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Kunst

Jan Weiler: Mein Leben als Mensch

von Jan Weiler

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  1. Knietief im Saft

    Gesunde Ernährung ist im Grunde genommen simpel. Man muss bloß weitgehend auf industriellen Zucker verzichten, Alkohol meiden und nicht so viele fettige Sachen essen. Außerdem ist es von Vorteil, wenn man nicht ununterbrochen an irgendwas k

  2. Auch wer fragt bleibt dumm

    Was mich an Politikerinnen und Politikern immer besonders beeindruckt ist ihre Gabe, Fragen nicht zu beantworten. Das gab es immer schon. Allerdings scheint die Beharrlichkeit der allgemeinen Auskunftsverweigerung vor der letzten Bundestags

  3. Eine dringende Wahlempfehlung

    Wenn man vorher lange genug darüber nachdenken würde, welche enormen Auswirkungen eine winzig kleine Handlung haben kann, würde man in der Mehrzahl aller Fälle von ihr Abstand nehmen. Es gibt Leute, die machen das so. Aus lauter Furcht vor

  4. Küchen-Diplomatie

    Demokratie ist schön, macht aber Arbeit. Mir wäre deshalb grundsätzlich am liebsten, ich würde alles bestimmen. Man könnte sich absolut darauf verlassen, dass ich nur Gutes im Schilde führte, im Übrigen ginge der Gesetzgebungsprozess flott

  5. Halbnackt im Lift der Wahrheit

    Am Ende war ich froh, dass ich im Aufzug steckengeblieben bin. Das ist ein Satz, den man nicht sehr häufig im Leben sagen kann, denn man wartet niemals ungeduldiger als auf einen Aufzugsmonteur. Aber irgendwie war das letzte Woche mein Glüc

  6. Mit Tulipanin auf Wahlkampftour

    Letzte Woche wollte ich den Tulpen in meiner Küche frisches Wasser spendieren. Also schüttete ich das Wasser aus der Vase in ein Glas und füllte mit einem Messbecher neues hinein. Dann räumte ich die Spülmaschine aus, warf abgelaufenen Jogh

  7. Die Zukunft meiner Zunft

    Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis ich durch eine KI ersetzt werde. Alles, was ich kann und weiß, wissen und können Datenbanken besser. Eine Künstliche Intelligenz wird schon bald meinen Platz einnehmen und Romane schreiben. Das dauer

  8. Schöner Wohnen dank Diderot

    Manchmal beneide ich meine Kinder, weil sie so viel brauchen. Also Dinge. Möbel. Ausstattung des Lebens. Bei ihnen sind noch nicht sämtliche Entscheidungen getroffen. Neue Stühle oder welche vom Flohmarkt? Aus dem Glas oder aus der Flasche

  9. Laufen im Überwachungsstaat

    Man kann von mir nicht sagen, dass ich ein Technikfeind sei. Ich bin sogar ein early adopter. Ich bin begeistert von intelligenten Lösungen, die unser Leben vereinfachen. Zum Beispiel schätze ich Google Maps. Alles daran ist super. Ich will

  10. Der aufregendste Tag der Welt

    Es spricht nicht mehr viel für Silvester. Im Grunde ist der Jahreswechsel ein furchtbar blödes und sinnloses Fest. Die Leute saufen wie die Bürstenbinder, essen schwer verdauliches Zeug, zwingen sich dazu, um Mitternacht in der Kälte rumzus

  11. Dringender Vorsatz für 25

    Mit Vorsätzen für das neue Jahr tue ich mich immer schwer, auch weil ich sie bereits am 4. Januar wieder vergessen habe. Nun hat sich aber etwas ereignet, dass mich dringend dazu ermahnt, einen Vorsatz zu fassen und mich für immer daran zu

  12. Der Käse-Case

    Am Dienstag ging ich zu EDEKA. Ich war in Eile. Nick hatte sich mit Hunger angekündigt und wünschte Nudelauflauf. Dafür benötige ich einen bestimmten geriebenen Hartkäse. Es gibt eine große Auswahl, aber die meisten Sorten ziehen Fäden und

  13. Reiselust und Räucherlachs

    Wer wissen möchte, wie es um unser Land steht, der muss reisen. Zuhause bekommt man gesellschaftliche Entwicklungen nicht mit, speziell, wenn man wie ich im schlumpfhausenartigen Schwabing lebt. Unruhe entsteht dort allenfalls, wenn im Café

  14. Lindners Lastenrad-Legion

    Unser Land ist auf erschreckende Weise bedingt abwehrbereit. Gerade habe ich gelesen, dass wir nur für drei Tage Munition hätten, um uns im Falle einer Invasion zu verteidigen. Danach müssten wir entweder mit altem Brot schmeißen oder die G

  15. Erwachsene kinder

    Mit diesem Gespräch habe ich wirklich nicht mehr gerechnet. Ich habe immer gedacht, die Kinder seien erwachsen. Carla ist inzwischen sechsundzwanzig Jahre alt und Nick immerhin zweiundzwanzig. Das sind Leute, die langsam mal an die Altersve

  16. Alarm um halb sieben

    Notruf. Nick ist dran. Er ist verzweifelt und es dauert eine Weile, bis ich verstanden habe, worum es geht, weil die Schilderung der Sachlage etwas disparat und zusammenhanglos, dafür aber hochgradig aufgeregt vorgetragen wird. Es ist offen

  17. Routiniert im Alltag

    Viele Menschen fluchen über ihren Alltag. Sie beklagen sich darüber, dass dieser grau, langweilig, stumpf oder voller Wiederholungen sei. Schrecklich, schrecklich, schrecklich. Und dann noch November. Gerade gestern saß Nick in meiner Küche

  18. Private Realität

    Jetzt ist ein Höchstmaß an Resilienz gefragt. Da müssen wir jetzt einfach durch. Auch wenn wir alle nicht glauben können, dass die Amerikaner das getan haben. Dieses Wahlergebnis ist trotzdem Realität und aus der gibt es bekanntlich kein En

  19. Cui Kaffeebohno

    Manchmal möchten Menschen von mir wissen , was ich auf meinen Reisen durch Deutschland so erlebe und vor allem: Wie das Land gerade sei. In welcher Verfassung. So rein psychisch. Zuletzt ereilte mich diese Frage, als ich gerade in einem sch

  20. Erst Treadmill, dann Applebaum

    Der Beruf des Schriftstellers gehört nicht zu den gefährlichsten Tätigkeiten der Welt, es sei denn, man übt ihn am Rande eines tätigen Vulkans oder in einem politisch unsicheren Land aus. Ich fühlte mich jedenfalls immer ziemlich sicher in

  21. Tertiärer Corona-Gewinn

    Da habe ich doch noch mal Covid bekommen. Damit habe ich wirklich nicht mehr gerechnet. Aber ich habe ja auch gedacht, dass Bayer Leverkusen niemals Deutscher Meister werden würde. Diese Wahrscheinlichkeit war aber sicher geringer als jene,

  22. Gerda juckt mich nicht

    Der viel zu früh verstorbenen Königin Elisabeth der Zweiten wird eine Lebensregel zugeschrieben, der zufolge man sich niemals beklagen und sich niemals rechtfertigen sollte, jedenfalls nicht öffentlich. Man darf die Trolle nicht füttern, ma

  23. Krawall und Remmidemmi

    Nick denkt über die Feierlichkeiten zu seinem zweiundzwanzigsten Geburtstag nach. Er hat nicht die nötigen Mittel, um die Bar des Bayerischen Hofs zu mieten. Auch Sternfahrten in ein Schloss in Oberbayern kommen eher nicht in Betracht, gena

  24. Vergangenheit zu verschenken

    Vor der Tür des Hauses, in dem ich wohne, steht seit einer Woche ein Bürostuhl. Er hat weiße Kunstlederpolster, die sind vergilbt, rissig, schmutzig und löchrig. Das Ding ist atemberaubend hässlich und kaputt. Es sieht ein wenig so aus, als

  25. Vom Tuppern und Wummern

    Wenn mein Sohn nicht weiterweiß, ruft er mich an und fragt, ob ich die Zubereitung von Abendessen plane. Wenn ich ihn zurückfrage, warum er das wissen wolle, sagt er, dass er total broke sei, ein Hüngerchen habe und ob ich ihm sein Liebling

  26. Wahr ist nur, dass er lügt

    Donald Trump ist dabei, sich in eine Art fiktionale Figur zu verwandeln. Sein Auftritt im TV-Duell mit seiner Konkurrentin Kamala Harris wirkte jedenfalls so, als spräche da gar kein Politiker oder zumindest Präsidentschaftsanwärter mehr. V

  27. Immer locker bleiben

    Mein Freund Robert hat eine Mail bekommen. Ein Nachbar wies ihn darauf hin, dass im Haus grundsätzlich keine Schuhe vor die Wohnungstür gestellt würden. Das sei eine Regel der Mietergemeinschaft. Robert habe kürzlich dagegen verstoßen und d

  28. Kein Anschluss ohne Nummer

    Fast alle Infos, die man wissen kann und sollte, sind inzwischen irgendwo gespeichert und abrufbar. Kein Mensch weiß deshalb noch Telefonnummern auswendig. Geht mir auch so und macht normalerweise auch nichts. Es sei denn, man hat sein Hand

  29. Lost in Köln oder auch nicht

    Unfassbar. Ein Wunder ist geschehen. Es ist wieder da. Dabei war es doch eigentlich weg und ich hatte mich damit abgefunden. Ich dachte, es komme nie wieder zu mir zurück und es sei besser, gar nicht mehr daran zu denken. Das Leben geht wei

  30. Es ist eine fremde seltsame Welt

    Nach sechs Wochen Disziplin ist meine Superhelden-Karriere kaum noch zu verhindern. Kein Alkohol, kein Zucker. Sport. Schlaf. Ich bewege mich in Richtung eines titanischen Zustandes, der nun die Anschaffung eines Fahrrades erforderlich mach

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