
FROM COACH TO COACH· Staffel 4· Folge 10
André Breitenreiter: Ein Entwickler mit Feuerwehrmann-Impact
Mittwoch, 22. April 2026 · 1 h 20
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Shownotes
Woran erkennt man eigentlich ein Team von André Breitenreiter?
In dieser Folge von FROM COACH TO COACH gibt der ehemalige Meistertrainer des FC Zürich tiefe Einblicke in seine Arbeit, seine Prinzipien – und seine persönliche Entwicklung.
Breitenreiter spricht über die DNA seiner Teams: Intensität, Variabilität und Kreativität. Taktisch flexibel, aktuell mit einer klaren Tendenz zum 3-5-2 – aber immer angepasst an Spieler und Kontext.
Der Ex-Coach von Hannover 96, der TSG Hoffenheim und dem SC Paderborn wurde unter anderem von Felix Magath und Lorenz-Günther Köstner geprägt – und von besonderen Duellen, etwa gegen Pep Guardiola.
Sein größter Erfolg: die Meisterschaft in Zürich. Und trotzdem ist sein Ansatz heute klar: Entwicklung steht über kurzfristigem Erfolg.
Dabei sprechen die Zahlen eigentlich eine andere Sprache. Laut CoachInside haben seine Teams einen extrem hohen Impact in den ersten 10 Spielen nach Amtsübernahme.
Trotzdem sieht er sich selbst nicht als klassischen „Feuerwehrmann“, sondern als Entwickler – und hat genau deshalb zuletzt bewusst mehreren Clubs abgesagt.
Ein zentrales Thema der Folge: Spielerentwicklung. Am Beispiel von Niclas Füllkrug wird deutlich, was möglich ist. In Hannover noch Ersatzspieler in der 2. Liga, arbeitete er nach dem Training regelmäßig extra mit Breitenreiter – heute ist er Nationalspieler, Torschützenkönig und spielt beim AC Mailand.
Außerdem spricht Breitenreiter über:
• Seine größte Stärke (Kommunikation) – und seine größte Baustelle (Ungeduld)
• Warum ihn Schönrednerei im deutschen Fußball am meisten stört
• Zwei besondere Teamansprachen – darunter eine legendäre während seiner Corona-Erkrankung beim FC Zürich nach dem Sieg gegen BSC Young Boys
• Einblicke in seine Spielidee-PowerPoint und wie sie sich über die Jahre entwickelt hat
• Das Spannungsfeld Trainerkommunikation am Beispiel Julian Nagelsmann / Deniz Undav
• Seine Kriterien bei der Wahl der nächsten Station – und warum er bei Hannover bewusst nicht auf sein Bauchgefühl gehört hat
Eine Folge über Wirkung, Entwicklung und die Frage: Was macht einen Trainer wirklich aus? 🎙️
Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin
Dominik Theis: Auf 144 Bundesligaspiele und 13 europäische Nächte als Spieler folgten zwei Bundesliga-Aufstiege und der Schweizer Meistertitler als Trainer. André Breitenreiter blickt auf jede Menge prägende Momente in seiner Fußballlaufbahn zurück, zu der auch frühzeitige Trennung und ein Abstieg gehörten. In seinen 13 Trainerjahren im Profifußball trainierte der 52-jährige spätere Weltstars wie Leroy Zané, Leon Goretzka oder auch Klaas-Jan Hünteler. Bei From Coach To Coach blicken wir gemeinsam zurück auf seine Stationen von Schalke bis Zürich, seine Spielideen und Leadership-Ansätze und wollen vor allem von solch einem erfahrenen Fußballtrainer wissen, wie sich dieser hochspannende Job in den letzten Jahrzehnten verändert Und damit sage ich herzlich willkommen bei From Coach To Coach, Andre Breitenreiter. Ja, Andrej, ich habe es jetzt schon in der Anmoderation anklingen lassen. Aufstiege, ein Abstieg. Du hast Europa League trainiert mit Schalke. Was hat dich denn als Trainer am meisten geprägt? Die Erfolge oder die Rückschläge?
Andre Breitenreiter: Direkt eine gute Frage. Letztendlich mache ich diesen Job, ich einfach den Fußball liebe und es mir unheimlich viel Spaß macht, jungen Menschen zu arbeiten, ihnen auch von meinen Erfahrungen selbst als Spieler einiges mitzugeben, welche Lehren ich aus meinen Fehlern gezogen habe, damit sie einige Jahre sich diese Fehler dann auch ersparen. Natürlich sind Erfolge extrem schön, weil ich das mit strahlenden Gesichtern verbinde, weil ich das mit positiven Emotionen verbinde. Erfolge wie Aufstiege oder auch der Gewinn der Meisterschaft sind bleibende Erinnerungen für ewig. Auch mit den Mitarbeitern, mit denen man gemeinsam diesen Erfolg erzielt hat, mit den Spielern. Und das schöpft natürlich immer neue Motivation, das auch wieder erreichen zu wollen. Aber natürlich lernt man auch aus Rückschlägen und aus Misserfolgen, ⁓ dann einfach seine Lehren daraus zu ziehen, ⁓ Dinge vielleicht beim nächsten Mal noch besser zu machen. jeder Trainer hat letztendlich auch irgendwo seine kleinen Dellen. Und dann geht es immer darum, Lösungen zu finden, ⁓ beim nächsten Mal das auch wieder so gut zu machen, dass es in die Erfolgsspur zurückgeht.
Dominik Theis: Würdest du sagen, man lernt sich besser kennen oder besser selbst kennen durch Rückschläge
Andre Breitenreiter: Auch für mich selber habe ich das nicht festgestellt, weil ich eigentlich jemand bin, aus voller Überzeugung versucht, eine Mannschaft einzuwirken, wie ich es für richtig halte in diesem Augenblick. Da gibt es auch nicht nur Plan A, sondern eben auch Plan B, Plan C, gerade wenn es mal nicht auch läuft. Ich versuche eigentlich immer, mein Bestes zu geben und auch die bestmöglichen Lösungen für die Erfolgsspur zu finden. da bin ich eigentlich immer im Reinen mit mir. Manchmal gibt es Dinge, die man nicht beeinflussen kann. wo man machtlos ist, man trainiert und man probiert, sämtliche Hiebe in Bewegung zu setzen. Und trotzdem soll das dann einfach nicht sein. Das muss man ein Stück weit akzeptieren und keine Selbstzweifel an der Grundidee aufkommen lassen, aber natürlich immer bereit sein, offen zu sein, zuzuhören und letztendlich aus den Fehlern die richtigen Schlussfolgen zu ziehen.
Dominik Theis: Apropos zuhören werde ich vor allem jetzt auch bei der nächsten Kategorie, denn wir wollen dich besser kennenlernen. Du kennst es, du hast gesagt, du hast schon ein Folgen vorher auch gehört. Die treuen from Coach to Coach, Hörerinnen und Hörer kennst auch die Kategorie Trainersteckbriefe. Wir wollen dich zu Beginn dieser Folge näher kennenlernen. Daher wird mich mal interessieren, lieber Dreier- oder Viererkette.
Andre Breitenreiter: Beides tatsächlich. glaube, meine Idee vom Fußball kennzeichnet auch eine Variabilität, gut ausrechenbar zu sein. Und von daher kann ich mich da nicht festlegen, auch wenn ich in letzten Jahren viel Dreierkette gespielt habe, lag er aber in erster Linie dann auch an den Kader-Zusammenstellungen der Mannschaft. Die Mannschaften waren einfach besser für Dreierkette ausgerichtet. Und insofern... bin ich da flexibel aufgestiegen, ich mit Paderborn mit 4-4-2, mit Hannover auch mit 4-4-2, 4-2-3-1 und Meister bin ich mit 3-5-2 geworden. Also insofern gibt es da für mich keine Unterschiede, denn wir beide wissen ja auch, wenn du während eines Spiels von oben permanent Fotos machst, dann erkennst du während eines Spiels wahrscheinlich 25 Systeme und Grundordnungen, also insofern verschiebt sich das heutzutage im Spiel sowieso. Für den Journalisten, für eine Grafik zu Beginn an, würde ich aktuell gerade das 352 sagen.
Dominik Theis: Ich würde sonst gut, dass du es dich doch noch am Ende entschieden hast. Ich hätte sonst die Frage noch mal bisschen weitergetreten, nämlich was siehst du denn derzeit im internationalen Fußball als Erfolgsversprechen an Dreier- oder Viererkette? Ist es dann auch die Dreierkette?
Andre Breitenreiter: Ich finde nicht, dass es systemabhängig ist. Noch mal, ist in erster Linie eine Frage der Spieler, die mir zur Verfügung stehen. Ich glaube, geht immer ⁓ Grundprinzipien. Wie möchte ich grundsätzlich meine Mannschaft spielen sehen? In welcher Art und Weise? Das kann dann mal Viererkette, Dreierkette sein. Gerade wenn man sich heute auch die Gegner so vorbereitet, ⁓ einfach nach Lösungen zu suchen. bin jemand, der schon lösungsorientiert, sich auch am Gegner orientiert. Natürlich haben wir eigene Prinzipien, die wir spielen wollen, aber ich möchte halt die Schwachstellen herausfinden und dann entsprechend die richtigen Lösungen dagegen auf den Platz bringen. Das kann sowohl Viererkette, aber auch Dreierkette sein.
Dominik Theis: Bevor wir da tiefer reindeiven, machen wir weiter mit der nächsten Frage. Auch etwas in die Richtung. Lieber Mann gegen Mann an Angriffspressing oder im tiefen Block verteidigen?
Andre Breitenreiter: Völlig klar für mich, auch wenn aktuell gerade der Trend dahingeht, dass viele Mannschaften im tiefen Block stehen. Schon sehr auffällig ist es für mich ganz klar, meine Herangehensweise zu jagen. Intensiv hoch zu pressen, gegen zu pressen, was nicht ausschließt, dass man in langer Spielphase auch mal ein Stück weit zurückgeht ins Mittelfeld pressen oder auch mal im tiefen Block sein muss, gerade auch in Unterzahl. Aber grundsätzlich möchte ich aktiv agieren, ich möchte aktiv pressen, ich möchte gegenpressen. Und das mit einer hohen Intensität. ich glaube, wenn man sich die letzten Stationen mir anschaut, der Art und Weise, ob erfolgreich oder nicht, war das eigentlich auch immer zu erkennen.
Dominik Theis: Ich habe eine Hörerfrage direkt in den Trainersteckbrief aufgenommen, nämlich von Alex Konradi. Was reizt dich mehr? Meister-Aufstiegskampf oder Abstiegskampf?
Andre Breitenreiter: Ja, Beides hat ja seine Reize. Aber es ist ja klar, dass ich lieber ⁓ Aufschiegs-Spiele, ⁓ eine Meisterschaft, weil das ja auch immer mit positiver Atmosphäre zu tun hat und mit diesem Tunnel auf den Platz zu gehen und zu wissen, wir gewinnen dieses Spiel und davon sind wir auch überzeugt, weil wir gut vorbereitet sind. Aber natürlich hat auch der Abschiebskampf und diese Erfahrung habe ich auch gesammelt seine Reize. es dann nachher auch schafft und vielleicht viele Kritiker widerlegt oder auch viele Zweifel im Umfeld außerhalb des Vereins und dieses Erfolgserlebnis dann erreicht, dann hat das natürlich auch eine ganz spannende, reizvolle Aufgabe oder Herausforderung. Wenn ich Mannschaften übernommen habe, habe ich letztens eine Statistik auch gesehen, habe ich mit den Teams immer einen hohen Impact, auch die ersten zehn Spiele auch. Was ist eigentlich gerade auch für Mannschaften, in einer Schieflage geraten sind, sehr reizvoll ist, dann natürlich auch auf Trainer zurückzugreifen, die schnell auf eine Mannschaft einwirken können. Das ist mir natürlich immer ganz gut gelungen und von daher ist das natürlich während einer Saison das wahrscheinlichste Szenario, ⁓ ein neues Engagement zu finden.
Dominik Theis: Also logge ich auf jeden Fall eher Meisteraufstiegskampf ein als ... Aufstiegskampf, auch wenn es natürlich auch einen Reiz hat. Eher Bauchgefühl oder Datenanalyse?
Andre Breitenreiter: Ja, braucht man beides natürlich, aber ich bin ein klarer Bauchmensch und deswegen ganz klar Bauchgefühl bei mir. Ich glaube, habe gute Antennen, gerade für Menschen und auch für Situationen und deswegen verlasse ich mich da in der Regel auch drauf. Aber ohne Datenanalyse geht heute natürlich auch nicht viel.
Dominik Theis: Wofür soll eine Breitenreiter-Mannschaft stehen?
Andre Breitenreiter: Ja, haben wir gerade schon kurz vielleicht auch thematisiert, wenn man das in wenigen Worten vielleicht so langfasst, für hohe Intensität auf jeden Fall. Das ist Grundvoraussetzung für die Art von Fußball, die ich auch sehen will. Die Mannschaft muss fit sein, damit wir auch diese Intensität auf den Platz bringen können. Für Variabilität, wie ich es gesagt habe, unausrechenbar zu sein, gerade so zum Beispiel Paderborn, Aufstieg. Da gab es andere Trainer, sich uns geäußert haben und gesagt haben, jeder weiß eigentlich, was Paderborn macht, aber keiner hat ein Mittel dagegen. Das sind so die schönsten Bestätigungen, variabel zu sein, Lösung A, B und auch C zu haben, weil man natürlich auch mit gewisser Gegenwehr rechnet und taktischen Möglichkeiten, aber dann auch den nächsten Step wieder zu gehen. ja, ich bin auch ein Freund von Kreativität. Ich habe einige Spieler trainiert, die wie du es vorhin aufgezählt hast, Weltklasseformat entwickelt haben oder auch schon hatten. Und die solchen Spieler muss man auch natürlich gerade insbesondere im letzten Drittel die Freiheit für Kreativität geben. Das sind die Spieler, nachher den Unterschied ausmachen. Das sind die Spieler, die dann unter Druck die richtigen Entscheidungen treffen. Man kann viel vorbereiten. Gerade so zwischen den Strafräumen kann man viel mit Automatismen abläufen. Da bin ich auch natürlich ein großer Freund von. Man bereitet viele vor, aber in der eigenen Box und in der gegnerischen Box entscheidet ganz oft individuelle Qualität und Kreativität. Und das unterstütze ich auf jeden Fall, dass die Spieler mit ihren Stärken auch diese Stärkung zeigen dürfen.
Dominik Theis: Du hast jetzt schon gewisse Spiele angesprochen, passt zur nächsten Frage. Welcher Spieler hat dich in deiner Trainerlaufbahn am meisten beeindruckt?
Andre Breitenreiter: Da möchte ich ja keinen zu nahe treten. Ich habe tatsächlich einige begleitet und ich glaube auch einige ganz gut zum nächsten Step oder zu weiteren Steps beigetragen. Aber wer mich wirklich beeindruckt hat, war Klaas-Jan Hünteler. Und jetzt gar nicht. Aufgrund seiner fußballerischen Qualität. Klar haben wir im Training Abschüsse gemacht, dann waren halt einfach neun von zehn Bällen drin. Das hat man in der Qualität natürlich auch selten. Aber Beeindruck hat mich einfach. Die Normalität, die Demut dieses Spielers, mir war sich nie zu schade. Und wir wissen, wie sich die Generation vielleicht auch ein Stück weit verändert hat. Als Erster auf den Trainingsplatz zu gehen, zwei Ballsäcke zu tragen, war der Erste, der nach dem Training angefangen hat, abzuräumen, aufzuräumen, Duellen einzusammeln. Und das ist natürlich für einen Trainer. Er hat das Allerbeste, man haben kann, weil natürlich hier sämtliche junge Spieler, alle anderen Spieler auf ihn schauen und sehen, ok, Klaas-Jan Wintelaar, Welsdar von Real Madrid, es nicht zu schade, hier die Bälle einzusammeln und das erleichtert die Arbeit des Trainers total. Also diese Bodenständigkeit hat mich sehr beeindruckt und deswegen kann ich ihn da auch ohne Bedenken nennen.
Dominik Theis: gespickt oder gedreht auf die Trainer. Welcher andere Trainer hat in deiner Karriere für den größten Wow-Moment bei dir gesorgt?
Andre Breitenreiter: Für mich persönlich, das heißt, ich Trainer aus meiner aktiven Karriere. Meinst du?
Dominik Theis: Kann auch ein Trainer sein, gegen den du als Trainer gespielt hast, wo du gesagt hast, boah, der stellt mich hier so vor massiv viele Aufgaben. Ich weiß gar nicht mehr, wo hinten und vorne ist oder... Also sowohl Trainer als auch Spielerlaufbahn.
Andre Breitenreiter: Als Spieler habe ich schon Trainer geprägt und damit möchte ich nicht sagen, dass ich auch so bin wie sie, aber Felix Maggert und Lorenz Köstler waren schon Trainer, die mich geprägt haben. Natürlich, wenn man heute sie betitelt, würde man sagen Trainer alter Schule, aber es geht auch gar nicht ⁓ das Umsetzen von Trainingsinhalten etc., sondern vielmehr ⁓ bei Felix zum Beispiel war einfach ein Trainer, unheimlich auf Leistung geachtet hat. Also Leistungsprinzip stand an erster Stelle. Es war ihm völlig gleich, ob Nationalspieler oder junges Talent, wer im Training Gas gegeben hat, sein Potential ausgeschöpft hat, der hat am Wochenende auch auf dem Platz gestanden. Und das habe ich auf jeden Fall auch in meine eigene Philosophie mit eingenommen, nach dem Leistungsprinzip zu handeln. Es gibt immer mal Ausnahmen und es gibt natürlich immer mal auch einen Spieler, der dann auch Bonus hat, weil er eben auch die Leistung schon gebracht hat. Das ist keine Frage. Aber dieses Leistungsprinzip von Felix hat mich einfach, gerade auch als junger Spieler beim HSV damals, oft auf den Platz gebracht und gestanden. Nationalspieler saß noch auf Bank und deswegen hat mich das sehr beeindruckt. Bei Lorenz Köster war es so die Mischung, dass er einfach die Spieler und er war echt knallhart, hat unheimlich viel eingefordert, aber er hat die Spieler
Dominik Theis: Hehehe
Andre Breitenreiter: in seiner empathischen Art auch in den Arm genommen, dass man sich wohlgefühlt hat und sich sicher gefühlt hat. Ich glaube, dass ich auch so bin, dass ich Dinge einfordere, ich klare Regeln aufstelle, eine klare Struktur habe, so als empathische Autorität, aber gleichzeitig kommunikativ und eng mit den Jungs sein möchte, gut es geht, damit sie mir vertrauen und sich mir öffnen können. Deswegen habe ich die beiden in meiner aktiven Trainer- und Spielerkarriere doch auch sehr imponiert. heute als Trainer kann ich sagen, es ist vielleicht uncool, weil es irgendwie jeder sagt, aber die coolsten Matches waren einfach gegen Pep Guardiola. Ich weiß, das sagt jeder, weil der Name auch am tollsten klingt wahrscheinlich. Aber tatsächlich gab es ein Spiel mit Schalke gegen Bayern. Wir waren echt gut vorbereitet. Ich bin auch im Detail dort vorbereitet auf unterschiedliche Szenarien. Das ist mein Anspruch an mich selbst und an meine Mannschaft. Aber es war echt cool, weil er auch permanent drüber geguckt hat, wir haben verändert, er hat wieder verändert. Dann denkst du, er schiebt jetzt in die Karte. Es war echt so, er schiebt dann auf einmal den Stürmer, schiebt er dann auf den anderen Innenverteidiger. Wir wechseln die Innenverteidiger-Paare, wir wechseln das System, er erinnert das wieder. Das war echt eine große Herausforderung.
Dominik Theis: Schachspiel an der Seitenlinie.
Andre Breitenreiter: hat dann schon gezeigt, welche Qualität er dann auch als Trainer besetzt. Wobei ich grundsätzlich Trainer an anderen Maßstäben bewerte. Für mich müssen nicht immer unbedingt die Trainer, auch die besten Vereine trainieren, die besten Trainer sein. Oftmals sind es eigentlich die Trainer, die aus den vorhandenen Möglichkeiten das Maximum herausholen. Wenn wir da gerade sehen, in der Schweiz, da ist der Aufstieg der FC Thun auf Platz 1, Trainer Luz Trinoglie.
Dominik Theis: Marulus Trinelli
Andre Breitenreiter: So, dann muss man einfach ganz klar sagen, dann ist das für mich eine sehr beeindruckende Geschichte und macht einfach einen fantastischen Job. Und klar, gehen diese Trainer oftmals unter dem Gridard, weil sie nicht die Top 5 trainieren. Aber das muss nicht heißen, dass sie dann trotzdem auch exzellente Trainer sind.
Dominik Theis: Es gibt auch einige Namen. Er ist jetzt bisschen bekannter, aber er noch nie einen Weltverein trainiert mit Roberto de' Servi. Aber trotzdem nutzen gefühlt 80 Prozent der Mannschaften seinen Ansatz im Spiel vor gegen hohen Druck in diesem 4-2. Gegner rausziehen und dann schnell überspielen, über Steilklatsch, dann die Flügelspieler in 1-1-Situationen zu bringen. Und da gibt es etliche Trainer, die den Weltfußball schon bringen, ohne dass man eigentlich die Namen so groß und prägnant hat, außer man beschäftigt sich. Tief, tief, tief bis ins Detail. Damit ... Apropos Detail. Mich würd mal gern wissen, was ist denn dein größtes Karrierehighlight gewesen?
Andre Breitenreiter: Als Spieler der DFB-Pokalsieg mit Handlung von 96 und als Trainer, ja. Natürlich ist der gewinnende Meisterschaft mit dem FC Zürich herausragend gewesen. Der FC Zürich war drei Jahre vor diesem Jahr nahezu Abschiebskandidat oder kurz vor dem Abschieg in die zweite Liga. Es ist uns gelungen, der gleichen Mannschaft, mit dazu der gleichen Mannschaft die Meisterschaft auch wirklich total souverän zu gewinnen, viele Wochen vor Ende der Saison. Deswegen ist das natürlich das absolute Highlight. Wobei ich jedem anderen tatsächlich sage, ich mache keine Unterschiede. Ich habe echt schöne Dinge erlebt. Auch die Mannschaft meines Sohnes als meine erste Station haben wir dann die Staffel gewonnen hier im Kreis Hannover. Und auch das war mit sehr positiven Emotionen verbunden. Mit dem TSV Havel sind wir Vizemeister geworden, erstmal den Landespokal gewonnen. Auch mit einer Art und Weise ist Fußball die einfach... deutlich überlegen war, deutlich dominanter gegenüber den Konkurrenten. Und auch da habe ich viele Freunde gewonnen und sehr positive Emotionen und die Aufstiege sowieso. Aufstieg in meiner Heimatstadt, in Hannover. Aber auch er hat den erstenmaligen Wunderaufstieg mit dem SC Paderborn. Das sind alles ganz, ganz große Erinnerungen, die für ewig bleiben. Eigentlich sage ich, hier mache ich keine Unterschiede. Aber wenn du über das besondere Highlight sprichst, dann ist es natürlich, weil es eben auch... Das Maximum ist der Gewinn einer Meisterschaft. Wenn man da oben mal stand mit dem Meisterpokal, dann kann ich dir sagen, dann möchte man das auch wieder.
Dominik Theis: Danach strebt man ja auch irgendwie schon seinen Trainer anfängend. Du denkst, okay, ich will unbedingt mal einen Titel gewinnen, sei es Pokalsieger, aber das ist natürlich nicht so viel wert wie eine Meistertitel am Ende und gerade mit der Historie. Daher kann ich es sehr gut nachvollziehen. Mich würde mal interessieren, beides hat natürlich einen Reiz und beides braucht man als Trainer von einer aktiven Mannschaft, aber wenn du dich entscheiden müsstest...
Andre Breitenreiter: Ja, glaube, beides gehört dazu. Ich glaube, wenn man sich meine Karriere anschaut und auch die vielen jungen Spieler, die ich tatsächlich begleitet habe auf ihrem Weg, dann bin ich schon ein großer Fan davon, junge Spieler zu entwickeln. Ich war seinerzeit selbst eines der größten Talente in Deutschland. Von allen Bundesligisten umworben, konnte mir nahezu alles aussuchen.
Dominik Theis: Lieber einen jungen Spieler entwickeln oder einen fertigen Star managen?
Andre Breitenreiter: wo ich hingehen möchte. Das sind schon Erfahrungswerte, die du auf die heutigen Talente übertragen kannst. Wenn du das selbst erlebt hast, nehmen dir die Spieler das ein Stück weit noch mehr ab, weil du in einer ähnlichen Situation warst, ihnen vielleicht es eher zu ermöglichen, schneller Schritt nach vorne zu machen. Deswegen ist es bei mir immer so, wenn Spieler auf Augenhöhe sind, was die Leistung angeht, würde immer der Jüngere spielen. Weil einfach dort ... natürlich dieses Feuer und dieses Brennen auch noch mal anders vorhanden ist. Und trotzdem habe ich Spieler auf Top-Niveau trainiert. Und der Unterschied zwischen absoluten Topspielern und normalen Bundesligaspielern liegt ja ganz oft einfach darin, dass sie auch dieses Feuer nie verlieren, weil sie diese Gier haben nach mehr. Sie wollen einfach auch den nächsten Meistertitel gewinnen. Sie definieren sich über diese Erfolge und brennen einfach dafür und gerade nicht in Selbstzufriedenheit. und machen dadurch weniger, sondern die spielen auf ihrem Niveau konstant weiter. Deswegen ist es ein Vergnügen, auch diese Spieler zu trainieren, ihnen gemeinsam arbeiten zu dürfen, weil man auch von diesen Spielern noch eine Menge selbst lernen kann.
Dominik Theis: Ich würde gerade sagen, die auch inspirierend sind, du siehst, dass dieses Feuer weiterhin, die Flamme weiterhin flackert und du sie beobachten kannst, wie sie auch, obwohl sie es geschafft haben, wenn sie mal in den Meilenstein 100 Profi-Spiele geschafft haben und wirklich sagen können, ich bin Profi, trotzdem weiter streben nach mehr am Ende. Zurückblick in die Gegenwart. Was nervt dich am heutigen Fußball am meisten?
Andre Breitenreiter: Was nervt mich am heutigen Fußball am meisten? Eigentlich weiß ich gar nicht, ob mich irgendwas nervt. Es gibt natürlich Trends, die man gut finden kann oder die man nicht gut findet. Vielleicht nervt mich am ehesten, dass viele Sachen einfach schön geredet werden, die gar nicht so gut sind. Da sind wir in Deutschland, glaube ich, auch ziemlich weit mit vorne. Dass wir viele Dinge viel besser sehen, als sie tatsächlich sind. Was die Qualität angeht, auch teilweise, weil wir volle Stadien haben. Weil wir gute Atmosphären haben, aber die Qualität der Spiele nicht unbedingt auch wirklich immer gut. Ich war ja auch in England und wenn man dann dort zum Beispiel die Intensität sieht, auch die Qualität in der Champions-ship, dann glaube ich schon zu sagen, dass diese Liga einfach deutlich stärker ist als unsere zweite Bundesliga und die ja dann oftmals auch als stärkste zweite Liga der Welt bezeichnet wird. Das ist das, was mich vielleicht bisschen stört.
Dominik Theis: Was würdest du dir konkret anders wünschen? Wenn du sagst, es wird bisschen schön geredet in Deutschland, vergleichst es mit England, was würdest du dir konkret anders wünschen?
Andre Breitenreiter: Ja, was würde ich mir ansatzwünschen, weil ich glaube, ist ein grundsätzliches Problem, dass wir vielleicht nicht mehr so diese hundertprozentige Bereitschaft haben, auch viel zu investieren. Natürlich sind die Spieler alle heute umgeben von vielen Fachleuten, von vielen Trainern und das Mindset hat sich auch total geändert, weil sie, ich glaube, deutlich bewusster auch mit ihrem Körper umgehen und vielmehr auch zusätzlich drum herum wahrnehmen. ⁓ ihre Leistung zu steigern. es gibt halt schon auch viel Selbstzufriedenheit oder manche Dinge sind einfach zu einfach. Viele ganz, ganz junge Spieler, die immer deswegen so in der U19-Bundesliga spielen und dann mal bei den Profis trainieren, sind schon der Überzeugung oder haben auch schon dieses Selbstvertrauen, dass sie meinen, dass sie schon auch richtig dazugehören. Und doch ist es noch mal ein großer Schritt, mehr zu investieren, mehr zu geben. Und ich glaube da... ist so diese Gier und dieser Biss nicht immer vorhanden. Wie gesagt, sind meine Erfahrungswerte, die ich gesammelt habe. Das gilt nicht für jeden. Aber dieser Trend ist schon auch so zu erkennen. Deswegen gibt es da keine Möglichkeiten, das groß als Trainer zu beeinflussen, weil die Zeit sich auch verändert und die Uhr sich auch weiterdreht. Es gibt halt viel Ablenkung. Social Media ist, glaube ich, kein guter. Begleit dafür für viele Spieler, weil die Aufmerksamkeit ganz oft, weil der Fokus sich verändert hat, Richtung Außendarstellung, Präsenz in den öffentlichen Medien. glaube, viel mehr ist es wichtiger, sich auf das Wesentliche als Fußballer zu konzentrieren und dort einfach fleißig zu sein und die nächsten Schritte zu gehen. Und diese Spieler, die das für sich auch verstehen, die diese intrinsische Motivation dafür haben und nicht nur so tun, ob, die schaffen es halt auch. nachher und dann die anderen Blatt ganz oft auf der Strecke.
Dominik Theis: Okay, da haben wir schon verschiedene Themen gestreift. Gehen wir später noch mal detaillierter drauf ein. Jetzt gehen wir mal weg von dem, was du erstmal nicht so direkt beeinflussen kannst zu dem, was du beeinflussen kannst. Nämlich, mich würde mal interessieren, was ist deine größte Stärke als Trainer?
Andre Breitenreiter: Meine größte Stärke als Trainer, gut, dass Trainer sein ist ja ein Gesamtpaket, bezieht sich ja jetzt ausschließlich nicht alleine nur auf das Geschehen auf dem Platz oder im Taktikbesprechungsraum. Ich glaube, dass ich sehr gute Antennen habe, dass ich kommunikativ bin und auch verbindlich. Ich glaube, das ist gerade in der Führung extrem wichtig, ⁓ Menschen für sich zu gewinnen, ⁓ Menschen für sich zu begeistern. diese Begeisterung vorzuleben und gemeinsam auf ein Ziel einzuschwören. Das hat was mit ganz viel Kommunikation und mit empathischer Autorität zu tun. Aber eben auch dieses Vertrauen zu schaffen, damit sich die Leute auf dich verlassen können, glaube, das bringe ich mit.
Dominik Theis: Und wiederum, ist deine größte Baustelle?
Andre Breitenreiter: Meine größte Baustelle? Ungeduld. Ich glaube, Ungeduld, auch wenn ich deutlich gelassener geworden bin. Also das kann ich sagen. Ich habe vor Jahren mal in einem TV-Studium mich mit Ortmar Hitzfeld unterhalten und ich habe ihn gefragt, ab wann wird man ruhiger? Und er hat mir geantwortet und er hat mir gesagt, Andre, mach dir keine Gedanken, ab 50.
Dominik Theis: Man passiert das.
Andre Breitenreiter: Und tatsächlich, jetzt bin ich ja mittlerweile 52, kann ich das bestätigen. Man wird dann tatsächlich ruhiger. Aber auch bei ihm hat es wohl etwas länger gedauert, bis er dann auch ruhiger geworden ist. Und wir wissen alle ⁓ seine Karriere. Also Ungeduld ist schon sicherlich eine Sache. Manchmal geht es mir nicht schnell genug. Ich erkenne Dinge, ich glaube, relativ zügig. Ich finde auch schnell Lösungen, was man tun kann. ⁓ diese ... Probleme vielleicht zu beheben oder in die richtige Richtung zu lenken. Manchmal bin ich wahrscheinlich etwas zu schnell für manche Mitstreiter. Und deswegen würde ich mir natürlich wünschen, dass es manchmal schneller geht. aber für mich gelernt, auch erst zu akzeptieren, wenn man vielleicht nochmal zwei, drei Schritte dazwischen macht.
Dominik Theis: glaube, in Anführungszeichen so eine positive Trainerkrankheit, ungeduldig zu sein, weil gleichzeitig hat es ja auch was Gutes, dass du hartnäckig dranbleibst, penibel und auch willst, dass dein Spieler, aber auch die Mannschaft die nächsten Steps macht und die vielleicht ein bisschen früher als der Spieler manchmal kann. Sich dann selbst zu kontrollieren oder immer wieder aus Situationen rauszutreten, sehen, okay, es braucht vielleicht jetzt noch mal ein bis zwei Wochen, bis wir die entscheidenden Fortschritte schaffen, aber
Andre Breitenreiter: Ja, wobei ich das jetzt gar nicht so sehr im Umgang mit der Mannschaft gemeint oder mit einzelnen Spielern. Da sehe ich dann ja in der Regel schon, was ist möglich und wie schnell ist es möglich.
Dominik Theis: Der Prozess stimmt, ist am Ende der Key. Und gut zu hören auf jeden Fall, dass mit steigendem Trainer Jan das dann wirklich irgendwann eintritt.
Andre Breitenreiter: dann auch die nächsten Schritte zu gehen. Und dann ist man natürlich auch abhängig vom Spieler, inwieweit er auch diese Bereitschaft hatte, diesen Weg auch mitzugehen. Davon versuche ich sie natürlich zu überzeugen. Das ist zum Beispiel Niklas Völkuk das beste Beispiel, als ich in Hannover kam, weil er Satspieler in der zweiten Liga. Und er war halt einfach jemand, der nach jedem Training mit uns trainieren wollte. Und er hat einfach gesehen, dass es ihm Spaß macht. Das ist auch einfach wichtig, ⁓ auch Leistung zu fördern. dass es Spaß macht, aber wir haben halt einfach permanent noch an seinem schon auch damals guten Kopfballspiegelarbeit, aber insbesondere erste, zweite Kontakte vorm Tor, damit er sicher und schnelle Abschlussmöglichkeiten kommt. Und das hat er wirklich natürlich auch vor Schlaf von uns, aber selbst jeden Tag eingefordert nach dem Training nochmal bis zu der Heimstunde, extra Abschlüsse aus allen Positionen. Und das ist dann auch immer schön, wenn man auch heute noch dann die Bestätigung dafür hält oder diese Dankbarkeit, dass das sicherlich für ihn auch eine große Wertschätzung war, dass es möglich war, das nächste Level vorzugehen. Das ist sicherlich eine Sache, die uns auch immer ausgezeichnet hat als Trainerteam.
Dominik Theis: Ja und vor allem dann auch siehst du, bei einer WM, bei einer ⁓ auf der großen Bühne macht sich das dann bezahlbar, weil diese Kopfballtore so wichtig sind. Ich gerade an wichtige Kopfballtore für die Nationalmannschaft zurück. Aber klar auch im Vereinshusball bei AC Mailand, bei West Ham vorher und und und. Spannend. Wir biegen auf die Zielgerade des Trainersteckbriefs ab. Und als letzte Frage wird mich noch interessieren. Was war denn so die besonderste Kabinenansprache oder die, sich bei dir am meisten eingeprägt hat, die du jemals gehalten hast?
Andre Breitenreiter: Okay, zwei. Würde ich jetzt spontan mich daran erinnern. Also eine war in der Corona-Zeit von zu Hause aus. Ja, ist auch viral gegangen. Ich glaube, das wurde europäisch überall gezeigt. Das war beim FC Zürich. Wir haben dort auf dem Weg zum Gewinn der Meisterschaft Heimspiel gegen Gang-Bois-Berne gehabt. Und ich war leider Corona-krank zu Hause.
Dominik Theis: Hehehe ⁓
Andre Breitenreiter: und habe mich nach dem Spiel per Live-Schalte auf den großen Bildschirm in die Kabine transportieren lassen, ⁓ den Jungs mein allergrößtes Lob auszusprechen. Das ist mir natürlich unheimlich schwer, viel von zu Hause aus mitzitternd zu leiten. Das Spiel wurde gewonnen und habe ihn dann zwei Tage freigegeben. Und die ganze Kabine ist ausgerastet und hat alles auseinandergenommen. Weil es auch einfach viral ging, ja, wissen wir auch, wie die Spieler sind. wussten das auch. Kamera auf sie gerichtet ist. Also die haben das alles auseinander genommen. Das war echt lustig aus. Aber das ist natürlich hängen geblieben und eine andere Kabinensprache ist auf jeden Fall beim T-Store Habeise gewesen. Weil mich da immer wieder auch alte Mitstreiter daran erinnert haben. Da haben wir das erste Auswesen. Also ich habe die Mannschaft den Winterballon. Sie war einfach eigentlich schon abgestiegen mit zehn Punkten in der Regionalliga damals im Aufstieg. Aufgestiegen, also war letztes Jahr als aktiver Spieler und dann bin ich raus. Der Aufstiegstrainer hat die Mannschaft weiter in der Regionalliga trainiert und hat im Winter nur zehn Punkte. Der Trainer wurde freigestellt und alle haben sich gewünscht, dass ich die Mannschaft übernehme und ich hatte bis zu dem Zeitpunkt ja noch gar keine Trainerfahrung im Herrenbereich. Und dann haben wir das erste Auswärtsspiel im Cottbus gespielt. Und wir haben, wie man so schön sagt, okay, wir haben uns gut vorbereitet und wir wollen einfach frei wegspielen, nichts mehr zu verlieren, im Grunde rechnet jeder damit, dass wir verlieren, dass wir absteigen und in ersten Halbzeit haben die sich sowas von in die Hose geschossen. Also ging gar nichts. Und dann habe ich es der Halbzeit echt auseinander genommen. Das waren ja fast alle Spieler, mit denen ich ein halbes Jahr zuvor noch selbst auf dem Platz gestanden habe als Spieler. Ich habe sie echt zerlegt. wenn die Spieler mich heute ansprechen, dann sagen sie, okay, diese Ansprache, die Die habe ich nie vergessen, weil wir alle gesessen haben fast angefangen zu weinen, weil wir es nicht fassen konnten. Du hast uns so zerlegt und auseinandergenommen. Das ist manchmal ein schmaler Grat, aber ich kannte die Jungs. Natürlich haben wir am positive Worte und dann noch mal, dass dieser Glaube da ist, dass sie es können. Wir haben das Spiel einfach gedreht und 2-1 gewonnen. Ich glaube, deswegen ist es in Erinnerung geblieben aufgrund des Sieges. Dass es dann anscheinend seine Wirkung gezeigt hat.
Dominik Theis: Weißt du noch, was du da im Wortlaut gesagt hast oder in welche Richtung das da ging? du Metaphern oder Provokationen benutzt?
Andre Breitenreiter: Ja, na klar. Also, ich hab Spieler schon direkt angesprochen. Also, bin schon jemand, der ... also nicht Dinge verallgemeinert, weil ich ... Überzeugung bin, dass dann keiner für sich beansprucht. Eine Kritik meinetwegen auch. Das hab ich selbst als Spieler auch gehabt, wenn Trainer vor mir standen und das allgemein hat, wir müssen mehr laufen, müssen Gras fressen oder was weiß ich. Dann hab ich als Spieler gedacht, das gilt für alle anderen, aber nicht für mich. Und so bringt es ja nichts, wenn ich ... keine persönlichen Dinge auch mal thematisieren. Das habe ich dann schon noch einzeln gemacht. Im einzelnen Wortlaub weiß ich das Wort nicht mehr. Aber das ging schon im Gesamten natürlich darum, vor was sie eigentlich Angst haben und warum sie Alibi spielen, warum sie sich nicht zutrauen. Da bin ich dann auch persönlich angegangen. Kanten sie in der Form natürlich von mir nicht, weil wir ein halbes Jahr zuvor noch selber Quatsch auf dem Trainingsplatz gemacht haben. Aber sie haben mir einfach vertraut und letztendlich habe ich ihnen auf diese Art und Weise versucht, emotionfrei zu setzen, dass sie einfach eine Stärke haben, an die sie glauben können. Dass ich diese Stärke sehe und dass ich an sie glaube, aber nichts hilft, wenn sie nicht selber an sich glauben. Und dann natürlich zwei, drei taktische Hinweise, was sie einfach dann auch mal einfach machen sollen, weil sie es können. Es hat einfach funktioniert. Gelingt nicht immer. Das ist halt so. Das ist Fußball. Aber in diesem Spiel hat es funktioniert. Das Spiel wurde gedreht und war dann der Anfang einer famosen Aufholjagd mit über 25 Punkten in der Ruckserie zum Klassen erhaltet. für einen Fall wie den TSV Havelse haben uns damals mit Mannschaften RB Leipzig, Holstein, Kiel gemessen, die Magdeburg, die heute natürlich ganz woanders unterwegs sind. Etats hatten, die weit von dem, der Arbeitenden Fußball in Herbeseellagen war schon außergewöhnlich.
Dominik Theis: emotionaler Weckruf mit taktischen Hinweisen gepaart. Gerade dabei habe ich mir die Frage gestellt, jeder Trainer hat ja so ein Steckenpferd. Klar, man muss in allen Bereichen gut sein, aber dennoch vom Gefühl her hat jeder so ein Steckenpferd, wo er sich selbst am wohlsten fühlt oder wo man sich auch am meisten irgendwas angeeignet hat. Da gibt es den großen Taktiker, da gibt es den, der unfassbares Händchen für Wechsel, für Joker hat. Dann den Menschenfänger, der sehr gut in dieser individuellen Spielerführung ist oder der Meister der Kabinenansprache oder der Trainingsliebhaber, der immer wieder an neuen Trainingsformen tüftelt und und und. Wo würdest du dich einkategorisieren?
Andre Breitenreiter: Ich glaube, ⁓ ein Trainer auf Top-Niveau zu werden oder zu sein, musst du irgendwie alles mitbringen. Natürlich gibt es Dinge, die man dann vielleicht noch besser kann als andere Sachen, aber ich glaube, es reicht nicht aus, wenn du heute ausschließlich inhaltlich, taktisch gut bist. Trainingsmethodik, nach dem Fußball-Lehrer-Lehrgang, sind alle ausgebildet. können alle ein ordentliches Trainingsprogramm auf dem Platz stellen. Aber das alleine reicht nicht aus, wenn du da in Detail jetzt die Südchen für zwei Meter immer wieder neu verschieben musst. Ich bin auch akribisch, bin auch genau. Ich möchte auch, dass die Übungsformen, die Spielformen passen. Ich erkenne, glaube ich, schnell, wenn das Feld zu groß ist oder wenn es zu klein ist. Aber das alleine ist einfach nicht ausreichend, weil Fußball ist einfach, ich weiß nicht in Prozenten auszudrücken, aber es ist halt ganz viel Kommunikation. Die Spieler, die auf diesem Niveau unterwegs sind, die haben ihr Leben lang auch viel investiert, ⁓ dahin zu kommen. Das bekommt keiner geschenkt, auch wenn das oft in der Medienwelt manchmal auch suggeriert wird. Aber ich hab's ja selbst erfahren, du verzichtest auf ganz viel, du investierst viel, ⁓ auf diesem Level dann noch anzukommen. Natürlich braucht man mal das nötige Glück dazu, richtigen Ort, zur richtigen Zeit zu sein. Aber am Ende sind alle da, weil sie es können. Der eine besser als der andere, aber sie sind dort. Dann geht es darum, wie ein Unternehmen auch, was muss ich machen, damit Menschen mit Spaß zur Arbeit kommen und ⁓ dann auch ihre bestmögliche Leistung abzurufen. Weil darum geht es doch in erster Linie, dass sie immer bereit sind, ihr Bestes zu geben, weil sie Bock drauf haben, weil sie sich auf ein gemeinsames Ziel einschwören. Da arbeite ich schon gerne mit Bildern. ⁓ ihn auch zu visualisieren, wohin die Reise gehen kann, auch möglich ist, damit sie das immer im Hinterkopf haben, als Zielorientierung für dieses Feuer auch beizubehalten und durch diesen Tunnel zu gehen. Deswegen glaube ich, dass Kommunikation...
Dominik Theis: Was sind das für Bilder? Wird mich mal interessieren, an Stelle, ich mal reinhaken, sorry.
Andre Breitenreiter: Im Wälder zum Beispiel, im Paderborn war es so, ich wäre fast nach dem achten Spieltag entlassen worden, weil wir nicht gut gestartet sind. Komplett Neuschiefotosophie, vorher tiefer Blog abwartend. Ich komme dahin und drehe das alles rum. Weil wir auch die Spieler dafür hatten, wir echt gut gespielt. in den ersten sechs, sieben Spielen, glaube ich, in der Schlussphase immer entweder den Auslag gekriegt oder auch noch den K.o.-Schuss, sind dann im Pokal ausgeschieden. Und klar, da kommt der Trainer aus der vierten Liga zum zweitligesten. Und da gab es schon die eine oder andere Stimme. Da müsste man schon mal gegen einen Trainerwechsel gucken. Aber die Vereinführung hat gesehen, wie detailliert und wie haargenau wir arbeiten und auf was für einen guten Weg wir eigentlich auf dem spielen auf dem Feld. Und wie attraktiv die Art und Weise ist, weil die Zuschauer grundsätzlich sehr begeistert waren für das, was wir gemacht haben, aber die Ergebnisse sind ausgeblieben. Und so haben wir dann es nachher drehen können und sind in diesen Lauf einfach reingekommen, den es dann ja auch benötigt, ⁓ Ziele zu erreichen. Und wenn dieser Glaube in einem reift und das Selbstvertrauen dadurch auch steigt, und einen klaren Plan hast, Dann bist du auf dem richtigen Weg. Das war mit dem Vertrauen der Vereinsführung sicherlich auch für mich eine Zeit, die mich im Grunde nach oben geführt hat. Einfach zu zeigen, diese Kontinuität, diesen Glauben an diese Stärke gemeinsam zum Erfolg zu gehen. Nicht kalte Füße zu bekommen, ⁓ eine schnelle Entscheidung gegen einen Trainer zu treffen, sondern überzeugt zu sein von einer Arbeit. die tagtäglich waren. Und das war sicherlich der Auftakt für mich zu einer erfolgreichen Zeit.
Dominik Theis: So, mal zurück zur Ursprungsfrage. Ich hab die zu gut zugehört. man könnte sagen, Allrounder mit Fokus auf Kommunikation, auf individuelle Menschenführung, würdest das unterschreiben?
Andre Breitenreiter: Auf jeden Fall. Ich glaube schon, dass das eine große Stärke von mir ist. Meine Intuition, mein Bauchgefühl, meine Antennen für Menschen und für Situationen, das einfach gerade auf diesem Niveau, wie ich es beschrieben habe, alle Spieler haben gewisse Qualifikation. Aber das Potenzial, richtig herauszukitzeln und rauszuholen, bedeutet einfach, dass man die Spieler, wie sie unterschiedlich sind, individuell anpackt, ⁓ sie zu... zusätzlich zu motivieren und vor allen Dingen ihnen auch einen Weg nach oben auch aufzuzeigen. Das stimmt sicherlich und trotzdem auf dem Platz. Ich glaube schon für eine klare Spielidee zu stehen, für eine klare Handschrift. Die Spieler wissen und sind auch in der Regel begeistert von dieser Art des Spiels, weil es auch einfach Spaß macht, aktiv zu sein und nicht mal zu warten. Du weißt doch auch, wenn du früh auf den Bolzplatz gegangen bist, dann wolltest du doch auch nicht im Tor stehen oder jetzt, weil hast du die... Passivität oder tiefen Block. Manchmal ist es notwendig, aber du willst den Ball haben. Du möchtest dribbeln, du möchtest Eins-Gegen-Eins-Situationen haben, du möchtest Tore schießen. Und ich bin selber früher Schürmer gewesen. Deswegen ist meine Ausrichtung immer offensiv und positiv nach vorne mutig zu sein, Chancen herauszuspielen auf unterschiedlichste Art und Weise. Und wie ich es vorhin gesagt habe, das am besten variabel, aber dass wir eben viele Torschancen haben, wir auch Tore erzielen können, weil darum geht es. Deswegen werde ich öfter gefragt, ob lieber 4-3 oder 1-0. Ja klar, möchte ich auch zu Null spielen und am besten 4-0. Aber dann würde ich auch lieber echt ein 4-3 unterschreiben, weil ich bin für Spektakel und ich möchte einfach, dass die Menschen, die in Stadion gehen, auch eine gute Zeit haben. Und unter dem Strich geht es um drei Punkte und wenn ich es mir dann aussuchen würde, dann lieber 4-3 als 1-0.
Dominik Theis: Lass uns mal konkreter in deine letzten Stationen reingehen. Hannover zuletzt, davor Huddersfield. Mich würde mal interessieren, gerade wenn wir jetzt so über dein Stärken-Schwächen-Profil als Trainer reden. Bist du im Profifußball, musst du meistens alles machen. Mit Ralf Kettemann vorher habe ich in der Podcast gesprochen, hat auch gesagt, das hat ihn auch geprägt in der Zeit, selbst den Rasen mähen zu müssen beim Bezirksliga-Verein damals. Mit Tobias Strobl von Ferl hat auch gesagt Es gibt einfach Dinge, da weiß ich, da gibt es Leute, sind viel, viel besser. Und die hole ich in mein Trainerteam und ich lasse die auch machen. Bei ihm sind es die Standards, wo er sagt, ich will die Lösung auch gar nicht im Detail wissen, sondern ich lasse meinen Co-Trainer machen. Mich würde mal interessieren bei deinen letzten Stationen oder auch generell, wenn du jetzt neue Trainerstation angehen würdest, was sind die Themen und Aufgaben, die du machst, die du dir weiterhin gibst und was sind die Aufgaben und Bereiche, die du delegierst?
Andre Breitenreiter: Der Fußballtrainer an sich heute ist ja mehr der Manager, der delegieren muss. Weil es ist heute so komplex, dass du dich auch nicht ⁓ alles kümmern kannst. Je höher du aktiv bist als Trainer, desto mehr kommen ja auch Dinge aus dem Umfeld dazu, wie Versorgung der Medien und auch Sponsoren und Aufsichtsreden. Insofern ist es, glaube ich, umso wichtiger, dass du dich ⁓ das Wesentliche kümmern kannst. zu 100 Prozent bereit sein musste, Teilverantwortlichkeiten abzugeben. Das habe ich auch immer gemacht in ganzen letzten Jahren. Es ist für mich schon wichtig, den persönlichen Austausch ganz oft mit den Spielern zu haben, weil sie verlangen natürlich nach Gesprächen mit dem Cheftrainer und es ist mir auch wichtig, gerade auch in der Entwicklung von Jungtalenten, ihnen meine Sichtweisen zu geben. Die Spieler kommen auch immer vermehrt natürlich in die Büros und suchen nach Lösungen, was sie besser machen können. Und da bin ich gerne der Ansprechpartner. Sämtliche Großmannschaftstaktischen Gänge liegen natürlich in meiner Verantwortung, gerade jetzt auch in der Umsetzung auf dem Trainingsplatz. Aber gegen Analysen, ich bin schon jemand, der sich für alles auch interessiert und ich möchte auch irgendwo überall Stück weit dabei sein. Aber ich kann mich nicht, also ich kann loslassen und muss jetzt nicht jedes einzelne Video noch selbst heraussuchen. geschnitten wird. Aber natürlich möchte ich einen grundsätzlichen Gesamtüberblick haben und den habe ich auch, ⁓ dann im Team gemeinsame Entscheidungen treffen zu können.
Dominik Theis: Ja.
Andre Breitenreiter: Es ist mir unheimlich wichtig, Trainerkollegen an meiner Seite zu haben, die ihre Meinung äußern. Denn ich kann nicht ⁓ alle Lösungen selbst auf dem haben. ⁓ Es geht für mich immer beste Lösung nachher auch zu treffen, weil die ich auch entscheiden muss. Und ganz häufig sind es dann auch Lösungsvorschläge von meinen Co-Trainer-Kollegen. Und deswegen gebe ich gerne auch ab. Und auch die Standardsituation überlasse ich Trainern, Analysen, also Gegenanalysen. ⁓ oder auch individuelle Analysen in Gruppen mit Spielern überlasse ich auch dann aufgeteilt. Dann gibt es klare Strukturen, wer sich ⁓ welche Spieler kümmert. Überlasse ich auch dann auch mal den Co-Trainer. Die Topspieler sind eigentlich immer bei mir, mit denen führe ich die Spielanalysen und auch Trainingsanalysen auch dann auch selber durch die Gespräche. Aber insofern ist es einfach wichtig, in den Teilbereichen abgeben zu können. weil ich mich ⁓ alles kümmern kann. Das führt auch zur Motivation vom Trainerteam, von Mitstreitern, wenn sie merken, sie spüren dieses Vertrauen, sie sind anerkannt. Ich muss auch davon überzeugt sein, dass sie auch die Kompetenz besitzen. Aber das ist in der Regel auch immer gewesen. Und dann bin ich für die Gesamtstrategie verantwortlich, aber in einzelnen Bereichen auch in der Umsetzung auf dem Trainingsplatz. Also ich muss keine Passform anleiten. Rondos und Kleingruppentraining gehe ich halt kreuz und quer und gebe auch Feedback oder korrigiere auch mal mit, aber das überlasse ich meinen Trainerkollegen und bin dann eher so für die großen mannschaftstaktischen Dinge dann Richtung Spiel verantwortlich und das übernehme ich dann natürlich auch selbst.
Dominik Theis: Du hast ja gesagt, Kommunikation, Umgang mit Spielern, der macht dir schon besonders Spaß. Siehst du auch, eine deiner Stärken. Ich habe ein kleines Fallbeispiel mitgebracht, weil mich jetzt eine Meinung interessieren würde von einem erfahrenen Profifußballtrainer, weil das einfach in den letzten zwei Wochen krass diskutiert wurde. Ich habe dazu auch einen Reel gemacht auf dem From Coach to Coach-Kanal. Und zwar diese Debatte ⁓ Julian Nagelsmann und Dennis Onda. So, jetzt hast du einen Spieler, performt, aber du hast dich klar vorher auf eine Rolle für ihn festgelegt und willst ihm das eigentlich ja auch nicht abstreiten. Andererseits wirst du von den Medien die ganze Zeit belagert und gesagt, ja, wie kann er denn nicht spielen? Wie kann er denn nicht spielen? Dann ein Stuttgarter Publikum, das natürlich dann in dem letzten Spiel das Ganze nochmal ein bisschen ... anheizt. In so einer Rolle kann man oder wie muss man kommunizieren nach außen hin wie nach innen hin? Machst du da Unterschiede für dich als Trainer und wie hast du auf diese generelle Debatte dort geblickt?
Andre Breitenreiter: Ja, auch als Außenstehender wie wir alle, die jetzt nicht daran unmittelbar beteiligt sind. Deswegen ist es natürlich immer unheimlich schwierig, dort auch eine klare Meinung zu äußern, weil sie eben nicht fundiert sein kann. Wir wissen nicht, was im persönlichen Gespräch tatsächlich erzählt wurde, wie sie sich ausgetauscht haben, was vereinbart war. Deswegen würde ich mir das auch niemals anmaßen, das zu bewerten. Jeder Trainer hat seine Idee und auch seine Art und Weise der Umsetzung. Und Julian hat bei der letzten Großmeisterschaft gute Erfahrungen damit gemacht, Rollen zu verteilen, damit auch jeder weiß, welche Rolle er dort spielen kann. Klar wissen wir, dass über eine Zeit hinweg sich eine Rolle auch immer mal ändern kann. Durch Leistung oder eben auch durch Verletzungen. durch andere Dinge, passieren können. Insofern ist das natürlich schwer zu bewerten und das steht mir auch nicht zu, ob das ein gut oder falsch ist. Fakt ist, dass der Dennis natürlich, der kommt auch vom TSV Havelse, ein Spieler ist, der aktuell an einer beschlechenden Form ist. Er hat es ganz gut zum Ausdruck gebracht. Er wird weiter daran hart arbeiten, es Bundestrainer so schwer wie möglich zu machen, ihn nicht von Beginn an aufzustellen. Das ist das Beste, was ihm als Bundestrainer passieren kann, dabei zu haben, die hoch motiviert sind und letztendlich auch nachher den Unterschied ausmachen. Deswegen ist das für mich als Außenschäner nicht so zu bewerten, als dass es dort richtige Falsch gibt.
Dominik Theis: Ich hab da in der Debatte schon den Bundestrainer verteidigt, weil ich gesagt hab, wenn das dein Prinzip ist, Rollenklarheit, dafür wurdest du auch gefeiert rund ⁓ die Europameisterschaft in Deutschland vor zwei Jahren, dann ist das ein Punkt, wenn du dabei bleibst und dabei die Klarheit hast und das auch vermittelt, dann musst du als Öffentlichkeit damit leben. Du könntest auch die andere Richtung argumentieren und sagen, jetzt der vorm stärkste Spieler muss immer spielen. Aber welche Mannschaft spielt sich denn am Ende ein? Und da ist der, glaube ich, einfach ganz großer Unterschied. Bin ich ein National- Verbandstrainer mit wenigen Einheiten oder bin ich ein Trainer, ein Vereinstrainer, der die Spieler quasi jeden Tag sieht? Das Einzige, was man, glaube ich, Nagelsmann vorwerfen kann, ist, einfach in den Aussagen, die er dann auch danach im getätigt hat, einfach inhaltlich Dinge falsch waren. So, dass undaft nur trifft, wenn der Gegner müde ist und so. Das gab es auch Statistiken, die das auch widerlegt haben. Darum geht es mir nicht, sondern ⁓ diese Klarheit. Er hat eine ganz große Klarheit, er in den Gesprächen mit den Spielern, so wie die Spieler das wiedergeben hat, auch gegenüber den Medien. Sei es das Kicker-Interview, das er gegeben hat, sei es sonst, wenn wir es sehen. Klarheit als Trainer, ⁓ dann den Bogen auf den Trainerjob zu spannen, ist eines der... größten Stärken, man haben muss oder gerade im Profifußball, weil du sonst aufgefressen wirst. Ich habe mal ein Zitat gelesen, du musst als Trainer klar sein, sonst verlierst du die Spieler. Zitat ist von dir. Wann hattest du diese allumfassende Klarheit, denn das ist so ein Wort, was ich irgendwie immer höre, jetzt auch von Einigen jüngeren Trainern, mit denen ich Podcasts aufgenommen habe, die haben durch den Fußballlehrer so eine unfassbare Klarheit auf alle möglichen Fragen, was Spiele, die Führungsvisionen angeht. Aber dieses Thema Klarheit, das kann sich doch auch entwickeln im Laufe der Trainerjahre, Oder wie siehst du es?
Andre Breitenreiter: Das kann sich auf jeden Fall entwickeln, gerade mit Erfahrungswerten. Theorie ist ja das eine. Ich meine, klar, dir werden unheimlich gute Dinge vermittelt. Und auch ich habe aus der Fußball-Lehrerlehrergang sehr, sehr viel mitgenommen, Richtung natürlich Methodik etc. Aber am Ende des Tages, auch nur ⁓ auf eine Mannschaft einzuwirken, musst du diese Klarheit auch dann überzeugend drüber bringen. musst eben doch an dieser Idee festhalten und du musst, wenn es möglich ist, auch klar bleiben, wenn es mal nicht so läuft. Weil da achtet natürlich Spieler am ehesten dann darauf, wie reagiert der Spieler in einer Phase, wo es nicht so ist. Ist er doch einmal dünnbeutig oder ist er dann verkopft oder ist er halt weiterhin klar und verliert seine Linie nicht? Das macht nachher den Unterschied. Und nochmal zu Julian. Ich habe das ja auch genauso gesagt. Er hat sich bei der letzten Großmeisterschaft ja auch für diese Rollenverteilung entschieden und ist damit gut gefahren und deswegen ist es eine Klarheit, dass er das jetzt auch wieder so zum Ausdruck bringt. Jetzt wissen wir natürlich, wie Medienlandschaften dann auch funktionieren. Es geht ja ⁓ Schlagzeilen und dann werden Experten dazu gefragt, aber selbst nie in dieser verantwortungsvollen Position waren. Es ist doch dann einfach, das ist ein Spielchen, das Julian dann sicherlich etwas besser moderieren könnte, weil er das doch auch weiß, wie es funktioniert. Es muss einfach dann auch für die abperlen und er muss konsequent an seinen Weg weitergehen, weil am Ende wird ⁓ abgerechnet nach Ergebnissen, die sie dann bei der Weltmeisterschaft sind und alles andere ist dann auch eigentlich unwichtig. Er muss die Überzeugung haben, dass er die richtigen Entscheidungen trifft. Dafür ist er eben einfach einer, der hat den großen Position als Bundestrainer und davon bin ich überzeugt auch, dass er genau so handeln wird, weil ich kenn ihn persönlich auch ganz gut und ich schätze ihn sehr und ich finde, dass er ein guter Typ ist. Und trotzdem mag ihn halt nicht jeder. Und das liest man dann ja auch immer mal heraus, weswegen es dann zu kontroversen Diskussionen kommt. Wenn er nachher die nächsten Spiele gewinnt, dann ist er auf dem richtigen Weg. Und wenn es nachher nicht reicht, dann war doch wieder alles falsch. So funktioniert das nochmal, insbesondere auch in Deutschland, wo dann auch nach vielem gesucht wird, was noch gar nicht da ist. Und da stehen wir uns auch hoch. Wenn wir ehrlich sind, manchmal selbst mit dem Wege in dieser Art und Weise des Umgangs mit Menschen, dann auch persönlich anzugreifen, ich finde das halt auch gar nicht verdient.
Dominik Theis: Ja. Zurück zu dir. Du hast vorhin zum Steckbrief was Spannendes gesagt. Das lässt sich auch an Zahlen messen. Dass du einen sehr hohen Impact in den ersten zehn Spielen hattest, nachdem du dein Amt aufgenommen hast. Gerade bei Teams, die in einer Schieflage waren. Wie erklärst du dir das?
Andre Breitenreiter: Schwer zu erklären, ganz wichtig ist, schnell ein Bild von der Gesamtsituation zu haben. Klar bereitet man sich ja auch im Vorfeld vor und weiß den schon ⁓ inhaltliche Stärken und Schwächen, aber das ist das eine, wo man im Training ansetzen kann, das andere ist das Mentale. Schnell in die Erfolgsspur zu führen, für Erfolgserlebnisse auch im Training zu sorgen, aber insbesondere für... Für eine klare Struktur und für eine klare Linie, auch im Umgang, für eine klare Kultur, auch im Umgang miteinander, weil gerade in solchen Phasen, wenn es vielleicht nicht so gut läuft, dann führt das ja auch oft mal zu Kupfchenbildung, zu Unzufriedenheit. Und irgendwie ist es dann doch häufig auch gelungen, einen die Mannschaft schnell auf ein gemeinsames Ziel einzuschwören und darüber hinaus aber auch innerhalb kürzester Zeit. schon auch zu sehen, welche Art von Fußball ich sehen möchte und was ich der Überzeugung was, was mit dieser Mannschaft zum Erfolg führen kann. Und das hat dazu geführt, dass dieser Impactwert, und ich glaube, der ist über eins gemacht, extrem hoch ist. Und da waren jetzt nicht nur die absolut Top-Fahne dabei, sondern auch ein paar Vereine, wo man damit vielleicht nicht rechnen konnte. Und trotzdem, weil ich das öfter auch gefragt wurde, Es ist gar nicht immer nur dieses Thema, weil das würde ja eher für einen Feuerwehrmann sprechen. Ich bin überhaupt kein Feuerwehrmann und habe auch jetzt wirklich in den vergangenen Monaten Sachen abgesagt, wo ich mich hätte als Feuerwehrmann gesehen. Ich bin halt eher ein Entwickler und habe oft so das Gefühl gehabt bei Vereinen aufgrund dieses Impacts, weil das halt auch schnell ging. dass die Erwartungshaltung manchmal einfach zu schnell zu groß wurde, weil wir irgendwie überperformt haben und das aber als Selbstverständlichkeit angesehen wurde. Ich hab mal früher gesagt, wir sind so gefangen, unseres eigenen Erfolges. Manchmal ist es besser, hier lang zu starten, weil du dich hinten raus mehr freust, als wenn du dann am Anfang direkt alles gleich gewinnst und das zur Normalität wird. Also kann ich Beispiel sagen, das war echt lustig so. Wir sind ja Meister geworden und als wir dann so nach dem Gewinn der Meisterschaft uns in Zürich auf die neue Saison besprochen haben und ich die Frage gestellt habe, wo soll es hingehen? Da haben wir natürlich ein fantastisches Präsentenpaar. Ich schätze sie sehr und habe gesagt, wir wollen in die Champions League. Wir wollen in die Champions League. Dann habe gesagt, was brauchen wir dafür? Dann hieß es, wir haben den besten Trainer dafür. Ich sage, das wäre Zauberer, weil wir haben mit einer Mannschaft die Meisterschaft geholt, die eigentlich drei Jahre hinterher absteigen müssen. Das führt dann ganz oft dazu, dass die Erwartungshaltung zu schnell zu groß wäre. Zumindest nicht im Rahmen der Möglichkeiten eigentlich sind. Das habe ich einfach schon festgestellt, dass das leider dann auch häufiger bei mir zumindest zum Problem geführt hat. Wir haben in Hoffenheim, als ich dort war, die besten Saisonstattvereinsgeschichte gehabt. Jetzt hat Ilzer das gedockt. Aber das war da auf Schalke, den besten Start in 55 Jahren. Wo man hat geglaubt, wir kommen jetzt sicher in die Champions League oder spielen in die Deutsche Meisterschaft. Eine Entwicklung hat auch immer, gerade wenn man auf viele junge Spieler setzt, wie ich zum Beispiel in Hoffenheim, sind sechs Jungs aus der Akademie zu Bundesligaspielern geworden. Weil ich den Mut hatte, sie auch reinzuwerfen, weil sie auch gut genug waren. Ob Fisnik Aslan, Moda, Tom Bischoff, die haben wir dann auch alle spielen lassen. Aber junge Spieler unterlegen dann auch einfach Schwankungen. Und dann kann es auch noch passieren, dass Ergebnisse ausbleiben. Dann ist es für einen Trainer, finde ich, elementar wichtig, dass man auch diese Rückendeckung spürt und sich auch medial nicht von Ergebnissen oder Druck dann auch leiten lässt, sondern einfach sieht, wie arbeiten wir denn hier tatsächlich? Wer denn unsere Ziele erreicht? Entwicklung junger Spieler, Transferlöse erzielen und natürlich die Ergebnisse. Und wenn dann zwei von drei Dinge erfolgreich absolviert werden, dann ist man auf einem guten Weg. Davon mache ich eigentlich auch so trainereitabhängig, ob dem Verein es dann nachher besser geht und ob er sich auch tatsächlich weiterentwickelt, unabhängig von einzelnen Ergebnissen. Freiburg ist das beste Beispiel. Wir haben es viele Jahre gemacht. Die sind auch mit Christian Streichmann, die zweite, die abgestiegen, weil sie einfach wussten, okay, da ist jemand, der passt zum Verein, der entwickelt Spieler. Aber wir mit unserer Qualität im Gesamten damals. sind halt auch immer mal der Gefahr ausgesetzt, dass es auch vielleicht mal runtergeht. Aber es hat nichts damit zu tun, dass wir einen schlechten Trainer haben, sondern das kann halt auch passieren. Und das wünsche ich ja jeder Trainer dieses Vertrauen. Und das zum Abschluss zu bringen, ich glaube, das zeichnet heute aber auch Vereine einfach aus, die kontinuierlich und ruhig arbeiten, dass diese Vereine, wie der VG Stuttgart, einfach auch sehr erfolgreich sind.
Dominik Theis: Noch mal zurück auf diesen Impact und so die ersten Maßnahmen. Das ist auch was, worüber ich mit dem Chef-Trainer von Sturm Graz zuletzt, mit Fabio Ingolitsch gesprochen habe. Weil sowohl in Graz als auch seiner Station davor ist er ein Trainer gewesen, der sofort Strukturen verändert hat. Auf dem Platz, neben dem Platz andere. Trainingsdosierung. Hierarchie verändert, System verändert. Gibt es Dinge, die du immer machst, wenn du irgendwo hinkommst, wie zum Beispiel ... Ich schütte Spiele erst mal nur mit positiven Emotionen zu oder zeige ihnen nur positive Bilder oder ich ändere einfach immer etwas an der Taktik, einfach ⁓ neuen Reiz zu setzen, womit die Spieler positive Dinge oder Hoffnung schöpfen können daraus. Gibt es da so Dinge, die du immer machst oder die immer quasi überprüfst an Stellschrauben?
Andre Breitenreiter: Ja, schon. Ich tendiere trotzdem eher dazu, Ihnen erst einmal auch diese Sicherheit zu geben, statt eine Revolution durchzuführen. Weil ich der Meinung bin, dass das zu noch mehr Unsicherheit auch führen kann. Wenn jemand das einschätzt, dass das vielleicht gewinnbringend von Nöten ist, dann ist das dann auch die richtige Entscheidung. Ich glaube grundsätzlich gerade in so schwierigen Situationen, wo Vereine in Schieflage sind und auch Mannschaften unsicher sind, ist es wichtig, Ruhe und Sicherheit auszustrahlen. Aber natürlich neue Reize zu setzen, damit sie auch neue Motivation schöpfen. Weil wenn jetzt ein Trainer kommt und genau das gleiche 1 zu 1 weiter macht, dann verändert sich nichts. Sondern man muss schon punktuell dann für neue Reize setzen, auch schon anhand von Analysen oder auch aus den Gesprächen heraus. Das mache ich immer. Sofort Gespräche führen mit Kapitän, mit Mannschaftsrat und auch mit den einzelnen Spielern, ⁓ Feedback zu erhalten. Was ihre Meinung tatsächlich ist, weil die Spieler nun mal auf dem Platz die gewinnen die Spiele. Sie verlieren auch die Spiele und sind aber diejenigen, es umsetzen müssen. dann eben die richtigen Entscheidungen zu treffen, wo fühlen sie sich aktuell am wohlsten. Aber natürlich schon auch mit einem ersten Schritt auch meine Prinzipien, wie ich Fußball sehen will, dort mit reinzubringen. Wichtig ist es, diese Spieler ein Stück weit in die Verantwortung zu nehmen. Aber wie du es so schön gesagt hast, klar, positive Emotionen zu geben, natürlich an die eigene Stärke zu glauben, das mit Trainingsenthalten zu untermalen, sie positiv unterwegs sind, wo sie Erfolgsempfehlungen haben, viele Tore schießen, gute Aktionen. Klar befeuert man dann natürlich mit positiven Emotionen noch mal mehr, um einfach diesen Glauben zu entwickeln und diese Stärke zurückzuholen. Und dann braucht man natürlich am besten auch sofort ein Erfolgserlebnis im Spiel, damit dieser Glaube bestärkt
Dominik Theis: Lass uns noch mal, auch wenn nicht mehr so viel Zeit bleibt bei der Aufnahme, nachdem wir jetzt viel über Führung und Kommunikation gesprochen haben, noch mal konkret auf deine Spielidee eingehen. Du hast am Anfang gesagt, eine breite Reiter 11 soll für hohe Intensität, Variabilität und Kreativität schälen. Also hohe Intensität nehmen wir vor allem mal für die Spielphase gegen den Ball. Die anderen beiden Begriffe für die Spielphase mit dem Ball. Jetzt habe ich eben ja schon über Ingulic Graz-Trainer gesprochen, der hat gesagt für Ihnen hat so ein Playbook, wo er sich alles mal aufgeschrieben hat an Spielprinzipien und allem Möglichen. Wie kann man darauf reagieren? Hast du sowas auch? Oder spielt sich das alles in deinem Kopf ab? Oder wie gehst du mit all dem ⁓ mit diesem Thema Spielprinzipien, Grundordnung? Welche Grundordnung passt auf die andere? Und was passt auch zu mir? Wofür will ich als Trainer stehen?
Andre Breitenreiter: Ja, ich habe in der Tat eine große Powerpoint-Präsentation von meiner Spielidee. Die habe ich auch immer wieder natürlich aktualisiert, weil die sich da auch erweitert. Ich entwickle mich als Trainer ja auch immer weiter und das ist auch gut so. Aber habe ich die einzelnen Aspekte dann eben auch mit Videos von den unterschiedlichen Stationen. zusammengestellt und ich finde, also ich zeige jetzt diese Präsentation nicht der Mannschaft, weil ich mich auch nicht für irgendetwas selber abfeiern will. Aber einzelne Videos aus diesen Sequenzen zeige ich dann schon mal, jetzt nicht in der Präsentation, aber in den Gruppen auch oder auch in der Mannschaft, ⁓ zu zeigen, welcher Art von Fußball stehe ich mir vor. Wie kann das dann aussehen? Das ist meine Überzeugung. Bilder sehen von unterschiedlichen Stationen. Dann sehen sie, das ist nicht nur einmal gewesen, sondern es hat sich wiederholt. Das spricht ja für Handschaft. Das ist, glaube ich, ganz wichtig. Intensität ist, wie gesagt, für mich Grundvoraussetzung. Wir sehen heute die Mannschaften, die ganz weit vorne sind. Das sind die Bayern und dann auch PSG. Die spielen hochintensiv, die pressen, die jagen. gehen auch mal tiefer, aber sie sind extrem wach, was das Gegenpressing angeht. Das favorisiere ich einfach auch. Für mich ist es ängstlich, zurückweichen und immer nur zu warten und dann lange Wege zum Umschalten zu haben. Ich möchte Ball hoch gewinnen, ⁓ dann auch einfach den Gegner ungeordnet nochmal zu erwischen. Gerade wenn weiß, sie heute, wenn sie verteidigen, oft im tiefen Block sind, sind das ja Möglichkeiten auch, im aktiven Pressing dann auch für gute Umschaltenmomente zu sorgen. Den Ballbesitz ist halt Variabilität gefragt, aber bevorzugt für mich. Ich finde, wir reden ja oft über Passquoten. für mich ist dokumentiert ein hoher Ballbesitzanteil an Prozent nicht Dominanz, sondern für mich ist es einfach die Qualität des Ballbesitzes. Das ist das, was mich interessiert. Ich muss nicht 60 Prozent haben, ich kann auch 48 Prozent haben, aber wenn die Qualität des Ballbesitzes so gut ist aufgrund von Vertikalität, also ich möchte schon gucken, wenn möglich, dass es so schnell wie möglich zum Tor geht, auch durchs Zentrum, in die Zwischenräume durchzustecken, vertikalspiel, aber eben auch gerade durch tiefe Blöcke, wenn sie verteidigen, auch über die Flügelzonen das zu überladen. Da braucht es Zeit, das auch einzustudieren und Abläufe zu haben, aber ich möchte, dass wir nach vorne spielen. Ich mag wirklich eine Sache auf dem Platz nicht. Das sehe ich auch bei der ein oder anderen Mannschaft immer mal wieder, wenn ich einfach quer spiele und es dann nachher als Spielkontrolle und als Ballbesitzfußball deklariere. Meine Art von Fußball ist es nicht. Ich muss auch geduldig sein und dann die richtigen Momente abpassen, keine Frage. Aber ich möchte, wir in die Tiefe kommen. möchte, dass wir Spieler haben, die über außen und auch durchs Zentrum tief gehen, die diese Optionen aufzeigen. Und ich möchte, dass wir auf den Achterposition in den Halbrollen, dass wir den Blick haben für den Diagonal-Chip, ob auf den Joker von außen oder auf den Achter, der durchläuft. Ich möchte, dass wir in die torgefährlichen Räume kommen. Und das ist nun mal hinter der Kette. Da müssen wir reingelangen. Und das geht auch gegen den Tiefenblock. Und dann muss ich diese Optionen aufzeigen und dann ein Stück weit auch Kreativität den Spielern geben. freigeben, aber mit Optionen tun sie sich leichter. Es gibt Möglichkeiten und das ist die Art und Weise, wie ich variabeltorchangst heraussteigen möchte auf direktem, klaren Weg vertikal. Ja und das ist eigentlich ziemlich oft auch gut gelungen. Restverteidigung, klar, muss da bleiben. Das ist ja auch dann auch die Gefahr, wenn du viele Spieler in die Box bringst und dann vielleicht auch mal offen bist. Da bedarf es der Disziplin der letzten Reihe natürlich auch, aber nochmal. Ich war Offensivspieler, ich denke offensiv und ich möchte einfach, dass wir viele Tore bejubeln, weil das das schönste am Spiel ist, wenn wir Tore feiern, gemeinsam mit den Fans.
Dominik Theis: Gehen wir noch mal kurz auf die Phase gegen den Ball an. Du ja gesagt, Fan von hohem Angriffspressing, bist du da eher Team Mann gegen Mann verteidigen oder eher lenkend oder immer am Gegner orientiert?
Andre Breitenreiter: Ich bin schon ein Freund gerade in der Spieleröffnung vom Torwart. Das ist für mich ein klares 1 gegen 1, weil in der Regel spielen viele Leute auch mit Torwart dann in Plus 1. Aber das kannst du dann schon so pressen, dass sie im Grunde zum Langball gezwungen werden. Geht natürlich nur, wenn du auch schnell den Verteidiger hast und dann auch Kopfballstärke. Da passe ich es dann schon mal an, wenn ich weiß, da steht jetzt wie... vor ein paar Jahren der Adam Czarlay vorne oder heute Nick Voldemate und der verlängert dann wahrscheinlich aufgrund der Größe jeden Kopfball. Dann jage ich auch mal in Minus eins, das heißt ich bleibe hinten plus eins für die Absicherung. Aber ansonsten jagen wir eins gegen eins. Und das kann aber auch aus dem Mittelfeldpressing sein, ⁓ den Gegner, der vielleicht eben Aufbauprobleme hat, bisschen Raum zu geben und uns dann auch den Raum nach dem Ball gewinnen zu geben. Aber dann geht es dann schon darum, eins gegen eins zu jagen. Im Gesamten, das geht aber natürlich auch nicht über 90 Minuten, ist keine Frage, geht es dann schon in der Kompaktheit auch zu stehen, Räume zuzustellen, kurze Distanzen zu haben, Abstände zu verringern, ⁓ dann auch klar, zwei gegen eins Situation im Mittelfell, wenn eine Valizientung gespielt wird zum Beispiel, dann auch zuzuschlagen und dann sofort umzuschalten. Wie gesagt, auch da ist es Variabilität. Aber erstmal in der Ausrichtung gerade geht es schon darum, hoch... hoch anzulaufen, hoch zu pressen und das mit maximaler Intensität.
Dominik Theis: Zurück zum Spiel mit Ball. Du hast jetzt so die Powerpoint-Präsenzation angesprochen. Wie viele Prinzipien hast du da für Spiel mit Ball? Weil am Ende ist es ja auch so eine gewisse Philosophiefrage, Wie viel brauche ich und wie viel kann ich der Mannschaft auch zumuten, jener Phase der Saison?
Andre Breitenreiter: Ja, wie gesagt im Spiel gegen den Ball ist das ein klares Prinzip nach vorne zu verteidigen. Im Ballbesitz und ehrlich gesagt beschäftige ich mich da im Training viel mehr noch mit, weil das mir auch Spaß macht, weil ich glaube das ist eher so die Königsdisziplin. Ich finde so gegen den Ball kann man die fast jeder Trainer trainieren. Ich glaube die Königsdisziplinen sind dann eher natürlich Chancen herauszuspielen gegen Tiefen Block. Aber von hinten heraus ist für mich zum Beispiel ein klares Prinzip. Ich möchte dass jeden Verteidiger andere wählen. Ich möchte, dass wir Überzahl schaffen. heißt, er attackiert eher Gegner mit zwei Schwitzen. Möchte ich, dass wir zu dritt aufbauen. Haben sie zu dritt, möchte ich, dass wir zu viert sind. Das kann dann durch einen Sechser sein, kann durch einen abkappenden Austritteiliger sein, der in die letzte Reihe geht. Ich möchte, dass wir Linien überspielen. Und zwar auch fußballerischer Art und Weise vertikal. Die Zwischenräume zu suchen. Wenn der Gegner dann auch Mann gegen Mann verteidigt, das passiert dann ja auch mal, dann geht es darum, natürlich Drucksituation zu überspielen. Dann im Gesamten, dass jeder einzelne Spieler ⁓ seine Aufgabe einfach weiß. Wo sind Räume? Das muss jetzt nicht statisch von jedem Spieler besetzt sein, sondern es gibt Positionen, die müssen einfach auf dem Platz immer besetzt sein. Und das muss man auch versuchen zu erkennen. Und das kann man halt auch echt viel trainieren. Und da entwickelt sich auch ein Gefühl. Linien überspielen, in Verteidiger andere Wellen. Durch das andere Wellen in die nächste Zone Überzahl schaffen. Sodass wir im Grunde in jeder Zone plus eins sind. Und jeder Spieler dort, ob 3 gegen 2, 4 gegen 3, weiß, ich bin jetzt eine nächste Option. Offene Stellung, aufdrehen. Ich hasse geschlossen zu stehen, ⁓ permanent nur nach hinten klatschen zu lassen. Natürlich ist es einen Mannspieler vorne was anderes. Steil klatscht bin ich ein großer Freund von. Steil klatscht tief. Gerade in diesem Mittelfeldposition offen zu sein, sofort ein Blickwickel nach vorne zu haben, weil ich einfach diese letzte Zone hinter der letzten Reihe attackieren möchte. Ich möchte in die Tiefe kommen. Und der Bedarf ist natürlich gerade bei heute im maximalen Zeitdruck, schnelle Entscheidungen zu treffen. Und da brauche ich einen ersten guten Kontakt, damit ich den zweiten schon tief spielen kann. Und so ist es mein Anspruch, jeden Spieler auf seiner Position. so darauf vorzubereiten, dass er weiß, wann genau ist er welche Option und man muss ja einfach parat sein. Das ist eigentlich echt oft gelohnt, nicht immer, aber oft schon, sodass es dann einfach gelingt, nicht dem allergrößten Ballbesitzanteil trotzdem sehr, sehr torgefährlich zu werden und Tore zu schießen, wenn die Effizienz stimmt. Das war leider bei der letzten Station nicht der Fall.
Dominik Theis: Mhm. Du hast die PowerPoint angesprochen. Mich würd interessieren, du hast gesagt, da kommen immer wieder neue Punkte dazu. Was sind denn so die letzten Punkte, die da so neu dazugekommen sind?
Andre Breitenreiter: Ja, gerade noch mal auch aktuell gegen den tiefen Block, noch mal auch genauer hinzuschauen, was gibt es denn noch für weitere Optionen, ⁓ dort einfach auch eine Torke fertig zu werden. Und es natürlich nicht einfach und deswegen tun sich auch viele Mannschaften schwer, weil es dann einfach, wie wir es vorhin gesagt haben, auch mit der individuellen Qualität der Spieler zu tun haben. Wie setze ich mich im 1vs1 durch? Wo bringe ich diese Spieler in die Position, dass sie auch genau diesen torgefährlichen Raum kommen können. Ich kann aber trotzdem auch durch durch Laufwege und das sehen wir ganz viel bei den Bayern durch die durch Laufwege einfach Räume frei ziehen. Achter geht wirklich tief entfernt. Achter läuft tief in die Box rein. Ball kommt aber als Verlagung auf den auf die Flügelzone. Vielleicht entsteht dort eine 2 gegen 1 Situation. Das sind so Dinge, die die jetzt auch nochmal vermerkt, ich dazu genommen habe. Aber ansonsten ja. Beobachte ich das Ganze natürlich auch aktuell gerade aus der Ferne und sehe schon diese Tendenzen, die momentan da sind. Aber trotzdem gibt es auch andere Beispiele wie die Topmannschaften Europas und die sind deswegen auch gerade ganz weit vorne.
Dominik Theis: Der Fußball entwickelt sich weiter, gerade Bayern ist spannend, weil die ihre tiefen Wege nicht nur von ein oder zwei Spieler, sondern von verschiedensten Positionen oft streuen, wo auch ein Außenverteidiger durchstartet, bis hinter die letzte Kette. Was auslöst und du dann oft als Spieler in diesen Wenn-Dann-Entscheidungen bist und checken musst, okay, reagiert die letzte Kette da drauf und geht nach hinten, dadurch wird aber der Raum auf dem Flügel frei für einen Diagonalball. Kann ich meinen Flügelspieler daschen ins 1-1 oder sogar ein Isolierte 2-1-Situationen bringen, wenn der andere Außenverteidiger noch mitspielt. Also viele, wie ich gesagt habe, wenn-dann-Entscheidungen. Mich wird jetzt gegen den Abschluss der Folge interessieren. Der Fußball entwickelt sich weiter, dadurch auch der Trainerjob. Was ist denn der Bereich, wo du sagst, im Vergleich zu deinen Traineranfängen, und da meine ich vor allem Traineranfänge nicht in Havel so unbedingt, sondern dann im Profifußball-Paderborn, Hannover, was hat sich denn am meisten an diesem Trainerjob verändert?
Andre Breitenreiter: Was hat sich am meisten verändert? Ich glaube schon, dass grundsätzlich die Zeit eine andere ist. Das Spiel wird definitiv immer athletischer. Es sind immer mehr Fachpersonal dabei. Man kann schon auf absolute Fachleute zurückgreifen. Das gab es vor 10, 12 Jahren noch nicht so in dieser Häufigkeit wie heute. Insgesamt hat sich auch ... Natürlich die Generation verändert, das haben wir vorhin auch schon kurz thematisiert. So dreht sich alles ein Stück weit weiter. Ansprachen verändern sich definitiv, wo man vielleicht vor 10, 12 Jahren noch vermehrt auf emotionalere Ansprachen gesetzt hat. Ich glaube nicht, dass die heute in eine besonders großen Häufigkeit ziehen, sondern eher verpuffen. So muss man sich den heutigen Gegebenheiten ein Stück weit anpassen, ohne seine grundsätzliche Art Weise zu verlieren. Aber es sich verändert und man muss sich mit der Zeit auch gewisses Ding annehmen. Von daher macht es das ja auch spannend, weil die Menschen anders geworden sind, das Spiel sich verändert hat und man selber dadurch auch seinen Blickwinkel erweitert und auch selber wahrscheinlich immer besser wird.
Dominik Theis: Sagst du emotionale Ansprachen, die zünden nicht mehr so wie früher aus deiner Erfahrung heraus. Aber worauf muss man denn dann in Ansprachen achten? Oder sind so Teamansprachen eigentlich auch aus der Zeit gefallen und du müsstest eigentlich auf die Motive jedes einzelnen Spielers eingehen und mehr Einzelgespräche führen oder nur Einzelgespräche? Wie siehst du das?
Andre Breitenreiter: Ja, ich glaube schon, was sich niemals verändern wird, ist, dass Fußball eine Teamsportart ist. Und ich glaube, es ist ganz wichtig, die Mannschaft auf ein Team, auf einen Erfolg einzuschwören. Denn bei den Erfolgen, die ich mit meinen Vereinen hatte, ob Aufstiege, Meisterschaft, waren gewisse Grundvoraussetzungen immer die gleichen. Und zwar die Atmosphäre im Team, der Teamgeist an sich, die Jungs waren völlig klar. haben jede Rolle für sich auch akzeptiert und sind gemeinsam diesen Weg gegangen. Ich glaube, es ist eher so, wenn man sich heute nur noch auf diese Einzelgespräche konzentriert, die ja extrem wichtig sind. Aber in Vorbereitung auf ein Spiel führt es ja niemals zu einem gemeinsamen Weg zum Erfolg. Und niemals wird ein Spiel alleine ein Spiel gewinnen können, sondern es gewinnt immer das Team als Team. So und ist dann auch erfolgreich. Und deswegen glaube ich schon, dass es wichtig ist, dass man alle mitnimmt, auch das Team ⁓ das Team. Und trotzdem, ich glaube, sind die Zeiten einfach vorbei, wo man jede Woche emotionale Ansprachen hält, weil das einfach in der Art Weise heute gar nicht mehr gefragt ist. Also es ist schon mal gut, wenn man das auch mal packt, aber diese Kreise vor dem Spiel sind für mich auch irgendwie, also für mich persönlich ist das Ali-Bi. Aber wenn das einfach gut tut und auch nochmal zu aller Sicherheit führt, wie oft sehen wir einen Kreis, die schwören sich ein und eine Minute später sehen sie schon mausetot aus und völlig unmotiviert. Ich bin immer für Authentizität, für Ehrlichkeit auch deswegen und ich mache lieber wenn dann Kreise in der Kabine, weil das für mich auch nicht jeder sehen muss, aber weil wir uns ja als Teamklasse wissen, dass wir alles geben wollen, ⁓ erfolgreich zu sein. Und trotzdem muss man manchmal die Öffentlichkeit bedienen, damit der Eindruck entsteht, ⁓ ja, die brennen jetzt heute, ⁓ das Spiel zu gewinnen.
Dominik Theis: Alright, bevor ich dich hier aus dem Podcast entlasse, eine letzte Abschlussfrage, da du ja auch angesprochen hast. Letzte Station war in Hannover, vor ungefähr einem Jahr geendet. Knappes Jahr. Was sind denn deine wichtigsten Kriterien jetzt so bei der Auswahl deiner nächsten Trainerstation?
Andre Breitenreiter: Zum einen höre ich die ganze Zeit extrem auf mein Bauchgefühl. Hannover ist meine Heimatstadt, ich bin dort groß geworden. Ich war bei zwei der vier größten Vereinserfolge dabei, auch Pudigre, Pokalsieg oder Aufstieg 2017. Da habe ich mich von Emotionen denken lassen, den Menschen hier, weil ich einen guten Namen in Hannover besitze, dann auch einfach zu helfen. Ich sollte helfen und ich wollte helfen und habe aber nicht auf meinen Bauch gehört, weil ich irgendwie schon das Gefühl hatte, dass die richtige Entscheidung ist. Ich werde mehr auf mein Bauchgefühl achten oder achte da aktuell auch drauf und suche einfach nach einer spannenden Herausforderung, wo es einfach möglich ist, im Rahmen der Möglichkeiten erfolgreich zu arbeiten. So, da bin ich nicht festgelegt. Klar, ich war im Ausland jetzt auch zweimal und auch wenn England jetzt für den Außenstehenden nicht gut aussah, genieße ich da höchste Wertschätzung. Das war einfach eine super Erfahrung für mich. Das war echt cool in England. Gut, dass ich halt permanent Schlägereien in der Kabine hatte, das wusste ich vorher nicht, weil es einfach Krüppchenbildung gab, wie ich sie niemals zuvor gesehen habe. Das führt auch niemals zum Erfolg. Also da war ich tatsächlich machtlos. Auch wenn der Impact in den ersten Spielen da war. Verletzungsrecht kam hinzu. Das sind Dinge, die kann man manchmal nicht beeinflussen, aber es war halt eine sehr, Erfahrung einfach eine andere Kultur kennenzulernen und einfach eine andere Philosophie auch eines Landes. Also deswegen bin ich auch für das Ausland überhaupt nicht abgeneigt. Ich gucke da schon gezielt auch hin, aber nochmal, das muss alles Sinn ergeben und da betrab ich keinen Aktionismus, nur ⁓ jetzt irgendwie den nächstbesten Job haben zu müssen. Dann hätte ich den schon vor einem dreiviertel Jahr gehabt, sondern ich versuche da ganz bewusst auszuwählen und auf mein Bauchgefühl zu vertrauen, dass die Chemie stimmt mit den handelnden Personen und dass es auch möglich ist, wie gesagt, erfolgreich unter den Rahmenbedingungen zu arbeiten.
Dominik Theis: Die Rahmenbedingungen hier bei From Coach To Coach hast du auf jeden Fall genutzt. Andre, vielen Dank für deine Einblicke, Eindrücke und auch Erzählung und auch Anekdoten zu verschiedensten Spielern, zu verschiedensten Erfahrungen, du als Trainer erlebt hast, in positiver wie auch negativer Hinsicht und wünsche dir viel Erfolg bei all dem, was in Zukunft für dich ansteht.
Andre Breitenreiter: Herzlichen Dank, Dominik. Es hat mir ganz viel Spaß gemacht. Cooler Talk.
Dominik Theis: dann macht's gut auch liebe Zuhörerinnen und Zuhörer. Wir hören uns in nächsten Woche, wenn es wieder heißt, from Coach to Coach is back.