
ELTERNgespräch· Staffel 2· Folge 419
Ist das noch lebhaft oder doch schon ADHS? Mit Dr. Felix Petersen
Donnerstag, 23. Juli 2026 · 57 min
Kapitelklicken springt direkt hin
Shownotes
Ist das noch lebhaft oder schon ADHS? Diese Folge ist für alle Eltern, die sich fragen, ob und wann ein Diagnoseverfahren Sinn macht, wie die Wartezeit überbrückt werden kann und was leicht ablenkbare Kinder brauchen – selbst wenn nicht feststeht, ob es sich um ADHS handelt. Zu Gast ist Dr. Felix Petersen, Kinderarzt und angehender Kinderpsychiater, Vater und selbst mit ADHS diagnostiziert. Er macht Eltern Mut, gibt konkrete Ratschläge und weiß, ab wann eine Diagnostik Sinn macht. Vor allem aber bricht er eine Lanze für Kinder mit ADHS, das seiner Meinung nach lieber Abenteuer-Defizit-Syndrom heißen sollte.
Mehr zu Dr. Felix Petersen:
Dr. Felix Petersen ist Kinderarzt, Assistenzarzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Vater. Er verbindet medizinisches Wissen mit einem klaren Ziel: jungen Menschen zu helfen, ihre Biologie besser zu verstehen und so ihr oft turbulentes Leben selbstbewusst, gesund und eigenständig zu meistern.
Website (dr-petersen.de)
Instagram (instagram.com/dr.felixpetersen)
Buch zum Thema ADHS:
Erfolgreich lernen mit ADHS: Der praktische Ratgeber für Eltern (amazon.de/Erfolgreich-lernen-mit-ADHS-ADS/dp/3…)
Mehr von Christine Rickhoff:
Instagram (instagram.com/christinerickhoff)
Bücher von Christine Rickhoff:
Für Geschwister ab 4 Jahren: Das Beste an uns: Eine Geschichte über zwei ziemlich ungleiche Geschwister (amazon.de/Das-Beste-uns-Selbstakzeptanz-geschw…)*
Für Mädchen ab 10 Jahren: Du bist 100% richtig (amazon.de/Du-bist-100-richtig-M%C3%A4dchen/dp/…)*
Buch mit Tipps gegen Angst ab 7 Jahre: Keine Angst vor der Angst (amazon.de/Keine-Angst-Angst-Freundinnen-Freund…)*
Schwangerschaftsbegleiter: Du & ich. Das Mama-Buch (amazon.de/ich-Das-Mama-Buch-Schwangerschaft-ei…)*
Zum Eintragen und Verschenken: Dein Leben, deine Geschichte: Ein besonderes Erinnerungsalbum (amazon.de/Dein-Leben-deine-Geschichte-Erinneru…)*
Schwangerschaftskalender: Deine Schwangerschaft Tag für Tag (amazon.de/Deine-Schwangerschaft-Tag-f%C3%BCr-S…)*
*eltern.de/services/affiliate-links-auf-elternde
+++ Weitere Infos zu unseren Werbepartnern finden Sie hier: linktr.ee/elterngespraechpodcast +++
+++++++++++++++++
Habt ihr Lob, Tadel oder Themenvorschläge und Fragen zu den Themen Partnerschaft sowie Erziehung? Schreibt Christine eine persönliche Mail an podcast@eltern.de. Außerdem erreicht ihr uns auf unserem Instagram-Account @elternmagazin (instagram.com/elternmagazin) oder folgt Christine auf Instagram @christinerickhoff (instagram.com/christinerickhoff/?locale=%E5%93…). Wir würden uns freuen, wenn ihr unseren Podcast auf iTunes (podcasts.apple.com/de/podcast/elterngespr%C3%A…), Spotify (open.spotify.com/show/4DlX0xecIdoFS0qjyPtcBl?s…) oder Deezer (deezer.com/de/show/57109) abonniert und bewertet.
Unsere allgemeinen Datenschutzrichtlinien finden Sie unter art19.com/privacy. Die Datenschutzrichtlinien für Kalifornien sind unter art19.com/privacy#do-not-sell-my-info abrufbar.
Infos und Links:
zu unserem Youtube-Kanal (youtube.com/@elternDEvideos)
Infos und Links zu unseren Werbepartnern:
Lerne jetzt Shopify kennen (shopify.com/de)
Hier geht´s zur App Medienplanet (tk.de/techniker/2213230#medienplanet-app-du-ka…)
Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin
Da müssen wir uns aber sehr, sehr gut im Klaren sein, dass diese Kinder noch eigentlich zu jung sind für die ADHS-Diagnose, weil dieser Bewegungsdrang, weil diese Gedankenflut, weil dieses Nicht-Abwarten-Können einfach da noch mit dazugehört. Und heute kümmern wir uns um die wunderbaren kleinen Rennwagen der Nation, nämlich all die Kinder, die entweder ein bereits diagnostiziertes ADHS haben oder aber deren Eltern sich manchmal denken so, wir sind uns nicht so ganz sicher.
Ist das noch besonders lebhaft oder ist das vielleicht doch schon ADHS? Warum das manchmal gar nicht so einfach zu klären ist, ob die Klärung in jedem individuellen Fall wichtig ist und was genau das dann bedeutet, wenn mein Kind ADHS hat, darüber und über vieles mehr spreche ich heute mit meinem Gast Dr. Felix Petersen.
Er ist Kinderarzt und Assistenzarzt für Kinder- und Jugendlichenpsychiatrie, hat Eltern- und auch Kinder-Online-Kurse zum Thema ADHS entwickelt. Außerdem ist er selbst Papa und, das finde ich ganz besonders spannend, er ist auch selbst so ein Rennauto mit einem diagnostizierten ADHS. So schön, dass du heute hier bist, Felix. Ich habe richtig viele Fragen.
Ja, dann düsen wir mal los, würde ich sagen. Düsen wir los. Ich freue mich richtig drauf, weil ich es total schön finde, dass wir auch diese Perspektive mit drin haben. Wie fühlt sich das eigentlich an? Aber dazu kommen wir noch. Okay, ich bin gespannt. Für was steht ADHS genau? Also im klassischen Sinne und warum hast du dich entschieden, die Buchstaben trotzdem anders zu deuten?
Also das ist eben ein großes Thema. Also ADHS steht ja für ein Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom oder Störung. Deswegen nennen es manche ja die ADHS oder das ADHS. Und da können wir uns auch jetzt stundenlang rumstreiten, ob wir es jetzt die oder das nennen. Es ist halt, wenn man mit Kindern und Jugendlichen arbeitet, ein Begriff, der so negativ behaftet ist. Auch für mich, da habe ich jetzt ein Aufmerksamkeitsdefizit, habe ich jetzt eine Störung, aber ich kann mich doch so gut konzentrieren, gerade wenn ich jetzt am Gamen bin oder so.
Das ist doch was, was so mega funktioniert und warum habe ich jetzt da eine Störung? Nee, das habe ich nicht. Dann drücke ich es lieber so weg. Und das sieht man gerade bei Jugendlichen, wenn die die Diagnose bekommen und ich denen einfach nur sage, du hast jetzt ein ADHS und gut ist. Oder noch besser, du leidest unter dem ADHS, das ist ja dann nochmal so eine...
Eskalationsstufe mehr, dann sagen die, nö, tue ich nicht. Also ich leite ja jetzt nicht und warum? Ja gut, die Schule, die macht halt Probleme und meine Eltern machen Probleme. Die Lehrer, genau. Aber ich, mir geht es doch eigentlich ganz gut. Meistens zumindest. Ja und deswegen habe ich da so einen Begriff von Tim Ferriss, das ist ein cooler amerikanischer Podcaster, der hat das, ich habe es ins Deutsche übersetzt, das Abenteuerdefizitsyndrom.
Also das ADHS es als Abenteuerdefizit den Kindern und Jugendlichen auch so zu erklären. Und da kommt auch dann dieses Rennautos im Kopf, Bild so mit auf, dass man versucht so, da ist einfach viel los und da ist auch viel Action im Kopf. Da sind viele Gedanken, auch so Gedankenstürme, Wirbelstürme, Action.
Und wenn die jetzt auch mal zur Ruhe kommen sollen, also wenn es jetzt mal kein Abenteuer gibt und wenn ich jetzt einfach mal… Sondern einfach nur eine Mathe-Stunde. Genau, oder ich jetzt mal so ein Buchstaben-P jetzt hundertmal auf diese eine Seite drücken muss und ich darf den Schwung aber nur nach rechts machen und nicht nach links, sonst kriege ich wieder Ärger.
Dann ist das wirklich Langeweile pur. Und da vergleiche ich halt dann den Kindern, sage ich dann halt, das ist wirklich wie so dieses Rennauto, dieser Ferrari, der dann in der 30er-Zone die ganze Zeit mit angezogener Handbremse unterwegs ist. Und aufpassen muss, dass er dem vorne dran nicht hinten drauf fährt. Das ist ein, ganz anderes Bild, mit den Kindern und Jugendlichen zu arbeiten, auch mit mir persönlich so zu arbeiten, weil ich nicht immer nur gestört bin und irgendwie dumm bin und irgendwie der Zappelfilip bin, sondern weil ich versuche so an mir zu arbeiten, es zu trainieren.
Ja, ich muss ja auch Langeweile aushalten können, das gehört ja mit zum Leben dazu. Du musstest viel Langeweile aushalten, nehme ich mal an, weil du hast ja ein komplettes Medizinstudium hinter dich gebracht und zwei Facharztausbildungen, beziehungsweise bis gerade in der zweiten. Ja, den Kinderpsychiater, ja. Genau. Das finde ich auch echt nochmal, und deshalb finde ich das so toll, dass du das auch einfach offen sagst und sagst, okay, ich habe das auch, weil das gibt ja auch schon Eltern ein bisschen Mut.
Es kann alles zum Guten gehen und man kann damit extrem viel erreichen, wenn man das zu lenken weiß, oder? Sein Porsche. Ja, und dass es jetzt nicht darum geht, hier mich jetzt zur Person, dass es jetzt wichtig ist zu wissen, dass ich auch ein ADHS habe. Ich habe das auch, glaube ich, erst im Kinderkurs dann wirklich auch den Kindern gesagt, weil da merke ich einfach, da komme ich sofort mit denen ins Gespräch, wenn die merken, ich habe das auch, weil ich ja auch frage, wie ist das bei dir? Aber bei mir ist es so, ist es bei dir auch so?
Dass wir gar nicht erst in so ein Verallgemeinern kommen und sagen, das ist jetzt bei allen so und alle haben jetzt diese Rennautos im Kopf. Ich nenne auch die jungen ADHSler auch die Abenteurer. Und dann kommen auch dann Kids zu mir oder auch Erwachsene zu mir. Meine Frau hat mich gefragt, ja, was sind denn eigentlich dann die Kinder und Erwachsenen, die kein ADHS haben, sind es dann keine Abenteurer?
Und das ist ja das Schöne, dass man das ja auch so übertragen kann. Natürlich sind wir alle Abenteurer und natürlich sind wir ja alle auch ein Stück weit, mögen wir keine Langeweile. Und das ist ja nicht ein Ja oder Nein, sondern da bewegen wir uns ja auf dem Spektrum. Total. Jetzt ist gefühlt dieses Wort ADHS, das ist gefühlt irgendwie in aller Munde und man hat auch irgendwie das Gefühl, dass es auch ein bisschen in Mode ist, sich selbst oder das Nachbarskind einfach mal nach Augenmaß zu diagnostizieren.
Kann man das? Und würdest du sagen, bei manchen Menschen steht das irgendwie auf der Stirn und das ist klar wie Kloßbrühe? Das ist eine super spannende Frage, weil auch auf Social Media ist da gerade extrem viel los. Und das ist ja auch wirklich so eine Modediagnose, muss man ja schon sagen. Ich bin aber auch ein Stück weit froh, dass es das so ist, dass wir da auch wirklich jetzt anfangen hinzuschauen.
Wir sind aber, wenn wir Kinder beobachten, auch jetzt in der Praxis, wenn ich jetzt ein Kind zur Diagnostik bekomme, dann sind wir ja mit Fragebögen und mit Verhaltensbeobachtung, wie andere diese Kinder schildern, sind wir immer auf so einer sehr oberflächlichen Ebene unterwegs, also immer auf so einer Verhaltensebene.
Und dann kann man sagen, das Kind zappelt hier die ganze Zeit rum, das Kind nervt die ganze Zeit rum. Du kleiner ADHSler, da habe ich immer wieder auch so Schilderungen. Als Schimpfwort fast. Ja, genau. Es ist ja so, dass die bis zum zehnten Lebensjahr, gibt es ja so eine Schätzung, die sagt, dass die bis zum zehnten Lebensjahr bis zu 10.000 bis 20.000 Mal mehr negatives Feedback bekommen haben, die Kinder mit ADHS.
Da sind wir so bei der Frage, ist das jetzt stigmatisierend, einem Kind eine ADHS-Diagnose wirklich zu vergeben? Können wir auch noch drüber sprechen, warum gehe ich zum Arzt und lasse mir eine medizinische Diagnose vergeben. Das ist ja auch so was Schräges eigentlich. Muss man sich nochmal genau anschauen, können wir gerne drüber nochmal sprechen.
Aber es ist doch allgemein echt so eine Frage, was mache ich draus? Also wie gehe ich jetzt als Eltern damit um? Wie gehe ich jetzt als Kind damit um? Und immer zu wissen, auch wenn ich jetzt mein eigenes Kind mir anschauen würde, es ist immer die Verhaltensebene. Das heißt, ich kann mir gar nicht so ein abschließendes Bild machen. Und da ist dieser Spruch, Selbstdiagnose geht einfach in die Hose.
Wie oft habe ich mir selber schon eine Depression angedichtet und habe sie dann am Ende nicht gehabt, wenn ich dann eben mit Kollegen, mit Freunden gesprochen habe. Aber ich denke, jetzt ist die Stimmung gerade im Keller. Ah, es ist Weltpolitik und keine Depression. Ja, genau. Und dass man dann sein eigenes Kind sieht, man ja immer auch mit anderen Augen.
Da ist man immer nochmal kritischer drauf und hat man noch einen anderen Blick drauf. Und dann eben auch diese ganzen Vergleiche mit anderen Kindern, was jetzt zu sein hat und was nicht zu sein hat. Dann entsteht Druck und Druck erzeugt Gegendruck. Und dann zu sagen, oh ja, komm, jetzt hat mein Kind diese Diagnose einfach auch aus einer Not oft herausgeboren.
Es gibt ja auch Eltern, die da überhaupt keine Termine nirgendwo kriegen oder auch Kinderärzte, die nicht zuweisen können. Ist ja dann so ein systemisches Problem, da können wir eine ganz eigene Folge nochmal drüber machen. Wie da auch gerade Eltern und Familien und Kinder auch im Stich gelassen werden, weil es einfach nicht die Möglichkeiten gibt, das zu diagnostizieren.
Das ist ja ganz oft so, dass sie sagen, ich muss es ja jetzt selber diagnostizieren, auch gerade Jugendliche auf TikTok, was da los ist. Wie Jugendliche sich selber versuchen zu helfen und das ja auch tun und es ja auch ihr gutes Recht ist. Und wir da jetzt nicht drüber urteilen dürfen, zu sagen, hey, pass auf, man vergibt dir bloß nicht selber diese Diagnose, wenn es dir hilft.
Oder noch eine Medikation im schlechtesten Fall. Genau. Oh ja, genau. Über den Schwarzmarkt, während dem Studium, ja. Und da ist halt wirklich dieses große Thema der Diagnose. Wozu? Wozu vergebe ich die denn? Wozu nehme ich die denn, diese Diagnose? Nehme ich die jetzt für mich, um eine Identität zu finden, um zu sagen, ich habe irgendwie jetzt schon die dritte Ausbildung geschmissen und mit meinen Freunden, das läuft alles nicht gut.
Das ist jetzt das ADHS, was an allem schuld ist, mag ja auch mit sein. Nur ist das dann eben auch der Moment, wo ich dann stehen bleibe und dann so in eine Art Sackgasse gerate und sage, ja, ist halt jetzt so. Irgendwann kommt schon der Job vorbei, den ich mag. Und so wird halt dann die nächsten 20, 30 Jahre weitergelebt.
Oder arbeite ich da dran? Versuche ich das zu trainieren? Versuche ich zu schauen, was war denn da beim letzten Mal, was mir nicht gepasst hat? Aber würdest du sagen, dass ich das von außen dann nicht wirklich sagen kann, Weil ich nur die Verhaltensebene mir anschaue und, ich sage jetzt mal, das etwas wilde Nachbarskind oder so, wenn man da drauf guckt und sagt, bestimmt ein ADHS, das geht wahrscheinlich nicht.
Das ist ja immer, wir reden ja von einer multidisziplinären Diagnose. Das heißt, wenn ich jetzt als Arzt ein Kind sehe, alleine in meinem Sprechzimmer und mit dem auch noch die Intelligenztestungen, Konzentrationstestungen mache, ist es immer eine Eins-zu-eins-Situation. Das heißt, ich brauche immer noch andere im Boot. Das heißt, ich brauche Rückmeldungen von Lehrern. Ich brauche Zeugnisse.
Ich brauche die Eltern mit im Boot. Ich habe noch eine Psychotherapeutin, die mit mir die Testung zusammen macht. Das heißt, wir sind immer ein multidisziplinäres Team. Die dann diese Diagnose gibt oder nicht gibt. Weil am Ende müssen wir ja schon sagen, ist es ein ADHS oder ist es keins. Auch wenn wir uns auf dem Spektrum bewegen, ist es ja wichtig, auch nochmal das anzuschauen.
Aber dass wir dann sagen, okay, wenn ich jetzt als Nachbar da ein Kind sehe, was da immer rumzappelt und rumflitzt, umso jünger das Kind ist, umso mehr überträgt sich das nach außen, umso älter der Jugendliche vor allem wird, die Jugendliche, dann überträgt sich so eine motorische Unruhe, so eine Hyperaktivität oft ins Innere. Ah, so eine innere Unruhe.
Genau, dass dann so eine 17-jährige junge Dame vor mir sitzt und ich eine Viertelstunde lang denke, oh, du bist ja hier komplett verkehrt, du hast ja überhaupt keinen ADHS vom äußerlichen Aspekt. Und dann schildert sie ihre Lebenssituation, schildert ihre Beziehung, schildert ihre Gedanken, Stürme im Kopf.
Und dann denke ich mir, boah, was du alles so wegsteckst und das maskierst. Und wenn man dann noch eine Intelligenztestung macht und sagt, oh, die ist ja hochbegabt. Und dann merkt, oh mit 17 erst die Diagnose zu vergeben, obwohl es die ganze Grundschulzeit schon so abging. Und da sind wir eben bei dem großen Thema, wann soll man denn zum Arzt gehen?
Und wann lohnt es sich, eine Diagnose zu geben? Ja, das ist dann natürlich der Leidensdruck. Also diese 17-Jährige hat jetzt ja sieben Jahre lang wirklich gelitten in der Schule, sich dahin geprügelt oder wurde von den Eltern. Natürlich nicht im wörtlichen Sinne, aber die ist dann dort halt wirklich nicht gerne zur Schule gegangen. Und die hat sich dann gequält durch diese langweiligen Momente. Da sind wir bei diesem Abenteuerdefizit.
Und wenn man sich das nicht klar macht, und da sind wir jetzt ja immer noch auf dieser Verhaltensebene, wir beschildern, wie sich das anfühlt, wie sie denkt. Wenn wir aber wissen, dass ganz tief drunter eine biologische Grundlage ist, wenn wir wissen, das Gehirn ist neurobiologisch anders gestrickt. Bei dieser jungen Dame jetzt als Beispiel, dann kann ich ihr das auch anders erklären.
Dann kann diese 17-Jährige dann auch anders in Situationen umgehen, die langweilig sind und fühlt sich nicht gleich schlecht. Sie fühlt sich nicht gleich als die, die immer nur alles hier irgendwie durcheinander bringt, die alles ins Chaos stürzt, sondern sie kann daran anknüpfen und kann dann eben daran an sich weiterarbeiten und das dann auch trainieren.
Hast du insgesamt das Gefühl, dass Eltern zu spät zur Diagnostik kommen? Weil bevor sie bei dir auftauchen, da haben sie ja meistens schon einen richtig langen Weg hinter sich. Also die Eltern, auch die Kinder, da ist es so ein Weg des Denkens, des Abwägens, des sich Sorgenmachens. Was würdest du diesen Eltern sagen, die wir hier heute vielleicht erreichen können?
Das ist eine sehr vielschichtige Frage, weil ich ja Eltern vor mir sitzen habe, die auch einen langen Weg schon hinter sich haben und die auch eine Wartezeit, schon hinter sich haben, die sich ja, ganz viele Gedanken gemacht haben, die sich Sorgen gemacht haben. Die ja auch schon ganz oft mit den Lehrern auch gesprochen haben, die auch schon von anderen das gehört haben, dass sie bei ihrem Kind doch mal genauer hinschauen sollen.
Also diese Frage, das komme ich zu spät, ist für mich der rosarote aufgeblasene Elefant im Raum, wenn wir im Abschlussgespräch sind. Also wenn wir uns die ganzen Befunde, wenn wir uns alles anschauen, da fließen auch oft mal Tränen, weil Eltern das Gefühl haben, zu spät gekommen zu sein. Oder dass es zu lange gedauert hat, bis die Diagnostik endlich stattgefunden hat.
Und da sind auch ganz viele Schuldgefühle mit dabei. Natürlich auch Schuldvorwürfe an uns, die viel zu wenig Diagnostik machen. Und dass das System so ist, wie es ist. Wie gesagt, da müsste man eine eigene Folge drüber machen. Da leide ich ja auch drunter. Also wenn ich jemanden sehe, der zwei Jahre eine Wartezeit hatte, bis er eine Diagnostik bekommen hat und dann schon die dritte Schule gewechselt hat.
Das ist natürlich was, was ich mit nach Hause nehme. was ich nicht einfach so stehen lassen kann. Und dass es trotzdem diese Frage ist, waren wir zu spät, ist dann eben auch was, was andere Eltern wieder dazu bringt, schon bei ihren drei-, vier-, fünfjährigen Kindern schon sich Sorgen zu machen und sich dort schon auf den Weg zu machen und eine Diagnostik haben zu wollen.
Und dass wir da eben dann so ein Spiel mit der Angst anfangen. Dass wir dann anfangen, oh, beim Nachbar, da war das so, der ist jetzt schon dreimal, musste der die Schule wechseln. Das darf meinem Kind auf gar keinen Fall passieren. Bevor das jetzt in die Schule kommt, mache ich jetzt die Diagnostik. Weil der ist auch so zappelig am Esstisch, der kann jetzt auch nicht eine halbe Stunde am Esstisch sitzen.
Also muss ich jetzt ganz schnell diese Diagnostik mit meinem viereinhalbjährigen Kind machen. Kann ich total nachvollziehen als Eltern, nur müssen wir einfach wissen, dass die Kinder ja einen natürlichen Bewegungsdrang haben und dass wir bei unter 6-Jährigen die ADHS-Diagnose eigentlich nicht wirklich vergeben dürfen und das auch zu Recht.
Weil da gibt es Ausnahmen, da müssen wir uns aber sehr, sehr gut im Klaren sein, dass diese Kinder noch eigentlich zu jung sind für die ADHS-Diagnose. Weil dieser Bewegungsdrang, weil diese Gedankenflut, weil dieses Nicht-Abwarten-Können einfach da noch mit dazugehört. Das heißt, da haben wir einen Reifeprozess, der noch nicht abgeschlossen ist.
Absolut. Da gibt es auch eine Studie aus Norwegen mit über 500.000 Kindern, die geschaut haben nach einem Einschulungszeitpunkt der Kinder und haben gesehen, dass Jungs, die mit sechs eingeschult wurden, im Vergleich zu Jungs, die erst mit sieben eingeschult wurden, bis zu 30 Prozent mehr psychiatrische Auffälligkeiten hatten.
Bei den Mädchen auch, aber es ist nicht so ausgeprägt. Und dann sind wir beim Stichwort der Impulskontrolle. Ein siebenjähriger Junge kann sich nicht so gut kontrollieren. Der kann vielleicht nicht so gut eine Dreiviertelstunde im Unterricht sitzen und einfach nur zuhören und seine Impulse jetzt rumzurennen im Schach halten, im Zaun halten.
Das ist nicht echt spannend, ja. Einschulungszeitpunkt ist so ein heißes Thema, so ein wichtiges Thema. Naja, und du kannst ja auch nicht anders, ne? Also bei uns ist es jetzt so, mein Sohn wird jetzt eingeschult, der wird im Juni 6, im August wird er eingeschult und das ist ein Muss. Also da wird nicht gefragt, ne?
Da wird dann die Schuleignungsprüfung gemacht. Ist das in Hamburg so? Ja, Niedersachsen ist es bei uns, aber tatsächlich, es gibt eine Schuleignungsprüfung, da sagen die, der ist kognitiv in der Lage, der spricht hier entspannt mit uns. Kein Problem, wir sehen kein Problem. Und dann muss der zur Schule gehen, ob wir das gut finden oder nicht. Das ist schon, das finde ich schon echt einen spannenden Punkt, den du gerade ansprichst, dass es einfach auch eine Reifephase ist, in der wir tatsächlich genau diese Aspekte von, die wir ADHS eigentlich zuordnen, dieses Rollzappeln nicht aufpassen können.
Nicht abwarten können, Frustrationstoleranz, Impulsivität, alles sowas. Dass das in dem Alter noch total ausgeprägt ist und eigentlich gar nicht als Diagnose-Tool sozusagen herhalten kann, sondern ein Reife-Ding ist. Spannend. Ja, da haben wir in der Schweiz dann das dritte Kindergartenjahr. Und das muss man aber auch relativ frühzeitig dann beantragen, muss man mit den Kindergärtnern darüber sprechen.
Und da erlebe ich dann schon auch sinnvoll, Diagnostik zu machen, wenn auch jetzt zum Beispiel dann so eine emotionale Unreife. Das sind ja jetzt alles keine Diagnosen, die wir hier vergeben, sondern es sind eher so Beschreibungen, die wir sagen können, dieses Kind ist einfach noch emotional so jung, Mag kognitiv schon sehr weit sein, aber das Sozioemotionale, also wie das Kind dann auch auf dem Pausenhof mit den anderen Kindern agiert, ja auch die Körpergröße spielt ja alles irgendwie eine Rolle.
Kuschelig die auch noch sind, was die brauchen ja auch. Nicht nur was die liefern können, sondern auch was die brauchen. Ich hatte es jetzt erst neulich wieder, hatte ich einen elfjährigen jungen Mann, der dann eben auch mit sechs Jahren eingeschult wurde, weil die Eltern halt wollten, dass er mit seinen Freunden zusammen in die Klasse kommt.
Die wollten dann diesen Frust ihm nicht antun. Und dann hat er sich jetzt eben vier Jahre lang durch die Schule geschleppt. Hat jetzt schon die fünfte Schule gewechselt. Ist jetzt auf dem Weg, in so eine Förderschule zu wechseln. Wo man einfach merkt, der hätte noch ein Jahr gebraucht und hätte, hätte, Fahrradkette. Ich mache ja den Eltern überhaupt keine Vorwürfe draus.
Nur, dass wenn man ein Schuljahr beobachtet und wenn man merkt, oh, das funktioniert jetzt nicht gut und es ist eine Qual und er macht zwei bis drei Stunden Hausaufgaben am Tag. Das sind ja zwei bis drei Stunden für mich Steuererklärung nach der Arbeit. Schönes Beispiel, ja. Das habe ich von Stefanie Rietzler, glaube ich.
Die hat das als Bild, dass wir sagen, wir müssen den Kindern auch einen Nachmittag ermöglichen, wo es nicht nur um Hausaufgaben geht. Ja, voll. Ich finde das auch ein gutes Stichwort, also diese Schuldgefühle von Eltern. Ich glaube ja, dass viele Eltern auch nicht nur das Thema scheuen, weil sie vielleicht Angst haben, dass das Kind dann stigmatisiert wird.
Darüber reden wir gleich nochmal. Aber ich glaube auch, dass es mit rein spielt, dass unbewusst oder bewusst da so ein Gefühl von Angst mit rein spielt, was falsch gemacht zu haben. Und da ist für mich ja wieder der Kompass, der Leidensdruck und auch der Leidensdruck des Kindes. Und wenn ich ein Kind habe, dem es gut geht und ein Kind habe, das einen guten Ausgleich hat.
Wenn ich ein Kind habe, was in einem Alltag lebt, wo es gut eingebettet ist, in eine Sozialstruktur mit Menschen, die es lieb haben, also fürsorgliche, liebevolle, beziehungsstarke Begleiter hat und eine Lehrperson, wo sie es wohlfühlt und für diese Lehrperson, lernt und lernt und sich dort. Aufopfert in der Schule, Vollgas gibt und dann zu Hause das irgendwie machbar ist und das handelbar ist, dann spricht doch überhaupt nichts dagegen, das einfach so weiter zu beobachten und zu begleiten.
Nur wenn man merkt, abends hat dieses Kind einfach ganz schlechte Gedanken. Es kommt nachmittags in so ein Loch rein, dass man gar nichts mehr machen kann. Die ganze Familie leidet und dass das was ist, was eben über mehrere Lebensbereiche geht. Und in der Schule merkt man es schon auch, nur die können das ja dann auch oft, deswegen macht man ja auch immer eine Intelligenztestung, die können das oft mit einer guten Intelligenz dann wieder, gerade im sprachlichen Bereich, können die so viel ausgleichen, überdecken oder auch maskieren, dass sie dann nach Hause kommen und dann ist zu Hause extrem viel los.
Und dann kriegen wir Berichte von Lehrern, die sagen, es ist alles unauffällig. Aber dann kriege ich es von dem Kind gesagt, ich kriege es von den Eltern gesagt. Und dann ist ein Leidensdruck da. Und dann reden wir von einer medizinischen Diagnose. Ich meine, wenn man sich Social Media anguckt, dann ist ja ADHS eine Superpower.
Wenn man sich die Fachgesellschaften anschaut, ja, auf so Fachkongressen reden wir immer von einer Störung. So, und wo treffen wir uns denn da? Also, was ist es denn jetzt? Total. Und eigentlich ist es eine neurobiologische Besonderheit, wenn du mich fragst. Da geht es um das Thema Dopamin und das ist jetzt auch überall auf Social Media, die Dopamin-Hits und die Dopamin-Kicks.
Und da können wir uns jetzt zu Dopamin-Experten machen. Und das finde ich ja auch gut so. Ist ja wie bei der Ernährung, da müssen wir uns auch mit dem Zucker beschäftigen. Aber der Zucker ist auch nicht alles. Aber das Dopamin ist auch nicht alles und wir können jetzt nicht alles auf das Dopamin runterbrechen. Komplexer, ne? Aber es ist ein Baustein.
Und wenn ich diesen Baustein des Dopamins verstanden habe, wenn ich weiß, das ist ein Jagdhormon oder ein Jagdbotenstoff im Gehirn und das ist der Cousin vom Adrenalin. Und das Adrenalin ist jetzt der Stress oder der Kampf oder der Fluchtbotenstoff im Gehirn. Das sind aktivierende Botenstoffe. Und wenn ich die kenne und wenn ich weiß, das Kind hat ein ADHS und wenn ich weiß, es ist die Neurobiologie dahinter.
Und ich dann zum Arzt gehe und der vergibt eine Diagnose, eine medizinische Diagnose, dann ist das eine Besonderheit, die die Neigung hat, die Tendenz dazu hat, über Jahrzehnte Störungen zu entwickeln. Ja. Ja, das ist wie das Rennauto, der Dr. Hallowell, der beschreibt es so wunderschön. Das ist ein amerikanischer Psychiater, der hat 1996 selber schon angefangen ADHS-Bücher zu schreiben. Und er sagt, das sind die Rennautos mit diesen Bremsen wie Fahrräder. Die haben Fahrradbremsen, diese Rennautos.
Die können super gut Gas geben, aber sie können nicht gut bremsen. Und das ist ein schönes Bild. Ja, und das ist dieses Dopamin, das ist dieses Jagdhormon. Wir wollen dahin, wir kommen in den Hyperfokus und dann sind wir absolut gelangweilt. Deswegen ist ja auch diese Aufmerksamkeitsdefizit-Geschichte so etwas Schwieriges, weil es ist ja so etwas Selektives, es ist ein Aufmerksamkeitslenkungsproblem.
Und wir vergeben eine Diagnose, weil wir diese Kinder und diese Jugendlichen oder auch Erwachsenen begleiten müssen, weil wir sonst eine Lebenszeitverkürzung haben wie bei einem unbehandelten Diabetes. Quatsch, echt? Ja, und das ist jetzt ein bisschen populärwissenschaftlich dahergequatscht. Nur müssen wir manche Eltern so auch abholen und auch mich selber immer wieder abholen.
Damit die das verstehen, ja. Genau. Wir haben einfach eine erhöhte Impulsivität. Wir haben eine erhöhte Substanzabhängigkeit. Wir haben ein erhöhtes Unfallrisiko. Also diese Kinder und Jugendlichen darf man nicht einfach so komplett alleine laufen lassen, wenn du mich fragst. Das ist total spannend. Also lass uns nochmal ganz kurz zum Anfang gehen.
Wenn ich jetzt also an dem Punkt bin, ich mache mir Gedanken, okay, es gibt vielleicht Rückmeldungen von Lehrern oder eben auch nicht, aber ich merke, mein Kind bricht zu Hause komplett ein nach der Schule, obwohl es funktioniert hat dort. Kindergartenkinder lassen wir jetzt außen vor, das haben wir gelernt, da warten wir ab und beobachten.
Abschuleintritt. Ich mache mir jetzt die Gedanken, ich höre dir zu und denke mir so, das klingt aber schon so ein bisschen nach meiner kleinen Rennmaus zu Hause. Dann würdest du sagen, erst mal angucken, begleiten, liebevoll sein. Gucken, wo überhaupt der Leidensdruck ist. Wenn dieser Leidensdruck dann aber da ist, dann auf eine Warteliste setzen lassen zur Diagnostik oder was mache ich dann und vor allem während wir warten, was mache ich da?
Wie kann ich ein Kind, bei dem ich denke, es könnte ein ADHS haben, wie kann ich das richtig anfassen, sage ich mal? Wie gehe ich mit diesem Druck um, der da von diesen Rennautos, die rumrasen und keine Bremse haben oder eine Fahrradbremse? Ja, also ich würde, wenn ich mir die Gedanken mache und ich das Gefühl habe, dass mein Kind einen Leidensdruck entwickelt, würde ich so schnell wie möglich den Kinderarzt aufsuchen, die Kinderärzte aufsuchen, weil die haben ein gutes Netzwerk.
Und dann ist es auch gut, eine Verhaltensbeobachtung zu haben. Dann ist es auch sinnvoll, das Kind zu beobachten. Dann ist es auch sinnvoll, sich von mir aus mal diese Diagnosetools, diese Diagnoselisten mit den Symptomen, mit diesen Verhaltensmerkmalen mal vor Augen zu führen. Man muss ein bisschen aufpassen, wenn man selber schon mit so einer vorgefertigten Diagnose zum Arzt, zur Ärztin geht, dass sie dann sagen, hey, wo haben Sie jetzt das ganze Wissen her? Sind Sie auch so eine Helikoptermama, so ein Helikopterpapa? Bin ich ja auch. Also von daher darf ich da ja heute auch hoffentlich so unvorwürfig drüber reden.
Ich habe ja da wirklich gar keinen Vorwurf dahinter, sondern das sind Sorgen. Die Eltern machen sich Sorgen. Es ist einfach ganz verständlich, das ist ganz normal, dass sie diese Sorgen haben. Und wenn ich jetzt sage, okay, das ist mir alles zu viel. Und gerade im Vergleich und auch ich als Familie oder ich als Elternteil, ich komme an meine Grenzen und drüber hinaus.
Wie oft habe ich auch, ich habe ja diese Jugendlichen vor mir sitzen, wo ich denke, ist doch alles in Ordnung. Aber ich habe auch Eltern vor mir sitzen. Das wirkt alles so perfekt. Und diese Familie hat das doch alles so toll im Griff. Warum soll ich denn diesem Kind jetzt eine Diagnose vergeben? Wenn man dann aber mal mit dieser Mutter oder diesem Vater mal alleine spricht, dann merkt man, dass da auch eine extreme Not ist.
Ganz oft, dass die sich wie so vom Bulldozer überfahren fühlen, dass die dann auch wie so eine Gladiatorin in der Arena, die ständig wieder aufstehen muss, um wieder gute Miene zu bösem Spiel in Anführungsstrichen zu machen. Aber dass man dann dem so ausgeliefert ist, dass man sich dem so ausgesetzt fühlt.
Und das ist immer zwingend für mich im Grund zu sagen, der Leidensdruck ist hoch, geht zu den Kinderärzten, sagt, dass der Leidensdruck auch hoch ist. Und gerade ab sechs Jahren hat man wirklich, wenn ihr mich fragt, wenn du mich fragst, hat man den Anspruch auf eine Diagnostik. Also ich finde es wichtig, da auch hinzuschauen.
Und auch wenn nachher kein ADHS rauskommt, dann ist das ja auch okay. Aber dann hat man ein Verständnis, wie denkt das Kind, dieses Blackbox-Denken des Kindes sich mal anzuschauen, ein Entwicklungsprofil zu erstellen. Wie ist denn das Kind emotional? Wie ist denn das Kind kognitiv? Wie verhält es sich sozial im Kontakt?
Ja, das ist so wichtig, das mal sich anzuschauen. Und dann gibt es für mich da keinen zu spät, wenn wir eben ab Sechsjährigen sprechen, bei denen drunter würde ich vielleicht noch diese kleine Klammer noch setzen. Zu früh. Wenn ich so drei, vierjährigen habe, drei, vier oder fünfjährigen habe, der ständig sich selbst in Gefahr bringt.
Also der jetzt mit dem Laufrädchen die ganze Zeit auf die Straße fährt und ich sage es ihm und ich sage es ihm. Und es ist sowas, wo man merkt, da entstehen gefährliche Situationen. Dann ist es auch wichtig, sich da Hilfe zu suchen und nicht zu sagen, das gehört halt alles mit dazu, die müssen sich halt austesten.
Nein, wenn es wirklich kritisch wird. Du sagst ja auch nicht, dass die Kinder nicht zum Arzt gehören oder zu einer psychiatrischen Diagnostik, sondern du sagst ja nur, es ist eigentlich zu früh, diesen Stempel zu drücken und zu sagen, das ist jetzt ein ADHS. Also trotzdem ist es ja total wichtig, dass man Tools an die Hand bekommt und dass man vielleicht auch versteht, was da passiert oder passieren könnte.
Diese Wartezeit, aber klar kann ich mein Kind dann beobachten, aber kann ich auch schon was für das Kind tun? Also was kann ich machen, wenn mein Kind nach der Schule nach Hause kommt und da wirklich, wie du sagst, drei Stunden dann an Hausaufgaben sitzt, vielleicht von den Lehrern deutliche Ansagen bekommt, aber ich kann dem ja nichts entgegensetzen, wenn ich noch nicht beim Arzt war.
Was kann ich für mein Kind tun? Also da teile ich das gerne in Hardware und Software auf, dass ich sage, okay, ich muss ein Verständnis für die Hardware meines Kindes haben und solange ich es nicht weiß, würde ich als Elternteil jetzt mal davon ausgehen, mein Kind hat die Hardware jetzt eines ADHS, weil selbst wenn es es nicht hat, sehr wahrscheinlich schade ich ihm nicht.
Wenn ich es jetzt so behandle, als hätte es eins. Ah, okay. Als würde es eins haben. Ja, also ich gehe jetzt mal selber davon aus, okay, es hat die Hardware, es hat ein besonderes Dopamin. Da wissen wir eben, dass beim ADHS diese Dopaminmangelhypothese, also das Dopamin ist ja quasi ein Botenstoff, der zwischen den Nervenzellen so ausgespuckt wird, um die Nachbarnervenzelle zu aktivieren, so Verkehrsleitsystem im Kopf.
Und da wissen wir zum Beispiel, dass dieser Dopamintransporter, der das wieder abtransportiert, dass der überaktiv ist beim ADHS. Das bedeutet, die haben dieses Jagdhormon, die schütten es auch ganz normal aus, aber es wird dann ganz schnell wieder weggepumpt. Das ist wie so eine Pumpe. Das heißt, die haben generell eher weniger Dopamin zur Verfügung, also in diesen Zellen, als jemand, bei dem das ganz normal funktioniert.
Und das macht aber auch was mit deren Gemüt. Also das heißt, die sind ein bisschen trauriger oder wie auch immer, also gedrückter in der Stimmung, wenn sie nicht aktiviert werden. Ganz genau. Ja, wir haben einen Grund, ein Grunddopamin zwischen den Nervenzellen rumschwimmen. Das ist so unsere Grundzufriedenheit, wie wir uns so wohlfühlen in unserem Körper.
Und wenn es eben sehr niedrig ist, dann fühlen wir uns so ständig unter Strom, wir müssen uns selber so aktivieren. Und Bewegung in dem Sinne ist ein Versuch des Gehirns, über den Körper wieder an Dopamin zu kommen. Also ein Kind mit Bewegungsdrang ist sehr oft ein Kind, wir reden jetzt wirklich von einem älteren Kind, jetzt reden wir aber nicht von so einem kleinen Kind.
Es ist wirklich ein Kind, was versucht, sich selber wieder mehr Dopamin auszuschütten, damit es sich besser anfühlt. Und wie kann ich das Kind dabei unterstützen? Zum Beispiel nicht, indem man das Kind jetzt, es gibt ja Lehrer, die dann auch den Kindern eine Pause verbieten, das Rausgehen in der Pause verbieten.
Vom Sportunterricht ausschließen. Genau, das wäre jetzt extrem kontraproduktiv. Das heißt, es gibt viele Dinge, die man nicht tun soll. Und Bewegung ist zum Beispiel etwas, wo man das gut unterstützen kann. Und da wissen wir also zum Beispiel dieses Buch von Dr. Hallowell, ADHD 2.0, das gibt es nur im Englischen, soweit ich weiß, ist eine wunderschöne Endzusammenfassung wirklich von 30 Jahren, die er sich damit beschäftigt hat, mit diesem Thema ADHS, der auch selbst eins hat und auch seine Frau und auch der einfach, der hat einfach eine extreme Lebenserfahrung zu diesem Thema.
Und er ist eben auch als Phänomen der Extremen schildert. Und da dieses Grundprinzip, das ich als Eltern, das sind wir jetzt auf der Software-Ebene, Also ich weiß jetzt, okay, mein Kind hat da jetzt was mit diesem Jagdbotenstoff. Es neigt dazu, wenn es irgendwo anbeißt und irgendwas cool findet, irgendein Game, dann kriege ich es da ja gar nicht mehr wieder raus.
Wenn ich das weiß, dann strukturiere ich den Tag anders. Aha, das heißt zum Beispiel? Ja genau, Dr. Hellewey sagt halt zum Beispiel, das finde ich so schön, als allererstes wirkt die Beziehung. Und das stelle ich mir irgendwie so wie so eine Zwiebel vor. In der Mitte steht die Beziehung zum Kind. Wenn ich irgendwie Training gebe, wenn ich ein Kind irgendwo im Hobbybereich sehe und das Kind merkt, ich mag das Kind, ist es viel kooperativer, als wenn ich denke, du kleiner Vollidiot, wann ist endlich diese Trainingsstunde vorbei?
Das muss ich ja nur zu denken. Dann spürt das Kind, dass die Beziehung, dass da irgendwas nicht stimmt. Und gerade Kinder mit ADHS sind echte Beziehungsdetektoren. Die haben so gute Antennen, die spüren relativ schnell, ob das Gegenüber es ernst meint mit allem oder ob das irgendwie so fake macht. Das heißt, wenn ich mich schon zu den Mathehausaufgaben dazusetze und denke so, oh Gott, du rastest doch eh nicht.
Ja, echt, du bist so hohl, jetzt endlich jetzt, alle anderen Kinder sind schon längst fertig, nur du nicht. Die Beziehung steht im Mittelpunkt, da dürfen wir nie dran rütteln, das ist unsere Basis. Wenn wir die haben, dann orientiert sich das Kind an uns. Das heißt, erster Tipp, intern einen Fanclub gründen und sagen so, du, Elke hat das mal so lustig gesagt, irgendwie so, du bist vielleicht ein Knallfrosch, aber du bist mein Knallfrosch.
Das finde ich wirklich sehr schön. Das ist schön. Ja, das ist schön. Ja, oder auch merken, okay, Beziehungsmomente. Das Einschlafen abends. Die Kinder erzählen was, dann nochmal die Füße zu massieren, nochmal zu krabbeln, einfach dabei zu bleiben, ausreden zu lassen, zu merken, oh, nach der Schule, ich hole dich ab, wir laufen zusammen nach Hause, wir sitzen im Auto nebeneinander.
Das sind Beziehungsmomente, die man nutzen kann, nicht um das Kind auszuquetschen wie eine Zitrone, um eine Neugier zu stillen. Wie war es denn, was hat denn der Lehrer? Sondern einfach zusammen, beisammen zu sein. Ja, mit dem Hund zum Beispiel so einen Spaziergang machen. Dieses Nebeneinander herlaufen, dieses Nebeneinander sein, Das hat eine totale Stärke, um diese Beziehung auch wirklich zu leben und zu pflegen.
Und dann kommt die Erziehung als nächste Säule der Zwiebel. Das heißt zu sagen, jetzt sind aber die Hausaufgaben dran, mein liebes Kind. Wir arbeiten bedürfnisorientiert, aber ich habe auch Bedürfnisse als Papa und ich will jetzt nicht die nächsten vier Stunden mit dir rumdiskutieren, wie die Hausaufgaben sind.
Wir haben jetzt eben Schule, du hast jetzt gespielt, wir haben jetzt was gegessen. Wir haben vielleicht sogar noch kurz ein Buch angeschaut und gekuschelt. Dann kommt aber die Hausaufgabenzeit ran. Und da sind wir in der Erziehungsebene. Insgesamt auf der Software-Ebene. Und da darf ich meinem Kind auch Grenzen setzen.
Da kann ich auch sagen, wir gehen erst zum Sport, wir machen erst was Cooles, wenn wir die Hausaufgaben gemacht haben. Und nutze gleichzeitig das Parkinson'sche Gesetz. Jede Aufgabe nimmt so viel Zeit in Anspruch, wie du ihr zur Verfügung stellst. Ist natürlich, hat alles seine Grenzen. Das kann auch wirklich total übertrieben werden. Aber wenn ich jetzt sage, hey, in der Viertelstunde, wenn wir das jetzt schaffen, danach können wir schön rausgehen auf die Straße und was spielen.
Angebote auch machen, die auch Alternativen sind zum Gamen und zum Zock. Dopamin zumindest in Aussicht stellen. Genau, weil da sind wir nicht auf der dritten Ebene und das ist das Management. Das ist die äußerste Schale. Wenn ich jetzt ein schlechtes Management betreibe und mein Kind kommt von der Schule und ich lasse es sofort ans Tablet und das macht jetzt einfach drei Stunden, was es will, entsteht ja auch oft aus einer Not heraus, weil die Eltern nicht anders können.
Also auch wieder gar kein Vorwurf, nur dass man dann auch versteht, warum, wenn das Kind dann diese zwei, drei Stunden dann eben am Tablet war, dann komplett zerstört ist und die Hausaufgaben noch schwieriger werden, habe ich ein Managementproblem. Das heißt, dann muss ich dieses Tablet verschieben. Ich muss sagen, wir machen das dann. Wir müssen nochmal einen anderen Zeitpunkt finden, auch mit den Kindern. Und da müssen wir uns als Eltern echt hinterfragen.
Meine Rolle als Papa ist die Rolle des Reisebegleiters. Und da gibt es Phasen, die sind anstrengend und da regnet es mal kurz und wir müssen da jetzt aber diese paar Kilometer jetzt durch bis zur nächsten Hütte. Wir können uns jetzt hier nicht verkriechen und der Hubschrauber kommt auch nicht. Tut mir leid.
Und das ist, um da nochmal ganz kurz reinzukriegen, das ist auch mit einem ADHS möglich. Das heißt, ich sollte nicht, weil ich kann mir vorstellen, dass dann viele Eltern so sind, ich weiß ja nicht, vielleicht hat es ja ADHS, vielleicht will es ja, aber kann nicht. Das heißt, ich fange jetzt hier an, so ein bisschen rumzupuscheln, sage ich mal und sage, nee, das hat mein Kind jetzt aber nicht geschafft, die Hausaufgaben und der war jetzt einfach zu müde.
Das würdest du als Psychiater oder als Kinderpsychiater nicht empfehlen? Super Frage, da kommen wir voll an den Kern, weil es darum geht, wie aktiviere ich denn jetzt so ein Gehirn von so einem kleinen Abenteurer? Wie kriege ich das hin, dass dieses Gehirn von Langeweile, dieses P da auf diese Seite zu schreiben, hin zu, oh cool, jetzt kann ich hier was machen, was ich cool finde.
Und das ist was ultra individuelles, da muss man mit den Lehrern sprechen und muss man das denen schildern und sagen, also wir haben jetzt hier eine Seite lang diese P's versucht zu schreiben und das war die absolute Katastrophe. Könnten wir verhandeln, dass mein Kind vielleicht die nächsten zwei Wochen lang nur zwei Zeilen schreibt, die aber wunderschön und sich da richtig Mühe gibt und dass wir das dann wieder ausdehnen?
Weil wir müssen uns als Reisebegleiter, wenn wir dieses Bild annehmen, ja auch vorstellen, wie unser Kind mal selber Reisebegleiter sein will. Und wenn es dann nur schafft, 200 Meter Touren vom Lidl zum Aldi zu machen und zum Netto und wieder zur Bushaltestelle zurück, dann habe ich, das ist jetzt meine persönliche Haltung als Papa, dann habe ich versagt.
Dann hat das Kind einfach keine Frustrationstoleranz gelernt. Es hat nicht gelernt, mal was durchzuhalten, mal was durchzustehen. Das heißt, wenn ich jetzt anfange, nur noch meinem Kind Ausreden zu geben und zu sagen, ja, das ist jetzt das ADHS, wir machen jetzt fünf Minuten und dann ist Feierabend, dann hast du es schon geschafft.
Dann verschiebe ich etwas später in die Erwachsenenzeit, die das Kind dann sehr, sehr schmerzhaft auf die harte Tour dann alleine lernen muss, als junger Erwachsener, dass Dinge einfach auch Frustration mit sich bringen. Und dass eine Frustrationstoleranz ist, was wir lernen müssen. Das ist für mich grundlegend, um später erfolgreich zu sein.
Und erfolgreich sein heißt ja nicht viel Geld zu verdienen, sondern mit seinem Leben irgendwie zufrieden zu sein, etwas zu tun, was man gerne macht. Das nenne ich jetzt erfolgreich sein. Und dass wir diesen Frust aushalten lernen müssen, aber dass wir uns klar sein müssen, dass sich Frust für ein Kind mit ADHS anders anfühlt, Langeweile sich anders anfühlt als für ein Kind ohne ADHS.
Das ist ja diese klassische Wartezimmersituation, wo die dann anfangen rumzuzappeln und dann die Eltern sagen, jetzt hör endlich auf, jetzt sei endlich mal ruhig, jetzt sei doch endlich mal still. Ja, dann mache ich da einen Deckel drauf, aber das funktioniert ja einfach fast immer nicht. Und insbesondere bei Kindern mit ADHS, weil die da eine neurobiologische Besonderheit haben.
Die sind da im Ungleichgewicht. Dieser Dopamintransporter pumpt da so schnell dieses Dopamin wieder weg. Die müssen sich jetzt wieder bewegen, damit da wieder ein bisschen Dopamin zwischen den Nervenzellen rumschwimmt. Die können in dem Moment nicht anders. Das heißt, da jetzt nicht zu streng zu werden, auch mit den Beinen aufhören zu zappeln und das darfst du nicht und jenes darfst du nicht.
Damit kommen wir in so eine Schieflage, dass wir dann die Beziehung aufs Spiel setzen zu dem Kind. Dann wird diese ganze Zwiebel ausgehöhlt und dann können wir auch nicht mehr erziehen und dann hilft das ganze Management auch nicht mehr. Beantwortet das die Frage oder bin ich jetzt zu weit abgeschweift?
Nein, alles wunderbar, damit kann ich umgehen. Nee, es ist ja auch, guck mal, es ist ja auch total komplex und alles geht ineinander. Also das habe ich auch schon im Vorhinein. Ich habe mich dann ja natürlich sehr damit auseinandergesetzt und für die Folge viel recherchiert, den Kurs mal durchgegangen.
Du hast auch ein Buch geschrieben, auch da habe ich nochmal drin gelesen, auch gerade diesen Zusammenhang mit Medien und ADHS. Also man kommt da ja auch, egal ob man ADHS hat oder nicht, man kommt vom Hundertstel ins Tausendstel, weil alles so ineinander verschränkt ist. Ich hoffe jetzt so ein bisschen, dass wir erstmal klar gemacht haben, okay, es ist kein Defizit an Aufmerksamkeit, sondern die Frage ist nur, wohin wird die Aufmerksamkeit gelenkt.
Und wenn ich das verstanden habe, verstehe ich ja auch, dass mein Kind nicht nicht kann. Sondern dass ich tatsächlich von außen ja irgendwo auch ein bisschen helfen kann, also es kann nicht, wenn es nicht will, aber etwas zu wollen ist ja manchmal auch eine Entscheidung oder ist ja auch eine Frage der Anreize, die ich da setze.
Was ist mit diesem ganz schnellen Dopamin? Ich glaube, dass viele Eltern dann auch anfangen aus der Not heraus und auch wieder, wer sind wir, um zu judgen? Ich glaube, die Not ist manchmal groß. Dann sowas machen wie, komm, ich stelle dir hier Schokolade hin zum Lernen oder danach darfst du dann Fernsehen gucken. Oder also, dass ich schnelles Dopamin anbiete, um harte Phasen zu überstehen.
Was hältst du davon? Finde ich gut, wenn man im Hinterkopf hat, was ich, also das ist ja wieder so, Also schnell ist du Familie, ist ja wieder auch so Management und so ein Software-Ding. Also da versuche ich ja wirklich dann mit dem Kind in der Situation eine Lösung zu finden. Finde ich gut, wenn ich die Grundlagen weiß.
Also es gibt ja von Rietzler und Grohlimund dieses Buch Clever Lernen. Es gibt auch ein Erfolgreich Lernen mit ADHS, da heißt das glaube ich. Aber ich finde dieses Clever Lernen so schön geschrieben, weil es auch extra für Kinder und Jugendliche geschrieben ist. Und daraus habe ich diese Gummibärchen-Challenge, dass man, wenn Kinder anfangen zu diskutieren, dass man so eine Motzzeit vereinbart mit dem Kind zum Beispiel.
Sagt, okay, fünf Minuten, Timetimer, jetzt darfst du mal erzählen, was ist los? Dann nicht darauf reagieren, sondern einfach mal, was ist alles blöd? Okay, hau mal raus. Damit gehen wir im Aktivitätsniveau ein Stück weit runter und kommen aus so einer Überaktivierung mal wieder in so ein Aktivitätsniveau, dass wir vielleicht arbeiten können.
Das ist doch super. Da habe ich einen Tipp, da habe ich eine Möglichkeit, da kann ich ein Tool anwenden. Ich weiß aber, wozu ich es anwende. Wenn ich jetzt diese Gummibärchen-Challenge mache, dann lege ich zehn Gummibärchen auf so ein Blatt und sage, okay, für jeden Meckerer in den nächsten zehn Minuten esse ich die einen Gummibärchen weg.
Die restlichen oder Schokotala oder Nüsse oder was halt bei dem Kind erlaubt ist. die Cranberries. Ich challenge dieses Kind. Da sind wir wieder bei dieser Grundfrage. Wie kriege ich das denn hin, dass ein Kind aktiviert wird und sich nicht zu Tode langweilt, dass sie trotzdem die Hausaufgabe macht? Weil wir wollen ja, dass unser Kind auch Frustration aushält und irgendwie vorwärtskommt.
So sinnvoll wird es in dem Moment finden oder nicht. Aber wir wollen ja trotzdem, dass das Kind jetzt irgendwie was lernt. Und dass ich es dann challenge, herausfordere. Und herausfordern sie dann, okay, und ich gehe davon aus, dass sie vielleicht zwei oder drei Gummibärchen wegessen lassen von den Erwachsenen.
Und dann strengen sie sich an. Und dann geben sie Gas. Und dann aktivieren sie ihr Gehirn. Für diese Gummibärchen. Wir haben eine extrinsische Belohnung. Das ist natürlich alles nichts, was uns auf lange Sicht hilft. Aber es ist wieder so auf dieser Management-Ebene. Es ist ein Tool, es ist eine Idee, mal wieder ein bisschen Beweglichkeit, Flexibilität reinzubringen.
Ja, da hat man Spaß. Und Spaß reinzubringen und zu sagen, das macht man ja nicht jedes Mal und immer. Und du kriegst dann gleich die ganze Packung Gummibärchen. Man lässt sich ja nicht bezahlen für die Hausaufgaben. Man bezahlt ja nicht für die Hausaufgaben. Aber so eine Idee zu haben, ja, wie könnte ich denn jetzt noch das rauskisteln?
Wie kann ich denn jetzt mein Kind aktivieren? Und ich setze mich dann auch einfach daneben, das Kind, und mache dann daneben für mich eine stumpfe, langweilige Aufgabe. Und dann fragt mich das Kind, was machst du da so? Oh ja, ich muss ja schon wieder irgendwas ausfüllen, ein blödes Formular und so. Und wir sitzen wieder nebeneinander, ja, Coworking Spaces.
Dann gibt es ja noch Möglichkeiten, mit Geräuschen auch zu arbeiten. Es gibt Kinder, die einfach in der Küche viel besser Hausaufgaben machen können, weil es Umgebungsgeräusche sind. Umgebungsgeräusche aktivieren wieder das Adrenalin im Kopf, also diesen Kampf- und Fluchtbotenstoff, gerade am Nachmittag.
Es gibt ja auch Leute, die in Cafés viel besser arbeiten können als zu Hause im stillen Stübchen. Dass man da so eine Flexibilität entwickelt und hinschaut, was funktioniert wann. Und natürlich nicht immer. Es ist ja auch so eine Achterbahnfahrt, dass man nicht sagen muss, es funktioniert immer und bei uns funktioniert alles immer super und toll.
Nein, es hat natürlich seine Phasen und es geht besser und es geht schlechter. Und dann auch den Lehrern rückzumelden, wir haben es eine Viertelstunde wirklich probiert, wir haben eine halbe Stunde probiert. Jetzt ist aber Schluss, ich habe es jetzt hier beendet, da auch mal gegenüber den Lehrpersonen Frust auszuhalten.
Dass die auch merken, oh, das ist jetzt vielleicht zu viel, das anpassen. Da sind die auch oft dankbar dann auch für ein Feedback, dass man nicht alles immer zu Hause macht und dann nach einem ganzen Schuljahr sagt, ja, Hausaufgaben sind bei uns immer drei Stunden. Und die Lehrer denken dann, oh Gott, das Kind, das hätte man ja nicht vorher, gewusst, hätte man das ja irgendwie angepasst.
Genau. Also ich finde das alles hochgradig spannend gerade. Bringt mich ein bisschen zu der Frage, wenn das alles nichts nutzt. Also wenn mein Kind immer noch einen wahnsinnigen Leidensdruck hat. Ich habe vielleicht eine Diagnose, ich habe alles versucht, ich habe das Kind begleitet oder ich habe es vielleicht auch nicht ganz so gut, weil ich bin ja auch jemand.
Ich bin vielleicht weniger geduldig, als ich das gerne wäre oder ich bin wahnsinnig beruflich eingespannt, weil ich eben den Lebensunterhalt hier verdienen muss und kann das gar nicht in der Form leisten. All diese Dinge spielen ja mit rein. So, wenn wir jetzt an einem wirklich, an so einer Sackgasse angekommen sind, finde ich nochmal eine wichtige Frage zum Ende hin.
Wie stehst du persönlich zu Medikamenten, wie zum Beispiel Ritalin? Das ist natürlich mit der Sackgasse ein hartes Bild. Da trifft man ja Eltern ins Herz. Wenn wir sagen, ich stehe mit meinem Kind in einer Sackgasse, dann verhindere ich eine Weiterentwicklung und dann reden wir immer von diesen offenen Fenstern, wo sich was entwickeln kann.
Und wenn wir das jetzt nicht hinbekommen, dann kommen wir zu spät. Und dann ist mein Kind für immer irgendwie verzögert. Und dafür sich persönlich mal den Druck rauszunehmen, dass mit diesen offenen Fenstern, da ist schon was dran. Aber Kinder und Jugendliche, die können so viel nachholen. Und wir können, und das ist gerade in der Kinder- und Jugendpsychiatrie, wir können und wir müssen, Gerade auch im Vergleich zur Kinderheilkunde, wir müssen den Bogen länger spannen.
Wir können nicht sagen, ich habe das in zwei Wochen wieder im Griff, ansonsten stecke ich für immer in der Sackgasse drin. Wir müssen diesen Bogen länger spannen und wir müssen auch Kinder beobachten, wenn wir merken, das hat sich jetzt ein halbes Jahr so entwickelt und wir müssen doch mal über den Schulwechsel nachdenken und wir gucken schon und wir sind ja dran, aber es geht dann das ganze Schuljahr.
Oder vielleicht braucht es ja auch dann nochmal Zeit, um wieder anzukommen woanders oder wieder in der Schule zu bleiben, Lösungen zu finden. Das ist ja wirklich was Multimodales. Wir haben ja das ganze Pädagogische gerade schon angesprochen mit dieser Zwiebel. Ich muss an meiner Beziehung mit dem Kind arbeiten. Ich muss ihm auch möglichst Zeit geben, dann Kontakte zu Jugendämtern suchen.
Ich muss mir finanzielle Hilfestellungen nehmen. Die haben ja wahnsinnig viele Unterstützungsmöglichkeiten. Die Jugendämter, Eltern denken ja zum Glück immer weniger, die wollen mir das Kind wegnehmen. Das ist ja zum Glück wirklich so ein Uralterruf, der jetzt zum Glück verloren geht, dass sie auch wirklich mal Hilfe annehmen, gucken, wo können wir uns jetzt eine Lerntherapie unterstützen, wo kriegen wir finanzielle Unterstützung.
Und wie können wir uns da irgendwie den Druck, die Anspannung aus dem System nehmen. Wen kann ich denn noch fragen? Und da kommen wir eben zu dem Punkt, dass wir jetzt pädagogisch, dass wir therapeutisch, dass wir ein soziales Umfeld haben, was so wohlgesonnen ist für dieses Kind. Und dieses Kind geht jetzt mit diesem Onkel in den Zoo und fängt nach einer Stunde an, nur alles an zu randalieren und rennt weg und man merkt so, alles, was wir tun, fruchtet nicht. Wir kommen nicht an den Punkt, dass es vorwärts geht.
Wir kommen nicht an den Punkt, dass das Kind wirklich was lernt. Wir kommen nicht an den Punkt, dass wir wirklich mit den Hausaufgaben, mit den Trieb, das Kind strampelt wie so in der Luft. Und dann sind für mich, das Nachdenken und das Ausprobieren von Medikamenten ist für mich was, was wirklich zwingend ist, weil eine Nichtbehandlung hat ja auch Nebenwirkungen.
Also wenn ich nichts gebe und nichts mache und einfach sage, bei mir war das ja früher auch so. Dann können wir das tatsächlich ein bisschen, es hinkt dieser Vergleich, aber mit einem Diabetes vergleichen. Warum gehen jetzt alle zum Hausarzt und lassen sich da mit dem Diabetes abchecken? Ja, weil es verdammt nochmal die Gefäße verstopft und weil es verdammt nochmal ganz viele Begleiterscheinungen mit sich bringt über die nächsten Jahrzehnte.
Und das ist beim ADHS eben auch so. Und ich will jetzt nicht mit der Angst spielen und nicht jetzt sagen, du musst da jetzt Medikamente nehmen, weil es ist ein Werkzeug, es ist ein Tool. Und es kann sein, dass es für eine Phase lang sinnvoll ist und dann wieder nicht sinnvoll ist. Man macht da Auslassversuche und man ersetzt damit ja gar nichts.
Das Medikament ist ja nicht der Ersatz für ein gutes soziales Umfeld und für eine wertvolle pädagogische Arbeit, aber ich sehe das so oft und auch die Datenlage ist so eindeutig, dass wir 80 bis 90 Prozent der Kinder und Jugendlichen sprechen gut auf die Medikamente an. Dass wir viel weniger Nebenwirkungen haben, als landläufig so bekannt ist.
Es ist ja oft so, wo kommen denn diese Nebenwirkungen her? Die kommen oft daher, dass eben Hausärzte aus einer Not heraus Kindern irgendwelches Ritalin verschreiben, viel zu hoch dosiert. Und es dann so ist, wie wenn ich dir ein Blutdruckmittel verschreibe und du dann nur noch auf der Couch sitzt. Aber dann habe ich von diesem Blutdruckmittel nicht so richtig Ahnung gehabt.
Und das sind oft die Nebenwirkungen, die dann so geschildert werden. Da kann man so gut mit arbeiten. Aber das müssten dann schon, sagst du, Kinderpsychiater dran und nicht ein Kinderarzt, der das irgendwie alle Jubeljahre mal die Situation hat. Also Kinderärzte sehen ja viele Kinder. Und Kinderärzte bilden sich ja auch weiter.
Was ich schon sagen würde, Kinderärzte können das genauso. Die kochen ja alle erst mal mit Wasser. Und das Wichtige ist hinzuschauen. Das Wichtige ist, dass man auch das begleitet. Das Wichtige ist, dass man auch die Eltern darüber aufklärt, dass man sich auch Zeit nimmt. Also ein ausgewildeter Kinderarzt kann das genauso gut machen.
Aber es erfordert Zeit, ausprobieren, die richtige Dosierung finden und so weiter. Hast du das mal ausprobiert? Also weil es gibt ja viele Leute, die sagen so, das macht die Kinder irgendwie so dumpf und matt und die sind gar nicht mehr sie selbst oder so. Jetzt hast du ja selbst ein ADHS, hast du das mal ausprobiert, um zu gucken, wie sich das anfühlt?
Ja, und das ist eine super Frage, weil ich da einfach auch wieder, also bei mir persönlich, aber auch auf Social Media, müssen wir einfach immer im Hinterkopf haben, dass wir von einer Person sprechen. Das heißt, wir nennen es ja eine N gleich 1 Studie. Das heißt, wenn ich mich jetzt auf Social Media breit machen würde und erzählen würde, wie toll Elvanse wirkt und was Concerta kann und was Ritalin und Medikinet oder was für ein Teufelszeug das ist.
Es ist immer eine Person mit einer Neurobiologie, auf die dieses Medikament trifft. Und wir haben keine Tests, die das vorher sagen können, ob es funktioniert. Deswegen bin ich überhaupt kein Freund davon. Es gibt ja auch so Leute, die es probieren, Studenten, die es auch nehmen. Und da haben wir mittlerweile Daten, die zeigen, wenn die kein ADHS haben, wenn die nicht diese neurobiologische Besonderheit haben, weil was macht denn das Medikament?
Das verstopft diesen Dopamintransporter. Das heißt, das Dopamin, was ausgespuckt wird, wird länger. Im synaptischen Spalt zwischen den Nervenzellen rumschwimmen können. Und das erhöht dann eben diese Grundzufriedenheit. Es ist ja ein aktivierendes Medikament. Wir geben ein Stimulant, so nennt man das als Überschrift.
Aber es stimuliert die Menschen mit ADHS nicht, sondern es entspannt sie erstmal. Und so ist es bei mir auch. Aber Leute, die eine Grundzufriedenheit schon haben, die würde es vielleicht auch überstimulieren dann? Nee, die würde das ein bisschen so Scheuklappen aufsetzen. Die denken dann, sie können gut lernen. Aber es ist dann eben so ein, wenn ich jetzt als Taxifahrer in London meine Adressen auswendig lernen möchte, dann könnte es vielleicht noch ein bisschen Effekt haben.
Sobald ich ein assoziatives Denken habe, ein Denken, was Verknüpfungen braucht. Brauche ich ein Denken, wenn ich jetzt kein ADHS habe und ich jetzt das Ritalin nehme und mich 18 Stunden damit in die Bibliothek setzen kann. Dann habe ich mir einfach Scheuklappen aufgesetzt. Aber es hat mich nicht effektiver lernen lassen, weil ich nicht assoziativ besser lernen kann.
Weil dafür brauche ich auch die Nächte. Dafür brauche ich die Repetition. Dafür brauche ich die Wiederholungen. Dafür brauche ich die verschiedenen Sinneskanäle und, und, und. Was gelesen habe, über was gesprochen zu haben und, und, und. Das ist das wirklich konstruktive Lernen. Aber jetzt sind wir ja beim Thema ADHS und auch beim Thema, wie fühlt sich das an? Und bei mir ist es auch so, es fühlt sich erst mal entspannend an.
Und deswegen sagen ja auch viele, Dopamin ist kein Glückshormon. Ich fühle mich damit nicht glücklicher, wenn ich das nehme. Und ich fühle mich damit jetzt auch nicht irgendwie happy und irgendwie sonst wie toll, sondern ich fühle mich einfach entspannter. Aber ich bin erwachsen und ich habe ein erwachsenes Gehirn. Das heißt, ich brauche eine andere Dosis, ich brauche vielleicht ein anderes Medikament.
Es fühlt sich bei mir anders. Ich frage jedes Kind und jeden Jugendlichen, wie fühlt sich das bei dir an? Wie ist das bei dir? Und es ist unterschiedlich. Das ist total unterschiedlich. Aber wenn es dem Kind nicht gut tut und wenn das Kind sich nicht wohlfühlt in seiner Haut, wir machen ja doch keine Kinder zu Zombies.
Was ist denn das für ein Vorwurf? Das ist echt haltlos, wenn du mich fragst, Kinder für die Schule irgendwie ruhig zu stellen. Absoluter Blödsinn, wenn du mich fragst, Sondern die Kinder sollen sich wohlfühlen, sollen im Unterricht sitzen können, die sollen entspannter daran teilnehmen können, wenn sie geärgert werden, da auch cooler drauf reagieren.
Und so ist es bei mir auch. Wenn ich das nicht spüren würde, würde ich es auch nicht nehmen. Und ich nehme es auch nicht immer. Und das ist der Unterschied schon, erwachsene Kinder, muss man da schon auch aufpassen, reden wir jetzt von einem pubertären Jugendlichen, vor pubertär, nach pubertär. Die haben einen ganz anderen Gehirnstoffwechsel als jetzt auch so ein 5-, 6-jähriges Kind oder eben auch ein Erwachsener.
Auch wenn man die Narkose-Ärzte fragt, die brauchen ganz andere Narkosemittel als jetzt erwachsene Menschen und dann sind ja auch Eltern, die sagen, ja ich habe das jetzt einmal ausprobiert. Ne, mein Kind kriegt sowas nicht. Dann frage ich, ja was haben sie denn bekommen? Ja Ritalin 50 Milligramm. Ja und irgendwie eindosiert oder irgendwie mal so ein bisschen langsam geguckt, ob es was bringt.
Ne, ne, ne, gleich 50. Das ist ungefähr so, als würde man jemandem, der noch nie Schaf gegessen hat, direkt eine Peperoni in den Mund stecken, meinst du? Ja, ganz genau. Der sagt sicherlich auch, er mag keinen Schaf. Spannend. Also ich finde ja, das ist so unglaublich interessant. Ich möchte noch mal einmal mich bei allen ein bisschen entschuldigen oder auch erklären, was ich nicht gemacht habe am Anfang und zwar aus ganz bewussten Gründen.
Ich habe nicht gesagt, Mensch Felix, erklär uns doch mal komplett, was da abgeht im Gehirn. Was ist überhaupt eine ADHS? Das habe ich ganz bewusst nicht gemacht. Du wirst wahrscheinlich sofort wissen, warum die anderen vielleicht nicht, weil es einfach hochgradig komplex ist. Und ohne Bilder und so weiter würde man das, glaube ich, nur sprachlich wirklich schlecht verstehen, was genau passiert. Und du hast es ja auch mehrfach angesprochen, es ist nicht nur das Dopamin, es ist nicht nur die Rezeptoren, wie auch immer. Das ist ein Zusammenspiel.
Deswegen habe ich das nicht gemacht. Ich glaube, da müssen wir nochmal klar sagen, okay, da gibt es dann Bücher, da gibt es dann eben Kurse, da gibt es ganz viel, wo man sich das ganz genau mal ansehen kann, was ist das ganz genau und was dann im Kopf passiert und was eben nicht so passiert. Das einmal kurz zur Erklärung, das haben wir nicht versäumt, sondern wir haben es extra ausgelassen.
Und was ich aber unbedingt nochmal kurz mit dir klären wollen würde, ist dieses, manche Leute sagen, okay, ja, entweder der hat ADHS oder der hat es nicht. Da habe ich direkt von dir gelernt, so einfach ist es nicht. Und das würde ich ganz gerne nochmal kurz hören. Es gibt eine Menge dazwischen. Ja, absolut. Und wenn wir von eindeutigen Dopamintransportern und Hypothesen sprechen, dann muss man einfach klar sein, dass 100 Menschen 100 unterschiedliche Gehirne haben, so wie wir alle unterschiedliche Nasen haben. Also das ist ja ultra individuell.
Und dennoch gibt es dort auch diese Überschneidungen. Und dennoch gibt es halt auch dieses ADHS vom ablenkbaren Typ oder eben vom hyperaktiv impulsiven Typ. Man merkt dann schon, dass es doch so Tendenzen gibt. Und bei diesen Tendenzen, da sprechen wir dann eben von einem Spektrum. Also es gibt, wir müssen, wenn wir eine Diagnose stellen und sicher sein, das ADHS ist gesichert.
Gut, dann müssen wir sagen, ja, es ist ein ADHS. Bei dem Nein müssen wir auch zugeben, dass es auch ein Jein sein kann. Also ein Verdacht auf ADHS oder ADHS-Merkmale. Das heißt, es ist nicht schwarz-weiß. Es ist nicht so wie schwanger oder nicht schwanger. Entweder ich habe es oder ich habe es nicht.
So funktioniert das halt nicht. Es ist ein Spektrum. Und wenn man sich unsere Gesellschaft anschaut, dann diese Verteilungsmuster, also wie viele Abenteuermerkmale haben wir denn, also wie viele ADHS-Merkmale, dann ist das wie so ein nach links verschobener Berg. Das heißt, die Mehrzahl der Gesellschaft hat weniger oder gar nichts mit ADHS am Hut. Das sind dann die sogenannten Siedler, so nenne ich sie gerne.
Und dann gibt es aber auch wirklich gar nicht allzu wenige, die ADHS-Merkmale haben. Eins, zwei, ja, und dass wir dann sagen, so ab drei, vier, fünf Merkmalen, okay, ab jetzt wird es sinnvoll, eine ADHS-Diagnose zu vergeben. Ja, da rangeln ja die Fachgesellschaften Jahrzehnte darum, bis wieder eine neue.
Sag ich mal, Diagnostik-Manual wieder rauskommt, um zu sagen, ja, okay, das sind jetzt die Diagnose-Kriterien für ein ADHS. Das machen die ja nicht aus einer Langeweile heraus oder weil sie so viel Zeit brauchen, sondern das ist ja auch wirklich ein Beobachten, ein Diskutieren, ein Feinschliff, ein Feintuning, da hinzuschauen.
Und das ist halt dieser Berg, der es nach links verschoben hat, aber rechts geht dann wie so die Rutsche runter. Also links wäre die Treppe sozusagen zur Rutsche hoch, da geht es halt steil hoch und nach rechts kippt es dann so flacher ab. Und da werden es halt immer weniger Menschen, die dann immer mehr ADHS-Merkmale haben.
Und da könnten wir auch eine ganze Folge drüber machen, dass wir sagen, warum werden denn jetzt immer mehr Menschen, die auch bei sich selber so ein ADHS sehen. Und da ist meine Idee, das ist jetzt ja immer alles noch sehr im Fluss und da sind wir auch noch am Überlegen. Aber meine Idee aus der Praxis ist einfach auch, dass Menschen mit ADHS-Merkmalen, die in einem Umfeld leben, die einen Lifestyle haben, wir hatten es von diesem schnellen Dopamin-Kicks und so, die eben das ADHS-System maximal herausfordern, dass diese Menschen dann auch schneller ADHS-Merkmale zeigen, die auch Auffälligkeiten bringen.
Also dass Kinder, die einen wahnsinnig intensiven Medienkonsum haben, dann eben auch Hyperaktivitätszeichen haben. Es ist ja was, was auch logisch, ist erstmal auf den ersten Blick. Und dass wir dann sagen, es ist eben ein Spektrum. Um dann zu sagen, aber es ist auch kein Spektrum wie so ein Wasserthermometer, was halt bei 100 Grad fängt das Wasser an zu kochen und wir haben halt ab 39 Grad Fieber.
Sondern es ist ein Spektrum eher wie ein Spinnennetz. Und dieses Spinnennetz hat verschiedene Bereiche. Das hat eben diese Impulsivität, das hat diese Hyperaktivität, das hat diese Ablenkbarkeit. Und dass wir dann diese Bereiche uns anschauen eher wie so eine Blume. Also sagen, diese Blume hat verschiedene Blätter und diese Blätter haben verschiedene Anteile, haben verschiedene Facetten, verschiedene Ausprägungen.
Und deswegen kennt man natürlich dann, wenn man ein Kind mit ADHS kennt, ein Kind mit ADHS, weil das hat seine ganz eigene Ausprägung. ADS wäre auch auf diesem Spektrum irgendwo zu finden, weil es eben quasi wie ADHS ohne diese Hyperaktivitätsanteile wäre. Ja, das hat man ja früher das Mädchen ADS genannt. Da weiß man mittlerweile, das ist total hinfällig.
Früher hat man das ADS ohne H und das ADHS mit H, also mit oder ohne Hyperaktivität genannt. Jetzt die neueren Diagnosemanuale gehen eher davon aus, dass wir eben so zwei Säulen haben. haben eher so diese hyperaktiv-impulsive Säule und eben diese ablenkbare Säule. Okay. Was wir sagen, es ist eher vom hyperaktiv-impulsiven Typ, ja, das ist eher diese Jungs, eher dieses klassische ADHS oder eher diese vom ablenkbaren Typ, das sind eher diese ADS.
Und da gibt es natürlich auch den Mischtyp und dann muss man natürlich genau hingucken, aber das ist so klassisch, aber das kann man so nicht mehr sagen, es gibt auch Jungs mit dem ADS und Mädchen mit dem ADHS, klar. Also wirklich, Felix, ich finde das so wahnsinnig spannend, weil das ja wirklich gerade so in aller Munde ist.
Es gibt ja so viele Erwachsene, die das jetzt dann auch im Erwachsenenalter diagnostiziert bekommen, die wirklich auch mit Kindern hingehen und merken, okay, die genetische Komponente, die kommt mir irgendwie bekannt vor. Also ich finde es unglaublich spannend, auch welche Funktionen, Menschen einnehmen können in der Gesellschaft, die vielleicht nur Merkmale haben, Anteile haben, wie die vielleicht auch als Botschafter zwischen den Siedlern und den HDHSlern auch hin und her switchen können und vielleicht da auch so eine ganz wichtige Funktion haben.
Ich finde das so, so spannend. Mein Gedanke ist jetzt erst mal, ich würde dich total gerne nochmal eine Folge einladen, wo es um Eltern mit ADHS geht, weil das stelle ich mir auch nochmal ganz spannend vor, weil Eltern sind ja, ich habe mal gehört, Eltern sein ist ADHS von außen. Ganz viele Tats, die immer offen sind.
Und ich glaube auch, dass Eltern, die keine ADHS haben, von den Tools und den Strukturen, die sich Eltern mit ADHS schaffen müssen, um zu überleben, auch ganz viel lernen können. Ich würde dich super gerne einladen. Vielleicht geht es euch auch so, dass ihr so eine Folge gerne haben wollen würdet. Dann schreibt uns da unbedingt nochmal Fragen. Also insbesondere wirklich zu diesem Thema Eltern mit ADHS.
Da würden wir uns super gerne nochmal an dich wenden, wenn wir dürfen, Felix. Gerne. Nur ich bin halt kein Erwachsenen-Psychiater. Aber du bist Elternteil und du hast ADHS. Der er ist und du kennst dich mit dem Thema an und für sich aus, deswegen würde ich das super gerne mal da deine Erfahrung auch einfach mal hören, wie das ist.
Also schreibt uns super gerne Fragen an Felix mit dem Zusatz, er ist kein Erwachsenenpsychiater, sondern er kümmert sich normalerweise um Kinder und Jugendliche. Wir würden dich da trotzdem gerne mal zu fragen. Ja, ansonsten kann ich wirklich nur sagen, es ist ein riesiges Thema. Ich lege allen deinen Kurs und auch dein Buch ans Herz. Wir vertecken das alles in unseren Shownotes auch nochmal, weil es ist so, es ist hochgradig komplex, es ist viel und Und man kann da wirklich viel drüber lernen.
Und du hast es auch sehr schön für Kinder aufbereitet. Also es gibt auch explizit einen Kinderkurs, der ist auch sehr niedrigpreisig, was ich sehr feier. So, dass man, ich weiß nicht, wie viel kostet das? Neun Euro oder so? Der Kinder- und Jugendkurs, neun Euro. So, dass auch Kinder und Jugendliche verstehen können, okay, wo bin ich ja eigentlich?
Also, was passiert da eigentlich in meinem Gehirn? Und das hast du sehr schön kindgerecht und auch grafisch sehr, sehr hübsch aufbereitet, so dass man das wirklich sehr, sehr gut angucken kann, auch als Erwachsener und da schon eine Menge mitnehmen kann. Dankeschön. Es gibt auch Elternkurse, es gibt auch für Fachleute Kurse.
Also schaut euch da gerne mal auf der Seite um, das ist richtig, richtig spannend. Und ja, ich bedanke mich für dein Fachwissen und für deine Offenheit und für alles, was du heute hier so mit uns geteilt hast. Vielen Dank. Gerne, ich danke dir auch. Dankeschön. Ja, für alle anderen, es geht am nächsten Donnerstag schon wieder weiter, dann natürlich wieder mit Elke Schicke.
Wenn ihr Fragen, Kritik, Anmerkungen habt oder eben auch Fragen zu unserer Eltern-ADHS-Folge, mit der wir jetzt Felix einfach mal überrannt haben, dann schreibt uns an podcast.eltern.de eure Fragen und für heute verabschieden wir uns. Bis dahin, lasst es.