
Meine schwerste Entscheidung· Folge 149
Alois Rainer über die dunkle Seite des Landlebens, robuste Frauen und Wurst in der Dose
Dienstag, 13. Oktober 2026 · 55 min
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Shownotes
Alois Rainer ist auf den ersten Blick genauso, wie man sich einen CSU-Politiker vorstellt: heimatverbunden, konservativ, streng erzogen. Und dann auch noch gelernter Metzger. Ein harter Typ also, der seine Gefühle im hintersten Schuppen vergräbt? Ganz und gar nicht: Im Gespräch mit Julia Emmrich und Jan Dörner zeigt sich Rainer von einer sehr persönlichen Seite, erzählt vom Sterben seines Vaters, von seiner tiefen Bewunderung für seine Mutter und vom Aufwachsen mit sechs älteren Schwestern. Im Kern aber geht es ihm um eine immense Sorge: Die Selbstmordrate unter Landwirtinnen und Landwirten liegt in Deutschland weit über dem Bevölkerungsdurchschnitt. Warum das so ist – und warum Bauern mit Druck oft anders umgehen als Bäuerinnen – darüber sprechen Jan und Julia mit dem Minister.
Auch seine „schwerste Entscheidung“ steht in diesem Zusammenhang: Als der Bundestag 2015 ein strenges Verbot von gewerblichen Sterbehilfevereinen beschloss, gehörte Rainer auch wegen seiner eigenen Erfahrungen auf dem Land zu den Befürwortern der Regelung. Das Bundesverfassungsgericht erklärte das Verbot später für verfassungswidrig, eine neue Regelung ist noch nicht gefunden. Im Podcast sagt Rainer, warum er nach wie vor findet, dass es ein Verbot der kommerziellen Suizidhilfe nötig wäre. Je selbstverständlicher Sterbehilfe werde, glaubt er, desto eher könnten sich alte oder kranke Menschen als Ballast fühlen.
Wichtiger Hinweis und Hilfsangebote
In dieser Folge sprechen wir über Suizid und Sterbehilfe. Die Inhalte können für Menschen, die sich selbst in einer psychischen Krise befinden oder Suizidgedanken kennen, belastend sein. Wenn du selbst oder ein Mensch in deinem Umfeld Unterstützung braucht, stehen kostenlose Hilfsangebote zur Verfügung:
• TelefonSeelsorge: 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123 – rund um die Uhr erreichbar; auch online unter telefonseelsorge.de
• Nummer gegen Kummer: 116 111 – für Kinder und Jugendliche
• Info-Telefon Depression: 0800 33 44 533
• Akute Notfälle: Wenn unmittelbare Gefahr für das Leben besteht, wähle bitte den Notruf 112.
Mehr zu Alois Rainer:
Deutscher Bundestag (bundestag.de/abgeordnete/biografien/R/rainer_a…)
Instagram (instagram.com/alois.rainer.mdb/?hl=de)
Mehr zu Dr. Julia Emmrich:
Autorinnenprofil (morgenpost.de/autoren/julia-emmrich)
LinkedIn (app.audiorella.com/linkedin.com/in/dr-julia-em…)
Twitter (x.com/JULEmmrich)
Mehr zu Jan Dörner:
Autorenprofil (morgenpost.de/autoren/jan-doerner)
LinkedIn (linkedin.com/in/jan-d%C3%B6rner-65b31912)
Twitter (x.com/Jan_Doerner)
Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin
Bei mir ist kürzlich die Tante meines Nachbarn verstorben mit 96 Jahren. Die ging von der Toilette zurück und brach kurz vor dem Sofa zusammen. Wenn man sich das wünschen könnte, 96 Jahre alt zu werden und dann so sterben zu dürfen, dann wäre es das. Nicht erst jetzt, sondern auch schon seit Jahrzehnten ist die Suizidrate bei Landwirtinnen und Landwirten, Ich glaube, ich bin jetzt richtig im Kopf, aber ums Dreifache höher als in der normalen Bevölkerung.
Herzlich willkommen bei einer neuen Folge von Meine schwerste Entscheidung. Wir sprechen über Schlüsselmomente im Leben von Menschen, die unser Land prägen. Wir wollen von unseren Gästen wissen, welcher Moment hat ihr Leben verändert? Was haben sie dadurch über sich selbst gelernt? Und was sollten wir über sie wissen, um sie besser verstehen zu können?
Zu Gast in dieser Folge ist Alois Reiner, bayerischer Bauernsohn, CSU-Politiker, Bundesminister für Landwirtschaft, Spitzname der Schwarze Metzger. Wir finden, dass es eine sehr, sehr besondere Folge geworden ist und das aus zwei Gründen. Der eine ist ganz banal, meine Stimme ist nicht so optimal. Ich war ein bisschen erkältet und manchmal hört man mich, glaube ich, nicht so richtig gut. Entschuldigt bitte, das kommt mir mal vor.
Der andere Grund ist, wir hatten das Gefühl, dass mit Alois Reiner ein klassischer CSU-Mann zu uns kommt. Also konservativ, heimatverbunden, streng erzogen, jemand, der seine Gefühle eher hinterm Berg hält. Und dann hat Alois Reiner doch sehr, sehr persönlich geantwortet und das war sehr berührend für uns beide.
Der 61-Jährige blickt in diesem Gespräch auf den Tod seines Vaters und er spricht darüber, warum Bäuerinnen sich manchmal eher Hilfe holen bei Problemen als ihre Männer. In dem Zusammenhang geht es auch um das Thema Suizid. Darauf möchten wir an dieser Stelle ausdrücklich hinweisen. Herzlich willkommen, Alois Reiner. Hallo, grüß Sie.
Herr Reiner, wer heute als Politiker auf sich aufmerksam machen will, legt sich eine Social-Media-Strategie zurecht. Als Sie 2013 erstmals für den Bundestag kandidierten, setzten Sie als Metzgermeister auf Argumente aus der Dose. Was war da los? Ja, ich hatte eigentlich schon vor meiner Kandidatur mal den Gedanken, so als Giverweise, die gibt es ja auf den Ständen und bei den Versammlungen, Wurst zu verschenken.
Und jetzt ist das ja ein Produkt, das nicht ewig haltbar ist. Deshalb habe ich so kleine Wurstdosen gemacht mit einer Banderole rum, weil es nicht Wurst, also nicht Wurst, sondern Wurst ist, wer es im Deutschen Bundestag vertritt. Und das war natürlich der Renner, können Sie sich vorstellen, also aus der eigenen Produktion damals noch, viel Arbeit zu Hause, es war wirklich Handwerksarbeit, Meine Geschwister, die mir dann geholfen haben beim Bekleben, die haben dann gesagt, du bist verrückt, du brauchst wieder eine Kiste voll.
Wie viele Dosen haben Sie damals hergestellt? Ich glaube, das waren so um die 12.000, 12.000, 13.000. Und werden Sie heute in der Heimat noch darauf angesprochen, auf die Dosen? Ja, immer wieder einmal. Immer vor den Wahlkämpfen wurde ich dann gefragt, gibt es wieder Wurst? Und ich werde auch immer wieder mehr angesprochen. Das war eine tolle Idee damals.
Und ich habe es ja wirklich bei jedem Wahlkampf noch mitgehabt. Wann haben Sie denn das letzte Mal Wurst gemacht? Kommt man dazu überhaupt noch? Oder sagen Sie, naja, Entschuldigung, aber wann soll ich das noch machen? Nein, bei mir ist es wirklich so, dass jetzt. Vielleicht kurz bevor ich Minister geworden bin, da kann es noch sein, dass ich noch meinen Sohn im Betrieb geholfen habe. Ich habe das immer wieder gerne gemacht, aber jetzt gar nicht mehr.
Also wir haben ja den Betrieb nicht mehr. Ich darf als Minister keinen Betrieb mehr führen. Und obwohl der damals noch bei mir war, aber gefühlt hat das alles der Sohn. Und ich war halt, wenn ich mal zu Hause war in einer sitzungsfreien Woche und habe gesagt, du Papa, ich habe morgen ein Personalproblem, kannst du mir kurz aushelfen?
Dann war ich noch morgens um fünf da und habe dann noch zwei Stunden oder drei gearbeitet. Hat immer Spaß gemacht, aber ich sage es Ihnen ehrlich, es juckt immer noch ein bisschen. Irgendwann muss ich mal wieder Leberkäse produzieren. Ich glaube, ich könnte es noch. Sie kommen ja auch aus einer Familie, wo Fleischerei ein wichtiger Schwerpunkt war. Können Sie sich noch daran erinnern, als Sie das erste Mal ein Tier töten mussten?
Das war bestimmt dann in meiner Lehrzeit. Also anfangs durftest du ja da gar nicht ran, weil das Betäuben des Tieres, Musste von unseren geschulten Gesellen dann schon übernommen werden. Und dann das Entbluten war das Gleiche. Also das musste man schon können. Also das war bestimmt nicht im ersten Lehrjahr. Ich kann es aber jetzt nicht mehr genau sagen.
Das ist schon sehr lange her. Aber es war irgendwann in der Lehrzeit, aber ich glaube eher zum Schluss raus. Also wir waren dabei, aber eher zum Schluss raus. weil unser Chef hat damals großen Wert darauf geklickt, dass das auch ordentlich gemacht wird und ordentlich funktioniert. Und darum, glaube ich, war ich das eh zum Schluss. War das für Sie ein schwerer Moment oder ist das für Sie innerhalb dieser Lehre eine ganz normale Aktion gewesen?
Man stellt sich das von außen so vor. Ja, es war für mich damals ein normaler Moment. Ich muss aber ehrlich sagen, was ich nie gerne getan habe, war jüngere Tiere zu schlachten. Also wenn es um Spanferkel ging. Wir hatten aber nur ganz selten Spanferkel geschlachtet. Das waren aber Tiere, die auch nicht größer werden hätten können. Also die einen Nabelbruch oder sowas gehabt haben. Wenn die groß werden, die nur mit großen Schmerzen.
Da wurde ich immer nachdenklich, was das anbelangt. Ich habe das auch nie gern gemacht. Das andere war dann die normale berufliche Arbeit. Das Schlachten ist aber ein, muss man auch ehrlicherweise sagen, ein kleiner Bereich des Fleischerberufs, des Metzgerberufs. Herr Rainer, wir wollen heute mit Ihnen über Ihre schwerste Entscheidung sprechen.
Was war denn Ihre schwerste Entscheidung? Wenn ich mich nicht richtig erinnere, war das im Jahr 2015. Und da ging es um die Suizidhilfe, die damals zu entscheiden war. Es war ohne Fraktionsvorgabe, wir konnten frei entscheiden. Und da habe ich echt viel überlegt. Viel hin und her überlegt. Und ich habe mich damals für.
Die Vorlage vom Kollegen Brandt entschieden. Da gab es die unterschiedlichsten Meinungen, auch aus den unterschiedlichsten Parteien. Aber für mich ist das schon ein Thema gewesen, wo man echt überleben kann. Also für mich, ich musste da viel überlegen, weil es geht praktisch am Ende der Tage ums Leben oder ums würdevolle Sterben oder würdevolles Leben.
Also schwierige Entscheidung und ich habe mich damals für die Entscheidung für den Entwurf vom Kollegen Brandt entschieden. Ja, das war im November 2015. Es standen vier verschiedene Anträge zur Abstimmung. Sie haben dann für einen gestimmt, in dem gefordert wurde, die geschäftsmäßige Sterbehilfe unter Strafe zu stellen.
Das hat dann damals Vereine betroffen, Organisationen und Einzelpersonen, die mit, so heißt es, dann im Fachdeutsch in gewerbsmäßiger Absicht Suizidassistenz anbieten. Sie stimmten damals ebenso wie der Großteil Ihrer Fraktion, der Unionsfraktionen. Warum fiel Ihnen das so schwer? Zwischen welchen Positionen haben Sie damals geschwankt? Es gab ja so viele Positionen.
Wenn du bei so schwierigen. Beschlüssen. Spricht man natürlich mit dem einen oder anderen Freund, auch zu Hause Bekannten. Und da hörst du alles. So wie auch in einer Fraktion, da hörst du alles. Also der kann doch selbstbewusst sterben, wenn er nicht mehr weiterleben kann. In der Schweiz geht es ja auch. Dann soll der den Sterbehilfeverein benutzen.
Ich habe immer eine Sorge gehabt, das wird dann. Gewerblich oder wenn du dann alt und gebrechlich bist, fühlst dich einfach auch als überflüssig so, bist dann der Belast, der Ballast, der am Ende der Tage nicht mehr leben will. Und wenn ich mich so erinnere, das war für mich dann auch der Hintergrund, ich will es einfach nicht, dass älter werdende Menschen Ballast sind.
Sie haben unglaublich viel getan für die Familie. Ich kann mich erinnern auch an meinen Vater. Er hat einen schweren Schlaganfall gehabt und war sechs Jahre pflegebedürftig. Mir wäre nie im Traum eingefallen und ich glaube ihm auch nicht, dass er zu uns gesagt hätte, ich will nicht mehr leben oder so.
Und wenn er das gesagt hätte, dann hätte er gesagt, du Papa, das machen wir nicht, so gehen wir nicht vor. Also ich habe ein bisschen Sorge gehabt, dass da so ein gewerbliches Modell entsteht, auch mit Menschen, die, nicht immer, es müssen ja nicht immer Ältere sein, Auch Jüngere, die einfach mit Depressionen zu kämpfen haben, die persönliches Leiden ertragen müssen, aus welchen Gründen auch immer, dass das hier geschäftsmäßig wird.
Deshalb habe ich mich für diesen Beschluss so entschieden. Es gab damals ja einen Antrag, der noch strenger war, der noch weiter darüber hinausging. Ebenfalls von zum Teil auch Unionskollegen, die gesagt haben, wir müssen Sterbehilfe generell unter Strafe stellen. Also auch nahe Angehörige, Freunde, das Umfeld, die jetzt in dem Antrag, dem Sie am Ende zugestimmt haben, nicht unter Strafe stehen.
Haben Sie kurz mal überlegt, auch diesem noch strengeren Antrag zuzustimmen? Also war das ein Abwägen zwischen streng und noch strenger oder eher streng und vielleicht etwas liberaler, weil Sie sich gedacht haben, naja, vielleicht gibt es ja auch Lagen, da möchte ich, dass Menschen ein Angebot haben.
Also zwischen welchen Positionen tendierten Sie an? Das ist schon sehr lange her. Ich, kann jetzt nicht mehr genau sagen, wo ich hin oder zwischen welchen Positionen ich tendiert habe, aber ich kenne mich in dieser Sache zu gut, dass ich mir mit Sicherheit alle vier Vorschläge genauestens angeschaut habe.
Und mir schon Gedanken gemacht habe, es darf nicht strafbar sein, Wenn eine Familie sagt, das sind lebensverlängernde Maßnahmen, will der Angehörige nicht. Er hat gesagt, er will es nicht. Das war beim noch härteren Beschluss der Hintergrund von mir. Ich kenne das nämlich auch aus persönlicher Erfahrung. und deshalb, glaube ich, war das der Punkt, also ein Stück weit die persönliche Erfahrung auch. Mögen Sie erzählen, woran Sie da jetzt gerade denken?
Naja, ich habe gerade gesagt, mein Vater war viele Jahre lang schwer krank und, hatte einen Schlaganfall, war zum Schluss dann komplett bettleggerig, Das waren also knapp sechs Jahre. Und da ging es halt auch um Maßnahmen, die dann gekommen sind, ob man die dann will oder nicht. Sagen wir zum Beispiel eine Magensonde.
Wenn du dann als Angehöriger sagen würdest, ich will die nicht. Und der Patient dann verstirbt und du dann am Ende der Tage verantwortlich wärst, das wäre mir dann beim zweiten Fall, ja, das wollte ich nicht. Weil der Patient vorher gesagt hat, er hat zwar keine Patientenverfügung, aber er hat gesagt, ich will das nicht.
Aber du kannst es halt nicht mehr sagen, weil er kann selbst nicht mehr sprechen. Also das sind diese Dinge, die, wenn ich jetzt so das ein bisschen rekapituliere, die mich damals schon dazu bewegt haben, nicht das komplett strange oder strenge Modell zu wählen, sondern etwas liberaler. In der Debatte hat ein anderer Bayer gesprochen, der grünen Politiker Anton Hofreiter.
Wir hören uns einmal an, wie er damals argumentiert hat. Wenn ich mal in so einer Situation wäre, möchte ich das nahen Verwandten oder einer Vertrauensperson als Arzt nicht zumuten. Vielleicht will ich, dass diese letzte Handlung, ein Mensch, der mir eben genau nicht nahe steht, bei dieser letzten Handlung mich unterstützt.
Und mit welchem Recht nehmen wir als Gesetzgeber jemand diese Entscheidungsfreiheit weg? Mit welchem Recht würde die Mehrheit mir diese Entscheidungsfreiheit wegnehmen? Ich kann keinen Schutzgrund dafür erkennen, mir diese Entscheidung wegzunehmen. Das ging Ihnen zu weit? Obwohl Anton Hofreiter auch auf einer sehr persönlichen Ebene argumentiert. Ja, alles richtig.
Ich streite es jetzt auch gar nicht ab, was er gesagt hat. Wir dürfen eines nicht vergessen. Es könnte so eine Entscheidung durchaus auch aus einem Grund fallen, dass ich momentan depressiv bin. Aus welchen Gründen auch immer. Weil ich finanzielle Probleme habe. Weil ich Freund, Freundin verloren habe.
Weil ich berufliche Probleme habe. Aus welchen Gründen auch immer, dass ich gerade momentan in einer depressiven Phase bin, weil ich ein Autop, und dann entscheide ich mich auf sowas. Damit habe ich damals schon ein Problem gehabt, dann hätte ich jetzt auch noch ein Problem. Es werden dann Menschen mitten aus dem Leben.
Die reißen sich selbst mitten aus dem Leben. Ja, ich bin krank. Depression ist auch eine Krankheit. Das muss man so akzeptieren. Und ich will keine Hilfe. Tür weg. Damit habe ich ein Problem. Sie sind in einer christlichen Partei. Die Kirchen sehen Suizid als Sünde, als schwere Sünde. Oft wurden früher Selbstmörder noch nicht mal auf dem Friedhof der Dorfkirche beerdigt, sondern vielleicht in einer anderen Ecke.
Inwiefern spielte damals für Sie die Sicht der Kirchen und vielleicht auch Ihre eigene Prägung in der Hinsicht eine Rolle? Es spielt beides eine Rolle, also die eigene Prägung, die eigenen familiären Erfahrungen, die man damit hat. Und natürlich spielt es sich der Kirche auch ein Stück weit eine Rolle, aber das darf, denke ich, einem bei so einer Entscheidung auch nicht komplett leiten.
Also ich bin den christlichen Glauben, der katholischen Kirche an und ich mache nur das, was die katholische Kirche will. Das war es bei mir nicht, aber wahrscheinlich hat es schon eine Rolle gespielt, so im Hinterkopf, im Unterbewusstsein. Vielleicht ist es auch bei mir, dass ich so auch in meiner Zeit als Bürgermeister, den einen oder anderen Selbstmord miterleben musste.
Junge Leute, die sich auch das Leben genommen haben aus, Oft Gründen, die wir gar nicht gewusst haben. Und für mich war es damals auch so wichtig, dass ich im Haushaltsausschuss dann. Unterstützt habe, dass wir ein Projekt, ich weiß jetzt gar nicht mehr, wie es geheißen hat, auf alle Fälle Suizid bei Hilfe, auf den Weg gebracht haben, in denen junge Leute bis 25 Jahren unterstützt worden sind, um hier Hilfe zu leisten.
Die konnten sich ganz unkompliziert an ein Hilfetelefon wenden. Das sind alles so Dinge, die am Ende der Tage eine Rolle spielen. Für mich waren es mehr die Menschen, die eher unzufrieden sind, die in einer Situation sind, wo sie sich vielleicht keinen Ausweg mehr sehen oder so. Darum damals, ich war da als Haushälter im Haushaltsausschuss maßgeblich daran beteiligt, dass das im Familienministerium eingeführt worden ist und das gibt es heute noch.
Haben Sie Ihre Entscheidung damals 2013 jemals bereut oder haben Sie irgendwann gedacht, Hätte ich das mal anders gemacht oder sagen Sie im Nachhinein, nee, das war genau die richtige? Also ich habe die Entscheidung nicht bereut, muss ich ehrlich sagen. Ich denke, es war richtig. Ich weiß zwar, dass es ein Urteil gibt und man die Entscheidung überdenken müsste, wenn es jetzt noch mehr kommt, keine Frage.
Aber ich würde wieder in einer ähnlichen Art. Anfang 2020 erklärte das Bundesverfassungsgericht, das Verbot, die Selbsttötung geschäftsmäßig zu fördern, für verfassungswidrig. Damit wurde der Gesetzesentwurf, für den Sie dann gestimmt hatten, aufgehoben. Und der Auftrag des obersten Gerichts lautete, die Sterbehilfe gesetzlich neu zu regeln. Da ist es bisher nicht zugekommen.
Zwei Initiativen für eine Neuregelung scheiterten im Bundestag. Wären Sie dafür, nochmal einen neuen Anlauf zu nehmen oder stört Sie dieser gesetzliche Schwebezustand? Ich kann mit beiden leben. Also mich stört dieser gesetzliche Schwebezustand nicht. Ich weiß aber, dass hier eine Mehrheit zu finden auch mega schwierig sein wird.
Weil die Meinungen wahrscheinlich, wie wir 2015 auch jetzt in alle Richtungen gehen werden, eigentlich sollte man es schon lösen. Sagen wir es so, sollte man lösen. Aber wir stehen vor anderen wirklich großen Herausforderungen. Die wir jetzt haben, also mich stört der Schwebezustand nicht groß. Aber wenn Initiativen kommen, das zu lösen, würde ich das auch begrüßen.
Wobei der Schwebezustand vielleicht auch begünstigt, dass die Fälle der assistierten Suizide, soweit man das nachvollziehen kann, es gibt keine offizielle Statistik, deutlich angestiegen ist in den letzten Jahren. Das beruht auf den gemeldeten Zahlen von Sterbehilfevereinen. Ich weiß. Leider Gottes ist es halt so, aber.
Ich weiß auch nicht, was dann in einem eventuellen Gesetzesverfahren am Ende der Tage rauskommt. Ich gehe fast davon aus, dass es ein ähnlicher Beschluss wird, wie damals der Mehrheitsbeschluss es war. Aber das muss halt jemand anpacken. Bei mir geht es zeitlich nicht. Es wird, so wie damals, ein hochemotionales Thema sein.
Mich beschäftigt es wirklich sehr. Also deshalb machen wir auch im Bereich der Landwirtschaft, bei der Sozialversicherung, betreiben wir Präventionsarbeit, was Suizide anbelangt. In der Landwirtschaft haben wir überproportional viele Suizide. Das ist schon seit vielen, vielen Jahren. Bevor wir auf diese Branche kommen, würde mich noch mal interessieren, ich weiß, dass es immer eine heikle Frage ist, aber haben Sie eine Idee davon, wie Sie selber mal sterben möchten?
Sie haben gerade von Ihrem Vater gesprochen, dann entwickelt man ja vielleicht auch eine Vorstellung, wie man das sehr gerne selber hätte oder sagen Sie, da mache ich mir keine Gedanken drüber? Natürlich machen wir sich da Gedanken darüber, wenn man das verschiedenste schon erlebt hat. Bei mir ist kürzlich, im, Sommer war es im Frühjahr, die Tante meines Nachbarn, verstorben mit 96 Jahren.
Die ging von der Toilette zurück und brach kurz vor dem Sofa zusammen. Wenn man sich das wünschen könnte, 96 Jahre alt zu werden und dann so sterben zu dürfen, dann wäre es das, was man sich am Ende der Tage wünschen kann. Das weiß man aber schlichtweg nicht. Wenn es einen Wunsch gäbe, dann so. Ein gesegnetes Alter zu haben, dann geht es relativ kurz. Leider Gottes ist es in den meisten Fällen anders.
Es gibt auch kürzlich, ich glaube heute habe ich es erst gelesen, dass ein 57-jähriger Bürgermeister in der Nähe von München während einer Bauauschusssitzung verstorben ist. Also das sind so Dinge, die, hat man nicht im Griff. Und gerade bei Männern ist so mein Alter ein gefährliches Alter, was das anbelangt. Also jetzt möchte ich das nicht so, dass es schnell geht und jetzt schon werde.
Also ein gesegnisches Alter zu erreichen bei vollem Verstand. Bei meinem Vater war das anders. Der hat gesagt, er ist völlig gesund, außer dass er eine schilddrösen Überfunktion gehabt hat. Er hat, diesen Schlaganfall erlitten und das war wirklich auch im Bundestag für einen Politiker sehr, sehr schwierig. Er konnte nicht mehr sprechen, war rechtzeitig gelähmt.
Das möchte ich nicht erfahren müssen. Aber man steckt nicht drin. Können Sie sich eine Situation vorstellen, wo Sie selber sich überlegen würden, ich möchte sterben und ich brauche Hilfe? Von wem auch immer? Oder passt das nicht auch in Ihr christliches Weltbild? Das hat mit christlichem Weltbild nichts zu tun. Ich bin viel zu gerne hier auf dieser Erde.
Nein, ich kann mir das nicht vorstellen. Ich bin viel zu gerne da. Bei allen Herausforderungen, bei allen vielen Arbeiten und was weiß ich, was es auch alles gibt. Ich glaube, ich kann mir das nicht vorstellen, weil ich echt viel zu gerne da bin. Schauen wir nochmal darauf, wo Sie herkommen. Sie sind etwa 40 Kilometer östlich von Regensburg auf einem Bauernhof aufgewachsen, mit Metzgerei und Gasthaus.
Das klingt nach Glück und Idylle. Hatten Sie eine unbeschwerte Kindheit? Oh ja, wirklich. Also absolut unbeschwert. Auch. In den 70er Jahren Gaststätte, immer alles zum Essen da, und dann der letzte von sechs Kindern fünf Schwestern und dann kommt noch der Nachzügler, der Sohn, also ich habe eine total schöne Kindheit gehabt strenge Kindheit, Ich habe ja schon gesagt, mein Vater war im Bundestag, war Bürgermeister, war wenig zu Hause.
Meine Mutter hat das alles zu Hause geschmissen, der Gaststätte und die Landwirtschaft. Deshalb habe ich auch so einen tiefen Glauben an die Leistung von Frauen. Also ich schätze das wirklich sehr. Und auch die Freunde, die man damals gehabt hat. Das war halt das Dorfleben, so wie es damals war. Du hast irgendwelche Holzhütten gebaut und hast Bretter gesammelt.
Und das war schon sehr idyllisch, auch die Landwirtschaft und es gab alles zum Essen und ich war einer, anders als ich heute bin, heute esse ich so gut wie alles und ich war ein sehr schlechter Esser, aber ich liebte Nudeln mit Ei. Und ein Bubi wurde, wenn er wollte, jeden Tag Nudeln mit Ei macht. Also das ist so ein Beispiel meiner, das ich gerne bringe, Aber ja doch, war schon eine schöne Kindheit.
Man stellt sich das so vor, dass dann möglicherweise auch Angestellte des Hofes und die Gäste im Gasthaus, dass das alles ineinander floss. Also hat dann auch das Familienleben innerhalb dieser großen Gemeinde oder Gemeinschaft und damit auch ein bisschen in der Öffentlichkeit stattgefunden? Also sind Sie in der Gaststube aufgewachsen?
Naja, so direkt nicht. Aber natürlich spielt sich da viel in der Öffentlichkeit ab. Keine Frage. Und die Gäste waren viele Stammgäste. Man kannte sich und ja klar, da wächst du schon unter den Menschen auf. Bei uns waren auch viele Berliner damals, also wir hatten ganz viele Berliner Gäste. Ein Stück weit wächst man schon in der Öffentlichkeit auf, das stimmt dann schon.
Ich habe dann auch immer das Glück gehabt, ich durfte damals sehr viel nach München. Mein Onkel, meine Tante waren in München und sie können sich das vorstellen, wenn du aus dem Bayerischen Wald, aus dem beschaulichen Halbach nach München kommst, doch war gut auch das Aufwachsen in der Gaststätte, in der Öffentlichkeit.
Mit den verschiedensten Menschen untereinander zu sein. Auch das hat schon Spaß gemacht. Aber hat es auch mal genervt? Also wenn man, ich weiß nicht, Geburtstag hatte und die Eltern mussten in den Stall oder in die Metzgerei oder ins Wirtshaus oder wenn ein Familienfest war? Familienfeste, die gab es auch nicht.
Es konnte auch mal sein, dass du Heiligabend auf die Bescherung warten musstest, weil noch Leute in der Gaststätte sind. Also, Ich will nicht sagen, dass das genervt hat, das hat man vielleicht gar nicht so im Blick gehabt. Das war ja normal. Wenn der Gast noch da ist, dann ist der Gast noch da und dann hat das andere zu behalten.
So haben wir das damals erklärt. Das hat gar nicht genervt, ich kann mich bloß noch erinnern, dass das schon das eine oder andere Mal war. Wann ist denn jetzt Beschwerung? Ja, da sind noch ein paar Gäste in der Gaststätte und fertig, das geht vor. Ja, also muss man halt warten. Aber wir haben immer eine Bescherung gehabt. Das war immer schön.
Also für Großstädter ist ja das Leben auf dem Land immer noch eine Idylle. Zumindest bilden sich das viele ein und malen sich das ja auch viele so aus. Also wer auf dem Land arbeiten kann, ist immer an der frischen Luft, kann mit Tieren arbeiten, kann in der Natur sein, unter freiem Himmel. Für viele ist es so das Idealbild, das sich absetzt vom Schreibtischjob.
Sehen Sie auch immer noch so auf dieses Leben auf dem Land, so wie Sie es als Kind erlebt haben? Oder ist der Erwachsene, Alois Reinhardt, desillusioniert? Also desillusioniert bin ich nicht. Also man darf sich aber auch nicht so diese Bilder malen, wie man es vielleicht damals so gehabt hat. Ich habe gesagt, es war damals eine Idylle.
Da hat sich vieles verändert, auch im ländlichen Raum, auch in der Landwirtschaft, aber nicht unbedingt zum Negativen. Durchaus zum Positiven. Du lebst in einer tollen Umwelt mit einer engen Bindung, auch ehrenamtlich und hast in der Regel, wie es bei uns ist, einen Arbeitsplatz in der Nähe. Wir haben ja fast Vollbeschäftigung bei uns in unserer Ecke. Oder du hast...
Einen Arbeitsplatz bei einem großen Automobilhersteller und wirst mit dem Bus abgeholt. Also es ist nicht die Sorge, dass du keine Arbeit hättest. Also die Arbeitsplätze sind da, es ist jetzt ein kleines bisschen herausfordernder geworden. Aber ansonsten ist auch das Gefüge, das ehrenamtliche Gefüge, das Vereinsgefüge natürlich am Land ganz was anderes wie in der Stadt.
Und durch die Mobilität, die wir jetzt haben, also die Automobilmobilität, aber wenn du dann in Straubing bist, auch mit dem Zug oder so, egal ob es nach, München oder nach Hamburg geht, wenn sich ein bestimmtes Musical mit, das läuft ja da auch schon über viele Jahre, anschauen will, ich mache jetzt keine Werbung, es geht um Tiere, glaube ich, und um Könige und so.
Also wenn man sich das anschauen will, dann ist man da auch relativ schnell auch aus unserer Ecke da. Es hat sich schon unglaublich viel getan. Also andere sagen wieder, mir ist das Leben auf dem Land viel zu ruhig. Da, muss man sehen, wie es ist. Aber ich denke, es hat sich am Land genauso verändert wie auch in der Stadt.
Und so dieses Idyll, wie Sie es vorhin angesprochen haben, das ist natürlich auch nicht mehr so da. Aber es gibt die kleinen. Auszeithöfe, die kleinen Höfe, die machen das durchaus noch mit ein paar Tiere und so. Aus Hobbygründen oder weil sie sich einfach wohlfühlen, wenn sie das so haben. Also ist Landwirt immer noch ein Traumberuf oder hat der Schatten bekommen?
Also wenn Sie jetzt auf den Landwirt so sehen, dann ist das natürlich. Schon ein Stück war der Traumberuf. Ich bin in der freien Natur. Ich bin selbstständig, bloß die Landwirte haben mittlerweile sehr, sehr große Herausforderungen. Das ist einmal eine überbordende Bürokratie, die nicht erst die letzten fünf Jahre entstanden ist. Das muss man auch ehrlicherweise sagen, die sich in den letzten Jahrzehnten aufgebaut hat.
Es ist gerade aktuell ein Thema der Klimawandel. Also nicht aktuell, sondern seit Jahren. Aber er wirkt sich dieses Jahr massiv aus mit einer großen Trockenheit und mit einer Dürre, mit der wir zu tun haben, vor allem im südlichen Deutschland. Es ist der Wegfall von verschiedensten Pflanzenschutzmitteln, der die Landwirte beschäftigt.
Und so ein Stück weit auch Vertrauensverlust in die Politik. Diesen Vertrauensverlust will ich wieder zurückholen und tue wirklich alles dafür, dass wir die Dinge, die wir auch sagen, am Ende der Tage auch einhalten. Da geht es um die Agrardieselsteuer und verschiedenste Dinge. Und gepaart jetzt auch aktuell mit einer wirklich schlechten Preissituation in diesem Jahr, ist es auf der einen Seite in der Natur zu sein und draußen zu sein, natürlich eine tolle Sache.
Auf der anderen Seite sind die Einnahmemöglichkeiten und die Belastung für die Landwirte in den letzten Jahren schon sehr, sehr groß. Also die brauchen schon unsere Unterstützung. Wie geht es den Landwirten damit? Wenn ... Mir gesagt wird, dass jeder dritte Landwirt Liquiditätsprobleme hat, dann ist es in der Landwirtschaft natürlich sehr, sehr schwierig.
Und das sind die Dinge, die ich angesprochen habe. Hohe Kosten, an der Einnahmenseite Energiekosten, jeder weiß, was an der Zapfseite los ist, aber die Landwirte brauchen den Diesel, brauchen den Kraftstoff. Das sind die Ursachen, die haben Sie eben wirklich wunderbar aufgeblättert, aber die Frage ist eben, was macht das mit den Leuten?
Also wie reagieren Sie da? So ein Druck. Momentan sind es noch ruhig, aber es geht zum Teil in... In eine Stimmung, wir müssen raus, wir müssen das kommunizieren in Form von Demonstrationen. Die Trecker vor dem Bundestag. Ich verstehe das, also ich habe das damals verstanden. Ich verstehe das, oder jetzt die Demo zur Agrarministerkonferenz, die stattgefunden hat, ich verstehe das. Was das anbelangt, die anderen werden sehr still.
Es gibt wieder Menschen, die werden sehr still. Schlägt das aufs Gemüt? Und schlägt das Gemüt, natürlich. Wenn du nur immer im negativen Bereich unterwegs bist, jetzt kann man selbst, ein positiver Mensch sein, aber wenn dir immer nur negative Nachrichten überbreitet werden, die Spritpreise gehen nach oben.
Die Verkaufspreise für Schweinefleisch stagnieren in einem Bereich, der pro Mastschwein je nach Betrieb zwischen 40 und 60 Euro mitgibt. Also nicht verdient, sondern mitgibt. Das kann man eine gewisse Zeit einmal machen, aber es geht nicht ewig. Und mit diesen Herausforderungen kämpfen die jetzt. Und nochmal, manche sagen, das geht nicht mehr so.
Manche sagen, okay, ich kann noch etwas. Das wird wieder besser. Sie glauben dran. Und bei anderen geht es halt dann schon tiefer, also die dann nicht zu tun haben. Wozu führt das? Führt das dann auch zu Burnout, Depression? Beides. Es kann, muss nicht. Da bin ich sehr, sehr vorsichtig. Es kann, aber es muss nicht.
Also wenn da es kann zu Burnout führen, dann sage ich, ich arbeite sieben Tage die Woche. Ich habe eine Familie, die ich zu ernähren habe. Ich habe einen Betrieb. Den ich erhalten will, die Eltern erwarten auch was Gewisses, also das, Kann, aber muss nicht auch zu bestimmten Herausforderungen führen.
Bernhard, Depression, wie Sie sagen. Sie hatten die Suizidraten unter Landwirten angesprochen. Wie steigen die? Sind die höher als im Durchschnitt der Bevölkerung? Die sind höher als im Durchschnitt der Bevölkerung. Und das ist nicht neu. Nicht erst jetzt, sondern auch schon seit Jahrzehnten ist die Suizidrate bei Landwirtinnen und Landwirten, ich glaube, in dem richtigen Kopf, aber ums Dreifache höher als in der normalen Bevölkerung.
Es hängt an verschiedensten Dingen. Es ist die Erwartungshaltung, wenn der junge Betriebsübernehmer auch was umstellt im Betrieb und es läuft nicht gleich so, dann ist die gewisse Erwartungshaltung, auch eventuell eine Scham, eine gewisse Scham, dass man sich einer Hilfe zuwendet. Also die Sorgentelefone bei der SVLFG.
Die werden momentan gut genutzt. Das hat verschiedenste Hintergründe, aber natürlich sind es oftmals wirtschaftliche Schwierigkeiten für die, Da überwiegend die Großzahlen nichts dafür können. Verändert sich das gerade? Also wird das gerade schlimmer und steigen die Zahlen? Oder haben Sie das Gefühl, das ist sehr hoch gewesen und bleibt gerade hoch?
Oder sehen Sie, dass der aktuelle Druck, den Sie auch gerade nochmal von den Ursachen her beschrieben haben, auch dazu führt, dass da was wächst? Meinen Sie die Zahl der Suizide? Ja, oder der Anrufer beim Sorgentelefon. Im besten Fall kann man den Suizid ja verhindern, aber der Suizidgefährdeten? Nein, die Suizide erhöhen sich nicht, was das anbelangt.
Und die Anrufe beim Sagentelefon, das sind auch nicht immer suizidale Gedanken, sondern einfach Probleme, die man dann hat, die man dann auch weiterleiten kann, in den verschiedensten Bereichen. Also Suizide werden nicht mehr, die Anrufe sind auf einem sehr hohen Niveau. Sie haben jetzt beschrieben, die Bürokratie, die hohen Preise von außen und der Druck, unter dem manche Landwirte stehen.
Dann kommt ja vielleicht auch hinzu, dass die nächste Generation sich nicht mehr auf dem Hof sieht. Erleben wir eine letzte Generation von Landwirten, wie wir sie kannten in Deutschland? Nein, da bin ich ganz fest davon überzeugt. Die Landwirtschaft ist wie viele Branchen auch eine Branche, die sich über die Jahrzehnte, Jahrhunderte immer verändert hat. Immer.
Und es wird auch weiterhin eine Generation von Landwirtinnen und Landwirten geben, die gute Arbeit leisten. Die jungen Leute, die Frauen und die Männer, die sind ja top ausgebildet. Die waren immer schon topfit, aber jetzt haben die eine Ausbildung, die hat ein unglaubliches Level erreicht. Wir müssen die einfach nur machen lassen. Wir müssen einmal die Fesseln befreien, die bürokratischen Fesseln befreien und die Leute einmal ein Stück weit machen lassen.
Und ich sage Ihnen eines, wir brauchen die auch. Wir brauchen die auch. Es geht schlichtweg um die Ernährung unserer Bevölkerung. Es geht um unser tägliches, Trinken und unser tägliches Essen. Für das sorgen unsere Landwirtinnen und Landwirte und dafür kämpfe ich jeden Tag aufs Neue. Wir müssen unsere Landwirte in Deutschland halten.
Wenn wir in eine Krisensituation kommen und haben einmal nichts mehr zu essen und zu trinken, dann haben wir ein echtes Problem. Darum bin ich froh, dass wir ca. 84, 85 Prozent Eigenversorgung in unserem Land haben und die müssen wir aufrechterhalten. Sie haben eben immer von Landwirten gesprochen, wir auch. Betrifft diese Diagnose, der Druck ist sehr hoch und die psychische Belastung ist auch sehr hoch.
Betrifft die nur Landwirte oder betrifft die auch andere Berufe, die jetzt, weil Sie das Stichwort Ernährung sagten, also für Ernährungssicherheit? Tierwohl und all diese Dinge zuständig sind. Oder ist das bei Landwirten spezifisch? Also es betrifft mit Sicherheit auch andere. Aber bei Landwirten ist halt die Suizidrate wesentlich höher.
Was die genauen Hintergründe sind, das müsste man noch wissenschaftlich erörtern. Passiert das? Also wird danach geforscht oder forscht Ihr Haus danach? Ja, wir sind hier ständig am Arbeiten. Wir wollen jetzt. Eine Ausarbeitung machen, wo wir es dann wissen, warum, weshalb es so geschieht. Haben Sie eine Theorie, woran es besonders liegen könnte?
Banal gesagt könnte man ja meinen, es liegt vielleicht auch an den Möglichkeiten, an der Abgeschiedenheit, an dem Gefühl von Isolation. Nein, ich glaube nicht, dass man das so pauschal sagen kann. Es liegt an dem und an dem oder an dem. Das muss ausgearbeitet werden. Und leider weiß man, es ist dann das Allerschlimmste für die Angehörigen, weiß man oft nicht, warum sich jemand das Leben genommen hat. Ich glaube nicht, dass es an der Abgeschiedenheit liegt.
Das kann an den verschiedensten Gründen liegen. Wir müssen uns aber, und das ist mir ein Herzensanliegen, dass man uns da echt ernsthaft Gedanken darüber macht. Und es kann es nicht sein, dass sich junge Menschen, auch ältere Menschen, egal, wegen irgendwelchen Herausforderungen das Leben nehmen. Da müssen wir helfen.
Ich habe mich gefragt, was haben denn eigentlich die Menschen, die unter so einem Druck standen, früher gemacht? Denn Landwirte hatten ja auch vor Hunderten von Jahren mit massiven Naturproblemen zu kämpfen, mit ausgefallenen Ernten, mit Schädlingen, mit Kriegen und so weiter. Hat sich diese Krise für die Landwirtschaft einfach so verdreifacht, vervierfacht, weil so viele Faktoren dazu gekommen sind? Oder sagen sie, das war halt immer so.
Viele haben einfach irgendwann gesagt, geht nicht mehr, ich gehe jetzt. Oder hat die Religiosität früher doch einen, stärkeren Halt gegeben? Wie gesagt, es könnten die verschiedensten Komponenten sein, sich da festzulegen, ist was anders. Nur dass. Die gesellschaftliche Stellung der Landwirtschaft sich schon verändert hat.
Das muss man schon sehen. Also mittlerweile sind ja viele Menschen, jetzt muss der mit seinem Riesentraktor schon wieder durchfahren. Mensch, jetzt sind die Kühe auf der Weide und ich muss die Glocken hören. Also ich kenne das alles. Weil man nicht mehr es ist doch toll, wenn die Kühe auf der Weide sind und man die Glocken hört das muss man den Leuten sagen es ist toll und das fehlt mir ein Stück weit und ich sage das, wir brauchen sie, um unsere Ernährung zu sichern wer hätte sich vor Corona irgendwann Gedanken gemacht dass vielleicht kein Mehl mehr da ist dass Nudeln gehabt werden oder, Sonnenblumenöl von Toilettenpapier rede ich immer gar nicht Aber seien wir uns ehrlich, wer hätte sich das gedacht? Niemand.
Arzneimittel sind knapp geworden, wollen wir das bei den Lebensmitteln auch. Deshalb kämpfe ich wirklich aus tiefster Überzeugung. Wir brauchen eine gut funktionierende Land- und Ernährungswirtschaft. Und die Leute, die das betreiben in der Land- und Ernährungswirtschaft, die Frauen und die Männer, die dürfen auch damit ein Geld verdienen.
Das ist gar nichts Schlechtes, wenn die damit ein Geld verdienen. Also das liegt in der Natur der Sache. Sonst können sie ja nicht überleben. Und wir brauchen auch die gesellschaftliche Anerkennung. Wenn man sagt, jetzt fährt er mit seinem Riesentraktor da vor mir rum, ja, es ist halt mal Erntezeit. Also diese gesellschaftliche Anerkennung, das hat sich definitiv geändert.
Gehen Frauen und Männer unterschiedlich mit diesem Druck um? Also Bäuerinnen und Bauern, Landwirte, Landwirtinnen? Also sehen sie da eine andere Herangehensweise? Sind Frauen da robuster oder holen sich schneller Hilfe? Also nochmal, das ist jetzt von mir nur eine persönliche Meinung. Ich glaube schon, dass Frauen hier robuster sind und Frauen sich schneller Hilfe holen. Das ist vor allem der Punkt.
Bei uns ist dann der falsche Stolz, wo wir dann glauben, wir Männer, das schmeißt nichts aus der Bahn. Ich glaube, Frauen gehen da bewusster und sagen, du, ich kann mir jemand helfen. Warum das so ist, ich weiß es nicht. Aber das glaube ich schon, dass das so ist. Das ist falscher Stolz. Wie auch immer, ich weiß es nicht. Aber es ist definitiv so, dass Frauen sich da eher Hilfe sind.
Ohne es an die große Glocke zu hängen. Wir haben schon über Ihren Vater geredet, der Landwirt und lange, lange Jahre Bundestagsabgeordneter war. Was war denn Ihre Mutter für eine Frau? Was für eine Person? Eine ganz tolle Frau. Wenn du sechs Kinder aufziehst, den ganzen Laden schmeißt, also die Gaststätte, den Verkauf von Fleisch und Wurstwaren, wir hatten noch Übernachtungsgäste, den Mann den Rücken frei hält, was Finanzen und so weiter anbelangt.
Für die Landwirtschaft hatten wir noch einen, der uns noch geholfen hat. Da musst du eine tolle Frau sein. Also meine Mutter war wirklich, schon ein Megafon. Gibt es etwas, was sie Ihnen mitgegeben hat, was Sie sich vielleicht jeden Tag als Maxime sagen? Gibt es so einen Rat oder? Meine Mutter hat mir so viel mitgegeben. Ich bin jetzt wahrscheinlich Geder und dann ist es genau das, was mir einfällt, was ich jetzt zu sagen habe.
Auf alle Fälle hat es mir eins mitgegeben, ohne Fleiß kein Preis. Auch wenn man mal als junger Bursche über die Stränge geschlagen hat oder so, da war es immer wichtig. Wenn du weggehen kannst und spät heimgehen kannst, kannst du auch in die Arbeit gehen. Oder kannst du sonntags in die Kirche gehen. Also solche Dinge, da war sie immer dahinter. Bei aller Großzügigkeit.
Und wenn ich eins sagen darf, was ich immer gern gesagt habe, schenken mit warmen Händen ist schöner als schenken mit kalten Händen. Also das kann man sich jetzt denken, wie man mag. Und wissen Sie, wenn wir meine Eltern sind, dann habe ich schon über 20 Jahre verstorben, also weit über 20 Jahre und man das Glück hat, dass man sich als sechs Geschwister, also ich und meine fünf Schwestern und ich, wir uns immer noch toll verstehen, bestens verstehen, dann hängt es schon an einer Fürsorge unserer Eltern, die einfach zu ihren Lebzeiten perfekt funktioniert hat, und ich sage auch immer das ist ein unglaubliches Glück das ist ein unglaubliches Glück und wenn die Schwestern immer noch auf einen kleinen Bruder aufpassen,
sagen du hast die Krawatte ordentlich gebunden oder so dann ist es immer noch schön Sie rufen bis heute an, würden Sie sagen Ja, selbstverständlich und ich bin auch sehr froh und dankbar wenn sie das machen aber, das ist ohne Fleiß kein Preis. Das ist so eine Geschichte Wir waren immer alle fleißig, wir haben es ja auch gesehen, dass von nichts kommt nichts.
Sie waren zunächst, sind sie in die Fußstapfen ihrer Eltern getreten, sie sind Metzger geworden, sind vor Ort geblieben. Dann sind sie in die Kommunalpolitik gekommen, schließlich in die Landespolitik, bis es zu der Wurstdose kam, die wir am Anfang angesprochen haben und sie dann doch für den Bundestag auch kandidiert haben.
Ihre große Schwester Gerda Hasselfeld war das schon lange, lange im Bundestag gewesen, auch für die CSU. Hat sie Ihnen damals Tipps gegeben für das Berliner Parkett oder für den Wahlkampf als große Schwester? Also die Gera war natürlich in vielen Dingen ein Stück weit auch ein Vorbild für mich. Also der Vater an die Gera.
Nein, sie hat mir relativ wenig Tipps gegeben. Also immer wenn ich gefragt habe, hat sie mir einen Tipp gegeben. Immer. Ich habe aber sehr selten gefragt. Ich war gestandener Bürgermeister und wahrscheinlich war ich auch nach dem Einzug im Bundestag der Abgeordnete, der am wenigsten bei ihr war. Gerda, du musst mir helfen. Das wollte ich gar nicht.
Ich gehe meinen eigenen Weg und ich schaffe das. Ich habe es auch geschafft, was aber auch schon bedeutet, klar, wenn die Schwester so lange dabei ist, so große Erfahrung hat, dass bei uns die Politik immer eine Rolle spielt. Wir sprechen, eigentlich, wenn ich mit der Gera spreche. Wahrscheinlich zu 75 Prozent über Politik.
Warum und weshalb ist das so? Und dann fragt sie mich wieder. Sie war ja jetzt lange Zeit noch im Deutschen Trockenkreuz an führender Stelle. Und man tauscht sich natürlich aus. Aber die Tipps, so wie ich es zu machen habe, die habe ich mir selten eingeholt. Das gab es mal. Aber echt selten, weil ich meinen eigenen Weg gehen wollte. Und das wusste sie auch sehr, sehr gut. Und sie weiß auch, wenn sie kommen würde und sagt, du, du, so kannst du das nicht machen, du musst das anders machen.
Dann hätte ich gesagt, okay, ich mache es trotzdem so, wie ich will. Gibt es Know-how als Metzger, das einem in der Politik nützt? Naja, mit Sicherheit. Also gerade in meinem Bereich, wenn man über Lebensmittel spricht, wenn man über KI in der Fleischbeschau spricht, dann schadet es nicht, wie man das einmal gesehen hat, wie das funktioniert.
Ich habe mir das erst angeschaut, also erst jetzt wieder neu. Und man muss in der Politik nicht über die Kunst des Wurstmachens was verstehen. Aber ich denke, dass gerade die Mischung im Deutschen Bundestag es macht. Der Metzger oder der Akademiker, der Maurermeister oder der Elektriker, wer auch immer.
Also genau die Mischung im Bundestag ist für mich so. Ich habe immer gesagt, wir brauchen eine bestimmte berufliche Mischung. Und der Bundestag sollte, wenn möglich, auch so ein breites Abbild der Bevölkerung sein. Aber es gibt den einen oder anderen Punkt, der durchaus nicht schadet. Wenn man den Beruf des Metzgerls erlernt hat und dann Minister für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat ist, dann passt das schon.
Sie haben über die Kunst des Wurstmachens gesprochen. Und gilt es dann auch im übertragenen Sinne. Wolfgang Schmidt, der Kanzleramtschef unter Olaf Scholz, der hätte immer gerne, wenn er so über die Schwierigkeiten des Politikmachens in der Ampel gesprochen hat, an ein Zitat erinnert, das dem früheren Reichskanzler Otto von Bismarck zugeschrieben wird.
Und das lautet, Gesetze sind wie Würste, man sollte besser nicht dabei sein, wenn sie gemacht werden. Hat er recht? Nein. Also erst einmal aus der Wurscht-Situation heraus, man kann da durchaus dabei sein, was da drin ist. Also ich habe Schulklassen bei mir im Betrieb gehabt. Ich habe jedem gezeigt, wie Lebergesse funktioniert, wie Weißwurst funktioniert.
Also da ist überhaupt kein Bereich, den man nicht sehen soll. Und beim Gesetze machen, da wäre es ja manchmal ganz gut, wenn viele dabei sind, wie lange es dauert, welche Herausforderung es ist, bis man zu einem Kompromiss kommt. Also dieses Zitat würde ich nicht unterstützen. Weder in der Wurstseite noch in der Gesetzesseite.
Ich glaube, Politik ist für mich auch die Kunst Kompromisse zu schaffen. Das ist so ein Thema. Wir müssen kompromissfähig sein. Wir müssen miteinander sprechen können. Das bedeutet für mich Politik. Herr Rainer, zum Abschluss. Gibt es eine, nicht eine schwerste Entscheidung, sondern eine Entscheidung, wo Sie rückblickend sagen, da habe ich richtig daneben gelegen und vielleicht konnten Sie auch drüber lachen.
Was richtige und falsche Entscheidungen, da gibt es mit Sicherheit viele, was das anbelangt. Aber wenn ich eine Anekdote erzählen darf, also ich war ja, Sie haben es angesprochen, Bürgermeister, 18 Jahre. Und in den ersten Jahren meines Bürgermeister-Daseins hat unser früherer Rektor in meiner Schule, Walter Ritschel, ein Buch über die Gemeinde Haibach-Elisabeths Zell vorgestellt.
Und ich habe da die Rede gehalten und wie heute schon immer versucht, so gut wie möglich frei zu sprechen, habe das auch gemacht. Und zum Schluss steht dann unten Walter Ritschel, Rektor AD. Und dann. Und ich habe dann gelesen, Walter Ritschl, unser Rektor. Und dann habe ich nicht mehr gewusst, was aus AD heißt. Und das war vor irgendwie 300 Leuten in einem großen Hotel bei mir.
Und ich habe das um Verrecken nicht rausgebracht. AD, dann habe ich in Rente, in Pension. Anstatt dass ich drauf kommen wäre das hätte aus der Dienst geheißen oder so, an das denke ich immer noch also das ist jetzt schon so lange her ich bin mit 31 Jahren Bürgermeister geworden und das war in meiner ersten Legislatur, ich vergesse es niemals weil da waren so viele Leute da ich bin da gestanden, wie ein begossener Pudel und ich brachte es einfach nicht raus ja, keiner hat gesagt das war schlimm auch unser Rektor nicht, Aber Entscheidungen gibt es mit Sicherheit genügend. Und, vor allem ist man im Nachgang immer klüger. Ist man immer klüger.
Herr Reiner, herzlichen Dank. Ja, sehr, sehr gerne. Hat mir große Freude gemacht. Wenn euch dieser Podcast gefallen hat, dann freuen wir uns, wenn ihr den Kanal abonniert. Meine schwerste Entscheidung findet ihr auf allen gängigen Streaming-Plattformen wie Spotify oder Apple Podcasts. Lasst uns gerne eine Bewertung da oder folgt uns.