reus erst.
In der zweiten Hälfte des siebzehnten Jahrhunderts auf die Bühne und ist eine Malerin, des späten Siebzehnten und doch eher 18. Jahrhunderts. Da spielen diese Konnotationen nicht mehr dieselbe Rolle und wir können davon ausgehen, dass das Thema Warnitas das Thema Vergänglichkeit nicht eines war, was sie bewusst mit in die Bilder eingebaut hat.
Denn dann würde sie viel stärker noch auf herunterfallende Blätter, auf verweigte Blätter, auf das Sterben an sich die Kurzlebigkeit des irdischen Seins eingehen. Ihr Vater macht das, ihr Vater, der als Anatom und Botaniker auch Zeichnungen angefertigt hat, für sie diese häufig mit Motti Also wirklich der Kürze des Lebens, aber und das ist ganz wichtig, sie wird.
Sich dessen bewusst gewesen sein und wir dürfen nicht vergessen, dass Blumen in dieser Zeit ein großes Luxusgut waren. Ein Luxusgut, was, für einen, winzigen Moment in dem Leben des Sammlers eigentlich nur zu sehen war in voller Blüte. Und sie hat die Macht mit ihrer Kunstfertigkeit diese Zeit einzufrieren. Sie hat die Macht eigentlich und die Möglichkeit, das Talent eine solche Blüte über die Zeit zu heben.
Und eigentlich zu verewigen, Und das war auch das Ziel des Künstlers letztlich mit einem solchen Kunstwerk sich unsterblich zu machen, denn wir blicken auf diese Kunstwerke aus dem siebzehnten, 18. Jahrhundert nach drei- 400 Jahren noch mit eben solcher Begeisterung und wir können uns vorstellen, wie ein Käufer damals darauf reagiert haben mag, der sieht, wie fantastisch sie eigentlich diese Blüten hier zusammenfügt Und es ist ein Konstrukt Es ist das, was sie zusammenfügt, die Tierwelt. Du hast vorhin von einem Wimmelbild gesprochen, das ist es hier in jedem Fall. Es sind die Falter, es sind die Insekten, die sie hier zusammenführt und jetzt kommt etwas.
Dass für Rache Reus ganz wichtig ist, wenn wir von der Qualität der Malerin sprechen. Ja, sie hatte Talent Ja, sie hatte Kunstfertigkeit, sie wusste, mit dem Pinsel umzugehen, aber was sie vor allem hatte, war den entsprechenden Geist. Du hast vorhin von Genie gesprochen. Sie war in der Lage dazu. Eine Geschichte zu erzählen. Jetzt kann man sich fragen, wie erzählt man Geschichten mit Stillleben Ja, innerhalb dieses Stilllebens hat sie Geschichten erzählt. Die Tiere, die machen etwas, machen etwas miteinander. Auch die interagieren und teilweise ist es völlig verrückt wenn man sieht, was sie genau machen und wir haben im Team zur Reus-Ausstellung Professor Charles Davis von der Harvard University und sein Team gehabt, die die Pflanzen analysiert haben Doktor Katharina Schmittlers, der Leisterin des Biohistorikums in Bonn,
die die Insekten analysiert hat und nicht nur ihre Herkunft, sondern auch ihr Verhalten, Und dann sehen wir zum Beispiel, dass ein Schmetterling, der normalerweise wohlduftende Blumen besucht hier eine Arsblume besucht, die normalerweise nur von Fliegen besucht wird, weil sie nämlich eben nach totem Fleisch oder Ähnlichem riecht und man könnte sagen, das wusste sie einfach nicht besser.
Doch sie wusste es besser und sie hat in der Tat, in dem Bild kleine Geschichten, die sie erzählt, die falsch sind, bewusst falsch sind, um die Betrachter damals auch schon vor dem Bild ins Gespräch zu bringen, um darüber zu diskutieren, um sie auch zu erheitern. Denn das war das große Ziel. Wir haben vorhin ausgiebig über das Bildnis von ihr gesprochen, von sechzehnhundertzweiundneunzig.
Da war sie etwa 28 Jahre alt, ihr Mann hat dann aber siebzehnhundert16 ein Bildnis von der gereiften Rachereis angefertigt von ihr, von sich selbst und dem jüngsten Sohn, und dort wird Rachereus nicht mehr als Handwerkerin gezeigt, nicht mehr als Malerin mit Palette in der Hand, mit den Farben, mit Zeichenbüchern an der Staffelei, sondern sie sitzt an einem Tisch und hat den Kopf in ihren Arm gelehnt, in dem Gestus-Melanolikus, also das melancholischen Genies Und so sieht sie sich dann auch. Das ist ihre Qualität. Sie arbeitet inzwischen mit dem Geist. Sie ist in der Lage, Bilder zu komponieren.
Geschichten zu erzählen. Von der Handwerkerin zum Genie. Genau und Alexander, du hast ja ein wirkliches Highlight hier auch rausgesucht mit diesem Werk aus dem Jahre siebzehnhundertelf, denn es ist ganz selten, dass wir eigentlich die Geschichte eines Bildes zurückverfolgen können, bis hin zum Auftraggeber. Und wir wissen eben durch die Tagebuchaufzeichnung, durch das Reisejournal von Zacharias Konrad, von Offenbach aus Frankfurt, der sie siebzehnhundertelf im Atelier besucht hat.
Dass sie genau an zwei Stillleben gearbeitet hat, an einem Blumenstillleben, das es dieses hier, was wir in der Ausstellung dann sehen und einem dazugehörigen Früchtestück. Dessen Provenienz. Wir verfolgen konnten, allerdings im Moment nicht mehr wissen, wo es sich befindet. Aber dieses Werk, was du dir ausgesucht hast, wird nur in der Münchener Station zu sehen sein. Im Grunde hat sie doch mit den Betrachterinnen gespielt.
Sie fügt Rosen, Sonnenblumen und Tulpen zu einer Einheit zusammen. Sie baut die Illusion auf, alles könnte gleichzeitig blühen, Wie ist die weiter vorgegangen? Hat sie noch mehr Tricks angewandt? Ja, wenn wir das Stillleben vor uns sehen, so wunderbar ausgeleuchtet, Wir würden sagen heute eine Spotbeleuchtung mit Schlaglicht jede Blüte einzeln in Szene gesetzt.
Entwickelt es vor diesem dunklen Hintergrund eine unglaubliche Räumlichkeit. Also sie war nicht nur technisch dazu in der Lage, Die Knospen, die Blätter, jeden einzelnen Knick, Die Materiealitäten, die Oberflächen darzustellen, sondern auch noch eine Tiefe zu entwickeln und dabei den Anschein zu erwecken, Dass das alles natürlich sei. Aber sehr wohl ist es konstruiert, Und auch die Farben, die einzelnen Blüten im Bild sind, platziert.
Wie bei einem Musikstück komponiert sie aus einzelnen Noten ein Ganzes und so entsteht der Eindruck, als wäre es echt, als wäre es natürlich, dabei ist es konstruiert. Vor uns haben wir deswegen eigentlich, Ein illusionistisches Bild, ein Fantasiebild, und jetzt wendet Rache Reus etwas an, was sie inspiriert von Ottomaseus von übernommen hat, Sie nimmt ein Objekt aus ihrer eigentlichen echten Wirklichkeit einen Schmetterling.
Und nimmt den Flügel und drückt diesen in die noch klebrige Farbe und zieht ihn ab. Dann bleiben die Schuppen im Bild. Koloriert dann außen herum noch den Flügel, malt den Kopf und die Fühler, Und jetzt haben wir etwas eigentlich Verrücktes. Wir haben ein echtes Objekt aus ihrer echten Wirklichkeit, was sie überträgt in die konstruierte Wirklichkeit und das wird den damaligen Betrachter fasziniert haben. Ich habe noch mal eine Frage zur Anna Rachels Schwester. Beide wurden ich vermute, Gleiche Weise durch ihren Vater Frederick gefördert, warum gewinnt man den Eindruck, dass Anna dann vom Markt verschwindet als Malerin. Ja, Anna verschwindet nicht nur vom Markt, sondern sie wird auch in der Kunstliteratur der Zeit nicht erwähnt. Es ist wirklich Rachereus und die
Als Meisterin auf dem Markt in den Inventaren auftritt und was wir bei, Rache im Vergleich zu anderen Lebensläufen von Künstlerinnen immer wieder betonen ist, dass sie, ihre Karriere auch nach ihrer Hochzeit fortgesetzt hat. Sie hat zehn Kinder zur Welt gebracht. 16. 93 geheiratet, sechszehnhundertfünfundneunzig das erste Kind bekommen und das letzte Kind dann siebzehnhundertelf. Und trotz dieser Lebensumstände, Hat sie am Markt sich etabliert und hat sich einen Namen geschaffen und, die Werke von Anna sind im Moment noch nicht gut genug untersucht. Ähm immer wieder ist zu lesen, dass Anna mit, Ihre Hochzeit in den neunziger Jahren aufgehört hat zu malen.
Jetzt, wo sich langsam einfach der Dunst lichtet und wir immer wieder Werke finden, die auch jetzt dem zugeschrieben werden, was mittlerweile, etwa 20 Werke umfasst, Ist das nicht mehr so sicher? Und was wir auch nicht wissen, ist, ob Anna eine eigene Werkstatt gehabt hat, möglicherweise sogar hat's in der Werkstatt ihrer Schwester mitgearbeitet und dafür gibt's zwei Hinweise. Einerseits gibt es Bilder beinahe identisch sind, von beiden, Komposition, die wir auch in der Ausstellung zeigen werden, zum Beispiel ein Stillleben aus dem Martin von Wagner Museum in Würzburg und eines aus Privatbesitz in Birmingham Alabama. Diese beiden Bilder bringen wir zusammen eines von Anna und das andere von Rache.
Und sie sind gleich, Und 2 andere Bilder, die wir zusammenführen aus den Niederlanden und aus Bremen auch Bilder, die sich auffallend ähneln, aber jeweils signiert sind Und um die Komplexität noch zu steigern, es gibt ein Bild aus den fürstlichen Sammlungen zu Lichtenstein in Wien aus dem Gartenpalais wunderbar signiert von Rache Reus, ein traumhaftes Bild, nur glauben wir inzwischen, dass den Großteil dieses Bildes allein schon von der Komposition her die Schwester Ana entworfen haben wird und auch ausgeführt hat. Nun bleibt natürlich die Frage.
Warum zeichnet am Ende doch Rachereis mit ihrer Unterschrift? Und ich könnte mir vorstellen, dass das einfach doch das Branding war, wie wir heute sagen, wenn sie war der große Name und als solches hat es möglicherweise die Werkstatt verlassen. Ein Vorgehen, was in der Zeit üblich war, wenn wir an die Werkstatt von Rubens, wenn wir in die Werkstatt denken, von Rembrandt, der Meister hat es am Ende signiert, auch wenn er vielleicht nur die Idee hatte für ein Bild und nicht alles im Detail ausgeführt hat. Es kann also sein, Anna vielleicht im Schatten ihrer Schwester auch Werke mit ausgeführt hat. Was sie möglicherweise auch eine Art Angestellte Zehn Kinder wollen ja auch beschäftigt werden. Dann braucht man vielleicht auch noch eine Mitarbeiterin. Ja, das Interessante ist, dass die Erhebungen der Stadt Amsterdam zu den Steuereinkünften und zum Lebenseinkommen belegen, dass Anarreus,
ebenfalls sehr gut verdient hat, gemeinsam mit ihrem Mann zusammen, der war nämlich Farbenhändler und das passte natürlich wunderbar in die Familie, denn Rache Reus hat, und das ist sehr erstaunlich, ein Pigment verwendet ein Blau, was erst Anfang des 18. Jahrhunderts überhaupt erfunden wurde und zwar in Berlin von einem Chemiker mehr oder weniger durch Zufall. Deswegen wird es auch Berliner blau genannt.
Entweder. Rache bekam das direkt aus der Verwandtschaft von ihrer Schwester vom Farbenhändler oder vielleicht sogar über den Auftraggeber Kurfürst Johan Willem in Düsseldorf, nämlich der hat möglicherweise direkten Zugang gehabt zu diesem Berliner Blau? Ich glaube, ihr zehnter Sohn heißt Jan Willem, hat das etwas mit dem Kurfürst zu tun? Ja, der Kurfürst und es klingt vielleicht ein bisschen komisch, wenn man das so sagt, aber das war ihr Onkel aus, vor der Künstlerin hat er gemeinsam mit seiner Frau Anna-Maria Luisa de Medici die Patenschaft für dieses Kind übernommen und es wurde nach Johann Willem in Düsseldorf, Jan Willem oder Johann Willem benannt, und der Kurfürst hat sich gemeinsam mit seiner Ehefrau auch auf den Weg gemacht nach Amsterdam, um bei der Taufe des Kindes siebzehnhundert11 dabei zu sein. Ich bin
nicht die Kunsthistorikerin, aber auch nicht so ein gutes Auge wie du, lieber Alexander, aber mir ist ein Detail aufgefallen, wenn wir uns die Schaffensphase von Kachelreus anschauen. Über einen langen Zeitraum sind die Hintergründe dunkel und in ihrer späteren Schaffensphase werden sie hell. Woran liegt's?
Ja, das ist natürlich auch einem sich verändernden Zeitgeschmack geschuldet, also wir treten von dem siebzehnten Jahrhundert über in das 18. Jahrhundert, das 18. Jahrhundert werden wir's einfach mal mit ein paar Schlagworten umreißen oder beschreiben möchten, ist natürlich. Das Zeitalter des Rokoko, später auch der Aufklärung, also schon mal, Zeitalter das Licht ins Dunkel bringen möchte, auch mehr Heiterkeit vielleicht in die Lebensrealitäten der Menschen, und da liegt es nur nahe, dass sich auch die Palette der Künstler aufhält und da ist sie keine Alleingängerin oder nicht irgendwie jemand, der das erfunden hätte, sondern sie steht da in diesem Zusammenhang einfach äh in eine sich wandelnden
Mode Ja und der zweite große Künstlername, den wir in dem Podcast noch gar nicht erwähnt haben, ist Jan von Heussum ein Maler, der etwa siebzehnhundert20 dann auf die Bühne tritt, nachdem er sich sozusagen selbstständig gemacht hat und er ist eigentlich derjenige, der auf Empfehlungen eines Sammlers sogar Sammlers und Kunsthändlers seine Hintergründe aufhält, Und das Spannende daran ist, dass Jan von Häusern sich in seinem Frühwerk an Rache Reus orientiert und jetzt dreht sich das Ganze um die deutlich ältere Rachereis schaut nach dem Jungen Maler Jan von Heusum und natürlich, wie du es gesagt hast, Alexander schaut auch danach, was die Kunden jetzt wünschen.
Und der Einfluss von Frankreich ist ganz deutlich. Es werden diese, mit viel mehr Weißanteil, Pastellfarben wirken sie und diese lichten Hintergründe, Die sind dann etwas, was in Mode kommt. Jetzt ist aber die Frage, was passiert da mit dem Bild? Denn warum hat man sie erst dunkel gemacht, die Hintergründe und das ist der Grund dafür, dass man damit mehr Räumlichkeit erzielen kann. Vor dem dunklen Hintergrund kann man viel besser plastisch arbeiten und die Blumen sind noch viel mehr inszeniert.
Jetzt aber werden die Hintergründe heller. Was also muss passieren? Der Vordergrund muss noch kräftiger werden. Und im Hintergrund führt Jan von Heusem auch noch Motive ein wie ein Garten Ein Garten mit Skulpturen, in denen wir blicken und alles wirkt aus heutiger Perspektive noch artifizierter, noch künstlicher, die Farben, das Licht, die Inszenierung, alles ist schon eigentlich Teil des französischen Rokoko Könnte man also sagen, dass mit dem Ableben von Rachel Reus stirbt auch Das Blumenstillleben? Das Blumenstillleben ist ehrlich gesagt bis heute ganz aktuell und auch immer noch sehr populär und das hat den großen Vorteil im Vergleich zu anderen, Genres, denk mal an die Historienmalerei mit schweren Inhalten, die zum Teil auch gar nicht mehr für uns heute zu lesen sind, für das Publikum, denken wir an Porträts, die auch auf dem Kunsthandel noch
gehandelt werden, weil sie von fantastischer Qualität sind. Aber viele überlegen sich, hänge ich mir wirklich einen fremden ins Wohnzimmer, Beim Stillleben ist es völlig unproblematisch. Das kann man im Haus überall hängen und es ist nach wie vor sehr attraktiv. Allerdings und das ist eine große Hoffnung, die ich verbinde mit der Ausstellung, sind diese Stillleben in ihrer Zeit nicht als Dekoration geschaffen worden, sondern eigentlich, du hast den Begriff Wimmelbild vorhin schon verwandt. Sie sind, Bilder zum Schauen, zum Entdecken und nicht Dekoration, Alexander, ich glaube, wir können's kaum erwarten, bis die Ausstellung über Achelreuss am 25. November eröffnet.
Bernd sag mal die Pinakothek, die alte Pinakothek, du bist jetzt seit 13 Jahren dort Sammlungsleiter. Was, ist die Faszination alte Pinakothek. Woher kommt eigentlich der Name? Ja, das ist gut, dass du das fragst. Das fragen sich vielleicht viele oder man hat den Begriff schon so akzeptiert, ohne ihn zu hinterfragen.
Pinakoté kommt eigentlich aus dem Griechischen von Pinakis, den Bildern, also ein Haus für Bilder. Das ist wie bei Bibliothek auch ein Haus für die Bücher. Und unser Haus vereint natürlich viele Bilder. Das ist eine der größten Gemäldesammlungen der Welt, die anders als viele Museen, die wir kennen und besuchen in London, in New York oder auch in Berlin, die im 19. Jahrhundert entstanden sind, in dem Bilder gekauft wurden, wirklich systematisch auch für das Museum, um eine Geschichte zu erzählen, die vollständig Kunstgeschichte, unsere Sammlung geht zum großen Teil zurück auf die Familienzweige der Wittelsbacher Familie.
Und das ist besonders spannend bei dieser Ausstellung zu den stand im Dienst, eines Wittelsbachers und hat damit eine ganz enge Verbindung zu unserer Sammlung. Ich bin mir sehr sicher, dass auch der heutige Betrachter oder Betrachterin von diesen Werken, fasziniert sein werden von dieser hohen Qualität. Das Wort Qualität möchte ich gerne noch mal aufgreifen.
Auch die Munich Highlights ist eine Kunstmesse mit höchsten Qualitätsansprüchen. Alexander, jetzt habe ich ja das große Glück dich, Auf der einen Seite natürlich als Kunstmarktexperten hier sitzen zu haben als Kunsthistoriker und auch als Mitglied des Boards der Munich Highlights. Im 15. Jahr bitte erzähle uns doch noch etwas, was diese Highlights, diese Messe in diesem Jahr so besonders macht. Also das Jubiläum ist natürlich immer ein willkommener Anlass.
Ausstellenden Kunsthändlerinnen und Händler zu besonderen Höchstleistungen zu animieren, also wirklich das beste, das Besten zu präsentieren und da wir einen, Festen treuen Stamm an Ausstellerinnen und Ausstellern haben, wird das ganze Jahr auch mit Ihnen in enger Verbindung stehen und kommunizieren, ist glaube ich jedem der Ausstellerinnen und Aussteller auch bewusst, dass wir hier eine besondere Glanzleistung im 15. Jahr, abliefern möchten und der ja Kulturgeschichtliche und kunsthistorische Bogen spannt sich bei uns.
Durch die Jahrhunderte, also ich sage immer, von der Botik bis zur Gegenwart, sprich, wir können also fast 1000 Jahre Kunst und Kultur auf engstem Raum im historischen Ambiente der Residenz München, im Grunde der Herzkammer bayrischen Kunstgeschehens über viele Jahrhunderte hinweg, erleben, ein Museum auf Zeit. Ähm es sind insgesamt sechs Tage, vom 15. bis zum 20. Oktober und das Schöne ist, ähnlich wie ein, Besucher im Atelier von Reus im siebzehnten oder 18. Jahrhundert, ein Werk, das er auf der Staffelei entdeckt hat und das ihm besonders angetan hat, wenn es denn nicht schon, kauft war. Wir hatten ja schon gehört, Bernd, dass die Werke kaum fertig gemalt schon neue Eigentümer gefunden, dass man sich auf der Highlights eines seiner Lieblingsobjekte auch für die eigene Sammlung sichern kann. Ob das nun ein,
kunstgewerblicher Gegenstand beispielsweise aus den Sammelgebieten Porzellan, Silber, Glas ist oder aber vielleicht ein Altmeistergemälde oder aber eine Fotografie aus dem 20. Jahrhundert, Es gibt eigentlich kaum ein Sammelgebiet, das die Highlights nicht bedienen würde. Von der gute bis zur Gegend Jetzt habt ihr ja bei der Vorstellung verraten, dass der eine ursprünglich auch Kunsthändler werden wollte, der andere vielleicht auch ein bisschen mehr noch in die Wissenschaft gehen wollte.
Sind denn die Institutionen Museum und der Kunstmarkt Miteinander zu ein? Wo haben wir die verbindenden Elemente? Ja, wir haben sie auf jeden Fall in dem Qualitätsanspruch und in der Faszination für die Kunst. Denn auch wenn Kunst eine Ware bleibt, wie viele andere Waren auch, ist es doch letztendlich die Begeisterung, die die Kunsthändler, vermitteln Und auch die Begeisterung, die die Käufer entwickeln. Denn Kunst ist kein Gegenstand, den jeder täglich kauft, sondern dafür muss man sich begeistern und ich bin mir ganz sicher, dass viele der, Kunden, dem Munich Highlights zur Kunstaustellung in die Altpinakothek kommen werden, denn das ist der hohe Anspruch, der uns beide verbindet an die Kunstwerke und die Begeisterung für die Kunst.
Und es haben natürlich auch im Laufe der letzten 15 Jahre viele Werke, die auf der Highlights ausgestellt gewesen sind, mittlerweile ihren Weg ins Museum gefunden. Also das heißt von der Messe ins Museum ist kein Widerspruch, im Gegenteil, das kann durchaus auch passieren und das macht natürlich viel Freude, wenn etwas, was nur temporär für einen ganz, ganz kleinen, Ausschnitt an Zeit dann dauerhaft für die Allgemeinheit auch wieder zu sehen sein wird. Wir sind ja gerade schon auf die Gegensatzpaare von Kunsthandel, und Messe und dem Museum.
Eingegangen. Ja, was mir dabei noch einfällt, ist der Gegensatzpaar eigentlich von den Naturwissenschaften und die Wissenschaft und der Kunst. Wenn wir uns heute entscheiden, ins Museum zu gehen, dann gehen wir entweder ins Naturkundemuseum oder ins Kunstmuseum. Und mein Ziel wäre auch, dass der Besucher erfährt in der Ausstellung, dass das keine Gegensatzpaare waren in der Zeit.
Denn in der damaligen Kunsttheorie zum Beispiel wurden die Begriffe der Wissenschaft und der Kunst nicht als Gegensatz, sondern als sich ergänzend empfunden und auch der Vater von, und der ja Wissenschaftler war, hat gezeichnet, wie selbstverständlich gezeichnet und Rache hat sich auch mit der Natur beschäftigt. Sie hat gelesen Sie hat das Wachstum der Pflanzen und das Verhalten der Tiere studiert und nur so war sie in der Lage, Diese Komposition so zu vollenden, Und ich freue mich, dass wir jetzt hier über diese Podcast-Folge eine Verbindung aufgebaut haben. Ich danke euch wirklich von ganzem Herzen für die Einführung in das Leben und Werk von Rachel Reus. Die Einblicke jetzt ganz aktuell natürlich alte Pina Kut
die Munich Highlights und ich freue mich so, wenn wir uns in wenigen Tagen wiedersehen werden. Herzlichen Dank für dieses Gespräch Ja, danke auch dir, Claudia und danke dir Alexander, dass du irgendwie ein großes, Es war sehr, sehr kurzweilig mit euch. Also ganz ganz herzlichen Dank und vielleicht haben wir über andere Gelegenheit ja noch einmal die Möglichkeit das fortzusetzen Ich schnappe dich bei nächster Gelegenheit und weitere Werke kennen.
Music. Für heute. Die nächste Folge erscheint in einer Woche und um sie nicht zu verpassen, folge der die Leichtigkeit der Kunst gerne auf deiner, Wenn dir diese Folge gefallen hat und dir auch die weiteren Episoden zusagen, dann hinterlasse doch gerne fünf Sternchen sowie eine wohlgesonnene Bewert, freue mich auch über Empfehlungen, Fragen, Kritik und natürlich auch weitere Themenvorschläge oder Gesprächspartnerinnen, Dazu kannst du gerne die Social Media Kanäle von die Leichtigkeit der Kunst nutzen oder eine E-Mail an folgende Adresse schreiben. Info at die Leichtigkeit der Kunst Punkt DE, Danke fürs Zuhören und tschüss, bis zum nächsten Mal, deine Claudia.
Music.