Dieser eine Moment – Der Podcast mit Philipp Fleiter· Staffel 2· Folge 49

"Chronisch Krank, aber voll im Leben" mit Tara Soltani

Montag, 29. Juni 2026 · 1 h 18

MP3

Shownotes

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Als Tara Anfang 2022 plötzlich unter starken Bauchkrämpfen, Durchfällen und Blut im Stuhl leidet, beginnt für sie eine fast zweijährige Odyssee durch das Gesundheitssystem. Immer wieder werden ihre Beschwerden heruntergespielt, falsch eingeordnet oder auf die Psyche geschoben. Erst nach zahlreichen Arztbesuchen, Notaufnahmen und zwei Darmspiegelungen erhält sie die Diagnose: Colitis Ulcerosa – eine chronisch entzündliche Darmerkrankung.
In dieser Folge erzählt Tara von den schlimmsten Schmerzen ihres Lebens, von Medical Gaslighting, von der Angst, mit ihrer Krankheit zur Belastung für andere zu werden, und von dem Gefühl, ständig beweisen zu müssen, dass es ihr wirklich schlecht geht. Sie spricht darüber, wie sich ihr Alltag, ihre Freundschaften, ihre Beziehung und ihre Karriere seit der Diagnose verändert haben – und warum sie heute öffentlich über ihre Erkrankung spricht.

Ihr findet Tara auf Instagram @taradjun

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Dieser Podcast ist eine Produktion von Philipp Fleiter und WeMynd.
Neue Folgen alle 14 Tage montags - überall wo es Podcasts gibt.
Redaktion: Philipp Fleiter und Laila Keuthage | Produktion: WeMynd

Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin

Entweder muss ich mir jetzt in die Hose scheißen, hab kurz überlegt, ob ich's mache und dann so, okay, nee, ich glaub, ich bring's nicht über mich, das dann in meiner Hose zu haben, weil ich muss ja auch noch den Weg nach Hause laufen. Dann bin ich halt hinter so eine Hecke gesprungen, irgendwo mitten in Köln, in so einem Veedel.

Und niemand von uns hatte, wir hatten keine Taschentücher dabei, wir hatten nichts dabei. For some reason war ich auch echt schlecht vorbereitet auf so einen Moment, weil ich zu dem Zeitpunkt war mir noch nicht klar, wie krass das sein kann. Manchmal sind es nur ganz kurze Momente, die ein Leben komplett verändern können.

Ein Augenblick, eine Entscheidung, ein Ereignis, ein Wimpernschlag und danach ist alles anders. Ich bin Philipp Fleiter und ich treffe in diesem Podcast Menschen, um mit Ihnen genau über diesen einen Moment zu sprechen, der Ihr Leben für immer verändert hat. Hallo und herzlich Willkommen zu einer neuen Folge von dieser eine Moment und die ist ein bisschen anders als sonst. Wir sprechen nämlich über viele Themen, über die die meisten von uns wahrscheinlich nicht so in der Öffentlichkeit reden.

Es geht ums Thema Verdauung und da ist uns ja eigentlich allen direkt oder indirekt beigebracht worden. Behalt es mal lieber für dich. Das ist für die meisten wahrscheinlich auch relativ easy umsetzbar. Aber was ist, wenn eine Krankheit dazu führt, dass deine Verdauung quasi dein ganzes Leben bestimmt?

Ich spreche heute mit Tara. Tara ist 30 Jahre alt und kommt aus Köln. Ihr ist genau das passiert und sie hat sich dazu entschieden, dazu beizutragen, dass dieses Thema eben nicht mehr hinter verschlossenen Klotüren in Vergessenheit gerät. Tara, schön, dass du da bist. Danke, schön hier zu sein. Ja, der eine Moment, dieser eine Moment, über den wir heute sprechen, der passiert bei dir Anfang 2022.

Du bist damals Mitte 20, hast wahnsinnig schlimme Schmerzen, Durchfall und sogar Blut im Stuhl. Gehst dann in deine hausärztliche Praxis. Was passiert da? Da passiert gar nicht so viel tatsächlich. Ich glaube, das ist auch das Problem. Ich habe dort angerufen morgens, klassisch so, man ruft bei seinem Hausarzt an.

Und erklärt, dass es einem nicht gut geht. Und dann sagen die, ja, kommen Sie doch heute mal rein zu der Notfallsprechstunde. Und damals gab es noch so Covid-Regelungen. Stimmt. Das heißt, wenn man, also tatsächlich haben da, also die Hauptbeschwerden, Covid-Beschwerden, waren ja eher Atemwegsbeschwerden. Aber Magen- und Darmprobleme waren tatsächlich auch unter diesen Symptomen.

Das wusste ich zu dem Zeitpunkt auch noch. Es wurde mir dann quasi am Telefon gesagt, so, ah ja, das könnte auch eine Covid-Erkrankung sein. Und deswegen müssen wir sie durch, meine Hausarztpraxis hatte dann einen bestimmten Eingang, wo Menschen mit Symptomen durch, quasi eskortiert wurden von einer Person.

Ich wurde dann da in diesem, ich musste dann an diesem Eingang stehen, anrufen, dann wurde ich von einer Frau, einer Ärztin in so, quasi so einem, ich hab die in so einem Anzug noch im Kopf mit so einer Maske, also sie war so wirklich so sehr, die waren sehr vorsichtig und die hat mich dann so schnell wie möglich eskortiert in so einen kleinen Laborraum.

Und dann stand diese Frau vor mir, das war eine ganz junge Frau, ich hab sie eben nicht ganz gesehen, weil sie ja diese Maske auf hatte und hat mich gefragt, was das Problem ist und ich habe ihr dann relativ genau geschildert, ja, ich habe seit mehreren Wochen Krämpfe. Wenn ich auf Toilette muss, beziehungsweise bevor ich auf Toilette muss.

Das war in der Regel zu der Zeit morgens und abends, das waren so meine klassischen Stuhlgang-Zeiten und zu diesen Zeiten musste ich dann, habe ich dann plötzlich Krämpfe bekommen und musste ganz schnell auf Toilette. Okay. Und dann fing es eben mit den Blutungen an und am Anfang, Genau, dachte ich, ah ja, ich habe irgendwie eine Magen-Darm-Grippe.

Und dann, als es aber nach ein paar Wochen nicht mehr besser wurde, war ich so, okay, irgendwie stimmt hier was nicht. Und als dann Blut dazu kam, war ich so, okay, irgendwie stimmt es wirklich nicht. Ich habe ihr das erklärt und die Frau, die Ärztin war dann so, oh ja, ja, das ist echt doof. Ja, da haben sie bestimmt was verschleppt.

Das ist ja echt doof. Also die hat wirklich so ein bisschen wie mit so einem Kind. Ich habe das Gefühl gehabt, ich bin so ein vierjähriges Kind, das sich am Knie geschürft hat und die sagt so, oh Mann, das ist ja doof. Und ja, Tee trinken und Suppe und schon kost. Und dann war ich so, nee, das habe ich schon alles gemacht seit ein paar Wochen, deswegen bin ich hier, ich kann ja einschätzen.

Ich glaube, da stimmt was nicht. Und dann war sie so, ja, nee, aber da können wir jetzt gerade gar nicht machen so viel. Und hat also keine Untersuchung, sie hat mich nicht berührt an dem Ganzen. Das war eine Interaktion von fünf Minuten. Sie stand so auch, währenddessen stand sie so in der Tür, also mit dem Rücken zur Tür.

Und ich saß auf so einem Stuhl und ich hatte so das Gefühl, sie will jetzt auch eigentlich einfach schnell wieder weiter. Und dann war ich nur so, okay, alles klar, I guess. Und ja, dann war sie auch schon wieder weg und ich bin nach Hause gefahren. Fühlt man sich nicht so richtig ernst genommen, ne? Absolut gar nicht, genau.

Das war der erste Moment, wo ich, also jetzt rückblickend, in dem Moment war mir das noch nicht so bewusst und ich konnte das noch nicht analysieren in dem Sinne, aber das war, glaube ich, der erste Moment, wo ich so, mit Medical Gaslighting oder so einem Gefühl von, ah ja, mir wird gerade einfach nicht geglaubt, dass ich einschätzen kann, dass mit meinem Körper etwas nicht stimmt.

Wir haben ja oft dann vor diesem Podcast, gibt es ja Vorgespräche und dann überlegen wir uns, was könnte dieser eine Moment sein. Warum hast du dir ausgerechnet diesen Moment ausgesucht? Weil da an sich passiert ja gar nicht so viel, außer, in Anführungszeichen, außer, dass du nicht ernst genommen wirst. Warum glaubst du, ist das der Moment, der dein Leben verändert hat? Das war so ein Kick-Off in diesem Weg zur Diagnose.

Diagnose. Und dieser Kick-Off ist mir so hängen geblieben, dass ich das Gefühl habe, seit diesem Tag hat sich was verändert in der Art und Weise, wie ich im medizinischen Kontext mich bewege. Seit diesem Tag habe ich verstanden, dass ich vielleicht weniger ernst genommen werde als andere Menschen in diesem Kontext.

Und dass ich quasi also seitdem hat sich so eine defensive Haltung bei mir, glaube ich, aufgebaut, die ich jetzt quasi so strategisch nutzen kann, um heutzutage mit ÄrztInnen zu sprechen. In dem Moment war ich so hilflos. Und ich glaube... Und deswegen hat sich da in dem Moment sowas verändert und ich war so, ah okay, das ist so der Moment, glaube ich, der Kick-off einer Reise.

Ja, der Beginn einer Reise eigentlich, das trifft es ganz gut. Vielleicht gehen wir mal ein bisschen zurück, wie präsent ist das Thema Verdauung in deinem Leben vor der Erkrankung? Das ist ja etwas, wo auch Familien ganz unterschiedlich mit umgehen, für manche ist das komplett schambehaftet. Ich habe, glaube ich, alle Mitglieder meiner Familie schon auf dem Klo gesehen, weil das bei uns eben nicht so war. Wie war das bei dir? Ähnlich wie bei dir, glaube ich.

Bei mir war das auch so, dass, also es war kein großes Thema. Also es war jetzt nicht so, als würden wir da jeden Tag drüber sprechen. Ich hatte familiär schon so ein paar andere Menschen, die Verdauungsprobleme hatten in meiner Umgebung. Also sowohl mein Vater als auch meine Tante hatten so immer mal so Verdauungsprobleme. Also ich hatte ein Bewusstsein dafür, dass es das gibt.

Aber es war einfach kein großes Thema. Es wurde auch nicht groß thematisiert. Ich erinnere mich so am stärksten eben so an diesen Prozess mit meiner Tante, die irgendwie über Jahre lang, meine Tante hat zu der Zeit in England gelebt und wir haben sie oft besucht mit meiner Mutter und meine Mutter hat ihr dann oft so den Bauch massiert und ich hatte so häufig so Intimitätsmomente.

Bezüglich so ihrer Beschwerden, glaube ich. Das ist so ein Ding, was ich so, wenn ich so drüber nachdenke, was... So als Referenz aufkommt. Und ansonsten, ich konnte schon vor allem mit meiner Mutter relativ offen über körperliche Beschwerden sprechen, schon immer. Konnt ihr ja sagen, wenn ich irgendwie Beschwerden habe, Durchfall habe.

Ich hatte vorher tatsächlich mal Probleme gehabt, Anfang 20 mit so Hämorrhoiden und Verstopfung und ich habe irgendwie zu wenig getrunken immer und es gab so, in einem Ansatz schon irgendwie Gespräche, aber es war trotzdem kein, also Verdauung auch in dem Sinne, dass ich eine Aufklärung hatte bezüglich, was genau macht die Verdauung mit dem Körper, mit dem Immunsystem, mit dem Hirn.

Also, dass es einfach so essentiell ist für ganz viele Prozesse im Körper. Die hatte ich auf jeden Fall nicht. Aber definitiv gab es keine große ... Es war nicht so, es werden wir so verklemmt und würden so nie drüber sprechen. Okay, aber das merkt man ja bei dir schon. Das ist ja ein Thema, was für viele Leute ganz schambehaftet ist, wo du sehr offen drüber sprichst, Was ja auch total wichtig ist für diese Reise, da kommen wir gleich noch zu.

Hattest du denn als Kind oder als Jugendliche schon Beschwerden mit deinem Darm? Nee, tatsächlich gar nicht. Also nicht, dass ich mich erinnern könnte. Wie gesagt, Teenager, Anfang 20er gab es so diese Verstopfungssituation. Und ansonsten habe ich da nicht groß drüber nachgedacht, ehrlich gesagt, über meine Verdauung.

Es klang jetzt gerade schon ein bisschen an, für viele Leute ist das kein leichtes Thema. Also als du diese Verstopfungshämorrhigengeschichte da hattest, hast du da mit Freundinnen und Freunden drüber gesprochen? Es gab so die engsten Freundinnen, die das wussten, dass ich lange auf der Toilette brauche.

Also das war so, mit Freundinnen, mit denen man mal gereist ist oder bei denen man übernachtet, die so merken irgendwann, okay, Tara braucht irgendwie eine Stunde auf dem Klo. Das ist irgendwie weird. Weil vor allem, keine Ahnung, ich habe dann natürlich mit Freundinnen gesprochen, die dann so, die brauchen so fünf Minuten auf dem Klo. Und die waren so rein, raus, haben sich mit Klopapier abgeputzt.

Meine Eltern kommen aus dem Iran, wir waschen uns den Po, nachdem wir unseren Schulgang verrichtet haben und dann war es immer so irgendwie, bei Taras irgendwie komisch so ein bisschen. Das heißt, es gab so ein, zwei Leute, aber so ansonsten, also das mit den Hämorrhoiden habe ich niemandem erzählt. Das fand ich irgendwie peinlich und auch so der Begriff Hämorrhoiden. Das klingt schon furchtbar. Klingt Horror.

Irgendwie lieber nicht drüber reden. Aber so das Verstoffungsthema, das wussten ein paar Freundinnen. Das heißt aber, gerade wenn man jetzt jünger ist, dann hat man ja auch gar nicht so die Vergleichsmöglichkeiten. Auch bei so einem Thema, wo man ja sowieso nicht mit jedem drüber spricht. Das heißt, du hast am Anfang gar nicht gemerkt, dass eine Stunde auf dem Klo nicht so normal ist.

Nee, da muss ich dann auch sagen, ehrlich gesagt, ich glaube meine Familie, also familiär bedingt haben alle relativ lang gebraucht. Also ich glaube, das war so relativ normal, vielleicht eine Stunde nicht, aber so, es war jetzt bei niemandem so, dass sie so rein, raus, fertig. Okay, das heißt, du hast dann bei deinen Freundinnen gesehen, okay.

Bei manchen ist das anders als bei mir. Nach der Teenie-Zeit fängst du ein Studium an in Köln. Und ja, eigentlich läuft es ja beruflich und so ziemlich gut bei dir in der Zeit, würde ich sagen. Ja, genau. Ich fange ein Studium an, ein Bachelorstudium. Und bin aber die ganze Zeit. Nach dem Abitur sehr unsicher. Ich glaube, das trägt sich so durch.

Und ich glaube auch mit Hinsicht, also man kann immer über psychosomatische Gründe sprechen und ich weiß nicht, wie viel da dran ist, aber ich glaube, ich sehe da schon auch Zusammenhänge mit meinem Existenzangstgefühl. Ich bin jetzt 30 und ich muss sagen, meine Zwanziger waren geprägt von so, oh Gott, ich will irgendwie ganz viel machen und ganz viel schaffen und ich will irgendwie was Großes erreichen, aber irgendwie weiß ich nicht so ganz wie und irgendwie weiß ich auch nicht, wo ich ansetzen soll.

Und das Studium, ich habe dann während des Studiums auch in so einem Theaterensemble mitgemacht und geschauspielert und dann Regieassistenz und gleichzeitig dann irgendwie ein Job, ein Gastrojob und genau, und irgendwann fing das dann an, dass ich, in den Medien angefangen habe zu arbeiten, beim WDR und Deutschlandfunk und so dann, ging Ende meine Studie, ich habe relativ lange für mein Studium gebraucht, weil ich mich auch da mir nicht zugetraut habe, eine Bachelorarbeit zu schreiben, aus irgendeinem Grund, also so ich habe ein sehr gutes Abi gemacht, Hat eine Gymnasialbildung und trotzdem irgendwie immer das Gefühl, so irgendwie, ich glaube, das schaffe ich nicht. Krass.

Ich weiß auch nicht, also schon viel darüber gesprochen mit meinem Bruder. Ich habe einen älteren Bruder. Und als der dann seinen Bachelor abgegeben hat, war ich so, ah ja, vielleicht kriege ich das dann auch hin. Und Ende 2021 meine Bachelorarbeit abgegeben. Und dann habe ich gleichzeitig so freie Jobs in den Medien gemacht.

Das waren so meine ersten Big-Girl-Jobs irgendwie. und ich habe das erste Mal richtig Geld verdient und nicht so gastromäßig. Auch in der Gastro kann man Geld verdienen, aber das war halt eine größere Summe, als ich es irgendwie gewöhnt war. Und dann habe ich mich gleichzeitig auch noch für einen Master eingeschrieben.

Das heißt, es war sehr viel und ich war so, ich kann mir aber nichts entgehen lassen, weil überall ging es plötzlich so los. Und ich hatte das Gefühl, ich werde das erste Mal so wahrgenommen überall. Also sowohl in meinem Job wurde ich wahrgenommen, meine Masterprofessorin, das weiß ich noch, hat mich total wahrgenommen und hat so in mir was gesehen.

Und das war so das erste Mal, das ist so mit so glänzenden Augen so, oh mein Gott, ich glaube, hier passiert gerade was. Und dann fing das an, genau Anfang 2022. Ich habe mir hier Notizen gemacht, nachdem ich die Bachelorarbeit abgegeben hatte und diese ganzen, ich habe diese Jobs gemacht, diese Masterarbeit und dann habe ich Corona bekommen.

Also es war glaube ich das zweite oder dritte Mal, dass ich Corona hatte. Und danach gingen diese Schmerzen irgendwie los. Ich hatte dann so eine Phase, ich glaube, ich war dann immer so zwei Wochen so krank mit dieser Covid-Sache und dann gingen die Schmerzen los und gingen auch nicht mehr weg. Und das jetzt in der Situation, ich kenne das ja selber, weil ich ganz lange Jahre ja auch, also eigentlich immer noch freiberuflich tätig bin, aber genau was du meinst, man hat so das Gefühl, jetzt geht es endlich los.

Du jonglierst mehrere Jobs gleichzeitig, du hast ja auch dieses Gefühl, immer präsent sein zu müssen, also gerade in Köln, Medienbranche, Medienbubble, man muss dann auch abends irgendwo hin, weil dann könnte man irgendwie einen wichtigen kennenlernen und so diese ganzen Sachen. Das mit so körperlichen Beschwerden ist, glaube ich, eine sehr ungute Kombination eigentlich. Das ist Horror, kann man schon so sagen.

Ich glaube, dieses Gefühl von, man muss sichtbar sein, damit Menschen mich wahrnehmen und damit ich weiterkomme, damit ich gefördert werde und mir könnte jederzeit was entgleiten. Ich glaube, das ist so, mir könnte jederzeit, das sind ja diese freien Jobs, man kriegt diese Prognosetage oder wie die sich nennen und, Und jederzeit könnte das vorbei sein. Und ich muss das jetzt nutzen und ich muss einen guten Eindruck machen. Und wie gesagt, ich war ganz neu in dieser Branche. Ich kannte ein, zwei Leute, die mich dann netterweise auch so mit reingeholt haben und mich fördern wollten.

Und ich wollte auch dann denen natürlich beweisen, dass ich jetzt auch einen guten Job mache. Und genau, das war, also ja, ich weiß gar nicht, wie ich das gleichzeitig alles gemacht habe, ehrlich gesagt. Das ist so ein bisschen dieser aktuelle Instagram-Trend, dieses By-the-way-Ding, weißt du, also wo die Leute.

Sehen, boah, die macht jetzt ein Fotoshooting für die DDR, die wird jetzt Host und die sehen aber natürlich nicht, was in dir vorgeht und ich kenne das auch so gut, stehst auf einer Bühne vor tausenden Leuten und die Leute denken, boah, das muss das geilste auf der Welt sein, hast aber irgendwie hinter der Bühne Panikattacken oder es ist gerade etwas Schlimmes passiert und du hast kurz bevor du auf die Bühne gehst noch geweint, aber jetzt bist du gerade da und dann musst du irgendwie so performen, weil ehrlicherweise ist es ja auch eine Branche, die es dir nicht dankt, wenn du schwach bist.

Und wenn du krank bist, dann bist du einfach ganz schnell raus. Also ich kann diese Ängste total verstehen. Du hast gerade gesagt, Anfang 2022 fängt das so an mit den Beschwerden. Vielleicht kannst du mal erzählen, womit es anfängt, also wie sich diese Beschwerden das erste Mal äußern. Die Beschwerden äußern sich so, dass ich morgens, ich habe immer schon zweimal am Tag einen Stuhlgang gehabt, relativ regulär, auch relativ zeitlich so regulär und das fing an, dass morgens und abends, bevor ich diesen regulären Stuhlgang hatte, dass mein Darm gekrampft hat.

Wie so, ich kann das gut beschreiben, andere weiblich gelesenen Menschen oder Menschen wie Gebärmutter, es hat sich ähnlich angefühlt wie Periodenkrämpfe. Ja. Also wie so eine Contraction und dann wieder so ein Release und das aber eben im Darm, so weiter hinten. Und dann gab es immer diese Momente, ah ja, es fängt jetzt an zu krampfen, ich muss sofort auf Toilette und auf der Toilette krampfte es einfach, bis ich leer war quasi.

Diese Krämpfe haben so aushaltbar begonnen. Also es war so, okay, es ist ein Magen-Darm, ist zwar scheiße, geht aber wieder weg. Literally scheiße, das ist immer ganz lustig. Stimmt. Und dann wurden die eben über die Zeit, über die Monate so schlimm, dass mir so schwarz vor Augen wurde auf der Toilette.

Ich das Gefühl hatte, ich kippe um vor Schmerz. Ich habe teilweise geweint und musste, nachdem ich vom Klo wieder rauskam, mich so hinlegen und war so... Also war einfach so, als hätte ich gerade so, keine Ahnung, als hätte ich gerade so was richtig krasses geleistet und ich musste jetzt einmal, ich hatte so Herzrasen, mir war heiß, ich habe geschwitzt und genau, musste mich hinlegen und mich erstmal so erholen von dem Stuhlgang.

Also bisschen mehr als nur so eine kleine Magenverstimmung, die man irgendwie kennt. Damit bist du dann irgendwann zum Arzt gegangen, weil das kann nicht normal sein. Genau, ich bin nach so ein paar Wochen schon zum Arzt gegangen, als es so ein bisschen schlimmer wurde. Die Ärztin hat ja dann gesagt, ja, irgendwas verschleppt, müssen sie dann irgendwie mit Tee.

Und dann bin ich tatsächlich, glaube ich, nochmal zum Arzt gegangen. Es kam auch nichts wirklich bei raus. Also ich habe jetzt auch so, ich habe versucht in meinem Kalender so nachzugucken, wo die Arzttermine immer waren. Weil ich nämlich dann das erste Mal in der Notaufnahme im Mai 2022 war. Weil es so schlimm war, dass du es nicht mehr ausgehalten hast.

Weil es so schlimm war und weil so viel Blut dabei war, dass ich dachte, irgendwas ist ernst hier. Irgendwas kann hier doch nicht stimmen. Ich habe das Gefühl, ich habe innere Blutungen. Aber das ist ja auch genau das, was einem eigentlich alle Ärzte immer sagen. Wenn du Blut im Stuhl hast, sofort zum Arzt. Das kann was ganz Schlimmes sein.

Genau. Und deswegen war ich so, hä, wieso macht niemand, was passiert hier, warum nimmt es niemand ernst? Und es hieß ganz lange von den ÄrztInnen, wenn ich gesagt habe, Blut im Stuhl. Wenn ich es Leuten erzähle, sind die immer so, das kann ich mir einfach nicht vorstellen, dass die nichts machen. So doch, also so I'm telling you.

Mir wurde dann gesagt, es sind Hämorrhoiden bestimmt. Ich wurde dann so in dieser Notaufnahme, hat einer Ärztin den Finger reingesteckt. Das ist immer so ein bisschen, leider ein Thema, das immer so ein bisschen gekürzt ist. Ich dachte, das wäre so ein Scherz, so ein Altherrenwitz-Finger in Co-Mexico.

Nee, die haben sich dann so was aufgedeckt und dann so den Finger reingesteckt und mal gefühlt, was da los ist und haben dann immer gesagt, ja, ich spüre so ein bisschen Hämorrhoiden. Ja. Und ja, das könnte daran liegen. Und irgendwie ist aber niemand auf die Idee gekommen, einfach mal ... Darmspiegelung zu machen oder zu sagen, wir müssen eine Darmspiegelung machen.

Und es ging tatsächlich so weiter. Im Sommer war ich dann, wobei mir dann gesagt wurde, im Mai, dass ich Hämorrhoiden habe, war ich dann über diesen Sommer 2022 beim Proktologen. Das wäre ja eigentlich der Arzt oder die Ärztin, wo man hingeht. Hämorrhoiden, genau. Der war mir bekannt, weil ich ja hatte ja schon mal früher, Anfang meiner 20er, diese Probleme. Und ich war so, ah ja, okay, damit kann ich irgendwie umgehen. Ich gehe da jetzt hin.

Dann wurden mir Hämorrhoiden verödet, die ich dann später erfahren habe, eigentlich, die waren gar nicht so groß, man hätte sie nicht veröden müssen, aber es war so, okay, machen wir jetzt einfach mal, weil kann sein, dass die bluten. Und dann war es tatsächlich kurzzeitig so, dass die Blutung auch ein bisschen besser geworden ist.

Und aber dann wieder wiedergekommen ist und die erste Koloskopie, also die erste Darmspiegelung fand dann im November 2022 statt, bei der dann der Arzt, ich war in so einer Klinik, also in einem Krankenhaus in Köln, nicht in einer Praxis und der Arzt hatte die Darmspiegelung gemacht und auch da gab es noch Covid-Regelungen.

Also Ende 2022 war es auch so, dass ich, glaube ich, keine Begleitperson mit im Krankenhaus haben konnte. Und dann meinte der Arzt so, ja, macht Sinn, dass Sie so Schmerzen haben. Sie haben an drei verschiedenen Stellen dolle Entzündungen. Und natürlich war es für mich ein totaler Schock, Entzündungen zu haben.

Und trotzdem war ich so, ich dachte, ich hätte irgendwie Krebs. Oder ich dachte, das ist so richtig horrorschlimm. Und zu dem Zeitpunkt hat mir der Arzt auch gesagt, es seien eben nicht chronische, sondern akute Entzündungen, die auch wieder weggehen. Das sieht nicht aus wie eine chronisch entzündliche Darmerkrankung, sondern das sind gerade irgendwie akute Entzündungen. Ich habe gefragt, woher kommen die?

Keine Ahnung, könnte irgendwie alles sein. Und mit diesem Befund bin ich dann zu meinem Hausarzt gegangen und habe gesagt, hier, ich habe irgendwie Entzündungen, wie machen wir das jetzt? Was muss ich machen? Und der Hausarzt hat mir dann kurzzeitig ein Medikament verschrieben, Mesalazin, das ist ein Medikament, das tatsächlich auch für Darmerkrankungen genutzt wird, das ist so entzündungshemmend und das Medikament habe ich für so zwei, drei Monate genommen und es wurde ein bisschen besser und dann hat der Arzt gesagt, okay, sie können das jetzt wieder absetzen, bestimmt ist die Entzündung dann wieder weg, wenn es besser geworden ist.

Und dann war ich so, okay, dann setze ich jetzt wieder ab. Und dann wurde es schlimmer. Also dann kamen die Schmerzen zurück with a vengeance. Es kam so mit voller Wucht. Es war plötzlich noch schlimmer. Ich hatte dann auch noch Durchfälle zwischendurch am Tag. Ich hatte auf der Arbeit, musste ich ständig auf Toilette. Es gab eine Situation, es war so eine der schlimmsten Situationen, wo ich wusste zu dem Zeitpunkt auch nicht, inwiefern Ernährung eine Rolle spielt.

Was muss ich essen, was kann ich nicht essen? Es gab auf der Arbeit dann, ich habe für eine Produktionsfirma gearbeitet, wo es Catering gab, einmal die Woche. Und dann habe ich Catering gegessen und wusste nicht, dass es fatal ist auf meinem Darm. Und bin dann abends nach Hause, wollte nach Hause laufen und ich habe nicht weit weg gewohnt von diesem Büro.

Und es war so 10 Minuten Fußweg, 10, 15 Minuten und musste dann auf diesem Weg nach Hause, ich war mit einer Kollegin am Gehen und spürte dann so die Krämpfe. Und ich war so... Jetzt geht's los. Ich muss auf Toilette. Und sie war so, ach so, ja, wir können hier einen Kaffee, ich glaub. Ich war so, ich muss jetzt.

Und hab ihr nur so meine Sachen in die Hand, wirklich so in meine Tasche, meine Jacke. Es war kalt, glaub ich, auch draußen. So alles in die Hand, in die Arme geworfen. Ich war so, entweder in die Hose oder in Skippisch. Also ich hab, es gab schon so einen Moment, wo ich so, entweder muss ich mir jetzt in die Hose scheißen, hab kurz überlegt, ob ich's mache.

Und dann so, okay, nee, ich glaub, ich bring's nicht über mich. Das dann in meiner Hose zu haben, weil ich muss ja auch noch den Weg nach Hause laufen. Dann bin ich halt hinter so eine Hecke gesprungen, irgendwo mitten in Köln in so einem Veedel. Hinter so einem Büschchen und niemand von uns hatte, wir hatten keine Taschentücher dabei, wir hatten nichts dabei, for some reason war ich auch echt schlecht vorbereitet auf so einen Moment, weil ich zu dem Zeitpunkt war mir noch nicht klar, wie krass das sein kann, und genau dann hab ich da irgendwie, musste ich da halt auf die Leiter, hab da mein Häufchen gelegt, so, irgendwo auf so einem Platz.

Ich habe einfach wieder Hose hochgezogen, ohne sauber machen zu können. Habe später dann gelernt, dass einige Menschen mit chronisch und zölicher Darbekrautung ihre Socke benutzen in diesem Moment. Also kann ich jetzt mittlerweile, weiß ich, wenn man nichts hat, ist eine Pro-Tip eine Socke. Weil die kann man einfach wegwerfen. Und.

Naja, die Kollegin war dann ganz lieb und hat so wirklich so, es ist mir so peinlich. Das wollte ich gerade sagen, weil du erzählst es jetzt natürlich, es ist ja schon irgendwie eine witzige Anekdote auf eine Art. Aber andererseits, in dem Moment hat es sich ja wahrscheinlich überhaupt nicht witzig angefühlt, oder? Ich glaube, ich will nicht privilegiert klingen, weil es gibt ganz viele schlimme Sachen, die einem passieren können im Leben.

Aber es war einer der schlimmsten Momente, glaube ich. In dem Moment war ich so, ich bin so beschämt. Ich hatte so Angst, da waren auch so drumherum so Häuser. Es war halt so Platz und ich war so das landet bei Köln ist cool auf dem Kanal, irgendjemand wird so denken, ich bin so, keine Ahnung hab ein Drogenproblem, so das ist irgendjemand, der sowas öfter macht oder so und ich werde irgendwo landen und das ist dann lustig für alle und für mich ist das das Schlimmste ever und ich bin so nach Hause und hab einfach nur geweint und mein Freund war zu Hause und, so hat mich dann versucht zu trösten und war dann so ach, passiert jedem einmal im Leben und ich war so, ich hatte gehofft, dass mir das nie passiert und,

das war ganz, ganz, ganz peinlich in dem Moment. Mittlerweile, genau, das ist eine Story, die man gut erzählen kann als Anekdote. Aber genau, und meine Kollegin war dann so ganz lieb und meinte dann noch, das weiß ich noch, hat mich so ganz ernst dann am Ende angeguckt und war so, boah Tara, ich glaube, du musst noch mal zum Arzt, weil das war so eine Phase, wo ich so, ich hatte ja diese Medikamente schon bekommen und dann ist es schlimmer geworden und ich dachte so irgendwie, ich mache was falsch, dass ich das, diese Entzündung nicht abklinge, weil dieser Arzt meinte, sie ist jung, ihr Körper erholt sich, wir müssen gar nicht so ballern mit Medikamenten, und genau und ich war so, irgendwie mache ich was falsch, scheinbar passiert

da irgendwie, die haben doch gesagt, die Entzündung sei weg, nachdem ich diese Medikamente genommen habe und irgendwie keine Ahnung, was hier los ist und sie hat mir dann so gesagt, ich glaube, du musst nochmal was tun und so. Und dann hast du ja auf der einen Seite dieses Schamgefühl, weil das einfach ein schambehaftetes Thema ist, aber das habe ich jetzt gerade so ein bisschen rausgehört, auch dieses Schamgefühl, Dass man seinen eigenen Körper nicht so richtig vertraut und sich so denkt, eigentlich müsste es mir doch gut gehen, was ist denn hier los?

Oder war das auch so ein Gefühl, dass du so ein bisschen auf Kriegsfuß mit dir selber dann warst? Auf jeden Fall, auf jeden Fall. Ich glaube, ich habe das Gefühl, dass grundsätzlich ja die Gesellschaft, die Beziehung zu Krankheit oder Erkrankung, ist ja grundsätzlich so, Erkrankung ist eine Ausnahmesituation und die Norm ist Gesundheit.

Und das heißt, wenn man krank ist, dann ist man so, wann geht das jetzt endlich wieder weg? Wann bin ich dann wieder gesund? Und wenn du nicht gesund wirst, dann, also bei mir gab es auf jeden Fall, ich kann natürlich nicht für alle Menschen sprechen, aber bei mir gab es diesen Moment, wo ich so war, okay, irgendwas stimmt mit meinem Körper nicht, wieso kriege ich das nicht hin, der müsste doch jetzt eigentlich mal die Entzündung abgebaut haben.

Und das wurde mir ja auch vom Arzt so vermittelt, dass wir eigentlich gar nicht so viel tun müssen, außer das Medikament kurz, ein bisschen auf Ernährung achten, wusste aber auch nicht genau, was das bedeutet, auf Ernährung zu achten und dann geht das schon wieder weg. Ja, ich glaube, das ist mir auch erst durch diesen Podcast so bewusst geworden, was es für ein Privileg ist, gesund zu sein mit allen Wehwehchen, die man vielleicht mal hat, aber wirklich chronisch krank zu sein.

So wie Maja das erzählt hat in der Folge über ME-CFS. Das ist nochmal eine ganz andere Nummer, weil die Leute ja, genau was du gerade gesagt hast, Freunde haben dafür Verständnis, wenn man krank ist. Aber wenn man ein Jahr krank ist oder zwei Jahre oder drei Jahre, sagen die dann auch irgendwann so, ja und wann können wir jetzt mal wieder feiern gehen? sondern weil das einfach in unserer Gesellschaft nicht vorgesehen ist, dass Menschen chronisch krank sind.

Aber ich will nochmal kurz zurück zu dem Arzt kommen. Du hast dieses Medikament verschrieben bekommen und der hat dir auch so in so einem Nebensatz gesagt, ein bisschen auf die Ernährung achten. Aber du hast gesagt, eigentlich wusste ich jetzt gar nicht, was das bedeutet. Das heißt, du musstest dich dann selbst schlau machen so ein bisschen.

Genau, er hatte so gesagt, Ernährung. Und ich dachte eigentlich, dass ich bis dahin mich relativ gesund ernähre tatsächlich. Also ich glaube, ich hatte einfach absolut kein Bewusstsein für. Was sind verarbeitete Lebensmittel, wie oft gehe ich auswärts essen, was esse ich auswärts. Und zu diesem Zeitpunkt hatten wir auch noch keine Unverträglichkeitstests gemacht.

Das heißt, ich wusste gar nicht, was ich nicht essen kann. Das kam dann später. Der hat dann dieser Arzt, der gleiche Arzt, hat dann, als es nicht besser wurde, irgendwann Unverträglichkeitstests gemacht. Und dann kam raus, okay, es gibt ganz viele Unverträglichkeiten, nämlich Laktose, Bäckerhefe und Histamin, Sensibilität.

Das heißt, ganz, ganz, ganz viele Dinge sind weggefallen. Und zu dem Punkt habe ich dann erst verstanden, ach so, auf Ernährung achten bedeutet wirklich zu verzichten und ganz viele Dinge aus meinem Leben quasi rauszustreichen. Aber vorher hatte ich überhaupt gar kein Bewusstsein dafür, was kann ich essen, wenn mein Darm gerade angeschlagen ist. Ja, weil es könnte ja auch einfach heißen, ein bisschen weniger Süßigkeiten essen und dann läuft das wieder.

Das heißt aber, du hast jetzt zumindest schon einen Ansatz, auf welche Sachen du achten musst. Und wenn ich mich richtig erinnere, bist du dann auch noch zu einer Ernährungsberaterin gegangen oder hast einen Call mit der gehabt und hast versucht, dir da Hilfe zu holen. Genau, dann habe ich diese Unverträglichkeiten diagnostiziert bekommen von diesem, Hausarzt. Und der Hausarzt hat mir dann tatsächlich eine Ernährungsberaterin empfohlen, hat mir die Karte gegeben.

Also zumindest auf jeden Fall so den Namen genannt. Und dann war ich so, okay, dann melde ich mich da mal. Und dann musste ich vorab bezahlen, was glaube ich schon die erste Red Flag war, die ich hätte irgendwie verstehen müssen, und die hat dann mit mir einen Call vereinbart und in diesem Call habe ich dann auch, wie hier ungefähr, erklärt, okay, das sind meine Probleme, ich habe eine Darmentzündung.

Habe eine Darmspiegelung gemacht und jetzt wurden mir diese Nahrungsunverträglichkeiten diagnostiziert und jetzt weiß ich nicht, wie ich damit umgehen soll, weil das ist schon relativ ausgeprägt, das sind ja sehr viele Dinge. Also vor allem Histamin ist tricky. So wenn man, ich weiß nicht, ob du dich jemals damit auseinandergesetzt hast.

Histamin ist so gefühlt in allem und dann gibt's so mehr und weniger und sowas wie Bananen hat viel Histamin, aber irgendwie und Wassermelone weirdly auch. Also es gibt so komische Sachen, wo du so denken würdest, ah, das könnte ich eigentlich essen oder Auberginen und aber dann wiederum andere Gemüsesorten nicht und dann musst du aber selber auch ausprobieren.

Zwiebeln, gibt's verschiedene Arten von Zwiebeln, die haben mehr und weniger Histamin und, Und da sind einfach viele Dinge, vor allem Gemüsesorten und so weggefallen, wo ich so war, ich weiß gar nicht mehr, wie ich auf meine Nährstoffe essen soll. Ja genau, auf der einen Seite solltest du dich ja gesund ernähren, dann kannst du ganz viele Gemüsesorten essen. Genau, mein Körper ist ja gerade entzündet, ich muss ja irgendwie Nährstoffe zu mir nehmen, das Immunsystem müsste ja eigentlich gestärkt werden, aber ich kann ja jetzt auch nicht den ganzen Tag nur Kartoffeln essen.

Da habe ich diesen Call vereinbart mit dieser Ernährungsberaterin und die hat sich so 10 Minuten, 15 Minuten angehört, was ich so erzählt habe. Und dann war sie so, ich glaube, sie haben, also, haben sie schon mal nachgedacht? Ich glaube, sie haben ein Kindheitstrauma. What? Und dann war ich so... Also, ich habe dann so relativ schnell gesagt, ich bin in Therapie, schon lange, ich habe das im Griff.

Und sie war so, nee, also es ist schon häufig so bei Menschen mit irgendwie Darmentzündungen, dass es dann unbewältigtes Kindheitstrauma gibt und das muss man dann erstmal bewältigen, bis man gesund wird. Vorher werden sie nicht gesund. Huh, da geht es dann aber in eine komische Richtung. Ja, ich bin dann, zum Glück hatte ich irgendwie kurz darauf eine Sitzung mit meiner echten Psychotherapeutin, bei der ich schon seit Jahren gewesen bin und auch noch heute bin.

Und ich habe ihr das erzählt und die war so ganz außer sich. Die war so, das geht wirklich gar nicht. Die kann ihnen doch nicht einfach so ein Kindheitstrauma. Und also diagnostizieren vor allem nicht bei der ersten Sitzung. Und nachdem sie da irgendwie zehn Minuten kurz erzählt haben, was sie da für körperliche Beschwerden haben.

Die war so, da gehen Sie bitte nicht mehr hin. Und dann war sie so, bitte auch nicht. Und so, die Rechnung bezahlen Sie auch nicht. Und ich war so, ich musste vorher bezahlen. Und dann war sie so, tja. Sie war so, ja. Und dann war ich so, boah, krass. Wie man in diese Risikosituation, es ist wirklich eine gefährliche Situation, eine Risikosituation, in der man sich befindet. Ich hätte auch jemand sein können, der das glaubt. Und der dann so denkt, oh ja, okay.

Es gibt Sachen in meiner Kindheit, die natürlich schwierig waren, so wie bei vielen anderen Menschen. Ich bin ein Mensch mit Migrationsgeschichte Da sind ganz viele Sachen, die muss man bestimmt aufarbeiten. Ich bin ja auch dran, die aufzuarbeiten. Aber das dann als einzigen Grund für meine Erkrankung, es gibt keinen anderen Grund, wenn sie das lösen, dann werden sie wieder.

Es ist ja einfach wie so ein religiöses, es ist ja fast so, du musst nur bestimmte Dinge tun und dann wirst du geheilt. Das ist ja das Gefährliche daran, weil viele Leute ja wahnsinnig verzweifelt sind und sich freuen, wenn sie dann diesen Strohhalm gereicht bekommen und den dann auch ergreifen. Aber nochmal zurück auf dieses Nicht-Ernst-Dem.

Du hast gerade selbst gesagt, du bist eine Frau mit Migrationshintergrund. Glaubst du, dass mit einem, wenn ich da jetzt hingegangen wäre, als weißer, kartoffeliger Mann, dass sie mit mir genauso umgegangen wären? Ich weiß, ich kann nie beweisen. Ja, ja, klar, natürlich. Also ich glaube, das ist das, wo ich jetzt so immer, ich will nicht behaupten, ja, every time wäre es so gewesen.

Aber natürlich, ich bin der Meinung, es ist kein Zufall, dass ich, spezifisch ich, so lange gebraucht habe, bis jemand eine Darmspiegelung gemacht hat, bis mir jemand wirklich mal ein Medikament verschrieben hat, bis, also selbst als die wussten, dass ich eine Entzündung habe, wurde ich ja nicht ernst genommen.

Also selbst da wurde mir ja irgendwie abgesprochen, dass es so ernst ist, dass wir jetzt wirklich so mit Medikamenten reagieren müssen und ihr jetzt Unterstützung geben müssen. Und ich bin schon der Meinung, das ist kein Zufall. In den letzten Jahren haben verschiedene Forschungsgruppen untersucht, inwiefern Menschen im Gesundheitswesen diskriminiert werden.

Ein großer, großer Faktor ist dabei das Geschlecht. Vielleicht habt ihr schon mal vom Gender Health Gap gehört. Das beschreibt die Ungleichbehandlung von Männern und Frauen im Gesundheitssystem. Frauen sind zum Beispiel in der Forschung, aber auch in der Diagnosestellung und Behandlung bestimmter Erkrankungen deutlich benachteiligt.

Ein anderer sehr großer Faktor bei Diskriminierung im Gesundheitswesen ist aber auch Rassismus. Tara ist als Frau mit Migrationsgeschichte also sozusagen doppelt betroffen. Aber warum ist das so? Wenn man sich die Lehrmittel für medizinisches Personal anschaut, dann fällt schnell auf, dass oft nur anhand eines hellen Hauttyps gelehrt wird und dass manche Communities sehr abwertend dargestellt werden.

Ihnen wird dann zum Beispiel ein erhöhter Drogenkonsum unterstellt. Eine Analyse konnte auch zeigen, dass Scheindiagnosen wie Morbus Bosporus oder Morbus Mediterraneus in der Lehre und in der Praxis immer noch vorkommen. Diese Begriffe sollen mit Bezug auf die vermeintliche Herkunft der Patienten aussagen, dass Betroffene ihre Schmerzen übertreiben oder erfinden.

Ihnen erfährt also Medical Gaslighting. Forschende vom Nationalen Diskriminierungs- und Rassismusmonitor haben ein Experiment durchgeführt, bei dem sie getestet haben, ob der Name beeinflusst, ob man einen Termin in einer Arztpraxis bekommt oder nicht. Und das Ergebnis könnt ihr euch vielleicht denken, Personen mit nicht-deutschen Namen bekommen seltener eine positive Rückmeldung auf ihre Anfrage als Personen mit deutschen Namen.

Solche Erfahrungen wirken sich natürlich auch auf das Vertrauen ins Gesundheitssystem aus. Je öfter man dort Diskriminierung erfährt, desto eher vermeidet oder verzögert man Behandlung. Das kann dann langfristige gesundheitliche Folgen haben und zeigt einmal mehr, wie wichtig es ist, dass der medizinische Alltag sensibler wird.

Und in den USA gibt es wirklich so ganz skandalöse Zahlen, spezifisch gegenüber so schwarzen Frauen zum Beispiel, wo die Sterblichkeitsrate bei schwangeren schwarzen Frauen viel höher ist als bei weißen zum Beispiel. Das ist so ganz schockierend. Und gleichzeitig kann man das ja nicht immer in dem Moment, du kannst den Leuten das, also erstens bringt es dir nicht viel, den Leuten das einfach ins Gesicht zu sagen. Also dann werden die eigentlich noch wütender und dann wollen die dich gar nicht mehr behandeln.

Und zweitens kannst du das ja auch nicht immer genau, du kannst ja nicht immer sagen, ah ja, die macht das jetzt nur deswegen. Ja, aber ich glaube, es hat schon was, also es ist ja ein Gefühl da, was viele Menschen mit Migrationsgeschichte, die ich kenne aus meinem Freundeskreis, sowieso schon die ganze Zeit haben.

Du bist zwar hier, aber so richtig hierhin gehörst du ja nicht. Also viele Menschen arbeiten ja die ganze Zeit dagegen an, wenn sie selber irgendwie einen migrantischen Hintergrund haben. Und das ist ja nochmal so ein Tritt irgendwie in dieselbe Wunde gefühlt. Total. Du versuchst jetzt, glaube ich, fast ein Jahr lang so Ernährungsumstellung und, achtest auf viele Sachen, versuchst dir dagegen zu steuern.

Wie entwickelt sich denn dein gesundheitlicher Zustand? Also merkst du, dass das hilft? Tatsächlich absolut gar nicht. Also ich hatte dann diese kurz zwischen, diese Anfangsphase, wo ich diese Medikamenten bekommen habe. Da ging es mir kurz besser und dann sind wir so bis, also ich habe mir hier aufgeschrieben, bis November 2023, da hat dann die zweite Darmspiegelung stattgefunden und zwischendrin, ich habe wirklich die schlimmsten Schmerzen, ich habe super starke Blutungen.

Ich bin nochmal in der Notaufnahme im September 2023, wo ich tatsächlich dann auch Rassismus an der Rezeption nicht mir gegenüber, sondern einem anderen Patienten gegenüber erlebe und beobachte, wie sie mit diesem Patienten umgehen. Und dann saß ich, nachdem ich das beobachtet hatte, saß ich in diesem ersten, man ist ja dann in so einem Vorraum, da wird erstmal von einer ersten Internistin quasi angehört, ob es schlimm genug ist, ob man weitergeleitet wird.

Und dann habe ich wieder gesagt, ja, ich habe wieder seit Wochen starke Blutungen, wieder total Schmerzen, ich weiß nicht, was ich machen soll, irgendwie weiß ich nicht, wo ich hin muss. Bis zu diesem Punkt hat mir auch noch niemand gesagt, dass ein Gastroenterologe derjenige ist, wo ich hin muss. Gastroenterologie ist ein Facharzt für den Speisetrakt.

Und bis dahin hat mein Arzt tatsächlich, dieser Hausarzt, bei dem ich die ganze Zeit war, den hab ich dann irgendwann gefragt und war so, muss ich eigentlich mal zu einem Spezialisten und der war so, nee, zu viele Köche verderben den Brei. Wir machen das schon, wir kriegen sie wieder gesund. Das heißt, ich bin nie zu einer gastroenterologischen Praxis gegangen und hab da eigentlich mal vorgesprochen.

Das heißt, ich bin wieder in der Notaufnahme und bin so, ich weiß nicht, was ich machen soll, es blutet, Und ich sollte eigentlich am nächsten Tag in den Urlaub fahren. Und ich war so, das ist so viel Blut. Ich habe Angst, dass ich verblute in Italien am Strand. Und auch so im Urlaub weiß man ja auch nie, wo man, also ich war ja irgendwo in Apulien und ich wusste nicht, wo da ein Krankenhaus ist. Ja, klar.

Und dann hat die Ärztin zu mir gesagt, es war so richtig spät. Es war so 23 Uhr oder so, weil ich ewig lang gewartet habe. Und dann meinte sie so, ja, solange es nicht literweise rausläuft, können wir auch nichts machen. Boah. Und dann habe ich auch wieder angefangen zu weinen und habe dann zu ihr gesagt, an dem Punkt war ich so ja, aber ich blute halt aus dem Arsch was soll ich jetzt machen?

Also ich war wirklich so, ich blute halt aus dem Arsch was erwarten sie jetzt von mir, dass ich einfach wieder nach Hause gehe? Und dann war sie so, ja, also, okay, ja, dann leite ich sie jetzt an den Internisten weiter. Und dann hat sie mich dann doch wieder an den Internisten weitergeleitet. Und dann haben die wieder mir einen Finger in den Po gesteckt und wieder gesagt, es ist nicht so schlimm.

Die haben dann Blut abgenommen und gesagt, die Werte sind in Ordnung, sie werden jetzt nicht sterben. Immerhin. You're okay, basically. Und dann aber so, ja, wir wissen aber auch nicht genau. Und das war der Punkt im September 2023, wo ich halt dachte, es wurde ja schon kurz besser. Mir wurde ja gesagt, als es besser wurde, die Entzündung ist bestimmt weg.

Ich wurde danach nie wieder so wirklich gemessen. Es wurde keine Darstückung gemacht. Meine Blutwerte waren schon noch entzündet, aber mir wurde nicht so richtig gesagt, was da gerade passiert. Und das war einer der schlimmsten Momente. September 2023, nebenher bin ich 28 geworden. Das war eine der schlimmsten Phasen.

Ich bin nicht mehr rausgegangen. Ich habe mich kaum noch mit Freundinnen und Freunden getroffen, weil ich einfach das Gefühl hatte, ich kann meinem Körper nicht trauen. Ich hatte zu dem Zeitpunkt dann meine Ernährung so stark umgestellt und hatte so, das ist auch echt gefährlich. Ich wollte dich gerade fragen, wie sieht denn deine Ernährung zu dem Zeitpunkt dann aus? Sie sieht aus, ich habe keine Gewürze mehr benutzt, ich habe ganz viele Kartoffeln gegessen und Reis und so Fleisch ein bisschen.

Und grundsätzlich war ich ganz vorsichtig mit allem, was ich zu mir genommen habe. Ich habe gar nicht mehr auswärts gegessen. Ich habe jeden Abend frisch gekocht, weil Histamin zum Beispiel wird schlimmer, je länger etwas im Kühlschrank steht, desto mehr Histamin baut sich auf. Und deswegen war ich an dem Punkt so, ich habe dann plötzlich Akne bekommen aus irgendeinem Grund, so ganz schlimm und habe dann super krass abgenommen.

Und mein Körper hat sich so ganz schwach und klein und zerbrechlich angefühlt. Und ich war so die Stärke, die ich irgendwie eigentlich so in den Anfang, ich hatte das Gefühl, der Anfang meiner 20er, wenn wir so darüber reden, ist alles so aufgeblüht und ich hatte so eine Stärke und ich war in dem Moment so ganz klein und schwach und hatte das Gefühl, ich bin so ganz unbedeutend, weil niemand juckt es auch.

Ich hatte halt Angst vorm Essen, weil Essen immer bedeutet hat, ich muss auf Toilette und das heißt, ich habe so, ich war immer hungrig und immer wütend, total hangry, ich bin immer so ein ganz hangry Mensch gewesen, immer schon. Und ich habe auch Essen geliebt, also ich war immer so ein Mensch, der so Belohnungsmechanismus, ich hatte eine harte Woche, wir holen uns jetzt was Geiles zu essen, wir gehen jetzt essen, wir gehen jetzt, keine Ahnung, vietnamesisch essen, wir gehen, also so auch gerne mal dann so ein, auch so ein Eis oder so mal, das ist alles weggefallen, ich konnte mich nicht mehr in der Art belohnen, ich konnte das gar nicht mehr so ausgleichen mit diesem Gefühl und ich hatte einfach das Gefühl, alles was ich mache ist arbeiten,

Schmerzen haben und kochen. Und an dem Punkt war tatsächlich auch mein Leben so wenig, also ist das jetzt ganz fatalistisch irgendwie so zu sagen, aber ich war so, es war so schlimm, die Schmerzen waren so schlimm, dass ich irgendwann so ganz ernsthaft zu meinem Partner gesagt habe, so ohne, sodass ich besonders depressiv oder irgendwie es war jetzt nicht so, als wäre ich so in so einer manischen Episode, sondern ich war so wenn das Leben so ist ich hab Schmerzen, ich muss auf Toilette.

Und ich weine und ich gehe zur Arbeit. Das ist alles, was ich mache. Ich treffe mich mit niemandem mehr. Das Leben ist so, glaube ich, nicht lebenswert. Ich weiß auch, dass er auch so, er war gar nicht so geschockt, sondern er war nur so, boah, also ist ganz schlimm, das zu hören, aber ich sehe das ja auch so.

Ja, das ist ja, habe ich mittlerweile wirklich durch diese Interviews gelernt, diese Gedanken, die ja am Anfang sind von einer, also nur der Anfang von einer suizidalen Haltung. Da geht es ja gar nicht darum, dass man sich den Tod wünscht, sondern dass man nicht will, dass das Leben so weitergeht, wie es jetzt gerade ist. Man wünscht sich ja eigentlich ein schönes Leben.

Man weiß ja, wie auch das Leben war. Und man weiß, wie es jetzt ist. Und wenn das so ist, dann macht das wirklich rational keinen Sinn. Wer ist in der Zeit für dich da? Dein Freund, hast du gerade schon gesagt. Genau, mein Freund ist da, meine Mutter ist da, mein Bruder ist da. Ich habe auch Freundinnen, die da sind, Und wo ich aber dann irgendwann das Gefühl kriege, ich bin so uninteressant geworden. Alles, was ich erzähle, ist meine Stuhlkonsistenz und wie viel Blut gerade dabei ist.

Und dass ich leide, weil ich nicht essen kann, was ich will. Ich habe auch in meinen Chats nochmal nachgeguckt und ich habe auch gesehen, wie ich das meinem Bruder erzähle. Ich habe einfach das Gefühl, ich bin die uninteressanteste Person aller Zeiten. Ich war mal interessant und jetzt kann ich nichts erzählen.

Das war so zu meiner schlimmsten Phase. Ich war im Café mit so mehreren FreundInnen und Bekannten, auch Menschen, die ich gar nicht so gut kannte. Und alle haben sich so ihre Kuchen bestellt und irgendwie ihr Ding gemacht und ich habe so mein Ingwertier getrunken. Und da stand auch schon so am Leiden und war so, jetzt ist ein Kuchen, ey, das wäre so geil.

Naja, genau. Und dann habe ich einer Person, die dabei war und die selber Endometriose hatte. Und da habe ich so erzählt, was gerade abgeht und dass es auch, dass der Endometriose-Verdacht auch die ganze Zeit im Raum stand. Weil Verdauung in Endometriose oft ja schon auch, also die Organe sind sehr aneinander und es gibt häufiger Menschen, die haben Endometriose und dann so tief infiltrierende Endometriose, die sich in den Darm vorgewachsen ist quasi.

Und die war dann zu mir, hatte ganz viel Mitgefühl und meinte so, ja, ich habe schon eine Bauchspiegelung gemacht und das ist gar nicht so schlimm und mach das mal. Und war so ganz aufmunternd. Und dann saß neben mir so ein Bekannter und der hat sich so zu meinem Freund rübergebeugt und war so, Janik, willst du dich eigentlich umsetzen, damit wir über was anderes reden können? Wow.

Und ich war wirklich so, also ich wusste gar nicht, wie ich damit um... Also ich war wirklich so tief in mir drin, ist was kaputt gegangen. Also so, wenn er es anhört, so ist es... Mittlerweile, ich habe das verarbeitet, ist okay. Aber in dem Moment war ich wirklich so, das, was ich die ganze Zeit befürchte, nämlich, dass wenn ich über diese Dinge spreche, Menschen keinen Bock mehr haben. Die Menschen setzen sich um, wenn du kommst.

Genau. Wie schrecklich. Und mein Freund war dann so, nö, I'm good. Mich interessiert, was meine Freundin erzählt. Ich bin dann auch weinend auf Klo und hab dann, also ich hab nicht am Tisch angefangen zu weinen, sondern ich bin dann so heimlich irgendwie auf Klo gegangen und. Danach haben wir auch alle in der Runde drüber gesprochen und dann hat er sich auch entschuldigt, dieser Bekannte und war so, oh Gott, das war mir gar nicht bewusst und das ist mir gar nicht klar gewesen, wie schlimm es gerade bei dir ist und es war gar nicht so gemeint und so.

Und ich war so, ist voll klar, dass es nicht so gemeint war, aber das hat ganz doll wehgetan gerade. Und ich hab mich in diesem Stadion befunden und... Von, ich weiß gar nicht mehr, wer ich bin, ich bin diese Krankheit jetzt, ich bin jetzt nur noch dieser Schmerz und weiß aber nicht mal, was der Schmerz genau ist.

Die Krankheit hat ja nicht mal einen Namen zu dem Zeitpunkt. Das heißt aber, irgendwann kriegst du dann von außen diesen Impuls, weiß nicht, ob das jetzt die Situation war, die du geschildert hast, nochmal loszugehen und nochmal eine Darmspiegelung zu machen, oder? Ja, das war dann einfach wieder so schlimm nach einem Jahr, dass dann dieser Hausarzt, der immer die ganze Zeit am Start war, gesagt hat, okay, dann gucken wir doch einfach nochmal rein.

Und dann war ich so, okay, gut. Und dann haben die nochmal reingeguckt. Ich war wieder in der gleichen Klinik in Köln und dann waren die so schlimmer geworden. Aha. Die Entzündung hat sich weiter ausgebreitet. Und dann hat der Arzt in dieser Klinik gesagt, ja, es sieht jetzt nicht mehr aus wie eine akute Entzündung, sondern es sieht jetzt aus wie eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung, nämlich wie Colitis ulcerosa.

Und er hat auch so ganz schnell gesagt, ich war noch so benebelt von dieser Sedierung und man ist so, man weiß gar nicht, was abgeht. Und so ganz groggy. Und der war so, ja, es ist eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung, die ist unheilbar und wir müssen das jetzt behandeln mit wahrscheinlich Darmspülungen.

Kortison und aber ich kann sie nicht aufnehmen als Patientin. Der war so und goodbye. Und dann bin ich wieder aus dieser Klinik raus und meine Mutter hat da vor der Klinik auf mich gewartet und war und ich bin so zusammengebrochen und war so, der hat gesagt, ich bin unheilbar. Ich hatte das Gefühl, die hatten mir gerade gesagt, ich bin so, ich habe Krebs oder irgendwas wirklich so.

Und die haben mir auch keine Hoffnung auf so Besserung wirklich gemacht. Er hat schon gesagt, das kann man behandeln und das ist schon, aber irgendwie war ich so, ich glaube, das geht jetzt für immer so. Das war so mein Gefühl. Aber das ist ja das, was es sagt, wenn jemand sagt, sie haben eine unheilbare Krankheit.

Das klingt ja fast wie ein Todesurteil. Ja, ich war so, ich bin jetzt unheilbar krank. Mein ganzes Leben, das wird für immer so sein und mein Leben ist vorbei, so ein bisschen. Chronisch entzündliche Darmerkrankungen, kurz CED, beruhen auf einer fehlgeleiteten Immunreaktion und verlaufen meistens in Schüben.

Die genauen Ursachen sind bis heute nicht vollständig geklärt, aber die Wissenschaft geht davon aus, dass sowohl genetische Faktoren als auch das Immunsystem, die Darmflora und Umwelteinflüsse eine Rolle spielen können. Chronisch bedeutet, dass CEDs nicht geheilt werden können, im Gegensatz zu einer akuten Entzündung.

Aber in vielen Fällen gibt es Behandlungsmöglichkeiten. Bis die eingeleitet werden können, müssen Patientinnen und Patienten mit ihren Beschwerden aber erst mal ernst genommen und vor allem diagnostiziert werden. Je nachdem, welche CED vorliegt, können die genauen Beschwerden und Folgen unterschiedlich sein.

Und auch innerhalb der Krankheit ist jeder Verlauf anders. Daher ist es ganz wichtig, dass Betroffene eine individuelle Behandlung bekommen. Die beiden häufigsten CEDs sind Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Bei Morbus Crohn kann der ganze Verdauungstrakt von Munds bis After befallen sein. An verschiedenen Stellen treten Entzündungen oft sprunghaft auf.

Bei Colitis ulcerosa, das ist die Krankheit, die Tara hat, ist ausschließlich der Dickdarm betroffen. Die Entzündung beginnt fast immer im Enddarm und breitet sich von dort aus kontinuierlich aus und betrifft vor allem die innere Schleimhautschicht des Darms. Typische Beschwerden sind blutige Durchfälle, starke krampfartige Bauchschmerzen, Übelkeit und Abgeschlagenheit.

Auf lange Sicht kann eine CED zum Beispiel dazu führen, dass vernarbtes Gewebe den Darm gefährlich verengt und dass der Darm wichtige Nährstoffe nicht mehr richtig aufnehmen kann. Im schlimmsten Fall kann es sogar zu einem lebensgefährlichen Durchbruch der Darmwand kommen. Uns Betroffene haben ein erhöhtes Risiko für Darmkrebs.

So eine Krankheit greift aber nicht nur den Darm, sondern das ganze System an. Die Gelenke, die Haut, die Augen und die Leber können unter den ständigen Entzündungen mitleiden. Viele Betroffene kennen chronische Erschöpfung und Blutarmut. Und eine Sache, die wir dabei oft vergessen, auch für die Psyche ist das alles andere als einfach. Doch CEDs gehen teilweise mit sozialem Rückzug, Angstzuständen und Depressionen einher.

Dann bin ich da rausgekommen und hatte diese Diagnose. Und diese Diagnose, Colitis ulcerosa, hätte man mir, glaube ich, eigentlich schon anderthalb Jahre vorherstellen können. Bei der ersten Darmspielung. Bei der ersten Darmspielung, das war ja schon neun Monate, nachdem die Beschwerden angefangen hatten.

Das heißt, man hätte vielleicht schon am Anfang meiner Beschwerden, Anfang 2022, wir sind jetzt Ende 2023, hätte man mir, glaube ich, schon Anfang 2022, vielleicht nach ein, zwei Monaten sagen können, ah ja, ich glaube, sie haben eine chronisch-ansylliche Darmerkrankung. Das ist relativ klassisch. Das ist ein klassisches Bild für eine chronisch-ansylliche Darmerkrankung.

Und dann bin ich mit dieser Diagnose wieder raus und bin wieder zum Hausarzt und der war dann so, okay, dann fangen wir wieder mit diesem Medikament an, der wusste einfach, er war überfordert also rückblickend, der wusste einfach nicht, was er machen soll und eigentlich hätte er einfach sagen müssen hey, ich bin nicht der Richtige dafür, sie müssen zu einem Gastroenterologen, hier ist eine...

Aber das wollte er nicht, weil viele Köche verdritten ja den Drei aus irgendwelchen Gründen. Dann war es eben so, dass ich mit einer Kollegin auf der Arbeit, die auch die gleiche Erkrankung hatte, gesprochen habe. Zufällig. Ich war so, boah, es geht mir so schlecht. Ich lag, glaube ich, so auf dem Sofa. Und sie hat so mitbekommen, dass es mir nicht gut ging. Und dann war sie so, was geht, Tara? Und dann war ich so, boah, das und dies. Und sie so, ich habe auch Colitis ulcerosa.

Was nimmst du denn für Medikamente? Und dann war ich so, ja, dieses Granulat, so orales Granulat. Und sie war so, hä, warum kriegst du das? Man kriegt das eigentlich immer nur quasi zusätzlich. Eigentlich kriegt man ein rektales Medikament. Nämlich so, sie hatte so einen Rektalschaum. Und wenn das nicht anschlägt, kriegt man dieses Granulat. Weil dann von oben, man versucht es erst von unten und dann nochmal von oben. Makes total sense.

Und sie war so, hä, hol dir diesen Schaum. Und ich war so, hä, warum hat mir das niemand gesagt? Und dann bin ich zu einer anderen Hausärztin mit diesen Informationen und war so, ich hab von dieser Kollegin gehört, ich muss diesen Schaum nehmen und ich muss das Granulat ist eigentlich gar nicht das Richtige. Und sie hat auch gesagt, ich soll zu einem Gastroenterologen. Diese Kollegin.

Diese Hausärztin war dann auch so, ja, warum sind sie noch nicht bei einem Gastroenterologen? Hä? Ich dachte irgendwie, mir hat niemand gesagt, dass ich das muss. Und ich glaube den Menschen, die mich hier behandeln. Und wenn es dir dein Hausarzt sagt, das ist eher kontraproduktiv. Genau. Und ich glaube, dass dieses Machtgefälle zwischen Patientin und Arzt, Darüber sprechen auch zu wenig Leute, habe ich das Gefühl.

Du bist in diesem Raum alleine mit jemandem, der einen großen Wissensvorschuss hat. Na klar. Und du glaubst denen das. Und gleichzeitig hast du auch so dieses Gefühl, ich weiß nicht, ob das alle haben, aber ich bin immer so ein bisschen so, der tut mir gerade irgendwie einen Gefallen und der hilft mir.

Und es ist gar nicht so, als könnte ich hier so was einfordern, sondern so, ich muss mich dem jetzt irgendwie auch so, ich bin dem so ausgesetzt. Du bist nicht Gast in einem Restaurant, wo der andere der Dienstleister ist. Genau. Das ist schon klar, Arzt-Patient ist ein Machtverhältnis. Absolut. Und dieses Machtverhältnis, bis ich das auch so aufgebrochen hatte für mich und verstanden habe, ach so, so, nee, ich könnte mich wehren, ich könnte dagegen sprechen, ich könnte hinterfragen, was die mir da gerade sagen.

Naja, und dann hat diese Hausärztin zu mir gesagt, das war auch total essentiell, weil dann habe ich bei Gastroenterologischen Sprechstin angefangen anzurufen. Ja, klar. Ich war so angeschlagen, mental, körperlich, jedes Mal habe ich angerufen und die waren so, Aufnahmestopp, wir sind schon voll, Aufnahmestopp, wir sind schon voll.

Jedes Mal aufgelegt, wieder angefangen zu weinen. Und dann bin ich wieder zu dieser Hausärztin und dann meinte diese Hausärztin und habe gesagt, ich finde keinen, ich weiß nicht, was ich machen soll. Und dann meinte sie, Sie machen jetzt nochmal einfach einen Termin für eine Darmspiegelung, für so eine Aufklärung zur Darmspiegelung.

Sommer 2024 sind wir mittlerweile. Ich bin zu einer gastroenterologischen Praxis, habe einfach bei Dr. Lip geguckt, bin dahin, habe einen Termin gemacht, die haben gesagt, okay, wir gucken nochmal rein. Ich habe diese Befunde natürlich dabei gehabt, dass ich schon zweimal Entzündungen hatte. Die meinten so, ja, sieht aus wie eine chronische enzuliche Darmerkrankung.

Wir gucken nochmal rein. Haben reingeguckt. zu dem Zeitpunkt hatte ich ja den Schaum schon bekommen von den Hausärzten. Und dann war er so, ich kann sie natürlich auch als Patientin aufnehmen. Hat das so angeboten. Und ich war so, what the hell? Ich habe nicht damit gerechnet, dass ich das jetzt einfach so kriege. Und er war auch so, Er hat mir so, wie so die Welt geschickt. Er hat dann auch so gesagt, und ja, ihre Ernährung können Sie auch erstmal wieder ein bisschen entspannen.

Machen Sie sich bitte keinen Stress, weil Stress ist auch nicht gut für Sie. Und Sie können sich auch zwischendurch mal was gönnen. Paribusen auch zwischendurch mal okay. Oh wow. Und ich war so wirklich, als hätte mir so jemand gerade so, weiß ich nicht, einen Preis überreicht oder so. Ich war so, oh mein Gott, das ist gerade alles, was ich hören musste.

Und er hat mir das jetzt einfach gegeben und er meinte so, wir machen das jetzt alle paar Monate, wir prüfen das, wir haben das im Griff, wir machen das. Er hat auch gesagt, wir machen das zusammen. Und er hat auch allein sprachlich gesagt, ich würde sie dann gerne wieder in zwei Monaten sehen. Er hat so genau gewusst, wie man mit jemandem spricht, der gerade ganz doll angeschlagen ist und jemanden braucht, der auf einen aufpasst.

Seitdem bin ich bei diesem Arzt und seitdem benutze ich all diese Sachen und schiebe mir ganz viele Dinge in den Po und, ganz viele Flüssigkeiten und Zäpfchen und muss jeden Abend da mir was reinschieben und es ist ganz unangenehm und ich hab auch schon im Vorgespräch auch erzählt, ja, dass ich auch jetzt, letztes Jahr war ich auf einem, Festival, auf einem Musikfestival, auf einem Glastonbury Festival, das war ganz aufregend in England und dann musste ich so im Zelt mit Freundinnen mir dann irgendwie diese Sachen da, diese Flüssigkeit reinschieben.

So ein Einlauf, genau. Es ist so wie so ein Ding, was man so zusammendrücken kann und vorne ist so ein. So ein Applikator. Ja, ja, ja. Und den schiebt man sich dann rein. Man muss auch danach, muss man so eine halbe Stunde auf der Seite liegen, damit sich das gut im Darm ausbreiten kann, auf der linken Seite spezifisch.

Und dann war ich so, macht bitte alle einmal die Augen zu. Ich muss jetzt, so mein Freund nennt die immer liebevoll Arschpatronen. Ich muss jetzt meine Arschpatronen rein schieben. Und genau, die waren auch alle ganz lieb. Aber ja, genau. Schon wild. Das ist dein Leben jetzt. Ja. Aber ich will nochmal zurück auf diesen Zeitraum, von dem du gerade gesprochen hast. Da sind wir ein bisschen rüber hinweg geflogen.

Also du hast jetzt endlich einen Arzt gefunden, der dich ernst nimmt, der dir hilft, der mit dir da zusammen durchgeht. Du hast eine Diagnose, du weißt, was du tun musst. Aber der Weg dahin, das hat dich ja zwei Jahre deines Lebens gekostet, mehr oder weniger. Also du hast ja eben auch schon gesagt, du hättest das zwei Jahre früher wissen können eigentlich.

Was macht das mit dir, dieses Gefühl, dieses verlorene zwei Jahre, kann man das so sagen? Ja, schon. Also man kann fast sagen zweieinhalb Jahre. Das macht einen einfach richtig sauer. Ehrlich gesagt. Also ich war schon bei der zweiten Darmspiegelung, wo die mir gesagt haben, es ist schlimmer geworden.

Ich war so sauer und so, ich war so, das hätte man doch voraussehen können, das muss man doch voraussehen können. Und ich habe einfach nicht die richtigen Medikamente bekommen, ich wurde einfach nicht so behandelt, wie ich behandelt werden müsste. Und es war jetzt kein. Ungewöhnlicher Krankheitsverlauf. Ja. Also man hätte schon. Es ist jetzt keine Krankheit, so ein Einhorn, was nie vorkommt.

Genau, es gibt ja so Erkrankungen, chronische Erkrankungen, wo man ewig lang sucht und irgendwann findet man, es gibt viele Menschen mit chronisch anzulteren Darmerkrankungen und die sehen relativ ähnlich aus wie bei mir. Blutungen, Krämpfe. Pretty much that's it. Und Entzündungen. Und es ist einfach so, ich habe da ganz viel drüber nachgedacht.

Also in diesen zwei Jahren, deswegen habe ich ja auch diesen ersten Arzttermin als den einen Moment ausgewählt. Weil in den zwei Jahren habe ich so viel auch gelernt. Und gleichzeitig bin ich doll resigniert, glaube ich. Also ich habe jetzt auch so meine Strategien, wie ich mich vorbereite, bevor ich zum Arzt gehe. Was ich alles mir aufschreibe.

Ich nehme mir immer einen jemanden mit, wenn ich kann. Ich nehme immer entweder meinen Freund, meine Mutter oder eine Freundin mit, weil ich gemerkt habe, dass es einen riesigen Unterschied macht, wenn jemand neben mir sitzt. Aber wenn du es in einem Wort, in einem Gefühl zusammenfassen würdest, ist es am ehesten Wut über diese zwei verlorenen Jahre? Wut, Trauer, aber schon, ich bin schon auch sauer, also ich bin schon richtig so wütend und, Ich glaube, was viele Menschen mit chronischen Erkrankungen erleben, ich will nicht für alle sprechen natürlich, ich spreche für mich, aber ist so diese Angst vor so verlorenem Potenzial und so, was wäre gewesen, wenn, wie könnte mein Leben sein, wenn.

Ich habe ja schon ganz am Anfang gesagt, dass ich all diese Hoffnungen, und ich habe auch immer noch ganz viele Hoffnungen, und das ist auch immer noch eine große Angst, dass ich jetzt auch aufgrund der chronischen Erkrankung, ich hatte schon vorher immer dieses Bewusstsein, es wird schwieriger für mich, weil ich bin eine Frau und ich habe eine Migrationsgeschichte.

Und jetzt habe ich auch noch diese weitere Ebene an Marginalisierung. Also natürlich habe ich mich in den zwei Jahren auch die ganze Zeit gefragt, hat das gerade eine Auswirkung auf meine Karriere? Hat das gerade eine Auswirkung auf meine Beziehung, auf meine Freundschaften? Kann ich gerade mein Leben überhaupt so leben?

Also die 20er sind ja bekanntlich irgendwie eine Zeit, in der man Dinge ausprobiert und in der man sein Leben irgendwie wild lebt und, er wild ist und irgendwie war genau die zweite Hälfte meiner 20er absolut geprägt von diesem Schmerz. Was würdest du sagen, hat sich in deinem Leben durch die Erkrankung am meisten verändert?

Es gibt gar nicht nur eine Sache. Mein ganzes Leben hat sich wirklich so von Grund auf verändert. Was sich stark verändert hat, ist meine Herangehensweise an Pläne. Egal, was für Pläne. Wir gehen abends ins Kino, bis hin zu, wir machen eine zweiwöchige Reise, bis hin zu nächstes Jahr wollen wir vielleicht weiß ich nicht, auswandern. Ja, ja, ja.

Und all das ist ja immer, also jede Entscheidung, jeden Gedanken, wir gehen heute Abend essen, was wollen wir heute Abend kochen, ist immer geprägt von was gerade mit meinem Darm, welche Situation hat gerade mein Darm, was kann ich mir gerade leisten und was will ich mir auch leisten, gesundheitlich.

Und deswegen würde ich sagen, irgendwie wirklich. Grundlegend so meine Beziehung zu meinem Körper, die Beziehung zu Care-Arbeit ganz stark auch, auch so meine partnerschaftliche Beziehung mit meinem Freund, also der ganz, ganz viel Care-Arbeit macht, der so den Großteil des Haushalts übernimmt und, Einfach die ganze Zeit nur Rücksicht hat. Ich glaube einfach wirklich so, ich kann gar nicht sagen, es gibt eine Sache, es gibt tausend Sachen irgendwie, die sich stark verändert haben.

Nur, dass wir uns das mal vorstellen können, wie ist denn die Krankheit im Moment in deinem Leben? Also ist das sowas, was in Schüben kommt, was dann ganz unerwartet kommt, wo du denkst, oh jetzt ist es wieder ganz schlimm und den Rest der Zeit ist es gut oder ist es so ein Grundrauschen sozusagen? Sagen. Ich habe das Gefühl, ich habe die Krankheit noch nicht so ganz lang genug, um wirklich einzuschätzen, wie mein Körper auf was reagiert.

Die Krankheit an sich verläuft so, dass man Remissionsphasen und Schubphasen hat. Das heißt, man arbeitet quasi darauf hin, mit dem Arzt gemeinsam, dass man so lange wie möglich in Remissionsphase ist. Ja. Und das war jetzt ganz gut eine Zeit lang. Es ist ganz gut gelaufen. Ich habe trotzdem immer wieder Blutungen und gleichzeitig aber keine Entzündungswerte.

Ja. Deshalb gab es jetzt auch wieder so. Verdacht auf irgendwie Endometriose und andere Dinge. Ich habe dann eine Bauchspiegelung Ende des Jahres gemacht in dem Verdacht auf Endometriose. Ich habe dann Adenomiose, diagnostiziert bekommen. Jetzt gerade läuft es so, dass ich viel über Ernährung, glaube ich, versuche zu steuern. Das heißt, ich kann irgendwie einschätzen, wenn ich so ein paar Wochen lang reizende Dinge esse.

Zum Beispiel war ich jetzt vor ein paar Wochen im Urlaub beziehungsweise ich habe meine Familie besucht in den USA. Und dann ist mir manchmal unangenehm, wenn ich mit Leuten unterwegs bin, die ganze Zeit zu sagen, das kann ich leider nicht essen, können wir doch nur Kartoffeln essen oder so. Es ist halt schwierig in einer Gruppe, sich dann selber alleine schnell was zu essen zu machen, wenn man die ganze Zeit unterwegs ist.

Das heißt, ich habe viel über meine Grenzen Dinge gegessen. Sachen, die du eigentlich nicht essen solltest. Ich habe dann irgendwie das Essen von meiner Tante, das sie gekocht hat, wo sie Knoblauch reingemacht hat Und ich mache normalerweise wenig oder kein Gehirn. Also noch nicht mal jetzt irgendwie so, dass ich mir dann da Chili con Carne reinballere, weil so Ballerstoffe sind manchmal ein bisschen viel für einen kranken Darm.

Naja, jedenfalls ist es so, dass ich dann jetzt seitdem in so einer Schubphase war und die ist jetzt aktuell so seit drei, vier Wochen. Und normalerweise sind Schubphasen bei mir aber so ein bis zwei Wochen. Ich habe dann so ein, zwei Wochen Krämpfe, ein bisschen Schmerzen, Blutungen und das ist so verunsichert.

Und ich hatte jetzt auch das erste Mal, habe ich zum Beispiel vor einer Woche, das ist so ganz unangenehm, bin ich morgens aufgewacht und ich musste auf die Toilette, habe so gemerkt, es krampft und ich glaube, ich halte nicht mehr so lange aus und ich habe mich so umgedreht und mein Freund war gerade auf dem Klo.

Dann war ich so, scheiße, der ist halt gerade auch groß. Der ist gerade auch groß. Und dann habe ich mich so hin und her gewälzt in einem Versuch, meinen Krampf irgendwie auszuhalten und dachte dann, sorry, total TMI, dachte ich muss furzen. Ja. Dann war es okay, geil, dann kann ich nochmal furzen, dann geht der Pressure. Ja, klar.

Ja, jeder Mensch, jeder Mensch, der Furze, wird das kennen. Und dann war ich so, okay, dann furze ich schon mal. Und hab dann so gemerkt, beim Furz, war nicht nur ein Furz. Und war so, und hab dann mit meiner Hand, bin dann so in die Richtung gegangen, wo ich dachte, und dann dachte ich, es wäre einfach nur Stuhl.

Hab so die Hand angeguckt und es war einfach so Blut. Und ich war so, damn, that's the first. Das hatte ich bisher noch nicht, ins gemeinsame Bett dann irgendwie so geblutet zu haben. aus dem Darm. Ich glaube, jede Frau hat schon mal periodenmäßig es war jetzt nicht ein Riesenschock, so oh mein Gott, da ist jetzt Blut, aber ich war schon so, boah, das ist irgendwie was Neues und genau und mein Freund kam dann irgendwie raus und ich war nur so, boah, es tut mir mega leid, es ist mega feinlich und er war so, ach, passiert.

Man merkt, mein Freund ist selten geschockt. Ja. Er war so, ach, passiert und dann bin ich auf Klo und er hatte schon in der Zeit das Bettlaken abgezogen, neues Bettlaken drauf und so. Also es gibt Phasen, die sind schlimmer, es gibt Phasen, die sind easy, es gibt Phasen, in denen kann ich sogar mal ein Eis essen und, keine Ahnung, gehe auch mal ins Restaurant und, aber dann auch immer, also es muss es wert sein.

Ich gehe in Restaurants, wo ich weiß, wenn es mir danach schlecht geht, dann weiß ich das was. Dann war es lecker genug oder so. Ich glaube, das ist auch irgendwie eine problematische Herangehensweise. Genau, weil ich irgendwie die ganze Zeit versuche, arbeitsfähig zu bleiben und gesund genug, um weiter arbeiten zu können.

Ich finde das aber eigentlich ganz nachvollziehbar, weil du willst ja nicht alles nehmen an Freuden. Weil du ja gesagt hast, du hast gerne gegessen, gerne gekocht, bist gerne essen gegangen. Vielleicht mal ganz kurz, auf was an Lebensmittel verzichtest du denn alles? Also was geht so gar nicht? Generell alles, was verarbeitet ist. Also ich kaufe quasi nichts.

Ich kaufe keinen Tomatenmark. Also nichts, was quasi schon fertig ist. Sondern ich esse so gut wie möglich alles from scratch quasi selber gekocht. Und vertraue da auch nicht so richtig, dass Menschen, das ist auch halt so dieses, ich weiß ja immer selber, was ich vertrage und was nicht. Ich esse keine Hefe, das heißt Brot muss ich auch selber backen oder Sauerteigbrot besorgen.

Und generell, genau, Laktose, Freikäse esse ich schon zwischendurch Dinge, die so ein bisschen weniger an Laktose sind. Aber die Ernährungsberaterin, bei der ich dann später war, hat immer gesagt, keine streichbaren und trinkbaren Laktoseprodukte. Ich substituiere viel, genau, zu viel Knoblauch, zu viel Gewürz, nicht zu viele Ballaststrahlen, also keine Bohnen, keine Linsen.

Dinge, die eigentlich als gesund gelten. Rohkost, also Salat ist schwierig, Smoothies, ich liebe Smoothies, geht nicht. Ja. Was heißt geht nicht? Also es ist dann einfach so. Mit Konsequenzen verworfen. Genau, ich habe dann einfach den übelsten Blähbauch, Krämpfe, Bauchweh, Blutung. Gibt es was, was dir am meisten fehlt? Wo du jetzt gerade sagst, du liebst Smoothies?

Wo du jetzt gerade Obst. Also jetzt gerade so Erdbeerzeit, Wassermelonen, so Cravings auf so knackigen Salat, irgendwas, was so knackt und frisch ist und so wässrig. Wenn man die ganze Zeit nur Kartoffeln isst und so Reis, dann ist irgendwann so diese, ich mag auch matschiges Essen, so ist das nicht, aber manchmal ist man dann so, boah, irgendwie so was Knackiges jetzt.

Ja, verstehe ich. Genau, schon so Bohnen und so Vollkorn, so Sachen, die so, ja, das fehlt mir schon und mir fehlt natürlich auch scharfes, gar kein scharfes Essen oder einfach mal so auf der Ecke, beim libanesischen Imbiss dir eine Falafel oder, damals immer Makali Halloumi, also so einfach mal so auf der Ecke was holen, und das danach irgendwie weitermachen zu können.

Einfach so abends, man will noch ins Kino, aber wir haben keine Zeit zu kochen, dann hole ich mir jetzt halt kurz was und dann gehen wir noch ins Kilo. Das geht halt gar nicht. Krass, da merkt man wieder, was man für ein Privileg hat, wenn man das einfach machen kann, weil du das eben nicht kannst. Macht dir die Krankheit auch Angst? Komplett, ja.

Ich habe total viel Angst. Aber ich habe ganz doll Angst, natürlich erstens davor, dass es schlimmer wird und dass es am Ende, so eine Entzündung ist natürlich auch extrem krebserregend. Entzündungen im Körper und wenn die nicht weggehen, dann können die bösartig werden und davor habe ich ganz viel Angst. Das heißt, Darmkrebs wäre eine Konsequenz. Genau.

Das Risiko ist relativ hoch für Menschen mit chronisch-ansyllicher Darmerkrankung, wenn sie immer wieder in Entzündungen sind, dass sie dann auch irgendwann an Krebs erkranken. Deswegen macht das mir ganz viel Angst. Aber es macht mir auch ganz viel Angst, eben in diesem, kann ich die Sachen erreichen, die ich gerne machen würde?

Es sind allein so Zukunftspläne wie, kann ich Kinder kriegen? Kann ich das leisten, selbst wenn ich Körperliches schaffen würde, in der Schwangerschaft durchzumachen, kann ich das leisten, ein Kind zu versorgen? Wenn ich mich selber kaum versorgt kriege, wenn ich selber all diese Care-Arbeit von meinem Partner kriegen würde und will ich das auch meinem Partner antun, diese Belastung, also so all diese Sachen, die machen einem schon Angst und die machen einem Sorge, mir Sorge.

Obwohl du diese Ängste hast und obwohl du auch bei der Arbeit irgendwie Stärke und Belastbarkeit ausstrahlen willst, hast du, ich finde, einen sehr mutigen Weg jetzt gewählt, vor einiger Zeit wirklich in die Öffentlichkeit zu gehen. Also du bist mit deiner Krankheit an die Öffentlichkeit gegangen, Es gab einen Artikel, du postest auch Instagram-Reels dazu und erzählst da irgendwie von so verrückten Alltagssituationen.

Ich habe mir eine aufgeschrieben, weil ich die so lustig finde. Also da beginnst du irgendwie damit mit dem, wie ich finde, sehr guten Satz. Musstet ihr euch schon mal entscheiden, ob ihr euch in die Hose kackt oder neben den Gehweg? Und ja, also das ist schon... Sehr mutig. Also wie ist es gekommen, dass du gesagt hast, ich gehe jetzt damit raus?

Erstmal danke, das nehme ich als Kompliment. Absolut, so ist es gemeint. Es gab einen Punkt, an dem eine Freundin von mir, eine ganz liebe Freundin, Franzi, die selber schreibt, die zu mir meinte, ich habe immer wieder diese Situation erzählt, zum Beispiel die, wo ich mir neben den Gehweg gekackt habe.

Und dann war sie so, boah Tara, das ist mega wichtig. Irgendwie sind das Sachen, die erleben nicht alle und ich glaube, das ist auch ganz vielen Leuten gar nicht bewusst, dass Menschen, die neben einem stehen, neben einem sitzen, während man arbeitet oder während man in der Bahn sitzt oder so, dass diese Menschen das erleben und, irgendwie ist das wichtig, du musst es mal aufschreiben.

Also sie hat quasi so angestoßen in meinem Kopf so, schreib mal auf. Dann war ich am Anfang so, boah nee, es haben voll viele Leute eine Darmerkrankung und irgendwie auch peinloh, darüber zu reden. Und dann hat sie aber so beharrt und hat so gesagt, nee, es ist was anderes, du hast diese Perspektive als Frau mit Migrationsgeschichte, du hast ein total gutes analytisches Verständnis dafür, also du kannst es erzählen und gleichzeitig weißt du, was in dem Moment, kannst du es einordnen irgendwie, in so einen sozialen Kommentar irgendwie.

Und dann war ich so, okay, ja gut, dann schreibe ich es mal auf und habe dann es aufgeschrieben und dann ist es eben zu diesem Artikel geworden, den ich dann gepitcht habe bei der SZ jetzt. Und dann gab es aber schon einen Moment, bevor ich das gemacht habe, wo ich so war. Soll ich das wirklich, soll ich wirklich, will ich wirklich im Internet stehen, wo alle immer mich googeln können, als die Person, die neben den Gehweg gekackt hat, so, und als die Person, die irgendwie die ganze Zeit auf Flette muss, und dann habe ich tatsächlich, es gibt immer so, also, bei solchen Entscheidungen, bei so großen Entscheidungen, nehme ich normalerweise meine Mutter und meinen Bruder mit in meine, mit meinem so Tribunal von so, was denkt ihr, und,

mein Bruder hat dann einen sehr weisen Satz gesagt, er sagt sehr oft weise Sätze, aber in dem Moment einen sehr weisen Satz gesagt und gesagt, ich war so, ja, was, wenn ich irgendwie einen neuen Job finden will und dann das Erste, was die lesen, ist halt, dass ich eine chronische und entzündete Erkrankung habe und so, dann bin ich nicht mehr belastbar genug.

Ja. Und dann war mein Bruder eben so, ja, ganz ehrlich, aber willst du für jemanden arbeiten, der dich als nicht belastbar einstuft, weil du eine chronische Erkrankung hast? Also willst du für jemanden arbeiten, der dich nicht einstellt oder der dich irgendwie als weniger wert einschätzt, weil du eine chronische Erkrankung hast? Stimmt.

Dann war ich so, makes a lot of sense. Ja, stimmt, will ich das? Nee, eigentlich nicht. Also war ich in dem Moment so, genau weil ich hatte überlegt, ob ich es mit einem Alias oder irgendwie mit einem anderen Namen oder so. Und dann war ich aber auch so, nee, ich glaube, irgendwie muss mal auch jemand anfangen damit, da einfach so drüber zu reden.

Und irgendwie hat sich das dann auch angefühlt in dem Prozess, als würde ich ein Problem, das bisher nur meins war, also so ein privates, eigenes, persönliches Problem, als könnte ich das so anderen Leuten ein bisschen auf die Schulter. So überstülpen, so ein bisschen so sagen, wenn das jetzt mein Problem ist, dann musst du dich jetzt auch fünf Minuten lang damit auseinandersetzen.

Ja, aber es nimmt ja auch ein bisschen Schwere weg, wenn man diese Scham so ein bisschen auch von sich, wegstößt, ne, und weil das ist ja noch ein zusätzliches Problemfeld zu all den ganzen Sachen, den ganzen Struggles, die du eh schon hast, dann noch diese Scham und ich darf nicht drüber reden und ich will ja, dass die Leute mich alle als stark weinen und sich davon zu befreien, kann ja auch sehr heilsam sein.

Total. Aber auf der anderen Seite, glaube ich, und das wird ja bei dir auch eine Rolle spielen, du machst natürlich auch Leuten Mut damit, ne? Das ist ganz krass. Also der Artikel hat total Spaß gemacht zu schreiben. Schreiben hat total Spaß gemacht. Das war auch so, ich arbeite als Redakteurin in einer Fernsehredaktion und da bin ich in der Regel diejenige, die redigiert und die begleitet, die Texte begleitet und die Grafiken begleitet und so.

Und selten bin ich in der Situation, dass ich selber einfach mal kreativ schreiben kann. Und das hat total Spaß gemacht und war so auch lustig, es war auch einfach lustig, so aufzuschreiben, wie diese Story da verlaufen ist, wie ich dann eben den Gehweg gekackt habe. Dann, genau, es ist schon so jetzt mit den Social Media Sachen und die kriege ich auch, ich würde viel gern, total gern viel häufiger posten und viel mehr machen, aber eben, man macht auch einen Vollzeitdruck und hat ja auch eine Erkrankung.

Aber es ist echt krass, wie Leute dann da drunter kommentieren und sagen, boah, ey, genau das Gleiche ist mir auch passiert, teilweise die gleichen Erfahrungen, wirklich sogar so sagen ey, genau das ist mit einer Ärztin auch passiert, war das die und die und dann ist es aber eine andere und offensichtlich ist das.

So, irgendwie gibt es doch immer dieses TikTok-Ding so, es gibt keine Original Experience no experience is original irgendwie hat irgendjemand anderes auf der Erde sie auch schon mal erlebt und, das ist immer irgendwie ja auch schön, dass man so denkt, ja, ey, es gibt da Leute und mit denen kann ich mich austauschen, zum Beispiel das mit der Socke, habe ich aus einem Instagram-Comment, von dem, der war so, ey, ist mir auch schon passiert, ich habe meine Socke benutzt, kann empfehlen, so.

Aber würdest du sagen, das Feedback ist durchweg positiv oder gibt es auch Leute, die sagen, oh mein Gott, muss man über dieses Thema jetzt aussprechen? Größtenteils positiv. Es gibt Menschen, die so ein bisschen so sind, so, ja, muss man so vulgär sein, manchmal sage ich dann halt so Kacke oder Scheiße oder so und irgendwie gehört das für mich dann zu der Humorebene dazu, dass ich eine vulgäre Sprache benutze, weil man kann da auch wissenschaftlich drüber reden, aber manchmal macht es auch Spaß, einfach irgendwie den Wortwitz zu nutzen.

Genau, bisher eigentlich wenig Menschen, die so gesagt haben, peinlich oder so. Aber wie toll, also du bekommst Feedback und sogar praktische Hilfe, die Socke, aber du bist auch anderen Menschen dann eine Hilfe und irgendwie eine Art von Inspiration, also was für ein schönes Geben und nehmen. Und wenn wir das jetzt mal ausweiten würden, ja, was würdest du dir wünschen oder sag ich mal anders formuliert, was wäre ein guter Umgang, wenn jemand in meinem Umfeld zum Beispiel an so einer chronischen entzündlichen Darmerkrankung erkrankt?

Wie kann ich da als Freund, als Bruder am besten mit umgehen? Ich glaube, es gibt wahrscheinlich für jeden, ist es total individuell natürlich. Mir persönlich hilft es, Wenn Menschen einen nicht aufgeben. Ich glaube, das ist ja die Angst für chronische Erkrankungen. Ich glaube, bei allen, dass man vergessen wird.

Dass Menschen dann halt so, Tara kann ja eh nicht kommen, weil die wird da nicht teilnehmen können. Und dann fragen wir die erst gar nicht. Oder so. Ich kann auch voll nachvollziehen. Zum Beispiel bei diesem Festival hatte ich die ganze Zeit das Gefühl, ich bin auch ein bisschen eine Last. Auch wenn meine Freundinnen das überhaupt nicht ausgestrahlt haben.

Aber so, natürlich, die hätten gerne bis 4 Uhr morgens gefeiert. Und ich war dann diejenige, die um eins gesagt hat, okay, ich muss jetzt ins Zelt und einige haben dann halt gesagt, wir würden dich dann begleiten, weil sie mich wahrscheinlich auch, sie wollten mich nicht alleine gehen lassen und genau und ich glaube, die Angst ist, dass jemand vergisst, in was für einer Einschränkung ich mich befinde, auch vor allem mit unsichtbaren chronischen Erkrankungen ist es glaube ich ein Ding, dass so egal wie fit ich bin und egal wie lustig und wie sehr ich lache, ich habe immer der ist da, der ist mitten in meinem Körper der ist da und der ist immer am Start und, es ist immer mega schön und total, so tröstend, wenn Freundinnen oder Freunde so von Anfang an dich mitdenken und so sagen so, hey so,

ich würde voll gerne was für dich kochen oder wenn aber wenn dir das zu stressig ist dann kannst du auch kochen und ich helfe dir also so, dass sie so mitdenken, was könnte Stress auslösen, ich glaube es geht am Ende um eine Sensibilität und ein Gefühl von, nicht, genau, nicht fallen gelassen zu werden.

Und gleichzeitig eben einem das Gefühl, gleichzeitig zu geben, dass man nicht weniger fähig ist, nur weil man krank ist. Also was mein Freund total gut macht zum Beispiel, ist, dass ich nie das Gefühl habe, dass er irgendwie an. Meinem Urteil oder meiner Planung oder so zweifelt, weil er sich so denkt, die ist gerade überfordert oder die kriegt das gerade nicht hin.

Sondern der ist immer so, die ist jetzt gerade einfach kurz gestresst. Also der weiß immer, der kann sich darauf verlassen und ich bin genauso fähig, wie ich immer war. Ich bin einfach nur körperlich ein bisschen eingeschränkt. Das ist ein toller Satz eigentlich, ne? Ja. Du bist genauso wie vorher nur körperlich ein bisschen eingeschränkt.

Wir sind schon am Schluss von dieser Podcast-Folge und ich stelle dir am Schluss immer die gleichen zwei Fragen. Nämlich, wenn du heute auf diesen einen Moment zurückblickst, als du da in dieser Arztpraxis stehst und weißt irgendwie, jetzt muss ich mich selber durchschlagen, mir hilft sonst keiner. Welches Gefühl löst das denn dir aus? Ich habe so das Gefühl, dass ich mich so kümmern will um diese kleine Tara, die da irgendwie, ich war so klein noch. Also ich habe das Gefühl, ich bin so gealtert in diesen zwei, drei Jahren.

Gewachsen könnte man positiver von mir. Ja, man kennt es glaube ich, dass man so zurückschaut auf dieses naive Ich. Und irgendwie habe ich so eine Fürsorge für dieses Ich und wünschte, dass ich mir das hätte geben können in dem Moment. Und die zweite Frage, wie war das für dich heute mit mir über diese ganze Geschichte, zu sprechen von Anfang bis jetzt sozusagen?

Ich habe das Gefühl, ich habe nicht alles gesagt, was man hätte sagen können und was ich hätte sagen können. Ich fand es total cool, ich fand es ist immer wieder ein bisschen strange, Leuten von seinem Arschloch zu berichten, immer wieder ein Moment, wo man so einmal abchecken muss, wie war, ist die Person cool damit oder nicht?

Ich habe direkt gemerkt, dass du cool damit warst. Genau, deswegen ist es immer so ein Austesten und das hat Spaß gemacht. Ich finde, da gibt es ganz viel Gesprächsbedarf zu diesem Thema und bin ganz dankbar dafür, dass ich jetzt darüber reden konnte und hoffe, dass es anderen Leuten vielleicht eine Relatability gibt.

Ich hoffe auch, dass vielleicht der eine oder die andere, der es jetzt gerade hört, eventuell davor gerettet wird, diese zwei Jahre das durchzumachen, was du durchmachen musstest. Dann hätten wir schon mal, selbst wenn es nur eine Person ist, richtig was erreicht. Deswegen, ich habe heute auch ganz viel wieder gelernt.

Dankeschön, Tara. Danke dir, Philipp. Also, ich hätte vorher nicht gedacht, dass ich bei einer Folge mit diesem Thema so viel lachen würde. Und ich finde es wirklich toll, dass Tara ihren Erfahrungen mit so viel Humor und Stärke begegnet. Wenn ihr Lust habt, ihre Reise zu verfolgen, dann haben wir euch auch ihr Social Media in den Shownotes verlinkt.

Ihr hört mich wie gewohnt in zwei Wochen mit der nächsten Folge wieder. Empfehlt diesen Podcast gerne euren Freundinnen und Freunden und lasst ein Abo da. Bis dahin. Tschüss. Dieser eine Moment, der Podcast mit Philipp Fleiter, ist eine Produktion von Philipp Fleiter und WeMind. Redaktion Philipp Fleiter, Leila Keuthage und WeMind. Sounddesign und Schnitt Marius Fuchtmann für WeMind.

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