Geschichten zum Einschlafen

#262 Marokko, das Land der zauberhaften Gegensätze - Einschlafen mit Nale

Mittwoch, 15. April 2026 · 29 min

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Shownotes

Heute führt uns unser Weg in eine andere Welt – in eine Welt, die unsere moderne Zeit hinter sich lässt und ihre Tore zu engen Gassen, lebendigen Märkten und uralten Geschichten öffnet. Von der Medina in Fes brechen wir auf, hinaus aus dem Gewimmel der Stadt, hinein in die Weite der Wüste. Unterwegs begegnen wir den Kontrasten Marokkos – einem Land, das zwischen Gebirge und Meer, Tradition und Bewegung unzählige Welten in sich vereint.

Wir, das sind Nale und Balto, möchten dich auf eine Reise schicken, damit du so die Sorgen des Tages hinter dir lassen kannst. Unsere Geschichten sollen dir dabei helfen, zur Ruhe zu kommen und langsam in einen verdienten und erholsamen Schlaf zu gleiten.

Wir wünschen dir eine gute Nacht, schlaf schön!

Konnten wir dir beim Einschlafen helfen? Hast du eine Idee, wo die nächste Reise hingehen soll? Dann schreib uns gerne an geschichtenzumeinschlafen@julep.de. Wir freuen uns sehr, von dir zu hören!

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Host: Nale und Balto
Text: Madeleine Walther
Musik: Milan Lukas Fey
Produktion & Schnitt: Martin Petermann
Eine Produktion der Julep Studios

Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin

Geschichten zum Einschlafen Eine Produktion der Julep Studios. Ich bin Nale und ich freue mich sehr, dass Du wieder dabei bist. Heute führt uns unser Weg in eine andere Welt. In eine Welt, die unsere moderne Zeit hinter sich lässt und ihre Tore zu engen Gassen, lebendigen Märkten und uralten Geschichten öffnet.

Wir reisen heute nach Marokko. Von der Medina-en-Fes brechen wir auf, hinaus aus dem Gewimmel der Stadt, hinein in die Weite der Wüste. Unterwegs begegnen wir den Kontrasten Marokkos, einem Land, das zwischen Gebirge und Meer, Tradition und Bewegung unzählige Welten in sich vereint. An dieser Stelle auch herzlichen Dank an unsere Sternen- und Kometensupporter der Geschichten zum Einschlafen Sternwarte.

Schaut gern auch mal auf www.steadyhq.com slash gze vorbei, wenn ihr uns über das Hören hinaus unterstützen möchtet. Dort könnt ihr die Folgen ganz ohne Werbung hören, mitentscheiden, welche Reise wir als nächstes unternehmen und vieles mehr. Wir freuen uns, euch da zu begrüßen. Aber jetzt schließ bitte deine Augen und entspann dein Gesicht.

Lass deine Mimik gleiten, gib die Kontrolle ab. Einen wunderschönen guten Abend wünsche ich dir. Ich freue mich, dich so fröhlich und neugierig vorzufinden. Oft sind es die kleinen Sachen, die einen Augenblick zu etwas ganz Besonderem machen können. Und jetzt mit, Welt mit Frohsinn. Der Frühling ist in vollem Gange und es treibt uns alle nach draußen, auf der Suche nach etwas Magischem.

Bist du bereit, ein neues Abenteuer zu erleben? Dann lass uns keine Zeit verlieren, das Tor ins Ohr zu gehen. Halb verschlafen bereitet sich die Stadt auf die Nachtruhe vor. Einige Schritte hallen noch über den kalten Asphalt, die ein oder andere Lampe ist noch nicht erloschen. Und doch liegt etwas Eigensinniges in der Luft.

Eine sonderliche Stimmung treibt uns um und steuert, wie von Zauberhand, den Pfad, auf dem wir wandeln. Die bekannten Wege verschwinden unter unseren Füßen und plötzlich tragen uns fremde Gassen weiter. Vertrautes wird zu Fremdem und selbst die Gerüche verschmelzen mit betörendem Neuen. Gerade war es noch die Einheit.

Mittlerweile hat sich das Klima gedreht und neben den lauter werdenden Worten einer anderen Sprache hallen unsere Schritte auf einem dumpfen Untergrund wieder. Eine staubige Wärme bringt uns die endgültige Gewissheit, dass wir uns längst nicht mehr in unseren Breiten befinden. Ein riesiges Tor, spärlich beleuchtet, mit geschwungenem Bogen, empfängt uns in einem herrlich dunkelblauen Mosaik.

Es scheint der Eingang in eine Märchenwelt zu sein, wie wir sie uns in den Geschichten aus Tausend und einer Nacht vorstellen können. Zu sehen ist noch nichts, doch weit kann die raunende Menge nicht sein. Lass es uns wagen und eintreten. Vielleicht können wir erst dann erkennen, was sich auf der anderen Seite verborgen hält.

Atme nun tief ein und unsere Tour kann beginnen. Erst ein Schritt, dann folgt der Nächste. Bevor wir uns versehen haben, sind wir plötzlich mittendrin. Ein kleiner Platz breitet sich vor uns aus. Das bunte Durcheinander lässt sich kaum in Worte fassen. Unzählige Stände feinsten süßen Honiggebäcks lassen sich an jeder Ecke erwerben.

Frisches Obst und Gemüse liegt auf breiten Auslagen sorgfältig sortiert. Saftige Orangen und Mandarinen duften verführerisch und laden dazu ein, sie zu probieren. Und da hinten, aus einer der zahlreichen Gassen, drängelt sich ein Eselskarren durch die Menge und gewährt uns einen kurzen Blick auf wunderschöne Stoffe und handgewebte Teppiche.

Stimmen überschlagen sich, Preise werden gerufen, Hände gestikulieren und irgendwo beginnt jemand laut zu lachen. Weite Kutten, herrliche Schleier und farbenfrohe Gewänder schmücken die Menschen hier, die uns die moderne Welt für einen Augenblick vergessen lassen. Doch wo sind wir gelandet? In welche märchenhafte Stadt durften wir eintreten?

Auch wenn die Geschichten von Aladin ursprünglich aus Persien stammen, fühlt sich dieser Ort an, als könnten sie genau hier passiert sein. Denn wir sind im Norden von Marokko, im UNESCO-Weltkulturerbe Faes. Wir blicken auf den Eingang der größten geschlossenen Medina der Welt. Das Wort Medina kommt aus dem Arabischen und bedeutet eigentlich Stadt.

Heute ist damit aber oft eine durch Mauern umschlossene Altstadt gemeint. Hinter den massiven Stadtmauern schlängeln sich über 9000 Gässchen durch das kulturelle Zentrum. So eng, dass selbst das Sonnenlicht nur in schmalen Streifen den Boden erreicht. Viele Türen und Fassaden leuchten in tiefem Blau.

Einst gedacht, um Insekten fernzuhalten und die Hitze zu bändigen. Komm nur und tauche ein in die Welt der Händler und Handwerker, der Kräuterkundigen und Gelehrten. Jeder scheint gerade unterwegs zu sein. Die wundersamsten Lampen türmen sich in den Bütchen bis an die Decke. Sollte eine Wunderlampe dabei sein?

Wer weiß, vielleicht finden wir sie noch. Die schmale Straße neigt sich nach unten und bringt uns in einen Markt, der an jeder Ecke eine neue Überraschung bereithält. Die Holzkünstler schnitzen, Schmiede bearbeiten kunstvolle Teller und Tabletts aus Messing. Es duftet nach Gewürzen der ganzen Welt und klingt nach einer Epoche, an die wir selbst keine Erinnerungen haben.

Wenn du genau hinschaust, findest du eine Ähnlichkeit in jedem der 32 Stadtviertel. Man sagt, wer sich hier verläuft, findet nie denselben Weg zurück. Immer wieder findet sich eine neue Moschee, versteckt hinter einem reich verzierten Tor und meistens gleich daneben ein kunstvoll gestalteter Brunnen.

Auch eine Medasa, eine Koranschule und eine traditionelle Bäckerei können nicht weit sein. So verbinden sich diese Elemente zu einem eigenständigen Viertel. Und diese bilden die atemberaubende Medina, durch die wir gerade laufen dürfen. Am Ende des bewegten Zentrums ist es nun ruhiger geworden. Langsam ist auch hier Nachtruhe geboten. Die Wohltuende Erholung eines langen Tages haben sich alle redlich verdient.

Nur wir sind noch nicht zum Schlafen aufgelegt und wollen weiter das Land erkunden. Keine Angst, wir müssen nicht zu Fuß weiter. Einer der Eselskarren mit dem freundlichen Vierbeiner wird uns auf unserer Reise begleiten. Schau nur da. Dort steht er auch schon. Steig nur auf. Unser Roadtrip der etwas anderen Art kann beginnen.

Schnell bleibt die antike Mauer hinter uns zurück und eine breite Straße ebnet uns den Weg Richtung Süden. Die Dunkelheit empfängt uns mit offenen Armen. Nur hin und wieder finden wir eine verlorene Laterne, die sanft die Nacht erhellt. Um uns herum ist kaum noch etwas zu sehen. Die schwarzen Silhouetten des Atlasgebirges erscheinen hin und wieder an unserer Seite, bis wir auch sie hinter uns zurücklassen.

Etwas beginnt sich zu verändern, fast unmerklich zuerst, bis die Welt, die wir kannten, verschwindet. Die düsteren Spitzen des Gebirges ebben ab und bieten uns eine Ebene ins Weite Nichts. Selbst die sichtbare Flora nimmt immer weiter ab, bis fast nichts mehr übrig bleibt. Ein kalter Windstoß haucht uns ein Geheimnis entgegen.

Ein Geheimnis, das sich an unserem nächsten Halt verborgen hält. Eine hügelige Landschaft bäumt sich vor uns in die Höhe. Doch an schroffen Stein ist nicht zu denken. Die rundlichen Formen unter dem klarer werdenden Sternenhimmel sind mächtige Sanddünen, die uns immer weiter entgegenkommen. Es hat uns nach Mersuga getrieben.

Dorthin, wo die Wüste beginnt, aber noch nicht ganz die Sahara ist. Je weiter wir uns der beginnenden Steinwüste nähern, desto höher werden die dunklen Sandhaufen im Hintergrund. Die höchsten von ihnen können bis zu 150 Meter hoch werden und sind so die stillen Giganten dieser Breiten. Doch komm, unsere Kutschfahrt hat hier ein Ende.

Je weiter wir uns nähern, desto schwieriger wird die Reise für unseren grauen. Freund und den hölzernen Wagen. Ein anderes Transportmittel steht schon für uns bereit. Kannst du es schon sehen? Zwei Dromedare werden uns durch die Wüste begleiten. Keiner kennt diesen Ort besser als Sie und keinem fällt es leichter, hier entlang zu wandern.

Sie wirken wie ruhige Gesellen, doch hör nur, manchmal geben sie tiefe, vibrierende Rufe von sich. Balzlaute, die durch die Stille tragen und kilometerweit hörbar sind. Halt dich fest und schwing dich hinüber. Gut im Sattel geht es mit einem Hauruck nach oben, bevor wir uns mit gleichmäßigem Geschaukel durch die Dünen bewegen.

Um uns verschwimmt die Welt, und kleidet sich in eine stille Einöde voller friedlicher Geborgenheit. Langsam gleiten wir unter dem endlosen Firmament umher, werden von Zufriedenheit und Ruhe erfüllt. Unser unbeständiger Pfad führt uns langsam Richtung Himmel. Dorthin, wo wir den Sternen der Nacht und den Sonnenstrahlen des Tages nah sein können.

Schau nur hinauf. Die glitzernden Diamanten sind hier besonders schön zu sehen. Zu Tausenden strahlen sie auf uns hernieder, einer schöner als der andere. In ihrer Mitte die atemberaubende Milchstraße. Hast du schon mal so etwas Schönes gesehen? Mit dem wackeligen Schritt nähern wir uns dem Dünenkamm.

Die größte der Sandberge erinnert uns an die Zauberhöhle von Aladin. Sicherlich sind die Mythen und Geschichten genauso lebhaft wie jene, die wir kennen. Wenn du genau hinhörst, werden sie vom Wind zu uns getragen. Noch eine letzte Anstrengung und wir haben es beschafft. Von hier oben haben wir einen wunderbaren Blick auf die schlafende Wüste mit ihrer wunderschönen Decke.

Lass dich nur einen Moment darin treiben. Wie einzigartig dieser Augenblick doch ist. Doch da am Horizont, eine feine blaue Linie durchbricht die beruhigende Finsternis. Der Tag kann nicht mehr weit sein. Und so ist es auch. Von hier oben haben wir einen herrlichen Blick auf die ankommende Flut der Farben.

Wie eine Symphonie brechen die buntesten Nuancen in das tiefe Azur. Sonne, Gelb, Kirschrot, Pfeilchen, Lila und kräftiges Orange verändern unsere Umgebung im Sekundentakt. Die Sahara erwacht zum Leben und zeigt sich von ihrer beeindruckendsten Seite. Wir sehen Sand, so weit das Auge reicht. Majestätisch, atemberaubend, wunderbar.

Zeit spielt hier keine Rolle. Nur die Schönheit der Natur gilt es zu bewundern. Und so trägt uns der Wind weiter, weg von Stein und Stille, hin zu einem Ort, der nach Salz und Bewegung klingt. Eine besonders schöne Seite Marokkos möchte ich dir nicht vorenthalten. Lassen wir uns von dem Wind hinfort tragen.

In die Stadt, die das Tor zur westlichen Welt darstellt. Ein Ort, an dem Afrika, Europa und der Atlantik aufeinandertreffen. Schließ die Augen und lass Dich mitreißen. Gleich sind wir da. Die Kälte des Gebirges verschwindet. Es riecht nur zu vertraut. Eine salzige Note umgibt uns. Es rauschen die Wellen und die Möwen singen ein Lied, ihre Schreie schneiden durch die Luft wie alte Seemannslieder.

Öffne nun langsam die Augen. Wir stehen an einem imposanten Fischhafen, mitten an der Atlantikküste. Hunderte Möwen kreisen über unseren Köpfen in der Hoffnung, die Kunst der Fischer zu wecken. Kutter und riesige Schiffe liegen hier an. Die einen kommen, die anderen gehen, bereit, den kulturellen Reichtum in die Welt zu tragen.

Hinter uns bäumt sich eine massive Stadtmauer in die Lüfte. Eindrucksvolle Türme vermitteln ein Gefühl von Ehrfurcht und Erhabenheit. Eine Mischung der Kulturen lässt sich hier nicht leugnen. Einst unter portugiesischer Hand erinnern sie immer noch an eine glorreiche Vergangenheit. Eroberungen und Handel, Kulturen und Religion, alles hat sich hier getroffen.

Alles hat seine Spuren hinterlassen. Vielleicht war das nie nur eine Reise, sondern ein Blick in eine andere Welt. Vielleicht endet sie hier nicht. Steig nur auf und segle los. Ich wünsche dir eine gute Fahrt und dass du das findest, was du dir erhoffst. Es war schön, mit dir unterwegs zu sein. Ich freue mich schon auf das nächste Mal.

Für heute verabschiede ich mich und wünsche dir eine wunderbare, gute Nacht. Bis bald, deine Nale.

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