
Klinisch Relevant Podcast· Folge 814
Weaning bei Patient:Innen mit Querschnittssyndromen - mit Linda Theune
Samstag, 25. April 2026 · 39 min
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Shownotes
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Weaning bei Patient:innen mit Querschnittsyndrom
Mit: Linda Theune (klinische LogopÀdin)
đ§ Worum gehtâs in dieser Folge?
Das Weaning von beatmeten Patient:innen mit Querschnittsyndrom stellt eine besondere klinische Herausforderung dar. In dieser Episode gibt Linda Theune einen praxisnahen Einblick in Pathophysiologie, Diagnostik und interdisziplinĂ€res Management â mit besonderem Fokus auf logopĂ€dische Aspekte, TrachealkanĂŒlenmanagement und funktionelle Rehabilitation.
đ©ș Zentrale Inhalte & Learnings
1. Grundlagen: Atmung bei QuerschnittslÀhmung
Entscheidende Faktoren:
LĂ€sionshöhe (C1âC8)
komplette vs. inkomplette LĂ€sion
Kritisch:
LĂ€sionen C1âC3 (komplett) â keine Spontanatmung möglich
Ab C5 meist ausreichende Zwerchfellfunktion
Bedeutung des Nervus phrenicus fĂŒr die Zwerchfellinnervation
SekundĂ€re Verschlechterung durch RĂŒckenmarksödem möglich
2. Indikation zur Beatmung
FrĂŒhzeitige Intubation essenziell â Gefahr eines plötzlichen Atemversagens
HĂ€ufig prolongierte Beatmung â Indikation zur Tracheotomie
Dynamischer Verlauf erschwert PrognoseabschÀtzung
3. Was bedeutet âWeaningâ?
Entwöhnung von der Beatmung
Idealerweise mit dem Ziel der DekanĂŒlierung
Bei Querschnittpatient:innen oft komplexer als bei internistischen Patient:innen
4. Diagnostik des Weaning-Potenzials
Zwerchfellsonografie (Standard) oder Durchleuchtung
Beurteilung:
Seitendifferenz
Restfunktion
ErgÀnzend:
Spontanatmungsversuche
klinische Beobachtung
5. Besonderheiten bei Tracheotomie & Beatmung
Atemwege & Infektion:
Erhöhtes Risiko fĂŒr:
Tracheitis
ventilatorassoziierte Pneumonie
Fehlende Nasenfunktion (Filter, Befeuchtung)
Mechanische Risiken:
Sekretverlegung
Cuff-Leckagen
Funktionelle EinschrÀnkungen:
Kommunikation (v. a. bei geblockter KanĂŒle)
Dysphagie-Risiko
erschwerte Schluck-Atem-Koordination
Weitere Aspekte:
erhöhter Pflegeaufwand
vagale Reaktionen (z. B. Bradykardie beim Absaugen)
reduzierte VitalkapazitĂ€t â schnelle MuskelermĂŒdung
6. Weaning-Prozess â Schritt fĂŒr Schritt
âą 1. Entblockte Beatmung steigern
Verbesserung von:
SensibilitÀt
HustenstoĂ
Phonation
Schlucken
âą 2. Voraussetzungen prĂŒfen
Vigilanz & Kooperation
nachweisbare ZwerchfellaktivitÀt
Sekretmanagement (ggf. mit HustenassistenzgerÀt)
stabile Kreislaufsituation
âą 3. Spontanatmung initiieren
Beginn: ca. 5â15 Minuten
psychologische Begleitung essenziell
⹠4. Monitoring wÀhrenddessen
Atemfrequenz 92 % (individuell)
pCOâ: 35â45 mmHg
keine Erschöpfungszeichen
âą 5. Dauer schrittweise steigern
Ziel: zunĂ€chst 30â60 Minuten, dann mehrere Stunden
âą 6. TagsĂŒber vollstĂ€ndige Spontanatmung
Nachtbeatmung initial weiter erforderlich
âą 7. Ausschleichen der Nachtbeatmung
âą 8. DekanĂŒlierung â wann ist sie möglich?
Voraussetzungen:
stabile 24h-Spontanatmung
effektiver Husten (ggf. mit UnterstĂŒtzung)
kein Absaugbedarf
ausreichende Schluckfunktion
7. Testverfahren:
Sprechventil / Stöpselversuch
Verlauf:
Spontanes VerschlieĂen des Tracheostomas hĂ€ufig
ggf. chirurgischer Verschluss notwendig
8. Fallbeispiel (Sub-C3 inkomplett)
gutes Weaning-Potenzial
strukturierter Aufbau wie oben beschrieben
erfolgreicher Verlauf:
vollstÀndige Entwöhnung
DekanĂŒlierung nach ca. 10 Wochen
9. Was unterscheidet Querschnittpatient:innen von anderen Weaning-Patient:innen?
zusĂ€tzliche neurologische Grunderkrankung âon topâ
hÀufig:
komplexere VerlÀufe
höhere Komplikationsrate
besonders relevant:
GefĂŒhl der Hilflosigkeit
psychologische Belastung
interdisziplinÀre Zusammenarbeit essenziell:
Pflege
LogopÀdie
Physiotherapie
Ărzt:innen
Psychologie
đĄ Take-Home Messages
Weaning bei Querschnitt ist hochindividuell und multidimensional
Zwerchfellfunktion ist der zentrale prognostische Faktor
Kommunikation & psychologische Sicherheit sind therapeutisch entscheidend
Kleine Fortschritte sind klinisch relevant â RĂŒckschritte hĂ€ufig
Interprofessionelles Teamwork ist der SchlĂŒssel zum Erfolg
đ WeiterfĂŒhrende Inhalte
FrĂŒhere Folge zu TrachealkanĂŒlen (mit Linda Theune) (open.spotify.com/episode/1Bh2FYEApRtu6dK94mxByâŠ),
Fortbildungsangebote unter: www.klinisch-relevant.de (klinischrelevant.de/project/trachealkanuelenmaâŠ)
Disclaimer: Bei den Podcasts von Klinisch Relevant handelt es sich um Fortbildungsinhalte fĂŒr Ărzte und medizinisches Personal und keinesfalls um individuelle TherapievorschlĂ€ge. Sie ersetzen also keineswegs einen Arztkontakt, wenn es um die Behandlung von Erkrankungen geht. Dabei spiegeln die BeitrĂ€ge den Kenntnisstand unserer medizinischen Partner und Experten wider, den sie nach besten Wissen und Gewissen mit Dir teilen. HĂ€ufig handelt es sich dabei auch um persönliche Erfahrungen und subjektive Meinungen. Wir ĂŒbernehmen fĂŒr mögliche Nachteile oder SchĂ€den, die aus den im Podcast gegebenen Hinweisen resultieren, keinerlei Haftung. Bei gesundheitlichen Beschwerden muss immer ein Arzt konsultiert werden! Weitere Informationen findest Du auf unserer Website: klinisch-relevant.de P.S.: Wenn Dir der Podcast gefallen hat, dann teile ihn doch bitte mit Deinen Kolleginnen und Kollegen! Es wĂŒrde uns auch riesig freuen, wenn Du unseren Newsletter auf unserer Homepage abonnieren und unser Projekt bei Apple Podcasts bewerten wĂŒrdest. Wenn Du Lust hast, dann findest Du Klinisch Relevant auch bei Facebook, Instagram, YouTube und LinkedIn. Falls Du auch einmal einen Beitrag auf Klinisch Relevant zu einem spannenden medizinischen Thema veröffentlichen möchtest, dann melde Dich doch ganz einfach unter kontakt@klinisch-relevant.de