
FROM COACH TO COACH· Staffel 4· Folge 8
Fabio Ingolitsch (Sturm Graz): Österreichs spannendste Trainerpersönlichkeit?
Mittwoch, 8. April 2026 · 1 h 31
Kapitelklicken springt direkt hin
Shownotes
Rekorde hat Fabio Ingolitsch früh gebrochen. Doch in dieser Folge wird schnell klar: Es geht ihm nicht um Titel oder Schlagzeilen – sondern um Überzeugung, Entwicklung und Klarheit in der eigenen Idee vom Spiel.
Im Gespräch nimmt er uns mit in seine Welt als Trainer, die stark von der RB-DNA geprägt ist. Eine Schule, die ihn gelehrt hat, Fußball in erster Linie gegen den Ball zu denken – mit hohem Pressing, klaren Abläufen und maximaler Intensität. Gleichzeitig reflektiert er offen, was diese Ausbildung mit sich bringt: den ständigen Drang nach „höher, schneller, weiter“ und die Herausforderung, dabei nicht den Moment zu verlieren.
Spannend wird es, wenn Ingolitsch über den österreichischen Fußball spricht. Eine Liga, die stark vom Umschaltspiel lebt und in der sich viele Prinzipien ähneln – mit Auswirkungen auf Spielerprofile und taktische Vielfalt. Seine Einblicke zeigen, warum bestimmte Spielertypen heute kaum noch ausgebildet werden und wie sich das auf ganze Systeme auswirkt.
Besonders tief geht die Folge, wenn es um seine Zeit bei Sturm Graz geht. Nach einem intensiven Winter mit großen personellen Veränderungen stand nicht weniger als ein struktureller Neustart an. Ingolitsch beschreibt, wie wichtig es war, die Führungsspieler in langen Gesprächen mitzunehmen, Vertrauen aufzubauen und gleichzeitig den Mut zu haben, klare Veränderungen durchzusetzen – vom Systemwechsel bis hin zu neuen Trainings- und Analyseansätzen.
Dabei wird deutlich: Er ist ein Trainer mit klaren Prinzipien, aber auch mit der Fähigkeit zur Anpassung. Einer, der weiß, dass die beste Idee nur dann zählt, wenn sie auf dem Platz funktioniert.
Eine Folge über Haltung, Entwicklung und die Frage, wie viel Überzeugung ein Trainer wirklich braucht.
WERBUNG
CoachOS präsentiert diese Folgen von FROM COACH TO COACH.
Mit dem Code "FROMCOACHTOCOACH" könnt ihr den KI-Trainingsplaner von CoachOS für zwei Monate kostenlos testen.
Außerdem könnt ihr euch in die Warteliste für einen kostenlosen Zugang zum neuen Zeichentool von CoachOS eintragen. Hier gehts zur Webseite. (coach-os.com/de/train-graphics)
Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin
Dominik Theis: Sportdirektor hat ihn als einen der spannendsten Trainer Österreichs bezeichnet. Mit 33 Jahren hat Fabio Ingolitsch schon etwas erreicht, was andere ihr ganzes Leben lang nicht schaffen. Er ist Chefcoach des amtierenden österreichischen Meisters und hat schon Europapokalluft schnuppern dürfen. Der gebürtige Salzburger hat früh Rekorde gebrochen. Mit 24 der jüngste A-Lizenz-Absolvent, mit 29 der jüngste Fußballlehrer Österreichs. Über die RB-Schule und die U21 des FC Zürich landete Fabio Ingolc 2024 in der österreichischen Bundesliga. Zunächst beim ESEA-Altag, den er am Abgrund übernahm, vor dem Abstieg rettete und in ruhigere Fahrwasser führte. Und nun seit Vergangenem Januar bei Sturm Graz. Wir reden mit dem studierten Lehrer über seine Herkules-Aufgabe in der Steiermark. Darüber, dass Fabio keine scheufrharten Entscheidungen und großen Veränderungen hat, aber auch warum der klassische RB-Fußball auserzählt sein könnte und wie Fabios Spielidee und Idee von Führung aussieht. damit sage ich Servus bei From Coach to Coach, Fabio Ingolic.
Fabio: Servus Dominik, danke für die Einladung, freu mich sehr.
Dominik Theis: Fabio, ich habe dich ja schon als Recordbreaker angekündigt in zwei Disziplinen, vor allem als Fußballlehrer. Jetzt sagen wir mal, du solltest österreichischer Meister im Sommer werden. Würdest du dann auch wieder einen Rekord knacken als jüngster Trainer der österreichischen Bundesliga?
Fabio: Das waren ja fast zu viele Lobeshymnen gleich vorab. Hört sich vielleicht viel, besser an als es dann am Ende tatsächlich ist. Also ich glaube man muss das immer ganz gut einordnen können. Also es stimmt, es ist aber arztgetreu, dass ich in diesem Ding immer der Jüngste war. ist aber auch bedingt dadurch, dass ich einfach kein Profi-Spieler war. Das heißt, für mich war relativ früh klar, dass es mit einer großen Profikarriere nichts wird und ich dann, sag ich mal, smart genug war, aber trotzdem klar genug in meinem Kopf, wo ich hin möchte. ich wollte immer im Fußball sein, im Fußball arbeiten und hab dann sehr, früh alles auf eine Karte gesetzt und da Richtung Trainertasein investiert. Und das hat es mir einfach möglich gemacht, schon sehr, früh auf sehr hohem Niveau arbeiten zu können, weil ich eben meine aktive Karriere sehr früh auch beendet habe und mich einfach schon seit vielen vielen Jahren auf das Trainer-Dasein im Fußballland konzentriere.
Dominik Theis: Ja, und du hast ja auch schon mit 20 angefangen als Jugendtrainer in Bischofshofen bei deinem ersten Verein und dann mit 25, glaube ich, dann quasi die Schuhe an den Nagel gehangen und dann quasi nur noch Trainer gemacht. Also klar, 33 klingt sehr jung, aber du hast sehr viele Jahre als Trainer schon an Erfahrung gesammelt, angefangen im Jugendbereich und jetzt die letzten Jahre im Herrenbereich. Ja, aber ich habe da ja auch mal geschaut, um nochmal auf meine Frage zurückzukommen. Wenn ihr es am Ende schaffen solltet, seht ihr noch ein paar Spiele, dann wäre das wirklich ein neuer Rekord. Denn du bist jetzt, Stand der Aufnahme, noch 33, wirst aber in wenigen Tagen ja 34. Ihr habt mal geschaut, der jüngste Trainer, der die Österreichische Bundesliga gewonnen hat, ist auch 34 gewesen. Was denkst du, wer war's?
Fabio: Wahrscheinlich Matthias Eisler.
Dominik Theis: Yes, aber der ist fünf Tage älter als du. Fünfter April geworden, du zehnte April. Daher wäre das ein Record, aber du hast mehr noch zu bieten als diese Rekorde, von denen ich gesprochen habe, oder die möglich sind noch. Und das will ich rausfinden in der Rubrik Trainersteckbrief. Stell dir ein paar charakterisierende Fragen. Am Ende steht daraus ein kleiner Trainersteckbrief, eine kleine Schnellfrage ohne die eine.
Fabio: Schöner
Dominik Theis: Antwort geht schneller, die andere länger. Viel Spaß dabei. würde gerne wissen, wer ist der spannendste Trainer im Weltfußball der Zeit?
Fabio: Es ist eine sehr, sehr schwierige Frage sich darauf, wirklich eine Trainerpersönlichkeit zu beschränken. Ich finde, es nicht diese eine Art von Fußball gibt, die am Ende des Tages die beste ist, sonst würde jeder in die gleiche Richtung gehen. Ich finde trotzdem, wenn man zu den letzten Jahren oder Jahrzehnten zurückblickt, dann ist ganz klar für mich Pep Guardiola, eine ganze Generation geprägt hat. Ich würde sagen, ich bin schon ein Stück weit entfernt von meiner Spielidee, ihm, aber trotzdem ist es mich sehr inspirierend, wie man so eine lange Zeitepoche, mittlerweile muss man fast sagen, bei so einem großen Club wie Citys, wie man Woche für Woche immer wieder voller Energie, voller Elan da reingeht, wie man seine Spieler immer wieder dann auch mit neuen Inputs trotzdem auch beschäftigt und er es auch immer wieder geschafft hat, sich auf der einen Seite treu zu bleiben, aber auf der anderen Seite sich auch und sein Spiel neu zu erfinden. Deswegen würde ich sagen, seitdem ich so wirklich in diesem Trainergeschäft mit drinnen bin, ist ganz klar Pep Guardiola die Nummer 1 und ich es einfach herausragend, was er da der letzten Jahre erreicht hat.
Dominik Theis: Ja, ist schon spannend zu sehen, bei Barcelona wurde viel über Tiki-Taka gesprochen, was sehr oberflächlich für das war, was dort geprägt hat. Vor allem dieses Sezieren von Gegnern durch den langen Ballbesitz, bis der Gegner wirklich rausgelockt wurde. Bei City war er irgendwann der, der die Außenverteidiger in der Halbspur geparkt hat. Und andere haben es dann auch schnell kopiert und sich immer wieder neu erfunden. Daher spannende Persönlichkeit, du hast gesagt, von seiner Spielidee. bis du ein Stück weit wächst, nicht ganz auch der Fußball, der dir vorschwebt. Aber was ist denn deine Idee von Fußball in drei Wörtern beschrieben?
Fabio: Kassin. vertikales Spiel und umschalten. So würde ich es auf das einfachste herunterbrechen, es einfach Handlungsweisen sind, die unser Spiel prägen sollen.
Dominik Theis: Das Der klüpft auch die nächste Frage quasi schon an. Magst du lieber Ballbesitz oder lieber Umschalten trainieren? Was macht dir mehr Spaß?
Fabio: He Also ich bin davon überzeugt, speziell in einer Liga wie Österreich, dass es am einfachsten ist aus dem Umschaltspiel Tore zu erzielen. Das ist ein sehr pragmatischer Ansatz. Warum? Die wenigsten Mannschaften haben einfach auch die Qualität, den Gegner so zu bewegen, wie es jetzt Pep Guardiola mit seinen Teams tut, bis sich wirklich dieser Lücke dann aufgeht, bis man diese Angriffe perfekt vorbereitet hat, dass man ein Stück weit Rasenschach dann spielt. In Österreich ist es alles ein bisschen zielgerichteter, bisschen schneller nach vorne, bisschen wilder. auch bisschen ungeordneter und deswegen hast du auch die größtmöglichen Chancen durch ein gutes Pressing und ein schnelles Umschaltspiel den Gegner einfach in einer unorganisierten Art und Weise zu erwischen und dann einfach zum Tor zu kommen und deswegen bin ich in aktuell ganz klar in der Lage, dass wir das Umschalten priorisieren und auch präferieren in unserer Art und Weise, wie wir am Platz auftreten wollen.
Dominik Theis: Alright, dann logge ich mal umschalten ein und würde gern wissen, was hättest du denn bei Plan B am liebsten unterrichtet? Geografie, Psychologie oder Philosophie?
Fabio: Schwierige Frage. Ich habe mein Studium ja beendet und es war mir immer sehr wichtig, dass ich an diesen universitären Weg gehe, ⁓ einfach auch ein Backup zu haben. Ich glaube, das hat man generell in meiner Entwicklung als Mensch, als Person einfach unheimlich gut getan, auch an die Uni zu gehen, zu studieren, auch was anderes zu tun als Fußball, sich einfach intellektuell auch weiterzubilden in anderen Bereichen. Es ist nie dazu gekommen, dass ich dann tatsächlich an der Schule stand und Lehrer war, weil das Engagement beim FC Levering in Anführungszeichen dazwischengegrätscht ist, wo ich sehr, sehr happy bin heute darüber. Ich hätte mir alle Kombinationen vorstellen können, ich hätte mir auch andere Fächer vorstellen können. Bei mir ist es so, dass ich grundsätzlich sehr gerne mit Menschen arbeite, mit jungen Menschen arbeite, dass ich sehr gerne interaktiv bin, dass ich gerne einen Beitrag leisten möchte in der Gesellschaft, der sinnhaftig ist und mein Hintergrund war es eigentlich immer so zu denken, dass ich an der Schule sein kann, wo ich glaube ich jedem bekannt ist, dass man eine ordentliche Work-Life-Balance hat und dazu dann einfach nur den Fußball abends in seinem Amateurbereich mitleben kann. Also dem Zeitpunkt, wo ich an der Uni gestartet habe, war es jetzt nicht abzusehen, dass man auch Profi-Trainer wird, weil die Chance ja trotzdem sehr, sehr gering ist und ich schon jemand bin, der sehr realistisch Dinge einschätzen kann.
Dominik Theis: Alright. Aber was wäre es am ehesten gewesen, was dir Spaß gemacht hätte von den drei Fächern? Du hast ja aktiv für die drei entschieden, so ein Fable, das hätte mir am meisten Spaß gemacht.
Fabio: Mmh. Also ich glaube, wenn ich über Jahrenweg sehr, tief eingetaucht wäre, wäre es jeden Fall die Psychologie gewesen, weil ich denke, dass es jeden Alltag extrem wichtig ist, weil ich finde auch, dass es an Schulen noch zu wenig Zeit und Raum dafür gibt und ja, einfach extrem spannend ist und diese Lebenskompetenz und den Alltag einfach auch erreichen kann.
Dominik Theis: Da kurz off topic muss ich mal nachfragen, ist das ein Schulfach in Österreich oder wäre das dann quasi so eine Querdisziplin gewesen?
Fabio: Nein, das ist ein Schulfach. Es gibt es an der Oberstufe im Gymnasium. Genau, heißt PUP, also Psychologie und Philosophie. Und da wird ein Jahr Psychologie und ein Jahr Philosophie unterrichtet. Genau.
Dominik Theis: Cool. Spannend, da hätte ich lieber mal Österreich in die Schule gehen sollen. Da hätte ich nämlich auch Bock drauf gehabt als Schüler schon.
Fabio: Ja... Genau, ich finde, es einfach extrem großen Beitrag für die Allgemeinbildung gibt. Und ich glaube, jeder erwachsene Mensch, der sich mit sich selbst beschäftigt und seine Persönlichkeit nach vorne treiben will, kommt irgendwie mit der Psychologie ganz stark in Berührung. Und ich finde schon cool, wenn junge Menschen, Jugendliche einfach auch sehr früh Dinge kennenlernen und einfach ein gutes Hintergrundwissen haben und vielleicht das auch in ihren Alltag dann mit einbauen können.
Dominik Theis: Ja, bringt sehr viel auf, sich selbst dabei zu beschäftigen und viele Antworten schon frühzeitig zu bekommen, auf die Fragen, die dann meistens auch spät im Studium irgendwann kommen, wenn man sich vorher nicht so viel damit beschäftigt hat. Aber ja, sehr, sehr spannend. Ist auch vielleicht ein bisschen Kernthema von oder ein Randthema von Psychologie. Mich würde mal interessieren, was ist denn deine beste Ablenkungsmethode?
Fabio: Die beste Ablenkungsmethode vom Fußball und vom Alltagsschleiß. Sehr einfach zu beantworten. Ich bin in einer glücklichen Lage, kleine, sehr liebevolle Familie zu haben. Jede Minute, wo ich zu Hause bin mit meiner Frau und meinem Kind, ist für mich Abschalten pur. Wir werden zu Hause von unserem kleinen Mann. gefordert, richtiges Energiebündel und wenn man nach Hause kommt, man den Rest der Welt vergessen und deswegen ist das zu Hause ganz klar mein Ankerpunkt und der Ort wo ich zur Ruhe komme, wo ich nicht an Fußball denke, wo ich auch mein Laptop nicht mit nach Hause nehme, also wo es wirklich dann nur die Familienzeit gibt und dann wieder mit gut geladenen Akkus in die Arbeit zu gehen und voller Power und voller Elam.
Dominik Theis: Ist das so ein Schlüssel für dich auch? Weil, egal ob du jetzt Fußballtrainer bist oder in einem anderen Job, wo du mit einer großen Leidenschaft dabei bist, ist das ja oft dasselbe Thema, dass es einem schwer fällt, dann nicht noch mehr zu machen und nicht noch mal irgendwann den Laptop aufzuklappen und noch mal dran zu arbeiten. Fällt es dir leicht oder schwierig und ist so dieses Laptop zu Hause lassen einfach der beste Weg? dass du gar nicht in Versuchung kommst, dich da noch weiter mit dem nächsten Gegner, mit dem Matchplan, mit dem nächsten Training auseinanderzusetzen.
Fabio: Also ich habe das Glück und ich weiß nicht woher das kommt, dass ich eine sehr gute Abgrenzungsfähigkeit besitze. Also ich habe auch den Mut in Anführungszeichen zur Lücke. Ich kann wirklich, wenn ich in der Arbeit bin, 100 Prozent geben und das auch sehr, ausgiebig und das in einem sehr hohen Tempo. Aber wenn ich zu Hause bin, dann entschleunige ich so richtig. Also dann gibt es für mich keinen Fußball. Ich bin jetzt auch nicht der Typ, der sich dann zu Hause jedes WM-Quali-Spiel anschaut, der sich jedes Champions-League-Spiel anschaut, sondern der bewusst dann auch andere Dinge tut und dann wirklich wieder Bock auf seinen Job zu haben. ja, da bin ich schon ein Balance-Typ, der eigentlich in zwei Extremen lebt, weil ich hier sehr hohes Tempo mit maximalen Fokus auf Fußball lege und zu Hause einfach der ganz normale Ehemann, ganz normaler Papa bin, der mit Fußball nichts am Hut hat, sondern dann wirklich seinen Fokus auf seine Familie legt und die doch wenige Zeit die vorhanden ist, einfach bestmöglich und so intensiv wie möglich nutzen möchte.
Dominik Theis: Er ist spannend, das Thema hatte ich in der vorherigen Folge mit Paderborn-Coach Ralf Kettemann, die jetzt heute, wo wir aufnehmen, online gegangen ist. Der sich zum Beispiel auch aktiv dazu entschieden hat, in einer Art Schweigekloser zu gehen, ⁓ sich abzulenken und mit seiner inneren Stimme auseinanderzusetzen, die immer wieder in den letzten Jahren für Selbstzweifel bei ihm gesorgt haben. Und er sich da auch fernab vom Fußball, also auch schauen muss, dass diese innere Stimme nicht immer sagt, du kannst das nicht, weil im Fußball irgendein Negativ-Ereignis, eine Niederlage, eine Niederlagenserie oder schlechte Stimmung passiert ist und und und. Deshalb schon wichtig, ⁓ Akkus aufzutanken. Daher spannend, dass du so eine gute Abgrenzungsfähigkeit hast. Apropos Abgrenzen, ganz anderes Thema. Was ist denn deine Lieblingsgrundorte?
Fabio: Das schöner Sprung, ein Themen-Sprung. Lieblingsgrundordnungen finde ich extrem schwierig zu beantworten, weil für mich Grundordnungen, Systeme, wie man es auch immer beziffert, wirklich nur ein Zahlenspiel ist. Mir geht es vielmehr darum, welche Verhaltensweisen, welche Spielprinzipien ich am Platz sehen will. Dementsprechend bin ich jetzt keiner, der sich auf etwas ganz klar festlegt. Fakt ist aber, ich komme aus der Welt von RB. Ich bin in der 4-4-2-Route groß geworden. Bin immer noch ein Riesenfan von Angriffspressing aus der Raute raus. Hohes Zustellen, weil maximaler Balldruck speziell gegen Viererkettenmannschaften einfach gewährt ist. Bin auch immer noch ein Fan im Spiel mit dem Ball die Raute zu drehen in einem 4-2-2-2, weil du einfach extrem viele Ebenen hast, weil du sehr flexibel bist in deinen Anordnungen. und gute Verbindungen zueinander schaffen kannst. Und trotzdem allein von der Anordnung schon darauf bedacht bist vertikal spielen zu müssen. Also dorthin zu kommen, wo es dem Gegner wehtut und es ist in der Nähe zu jedem Tor. Und trotzdem ist es so, dass sich der Fußball auch weiterentwickelt. Speziell der österreichische Fußball hat ja versucht, zu finden, womit man Salzburg Probleme macht. Und nicht nur Salzburg, weil... Viele Mannschaften, viele Klubs, viele Trainer, viele Verantwortliche haben ja dieses Know-how von Salzburg genommen, sich ein Beispiel genommen und es auch kopiert. Teilweise, wie bei Sturm die letzten Jahre, sogar besser gemacht, wie das Original. Und irgendwann gibt es dann einfach auch Lösungen gegen diese Systeme. Und aktuell ist es in Österreich so, dass wir uns von der Pressing-Liga ein Stück weit wegentwickelt haben, hin zu einer Block-Liga mit sehr, sehr vielen Mannschaften mit fünf Block. Bis auf Salzburg spielt jetzt jede Mannschaft immer mit Fünfer- bzw. Dreierkette je nach Auslegung. Und deswegen macht die Route aktuell in ganz, ganz wenig Sinn und hat dann dementsprechend auch meine Anordnungen, Systeme verändert, ⁓ auf diese neuen Herausforderungen auch die bestmöglichen Lösungen und Antworten zu haben. Deswegen ist es schwer für mich jetzt ein Grundsystem zu nennen. Könnte ich eins aussuchen, ich trotzdem sagen, dass ich aus der Raute raus immer die einfachste und bestmögliche Lösung habe und sag's trotzdem gegen die Fünferblöcke, die auf uns warten, ist es nicht die Raute.
Dominik Theis: Ja, es ist spannend, weil gefühlt exakt dasselbe, nicht ganz so detailliert, aber er hat bei der Frage Bruce Svensson geantwortet, der sagt ja am liebsten, würde ich eigentlich eine 4-4-2-Route spielen, aber Sinn macht es gerade nicht. Einerseits wegen seinem Spielermaterial, andererseits hast du ja jetzt einen großen Punkt genannt, den wir später nochmal eingehen, warum man auf die aktuellen Defensivtrends reagieren muss und ich ja auch im Teaser so bisschen erzählt habe, vom Gefühl her, Der RB-Fußball muss sich ein bisschen neu erfinden, weil das, jahrelang prägend war, auch um gewisse Spielertypen sehr stark auszubilden und weiterzubringen und teuer weiter zu verkaufen, ist so bisschen am Ende der Entwicklung angekommen. Ich finde es spannend, weil da kommen wir gleich auch nochmal drauf zurück. 4 für 2, als Trainer hat man ja immer so ein bisschen so ein Faible für eine Grundordnung, wo man sich selbst doch am wohlsten fühlt, aber am Ende kommt es darauf hier an, wo fühlt sich die Mannschaft am wohlsten und was am sinnstiftendsten. Da hast du ja eben schon ganz viel dazu gesagt. Mich würde mal interessieren, weil das ist ja so eine Reflektion als eben gewesen. Jetzt haben wir noch eine andere Reflektionsfrage. Was lernst du denn gerade neu über dich selbst?
Fabio: Gute Frage, deswegen mag ich Podcasts gerne, weil du viel in dich hineinhören musst und auch dann daraus wieder gestärkt rausgehst. Was lerne ich neu über mich? Ich finde die Herausforderung als Trainer bei einem Großclub sind einfach ... noch mal anders wie beim kleineren Verein, wie zuvor. Ich finde, ist erste Mal in meinem Leben, dass ich wirklich spüre, dass ich extrem hohe Verantwortung habe, nicht nur für mich selbst und für meine Familie, weil einfach da unser privates Leben dranhängt, sondern dass ich extrem hohe Verantwortung habe gegenüber dem Verein, weil ich weiß, welche Zahlen einfach da auch im Spiel sind, wenn wir uns international qualifizieren oder eben nicht qualifizieren, was das für eine Bedeutung hat hinsichtlich Mitarbeiter, was das für für unterschiedliche Ausgangslager ist hinsichtlich Kaderplanung für die nächste Saison, was das aber auch für große Bedeutung der ganzen Anhängerschaft hat. haben hier in Graz nach Rapid Wien die zweitgrößte quantitative Anhängerschaft in Österreich, aber ich finde wir haben mit Abstand qualitativ die beste in Österreich, weil sie uns bedingungslos supporten, komme was wolle. Und natürlich hat man das so im Gefühl, wenn man hierher wechselt, weil man viel mitbekommen hat davor, aber wenn du dann hier bist und wirklich die Emotionen spürst, die Wucht spürst, ganze Energie spürst in der Stadt, da geht einfach jeder Mensch gefüllt durch Graz und sagt, ich bin Sturm Graz-Fan und die sind stolz drauf und man repräsentiert eigentlich nicht nur die Stadt, sondern die ganze Region Steiermark. Das habe ich in der Art und Weise nicht gehabt, dass du, wie jetzt, wo wir die schlechteste Heimmannschaft im Herbst waren, bevor ich übernommen habe, jetzt haben wir zu Hause noch kein Spiel verloren, dass die Menschen bewusst auf einen zugehen sollen. geil, dass wir wieder Spiele zu Hause gewinnen können, dass wir wieder mit einem Lächeln nach Hause gehen. Also du merkst aber auch, dass du einen wichtigen Beitrag für deren Leben auch mitverantwortlich bist und deswegen ist es schon so. dass man da nicht nur egoistisch denkt, sondern auch den Weitblick haben muss in dem Verein hier, welche Entscheidungen triffst du strategischer Natur, wie willst du Dinge angehen, weil du mehr Verantwortung hast den ganzen Menschen gegenüber, weil denen klar ist, für was der Verein, für die Mannschaft stehen soll, welche Werte musst du am Platz und abseits des Platzes vertreten, was ist nicht verhandelbar. Und das geht oft mehr darüber hinaus. Darüber nachzudenken, soll ich lieber ein 4-4-2 spielen oder ein 5, 2, 3, was auch immer. Du musst einfach schon auch verstehen lernen, wie die Menschen und der Club ticken und was der Verein braucht, ⁓ erfolgreich zu sein und dass du die Menschen, die zahlreichen Menschen mitnehmen kannst und auf eurer bewegen kannst, weil das aber auch ein wichtiger Faktor ist in unserer Clubidentität.
Dominik Theis: Ist ja vor allem auch eine ganz andere Wucht, wenn man nochmal dezidierter in deine Vita blicken. Ich hab's ja gesagt, du warst zunächst Co-Trainer bei Liefering, unter anderem unter Borus Wenzorn, aber auch unter Gerhard Struber und ich glaube, Janosz Gora war der der Dritte im Bunde. Warst später auch Chef-Trainer dann von Liefering, warst U18-Trainer von Salzburg, U21-Trainer FC Zürich dann plus Dann ging es zum SCA-Alltag-Abstiegsmission. hast quasi den Abstieg mit der Mannschaft, äh, den Abstieg sei schon, den Klassenhalt mit der Mannschaft Und dann in dieser Saison hast du am Anfang auch noch trainiert und übergeben als stabilste Defensive. Ehe du im Januar dann in Graz angeheuert bist, kommen wir gleich auf die Ausgangslage auch noch mal drauf zurück, wie schwierig die Bedingungen zu dem Zeitpunkt waren beim aktuellen... österreichischen Meister und dann diese Wucht auf einmal zu spielen, weil das ist ja schon der größte Verein oder die größte Mannschaft, die du bislang in deiner Trainerlaufbahn trainiert hast, macht ja was auch im Handeln bei vielen Menschen, wenn du Druck spürst. Druck ist ja einerseits, wenn dein Chef irgendwie blöd zu dir ist, dass du da Druck verspürst, aber auch wenn du merkst, da die Öffentlichkeit, die Fans, viel mehr Medien. viel größerer Mitarbeiterstuff, der da irgendwie auch mit dranhängt und darauf angewiesen ist, dass du erfolgreich bist, weil die Budgets so auch angelegt sind und das ist ja schon nochmal was ganz anderes. glaube im Alltag hast du es ja trotzdem auch mitbekommen, was das Existenzkampf heißt, weil Abstiegwetter auch bedeutet, dass wahrscheinlich Leute ihren Job verlieren, aber da mit dem Druck so klar zu kommen mit so einer Wucht ist nicht einfach, oder?
Fabio: Also, sehr spannende Frage und die kann ich sehr gut beantworten oder versuche es zumindest. Für mich war es extrem wichtig, gesunde Schritte nach vorne zu machen. wie ich noch jung war und in dem RBS-System drinnen war, war ich schon stark getrieben von höher, schneller, weiter. Du hast immer versucht, aktuellen Job so gut zu machen, ⁓ den nächsten Step zu bekommen. Das ist dann auch immer wieder passiert. Ich war aber nie so richtig im Moment, weil ich immer nur für die Zukunft vorgearbeitet habe. Das ist so Learning aus meiner Vergangenheit, den ich gerne ... zurückdrehen würde, ⁓ in dieser Zeit noch mehr im Moment zu genießen, im Moment zu sein und ein noch besserer Trainer in dem Zeitpunkt für meine Spieler und für meine Kollegen zu sein. Habe das aber dann in einer Zeit reflektiert, ich Salzburg dann aus war, nach gut sieben Jahren. Speziell in der Zeit, wo ich dann in die Schweiz bin, wo man eigentlich gespürt hat, wie krass der Unterschied von den Voraussetzungen nochmal ist von RB zu anderen, trotzdem größeren Klubs. reflektiert man schon sehr viel und ich glaube aus dieser Zeit habe ich extrem viel mitgenommen wo ich einfach mal die Luft raus war wo du einfach wirklich mal reflektieren kannst und nicht reingehen kannst und das war mein größtes Learning, sei mehr im Moment und mach deinen Job so gut wie möglich schon das du es maximal herausholst und dann kommt das nächste sowieso oder halt dann auch nicht und in diesem Moment sei es für mich so der Schlüssel und extrem gesund weil ich nicht so viel nach links oder rechts schaue und auch nicht nach vorne noch hinten und das tut mir persönlich extrem gut, mir auf meine Arbeit zu fokussieren und auf das, was ich beeinflussen kann. Und dann war es so, dass ich eigentlich einen langfristigen Vertrag in Zürich unterschrieben habe. Es war irgendwie mein Wunsch, wegzugehen aus Österreich, einfach auch was anderes zu sehen, mich als Mensch zu entwickeln, auch wenn es nicht weit ist. Trotzdem ist es anderes Land, ist eine andere Spielkultur. Die Menschen arbeiten auch ein Stück weit anders. Es war für mich sehr spannend, das auch mitzunehmen. Meine Idee von Fußball Spielern und Mitarbeitern einzuflößen, die ganz anders geprägt sind. Das heißt, du musst fremde Menschen sehr schnell von dem überzeugen, was du möchtest. Du musst in den Kopf reinkommen und musst dich davon überzeugen, einen Platz außerhalb des Platzes. Und so schnell wie möglich auch einmal Erfolgserlebnisse schaffen. Da haben wir eigentlich in einer kurzen Zeit etwas Stabiles entwickelt, was sehr ... nachdem Fußball schon ausgeschaut hat, wie ich es mir vorstelle. Und das war so mein erstes AHA-Erlebnis. Okay, ich kann meine Art und Weise von Fußball auch außerhalb von RB oder Salzburg machen. Und das ist schon eine gute Selbstbestätigung für mich gewesen und auch, dass ich andere Menschen auf den Weg mitnehmen habe können. Wenn Salzburg war, ja nicht vonnöten, weil jeder wusste, wenn er dorthin kommt, was passieren wird. Die Intention war in Zürich mal anzukommen, in aller Ruhe und dann irgendwann die Profimannschaft zu übernehmen. Also bin eigentlich ein Typ, der für nachhaltige Arbeit steht. Ich jemand, der etwas entwickeln will. Ich will etwas aufbauen. Ich will etwas hinterlassen. Ich niemand, wie ein Trampolin vom einen zum nächsten springen möchte. So bin ich als Mensch nicht gepolt und so möchte ich als Trainer nicht gepolt sein. Ich weiß aber, die Luft, je weiter es hochgeht, wird immer dünner und die Amtszeiten werden immer kürzer. Und trotzdem möchte ich alles dafür tun, dass ich so arbeite und mir solche Vereine aussuche und solche Sportdirektoren und Geschäftsführer, wo ich das Gefühl habe, dass wir gemeinsam aber was schaffen wollen. Und das war in Zürich schon der Fall und es war der klare Plan, dass ich da langfristig auch die Profimannschaft übernehme, aber wie es seit dem Fußball so ist, man keine Pläne schmieden und nach vier Monaten ist dann die Bundesliga in Österreich schon gekommen und ich hatte irgendwie so das Gefühl, das ist genau die Challenge, die ich jetzt brauche. Einfach weg auch mal von dem richtigen Ausbildungs- und Entwicklungsfußball hin zum eigentlich nackten Überlebenskampf, weil die Mannschaft war damals ganz unten. Ich habe im Oktober übernommen. Die Mannschaft hat tiefen Fünfer Block gespielt und jeder der mich kennt, weiß, dass ich kein Feuerwehrmann bin, sondern dass ich eben bin, der mit seiner Idee kommt, einfach was Neues implementieren möchte und muss. Und dafür... Es waren sehr harte Entscheidungen nötig und sehr viele mutige Entscheidungen und ich mein Ding komplett durchgezogen mit vollster Überzeugung, auch wenn es mal schwierig war. Und Gott sei Dank haben wir es am Ende des Tages auch geschafft, weil, wie du es vorhin angesprochen hast, Druck. Ich habe damals einen viel größeren Druck verspürt, die Klasse halten zu müssen und zu wollen, als wir jetzt etwas erreichen zu können. finde, dass das nochmal ein Unterschied ist. Du musst oder du kannst. Und damals war es so, dass von ganzen Staff, ganzen Spielern, ganzen Runden herum einfach jeder Vertrag quasi aufgelöst werden würde. Also es sind schon viele Schicksale auch ein Stück weit auf... auf meinen Schultern, das war eine Last auf meinen Schultern. Und das habe ich schon gespürt. Und da war mir schon klar, dass ich extrem gute Entscheidungen treffen muss und aufpassen muss, wie ich mit welchen Leuten umgehe. Weil das einfach aus psychologischer und mentaler Sicht nicht einfach war. Einfach immer dieses Verhindern. Und wollte ihnen da auch immer schon ... Wir können den Klassenerhalt schaffen, niemand hat mehr mit uns gerechnet. Am Ende ist es auch gut gegangen. finde, Verein, Alltag muss man ihnen auch zugute halten. Sie haben eine mutige Entscheidung damals getroffen, mich zu holen, ⁓ nicht nur zu retten, sondern ⁓ etwas Neues aufzubauen, dass das in Zukunft nicht mehr so passiert, dass man unten drinnen hängt, sondern dass man stabiler ist. Da wir uns entschieden, allen Spielern fast weiter zu machen, inklusive meiner Trainer-Staff von mir. Wir haben nur drei oder vier Spieler dazugeholt, die wir brauchten. Heuer ist es in eine komplett andere Richtung gegangen. Wir waren klar in dem, was wir tun. Wir waren eingespielt, wir waren stabil. Wir haben am wenigsten Gegentore bekommen von allen Mannschaften in der Bundesliga. Im gesamten Herbst. Wir waren im Cup natürlich auch noch mit dabei, wo sie mittlerweile auch ins Finale eingezogen sind. Deswegen eine super coole Entwicklung. hat richtig Spaß gemacht, diese Phase mitzuerleben, wo du einfach gemeinsam auch durch Tela musst und wieder nach oben zu kommen. Ja dann, wo es eigentlich richtig Spaß machen angefangen hat auf sportlicher Ebene dort, hat sich Sturm Graz gemeldet und wenn du zum zweifach gantierenden Meister in Folge wechseln kannst, ist es natürlich ein No-Braner. Und hab natürlich gewusst, dass es hier schwierig wird, dass du das bestätigen kannst. Ich hab auch gewusst, dass die Ausgangslage im Winter, wo wir dritter waren, schon ein paar Punkte Rückstand hatten, auch schwierig wird, dass das Umfeld extrem hohe Ansprüche hat, aber man die vielleicht in der Art und heuer schwerer gerecht wird. Und trotzdem war es ein No-Brainer, weil ich die Chance gesehen habe und weniger das Risiko und deswegen bin ich super happy, dass ich es gemacht habe und habe da überhaupt keine Schulden vor. dann ausserhalb meiner Komfortzone zu gehen, weil ich einfach davon überzeugt bin, dass ich daran wachsen kann und werde und dann auch wieder als besserer Trainer oder am Endsturm rausgehe aus der Aufgabe, egal wie das dann am Ende in dieser Saison ausgeht.
Dominik Theis: Ja, jetzt hast du ja gefühlt die letzten zehn Jahre in fünf Minuten zusammengefasst. Und spannende Details, gerade am Anfang, da komm ich gleich noch mal drauf zurück. Aber was ich dazu noch sagen will, so wie es für mich auch hört, wie es sich vorher gelesen hat in der Recherche, dass du dir in den Jahren davor einfach dein Rüstzeug geholt hast dafür, ⁓ jetzt so zu funktionieren in der Rolle und den Erwartungen gerecht zu werden. Einerseits hast du Zürich angesprochen, einfach den Schritt. Auch für das eigene Selbstverständnis und den eigenen Selbstwert zu sagen, ich kann auch außerhalb des RB Kosmos, kann auch außerhalb meiner Heimat funktionieren. Check. ⁓ dann zurückzukommen wieder in die Heimat, aber einen Schritt weiter in der eigenen Entwicklung und in der eigenen Klarheit und der eigenen Selbstüberzeugung. Und auch das, was du von Alltag erzählst, als auch von Graz klingt, du hast eine klare Idee von dem, wofür du stehen willst, aber du hast auch einen gewissen ... und schaust, was braucht die Situation, was braucht der Club, was braucht die Mannschaft in dem Moment. Und daraus die gesunde Mischung zu finden als Erfolgsformel, das ist dir in Alltag gelungen, das ist jetzt auch in den ersten Spielen, auch wenn du ja erst quasi vier Monate in Graz bist, ist dir auch gelungen und spannend. Mich würde aber noch mal interessieren, weil das fand ich den sehr, sehr spannenden Aspekt, als du gesagt hast, du hast während der Zeit im RB-Kosmos am Anfang gar nicht im Hier und Jetzt, sondern immer nur, was brauche ich, ⁓ den nächsten Schritt zu erreichen. Aber was hast du aus deiner Sicht in der Reflektion verpasst dadurch, dass du nicht im Hier und Jetzt gelebt hast als Trainer am Anfang?
Fabio: Also ganz am Anfang... Um auf das zurückzukommen, ich es schon. Ich habe 2017 die Chance bekommen, als Co-Trainer beim FC Liefering einzusteigen unter Gerd Struber, wie du vorher erwähnt hast. Da glaubt man ja trotzdem als junger Mann, dass man schon einiges mitgenommen hat, dass man sich Fußball auch bisschen auskennt und habe dann eigentlich so die ersten Wochen und Monate gemerkt. Das, ich bis jetzt als Fußball angesehen habe und die Arbeitsweise ist ja gar nichts. Also am Ende des Tages bin ich mit einem weißen Blatt Papier hingekommen und habe dann, glaube ich, Tag für Tag meine Blätter vollschreiben können, bis ich jetzt sagen kann, ich habe ein ganzes Buch parat. ein Playbook für mich in allen Bereichen, die wichtig sind im Fußball. Der Handwerkskoffer wird von Tag zu Tag voller. Ich weiß aber auch, dass er immer noch nicht voll gefüllt ist, sondern das ist ja ein lebendlanges Lernen. Das ist das Schöne am Fußball, was sich da auch verändert. Aber ich bin sehr dankbar, einfach viele verschiedene Menschen, Experten und Spitzforscher, in Salzburg in allen Abteilungen und aller Professionalität mitbekommen zu haben, weil ich dadurch schon eine sehr sehr gute und breit gefächerte Ausbildung genossen habe und bin von überzeugt, dass die RB-Ausbildung im Trainersektor europaweit zu 100 Prozent einer der aller allerbesten ist. ⁓ auf deine Frage jetzt noch mal zurückzukommen Ich finde, je länger ich dort war, umso mehr sind ja dann die eigenen Ambitionen gestiegen, umso mehr hat man gemerkt und gespürt, es ist etwas möglich, dass man auch Profitrainer werden kann. Natürlich ist es dann so, dass merkst, dass in den Vereinen in letzten Jahren viele Mitarbeiter intern einfach Möglichkeiten bekommen haben und dafür belohnt worden sind für gute Arbeit. Und da wollte ich auch eigentlich einfach nur einer davon sein, der die logischen nächsten Schritte geht. Ich habe mir als ganz einfacher Salzburger Junge ohne Profikarriere, ohne Vitamin B, ohne der Sohn von... jemandem zu sein, bis zur zweithöchsten Position hocharbeiten können. Und das habe ich mir sehr wertgeschätzt. Und trotzdem bist du dann irgendwann an einem Punkt, du mehr willst und deswegen immer mit einem Auge schon ins nächste schielst. Und das würde ich einfach in ... Also retrospektiv nicht mehr so machen, sondern ich finde, dass man immer absolut das Commitment braucht zu der jetzigen Aufgabe, die du hast. Sobald du ein Stück weit den Fokus verlierst auf das Hier und Jetzt und auch dieses Gefühl, was du am Anfang hast, wenn du eine Aufgabe übernimmst, diese Vorfreude, diese Energie, dieser Hunger auf diese Aufgabe, wo du absolut motiviert bist und happy bist damit mit allen Stärken und Schwächen, was da eine Mannschaft oder eine Situation mit sich bringt. die verliert man dann im Laufe der Zeit relativ leicht und ich glaube mittlerweile ist es besser für mich in meinem Kopf, wie ich damit umgehen kann, wenn es so Momente gibt, wenn man irgendwie vielleicht unzufrieden ist, wenn man Dinge hinterfragt, dass du dann einfach nochmal dich rückkoppeln kannst und sagst, wie habe ich begonnen, warum habe ich begonnen und trotzdem mal das wertschätzt, was du hast. Da bin ich jetzt schon viele Schritte weiter wie vor vier, fünf Jahren.
Dominik Theis: Und weiter ist das richtige Stichwort. Wenn wir mal auf deine Ausgangslage blicken und jetzt abbiegen in die aktuelle Situation bei Sturm Graz. bist quasi zum Jahreswechsel gekommen. Von Alltag zum Jahreswechsel war Sturm auf Rang 3. Mit 4 Punkten Abstand zum Spitzenreiter damals Salzburg. Heute seid ihr nicht 4 Punkte hinter Salzburg, sondern 4 Punkte vor Salzburg. Muss man ja dazu sagen, in Österreich gibt's ja quasi ... Eine Vorrunde danach wird in eine Meisterrunde weiter gespielt. dieser Meisterrunde befindet ihr euch gerade und seid auf Platz 1. Seid 4 Punkte vor Salzburg. Die sind nur noch 4. in dieser Runde. Und Rapid, gegen die ihr jetzt am Wochenende spielt, die sind 2. 1 Punkt. Du hast es geschafft, in kürzester Zeit einfach das, was gefordert ist, Ergebnisse zu bringen. Aber nicht Ergebnisse mit dem, was bisher oder vor deiner Zeit passierte, sondern... Wenn man sich alles durchliest oder auch Podcasts, ich mir im Vorfeld angehört habe, von dir mit dir, dann hast du direkt viele Veränderungen direkt von Tag eins angelegt. Hab eine Hörerfrage auch von Florikram98 bekommen, der sich gefragt hat, was hast du denn als erstes implementiert und verändert? Was war so deine allererste Amtshandlung in Graz, in der Steiermark?
Fabio: Die allererste Amtshandlung war, dass ich versucht habe, die Führungsspieler, also die Jungs, die wirklich vorangehen in der Kabine, aber auch am Platz, sprich mit Ota Kitashvili, mit Junko Arjen Stankovic und Stefan Hirlender, das Einzelgespräch gesucht habe. Ich glaube, das hat pro Person zwischen eineinhalb, zwei Stunden gedauert, weil die viel Redebedarf hatten. Und ich habe ihnen einfach ganz klar verständigt, was ich über ihre aktuelle Situation denke, wie ich momentan die Leistung einschätze. wie ich die ganze Sache angehen möchte und habe versucht, Commitment zu finden oder sie davon zu überzeugen, warum wir etwas verändern müssen und gleichzeitig präsentiert, wie ich es gerne angehen möchte. total wichtig war, dass die Führungsspieler wissen, warum wir Dinge verändern. Weil es ist nicht so einfach, du jetzt als Trainer kommst, komplett neu, du kommst zum amtierenden österreichischen Meister, die in letzten zwei Jahren mit einer ganz klaren Systematik, mit einer ganz klaren Spielidee die besten in Österreich waren und du kommst hin und sagst, wir müssen Dinge aufbrechen und verändern. Und das ist ein sehr, sehr schmaler Grad zwischen die Identität bewahren und zugleich den neuen Herausforderungen einfach auch entgegenzuwirken und ich glaube das ist bisschen verabsorbt worden und deswegen ist es jetzt einfach meine Aufgabe diese zwei Säulen zu verbinden.
Dominik Theis: Du hast in einem anderen Podcast mal gesagt, das steht in allen Leadership-Büchern, dass du Strukturen am Anfang verändern und unangenehme Dinge direkt ansprechen musst. Es gäbe ja auch die Herangehensweise, dass man sich das erst mal zwei Wochen anschaut und dann, weil das dann vielleicht auch zwei Wochen lang nicht so lief, man dann rangeht und sagt, okay, ich habe mir jetzt wirklich vor Ort ein eigenes Bild gemacht, ändere dann meine Grundordnung, denke dann oder ändere dann die Hierarchie in der Mannschaft und und und. Für dich scheint das aber auch, und so wirkt dir das bei der Recherche auch in Alltag ähnlich, einfach kein Fall. Du bist jemand, der, wenn er hinkommt, hast du schon einen klaren Plan, eine klare Überzeugung von dem, wo du sagst, so, mit dem Weg können wir erfolgreich sein, dafür müssen wir in den Stellschrauben enden und das sofort. Und du schrickst da auch nicht vor harten Entscheidungen zurück. Du hast es vorhin ja schon kurz angesprochen, können wir kurz auch die Schleife machen. Als du in Alltag warst, hast du einen altverdienten Stürmer, Alltag mehr oder weniger von heute auf morgen aussortiert, umfunktioniert dann zum Co-Trainer. Da war dann kein Stürmer mehr, weil er nicht in deine Spielidee gepasst hat oder was war so der Hintergrund. Das Spannende ist ja, dass er dann dein Co-Trainer wurde und so wie er sagte, ihr auch Freunde seid, euch austauschen könnt auf jeder Ebene.
Fabio: Ja.
Dominik Theis: Das ist ja jetzt erstmal kein normaler Impuls, wenn du einem altverdienten Stürmer sagst, für dich habe ich keine Verwendung mehr, du kannst die Fußballschuhe eigentlich nach rechts und links legen.
Fabio: Ja, ich finde es ist mein Weg, wie ich denke, dass ich so schnell wie möglich auch mein Ding implementieren kann. Die Herangehensweise zwei Wochen sich etwas anzuschauen, wie du es gemeint hast und dann quasi das zu regulieren, ist bislang für mich schwer gewesen, weil zum einen den Alltag habe ich übernommen an der Länderspielpause im Oktober. Ich dann acht Tage Zeit, bis ich mein erstes Ligaspiel gegen RB Salzburg hatte. Das heißt, da wäre es schon zu spät gewesen, weil man zwei Punktspiele in den Sand setzt. Und jetzt war es so, dass wir zwei Wochen Vorbereitung hatten, bis mein erstes Europa-Ligaspiel angestanden ist. Das heißt, ich musste ja sehr schnell Entscheidungen treffen, wie wir es anlegen, weil wir uns ja bestmöglich auf dem nächsten Gegner auch immer gleich vorbereiten müssen. Im Fußball, wenn du jetzt nicht im Sommer übernimmst, wo du Dinge planen kannst. dann musst du ja immer sofort funktionieren und ich finde schon, ist die speziellste Herausforderung und größte Herausforderung im Fußball. Du hast keine Zeit, wenn du nicht im Sommer das Ding übernimmst. Und die meisten Übernahmen passieren ja trotzdem während des Jahres. Das ist einfach die Realität, obwohl es jetzt nicht unbedingt schlau ist von Management, weil jeder Trainer einfach auch Zeit braucht, ⁓ seine Idee in einer Mannschaft zu implementieren, weil es einfach... Zeit braucht, ist ja auch wissenschaftlich belegt, bis Menschen Dinge nicht nur lernen können, sondern dass sie es verstehen und dass sie es auch implizit verinnerlicht haben. Also dass sie Dinge tun und währenddessen nicht mehr darüber nachdenken müssen. Sonst verlierst du ja auch immer Zeit in deiner Handlungsschnelligkeit, bist da weniger präzise. Und da finde ich, dass wir Trainer einfach einen sehr speziellen Job haben und deswegen glaube ich schon, dass es wichtig ist, einfach eine Entscheidungsqualität zu haben oder auch eine Klarheit zu haben. Für mich war es jetzt in den zwei Fällen sehr einfach, weil ich bin Österreicher, ich kannte die Mannschaft in Alltag in und auswendig, weil mein Bruder ja auch dort gespielt hat. Das war so spezielle Situation, auch mein Bruder zu trainieren. Aber deswegen habe ich eigentlich auch so gut wie jedes Spiel gesehen und war da sehr, sehr nah dran. Und jetzt bei Sturm Graz sowieso, das waren Gegner. Das ist Verein, den man sowieso extrem eng verfolgt hat und mir waren viele Dinge schon klar und deswegen war es auch einfacher für mich schon mit einer Lösung hinzukommen als wenn du beispielsweise ins Ausland gehst und wirklich erstmal gewisse Dinge dir anschauen musst.
Dominik Theis: Jetzt bist du ja dann auch quasi in den Januar reingerutscht in ein schwieriges Transferfenster, weil ihr quasi einen Kaderumbruch auch im Winter hattet und du jetzt gleichzeitig da auch eine neue Hierarchie in der Mannschaft ja einfach auch finden musstest. Neue Spieler zugekommen, Leistungsträger gegangen. Ist das tägliche Geschäft tatsächlich einfach von Sturm Graz. Aber... Da haben Spieler dann quasi auch dadurch, dass du das Spielsystem umgestellt hast, haben neue Rollen oder wichtige Rollen gewonnen. Andere haben wichtige Rollen verloren auch. da, wie bist du da kommunikativ mit umgegangen? Also wie hast du versucht, jedem da trotzdem eine Überzeugung zu geben, auch wenn er seine Rolle quasi dann ein bisschen unwichtiger in der Hierarchie wurde, trotzdem das Gefühl zu geben, er ist gebraucht. Und gleichzeitig, das ist der richtige Weg, dem wir erfolgreich sein können.
Fabio: Mh. Generell war die Zeit extrem herausfordernd. Es war noch schwieriger als ich es gedacht habe. Ich wusste, dass wir kleinen Umbruch jetzt im Winter schon einleiten müssen. Dass der Umbruch dann am Ende aber so groß wird, war nicht geplant, sondern ist ein Stück weit passiert. Aber es haben sich einfach für den Verein Möglichkeiten ergeben, wo du aus finanzieller Natur einfach nicht Nein sagen hast können. Wir haben ja wirklich nur zwei Wochen Zeit gehabt bis zum ersten Europa-League-Spiel, was jetzt sehr, kurz ist. haben die ersten zwei Europa-League-Spiele dann noch mit einem gewissen Kader gespielt. Und dann war es einfach so, dass am Deadline, der ja einfach noch sehr viel Bewegung war, und wir quasi nach der Transferperiode direkt in die Meisterschaft gegangen sind mit einer komplett anderen Kaderkonstellation. Das heißt, mit den Jungs, die wir dann tatsächlich zur Verfügung hatten für die Liga, haben wir nicht gemeinsam die Vorbereitung bestritten. heißt, alles, was du dir erarbeitet hast die ersten drei, vier Wochen, war dann eigentlich wieder ad acta zu legen, weil sich durch diese Abgänge und Zugänge wieder Konstellationen, Hierarchien und Rollen
Dominik Theis: Wahnsinn.
Fabio: komplett verändert haben. Das eigentlich alles so passiert, Woche, genau in der Woche, wo wir die Rückrunde gestartet haben. habe dann die Woche versucht, auch Einzelgespräche zu führen mit jedem Spieler. sehr spät, aber erst dann war ja wirklich klar, wen haben wir zur Verfügung, was wollen wir tun und wie gehst du jetzt mal in die Saison rein, was ist deine aktuelle Rolle, was sehen wir in dir, was brauchen wir von dir, was gibst du uns und was fordern wir von dir noch mehr ein, einfach ⁓ eine klare Richtung zu haben, wo es losgeht, die Reise. Gleichzeitig aber schon mit der klaren Message, die Türen sind geöffnet, auch für diejenigen Jungs, die sich erstmal hinten anstellen müssen. Und natürlich hat diese Systemumstellung, die wir jetzt zum Teil mit Dreierkette spielen, andere Spieler einen Vorteil gebracht und manche Spieler natürlich einen Nachteil. ganz natürlich und trotzdem habe ich das Gefühl, dass wir einen coolen Kader haben mit Möglichkeiten, wo wir Woche für Woche dann einfach die passenden Jungs dann reinschicken können. Krass ist auch und leider Gottes haben wir es nicht geschafft bislang nur einmal mit der gleichen Startelf spielen zu können, weil jedes Mal jemand angeschlagen, verletzt, krank oder gesperrt war. Das ist schon ein Punkt, wo wir, glaube ich, an Stabilität gewinnen könnten, wenn wir mal stabiler über Wochen mit einer gleichen Konstellation spielen, weil ich schon noch das Gefühl habe, dass viele Spieler von uns noch nicht diese Connection zueinander gefunden haben, was ein Stück weit auch normal ist, weil du miteinander so wenig Zeit bislang verbracht hast.
Dominik Theis: Jetzt, wenn du die Mannschaft nimmst, du hast gesagt, dass du ... vieles verändert hast in den auch in den Strukturen. Strukturen sind für mich ja immer so ein Überbegriff. Trainer benutzen das sehr, sehr gerne. Aber für mich ist das manchmal auch einfach so eine Platitude. Decodier doch gern mal auch für dich, was du an Strukturen reingepackt hast. Weil Strukturen, wenn wir einfach aus der Wissenschaft reingehen ... Die feste Struktur an die Hand zu geben in einer Phase, wo es irgendwo schwierig ist, wo es nicht so läuft, gibt einem ja Halt. ist logischerweise, oder ist erstmal logisch. Aber was für Strukturen, Defensivstrukturen, Aufgaben sind das, die du der Mannschaft sofort in dem ersten Moment auch an die Hand gegeben hast? An wiedererkennbaren Dingen, an denen sie sich im Spiel auch festhalten können, wo sie eine Sprache von Anfang an sprechen können als Team.
Fabio: Mmh. Ich finde bei Struktur muss man extrem unterscheiden, spricht man von Struktur am Platz oder spricht man von Strukturen abseits des Platzes. Ich finde, dass du beides brauchst, ⁓ der Mannschaft Halt zu geben, ⁓ ihr Sicherheit zu geben, ⁓ ihr Routine zu geben. finde, haben viele Strukturen aufgebrochen, was so rundherum passiert ist. Wann trainieren wir was, wann haben wir welche Analysen? gibt ganz klare Wochen, Rhythmen, Periodisierungen, was jetzt an sich nichts Neues ist und eine Normalität im Profifußball ist. Aber ich habe es an meinen Vorstellungen angepasst und habe dort Dinge aufgebrochen, wie wir jetzt trainieren, wann wir trainieren, wann wir welche Besprechungen machen. Ich glaube, das sind neue Strukturen gewesen, wie so eine Woche für sie dann einfach auch angeordnet ist, wo auch am Anfang
Dominik Theis: Wie ist das jetzt so bei euch? Also nimm uns da gerne mal mit. Was hast du da konkret verändert?
Fabio: Ja konkret zum Beispiel ist es, dass wir nie zweimal trainieren, sondern dass wir in der Meisterschaftsphase immer nur einmal am Tag trainieren, dass wir keine gesonderten Athletikeinheiten mehr haben, sondern dass wir athletisch im Microdosing, nennt man es, unterwegs sind, dass wir vor jedem Training athletisch arbeiten im Sinne einer Aktivierung, wo Spieler immer das kriegen, was sie dann einfach auch im Training umsetzen müssen dann am Platz und viel mehr individualisiert arbeiten mit individuellen Trainingsplänen, was die Jungs in ihren Defiziten einfach erbrauchen. Dass wir viel mehr darin investieren, die Spielerverfügbarkeit so hoch wie möglich zu halten. Dass wir ganz klare Anordnungen haben, wann wir Gegnervorbereitungen, Trainingsanalysen, Matchpläne in Gruppen in Einzelformaten machen. Also da ganz klare Timelines und Timegaps haben, ⁓ sie bestmöglich zu versorgen. ich glaube, dass mit den Videos, wie viel Video, auch Feedback sie von Training und von Spielen kommen, auch in Positionsgruppen und individualisierten Bereichen ist einfach ein neuer Faktor jetzt gewesen und ich habe schon das Gefühl, dass die Jungs das einfach brauchen, ⁓ die neuen Inhalte und Impulse einfach zu verstehen, ⁓ sie dann peu peu auch am Platz sichtbar machen zu können. Dazu kommt dann natürlich die Struktur am Platz. glaube, ist das, was am Ende auch sichtbar ist. Das Eisberg-Modell, da ist dann immer nur das raus. Aber glaube auch, dass diese ganzen Strukturen rundherum, was außerhalb des Platzes passiert, auch eine wichtige Basis dafür sind, dass man das auch am Platz rüberbringt. Am Platz haben wir an der Struktur gearbeitet, was wollen wir gegen diese Fünfer- bzw. Dreierkettenmannschaften machen. Weil aus der Analyse aus dem Herbst hervorgegangen ist, dass wir ganz große Probleme hatten, wenig Punkte geholt haben, die Breite aus der Route nicht verteidigen konnten und uns neue Anordnungen und Grundsysteme wiedergefunden haben. Das war das Wichtigste, Klarheit reinzukriegen, wie wollen wir das angehen, welche Aufgaben haben wir in welchen Positionen. und zeitgleich noch mal klarzustellen, dass es nichts an unseren Spielprinzipien verändert. Egal ob wir in der 4-4-2-Route Angriffspressing spielen oder im 3-4-3, dann gelten die gleichen Verhaltensweisen. Nur sind wir anders angeordnet, ⁓ kürzere, einfache Wege zu haben. Und da versuche ich einfach die Jungs in der Lösungsfindung zu unterstützen.
Dominik Theis: Und mit einzelnen Videoclips dann auch die Positionsaufgaben visuell dann nochmal mitzugeben, was jetzt sich quasi verändert durch die veränderte Positionierung, dass es keine 4-4-2-Rauten mehr ist, sondern ein 3-4-2-1, in dem ihr momentan unterwegs seid und zurück an die Tabellenspitze gekommen seid. Lass uns da mal tiefer reingehen, wenn wir schon bei dem Thema sind. Diese Raute, die hat Grad stark gemacht, die hat vorher auch RB jahrelang stark gemacht. Du kennst sie, es wäre super naheliegend gewesen, da weiterzumachen, sie zu verfeinern, was auch immer. Du hast aber erkannt, heutzutage, durch diese vielen Phasen im Fußball, wo Mannschaften in der Fünferkette im tiefen Block verteidigen, hast du strukturelle Nachteile einfach. Vor allem mit dem Ball, wenn ich es richtig verstanden habe. Oder ist es auch gegen den Ball, wo du sagst, es ist eine 4-4-2-Raute für die aktuelle Zeit, die aktuellen Defensivtrends eigentlich out of the time.
Fabio: Ich sehe den Fußball immer als erstes gegen den Ball. So meine Prägung, meine Ausbildung aus meiner RB-Zeit. Also ich schaue immer, was macht der Gegner mit dem Ball und wie kann ich sie bekämpfen. Was macht ihnen das Leben am schwierigsten und zum Gleichen, wie kann ich den bestmöglichen Zugriff gewähren, das den Jungs so einfach wie möglich zu machen, dass wir Viele Bälle gewinnen. Ganz simpel, wir wollen sehr viele hohe Ballgewinne haben, wollen den Gegnern maximal stressen, wollen maximalen Druck erzeugen und daraus resultiert, dass die Raute gegen die Fünferkette einfach schwierig ist zu bespielen. Zum einen, weil du nur zwei Spitzen hast gegen 3N-Verteidiger. Natürlich kannst du die Raute einmal asymmetrisch in eine Richtung drehen, dass du dann in 4-2-3 unterwegs bist. Dann hast du vorne maximalen Druck, aber deine Außenverteidiger haben extrem lange Wege auf die flachen Wingbacks. Dann laufen sie dahinter immer in den Halbspuren in die Tiefe. Du hast weite Wege mit den Innenverteidigern im Durchsichern, wo sich die wenigsten ganz, ganz wohl fühlen, wenn sie an der Mittellinie stehen, 50 Meter in der Tiefe zu verteidigen haben und dann auch trotzdem die ganze Breite wegmachen müssen. Und deswegen war es für mich klar, wir müssen uns anders anordnen, ⁓ besser verteidigen zu können, ⁓ wieder dieser Sturm-DNA am Platz bringen zu können. Maximale Intensität, Ansprinten, Ballgewinne, schnelles Umschaltspiel, das ist unser Ding. Und wie gesagt, die Verhaltensweisen sind nicht zu verhandeln, die Prinzipien. können sie nicht zu verhandeln, bleiben. Aber wir ordnen uns anders an und ich finde das gibt uns einfach einen Vorteil. Und zugleich natürlich spielst du gegen den tiefen Block speziell mit Fünferkette. dann ist es aus der Raute trotzdem schwer, die fehlende Breite zu kaschieren. Natürlich versuchst dann immer mit 6ern, 8ern abzukippen, ⁓ dynamischen 3er-Aufbau zu bilden, die Außenverteidiger hochzuschieben und Breite zu haben. Du hast keine Winger, du hast nur Außenverteidiger, keine Wingbacks und deswegen ist es schwer, den Gegner dann auch sorgfältig zu bespielen und Lücken zu befinden, weil die meisten geben dir nicht mehr wie früher den Raum hinter der Kette, dass du sie rauslogst, ⁓ dahinter zu spielen, dass du deine Füße starken stürmst. mit Speed, mit Tiefgang am besten in Szene setzt, sondern sie nehmen die Tiefe weg, sie nehmen die Teinstärken weg und geben dir einfach nur noch maximal den Halbraum, Vorderkette oder die Breite. Und deswegen, ja, wollen und müssen wir uns anders anordnen, ⁓ genau diese Räume dann besser bespielen zu können, ⁓ dann irgendwann den Moment zu finden, wie dahinter die Kette erst zu kommen. Aber das ist der dritte, vierte oder erst fünfte Schritt.
Dominik Theis: Dann gehen wir mal den nächsten Schritt weiter, denn mich würde mal interessieren im Spiel mit Ball Königsdisziplin gegen einen tiefen Fünfer Block zu bespielen. Welche Prinzipien, welche Positionsaufgaben sind dir wichtig? Was sind deine Lösungen? Was ist dein Patentrezept, ⁓ diesen tiefen Fünfer-Regel zu knacken?
Fabio: Also ich will jetzt nicht im Detail gehen, weil wir haben noch den ein oder anderen Fünfer Block zu bespielen. Ich glaube die meisten schauen ja unsere Spiele und hoffentlich sehen sie auch das ein oder andere Prinzip davon. Aber will ich jetzt so nicht hundertprozentig teilen. Was mir extrem wichtig ist, dass wir einfach Linien brechen, versuchen, dass wir die Räume priorisieren. Priorität eins ist grundsätzlich immer, hinter die Kette zu kommen. Funktioniert das nicht, das ist die Priorität zwei, vor die Kette zu kommen. Und das ist dritte Priorität, das in die Breite zu spielen. Wenn du auch schon mal dieses Denkmuster drin hast und jeder die gleichen Gedanken hat, dann kommst du schon automatisch in eine Situation, wo du permanent die Kette bedrohst. Wo du schnell dorthin kommst, wo es trotzdem der Gegner problematisch hat und den Ball weit weghältst von deinem Tor. Zum anderen ist es mir total Wichtig ist, wir Verbindungen am Platz haben, dass wir gegenläufig arbeiten, wenn einer kurz kommt, dass der andere tief geht. Dass wir dadurch einfach den Gegner strecheln, dass wir den Raum wieder generieren, vor der Kette, hinter der Kette. wir haben da einfach viele Handlungsprinzipien, die wir immer wieder einfliegen wollen. Was passiert, wenn der Ball von innen nach außen gespielt wird? Was passiert, wenn der Ball von außen nach innen gespielt wird? Du brauchst immer Dynamik in der letzten Linie, wo du dann versuchst, eben hinter die Kette zu kommen. Räume zu öffnen für den Mitspieler, der dann quasi gegenläufig wieder Vorderkette da ist. Das ist eigentlich so Grundmuster, ohne zu viel zu verraten, bedienen wollen. Das ist uns momentan noch nicht so gut gelingt, ⁓ ehrlich zu sein. Also ich finde, dass wir speziell gegen den Ball sehr gute Arbeit schon geleistet haben, dass wir uns da stark entwickelt und verbessert haben, dass wir eine gewisse Stabilität reinkriegt haben und deswegen die letzten Spiele jetzt auch umgeschlagen sind. Im Spiel mit dem Ball haben wir aber noch extrem viel Luft nach oben und du hast es selbst vorhin gesagt, mit Ball ist einfach auch die Königsdisziplin und speziell gegen Gegner, die mit Fünferkette spielen, musst du dir erstmal knacken. Da haben wir versucht, uns auch mit Spielern aufzustellen, dass wir zwischen drei und vierer Kette auch switchen können im Ballbesitz, dass wir uns diesen Mannbezug, den man ja irgendwie woher stellen möchte, es so einfach wie möglich gegen den Ball zu haben, dass wir uns diesen Mannbezug einfach auch entziehen, wenn wir den Ball haben. Und da sind wir gerade in einem Prozess drin, wo es wieder ⁓ Struktur geht, wo es ⁓ Systematik geht, aber wo es auch ⁓ ganz klare Prinzipien gehen muss, die wir einfach noch besser in unser Spiel einpflegen müssen. Das haben wir echt am Anfang einer sehr, sehr langen Reise, würde ich sagen.
Dominik Theis: Ja, spannend. Ich habe mich letztens im Berufskontext viel mit dem Spiel von Bayern München beschäftigt. Wenn wir darüber reden, ⁓ da nochmal bei dem Thema zu bleiben, wie bespiele ich eine tiefe Fünferkette, kaum eine Spitzenmannschaft verzichtet mehr darauf, die beiden Außenspuren offensiv zu besetzen. Also eigentlich jede Spitzenmannschaft hat rechts und links Wingbacks, die hoch auf Höhe der letzten Kette breit stehen und dann versucht die Mannschaft von Bayern über verschiedene Wege eigentlich. den Gegner vor Aufgaben zu stellen. Immer wieder die Außenverteidiger in die Halbspur. Dadurch sehr, sehr eingerückt. Dadurch sehr, sehr guten Zugriff. Wenn sie mal den Ball verlieren im Gegenpressing, können sie sofort draufgehen. Harry Kane, tatsächlich als Neuner, wenn Bayern größeren Druck dann doch mal bekommt, fallen lässt. Teilweise neben die Innenverteidiger und so den Spielmacher spielt und mit seinen Diagonalverlagerungen nach rechts auf Ulis. Linien bricht en masse und Ulis in die isolierten 1-1-Situationen bringt. Also es gibt super viele verschiedene Ideen, auch immer wieder gegen die Verschiebebewegung des Gegners zu passen, ⁓ da den Rhythmus zu brechen und gegen die Verschiebebewegung einfach reinzugehen, dann Linien auch überspielen zu können. Da geht es am Ende ja ⁓ eine Priorisierung, was will ich. Also Bayern will diese isolierten 1-1-Situationen von Ulis oder von Dias. Bayern will aber auch gleichzeitig viele Spieler im Zentrum haben, sofort Zugriff wieder zu haben, auch dann, wenn der Gegner einen Ball erobert und vielleicht ein bisschen ins Chaos gehen könnte, sofort wieder zuzugreifen und diesen kleinen Moment des Chaos auszunutzen. Da gibt es verschiedene Lösungen und deshalb fand ich jetzt spannend, was du einfach angerissen hast. Jetzt lass uns nochmal in die Phase auch gegen den Ball gehen, weil du ja gesagt hast, da bist du schon sehr zufrieden mit dem, was die Mannschaft bislang Du hast ja auch am Anfang gesagt, was deine Idee von Fußball in drei Worten am besten beschreibt, wäre Pressing, Vertikalspiel, Umschalten. Das sind ja schon, sagen wir mal, anderthalb bis zwei Wörter, die sich vor allem im Spiel gegen den Ball kümmert. Du bist ein Fan von Offensivpressing, das würde mich mal auch mal interessieren. Wie löst du das gerade auch gegen Mannschaften? Das ist so ein Thema, mit dem ich mich gerade sehr beschäftige. Ich weiß gar nicht, ob das jetzt in Österreich so ein Thema ist, aber vielleicht ist es es. Ich beschäftige mich sehr mit dem FC Porto gerade, mit Francesco Farioli, weil der ja sehr viel eigener Stil, aber auch viel von diesem Deserbi-Spielaufbau hat, den man kennt, dass die ja versuchen, einer Viererkette plus zwei Sechern und dem Torwart lange den Ball hinten zu halten, den Gegner wirklich richtig, richtig rauszulocken, ⁓ ihn dann schnell zu überspielen. Wenn du gegen solche Mannschaften sagen wir mal, selbst wenn du nicht gegen die spielen solltest, weil das andere Aufgaben sind, wie gehst du da im Offensivpressing vor? Gerade gegen sowas, aber auch was sind da deine grundsätzlichen Prinzipien? Eher freuen von nach innen lenken oder nach außen lenken?
Fabio: Also, sehr, sehr spannende Frage und ich finde, das hängt auch immer von deinen Spielertypen ab, ob genau dieser Ansatz dann für dich gewinnbringend sein kann. Das heißt, du brauchst ja einen extrem spielstarken Torhüter auch schon, ⁓ den Spielaufbau so anzulegen. Du brauchst zwei Sechser, die wirklich den Ball haben möchten. Du brauchst zwei Winger, die sehr schnell sind und auch diagonal dann immer wieder die Tiefe betrauen und zwei Stürmer, die spezielle Wandspieler-Qualitäten haben und auch im Layoff einfach richtig gut sind. Ich finde das ist immer schon so ein Risiko zugleich. Ich sehe es jetzt im Sinne deiner Frage als defensives Chance für uns, dass sie sehr viel in Aufbau investieren und wenn du da den Ball schon klauen kannst, ist es einen sehr kurzen Weg zum Tor. Deswegen würde ich maximal viele Spieler dort rein investieren und speziell darauf schauen, dass ich den Torwart gut mitkontrolliere. Das heißt, gespielter Pass vom Torwart auf den Innenverteidiger, pressen und mit dem Ball entfernen, versuchen wir dann auch den Torwart rauszunehmen. dass keine Verlagerungen mehr möglich sind. Natürlich musst du dann maximal viele Spieler vorne rein investieren. heißt, brauchst eigentlich auch gegen 6 plus 1 brauchst du auch sechs Spieler auf dem Niveau. Und dann musst du es auch mal aushalten, hinten Mann gegen Mann zu verteidigen. Also du kannst nicht vorne pressen mit maximalen Druck und hinten sagen, ich will aber bloß einstehen. Ich glaube, das geht sich auf internationalem Top-Niveau nicht mehr aus. Und deswegen gibt es einen ganz klaren Trend. Entweder ich spiele momentan Mann gegen Mann ganz vorne, ganz hoch, ganz aggressiv, ganz mutig. ich gehe ganz tief in den Block und gebe gar keinen Raum mehr dahinter her. finde mittlerweile diese Mittelfeldpressing-Geschichten sind ja fast von der Bildfläche verschwunden, weil du den Druck vorne nicht ganz gewähren kannst und gleichzeitig ist dir dann aber auch nicht möglich, die Tiefe zu sichern, weil noch zu viel Raum einfach da ist. Und der Trend ist schon beobachtbar.
Dominik Theis: Ja vor allem, weil immer mehr Top-Teams dazu übergehen, die Tiefenläufe zu streuen und zu verteilen. Also wenn ich mir jetzt Dortmund angucke, da haben da die linken Schiedensspieler andauernd, genauso wie der rechte Achter Savica die Tiefenläufe gemacht. Bei Bayern kam auf einmal vom Zehner, kam es auf einmal auch vom Außenverteidiger. Das ist dann schon schwer, wenn du so viel Raum hinter der Abwäsche hast und du... kannst die auch nicht alle aufnehmen, vor allem wenn du mit einer Viererkette verteidigst, hast du ja quasi keinen plus eins Innenverteidiger in einer Dreierkette, wo du mal sagen kannst, der kann den aufnehmen, sondern da muss ja eigentlich schon immer ein Sechser mit. So und diese Löcher dann zu finden, finde ich es auch ganz spannend, habe ich für mich jetzt auch so die Antwort darauf bekommen, dass viele jetzt gar nicht darauf eingehen, sondern sagen, ok, entweder vorne Mann gegen Mann oder tiefer Block Fünferkette. Ist es bei dir auch so?
Fabio: Mmh. Tiefer Block, Fünfer Kette gibt es bei uns jetzt in der Art und Weise in Ausprägung nicht, weil der Verein auch grundsätzlich nicht dafür stehen möchte, sondern genau für das Gegenteil. Wir waren ja auch vor dem Spiel jetzt gegen RB Salzburg zu Hause in der Situation, dass aus der Analyse ganz klar rausgeht, spielst du Fünfer Block tief gegen Salzburg, haben sie maximale Probleme. Und trotzdem war es für uns klar und das ist wieder so Punkt, ich... zurückkomme, was ich am meisten hier lerne. Du musst auch wissen, was die Menschen von uns sehen wollen und was sie von uns erwarten und was sie nicht sehen wollen. Und ich weiß, wie das Spiel läuft, wenn wir tief hinten drin stehen, dann ist es nicht das, was die Menschen hier sehen wollen. Und deswegen ganz klarer Ansatz, der Verein steht nicht dafür, sind nicht die Werte, das ist nicht die Kultur. Und deswegen geben wir dann Salzburg auch das, was ihnen vielleicht sogar mehr in die Karten spielt. Aber trotzdem ist es das, was wir verkörpern müssen am Platz, ⁓ den Support von unseren Fans auch zu haben. Und den Weg gehe ich voll mit, weil ich sehr, sehr gern sehr aggressiv und sehr mutig bin und das auch immer wieder als Chance sehe für uns.
Dominik Theis: Ich würde mal interessieren, du hast jetzt mehrfach betont, du bist in deiner Trainerlaufbahn einfach stark von diesem RB-Fußball geprägt. Wie viel RB-Fußball steckt noch in deiner Spielidee?
Fabio: Ja, das Grundgerüst habe ich dort gelernt. Ich bin stark davon geprägt. tiefste Überzeugung von RB-Fußball ist ja immer so ein großer Begriff. Von diesen proaktiven Vorwärtsverteidigen bin ich sehr stark geprägt. Ich finde das, ich versuche mit dem Ball. schon neue Dinge zu implementieren, auch mein Repertoire dazu erweitern. Aber dieses Spiel gegen den Ball, was auch RB groß gemacht hat, was sie, glaube ich, auch international bekannt und speziell gemacht hat, das ist schon tief in mir drinnen. Und auf diesen Erfahrungsschatz werde ich mit großer Wahrscheinlichkeit auch immer zurückgreifen.
Dominik Theis: RB hat aber ja auch schon, ehrlicherweise, generell den österreichischen Fußball auch in der Nachwuchsausbildung geprägt, Also es ging viel ⁓ Intensität, was da noch andere Akademien quasi übernommen haben, was einfach ja auch dann zur DNA, wenn nicht bisschen vom Land passt. Ralf Rangnick hat es natürlich auch noch unterstützt, weil er als Nationaltrainer, als, sag mal, Verbandsoberhaupt quasi auch diesen Fußball spielen lässt und ihn ja schon quasi in den Uranfängen mitgeprägt hat, dass das Ganze sich entwickelt hat. Aber muss auch Österreich sich da umstellen jetzt? Oder glaubst du, dass es einfach nur so eine temporäre Entwicklung und es wird wieder ein Switchback geben?
Fabio: Also ich glaube, dass Österreich jetzt nicht das Land ist der großen Individualisten, sondern wir sind ein sehr, sehr kleines Land. Wir müssen uns schon über harte Arbeit über fleißig sein, über Intensität, über klare Strukturen. Ich finde das ist der große Vorteil von unserem Nationalteam, dass wir sehr viele Spieler haben, dieselbe Ausbildung und Prägung haben, dass die sich am Platz blind verstehen, dass Abläufe klar sind, dass sie auch dran glauben. an das was sie tun und wie sie es tun. Sie sind alle gemeinsam mit dem Trainer die Überzeugungstäter von der Art und Weise des Fußballs. Das ist schon ein Erfolgsrezept, für die österreichische Nationalmannschaft spricht. Grundsätzlich ist es so, dass diese Art Weise des Fußballs die Ausbildung natürlich extrem stark prägt und ich schon die Beobachtung mache und auch die Erfahrungen mache, dass der Fußball in Österreich Jahr für Jahr ein Stück weit wilder wird. Also es ist immer physischer, es geht immer mehr hin und her. Wir bilden jetzt rein individuell keine Spieler aus, die am Flügel am Wing stehen können und eins gegen eins auflösen können. Deswegen gibt es auch keine Mannschaft in der Österreichischen Bundesliga, die aktuell mit Wingern spielt. Was sehr schade ist, weil da wird die 4-4-2-Route sehr, gut draufpassen. Wir entwickeln uns ganz klar in eine Liga, wo es einfach permanent ums Umschalten und ⁓ zweite Bälle geht. Und ist sicher für den Zuschauern nicht immer das Attraktivste. Es scheint von außen auch sicher so, dass wir qualitativ nicht immer auf der Höhe Und trotzdem ist es so, egal wie gut du Spieler da reinstellst, dann ist es immer maximal herausfordernd für sie. Egal ob du gegen einen vermeintlich kleinen Club spielst oder gegen großen, weil das Leistungsgemenken hat sich so zusammengeschoben. Es extrem wenig Luft mehr zwischen Meisterschafts-Favoriten und einem Abstiegsaspiranten.
Dominik Theis: Spannender Aspekt hatte ich jetzt auch schon öfter gelesen. Ich würde da ganz gerne einen Haken dran machen, weil ich noch bisschen tiefer gerne in deine Trainerpersönlichkeit eintauchen würde. Du gesagt, du bist 33, du wirst jetzt demnächst 34. Junges Alter, trotzdem einige Trainerjahre schon auf dem Buckel. Mich würde aber mal interessieren, als Trainer musst du ja eine Überzeugung haben. musst sie nach außen auch transportieren können, weil du bist die Führungsperson. Im Zweifel muss man sich an dir festhangeln können, wenn jemand Halt sucht. Aber Zweifel gehören ja eigentlich zu jedem Menschen dazu. Daher würde ich mich mal interessieren, wann zweifelst du als Trainer? Gibt's Zweifel?
Fabio: Ich glaube, ich würde lügen, wenn man sich nicht selbst Gedanken macht, ob das eine oder andere gut geht oder gut gehen wird. Natürlich gibt es Momente, wo du Trainings hast, die nicht so funktionieren, Spiele hast, wo es Phasen gibt, wo du einfach nicht an dein Leistungsvermögen kommst, wo du Dinge hinterfragst, wo du dich selbst hinterfragst, wo du deine Pläne hinterfragst, deine Entscheidungen hinterfragst, ob du das Ganze hinkriegst. 100 %ig, aber ich glaube, das ist ein ganz normaler Prozess und ich glaube, ist auch nur gesund, weil wenn du aufhören würdest, dich selbst und das große Ganze immer wieder in Frage zu stellen, dann wärst du zum einen komplett egal und unwichtig und zum anderen bist du dann nicht angehalten, immer wieder darüber nachzudenken, was das Richtige für einen ist in der Situation und deswegen gibt es es 100 %ig und ich gehe jetzt auch nicht ehrlicherweise in jedes Spiel rein und denke mir, die vermöbeln wir heute, und dann gehe ich auch ins Spiel rein und denke mir, wow, das wird schon richtig spannend und ich bin gespannt darauf, wie die Jungs das heute hinbekommen. Ich habe jetzt echt oft, Gott sei Dank, die Erfahrung machen können im Frühjahr, dass wir stabil waren, dass wir umsetzen haben können, dass wir auch wenn es nur kleine Schritte waren, Schritte und Entwicklungen gemacht haben und da hilft es einfach immer wieder dann, so wie ich es vorhin gesagt habe, rückzukoppeln, wie und wo habe ich gestartet und wo stehen wir jetzt, wenn du manchmal das Gefühl hast, du kommst nicht vom Fleck. dich darauf besinnen, dass ich jetzt genau seit drei Monaten da bin, dass wir nach einem Monat nochmal die ganze Mannschaft umgewürfelt haben, dass wir als Dritter gestartet sind, vier Punkte hinter Salzburg, dass wir jetzt vier Punkte vor ihnen sind, obwohl die Punkte halbiert worden sind, dass wir noch mehr Punkte geholt haben als die. Deswegen kleine Schritte gehen, den Prozess sehen und das ist eigentlich so der Schlüssel. wieder hier und jetzt zu bleiben und sich voll auf den Prozess zu fokussieren und auf das, was man beeinflussen kann. das ist dann, wenn man an etwas zweifelt, am nächsten Tag versuchen, die Zweifel zu beheben, weil man Initiativen setzt, ⁓ sie in ein gutes Gefühl umzuwandeln.
Dominik Theis: setzt zu dir gewisse zeitliche Deadlines bei Zweifeln. Weil es gibt Trainer, die sagen, okay, entweder ich setze meinen Zweifel innerhalb von 48 Stunden ⁓ in eine Veränderung, in einen Handeln. Oder ich schmeiße es aus meinem Kopf raus. Gibt es da so was in deinem Umgang mit Zweifeln? Weil es gibt ja Zweifel, die sind leicht weg. Die hat man mal ein bisschen, dann ist es aber durch eine Ablenkung wieder weg. Es gibt aber auch Zweifel, kratzen am eigenen Fundament auf.
Fabio: Ich finde, kann man jetzt nicht, oder ich könnte das nicht pauschal beantworten. bin generell kein Typ, der sich irgendwelche zeitlichen Deadlines gibt für irgendwas, bei solchen Dingen bin ich sehr Bauchtyp, würde ich sagen. Wenn ich etwas fühle und denke, ich muss verändern, dann mache ich es. Wenn ich das Gefühl habe, das muss ich jetzt mal überstehen, dann muss ich es so überstehen oder schaue es mir dann mal an. Also völlig unterschiedlich und je nachdem, welche Thematik es sich am Ende des Tages handelt.
Dominik Theis: Lass uns gegen Ende der Folge nochmal so ein bisschen auch auf deinen Werdegang blicken. Hattest du in deiner Laufbahn sowas wie einen Mentor?
Fabio: Jetzt habe ich schon sehr, sehr viele gefragt. Ich kann jetzt nicht sagen, dass ich so einen Mentor oder ein Vorbild oder sowas in der Art und Weise irgendwie hatte oder jetzt auch habe. Fakt ist aber schon, dass mich viele Menschen auf dieser jetzt doch schon längeren Reise unterstützt und begleitet haben. Ich habe speziell unter Gerhard Struber wahrscheinlich am meisten gelernt. Aber jetzt rein auch aus dem Faktor raus, dass ich einfach noch blank war. Also ich bin ja komplett neu reingekommen. Er hat mir extrem schnell sehr viel Vertrauen gegeben. eine super Verbindung aufgebaut. hat mich in allem eingeweiht und mitgenommen und war sehr schnell sein engster Vertrauter. Und das hat auf jeden Fall gut getan, ⁓ mich zu entwickeln. eine Stabilität in dem ... was wir da tun, zu entwickeln, die gleiche Sprache zu sprechen und einfach voll im Thema zu sein. Dann war es trotzdem auch eine sehr coole Erfahrung mit Bo Svensson, mit einem komplett anderen Trainertypen, aber auch ganz anderen Persönlichkeit, auch ein halb Jahre zu arbeiten, weil er nicht aus dieser RB-Schiene gekommen ist. Ich finde, sehr viele spannende Inputs und Gedanken auch hatte, speziell geprägt von Thomas Tuchel, wie ich finde.
Dominik Theis: Welche zum Beispiel?
Fabio: Er hat schon gesagt, er will hoch verteidigen und pressen, aber sein Pressen war ein anderes Pressing, wir bei RB gepresst haben. Ich konnte ihm schon weiterhelfen in der Art Weise, wie man in Salzburg spielen muss und soll. Im Zeitgleich hat er mir aber auch immer wieder gute Denkanstöße gegeben, wie es in der anderen Fußballwelt so läuft. Ich finde, dass es große Unterschiede gibt zwischen dieser Welt von RB und der großen ganzen Fußballwelt. Und zwar in einer coolen Ergänzung, dass man immer wieder Einblicke von außen, von noch größeren Trainern und seine Erfahrungen speziell als Spieler bekommt. Und zum Gleiche, glaube, die internen Infos und Wege. auf diesen Wegen verhelfen konnte, dass man in die richtige Richtung geht. finde, dieser Mix war einfach zum Start für mich extrem wichtig und prägend. habe dann aber irgendwann das Gefühl gehabt, dass ich nicht vom Fleck komme und mich verändern muss und habe dann auch Gott sei Dank eine eigene Mannschaft bekommen mit der U18. Und dann ist es plötzlich so, dass du nicht aus der zweiten Reihe irgendwelche schlauen Dinge sagen kannst, dass du Dinge entscheiden musst. Und da war es dann trotzdem auch so, dass... in der Welt von RB in verschiedenen Bereichen und verschiedene Kollegen und Mitarbeiter es gegeben hat, wo ich heute nicht alle namentlich nennen kann, weil es zu viele sind, ich sehr viel Expertise mitnehmen habe können, egal ob es Bereich ist Analyse, ob es Bereich ist Athletik, ob es von auch Co-Trainer war, wir haben Mental Performance Abteilung gehabt, haben Psychologen gehabt, also ich konnte überall mir etwas mitnehmen, ⁓ mein Repertoire einfach zu erweitern und Ich dankbar, ich meiner Fußballreise viele spannende Menschen kennengelernt und mit ihnen gearbeitet habe. Auch wenn er mir oftmals unterstellt war, dann sehr viel mitgenommen habe und da schon mit offenen Augen und Ohren durch die Welt laufen möchte, ⁓ alles mitzunehmen, wo denke, dass es für mich brauchbar ist.
Dominik Theis: Wird ein Trainer ja oft so mit einem Werkzeugkasten gesehen, den er sich im Laufe der Zeit einfach vor allem, sagen wir mal, der Findungsphase einer Trainerlaufbahn gerade am Anfang zurechtlegt mit verschiedenen Dingen, sich mal links und rechts schaut. Das finde ich cool bei dem Trainer, passt es zu mir, ja oder nein. Und immer so weiter. Und das ja auch irgendwie so ein lebenslanges Lernen ist. Irgendwann kommst du ja dann schon, also bei den meisten Trainern, die dann wirklich diese neuen Fußball-Lehrerausbildung gemacht haben, kommt es mir so vor, dass die dann danach unfassbar klar sind, weil das in zu großen Teilen einfach ein Psychologiekurs ist, wo du dich unfassbar mit dir selbst beschäftigst und mit deinen eigenen Überzeugungen, mit deinen eigenen Ideen, was passt. Und dann geht es am Ende darum, in der aktiven Lern- oder in der aktiven Anwendungsphase in der ersten Liga, in der zweiten Liga zu schauen, Was passt dann auch in der Realität? Weil er hat eine ganz spannende Folge mit einem deutschen Trainertalent, das in Portugal arbeitet, das so seine Ideen hatte und dachte, ja, okay, ich bringe das da so an. Und das sind bestimmt alles richtige Zocker. Aber dann kam er hin und hat gemerkt, da geht es nur ⁓ Ergebnis, da geht es nur ums nackte Überleben. In Portugal werden so viele Trainer rausgeschmissen wie gefühlt in keinem anderen Land. Und du musst dich anpassen. So, nochmal ⁓ den Anfang meiner Frage zurückzukommen. Diese Werkzeuge, einzelne, gibt es welche, du so für dich weißt, ⁓ die hab ich, weil die hab ich mir bei dem Trainer oder in der Phase mal abgeguckt, die du für dich auch so klar identifizieren kannst, wo das herkommt, was ist das?
Fabio: Also hundertprozentig ist mein Steckenpferd das Spiel gegen den Ball und mit ganz klarer Überzeugung kann ich sagen, dass ich ein Überzeugungstäter bin von der, wie du es nennen würdest, RBID, von diesem hohen Pressing. Ich weiß, dass ich auf alles eine Antwort habe. Ich weiß aber auch, dass die Umsetzung am Platz natürlich viel, schwieriger ist, wie an der Tafel in einem taktischen Video oder wenn man die Jungs das einfach nur so mitteilt. Also die Wahrheit liegt immer am Platz, aber mein Werkzeug speziell im Spiel gegen den Ball habe ich bei Salzburg mitbekommen und da bin ich sehr klar und sehr dankbar und wie ich es vorhin schon gesagt habe, werde mein ganzes Leben darin geprägt sein. Ich finde, wir haben auch extrem viele Prinzipien uns miteinander auch ins Leben gerufen. die dann auch allgemein gültig waren, jetzt nicht nur in meiner Mannschaft oder in der Profimannschaft oder in U16 Mannschaft, sondern was sich so quasi in der ganzen Welt dann verbreitet hat von RB, zumindest in Salzburg, wo ich finde, dass das allgemein gültige Dinge sind, die für alle Mannschaften auf der Welt gültig sein sollten. Deswegen habe ich einige von diesen Prinzipien, die ich immer mitnehmen werde und die unabhängig vom System, unabhängig von Grundprinzipien oder sonstigen Spielweisen ist. Ich glaube, das hilft einer Mannschaft enorm und gibt ihr wieder Halt, wie wir davor gesprochen haben, wenn sie sich an gewisse Anker orientieren können. Das, was immer geht, unabhängig von was der Gegner macht, was wir machen, diese Prinzipien sind allgemein gültig.
Dominik Theis: Was ist denn dein Lieblingsspielprinzip?
Fabio: Ganz simples Prinzip, Ball von innen nach aussen heißt Ball nativ. Das heißt, spielt der Innenverteidiger zum Außenverteidiger, dann muss ein Spieler auf der ballnahen Seite in die Tiefe laufen. Entweder kriegt den hinter die Tiefe oder in die Tiefe oder er zieht den Raum vor der Kette frei. Und das kommen wieder Connections ins Spiel, wie ich davor gesagt habe, dass Spieler einer muss tief gehen, einer muss kurz kommen. Also sie müssen aufeinander Acht geben. Der Ballferne reagiert auf den ballnahen Spieler. Du hast wieder die Priorisierung der Räume, geht es tief, schießt du ihn hinter die Kette, schaffst du das nicht. Priorität 2. kommst du vor die Kette. Das ist jetzt ein kleines Prinzip, das wirklich komplett egal ist, ob das ein Außenverteidiger ist, ein Wingbacker ist, ein Breiterachter ist, das einfach immer gelten soll. Geht der Zehnertief, der Wingertief, der Stürmertief, ist komplett egal. Also das sind Prinzipien, die aus allen Grundordnungen gelten und so haben wir versucht einfach Prinzipien zu implementieren für das Spiel mit dem Ball, die nicht darauf ausgelegt sind, dass du heute mit 4-3-3 und Winger spielst oder mit einer 4-4-2-Route ohne breiten Sitzung.
Dominik Theis: Unabhängig vom System ist es spannend, weil Ralf Kettemann vorher auch gesagt hat, eigentlich jede spannende Situation im Fußball hängt irgendwie mit einem tiefen Weg zusammen. Also die Bedeutung von tiefen Läufen ist gefühlt unermesslich, egal in welchem System man spielt, egal welche Pressinghöhe der Gegner hat und und und. Man kommt nicht drum herum und man sieht auch meistens, wenn man mal schaut, wenn Mannschaften irgendwie niedrigen XG haben, dann hängt es auch oft damit zusammen, dass hier einfach super wenig Tiefenläufe drin haben. Ist mir immer aufgefallen, einfach so in der Korrelation, dass es da einfach daran hakte überhaupt, ins letzte Drittel in die Box einzudrängen, weil sie gar keine Tiefenläufe da drin hatten. Tiefenläufe haben wir jetzt nur noch bedingt drin, weil die Zeit ist schon weit vorangeschritten. Ich habe aber noch vier kleine Fragen. Zwei müssen wir noch nachholen vom Trainersteckbrief. Die sind vorher noch ausgeblieben. Mich wird daher mal interessieren,
Fabio: Mhm.
Dominik Theis: Was ist denn deine größte Stärke als Trainer?
Fabio: Es ist nie cool für mich persönlich über mich zu sprechen, speziell in positiven Dingen. Eine Stärke von mir ist ganz sicher die Reduktionsfähigkeit. Ich schaffe es, komplexe Dinge einfach herunterzubrechen und die verständlich an meine Spieler zu bringen, sodass jeder weiß, was er zu tun hat. Das würde ich sagen, ist ganz klar meine Stärke in der Vermittlung. Was ich haben möchte und wie ich es haben möchte.
Dominik Theis: Und wiederum, was ist deine größte Baustelle als Trainer?
Fabio: Wahrscheinlich ist es die Geduld. Ich bin schon jemand, der klare Vorstellungen hat. Ich bin jemand, der genau weiß, wohin er möchte. Ich weiß genau, wie das Endprodukt aussehen soll. Und es ist nicht immer so einfach, dann den Prozess zu sehen. Ich finde, ich habe mich extrem darin gesteigert. früher viel sturer in der Hinsicht. Aber trotzdem denke ich, dass es gewisse Gelassenheit braucht, weil es einfach auch den Spielern und der Mannschaft zusteht, die auch dann zu bekommen.
Dominik Theis: Wie drosselst du deine Ungeduld?
Fabio: Zum einen immer wieder diese Rückkopplung, wo haben wir gestartet, wo sind wir jetzt. Zum einen versuche ich dann trotzdem immer wieder initiativ zu werden, ⁓ es zu beschleunigen, dass ich dann wieder mit einem guten Gefühl rausgehe, dass ich nicht sage, ich lasse jetzt einfach laufen und hoffe und bete, sondern dass ich schon versuche aktiv dagegen zu steuern. Ja und wenn ich die Kombination hinkriege, dann geht es mir auf jeden Fall besser. und zeitgleich bin ich aber jemand, schon perfektionistisch veranlagt ist in der Art und Weise und muss ja auch fordernd sein und bleiben bei meinen Spielern, weil nur wenn ich es jeden Tag einfordere, dann steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es irgendwann so ist, wie ich es mir vorstelle.
Dominik Theis: Alright. Wenn du dir einen Trainer aussuchen dürftest, mit wem würdest du gerne mal einen Kaffee trinken gehen?
Fabio: Ich glaube, ich habe es schon erreicht, weil ich war mit Jürgen Klopp mal den ganzen Vormittag unterwegs und habe mich austauschen dürfen. Ich finde, er von der Art Weise des Spiels schon sehr viel einbringt, von den Werten her, wie mein Fußball aktuell auch aussehen soll. finde auch, dass er ein unglaublicher Kommunikator ist, dass er gefühlt von allen Menschen gemacht wird. Er macht sowohl nach innen als auch nach außen extrem viel richtig. Deswegen war es mich immer mal interessiert, wie er so tickt, wie er Fußball lebt. Es war auf jeden Fall ein sehr spannender Vormittag. Das ich cool gefunden und hoffe, es wieder einmal sich ausgeht.
Dominik Theis: Wenn wir jetzt Trainer nehmen, mit denen du noch nie einen Kaffee trinken warst oder mit denen du noch nie irgendwas essen warst, wer wär's dann?
Fabio: Wenn ich extrem spannend finde, ist z.B. Xabi Alonso. weil ich finde, dass der Außergewöhnliches geschafft hat mit Bayer Leverkusen. war auch als ich Trainingslager in Salzburg war bei einigen Trainingszuschauern. Ich auch gesehen, wie aktiv er auch am Platz ist, wie viel er einfordert, gleichzeitig wie wenig er abgegeben hat an seine Kollegen. Ich würde mich extrem interessieren, wie sein eigenes Bild dazu ist, wie seine Methodik dazu ist, wie seine Grundsätze dazu sind und wie er es am Ende des Tages auch geschafft hat. an den Vereinen und an Mannschaft die Art und Weise des Spiels zu implementieren, weil es schon herausragend war. Und zeitgleich darüber zu sprechen, diesem extremen Hoch zu diesem Tief, was er jetzt gerade trotzdem erlebt hat, wie er diese zwei Dinge miteinander verbindet, wie er sie einschätzt und einfach wäre es super interessant, dann darüber im Detail zu sprechen.
Dominik Theis: Ja und apropos hoch, da sind wir schon bei der letzten Frage. Hoch erlebt er ehrlicherweise nicht erst seit dieser Länderspielperiode, sondern auch die letzten Jahre die Nationalmannschaft von Österreich. Daher würde mich mal interessieren, deine persönliche Einschätzung, wie weit kommt Österreich denn bei der WM in diesem Sommer?
Fabio: Ich hoffe so weit wie möglich. glaube, jetzt zu sagen, wir wollen Weltmeister werden, wäre ein bisschen zu viel und unrealistisch. Das wäre eine Ansage. Ich denke, wir haben auf jeden Fall das Zeug, die Gruppenphase zu überstehen.
Dominik Theis: Wer eine Ansage.
Fabio: Trotzdem ist eine WM-Endrunde eine Endrunde und ganz was anderes wie eine Quali oder Testspiele. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass wir jetzt gerade extrem stabil sind, dass wir klar sind, dass wir eine extrem homogene Mannschaft haben und geile Atmosphäre und sich jeder darauf freut. Deswegen bin ich von überzeugt, dass wir in die Kauphase kommen und da muss man auch bisschen aufs Losglück hoffen.
Dominik Theis: Okay, aber Viertelfinale wäre schon drin, wenn du in so einen Flow kommst, oder? Mit der Mannschaft, die sich ja über Jahre jetzt ja auch aufgebaut hat. Klar, jetzt auch nochmal Neuspieler mit Paul Wanner und Chukwu Emeka dazu bekommen hat. Aber im Kern kennt diese Mannschaft sich, die Trainer kennt die Mannschaft und wiederum, ist ja was, was über Jahre aufgebaut wurde und ja. Wenn ich jetzt mit Deutschland vergleiche, wo unfassbar viel Fluktuation, vor allem durch Verletzungen jetzt auch drin war und der Trainer noch nicht so lange dabei ist, wie es Ralf Rangnick in Österreich war, die sind noch nicht so weit in ihrem Entwicklungsprozess, auch wenn sie die vermeintlich individuell stärkeren Spieler haben sollten. vor allem bei so einem Wettbewerb kommt es ja aufs Team an.
Fabio: 100 %ig. Ich traue Österreich viel zu. Wie gesagt, glaube, wir sind nicht gut beraten, wenn wir jetzt große Töne spucken oder die Ansprüche krass nach oben schrauben, weil wir sind seit sehr, sehr langer Zeit überhaupt mal wieder qualifiziert. Deswegen muss man schon wissen, wo man herkommt, aber gleichzeitig nicht zu klein denken. Ich glaube, jetzt haben wir voller Fokus auf die Gruppe und das traue ich ihnen 100 %ig zu, dass wir die überstehen und auch dann die eine oder andere Runde noch weiter zu kommen.
Dominik Theis: Alright, Fabio, besten Dank für deine spannenden Insights, deine Einblicke in deine Trainerpersönlichkeit und auch in deine Prägung. Hat mir riesigen Spaß gemacht und in dem Sinne sage ich viel Erfolg jetzt mit Sturm in der Endphase, jetzt als nächstes gegen Rapid Top Spiel am Sonntag. die Folge kommt erst in der Woche darauf raus, daher wissen wir dann schon, ob ihr quasi vier Punkte Vorsprung habt, ob es bei einem Punkt Vorsprung geblieben ist oder ob ihr dann in die Herausforderer, die Jägerrolle gewandert seid. Aber auf jeden Fall viel Erfolg und wie gesagt, einen Bogen zum Anfang zu spannen. Vielleicht knackst du da ja den nächsten Rekord. Würde mich auf jeden Fall freuen.
Fabio: Dominik, danke für deine Einladung, danke für die Zeit und die coole Atmosphäre.
Dominik Theis: Sehr gerne. Dann liebe Coaches und Zuhörerinnen macht's gut. Spaß mit euren Teams. Wir hören uns in nächsten Woche, wenn es wieder heißt, From Coach to Coach is back.