
Geschichte 10 Minuten· Staffel 1· Folge 151
Atomgärten: Bestrahltes Saatgut, das wir bis heute essen (#151)
Montag, 19. Oktober 2026 · 11 min
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Shownotes
Ab 1949 wuchsen auf Long Island Pflanzen in Ringen um einen Mast mit radioaktivem Kobalt, absichtlich bestrahlt, damit sich ihr Erbgut verändert. Im Zeichen von Eisenhowers Programm „Atoms for Peace” verbreitete sich die Methode weltweit, und in England gründete die Atombegeisterte Muriel Howorth sogar eine Gesellschaft, deren Mitglieder bestrahlte Samen im eigenen Garten aussäten. Erfolgreich waren am Ende die Fachleute: Aus Tausenden bestrahlten Varianten entstand die Gerste Golden Promise, auf der die schottische Brennerei Macallan jahrzehntelang ihren Ruf aufbaute. Auch rote Grapefruits aus Texas, pilzresistente Minze und ein italienischer Hartweizen für Spaghetti gehen auf solche Mutationen zurück. Radioaktiv sind diese Pflanzen nicht, und bis heute wird in Seibersdorf bei Wien mit dieser Methode weitergezüchtet.
Titelbild: Muriel Howorth, Präsidentin der Atomic Gardening Society, zeigt dem Gartenautor Beverley Nichols eine 61 Zentimeter hohe Erdnusspflanze, gezogen aus einer bestrahlten Nuss in ihrem eigenen Garten. Foto: Wikimedia Commons / Jacobo37 / CC BY-SA 4.0