Holger ruft an ... wegen Protestberichterstattung
Freitag, 23. Oktober 2026 · 29 min
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Shownotes
Tragen Medien mit ihren Berichten über Demos dazu bei, dass Proteste eskalieren?
Die Ausschreitungen in Frankreich sind seit Tagen großes Thema. Medien warnen, dass die gewaltvollen Proteste am 31. Oktober auch nach Deutschland kommen könnten. Damit würden Journalisten eben nicht zur Deeskalation beitragen, findet der Protestforscher Jannis Grimm von der Freien Universität Berlin: „Wenn alle erwarten, dass es knallen wird, dann knallt es auch.“
Wenn Medien über Proteste berichten, fokussieren sie sich oft auf Gewalt und Radikalisierung, kritisiert Grimm. Nichts sei für Journalisten so langweilig wie eine friedliche Marschdemo mit Schildern.
Der Protestforscher wünscht sich, dass Journalisten häufiger mit den Protestierenden selbst sprechen. Außerdem beobachtet er, dass sich das Interesse von Journalisten an wissenschaftlicher Expertise je nach Thema stark unterscheidet. Zu den Protesten in Frankreich bekomme er gerade sehr viele Interviewanfragen. Im Vergleich dazu werde er zu den Hochschul- und Solidaritätsprotesten mit Palästina sehr viel weniger angefragt. Gerade zu linken und linksprogressiven Bewegungen im Inland würden Redaktionen selten Protestforscher befragen.
Wer stattdessen zu Interviews eingeladen wird, warum Redaktionen gerade bei den Demonstrationen zu Nahost-Themen zurückhaltend sind und was er in Interviews gerne viel öfter gefragt werden würde, erzählt Jannis Grimm in dieser Folge von „Holger ruft an“.
Der Gesprächspartner
Jannis Grimm forscht zu sozialen Bewegungen, Protest, politischer Gewalt und Widerstand. Am Zentrum für interdisziplinäre Friedens- und Konfliktforschung der Freien Universität Berlin leitet er die Nachwuchsgruppe „Radical Spaces“. Außerdem ist er Co-Autor einer aktuellen Studie zur deutschen Nahostberichterstattung (fu-berlin.de/presse/informationen/fup/2026/fup…) und Mitglied im Institut für Protest- und Bewegungsforschung (protestinstitut.eu/de/startseite).
Der Host:
Holger Klein ist Podcaster und ehemaliger Hörfunkmoderator. Seit 2021 ruft er für Übermedien jede Woche bei Leuten aus der Medienbranche an, um mit ihnen über aktuelle Medienthemen und ihre Hintergründe zu sprechen.
Links:
• LinkedIn-Post von Jannis Grimm zum Thema (linkedin.com/posts/jannisgrimm_ich-habe-ohne-z…)
• Wie Medien die Letzte Generation zur kriminellen Vereinigung erklärten (uebermedien.de/97063/wie-medien-die-letzte-gen…) (Übermedien)
• Podcast: Kriegen „Suppen-Attacken“ mehr Aufmerksamkeit als die Botschaft dahinter? (uebermedien.de/77919/kriegen-suppen-attacken-m…) (Übermedien)
• Werden „Tagesschau“ und „Heute“ der Größe der Demos gegen Rechts gerecht? (uebermedien.de/91802/werden-tagesschau-und-heu…) (Übermedien)
• Nur 80 Demo-Teilnehmer? Achtung, hier spricht die Polizei falsch! (uebermedien.de/109818/achtung-hier-spricht-die…) (Übermedien)
• Interview: „Ich ärgere mich heute noch, dass ich damals nicht einfach mit den Menschen geredet habe“ (uebermedien.de/120055/ich-aergere-mich-heute-n…)(Übermedien)
• Gewalt gegen Polizei: Wie Medien das Zahlenfeuerwerk des BKA bestaunen (uebermedien.de/112520/wie-medien-das-zahlenfeu…) (Übermedien)
• Podcast: Wie geht man als Journalistin mit Hass und Gewalt bei Corona-Demos um? (uebermedien.de/67846/wie-geht-man-als-journali…) (Übermedien)
Über Übermedien
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Und da sehe ich schon einen Lichtblick bei der Berichterstattung zu Frankreich jetzt. Ja, es gibt viel Fokus auf die Gewalt und auch die auf die Eskalationen, die Brandstiftungen, die Übergriffe und ähnliche. Aber es gibt doch – das finde ich erstmal positiv zu bewerten – schon auch viel Fokuss auf die sozialen und socioeconomischen Missstände, die den Protesten zugrunde liegen, dass man sagt ja, das ist vielleicht in der Form, die das annimmt und in den Ausmaßen, die die Exzesse angenommen haben total nicht zu legitimieren in Demokratie.
aber es gibt eben darunter liegend gewisse Missständes die sich nicht mit Repression, mit Polizeigewalt oder mit der Delegitimierung der Prozeste wegwischen lassen. Hallo? Hallo Janis hier ist Holger! Ich rufe an wegen Protestberichterstattung. Du bist Politikwissenschaftler du forscht seiner FU Berlin zur sozialen Bewegungen zu protestpolitischer Gewalt und Widerstand Und du bist Co-Autor einer Studie zur Deutschener Ostbericht.
erstattung. Erstmal aber das aktuelle Frankreich. In einem LinkedIn-Post hast du geschrieben, ich habe ohne zu übertreiben zu den Protesten in Frankreich über die ich nicht mal direkt forsche innerhalb von einer Woche nun mehr Medienanfragen bekommen als zu den Hochschulprotesten und den Solidaritätsprotesten mit Palästina innerhalb vor drei Jahren.
Zwischenzeitlich hast du es geupdatet. mittlerweile hast du gut dreimal so viel Anfragen kriegt. Danke dass du unsere Anfrage angenommen hast! Du schreibst weiter Dieses Missverhältnis, also dass du so viele Anfragen kriegst und sonst eigentlich gar keine. Dieses Miss-Verhältnis offenbart ein grundlegendes Problem in der deutschen Berichterstattung zur sozialen Bewegung wie auch Repression.
Was ist das für ein Miss Verhältnis? Über Protest wird sehr viel geschrieben oder sehr viel gesprochen aber es wird sehr wenig mit denen gesprochen die protestieren und mit denen gesprochen die viel über Protest Ahnung haben. Damit meine ich jetzt gar nicht mal nur unbedingt mich sondern generell Menschen die in Deutschland forschen zu Protest Und davon gibt es viele.
Ich bin selber warlange im Vorstand, bin noch Mitglied in IBW, das heißt das Institut für Protest- und Bewegungsforschung. Das ist kein klassisches Institut. In dem Sinn ist ein Netzwerk von Protestforschern in Deutschland mit knapp über zweieinhalb Leuten. Da sind so ziemlich alle drin die irgendwie zu sozialen Bewegungen protest riot aufstellen und ähnlichen forschen Und da kriegt man relativ gut mit, welche Themen angefragt werden noch nicht.
Wir treffen uns auch regelmäßig um über so aktuelle Themen zu sprechen und unsere Einschätzung zu teilen. Das heißt, man kriegt ein sehr gutes Gefühl dafür wo wird man angefragt? Wo wird man nicht angefragt?! Da ist halt zu beobachten dass es gewisse Themen gibt die einfach gerne in Haus geklärt werden in Redaktionen oder bestenfalls sozusagen mann Rekurs nimmt dann auf PolizeispreterInnen oder Radikalisierungsforschende oder sowas, aber eigentlich mit denjenigen die sich seit langen Jahren mit Protestbewegungen beschäftigen.
Eigentlich kaum gesprochen wird. Er geschweige denn mit dem Protestakteurin selber. und das ist insbesondere dann der Fall wenn sich es um Proteste im Inland handelt und insbesondere dann da fall wenn sichs um proteste von linken oder links progressiven Bewegung handelt. Was genau wird denn angefragt?
Und was wird nicht angefragt? also Es gibt so ein paar klassiker fragen die immer wieder kommen. Die klassiker Fragen sind Radikalisiert sich die und nunfülle einen Namen deiner Bewegung. Letzte Generation, Fridays for Future, Palästina-Bewegung, Studierendenproteste, Schülerproteste – you name it! Eine andere Frage ist, wie immer wieder kommt.
es nützt oder schadet das denn überhaupt der Bewegungen? Insbesondere bei Protesten sehr disruptiv sind, also die Blockaden erzeugen. Ich denke an die FD-Parteitagsblockade oder auch die Straßenklima-Blockaden als die letzten Generation sich festgeklebt hat wo es natürlich öffentlich sehr viel Antiparty dagegen gab.
da ist dann häufig eine Anfrage ja wenn alle das so doof finden ist das überhaupt sinnvoll kann das überhaupt eine Bewegung was bringen? und man merkt dabei oft gar nicht dass die Art und Weise wie man diese Frage aufzieht und wie man den Protest dadurch fremd an sich schon sozusagen die Wirkung vorwegt nimmt.
Das heißt, wenn viele Medien darüber schreiben das bringt ja eigentlich nix dann bringt es natürlich auch nichts. Das ist wie so eine selbsterklärende Prophezeiung und das lassen sie sich von euch Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen bestätigen? Manchmal entweder bestätigend oder es ist sozusagen so dass man immer wieder wir sind ja frei als Wissenschaftlerin was wir antworten auf solche Fragen aber wir können uns die Frage nicht aussuchen.
und wenn immer die Fragen nach Gewalt gewissen Disruptionsformen gestellt, wenn dann drehen sich natürlich die Debatten auch um Gewalt. Dabei mag das vielleicht gar nicht das bestimmte Merkmal des Protest sein? Das ist zum Beispiel wahnsinnig spannend anhand der Debatte um die Proteste gegen den AfD-Parteitag wo wir bis heute uns permanent mit dieser Frage beschäftigen oder sehr viel des medialen Framings um die Frage ging gab es da Übergriffe auf Medienvertretende oder nicht?
und dabei aber sozusagen diese ganze Debatte um einen absoluten Seitenaspekt dieses großen teils friedlichen Protest sich entsponnen hat. Und es ist eben festzustellen, dass es gewisse Merkmale gibt von so gewissen Features. Von Protest die halt immer wieder Medienaufmerksamkeit ziehen und das machen sich natürlich Gruppen auch zu Nutzen.
Das heißt klassischerweise ist es Sex Cells und What Bleed Leads also Blut Gewalt Sex. Das ist das worüber eben gerne geschrieben wird und dabei betritt eben vieles Anderen im Hintergrund. ja. Liese sich das aus deiner Perspektive jetzt irgendwie Gewichten? Dass du sagst. eigentlich Reden wir nur über zehn Prozent und die restlichen neunzig Prozent bleiben unberichtet.
oder also gibt es irgendein Größenverhältnis, dass ich mir das vorstellen kann? Ja, das ist auf jeden Fall so. Also es gibt dazu auch richtig viel Forschung. Es haben sich einige Forschende sozusagen mit dem Newspaper Value, also den Medienwert von einzelnen Protestereignissen beschäftigt Und da gibt's ein paar Charakteristiker, die eben bestimmen warum was in die Zeit umschafft, ums Platz zu sagen Das ist wenn Celebrities dabei sind Wenn es zur Auseinandersetzung mit der Polizei kommt Irgendwas total außer, sag ich mal auch unregelmäßiges stattfindet.
Also nichts ist so langweilig wie eine Maßstimmung mit Schildern die friedlich bleibt. Die wird wenig geschrieben. und natürlich wenn viele Leute da sind ja und diese Proteste sind dann total überrepräsentiert in der Berichterstattung das kann man richtig sehen wenn wir machen ja regelmäßig unser Forschung kodieren wir Proteste aus Zeitungsberichten das heißt Wir gucken sozusagen durch alle mögliche Bericht erstattungen über Monate hinweg.
Wenn man immer ein Bericht aufploppt, dann kommt es in eine Datenbank rein. Und wir sehen halt Proteste die groß sind wenn überberichtet. Proteste ja das was ich eben genannt habe und dadurch ist die ganz überwiegende Mehrheit also Ich kann da jetzt keinen Faktor nennen aber es sind sicherlich weit über drei Viertel der proteste Die stattfinden innerhalb von längeren Bewegungen komplett unsichtbar.
hier ziehen. halt die einzelnen großen Ereignisse ziehen die Aufmerksamkeit und Dann eben auch im nachgang die debatten Repressionen, die Debatten über Radikalisierung und Gewaltbereitschaft. Und Gewalt ist einfach das bestimmende Thema was immer wieder sozusagen den großen Bogen spannt ja unter dem dann alles behandelt wird.
Sei es jetzt in Frankreich sei das bei anderen Bewegungen? Ja, wie du Frankreich sagst wenn ich mir die Berichterstattung im jüngsten Proteste angucke. also ich habe den Eindruck oder ich könnte den Eindruck bekommen sagen wir mal so eine halbe Million Menschen würde plündern und brandschatzend durchs Land ziehen.
Jetzt weiß ich, dass das aber gar nicht so ist. Benutze dich die falschen Medien. oder welchen Eindruck bekommst du wenn du die Berichte über Frankreich siehst? Den Eindruck kann man natürlich bekommen. Das hat auch gar nichts damit zu tun, dass du die falsche Medien benutzt. also klar! Natürlich wenn man auf Instagram guckt oder in bewegungsnahen Blogs oder Medien sieht es natürlich anders aus.
Wenn wir uns in der Forschung Protestbewegungen nähern schauen wir natürlich nicht immer nur auf die öffentliche Berichterstattung sondern triangulieren das immer mit verschiedenen Quellen. Polizeiquellen, welche die eher Aktivismus nahe sind und so weiter. Und da sieht das Bild teils komplett anders aus ja?
Es dreht sich dann tatsächlich um oder wie also sind denn die Gewässer drin? Das dreht mich teilweise um. ne ich meine natürlich ist es auch so dass viele Aktivistie in Interesse daran haben die großen Zusammenstöße auch natürlich großproprominent zu machen weil das sehr häufig der Beleg dafür ist wie brutal die Staatsmacht gegen die Proteste und gegen legitime Anliegen vorgeht.
Also es gibt da auch eine Verzerrung. aber Das natürlich, wenn man großen Bewegungen folgt. Dass natürlich mal jeder Ortsverband, jede Ortsgruppe, jeder der irgendwo ein Protest macht irgendwie einen Interesse hat dass man davon auch mitkriegt. das heißt es wird dann online gestellt und da kann man das dann abgreifen während hingegen nicht jede Zeitung über jeden Miniprotest in den Bericht rausgibt.
ja Es gibt in der Forschung eben auch ganz klares zeigt sich zum Beispiel der Proteste in Großstädten stattfindet wo Zeitungen Korrespondentinnen haben wo sie eine gute Abdeckung der Berichterstattung gibt. Die werden natürlich total überproportional berichtet. und jetzt kannst du dir vorstellen, sag ich mal.
Du bist Reporter auf der Straße, es finden drei Proteste in der Stadt statt. ja von zwei ist zu erwarten dass sie irgendwie friedlich bleiben. die mögen auch richtig groß sein aber bei einem ist zu Erwarten da ist auch die ganze Polizei schon hingefahren mit Wasserwerfern und so. bei allem ist Zu erwarten das es da knallt.
zu welchem fährst du hin? Natürlich zu dem Letzteren weil da die spektakulären Bilder produziert wird und dadurch gerät Automatisch das andere entschatten. Da muss gar keine Intention dahinter stehen Dass das weniger berichtet werden soll. Eure Studie, die ihr kürzlich veröffentlicht habt, ging über Berichterstattung in der Ostkonflikt.
Ist das eigentlich vergleichbar mit der Berichtestattung, die wir jetzt gerade über Frankreich sehen und besprechen? Es gibt Aspekte, die sind sehr vergleichba... Also es gibt diesen Aspekt, der Fokus auf Gewalt oder auf Zusammenstöße oder Ähnliches ist da. Aber das ist so ein Feature was man eigentlich über Protestberichterstatterung insgesamt sagen kann.
Egal ob das jetzt Ende Gelände ist oder Fridays for Future oder Widersetzen oder was auch immer ja oder eben die Palästineproteste Es gibt andere Dinge, die sind sehr anders. In unserer Studie geht es primär erst mal um eine Ostberichterstattung oder einen Teil davon, den wir abgefragt haben ist bei welchen Themen zensieren denn sich die Leute sozusagen?
Die im Journalismus eigentlich damit betraut sind über diese Themen zu schreiben. Bei welchen Thema haben sie Bauchschmerzen darüber zu steigen? und da ist natürlich ganz vorne mit dabei so was wie Kriegsverbrechen von israelischer Seite aber direkt an dritter Stelle ja mit fast der Hälfte der Befragten sagen Leute über die palästina Solidaritätsproteste schreiben wir nicht gerne verschiedene Gründe dafür, aber da wird eben... Da ist was wo man sehr, sehr vorsichtig ist.
Was man schreibt und wo man vor allem auch sehr sehr vorsichtig ist die Deutungshoheit aus der Hand zu geben. Und das ist für mich zumindest, dass meine These eine der Miterklärungsgründe warum da eben so wenig wissenschaftliche Expertise auch angefragt wird Im Falle von Frankreich oder ja auch in den USA Das ist natürlich liegt viel näher!
Es ist irgendwo anders, da ist man nicht vor Ort. Man hat da jetzt keinen eigenen Reporter in, man kennt vielleicht den Ort auch nicht. Dann fragt man halt mal einen Experten oder eine Expertin an, dann kriegt man ein paar O-Töne für den Text oder für das Interview und kann sich auf die Berufen in Deutschland, wo dieses Thema so sehr sensibel ist.
Da ist man wahnsinnig vorsichtig! Und dadurch behält man diese Deutung lieber innenhausen. Das führt aber dazu, dass sich natürlich die wissenschaftlichen Erkenntnisse und wie journalistisch darüber geschrieben hat, sehr stark voneinander entfernt haben. Wer hindert denn die Journalistinnen daran? mit Wissenschaftlern zu reden, sich das ordentlich einordnen zu lassen.
Also wer zwingt die dazu dass das in haus bleibt? diese Einordnung? Das kann man also. da kann man jetzt. es gibt wir haben einerseits abgefragt sozusagen von welcher Richtung aus empfinden Journalistinnen Druck? und da ist eine der größten Faktoren tatsächlich die die inner redaktionellen Absprachen usw., also dass die Redaktionen selber sehr stark den Finger drauf haben wer darf über welche Themen wie schreiben?
So tief ins Mikro geht das nicht, dass da jemand gefragt haben, wer hindert euch dran mit einem Wissenschaftler zu sprechen? Ich glaube so ist es nicht. Häufig ist es eher auch die Sorge davor, dass man Kontroversen erzeugt oder dass man Ärger kriegt und im Vorfeld schon gar nicht erst zu den Themen schreiben möchte.
Aber es gibt natürlich auch einzelne Akteure, die wir abgefragt haben, die genannt werden von den Journalisten. über die Themen schreiben mal die israelische Botschaft, es sind mal Medien zum Beispiel aus dem Springerkonzern, die einen dann sozusagen auf den Kieker haben und exponieren online. Und da schrecken einfach viele Leute davor zurück.
Das ist ein sehr heißes Eisen, was man dann im Zweifel lieber nicht anfasst. Derweil man hat damit nicht viel zu gewinnen. Ein Problem ist ja insbesondere bei Protesten, die so kontrovers diskutiert werden wie die Palästina-Proteste in Deutschland Dass diejenigen, die versuchen sozusagen, die einzuordnen, die zu erklären, da eine Differenz reinzubringen.
Häufig denjenigen unterstellt wird dass sie die Proteste dadurch legitimieren. also das heißt es wird verstehen, wird mit Verständnis gleichgesetzt und davor schreckt natürlich sehr viele Leute zurück weil wer möchte schon gerne als Hamasversteher oder ähnliches dastehen? Ja, aber du hast gerade gesagt und du schreibst ja auch in deinem LinkedIn-Beitrag, dass Journalisten bei Protesten im Ausland eher auf wissenschaftliche Expertise zurückgreifen als bei deutschen Protestbewegungen.
Du hast gesagt es liegt wahrscheinlich auch einfach an der Nähe der JournalistInnen. Die sind nun mal grade in Deutschland! Aber was ich jetzt nicht verstehe ist also wenn die Journalistinnen sich eingeschränkt fühlen, eingeschrankt sind... Im Ergebnis dann auch. Da wär's doch gerade praktisch mir ein Wissenschaftler wie dich zu holen und zu sagen, ja Janis ordne mir das mal ein weil damit nehme ich mich doch selber aus der Schusslinie.
Wieso machen die das denn nicht? Ja ich glaube also dass passiert ja auch. Es gibt ja auch Journalisten die das tun und es gibt auch sozusagen auch im Kommentar gibt es relativ viel. Aber tatsächlich ist es relativ wenig insgesamt. Das kann man jetzt nicht, also ich habe da keine belegbaren Daten dafür.
aber meine These wäre das im Vorfeld schon einfach die bei der Themenabstimmung. Der Frame sehr stark feststeht. ja was gibt es denn dazu verstehen? Man muss da gar nicht so in die Tiefe gehen. In Zweifel hat man das Problem... macht man sich sozusagen selber noch das Problem, dass man dann den Wissenschaftler an die Leitung kriegt.
Der einem dann sagt sowas wie from the river to the sea ist gar nicht antisemitisch oder ähnlich. und dann was macht man damit? Veröffentlicht man das nicht? Veröffentlicht man das? Das erzeugt sofort Kontroversen! Es erzeugte sofort Konfliktpotenzial innerhalb von Redaktionen. Ich glaube man schreckt da einfach schneller vor zurück und es werden ja Expertinnen zitiert.
Es sind bloß wenig wissenschaftliche Experten in. Es wird sehr stark eben auf Polizeiberichte rekurriert Gewisse Behörden, wie die Antisemitismusbehörden oder Versammlungsbehörde in Berlin. Aber eben sehr wenig auf die Wissenschaft. und das steht im starken Kontrast zu der Art und Weise, wie über Proteste sagen wir es jetzt, Gen Zee in Frankreich oder vor kurzem noch in den ganzen Reihen anderer Länder von Chile über Hongkong über I don't know where wo Journalistinnen permanent Konfliktforscherin, Protestforscherin, Area Studies Experten anfragen um diese Proteste einordnen zu lassen Weil das ist sozusagen woanders, es ist weiter weg.
Genau also ich glaube da gibt's nicht diesen einen Faktor der das alles erklärt. aber ein Faktur der definitiv auch mit rein spielt is halt dass zu Sachen die vor unserer eigenen Haustür stattfinden insbesondere wenn wir politische Menschen sind haben wir halt alle eine Meinung. und insbesondere die Journalisten die dazu schreiben die waren halt alle schon mal auf dem Protest.
sie haben den schonmal gesehen die meinen halt auch zu wissen worum es geht. manchmal mag das ja so oft macht das ja auch der Fall sein. Deswegen ist vielleicht gar nicht so die Notwendigkeit wird von vielen vielleicht gar nichts gesehen, dass man sich da jetzt noch mal eine Expertise reinholt. Weil man meint das ja schon einen Ort anzukönnen.
Das ist aber über den Verlauf und mehreren Jahren dieser Protestbewegung zu Palästina, die es hier gab in Deutschland eben ein Trugschluss wo sich eben die Berichterstattung immer stärker davon weg entfernt hat. Man kann natürlich auch sagen, es gibt ein grundsätzliches Problem. Das ist vor Journalistinnen dadurch nicht einfacher geworden zu den Protesten gehen.
Selbst wenn man dann hin wollte und darüber zu berichten, ist es so dass von vielen Protestierenden sehr stark abgelehnt wurde. Weil die haben das wahrgenommen, dass über sie aus ihrer Perspektive unverberichtet wird. Und jetzt braucht ihr eben auch nicht mehr ankommen. Dadurch ist das wie einen Teufelskreis.
Ist das reparabel? Also im Kontext der Palästina-Solidaritätsproteste ist das glaube ich nicht mehr reparal. Da ist der Zug abgefahren, da heißt es so ein Tiefes des Misstrauen und das begründet sich... Das zeigt sich auch in Umfragen zu Medienvertrauen zum Thema einer Ostkomplex. Es gibt ja verschiedene Studien insgesamt zur Medienvertrauen, das ist ja immer so fifty-fifty mehr oder weniger.
also die Hälfte vertraut denen sehr, die andere Hälfe eher weniger. und bei dem Thema einer Oskomplex fällt es aber massiv ab. Gerade bei den Themen, wo es eine wahrgenommene Dissonanz gibt zwischen der Art und Weise wie von den Leitmedien berichtet wird über gewisse Themen. Und dem was man eben auf Social Media sieht, seien das jetzt irgendwie der plattgemachte Gasastreifen oder die Repression vom Polizistin gegen Protestierende?
Die Amnesty-Berichte, die man vielleicht auch auf Social media dazu liest oder ähnliches. Und dann wird davon relativ wenig oder sehr sehr vorsichtig davor dazu öffentlich nur berichtet. Das bestärkt natürlich dieses Misstrauen ungemein. ja Also in dem Fall ist das glaube ich nicht sonderlich reparabel.
Es gibt aber weiterhin natürlich bei sehr, sehr vielen Themen trotzdem noch einen sehr hohen Vertrauensvorschuss, der insbesondere gegenüber den öffentlich-rechtlichen Medien besteht. Das heißt, bei sehr sehr vielen Themen sei es Klima, sei es nach Ost oder Ähnlichem ist das nicht unbedingt der Fall.
D.h., dass es schon themenspezifisch zu verorten muss man sagen. Aber das muss doch irgendeinen Einfallstor geben wie man in die, sagen wir mal pro palästinensische Szene wieder reinkommt und von da aus dann auch... angemessen zu berichten. Es gibt es schon, also es gibt ja auch die Journalistinnen, die das tun.
aber es erfordert eben ich glaube es er fordert sehr viel Work sagen wir es so ne? Sehr viel Handarbeit in Anführungszeichen. Ich vergleiche das immer gerne mit meiner Forschung selber als Protestforschender Ja um in gewisse Bewegungen reinzukommen und da überhaupt erst mal Zugang zu kriegen um mit Leuten sprechen zu können dass man da so eine Art nicht ein Grund vertrauen dass man jetzt deren Positionen teilt Aber ein Grundvertrauen dass Man Die position sozusagen wahrheitsgemäß wiedergibt.
Das erfordert einfach sehr, sehr viel Vertrauensarbeit. Sehr, sehr viele hingehen und sich anhören müssen. Und auch unfaire Kritik erst mal wegstecken. Manche Journalisten gibt es ja bei der TATS, beim neuen Deutschland hier und da auch bei der Zeit oder den öffentlich-rechtlichen im Deutschlandfunk oder Ähnliches.
Die haben die Zunge weiterhin. aber die konkurrieren in den Redaktionen natürlich um den Platz. Sie konkurieren mit den Leuten, die schon eine festgefahrene Lesart dieser Proteste haben. Und das ist einfach ein Faktum auch, dass diese Proteste für sehr viele Leitmediale-Berichterstattende einfach einen sehr klaren Ausdruck von der Sympathie von Hamas sind.
Von Radikalismus, von einer radikalisierten Linken, vom Schulterschuss zwischen Linker und Jihadismus den ich so aus meiner empirischen Forschung nicht sehe aber Trompi ja! So dass das Narrativ ist gesetzt. und da gibt es einfach in vielen Redaktionen muss man ganz ehrlich sagen auch nicht das interessiert.
Da jetzt noch tiefer reinzugehen, weil man meint ja, man berichtet schon wahrheitsgemäß. Das heißt da gibt es wie so eine Art Self-Confirmation Bias. Es gab vor einer Weile mal ein ziviles Medien Dialog zu diesem Thema wo ein Chefredakteur genau darauf angesprochen wurde und die Art und Weise wie mit dieser Kritik eben umgegangen wird nämlich das ist halt nicht so, dass es halt missverstanden oder ähnliches.
Das zeigt halt häufig, dass er zu wenig checks and balances innerhalb der Redaktionen gibt, die da sozusagen den Finger in die Wunde legen. Da haben wir vielleicht nicht gut darauf reagiert, da hat man vielleicht nicht in der angemessenen Tiefe berichterstattet. Da hätten wir nochmal anders rangehen müssen ja?
Ich glaube eine Chance sehe ich momentan sehr stark darin, dass eben sozusagen wenn dieses Thema Palästina und Gaza nicht mehr so allbestimmend ist das vielleicht viele die jetzt erst mal lange Zeit die Finger von Protestberichterstattern gelassen haben Jetzt sich da vielleicht doch wieder ran trauen und vielleicht auch lernen gelernt haben aus den letzten zwei Jahren Und sagen, okay da habe ich sozusagen das Kind vielleicht im Boden gefallen bei dem einen Thema.
Aber es gibt eben noch eine ganze Reihe andere Themen die damit zusammenhängen. ja Aufrüstung Es gibt jetzt eine Zunahme von Rüstungsprotesten Ja Jetzt die Proteste in Frankreich oder Ähnlichem Dass es da vielleicht wieder ein Beherzteres rangehen gibt Wo dann vielleicht die Lektionen verarbeitet werden Die im Kontext der Palästiner Berichterstattung eben nicht mehr so leicht verarbeitbar sind.
Und ob diese Lektion gelernt wurden Das erkennen wir daran dass du regelmäßiger angerufen wirst und nicht so schwallweise. Nein, das ist okay. Aber wenn natürlich sixty-fünf Medienanfragen innerhalb von acht Tagen gegenüberstehen, zwölf Medienanfragen innerhalb von drei Jahren dann ist das schon bezeichnet und es geht eben nicht nur mit mir so sondern auch anderen.
aber erstmal finde ich's sehr gut Ja? Ich find' das ja schön wenn mehr Dialog stattfindet zwischen Journalisten und Wissenschaftlerinnen. Wir sind ja nicht wahnsinnig gut uns kurz und knapp zu fassen dass jetzt auch die breite gesellschaftliche Mehrheit irgendwie mitbekommt was wir da so forschen. Wir halten fest, es wird unausgewogen berichtet.
Die Wissenschaft wird nicht oft genug hinzugezogen. Du hast eingangs gesagt ich kann mir die Fragen ja nicht aussuchen. Welche Fragen würdest du dir aussuchen? Was würdest du denn gerne mal gefragt werden was sie dich nie fragen? Als erstes würde ich fragen wen würde ich mir den wünschen dass der gefragt werden würde bevor Ich gefragt werde?
okay weil eine sache die nämlich noch viel Bezeichnender ist das diejenigen die protestieren Noch viel seltener gefragt werden warum Sie dann überhaupt protestieren. Und was sieht denn überhaupt meinem mit dem, was Sie auf Ihre Schilder schreiben? Mit dem, das Sie da rufen. Es wird sehr häufig die Interpretation vorweg genommen sozusagen vor dem Akt des Verstehens.
Das wäre das Erste. also ich würde mir wünschen dass Journalisten viel mehr versuchen mit Protestierenden zu sprechen und auch das was die Leute sagen einfach erstmal in einem Vertrauensvorschuss erst mal für wahr erachten. Erstmal davon auszugehen, dass die Leute schon selber besser wissen warum sie auf der Straße sind als irgendwelche Sekundärquellen.
Und als zweites würde ich mir tatsächlich wünschen, dass Journalisten nicht viel weniger danach fragen ob sich irgendwas radikalisiert. Weil das Dynamiken sind die A eben wie schon sagte selbst erklärende Prophezeiungen sind. Das heißt wenn wir ständig über die Radikalisierung sprechen von sei es jetzt der linken Bewegung oder Klimabewegung wem auch immer dann hat das einen sogenannten Priming Effekt.
Das heisst wir blicken immer mehr darauf. Das heißt, die protestierenden Blicken immer mehr darauf. Fokussieren sich immer mehr auf die Frage. auch Polizei blickt immer mehr da drauf und wenn alle erwarten dass es knallen wird dann knallt's auch an ja? Dann ist das sozusagen it´s written on the wall kann man sagen.
Es ist sozusagen in Stein gemeißeltes wird dann passieren Und viel viel mehr die Frage im Vordergrund stünde was sind denn die darunter liegenden Ursachen? und da sehe ich schon einen Lichtblick bei der Berichterstattung zu Frankreich. jetzt Ja es gibt viel Fokus die Gewalt und auch auf die Eskalation, die Brandstiftung, die Übergriffe und ähnliche.
Aber es gibt doch – das finde ich erstmal positiv zu bewerten – schon viel Fokus auf die sozialen und socioeconomischen Missstände, die den Protesten zugrunde liegen, dass man sagt ja, das ist vielleicht in der Form, die das annimmt und in den Ausmaßen, die die Exzesse angenommen haben total nicht zu legitimieren in Demokratie.
aber es gibt eben darunter liegend gewisse Missständes, die sich nicht mit Repression oder Polizeigewalt eine Delegitimierung der Prozeste wegwischen lassen. Und das finde ich eben wichtig, sozusagen Protest ist immer Symptom. Das ist wie so Pilze im Wald. Also unten drunter unter dem Erdboden gibt es dieses Geflecht von einem Pilznetzwerk und was man oben sieht also der Pilzkopf selber, dass ist ja der Protest, das ist nur das sichtbarste Zeichen.
aber unten darunter sozusagen gibts Vernetzungsarbeit da gibt's sehr viele soziale Missstände die das befördern usw.. Und da muss man dann ran, sozusagen. Wenn man in der Demokratie diesen Impuls, der von Protest ausgeht, konstruktiv aufnehmen möchte ja? Das würde ich mir, glaube ich mehr wünschen – mehr auf die Ursachen und weniger nur auf die Symptome!
Die Symptomen allerdings haben mehr Chancen auf mediale Aufmerksamkeit, vor allen Dingen je dramatischer diese Symptom sind, ne? Brennende Müllton und so was. Aber wie ist es denn eigentlich? andersrum? beeinflusst die Berichterstattung auch den Protest oder vielleicht sogar gleich die ganze Protestbewegung?!
Das ist das, was ich vorhin meinte. Das ist sozusagen dieser Teufelskreis. Es gibt sehr lange schon etabliert von Ruth Kobmanns und anderen die Arbeiten zu sogenannten discursive Opportunities also diskursiven Gelegenheiten, die besagen dass eben die Art und Weise wie wir über Dinge sprechen mitprägen wie wir die Welt sehen und eben mit prägen Wie Chancen und Risiken auch durch politische Akteure wahrgenommen werden.
Und Kobmanns und andere haben sich das damals im Kontext von Rechtermobilisierung angeschaut. Und haben daran festgestellt, dass die Art und Weise wie über diese Proteste berichtet wurde – das meine neunzigern ja – maßgeblich dafür mitverantwortlich war ob diese Protste oder diese Aktionen dann gewaltsam wurden oder nicht.
Das heißt es gibt sozusagen wenn Medienberichterstattende vor allem auf die Ursachen auf die zugrunde liegenden Grievances, auf das was die Leute eigentlich bewegt eingehen. Dann fühlen sich Menschen wenn sie sich natürlich in der Zeitung lesen und darüber lesen, die fühlten sich gesehen, die erkennen sich wieder da dran ja?
Und das führt dazu dass erstmal Frust abgebaut wird weil man merkt dass der Impuls der demokratische Impulse der vom Protest ausgeht aufgenommen wurde. Wenn man von Anfang an ein Label draufklebt und sagt es ist linksradikal oder islamoguschistisch oder faschistich oder was auch immer es ist dann wischt man die zu Grunde liegenden Ursachen weg, erzeugt eine Abwehrhaltung und die Abwehrhaltung ist von vielen eben die ja gut.
Wenn ihr mir jetzt alle zuschreibt das ich radikale bin, dann zeige ich dir jetzt halt mal. Ganz so direkt ist der Link natürlich nicht aber es ist schon so wenn man merkt dass die eigenen Messages überhaupt nicht mehr ankommen in den Medien. Obwohl sie vielleicht total berechtigt sind. Dann hört man irgendwann auch auf zur gesellschaftlichen Mehrheit zu sprechen und sagt wirst du was euch wollen wir gar nicht mitnehmen?
Ja, checkt ihr sowieso nicht. Ich zünd jetzt alles an! Ihr merkt nicht die Kosten, die ich in meinem Leben habe? Dann zeig' ich euch mal was das kostet für euch wenn ihr das nicht merkt. Dieser Rückkopplungseffekt aus den Medien in die Bewegungen müsste dann doch aber bedeuten... Also für den einundreißigsten Oktober-Zweißen-Sächsen-Zwanzig ist angekündigt auch große Proteste hier bei uns.
Die Vorberichterstattung die ich bisher wahrgenommen habe zu diesen großen Protesten hier bei Die Polizei bereitet sich auf Ausschreitungen vor, Teil der Politik warnend vor Zuständen wie in Frankreich. Das würde doch jetzt bedeuten dass diese Art der Berichterstattung im Zweifelsfall dazu führt das es am ein dreißigsten Gewalt tätig wird was es ohne dieses Priming nicht geben würde?
Ja genau also ist natürlich nicht ganz so eindeutig ist es nicht weil man darf natürlich nicht. die Verantwortung für politische Gewalt oder sowas kann man jetzt nicht sozusagen dem Messenger in die Schuhe schieben also den Medien die darüber schreiben. am Ende sind diejenigen verantwortlich ein Haus oder ein Auto, einen Flüchtlingsheim oder was auch immer es ist anzünden.
Und nicht diejenigen, die darüber schreiben oder über die Gefahr darüber schreiben und das heißt sie sind die Primärverantwortlichen. aber ja wenn's um die Eskalation geht dann ist das mit Sicherheit und das sagt die Forschung seit vielen, vielen Jahrzehnten ist das der falsche Ansatz. Das ist ganz klar der falscher Ansatz und das ist ganz klarein Priming Effekt der da passiert, der dazu führt dass alle aufrüsten, dass alle sich vorbereiten vorallt auf einer Makro Ebene also im Gesellschaften nicht durch bis hin zu einer Mikroebene das heißt sagen wir mal in Stadtteilen, wo man eben massive Proteste dann erwartet.
Konnewitz oder was auch immer es ist ja? Dann kann man dann eben sehen wenn Leute so eine Zeitungsmessage konsumieren... Was machen sie an dem Tag? Sie hängen Kartons oder Holz in ihre Schaufensterscheiben ne? Dadurch werden die Schaufensterscheiben abgeschottet. dadurch sieht das Ganze schon wieder anders vor Ort aus.
Das wirkt sich schon wieder direkt aus wie Polizei sich verhält ob sie ihrer Helme früher aufsetzen oder nicht Wie protestierende sich verhalten und so weiter. Das heißt Es hat ein ganz unmittelbaren Effekt. Wenn von Anfang an über Proteste in eine Art von positiven Dynamik berichtet wird, ist das etwas anderes.
Das Paradebeispiel was wir dafür haben. und dazu gibt es einen ganz tollen Band der heißt Eskalation von meinem Kollegen Simon Teune mit rausgegeben zu G-Zwanzig wo schon im Vorfeld der G-zwanzi-Gipfel in Hamburg sozusagen ein Weltuntergangsszenario wurde berichtet von Tausenden von Radikalisierten und Extremisten die in die Stadt reisen werden usw.. Da wurde schon sozusagen eine Art Bürgerkriegs-Stimmung vorgeschaffen und prefiguriert, die dann auch eingetreten ist.
Das heißt natürlich nicht dass die Medien die dann verursachen ja aber sie haben zumindest einen Mitbeitrag dazu geleistet diese Lage nicht mit zu entschärfen. das muss man schon sagen Und das gehört glaube ich schon ein bisschen zur medialer Verantwortung. dann dazu Dass man ein bisschen versucht weg von diesen Sensations und effektheisenden großen Überschriften.
also wenn ich momentan lese weil du es vorhin angesprochen hast Die Angst davor, dass Frankreich jetzt nach Deutschland rüber schwappt. Da werden auch Motive bedient von Wellen und unkontrollierten Naturgewalten. Da liest man aus vielen Berichten fast raus wie eine Art Sehnsucht nach dem nächsten Knall.
Das läuft auf einen neuen klimaktischen Moment hinaus. Und das müsste überhaupt nicht der Fall sein! Weil der Großteil aller Bündnisse, die dafür mobilisieren haben komplett friedliche Aktionskonsense Ja, distanzieren sich von jeglicher Form gewalt. Wir haben eine ganz andere Protestkultur in Deutschland als in Frankreich.
Es ist gar nicht zu erwarten dass es so ablaufen wird wie dort. Wir könnten alle mal mit einer Stufe runterfahren und im Zweifel würde das dazu führen, dass eben auch das Szenario danach eine Stufe heruntergefahren werden kann. Ja, ich hatte zu danken. Vielen Dank! Holger ruft an es ein Podcast von Übermedien dem unabhängigen werbefreien Magazin für Medienkritik ausschließlich finanziert durch unsere Community.
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Ich bin Holger Klein und danke für die Aufmerksamkeit.