
Food Crimes - Was schmeckt dahinter?
Ein Monster jagt Japans Lebensmittel-Bosse
Dienstag, 11. März 2025 · 1 h 04
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Shownotes
Am Sonntagabend des 18. März 1984 wird Katsuhia Ezaki, der Chef des japanischen Lebensmittelkonzerns Ezaki Glico entführt. Seine Entführer bringen ihn in eine Lagerhalle und halten ihn gefangen. Doch wie durch ein Wunder kann er sich befreien und zu seiner Familie zurückkehren. Die Entführung von Katsuhisa war nur der Anfang des Wahnsinns. Nicht nur für die Firma Glico, sondern für ganz Japan. Denn das "Monster mit 21 Gesichtern" hat es auch auf die Bevölkerung abgesehen.
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"Food Crimes - Was schmeckt dahinter?" wird produziert von Storyhouse Productions.
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Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin
Ein Mann, der nur mit Unterwäsche und einem Mantel bekleidet ist, steht am 20. März 1984 in einer Lagerhalle in Japan, unweit von Osaka. Hierher hatten ihn seine Entführer verschleppt. Doch irgendwie hat er es geschafft, sich von seinen Fesseln zu befreien. Er weiß, dass das jetzt der Moment ist, aus der Lagerhalle zu fliehen.
Doch wo ist er überhaupt? Und warten vor der Tür vielleicht böse Männer auf ihn? Aber selbst wenn, das ist seine einzige Chance, denkt er sich. Also stößt er die Tür der Lagerhalle auf. Draußen regnet es. Barfuß rennt er Bahnschienen entlang, in der Hoffnung auf jemanden zu treffen, der ihm helfen kann.
Sein Name ist Katsuhisa Ezaki. Er ist der Präsident von Ezaki Glico, einem der größten Lebensmittelkonzerne der Welt. Wird ihm die Flucht gelingen? Wer hat es auf ihn abgesehen? So viel sei verraten, am Ende wird jemand sterben. Das ist die Geschichte des mysteriösesten, faszinierendsten und seltsamsten Kriminalfall Japans.
Und der Täter, der als Mann mit den 21 Gesichtern in Erinnerung bleiben wird, schlägt nicht nur einmal zu. Music. Das ist Food Crimes. Was schmeckt dahinter? mit Florian Reza und Lili Temme. Und weil uns der beste Gast der Welt leider krankheitsbedingt absagen musste, sind wir heute nur zu zweit. Ja, und wir hoffen aber trotzdem, dass das nachgeholt wird, der Besuch in Bälde.
Und ich bin mega gespannt. Eine Entführung hatten wir ja bis jetzt noch nicht. Ja. Und ich verrate vielleicht nicht so viel, wenn ich sage, ich sitze auch gerade an einer Entführung. Oha. Für die nächsten Wochen, aber ich glaube, die wird ein bisschen anders. Noch nie gehört von diesem Fall. Den Namen noch nie gehört, die Firma noch nie gehört, den Mann mit den 21 Gesichtern noch nie gehört, aber ich liebe Entführungsgeschichten.
Ich bin richtig gespannt. Und ich liebe diesen Podcast, weil es ist auch, wenn ich das jetzt mal so sage, aber ich finde das so Hammer, in was für Welten man abdriftet, wenn man zu einem Fall recherchiert und was für Geschichten man kennenlernt und was für besondere, und natürlich auch schlimme, aber vor allen Dingen auch besondere Dinge so auf der Welt passieren und der heutige Fall beziehungsweise die heutige Folge ist auch eine besondere Folge, denn eine Hörerin hat mich auf diese Geschichte aufmerksam gemacht. An dieser Stelle liebe Grüße an Elli.
Weil das wäre tatsächlich jetzt meine Frage gewesen, wo du den gefunden hättest. Ja, sie hat mir geschrieben und mir gesagt, dass der eigentlich ganz gut passen würde. Ich habe ja gerade gesagt, der Fall oder die Geschichte ist besonders, sie ist auch besonders, Weil es geht ja heute um einen großen Lebensmittelkonzern und ich habe dir ein Produkt dieses Konzerns mitgebracht. Nicht im Ernst?
Wir starten also heute mal rein mit etwas, mit dem wir noch nie reingestartet sind und ich zeige dir jetzt erstmal das Produkt. Sehr gut. Hast du das extra bestellt? Das habe ich extra bestellt. Nein! Was? Okay, ich sollte schnell darüber reden, was ich hier in der Hand hatte. Nee, warte doch noch ein bisschen.
Das sind diese Mikado-Stäbchen, also diese Knusperstäbchen, die mit Schokolade umhüllt sind. Ich glaube, die Packung hat jeder schon mal gesehen, wahrscheinlich auch gegessen. Das ist so ein großer, runder Punkt. Wenn ich jetzt drüber nachdenke, dann ist das natürlich die japanische Flagge. Das ist ja crazy. Aber es gehört zur Marke Lou, oder? Nee, das sind die, die das in Europa vertreiben. Das gehört zur Marke... Glico.
Da steht es sogar. Glico, da steht es. Ist mir noch nie aufgefallen, dass das da drüber steht. Da achtet man ja auch selten drauf. Kann ich die aufmachen? Du solltest die aufmachen, weil wir wollen jetzt natürlich ein bisschen ASMR-Content generieren. Das ist diese Alufolie, die da drin ist. Jetzt nehme ich hier zwei, drei Stäbchen raus.
Die sind so lecker. Crunch-Geräusche liebe ich. Mir wurde mal vorgeworfen, dass alles, was knusprig ist, von mir so sehr geknuspert gegessen wird. Also ich kann auch Pommes oder Chips nicht normal essen, sondern ich esse die so. Ich muss ja sagen, ich hasse das, wenn Leute in Podcasts essen. Deswegen höre ich damit jetzt auch schnell wieder auf. Naja, gut.
Aber genau, das sind diese mit Schokolade. aber übrigens auch anderen Überzügen überzogenen Knusperstäbchen. Und die Firma Glico, dessen CEO ja heute entführt wird. Ja, den Namen bitte nochmal. Der wird ja wahrscheinlich nochmal öfters vorkommen. Von dem Geschäftsführer? Katsuhisa. Katsuhisa, mhm. Und die Firma Glico, dessen Chef Katsuhisa im heutigen Fall entführt wird, ist vor allem für das Produkt Pocky bekannt. Das ist die, so heißt es in Japan.
Und bei uns kennt man das als Mikado-Stick. Ach, witzig. Warst du denn schon mal in Japan? Nein. Okay, aber würdest du gerne mal? Ich sehe dich da schon. Doch, ich hätte da schon richtig Lust drauf. Ich finde vor allem Kyoto, ich finde das so verwunschen, so faszinierend, da würde ich gerne mal hin, diese alte japanische Hauptstadt.
Mich interessiert natürlich das Essen da tierisch. Ja, ja, total. Da hätte ich richtig Lust drauf. Und die Natur, zum Fuji würde ich super gerne mal. Und dann soll das ja alles sehr ästhetisch sein. Deshalb würde es mich auch reizen, obwohl ich ein bisschen Angst vor diesen riesigen Städten habe, weil ich war bis jetzt, was so Megastädte angeht, nur in New York und Los Angeles.
Und das ist ja kein Vergleich zu Hanschen-Koßstädten. Mal gucken. Ich bin sehr gespannt, wo die Geschichte heute hinführt und was der arme Mann eigentlich gemacht hat, beziehungsweise warum er entführt wurde. Ja, bevor es losgeht, kommt wie immer der Hinweis, dass alle Fotos, die wir heute besprechen bei Instagram unter Was schmeckt dahinter zu finden sind.
Abonniert gerne unseren Instagram-Kanal und diesen Podcast. Einfach auf Folgen klicken, am besten lasst ihr noch eine sehr gute Bewertung da, das hilft uns. Und ansonsten schreibt uns gerne, wie Elli dieses Mal, wenn ihr irgendwelche interessanten Fälle habt, die wir besprechen können. Es hat mich wirklich sehr gefreut. Nachdem wir das erste Mal darauf hingewiesen haben, habe ich sehr viele Nachrichten bekommen.
Die wurden direkt abgespeichert. Ich glaube, zu einem Fall, was wir eigentlich nie machen, müssen wir uns trotzdem einmal abstimmen, weil den habe ich, glaube ich, jetzt auch schon zwei- oder dreimal bekommen. Und ich gehe davon aus, dass du den auch bekommen hast, dass wir nicht zufällig dann am gleichen Fall arbeiten.
Aber jetzt geht's los. Katsuhisa Isaki ist im März 1984 42 Jahre alt und der Präsident von Glico. Die Firma befindet sich gerade in einer Übergangsphase, weil Katsuhisa erst vor zwei Jahren, also 1982, die Führung übernommen hat. Sein Vater Riichi Isaki, übrigens, ich bemühe mich die Namen richtig auszusprechen, aber entschuldige mich, falls ich das falsch mache, hatte das Unternehmen 1922 in Osaka in Japan gegründet, um Karamellbonbons herzustellen.
Bis heute ist die Firma ein riesiges Lebensmittelunternehmen, das seinen Hauptsitz in Osaka hat und seine Produkte auf der ganzen Welt vertreibt. Das Hauptgeschäft besteht in der Herstellung von Süßwaren wie Schokolade, Bonbons oder Eiscreme. Meldefinger. Ist Mikado das einzige Produkt, was es bei uns gibt von Glico?
Das, was am bekanntesten ist. Man kann in manchen asiatischen Supermärkten noch andere Produkte kaufen, vor allen Dingen auch die noch mit anderen Überzügen, aber das ist das, was. Okay. Was wir hier kennen. Ich habe ein Foto von Katsuhisa, dem entführten Geschäftsführer, mitgebracht. Das ist aus dem Jahr 1984.
Also, der ist ja 42 Jahre alt. Der ist aber eine wilde Haarpracht. Und der hat so eine verschobene Kotelette. Normalerweise geht so eine Kotelette ja am Ohr nach unten, aber seine biegt direkt Richtung Mund ab. Das ist, glaube ich, aber gewollt. Das ist wie so ein klemmener Headset, ne? Ja, stimmt. Wie so ein Klempner-Headset. Das ist halt ein Geschäftsmann.
Ähm, ja, also ... Mitte 40 ist er, ne? Ja, genau, so hätte ich ihn jetzt auch eingeschätzt. Er sitzt auf einer Pressekonferenz, vor ihm sind viele Mikrofone, er hat einen Anzug an, er hat wildes, wuschiges Haar, aber meine Vermutung ist, dass das nach der Entführung ist, weil er sieht ein bisschen durch den Wind aus, also im wahrsten Sinne des Wortes.
Und wenn er jeden Tag so rumlaufen würde, würde ich mir... Sorgen machen, wenn das dein Chef wäre, meinst du? Nein, aber japanische Geschäftsmänner, habe ich irgendwie ein anderes Bild, dass sie ein bisschen mehr put together sind. Also, dass sie so ein bisschen gestriegelt sind. Sie haben es mehr beisame für alle Leute, die jetzt dieses Denglisch nicht gestanden haben.
Ja, die sollen ja weniger Englisch reden, das stimmt. Okay, aber sieht erst mal sympathisch aus, finde ich. Aber ein bisschen gestresst, ein bisschen durch den Wind. Ein bisschen gestresst, auch ein bisschen getrieben, also aber nicht nur in dem Bild jetzt, sondern er wirkt ein bisschen wie ein Getriebener.
Katsuhisa ist ein vielbeschäftigter Mann, denn er leitet nicht nur das riesige Familienunternehmen und will das Vermächtnis seines Vaters fortführen, nein, er hat auch eine Familie, um die er sich kümmern muss. Zusammen mit seiner Ehefrau Mikieko, die 35 Jahre alt ist, hat er drei Kinder, zwei Töchter und einen Sohn.
Zusammen leben sie in einem großen Haus in Hyogo, nordwestlich von Osaka, das auf einem noch viel größeren Grundstück steht. Auf demselben Grundstück steht auch noch ein weiteres Haus, in dem seine Mutter wohnt. Das Grundstück ist umrandet von einer drei Meter hohen Backsteinmauer. Am Sonntagabend des 18. März 1984 ist Katsuhisa Isaki gerade mit seiner Familie von einer Hochzeit zurückgekommen.
Bevor er ins Bett geht, will er ein Bad nehmen. Das macht er häufiger, das entspannt ihn. Schließlich ist er der Präsident einer der größten Lebensmittelfirmen der Welt. Doch der Abend endet alles andere als entspannt. Denn gegen 21 Uhr stürmen zwei maskierte Männer ins Badezimmer. Die wussten auch, dass der im Badezimmer sitzt. Okay, wenn das so ein Ding ist für ihn.
Geil, dass das dein Gedanke gerade dazu ist. Mein andere Gedanke war, eine drei Meter hohe Mauer spricht für mich dafür, dass er das Gefühl hatte, er ist bedroht oder dass er Angst hatte, entführt zu werden. Ich meine, er ist sehr reich und auch nicht erst seit kurzem. Sein Vater ist ja schon der Gründer und Unternehmer gewesen.
Ich denke mal, das sind einfach Sicherheitsvorkehrungen, die du dann triffst. Ich weiß nicht, wie es ist, wenn man so reich ist, aber es leuchtet mir ein mit drei Meter hohen Mauern. Es stürmen jetzt also maskierte Männer das Bad. Sie sind etwa 1,70 groß und tragen weiße Masken. Sie bedrohen Katsuhisa mit vorgehaltenen Waffen und zwingen ihn mitzukommen.
Und ihr müsst euch das so vorstellen, dabei ist er nackt. Er lag ja in der Badewanne. Und in so einer Situation bist du ja eh schon mega verletzlich. Und dann stürmen da einfach zwei maskierte Männer in dein Bad und bedrohen dich und sagen, du sollst mitkommen. Das stelle ich mir schlimm vor. Darf man sich dann noch abtrocknen, weil sonst erkältet man sich doch auf der Flucht. Gute Frage.
Katsuhisa hat keine andere Wahl, als mitzukommen. Er soll sich ein Handtuch umlegen und wird dann gefesselt abgeführt. Das alles passiert vor den Augen seiner Familie, aber die kann nichts unternehmen, denn seine Frau und seine älteste Tochter sind ebenfalls gefesselt. Die Männer waren durch die Haustür reingekommen und trafen zuerst auf seine Frau und die Tochter.
Katsuhisas Ehefrau fleht die Männer an, sie in Ruhe zu lassen, sie würde ihnen auch Geld geben, aber der eine antwortet nur, seid still, Geld spielt keine Rolle. Nachdem sie die beiden Frauen gefesselt haben, schneiden sie jedes einzelne Telefonkabel, das sie finden, durch und bahnen sich den Weg durch das Haus, auf der Suche nach Katsuhisa.
Und seine Entführung gestaltet sich leichter als gedacht, denn ein nackter Mann in der Badewanne ist relativ ungefährlich. Katsuhisa wird jetzt also gefesselt aus dem Haus gebracht und in ein Auto gezerrt. Sie stülpen ihm einen Sack über den Kopf und fahren davon. Mit diesem Moment beginnt ein Albtraum, der fast eineinhalb Jahre andauern soll.
Anderthalb Jahre. Nach kurzer Zeit kommen sie an einem Lagerhaus an, in dem sie den 42-Jährigen festketten und einsperren. Sie geben ihm Unterwäsche und einen Mantel. Und dann wird es erstmal still um ihn. Zeitgleich schafft Mikieko, Katsuhisas Frau ist, sich aus ihren Fesseln zu befreien. Und sie ruft die Polizei, denn ein Telefon haben die Entführer übersehen.
Doch viel zu den Männern, die in ihr Haus eingedrungen und ihren Mann entführt haben, kann sie nicht sagen. Und wer einen Grund hätte, ihrem geliebten Mann und seiner Firma Glico zu schaden, weiß sie auch nicht. Als die Polizei beim Anwesen der Familie eintrifft, staunen sie nicht schlecht. Die Entführer sind mit einem Schlüssel ins Haus gekommen.
Das Merkwürdige daran, es gibt nur einen einzigen Ersatzschlüssel. Und der liegt im Nachbarhaus. Dem, in dem Katsuhisas 70-jährige Mutter Yoshi wohnt. Natürlich gehen die Ermittlerinnen und Ermittler sofort ins benachbarte Haus. Dort finden sie die ältere Dame. Auch sie ist gefesselt. Der Tathergang lässt sich für die Polizei leicht konstruieren.
Über eine Leiter sind die Eindringlinge auf das Grundstück gekommen und ins Haus der 70-Jährigen eingebrochen. Dort haben sie die ältere Dame überwältigt und den Schlüssel entwendet. Für die Polizei spricht alles dafür, dass es ein Insider gewesen sein muss, der die Familie gut kennt. Denn wieso sind die Einbrecher nicht direkt in Katsuhisas Haus eingebrochen?
Wussten sie womöglich, dass es im Gegensatz zum Haus der Mutter hochgradig gesichert war? Und woher wussten sie von dem Zweitschlüssel? Die Polizei setzt hier mit den Ermittlungen an, wer wusste überhaupt von der Existenz eines zweiten Schlüssels. Schlappe 640 Menschen sind daraufhin im Visier der Polizei. Was?
Tatsächlich? 640? So viele Menschen wissen von diesem Zweitschlüssel. Darunter sind 100 Familienangehörige, 100 Freunde, die ganzen Hausangestellten und mehrere hundert Menschen, die am Bau der Häuser beteiligt waren und davon etwas mitbekommen haben könnten. Ach so, weil die natürlich wissen, dass ein Schloss eingebaut wurde und der Schlüssel dann weitergegeben wurde.
Sechs. Das ist halt die erste Spur, die die aufnehmen. Ja, natürlich. Und das ist auch die naheliegendste Spur erstmal. Ja. Aber auch eine, bei der ich mir dachte, was für eine absolute Sisyphusarbeit ist das jetzt bitte. Ja, Sisyphusarbeit und auch beim 538. Noch so die Nuancen irgendwie rauszufinden, ob die Person jetzt irgendwie überrascht ist oder irgendwas verheimlicht. Ja, ich kann nur schon mal sagen, das ist nicht das Einzige, was komplett Absurdes getan ist in diesem Fall.
Also sie ahnen ja, ein Insider muss das sein. Was sie aber in diesem Moment nicht ahnen, noch in der Nacht der Entführung meldet sich der Entführer telefonisch bei einem von Katsuhisas Mitarbeitern. Fujio Hirotake ist der Direktor für Personalwesen bei Glico Und als er um 1.15 Uhr morgens vom Klingeln seines Telefons geweckt wird Erfährt er von einem Mann an der anderen Leitung, dass sein Chef entfüllt wurde.
Das war die gleiche Nacht, wo seine Frau dann bei der Polizei angerufen hatte? Ja, also die sind schon informiert, waren wahrscheinlich schon am Haus der Familie und dann in der Nacht zum nächsten Tag ist ein Mitarbeiter angerufen worden und hat zeitgleich eigentlich zu der Polizei erfahren, dass sein Chef entführt wurde.
Jetzt frage ich mich, warum rufen die bei der Firma an und nicht bei der Familie? Weil du hast noch nichts von einem Lösegeld gesagt. Weil das war ja sozusagen das Naheliegendste, dass die einfach Lösegeld wollen. Wenn die jetzt aber bei dem Unternehmen anrufen und das Unternehmen erpressen, davon gehe ich jetzt mal aus, dann wollen sie vielleicht was anderes.
Das wäre jetzt tatsächlich meine Frage an dich gewesen, was du glaubst, was die am Telefon sagen. Das müsste ja dann eine andere Konkurrenzfirma sein oder ein Zulieferer, der mit den Preisen nicht zufrieden ist. So Brainstorming went wrong, dann einfach irgendwann sagt, lass uns den doch entführen. Und dann hat sie gesagt, ja, lass mal voll machen. Und dann hat halt irgendwie so ein Ingo angefangen, das zu planen, um sich irgendwie vor dem Chef gut darzustellen.
Spannender Gedanke, aber nee. Ja, wahrscheinlich nicht. Magst du mir das jetzt schon sagen, ob es ein Lösegeld gibt? Ja, gab es. Okay. Also, das war die Forderung. Es wird um Geld gehen. Es wird um Geld gehen. Wie viel Geld denkst du denn verlangen die? Das Ding ist, bei so einer Entführung, die muss sich ja lohnen. Klar, das ist alles, was man halt denkt, wenn man jemanden entführt. Richtig, das muss sich erstmal lohnen.
Naja, 20 Mille, Millionen. 20 Millionen? Okay, ja gut. 10 Millionen. Der Entführer von Katsuhisa fordert Geld. Ansonsten würde Katsuhisa etwas zustoßen. Umgerechnet fordert er ca. 4,5 Millionen Dollar. Okay. Und 100 Kilogramm Gold in Form von Goldbarren. Also auch nochmal eine beachtliche Summe. Ja, ordentlich.
Und er fordert, dass der Mitarbeiter niemandem etwas von dem Anruf erzählen darf. Er darf auf keinen Fall die Polizei einschalten, die Übergabe des Geldes soll so schnell wie möglich noch am nächsten Tag stattfinden und die einzige Person, die informiert werden darf, ist der Finanzchef der Firma. Der soll das Lösegeld klar machen.
Und dann soll Fujii Hirutake am nächsten Tag nachmittags an eine öffentliche Telefonzelle in der Stadt kommen, um weitere Informationen zu erhalten. Jetzt rate mal, was der Mitarbeiter macht. Der Fujii? Der erste Impuls ist ja, die Polizei anzurufen. Das darf er aber nicht. Das heißt, er wird sich, glaube ich, mit dem Finanzchef kurzschalten, weil das ist ja auch der einzige, mit dem er jetzt gerade in diesem Konstrukt reden darf und sich mit dem austauscht, ob sie das vielleicht machen.
Aber du kannst ja nicht einfach in so einem Unternehmen einfach mal 4,5 Millionen irgendwo hinüberweisen. Da kommen ja Fragen auf. Ja und man hat doch auch Angst. Ja natürlich. Oder man weiß ja auch gar nicht, ob das stimmt. Also da ruft dich ja einfach irgendein wildfremder Typ nachts an und sagt, ich hab deinen Chef, gib mir 4,5 Millionen und 100 Kilogramm Gold.
Ja, aber du reagierst ja nicht rational in dem Moment, denke ich mal. Meinst du nicht? Nein, deswegen glaube ich ist sein erster Impuls, den Kollegen anzurufen und mit dem zu besprechen, was Sache ist, was Phase ist. Würdest du in so einem Moment dann bei der Polizei anrufen, wenn dir explizit verboten wurde, da nicht anzurufen?
Also ich glaube, ich würde zuerst wahrscheinlich meine Mutter anrufen. Mami. Ja, dann zahl doch. Wenn ich ehrlich bin, würde ich glaube ich, oder mir eine sehr nahestehende Person uns fragen oder sagen, also Hilfe, kurz runterkommen und dann würde ich die Polizei anrufen, ja. Okay, also doch. Ich glaube nicht, dass er das gemacht hat. Hat er aber. Ja.
Er hat nicht seine Mutter angerufen, aber er hat die Polizei eingeschaltet. Und zusammen schmieden sie den Plan, das Lösegeld bereitzustellen und die Anweisungen des Entführers zu befolgen. Aber sie verwandzen die Telefonzelle, mischen Tracking-Geräte unter das Geld, um mögliche Bewegungen nachverfolgen zu können und markieren die Geldscheine.
Am 19. März, also am Tag nach der Entführung, fährt Fujii Hirutake nachmittags mit einem Van zur vereinbarten Stelle an die Telefonzelle. Dann soll das Geld übergeben werden. Und Katsuhisa soll wieder freikommen. Der Van steht jetzt vor der Telefonzelle. Gegen 18.09 Uhr klingelt hier das Telefon. Der Mitarbeiter von Glico nimmt ab. Aber am anderen Ende ist nur Stille.
Und schon nach ein paar Sekunden ist der Anruf beendet. Und auch danach tut sich nichts mehr. Die Übergabe ist gescheitert. Was war das denn? Hatte sie jemand beobachtet? Oder gab es einen Maulwurf? Die Behörden ermitteln jetzt in alle Richtungen. Nichts und niemand kann ausgeschlossen werden. Ist es jemand aus Katsuhisas Familie? Oder vielleicht sogar jemand von der Polizei?
Oberste Priorität hat es jetzt, Katsuhisa zu finden. Und zwar so schnell wie möglich, denn der Fall dringt schnell an die Öffentlichkeit und sorgt für große Aufregung. Einer der bekanntesten und reichsten Männer des Landes wurde entführt. Die Täter sind auf freiem Fuß und die Polizei hat keine Spur. Hey, vielleicht ist es auch jemand aus dem Unternehmen.
Da ist diese Schlüsseltheorie ein bisschen schwierig. Wie hat die Person von dem Schlüssel erfahren? Aber die Person wusste möglicherweise, dass er gerne ein Bad nimmt, wann er anfällig ist. Die Person wusste dann auch, wen man im Unternehmen kontaktiert. Ist auf jeden Fall ein Gedanke, den wir nochmal aufgreifen können, weil natürlich werden auch Leute im Unternehmen verdächtigt, beziehungsweise es wird einfach in alle Richtungen ermittelt.
Und das war am Tag danach? Ja, am Nachmittag danach, beziehungsweise am Abend danach. Das ging schon relativ zackig, ne? Mhm. Okay. Auch das Geld und das Gold war ja bereit, ne? Ja. Also irgendwo lagen 100 Kilo Goldbarren rum. Wissen wir, was Katsuhisa für ein Mann war? Nicht so richtig. Außer, dass er, nee, ehrlich gesagt nicht, das sind alles nur Vermutungen. Ich konnte über ihn nicht so viel herausfinden.
Ob er sich vielleicht auch Feinde gemacht hat, hätte mich jetzt interessiert. Was man weiß ist, dass es keine Anhaltspunkte dafür gibt. Also die Familie kann sich keinen Reim darauf machen, die Polizei kann sich keinen Reim darauf machen. Es gibt keine Menschen in seinem Umfeld, denen man zutrauen würde, dass sie ihm was antun wollen.
Der einzige Punkt ist, er ist reich. Ja. Ja, okay. Währenddessen sitzt Katsuhisa seit 48 Stunden gefesselt in dem Lagerhaus. Aber immerhin, seine Entführer geben ihm etwas zu essen und zu trinken. Und während draußen in der Welt, in der Katsuhisa ein freier Mann war, alle am Rad drehen und ihn suchen, wird es im Lagerhaus immer ruhiger.
Denn zwei Tage nach seiner Entführung, am Abend des 20. März, hören seine Entführer plötzlich auf, ihn in der Halle zu besuchen. Katsuhisa findet das beunruhigend. Schon seit mehreren Stunden war niemand mehr nach ihm gucken. Und hören kann er auch nichts. Ist das eine Falle? Doch er weiß, dass er jetzt handeln muss, wenn er freikommen will.
Und irgendwie schafft er es, nach stundenlangen Versuchen, sich aus seinen Fesseln zu befreien. Und plötzlich steht Katsuhisa, der nur Unterwäsche und einen Mantel trägt, befreit in der riesigen Lagerhalle. Aber, das muss man sich ja erstmal vorstellen, der weiß ja überhaupt nicht, wo er ist. Geschweige denn, wie es draußen aussieht und ob da jemand ist.
Nur weil drinnen niemand ist, heißt das nicht, dass draußen nicht vielleicht schwer bewaffnete Männer auf ihn warten. Aber er weiß, dass das jetzt seine einzige Chance ist, wenn er fliehen will. Mit aller Kraft schafft er es, die Tür der Lagerhalle aufzubrechen. Draußen regnet es. Ansonsten sieht er nicht viel. Keine Menschen, keine Autos, kein gar nichts.
Er ist in the middle of nowhere. Und er hat ja nur Unterwäsche und einen Mantel an. Aber er entdeckt Bahnschienen. Und ihm ist klar, wenn er die entlangläuft, wird er früher oder später auf Menschen treffen. Und so ist es auch. Er kommt durch Nest an eine Bahnstation und bittet die Mitarbeitenden dort, ihm zu helfen.
Die denken im ersten Moment, dass der Mann, der da barfuß auf sie zukommt, Alkohol- oder Drogenkrank sein muss, so wie er aussieht. Aber Katsuhisa erzählt ihnen, was passiert ist, dass er entführt wurde, wer er ist und dass er seine Familie anrufen muss. Genau, ja, ja, setzen sie sich erstmal. Barfuß, ne? Ja. Boah, da sieht man immer wieder, wozu der menschliche Körper eigentlich in der Lage ist, wenn er muss.
Ja, ich finde das so krass, sich vorzustellen, dass man irgendwo eingesperrt war. Nicht weiß, wo man ist. Vielleicht mitbekommen hat, man ist jetzt nicht drei Stunden lang Auto gefahren, aber man weiß ja auch wirklich nicht. Ich glaube immer, oder ich habe mich schon häufiger vorgestellt, wenn ich jetzt entführt werden würde, zum Beispiel aus unserem Büro, wo wir gerade sitzen, und dann losfahren würden. Ich glaube, ich könnte schon noch ein bisschen einschätzen mit verbundenen Augen, wo lang das Auto fährt, aber irgendwann hört das ja auf.
Ja, und vor allem aus Berlin raus weiß man halt sehr lange, irgendwann sitzt man halt in Brandenburg. Und dann weiß man ja, dann ist es vorbei. Und dann ist es vorbei. Weil Brandenburg überall gleich aussieht, wie wir wissen, ist es dann relativ schwer, wieder Zug zu finden. Aber vielleicht war er auch ein sehr guter Geogässer. Vielleicht war er ein Geogässer. Vielleicht war das sein Hobby, von dem wir noch nichts wissen.
Nee, und dann bist du barfuß draußen, auch unter Adrenalin. Ich finde das wirklich so mutig, die Tür aufzustoßen. Und dann kann da draußen ja wirklich jemand sein. Ja, aber wenn sie ihn hätten umbringen wollen, dann hätten sie ihn ja zu dem Zeitpunkt wahrscheinlich schon umgebracht. Ja, aber es sind ja erst zwei Tage vergangen.
Der Mann kann sich ja denken, dass sie vielleicht Lösegeld wollten, dass das ein bisschen dauert. Ich meine, er hat zu dem Zeitpunkt ja nichts zu verlieren, weil wenn er die Tür aufstößt und dann stehen da irgendwie zwei Männer draußen, die ihn dann irgendwie wahrscheinlich sehr grob wieder zurück in diese Halle da färchen, dann ist das, glaube ich, das Maximum.
Ich glaube, er wird ja zu diesem Zeitpunkt nicht umgebracht. Ja. Also er ist an der Bahnstation angekommen und ruft dann tatsächlich seine Familie an und die kann es gar nicht fassen. Er hat sich selbst befreit, er steht barfuß an einer Bahnstation, das muss ein Scherz sein. Auch die Polizei kann es kaum glauben. Doch es ist kein Scherz.
Katsuhisa ist frei und kehrt drei Tage nach seiner Entführung zu seiner Familie zurück. Der Vater und Chef der Süßwarenfirma Glico ist wieder da. Aber das wäre ja nicht Foodcrimes, wenn der Fall hiermit vorbei wäre. Denn was nach seiner Rückkehr passiert, ist an Absurdität wohl kaum zu überbieten. Die Entführung von Katsuhisa war nur der Anfang des Wahnsinns.
Nicht nur für die Firma Glico, sondern für ganz Japan. Was ich dich eben noch fragen wollte, also ich meine, man kann sich nicht vorstellen, wie man sich fühlt, wenn man entführt wird, aber... Wenn du da gefesselt irgendwo sitzt und merkst, hier kommt seit Stunden niemand, dann habe ich mir so gedacht, dann weckt man ja wahrscheinlich ab, mache ich jetzt was, mache ich jetzt nicht was und ich würde immer denken, okay, aber in einer Sekunde wird jemand kommen.
Also nur weil jetzt vielleicht die letzten Stunden niemand da war, also irgendwann muss ja jemand kommen. Ich würde, glaube ich, wahnsinnig lange warten. Hm. Ich, ja, ja, ich weiß, was du meinst. Ich musste gerade in dem Zusammenhang auch noch daran denken, dass wir Handysüchtigen natürlich wahrscheinlich auch erstmal mit dieser Situation komplett überfordert sind, einfach da zu sitzen und keine Ablenkung zu haben.
Dass man mal wieder mit seinen eigenen Gedanken konfrontiert ist. Und auch kein Gefühl für Zeit hat, ne? Ja. Und am Ende ist es ganz schön. Man freut sich, dass man entführt wurde. Alles klar. Meinst du, er ist dann nochmal so richtig so in sich gekehrt? Nein, wir sind ja in den 80ern, aber ja, ich weiß, was du meinst, wann schlägt man dazu?
Auf der anderen Seite, das klang jetzt so, als hätte er relativ lange versucht, sich zu befreien und diese Fesseln da zu sprengen. Okay, ich habe mehrere Gedanken. Entweder wird er jetzt wiederentführt, was komplett absurd wäre, oder andere reiche japanische Personen werden entführt, weil wir wissen ja, es geht um den Mann mit den 21, 22 Gesichtern.
Bis jetzt kennen wir noch kein Gesicht, außer, dass sie weiße Masken hatten, die Menedin entführt hatten. Ich bin sehr gespannt, so gespannt, dass ich es sogar zweimal gesagt habe. Das mag was heißen. Dann will ich dich nicht länger auf die Folter spannen. Es scheint, als kehrte Ruhe ein bei Katsuhisa und seiner Firma Glico.
Sie alle müssen sich von dem Schock zwar erstmal erholen, aber nach zwei Wochen geht der normale Arbeitsalltag wie gewohnt weiter. Bis die Firma Glico zwei Wochen nach Katsuhisas Entführung einen ominösen Brief erhält. In dem steht, dass die Entführer Katsuhisas Familie etwas antun wollen, sollten sie kein Geld bekommen.
Außerdem sind in dem Brief Ort und Zeit für eine erneute Übergabe enthalten. Katsuhisa soll in den nächsten Tagen eine Zeitungsannonce schalten, die bestimmte Schlagworte enthalten muss, als Zeichen dafür, dass er den Brief erhalten hat und einer Geldübergabe zustimmt. Die Polizei dürfe nicht eingeschaltet werden.
Katsuhisa schaltet diese Annonce und er schaltet natürlich die Polizei ein. Und die will dieses Mal besonders vorsichtig vorgehen. Als es dann ein paar Tage später soweit ist, die Geldübergabe scheint in trockenen Tüchern, diverse Polizisten sind positioniert, alle bereit, den Erpresser zu schnappen, passiert wieder nichts.
Niemand kommt das Geld abholen. Gegen 21 Uhr gibt die Polizei auf. Die nächste Mission ist gescheitert. Am nächsten Tag, es ist jetzt der 9. April 1984, gehen mehrere Briefe bei unterschiedlichen japanischen Zeitungen ein. Sie alle haben denselben Inhalt. Und in den Briefen steht, Zitat, An die japanische Trottelpolizei.
Seid ihr alle dumm? Was macht ihr verdammt nochmal mit eurer ganzen Manpower? Ihr habt ein zu großes Handicap. Darum gebe ich euch einen Hinweis. Wir sind keine Mitglieder von Katsuhisas Familie. Wir arbeiten nicht bei Glico. Wir gehören nicht zur Polizei. Nachdem ich euch das gesagt habe, müsstet ihr doch in der Lage sein, mich zu schnappen, oder? Wenn nicht, seid ihr nur Steuerdiebe.
What the fuck? Vor allem, wenn die Person, die das schreibt, genau weiß, dass das die Vermutungen sind, heißt das ja eigentlich, dass die Person jemand im Inneren hat. Davon ist auszugehen, ja. Was ist die Motivation? Also neben dem Geld. Weil wenn sie nur das Geld haben wollen, warum funktioniert denn die Übergabe nicht?
Die Polizei wurde ganz offensichtlich wieder beobachtet. Und jetzt wird sie von dem dreisten Kidnapper auch noch verhöhnt. Doch bevor die Polizei die nächsten Schritte unternehmen kann, überschlagen sich die Ereignisse. Am nächsten Morgen, am 10. April, bricht ein Feuer in Katsuhisas Firma Glico aus.
Einige Mitarbeiter versuchen das Feuer zu löschen, doch als die Feuerwehr eintrifft, kann sie nichts mehr tun. Das Gebäude brennt komplett nieder. Verletzt wird niemand. Ein paar Stunden später brennen mehrere Autos in der Nähe der Firmenzentrale nieder. Schnell ist klar, es war Brandstiftung. Wer es war, das weiß niemand.
Die Entführung von Katsuhisa, die geplatzte Lösegeldübergaben und die Brände haben verheerende Folgen. Der Aktienpreis von Glico sinkt um 10 Prozent. Doch nicht nur das belastet Katsuhisa, denn auch seine Mitarbeiter und die japanische Bevölkerung werden jetzt bedroht. Die japanische Bevölkerung, also gleich das ganz große Besteck.
Ja, ich sag dir auch wie. Sehr gut. Knapp eine Woche nach den Bränden wird in einem der Glico-Gebäude ein mit Salzsäure gefüllter Behälter gefunden. Darauf eine Notiz mit der Drohung, die Salzsäure lande bald auf Mitarbeitern von Glico. Es erhalten jetzt auch immer mehr Mitarbeiter Briefe von dem Entführer.
Allen wird gedroht und die Polizei ist ratlos. Sie befragen Tausende von Menschen, gehen jeder noch so kleinen Spur nach. Nichts. Und der Erpresser? Die sagt sie immer weiter. Die Polizei und die japanische Presse erhalten immer wieder Briefe. Sie alle fangen an mit an die dumme Polizei. Und wer auch immer hier sein Unwesen treibt, hinterlässt keine Spur.
Im Gegenteil, er scheint ihnen immer einen Schritt voraus zu sein. An diesem Punkt glaube ich jetzt, dass es jemand intern von Glico war. Weil woher willst du auch wissen, wo diese ganzen Menschen wohnen, wenn du die zu Hause terrorisierst? Vielleicht haben die auch über die Arbeit diese Briefe erhalten, das weiß ich jetzt nicht so genau. Okay. Aber ja, der Verdacht liegt nah.
Und was auch noch dazu kommt, ist, wenn du nicht nur den Chef, sondern die ganze Belegschaft terrorisierst, dann hast du wahrscheinlich auch irgendwie ein Problem einfach mit diesem Unternehmen an sich. Ja, sollte man meinen. Okay. Ein Monat später, im Mai 1984, drohte er Presser in Briefen, die er an Medien und die Polizei schickt, damit mit Cyanid versetzte Packungen der Süßwaren von Glico in Supermarktregale zu stellen. Er will Menschen vergiften.
Unterzeichnet wird der Brief mit Das Monster mit 21 Gesichtern. Zum ersten Mal gibt es einen Namen, also keinen, mit dem man was anfangen könnte, aber bisher waren die Briefe mit gar nichts unterzeichnet worden. Der Name, so vermuten viele, wurde aus den Werken des japanischen Krimi-Autors Rampo Edogawa, ein Fantasiename, übernommen.
Rampos richtiger Name war Hirae Tairo. Sein gewähltes Pseudonym war eine Japanisierung von Edgar Allan Poe. Rampo gilt als Begründer der modernen Kriminalliteratur in Japan. 1936 veröffentlichte er eine seiner bekanntesten Geschichten über einen Gestaltswandler und Dieb als Antagonisten mit dem Titel Der mysteriöse Mann mit den 20 Gesichtern.
Aha, okay. Also es war nicht auf seine Verwandlungen bezogen oder seine unterschiedlichen echten Gesichter, sondern eine Referenz. Okay. Leider kenne ich diese Geschichte nicht. Um jetzt mögliche Parallelen zu ziehen oder zu überlegen, hat er vielleicht diese Geschichte oder diesen Namen ausgewählt, um auf sein Verhalten Rückschlüsse ziehen zu lassen? Nein, also sonst würde ich mehr auf diese Geschichte eingehen.
Das wurde natürlich von der Polizei unternommen, ob man da irgendwelche Schlüsse ziehen könnte. Das hat alles zu nichts geführt. Die hatten ja auch noch 638 andere Personen zu verantworten. Jetzt ist also dieser Drohbrief eingetroffen, dass Glykosüßigkeiten vergiftet werden sollen und es kommt, wie es kommen muss. Massenpanik bricht aus.
Glyko zieht Produkte im Wert von schätzungsweise 21 Millionen Dollar in ganz Japan zurück. Das ist ein schwerer Schlag für das Unternehmen. Die Verkäufe für diesen Monat brechen um die Hälfte ein. Der Aktienkurs bricht noch weiter ein und daraufhin müssen hunderte Mitarbeitende entlassen werden. Doch bei all den schockierenden Nachrichten gibt es auch eine gute.
Keine einzige vergiftete Süßigkeit wird gefunden. Ich habe noch einen Gedanken. So viele Fragen wie du hast, hatten glaube ich damals alle. Und auch die Polizei. Weil du jetzt gerade so ein bisschen sehr auf dem Aktienkurs rumreitest. Vielleicht war das von Anfang an der Plan, dass er wieder fliegen konnte, dass er sich in Sicherheit gewogen hat.
Weil da ist ja der Aktienpreis auch ein bisschen gedroppt. Jetzt droppt er immer weiter. Dass da jemand die Aktien geschortet hat und darauf gesetzt hat, dass der Kurs sinkt und somit im Grunde das Geld wieder reinzuholen. Das ist auch eine sehr smarte Idee, die kannst du dir auch nochmal für später merken. Alles klar.
Das ist schon die zweite Fußnote. Die erste habe ich schon wieder vergessen. Ich auch, wie immer. Während das alles vor sich geht, hören die Briefe vom Monster mit 21 Gesichtern nicht auf. Die meisten dieser Briefe richten sich an die Polizei, die immer wieder als dumm und inkompetent bezeichnet wird.
Die Briefe werden zum charakteristischen Merkmal dieses Falls, aber selbst bei ihrer Häufigkeit bieten sie keine Hinweise auf die Identität des Monsters. Sie sind alle mit der Schreibmaschine geschrieben. Das Einzige, was die Polizei rauslesen kann, ist, dass der Täter aus Osaka stammen muss, denn sie sind alle in einem lokal benutzten Dialekt geschrieben. Ach, witzig.
Nein. Ich habe mir direkt natürlich vorgestellt, so Drohbriefe ob Kölsch. Doch dann scheint es einen Durchbruch zu geben. Auf Bildern einer Überwachungskamera wird ein Besucher eines Supermarkts bei dem Versuch gefilmt, wie er Süßwaren von Glico in ein Ladenregal legt. Und davon gibt es auch ein Foto. Nein.
Ich muss vielleicht dazu sagen, es ist in wahnsinnig schlechter Qualität. Ja, aber es ist ja eine Überwachungskamera. Haha. Also ganz ehrlich, anhand dieser Kotelette würde ich mal sagen, das ist gar nicht mal so weit von Katsuhisa entfernt. Und ich glaube, das ist auch das Einzige, was man da jetzt wirklich sinnvoll erkennen kann.
Ich meine, er hat schwarze Haare, okay, er hat, glaube ich, eine Brille auch. Ja, ist richtig. Und er hat auch so eine leichte Kotelette, die aber ein bisschen mehr nach unten geht als zur Seite, aber trotzdem. Und er ist in einem Anzug unterwegs. Du hast alles richtig erkannt, bis auf die Tatsache, dass er noch eine Baseball-Cap trägt, aber die kann man wirklich nur sehr schwer erkennen.
Also er trägt einen hellen Anzug, eine Brille und eine Baseball-Cap der Tokyo Yomiuri Giants. Baseball-Team sehr wahrscheinlich, oder? Vermutlich. Die erste Spur seit Wochen. Landesweit schreibt die Polizei diesen Mann zur Fahndung aus. Doch niemand scheint ihn zu kennen. Naja, also bitte. Also das ist so verpixelt.
Also ich würde dich glaube ich so erkennen. Das sage ich jetzt einfach mal so frei raus. Wirklich? Das könnte auch ich fast sein. Nee. Aber man weiß ja nicht, ist es eine Perücke, ist unter dem Mannanzug noch irgendwas, was die Statur verändert, das kann man ja nicht erkennen. Ich finde aber, es sieht aus wie ein relativ durchschnittlicher Mann.
Also weißt du, es ist… Ja, ich lehne mich ein bisschen weit aus dem Fenster, wenn ich das sage. Kann sein. Das ist meine Aura, die du erkennen würdest auf dem Bild. Ja. Niemand scheint ihn zu kennen. Stattdessen meldet sich das Monster wieder mit einer neuen Forderung und will noch mehr Lösegeld als zuvor.
Doch auch diese Lösegeldübergabe geht schief. 30 Beamte sind als Restaurantbesucher getarnt unterwegs. Sie haben teilweise sogar ihre Familien dabei, um nicht aufzufallen. Stell dir das mal vor, was er sagt. Heute? Nee, heute Abend geht nicht. den Geburtstag müssen wir leider absagen. Ihr kommt mit auf eine Geldübergabe.
Doch durch eine Verkettung von unguten Zuständen funktioniert eine Funkverbindung nicht, weshalb ein sich im Präparierten Auto versteckender Polizist, der auf ein Funksignal wartet, nicht mitbekommt, dass er reagieren soll. Die Täter bemerken, dass die Polizei involviert ist und sie können fliehen. Das Einzige, was die Polizisten von den fliehenden Tätern noch sehen können, ist ein weißer Toyota.
Das Katz-und-Maus-Spiel zwischen den Tätern und der Polizei geht weiter und eine ganze Nation wird in Atem gehalten. Wie stehst du zu der Tatsache, dass das Monster mit den 21 Gesichtern die Polizei die ganze Zeit so piesackt? Und erinnert dich das an irgendwen oder irgendwas? Ja, so richtig erklärt sich das mir nicht, außer so einer persönlichen Fede oder Motivation oder dem Wunsch, die Polizei auch so ein bisschen schlecht dastehen zu lassen.
Weil, um die Polizei wirklich vorzuführen, wäre es ja eigentlich genial, die Übergabe so zu gestalten, dass sie am Ende wirklich mit dem Geld davon kommen. Dann würden sie die Polizei bloßstellen. Aber so meinst du nicht? Nee. Trotzdem ist die japanische Polizei verzweifelt. Ja, das kann ich verstehen.
Seit Monaten versuchen sie jetzt schon, das Monster mit den 21 Gesichtern zu schnappen. Doch jedes Mal scheitern sie. Jetzt wollen sie die Bevölkerung um Hilfe bitten und in den kommenden Wochen befragen sie über 800.000 Menschen. Nicht dein Ernst? Das zeigt für mich, wie verzweifelt man ist, wenn man...
Gefühlt alles probiert hat und dann 800.000 Menschen befragt mit einer Manpower, die ihresgleichen sucht im ganzen Land. Ja, haben wir irgendeine Zahl, wie viele Polizisten es… Am Ende habe ich eine Zahl. Am Ende? Ja. 800.000 Menschen, das auch zu organisieren? Die Excel-Tabelle. Also bei all den Fehlern, die auch Polizistinnen und Polizisten weltweit machen und für sie auch gerechterweise verurteilt werden und auch kritisch beäugt, finde ich das wirklich häufig krass, was für eine Ermittlungsarbeit die haben.
Ja und wie gut das dann doch am Ende funktioniert, wie organisiert die sind, weil das ist ja jetzt eine Staatsangelegenheit an dem Punkt. Ja, ist es auch. Da kann ja wahrscheinlich niemand mehr irgendwas anderes machen. Was passiert, wenn es dann doch mal irgendwo einen Mord gibt oder eine Geschichte, die, ganz ehrlich, da ist ja noch nichts passiert bis dahin.
Außer, dass sie immer, dass sie gesagt haben, oh ja, wir wollen vergiften und hier nochmal ein bisschen Lösegeld, aber da ist ja noch nichts passiert. Ja. Wow. Doch, ihr könnt es euch denken, niemand weiß etwas. Für mehrere Wochen hört man nichts mehr vom Monster mit 21 Gesichtern. Bis es sich am 26. Juni 1984 wieder bei Katsuhisa, dem Chef von Glico, meldet. Zumindest indirekt.
Einen an die japanische Bevölkerung adressierten Brief an verschiedene Medien, in dem steht, dass Katsuhisa lange genug leiden musste. In ihrer Gruppe sei ein Kind, das die Süßigkeiten von Glico vermisse. Glico hatte ja sämtliche Süßigkeiten zurückgerufen. Sie wollen aber, dass das Kind wieder glücklich werde. Dafür müsse Glico aber seine Süßigkeiten wieder verkaufen.
An die Polizei gerichtet steht in dem Brief, dass sie zwar einen guten Job gemacht hätten, aber dass nicht mal Sherlock Holmes den Fall aufklären könne. Und tatsächlich? Glico verkauft daraufhin seine Süßigkeiten wieder. Und Katsuhisa hört nie wieder etwas vom Monster mit den 21 Gesichtern. Wie fremdbestimmt sind da bitte alle? Komplett angstgetrieben, weil auf der einen Seite haben sie Angst, dass die Süßigkeiten vergiftet werden.
Auf der anderen Seite, weil ein Kind traurig ist. Da war ja auch keine Forderung jetzt dabei, oder? Nee, die Forderung war schon indirekt, räumt die Süßigkeitenregale wieder ein. Sonst passiert euch was. Und wahrscheinlich war es zu dem Zeitpunkt schon so absurd und krass, dass sie sich gedacht haben, okay, also egal, was dieses Monster jetzt von uns will, wir machen das jetzt.
Und auf der anderen Seite, wenn sie die Produkte jetzt wieder in den Supermarkt stellen, dann können sie das ja auch wieder überwachen, ob da was passiert. Wenn die schon 800.000 Leute befragen können, dann werden die es ja wohl schaffen, auch an alle Supermärkte rauszugeben. Achtet da mal drauf. Das haben sie natürlich auch gemacht. Er hört nie wieder etwas, nie, nie wieder?
Oder gibt es noch einen Plottwist? Also ich bin noch nicht durch mit meinem Skript, sagen wir es mal so. Aber Katsuhisa persönlich hört nie wieder etwas von dem Monster. Okay. Willst du es? Ja, ich habe wirklich einfach gerade im Kopf so, was ist die Motivation? Was ist die Motivation des Ganzen? Am Ende verzeichnet Glico einen Verlust von 130 Millionen Dollar.
Katsuhisa versucht, die Scherben, die das Monster mit den 21 Gesichtern hinterlassen hat, aufzusammeln und sein Unternehmen wieder wettbewerbsfähig zu machen. Doch wenn er jetzt denkt, dass sich das Monster mit den 21 Gesichtern einfach. Music. Zurückzieht, dem unter der sei gesagt, falsch gedacht. Denn es meldet sich wieder. Per Brief.
Und dieses Mal bei einer Firma namens Morinaga. Was die auch für Portokosten haben mussten. Wucher! Nein, aber wirklich! Ja, und die haben ja nichts eingenommen. Nein. So, jetzt habe ich die Firma verpasst. Morinaga. Morinaga. Morinaga ist, ähnlich wie Glico, ein großer japanischer Lebensmittelhersteller.
Und den erreichen jetzt im Juni 1984 Drohbriefe. Man wolle Produkte von ihnen vergiften. Die japanische Bevölkerung sei in Gefahr. Unterzeichnet vom Monster mit 21 Gesichtern. So langsam wird hier allen Beteiligten klar, wer auch immer hinter den Briefen steckt, hat die großen Lebensmittelkonzerne Japans im Visier.
Und die Entführung von Katsuhisa war erst der Anfang. Das Monster mit den 21 Gesichtern fordert von Morinaga Lösegeld im Austausch für Frieden. Im Austausch für Frieden? Ja, für die Beendigung des Terrors. Es wird ja auch immer abstrakter. Am 28. Juni, zwei Tage nachdem das Monster das Ende seiner Forderungen von Glico angekündigt hatte, soll Morinaga seine Zahlung leisten. Der Auftrag ist folgender.
Mit einem Koffer voll Geld soll sich ein Mitarbeiter von Morinaga in einen Zug setzen, unbedingt auf einen ganz bestimmten Platz im vorletzten Abteil. Dann an einer bestimmten Stelle soll die Person das Geld aus dem Zugfenster werfen, nämlich genau dann, wenn an der Strecke eine weiße Fahne zu sehen ist.
Aber anstatt wie verlangt einen Firmenmitarbeiter zu schicken, betraut die Polizei einen verdeckten Polizeibeamten mit der Aufgabe. Während der Zugfahrt zum angegebenen Übergabeort bemerkt der verdeckte Polizist einen Mann, der ihm zufolgen scheint. Dieser Mann ist um die 40 und groß gewachsen. Und sein restliches Aussehen, das kannst du jetzt gerne mal beschreiben, denn ich habe dir ein Bild von ihm mitgebracht. Aha.
Ich muss aber sagen, zum ersten Mal in dieser ganzen Geschichte gibt es einen cleveren Plan für die Geldübergabe. Weil davor immer so, ja in irgendeiner Telefonzelle, ja natürlich kann man das überwachen, aber so, das gefällt mir so langsam. Das ist gut, weil du weißt ja vorher nicht, wo die Flagge ist. Richtig.
Du könntest aber natürlich die ganze Bahnstrecke abfahren und gucken, wo eine weiße Flagge ist. Aber du weißt ja nicht, wird die in dem Moment gehisst. Richtig. Und wenn es wirklich im letzten Abteil der fast letzte Sitz ist, dann ist er ja auch schnell vorbeigefahren. Ja. Es gab dann wohl die Situation. Das macht gar keinen Sinn. Ist ja egal, wo er sitzt im Zug. Naja.
Nein, aber wenn... Stimmt. Es war wohl auch so, dass sich dieser Polizeibeamte nicht auf diesen Platz gesetzt hat, sondern er saß woanders im Zug, weil er halt diesen Mann gesehen hat, den er verdächtig fand. Okay. Das könnte der Mann aus dem Supermarkt sein. Nein, aber dieser, ich meine, ich weiß nicht, ob es wirklich jetzt ein heller Anzug war, aber es ist wieder ein heller Anzug, es ist ein Hemd mit einer Krawatte, er hatte auch eine Brille auf, er hat von der Haarstruktur, Haarform, so mittel, naja, nicht mittellanges, aber kein super kurzes Haar, auch so ein bisschen gekräuselt.
Man sieht jetzt keine Kotelette, okay, aber ich sage mal so, wenn du mir jetzt das Bild von ihm und dieses Bild der Überwachungskamera nebeneinander legst, das ist nicht so weit voneinander entfernt, würde ich sagen. Und was ist das für ein Bild? Ja, so ein Fatombild. Ja, ein gezeichnetes, sieht auch so wie mit Kohle gezeichnet, ganz fein.
Der Polizist beschreibt den Mann später als Mann mit Fuchsaugen. Leuchtet ein. Die beiden Männer sind jetzt also zusammen im Zug. Der verdeckte Polizist wurde ja angewiesen, nach einer weißen Flagge Ausschau zu halten, dem Signal zum Abwerfen des Geldes. Aber da diese Flagge nicht erscheint, fährt er bis zur Endstation.
Er ist jetzt in Kyoto, ungefähr eine Zugstunde von Osaka entfernt. Oh, schön. Hier wartet er am Bahnhof, um wieder zurück nach Osaka zu fahren. Und wen entdeckt er am Bahnsteig? Den fuchseugigen Mann. Beide Männer steigen hier zusammen aus und zusammen wieder ein. Der Polizist beschließt, zwischen Kyoto und Osaka auszusteigen, um zu schauen, was der fremde Mann macht.
Und was macht er? Er steigt auch aus. Doch bevor der Polizist etwas unternehmen kann, entkommt der Fremde mit den Fuchsaugen. Geldübergabe? Gescheitert. Mission? Gescheitert. Das Phantombild, das ich dir eben gezeigt habe, wird jetzt natürlich in ganz Japan veröffentlicht und die Bevölkerung wird um Mithilfe gebeten.
Die denken sich alle so, nicht schon wieder eine Befragung. Wie oft denn noch? Ich kenne ihn nicht. Aber viel hatten die ja auch nicht, was sie ihnen zeigen konnten bis jetzt. Anfang Oktober 1984 schlägt das Monster mit den 21 Gesichtern erneut zu und schickt einen Brief an die Medien, der ganz direkt an alle Mütter in ganz Japan gerichtet war.
Der Inhalt des Briefes ist äußerst alarmierend, denn wieder droht das Monster damit, Produkte zu vergiften. Dieses Mal die Produkte von Morinaga. Und ähnlich wie beim Glyko-Vorfall im Mai bricht Massenpanik aus. Produkte werden in großem Umfang zurückgerufen, nur dass das Monster diesmal nicht blöffte.
Mehrere Packungen von Morinaga-Produkten werden mit zusätzlichen Etiketten gefunden, auf denen steht Gefahr enthält Gift, unterzeichnet vom Monster mit 21 Gesichtern. Und tatsächlich wird in diesen Süßigkeiten Gift nachgewiesen. Aber... Es ist niemand daran gestorben. Als Reaktion darauf werden jetzt 40.000 japanische Polizeibeamte eingesetzt, um Supermärkte und Convenience-Stores zu überwachen, in der Hoffnung, den oder die Täter auf frischer Tat zu ertappen.
Ja, okay. So langsam nervt mich der Mann mit den 21 Gesichtern. Nein, weil das ist so ziellos. Ich meine, wenn es dir nur darum geht, irgendwie die Unternehmen und das Volk irgendwie zu stressen und in Alarmbereitschaft zu setzen, dann lass das doch wenigstens mit der Geldübergabe. Wenn es dir nur ums Geld geht, dann hisst die Flagge und streicht das Geld ein.
Aber so, wie gesagt, was ist die Motivation? Das nervt mich halt so. Ich wollte, dass du auch leidest, wie ich gelitten habe beim Recherchieren. Dieser massiv aufwendige Einsatz führt aber jedoch, wie alle anderen polizeilichen Bemühungen, letztendlich zu nichts. Es ist jetzt Ende Dezember 1984 und die japanische Bevölkerung beendet das Jahr in Angst und Schrecken.
Und der Fall nimmt immer größere Ausmaße an. Es gibt mehrere Lösigeldübergabeversuche, mittlerweile sind auch noch weitere japanische Lebensmittelhersteller betroffen und werden bedroht. Bis zum Valentinstag 1985 werden weitere vergiftete Produkte entdeckt. Allen ist klar, dass das Monster nicht nachlässt. Und jedes Mal, wenn eine Lösegeldübergabe stattfinden soll, kann das Monster oder die Monster immer wieder entwischen.
Aber endlich kommt Bewegung in den Fall. Die Polizei hat jetzt nämlich einen Verdächtigen ins Visier genommen. Ein Mann namens Manabu Miyazaki, der nach Veröffentlichung der Phantomzeichnung des fuchsäugigen Mannes aus dem Zug im Januar 1985 identifiziert wird. Und auch von ihm habe ich dir ein Foto mitgebracht. Du hast heute wirklich ein ganzes Fotoalbum dabei.
Du siehst den jetzt neben dem Phantombild. Oh ja, also das muss man sagen, ist ziemlich gut getroffen. Also die Brille ist eins zu eins. Die Augen sind müh anders, würde ich sagen, im Original. Also nicht ganz so fuchsig, wie es auf dem Phantombild ist. Die Haare sind sehr gut getroffen, die sind sehr voll und so leicht nach hinten gekämmt, würde ich sagen.
Ja, verrückt. Das ist der Mann, der im Zug war mit ihm. Der Mann mit den Fuchsaugen ist der aus dem Zug und das Bild wurde ja veröffentlicht, das Phantombild und daraufhin wurde dieser Mann gefunden und festgenommen und der wird jetzt auch verhört. Dann hören wir da mal, was der zu sagen hat. Das ist der erste wirkliche Fortschritt in dieser Ermittlung, die jetzt schon fast ein Jahr andauert. Und der scheint vielversprechend.
Die Polizei kann den Mann tatsächlich fassen und vernehmen. Er gibt an, nicht ganz gesetzeskonform zu leben. Das ist eine geile Formulierung. Ihm werden Verbindungen zur lokalen Yakuza, einer mafiösen Gruppe, nachgesagt. Außerdem hat er mal für Glico gearbeitet. Ihr erinnert euch, die Firma von Katsuhisa. Da wurde er aber gefeuert.
Und das ist nicht von der Hand zu weisen, er sieht aus wie der fuchseugige Mann aus dem Zug. Aber wie alles in diesem Fall, führt auch das hier nirgends wohin. Da Miyazaki die Anschuldigungen bestreitet und für alle Anschuldigungen hat er Alibis, die seine Unschuld zu beweisen scheinen. Es ist jetzt August 1985 und es herrscht Stillstand in den Ermittlungen.
Die japanische Öffentlichkeit wird zunehmend wütend und die wahrgenommene Inkompetenz der Strafe... Die japanische Öffentlichkeit und Flo werden zunehmend wütend über die wahrgenommene Inkompetenz der Strafverfolgungsbehörden. Etliche Straßensperrungen und Kontrollen, Supermarkt- und Personenbeschattungen, zehntausende von eingesetzten Polizistinnen, nichts führt die Ermittelnden zum Monster mit 21 Gesichtern.
Bei einem Einsatz soll wieder der fuchsäugige Mann gesehen worden sein. Aber schnappen können sie ihn nicht. Ein Verbrechen wie der Fall Glico Morinaga, wie er jetzt genannt wird, hat es hier noch nie gegeben. Und der eigentlich hervorragende Ruf der japanischen Polizei steht auf dem Spiel. Im Jahr 1983 hatte die Nationale Polizeibehörde 97% aller Morde aufgeklärt.
Das brachte ihnen Respekt und auch Neid vieler Polizeikräfte auf der ganzen Welt ein. Doch trotz all ihrer Fähigkeiten und Erfahrungen können sie nicht herausfinden, wer hinter dem Monster mit 21 Gesichtern steckt. Diese Frustration führt am 7. August 1985 zu einem schrecklichen Ereignis. Ich habe ja zu Beginn erwähnt, dass jemand sterben wird. Oh nein.
Kannst du dir vorstellen, was passiert? Meine erste Vermutung ist, dass möglicherweise der Polizeipräsident, also dass irgendwie ein hohes Tier im Polizeiapparat sagt, ich ertrag das nicht mehr, Selbstmord begeht. Ja, genau das ist passiert. Oh Mann, ey. Am 7. August 1985 übergießt sich der Polizeichef Shouji Yamamoto in einem Hinterhof mit Petroleum und zündet sich an.
Der Druck, dem er und seine Kolleginnen ausgesetzt sind, war zu groß für ihn. Und er fühlte sich für den Misserfolg der Ermittlungen verantwortlich. Sein Tod löst landesweites Entsetzen aus. Wie wird das Monster auf diese Nachricht reagieren? Werden die Drohungen einfach weitergehen? Fünf Tage nach dem Suizid meldet sich das Monster mit den 21 Gesichtern.
Und es wird tatsächlich das letzte Mal sein. Das Monster spricht seinen Beileid aus und schreibt, der karrierelose Yamamoto ist wie ein Mann gestorben. Es verkündet, dem Foltern von Lebensmittelunternehmen ein Ende zu setzen. Zitat, wir sind Bösewichte. Das bedeutet, dass wir mehr zu tun haben, als Unternehmen zu schikanieren.
Es macht Spaß, das Leben eines Bösewichts zu führen. Monster mit 21 Gesichtern. Alter, er ist wie ein Mann gestorben. Und genauso plötzlich, wie es gekommen war, verschwindet das Monster mit den 21 Gesichtern am 12. August 1985. Music. Nach fast eineinhalb Jahren Terror. Seither hat niemand je wieder etwas von ihm gehört.
Am Ende bleiben viele Fragen offen. Wollte das Monster mit 21 Gesichtern nie Geld verdienen? Warum wurden Etiketten auf vergiftete Waren platziert? Warum wurde nie auch nur 1 Cent eingesammelt? Warum wurde Katsuhisa Isaki unbeaufsichtigt gelassen, sodass er schließlich fliehen konnte? Viele Theorien über die Identität des Monsters. Alle möglichen Leute werden in Betracht gezogen.
Von der Yakuza bis zu verärgerten Glico-Mitarbeitern, von Börsenmanipulatoren, mit den drastischen Einbrüchen der Aktien von Glico hätte Geld verdient werden können, wenn man vorher gewarnt worden wäre, über nordkoreanische Geheimagenten bis hin zu Katsuhisa Isaki selbst. Sie alle wurden im Rahmen der Ermittlungen mal verdächtigt. Irgendwas nachweisen konnte man keimen von ihnen. Am 10.
Februar 2000 erklärt die Polizei, dass alle Ermittlungsakten geschlossen werden. Die Bilanz? Über eine Million Polizisten, die in der einen oder anderen Funktion an dem Fall gearbeitet haben. Hunderttausende befragte Menschen, 28.000 Hinweise, über 100 Briefe, ein Monster mit 21 Gesichtern und kein einziger Cent Lösegeld.
Alter Schwede. Ist das nicht komplett? Also ganz ehrlich, für mich ist diese Aktientheorie gerade am wahrscheinlichsten. Finde ich spannend. Ich habe da gar nicht drüber nachgedacht, dass das eine Theorie sein könnte, bis ich halt davon gelesen hatte. Und als du das vorhin aufgebracht hast, dachte ich so, ja okay, Flo denkt anders als ich. Ich bin ja immer noch Wirtschaftswissenschaftler.
Aber ja, es macht, alles würde irgendwie Sinn machen. Alles würde Sinn machen. Ja, aber ich meine, am ehesten die Theorie enttäuschte Mitarbeitende. Also der Typ, der erkannt wurde. Zum Beispiel, ja. Beziehungsweise man weiß ja auch, dass es nicht nur einer war. Also das kann auch nicht sein, dass es eine Person war.
Es waren ja auch zwei, die ihn entführt haben. Ja. Aber weißt du, ich glaube, die Motivation, einfach die Leute zu schikanieren, das Geld auszugeben, Produkte zu manipulieren, Briefe zu verschicken, das alles zu organisieren, bei der Yakuza, bei der japanischen Mafia, ich weiß nicht, ob das so deren Stil ist.
Die Polizei so durchs Land zu hetzen. Ich meine, klar ist, sozusagen, die finden die Polizei scheiße, aber ich glaube, die haben andere Wege, um denen zu zeigen, dass sie die Scheiße finden. Also, ich glaube, der Katsuhisa selbst, glaube ich nicht. Weil auch da sowas hätte er davon. Am Ende komme ich immer wieder darauf zurück, der einzige Weg, da irgendwie Geld zu verdienen, wäre immer auf die sinkenden Aktienkurse da zu setzen und Und vielleicht war es dann nach anderthalb Jahren genug, dass sie gemerkt haben, auch wenn diese letzte Nachricht natürlich absolut zynisch und falsch ist, haben sie vielleicht dann doch gemerkt, okay, das Spiel haben wir jetzt sehr weit gedreht.
Jetzt ist es gut. Aber wenn du an dem Punkt bist, hat man dann noch ein Gewissen? Denkt man sich dann so, ups, sorry, das ging jetzt zu weit. Jetzt machen wir mal Piano. Also für dich ist die plausibelste Lösung, dass das Leute waren, die spekuliert haben darauf, dass der Aktienpreis sinkt und dass sie davon was haben. Ja.
Sagt der und guckt sich nochmal die Mikado-Fackung an. Ich werde die jetzt nie wieder essen können, ohne an diese Geschichte zu denken. Ja, mich würde interessieren, was ihr denkt, wer es gewesen sein könnte, nach all dem, was ihr jetzt gehört habt. Vielleicht auch Elli, du hast mir ja die Geschichte geschickt.
Was denkst du dazu? Also nochmal vielen Dank an der Stelle und vielleicht, um nochmal den Bogen in die heutige Zeit zu spannen, was dann alles passiert ist noch. Beide besprochene Lebensmittelfirmen und auch die anderen, die bedroht wurden, haben sich von den Vorfällen erholt. Und 2022 wechselt beim Lebensmittelhersteller Isaki Glico zum ersten Mal seit 40 Jahren die Führungsspitze.
Der neue Präsident ist Itsuro Isaki, Katsuhisas Sohn. Nein. Und von den beiden gibt es auch ein Foto, das packen wir euch zu Instagram. Das war der Glico Morinaga-Fall. Unter diesem Namen ist er weltbekannt, wie ich festgestellt habe. Und ja, vielleicht wird nicht nur Flo, sondern auch vielleicht werdet ihr jetzt bei jedem Mal, an dem ihr ein Mikado-Stäbchen esst, an diese Folge denken und an eine Geschichte, die wirklich, finde ich, so absurd ist, dass sie aus einem Film oder einem Roman stammen könnte.
Ja, in dem Ausmaß einfach. Das ist, glaube ich, das, was so absurd ist. 800.000 Menschen befragen. Fast eine Million Polizisten, die daran mitgearbeitet haben. Und spannend, dass der Fall dann geschlossen wurde. Ja, weil alles mögliche, was passiert ist, verjährt war. Ah, okay. Also versuchte Vergiftung, Brandstiftung, Entführung, es war alles verjährt, deswegen wurden die Akten geschlossen. Spannend.
Danke für den Fall. Sehr gerne. Wie gesagt, ihr findet alle Fotos bei Instagram. Abonniert diesen Podcast gerne, bewertet ihn gerne. und wir hören uns dann nächste Woche wieder mit Gast, beziehungsweise mit zwei Gästen. Da freue ich mich drauf. Zu viert sind wir dann hier im Studio. Es wird eng. Wir können dir schon mal verraten, das sind wieder Podcast-Kollegen. Ja.
Und ich sage nur die Grüße. Darauf gebe ich dir mein Ehrenwort. Oh. Gut, na dann. Wie schlecht. Machst du irgendwas mit Sprache? Möglicherweise. Willst du noch einen? Snackety-Snack? Nein, das packen wir jetzt alles in die Outtakes, mein Gesnacke. Tschüss. Tschüss. Ich hab dir einen, du willst die ganze Zeit dahin greifen und dann überlegst du dir anders. Ich will was essen, aber ich will halt nicht hier so rumknuspern, weil ich esse jetzt nochmal zwei.
Ne, warte kurz, weil ich hab dir jetzt erstmal ein Foto mitgebracht, worüber du reden solltest. Das ist nicht dein Ernst. In dem Katsuhisas 17-jährige Mutter Yoshi wohnt. 70, oder? Habe ich 17? Ein Wunder der Natur. Wir machen natürlich nur ASMR-Outtakes. Ja, perfekt. Das ist dann für mich, weil ich liebe ja das Geräusch.
Kannst du bitte ab jetzt mal Monster, das Monster mit den 21 Gesichtern will jetzt noch mehr Lösegeld als Fonds Perfekt.